Kocherbacher Verein Luna ist Pate für zwei Gras-Ellenbacher Wasserbüffel-Kälbchen

Der Verein zur Förderung umweltverträglicher, nachhaltiger und artgerechter Landwirtschaft Luna hat rechtzeitig zum Weihnachtsfest den zweiten vierbeinigen Nachwuchs bekommen. „Kabul“, ein kleines Wasserbüffel-Kälbchen, kam am 15. Dezember zur Welt. Bereits Ende Oktober, pünktlich zum Luna-Kartoffelfest, vergrößerte eine junge Dame die Gallowayherde der Luna-Partner und zertifizierten Biolandwirte Wolfgang Schierenbeck und Joachim Mauermann in Gras-Ellenbach. Der Verein hat die Patenschaft für die beiden Kälbchen übernommen, die weiterhin bei ihren Müttern und in der jeweiligen Herde artgerecht aufwachsen dürfen.

Luna hat im ersten Jahr seiner landwirtschaftlichen Tätigkeit die anvertrauten Flächen von etwa 15 Hektar mit seinen Partnern tadellos bewirtschaftet, berichtete Vorsitzender Dr. Thomas Michel zu diesem Anlass. Auch ohne „Gülle“ und Pestizideinsatz wurden seinen Worten zufolge hervorragende Ergebnisse erzielt und die gesetzten Ziele weit übertroffen. Jeder Besitzer eines Gartens oder landwirtschaftlicher Flächen „trägt Verantwortung sowie kann und sollte etwas für unsere Natur tun“, betonte Vorstandsmitglied Jürgen Klieber.

Dies könne dadurch geschehen, in dem er als Eigentümer die bestehende Pacht kündige, um dann in absehbarer Zeit (2020) selbst über seine Flächen bestimmen zu können und diese nachhaltig sowie umweltverträglich bewirtschaften zu lassen. Dies ist Heinz Trautmann zufolge ein weiterer Schritt um zu zeigen, „dass auch im Überwald nachhaltig und artgerecht Nahrungsmittel erzeugt werden“. Einige wenige Landwirte praktizierten dies ja erfreulicherweise immer noch.

Die Umstellung ist laut Luna auch bitter nötig. Denn nicht von ungefähr vervielfältigten sich die Berichte über Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft auf die Natur, Artenvielfalt, Wasserqualität und damit auf den Menschen immer mehr, weiß Vorstandsmitglied Thomas Langer. Glyphosat dürfte alleine und fachgerecht verwendet relativ wenig krebserregend, so Gerhard Ader. Es sei aber das am häufigsten eingesetzte und potenteste „Pflanzenschutzmittel“, somit Pestizid und Gift.

Überdüngung verseuche das Grundwasser, betont Michel. In Deutschland sei die kritische Marke vielfach weit überschritten. Weshalb nach einer Klage der EU-Kommission eine neue Düngeverordnung zum Schutz des Wassers her musste. Diese wurde im November vorgestellt. Vertreter von Luna waren bei der Präsentation in Reichelsheim dabei. Es wird Verbesserungen geben, sagte der Vorsitzende, wenn sich alle an die Verordnung hielten. „Die einflussreiche Lobby konnte sich aber wieder vielfach durchsetzen“, beklagt er.

Anfang Februar werden auf der Grünen Woche in Berlin vermutlich neue Interpretationen vorgestellt. Luna-Mitglieder sind dort dabei. Danach ist eine Veranstaltung für Vereinsmitglieder und interessierte Bürger geplant, auf der dieses Gesetz vorgestellt wird. Jürgen Klieber wies auf die Folge von zu häufigem Einsatz von Pestiziden und Überdüngung hin. „Zuerst sterben die Pflanzen, dann die Insekten, dann die Vögel und dann…“ sei ein geflügelter Satz.

Luna war im abgelaufenen Jahr vielfältig aktiv. Es wurde einige Informationsveranstaltungen ausgerichtet und einige besucht. Besonders erfreute den Verein, dass Theresa Bartmanns Projekt für ökologische Pferdehaltung an der Heckenmühle von der Sparkassenstiftung Starkenburg mit einem Sonderpreis gefördert wurde. „Mittlerweile freuen sich drei Reitpferde über die große Weide und den neuen Unterstand“, so Langer.

