Wirtschaftsförderung will Home Office im Odenwald vorantreiben

Die Attraktivität des Odenwaldes als Wirtschafts- und Arbeitsstandort steigern: Dafür steht das Projekt „HO² – Home Office Odenwald“. Die Wirtschaftsförderung Bergstraße (WfB) übernimmt die Realisierung im Kreis Bergstraße. Weiter sind als Partner die Entega Medianet für die technische Umsetzung und einem e-Carsharing-Modell sowie die Odenwald-Regional-Gesellschaft (OREG) für den Odenwaldkreis mit im Boot.

Mit der jetzigen Veranstaltung im Adam-Schmitt-Saal wollte die WFB interessierte Unternehmen zum einen informieren, zum anderen für eine für Teilnehme gewinnen. Denn zwei Firmen aus dem Odenwaldteil des Kreises Bergstraße werden kostenlos bei der Implementierung von Home Office begleitet. Die WFB macht darüber hinaus eine Evaluierung und kann dabei auf Fördermittel des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zurückgreifen. Die Teilnahme von Unternehmensvertretern war allerdings geringer als erwartet.

Bürgermeister Holger Schmitt wies auf Heimarbeit als wichtiges Thema hin, das schon vor seiner Amtszeit aufkam. Für die Verwaltung sah er aufgrund des Datenschutzes mögliche Hindernisse bei der Umsetzung. Bei 25 Mitarbeitern, so Schmitt, sei Home Office nur ein kleiner Baustein der Arbeitsrealität. Er nannte die fortschrittlichen Niederlande, wo es bereits ein Gesetz mit Rechtsanspruch gegossen worden sei.

Bindung wichtiger Mitarbeiter an das Unternehmen, Reduzierung krankheitsbedingter Fehlzeiten, Steigerung der Attraktivität für Fachkräfte außerhalb der Region, Positionierung als mitarbeiter- und zukunftsorientierter Arbeitgeber: Diese Vorteile wurden unisono von den verschiedenen Rednern genannt, wenn es um die Unternehmen geht. Für die Arbeitnehmer wurden Zeit- und Kostenersparnis, Reduzierung von Stress durch tägliches Pendeln zwischen Wohn- und Arbeitsort sowie Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf genannt.

„95 Prozent der Unternehmen haben erkannt, dass Home Office ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigert“, berichtete WFB-Geschäftsführer Matthias Zürker aus einer Umfrage. Zwei Drittel der Tätigkeiten in Deutschland könnten auf diese Weise erledigt werden, lautete eine weitere Zahl. Durch mobile Endgeräte werde der Anteil auch in Zukunft deutlich weiter ansteigen. Etwa 50 Prozent der Arbeitnehmer erwarteten eine Verbesserung ihrer Work-Life-Balance. Die meisten Mitarbeiter, so Zürker, möchten allerdings nicht dauerhaft, sondern ein bis zweimal im Monat zuhause arbeiten.

Der Geschäftsführer machte deutlich, dass die Möglichkeiten in Deutschland noch nicht ausgeschöpft seien. Es arbeiteten hier nur zwölf Prozent der Arbeitnehmer überwiegend oder teilweise zuhause. Beim Anteil der Heimarbeiter liege man unter dem EU-Durchschnitt und deutlich hinter anderen Ländern wie Frankreich, Großbritannien oder den skandinavischen. Würden die Arbeitgeber umdenken, könnte der Anteil auf 30 Prozent steigen, postulierte Zürker. „Home Office scheitert häufig an Arbeitgebern.“

Als Schritt „Richtung Zukunft des Arbeitsmarkts“ kennzeichnete Landrat Christian Engelhardt die Heimarbeit. Sie bedeute einen Paradigmenwechsel von festen Bürozeiten hin zu flexiblen Modellen, verbunden mit einer höheren Lebensqualität. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Arbeitszeit sah er kritisch und sprach von der „Postkutsche“, um die Antiquiertheit deutlich zu machen. Heimarbeit sei der richtige Weg, um Unternehmen attraktiver zu machen.

Aus Sicht der Kreisverwaltung beleuchtete die Personalerin Barbara Hoffbauer das Thema. Sie wies neben den genannten Chancen auch auf Schwächen des Modells hin wie: eingeschränkte Kontrollmöglichkeiten, reduzierte soziale Kontakte oder weniger Austausch im Team. Als Chancen nannte sie die Veränderung von Führungsverhalten und Unternehmenskultur, Steigerung der Mitarbeitermotivation und Überbrückung schwieriger Familienphasen.

Dem Misstrauen von Arbeitgebern, dass die Mitarbeiter zuhause quasi machen, was sie wollen, entgegnete sie klar: „Sind wir doch mal ehrlich, wer weiß wirklich, was die Mitarbeiter im Büro tun?“ Es handle sich doch um keine 14-jährigen Teenager mehr, sondern erwachsene Menschen, die man nicht beaufsichtigen müsse. „Führungskräfte müssen Vertrauen entwickeln“, forderte sie.

Dem gegenüber stellte die Abteilungsleiterin die Stärkung der Eigenverantwortung, die Zufriedenheit der Angestellten und den hohen Bindungseffekt. Natürlich müssten auch die rechtlichen Rahmenbedingungen beachtet werden. Frank Gey, Geschäftsführer von Entega Medianet, beleuchtete das Thema aus Firmensicht. Bei einer Mitarbeiterbefragung landete der Wunsch nach Home Office ganz oben, weswegen man vergangenes Jahr in die Umsetzung ging. Mittlerweise nutzten es 20 Prozent der etwa 1900 Mitarbeiter.

