Mit dem Netto-Markt wird es 2017 wohl nichts: Grasellenbachs Bürgermeister Markus Röth blickte beim SPD-Neujahrsempfang vor und zurück

Gewohnt prägnant, mit kleinen Seitenhieben auf die übergeordneten Behörden, präsentierte Grasellenbachs Rathauschef Markus Röth seinen Jahresrückblick beim SPD-Neujahrsempfang im Vorraum der Nibelungenhalle. Dabei kam zum Ausdruck, dass derzeit in der Gemeinde viel geht, aber noch mehr gehen könnte – wenn nicht nach Röths Interpretation immer wieder einer dazwischenfunkt. Vorrangig ist dies für ihn das Landratsamt mit überflüssigen Vorschriften und Auflagen.

Erfreut zeigte sich der Bürgermeister, dass die Flüchtlingsunterbringung im Marienhof über ein Dreivierteljahr hinweg bis zum Mai 2016 „unproblematisch ablief“. Dass sich aufgrund der vorhandenen leerstehenden Immobilien die Asylbewerber in einem Ortsteil konzentrierten, war laut Röth unglücklich. Nun gehe es darum, „dass die Integration funktioniert“. Man sei in der Gemeinde jetzt nochmal gefordert, Nachzügler und Familienangehörige unterzubringen.

Der Rathauschef machte deutlich, dass sich ein Jahr nicht losgelöst von den vorhergehenden und kommenden betrachten lasse. So habe vieles, was in 2017 anstehe, bereits 2016 oder sogar früher begonnen, was man in diesem Jahr angehe, werde sich erst in der kommenden Zeit auswirken. Wie etwa die Genehmigung der Windkraftanlagen. Hier meinte Röth, dass „Windräder im Odenwald nicht schön sind“, aber wer die Energiewende wolle, müsse auch Alternativen zur Atomkraft akzeptieren. „Das St.-Florians-Prinzip geht nicht“, sagte er. Die Pachteinnahmen wiederum kämen auch der Allgemeinheit zugute.

Einmal nicht im Haushaltsplan drin, prompt komme der Bewilligungsbescheid für die Sanierung der Alten Siegfriedstraße, flachste Röth. Um die Arbeiten in diesem Jahr auszuführen, müsse man nun den Etat anpassen – nachdem die bereitgestellten Mittel lange Jahre geschoben wurden, ohne dass der Zuschuss eintrudelte. In Gemeindevertretung und Bürgerversammlung gebe es noch weitere Informationen.

„Intensiv abstimmen“ werde man mit den Bürgern auch noch den Spielort auf der Tromm und den Radweg zwischen Wahlen und Litzelbach. Für diese Projekte erhalte man zusammen mit Maßnahmen in Wald-Michelbach und Abtsteinach aus einem Förderprogramm insgesamt 2,5 Millionen Euro. „Von 130 Gemeinden wurden 16 ausgewählt“, so der Bürgermeister. Von 2017 bis 2020 „wird uns das intensiv beschäftigen“, sagte er. Außerdem müsse man der Bevölkerung rüberbringen, warum dafür Geld fließe, „aber in der eigenen Kasse nichts ist“. Wichtig sei es, den Tourismus im ländlichen Raum zu fördern. „Das stabilisiert das dörfliche Leben“, betonte er.

Das „Hirtenhäuschen“ sei fast fertig, erläuterte der Bürgermeister. Zwar sei es kein Projekt mit Rieseneinnahmen, aber „es gehört irgendwie zum Ort dazu“. Aktuell gehe es noch um die Bodenverlegung. Nicht besonders gut ist Röth beim Thema Netto-Markt und Gewerbegebiet in Wahlen auf das Landratsamt zu sprechen. „Das macht uns alles sehr kompliziert“, sagte er. „Die abstrusesten Stellungnahmen kommen vom eigenen Kreis.“

Was insgesamt auch zu einer Verzögerung führe, betonte Röth. „Der Netto-Markt wird 2017 nicht fertig“, meinte er. „Wir stehen uns zu oft selbst im Weg“, sagte er mit Blick auf das Zusammenspiel der verschiedenen Behördenebenen. Mit einem kleinen Rückblick auf seine Anfangszeit als Bürgermeister vor 20 Jahren beschloss Röth seinen launigen Rückblick.

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Neujahrsempfang der Grasellenbacher SPD: „Klare Kante“ gegen Fanatiker jeglicher Couleur gefordert

„Wie schnell wir in unserer kurzlebigen Zeit vor neuen, bislang unbekannten Herausforderungen stehen, zeigt sich, wenn wir heute auf das Jahr 2015 zurückblicken“, sagte die Landtagsabgeordnete Karin Hartmann beim zehnten Neujahrsempfang der SPD Grasellenbach. Mitglieder und Freunde der Sozialdemokraten in der Überwald-Gemeinde hatten sich im Foyer der Nibelungenhalle zusammengefunden, um gemeinsam auf 2015 zurückzublicken und gleichzeitig nach vorn zu schauen.