Zu den Aktivitäten zählten auch die Anpflanzung von zehn Obstbäumen mit Hilfe eines neuen Erdbohrers und das erfolgreiche Kartoffelfest. Aufgrund der großen Nachfrage muss die Anbaufläche für die Nicola-Kartoffel 2018 erheblich erweitert werden. Es gab spontane Vereinseintritte und Angebote zur Anpachtung von neuen Flächen. An der nachhaltigen Nutzung ihrer eigenen landwirtschaftlichen Flächen interessierte Mitbürger könnten sich überlegen, noch in diesem Jahr ihre Flächen zu kündigen, meinte der Vorsitzende. Sie hätten dann die Möglichkeit, ab 2020 über ihr eigenes Gelände zu verfügen. „Luna berät gern“, betonte er. Jeder könne etwas für Natur und Heimat tun, Landbesitzer besonders. „Nur in einem gesunden Boden kann gesunde Nahrung wachsen.“

Allerdings wäre der Verein nicht so erfolgreich ohne seine Mitglieder, Helfer, Unterstützer, Sponsoren und Kunden, betonen die Vorstandsmitglieder. Deshalb gilt diesen am Jahresende ihr großer Dank. Im kommenden Jahr steht weiterhin der fachgerechte Schnitt der Obstbäume an, daneben das Vermessen und Markieren der neu angepachteten Flächen. Im Frühjahr folgt dann der Anbau von Kartoffeln und Gemüse.

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Kartoffeln in allen Formen: Verein für ökologische Landwirtschaft Luna aus Kocherbach hatte zum Fest eingeladen

Alles drehte sich um die Kartoffel in allen möglichen Formen. Ob in einer leckeren Suppe mit allerlei weiteren Zutaten, ob in Form von Kartoffelpuffern mit Apfelmus oder einfach nur „pur“ im Fünf-Kilo-Sack. Der Verein zur Förderung umweltverträglicher, nachhaltiger und artgerechter Landwirtschaft „Luna“ aus Kocherbach hatte vor kurzem seine erste Kartoffelernte eingebracht und das zum Anlass genommen, auf den Hof der Biolandwirte und Wasserbüffelzüchter Wolfgang Schierenbeck und Joachim Mauermann zum Vereinsfest einzuladen.

Pfiff morgens noch der Wind durch die Scheune und kam der Regen waagrecht, so gesellte sich pünktlich zu Beginn die Sonne zu den Gästen, die sich erst zaghaft, dann in immer größerer Zahl auf den Weg in die Güttersbacher Straße machten. Luna hatte neben viel Schmackhaften auch die „Hardware“ in Form von Infos über den Verein im Gepäck. „Wir haben alles geboten, was es im Herbst gibt“, so Vorstandsmitglied Gerhard Ader.

Und natürlich einiges zum Anschauen: nicht nur die Eicher-Bulldogs der beiden Landwirte, sondern auch eine alte Apfelpresse und eine Waage, mit der die verkauften Kartoffeln abgemessen wurden. Etwa einen Zentner Kartoffeln verarbeiteten die Vereinsmitglieder für Puffer und Suppe. Der Zustrom aus dem Überwald und weit darüber hinaus war so groß, dass am Nachmittag „nicht nur die Kartoffelspezialitäten, sondern auch die Kuchentheke trotz üppiger Bevorratung geplündert waren“, freute sich Ader. Von den Hobby-Imkern Keil und Mayer gab es Honig und Liköre zu erstehen.

Die vielen Besucher von auswärts hatten etliche Fragen im Gepäck. Damit erreichte der Verein genau das, was er wollte, nämlich über seine Vorstellungen von ökologischer Landwirtschaft zu informieren. Die Erdäpfel zogen viel Interesse auf sich. Die Gäste wollten wissen, wo der Anbau erfolgt und ob es noch mehr geben wird. Eine Überlegung, mit der man sich jetzt auch mit Blick auf kommendes Jahr bei Luna beschäftigen wird. Wer was Schmackhaftes mitnehmen wollte, durfte als Nichtmitglied fünf Kilo Nicola erstehen.

