Digitale Projekte sind notwendige Investitionen wie Maschinen

Die Chancen der Digitalisierung nutzen, aber den unverzichtbaren persönlichen Kontakt aufrechterhalten: So beschreibt Christian Jöst, Geschäftsführer der gleichnamigen Firma im Wald-Michelbacher Ortsteil, seinen Umgang mit den neuen Möglichkeiten. Die Wirtschaftsförderung Bergstraße (WFB) hatte in Zusammenarbeit mit der Zukunftsoffensive Überwald und dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Darmstadt Unternehmer aus dem Odenwald zur Infoveranstaltung eingeladen.

Bürgermeister Dr. Sascha Weber bezeichnete in seinen einleitenden Worten die Digitalisierung sowohl im täglichen Leben als auch für die Industrie wichtig. Mit dem leistungsfähigen Breitbandnetz sei die Gemeinde in Sachen Internet gut aufgestellt, sagte er. Bei der Firma Jöst sei die WFB-Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Roadshow – Ihr Weg zur Digitalisierung“ genau am richtigen Ort, denn der Betrieb sei sehr innovativ. Weber erhoffte sich, „dass wir den Odenwald gemeinsam voranbringen“.

In seinem kurzen Abriss der Firmengeschichte erläuterte der Geschäftsführer, dass der Betrieb mit seinen 56 Mitarbeitern in diesem Jahr voraussichtlich einen Umsatz von elf Millionen Euro erwirtschafte. 50 Prozent der Produktion gehen in den Export mit einem weltweiten Kundenstamm. „Der amerikanische Markt gestaltet sich schwierig“, fügte er aus aktuellen Anlass an. Jöst hat sich auf die Entwicklung, die Herstellung und den Vertrieb von Schleifmitteln und –systemen spezialisiert.

In den letzten Jahren, erklärte Christian Jöst, „gehen wir verstärkt in den Reinigungsbereich“. Seit drei Jahren wird eine eigene Maschine zum Schleifen und Reinigen produziert. „Der gigantische Vorteil“, schmunzelte er: „Die kann jeder bedienen.“ 95 Prozent der damit möglichen Arbeiten werden ohne Chemikalien durchgeführt. „Wir bekommen aus der ganzen Welt dafür Anfragen“, freute er sich. „Alles Made in Germany.“ Also langlebig, „aber man braucht viele Schleifmittel“, so Jöst augenzwinkernd.

Digitalisierung schön und gut, meinte er. Aber: Wenn Jöst vom Neckartal bis nach Affolterbach fährt, „ist zwischendurch fünfmal das Handy-Netz weg“. Vom Internet ganz zu schweigen. Hier sieht der Geschäftsführer Handlungsbedarf. Andere europäische Länder machen das selbst in der absoluten Pampa viel besser. Siehe Lappland. In der Einöde „gibt’s vollen Handyempfang und LTE-Netz“.

Auch in anderer Hinsicht ist er froh, nicht auf die Mobilfunk- und Internetriesen angewiesen zu sein. Jöst baut gerade im Gewerbegebiet Ober-Abtsteinach ein neues Vertriebs- und Versandzentrum auf 6400 Quadratmetern und will die beiden Standorte digital verbinden. Von der HSE bekommt er einen VDSL-Anschluss mit 250 Mbit für einen sehr guten Preis, führte er aus. Die Telekom könnte ihm nur 16 Mbit zu Mondpreisen anbieten.

Industrie 4.0, so Jöst, „macht bei unseren Produkten nicht viel Sinn“. Das sei eher etwas für die Großfirmen. Er beleuchtete auch die Nachteile: „Du musst echt aufpassen, was du machst“, wies der Geschäftsführer auf Hackerangriffe hin. Ein Betrieb, forderte er, „muss digitale Projekte ebenso als notwendige Investitionen ansehen wie Maschinen“. Etwa die Handscanner, in die Jöst 60.000 Euro investiert. Sie sind unverzichtbar für eine systematische Lagerhaltung.

Tobias Meudt vom Darmstädter Kompetenzzentrum wies auf verschiedene Möglichkeiten hin, wie sich traditionelle Betriebe im digitalen Zeitalter neu aufstellen können. Das reicht von der Möglichkeit, beim Metzger online den eigenen Rollbraten zu konfigurieren, über den Tischler, bei dem der Massivholztisch ganz nach den Wünschen des Kunden im Internet konzipiert werden kann, bis zum Allrounder, der kleineren Betrieben die tägliche Arbeit wie das Rechnungs- und Mahnwesen abnimmt.

Laut Meudt schwinden langsam die Vorbehalte der Firmen gegenüber der Digitalisierung. Als „größere Aufgabe“ bezeichnete er es, die kleinen Unternehmen auf diese Reise mitzunehmen. Das im April 2016 gegründete Kompetenzzentrum biete seine Leistungen kostenfrei an. Kann das in Darmstadt nicht weiterhelfen, gibt es den Kontakt zu 24 weiteren in Deutschland. Wie etwa beim Thema Handel, das aus der Runde nachgefragt wurde.

„Informieren, analysieren, qualifizieren, umsetzen“, beschrieb Meudt die Aufgaben. Man offeriere Schulungen in einer Lernfabrik, beschäftige sich mit den Themen IT-Sicherheit oder Prozessen und Unternehmen. Er stellte auch die „Wertstromanalyse“ vor, die Verschwendung in den Betrieben erkennen und beheben soll. Schlussworte sprach Marco Stibe, Projektleiter im WFB-Unternehmerservice.

