Sehr gut besuchter Bunter Abend zum Start der Scharbacher Kerwe

Großer Besucherandrang bei der Kerwe im kleinen Ortsteil. Das Wetter passte dieses Jahr super für die Open-Air-Aktivitäten, sodass sich im Vergleich zum verregneten Vorjahr viel mehr Ortsbürger und Gäste von auswärts einfanden. Der Bunte Abend am Sportplatz, für den sich die drei veranstaltenden Vereine ein lustiges Programm ausgedacht hatte, stieß auf sehr viel Zuspruch. Natürlich stand die Gaudi im Vordergrund – und was macht mehr Spaß, als über den Nachbarn zu lachen, der sich auf der Bühne bei einer Aufgabe zum Narren macht.

Aber Vorsicht: Beim nächsten Programmpunkt konnte es den Lacher selbst erwischen, denn Moderator Jörg Rettig griff sich seine Probanden wahllos aus dem Publikum heraus. „Scharbacher auswärts unterwegs“ oder USA lautet das Motto der diesjährigen Kerwe, die heute stimmungsvoll zu Ende geht. Natürlich schwebte die USA auch zentral über dem Bunten Abend. Jörg Rettig hatte sich dafür in ein lustiges Kostüm gezwängt, bei dem Donald Trump auf einem Zwerg reitet.

Vorgeschaltet war die Kerweeröffnung mit Gottesdienst und folgendem Fassbieranstich durch Bürgermeister Markus Röth und Kerwepfarrer Stefan Schmitt. Dann zogen Kerwejugend und Kerwekids in die Halle ein. Anschließend gab es einen vielbeklatschten Auftritt der Scharbacher Kinderchöre, der „Little Fire Girls“ und der „Golden Power Girls“, unter der Leitung von Susanne Hoffmann-Rettig. „Alles ist Musik“ und „Achterbahn“ von Helene Fischer waren zu hören.

Die Kerwekids boten einen umjubelten Tanz zum Lied „Lollipop“, der Gemischte Chor Waldeslust und der Crescendo-Chor ließen ihre Stimmen ebenfalls bei „Ohne Krimi geht die Mimi“ und „Let me entertain you“ ertönen. Der Junge Chor der Scharbacher Chöre sang „Titanium“ – alles Titel aus der drei Mal im Juni gebotenen Aufführung des fünften „Goldenen Scharbocks“.

Weiter gab einen Beitrag, der Jamaika-Feeling aufkommen ließ. Zum Lied „Äppelwoi Cola“ wurden kurzerhand Mülltonne und Kazoo mit in die Darbietung einbezogen. Den Abschluss des Abends gestalteten die Kerwe-Girls mit einem fetzigen Rock’n’Roll-Stück aus den 50er Jahren. Ein fulminantes Baywatch-Männerballett war der Kracher und ließ die Gäste stürmisch Beifall klatschen.

Abwechslung zwischen den einzelnen Aufführungen war geboten mit lustigen, von Rettig angeleiteten Spielen, bei denen die Zuschauer vor einige Herausforderungen gestellt wurden. Vier Männer mussten gegen vier Frauen antreten. Melodiengurgeln, Decke wenden oder Wörterbilden waren in der Kürze der Zeit und Hitze der Nacht gefragt. Es gab zum Schluss ein gerechtes Unentschieden. Männlein und Weiblein gewannen jeweils zwei Spiele, so dass man sich danach in der Bar zu einem Getränk traf. Ausgedacht hatte sich die Aktionen das zehnköpfige Kerweteam um Claudia Hallermeier.

Für überschäumende Stimmung sorgte außerdem Alleinunterhalter Florian Koch, der den Abend mit Keyboard und Trompete umrahmte. Schlager, Pop, Rock, Unterhaltungsmusik: Es gab für jeden Geschmack etwas zu hören. Nach dem offiziellen Ende war natürlich noch lange nicht Schluss. Die Nacht war ziemlich kurz, ehe sich am nächsten Morgen schon wieder die ersten zum Feiern einfanden.

Karibisch bei Sonne, Strand und coolen Cocktails ging es beim Beachvolleyball-Turnier zu. Es fand im vergangenen Jahr unter erschwerten Bedingungen zum ersten Mal statt. Denn damals kam so viel Wasser vom Himmel, dass es fürs halbe Meer neben dem Sandstrand gereicht hätte. Es wurde aber trotzdem so gut angenommen, dass sich das Kerwe-Team für eine zweite Auflage entschied. Dieses Mal herrschten optimal Bedingungen.