Angebaut worden war von den Vereinsmitgliedern die Sorte Nicola, eine Bio-Pflanzkartoffel der Klasse A. Dabei handelt es sich um eine festkochende, schmackhafte alte deutsche Kartoffel, die sehr vielfältig in der Küche eingesetzt werden kann. Die Anbaufläche von etwa einem Morgen Land (2500 Quadratmeter) wurde schon jahrelang nicht mehr industriell genutzt. Es wurden somit keine Gülle und Spritzmittel aufgetragen. Bewuchs war bisher eine Klee-Wiesen-Mischung.

Die Rindswürste vom Galloway-Rind stammen aus eigener Produktion der Biolandwirte. Hackfleisch und Salami sind weitere Erzeugnisse. 35 Wasserbüffel inklusive Jungtiere stehen derzeit auf den Weiden rund um Gras-Ellenbach. Laut Schierenbeck bleiben die Tiere ganzjährig in Freilandhaltung draußen. Es gibt einen Weideunterstand. Für zwei von ihnen, etwas ein halbes Jahr alt, übernimmt der Verein Luna die Patenschaft und kümmert sich nach der Schlachtreife um die Vermarktung.

Wegen der begrenzten Fläche ist auch die Anzahl der Büffel begrenzt, um die Wiesen zu schonen. Die Weiden befinden sich unter anderem im Naturschutzgebiet Gras-Ellenbacher Wiesen. Vor dreieinhalb Jahren starteten die beiden Landwirte mit der Haltung. Damals zusammen mit dem Megaherbivoren-Verein aus Bensheim, dem Förderkreis große Pflanzenfresser im Kreis Bergstraße.

Wer neben den „Standard-Getränken“ etwas ganz Frisches genießen wollte, konnte sich am direkt vor Ort gepressten Apfelsaft laben. Fünf Zentner Äpfel waren von den Luna-Mitgliedern am Tag zuvor auf den Streuobstwiesen gesammelt worden. „Dieses Jahr war wenig auf den Bäumen drauf“, meinte Schierenbeck. Denn der späte Frost im April setzte den Blüten arg zu und ließ die Ernte schrumpfen. Das gekelterte Ergebnis konnte sich trotzdem sehen, pardon trinken, lassen.

Das Fest war daneben ein spontanes Bürgermeister-Treffen. Dr. Sascha Weber aus Wald-Michelbach, selbst aus dem Vereinssitz Kocherbach stammend, kam mit Gattin Katrin in die Nachbargemeinde. Jens Helmstädter aus Mörlenbach ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, alte Schulkameraden zu treffen. „Platzhirsch“ Markus Röth traf beim Besuch mit seinem fahrbaren Untersatz ins Schwarze. Er hatte die volle Aufmerksamkeit, als er mit seinem historischen Allgaier-Traktor bei den Eicher-Fans Schierenbeck/Mauermann vorfuhr. Den Bulldog kaufte Röth in Niedersachsen und ließ ihn dann per Spedition in den Überwald schaffen.

„Wir waren vom Besuch, den offenen Fragen, dem Kaufinteresse an den Biokartoffeln und spontanen Vereinseintritten absolut positiv überrascht“, bilanzierte Gerhard Ader für den Vorstand. „Die Gäste wiederum waren vom breiten Angebot absolut begeistert.“ So ging es auch den Organisatoren und Helfer, die von der Freundlichkeit und dem großen Interesse der Besucher sehr angetan waren

Kocherbacher Verein Luna war aktiv: Auf 2500 Quadratmetern wuchsen Bio-Kartoffeln

Der Bio-Kartoffelanbau war ein voller Erfolg und zauberte den Mitgliedern ein Lächeln ins Gesicht. Der Verein zur Förderung umweltverträglicher Landwirtschaft „Luna“ aus Kocherbach betrieb ihn in diesem Jahr erstmals „professionell“ nach höchstem Bio-Standard. „2016 hatten wir nur auf kleiner Fläche erfolgreich getestet“, weiß Vorstandsmitglied Jürgen Klieber.

Die jetzt ausgewählte, große Fläche von etwa einem Morgen Land (2500 Quadratmeter) wurde schon jahrelang nicht mehr industriell genutzt. Es wurden somit keine Gülle und Spritzmittel aufgetragen. Bewuchs war bisher eine Klee-Wiesen-Mischung. Auch von den angrenzenden Flächen ging laut Luna keine (Gift-)Gefahr mehr aus, weil diese ebenfalls bereits seit längerer Zeit aus der industriellen Nutzung herausgenommen wurden.