(Foto: Wirtschaftsförderung)

Info: Interessierte Firmen können sich unter www.wirtschaftsregion-bergstrasse.de oder bei Marco Stibe, Projektmanager Unternehmerservice, Telefon 06252/6892950, melden

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Digitale Projekte sind notwendige Investitionen wie Maschinen

Die Chancen der Digitalisierung nutzen, aber den unverzichtbaren persönlichen Kontakt aufrechterhalten: So beschreibt Christian Jöst, Geschäftsführer der gleichnamigen Firma im Wald-Michelbacher Ortsteil, seinen Umgang mit den neuen Möglichkeiten. Die Wirtschaftsförderung Bergstraße (WFB) hatte in Zusammenarbeit mit der Zukunftsoffensive Überwald und dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Darmstadt Unternehmer aus dem Odenwald zur Infoveranstaltung eingeladen.

Bürgermeister Dr. Sascha Weber bezeichnete in seinen einleitenden Worten die Digitalisierung sowohl im täglichen Leben als auch für die Industrie wichtig. Mit dem leistungsfähigen Breitbandnetz sei die Gemeinde in Sachen Internet gut aufgestellt, sagte er. Bei der Firma Jöst sei die WFB-Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Roadshow – Ihr Weg zur Digitalisierung“ genau am richtigen Ort, denn der Betrieb sei sehr innovativ. Weber erhoffte sich, „dass wir den Odenwald gemeinsam voranbringen“.

In seinem kurzen Abriss der Firmengeschichte erläuterte der Geschäftsführer, dass der Betrieb mit seinen 56 Mitarbeitern in diesem Jahr voraussichtlich einen Umsatz von elf Millionen Euro erwirtschafte. 50 Prozent der Produktion gehen in den Export mit einem weltweiten Kundenstamm. „Der amerikanische Markt gestaltet sich schwierig“, fügte er aus aktuellen Anlass an. Jöst hat sich auf die Entwicklung, die Herstellung und den Vertrieb von Schleifmitteln und –systemen spezialisiert.

In den letzten Jahren, erklärte Christian Jöst, „gehen wir verstärkt in den Reinigungsbereich“. Seit drei Jahren wird eine eigene Maschine zum Schleifen und Reinigen produziert. „Der gigantische Vorteil“, schmunzelte er: „Die kann jeder bedienen.“ 95 Prozent der damit möglichen Arbeiten werden ohne Chemikalien durchgeführt. „Wir bekommen aus der ganzen Welt dafür Anfragen“, freute er sich. „Alles Made in Germany.“ Also langlebig, „aber man braucht viele Schleifmittel“, so Jöst augenzwinkernd.

Digitalisierung schön und gut, meinte er. Aber: Wenn Jöst vom Neckartal bis nach Affolterbach fährt, „ist zwischendurch fünfmal das Handy-Netz weg“. Vom Internet ganz zu schweigen. Hier sieht der Geschäftsführer Handlungsbedarf. Andere europäische Länder machen das selbst in der absoluten Pampa viel besser. Siehe Lappland. In der Einöde „gibt’s vollen Handyempfang und LTE-Netz“.

Auch in anderer Hinsicht ist er froh, nicht auf die Mobilfunk- und Internetriesen angewiesen zu sein. Jöst baut gerade im Gewerbegebiet Ober-Abtsteinach ein neues Vertriebs- und Versandzentrum auf 6400 Quadratmetern und will die beiden Standorte digital verbinden. Von der HSE bekommt er einen VDSL-Anschluss mit 250 Mbit für einen sehr guten Preis, führte er aus. Die Telekom könnte ihm nur 16 Mbit zu Mondpreisen anbieten.

Industrie 4.0, so Jöst, „macht bei unseren Produkten nicht viel Sinn“. Das sei eher etwas für die Großfirmen. Er beleuchtete auch die Nachteile: „Du musst echt aufpassen, was du machst“, wies der Geschäftsführer auf Hackerangriffe hin. Ein Betrieb, forderte er, „muss digitale Projekte ebenso als notwendige Investitionen ansehen wie Maschinen“. Etwa die Handscanner, in die Jöst 60.000 Euro investiert. Sie sind unverzichtbar für eine systematische Lagerhaltung.

Tobias Meudt vom Darmstädter Kompetenzzentrum wies auf verschiedene Möglichkeiten hin, wie sich traditionelle Betriebe im digitalen Zeitalter neu aufstellen können. Das reicht von der Möglichkeit, beim Metzger online den eigenen Rollbraten zu konfigurieren, über den Tischler, bei dem der Massivholztisch ganz nach den Wünschen des Kunden im Internet konzipiert werden kann, bis zum Allrounder, der kleineren Betrieben die tägliche Arbeit wie das Rechnungs- und Mahnwesen abnimmt.

Laut Meudt schwinden langsam die Vorbehalte der Firmen gegenüber der Digitalisierung. Als „größere Aufgabe“ bezeichnete er es, die kleinen Unternehmen auf diese Reise mitzunehmen. Das im April 2016 gegründete Kompetenzzentrum biete seine Leistungen kostenfrei an. Kann das in Darmstadt nicht weiterhelfen, gibt es den Kontakt zu 24 weiteren in Deutschland. Wie etwa beim Thema Handel, das aus der Runde nachgefragt wurde.

„Informieren, analysieren, qualifizieren, umsetzen“, beschrieb Meudt die Aufgaben. Man offeriere Schulungen in einer Lernfabrik, beschäftige sich mit den Themen IT-Sicherheit oder Prozessen und Unternehmen. Er stellte auch die „Wertstromanalyse“ vor, die Verschwendung in den Betrieben erkennen und beheben soll. Schlussworte sprach Marco Stibe, Projektleiter im WFB-Unternehmerservice.