Kaum einer erinnere sich daran, sagte die die Vorsitzende der Grasellenbacher Gemeindevertretung, dass noch vor einem Jahr die Finanzkrise in Griechenland „das alles beherrschende Topthema war“. Angesichts neuer, größerer Herausforderungen sei es völlig aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Andere Fragen bestimmten jetzt die Schlagzeilen.

„Dass die Welt teilweise in Flammen steht und wir die Terrorgefahr nicht mehr nur weit weg in fremden Ländern erleben“, habe im vergangenen Jahr vieles verändert, so Hartmann. Nach den Anschlägen in Paris und Terrordrohungen „auch bei uns“ werde immer deutlicher, dass Freiheit und Demokratie kein Selbstverständnis seien, sondern jeden Tag neu verteidigt werden müssten – und zwar gegen jede Form von Fanatismus, sei er religiös oder politisch begründet.

Angesichts der „ungeheuerlichen sexuellen Übergriffe auf Frauen“ in Köln wiederholte sie die Worte von SPD-Parteichef Sigmar Gabriel: „Null Toleranz“. Wer sich nicht an das Grundgesetz halte und nicht bereit sei, „unsere Gesetze zu respektieren, hat bei uns nichts zu suchen“. Was man jetzt brauche, seien personell und technisch gut ausgestattete Sicherheitsbehörden. „Klare Kante“ müsse man aber nicht nur gegen Terroristen und Menschenhasser anderer Kulturen zeigen, sondern auch „gegenüber Deutschen, die mit Rassismus und Rechtsextremismus“ Hass schürten. „Das dürfen wir nicht zulassen.“

In Grasellenbach habe es in den vergangenen Jahren gute Sacharbeit in Zeiten größter finanzieller Probleme gegeben, freute sich Karin Hartmann. „Fast alle Entscheidungen in unseren politischen Gremien treffen wir mit breiten Mehrheiten.“ Auch in Zukunft sei die Gemeinde nicht auf Rosen gebettet. Ohne eine Reform der Gemeindefinanzierung könne keine Gestaltungshoheit erreicht werden, sagte die Gemeindevertreter-Vorsitzende.

SPD-Ortsvereinsvorsitzender Norbert Hartmann erwähnte in Bezug auf die Politik vor Ort, „dass nach wie vor mit wenig finanziellen Mitteln versucht wird, die Gemeinde lebenswert zu erhalten“. Dazu tragen besonders auch die vielen ehrenamtlichen Einsätze von freiwilligen Helfern bei.

Erinnern wolle er an Personen, die neu an die Spitze ihres Vereins gewählt wurden: So Wolfgang Sittner zum neuen Vorsitzenden beim Boule-Club Tromm, Günter Eisenhauer beim Motorsport- und Camping-Club Wahlen und Volker Heilmann beim Tennisclub Grasellenbach. Stellvertretend für viele Ehrenamtliche wolle er besonders engagierte, langjährige Vereinsmitglieder hervorheben, betonte Hartmann: Heinz Weiß bei der Freiwilligen Feuerwehr Wahlen und Erich Arnold beim MGV Germania Gras-Ellenbach.

Über 40 Vereine, Verbände, Clubs und Interessenverbände tragen laut Hartmann zu einem lebhaften und funktionierenden Gemeinwesen bei. Viele kämpften aufgrund schwindender Mitgliederzahlen um ihren Fortbestand. Mit Ideen und Innovationen werde versucht gegenzusteuern. Zusammen mit der Integration von Flüchtlingen „sicherlich keine leichte Aufgabe“, eher eine Herausforderung, aber auch eine mögliche Lösung.

Notwendig sei eine ordentliche finanzielle Ausstattung der Städte und Gemeinden, verbunden mit der Unterstützung der Vereine und des ehrenamtlichen Engagements. „Helfen Sie weiter mit, das vielfältige Vereinsleben in der Gemeinde aufrecht zu erhalten“, appellierte Hartmann an die Anwesenden.

Bürgermeister Markus Röth ging in seinen Grußworten auf die finanzielle Lage Grasellenbachs ein. Er ließ das vergangene Jahr vor dem geistigen Auge Revue passieren, sprach aber ebenso die anstehenden Herausforderungen wie Haushalten in Zeiten leerer Kassen und die Unterbringung der Flüchtlinge an.