Bild: Vor Ort in den Räumen der Jöst GmbH (v.l.): Sebastian Schröder, Geschäftsführer der Zukunftsoffensive Überwald GmbH, Tobias Meudt, Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Darmstadt, Bürgermeister Dr. Sascha Weber, Gemeinde Wald-Michelbach, Christian Jöst, Geschäftsführer der Jöst GmbH, Marco Stibe, Projektleiter im WFB-Unternehmerservice, und Andreas Furch, Projektmanager im WFB-Unternehmerservice, Kooperationsprojekt Neue Wege. – © WFB

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Herrliches Wetter sorgte für viele Gäste beim Regionalmarkt in Wald-Michelbach

Nicola, Violetta und Red Emaille: Das sind nicht drei neue Hoheiten aus dem Odenwald, die dem Regionalmarkt auf der Hofwiese ihre Aufwartung machten, sondern die drei Bio-Kartoffelsorten, die der Verein für ökologische Landwirtschaft Luna zum Verkosten dabei hatte. Zum ersten Mal waren die Mitglieder aus Affolterbach und Kocherbach dabei und durften sich über einen großen Zulauf freuen. Obst, Marmelade, Honig, Hausmacher, Blumengestecke, Messer, Spinnereien: Es gibt im Odenwald eine Vielzahl von Anbietern regionaler Produkte, die sich einem wachsenden Kreis von Interessierten präsentieren. Gerade um die Mittagszeit war das Gelände gut gefüllt.

Etwa 200 Obstbäume stehen im Überwald auf den von Luna bewirtschafteten Streuobstwiesen. Die sorgten in diesem Jahr für Äpfel ohne Ende, aus denen sehr zur Freude und unter Mitwirkung der Kinder frischer Apfelsaft gepresst wurde. Die Nicola-Sorte wurde für die wohlschmeckende Kartoffelsuppe verwendet, die bereits kurz nach dem Mittag ausverkauft war. Die drei angebauten Kartoffelsorten ließen sich abgekocht mit Dip oder Hausmacher verkosten.

Wem das alles schmeckte, durfte sich gleich bei Jürgen Klieber als Interessent für die Kartoffelernte des nächsten Jahres eintragen. Leider gab es durch die Trockenheit in diesem Jahr nicht so viele Kartoffeln, bedauerte Vorsitzender Gerhard Ader. Deshalb nutzte Luna den Regionalmarkt quasi auch gleich als „Kartoffelfest“, das 2017 Ende Oktober in Gras-Ellenbach gefeiert worden war.

Bei Birgit und Jörg Sprang aus Fränkisch-Crumbach drehte sich alles um die Wolle. Strick- und Häkelwaren, Trachtenkniestrümpfe, Hosenträger und Strumpfbänder, Socken und, und, und werden selbst hergestellt. Dazu führten beide auch die Arbeit mit dem Spinnrad vor. Dessen Reparatur haben die in Odenwälder Tracht gewandeten aus dem Gersprenztal ebenfalls im Angebot. Alle 14 Tage gibt es mittwochs in der Gaderner Jägerslust einen Handarbeits- und Spinnnachmittag, zu dem sich ab 15 Uhr die „Strickmädels“ treffen. „Es kann kommen, wer möchte“, ist der Kreis für alle offen, betonte Birgit Sprang.

Wieder dabei: Isabelle und Willi Baumann von der gleichnamigen Lebkuchenbäckerei in Reichelsheim-Beerfurth. Süße weihnachtliche Gaumenfreuden wie Magenbrot, Spritzgebäck, Makronen und natürlich – als Renner – Lebkuchen in verschiedensten Variationen gehören zum Sortiment. Bei knapp 20 Grad war zwar noch schlecht vorstellbar, dass Weihnachten in zwei Monaten ist. Aber die Waren der Baumanns schmecken zu jeder Jahreszeit.

Im heimischen Betrieb fängt jetzt die Arbeit so richtig. Bis zum Erbacher Bauernmarkt vor zwei Wochen wurde nur vormittags produziert, jetzt wird der 70 Jahre alte Ofen auch von 13 bis 17 Uhr befüllt. In der heißen kalten Jahreszeit ab Ende November geht es dann sogar abends von 19 bis 22 Uhr weiter, erzählt Willi Baumann junior, der den Betrieb vor vier Jahren vom Vater übernahm. Denn dann wollen die Großabnehmer bedient werden, die mit den Baumann-Lebkuchen den Frankfurter oder Darmstädter Weihnachtsmarkt bestücken.

Die Familie Marquardt aus Ober-Osten bietet aus eigener Herstellung alles von süß bis deftig an. Kochkäse, Eier, Knacker, Marmelade, Hausmacher Wurst: Der Vielfalt waren keine Grenzen gesetzt. Nur die Kürbisse fehlten dieses Mal. „Die sind uns auf 1,2 Hektar wegen der Trockenheit alle vertrocknet“, bedauert Wilfried Marquart. Ähnlich breit das Sortiment der Gärtners aus Erlenbach. Die Vollerwerbslandwirte sind auch viel im Bergtierpark anzutreffen. Nüsse und frischer Apfelsaft gab’s hier zusätzlich im Angebot.

Gleich nebenan hatte Doris Johann aus Kreidach eine bunte Palette ihrer Heimarbeit auf den Tisch gezaubert. Hausgemachte Marmeladen und Gelees luden zum Probieren ein. Honig in allen Facetten gab’s bei der Imkerei Schürmann aus Wald-Michelbach. Die teilte sich als Vertreter vom Stallenkandel den Stand mit Familie Jöst vom Bergblick, die Fleisch selbst räuchert und Wurst daraus macht.

