Aus allen Ecken Europas kommen die jungen Karateka in den Überwald

600 junge Sportler aus 14 Nationen im Überwald. Über Ostern pulsiert das Leben in Wald-Michelbach. Was mit 300 Teilnehmern im Jahr 2011 begann, hat sich im Laufe der Zeit zu einer der wichtigsten Veranstaltungen für junge Karateka gemausert, wenn es darum geht, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen und für Meisterschaften zu qualifizieren. Schnelligkeit sowie die absolute Beherrschung von Geist und Körper machen die Faszination beim Kampfsport Karate aus. Beim „U21-Randori“ herrschte in der Großraumhalle ein Stetes Kommen und Gehen.

Markus Emmerich und den Helfern des Vereins Bushido ist es zu verdanken, dass das internationale Turnier wie im Vorjahr wieder in Wald-Michelbach stattfand. Zwischendurch waren auch Mörlenbach und Rimbach dran. Zur Eröffnung dieses besonderen Sportereignisses kamen Bürgermeister Sascha Weber und Reinhard Schmidt-Eckardt, der Präsident des hessischen Landesverbands für Karate, vorbei.

Für den Wald-Michelbacher Verein mit seinen 50 Mitgliedern ist die Ausrichtung inzwischen fast Routine. Im ersten Jahr waren es noch 350 Starter, in Mörlenbach zwischenzeitlich 500, 2017 zählte man sogar 670 Teilnehmer. Unterstützung gibt’s von den befreundeten Vereinen aus Mörlenbach, Rimbach, Viernheim und Birkenau, die bei der Organisation rund ums Turnier kräftig mit anpacken und die Verpflegung schmeißen. Insgesamt kommt man so auf 150 Helfer.

Island, Bulgarien, Rumänien, Russland, Luxemburg und ganz stark vertreten Dänemark, Österreich, Schweiz und Frankreich lauteten einige der Herkunftsländer. „Die Niederlande und Spanien sind dieses Jahr ziemlich stark“, schätzte Emmerich. Auf die drei Finalisten aus Hessen war Landestrainer Jamal Laudiai stolz. Der Mann vom Landesstützpunkt Hessen-Süd sieht die Jugend „gut aufgestellt“. Die Arbeit läuft vor allem über die Vereine, weiß er. Wer sich dort gut schlägt, kommt in den Landes- oder Bundeskader. Das Turnier im Überwald betrachtet er als Vorbereitung für die Deutschen Meisterschaften am 18. Mai in Erfurt.

Stützpunkt- und Kadertraining gibt es für die Schüler U12 bis zur Leistungsklasse ab 18 in Dietzenbach, erklärt Laudiai. „Wir haben einen guten Zulauf“, sagt er. Vieles funktioniere über Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Trainer haben einen geübten Blick: „Man merkt, ob sich einer richtig bewegt, die Techniken gut ausführt, ob der Kampfes- und Siegeswille da ist“, sagt der Coach. „Die anderen 50 Prozent“ sind die Eltern. Denn die müssen mitziehen, die jungen Karate-Sportler nach Kräften unterstützen – und zu den Turnieren kutschieren.

Die Bundeskader-Athleten waren dieses Mal nicht in Wald-Michelbach dabei, erläutert Emmerich. Die weilen in Marokko bei der Premier League, um dort Punkte für die WM-Teilnahme zu sammeln. Die Trainer Klaus Bitsch aus Breitenwiesen (Lautertal) bei den Junioren, der 2018 in Wald-Michelbach dabei war, und Thomas Nitschmann bei den Senioren kümmern sich um die Cracks. Denn früh übt sich: Der Sport wird 2020 in Tokio olympisch sein.

Bei der Familie Bitsch liegt Karate im Blut. Tochter Mia, obwohl erst 15 Jahre alt, schaffte es im Überwald ins Finale der U18-Ausscheidung in der Klasse unter 54 Kilo. Bei der Europameisterschaft belegte sie vor kurzem in der U16-Altersklasse den dritten Platz. Renee Stein (U16) wurde in der Klasse unter 47 Kilo sogar EM-Zweite.

Volker Harren hält viel vom 14-jährigen Mohamed Özdemir aus Wiesloch. Der wurde bei der EM Fünfter und fährt Anfang Mai zur Youth League nach Zypern. In Wald-Michelbach hatte der Jugendliche „keinen ernstzunehmenden Gegner“ und erreichte quasi im Spaziergang das Finale, beobachtete der Leiter des Leistungszentrums Karate Baden-Württemberg in Dielheim. Özdemir will keinen Fehler machen und „bereitet alles akribisch vor“. Damit heimst er die höchste Punkteausbeute ein. „Von dem wird man noch was hören“, ist Harren sicher.

Damit der 14-Jährige weiter erfolgreich sein kann, „müssen Training und Leben zusammenpassen“, erläutert der Trainer. Sprich: Die Schule darf darunter nicht leiden. Was manchmal nicht so einfach ist, denn die jungen Sportler sind 60 Tage im Jahr unterwegs – und nicht nur in Deutschland. „Mit Karate kann man noch kein Geld verdienen“, verdeutlicht Harren. Deshalb muss alles wohlkoordiniert sein.

Für Emmerich ist es die Internationalität, die das Besondere am Turnier ausmacht. „Wir haben hier eine ganz tolle Atmosphäre“, schwärmt er. „Ein solches breites Starterfeld findet man in Wald-Michelbach sonst bei Sportveranstaltungen nicht“, zeigt sich Emmerich stolz. „Sogar einer aus Hawaii war schon dabei.“ Zusammen mit Eltern und Betreuern finden sich um die 1000 Besucher vor Ort ein. Was bedeutet, dass Hotels und Pensionen im Umkreis restlos ausgebucht sind. Aber die Erfahrung macht es eben. „Für uns als Verein eine große Leistung“, betont der Organisator.