Bild: Vor Ort in den Räumen der Jöst GmbH (v.l.): Sebastian Schröder, Geschäftsführer der Zukunftsoffensive Überwald GmbH, Tobias Meudt, Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Darmstadt, Bürgermeister Dr. Sascha Weber, Gemeinde Wald-Michelbach, Christian Jöst, Geschäftsführer der Jöst GmbH, Marco Stibe, Projektleiter im WFB-Unternehmerservice, und Andreas Furch, Projektmanager im WFB-Unternehmerservice, Kooperationsprojekt Neue Wege. – © WFB

Neue Wachstumspotenziale durch Digitalisierung: Firma Jöst Abrasives erhält Landeszuschuss für Digitalisierungsprojekt

„Der Förderbescheid kam auf Papier, nicht digital“, lachte Christian Jöst. Das Geld allerdings wurde von der Wirtschafts- und Infrastrukturbank (WI-)Bank Hessen überwiesen und nicht in bar vorbeigebracht. 10.000 Euro erhielt die Firma Jöst Abrasives nach erfolgreicher Fördermittelberatung durch die Wirtschaftsförderung Bergstraße (WFB) als Landes-Zuschuss für ihr Digitalisierungsprojekt. WFB-Geschäftsführer Matthias Zürker freute sich mit WFB-Projektmanager Marco Stibe und Sebastian Schröder von der ZKÜ darüber.

„Das ist schlankes Programm, über das man schnell Mittel beantragen kann“, zeigte sich Jöst positiv überrascht. „Drei Stunden und ich war durch.“ Zwei Wochen später kam schon die Zusage. „Das war der beste Tipp, den ich je bekommen habe“, zollte er der WFB großes Lob. Denn normalerweise rechne sich – obwohl es genug Fördertöpfe gibt – die Beantragung einer Förderung für ein mittelständisches Unternehmen nicht, „weil es einen hohen bürokratischen Aufwand bedeutet“.

Jöst will aktuell – auch im Zuge des Hallen-Neubaus in Ober-Abtsteinach – seinen kompletten Wareneingang digitalisieren. „Der Online-Versand wird immer wichtiger“, betonte der Geschäftsführer. Die Firma ist Experte für die Entwicklung und Herstellung von Schleifmitteln und –systemen.

Um auf dem neuesten Stand und für die Zukunft gerüstet zu sein, „haben wir eine neue Homepage mit Shop erstellen lassen“. Noch ein paar Zertifikate obendrauf und das Ganze kostete 170.000 Euro. Ein zusätzliches Scanner-Programm schlug mit 40.000 Euro zu Buche. Da kann man 10.000 Euro als Förder-Höchstsumme immer gut gebrauchen. Da die Förderung projektbezogen ist, kann sie für weitere, zusätzliche Maßnahmen aufs Neue beantragt werden, so Jöst. Er wies darauf hin, dass der Zuschuss auch für kleinere Betriebe interessant sei: Wenn jemand eine Investition mit 8000 Euro habe, könne er diese eventuell sogar komplett abdecken.

Inzwischen, betonte der Jöst-Geschäftsführer, „investieren wir in Software schon fast so viel wie in Maschinen“. Das Digitale lasse sich allerdings schwerer greifen. Innovation hat in der Firma Tradition. „Mein Vater Peter kaufte in den 80er Jahren für 5000 Mark einen der ersten IBM-Computer“, erinnerte sich Christian Jöst. Die Digitalisierung von Logistikprozessen „spart wirklich viel Zeit“, betonte er. Die Firma lagere Rohstoffe für ein halbes Jahr auf Vorrat. Die Scannerlösung „hilft dabei, Mangel zu vermeiden“. Bisher kam es schon mal vor, dass nur noch eine Rolle auf Lager war, die für sechs Stunden reichte und die Nachlieferung aber sechs Wochen braucht. Das soll jetzt der Vergangenheit angehören.

„Es fällt kein Arbeitsplatz dadurch weg“, hob der Geschäftsführer hervor. Im Gegenteil: Für die Mitarbeiter wird alles leichter zu händeln. Als nächsten Schritt nannte er die Digitalisierung des Warenausgangs. Bei 1600 Produkten bedeute dies eine große Erleichterung. So könne eine gezielte europaweitere Auslieferung auch kleinteiliger erfolgen. „Amazon ist an uns herangetreten. Die würden gerne unsere Produkte vertreiben“, sagte Jöst. Auch dafür braucht man die Abwicklung über Computer. Wenn die Lagerhalle in Abtsteinach fertig ist, kann der Betrieb in die Vollen gehen.

Das Unternehmen Jöst ist genau auf dem richtigen Weg. „Die Digitalisierung ist ein wichtiges Zukunftsthema“, betonte Zürker. „Wir sagen den Betrieben immer, sie sollen sich damit beschäftigen.“ Es gebe zwar Risiken, „aber noch viel mehr Chancen“. Viele Kunden setzten inzwischen schon die Abwicklung per Computer voraus. Zürker erkannte zusätzliches Potenzial, wenn sich Firmen auf diese Weise breit aufstellen.

„Es gibt inzwischen die notwendige Infrastruktur“, hob der WFB-Geschäftsführer hervor. Internet sei in der Fläche mit 50 Mbit vorhanden, „wer was drauflegt, bekommt sogar 1 Gbit Download“. Das Glasfaserkabel werde dann direkt bis zum Unternehmen gelegt.

Nur bei der Mobilfunkabdeckung hapert es noch ein bisschen, ergänzte ZKÜ-Geschäftsführer Sebastian Schröder. Der bezeichnete die Firma Jöst als Aushängeschild des Überwalds, die als Hessen-Champion der Region einen bundesweiten Bekanntheitsgrad garantierte. Der Betrieb sei ein Innovationsvorreiter. „Wir dürfen bei den Erneuerungsprozessen nie aufhören“, forderte er. Das festige den Wirtschaftsstandort und mache ihn zukunftsfähig.