Viele setzen sich für ihre Heimatgemeinde ein: Wald-Michelbachs Bürgermeister Joachim Kunkel lobte in Neujahrsansprache das Engagement der Bürger

Mit einem Blick auf die Aufgaben im gerade begonnenen, aber auch einem Rückblick auf die Ereignisse im vergangenen Jahr sowohl im Ort selbst als auch in der Welt beschäftigte sich der Wald-Michelbacher Neujahrsempfang in der Rudi-Wünzer-Halle. Untermalt von Liedvorträgen des Liederkranz Kreidach und Stücken der Blasmusik Unter-Schönmattenwag blickten Bürgermeister Joachim Kunkel und der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Nothung Köhler, vor und zurück. Neujahrsglückwünsche kamen von der Odenwälder Apfelkönigin Sina Schmidt, die Glückwünsche der Kirchengemeinden überbrachte Pfarrer Jörg Michas.

In seiner Begrüßung freute sich Köhler über den guten Zuspruch. Dieser zeuge von der Verbundenheit mit der politischen Gemeinde. Mit Blick auf die beiden musikalischen Vereine sagte er, man könne „für Gesundheit und Seele nichts besseres tun“ als den hier Tätigen nachzueifern. Neben unter anderem Ehrenbürgermeister Karl-Heinz Dietrich und dem Ehrenvorsitzenden der Gemeindevertretung, Werner Breitwieser, würdigte Köhler besonders „Kapitän Kunkel“, der das Gemeindeschiff durch die stürmische See steuere.

Ohne große finanzielle Mittel sei es in den vergangenen Jahren gelungen, mehrere Großprojekte auf den Weg zu bringen und teilweise schon zu verwirklichen. Köhler nannte hier unter anderem die Sanierung der Wünzer-Halle und das neue Feuerwehrhaus. Man habe ein Jahr mit vielen Höhen und Tiefen hinter sich. Nicht alle Wünsche ließen sich erfüllen, nicht alle Vorsätze umsetzen. Getreu dem Motto „Der Glaube versetzt Berge“ sei aber vieles möglich, betonte Köhler.

Er selbst hatte, wie er betonte, „drei erfüllbare Wünsche“. Zum einen solle der Kommunalwahlkampf sachlich verlaufen, sodass man sich danach noch in die Augen schauen könne. Zum anderen wünschte sich der Vorsitzende der Gemeindevertretung, „dass viele Bürger zur Wahl gehen“. Und schließlich Zufriedenheit und Gesundheit für alle, damit man in einem Jahr wieder in diesem Rahmen zusammenkommen könne.

Die Odenwälder Apfelkönigin Sina Schmidt aus Wald-Michelbach freute sich, mit Prinzessin Melanie den ersten großen Termin seit Amtsantritt in ihrer Heimatgemeinde bestreiten zu können. Auch 2016 würden wieder viele Herausforderungen anstehen, sagte sie. Schmidt rief dazu auf, die Zukunft aktiv mitzugestalten und überreichte im Anschluss ein Präsent an Bürgermeister Kunkel.

„Nach Königin und Prinzessin kommt jetzt der Dorfpfarrer“, scherzte im Anschluss der evangelische Geistliche Jörg Michas. Er stellte seine Rede unter die Jahreslosung aus Jesaja: „Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ Trost könne vielfältig gespendet werden, führte er aus. So auch durch die Verbundenheit mit seinem Heimatort.

In diesem Zusammenhang freute sich Michas über die Teilnahme von Flüchtlingen am Neujahrsempfang. Das zeige „dass sie hier eine Heimat finden wollen“. Es gebe in Wald-Michelbach eine gute Willkommenskultur, sagte der Pfarrer. „Wer getröstet wird, kann auch selbst trösten“, beschrieb er einen Multiplikatoreffekt. Michas rief dazu auf, die Mitmenschen zu achten und nach den Ereignissen von Köln „Besonnenheit zu wahren“.

Über die Entwicklung der Gemeinde informierte Bürgermeister Joachim Kunkel bei seiner Ansprache im Rahmen des Neujahrsempfangs. Dieser sei „eine gute Gelegenheit, etwas zurückzublicken und sich in angenehmer Weise auf das neue Jahr einzustimmen“, sagte er. Menschen, die sich für eine gute Entwicklung ihrer Heimatgemeinde einsetzen, hätten immer eine besondere Bedeutung, blickte er auf die vielen ehrenamtlich Tätigen.

In Wald-Michelbach „sind wir noch sehr viel mehr auf Menschen angewiesen“, die bereit seien sich einzubringen – in der Kommunalpolitik, bei den Feuerwehren, in den über 100 Vereinen und Verbänden, in den Institutionen, bei Sachthemen, Projekten oder sonstiger Art und Weise, so Kunkel. Diese Personen leisteten einen wesentlichen Beitrag, die gegebenen Möglichkeiten zu nutzen.

