Kocherbacher Verein Luna war aktiv: Auf 2500 Quadratmetern wuchsen Bio-Kartoffeln

Der Bio-Kartoffelanbau war ein voller Erfolg und zauberte den Mitgliedern ein Lächeln ins Gesicht. Der Verein zur Förderung umweltverträglicher Landwirtschaft „Luna“ aus Kocherbach betrieb ihn in diesem Jahr erstmals „professionell“ nach höchstem Bio-Standard. „2016 hatten wir nur auf kleiner Fläche erfolgreich getestet“, weiß Vorstandsmitglied Jürgen Klieber.

Die jetzt ausgewählte, große Fläche von etwa einem Morgen Land (2500 Quadratmeter) wurde schon jahrelang nicht mehr industriell genutzt. Es wurden somit keine Gülle und Spritzmittel aufgetragen. Bewuchs war bisher eine Klee-Wiesen-Mischung. Auch von den angrenzenden Flächen ging laut Luna keine (Gift-)Gefahr mehr aus, weil diese ebenfalls bereits seit längerer Zeit aus der industriellen Nutzung herausgenommen wurden.

Angebaut wurde von den Vereinsmitgliedern die Sorte Nicola, eine Bio-Pflanzkartoffel der Klasse A. Dabei handelt es sich um eine festkochende, schmackhafte alte deutsche Kartoffel, die sehr vielfältig in der Küche eingesetzt werden kann. Obwohl dieses Jahr kein ideales Kartoffelwetter war, „sind wir mit der Erntemenge, aber insbesondere mit der Qualität sehr zufrieden“, freute sich Gerhard Ader. Weder Fäulnis noch Wildschweine oder Mäuse konnten den Erdäpfeln etwas anhaben.

Lediglich plötzlich, kurz vor der Blüte, waren viele Kartoffelkäfer an den Pflanzen. Durch den engagierten Einsatz einiger Vereinsmitglieder konnten diese aber keinen Schaden anrichten. Für Luna als Verein war die Aktion ebenfalls ein großer Erfolg. Schon beim Kartoffellegen waren mehr als zehn Mitglieder aktiv im Einsatz. Bei der Ernte waren sogar mehr als 20 Personen aller Altersgruppen mit Begeisterung dabei.

„Die Kleinen waren total begeistert, dass auf einmal so viele Kartoffeln aus der Erde kamen, obwohl nur wenige gelegt wurden“, beobachtete Vorstandsmitglied Thomas Langer. Die Elterngeneration begeisterte sich an den historischen landwirtschaftlichen Geräten und ihrer Funktionalität. Omas und Opas schwelgten in Erinnerungen und erzählten ausgiebig von den Jugenderlebnissen auf dem Kartoffelfeld, vom Kartoffelkäferlesen mit der Schulklasse bis hin zum Kartoffelfeuer. Da gegen Ende der Ernte ein starker Regen einsetzte, musste allerdings – sehr zum Kummer der fleißigen Kinder – auf das obligatorische Kartoffelfeuer verzichtet werden.

Die Anschlussfeier wird nun am Sonntag, 29. Oktober, bei einem Ernte- und Hoffest in Gras-Ellenbach nachgeholt. Dieses findet bei den Vereinsmitgliedern und zertifizierten Biobauern Wolfgang Schierenbeck und Joachim Mauermann statt. Zu diesem Hoffest sind auch alle interessierte Bürger eingeladen, die von den leckeren Biokartoffeln profitieren können. Denn logischerweise wird es sich kulinarisch um die Kartoffel drehen.

Sehr viele Mitbürger, die Wert auf ihre Ernährung legen, haben bereits die Vereinsmitglieder angesprochen, wie und wo sie die Kartoffeln kaufen können, so Ader. Auch kam die Nachfrage, welche weiteren Gemüsesorten Luna zum Kauf anbietet. Vereinsmitglieder haben zwar ein „Vorkaufsrecht“. Beim Hoffest stehen aber genügend Odenwälder Luna-Kartoffeln zum Verkosten und auch kleinere Mengen zum Verkauf bereit. Viele kulinarische und technische Überraschungen werden für dieses Fest vorbereitet, um den interessierten Gästen einen spannenden Nachmittag zu bieten.

