Quiz zur Überwälder Traumnacht: Zehn knifflige Fragen waren zu lösen

Die zehn Fragen waren wohl doch ziemlich knifflig. Unter den 150 Rückläufern zum Gewinnspiel anlässlich der Traumnacht waren einige dabei, bei denen nicht alle zehn Antworten stimmten. Umso mehr dürfen sich die Gewinner der Hauptgewinne freuen, die jetzt in der Sparkasse ausgelost wurden. Die drei Preise wurden aus dem Loskarton gezogen. Da unter den Fragebogen auch einige mit falschen Antworten waren, dauerte es etwas, bis der Hauptpreis mit allen richtigen Antworten dabei war.

Der wie auch der zweite Platz gingen nach Wald-Michelbach. Über den Hauptgewinn, einen Rundflug über den Odenwald mit einem Ultraleichtflugzeug (geschlossen oder offen), kann sich Monika Enners freuen. Start ist in Michelstadt, erläuterte Ute Schumacher von der Heckenmühle. Pilot wird Georg Schumacher sein. Natürlich wird auf Wunsch auch der Überwald angesteuert. Einen Geschenkkorb von Edeka Schmitt erhält als zweiten Preis Marcel Riebel.

Der dritte Platz ging in die Pfalz. Alexander Basler aus Neustadt an der Weinstraße darf sich über einen Präsentkorb der Sparkasse mit fester und flüssiger Nahrung freuen. Als „Glücksfee“ fungierte OZ-Mitarbeiter Thomas Wilken. Museumsbesuch, Nutzung der Shuttle-Busse und des Planwagens sowie das umfangreiche Rahmenprogramm bei der Traumnacht waren kostenlos. Wer wollte, konnte die Veranstaltung aber mit einem Kulturbeitrag von drei Euro unterstützen. Erstmals war damit die Teilnahme an einem Jubiläums-Gewinnspiel verbunden. Denn die Veranstaltung fand zum zehnten Mal statt.

Beantwortet werden mussten Fragen zu allen zehn Orten, an denen auch die Boxen aufgestellt waren. Mit am einfachsten gestaltete sich die Frage zu Unter-Abtsteinach. Dass Backhaus und Kapelle den Veranstaltungsort begrenzen, wusste praktisch alle Teilnehmer. Schwieriger war mit den Jahreszahlen. Dass die Jahreszahl 1801 am historischen Backhaus eingemeißelt ist, war nicht allen geläufig. Ebenso wie das Erbauungsjahr 1907 der Gustav-Adolf-Kirche in Affolterbach.

Auch die Zahl der Seligpreisungen an der Empore der evangelischen Kirche Wald-Michelbach (acht) stellte sich als etwas knifflig heraus. Ziemlich einfach war der Ritter im Kleiderbügelzimmer des Überwald-Museums herauszufinden. Manganerz als Abbauprodukt der Grube Ludwig war ebenso nicht schwer. Dass in Hammelbach am Pranger die Lebenden unter den Toten waren, wussten wiederum nicht alle.

Zur Ermittlung der Gewinner waren die Beteiligten an der Traumnacht in der Sparkasse zusammengekommen. Dort begrüßte Filialleiter Bruno Klemm. Gundolf Reh vertrat den Museums- und Heimatverein, Paul und Björn Schmitt waren fürs gleichnamige Edeka-Geschäft dabei. Die ZKÜ vertraten Sebastian Schröder und Eva Sattler. Für die Heckenmühle war Ute Schumacher erschienen, die Gemeinde wurde durch Bürgermeister Sascha Weber repräsentiert.

ZKÜ-Geschäftsführer Schröder sprach von einem zufriedenstellenden Rücklauf bei der Verlosung. Das in diesem Jahr erstmals durchgeführte Gewinnspiel werde wieder stattfinden, sagte er. Man überlege derzeit, wie man den Kulturbeitrag besser „an den Mann“ bringen könne. Die „kniffligen Fragen“ ließen sich an den jeweiligen Orten auflösen, betonte Schröder. Dass man dabei aber wohl schon ziemlich forschen musste, zeigte sich seinen Worten daran, dass um die 400 Fragebogen ausgegeben wurdne, aber nur um die 150 zurückkamen.

Advertisements

Bei der Traumnacht: Einblicke in die alte Handwerkskunst des Überwalds

Der Platz vor dem Überwald-Museum gehört traditionell Jürgen Walter und Jürgen Baron. Beide zeigen dort ihr altes Handwerk, während in den Museumsräumen die Geschichte der Region aus vergangenen Jahrhunderten in Augenschein genommen werden kann. Die Besucher wurden bei der Traumnacht von Vereinsmitglied Anneliese Daub eingewiesen, die gleichzeitig auf den freiwilligen Kulturbeitrag zur Finanzierung und das Gewinnspiel aufmerksam machte. Zwischendurch gab es auch eine Bilderpräsentation von OZ-Fotograf Fritz Kopetzky mit den schönsten Motiven aus den vergangenen neun Traumnächten zu sehen.