Angebaut wurde von den Vereinsmitgliedern die Sorte Nicola, eine Bio-Pflanzkartoffel der Klasse A. Dabei handelt es sich um eine festkochende, schmackhafte alte deutsche Kartoffel, die sehr vielfältig in der Küche eingesetzt werden kann. Obwohl dieses Jahr kein ideales Kartoffelwetter war, „sind wir mit der Erntemenge, aber insbesondere mit der Qualität sehr zufrieden“, freute sich Gerhard Ader. Weder Fäulnis noch Wildschweine oder Mäuse konnten den Erdäpfeln etwas anhaben.

Lediglich plötzlich, kurz vor der Blüte, waren viele Kartoffelkäfer an den Pflanzen. Durch den engagierten Einsatz einiger Vereinsmitglieder konnten diese aber keinen Schaden anrichten. Für Luna als Verein war die Aktion ebenfalls ein großer Erfolg. Schon beim Kartoffellegen waren mehr als zehn Mitglieder aktiv im Einsatz. Bei der Ernte waren sogar mehr als 20 Personen aller Altersgruppen mit Begeisterung dabei.

„Die Kleinen waren total begeistert, dass auf einmal so viele Kartoffeln aus der Erde kamen, obwohl nur wenige gelegt wurden“, beobachtete Vorstandsmitglied Thomas Langer. Die Elterngeneration begeisterte sich an den historischen landwirtschaftlichen Geräten und ihrer Funktionalität. Omas und Opas schwelgten in Erinnerungen und erzählten ausgiebig von den Jugenderlebnissen auf dem Kartoffelfeld, vom Kartoffelkäferlesen mit der Schulklasse bis hin zum Kartoffelfeuer. Da gegen Ende der Ernte ein starker Regen einsetzte, musste allerdings – sehr zum Kummer der fleißigen Kinder – auf das obligatorische Kartoffelfeuer verzichtet werden.

Die Anschlussfeier wird nun am Sonntag, 29. Oktober, bei einem Ernte- und Hoffest in Gras-Ellenbach nachgeholt. Dieses findet bei den Vereinsmitgliedern und zertifizierten Biobauern Wolfgang Schierenbeck und Joachim Mauermann statt. Zu diesem Hoffest sind auch alle interessierte Bürger eingeladen, die von den leckeren Biokartoffeln profitieren können. Denn logischerweise wird es sich kulinarisch um die Kartoffel drehen.

Sehr viele Mitbürger, die Wert auf ihre Ernährung legen, haben bereits die Vereinsmitglieder angesprochen, wie und wo sie die Kartoffeln kaufen können, so Ader. Auch kam die Nachfrage, welche weiteren Gemüsesorten Luna zum Kauf anbietet. Vereinsmitglieder haben zwar ein „Vorkaufsrecht“. Beim Hoffest stehen aber genügend Odenwälder Luna-Kartoffeln zum Verkosten und auch kleinere Mengen zum Verkauf bereit. Viele kulinarische und technische Überraschungen werden für dieses Fest vorbereitet, um den interessierten Gästen einen spannenden Nachmittag zu bieten.

„Auf jede Fläche, die wir haben, kommt keine Gülle drauf“: Jahreshauptversammlung des Kocherbacher Vereins Luna

Luna hat sich für dieses Jahr einiges vorgenommen. Eine durch Pachteinnahmen und Zuschüsse gut gefüllte Vereinskasse ermöglicht es dem Kocherbacher Verein zur Förderung der ökologischen Landwirtschaft, in diesem Jahr drei Projekte anzugehen. Dabei handelt es sich um den verstärkten Anbau von alten Kartoffelsorten, ökologische Pferdehaltung und den Einstieg in die Wasserbüffel-Zucht. Bei der Jahreshauptversammlung im „Lamm“ stellte das Vorstandstrio mit Dr. Thomas Michel, Heinz Trautmann und Gerhard Ader die Themen vor.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Michel blickte sein Vertreter Trautmann auf 2016 zurück. Das brachte etliche Fortschritte und Neuerungen mit sich. Er nannte die Eintragung als landwirtschaftlicher Betrieb mit der Erlaubnis zur Erzeugung von Futtermitteln oder die Erhöhung des Obstbaum-Bestands von 64 auf 80. Fünf Hektar Äcker habe man an die Biobauern Schierenbeck/Mauermann verpachtet, sieben Hektar Grünflächen werden zusammen mit anderen Partnern bewirtschaftet.