Die Digitalisierung ist laut Schröder allerdings auch „kein Allheilmittel“. Es werde immer etwas Analoges bleiben – was er als positiv bezeichnete. Gerade auf dem Land „ist der menschliche Faktor wichtig“. Hier hakte Christian Jöst ein. Der Überwald bedeutet für ihn keinen Standortnachteil, sagte er. Einen Fachkräftemangel konnte er auch nicht feststellen. Im Gegenteil: gute, motivierte Mitarbeiter.

Info: Am Förderprogramm „Zuschuss zu Digitalisierungsmaßnahmen“ interessierte Unternehmen können sich an WFB-Projektmanager Marco Stibe, Telefon 06252-6892950, E-Mail marco.stibe@wr-bergstrasse.de, wenden.

Foto: Wirtschaftsförderung Bergstraße

Thementag der Wirtschaftsförderung Bergstraße: Besuch beim Sondermaschinenbauer Somaritec auf dem Igena-Gelände

Betriebe aus den Bereichen Maschinenbau sowie Elektro- und Metallindustrie standen im Mittelpunkt des dritten Thementags der Wirtschaftsförderung Bergstraße (WFB). Eine Station davon war die Somaritec in Wald-Michelbach, die sich mit Sondermaschinenbau beschäftigt. Die beiden Geschäftsführer Udo Ferdinand und Martin Wolk erläuterten dabei der Besuchergruppe rund um Landrat Christian Engelhardt in einem einstündigen Rundgang den Betrieb und seine Erfolgsgeschichte.

Neben dem Landrat, gleichzeitig WFB-Aufsichtsratsvorsitzender, waren auch WFB-Geschäftsführer Matthias Zürker, der Projektmanager Unternehmensservice, Marco Stibe, und Bürgermeister Sascha Weber dabei. Sie bekamen detaillierte Infos über die neuen Projekte und Produkte. Wie Engelhardt sagte, gehe es darum zu erfahren, „welche Themen es in der Branche gibt“. Gleichzeitig wolle man im persönlichen Gespräch die jeweiligen Bedürfnisse aufnehmen. Der Technik-affine Engelhardt will gleichzeitig seine „eigene Neugierde befriedigen“, wie er schmunzelnd sagte.

Die Firma wurde 2013 in Zwingenberg gegründet, erläuterte Udo Ferdinand. 2015 folgte der Umzug aufs Igena-Gelände in Wald-Michelbach. „Wir haben hier ideale Rahmenbedingungen“, lobte der Geschäftsführer. Miete zu zahlen sei immer „ein geringeres Risiko als selbst zu bauen“. Daneben gebe es die nötige Infrastruktur und Erweiterungsmöglichkeiten.

Ferdinand bezeichnet die Nähautomation als Kernkompetenz des Unternehmens. „Das haben wir von der Pike auf gelernt.“ Der Betrieb hat sich auf den Bau von Geräten, Anlagen und Sondermaschinen in diesem und im Ultraschallschweißbereich spezialisiert. Er bedient Voll- und Halbautomatisierungstechniken. Die Materialien werden per Ultraschall-, Heißluft- und Thermoschweißen verarbeitet. 70 Prozent der Abnehmer sitzen laut Ferdinand in Deutschland, der große Rest der Lieferungen geht in die EU, ein kleinerer Teil wird auch weltweit ausgeliefert.

Der Geschäftsführer nannte es einen „Riesenvorteil“, auf dem Igena-Gelände mit Firmen zusammenarbeiten zu können, die Fertigungsteile für die Somaritec herstellen und dann auf kurzem Weg zur Verfügung stellen. Eine davon ist etwa die Biegetechnik Überwald keine 200 Meter entfernt. Wenn Aufträge zu vergeben sind, gehen diese Ferdinand zufolge quasi nur an Betriebe im Kreis Bergstraße.

Die Auftragsbücher von Somaritec sind gut gefüllt, sagte Martin Wolk. Vor kurzem habe man sogar einen Großauftrag ablehnen müssen, weil die personellen Kapazitäten nicht ausreichten. Fürs nächste halbe Jahr ist man ausgelastet. Unter anderem auch mit einem besonderen Projekt für ein Weltunternehmen aus der Region, über das noch nicht zu viel verraten werden soll. Als Ausbildungsbetrieb, der sowohl mit IHK als auch Handwerkskammer zusammenarbeitet, versucht man den eigenen „Nachwuchs“ heranzuziehen.

2017 war ein sehr gutes und das bisher beste Jahr. Die Auftragsbücher sind voll. Der Umsatz hat sich gegenüber 2016 mehr als verdoppelt, so Wolk. Mund-zu-Mund-Propaganda und Werbung zeigten nach den Worten von Ferdinand Wirkung. Tendenz steigend. „Gute Arbeit zahlt sich eben aus.“ Startete man 2013 mit drei Gründern, von denen einer zwischenzeitlich ausschied, waren es 2015 sieben Mitarbeiter, jetzt sind es zehn.

„Wir wollen noch ein kleines Stück wachsen, aber auch nicht über die Maßen“, betonte der Geschäftsführer. Vielmehr soll Wert darauf gelegt werden, das junge Team langsam aufzubauen und ihm das nötige Knowhow zu vermitteln. Denn das ist auch ein Erfolgsgeheimnis. Man arbeitet mit Methoden, „die sonst kaum noch ein Wettbewerber anbietet“.

Ein besonderes Produkt ist die hier hergestellte Filtertaschennähanlage. Sie ist mit 19 Metern auch die größte produzierte. Laut Wolk muss die Lufteinströmung dabei so gewährleistet sein, dass der Austritt im kompletten Filter stattfindet. Die erste kam beim Auftraggeber sehr gut an, deshalb gab es den Auftrag für eine zweite. Da die Luftreinigung immer mehr an Bedeutung gewinnt, „werden Filter immer mehr nachgefragt“, weist er auf den wachsenden Markt hin.