15 Mannschaften mit je fünf Spielern gingen an den Start. Der Sand war trocken, die Sonne warm, die Getränke kühl: Besser geht nicht. „Bauwagen 1“ gewann vor dem Team „Waidmannsheil“ und dem „SV Germania“. Sportlich vorbelastet war allerdings kaum ein Akteur, sodass die Gaudi klar im Vordergrund stand. Die Leitung war jedoch professionell. Drei Spielerinnen des ÜSC Wald-Michelbach schauten nach der richtigen Regelbefolgung. Nach dem offiziellen Ende um 21.30 Uhr gingen die Spieler daran, verbrannte Kalorien und ausgeschwitzte Flüssigkeit wieder zu nachzufüllen. Das dauerte lange bis in den Sonntag hinein…

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Kerwe Siedelsbrunn: Mit drei Schlägen war der Hahn im Fass

Stimmungsvoller Auftakt der Kerwe im Höhendorf. Die Wald-Michelbacher Feuerwehrkapelle umrahmte den Fassbieranstich zur Eröffnung. Mit drei sicheren Schlägen wurde der Zapfhahn durch den TV-02-Vorsitzenden Stefan Wenisch bei seiner Anstichpremiere „ins Fass gejagt“. Unterstützt wurde Wenisch beim Kraftakt vom Siedelsbrunner Ortsvorsteher Helmut Gremm, der den Zapfhahn an die richtige Stelle hielt. Gremm ließ auch das erste Bier raus. Kerweparre Björn Stein war ebenso dabei wie Mundschenk Jonas Röth sowie die Kerwemädchen Jaline Cee und Michele König.

Schon erklang von der Kapelle „Ein Prosit der Gemütlichkeit“, direkt gefolgt vom „Kerwe-Marsch“. Gremm bedankte sich bei den Helfern und Verantwortlichen des TV, die sich jedes Jahr dafür einsetzen, „dass alles so gut klappt“. Er wünschte den Gästen tolle vier Tage. Wenisch musste seine Drohung nicht wahrmachen, dass er sich den mit der lautesten Lache merken würde, sollte der Fassanstich nicht funktionieren…

Zahlreiche Märsche, Polkas und Walzer der Feuerwehrkapelle folgten – nicht zu vergessen die moderneren Stücke. Nach zwei kurzweiligen Stunden endete der Auftritt, die sich für die gute Stimmung im Zelt und den zahlreichen Applaus beim Publikum herzlich bedankte. Der nächste Auftritt steht schon vor der Tür: Am Sonntag, 19. August, spielt sie anlässlich der Kerwe in Wald-Michelbach ab 11.30 Uhr vor dem Heimatmuseum in der Gass.

Nach der Musik war vor der Musik, nur dass die dann anders gelagert war: Abends stieg der Kerwerock mit der Band „Knetkepp“. Deren Mitglieder kommen vorwiegend aus dem benachbarten Abtsteinach. Daniel Arnold (Schlagzeug), Janina Becker (Keyboard), Patrick Gräber (Bass und Gesang), Steffi Walter (Gesang) sowie Nico Böhm und Michael Jungmann (Gitarre) unterhielten die feierwütige Meute bis 2 Uhr in der Nacht.

Schlager, Volksmusik, Rock, Pop, Alpenländisches, Neue Deutsche Welle und Blues sorgten für ausgelassene Stimmung unter den jungen Gästen und sehr guten Besuch. Aber dann war noch lange nicht Schluss, bis zur Morgendämmerung wurde mit Musik aus der Konserve noch kräftig weitergefeiert, dass der alte Schulhof erbebte.

„Ein Kompliment“ der Sportfreunde Stiller gab die Truppe an die Gäste weiter, sah aber auch den „Long train running“ der Doobie Brothers abfahren oder es ging „Sexy“ mit Marius Müller-Westernhagen zu. „Let me entertain you“ von Robbie Williams ist bereits ein Klassiker, ebenso die „Schwarze Natascha“ oder die „Schickeria“ von der Spider Murphy Gang. Udo Jürgens wurde genauso berücksichtigt wie Tina Turner („Proud Mary“) oder BAP mit „Verdamp lang her“, aber auch Andreas Gabalier. „Bed of Roses“ von Bon Jovi durfte nicht fehlen.

Eine Gaudi ist auf der Kerwe jedes Jahr das Fußballspiel Unter- gegen Oberdorf. Es geht heiß her, denn es geht um die Ehre. Die Mannschaften holen sich jede Verstärkung, die sie bekommen können. Die Schiedsrichter haben ein strenges Auge auf die Aktionen der beiden Mannschaften – man weiß ja nie. Inklusive natürlich drakonischer Strafen bei Regelüberschreitung – es gibt vielleicht nur Wasser statt Bier. Hölle.

Das Unterdorf hatte am Ende mit 4:3 die Nase vorn, auch wenn das Oberdorf durch Maximilian Krüger in Führung ging. Marius Schmitz glich aus, ehe dann wieder die Führung durch die Oberen kam: Das 2:1 erzielte Patrick Stange. Ingo Trumpfheller glich wieder aus und ging danach gingen den Underdogs durch Nils Helfrich in Führung. Der war es auch, der nach dem erneuten Oberdorf-Ausgleich durch Patrick Stange den umjubelten Siegtreffer für dien unten liegenden Siedelsbrunner erzielte.