Sein Dank ging deshalb an die Verantwortlichen sowie die Mitglieder der Vereine und Verbände, Hilfsorganisationen und Feuerwehren, die örtlichen Behörden sowie Kirchen und Schulen. „2015 war geprägt von Ereignissen, die uns doch alle sehr betroffen machen“, blickte Kunkel zuerst in die Welt hinaus. Viele Menschen würden Opfer von Krieg, Verfolgung, Vertreibung und Terror – „eigentlich unvorstellbar“.

In Wald-Michelbach gebe es bemerkenswert aktive Schulgemeinden und alle Schulen verfügten mittlerweile über beste räumliche Verhältnisse, schlug er den Bogen zur lokalen Ebene. „Es wird eine hervorragende Arbeit im Sinne unserer Kinder und Familien geleistet.“ Die Schulen seien „auf einem sehr guten Weg“.

Auf das umfassende Angebot im frühkindlichen Bereich und die „tolle vorschulische Arbeit“ in den Kindergärten könne man stolz sein. Mit den Angeboten im Freizeitbereich – auch den touristischen -, den Spielplätzen, dem Jugendtreff und den vielfältigen Aktivitäten der Vereine „können wir zurecht als familienfreundliche Gemeinde bezeichnen“, sagte der Bürgermeister.

Die enge Kooperation bei Wirtschaftsförderung und Tourismus zahlt sich laut Kunkel aus – es gebe eine Vielzahl von Maßnahmen, Projekten und Angeboten. Die in den vergangenen Jahren umgesetzten Groß-Projekte „haben alle den gewünschten Erfolg“. Ständig steigendende Besucherzahlen belegten dies.

Der Rathauschef erwähnte daneben die in diesem Jahr geplante weitere Gestaltung des Ortskerns. Bei einer Bürgerversammlung am 28. Januar gebe es dazu mehr Informationen. Auch stehe das Thema Drogerie-Markt an. 2015 habe man als eine von wenigen Kommunen einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen können. Das gelinge auch in diesem Jahr, so Kunkel. Jedoch sei die finanzielle Ausstattung der Kommunen „keinesfalls ausreichend“.

Das „soziale Gewissen“ vieler Menschen habe funktioniert, als es um die Unterstützung des kleinen Aron ging, stellte der Bürgermeister erfreut fest. Dessen schwere Erkrankung „hat wohl die ganze Region betroffen gemacht“. Eine Welle der Hilfsbereitschaft sei entstanden. Feuerwehren seien ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens „und aus unserer Gemeinde nicht wegzudenken“. Ohne die Vereine wäre vieles nicht denkbar, lobte Kunkel deren „umfassendes Angebot in allen Bereichen“.

Es liege ein intensives Jahr hinter der Gemeinde. Die handelnden Akteure „haben viele gute, wichtige und in die Zukunft gerichtete Entscheidungen getroffen“, betonte er. Und die Arbeit werde nicht weniger. „Jeder ist gefragt, jeder kann seinen Beitrag leisten, jeder kann helfen, Wald-Michelbach weiter zu entwickeln und die Lebensqualität weiter zu erhöhen“, schloss Kunkel seine Ansprache.

Die aktuelle Situation der Flüchtlinge in der Überwald-Gemeinde beleuchteten beim Neujahrsempfang Bürgermeister Joachim Kunkel und der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Nothung Köhler. Kunkel betonte nachdrücklich, „die Flüchtlinge haben es verdient, offen und herzlich empfangen zu werden“. Auch wenn man vor Ort nicht in die große politische Debatte eingreifen wolle, sei das Thema eine „riesige Herausforderung“, ergänzte Köhler. Er wünschte sich auf den entsprechenden Ebenen „kluge und nachhaltige Entscheidungen“.

Die, so Kunkel, seien vor Ort getroffen worden. Die dezentrale Unterbringung und die ehrenamtliche Betreuung funktionierten gut, sei ihm von den drei Koordinatorinnen bestätigt worden. „Darauf können wir stolz sein.“ Köhler nannte in diesem Zusammenhang die Patenschaften für die verschiedenen Unterkünfte, Kleiderstube und Koordination. „Dass alles relativ gut klappt“, liege an dem Einsatz der zahlreichen Ehrenamtlichen, die sich um die inzwischen 119 Flüchtlinge in Wald-Michelbach kümmerten.