„Orient küsst Odenwald“ hat Azadeh Seip ihre leckeren Kreationen genannt. Die in Falken-Gesäß verheiratete Perserin lebt ihre Konditorenkunst in den Brotaufstrichen und Soßenzutaten aus. Sie verwendet dazu unter anderem den Honig von Ulrike Klein aus Ludwigsdorf, den diese gleich nebenan anbot. „Die Idee gibt es seit einem Jahr, jetzt starten wir durch“, sagt sie. Ein Bauwagen soll zu einer Backstube ausgebaut werden. „So regional wie möglich“ sind die Zutaten. Ihren Karamell-Aufstrich hat sie etwa ohne Zucker entwickelt. Stattdessen sorgt Honig für die Süße. Dazu kommen Sahne, Butter, Salz, Zimt und Stärke. Wenn Chili Verwendung findet, dann entsteht daraus „eine deftige Soße mit für Fleisch“.

Mit Floristik war Petra Thullen aus Wald-Michelbach vertreten. Messermacher Otto Morr aus Wald-Michelbach hatte vom kleinen Küchenmesser bis hin zum großen Hirschfänger alles dabei. Er fertigt sowohl Griffe als auch Stahl in Handarbeit. Verschiedene Hölzer und Gehörne kommen dabei zum Einsatz. Gebrauchsmesser, Outdoor-Artikel oder Jagdmesser für Jäger, Angler und Waldläufer – Morr hat für alle die entsprechende Klinge im Sortiment. Neben gab’s noch Lavendelherzen und Gewürzsalze zu erstehen – viele Besucher machten sich reich beladen auf den Heimweg.

Das Ambiente auf der Hofwiese „macht was her“, meinte ZKÜ-Geschäftsführer Sebastian Schröder. Für den Regionalmarkt, der traditionell immer Mitte Oktober stattfindet, ein guter Standort, der in der fünften Auflage für wieder mehr Besucher als im vergangenen Jahr sorgte. Dazu trug auch das herrliche Wetter bei, bei dem zur Mittagszeit ein regelrechter „Run“ auf die Stände herrschte. Dazu kamen auch fast doppelt so viele Aussteller.

Verschiedene Anbieter boten selbst Hergestelltes und Gefertigtes an. Zukunftsoffensive (ZKÜ), Wirtschaftsvereinigung (WVÜ) und Überwälder Museums- und Kulturverein luden die Besucher ein, Kulinarisches und Kultur zu verbinden und zu genießen. „Die Sitzgarnituren waren um die Mittagszeit alle belegt“, freute sich Schröder. Der gleichzeitig standfindende Backtag tat ein Übriges, dass teilweise viel Andrang herrschte.

Die Begrüßung der Gäste nahmen neben Schröder Bürgermeister Dr. Sascha Weber und Apfelhoheit Melanie vor. Sie kümmerten sich auch um die Ziehung der Sommerlos-Gewinner. Bei der anschließenden Neubürgerführung mit Theo Reichert waren um die 20 Personen dabei. Diese wurde auch gleich als eine Art Bürgersprechstunde mit dem Rathauschef genutzt. Judy Jensen trat später noch mit akustischen Pop-Rock-Nummern auf.

 

Sommerlos-Aktion wird es auch 2016 geben: September- und Hauptpreis-Auslosung im Rahmen des Wald-Michelbacher Regionalmarkts

„Auch im Sommer 2016 wird es eine Sommerlos-Aktion geben“, weiß Sebastian Schröder heute schon. Die Resonanz im ersten Jahr bewertete der ZKÜ-Geschäftsführer als gut. 8000 Lose in Form von Bierdeckeln seien ausgegeben worden. Im Rahmen des Regionalmarktes fand die September- und gleichzeitig Hauptpreis-Auslosung statt. Dazu waren auch die Odenwälder Apfelkönigin Fabienne und ihre Prinzessin Melanie in den Überwald gekommen.

„Drei Monate lief die Aktion von Wirtschaftsvereinigung und ZKÜ“, so Schröder. 34 Betriebe aus allen drei Orten, neben Wald-Michelbach auch Grasellenbach und Abtsteinach, hätten teilgenommen. „Es steckte viel Organisation und Arbeit dahinter.“ Jeden Monat seien fünf Gewinner gezogen worden. Die meisten Teilnehmer kamen aus der näheren Region, aber bei der September-Ziehung sei sogar ein Los aus Saalfeld dabei gewesen – „sicher ein Tourist“, vermutete Schröder.

Fürs kommende Jahr gibt es bereits Überlegungen, die im Rahmen der Sommerlos-Aktion verwendete Farbe hellgrün mehr ins Straßenbild einzubringen. Dies könnte etwa in zentralen Bereichen der drei Überwald-Gemeinden erfolgen, sagte Schröder. „Damit stärker wahrnehmbar ist, was wir hier durchführen.“

Folgende September-Preise wurden von den beiden Apfelhoheiten zusammen mit Heinz Fischer von der Wirtschaftsvereinigung Überwald und Sebastian Schröder ausgelost: An Reimund Meffert aus Saalfeld ging ein Gutschein der Odenwälder Zeitung. Andreas Kaldschmidt aus Neckarsteinach kann sich über einen ebensolchen der Metzgerei Kumpf freuen. Mona Jäger, Wald-Michelbach, erhielt einen Gutschein der „Pusteblume“, an Helen Sattler, Grasellenbach, ging einer von den „Odenwälder Feinen Bränden“. Gisela Jöst, Birkenau, erhielt ein Kochset mit Buch von der Sparkasse. Den Hauptpreis, einen Reisegutschein über 400 Euro von Siefert Reisen, gewann Soner Bicer aus Wald-Michelbach. Die Gewinner bekommen ihre Preise zugestellt.