Jürgen Baron wohnt nur wenige Meter weiter in der Schwalbengasse. Eigentlich ist er Stuhlflechter, ebenso ein altes, fast ausgestorbenes Handwerk wie die Herstellung von Holzschindeln, die er an diesem Abend demonstriert. Diese hat er sich in den vergangenen Jahren angeeignet – auch aus eigenem Interesse. Denn Baron wohnt in einem mehr als 300 Jahre alten Fachwerkhaus mit Holzschindeln an den Außenwänden.

„Um die 16.000 dürften es wohl sein“, schätzt der Wald-Michelbacher. Da diese aufgrund ihres Alters ab und zu erneuert werden müssen, nutzt er die Traumnacht-Vorführung dafür, den benötigten Ersatz herzustellen. Jedes Jahr sind es somit um die 150 Eichenholz-Schindeln, die Baron ohne Zutun moderner Maschinen herstellt. Das Handwerk hat er von einem Bauern im Allgäu gelernt. Allerdings dauerte es dann noch einmal 20 Jahre, „bis ich es umsetzte“. Handgeschnitzte Schindeln reißen immer an der Holzfaser entlang und sind deshalb beständiger.

Die Herstellung von alten Reisigbesen demonstrierte Jürgen Walter aus Ober-Schimmeldewog. Er schaute sich dieses Handwerk beim Schwiegervater ab, der es nebenbei praktizierte. Die Materialien für die Besen kommen praktisch alle aus der Natur, so Walter. Das Reisig von jungen Birken wird am besten im Winter geholt, wenn die Äste noch nicht ausgetrieben haben. Jung deshalb, „denn wenn die Birkenzweige älter sind, werden sie zu biegsam und sind nicht mehr verwendbar“.

Ähnlich verhält es sich mit den Haselnussstecken, die er als Besenstil verwendet. Auch für sie hat Walter bereits spezielle Plätze ausgemacht. Denn die Stangen müssen eine bestimmte Dicke und haben und sehr gerade sein. „Das Schälen und Binden geht mit zehn Minuten relativ schnell, aber das Holen und Organisieren nimmt um einiges mehr an Zeit in Anspruch“, verrät er. Die benötigten Werkzeuge sind ziemlich überschaubar: Säge, Häbe (ein gebogenes Schneidwerkzeug) und der Bock zum Einspannen des Birkenreisigs.

Grube Ludwig und Grube Aussicht werden unter anderem im Überwald-Museum thematisiert, erläuterte Anneliese Daub den Interessierten. Dazu kommt noch die Kleiderbügel-Ausstellung. Die noch gar nicht fertig ist, „denn viele liegen noch eingepackt auf dem Speicher“. Außerdem gab es die Mineraliensammlung im Bergwerkszimmer zu sehen und ein altes Schulzimmer aus der Zeit vor 100 und mehr Jahren. „Die Leute sollen keine Schwellenangst haben“ und die Geschichte des Überwalds, ihrer Heimat, kennenlernen, wünschte sie sich.

Sehr schön beleuchtet war der Platz zwischen den beiden Kirchen und auch diese selbst. Beim Harfenkonzert in der evangelischen Kirche spielte und erzählte Peter Wucherpfennig zweimal je 45 Minuten. Bei beiden Aufführungen war die Kirche gut besucht. Das Ambiente innen und außen war sehr stimmungsvoll. Dazu passten auch die leise Harfenmusik und die Erzählungen von Mythen und Sagen der „grünen Insel“ Irland. Wucherpfenning gelang es, durch seine lebendige Erzählweise Spannung aufzubauen und die Zuhörer in den Bann zu ziehen. „Traumhaft entspannend“ war es für diese.

In der katholischen Kirche startete der Abend mit einer Kinderandacht. Der Weg zum Altar war mit Tüchern, Kerzen und Rosenblättern dekoriert. Meditative Musik ließ die Besucher zur Ruhe kommen. Die Kirche war auch einer der beiden Auftrittsorte des Wald-Michelbacher MGV Union, der unter der Leitung von HaJo Karl einige Lieder aus seinem Repertoire sang. Die Sänger freuten sich bei dieser Premiere über „die sehr große Resonanz“, die jenseits aller Erwartungen lag.

In den etwa 20 Minuten bei jeder Darbietung spannte der Dirigent einen großen Bogen der Kirchenlied-Literatur. Es ging los bei der Gregorianik über Romantik und Klassik bis hin zu zeitgenössischen Stücken. So war ein Lied von Mendelssohn zu hören, aber auch Volkstümliches mit dem „Sanctus“ der Bergsteigerchöre. Für die 20 Sänger war der Auftritt in diesem schönen Umfeld und Ambiente sehr motivierend. Der Beifall der Besucher tat ein Übriges, dass Karl „hellauf begeistert“ war.

Der Überwald zauberte bei der Traumnacht wieder ein Lächeln auf die Gesichter

Kurz vor der Traumacht-Eröffnung ging der Blick von Gundolf Reh durch die Menge. „Das sind mehr als im vergangenen Jahr“, freute sich der Vorsitzende des Museums- und Heimatvereins mit Blick auf die beschirmten Gäste, die den Aufbau auf der neuen Hofwiese gerne nutzten und sich vor den Sonnenstrahlen schützten. In ihrer zehnten Auflage war die Kulturveranstaltung des Überwalds wieder einmal vom Wetter verwöhnt. Sehr lange hielten es die Gäste abends bei lauschigen Temperaturen vor dem Einhaus aus, während auf der Stage-Bühne die „Travellers“ spielten.