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„Auf jede Fläche, die wir haben, kommt keine Gülle drauf“: Jahreshauptversammlung des Kocherbacher Vereins Luna

Luna hat sich für dieses Jahr einiges vorgenommen. Eine durch Pachteinnahmen und Zuschüsse gut gefüllte Vereinskasse ermöglicht es dem Kocherbacher Verein zur Förderung der ökologischen Landwirtschaft, in diesem Jahr drei Projekte anzugehen. Dabei handelt es sich um den verstärkten Anbau von alten Kartoffelsorten, ökologische Pferdehaltung und den Einstieg in die Wasserbüffel-Zucht. Bei der Jahreshauptversammlung im „Lamm“ stellte das Vorstandstrio mit Dr. Thomas Michel, Heinz Trautmann und Gerhard Ader die Themen vor.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Michel blickte sein Vertreter Trautmann auf 2016 zurück. Das brachte etliche Fortschritte und Neuerungen mit sich. Er nannte die Eintragung als landwirtschaftlicher Betrieb mit der Erlaubnis zur Erzeugung von Futtermitteln oder die Erhöhung des Obstbaum-Bestands von 64 auf 80. Fünf Hektar Äcker habe man an die Biobauern Schierenbeck/Mauermann verpachtet, sieben Hektar Grünflächen werden zusammen mit anderen Partnern bewirtschaftet.

Trautmann erwähnte außerdem die Einsaat von 250 Blühstreifen, den Testanbau von zwei alten Kartoffelsorten auf 200 laufenden Metern, erste Pachtzahlungen und Förderungsbescheide des Landwirtschaftsamts. Durch Info-Veranstaltungen sei das Interesse an Luna in der Öffentlichkeit gewachsen, freute er sich. Man habe darüber hinaus die Kontakte über die Kreisgrenzen hinaus ausgedehnt und arbeite gut mit den Behörden zusammen. Dass 90 Prozent der Grenzpfosten an den eigenen Flächen nicht mehr vorhanden sind, führte in der Runde zu einer Diskussion über die Ursachen.

Schriftführer Gerd Ader erläuterte, dass die Luna eigenen Flächen innerhalb der nächsten 14 Tage noch einmal vermessen werden. Die neuen, stabilen Begrenzungspfosten „kommen dann richtig tief in die Erde und es wird groß Luna drauf geschrieben“, sagte er. Dann könne sich keiner mehr rausreden, er habe sie einfach übersehen. Außerdem werde man alles bildlich dokumentieren. „Das sind halt Lernprozesse“, so Ader.

Den sehr positiven Kassenbericht erstattete Jürgen Klieber. Das Plus ermöglicht verschiedene Investitionen in diesem Jahr. Die Kasse wurde von Thorsten Ader und Klaus Oberle geprüft und für gut befunden. Der einstimmigen Entlastung des Vorstands stand somit nichts im Weg. Martin Monnheimer folgte als Kassenprüfer auf Oberle, der bereits zwei Jahre dieses Amt ausfüllte.

Mit einem Blick auf die erfolgreichen Infoveranstaltungen zum Thema Landpachtverträge und EU-Agrarpolitik sowie der Vorstellung des Biobauernhofs Zimmermann in Beerfelden leitete Ader über zur Vorstellung des Projekts einer ökologischen Pferdehaltung. Diese übernahm Theresa Bartmann, seit drei Jahren in der Heckenmühle wohnhaft. Ziel sei es dabei, eine Pensionspferdehaltung anzustreben. Pro Hektar Land seien zwei Pferde zugelassen. Auf den vier Hektar bei der Heckenmühle könnten vier oder fünf Tiere in Robusthaltung stehen, sagte sie.

Die Pferde hätten einen Unterstand, seien aber sonst das ganze Jahr draußen, erläuterte die 22-Jährige. Damit die Wiesen nicht zu intensiv genutzt werden, sollen sie in Sommer- und Winterweide unterteilt werden. Als Vorteile für Luna nannte sie die Heugewinnung aus eigenen Flächen, die sinnvolle Nutzung der Wiesen, Generierung von Mitgliedsbeiträgen oder Aktionen mit Vereinen und Kindergärten. Damit lasse sich „ein Vorzeigeprojekt schaffen“.