Die Kunden kommen mit ihren speziellen Wünschen nach Wald-Michelbach. Von der Firma gibt es dann ein Layout und eine Beschreibung, wie die betreffende Maschine gebaut werden kann. Die wiederum kann jegliche denkbare Größe haben. So wie die Schneidanlage, um Ballenmaterial wie Stoffe und Filter auf eine bestimmte Breite zu verkleinern. Etwa von 1600 auf 100 Millimeter. Größe ist jedoch nicht alles. Teilweise geht es auch nur darum, Halbautomaten zur Erleichterung von manuellen Tätigkeiten herzustellen, weil die Produkte weiterhin von Hand gefertigt werden sollen.

Etwa für Katzenkissen. Die wurden bisher von Hand hergestellt, sagt Martin Wolk. Weil der Hersteller gerade einen Nachfrage-Boom in den USA und Großbritannien erlebt und zwei Millionen Stück produzieren muss, vergrößerte sich die Stückzahl so stark, dass eine Maschine her musste. „Wir haben deshalb einen Vollautomaten konzipiert“, so Wolk. Der „spuckt“ jetzt 15 Stück pro Minute aus, die dann von einer weiteren Maschine verpackt werden.

Mit der Datenbrille der Wald-Michelbacher Firma Adtance gibt’s den richtigen Durchblick

Selbst Landrat Christian Engelhardt, nach eigener Aussage ein „technikaffiner Mensch“, kam bei der Firma Adtance nahe der Igena ins Staunen. Denn was ihm dort von Sven Arnold, der zusammen mit seinem Bruder Nils die Firma leitet, erläutert wurde, gibt es laut dessen Worten in dieser Form ganz selten zu finden. Engelhardt besuchte im Rahmen des Innovationstags zusammen mit Marco Stibe von der Wirtschaftsförderung Bergstraße (WFB) den Betrieb mit seinen 16 Mitarbeitern in Wald-Michelbach, München und Essen.

Angefangen hat alles mit einer Support-Lösung für die Autoindustrie. Aufgrund der zahlreichen technischen Neuerungen „kann ich nicht laufend Monteure auf eine Schulung schicken“, so Arnold. 90 Prozent der Arbeiten könnten diese abdecken, aber manchmal brauche es halt auch Hilfe von außen. Mit der Datenbrille „Smart Glass“ gibt es diese. „Der Monteur setzt die Brille auf, bekommt eine neunstellige Nummer, ruft bei Ford an, die dortigen Mitarbeiter loggen sich mit dieser auf der entsprechenden Webseite ein und können dann durch die Brille sehen, was erledigt werden muss.“

„Wir haben weltweit die schnellste Übertragungstechnik“, zeigte sich Arnold stolz über die Errungenschaft seiner Firma. Es gebe nur 0,4 Sekunden Differenz, somit könne die Arbeit in Echtzeit gesteuert werden und der Monteur habe die Hände frei. Das Ganze gibt’s dann auch in verschiedenen Sprachen, denn Daten lassen sich ebenfalls auf die Brille übertragen. Sollte also jemand in Shanghai Hilfe aus Deutschland benötigen, so wird dies laut Arnold hier eingetippt und mittels Google Translator dort auf Chinesisch ausgespuckt. Die Sicherheit spielt dabei eine große Rolle. „Wir haben eigene Hausserver und verschlüsseln jede Session“, betonte Arnold. Dazu gibt es drei deutschlandweite Rechenzentren.

Die Idee zur jetzigen Firma kam den Brüdern Ende 2014, erläuterte Arnold auf eine Frage des Landrats. Schon während des Informatikstudiums hatten sie eigene Firmen. Die Kunden hätten immer beklagt, direkt vor Ort sein zu müssen. „Wir haben Ende 2014 angefangen zu experimentieren“, so der Geschäftsführer, um diese Wege vermeiden zu können. Design und Entwicklung der Brillen erfolgen in den USA, sagte er, die Fertigung in Shanghai. Adtance nehme jeweils ein festes Kontingent an Datenbrillen ab.

Nach der Firmengründung im März 2015 „haben wir alles noch einmal komplett verworfen“, sagte er. Mitte des Jahres kam dann das Produkt mit einer niedrigeren Latenzzahl wieder auf den Markt. Erste Kunden seien etwa Anwaltskanzleien gewesen, die mit Mandanten in Shanghai zusammenarbeiteten. „Der Anwalt vor Ort setzt die Brille auf“, erklärte Arnold das Vorgehen, und von Deutschland aus könne dann Rücksprache gehalten und alles in Augenschein genommen werden.

Laut dem Geschäftsführer strebt Adtance ein „organisches Wachstum“ an. Dazu gehöre auch, mit eigenen Mitteln zu arbeiten. Peu à peu soll die Erweiterung vorangehen. Derzeit belegt man 320 Quadratmeter in der Pfalzgasse, für 700 bis 750 gibt es auf dem Gelände Platz. „Wir können das Gebäude noch einmal in der gleichen Größe anbauen“, so Arnold.

Im Auftragsportfolio hat Adtance bereits jetzt klangvolle Namen: Pro7/Sat1 etwa, Airbus oder MAN. Auch in den Bereich der Virtual Reality dringt die Firma vor. So wolle ein Fahrstuhlhersteller aus Berlin sein Schulungscenter erweitern. Dafür würden Fahrstuhlräume in 3D entwickelt, „damit man sich darin bewegen kann“. Vertriebspartner gebe es in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Tschechien, sagte Arnold. Derzeit expandiere man gerade in die USA. Für Engelhardt ist das Geschäftsfeld ein „unglaublicher Markt“, wie er beeindruckt sagte.

