Siedelsbrunner Nabu ist wegen „Stillfüssel“ noch in der „Schockstarre“

Die Windindustrieanlagen am „Stillfüssel“ standen im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung des NABU-Siedelsbrunn und der Vogelschutzgruppe. Vorsitzender Alfred Wolf thematisierte die Entwicklung im vergangenen Jahr. Die Mitglieder trafen sich im neu geschaffenen Biotop gegenüber der Teichanlage. Wolf berichtete von den vielen Arbeitsstunden, die zur Instandsetzung geleistet wurden. Sogar der Bachlauf findet wieder Anschluss an die gegenüberliegende Teichanlage und speist diese. Diese schöne Oase soll auch der Allgemeinheit zur Verfügung stehen.

2017 stand seinen Worten zufolge „ganz im Zeichen der Schockstarre“ durch den Bau der Windindustrieanlagen und die damit einhergehende „nachhaltige Naturzerstörung“. Dadurch wurde ein ganzes Ökosystem ausgelöscht, zum einen durch die Abholzung, zum anderen durch den einschneidenden Ausbau der Zufahrtswege. Der Schaden sei viel größer als der Nutzen. Die seltenen Vogelarten wie zum Beispiel der Rauhfuß- und der Sperlingskauz, die am Stillfüssel heimisch waren, „wurden nach den Baumaßnahmen nicht mehr gesichtet“, bedauerte er. „Wir haben eine besondere Verantwortung“, betonte Wolf.

Nach abgewiesener Klage vor dem Verwaltungsgericht in Darmstadt sei jetzt die Klage der IHO von Michael Hahl vor dem Verwaltungsgerichtshof Kassel anhängig. „Hier hoffen wir auf eine unabhängige Justiz, die die Naturschutzgesetze anwendet“, sagte Wolf. Eindringlich wies er darauf hin, dass es „weiterhin die Natur zu schützen gilt“. Nur durch ständiges Beobachten sei es möglich zu wissen, „welche Tiere bei uns leben und wie diese sich mit den Windindustrieanlagen arrangieren“.

Als Ausgleichsmaßnahmen wurden laut dem Vorsitzenden 35 Fledermauskästen und ebenso viele Vogelnistkästen im Bereich des Eiterbachtales aufgehängt. Die Ergebnisse hierzu würden erst in etwa drei Jahren durch die ökologische Baubegleitung vorliegen. Etwa 30 Nistkästen, die bei den Fällungen am Stillfüssel entfernt wurden, brachte Förster Jürgen Lampert. Nach Instandsetzung sollen diese andernorts neu aufgehängt werden.

Wolf ging kurz auf die Pflegeplanbesprechung von Hessen Forst ein. Erfreulicherweise sei im Steinachtal die Natur vorbildlich intakt und im Rahmen von Natura 2000 in die Kategorie „hervorragende Qualität“ aufgenommen worden. Des Weiteren berichtete er Wolf über den Vogel des Jahres 2018, den Star, „der bei uns noch recht häufig vorkommt“. Zur Fütterung der Vögel habe auch die Gemeinde Sonnenblumenkerne zur Verfügung gestellt.

Zum Teil wurde die Blumenwiese neu eingesät, berichtete er. Durch Sturmschäden kam es zum Verlust mehrerer Bäume an der Teichanlage. Dabei ging das Entenhaus entzwei. Die abgebrochenen Bäume wurden von der Gemeinde entfernt. Das Umknicken der Bäume müsse kein Nachteil sein, dann dadurch komme wieder mehr Licht ins Biotop und neue Pflanzen könnten sich entwickeln. Erfreulicherweise seien weniger Kröten überfahren worden, sodass der Teich voller Molche war. Alfred Wolf würde gerne wieder mehr die Streuobstwiesen bearbeiten, sagte er. Zurzeit hat der Verein 20 Nabu- und zwölf Vogelschutzmitglieder. Für 2018/19 erhofft sich der Vorsitzende mehr aktive Naturschützer.

Klaus Krause berichtete über das Insektensterben durch Pestizide und Monokulturen in der Landwirtschaft und den damit verbundenen Nahrungsmangel für die Vögel. Erfreulicherweise habe sich der Amselbestand gut erholt. 2017 stand die Vogelbeobachtung und Dokumentation für das Regierungspräsidium im Vordergrund. Besonders gefährdet seien Schwarzstorch, Rotmilan, Wespenbussard und der Uhu. Der Schwarzstorch wurde mehrfach über dem Stillfüssel und dem Eiterbachtal gesichtet. Die Naturschutzorganisation Muna habe zwei Brutpaare mit Jungvögeln unter anderem an der Wegscheide beobachtet.

Krause zeigte Verständnis für Touristen und Siedelsbrunner, die sich über die Arbeitsweise von Hessen Forst beschwerten. Die Wege um den Hardberg seien nach Fahrten mit schwerem Gerät nicht mehr zugänglich gewesen. Die Beschwerde wurde weitergeleitet und die Wege wieder begehbar gemacht. Er forderte dazu auf, in diesem Jahr besonders auf die Wiederaufforstung der Zuwegung und der Kranstellflächen am Stillfüssel zu achten.

Dr. Thomas Michel legte den positiven Kassenbericht vor. Marco Weigand und Dr. Angelika Grimm-Eckardt bestätigten die ordnungsgemäße Führung der Kasse. Nach Antrag von Weigand erfolgte die Entlastung des Vorstandes einstimmig. Dr. Thomas Michel regte an, dass in Zukunft auf Zäune mit Stacheldraht zu verzichten sei. Dazu bedürfe es einer Mitnahme der Landwirte.