„Wir sind Wahlen“ sorgt für neue Ruhebank auf dem alten Bahnhofsgelände

Rechtzeitig zur Wählemer Kerwe am kommenden Wochenende ist eine neue Sitzmöglichkeit auf dem Gelände des ehemaligen Bahnhofs nutzbar. Bei der Einweihung der Ruhebank wurde deshalb unter den Teilnehmern auch kräftig geflachst, in welcher Form sie die Kerwebesucher am ehesten in Anspruch nehmen würden: sitzend oder liegend. Auf Initiative der Gruppe „Wir sind Wahlen“ wurde jetzt auf der Wiese gegenüber dem Spielplatz eine von Sebastian Michel gestaltete Sitzbank aufgestellt.

Eine „super Sache“ sei dieses Projekt der örtlichen Gemeinschaft, sagte Bürgermeister Markus Röth bei der Einweihung. Bänke seien im Zeitalter der Krise besonders wichtig, nahm er schmunzelnd Bezug auf Michels „Bankenkrise im Überwald“, mit der dieser vor drei Jahren seine damalige Bachelor-Arbeit überschrieben hatte – und aus der dieses Jahr ein „sitzbares“ Ergebnis entstanden ist.

In Zusammenarbeit von Gemeinde, Geopark, Zukunftsinitiative Überwald und „Wir sind Wahlen“ sei die Vorarbeitet geleitet worden inklusive Ortsbestimmung und Fundament-Herstellung, sodass die Bank rechtzeitig vor der Kerwe aufgestellt werden konnte. „Ich hoffe auf viele Bankbenutzer“, drückte Röth seine Hoffnung auf zahlreiche Inbesitznahme aus.

Laut dem Bürgermeister ist die „Musterbank“ ideal, „um Ausschau halten zu können“. Er hoffe, dass sie nicht die einzige im Ort bleibe. Seinen „herzlichen Dank“ sprach er den ehrenamtlichen Tätigen der Initiative aus. Wie sich „Wir sind Wahlen“ in den Dienst der Allgemeinheit stelle, habe Vorbildcharakter auch für andere Ortsteile. Röth wünschte sich, „dass die neue Bank unbeschadet alle Krisen übersteht“.

Bernd Daub von „Wir sind Wahlen“ bezeichnete die jetzige Aktion als einen „kleinen Mosaikstein“ im großen Ganzen. Bisher habe man bereits Wasserspielfläche, Spielplatz, Kneipp-Tretanlage und Bachlauf-Pfad gemeinsam angelegt. Alles zusammen diene der Verschönerung und Attraktivitätssteigerung des Ortes. Im Einklang mit der Natur sei es das Ziel der Initiative, auf dem Gelände des alten Bahnhofs „eine Begegnungsstätte für Jung und Alt zu schaffen“.

Als Platz für Ruhesuchende charakterisierte Daub den am Ulfenbach angelegten Weg bis hin zur Brücke. Hier habe man „für Fauna und Flora etwas getan“. Reisig- und Steinhaufen böten Platz für Kleintiere. An der Einmündung von Schar- und Ulfenbach wurden außerdem weitere Bankgarnituren aufgestellt. Es gehe darum, „den Freizeitwert für alle, egal ob Einheimische oder Auswärtige, zu erhöhen“.

Im nächsten Schritt, skizzierte Daub, solle auf dem Gelände eine überdachte Radler-Infostation mit Grillplatz entstehen. Als Besonderheiten sei eine „Tankstelle“ für E-Bikes und Rollstuhlfahrer vorgesehen, außerdem ein behindertengerechtes WC. Aktuell warte man auf weitere Zuschussmittel, um in spe auch den Ausbau der Kleinminigolfanlage vorantreiben zu können. Der im Frühjahr von „Wir sind Wahlen“-Mitgliedern umgestaltete und aufgefrischte Spielplatz gleich auf der anderen Bachseite wird Daubs Beobachtungen zufolge „stark frequentiert“.

„Alle sind mit Freude dabei“, ist laut Daub eines der Erfolgsgeheimnisse der Initiative. „Die Bank soll kein Einzelstück bleiben“, versprach er. Wenn es an die Gestaltung des Grillplatzes gehe, wolle man ebenfalls wieder auf die von Sebastian Michel gestalteten Unikate zurückgreifen. Gleichzeitig soll unter Rückgriff auf das von Michel konzipierte GPS-System festgestellt werden, ob die Bänke auf der Gemarkung an der jeweiligen Stelle noch Sinn machten.

Zwischen 60 und 80 Personen sind bei „Wir sind Wahlen“ dabei. Projektbezogen könnten sich immer Aktive melden. Seit 2011 ist die Initiative „im Einsatz“. Die Kerngruppe ist „sehr innovativ und kreativ“, umschreibt Karin Hartmann, dass die neuen Ideen nicht ausgehen. Die eher Kleinprojekt-bezogene Arbeit wertete sie besser als eine große Sache, die dann irgendwann passé sei. „Mit wenig Geld ist man immer wieder auf der Suche nach neuen Sponsoren“, so Hartmann. Gleichzeitig könne sich jeder je nach Zeit, Interesse und Kenntnissen jeweils punktuell einbringen. „Eine Unverbindlichkeit in sehr positivem Sinn“, so die Gemeindevertreter-Vorsitzende, die auch selbst mit anpackt.