Adtance beschränkt sich laut Arnold dabei vor allem auf das Kerngeschäft und entwickelt die Webportale, über die die Datenbrillen-Kommunikation läuft. Natürlich geht das nicht ohne leistungsfähige Partner. So kann der Brillenhersteller innerhalb von zwei bis drei Wochen 20.000 Stück liefern. Den dort verwendeten, eigens hergestellten Intel-Chip „dürfen wir als einzige in Deutschland selbst reparieren“, so Arnold. Die verschiedenen Workflows wiederum würden durch die Kunden entwickelt. „Wir brauchen fast keine Installationen und kommen um fast jede IT drumrum“, betonte er.

Eine solche Firma „erwartet man nicht unbedingt in Deutschland“, geschweige denn in einer eher ländlich geprägten Region wie dem Überwald, war der Landrat mehr als angetan von Adtance. „Das Arbeitsumfeld muss stimmen“, entgegnete Arnold, der im Nachbarort wohnt. Das Problem in der hiesigen Region seien die Fachkräfte, weswegen man auch die weiteren Büros in den beiden Großstädten unterhalte. Zentrale ist aber im Überwald. Zwecks Ausbildung sei man als entsprechender Betrieb an der Dualen Hochschule in Mannheim gelistet, hob er hervor.

Für die Multikoptermanufaktur in Abtsteinach geht’s stetig weiter nach oben

Von der Hardberg-Gemeinde aus in die Luft gehen: Am Innovationstag besuchte Landrat Christian Engelhardt zusammen mit Marco Stibe, dem Projektmanager Unternehmensservice bei der Wirtschaftsförderung Bergstraße (WFB), auch die Firma RKM Rotorkonzept Multikoptermanufaktur in Unter-Abtsteinach. Dort erläuterte Daniel Schmitt, der zusammen mit Rouven Kandel das Unternehmen leitet, den Gästen die neuesten Projekte und Produkte. Unter Multikoptern versteht man unbemannte Luftfahrsysteme mit mehreren Rotoren, im allgemeinen Sprachgebrauch auch als Drohnen bezeichnet.

Engelhardt zeigte sich sehr angetan von der Unternehmensvielfalt im Kreis Bergstraße. „Ich bin stolz darauf, was wir hier haben“, sagte er. Nicht nur traditionelle Wirtschaftsbetriebe seien in der Region zuhause, sondern auch viele innovative, zukunftsorientierte. Und das nicht nur in den Ballungszentren, sondern auch in den kleinen Orten des Odenwalds, wie er mit Blick auf die in einem Wohnhaus beheimatete Firma RKM meinte.

Das erste Modell „haben wir Anfang 2014 entwickelt“, berichtete Daniel Schmitt. Inzwischen habe das Unternehmen eine stete Aufwärtsentwicklung erfahren. Es sei toll, „für das was man macht, immer mehr Aufmerksamkeit zu bekommen“, sagte er. Sein Geschäftspartner bringe aus dem Hobby-Modellflugbereich das entsprechende Know-how mit. Er als Wirtschaftsingenieur beschäftige sich unter anderem mit der dynamischen Belastung der Drohnen.

Die Geräte stellen die beiden Geschäftsführer von der Pike auf selbst her, erläuterte Schmitt. Sie werden gezeichnet, auf einer CNC-Fräse zugeschnitten und dann produziert. Auch ein 3D-Drucker kommt zum Einsatz. Um die 30 Kopter finden so im Jahr von Abtsteinach aus ihre Abnehmer. Bei etwa zwei Tagen Herstellungszeit pro Stück ist laut Schmitt noch etwas Produktions-Luft nach oben, meinte er auf eine Frage von Engelhardt. Jedoch müsse man auch die Betreuungs- und Reparaturzeit aufgrund falscher Bedienung mit einkalkulieren.

Die Geräte haben dabei unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten: Inspektion, Landvermessung, Dokumentation, Überwachung oder auch Beobachtung von Weinanbau. Vermesser könnten mit einer Drohne praktisch die gleiche Arbeit erledigen als wenn sie am Boden unterwegs sind, so Schmitt. Es werde eine automatische Route eingestellt, Flugspuren darüber gelegt und dann ein 3D-Geländemodell gebaut, indem die Daten in die Software übertragen werden. Damit ließen sich etwa Grundlagen für ein Bauprojekt erstellen.

„Deutsche Firmen müssen innovationsmäßig an der Spitze bleiben“, wies Schmitt auf den hart umkämpften Markt hin. Denn es gebe einen großen Druck durch chinesische Wettbewerber. „Wir setzen auf Open-Source-Technik, um uns zu vernetzen und besser zu werden“, so der Geschäftsführer. Der Markt „ist stark am Wachsen“, betonte er. Deshalb sei es wichtig, sich Nischen zu suchen.

Daniel Schmitt ist überzeugt, dass es in den kommenden Jahren eine Konsolidierung geben wird. Aktuell herrsche eine Goldgräberstimmung und „sprießen die Firmen wie die Pilze aus dem Boden“. Mit dreieinhalb Jahren „sind wir schon alte Hasen“, lächelte er. Insgesamt stelle sich der Markt sehr volatil dar. Deshalb will RKM auch vorerst den bisherigen Umfang beibehalten und weiter beobachten.

Nach der Gründung im Juni 2013 „folgte 2014 die Lernzeit“, erläuterte der Geschäftsführer. Die Aufträge für Privatkunden ermöglichten es, darauf aufbauend „diffizilere Geräte für professionelle Abnehmer zu bauen“. In diesem Jahr sei man in einem wirtschaftlichen guten Bereich angekommen und „2017 wird richtig spannend“, meinte Schmitt schmunzelnd. Die ersten Jahre waren von einer stetigen Umsatz- und Rentabilitätssteigerung gekennzeichnet, sagte er.