Werbeanzeigen

Vorerst keine weiteren Windräder auf Wald-Michelbacher Gemarkung

„Sechs Jahre haben wir hart dafür gekämpft“, sagt Bürgermeister Dr. Sascha Weber. Umso mehr freut es ihn, dass der Teilflächennutzungsplan (TFNP) Windkraft fürs Gemeindegebiet nun vom Regierungspräsidium Darmstadt genehmigt wurde. Der zementiert für ein paar Jahre den Status quo in Sachen Windräder, bis irgendwann einmal der Regionalplan Südhessen in Kraft tritt. Das heißt: Es dürfen in dieser Zeit außer denen bei „Stillfüssel“ keine weiteren Rotoren auf Wald-Michelbacher Gemarkung gebaut werden.

Drei fette Aktenordner mit fast 1200 Seiten zeugen von der Bemühungen der Gemeinde, Ordnung in den wild wuchernden Windenergie-Wahnsinn zu bekommen. Der Aufstellungsbeschluss für den TFNP fiel vor fast genau sechs Jahren, am 3. Juli 2012. Dann gab es die Beteiligung der Öffentlichkeit 13/14, die Auswertung im Jahr 2014, Bearbeitung, Behördentermine und einiges mehr. Am 5. September 2017 brachte Weber den dann verabschiedeten Entwurf in die Gemeindevertretung ein, von der er am 17. April 2018 beschlossen wurde.

Dokumentensammlung, Ablauf des Genehmigungsverfahrens sowie Gutachten und Umweltberichten sind weiterhin archiviert. Die akribische Arbeit hat sich gelohnt. Anfang des Monats kam die begehrte Antwort vom RP mit der Genehmigung. Wenn dann noch in wenigen Wochen die Bekanntmachung erfolgt ist, tritt der TFNP in Kraft. „Das ist ein wichtiger Schritt zur Sicherung der Lebensqualität im Überwald“, freut er sich. Als eine von wenigen Gemeinden in Hessen beschritt Wald-Michelbach den Weg über einen eigenen TFNP.

Weber betrachtet die Genehmigung als großen Erfolg, wenn auch „nur“ Etappensieg. Denn aktuell sind im Regionalplan Südhessen noch fünf Vorranggebiete für Windenergie projektiert. Mit dem TFNP werden diese vorerst ad acta gelegt. „Es bleibt somit nur Stillfüssel“, betont der Rathauschef. Mit den dortigen 145 Hektar, die 2,3 Prozent der Gemeindefläche entsprechen, „hat Wald-Michelbach für die Windenergie substanziell Raum geschaffen“, hebt er hervor. Und sogar das Landesziel von zwei Prozent Gemarkungsfläche übererfüllt. „Damit ist unser Beitrag zur Energiewende auf lokaler Ebene geleistet.“

„Das ist für uns ein ganz wichtiger Meilenstein“, sagt Dr. Weber. Die Bemühungen der vergangenen Jahre mit dem Ziel, Windenergieanlagen auf nur einer Fläche zu konzentrieren, seien damit verwirklicht worden. Allerdings fängt für Weber die Arbeit damit erst an. Denn der genehmigte Teilflächennutzungsplan bietet nur eine vorübergehende Sicherheit. „So lange, bis der Regionalplan in Kraft tritt“, erläutert er. Denn der wird auf einer übergeordneten Ebene beschlossen und setzt damit den kommunalen Plan wieder außer Kraft.

Wobei er mit einer dritten Lesung für den Regionalplan rechnet, womit dieser nicht vor 2022 in Kraft treten dürfte. Deshalb will Weber in den kommenden Monaten alles daran setzen, die Mitglieder der Regionalversammlung Südhessen „zu bearbeiten“, dass diese keine weiteren Vorrangflächen auf Wald-Michelbacher Gemarkung ausweisen. Ziel: Der TFNP soll 1:1 in den Regionalplan mit aufgenommen werden.

Weber betont: „Die Gemeinde hat auf lokaler Ebene alles erreicht, was möglich ist.“ Die langfristige Entwicklung liege bei der Regionalversammlung. Um diese von den Wald-Michelbacher Anliegen zu überzeugen, wird sich der Bürgermeister auch nicht zu schade sein, viele Klinken im Sinne der Gemeinde zu putzen. „Ich werde alles tun, damit der TFNP gesichert wird und nicht weitere Windräder auf unserer Gemarkung entstehen“, sagt er.

Zuerst einmal will Weber die Vertreter in der Regionalversammlung mit dem gleichen (SPD)-Parteibuch kontaktieren. Dann geht es parteiübergreifend an die Mitglieder aus der näheren und weiteren Umgebung. „Ich will ungefähr mit der Hälfte der Versammlung ins Gespräch kommen“, kündigt er an. Eine Sisyphusarbeit, aber das Vorhaben des Bürgermeisters ist klar: Nur Stillfüssel und das war’s dann in punkto Windkraft-Gebiete.

Weber bezieht klar Stellung: „Ich erwarte, dass alle Bergsträßer Vertreter mein Vorhaben unterstützen.“ Und nennt gleich die Betreffenden: Josef Fiedler und Gerhard Herbert auf SPD-Seite, von der CDU Christian Engelhardt und Bürgermeister Rolf Richter aus Bensheim, Thilo Figai (Grüne), Christopher Hörst (FDP) und Dr. Erwin Schuster (AfD).