Auf der Kreidacher Höhe wurde Anfang Juli die erste von Sebastian Michels Bänken eingeweiht. Nach der in Wahlen ist noch eine weitere in Abtsteinach am Kunstweg geplant. Ziel sei es aber auch, die Sitzgelegenheiten in spe ebenfalls für Privatleute anzubieten, die sie sich im eigenen Garten aufstellen wollen, sagte Michel.

Weitere Ruhebänke könnten folgen, wenn sich Paten für sie fänden, so Michel. Die wären dann zum einen gefordert, die Kostendifferenz zu einer „normalen“ Ruhebank auszugleichen und diese in spe zu pflegen, bekämen zum anderen dann aber ein Zertifikat mit ihrem Namen angebracht (wie es in Wahlen auch der Fall war). GPS-Koordinaten und ein QR-Code mit Infos über die jeweilige Region seien ebenfalls angedacht.

Wichtig ist dem Studenten der ökologische und regionale Aspekt. Für die Sitzflächen nimmt Michel Douglasienholz, für die Blöcke Eiche. Idealerweise, sagt er, „soll die Bank dort stehen, wo in der Nähe der Baum geschlagen wurde“. Auch Sägewerk, Schreinerei und Schlosserei, die an der Herstellung beteiligt sind, befinden sich seinen Worten zufolge im Überwald.

140 Jahre MGV Unterschönmattenwag: Ruckzuck stand das große Festzelt

„Schon 60 Chöre wären eine stolze Zahl gewesen, jetzt sind es sogar 85“, ist MGV-Vorsitzender Christian Jöst mehr als positiv überrascht von der Resonanz auf die Ausschreibung anlässlich des 140. MGV-Jubiläums vom 12. bis 14. Juni. Viele Sängerinnen und Sänger wollen auch gemütlich beisammen sitzen: Die MGV-Mitglieder begannen schon jetzt mit dem Aufbau des 75 Meter langen und 15 Meter breiten, 1500 Besucher fassenden Zeltes auf dem oberen Parkplatz am Haus des Gastes.

Bereits vor eineinhalb Jahren, Anfang 2014, starteten die Jubiläumsplanungen, sagt Norbert Arnold vom Festausschuss. Die verliefen ohne Rückschläge, „es gab nur positive Erlebnisse“. Im Oktober durften sich dann die Chöre anmelden. Dass es so viele wurden, führt Arnold auch auf den guten Ruf zurück, den sich der MGV in den vergangenen Jahren erworben habe. „Wir sind als starker Chor bekannt“, erläutert er, der fürs Singen gerne „weite Wege auf sich nimmt“.

Gegen 8 Uhr starteten die knapp 30 Helfer am Samstag mit dem Aufbau, um die Mittagszeit standen bereits die geplanten 60 von 75 Metern Zeltlänge. Der Rest soll am kommenden Montag noch angebaut werden. Da die Metallfüße bereits ein paar Tage zuvor aufgestellt worden waren, ging die eigentliche Arbeit etwas schneller, so Jöst. Die Seitenteile wurden zusammengesteckt und in die Höhe gestemmt, die Plane wurde auf einer Seite eingefädelt und dann von sechs Mann über die Dachstangen gezogen. Danach legte man auf dem Boden die Paletten für Küchen- und Cafeteria-Bereich aus.

Doch damit ist die Arbeit noch lange nicht getan. Ab heute treffen sich laut Jöst die Helfer jeden Tag um 17 Uhr, um etwa die Küchenelemente aufzustellen und den Ausschankbereich vorzubereiten. Dazu werden 150 Meter Starkstromkabel vom Haus des Gastes her gelegt. „Wir kratzen damit an der Maximalleistung“, sagt Norbert Arnold. Denn die Versorgung der 1500 Gäste im Zelt und von einigen mehr außerhalb im Weindorfbereich will gewährleistet sein. Für alle erwarteten Besucher werden um die 150 Bierbankgarnituren aufgestellt.

„Die Vorbereitungen liefen problemlos“, freut sich Arnold, auch der Zeltaufbau „klappte reibungslos“. Kommenden Samstag geht es auf dem unteren Parkplatz weiter, werden dort Kühl- und Bierwagen aufgestellt. In den letzten Tagen vor dem großen Ereignis stehen Dekoration von Haus des Gastes und katholischer Kirche sowie Einrichtung des Festbüros an.

Parallel laufen die Park-Ausschilderungen für die erwarteten 4000 Besucher (3000 Chorsängerinnen und -sänger, dazu deren Anhang und weitere Musikinteressierte). Oberhalb vom Haus des Gastes wird auf der Wiese ein großer Pkw-Parkplatz angelegt, dazu können die Kerweplätze in Unter- und Ober-Schönmattenwag genutzt werden. Busse „spucken“ ihre singende Besatzung aus und werden dann nach Wald-Michelbach zum Parken weitergeschickt.

Norbert Arnold hebt daneben die große Unterstützung für den MGV von allen Seiten hervor. Sei es seitens der Gemeinde, aber auch von befreundeten Vereinen, Feuerwehr, Kirche oder Schule durch die Bereitstellung von Einsingräumen. Gleichzeitig „revanchiere“ sich der MGV, indem er für die ZKÜ Überwald-Werbematerial unter die von weither angereisten Gastsänger bringe.