Während die Sänger vom MGV 1951 für die Bewirtung sorgten, hatte Dieter Kunkel bereits am Morgen das Backhaus angeworfen. Zuerst waren über Mittag die beliebten Sauerteigbrote verkauft worden, die wieder reißenden Absatz fanden. Abends gab es dann Flammkuchen, der ebenso schnell seine Abnehmer fand. Die verschiedenen Sitzgelegenheiten auf der Hofwiese waren ruckzuck in Beschlag genommen und die Plätze wurden knapp, als die Shuttlebusse immer weitere Gäste ausspuckten.

„Der Überwald zaubert ein Lächeln“: So hatte Reh vor neun Jahren die erste Traumnacht eröffnet. Zwei Stunden zuvor wäre ihm das damals fast vergangenen, schmunzelte er. Denn es regnete und schüttete. Aber „jede Traumnacht fand seither im Trockenen statt“, sagte er. Als Idee von Stoewer-Fan Manfried Bauer, doch eine Lange Nacht der Museen im Überwald zu veranstalten, stieg man zu dieser Zeit in die Traumnacht-Planungen ein, erläuterte Gundolf Reh.

Inzwischen sei man mit der Unterstützung der Zukunftsoffensive Überwald (ZKÜ) sehr weit gekommen, beleuchtete er die Entwicklung. Ganz zu Beginn der Reihe waren die Besucherreihen noch spärlicher besetzt. Aber im Lauf der Jahre zog die Veranstaltung immer mehr Zuschauer an, weil sie sich auch weiterentwickelte. „Sie verbindet den ganzen Überwald“, so Reh, und war der Beginn einer interkommunalen Zusammenarbeit, „die ganz ohne Probleme funktioniert“.

Er freute sich, auch in diesem Jahr wieder ein hervorragendes Programm „mit einer super Pyro-Show zum Abschluss“ ansagen zu können, das sich aus den Acts der vergangenen neun Male speiste. Ohne die vielen Unterstützer wäre aber alles nichts, weswegen der Vorsitzende den 50 Ehrenamtlichen dankte, die jeweils im Laufe der Jahre an diesem Abend im Einsatz waren und sind.

„Kultur gibt es nie kostenlos“, meinte ZKÜ-Geschäftsführer Sebastian Schröder. Als Gast sei aber der Traumnacht-Besuch kostenfrei, wozu Sponsoren beigetragen hätten. „Mit ganz viel Herzblut“ werde die Veranstaltung vorbereitet, wies er auf das Engagement von ZKÜ-Mitarbeiterin Eva Sattler hin. „Menschen machen die Traumnacht so erlebenswert“, sagte Schörder. Gundolf Reh transportiere die Idee über alle Kanäle, nannte er unter anderem den Live-Auftritt des Vereinsvorsitzenden im hessischen Rundfunk.

„Liebe Traumtänzer“, begann Apfelkönigin Sina Schmitt ihre Begrüßungsworte. Die Traumnacht habe sich zu einem kulturellen Highlight der Region entwickelt. „Ohne sie würde was fehlen.“ Sie wünschte den Gästen, sich von dem einmaligen Erlebnis verzaubern zu lassen. Bürgermeister Dr. Sascha Weber dankte den mitwirkenden Vereinen. „Ohne deren Engagement wäre die Veranstaltung nicht möglich“, betonte er. Für eine Gemeinde dieser Größe habe Wald-Michelbach eine beachtliche Anzahl von Museen und Denkmälern, „die sich bestens präsentieren“.

2500 bis 3000 Besucher dürften es in allen Orten gewesen sein, schätzte Sebastian Schröder im Nachklapp. Etwa so viele wie in den vergangenen beiden Jahren. „Diesmal kamen aber auch zahlreiche von außerhalb“, beobachtete er. Er traf Besucher aus Hanau, Weinheim oder Zwingenberg an. „Genau darauf haben wir abgezielt“, freute sich Schröder. „Die Traumnacht scheint sich im weiteren Umkreis immer mehr rumzusprechen.“

Highlight des Abends war die Feuershow der Pyromantiker. Dafür war extra der große Schirm eingefahren worden, damit der Blick in den Himmel frei wurde. „Fast noch einen Tick besser“ als die Lasershow im vergangenen Jahr empfand er diese Darbietung. Das Lapidarium, die Sammlung bearbeiteter historischer Steine am Einhaus, wurde mit Einbruch der Dunkelheit schön illuminiert. Schröder zog „ein sehr positives Fazit“. Die Künstler haben einen sehr guten Job gemacht, meinte er. Dazu kamen noch Optimierungen wie die bessere Taktung des Shuttlebusses.