„Das passt als erstes Projekt dieser Richtung in unser Konzept rein“, betonte Ader. Die Versammlung sah dies genauso. Die Vereinsgelder sollen darüber hinaus in die Ausweitung des Kartoffelanbaus fließen. Schon im vergangenen Jahr habe sich gezeigt, dass dies eine gute Investition sei. Luna will außerdem „in Wasserbüffel machen“ und greift dabei auf das Wissen der Partner Joachim Mauermann und Michael Schierenbeck zurück, die bereits welche bei Gras-Ellenbach halten. Beide referierten ein wenig über die damit verbundenen Aufgaben.

Noch vor Pfingsten will der Verein eine Info-Veranstaltung über die Auswirkungen intensiver Düngung anbieten und Richtung Herbst wieder ein paar Bäume pflanzen. Dann soll es auch Schnittkurse geben. „Auf jede Fläche, die wir haben, kommt keine Gülle drauf“, fasste Ader das Credo von Luna zusammen. „Ein ganz einfacher Satz.“ Wie viel dadurch vermieden wird, machte Trautmann deutlich: eine Million Liter im Jahr weniger durch die ökologische Bewirtschaftung der Luna-Flächen.

Beim Verein LUNA in Affolterbach: Vorträge zur EU-Landwirtschaftspolitik in Theorie und Praxis

Beim Infoabend des Vereins LUNA (Landwirtschaft Umweltverträglich Nachhaltig Artgerecht) gab es Infos aus der Theorie und aus der Praxis. Im Dorfgemeinschaftshaus referierte der Historiker Dr. Sascha Weber über „EU-Agrarpolitik und die Auswirkungen auf den ländlichen Raum“. Interessant für die Landwirte, aber auch für die Gemeinde sind die aktuellen Fördermöglichkeiten zur Entwicklung des ländlichen Raums aus dem EU-Programm Entwicklungsplan für den ländlichen Raum (EPLR). Danach erzählte Biolandwirt Christian Zimmermann aus Beerfelden von der Umstellung seines Hofes auf einen Bio-Betrieb.

An der aktuellen EU-Landwirtschaftspolitik ließ Weber kein gutes Haar. Die sei „ähnlich konfus“ wie vor 100 und mehr Jahren, als kleinstaatlicher Protektionismus vorherrschte. Mit Blick in die Runde meinte er, dass noch viele Gäste die Zeit der kleinen und mittleren Bauernhöfe miterlebt hätten, die in den 1990er Jahren nach und nach aufgebeben wurden. Laut dem Referenten werden immer noch 38 Prozent des EU-Haushalts für die Förderung der Landwirtschaft verwendet, „obwohl nur fünf Prozent der Menschen dort arbeiten“.

„Die EU betreibt eine deutliche Agrarprotektion“, führte Weber aus. Mit ein Grund, warum die eher freihandelsorientieren Briten bei der EWG-Gründung Mitte der 1950er Jahre außen vor blieben. Er zeichnete die Entwicklung von den 1880er Jahren bis hin zur Entwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) Anfang der 1960er Jahre nach. Diese war immer geprägt von Abschottung, um die eigenen Landwirte zu unterstützen.

Die GAP hatte Weber zufolge aber nicht den gewünschten Erfolg. Denn Intensivierung und technische Modernisierung sowie Produktions- und Preisgarantien führten zu Überproduktion. Folge waren ein steigender Anteil am EU-Haushalt für GAP, um die Überproduktion zu stark subventionierten Preisen am Weltmarkt zu verkaufen. Was bedeutete: die GAP-Kosten stiegen, die Einnahmen der Bauern sanken.

Die GAP-Reform 1992 sollte mehr Markt ermöglichen, ging dem Referenten zufolge aber nach hinten los. Denn die Folgen waren höhere EU-Ausgaben, mehr Bürokratie, das Sterben kleiner Höfe und weniger Markt. Statt Extensivierung habe es eine Intensivierung gegeben – mit negativen Auswirkungen auf den Weltmarkt.

Es folgten in den Jahren 2003-2005 und 2013 zwei weitere Reformen, die ebenfalls nur begrenzte Erfolge hatten. Hintergrund der ersten sei vor allem die Stabilisierung der EU-Ausgaben mit Blick auf die Osterweiterung und dem dortigen größeren Agrarsektor gewesen. Ein Kritikpunkt von Weber: Die Maßnahmen führten dazu, dass vor allem Großbetriebe von den Zahlungen profitierten. Er ging auch noch auf die Nitratbelastungen der Böden durch die Landwirtschaft ein. Eine angeregte Diskussion mit vielen Nachfragen schloss sich an.