Der Rathauschef ist stolz über das Erreichte. Federführend war auf Gemeindeseite dabei Stefan Jäger vom Bauamt, dem das Planungsbüro IntraPro Lorsch mit Dirk Hettrich zur Seite stand. In den vergangenen eineinhalb Jahren wurde das Projekt in enger Abstimmung mit dem Regierungspräsidium vorangetrieben. „Zu 80 Prozent“ hatte Weber im Vorfeld die Erfolgsaussichten des TFNP geschätzt. 60 Prozent gibt er nun als Zahl für den Bestand dieses Plans vor der Regionalversammlung an.

Bis zum Inkrafttreten des Regionalplans wird sowieso noch viel Wind über die Odenwald-Hügel wehen. Oder auch nicht. Je nach den neuesten Erkenntnissen über Windhöffigkeit oder Wirtschaftlichkeit der WKA könnte das Thema vielleicht sowieso irgendwann obsolet sein, hofft er. Dazu kommt der starke öffentliche Druck aus der Bevölkerung gegen eine weitere Verspargelung der Landschaft. „Der Zeitgewinn hilft uns, weil dann neuere Erkenntnisse vorliegen“, sagt er.

Abtsteinach sagt dem Windkraft-Regionalplan den Kampf mit allen Mitteln an: „Die Anhörung kann nur noch als Farce bezeichnet werden“

Es geht ein rauer Wind. Vorbei ist es mit freundlichen Stellungnahmen und säuselnder, freundlicher Formulierung. Jetzt bläst dem Regierungspräsidium zu seinem Regionalplan Windkraftanlagen ein Orkan mit zunehmender Stärke ins Gesicht. Es muss sich auf stürmische Zeiten einstellen und mit dem geschlossenen Widerstand nicht nur der Bürger, sondern auch der Kommunen rechnen, die ihr Fähnlein nicht mehr nach dem Behördenwind hängen werden.

Die Abtsteinacher Stellungnahme zum Teilplan Erneuerbare Energien legt ein beredtes Zeugnis davon ab, wie groß die Frustration bei Verwaltungen und Mandatsträgern inzwischen ist. „Es bleibt keine Möglichkeit der Einflussnahme mehr“, kritisierte Bürgermeister Rolf Reinhard bei der Vorstellung des Antwortschreibens an das RP. Dem Ziel der politischen Führung, bis zum Jahr 2050 nur noch Strom aus erneuerbaren Energien zu gewinnen, „wird offensichtlich alles untergeordnet“. Die kommunale Selbstverwaltung existiere nur noch auf dem Papier.

„Die Gemeindeverwaltung weiß, dass die Stellungnahme sehr scharf formuliert ist und im ersten Eindruck vielleicht überzogen erscheint“, sagte der Bürgermeister. Jedoch sehe man zum jetzigen Zeitpunkt keine Möglichkeit mehr, „mit sachlicher Argumentation noch irgendwelche Veränderungen erreichen zu können“. Die Gemeindevertreter unterstützten ihn in dieser Argumentation voll und ganz und beschlossen das Schreiben einstimmig.

Wie Reinhard weiter sagte, helfe „aus unserer Sicht nur noch die Androhung offener Konfrontation, um auf die politischen Entscheidungsträger einwirken zu können“. Dies habe aber nur dann Erfolg, wenn der Schulterschluss möglichst aller Gemeinden im südlichen Odenwald gelinge. „Dieser sollte umgehend angestrebt werden.“

„Wir sind entsetzt darüber“, wie wenig Beachtung die bisherigen Stellungnahmen der Gemeinden im Überwald und darüber hinaus im südlichen Odenwald fanden, so Reinhard. Der Forderung auf einen ausgewogenen Ausbau mit einem Mindestabstand von zehn Kilometern zwischen den Windparks wurde keine Rechnung getragen. Es seien mit Grein, Mossautal, Stillfüssel und Kahlberg quasi Fakten geschaffen worden, mit denen man aber noch leben könne.

Nun werden aber Reinhard zufolge entgegen dem Willen aller umliegenden Gemeinden in der vorliegenden Planung weitere Verdichtungen vorgenommen bzw. beibehalten. Die führten dazu, „dass der gesamte südliche Odenwald quasi mit Windkraftanlagen überzogen werden kann“. Die in den Tälern liegenden Ortschaften „werden regelrecht von den Anlagen eingekesselt“. Die Anhörung „kann nur noch als Farce bezeichnet werden“, so der Bürgermeister.

Wenn weder Landschaftsbild, Wertverlust von Immobilien, naturschutzfachliche Belange oder gar die Windhöffigkeit noch eine Rolle spielten, weshalb sei die Meinung der betroffenen Gemeinden überhaupt noch gefragt, stellte er als rhetorische Frage in den Raum. Es klinge „wie blanker Hohn“, wenn festgestellt werde, dass in Kommunen mit guter Windhöffigkeit eine überproportionale Ausweisung von Vorranggebieten hinzunehmen sei.

Die kommunale Planungshoheit „ist das Papier nicht mehr wert ist, auf dem sie steht“, meinte Reinhard mit Bezug auf die Ausführungen im Regionalplan. Die Gesetzgebung werde „so verbogen, dass grundsätzlich freie Hand in den ausgewiesenen Vorranggebieten besteht“. Die Stellungnahme wird noch deutlicher: „Sie können davon ausgehen, dass wir alle juristischen Möglichkeiten ausschöpfen werden, um die Inkraftsetzung dieses Planungsentwurfs zu verhindern.“

Der Politik gab der Bürgermeister mit auf den Weg, „dass man sich nicht wundern braucht, wenn die Verdrossenheit vor Ort weiter zunimmt“. Schon jetzt sei feststellbar, dass sich der Bürgerprotest von anfänglichen Demonstrationen und Kundgebungen „hin zum massiven Protest bis zu gewalttätigen Auseinandersetzungen entwickelt“. Gemeindliche Ordnungsämter und Polizei seien an den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit angelangt. „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, dass diese Proteste weiter eskalieren.“

Von den verschiedenen Fraktionen erhielt Reinhard uneingeschränkte Rückendeckung. Ursula Jonasdofsky (SPD) zeigte sich „erschreckt“ von den Inhalten des Regionalplans. Das seien „Ausmaße, die man nicht mehr tolerieren kann“. Alles werde komplett über den Haufen geworfen. Brigitte Wetzel (CDU) wies darauf hin, dass es einen Planungsrahmen geben müsse, weil sonst das Baugesetzbuch gelte. „Dann kann jeder überall bauen.“ Aber auch ihr waren die Planvorgaben zu extrem.