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Verein Bushido Wald-Michelbach richtete internationales Karateturnier aus

Schnelligkeit sowie die absolute Beherrschung von Geist und Körper: Diese Attribute machen für Bundestrainer Klaus Bitsch die Faszination beim Kampfsport Karate aus. Dazu kommt noch trotz des „Draufhauens“, wie es der 54-Jährige schmunzelnd etwas plastisch ausdrückt, „der Respekt vor dem Gegner“. Beim „U21-Randori“ waren in der Großraumhalle 600 Starter aus 21 Nationen am Start, um sich für Europa- und Weltmeisterschaft zu qualifizieren.

Von den Mitgliedern seines Nationalkaders ist Bitsch überzeugt. „Da gibt es keine Überraschungen“, sagt er. „Wer sein Niveau mal hat, der hält es auch.“ Neben den Deutschen schätzt er auch  die Ungarn und Dänen als ziemlich starke Karate-Nationen ein. Allerdings laufen die Kämpfe im Modus jeder gegen jeden ab, weshalb alles möglich ist. „Es gibt 45 Finalkämpfe“, betont der Bundestrainer. In den verschiedenen (Alters-)Klassen ist somit alles offen. „Das wird ganz schön hart“, weiß er.

Klaus Bitsch wohnt zwar seit 27 Jahren nicht mehr im Odenwald, ist aber mit seinem Ourewällerisch selbst nach langer Zeit in Thüringen sofort als solcher zu erkennen. Er stammt aus Breitenwiesen, einem kleinen, zu Lautertal gehörenden Weiler. Das Turnier in Wald-Michelbach bezeichnet er als etwas Besonderes, da es das größte seiner Art in Deutschland ist. Es gibt noch ein weiteres im Westerwald und dann natürlich die Deutschen Meisterschaften, erläutert er.

„Alle, die in Deutschland im Karate eine Rolle spielen“, sind seinen Worten zufolge im Überwald am Start. Als Trainer „sieht er jeden gegen jeden kämpfen“, sagt Bitsch. Gerade die Konkurrenz mit anderen Nationen ist interessant. Die Creme de la Creme zwischen sieben und 21 Jahren ist hier am Start. Selbst die kleinsten Pimpfe haben die Bewegungen und Schreie schon voll drauf. Einer, der schon in den vorherigen Turnieren für Aufsehen sorgte, ist Mohamed Özdemir. Den nahm der Bundestrainer bereits bei früheren Teilnahmen in Wald-Michelbach in Augenschein. „Der ist jetzt so gut wie im Nationalkader“, weist er auf das große Talent des Kämpfers hin.

Markus Emmerich und den Helfern des Vereins Bushido ist es zu verdanken, dass das internationale Turnier nach dem Auftakt 2011 wieder einmal in Wald-Michelbach stattfand. Zwischendurch waren auch Mörlenbach und Rimbach dran.  Zur Eröffnung dieses besonderen Sportereignisses kamen auch Bürgermeister Sascha Weber und Landrat Christian Engelhardt vorbei. Grußworte entbot außerdem der Vizepräsident des deutschen Karateverbands, Falk Neumann.

Für den Verein mit seinen 50 Mitgliedern ist die Ausrichtung inzwischen fast Routine. Im ersten Jahr waren es noch 350 Starter, in Mörlenbach zwischenzeitlich 500, 2017 zählte man sogar 670 Teilnehmer. Unterstützung gibt’s von den befreundeten Vereinen in Mörlenbach, Rimbach, Viernheim und Birkenau, die bei der Organisation rund ums Turnier kräftig mit anpacken und die Verpflegung schmeißen.

Um das Sportliche kümmert sich Klaus Bitsch mit seinen Leuten. Island, Nepal, Saudi-Arabien oder Ägypten lauten unter anderem die Herkunftsländer der jungen Sportler. Die Internationalität zeigt sich auch am Stimmengewirr rund um das Verpflegungszelt. Luxemburg, Litauen, Polen, Frankreich, Schweiz oder Österreich sind andere Teilnehmerstaaten. „Ein solches breites Starterfeld findet man in Wald-Michelbach sonst bei Sportveranstaltungen nicht“, zeigt sich Emmerich stolz. „Sogar einer aus Hawaii war schon dabei.“ Denn das internationale Turnier des deutschen Karateverbands dient ja der Quali der Jugendlichen für EM und WM in Tokio im kommenden Jahr.

Für ihn ist es genau diese Internationalität, die das Besondere ausmacht. „Wir haben hier eine ganz tolle Atmosphäre“, schwärmt er.  Zusammen mit Eltern und Betreuern finden sich um die 1000 Besucher vor Ort ein. „Für uns als Verein eine große Leistung“, betont Emmerich. Was bedeutet, dass Hotels und Pensionen im Umkreis restlos ausgebucht sind. Aber die Erfahrung  macht es eben.  Samstagabend gab es die Übertragung des Pokalendspiels als weiteres Highlight.

Randori (japanisch wörtlich: das Chaos nehmen) ist eine Übungsform des Kampfes im Budō, den japanischen Kampfkünsten. Sinngemäß steht dabei der Übungskampf Randori dem Shiai − dem eigentlichen Wettkampf − gegenüber. Beim Randori geht es nicht um gewinnen oder verlieren, sondern darum die zuvor erlernten Techniken im Fluss des Kampfes anwenden zu lernen.