Bei Vollmond wurde in Hammelbach die Nacht zum Traum

Fritz Röth ist ein lebendes Motorrad-Lexikon. Sein Motorradmuseum ist jedes Jahr bei der Traumnacht geöffnet, wie auch das Museum für alte Läden und Reklame weiter oben in der Straße. Beide Orte bilden den Schwerpunkt der Museumsmeile im Ort, die jedes Jahr sehr viele Besucher anziehen. Zwischendrin, bei evangelischer Kirche und Kapellruine, gab es dann Balsam für die Ohren. Den Eisenbahnfreunden konnte man im Schultheißenhaus über die Schulter schauen. Organisiert wird alles vom Kulturbüro.

Seine Begeisterung über alles, was zwei Räder hat, hat Röth auch an seine Frau Johanna und Sohn Matthias weitergegeben. Die wissen ebenfalls zu jedem Ausstellungsstück Bescheid. Sein besonderer Stolz ist eine MotoGuzzi von 1934 mit liegendem Einzylinder. Der Beiwagen hat einen „Schwiegermutter-Sitz“, also eine dritte Mitfahrgelegenheit. „Denn damals war das Motorrad ein Familienfahrzeug“, wusste Matthias Röth. Autos waren Mitte der 30er Jahre in Italien noch nicht so weit verbreitet.

Das Motorrad hat Fritz Röth vor mehr als 20 Jahren direkt aus Italien geholt, erinnert sich seine Frau Johanna. „Von einem alten Herrn, der es in gute Hände angeben wollte.“ Es wurde in einer Fabrik am Comer See hergestellt, in Mandello dell’Ario. Das Adler-Emblem der Firma auf der 500ccm-Maschine, erläuterte Matthias Röth, sei dem ursprünglichen Firmenzweck gewidmet. Denn MotoGuzzi stellte zuvor Fluggeräte für die italienische Luftwaffe her.

Zu Fritz Röth kamen in den 70er Jahren die Motorrad-Enthusiasten, als der Run auf die zwei Räder noch nicht eingesetzt hatte. „Das waren alles Liebhaber“, erinnert er sich. Die ihn fragten: „Kannst du mir nicht diese oder jene Maschine organisieren?“ Auf diese Weise machte Röth den Namen Suzuki in Deutschland groß, brachte Ducati, Honda oder MotoGuzzi nach Deutschland und in den Odenwald.

Oder die Horex, für die er die Markenrechte erwarb und dann in einem Zweigwerk von Fichtel und Sachs in Portugal produzieren ließ. „Davon wurden 10.000 Stück in Deutschland verkauft“, weiß der Motorrad-Grandseigneur noch, als ob es gestern gewesen wäre. Auch wurden 20 Rennmaschinen gebaut.

Fritz Röth muss man nur einen Markennamen hinwerfen und sofort kommt er ins Erzählen. Kein Wunder, denn über 40 Marken gingen im Laufe des Berufslebens bereits durch seine Hände. Darunter auch solche Exoten wie MZ, Jawa oder Simson. „Wo ein Motor mit zwei Rädern dran war, bin ich dabei gewesen“, macht der eingeschworene Hammelbacher klar, dass ohne ihn die Geschichte des Motorrads in Deutschland ganz anders verlaufen wäre.

Was sich auf zwei Rädern alles beim Trial anstellen lässt, demonstrierten vor den Ausstellungsräumen die Fahrer des MSV Hammelbach. 25 von ihnen sind aktuell bei Meisterschaften aktiv und an 35 Wochenenden im Jahr unterwegs. Mit vier oder fünf Jahren können die Kids mit diesem Sport bereits starten, die Ältesten im Verein sind an die 70 Jahre alt. Werbung für das zwei Mal pro Woche stattfindende Training gab’s auch gleich obendrauf.

Während beim Motorradmuseum die Band „Nachtkrapp“ mit Rockrhythmen für schöne Unterhaltung sorgte, waren es beim Museum für Alte Läden und Reklame traditionell die „Bonanzaz“. Akkordeon, Mundharmonika und zwei akustische Gitarren sorgten für treibenden Sound, der die Gäste mitriss. Am Beginn der Museumsmeile gab es Gutes aus der Thai- und syrischen Küche, an deren Abschluss feine Brände, Kartoffelspalten oder auch Crepes. Eine große Menschentraube hatte sich dort schon traditionell eingefunden.

Es war wie eine Zeitreise 50, 80 oder 100 Jahre zurück: Eine alte Registrierkasse erinnerte an Kaiser- und Weimarer Zeit, der Gemischtwarenladen ließ die Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg lebendig werden: Das Museum für Alte Läden bot auf kleinstem Raum einen Blick zurück in die Zeit zwischen 1900 und 1960, lässt die Besucher in Nostalgie schwelgen. Und davon waren es viele während der Überwälder Traumnacht, die einen Blick in einen der Original-Läden werfen wollten.

Gleich am Eingang steht ein kompletter Apothekerschrank mit zahlreichen Mittelchen. Der Kobold von der Schokoladenfabrik Altona spuckte früher „Vanille Krem Schokolade“ aus, geworben wurde für Knorr Suppen oder mit „Aber Tantchen, man wäscht doch mit Persil“. Seit Frühjahr 2014 sind hunderte Original-Artikel und zahlreiche Emaille-Reklameschilder in historischem Ambiente zu finden. Dr.-Oetker-Puddingpulver, noch volle Coca-Cola-Flaschen, Zopfspangen, Persil-Waschmittel und unzählige andere Waren aus alten Tante-Emma-Läden gibt es hier zu bestaunen.