Es sei zwar wichtig, eine Planung auf dem Tisch zu haben, „aber man darf dieser nicht alles opfern“, sagte Reinhard. „Wir wollen verhindern, dass jeder Höhenzug zugebaut wird.“ Laut Konrad Abraham (CDU) war es richtig, die Antwort so scharf zu formulieren. Auch Sabine Bachmann (Freie Wähler) unterstützte die vom Bürgermeister gewählten Formulierungen. „Wer ist nicht probiert, hat schon verloren“, meinte dieser abschließend.

Foto: Hirschhorner Schloss mit Windpark Greiner Eck im Hintergrund

Die Büchse der Pandora soll nicht noch weiter geöffnet werden: Bürgerinitiativen wollen Windräder auf dem Flockenbusch bei Schönmattenwag verhindern

Wehret den Anfängen: Nachdem schon der Windpark am „Stillfüssel“ (bisher) nicht verhindert werden konnte, wollen die Bürgerinitiativen nun weitere Rotoren auf Wald-Michelbacher Gemarkung mit aller Macht ausschließen und dabei alle Hebel in Bewegung setzen. Die Zielrichtung geht noch weiter: „Für einen Odenwald ohne Windkraft“ lautete die Forderung bei der Protestwanderung von Unter-Schönmattenwag zum Gebiet Flockenbusch, wo auf hessischer Seite drei und auf badischer bei Brombach sieben Windräder entstehen könnten.

So steht es – zumindest auf Hessen bezogen – im Entwurf des Regionalplans Erneuerbare Energien vom Regierungspräsidium Darmstadt, der sich aktuell noch in der Offenlage befindet und gegen den Einwendungen eingereicht werden können. Es wurde von den Rednern wiederholt die Furcht geäußert, dass mit der Verabschiedung des Plans Tür und Tor für eine Zubetonierung des Odenwalds mit Windenergieanlagen (WEA) geöffnet werden könnte. Von theoretisch 400 bis 500 Masten war die Rede.

Über 100 Windkraftgegner hatten sich trotz des nassen, ungemütlichen Wetters auf die vier Kilometer lange Strecke zum über 400 Meter hohen Breuningsberg gemacht. Dort könnten auf einem Grundstück des in Neckarsteinach wohnhaften Barons von Warsberg drei Windräder entstehen, wenn der Plan Wirklichkeit wird. Nur ein paar Meter weiter, auf badischer Seite, sieht der Eberbacher Flächennutzungsplan weitere sieben Anlagen auf der Gemarkung des Stadtteils Brombach vor.

Die sind dann zwar vom Ulfenbachtal aus kaum zu sehen, würden aber von Rothenberg und Kortelshütte im Odenwaldkreis die nächsten auf dem gegenüber liegenden Odenwald-Hügel bedeuten. In den beiden Höhen-Orten fürchtet man schon jetzt eine nahtlose Windrad-Perlenkette vom Greiner Eck bis hin zum Stillfüssel.

„Nur 15 Meter entfernt von unserem Standort würde eine 250 Meter hohe WEA entstehen“, verdeutlichte Schönmattenwags Ortsvorsteher Hans-Dieter Martin die Dimension. „Und links hinter mir ganz in der Nähe weitere zwei“, machte er den betroffenen Wanderern klar, die mit Blick nach oben nur dichte Baumkronen wahrnahmen. Auf dem Breuningsberg hatten die BI-Organisatoren für die Veranstaltung eine ganze Reihe von Campingzelten aufgestellt, damit die Wanderer im Trocken sitzen konnten. Dazu gab es Kuchen und diverse Getränke für diejenigen, die eine knappe Stunde den Berg hinauf gelaufen waren.

Mit dem „Stillfüssel“ wurde laut Martin „die Büchse der Pandora“ geöffnet. Und das, obwohl sich Windräder wirtschaftlich nicht rechneten. Deshalb ist es für ihn unbegreiflich, „dass eine Bank bei der Finanzierung noch mitmacht“. Der Ortsvorsteher freute sich, dass durch den Besuch des designierten Bürgermeisters Dr. Sascha Weber auch seitens der Gemeinde deutlich gemacht werde, dass keine weiteren Rotoren gewünscht werden. Das Problem: Die Fläche liegt auf Privatgelände. „Der Baron bekommt einen Windpark, wenn er einen Betreiber findet“, so Martin. Deshalb müsse zuallererst die Aufnahme des Gebiets in den Regionalplan verhindert werden.

Der Odenwald ist dem Ortsvorsteher zufolge „ein windschwaches Gebiet“. Noch dazu wehe immer öfters nur ein laues Lüftchen. „Im Januar, sonst einer der windstärksten Monate, ging eine Woche lang gar nichts“, so Martin. Er machte deutlich, dass sich die 2011 gegründete Bürgerinitiative Ulfenbachtal nicht per se gegen Windkraft ausspreche, „sondern nur dort, wo sie keinen Sinn macht“. Eben auf den Odenwald-Hügeln.