Köhler lobte die „äußerst konstruktive Zusammenarbeit“ mit dem Kreis Bergstraße. „Die Aufgaben werden noch größer“, sagte er. Es sei deshalb auf beiden Seiten Verständnis füreinander wichtig, damit die Integration klappe. Die Gemeinde wolle aus diesem Grund die Vereine bei ihren Bemühungen nach Kräften unterstützen. Denn dort, so Kunkel, funktioniere die Einbindung der Migranten am leichtesten und besten, wie die Erfahrungen zeigten. Er wies darauf hin, dass am 16. Februar der nächste Runde Tisch zu diesem Thema stattfinde.

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Die Verwaltung ist personell am Limit

Hirschhorn. Die personelle Situation in der Kernverwaltung beschäftigt Bürgermeister Rainer Sens derzeit stark. Das merkt man ihm an, als er beim Hirschhorner Neujahrsempfang dieses Thema anschneidet. Ganz leicht fällt ihm an diesem Tag der Spagat zwischen Trauer und offizieller Veranstaltung sowieso nicht. Denn nur wenige Stunden vorher wurde ein städtischer Mitarbeiter beigesetzt, der kurze Zeit zuvor überraschend verstorben war. Da außerdem zwei leitende Rathauskräfte schwer erkrankt sind, spricht Sens davon, dass „wir personell am Limit“ sind.

Die Kernverwaltung müsse eh schon „ungeheuer viel leisten“, sodass „die Leute auch durch den Arbeitsdruck krank werden“, sagt Sens. Zahlreiche Überstunden sind Normalität. Für den Bürgermeister ist klar, dass es trotz aller Sparanstrengungen im Rahmen des kommunalen Schutzschirms so nicht weitergehen kann. „Wir müssen intelligente Lösungen finden und eventuell auch wieder neu einstellen“, fordert er. Es gelte, das Funktionieren der Verwaltung sicherzustellen und die jetzigen Mitarbeiter „nicht zu verheizen“.

Eine Grenze nach unten ist Sens zufolge „irgendwann erreicht“. Dann gelte es eine Entscheidung darüber zu treffen, ob man Leistungen der Verwaltung reduziere oder „Personal aufstocke“. Schon in der kommenden Stadtverordnetensitzung will der Bürgermeister nach Möglichkeit beantragen, die Wiederbesetzungssperre für eine Stelle aufzuheben.

Weitere Themen seines Rückblicks auf 2014 und Ausblicks auf 2015, die er mit Journalist Felix Hüll im Rahmen eines „Vier-Augen-Gesprächs“ vorstellte, waren die kommunalen Finanzen, das Stadtbild als solches, die demografische Entwicklung oder das schnelle Internet. Angesprochen wurde auch der geplante Windpark am „Greiner Eck“. Sens machte hierzu deutlich, dass dieser „nicht in Hirschhorn oder Neckarsteinach beschlossen oder verhindert wird“, sondern auf der Ebene des Regierungspräsidiums oder der Regionalversammlung. Eine Fertigstellung sei bei reibungsloser Planung frühestens in zwei Jahren zu erwarten. Kämen viele Einsprüche, könnte es auch der Sankt Nimmerleinstag werden, so der Bürgermeister sinngemäß.

Ob die Frage nach Sens‘ Wohnsitz ein paar Kilometer außerhalb von Hirschhorn, wie Hüll sie stellte, in den Rahmen eines offiziellen Neujahrsempfangs passt, sei dahingestellt. Auch das permanente städtische Hintergrund-Gemurmel, dass seitens der Verwaltung im Parlament zu wenig informiert werde, ist nicht unbedingt zwingend in einer solchen Veranstaltung abzuhandeln. Sondern passt eher in die Stadtverordnetensitzung. Ganz abgesehen davon, dass das Frage-Antwort-Spielchen mit zunehmender Dauer zäh wie Kaugummi wurde.

Streiflichter aus der Hirschhorner Geschichte präsentierte zum Schluss Dr. Rüdiger Lenz, der Leiter des Eberbacher Archivverbunds. Dem gehört neben Hirschhorn auch Neckarsteinach an. Er startete mit Beginn der Herrschaft der Hirschhorner Ritter und leuchtete einige markante Punkte in der Stadtgeschichte aus. Entsprechende Originalurkunden lassen sich im Archiv finden, die Lenz mit einer Powerpoint-Präsentation den Bürgern zeigte. Neben der sukzessiven Ausdehnung der Stadt und der Geschichte der Stadttore war auch die Rolle Hirschhorns während der badischen Revolution ein Thema. Abgerundet wurde sein Vortrag mit einem Blick auf die Lebensgrundlage der Bevölkerung, etwa durch die Arbeit in Sandsteinbrüchen.

