Wo Geschirr draufsteht, sind auch Lampen drin

Es sind wahre Raritäten, die Gabi Michel-Mieslinger im Geschirrdepot beherbergt. Wobei der Name eigentlich dem Inventar nicht gerecht wird, denn Bilder, Küchengeräte, Lampen oder Bügeleisen sind auch in der ehemaligen Feuerwache im Raum hinter der Fahrradwerkstatt zu finden. Michel-Mieslinger zaubert aus dem oberen Regal einen alten Tauchsieder hervor. Nebendran steht ein Rowanta-Infrarotgrill, gefolgt von einem Muffin-Maker. Natürlich nicht zu vergessen die gefühlt tausenden von Tassen.

Start des Geschirrdepots war 2015 im ehemaligen Schulhaus von Aschbach, erinnert sich die Siedelsbrunnerin. Das war auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsankünfte, als die Menschen mit nichts in Deutschland ankamen. Die Grundausstattung durch den Kreis „reichte bei Weitem nicht“, erläutert sie. Auf einen Spendenaufruf hin sprudelte das Geschirr nur so. Zuerst deckten sich die Migranten mit Haushaltswaren, Geschirr und Dekoartikeln ein, um ihr neues Zuhause wohnlicher zu machen.

Inzwischen kann jeder der möchte, zwei Mal in der Woche in die Pestalozzistraße 15 kommen, um entweder ausrangierte Gegenstände vorbeizubringen oder auch welche gegen eine Spende zu holen. „Wir sind für alle Bürger offen“, betont Michel-Mieslinger. Das aber natürlich „in haushaltüblichen Mengen“ und nicht, um danach ganze Services auf dem Flohmarkt zu verschachern.

Die 53-Jährige weiß von ganz unterschiedlichen Gründen, etwas abzugeben oder zu holen. Sie hat bei der Arbeit schon ganz besondere Erlebnisse gemacht. So deckte sich ein junges Ehepaar für die Taufe mit Geschirr ein, weil es sich dieses nicht leisten konnte. Eine andere junge Frau holte Tassen, weil die Kinder in ein Alter kamen, als sie mit zerbrechlichem Geschirr hantierten. Dann gibt es noch diejenigen, die ein bestimmtes Service geerbt haben und nachschauen, ob es nicht noch andere Stücke davon gibt.

Da ist das Paar mit der ersten gemeinsamen Wohnung oder der Student aus Mannheim, der sich seine Bude einrichtet. „Es spricht sich ganz langsam rum“, hat Michel-Mieslinger festgestellt. In spe hat sie vor, die Öffnungszeiten auch auf Facebook publik zu machen, „weil sich dort viele ihre Infos holen“. Etliches läuft sowieso über Mund-zu-Mund-Propaganda.

Positiv für den Bekanntheitsgrad war kürzlich das AWO-Fest am Feuerwehrgebäude, weil dadurch viele Interessierte reinschauten. Bei den Jüngeren stellt sie sogar einen gewissen Wiedererkennungsfaktor fest. Tenor: „Das stand doch bei der Oma in der Küche.“ Zufrieden ist Michel-Mieslinger mit dem Zustand der abgelieferten Waren: „fast alle gut bis sehr gut“, meint sie.

Ob etwas fehlt? „Backbleche“, meint die Ehrenamtliche wie aus der Pistole geschossen. Und gleich danach: „Große Töpfe werden auch immer gesucht.“ Aber sonst kann sie über nie klagen, was sich auch an diesem Nachmittag zeigt. Da kommen zwei ältere Damen vorbei und schauen sich die Kaffeeservices an, ein Ehepaar bringt diverse Überbleibsel einer Wohnungseinrichtung vorbei.

Lampen gibt’s en masse, Tassen bis zum Abwinken, Teller in allen Variationen, dazu Plastik-Aufbewahrungsboxen oder Kaffeeservice. Bei den Gläsern herrscht in den Standardausführungen ein kleiner Mangel. „Nicht jeder will das Bier aus dem Weinglas trinken“, scherzt Michel-Mieslinger. Für den stilechten Gerstensaft-Genuss hat es jedoch den Humpen mit dem Logo einer längst nicht mehr existierenden Brauerei. Wie auch nebenan der Jubiläumsteller einer Firma liegt, die schon längst ihre Pforten geschlossen hat.