Über seinen Betrieb im Beerfelder Walterbachweg und die Umstellung auf Bio-Kriterien sprach Christian Zimmermann. Er hatte auch einige Produkte aus dem Hofladen zur Verkostung mitgebracht, von deren Qualität sich die Besucher in der Pause überzeugen konnten. Zimmermann ist „Milchviehhalter aus Leidenschaft“. Er hat 70 Fleckviehkühe mit weiblicher Nachzucht im Stall. 2009 wurde der Betrieb auf Bio umgestellt, was eine gewisse Übergangszeit bedeutete.

Wie Zimmermann den Besuchern im Dorfgemeinschaftshaus erläuterte, werden die Milchkühe ab 2008 nur noch homöopathisch behandelt. Ab dem Spätjahr 2010 durfte er dann seine Milch mit dem Zusatz Bio verkaufen. Die Kühe stehen auf 54 Hektar Land, wovon 23 Hektar Kurzgraswiesen sind. Zusätzliche fünf Hektar stehen als Herbstweide zur Verfügung. Durch die Verwendung von Weidetränken muss der Bio-Landwirt nicht mit Tankwagen auf die Wiesen fahren.

Seitdem er auf Bio-Milch umgestellt hat, rechnet sich laut Zimmermann die Milchviehhaltung wieder. Denn er bekommt 54,31 Cent für den Liter. Pro Hektar beweideter Fläche kommt er auf 8350 Liter pro Milchkuh. Weil er große Weideflächen zur Verfügung hat, gibt es dem Landwirt zufolge weniger Trittschäden. Weswegen Zimmermann sagt, dass das Weidesystem dem Betrieb Arbeit, Zeit und Geld spart. Es bedeute „ein Stück Lebensqualität“.

Für Zimmermann und seine Familie hat sich die jährliche Arbeit verändert. Die Kurzgraswiesen muss er nicht mehr nachmähen, sondern nur noch nachsäen. Denn die Kühe dürfen schon im Februar, wenn das erste Grün zu sehen ist, nach draußen. Eine Melkpause gibt es nicht. Außerdem kommt ein Bulle mit auf die Weide, damit alle Kühe trächtig werden. Die Kälber kommen in der Regel von Ende Dezember bis Ende März auf die Welt.

Viele Aktivitäten des Vereins zur Förderung von umweltverträglicher Landwirtschaft Luna aus Kocherbach im vergangenen Jahr

Der Verein zur Förderung von umweltverträglicher Landwirtschaft aus Kocherbach, Luna, hat in den wenig mehr als zwei Jahren seines Bestehens schon Etliches auf die Beine gestellt. Der zweite Vorsitzende Heinz Trautmann ließ auf der kürzlichen Versammlung das vergangene Vereinsjahr Revue passieren. Demnach konnten 2016 wieder viele Dinge neu angestoßen oder erfolgreich fortgesetzt werden.

Laut Trautmann ist „Luna“ seit vergangenem Jahr eingetragener landwirtschaftlicher Betrieb mit Erlaubnis zur Erzeugung von Futtermitteln. Es gab eine Einmessung der Vereinsflächen und Markierung, die Erhöhung des Baumbestands von 64 auf 80 Obstbäume und den Beginn der ersten Pflegemaßnahmen an den Bäumen. Außerdem wurden fünf Hektar Äcker an die Biobauern Schierenbeck/Mauermann verpachtet.

Trautmann zufolge startete außerdem die Bewirtschaftung der Grünflächen mit den Partnern in einer Größe von sieben Hektar. Die Zusammenarbeit laufe hervorragend. Weiterhin habe eine Einsaat von etwa 250 laufenden Metern Blühstreifen stattgefunden, außerdem der Testanbau von zwei alten Kartoffelsorten auf 200 Metern. Der zweite Vorsitzende sprach in diesem Zusammenhang von einer Einsparung von 100 Tankwagen mit Gülle in einer Größe von 20 Kubikmetern. Dies bedeute eine Million Liter weniger.