Denn die kommen nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern aus dem gesamten südwestdeutschen Raum von Karlsruhe bis Gießen. Den weitesten Weg nehmen drei Chöre aus dem Siegerland auf sich. Genau vielschichtig wie deren Herkunftsort ist auch ihre Größe. Das können fünf Sänger sein wie beim Männerquintett „Handvoll“ oder stolze 80 wie bei der Harmonie Lindenholzhausen.   (OZ-Bild: Reimer)

Info: www.mgv-unterschoenmattenwag.eu

Kreis Bergstraße: Wandern ist das touristische Thema Nummer 1

Das Wetter meinte es gut mit den Wanderern, Walkern und Mountainbikern: Es präsentierte sich zwar zum Start gestern Morgen noch grau in grau, doch eine halbe Stunde später lockerte der Himmel auf, die Sonne kam raus. Kurzum: bestes Wanderwetter, „ohne die Gefahr, sich einen Sonnenbrand zu holen“, wie Landrat Matthias Wilkes in seiner Begrüßung sagte. Er war neben Bürgermeister Markus Röth zur Begrüßung vor Ort, weil zusätzlich zum 8. Aktiv- und Walkingtag der Gemeinde der Kreiswandertag wieder im Überwald stattfand.

Der Startzeitpunkt Sonntag morgens um 9 Uhr „spricht die wirklichen Wanderer an“, meinte Wilkes schmunzelnd. Der Kreiswandertag unter dem Motto „Wandervolles NibelungenLand“ finde heuer zum achten Mal statt. Entstanden sei er auf Anregung des Odenwaldklubs, um die unterschiedlichen Regionen des Kreises besser kennenlernen – oder auch erwandern – zu können. Vergangenes Jahr war Lampertheim im Ried Ausrichter, so der Landrat. 2013 konnte in Abtsteinach gewandert werden.

„Wandern ist trotz vieler neuer Errungenschaften das touristische Thema Nummer 1“, betonte Wilkes. Zwei Drittel der Besucher von auswärts kämen deshalb an die Bergstraße und in den Odenwald. Dass man mit den hiesigen Wegen wuchern könne, beweise nicht zuletzt die kürzliche Auszeichnung für den Nibelungensteig mit seinen 124 Kilometern und 4000 Höhenmetern als beliebtesten Wanderweg Hessens.

Aber auch der vor kurzem eröffnete Solardraisinenweg trage diesem Freizeitvergnügen Rechnung. Auf dieser anspruchsvollen Strecke seien zwischen Mörlenbach und Wald-Michelbach auf 13 Kilometern 660 Höhenmeter zu überwinden. „Ein wunderbares Tagesprogramm“, so Wilkes. Wer eine Strecke davon mit der Solardraisine zurücklegen wolle, sollte sich besser die Wochentage heraussuchen, empfahl er. Denn die Wochenenden seien in dieser Saison fast schon ausgebucht, insgesamt bereits 24.000 Fahrten für 2015 verkauft.

Bürgermeister Markus Röth hatte in seiner Begrüßung den in der Vorbereitung Tätigen gedankt, die Arbeit der Grasellenbacher Vereine herausgestellt und das Programm des Tages vorgestellt. 15,7 Kilometer umfasste die längere Strecke als „Erlebnis-Wanderweg“. Sie führte Richtung Norden, vorbei an Wegscheide und Weschnitz. Bei der kürzeren Route „Über den Hammelberg ins Gassbachtal“ waren 7,5 Kilometer nordwestlich des Ortes zu bewältigen. Beide geführten Wanderungen fanden unter der Regie des OWK Grasellenbach statt.

Das Warm-up für die Walkinggruppen übernahm vor der Nibelungenhalle Waltraud Wagner. Karin Schmidt, Leni Bickel, Marion Koch und Amanda Volk führten die Walker südlich von Gras-Ellenbach an Wahlen, Affolterbach und Scharbach vorbei. Zwei Strecken über zehn und 15 Kilometer standen hier zur Auswahl. Die Mountainbiker machten sich unter der Leitung von Peter Bauer vom Verkehrsverein auf eine etwa 40 Kilometer lange Tour. Gesundheitsberaterin Monika Roth führte am späteren Vormittag eine Kneipp-Gesundheitswanderung mit Lach-Yoga durch.

Viele Organisatoren waren gestern mit im Boot: so für den Kreiswandertag die Tourismusagentur der Wirtschaftsförderung Bergstraße und die Sparkassenstiftung, für den Aktiv- und Walkingtag neben der Gemeinde der Kneipp-, Kur- und Verkehrsverein (KKVV), der TSV 09, die Zukunftsoffensive Überwald (ZKÜ) sowie als Sponsoren der kostenlosen Wasser- und Obstration für Wanderer und Walker die Odenwald-Quelle und Edeka Schmitt in Wald-Michelbach.

„Wir helfen bei Vorarbeit und Organisation“, so Sebastian Schröder von der ZKÜ, „kümmern uns um Bühne, Sponsorenakquise und Öffentlichkeitsarbeit“. Seitens des KKVV „haben wir im Vorfeld rund um die Nibelungenhalle sauber gemacht und aufgeräumt“, so der Vorsitzende Gerald Kessler. Etwa 20 Helfer von den Ortsvereinen, aber auch Privatpersonen, waren im Einsatz. Der Gemeinde-Bauhof habe das Umfeld gemäht. Mit den teilnehmenden Vereinen sei alles im Vorfeld abgestimmt worden, erläuterte Kessler. Die Strecken für die Walker wurden markiert, „es wurde vorher Probe gelaufen“.

Über 50 Wanderer beobachten Schröder und Kessler, dazu etwa 20 Walker. Und „ganz erfreulich“, um die 15 Mountainbiker. Die Zahl der Walking-Teilnehmer habe sich allerdings stetig zurückentwickelt, sagte Kessler. „Früher hatten wir einmal über 200“, ergänzte Schröder. Vor drei Jahren habe man deshalb den Zusatz „Aktivtag“ mit aufgenommen, um weitere Sportarten präsentieren zu können. Diese Sparte sei aber heuer wegen der Ausrichtung des Kreiswandertags in den Hintergrund getreten.