In diese Kerbe hieb auch Vera Krug von BI Gegenwind Siedelsbrunn. Auch wenn sich die Gemeinde dagegen ausspräche, „ist es nicht so einfach, Windräder zu verhindern“. Im Entwurf des Regionalplans sei Wald-Michelbach von fünf WEA „eingekesselt“. Sie rief deshalb dazu auf, Einwendungen zu schreiben. „Darauf dürfen wir uns aber nicht ausruhen.“ Es sei wichtig, dass die BI immer wieder in der Öffentlichkeit präsent sei.

Deshalb soll es laut Krug ab diesen Donnerstag jede Woche eine Demonstration durch Wald-Michelbach geben, kündigte sie an. Um 17 Uhr geht es an der Ecke Schulstraße los. Von dort soll sich der hoffentlich große Protest-Zug bis zum Rathaus bewegen. Den Bürgerinitiativen geht es darum, möglichst viele Menschen für das Thema zu sensibilisieren.

Info: Die BI Gegenwind Siedelsbrunn und Ulfenbachtal laden ein zur Informationswanderung auf den „Stillfüssel“. Diese findet am Sonntag, 21. Mai, um 11 Uhr statt. Treffpunkt ist in Siedelsbrunn am Wegkreuz „Zollstock“. Gast ist der Vizepräsident des Verbandes deutscher Naturparke, der ehemalige Landrat Matthias Wilkes.

Für Richard Leiner ist die einzig wirksame Maßnahme gegen den Klimawandel die Energieeinsparung. „Der größte Beitrag zum Klimaschutz wäre es, Urlaub in Deutschland zu machen statt ins Ausland zu fliegen“, sagte er. Deshalb leistet seinen Worten zufolge der Odenwald viel mehr für die Vermeidung von Kohlendioxid-Ausstoß, wenn er als Urlaubsgebiet propagiert statt mit Windrädern zugepflastert werde.

Der Heidelberger Geograf ging bei seinem Vortrag während der Kundgebung oberhalb des Flockenbusch auch darauf ein, dass Windenergieanlagen überhaupt nicht die Leistungsfähigkeit besäßen, um es mit konventionellen Kraftwerken aufzunehmen. Zwischen 1700 und 2000 Rotoren bräuchte es, um das Großkraftwerk in Mannheim zu ersetzen – und dann müsste auch noch ständig Wind gehen.

Diese Analyse brachte ihn zum Schluss, „dass Deutschland komplett beim Klimaschutz versagt“. Denn obwohl sich die Ökostrom-Produktion in den vergangenen Jahren verdoppelt habe, sei der Kohlendioxid-Ausstoß in der Stromwirtschaft nicht gesunken. „Wie kann man nur den Blödsinn glauben, durch ein paar Windräder im Wald den Klimawandel aufhalten zu können“, meinte er drastisch.

Leiner wies auf die seiner Auffassung nach negativen Auswirkungen der Windkraft-Nutzung hin. So gebe es Menschen, die unter den Schallimmissionen leiden, sagte er. Außerdem sinke der Immobilienwert in den betroffenen Gebieten. Und schließlich gebe es „einen signifikanten Zusammenhang“ zwischen dem Einbruch bei Touristenzahlen und der Nähe von Windrädern.

Es ist laut dem Geografen daneben ein Mythos, dass die Wertschöpfung in der Region bleibe. „Ein Großteil geht an die Projektierer“, sagte er. Die Kontrollmechanismen sind laut Leiner nicht mehr gegeben. Denn „die bisherigen Anwälte der Natur haben die Seiten gewechselt“. Er sah eine große personelle Verflechtung von Behörden, Betreibern, Verbänden und früheren Naturschützern. Deshalb wertete er die Bürgerinitiativen als wichtiger denn je. Sie seien „die größte Protestbewegung, die Deutschland je hatte“.

Leiner wies darauf hin, dass es sich beim Odenwald um eine einzigartige und schützenswerte Natur handle. Es sei aber nie kartiert worden, welche schützenwerte Arten dort vorkämen. Weshalb jetzt die Windkraftgegner in der Beweispflicht seien, „dass es sie dort gibt“. Bis vor kurzem sei dies noch Konsens gewesen, jetzt wurde seinen Worten zufolge alles ins Gegenteil umgekehrt.

Wenn die Vorrangflächen im Regionalplan erst einmal ausgewiesen sind, „wird es echt schwer Windräder zu verhindern“, meinte er. In Baden-Württemberg seien sogar die Landschaftsschutzgebiete durchlässig. Dort dürften Ausschlussflächen überhaupt nicht mehr ausgewiesen werden, sondern nur Vorranggebiete. „Alles, was der Windkraft im Weg stand, wurde abgeschafft“, so Leiner. Und das gegen den erklärten Willen der Kommune.

Windkraftgegner wollen weitere Anlagen bei Flockenbusch und bei Brombach verhindern

Jetzt nicht nachlassen. Auch wenn am „Stillfüssel“ schon die Bagger rollen und die Vorbereitungen für die Windpark-Errichtung auf vollen Touren laufen, bleibt die Bürgerinitiative (BI) Gegenwind Ulfenbachtal unentwegt am Ball. Denn Wald-Michelbach droht nach wie vor von Windrädern umzingelt zu werden, die auf den Hügeln rundherum entstehen könnten. Diesen Ansätzen will sich die BI mit aller Macht entgegenstellen, wurde jetzt auf der Info-Veranstaltung im Sängerheim deutlich.