Seitens des Vereins stelle man wachsendes Interesse und dadurch verstärktes Verständnis für die Arbeit von Luna in der Öffentlichkeit fest. Es habe erste Bewilligungsbescheide zur Förderung durchs Landwirtschaftsamt gegeben, den Besuch von „biolandwirtschaftlichen Veranstaltungen“, neue Kontakte zu Biolandwirten über die Kreisgrenzen hinaus, erste Pachtzahlungen, aber auch kritikwürdiges Verhalten einiger weniger Landwirte/Pächter nach Auslauf der Pacht, dazu den Verlust von 90 Prozent der neu gesetzten Grenzposten.

Mit Blick auf 2017 nannte Trautmann den Abschluss des Grundschnitts an den Obstbäumen, verbunden mit einem Schnittkurs. Außerdem stehe die Einsaat weiterer Blühstreifen an, der Anbau alter Getreidesorten, der Testanbau von Gemüse auf mittlerweile gesünderen Böden sowie die weitere Regeneration und Steigerung der Artenvielfalt auf den Grünflächen.

Geplant ist außerdem die Zupachtung und nachhaltige Bewirtschaftung von weiteren Flächen, die Umsetzung eines Bauerngartens für den Kindergarten Affolterbach, die Erweiterung der Zusammenarbeit mit Kindergärten und Schulen sowie am 8. März die Informationsveranstaltung „Folgen der EU-Landwirtschaftspolitik auf den ländlichen Bereich“. Daneben will Luna daran gehen, das Wissen von erfahrenen Landwirten zu gewinnen.

Fachvortrag zum Landpachtrecht stieß beim Kocherbacher Verein „Luna“ auf großes Interesse

„Einführung in das Landpachtrecht – Verträge richtig gestalten, vollziehen und beenden“ hieß das Thema eines Fachvortrags beim Kocherbacher Verein zur Förderung umweltverträglicher Landwirtschaft „Luna“. Im voll besetzten Saal des Gasthauses „Lamm“ in Affolterbach begrüßte der zweite Vorsitzende Heinz Trautmann in Vertretung des erkrankten Vorsitzenden Dr. Thomas Michel die Gäste. Eingangs gab er für die bisher noch nicht mit Luna vertrauten Zuhörer einen kurzen Überblick über die Vereinsaktivitäten.

Anschließend hieß Trautmann den Referenten des Abends, Rechtsanwalt und Diplom-Verwaltungswirt (FH) Alexander Hötz, willkommen. Dieser hat seinen Kanzleisitz in Aschbach und ist daher mit diesem Thema direkt beschäftigt. Hötz führte den gemeinsamen, sehr intensiven Gedankenaustausch rund um die einzelnen Vorschriften des Gesetzes zur Landpacht chronologisch sehr offen und auch für juristische Laien verständlich durch.

Gemeinsam mit den Teilnehmern hangelte er sich durch große Teile der praxisrelevantesten Vorschriften zum Landpachtvertrag. Das bei einer Verpachtung möglichst schriftlich abgeschlossene Dokument erspart seiner Aussage nach „viele Konflikte bei einer späteren Auflösung oder Kündigung“. Gerade die Beendigung nahm dann auch den größten Teil der Diskussion ein. „Wann wird wie fristgerecht gekündigt, wie erfolgt die Zustellung dieser Kündigung“, lauteten einige Fragen.

Eindeutige Empfehlung von Hötz war, die Kündigung über einen Gerichtsvollzieher zustellen zu lassen. „Das bewirkt einen rechtssicheren Zugang beim Adressaten“. Ebenso könne der konkrete Inhalt des Schreibens damit nachgewiesen werden. Sehr viele Fragen kamen auch zum tatsächlichen Umgang und der Nutzung des Pachtgrundstücks auf.

Hierzu und zur Verpachtung von Flächen an Dritte erläuterte der Anwalt die Sinnhaftigkeit eines Landpachtvertrages, in dem „alle Besonderheiten, Bestandswerte sowie die Nutzung des jeweiligen Grundstücks aufgeführt sein sollten“. Die tief ins Detail gehenden Fragen, zum größten Teil von anwesenden Landwirten gestellt, führten dazu, dass sich alle Teilnehmer nach über dreistündigem intensiven Austausch für eine Vertagung aussprachen.