Hinter ein paar Tassen zieht sie einen alten Stich von München heraus, wie auch auf dem anderen Tisch ein paar Bilder mit Tiermotiven stehen. Dazu fällt der Siedelsbrunnerin die Geschichte ein, dass sie ein Bild aus einer Haushaltsauflösung an die Wand hängte. Als später ein Ehepaar vorbeikam, erkannte die Frau das von ihr vor Jahren gemalte und verschenkte Motiv. Klar, dass sie es mitnahm.

Für die Igelpflegestelle in Ober-Mumbach, einen Ableger der Igelburg Mossautal, sammelt Michel-Mieslinger einzelne Tellerchen und Schälchen, damit die Tierchen daraus problemlos trinken können. „Die haben die Waren schon zwei Mal abgeholt“, freut sie sich. Einzelne Deckel gehen an einen Abnehmer, dessen Vater drechselt und sie als Verschluss für seine Kreationen braucht.

Mit eine der größten Lieferungen dürfte das Geschirr einer ehemaligen Gaststätte gewesen sein. 150 Kaffeekännchen, Zuckerstreuer und Kaffeeservices gingen ohne Umwege an ein junges Ehepaar, das ein alternatives Café aufmachte. „Die haben sich gefreut wie die Schneekönige“, sagt sie. Goldrandgeschirr wird separat aufgehoben. Das kam etwa bei der AWO-Feier zum Einsatz, um Einweggeschirr zu vermeiden. „Wir wollen davon wegkommen“, betont sie. Wer das ebenfalls möchte, kann es auch für seine Zwecke ausleihen.

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Fast perfektes Weihnachtsmarktwetter in Wald-Michelbach mit kleinen Schönheitsfehlern

Winterwunderland auf der Hofwiese vor dem Einhaus. Nach den kräftigen Schneefällen, die sich am Sonntagnachmittag zuerst noch fortsetzten, präsentierte sich der Platz genauso stimmungsvoll, wie man es sich für einen Weihnachtsmarkt erhofft. Dazu noch die stimmungsvolle Beleuchtung: Das Ambiente war perfekt.

Ab Freitagabend hatten viele Gäste aus dem Überwald und drüber hinaus die Traditionsveranstaltung besucht. Musik gab’s auch en masse: von der Kocherbacher Trachtenkapelle, der ÜWG-Bigband, der EBS-Blaskapelle, dem evangelischen Posaunenchor, der Feuerwehrkapelle und der Blasmusik Schimmeldewog. Das Kinderkarussell war wie auch der Süßwarenstand ein begehrtes Ziel der Kleinsten unter den Besuchern. Das Resümee der Standbetreiber war durchwachsen: Manche stellten großen Andrang fest, andere wiederum hätten sich mehr Gäste gewünscht.

„God Rest You Merry Gentlemen“, „I´ll Be Home For Christmas“, „Feliz Navidad“ oder „A Charly Brown Christmas“ lauteten neben anderen Weihnachtsstücken die Songs der ÜWG-Bigband. „Wir haben das E-Piano dieses Mal einen halben Ton runtergestimmt“, lachte Leiter Sebastian Schertel. Denn bei der Kälte klingen die Blasinstrumente automatisch etwas tiefer – und so passte beides zusammen. Schertel freute sich über den vollen Bereich vor der Bühne, als Eltern, Freunde und Verwandte den jungen Musikern zuhörten.

Beim MGV Union zeigte sich Vorsitzender Matthias Fischer zufrieden über den „sehr guten Besuch“ in toller Atmosphäre. Ihm gefiel die durchgehende musikalische Umrahmung. Traditionell gibt’s bei den Sängern Kartoffelpuffer sowie roten und weißen Glühwein. 80 Kilo Kartoffeln werden in der Regel für die drei Tage verarbeitet. Margit Emig bereitet den Teig zu und sitzt im Gaderner Zuhause quasi „in Rufbereitschaft“, um wieder nachzuproduzieren, lachte Mann Gunther.

Er wiederum ist der Fachmann für den Glühwein. Der wird vom MGV nicht fertig eingekauft, sondern aus normalem Wein hergestellt. Emig süßt den mit Honig und gibt neben geviertelten Orangen auch Zimtstangen hinzu. Der gesamte Verein ist übers Weihnachtsmarkt-Wochenende im Schichtbetrieb im Einsatz, weiß Vorsitzender Fischer.