Um die 100 Interessierten quetschten sich in den Saal, um den Ausführungen von Herbert Martin und seinem Bruder, Ortsvorsteher Hans-Dieter Martin, zu lauschen. Im Anschluss gab es eine rege Diskussion. Die Gefahr lauert im Süden, machten beide deutlich. Denn oberhalb von Flockenbusch könnten drei, anschließend auf badischer Seite bei Brombach weitere sieben Windräder entstehen, sagte Herbert Martin. „Das darf uns auf dem Flockenbusch nicht passieren“, meinte er mit Blick auf Bilder von der Rodung auf dem „Stillfüssel“.

Der neue südhessische Regionalplan, der demnächst in die Offenlage geht, sehe im südlichen Kreis Bergstraße und angrenzenden Odenwaldkreis weitere Vorrangflächen für Windkraft vor, sagte er. So etwa den Bereich Ober-Schönmattenwag Richtung Aschbach. Martin kam bei seiner Zählung auf 38 mögliche Windenergieanlagen (WEA), aus der Runde wurden 400 im ganzen Odenwald genannt. Der zu Beginn anwesende designierte Bürgermeister Sascha Weber sagte seine Unterstützung beim Einsatz gegen weitere Windräder auf Wald-Michelbacher Gemarkung zu.

Anfang 2016 wurde Martins Worten zufolge von einem Betreiberkonsortium der Antrag für die Errichtung von drei WEA bei Flockenbusch auf hessischer Seite gestellt. Die Gemeinde habe den Antrag beim Regierungspräsidium gestellt, eine Entscheidung darüber ein Jahr aufzuschieben. Das RP sei diesem gefolgt, aber die Betreiber hätten dagegen Klage eingereicht, über die noch nicht entschieden sei. Er wies darauf hin, dass es sich beim Flockenbusch-Gelände um Privatbesitz des in Neckarsteinach wohnhaften Freiherrn von Warsberg handle.

Seit 2012 engagiere sich die BI vor Ort gegen die Windkraft, erläuterte er. Man habe Windmessungen durchgeführt und Gutachten in Auftrag gegeben. Wer die Aktiven unterstützen wolle, habe dazu mehrere Möglichkeiten. Zum einen etwa die grünen Anti-Windenergie-Banner aufhängen. Dann bei Demos oder Sternwanderungen mitmachen. Zum anderen Vogelbeobachtungen dokumentieren. Und außerdem sich weiter informieren und Ideen einbringen.

Herbert Martin nannte als wichtigen Termin die Offenlage des „Teilplans Erneuerbare Energien des Regionalplans Südhessen“. Diese erfolgt vom 3. April bis 19. Mai. Die Pläne müssten im Internet zu finden und auf der Gemeinde einzusehen sein. Daneben soll auch der Eberbacher Flächennutzungsplan, in dem das Brombacher Gebiet enthalten ist, im April/Mai offengelegt werden. „Wir müssen dann Einsprüche nach Darmstadt und Eberbach schicken“, forderte er auf. Am 7. Mai soll es eine Sternwanderung nach Brombach geben.

Für die Einwendungen wird es eine Vorlage geben, die Rechtsanwalt Stefan Glatzl erstellt, sagte Edith Egner. Die könne man dann unterschreiben, andererseits sei es aber wichtig, dass jeder auch seine eigene Einwendung abgebe. Denn das RP müsse jede einzelne prüfen. Je mehr, desto besser. Infos soll es sowohl über einen E-Mail-Verteiler als auch durch die Auslage an zentralen Stellen im Ort geben.

Hans-Dieter Martin machte auf den Konflikt zwischen den Regionalplan und der Vorgabe der hessischen Landesregierung aufmerksam, nach der zwei Prozent der Fläche für Windenergie vorzuhalten sei. Denn diese Marge sei eigentlich mit „Stillfüssel“ erreicht. Doch wenn private Eigentümer Flächen auswiesen, werde es schwierig. Die konzertierte Aktion der gesamten Gemeinde, wie sie der scheidende Bürgermeister Joachim Kunkel vorgeschlagen habe, sah er als unterstützenswert an. Allerdings müsse die BI trotzdem auch selbst am Ball bleiben, forderte er.

„Wir dürfen jetzt nicht nachlassen, sondern müssen weitermachen“, sagte er. Auf die Gemeindevertreter sei dahingehend einzuwirken, so der Ortsvorsteher, dass diese sich mit allen Kräften gegen einen weiteren Ausbau der Windenergie einsetzten „und notfalls auch den Klageweg beschreiten“. Er rief dazu auf, auch die Landtagsabgeordneten zu diesem Thema anzuschreiben.

Für die Klatsche, die der von der CDU unterstützte Kandidat bei der Bürgermeisterwahl in den beiden Schönmattenwags einfuhr, hatte Martin eine Erklärung: „Wir fühlen uns seit 2012 verschaukelt“, meinte er. Denn in Wald-Michelbach sei die Planung der Windkraftanlagen, die weiter südlich niemand haben wollte, vorangetrieben worden.

Wald-Michelbach: Informationen zum Thema Windenergie aus allen Blickwinkeln

Die geplante Windenergieanlage (WEA) auf dem Höhenrücken „Stillfüssel“ hat die Bürger auf die Barrikaden getrieben. 1700 Unterschriften sammelte die im April gegründete Bürgerinitiative innerhalb kürzester Zeit dagegen, machte über einige Demonstrationen lautstark Wind gegen das Projekt. Bisheriger Höhepunkt der Aktionen war die jetzige, vierstündige Infoveranstaltung in der mit 500 Besuchern voll besetzten Rudi-Wünzer-Halle.