Kurz nach dem Jahresanfang begannen laut Kessler die Vorbereitungen für die Veranstaltung. Der „harte Kern“ aus KKVV und OWK gehe dann an die Abstimmung mit den anderen Vereinen und den Ausstellern, es gelte, das Rahmenprogramm zu organisieren. Wie etwa in diesem Jahr durch die Blasmusik Unter-Schönmattenwag, die über Mittag mit schmissigen Weise für gute Stimmung sorgte. Die Musiker sind im Ort keine Unbekannten, spielten sie doch schon an Ostern ein Kurkonzert und sind auch wieder an Pfingsten zu hören.

Auf der einen Seite des Platzes die kulinarische Verführung, auf der anderen die Möglichkeit, kalorienreiche Ausrutscher gleich wieder wettzumachen. Für Wanderer, Walker und Mountainbiker war in punkto Verpflegung am Zielpunkt neben der Nibelungenhalle reichlich gesorgt. Die Ortsvereine kümmerten sich um die Bewirtung der Gäste. Wer danach ein schlechtes Gewissen hatte, die gerade abgewanderten Pfunde schon wieder draufgefuttert zu haben, der konnte sie am Nachmittag gleich wieder abtrainieren.

Nach der Rückkehr der Teilnehmer füllte sich der Platz zusehends. Um die Mittagszeit, zum Konzert der Blasmusik Unter-Schönmattenwag, waren alle Tische und Bänke besetzt. Das zunehmend sonnige und wärmere Wetter trug seinen Teil dazu bei, dass sich auch aus dem Ort immer mehr Gäste einfanden. „Es hat sich gut entwickelt, wir sind zufrieden“, meinte Gerald Kessler vom Verkehrsverein.

Ihr neues Outdoor Fitness Camp stellten Manuela Reubold und Rebecca Leutgeb aus Wald-Michelbach vor. Es findet ab Juni sechs Wochen lang im Elchpark statt, dient dem Muskelaufbau und bietet als Koordinationstraining „mit viel Spaß“. Manuela Reubold führte aber auch das „Bodywork Slingtraining“ vor, ein neuartiges Ganzkörpertraining, bei dem mit Hilfe eines elastischen Seilsystems und dem eigenen Körpergewicht Kraft, Koordination, Ausdauer, Beweglichkeit und Rumpfstabilität trainiert werden. Auch andere Möglichkeiten, für die eigene Fitness zu sorgen, demonstrierte sie immer mal wieder zwischendurch.

Zumba ist derzeit im Trend. Der ZCLub Schmitt aus Fürth präsentierte am Nachmittag eine große Zumba-Show zum Mitmachen vor der Bühne. Zumba kombiniert Aerobic mit lateinamerikanischen sowie internationalen Tänzen. Im Gegensatz zum klassischen Aerobic gibt es keinen pausenlos durchgehenden Beat und die Bewegungen sind nicht standardisiert. Stattdessen erhält jedes Lied passend zu seiner Charakteristik und zum Tanzstil eine eigene Choreografie.

Der DRK-Ortsverband machte in seiner Vorführung mit der Arbeit des Bereitschaftsdienstes vertraut. Nach einem simulierten Radunfall kamen die „First Responder“ zum Einsatz, die vor Ort bis zum Eintreffen des Rettungswagens die Erstversorgung übernehmen. Es wurde daneben demonstriert, wie die Übergabe des Verletzten an die RTW-Mannschaft erfolgte und dieser auf einer Trage in den Krankenwagen verfrachtet wurde.

Das Fahrzeug wurde dem örtlichen DRK vom Kreisverband zur Verfügung gestellt, besetzt war es mit eigenen Kräften, so der stellvertretende Bereitschaftsleiter Michael Fischer. Gleichzeitig stellte der Ortsverein ein neues Projekt vor, die „Betreuer vor Ort“ (BvO). Am ehesten lassen sich diese mit Notfall-Seelsorgern vergleichen, wie sie auch bei Katastrophen zum Einsatz kommen. Es gehe darum, erläuterte Fischer, auch die Angehörigen von Unfallopfern nicht allein zu lassen.

Das DRK Hammelbach ist seinen Worten zufolge einer von drei Ortsverbänden im Kreis Bergstraße und der einzige im Überwald, der an diesem Pilotprojekt teilnimmt. 30 Schulungsstunden habe jeder Teilnehmer seit Januar absolviert, auch zum Thema psychisch-soziale Notfallversorgung. Denn wichtig sei es nicht nur, Mitmenschen helfen zu können, sondern auch selbst mit der belastenden Situation fertig zu werden.

Die Brennerei im Überwald hielt an ihrem Stand allerlei Hochprozentiges parat, entweder in der Form von Schnäpsen und Likören (Birnenwein, Topinambur, Wanderers Wehzehrung, Ourewäller Gold oder Rotkäppchens Traum) oder als Pralinen mit entsprechender Füllung. Gleichzeitig wies Familie Gehrig auch auf das Hoffest der „Odenwälder Feinen Brände“ am 31. Mai hin. (OZ-Bild: Scheuber)

Wie erreicht die Kultur aus dem Überwald die Rheinebene?

„Wie definieren wir Kultur?“ Und: „Wie transportieren wir unsere kulturellen Veranstaltungen über den Überwald hinaus?“ Zwei Fragen, mit denen sich die Teilnehmer am dritten Kulturforum beschäftigten. In „Gelis Bistro“ am Bahnhof Wald-Michelbach traf man sich, um darüber zu diskutieren, wie für die kulturellen Aktivitäten vor Ort mehr Interessenten erreicht werden können. Relativ schnell kristallisierte sich heraus, dass der beste Weg hierzu eine eigene Publikation in welcher Form auch immer sein könnte.