Zum Schluss zog Raimund Bach fürs Kulturbüro ein fast überschwängliches Fazit: „Das war ein klasse Fest, die Leute waren super drauf – und bis spät in die Nacht unterwegs.“ Besonders beeindruckend war seinen Worten zufolge der Auftritt des MGV Union in der Kapellruine. „Da herrschte bei Vollmond eine ergreifende Stimmung.“ Und es kamen 100 Zuhörer: ein Riesenerfolg. Später wurde noch mit den „Bonanzaz“ weitergefeiert und getanzt

Flammenshow als Knaller zum Abschluss: Am Samstag, 8. Juli, findet zum zehnten Mal die Überwälder Traumnacht statt

„10 Jahre, 10 Orte, 10 Träume“: Die Überwälder Traumnacht feiert mit ihrer zehnten Auflage am Samstag, 8. Juli, ein kleines Jubiläum und hat deshalb einen Slogan gegeben. Von 18 bis 24 Uhr findet wieder die gemeinsame Kultur-Veranstaltung aller drei Überwald-Gemeinden statt. Über die Aktionen in den jeweiligen Museen, Kirchen, Bergwerken und historischen Gemeinden informierten jetzt die Verantwortlichen.

Sebastian Schröder von der Zukunftsoffensive Überwald (ZKÜ) würdigte das Engagement vieler lokaler Unternehmen und vieler Menschen, die in der Organisation und als Kleinspender mitwirken. Neben den drei Bürgermeistern freute er sich, zur Präsentation die Vertreter der Museen und Institutionen begrüßen zu dürfen, die die Veranstaltung zusammen mit der ZKÜ und Gundolf Reh vom Museums- und Kulturverein möglich machen.

In den vergangenen zehn Jahren „hat sich in der Museumslandschaft des Überwalds einiges getan“, sagte Schröder. Das Motto drücke zum einen Rückschau aus, zum andren auch Wünsche. Man habe Künstler und Mitwirkende eingeladen, die in den vergangenen Jahren bereits beteiligt waren. Von jedem der zehn Veranstaltungsorte sei ein Motto abgefragt worden, „jeder hat einen Traum mitgeteilt“. Diese seien teilweise nah an der Realität, „teilweise wird auch Spielraum zur Interpretation gelassen“.

Der ZKÜ-Geschäftsführer kennzeichnete das Programm als „sehr organisch“. Was jetzt auf dem Tisch liegt, „ist noch nicht der letzte Stand“. Was sich im Laufe der Präsentation gleich zeigte. Matthias Fischer vom MGV Union Wald-Michelbach, der um 20 Uhr in der dortigen katholischen Kirche mit einigen Liedern präsent ist, machte gleich noch einen zweiten Termin um 22 Uhr an der Kapellenruine Hammelbach aus.

Schröder wies darauf hin, dass Museumsbesuch, Nutzung der Shuttle-Busse und des Planwagens sowie das umfangreiche Rahmenprogramm kostenlos seien. Wer wolle, könne die Veranstaltung aber mit einem Kulturbeitrag von drei Euro unterstützen. Erstmals sei damit die Teilnahme an einem Jubiläums-Gewinnspiel verbunden. Beantwortet werden müssen Fragen zu allen zehn Orten. Damit wolle man dazu beitragen, dass wie bisher eine schwarze Null geschrieben werden könne.

Präsentiert werden kulturelle Schätze in lebendiger und anschaulicher Weise. Musikfreunde, Museums- und Kleinkunstliebhaber kommen bei den vielen verschiedenen Programmpunkten in und zwischen den Museen voll auf ihre Kosten. Eine bunte Palette interessanter Künstler, Führungen und kulinarische Köstlichkeiten werden auch die zehnte Traumnacht zu einem einzigartigen Erlebnis machen. Um alle Stationen bequem erreichen zu können, sind wieder kostenlose Shuttlebusse im Einsatz.

Gottfried Reinhard von der Sparkassenstiftung Starkenburg als einer der Hauptsponsoren wies darauf hin, dass man von Anfang an mit ihm Boot sei. Die Traumnacht habe sich „zu einem richtigen Highlight in der Region entwickelt“, zum dem auch viele Menschen von außerhalb kämen. Bürgermeister Joachim Kunkel lobte das „anspruchsvolle Programm“. Ohne diese Veranstaltung „würde im Überwald etwas fehlen“. Er sei stolz darauf, „wie sich alles entwickelt hat“.

Gundolf Reh wies neben den verschiedenen Programmpunkten auch auf verschiedene Besonderheiten hin. Zentrum der Ereignisse ist wieder die Hofwiese. Die Beleuchtung erstreckt sich von der katholischen Kirche über die Gass bis hin zum Stoewer-Museum. Als „Knaller zum Abschluss“ ab etwa 23.30 Uhr bezeichnete Reh eine musiksynchrone Flammenshow mit 15 Metern Höhe und etwas Pyrotechnik vor dem Einhaus.