Die afghanische Nudelsuppe kam beim Stand von „Wald-Michelbach hilft“ besonders gut an. „Die wird hoch gelobt“, freute sich Irina Burger. Marokkanischer Linsen- oder türkischer Couscoussalat waren neben gefüllten Weinblättern und Bulgur weitere von den Flüchtlingen zubereitete Speisen, die viele Abnehmer fanden. Türkisch-syrischer Tee mit dem entsprechenden Gebäck sorgte für einen süßen Abschluss. Hier stellte man einen „schubweise“ Besuch fest.

„Bei uns brummt es“, sagte Susanne Arnold an der Bude des ÜWG-Fördervereins. „Es ist auf jeden Fall mehr los als 2016“, meinte sie. Teilweise gingen sogar die Glühwein-Tassen aus. Viele ehemalige Lehrer und Schüler schauten vorbei, um sich mit den Getränken aufzuwärmen oder einen Flammkuchen zu essen, der im Backhaus frisch zubereitet wurde. „Der geht unheimlich gut“, so Arnold. Ob’s an den Referendaren lag, die sich in diesem Jahr damit erstmals ihre Sporen verdienen durften?

Exakt 481 Päckchen mit Weihnachtsgebäck hatte Dieter Kunkel hergestellt und bot sie am CDU-Stand an. Vanillekipferl, Husaren-Krapferl, Rosinenplätzchen, Kokosmakronen oder Marzipan-Pralinen mit Alkohol ließen schon beim Anschauen das Wasser im Mund zusammenlaufen. Die gemischte Tüte mit allen zehn Sorten ging laut Kunkel am besten. Anfang November beginnt er mit der „Produktion“ und verarbeitet dann in ein paar Wochen 70 Kilo Teig.

Im Vergleich zu den Vorjahren gab’s am Samstagabend noch relativ viele Tütchen. Ein Eindruck, den der Plätzchenbäcker bestätigte: „Der Besuch war durchwachsen.“ Er führte das trotz des optimalen Weihnachtsmarkt-Glühweinwetters auf die „fehlende eine Woche“ mit dem 24. Dezember als 4. Advent zurück. Dadurch ballten sich die Veranstaltungen auf weniger Tage.

Monika Jung aus Finkenbach zaubert in ihrer Freizeit viele verschiedene Motive aus Holz. Seit zwei Jahren widmet sie sich bereits diesem Hobby. Für ihre Arbeiten verwendet sie Eichen- und Buchenholz aus dem Odenwald. Hergestellt wird, was Jung gerade in den Sinn kommt. Manches davon „ist nicht ganz gerade, die Rinde ist gesprungen oder das Holz hat Unebenheiten“. Das ist aber gewünscht. „Ich will nicht die Handschrift der Natur verfälschen“, betont sie.

„Versuch’s doch mal zur verkaufen“, lautete die Aufmunterung aus dem Freundeskreis. Was sie auch umsetzte und nicht nur „für meine eigene Wohnung“ ans Werk ging. „Mir macht das unheimlich Spaß“, betont sie. „Am liebsten würde ich jedes Stück selbst behalten.“ In Wald-Michelbach verkauften ihre Söhne Kevin und Marcel ihre Unikate, weil die „Holzarbeiterin“ parallel auf dem Weihnachtsmarkt in Schönau war. Nächstes Wochenende ist sie in Hirschhorn anzutreffen.

Letztes Wald-Michelbacher Begegnungscafé in diesem Jahr – Über den Winter soll es eine „Findungsphase“ zur Verbesserung geben

„Es fehlen die neuen Begegnungen“, meint Jutta Monnheimer. Sie ist eine der Organisatorinnen, die sich jeden Monat um das Begegnungscafé kümmern. Das fand jetzt zum letzten Mal in diesem Jahr im evangelischen Gemeindehaus statt. Im Dezember ist „Wald-Michelbach hilft“ auf dem Weihnachtsmarkt vertreten. Dort werden wieder viele Flüchtlinge die Ehrenamtlichen beim Verkauf im Stand unterstützen. Diesmal soll aus den Erfahrungswerten der vergangenen Jahre heraus der Schwerpunkt auf herzhaften, warmen Speisen liegen. So gibt es Suppe aus Afghanistan, Falafel aus Syrien, Linsensalat, gefüllte Teigtaschen oder Baklawa.