Zuvor mussten aber Hötz und der Luna-Vorstand versprechen, zu diesem Thema bald eine weitere Veranstaltung durchzuführen. Dabei können dann die vielen noch offenen Fragen geklärt werden. Das große Interesse am Thema Landpachtverträge und die vielen Fragen insbesondere von den Pächtern zeigten die große Unsicherheit beim Pachten und Verpachten von landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Heinz Trautmann bedankte sich bei Hötz mit einem kleinen Sack Kartoffeln aus der ersten Bio-Ernte von Luna. Ebenfalls bekam der Wirt des Gasthauses „Lamm“ und Landwirt Ludwig Hörr ein solches Präsent für seine hilfreichen Ratschläge beim Anbau. Beim anschließenden langen, informativen Beisammensein gelang es noch, den anwesenden promovierten Historiker Dr. Sascha Weber aus Kocherbach für die nächste Luna-Infoveranstaltung zu gewinnen.

Diese findet statt am Mittwoch, 8. März, um 18 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Affolterbach. Dr. Sascha Weber, Gießen/Wald-Michelbach, wird zum Thema „Auswirkungen der EU-Agrarpolitik auf den ländlichen Raum“ referieren. Bio-Landwirt Christian Zimmermann aus Beerfelden spricht zum Thema „Glückliche Tiere, zufriedene Landwirte“.

Verein Luna betreibt in Wald-Michelbach nachhaltige biologische Landwirtschaft auf zwölf Hektar

Der Wald-Michelbacher Tierarzt Dr. Thomas Michel ist neuer Vorsitzender des Vereins Luna Kocherbach. Er löste Karin Schmitt ab, die das Amt nicht mehr weiter ausübte. Gerhard Ader folgte außerdem als Schriftführer auf Bernhard Schmitt. Im Mittelpunkt der Versammlung standen neben den Formalien die aktuellen Projekte und Entwicklungen. Mehr als 12 Hektar seien ab diesem Jahr von einer industriellen „Güllenutzung“ in eine nachhaltige biologische Landwirtschaft umgewandelt worden, hieß es. „Ein kleiner, aber bedeutender Schritt für unsere Umwelt“, so Ader.

Mit den Biolandwirten Wolfgang Schierenbeck und Joachim Mauermann aus Grasellenbach sei eine Zusammenarbeit dahingehend erzielt worden, dass sie die Ackerflächen von den Eigentümern direkt anpachteten und bewirtschafteten. Ohne deren Unterstützung hätte man einige Flächen für ein Jahr brach liegen lassen müssen, erläuterte Ader. Die Wiesenflächen würden direkt an Luna verpachtet und ebenfalls biozertifiziert genutzt.

Alle Flächen wurden seinen Worten zufolge neu vermessen, da quasi keine Grenzsteine mehr vorhanden seien. Durch gelbe Holzpfosten sind die Eigentumsgrenzen jetzt deutlich sichtbar. Im nächsten Schritt werden diese Markierungen durch massivere Stämme ersetzt, die mit einem entsprechenden Luna-Logo gekennzeichnet sind. Somit könne jeder erkennen, dass diese Fläche nachhaltig biologisch bewirtschaftet werde.

Beim Landwirtschaftsamt wurden laut Ader alle Luna-Flächen digitalisiert und eine PI-Nummer als landwirtschaftlicher Betrieb beantragt. Für die Wiesenflächen werde eine Zertifizierung beantragt, da Bio-Betriebe nur Heu aus zertifiziertem Anbau verwenden dürften. Hier könne man von den langjährigen Erfahrungen der Partner Mauermann/Schierenbeck profitieren. Weiterhin wurden die ersten Schnitte an den etwa 80 Obstbäumen vorgenommen.

Die Äcker sind laut Ader in Bearbeitung und werden artenreich biologisch bewirtschaftet. Die ersten Blühstreifen wurden eingesät, um wieder Nahrung für Insekten und einen Gegenpart zur Maismonokultur zu schaffen. Auf einem Acker werden Kartoffeln und Futterrüben angebaut. Die Rüben wolle man im Herbst den umliegenden Kindergärten und Grundschulen zur Verfügung stellen. Auf dem Acker direkt gegenüber der Peter-Heckmann-Halle in Affolterbach wird auch eine Fläche eingezäunt, damit die Kindergartenkinder das Wachsen der Pflanzen beobachten und dieses unterstützen können.