Eröffnet worden war der Abend durch den stellvertretenden Stadtverordneten-Vorsteher Martin Hölz, der die erkrankte Vorsteherin Katharina Korner vertrat. Rektorin Christel Herrmann von der Neckartalschule, in deren Turnhalle der Neujahrsempfang stattfand, nutzte die Gelegenheit, die Bildungseinrichtung kurz vorzustellen. Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung von den „Hirschhorner Vielharmonikern“, Richard Köhler und Ulrich Spiegelberg.

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Jürgen Teschner spendete bereits 125 Mal Blut

Es ist eine Zahl, die im Saal erst für Raunen und dann für spontanen Applaus sorgte: Jürgen Teschner spendete bereits 125 Mal beim DRK Blut. Er wurde nun dafür beim Neujahrsempfang der Stadt Hirschhorn geehrt. Teschner erhielt die Ehrennadel in Silber mit der dazugehörigen Urkunde. Petra Jurcza aus Wald-Michelbach und Oliver Hammerschmidt ließen sich bereits 25 Mal Blut abzapfen. An beide wird die entsprechende Urkunde durch den Hirschhorner DRK-Vorsitzenden Dr. Günter Soder nachgereicht.

Lang war die Liste der zu Ehrenden bei der Feuerwehr Hirschhorn. Teilweise schon Jahrzehnte sind die Floriansjünger in selbstloser Weise für das Wohl der Mitmenschen aktiv. Max Weber (seit 1979) und Hans Pfisterer (seit 1986) bekleiden im Vorstand Beisitzerposten. Weber war darüber hinaus im Kleintierzuchtverein von 1985 bis 2002 zweiter und ist seit 2002 erster Vorsitzender. Beide erhielten aus den Händen von Bürgermeister Rainer Sens und dem stellvertretenden Stadtverordneten-Vorsteher Martin Hölz die Ehrennadel in Gold mit der dazugehörigen Urkunde.

Ebenso wie Josef Beisel, der von 1985 bis 1999 Jugendwart bei der FFW war und seit dem Jahr 2000 als stellvertretender Vereinsvorsitzender agiert. Darüber hinaus ist er seitdem auch stellvertretender Wehrführer und stellvertretender Stadtbrandinspektor. Bereits 1997 hatte Beisel die Ehrennadel in Silber erhalten. Torsten Albert, seit 2003 Pressewart und seit 2010 Schriftführer der FFW, bekam die Ehrennadel in Silber mit Urkunde. Mario Schatzer, von 1999 bis 2005 stellvertretender und seitdem Jugendwart, erhielt „nur“ eine Urkunde, da er bereits 1998 für sein Engagement im Kleinkaliber-Schützenverein die silberne Ehrennadel erhalten hatte.

30 Jahre ist Paul Keßler junior beim Tischtennisclub an vorderster Front aktiv. Zuerst von 1983 bis 1984 und dann wieder ab 1987 bis heute ist er dessen Vorsitzender. Für dieses langjährige ehrenamtliche Engagement wurde Keßler mit der Ehrennadel in Gold und Urkunde ausgezeichnet.

 

Zum Bild: Langjährige ehrenamtlich Aktive und Blutspender wurden beim Hirschhorner Neujahrsempfang ausgezeichnet. Auf dem Bild v.l. Bürgermeister Rainer Sens, Jürgen Teschner, Dr. Günter Soder, Paul Keßler, Josef Beisel, Max Weber, stellvertretender Stadtverordneten-Vorsteher Martin Hölz, Torsten Albert und Hans Pfisterer.

Langbein-Museum: Der Arbeitskreis ist „restlos begeistert“

Das Langbein-Museum in der hessischen Neckarstadt darf sich nun „regionales Kulturerbe“ nennen. Die entsprechende Urkunde brachte der Kreisbeigeordnete Matthias Schimpf aus Heppenheim mit nach Hirschhorn. Er überreichte sie beim gestrigen Neujahrsempfang zusammen mit der Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Bergsträßer Heimat- und Geschichtsvereine, Heidi Adam. Vergangenes Jahr hatte die Lindenfelser Postkutsche diese damals zum ersten Mal verliehene Auszeichnung erhalten, nachdem sich Schimpf zufolge der „Arbeitskreis regionales Kulturerbe“ im Mai 2013 gegründet hatte.

Dessen Ziel sei es, einerseits eher unbekannte Kulturobjekte im Kreis Bergstraße zu bewahren, andererseits aber auch bekannter zu machen. Was an „geschichtlichen Fetzen“ in den verschiedenen Heimatmuseen schlummere, solle das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Anhand der Mitgliedernamen verdeutlichte Matthias Schimpf, dass es sich um ein Gremium „mit viel Sachverstand“ handle. Mit der Übergabe der Urkunde verband er auch seinen Dank an alle, „die sich um das Museum kümmern“.