Orte und Programm:

Unter-Abtsteinach lädt zur Besichtigung der katholischen Kapelle und des wiederaufgebauten Backhauses ein. Ein musikalisches Unterhaltungsprogramm mit Irish Folk von den Heebie-Jeebies, traditionellen Speisen und Getränken rundet das Angebot ab.

Motorradmuseum Hammelbach und Museumsmeile: Historische Motorräder, zeithistorische Dokumente aus dem Geschäftsbetrieb seit 1899 und des Rennsports präsentiert das Unternehmen „Zweirad-Röth“ in seinem mit viel Herzblut gestalteten Museum. Musik: Nachtkrabb

Evangelische Kirche Hammelbach: Musik von Agdylo

Reklamemuseum: Shopping wie vor 100 Jahren erlebt man im Museum der Familie Heiß. Nach umfangreichen Umbaumaßnahmen sind hier gleich fünf originale Läden verschiedener Epochen zu bestaunen. Musik: Bonanzaz

Katholische und evangelische Kirche Wald-Michelbach bieten Raum zum Innehalten, zur Einkehr und Abschalten mit meditativer Musik und himmlischen Klängen.

Hofwiese/Einhaus: Das wiederaufgebaute, typisch Odenwälder Bauernhaus (um 1800) in der neu gestalteten Hofwiese öffnet seine Pforten. Das historische Backhaus ist in Betrieb und die stimmungsvolle Beleuchtung sorgt für das passende Ambiente. Musik: Travellers

Die Schüler des Ateliers Kunstraum-Raumkunst von Angelika Feigl-Schäfer präsentieren auf der Hofwiese Skulpturen und Guckkästen zum Thema „Traumwelt“

Stoewer-Museum: Mit den wundervoll restaurierten Oldtimern, Fahrrädern und zahlreichen weiteren Exponaten wird das Wirken der Automobil-Pioniere Stoewer gewürdigt. Unbedingt sehenswert für Liebhaber alter Automobile und Maschinen.

Grube Ludwig: Mit dem Besucherbergwerk wurde ein bedeutendes museales Industriedenkmal aus der Hochzeit des Bergbaus im Überwald für die Nachwelt erhalten.

Überwaldmuseum: Das historische Zentrathaus in der Gass beherbergt Handwerksausstellungen, mineralische Exponate sowie Gerätschaften, die Leben und Arbeiten vergangener Zeiten aufzeigen.

Heckenmühle: Es besteht die Möglichkeit an einer Führung durch das historische Mühlengebäude teilzunehmen. Bei Einbruch der Dunkelheit laden stimmungsvolle Lichter zum Verweilen ein. Musik: Timeless Blues Foundation

Gustav-Adolf-Kirche Affolterbach: In der wunderschön restaurierten Jugendstilkirche erwartet die Besucher ein besonderes Programm mit Gesang und Texten in Anlehnung an das Reformationsjahr. Musik: Volker Ader

Sommerspiele Überwald: Szenen aus dem diesjährigen Open-Air-Stück an verschiedenen Orten

Shuttlebus: Clownerei mit Sigrid Fath und Corina Tatzel

Weitere Infos: http://www.überwälder-traumnacht.de

Auf der Wald-Michelbacher Hofwiese spielt die Musik zur Überwälder Traumnacht

Die Hofwiese vor dem Einhaus ist eindeutig das Zentrum der Überwälder Traumnacht. Hier sind die Bänke den ganzen Abend über voll besetzt, spielt auf der Bühne nicht nur im übertragenen Sinne die Musik. Zugleich werden Gebäude und Lapidarium nach Einbruch der Dunkelheit farbenfroh illuminiert, sodass an einem herrlichen Sommerabend die Gäste lange verweilen und sich unter anderem von den Produkten aus dem Backhaus verwöhnen lassen. Krönender Abschluss ist die Lasershow.

Zur Eröffnung gab‘s Besuch aus Wiesbaden: Staatssekretär Ingmar Jung zeigte sich im Beisein von Bürgermeister Joachim Kunkel, dem Gemeindevertreter-Vorsitzenden Nothung Köhler, Sebastian Schröder von der ZKÜ und dem Landtagsabgeordneten Peter Stephan beeindruckt von der Schönheit des Überwalds. Wald-Michelbach erinnere ihn an seinen Heimatort, wo der Bürgermeister ebenfalls Kunkel heiße.

Nach einem kleinen Rundgang über Hofwiese und Stoewer- zum Heimatmuseum würdigte Jung „in der Gass“, was im Überwald von Ehrenamtlichen alles geleistet werde. Dies nahm Köhler zum Anlass, den Gast auch um Unterstützung des Landes für den kulturellen Bereich zu bitten. Denn die hiesige Ausflugsregion biete den Gästen aus den Ballungsräumen einen willkommenen Rückzugsort mit vielen Attraktionen abseits des Trubels. Das könne man aber nicht nur allein durch ehrenamtliche Arbeit stemmen.