Trautmann erwähnte außerdem die Einsaat von 250 Blühstreifen, den Testanbau von zwei alten Kartoffelsorten auf 200 laufenden Metern, erste Pachtzahlungen und Förderungsbescheide des Landwirtschaftsamts. Durch Info-Veranstaltungen sei das Interesse an Luna in der Öffentlichkeit gewachsen, freute er sich. Man habe darüber hinaus die Kontakte über die Kreisgrenzen hinaus ausgedehnt und arbeite gut mit den Behörden zusammen. Dass 90 Prozent der Grenzpfosten an den eigenen Flächen nicht mehr vorhanden sind, führte in der Runde zu einer Diskussion über die Ursachen.

Schriftführer Gerd Ader erläuterte, dass die Luna eigenen Flächen innerhalb der nächsten 14 Tage noch einmal vermessen werden. Die neuen, stabilen Begrenzungspfosten „kommen dann richtig tief in die Erde und es wird groß Luna drauf geschrieben“, sagte er. Dann könne sich keiner mehr rausreden, er habe sie einfach übersehen. Außerdem werde man alles bildlich dokumentieren. „Das sind halt Lernprozesse“, so Ader.

Den sehr positiven Kassenbericht erstattete Jürgen Klieber. Das Plus ermöglicht verschiedene Investitionen in diesem Jahr. Die Kasse wurde von Thorsten Ader und Klaus Oberle geprüft und für gut befunden. Der einstimmigen Entlastung des Vorstands stand somit nichts im Weg. Martin Monnheimer folgte als Kassenprüfer auf Oberle, der bereits zwei Jahre dieses Amt ausfüllte.

Mit einem Blick auf die erfolgreichen Infoveranstaltungen zum Thema Landpachtverträge und EU-Agrarpolitik sowie der Vorstellung des Biobauernhofs Zimmermann in Beerfelden leitete Ader über zur Vorstellung des Projekts einer ökologischen Pferdehaltung. Diese übernahm Theresa Bartmann, seit drei Jahren in der Heckenmühle wohnhaft. Ziel sei es dabei, eine Pensionspferdehaltung anzustreben. Pro Hektar Land seien zwei Pferde zugelassen. Auf den vier Hektar bei der Heckenmühle könnten vier oder fünf Tiere in Robusthaltung stehen, sagte sie.

Die Pferde hätten einen Unterstand, seien aber sonst das ganze Jahr draußen, erläuterte die 22-Jährige. Damit die Wiesen nicht zu intensiv genutzt werden, sollen sie in Sommer- und Winterweide unterteilt werden. Als Vorteile für Luna nannte sie die Heugewinnung aus eigenen Flächen, die sinnvolle Nutzung der Wiesen, Generierung von Mitgliedsbeiträgen oder Aktionen mit Vereinen und Kindergärten. Damit lasse sich „ein Vorzeigeprojekt schaffen“.

„Das passt als erstes Projekt dieser Richtung in unser Konzept rein“, betonte Ader. Die Versammlung sah dies genauso. Die Vereinsgelder sollen darüber hinaus in die Ausweitung des Kartoffelanbaus fließen. Schon im vergangenen Jahr habe sich gezeigt, dass dies eine gute Investition sei. Luna will außerdem „in Wasserbüffel machen“ und greift dabei auf das Wissen der Partner Joachim Mauermann und Michael Schierenbeck zurück, die bereits welche bei Gras-Ellenbach halten. Beide referierten ein wenig über die damit verbundenen Aufgaben.

Noch vor Pfingsten will der Verein eine Info-Veranstaltung über die Auswirkungen intensiver Düngung anbieten und Richtung Herbst wieder ein paar Bäume pflanzen. Dann soll es auch Schnittkurse geben. „Auf jede Fläche, die wir haben, kommt keine Gülle drauf“, fasste Ader das Credo von Luna zusammen. „Ein ganz einfacher Satz.“ Wie viel dadurch vermieden wird, machte Trautmann deutlich: eine Million Liter im Jahr weniger durch die ökologische Bewirtschaftung der Luna-Flächen.