Leider hätten sich seitherige Grundstücks-Pächter trotz fristgerechter Kündigung nicht von den Flächen lösen können und teilweise weiter gegüllt, geackert, gekalkt und gesät sowie die neuen Pächter an der Ausübung ihrer Arbeit massiv behindert, monierte Ader. Ausschließlich aus Gründen des örtlichen Friedens werde in diesem hoffentlich einmaligen Fall eine gütliche Einigung angestrebt. Bei Wiederholung müsse juristisch vorgegangen werden, forderten die Mitglieder.

Zwei Informationsveranstaltungen sind für den September geplant. Eine zum Thema „Industrielle Landwirtschaft im Odenwald – Folgen für die Natur, Wasser, Luft, Boden, Lebensqualität und Auswirkung auf den eigenen Grundbesitz“. In diesem Rahmen würden Interessierte direkt über die Rechte und Pflichten als Grundbesitzer aufgeklärt. Die andere dreht sich um Ernährung inklusive Kartoffel- und Kelterfest aus eigener Ernte in Affolterbach.

Im Geschäftsbericht kam nach der Begrüßung durch den zweiten Vorsitzenden Heinz Trautmann die Sprache auf den Hofladen, über den die Eier aus dem Freilandhühnergehege verkauft wurden. Das Luna-Fest Ende August sei auf große Resonanz gestoßen. Im November war man Veranstalter eines Vortrags über Wasserschutz und Landwirtschaft im Überwald.

Jürgen Klieber als Kassenwart legte die Ausgaben und Einnahmen des Geschäftsjahres 2015 vor. Demnach wies die Kasse zum Jahresende ein schönes Plus aus. Die Kassenprüfer Thomas Langer und Klaus Oberle bestätigten eine einwandfreie Kassenführung. Die beantragte Entlastung des Vorstandes erfolgte einstimmig. Zum neuen Beisitzer wurde Thomas Langer gewählt, Kassenprüfer ist Thorsten Ader.

Das Kartoffellegen auf eigenem Grundstück erfolgte mit einem „historischen Werkzeug“, dem Eicher EKL 15, Baujahr 1958, mit 16 PS. Den hatten Sebastian und Thomas Michel aus Affolterbach vor zwei Jahren gekauft, danach komplett restauriert und wieder in seinen ursprünglichen Zustand gebracht. Nach langer Standzeit lief der Motor problemlos an – eben echte Wertarbeit. Für Bodenbearbeitung und Pflege kann und muss auch vom Traktor abgestiegen werden, machte Ader deutlich. „Diese Bewirtschaftungsform und der Respekt vor der Erde und der Kreatur ist unser Vereinsziel.“

Info: Verein Luna, Am Kocherbach 12a, 69483 Wald-Michelbach, Telefon 06207-923732, http://www.luna-kocherbach.de

Silke Reimund von der Arbeitsgemeinschaft Gewässerschutz und Landwirtschaft sprach beim Verein Luna über „Wasserschutz und Landwirtschaft im Überwald“

„Wasserschutz und Landwirtschaft im Überwald“ war das Thema eines Vortrags von Landwirtschaftsmeisterin Silke Reimund. Den hielt sie auf Einladung des Kocherbacher Vereins „Luna“ im Affolterbacher Dorfgemeinschaftshaus. Eine erfreuliche große Anzahl von Besuchern war gekommen, um dem fachspefizischen Referat der AGGL-Mitarbeiterin zu lauschen. Diese sprach zunächst allgemein über die Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft Gewässerschutz und Landwirtschaft, ehe sie dann im weiteren Verlauf des Abends näher auf den Bereich Überwald einging.

In einem begrenzten Raum wie dem Bereich Wald-Michelbach mit fünf, großen von der Milchwirtschaft lebenden Landwirten sind laut Reimund Beeinträchtigungen der Bevölkerung fast unvermeidbar. Eventuelle „schwarze Schafe“ würden ein schlechtes Bild auf andere, korrekt arbeitende Kollegen werfen. Denn der Bürger könne schlecht unterscheiden, wer bei einem bestimmten Vorfall Verursacher sei. „Dadurch wird dann schnell verallgemeinert“, sagte sie.