Das geschieht in Hirschhorn vor allem ehrenamtlich durch den Museumsverein. Weswegen Schimpf besonders hervorhob, dass ohne dieses ehrenamtliche Engagement die Langbein-Sammlung „gar nicht erhalten und auf diese Weise präsentiert werden könne“. Für den Verein zeigte sich Vorsitzender Dr. Ulrich Spiegelberg mehr als erfreut über die prominente Auszeichnung, die er zusammen mit Bürgermeister Rainer Sens und dem stellvertretenden Stadtverordneten-Vorsteher Martin Hölz entgegen nahm.

„Damit nichts vom Reichtum unserer Region verloren geht“: Mit diesem Motto habe sich der Arbeitskreis regionales Kulturerbe gegründet, verdeutlichte Heidi Adam. Sie ging detailliert auf das Museum und seinen Namensgeber, Carl Langbein, ein. Vor ein paar Monaten hätten sich die Mitglieder des Arbeitskreises das Museum von Dr. Spiegelberg präsentieren lassen und waren „restlos begeistert“.

Carl Langbein (1816-81) habe sich selbst als „Naturalist“ bezeichnet. So nannte er ab 1854 auch das in diesem Jahr erworbene Gasthaus, an dessen Stelle heute Rathaus und Bürgerhaus stehen. Heidi Adam bezeichnete Langbein als „Odenwälder Weltbürger“. Denn dieser kam aufgrund seines Berufs als Kaufmann für einen Menschen seiner Tage viel herum, besuchte unter anderem die Weltausstellung 1851 in London. Langbein habe sich früh zum Ziel gesetzt, „das, was vielleicht in späterer Zeit verloren gehen könnte, zu bewahren“.

Heidi Adam zufolge war Langbein an vielen Dingen interessiert: Gemälde, Möbel, Bücher, alte Urkunden, Waffen, Handwerksgegenstände, Muscheln, Mineralien. Leidenschaftlich gern präparierte er Tiere. Davon konnte ein bekannter amerikanischer Schriftsteller ein Lied singen bzw. eine Geschichte schreiben: Mark Twain, der den Aufenthalt in Hirschhorn nach einer Neckar-Floßfahrt in seinem „Bummel durch Europa“ thematisiert. Twain konnte kaum einschlafen, weil ihn die gläsernen Augen einer großen ausgestopften weißen Eule „beobachteten“.

Ohne Langbein, ist Heidi Adam sicher, gäbe es heute in Hirschhorn nicht so viele Zeugnisse der städtischen Geschichte. „Er hat vieles aus Kloster und Schloss in Sicherheit gebracht.“ Da Carl Langbein „das Sammeln, aber nicht das Ordnen“ liebte, sah der Haushalt wohl aus „wie eine Wunderkammer“ – Untertitel der Sammlung im alten Forsthaus, wo sie seit 1985 untergebracht ist.

Dazwischen liegt laut der Arbeitskreis-Vorsitzenden eine wechselvolle Geschichte: Nach dem Tod Langbeins gingen seine Schätze an Schwester Ida über, die sie später dem Land Hessen vermachte. Das brachte sie im Rittersaal des Hirschhorner Schlosses unter. Nach dessen Umwandlung zum Hotel 1959 sei mit ihnen aber sehr lieblos umgegangen worden. Erst der Rückkauf durch die Stadt 1967, die Gründung des Museumsvereins 1981 und der Umzug ins alte Forsthaus neben dem Rathaus hauchte Langbeins Vermächtnis neues Leben ein.

Heidi Adam lobte in höchsten Tönen das neue Museumskonzept, „das ich ganz zauberhaft finde“. Jeder Raum habe sein eigenes Motto. Einzigartig sei, dass die Gäste per Audioguide virtuell von den Stimmen der Menschen durchs Museum begleitet würden, die dort vertreten sind. Übrigens: Die Lindenfelser Postkutsche fand im Nachklapp zur Auszeichnung Mitte 2014 als Motiv den Weg auf eine Sonderbriefmarke der Post. Das wäre doch auch fürs Hirschhorner Museum eine schöne weitere Ehrung?

Info: Aus Anlass der Auszeichnung hat das Langbein-Museum (Alleeweg 2, 69434 Hirschhorn) am Sonntag, 1. Februar, von 11 bis 17 Uhr außer der Reihe geöffnet. Um 14 Uhr gibt es eine Führung für Klein und Groß, um 15 Uhr eine Rätselreise im Museum, um 16 Uhr eine Führung durch Carl Langbeins Reich.