In der Winterpause soll es dann voraussichtlich bis Ende Januar ein Brainstorming, eine Ideensammlung geben, wie die monatliche Veranstaltung attraktiver gestaltet werden kann. Die „Findungsphase“ zur Verbesserung beinhaltet auch die Terminfrage – könnte das Begegnungscafé an einem anderen Wochentag vielleicht stärker frequentiert werden?

Monnheimer vermisst vor allem die Realisierung der eigentlichen Idee dahinter: nämlich Begegnungen zwischen Einheimischen und Migranten zu schaffen. Viele kommen inzwischen regelmäßig, aber es fehlen vor allem auf Seiten der Wald-Michelbacher die neuen Gesichter, beklagt sie. Dabei ist die Rückmeldung jeden Monat die gleiche: eine schöne Veranstaltung in herzlicher Atmosphäre mit fröhlichen Kindern. Sie betont deshalb: „Alle Wald-Michelbacher Bürger sind eingeladen.“

Dieses Mal standen beim Spiele-Part Bastelarbeiten im Vordergrund, die nicht nur die Kleineren, sondern sogar junge Erwachsene begeisterten. Aus Kokosnüssen wurde eine Kette hergestellt. Das internationale Büffet war besonders reichhaltig. Gefühlt nahmen jetzt mehr Menschen aus Afghanistan oder dem Irak teil, meinte Jutta Monnheimer. Bei diesen stand natürlich das Thema Anerkennung oder Abschiebung im Mittelpunkt. Deshalb gab es auch ein Interesse der Flüchtlinge an der Bundespolitik, stellte sie fest: Da es für sie richtungsweisend sein kann, welche Regierung ans Ruder kommt.

Bei den Syrern steht ihrer Erfahrung nach Arbeits- und Wohnungssuche stark im Fokus. „Viele wollen auf eigenen Füßen stehen“, betonte sie. Es sei den Menschen bewusst, dass es „in der Gesellschaft Gegenwind gibt“. Deshalb legten sie Wert auf Integration und wollen dem Staat nicht auf der Tasche liegen. Zu geringe Sprachkenntnisse stehen aber Tätigkeiten auch im Hilfsarbeiterbereich noch im Weg. Andererseits gibt es laut Monnheimer aber aktuell keinen entsprechenden Deutschkurs, der als Voraussetzung dient.

Nach wie vor gestaltet sich die Wohnungssuche für anerkannte oder geduldete Flüchtlinge, die aus den Sammelunterkünften ausziehen könnten, sehr schwierig. Es gibt immer mal wieder Lichtblicke. Meistens dann, wenn ein Suchender schon ziemlich gut die deutsche Sprache spricht. Dass aber jemand eine eigene Unterkunft findet, „ist eher die Ausnahme“. Dabei haben Vermieter bisher durchweg positive Erfahrungen gemacht, wenn sie sich „trauten“.

Etliche Themen wurden beim „Runden Tisch Flüchtlinge“ in Wald-Michelbach angesprochen

Es ist einige Zeit seit dem letzten „Runden Tisch Flüchtlinge“ vergangen. Das machte sich an den zahlreichen Detailfragen bemerkbar, die den Helfern, Paten, Interessierten, aber auch Flüchtlingen auf dem Herzen lagen und manchmal stark in Einzelheiten abdrifteten. Die Wohnungssituation, Autokauf, Führerschein und Sprachkurse standen im Mittelpunkt des Treffens im Rathaus-Sitzungssaal. Die Moderation lag in den Händen von Bürgermeister Sascha Weber.

Auf dem Podium hatte eine kompetente Damenregie mit einem Quotenmann Platz genommen. Das Jobcenter Odenwald in Mörlenbach war vertreten durch seine Leiterin Sabine Linnert und Mitarbeiter Peter Wagner. Martina Seeger war von „Navi Bergstraße“ dabei, das über ESF-Mittel finanziert wird und dem Jobcenter angeschlossen ist. Vom Kreis Bergstraße war die Leiterin des Ausländer- und Migrationsamtes, Susan Masserat, vor Ort.

Darja Janus vom Team Flüchtlinge und Aussiedler im Landratsamt stand ebenso für Rückfragen zur Verfügung wie Christine Engesser von der Wald-Michelbacher AWO. Sarah Dickmeis vom Jugendmigrationsdienst Orbishöhe, im örtlichen Jugendtreff aktiv, und die lokale Flüchtlingskoordinatorin Gabi Michel-Mieslinger, waren weiterhin dabei.