Die veranstaltenden Bürgerinitiativen (BI) Gegenwind Siedelsbrunn und Ulfenbachtal hatten dazu vier Referenten eingeladen, die in sachlicher Atmosphäre das Thema Wind aus allen Blickwinkeln beleuchteten. Da ging es um die Gefahren durch Infraschall, die unwiederbringliche Zerstörung der Natur zugunsten wirtschaftlicher Interessen, die Unrentabilität der WEA und schließlich die rechtlichen Punkte, wie Bürger noch Einwendungen gegen die geplanten Windräder vorbringen können.

Eine „überaus positive Resonanz“ zog im Anschluss Wolfram Schmied seitens der BI. Er zeigte sich sehr erfreut, dass so viele Interessierte gekommen waren, um sich zum Thema zu informieren. Es müsste seiner Meinung nach der Gemeindeverwaltung und auch den Genehmigungsbehörden zu denken geben, wenn sich Bürger in dieser großen Zahl über die möglichen Gesundheitsgefahren von Windkraft und ihre Auswirkungen informierten.

Der Facharzt für Arbeitsmedizin Dr. med. Bernhard Voigt ging in seinem Referat detailliert auf die Gefahren durch Infraschall ein. Entgegen der landläufigen Meinung gebe es die nämlich sehr wohl. Behauptungen, dass Infraschall nicht gesundheitsschädlich sei, lasse eklatante physikalische Aspekte und medizinische Argumente außer Acht, sagte er. „Die bisherigen Schutzregeln bilden Infraschall nicht ab“, argumentierte Voigt.

Wie der Mediziner sagte, ergebe sich für den Körper eine Belastung von 100 Dezibel, „auch wenn man es nicht hört“. Selbst das Umweltbundesamt erkenne inzwischen an, dass die bisherigen Richtlinien nicht mehr ausreichten. An Schäden könnten Beeinträchtigungen der Gleichgewichtsorgane oder Schlafstörungen auftreten.

Anhand der Aussagen verschiedener Fachleute versuchte Voigt die Gefährlichkeit des Infraschalls aufzuzeigen. Auch der Deutsche Ärztetag fordere, die noch bestehenden Wissenslücken zu schließen. Kleinere Länder seien weiter als Deutschland: In Dänemark gebe es ein Bau-Moratorium, bis die Auswirkungen der Windkraft auf den Menschen erforscht seien.

Diplom-Geograph Dr. Richard Leiner wies unter viel Zwischenbeifall auf die „schizophrene“ Handlungsweise beim Thema Windkraft hin. Es gebe immer mehr Natursehnsucht, aber die Natur werde durch Windräder immer mehr zerstört. Die Idee eines Geo-Naturparks, wie es ihn im Bereich Bergstraße-Odewald gebe, werde durch WEA verwässert.

Leiners Hauptargument lautete jedoch, dass durch die Windenergie der Klimawandel überhaupt nicht gestoppt werde. Denn der Kohlendioxid-Ausstoß nehme nicht wie gewünscht ab, sondern steige teilweise sogar noch an. Er machte dies an völlig verfehlten politischen Vorgaben fest, die über das Erneuerbare-Energien-Gesetz die regenativen Energien förderten, aber dadurch Gaskraftwerke in den Ruin trieben. Übrig blieben als Quellen Erdöl und Kohle.

Wenn man den gesamten Pkw-Kraftstoffverbrauch um acht Prozent reduzieren würde, „spart dies mehr Energie ein als durch Windkraft erzeugt wird“, propagierte er. Leiner wies daneben auf die negativen Auswirkungen von Windrädern auf den Tourismus hin. Gerade der verspargelte Hunsrück bekomme dies sehr negativ zu spüren.

Prof. Dr. Gerhard Moroff von der BI Ulfenbachtal referierte, dass die Erwartungshaltung an den wirtschaftlichen Ertrag von WEA oft zu optimistisch vorgetragen werde. Das habe selbst der Bundesverband Windenergie festgestellt. Und dessen Anlegerbeirat habe darauf hingewiesen, dass Privatanleger investiertes Geld verlieren könnten. Nur bei 35 Prozent der WEA betrage die Ausschüttung zwei Prozent und mehr, 37 Prozent hätten sogar einen negativen Cash-Flow.

Rechtsanwalt Stefan Glatzl rief dazu auf, die Regionalplanung durch Einwendungen beim Regierungspräsidium Darmstadt noch anzufechten. Jeder Bürger sei aufgerufen sich zu engagieren, um eines der letzten zusammenhängenden Naturgebiete, den Odenwald, zu schützen. In einer Videobotschaft bezog der ehemalige Landrat Matthias Wilkes eindeutig Stellung gegen Windenergie. Es gelte, den Weg des sanften Tourismus weiterzugehen und nicht den, „der schnelles Geld verspricht“.

Bürgerinitiativen aus dem Überwald wollen die Energiegenossenschaft zum Windkraft-Verzicht auf dem „Stillfüssel“ bewegen

Wald-Michelbach/Erbach. Den beiden Vorständen der Energiegenossenschaft Odenwald (EGO) dürften noch längere Zeit die Ohren klingeln. Nicht unbedingt wegen der lautstark vorgetragenen Argumente der Windkraft-Gegner, sondern wegen dem ohrenbetäubenden Trillerpfeifen-Lärm vor dem EGO-Hauptsitz in Erbach. Vor diesen waren rund 100 Demonstranten aus der Wald-Michelbacher Ecke gezogen. Sie machten mobil gegen sechs geplante Windräder im Gebiet „Stillfüssel“ auf dem Höhenrücken beim Ortsteil Siedelsbrunn.