Beim Verein LUNA in Affolterbach: Vorträge zur EU-Landwirtschaftspolitik in Theorie und Praxis

Beim Infoabend des Vereins LUNA (Landwirtschaft Umweltverträglich Nachhaltig Artgerecht) gab es Infos aus der Theorie und aus der Praxis. Im Dorfgemeinschaftshaus referierte der Historiker Dr. Sascha Weber über „EU-Agrarpolitik und die Auswirkungen auf den ländlichen Raum“. Interessant für die Landwirte, aber auch für die Gemeinde sind die aktuellen Fördermöglichkeiten zur Entwicklung des ländlichen Raums aus dem EU-Programm Entwicklungsplan für den ländlichen Raum (EPLR). Danach erzählte Biolandwirt Christian Zimmermann aus Beerfelden von der Umstellung seines Hofes auf einen Bio-Betrieb.

An der aktuellen EU-Landwirtschaftspolitik ließ Weber kein gutes Haar. Die sei „ähnlich konfus“ wie vor 100 und mehr Jahren, als kleinstaatlicher Protektionismus vorherrschte. Mit Blick in die Runde meinte er, dass noch viele Gäste die Zeit der kleinen und mittleren Bauernhöfe miterlebt hätten, die in den 1990er Jahren nach und nach aufgebeben wurden. Laut dem Referenten werden immer noch 38 Prozent des EU-Haushalts für die Förderung der Landwirtschaft verwendet, „obwohl nur fünf Prozent der Menschen dort arbeiten“.

„Die EU betreibt eine deutliche Agrarprotektion“, führte Weber aus. Mit ein Grund, warum die eher freihandelsorientieren Briten bei der EWG-Gründung Mitte der 1950er Jahre außen vor blieben. Er zeichnete die Entwicklung von den 1880er Jahren bis hin zur Entwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) Anfang der 1960er Jahre nach. Diese war immer geprägt von Abschottung, um die eigenen Landwirte zu unterstützen.

Die GAP hatte Weber zufolge aber nicht den gewünschten Erfolg. Denn Intensivierung und technische Modernisierung sowie Produktions- und Preisgarantien führten zu Überproduktion. Folge waren ein steigender Anteil am EU-Haushalt für GAP, um die Überproduktion zu stark subventionierten Preisen am Weltmarkt zu verkaufen. Was bedeutete: die GAP-Kosten stiegen, die Einnahmen der Bauern sanken.

Die GAP-Reform 1992 sollte mehr Markt ermöglichen, ging dem Referenten zufolge aber nach hinten los. Denn die Folgen waren höhere EU-Ausgaben, mehr Bürokratie, das Sterben kleiner Höfe und weniger Markt. Statt Extensivierung habe es eine Intensivierung gegeben – mit negativen Auswirkungen auf den Weltmarkt.

Es folgten in den Jahren 2003-2005 und 2013 zwei weitere Reformen, die ebenfalls nur begrenzte Erfolge hatten. Hintergrund der ersten sei vor allem die Stabilisierung der EU-Ausgaben mit Blick auf die Osterweiterung und dem dortigen größeren Agrarsektor gewesen. Ein Kritikpunkt von Weber: Die Maßnahmen führten dazu, dass vor allem Großbetriebe von den Zahlungen profitierten. Er ging auch noch auf die Nitratbelastungen der Böden durch die Landwirtschaft ein. Eine angeregte Diskussion mit vielen Nachfragen schloss sich an.

Über seinen Betrieb im Beerfelder Walterbachweg und die Umstellung auf Bio-Kriterien sprach Christian Zimmermann. Er hatte auch einige Produkte aus dem Hofladen zur Verkostung mitgebracht, von deren Qualität sich die Besucher in der Pause überzeugen konnten. Zimmermann ist „Milchviehhalter aus Leidenschaft“. Er hat 70 Fleckviehkühe mit weiblicher Nachzucht im Stall. 2009 wurde der Betrieb auf Bio umgestellt, was eine gewisse Übergangszeit bedeutete.

Wie Zimmermann den Besuchern im Dorfgemeinschaftshaus erläuterte, werden die Milchkühe ab 2008 nur noch homöopathisch behandelt. Ab dem Spätjahr 2010 durfte er dann seine Milch mit dem Zusatz Bio verkaufen. Die Kühe stehen auf 54 Hektar Land, wovon 23 Hektar Kurzgraswiesen sind. Zusätzliche fünf Hektar stehen als Herbstweide zur Verfügung. Durch die Verwendung von Weidetränken muss der Bio-Landwirt nicht mit Tankwagen auf die Wiesen fahren.