Zusätzlich zur Fertigung sind Schulungsangebote ein weiteres Standbein. Für die Region Rhein-Main-Neckar finden diese in Abtsteinach statt, seit Mitte des Jahres wird Stuttgart als weiterer Standort aufgebaut, Anfang 2017 kommt München hinzu. Hierbei arbeite man mit freien Mitarbeitern zusammen. Das bisherige Wachstum wurde laut dem Geschäftsführer mit Eigenkapital bestritten, „um frei von äußeren Einflüssen zu bleiben“. Landrat Engelhardt wies in diesem Zusammenhang auf die Unterstützung der Wirtschaftsförderung bei der Akquise von Fördermitteln oder der Suche nach Fachkräften hin, woran sich Schmitt sehr interessiert zeigte.

Etwa 18 Minuten kann eine Drohne fliegen, erklärte Schmitt, und einen Radius von sieben Hektar abdecken. Die Echtzeitübertragung reiche etwa 800 Meter weit. Aktuell sei ein Betrieb nur nach Sichtflugbedingungen möglich. Die geplante neue Luftverkehrsordnung, nach der für die Verwendung von Drohnen unter fünf Kilo kein besonderer Befähigungs-Nachweis erforderlich ist, sah er kritisch.

Kreis Bergstraße: Wandern ist das touristische Thema Nummer 1

Das Wetter meinte es gut mit den Wanderern, Walkern und Mountainbikern: Es präsentierte sich zwar zum Start gestern Morgen noch grau in grau, doch eine halbe Stunde später lockerte der Himmel auf, die Sonne kam raus. Kurzum: bestes Wanderwetter, „ohne die Gefahr, sich einen Sonnenbrand zu holen“, wie Landrat Matthias Wilkes in seiner Begrüßung sagte. Er war neben Bürgermeister Markus Röth zur Begrüßung vor Ort, weil zusätzlich zum 8. Aktiv- und Walkingtag der Gemeinde der Kreiswandertag wieder im Überwald stattfand.

Der Startzeitpunkt Sonntag morgens um 9 Uhr „spricht die wirklichen Wanderer an“, meinte Wilkes schmunzelnd. Der Kreiswandertag unter dem Motto „Wandervolles NibelungenLand“ finde heuer zum achten Mal statt. Entstanden sei er auf Anregung des Odenwaldklubs, um die unterschiedlichen Regionen des Kreises besser kennenlernen – oder auch erwandern – zu können. Vergangenes Jahr war Lampertheim im Ried Ausrichter, so der Landrat. 2013 konnte in Abtsteinach gewandert werden.

„Wandern ist trotz vieler neuer Errungenschaften das touristische Thema Nummer 1“, betonte Wilkes. Zwei Drittel der Besucher von auswärts kämen deshalb an die Bergstraße und in den Odenwald. Dass man mit den hiesigen Wegen wuchern könne, beweise nicht zuletzt die kürzliche Auszeichnung für den Nibelungensteig mit seinen 124 Kilometern und 4000 Höhenmetern als beliebtesten Wanderweg Hessens.

Aber auch der vor kurzem eröffnete Solardraisinenweg trage diesem Freizeitvergnügen Rechnung. Auf dieser anspruchsvollen Strecke seien zwischen Mörlenbach und Wald-Michelbach auf 13 Kilometern 660 Höhenmeter zu überwinden. „Ein wunderbares Tagesprogramm“, so Wilkes. Wer eine Strecke davon mit der Solardraisine zurücklegen wolle, sollte sich besser die Wochentage heraussuchen, empfahl er. Denn die Wochenenden seien in dieser Saison fast schon ausgebucht, insgesamt bereits 24.000 Fahrten für 2015 verkauft.

Bürgermeister Markus Röth hatte in seiner Begrüßung den in der Vorbereitung Tätigen gedankt, die Arbeit der Grasellenbacher Vereine herausgestellt und das Programm des Tages vorgestellt. 15,7 Kilometer umfasste die längere Strecke als „Erlebnis-Wanderweg“. Sie führte Richtung Norden, vorbei an Wegscheide und Weschnitz. Bei der kürzeren Route „Über den Hammelberg ins Gassbachtal“ waren 7,5 Kilometer nordwestlich des Ortes zu bewältigen. Beide geführten Wanderungen fanden unter der Regie des OWK Grasellenbach statt.

Das Warm-up für die Walkinggruppen übernahm vor der Nibelungenhalle Waltraud Wagner. Karin Schmidt, Leni Bickel, Marion Koch und Amanda Volk führten die Walker südlich von Gras-Ellenbach an Wahlen, Affolterbach und Scharbach vorbei. Zwei Strecken über zehn und 15 Kilometer standen hier zur Auswahl. Die Mountainbiker machten sich unter der Leitung von Peter Bauer vom Verkehrsverein auf eine etwa 40 Kilometer lange Tour. Gesundheitsberaterin Monika Roth führte am späteren Vormittag eine Kneipp-Gesundheitswanderung mit Lach-Yoga durch.

Viele Organisatoren waren gestern mit im Boot: so für den Kreiswandertag die Tourismusagentur der Wirtschaftsförderung Bergstraße und die Sparkassenstiftung, für den Aktiv- und Walkingtag neben der Gemeinde der Kneipp-, Kur- und Verkehrsverein (KKVV), der TSV 09, die Zukunftsoffensive Überwald (ZKÜ) sowie als Sponsoren der kostenlosen Wasser- und Obstration für Wanderer und Walker die Odenwald-Quelle und Edeka Schmitt in Wald-Michelbach.

„Wir helfen bei Vorarbeit und Organisation“, so Sebastian Schröder von der ZKÜ, „kümmern uns um Bühne, Sponsorenakquise und Öffentlichkeitsarbeit“. Seitens des KKVV „haben wir im Vorfeld rund um die Nibelungenhalle sauber gemacht und aufgeräumt“, so der Vorsitzende Gerald Kessler. Etwa 20 Helfer von den Ortsvereinen, aber auch Privatpersonen, waren im Einsatz. Der Gemeinde-Bauhof habe das Umfeld gemäht. Mit den teilnehmenden Vereinen sei alles im Vorfeld abgestimmt worden, erläuterte Kessler. Die Strecken für die Walker wurden markiert, „es wurde vorher Probe gelaufen“.