Weber hatte eine weitere Information dabei: „Wir sind sehr bemüht, kurzfristig zusätzliche Kindergartenplätze zu schaffen“, meinte er. In der Vergangenheit war das Fehlen immer wieder ein Hemmschuh für Mütter aus Flüchtlingsfamilien gewesen, die Deutschkurse besuchen zu können.

Fürs Begegnungscafé überlegt man, attraktive Anreize zum Besuch zu schaffen. Denn nach den Beobachtungen der Organisatorinnen nimmt die Frequenz der Einheimischen ab, während seitens der Flüchtlinge immer die gleichen Familien dabei sein. Hier gehen die Vorschläge in Richtung Themencafés oder der Selbstpräsentation von Vereinen und Organisationen. Das soll im neuen Jahr angegangen werden. Die letzte „reguläre“ Veranstaltung in diesem Jahr findet am Samstag, 25. November, ab 15 Uhr im evangelischen Gemeindehaus statt.

Ab dem kommenden Frühjahr soll es eine Fahrradwerkstatt geben. Diese wird in den ehemaligen Feuerwehr-Räumlichkeiten in der Pestalozzistraße angesiedelt. Dort sind bereits AWO und Flüchtlingsinitiative untergebracht. Verantwortlich ist Kfz-Meister Rüdiger Mieslinger (Kontakt unten). Die Finanzierung geschieht über eine Spende der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung aus dem Programm „500 Landinitiativen“. Für 9300 Euro werden Werkzeug, Einrichtung und Verbrauchsgegenstände angeschafft.

Das Motto lautet wie immer „Hilfe zur Selbsthilfe“. Die Flüchtlinge sollen lernen, wie sie ihren Drahtesel selbst wieder herrichten können. Auch soll ihre Mobilität gesteigert werden, da gerade auf dem Land der ÖPNV nicht so dicht getaktet ist. Oder eben die Haltestellen mit dem Fahrrad besser erreicht werden können. Handwerklich begabte und interessierte Mitstreiter auf ehrenamtlicher Basis sind gerne gesehen. Fahrräder jeder Art werden erst ab Januar angenommen.

„Wald-Michelbach hilft“ wird wieder am diesjährigen Weihnachtsmarkt teilnehmen. Diesmal soll aus den Erfahrungswerten der vergangenen Jahre heraus der Schwerpunkt auf herzhaften, warmen Speisen liegen. So gibt es Suppe aus Afghanistan, Falafel aus Syrien, Linsensalat, gefüllte Teigtaschen oder Baklawa.

Ein Dauerbrenner ist die Wohnungssituation. Nach wie vor ist es für Flüchtlinge, die aufgrund ihrer Anerkennung oder Duldung aus der Sammelunterkunft ausziehen können, schwierig, eine Wohnung zu finden. Dabei haben Vermieter bisher durchweg positive Erfahrungen gemacht, hebt Gabi Michel-Mieslinger hervor. Sie weiß von einer älteren Dame, die am Anfang skeptisch war, aber jetzt in der Familie total integriert ist. „Die deutsche Oma wird überall hin mitgenommen“, sagt sie. Deshalb appelliert die Koordinatorin an potenzielle Vermieter, sich einen Ruck zu geben. Sie spricht von einer „Win-win-Situation“.

Auf die verschiedenen Sprachkurse ging Christine Engesser ein. Von anfangs sieben gebe es jetzt noch zwei. Was auch „gut so ist“, da es ehrenamtlich nur eine Übergangslösung sein sollte. Sie zeichnete die diversen Möglichkeiten nach. Wichtig sei es, dass Mütter mit kleinen Kindern die Chance bekommen, in Wald-Michelbach Deutsch zu lernen. Denn diese seien nicht besonders mobil.

Angesprochen wurde in der Runde die unbefriedigende Situation für afghanische Flüchtlinge. Diese lebten in der Schwebe, weil die Entscheidungen über ihren Status oftmals unterschiedlich seien. Hier werde die große Politik „auf dem Rücken der Menschen“ ausgetragen, so die Klage. Über ihre Beratungsmöglichkeiten unterhalb der „offiziellen“ Ebene Jobcenter informierte Martina Seeger, die auch in Wald-Michelbach Sprechstunden anbietet. Ausführlich diskutiert wurde danach das Thema Führerschein und Autokauf durch Flüchtlinge, wozu Sabine Linnert Auskunft gab.