Seitdem er auf Bio-Milch umgestellt hat, rechnet sich laut Zimmermann die Milchviehhaltung wieder. Denn er bekommt 54,31 Cent für den Liter. Pro Hektar beweideter Fläche kommt er auf 8350 Liter pro Milchkuh. Weil er große Weideflächen zur Verfügung hat, gibt es dem Landwirt zufolge weniger Trittschäden. Weswegen Zimmermann sagt, dass das Weidesystem dem Betrieb Arbeit, Zeit und Geld spart. Es bedeute „ein Stück Lebensqualität“.

Für Zimmermann und seine Familie hat sich die jährliche Arbeit verändert. Die Kurzgraswiesen muss er nicht mehr nachmähen, sondern nur noch nachsäen. Denn die Kühe dürfen schon im Februar, wenn das erste Grün zu sehen ist, nach draußen. Eine Melkpause gibt es nicht. Außerdem kommt ein Bulle mit auf die Weide, damit alle Kühe trächtig werden. Die Kälber kommen in der Regel von Ende Dezember bis Ende März auf die Welt.

Viele Aktivitäten des Vereins zur Förderung von umweltverträglicher Landwirtschaft Luna aus Kocherbach im vergangenen Jahr

Der Verein zur Förderung von umweltverträglicher Landwirtschaft aus Kocherbach, Luna, hat in den wenig mehr als zwei Jahren seines Bestehens schon Etliches auf die Beine gestellt. Der zweite Vorsitzende Heinz Trautmann ließ auf der kürzlichen Versammlung das vergangene Vereinsjahr Revue passieren. Demnach konnten 2016 wieder viele Dinge neu angestoßen oder erfolgreich fortgesetzt werden.

Laut Trautmann ist „Luna“ seit vergangenem Jahr eingetragener landwirtschaftlicher Betrieb mit Erlaubnis zur Erzeugung von Futtermitteln. Es gab eine Einmessung der Vereinsflächen und Markierung, die Erhöhung des Baumbestands von 64 auf 80 Obstbäume und den Beginn der ersten Pflegemaßnahmen an den Bäumen. Außerdem wurden fünf Hektar Äcker an die Biobauern Schierenbeck/Mauermann verpachtet.

Trautmann zufolge startete außerdem die Bewirtschaftung der Grünflächen mit den Partnern in einer Größe von sieben Hektar. Die Zusammenarbeit laufe hervorragend. Weiterhin habe eine Einsaat von etwa 250 laufenden Metern Blühstreifen stattgefunden, außerdem der Testanbau von zwei alten Kartoffelsorten auf 200 Metern. Der zweite Vorsitzende sprach in diesem Zusammenhang von einer Einsparung von 100 Tankwagen mit Gülle in einer Größe von 20 Kubikmetern. Dies bedeute eine Million Liter weniger.

Seitens des Vereins stelle man wachsendes Interesse und dadurch verstärktes Verständnis für die Arbeit von Luna in der Öffentlichkeit fest. Es habe erste Bewilligungsbescheide zur Förderung durchs Landwirtschaftsamt gegeben, den Besuch von „biolandwirtschaftlichen Veranstaltungen“, neue Kontakte zu Biolandwirten über die Kreisgrenzen hinaus, erste Pachtzahlungen, aber auch kritikwürdiges Verhalten einiger weniger Landwirte/Pächter nach Auslauf der Pacht, dazu den Verlust von 90 Prozent der neu gesetzten Grenzposten.

Mit Blick auf 2017 nannte Trautmann den Abschluss des Grundschnitts an den Obstbäumen, verbunden mit einem Schnittkurs. Außerdem stehe die Einsaat weiterer Blühstreifen an, der Anbau alter Getreidesorten, der Testanbau von Gemüse auf mittlerweile gesünderen Böden sowie die weitere Regeneration und Steigerung der Artenvielfalt auf den Grünflächen.

Geplant ist außerdem die Zupachtung und nachhaltige Bewirtschaftung von weiteren Flächen, die Umsetzung eines Bauerngartens für den Kindergarten Affolterbach, die Erweiterung der Zusammenarbeit mit Kindergärten und Schulen sowie am 8. März die Informationsveranstaltung „Folgen der EU-Landwirtschaftspolitik auf den ländlichen Bereich“. Daneben will Luna daran gehen, das Wissen von erfahrenen Landwirten zu gewinnen.