Über 50 Wanderer beobachten Schröder und Kessler, dazu etwa 20 Walker. Und „ganz erfreulich“, um die 15 Mountainbiker. Die Zahl der Walking-Teilnehmer habe sich allerdings stetig zurückentwickelt, sagte Kessler. „Früher hatten wir einmal über 200“, ergänzte Schröder. Vor drei Jahren habe man deshalb den Zusatz „Aktivtag“ mit aufgenommen, um weitere Sportarten präsentieren zu können. Diese Sparte sei aber heuer wegen der Ausrichtung des Kreiswandertags in den Hintergrund getreten.

Kurz nach dem Jahresanfang begannen laut Kessler die Vorbereitungen für die Veranstaltung. Der „harte Kern“ aus KKVV und OWK gehe dann an die Abstimmung mit den anderen Vereinen und den Ausstellern, es gelte, das Rahmenprogramm zu organisieren. Wie etwa in diesem Jahr durch die Blasmusik Unter-Schönmattenwag, die über Mittag mit schmissigen Weise für gute Stimmung sorgte. Die Musiker sind im Ort keine Unbekannten, spielten sie doch schon an Ostern ein Kurkonzert und sind auch wieder an Pfingsten zu hören.

Auf der einen Seite des Platzes die kulinarische Verführung, auf der anderen die Möglichkeit, kalorienreiche Ausrutscher gleich wieder wettzumachen. Für Wanderer, Walker und Mountainbiker war in punkto Verpflegung am Zielpunkt neben der Nibelungenhalle reichlich gesorgt. Die Ortsvereine kümmerten sich um die Bewirtung der Gäste. Wer danach ein schlechtes Gewissen hatte, die gerade abgewanderten Pfunde schon wieder draufgefuttert zu haben, der konnte sie am Nachmittag gleich wieder abtrainieren.

Nach der Rückkehr der Teilnehmer füllte sich der Platz zusehends. Um die Mittagszeit, zum Konzert der Blasmusik Unter-Schönmattenwag, waren alle Tische und Bänke besetzt. Das zunehmend sonnige und wärmere Wetter trug seinen Teil dazu bei, dass sich auch aus dem Ort immer mehr Gäste einfanden. „Es hat sich gut entwickelt, wir sind zufrieden“, meinte Gerald Kessler vom Verkehrsverein.

Ihr neues Outdoor Fitness Camp stellten Manuela Reubold und Rebecca Leutgeb aus Wald-Michelbach vor. Es findet ab Juni sechs Wochen lang im Elchpark statt, dient dem Muskelaufbau und bietet als Koordinationstraining „mit viel Spaß“. Manuela Reubold führte aber auch das „Bodywork Slingtraining“ vor, ein neuartiges Ganzkörpertraining, bei dem mit Hilfe eines elastischen Seilsystems und dem eigenen Körpergewicht Kraft, Koordination, Ausdauer, Beweglichkeit und Rumpfstabilität trainiert werden. Auch andere Möglichkeiten, für die eigene Fitness zu sorgen, demonstrierte sie immer mal wieder zwischendurch.

Zumba ist derzeit im Trend. Der ZCLub Schmitt aus Fürth präsentierte am Nachmittag eine große Zumba-Show zum Mitmachen vor der Bühne. Zumba kombiniert Aerobic mit lateinamerikanischen sowie internationalen Tänzen. Im Gegensatz zum klassischen Aerobic gibt es keinen pausenlos durchgehenden Beat und die Bewegungen sind nicht standardisiert. Stattdessen erhält jedes Lied passend zu seiner Charakteristik und zum Tanzstil eine eigene Choreografie.

Der DRK-Ortsverband machte in seiner Vorführung mit der Arbeit des Bereitschaftsdienstes vertraut. Nach einem simulierten Radunfall kamen die „First Responder“ zum Einsatz, die vor Ort bis zum Eintreffen des Rettungswagens die Erstversorgung übernehmen. Es wurde daneben demonstriert, wie die Übergabe des Verletzten an die RTW-Mannschaft erfolgte und dieser auf einer Trage in den Krankenwagen verfrachtet wurde.

Das Fahrzeug wurde dem örtlichen DRK vom Kreisverband zur Verfügung gestellt, besetzt war es mit eigenen Kräften, so der stellvertretende Bereitschaftsleiter Michael Fischer. Gleichzeitig stellte der Ortsverein ein neues Projekt vor, die „Betreuer vor Ort“ (BvO). Am ehesten lassen sich diese mit Notfall-Seelsorgern vergleichen, wie sie auch bei Katastrophen zum Einsatz kommen. Es gehe darum, erläuterte Fischer, auch die Angehörigen von Unfallopfern nicht allein zu lassen.

Das DRK Hammelbach ist seinen Worten zufolge einer von drei Ortsverbänden im Kreis Bergstraße und der einzige im Überwald, der an diesem Pilotprojekt teilnimmt. 30 Schulungsstunden habe jeder Teilnehmer seit Januar absolviert, auch zum Thema psychisch-soziale Notfallversorgung. Denn wichtig sei es nicht nur, Mitmenschen helfen zu können, sondern auch selbst mit der belastenden Situation fertig zu werden.

Die Brennerei im Überwald hielt an ihrem Stand allerlei Hochprozentiges parat, entweder in der Form von Schnäpsen und Likören (Birnenwein, Topinambur, Wanderers Wehzehrung, Ourewäller Gold oder Rotkäppchens Traum) oder als Pralinen mit entsprechender Füllung. Gleichzeitig wies Familie Gehrig auch auf das Hoffest der „Odenwälder Feinen Brände“ am 31. Mai hin. (OZ-Bild: Scheuber)