Kontakt: Gabi Michel-Mieslinger, Telefon 06207-9499220 oder E-Mail waldmichelbachhilft@web.de

„Wir sind total zufrieden mit der Resonanz“: Fester Besucherstamm beim Spiel- und Basteltreff in Wald-Michelbach

Der Spiel- und Basteltreff für Flüchtlings- und einheimische Kinder hat sich zur Erfolgsgeschichte entwickelt. „Wir sind total zufrieden mit der Resonanz“, freut sich Mitorganisatorin Irina Burger. Die ist mitunter so groß, dass sich die Helferinnen mehr Unterstützung wünschen. „Wir brauchen händeringend noch Betreuer“, sagt sie. Es gibt einen festen Besucherstamm, hat Burger beobachtet. Ab und zu kommen aber auch immer wieder neue Gesichter hinzu – so wie beim jetzigen Treffen.

„Die Kinder sind jetzt angekommen“, haben die ehrenamtlichen Betreuerinnen festgestellt. In Kindergarten und Schule haben sich erste Freundschaften gebildet. „Das macht es wesentlich leichter.“ Wenn sich die Heranwachsenden dann nachmittags zum Spielen treffen, sind die Barrieren abgebaut, die früher bestanden. Sprachprobleme mit den Familien, die bereits ein oder zwei Jahre in Wald-Michelbach wohnen, „sind kein Thema mehr“. Burger hat beobachtet, dass inzwischen „die Systeme laufen“.

Jetzt geht es um ganz andere Dinge, in denen sich die Kinder egal welcher Nationalität gleichen. „Wir müssen klare Regeln bestimmen und vermitteln“, betont Burger. Sonst tanzen die Kids den Erwachsenen auf dem Kopf herum. Dabei helfen feste Strukturen und Muster, die an jedem Nachmittag immer gleich praktiziert werden. Auch Spiel- und Bastelzeiten unterliegen bestimmten Regularien.

Zusammen mit Inge Dobner und Angelika Monnheimer „überlegen wir uns immer ein Motto“, so Burger. Darum herum werden dann Spiele, Lieder und Bastelangebote konzipiert. Vor kurzem war das ein Traumfänger im Zusammenhang mit einer Traumreise. Richtung November will man sich mit dem Thema St. Martin beschäftigen und Laternen basteln. Aktuell ging es um das Motto „Spielen“. Ein Memory wurde auch dazu genutzt, die Sprache zu erlernen.

Zum Glück, freut sich Irina Burger, ist die Gruppe durch eine Caritas-Spende noch gut mit Bastelmaterial ausgestattet. Über die Organisation soll demnächst auch ein Workshop angeboten werden. Männliche Unterstützung gibt es seit kurzem durch Donat Skroch. Er meldete sich auf einen Aufruf in der WhatApp-Gruppe von Wald-Michelbach hilft, freut sich Burger. Weitere Helferinnen sind Gerlinde Diwisch-Lutz und Julia Lammer.

„Von Säuglingen bis hin zu 15-jährigen Jugendlichen“ sind in der 20- bis 25-köpfigen Kindergruppe alle Altersgruppen vertreten. Inzwischen kommen einige auch schon allein, ohne die Eltern, vorbei und bringen teilweise die jüngeren Geschwister mit. Zwei oder drei deutsche Familien sind als Stamm immer mit dabei, erläutert die Organisatorin. Die Hilfe der Mütter wird gerne angenommen. „Die Kommunikation untereinander klappt sehr gut“, hat sie beobachtet. „Das macht den Austausch schöner.“

Um immer up to date zu sein, mit der Zeit zu gehen und auch mal Ansprechpartner in anderen Dingen als Sprachproblemen sein zu können, „besuchen wir regelmäßig Fortbildungen“, sagt Irina Burger. Denn neue Herausforderungen warten, wenn die Kids aus Syrien, Afghanistan oder Tschetschenien älter werden und sich „Probleme“ einstellen, mit denen jeder Jugendliche irgendwann einmal konfrontiert wird. Oder ihnen aber noch traumatische Erlebnisse von der Flucht nachhängen.