Bei der Verwirklichung bzw. Vermarktung dieser Windenergieanlage ist neben der Entega auch die EGO mit im Boot. Und deshalb wandten sich die Bürgerinitiativen Gegenwind Siedelsbrunn und Ulfenbachtal nun an die Genossenschaft, um sie zur Aufgabe des Projekts zu bewegen. Sicherlich auch vor dem Hintergedanken, dass sich die EGO im Odenwaldkreis aus der aktiven Planung von Windenergieanlagen (WEA) zurückgezogen hat, weil der für den geordneten Bau notwendige Flächennutzungsplan vom Regierungspräsidium Darmstadt abgelehnt worden war.

Die beiden BI haben bereits für ordentlich Wirbel gesorgt. Inklusive Demonstrationen vor dem Regierungspräsidium und vor der Entega in Darmstadt. Erst im April gegründet, sind die Siedelsbrunner fast rund um die Uhr aktiv, um das ihrer Meinung nach herrliche Stückchen Odenwald rund um den Hardberg von Windrädern freizuhalten. BI-Sprecherin Vera Krug formulierte wortreich den Widerspruch zwischen dem Titel Unesco-Geopark Bergstraße-Odenwald und dem Bau von sechs Windrädern.

Die Windkraft-Gegner brachten aber auch weitere Einwände wie Infraschall, Rückgang des Tourismus, Wertverlust von Immobilien, Belastung von Mensch und Natur beim Bau sowie vor allem Tier- und Naturschutzgründe vor. Mit ein Hauptargument ist das Vorkommen von seltenen Tierarten wie Wespenbussard oder Schwarzstorch. Am Vorkommen von letzterem sei schon ein Windpark bei Sensbachtal gescheitert, erläuterte Krug. Sie forderte mehrfach von der EGO, sich jetzt von diesem letzten Projekt im Überwald zu distanzieren.

BI-Sprecher Wolfram Schmied appellierte bei der emotionalen, von vielen – auch unsachlichen – Zwischenrufen unterbrochenen Veranstaltung an die Genossenschaftsvertreter, sich sofort von der WEA zurückzuziehen. Sie habe weder Rückhalt in der Bevölkerung noch sei sie wegen der schwachen Winde überhaupt wirtschaftlich. Als in der Region ansässiges Unternehmen solle die EGO „die Belange der Menschen ernst nehmen“. Allein die nachgewiesenen Flugrouten des hier sesshaften Schwarzstorchpaares „sind Grund genug, dieses Projekt und jegliche Gedanken an Windindustrie zu stoppen“.

Vera Krug erläuterte, dass es bereits 60 Vogelbeobachtungen gegeben habe, „allein 41 mit dem Schwarzstorch“. Außerdem habe man gerade in den letzten Tagen mehr als 300 Bilder von den gefährdeten Tieren gemacht. „Was brauchen Sie noch?“, meinte sie an die EGO-Vorstände gewandt. „Sie sollten mit uns die Natur gemeinsam schützen.“ Zusammen mit den 1700 gesammelten Unterschriften gegen die WEA übergab sie auch eine Dokumentation der Vogelbeobachtungen. Und eine „rote Karte“ für die bisherige Haltung der Firma.

„Wir sind richtig sauer“, machte sie klar, dass die BI so schnell wie möglich den Abbau des Windmess-Mastes erwartet. Denn schon dieser könne den bedrohten Vogelarten gefährlich werden. Es könne nicht angehen, meinte sie, „dass ein im Odenwald ansässiges Unternehmen dabei mithilft, die Natur zu zerstören“. Die Firma sollte Abstand davon nehmen, auf dem „Stillfüssel“ etwas bauen zu wollen.

EGO-Vorstandsmitglied Thomas Mergenthaler machte deutlich, dass sich die Genossenschaft nur an politisch gewollten Projekten beteilige. Wenn es wie in Wald-Michelbach eine öffentliche Ausschreibung gebe, dann sehe er darin den entsprechenden Willen der Kommunalpolitiker und ein klares Mandat. „Natürlich wollen auch wir Rechtssicherheit haben“, meinte er. Wenn die BI daran mitwirke, diese zu schaffen, „ist das auch in unserem Sinne“.

Sollte sich das Schwarzstorch-Vorkommen bestätigen, dann werde das sicher Auswirkungen auf den Genehmigungsprozess haben, so Mergenthaler. Dessen Ausgang wolle man abwarten und sich nach dem Ergebnis richten. Der Vorstand kündigte an, dass es in der nächsten Zeit weitere Gespräche mit den Anwohnern und auch der Systelios-Klinik geben werde. Am Dienstag solle es dazu Infos auf der öffentlichen Gemeinderatssitzung in Wald-Michelbach geben.

EGO-Vorstandsvorsitzender Christian Breunig wies darauf hin, dass man schon sehr frühzeitig Infoveranstaltungen zum Thema Windkraft angeboten habe. Es gebe ein bestimmtes rechtliches Verfahren, sagte er. Komme es in dessen Rahmen zu relevanten Ergänzungen, die das Projekt in Frage stellten, dann könne die WEA möglicherweise nicht gebaut werden, argumentierte er ähnlich wie Mergenthaler. Beide Vorstände versicherten den Demonstranten: „Wir nehmen ihre Ängste ernst“.

Schmied versuchte vor dem Hintergrund des EGO-Hinweises auf die Info-Veranstaltungen im Vorfeld den Vorständen näherzubringen, dass in Wald-Michelbach die Öffentlichkeit nur schlecht unterrichtet worden sei. Es sei von der Gemeinde immer wieder betont worden, dass das „Thema schon entschieden ist“. Genau deshalb, meinte er, „stehen jetzt die Leute auf und gehen auf die Barrikaden“.