Förderverein des „Pflegeteams Odenwald“ in Ober-Schönmattenwag hätte zum Jubiläum gerne mehr Mitglieder

Zum gemütlichen Sommerfest auf dem Außengelände des Hauses Waldfrieden hatte das „Pflegeteam Odenwald“ Bewohner und deren Angehörige eingeladen. Bei schönem Wetter feierten diese zusammen mit dem Team im gemütlichen Schatten bei Kaffee und Kuchen sowie kühlenden Getränken. Für die musikalische Umrahmung sorgten wie schon seit Jahren Ruben Daum und Oliver Kriner. Zugleich wurde das fünfjährige Bestehen des Fördervereins „Dornröschen“ begangen.

Geschäftsführer Ralf Schmutz-Macholz drückte in der Begrüßung seine Freude darüber aus, dass so viele Angehörige und deren Kinder gekommen seien. Das Sommerfest gestalte sich eher ruhig, da es den Bedürfnissen der Bewohner angepasst sei. Er wies darauf hin, dass sich die Bewohner mit Musiktherapeut Karl-Michael Zimmermann selbst mit einer Aufführung am Programm beteiligten.

Wie der Geschäftsführer sagte, komme der Erlös aus der Bewirtung dem Förderverein zugute. Durch diesen „habt sich viel bewegt und gibt es viele neue Angebote“, so Schmutz-Macholz. So habe man unter anderem einen großen Behindertentransporter angeschafft, „was das Heim nicht hätte leisten können“. Er rief dazu auf, Mitglied zu werden. „Der Beitrag ist für jeden zu stemmen“, so Schmutz-Macholz. Er dankte dem Orga-Team des Festes um Hauswirtschaftsleiterin Romy Beutel und seiner Stellvertreterin Schönleben.

In dieselbe Kerbe hieb auch Fördervereins-Vorsitzender Helge Schneider. Zum fünfjährigen Bestehen habe man eine Broschüre aufgelegt, die über die Vereinsarbeit informiere. Stolze 100.000 Euro seien in dieser Zeit bereits gesammelt worden. Ein großer Batzen davon ging in die Anschaffung des Fahrzeugs. Er blicke mit einem lachenden und weinenden Auge auf die bisherige Arbeit zurück, sagte Schneider. Es wurde „eine erfolgreiche Arbeit geleistet“, aber nach wie vor gebe es zu wenige Mitglieder.

Laut Schneider unterstützt der Verein durch Organisation von Veranstaltungen für die Bewohner der Fachpflegeeinrichtung, Veranstaltungen, Mitgliedsbeiträge, Spenden, Schenkungen und Nachlässe. Man sorge für „eine Aufhellung des Alltags“, etwa durch Märchenerzähler, Hundebegleitung oder Ausflüge. Leider seien nur zehn Prozent der Angehörigen Mitglied im Förderverein, weswegen diese Aktivitäten nicht durch die Beiträge gewährleistet werden könnten – was aber angestrebt sei. Schneider bat deshalb darum: „Wir würden uns über ihre Unterstützung freuen.“

Als Kurzzeitpflegeeinrichtung 1990 eröffnet, fanden beim Pflegeteam Odenwald in den Jahren 1994 bis 1996 grundlegende Umbaumaßnahmen statt, um das Haus barrierefrei und damit behindertengerecht zu gestalten. Wie die stellvertretende Heimleiterin Liane Schönleben erläuterte, habe sich die Einrichtung seit 1996 auf die umfangreiche qualifizierte Versorgung von Menschen mit schweren und schwersten neurologischen Schädigungen spezialisiert. Meist seien dies Hirn-Schädel-Traumata. Ein Beispiel für diese Zielgruppe sei der ehemalige Formel 1-Weltmeister Michael Schumacher. Die Betreuten hätten mindestens Pflegestufe 2. Ihre Herkunftsorte seien über ganz Deutschland verstreut.

Das Haus im Lotzenweg bietet 32 Menschen in zwölf Einzel- und zehn Doppelzimmern ein Zuhause. Die Wohnräume sind mit behindertengerechten Nasszellen, TV-Anschluss, Telefon und Rufanlage ausgestattet. Ein großzügiger Speise- und Aufenthaltsraum steht den Bewohnern und Gästen zur Verfügung. Über den Aufzug sind auch die Terrassen und die Gartenanlage, die mit rollstuhlgerechten Wegen ausgestattet ist, erreichbar. Für Therapien stehen speziell eingerichtete Therapieräume bereit. 50 Mitarbeiter kümmern sich um die Patienten.

Hinter dem Verein stehen Angehörige und Freunde von Betroffenen, die in der Fachpflegeeinrichtung betreut werden. „Dieses gemeinsame Schicksal hat uns zusammengeführt“, so Schneider. Der Erfahrungsaustausch helfe, das Erlebte zu verarbeiten und Kraft zu schöpfen, um mit und für die betroffenen Angehörigen etwas tun zu können. Mit dem Verein solle eine Basis geschaffen werden, um gemeinsam den Bewohnern der Fachpflegeeinrichtung das Leben zu erleichtern, sie zu unterstützen und Freude zu schenken.

Durch Unfall oder Krankheit eine Hirnverletzung zu erleiden, verändert das Leben drastisch. Nicht mehr sprechen, essen, gehen zu können, seine Unabhängigkeit und Freiheit zu verlieren, ist ein schlimmes Schicksal. In solch einer unermesslich belastenden Situation sei es von großer Wichtigkeit, Liebe und Zuwendung zu erfahren. Mit viel Geduld, Einfühlungsvermögen und intensiver therapeutischer Unterstützung könne ein hirnverletzter Mensch verloren gegangene Fähigkeiten mehr oder weniger zurück gewinnen. Vieles ist theoretisch möglich, praktisch sind jedoch leider oft schnell die finanziellen und personellen Grenzen erreicht.