 

 

Info: Der Spiel- und Basteltreff findet jeden zweiten Freitag im Monat von 15.30 bis 17 Uhr im katholischen Gemeindehaus Wald-Michelbach statt. Nächste Termine sind 10. November und 8. Dezember. Interessierte Helfer können sich bei Irina Burger, Telefon 06207-605547, E-Mail Irina.Burger@t-online.de melden.

Schönes, harmonisches und buntes Fest: Betreuer von „Wald-Michelbach hilft“ und Flüchtlinge feierten gemeinsam

„Es war ein schönes, harmonisches und buntes Fest“, kommt Flüchtlingskoordinatorin Gabi Michel-Mieslinger im Rückblick immer noch ins Schwärmen. Die Betreuer von „Wald-Michelbach hilft“ und ihre Schützlinge hatten sich an der Siedelsbrunner Grillhütte für einen unterhaltsamen Nachmittag versammelt. Bei dem standen für die Kinder zahlreiche Spiele auf dem Programm, die Erwachsenen kamen über Gott und die Welt ins Gespräch. Die Rückmeldungen war durchweg positiv: „Von beiden Seiten kam viel Dank bei mir an“, freute sie sich.

Spielgeräte aus der Spende von „Ein Herz für Kinder“ im Wert von 300 Euro durften ausprobiert werden. Darunter waren Bälle, (Spring-)Seile, Schwungtuch oder Gummitwist. Hochwertige Federballspiele steuerte die Volksbank Überwald-Gorxheimertal bei. Die wurden auch gerne von den Erwachsenen in Anspruch genommen. Dank der Unterstützung der Metzgerei Peter konnten Geflügelwürste und Geflügelsteaks zu einem guten Preis bezogen werden. Neben dem Fleisch wurden auch die Getränke aus dem Erlös des Weihnachtsmarktstandes bezahlt.

Aufgrund des heißen Wetters waren die Wasserspiele der Jugendfeuerwehren aus Wald-Michelbach und Siedelsbrunn sehr begehrt. Das Jugendrotkreuz vom Kreis Bergstraße stellte kostenfrei den Kinderschminkkoffer zur Verfügung. Damit die Flüchtlinge direkten Kontakt mit der Odenwälder Esskultur erhalten, spendete das Gasthaus „Jägerlust“ aus Gadern fünf Kilo Kochkäse zur kulinarischen Einstimmung. Die Hütte war von der Gemeinde kostenfrei zur Verfügung gestellt worden.

Von den 220 in Wald-Michelbach betreuten Flüchtlingen waren trotz des Ramadans etwa 120 mit dabei und feierten. Sie kamen aus vielen verschiedenen Ländern wie Syrien, Türkei, Iran, Irak, Afghanistan, Eritrea oder Tadschikistan. Fast jede Familie brachte ein landestypisches Essen mit. Musik gab es auf der Tambour und auf der Saz, zwei traditionellen arabischen Instrumenten. Neben Paten und Sprachlehrern schauten auch der scheidende Bürgermeister Joachim Kunkel und sein Nachfolger Dr. Sascha Weber vorbei.

Neben den fehlenden Integrationskursen kristallisiert sich zunehmend die Wohnsituation als ein Problem heraus. „Es gibt einen dringenden WG-Bedarf“, so Michel-Mieslinger. Von einem bis zu fünf Zimmer mit Küche und Bad. Leider gebe es bei den Vermietern immer noch viele Vorbehalte. Sie rief die Eigentümer auf sich zu überwinden und den Menschen eine Chance auf eine eigene Wohnung zu geben. Denn bisher „habe ich durchweg nur positive Rückmeldungen“, sagte die Koordinatorin. Die Flüchtlinge helfen gerne im Haus oder auf dem Grundstück mit, betonte sie. Aktuell würden Teppiche und Kochtöpfe dringend gesucht.

Ein großes Thema ist daneben die Kinderbetreuung. Ist die nicht gegeben, können die Frauen nicht an Deutsch- oder Integrationskursen teilnehmen. In Wald-Michelbach gebe es aktuell weder Platz bei Tagesmüttern noch in den Kindergärten. Und der nächst gelegene Kurs mit Betreuung findet in Heppenheim bei der Caritas statt. Quasi unerreichbar.