Zu den „negativen Begleiterscheinungen“ der Intensivlandwirtschaft zählte sie den verstärkten Maisanbau, eine hohe Verkehrsbelastung oder in Ernte- und „Güllefahrzeiten“ zu schnelles und wenig rücksichtsvolles Fahren. Durch vermehrtes Gülleausbringen in „Hofnähe“ gebe es eine verstärkte Geruchsbelästigung und folgend einen Verlust an Lebensqualität in der benachbarten Wohnbebauung. Auch ergebe sich ein „Zielkonflikt“ mit Naherholung und Tourismus.

Reimund erläuterte, dass eine Milchkuh täglich zwischen 100 und 150 Liter Wasser benötige. Sie gebe 30 bis 50 Liter Milch und produziere 70 bis 100 Liter Gülle. Hinter jeder Milchkuh gebe es noch zwei Jungkühe, um den Bestand immer wieder aufzufüllen. Dies summiere den Gesamtbestand in einem Hof mit etwa 100 Milchkühen auf ungefähr 300 Tiere. Das Trinkwasser in Wald-Michelbach sei jedoch immer hervorragend getestet, betonte Reimund. Als Grund nannte sie, dass die Gemeinde im Besitz der jeweiligen Grundstücksflächen an den Brunnen sei.

Die 44-jährige Bauerntochter, die selbst schon als Betriebsleiterin tätig war, wies auf den Wunsch nach ländlicher Idylle und das daraus entstehende Spannungsfeld in der Realität durch die Nutzung des Landes hin. Die AGGL setze die europäische Wasserrahmenrichtlinie im Odenwald um, erläuterte sie. Vor dem Hintergrund des Flächenverbrauchs sei es wichtig, dass „Grundwasser in ausreichender Menge zur Verfügung steht“. Schwerpunkt sei der Wasserschutz mit Blick auf den Nitratgehalt. Hier könne man schöne Erfolge verzeichnen, denn der sei bei 90 Prozent der Brunnen stabil bis sinkend.

Sie informierte im Folgenden ausführlich über die Arbeit der AGGL. Diese gebe Düngeempfehlungen ab oder erstelle einen vegetationsbegleitenden Nitracheck. „Zentrale Maßnahme für einen vorbeugenden Gewässerschutz sei der Zwischenfruchtanbau, Auch Soja-Anbau und Grünlandtag seien bei der Arbeitsgemeinschaft angesiedelt. „Die Landwirte sind für neue Ideen offen, aber die Vermarktung muss stimmen“, postulierte sie.

In der regen, aber fairen und konstruktiven Diskussion erläuterte Ortslandwirt Norbert Emig die schwierige Situation der hauptberuflichen Landwirte. Es bestehe die Gefahr der Rückzahlung von Subventionen, wenn bestimmte ökologische Verfahrensweisen nicht funktionierten – was die Bauern davor zurückschrecken lasse. Seine Ausführungen führten aus dem Publikum zu Schilderungen über die Gülleausbringung, insbesondere in der Nähe von Fließgewässern. Die Referentin verstand die Aufregung über dieses „nach der Düngeverordnung rechtswidrige Verhalten“. Sie empfahl, es auf Fotos festzuhalten und beim Landwirtschaftsamt zur Anzeige zu bringen.

Gerhard Ader vom Verein Luna, der sich die Förderung umweltverträglicher sowie nachhaltiger und artgerechter Landwirtschaft auf die Fahnen geschrieben hat, bedankte für den sehr informativen Vortrag und verwies darauf, dass unter anderem solche geschilderten Vorgehensweisen zur Gründung geführt hätten. Ab nächstem Jahr, kündigte er an, werde auf etwa 20 Hektar Fläche, die dem Verein gehören oder dieser gepachtet habe, keine Gülledüngung mehr stattfinden.

Nach der Begrüßung durch die Vorsitzende Karin Schmitt hatte ihr Mann und Vereinsschriftführer Bernhard einen kurzen Abriss über den Verein gegeben. Dieser, vor einem Jahr gegründet, zähle nach einem Anfangsstand von 19 inzwischen 50 Mitglieder. Als bisherige Aktivitäten nannte er die Anlegung des Hühnergeheges und die Verkauf von Öko-Eiern, Heuernte, Kräutergarten und Anpflanzung von Streuobstbäumen.