Fachvortrag zum Landpachtrecht stieß beim Kocherbacher Verein „Luna“ auf großes Interesse

„Einführung in das Landpachtrecht – Verträge richtig gestalten, vollziehen und beenden“ hieß das Thema eines Fachvortrags beim Kocherbacher Verein zur Förderung umweltverträglicher Landwirtschaft „Luna“. Im voll besetzten Saal des Gasthauses „Lamm“ in Affolterbach begrüßte der zweite Vorsitzende Heinz Trautmann in Vertretung des erkrankten Vorsitzenden Dr. Thomas Michel die Gäste. Eingangs gab er für die bisher noch nicht mit Luna vertrauten Zuhörer einen kurzen Überblick über die Vereinsaktivitäten.

Anschließend hieß Trautmann den Referenten des Abends, Rechtsanwalt und Diplom-Verwaltungswirt (FH) Alexander Hötz, willkommen. Dieser hat seinen Kanzleisitz in Aschbach und ist daher mit diesem Thema direkt beschäftigt. Hötz führte den gemeinsamen, sehr intensiven Gedankenaustausch rund um die einzelnen Vorschriften des Gesetzes zur Landpacht chronologisch sehr offen und auch für juristische Laien verständlich durch.

Gemeinsam mit den Teilnehmern hangelte er sich durch große Teile der praxisrelevantesten Vorschriften zum Landpachtvertrag. Das bei einer Verpachtung möglichst schriftlich abgeschlossene Dokument erspart seiner Aussage nach „viele Konflikte bei einer späteren Auflösung oder Kündigung“. Gerade die Beendigung nahm dann auch den größten Teil der Diskussion ein. „Wann wird wie fristgerecht gekündigt, wie erfolgt die Zustellung dieser Kündigung“, lauteten einige Fragen.

Eindeutige Empfehlung von Hötz war, die Kündigung über einen Gerichtsvollzieher zustellen zu lassen. „Das bewirkt einen rechtssicheren Zugang beim Adressaten“. Ebenso könne der konkrete Inhalt des Schreibens damit nachgewiesen werden. Sehr viele Fragen kamen auch zum tatsächlichen Umgang und der Nutzung des Pachtgrundstücks auf.

Hierzu und zur Verpachtung von Flächen an Dritte erläuterte der Anwalt die Sinnhaftigkeit eines Landpachtvertrages, in dem „alle Besonderheiten, Bestandswerte sowie die Nutzung des jeweiligen Grundstücks aufgeführt sein sollten“. Die tief ins Detail gehenden Fragen, zum größten Teil von anwesenden Landwirten gestellt, führten dazu, dass sich alle Teilnehmer nach über dreistündigem intensiven Austausch für eine Vertagung aussprachen.

Zuvor mussten aber Hötz und der Luna-Vorstand versprechen, zu diesem Thema bald eine weitere Veranstaltung durchzuführen. Dabei können dann die vielen noch offenen Fragen geklärt werden. Das große Interesse am Thema Landpachtverträge und die vielen Fragen insbesondere von den Pächtern zeigten die große Unsicherheit beim Pachten und Verpachten von landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Heinz Trautmann bedankte sich bei Hötz mit einem kleinen Sack Kartoffeln aus der ersten Bio-Ernte von Luna. Ebenfalls bekam der Wirt des Gasthauses „Lamm“ und Landwirt Ludwig Hörr ein solches Präsent für seine hilfreichen Ratschläge beim Anbau. Beim anschließenden langen, informativen Beisammensein gelang es noch, den anwesenden promovierten Historiker Dr. Sascha Weber aus Kocherbach für die nächste Luna-Infoveranstaltung zu gewinnen.

Diese findet statt am Mittwoch, 8. März, um 18 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Affolterbach. Dr. Sascha Weber, Gießen/Wald-Michelbach, wird zum Thema „Auswirkungen der EU-Agrarpolitik auf den ländlichen Raum“ referieren. Bio-Landwirt Christian Zimmermann aus Beerfelden spricht zum Thema „Glückliche Tiere, zufriedene Landwirte“.