Die Integrationserfolge sind laut Michel-Mieslinger trotz diverser Widrigkeiten messbar. Wenn bestimmte Deutschkurs-Level erreicht sind, beginnen manche danach gleich mit einer Ausbildung, etwa als Bäcker, Maurer, oder Elektriker. „Zwei Flüchtlinge haben sogar schon den deutschen Führerschein“, freute sie sich. Besonders stolz sind die Betreuer auf den 27-jährigen Mohammed. Der kam vor etwa eineinhalb Jahren nach Wald-Michelbach und hat sich im Alleingang „durchgebissen“, organisiert alles mit Erfolg für sich selbst.

Mohammed besuchte Deutsch- und Integrations-Kurs und lernt aktuell bei der VHS in Weinheim an der Abendschule vertiefend die Sprache. Er arbeitete schon in Syrien als Elektriker und durchläuft aktuell auch hier die Ausbildung für diesen Beruf. Dazu machte er den Führerschein, kaufte sich ein kleines Auto und mietete sich eine eigene Wohnung. „Er nimmt sein ganzes Leben selbst in die Hand. Es ist Wahnsinn, wie hilfsbereit der junge Mann ist“, ist Michel-Mieslinger voll des Lobes.

 

Info: Wer gerne eine Patenschaft für eine Flüchtlingsfamilie übernehmen möchte oder sonstige Infos benötigt, kann sich unter Telefon 06207/9499220 oder E-Mail Waldmichelbachhilft@web.de bei Gabi Michel-Mieslinger melden.

Den Spiel- und Basteltreff für Flüchtlinge und Einheimische in Wald-Michelbach gibt es seit einem Jahr

Eine schöne Erfolgsgeschichte ist der Spiel- und Basteltreff für Flüchtlinge und Einheimische. Vor ziemlich genau einem Jahr wurde die Gruppe ins Leben gerufen und traf sich das das erste Mal. Inzwischen kommt man im zweiwöchentlichen Rhythmus im katholischen Pfarrheim am Freitagnachmittag zum Spielen, Basteln und zum interkulturellen Austausch zusammen.

Vor allem für die Kinder und Jugendlichen der geflüchteten Familien, die aufgrund ihrer sprachlichen Barrieren oftmals keine oder wenige sozialen Kontakte haben, wurde diese Gruppe – eine Initiative von „Wald-Michelbach hilft“ – gegründet. Doch auch die Eltern begleiten ihre Sprösslinge gerne und nutzen die Zeit, in der die Kleinen spielen und basteln, zum Plaudern und Teetrinken.

Inzwischen haben sich sogar feste Rituale eingebürgert: Es gibt beispielsweise ein Anfangs- und Schlusslied, das selbst die noch nicht Deutsch sprechenden Kinder mittlerweile begeistert mitsingen. Dieser Tage trafen sich die Gruppenmitglieder zu einem letzten Zusammensein in diesem Jahr. Das sollte ein ganz besonderes werden.

Das Organisationsteam empfing die Teilnehmer an diesem Nachmittag in den gewohnten, nun jedoch gemütlich-adventlich dekorierten Räumen bei Lebkuchen, selbstgebackenen Plätzchen und Tee. Nach einem stimmungsvollen Auftakt mit einigen Advents- und Weihnachtsliedern, die alle in kleinen selbstgebastelten Liederbüchlein mitverfolgen konnten, wurde auch dieses Mal wieder gemeinsam gebastelt.

Große Augen gab es gegen Ende des Treffens: Die Frauengruppe aus Schönmattenwag hatte für alle Kinder Mützen und Schals gestrickt und spendeten diese. Sie wurden ebenso wie diverse Kuscheltiere und Malsachen der Stiftung „Ein Herz für Kinder“ in liebevollen Päckchen an die Kinder verteilt. Die Organisatoren und Verantwortlichen (Inge Dobner, Uschi Kypke, Julia Schmitt und Irina Burger) freuten sich darüber, dass neben den regelmäßigen auch neue Besucher dabei waren.

Das Quartett würde sich aber weiterhin über noch mehr Zuspruch – vor allem von Wald-Michelbacher Bürgern und deren Kindern – freuen. Des Weiteren sucht das Team dringend auch weitere Unterstützung für die eigenen Reihen. Wer Interesse und Freude hat, sich für die Sache zu engagieren, kann sich gerne melden bei Irina Burger, Telefon 06207-605547, oder E-Mail Irina.Burger@t-online.de.

Info: Nächster Termin des Spiel- und Basteltreffs für Flüchtlinge und Einheimische ist am Freitag, 13. Januar, 15.30 Uhr im katholischen Pfarrheim Wald-Michelbach.