 

Zum Bild: Das Langbeinmuseum-Museum in Hirschhorn ist „regionales Kulturerbe“. Unser Bild zeigt bei Übergabe der Urkunde v.l. den stellvertretenden Stadtverordneten-Vorsteher Martin Hölz, Kreisbeigeordneten Matthias Schimpf, Bürgermeister Rainer Sens, Museumsverein-Vorsitzenden Dr. Ulrich Spiegelberg und Heidi Adam.

Langbein-Sammlung wird „regionales Kulturerbe“

Hirschhorn. Die Langbein-Sammlung wird als „regionales Kulturerbe“ ausgezeichnet: Durch eine Kommission des Kreises Bergstraße, die vergangenen Herbst im Langbeinmuseum tagte und von der Ausstellung sehr angetan war, wird die Sammlung als besonderes Kulturgut des Kreises Bergstraße gewürdigt. Die Preis-Übergabe erfolgt beim Neujahrsempfang der Stadt an diesem Freitag, 23. Januar, um 19 Uhr in der Turnhalle der Neckartalschule. Dies wurde bei der Jahreshauptversammlung des Freundeskreises Langbein’sche Sammlung und Heimatmuseum Hirschhorn mitgeteilt. Um die Verleihung zu feiern und die Sammlung in der Stadt noch bekannter zu machen, wird das Museum am Sonntag, 1. Februar, von 11 bis 17 Uhr außer der Reihe geöffnet sein. Ein kleines Programm für die Besucher ist geplant.

Zur Jahreshauptversammlung begrüßte der Vorsitzende Ulrich Spiegelberg eine ansehnliche Zahl an Mitgliedern. Er gab einen Rückblick auf die Ereignisse 2014. Der Verein habe 50 Mitglieder, vier traten im vergangenen Jahr ein. Zu den Vereinsaktivitäten gehörte die weitere Überführung des Magazinbestandes ins neue Magazin – vornehmlich der geologischen Sammlung. Guten Anklang fand der Museumsausflug nach Mauer mit Besuch der Fundstätte des homo heidelbergensis sowie des dortigen urgeschichtlichen Museums. Spiegelberg erinnerte daneben an Karl Korner, den Gründer, langjährigen Vorsitzenden und Ehrenmitglied des Vereins, der 2014 auf tragische Weise ums Leben kam.

Im Langbein-Museum fand eine Ausstellungsserie von Ludwig Schmeisser mit guter Resonanz statt – „Reisebilder-Bilderreise“ mit Soireen, Gesprächen und Sonderführungen. Ebenso stießen der Museumskaffee am 1. Advent und die Weihnachtsausstellung (mit Objekten aus der Sammlung Belzner, Hirschhorn) auf viel Widerhall. Im Rahmen der Adventsfensteraktion war von der Stadt der Ausstellungsraum des Museums als Startpunkt ausgewählt worden, so dass damit ein gern genutztes zusätzliches Angebot bestand. Gut angenommen wurde auch der Ferienspieltag im Museum, an dem Hirschhorner Kinder dessen Attraktionen erkunden konnten.

Die Audioguidespuren wurden mit der Aufnahme der „Kinderspur“ vervollständigt, gesprochen mit viel Begeisterung von den Hirschhorner Kindern. Auch wurden die alten Audioguides durch bediensichere Geräte ersetzt. Spiegelbergs Dank galt allen engagierten Mitgliedern. Zusammen mit der Firma Museumsreif wurde ein Flyer erstellt und vom Verein finanziert, ein wichtiger Bestandteil im Museumsmarketing. Im Folgenden wurden die Ausstellungsvorhaben 2015 besprochen. Laut Spiegelberg wird die Vortragsreihe im Frühjahr wieder aufgenommen mit einem Vortrag zur Geschichte der Hirschhorner Steinbrüche vom Eberbacher Hans Klinge. Geplant ist auch eine Museumsfahrt ins neu eröffnete und gestaltete Museum in Viernheim.

Es folgten die Vorstandswahlen. Neben langjährigen Vorstandsmitgliedern kamen auch „neue Gesichter“ hinzu. Somit ist der Vorstand bestens gerüstet, auch künftig das Langbeinmuseum im Geiste Carl Langbeins zu erhalten, weiter zu entwickeln und zu beleben. Gewählt wurden: Ulrich Spiegelberg (Vorsitzender), Peter Rossmann (zweiter Vorsitzender), Jürgen Waibel (Schatzmeister), Monika Hofmann (Schriftführerin) und als Beisitzer E. Christoffers, R. Rossmann, A. Weber, W. Geyer, B. Meschede, W. Schuler und G. Wagner. Das private Bild zeigt den neuen Vorstand.