Die Frage, ob „Kerwen“ als kulturelle Veranstaltung in die Arbeiten des Kulturforums aufgenommen werden sollten, wurde laut Schröder beim vorherigen Treffen länger diskutiert. Eine Mehrheit habe sich dafür ausgesprochen, diese Angebote bei einer Kulturentwicklungsplanung auszuklammern. Es sollten solche Angebote im Kulturforum aufgegriffen werden, die sich in Art und Weise von anderen abhöben und einen besonderen Charakter aufwiesen.

Um die Auswahl der über das Kulturforum unterstützten Kulturangebote im Überwald weiter zu filtern, wurde letztes Mal die Einrichtung von Untergruppen besprochen. Eine Gruppe soll sich mit der Auswahl von Angeboten im Bereich „Einrichtungen und Bauwerke“ und eine andere mit „Persönlichkeiten, Vereinen und Soziales“ beschäftigen. Beide sollen bestimmen, welche Angebote aus den genannten Schwerpunkten in eine Vermarktung über das Kulturforum gelangen.

Das Thema solle gemeinsam angegangen werden, ohne dabei das Ziel aus den Augen zu verlieren, sagte ZKÜ-Geschäftsführer Sebastian Schröder zu Beginn des jetzigen Treffens. Ähnlich äußerte sich auch Jürgen Flügge vom Trommer Hoftheater als Initiator eines Kulturentwicklungsplans. Es gelte zu klären, was man vorantreiben wolle. Den großen Rahmen dürfe man dabei nicht außer Acht lassen. Aus der Bestandsaufnahme heraus solle die Marschrichtung entstehen, wo man hinwolle.

Es gehe darum, so Flügge, in einer ländlichen Region zu zeigen, wie ein gut gemachtes Kulturprogramm mit den entsprechenden Inhalten als Heft aussehen könne. Allerdings benötige es für eine solche Publikation auf einem guten Niveau auch Partner, betonte er. Er habe deshalb bereits den Kontakt zu einem Stadtmagazin aus Darmstadt gesucht. Flügge ist ein hoher Informationsgehalt wichtig. Außerdem müsse die Überlegung vorgeschaltet sein, was in einen solchen Kulturflyer mit aufgenommen werde, wie weit der Begriff Kultur gefasst, wie er definiert werde, sagte er.

Dass dies dann auch den „Charakter eines Magazins“ hätte, wie Schröder einwarf, bestätigte Flügge. Ihm gehe es nicht um einen reinen Veranstaltungskalender. Dem Theaterwissenschaftler schwebt ein „wertiges“ Produkt vor, irgendwo in der Mitte zwischen einem Hochglanzmagazin und einer Anzeigenzeitung angesiedelt. Darin könne man auch die Kulturschaffenden der Region präsentieren.

Sebastian Schröder merkte an, dass man beim vergangenen Kulturforum übereingekommen sei, „nicht auf Masse zu gehen“, sondern unter anderem auch einzelne Akteure in den Vordergrund zu rücken. Auch hatte er Bedenken, zu viele Termine mit in eine Publikation zu packen. In Sachen Veranstaltungskalender hatte Theo Reichert eine Anregung. Die Bergstraße gebe einen Mini-Flyer im DIN-A-7-Format heraus, „der auf Messen einen reißenden Absatz findet“. Gundolf Reh wies auf ein entsprechendes Produkt im Heidelberger Raum hin, das alle zwei bis drei Monate erscheine.

Regionale Kunst und Kultur hätten mehr Aufmerksamkeit verdient, betonte Jürgen Flügge. Es gehe darum, wie man die Kultur im Überwald weiter voranbringen könne. Für ihn gehöre vom Kirchenkonzert bis hin zur Rockmusik alles dazu. Laut Schröder sollen die regionalen Ereignisse über den eigentlichen Bereich hinaus transportiert werden, um auch Interessenten etwa in Mannheim oder Darmstadt zu erreichen.

Bürger sollten als Partner der Kultur gesehen werden, nicht nur als Nutzer, so Flügge. Förderung solle dort ansetzen, wo es sonst Künstlern schwierig sei, ein größeres Publikum zu erreichen. Es gelte zu überlegen, für welche Projekte man Fördergelder aus welchen Töpfen akquirieren könne. Eine Kooperation von Kultur und Wirtschaft sei wünschenswert. Auch den Aufbau eines regionalen Kulturmanagements analog der Wirtschaftsförderung konnte er sich vorstellen.

Es gelte, einen professionellen Partner mit ins Boot zu holen, der in Zusammenarbeit mit dem Kulturforum entsprechende Angebote erstelle, so Schröder zusammenfassend. Flügge will in dieser Sache nun beim genannten Stadtmagazin vorfühlen, Schröder bei den lokalen Medien eruieren, inwieweit die Überwälder Kultur auch überregional publik gemacht werden könne.

Schröder wies daneben darauf hin, dass das ZKÜ „keine Kulturförderstelle“ sei. Der inhaltliche Impuls müsse von den Kulturschaffenden ausgehen. Das Kulturforum stehe allen offen. „Jeder, der mitarbeiten will, kann einsteigen“, sagte Schröder. Man verstehe sich als offener Arbeitskreis. Veranstalter, die eine Aufnahme eigener Projekte wünschten, könnten sich einbringen. „Wir wollen was draus machen, was Bürgern und Auswärtigen präsentiert werden kann“, so sein Resümee