Umrahmt wird der Abend von der Madman-Bluesband. Die bietet druckvollen Rock, Blues und Soul aus dem Rhein-Neckar-Delta. Vier Musiker mit zusammen mehr als 120 Jahren Bühnenerfahrung wissen, wie man die richtigen Töne anschlägt, damit die Gäste aufs Beste unterhalten werden. Das Songmaterial wird – in der Regel ausgehend von Tom Kunzmann (Gesang/Mundharmonika) und Torsten Hamm (Gitarre/Gesang) – in einem kreativen Schaffensprozess zusammen mit Stephan Stadtler (Bass) und Manfred Detzner (Schlagzeug) zu den endgültigen Songs entwickelt.

Zwischendurch sind die Lokalmatadoren am Werk: „Dorfkind“ mit der 19-jährigen Sängerin und Gitarristen Diana Johann aus Schönmattenwag als Frontfrau. Zusammen mit Rüdiger Klein und Ralf Enners spielt sie mal rockige Songs, mal auch Balladen. „Uns geht es darum, als Musiker Erfahrung zu sammeln“, meint Diana. Der Auftritt bei der Traumnacht ist der erste mit einem Publikum dieser Größenordnung.

Neu in diesem Jahr war die Einbindung der beiden Kirchen in die Traumnacht. Während im katholischen Gotteshaus auf stimmungsvolle Beleuchtung, meditative Musik und Lesungen gesetzt wurde, gab es an der evangelischen Kirche Führungen mit Theo Reichert. In diesen brachte er den Interessierten die frühere Wehrkirche näher. Vor allem die späteren Touren waren sehr gut besucht. Zugleich wurden sowohl Kirchen als auch Bücherbrunnen illuminiert.

Der romanische Kirchturm ist laut Reichert das älteste Gebäude in Wald-Michelbach. Er wurde im 11. oder 12. Jahrhundert erbaut und gehörte zu einer Kirchenburg. Diese Burg wurde in mehreren Stufen bis 1480 von den Pfalzgrafen weiter ausgebaut, mit drei Türmen, einer Zugbrücke und einem neun Meter tiefen Wassergraben versehen. Die Vorgängerkirche der heutigen Kirche wurde Reichert zufolge nach der Reformation zeitweise von beiden Konfessionen abwechselnd benutzt. 1755 wurde die evangelische Kirche nach Entwürfen von Kasper Valerius und den Mainzer Werkmeister Singer neu errichtet – bezahlt von einem Mainzer Bischof.

Am Eingang des Überwälder Heimatmuseums begrüßt Anneliese Daub die Besucher. Von denen sind es viele: 250 zeigt der Zähler um 22 Uhr – und es kommen noch mehr. Sie nehmen die umgestalteten Räume in Augenschein, mit dem alten Klassenzimmer aus früheren Jahren, das jetzt im Erdgeschoss zu finden ist, und der ausgedehnten Kleiderbügel-Ausstellung weiter oben.

Vor dem Eingang gibt’s altes Handwerk zu bewundern. Jürgen Walter aus Ober-Schönmattenwag zeigt das Besenbinden, das er sich „vom Schwiegervater abgeschaut hat“. Birkenreisig für den Besen und ein Holzstiel aus Hasel bilden die Bestandteile des Hexen-Utensils. Bei der Traumnacht und beim Kohlenmeiler ab Ende Juli zeigt Walter seine Künste, die er sich anlässlich der 1000-Jahr-Feier Schönmattenwags 2012 „draufschaffte“.

Jürgen Baron restauriert nicht nur alte Stühle, er führt an diesem Abend auch die Herstellung von Holzschindeln vor, mit denen früher die Hauswände abgedeckt wurden. „Die nutze ich dann auch zuhause“, meint er schmunzelnd mit Blick auf die schmalen Eichenholz-Scheite, die unter seiner Hände Arbeit entstanden sind.

Das Handwerk hat der Wald-Michelbacher Baron von einem Bauern im Allgäu gelernt. Allerdings dauerte es dann noch einmal 20 Jahre, „bis ich es umsetzte“. Handgeschnitzte Schindeln reißen immer an der Holzfaser entlang und sind deshalb beständiger, weiß Vereinsvorsitzender Gundolf Reh zusätzlich. Wie dekorative Körbe aus Haselnussstecken entstehen, zeigte nebenan Elvira Eschborn aus Unter-Schönmattenwag.

Überwälder Traumnacht in Hammelbach: Von Motorrädern, Eisenbahnen und alten Reklameschildern

 

Draußen dröhnen die Trial-Motorräder, drinnen stehen die stummen Motorrad-Zeugen aus längst vergangenen Jahrzehnten: An der neunten Überwälder Traumnacht nahm in Hammelbach auch das Motorradmuseum Röth teil. Gründer Fritz Röth ließ es sich nicht nehmen, dem einen oder anderen Gast selbst eine Rarität aus dem Fundus zu zeigen. Dazu spielte draußen die Band „Pick it up“, es gab thailändische Spezialitäten und bewirtete das Kulturbüro.

Ein Motoguzzi-Gespann aus dem Jahr 1934 ist Röths besonderer Liebling zwischen den vielen Maschinen der Marke Horex, Suzuki, NSU oder Simson. Denn die Maschine hat er in Genua selbst abgeholt. Der Verkäufer, ein sportlicher 82-jähriger Italiener, wollte das gute Stück nur an jemanden abgeben, der es auch würdigt – denn in der Familie gab es keinen Abnehmer. „Das Motorrad hat ihn das ganze Leben lang begleitet“, weiß Roth um die Überwindung, die es den Mann kostete loszulassen.

Die Ursprünge der Firma Röth lassen sich bis ins Jahr 1873 zurückverfolgen, als es eine Reparaturwerkstatt für Opel-Fahrräder gab. In den 1920er bis 1940er betrieb die Familie ein Lebensmittelgeschäft mit Tankstelle. Fritz Röth begann in den 50er, mit NSU-Motorrädern Rennen zu fahren, daraus entwickelte sich auch der Handel mit den Zweirädern: Anfang der 60er Honda, dann Motoguzzi, Suzuki, Laverda und Horex. Zu den Hoch-Zeiten war man in Deutschland Generalimporteur für 40 Motorradmarken und vertrat 800 Händler.

Als dann in den 80ern die DDR-Modelle MZ und Simson hinzukommen, ist auch Sohn Matthias immer dabei, wenn es in den zweiten deutschen Staat geht. Er sammelt diverse Alltagsgegenstände und stellt sie ebenfalls in den Museums-Räumen aus. Unter anderem ist eine Telefonanlage aus dem Palast der Republik darunter, bei der schon Honecker an der Strippe hing.

Welchen Aufgaben sich die heutigen Motorradsportler widmen, zeigen draußen Frank Fischer und Patrick Sattler von der Trial-Gruppe des MSV Hammelbach. Da die Jugendlichen auf einem Wettbewerb weilten, durften diesmal die erfahrenen Recken ran. Dem Verein geht es darum, den Sport zu präsentieren und Nachwuchs anzulocken. Anfang Oktober findet ein deutscher Jugendmeisterschaftslauf in Hammelbach statt.

Auf dem Weg durch die Museumsmeile warten zwei weitere Stationen auf die Besucher: In der evangelischen Kirche gab es eine sehr gut besuchte Klangreise mit „Agdylo“ und die Bilderausstellung „Fotografie aus aller Welt“. Die Eisenbahnfreunde hatten ihre Vereinsräume geöffnet, wo die Modellbahnanlagen befahren werden konnten. End- und Hauptpunkt der mit Einbruch der Dunkelheit beleuchteten Meile war das „Museum für alte Läden und Reklame“.

„Sechs bis acht echte Bastler“ zählen die Eisenbahnfreunde, die sich traditionell im Schultheißenhaus präsentieren. Zu den verschiedenen Anlagen kommen immer wieder Neuerungen dazu. So in diesem Jahr die Burg Pfalzgrafenstein (im Rhein bei Daub) auf der HO-Anlage. Dorthin führte nämlich ein Ausflug des 45 Mitglieder zählenden Vereins. Dazu kommt eine Nachbildung des „Datterich-Express“, der sich in Darmstadt auch für Festivitäten mieten lässt. Dazu zählt auch eine alte „Spur 0“ von Märklin, die „Mutter aller Modelleisenbahnen“ und erste von der Firma hergestellte aus der Vorkriegszeit. Eine Spur N ist ebenso dabei wie die Spur G, wobei das G für Gartenbahn steht.

Für Wohlfühlmusik mit leichten Western- und Rockklängen sorgten am Reklame-Museum die „Bonanzaz“. Akkordeon, Mundharmonika und zwei akustische Gitarren sorgten für treibenden Sound, der die Gäste mitriss. Und von diesen wurden es beständig mehr, die sich rund um das Zelt drängten und die dortige Gastfreundschaft genossen.

Natürlich war auch das Museum stark frequentiert. Viele Besucher drängten sich in die kleinen Räume. Gezeigt werden dort vier originale Läden von 1900 bis in die 60er Jahre, hunderte Original-Artikel und zahleiche Emaille-Reklameschilder dieser Zeit in historischem Ambiente. Gleich am Eingang steht ein kompletter Apothekerschrank mit zahlreichen Mittelchen. Der Kobold von der Schokoladenfabrik Altona spuckte früher „Vanille Krem Schokolade“ aus, geworben wurde für Knorr Suppen oder mit „Aber Tantchen, man wäscht doch mit Persil“.

Die Schaulustigen gerade etwas älteren Semesters sind entzückt von dem, was sie sehen. „Das kenne ich alles noch“, meint schmunzelnd ein Mittfünfziger. Er fühlt sich an seine eigene Kindheit erinnert. Und aufgrund der Detailtreue ist eine Besucherin entzückt von den vielen Kleinigkeiten, die sie erblickt. Schilder, Dosen, Päckchen, Schokoladenautomat oder alte Cola-Flaschen – es gibt nichts, was es nicht gibt.

Die Leidenschaft für alte Sachen entwickelte Peter Heiß bereits in seiner Jugend. Vor 20 Jahren fiel ihm das erste Emaille-Reklameschild in die Hände. Von da an wusste er: „Davon muss ich mehr haben.“ Als es im eigenen Haus immer enger wurde, folgte 2011 der Entschluss, einen Laden einzurichten. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, genauso wenig wie die Resonanz: Immer mehr Stücke erforderten eine Erweiterung.