Lars Helfrich auf Seiten des Unterdorfs bot eine starke Leistung im Tor und hielt den Sieg für sein Team fest. Bester Mann des Oberdorfs war Robert Ullrich. In der zwei Mal 30 Minuten während Partie schauten als Männer in Schwarz die Schiedsrichter Thomas Kuhnt und Mirko Ehrhard nach dem Rechten. Da das Siedelsbrunner Bürgerhaus für eine Hochzeit vermietet war, wichen die Kicker kurzerhand ein paar Meter weiter nach Ober-Abtsteinach auf den dortigen Sportplatz aus. Der Rasen in der Fremde war aber genauso bespielbar wie auf heimischem Gelände.

Hochprozentiger Gaudi-Fußball bei der Gaderner Kerwe

Gelungene Fortsetzung der Garemer Kerwe: Etliche Gäste feierten mit der Band „Ourewäller Uurumbl“ aus Ober-Schönmattenwag bis tief in die Nacht und sorgten damit nach der Eröffnung einen Tag vorher für ein weiteres Highlight der Traditionsveranstaltung. Die sechs Musiker haben bereits einen „gestandenen“ Kerwe-Hintergrund: Denn die Coverband gründete sich vor einiger Zeit für die gleiche Veranstaltung in Ober-Schönmattenwag, wo sie regelmäßig die Jagdgenossenschaftshütte rockt.

„Alt gegen Jung“ hieß es beim Kerwefußballspiel wieder wie vor zwei Jahren. Wobei die Altersgrenze mit 28 Jahren doch ganz schön niedrig angesetzt war. Vor der souveränen Leitung durch Schiedsrichter Markus Höhn gab Norbert Fischer den Startschuss. Stadionsprecher Andreas Emig kommentierte die einzelnen Aktionen wortgewandt. Er hatte viele Tore zu vermelden, mindestens aber ebenso viele gelbe Karten. Aber die hatten natürlich einen besonderen Hintergrund, da eine hochprozentige Gaudi-Strafe auf die Gelb-Sünder wartete.

Gleich in der ersten Minute fiel das 1:0 durch Jens Hilman, dann vergaben Tino Fischer und Finn Emig klare Chancen. Letzterer markierte danach doch das 1:1, ehe Hilman wieder vorlegte. Dem Ausgleich durch Alexander Hertel folgte das 3:2 durch Andreas Fels noch vor der Halbzeit. Etliche gelbe Karten später vergab Andreas Orner eine klare Chance, ehe wieder Hilman das 4:2 machte, bevor dann Thomas Jöst und Matthias von Steet (Eigentor per Kopfball) für den Ausgleich zuständig waren.

Mehrere Fehleinwürfe wurden durch Jägermeister bestraft – mit anschließender Unterweisung durch Unparteiischen. 5:4 hieß es wieder durch Jens Hilman, 6:4 durch Kapitän Tino Fischer. Eine klare Chance wurde durch Tim Walz vertan, ehe dann Tim Wiegands Hammer-Fernschuss das 6:5 und gleichzeitig das Endergebnis bedeutete. Natürlich gab es noch ein paar schnapshaltige gelbe Karten.

Fast wichtiger als das Spiel selbst waren aber die Regeln, die erst kurz vor der Partie aufgestellt wurden. Eine gelbe Karte bedeutete einen Schnaps, eine rote zwei Schnäpse. Beide Mannschaften waren mit zehn Mann angetreten, von denen sechs immer auf dem Platz waren und fleißig durchgewechselt wurde. Bei gutem Zuschauerinteresse ergab sich eine große Gaudi passend zur Fußball-WM, die an diesem Tag das Spiel um den dritten Platz bereithielt.

Am Samstagabend rockte die Kerwe-Band „Ourewäller Uurumbl“ die Hütte. In der Besetzung Christof Klos und Mara Mottl (Gitarre), Benedikt Breitwieser (Bass/Gesang), Janina Becker (Keyboards), Tobias Walter (Schlagzeug/Gesang) sowie Timo Walter und Steffi Walter (Gesang) gab’s ein buntes Potpourri an Liedern zu hören. Auf „Bitte mit Sahne“ folgte unter anderen „Don’t stop believing“ von Journey oder „I still haven’t found…“ von U2. „Sonne in der Nacht“ war ebenso auf der Setliste wie „Verdamp lang her“ von BAP.

„Musik nur wenn sie laut ist“ läutete stilgemäß ein Rock’n’Roll Medley ein. Der „Summer of 69“ von Bryan Adams darf natürlich nie fehlen. Auch „Verdammt ich lieb dich“ hat einen festen Platz im Kerwerepertoire. Die Ärzte mit „Westerland”, „Schickeria” von der Spider Murphy Gang oder „Hulapalu” von Andreas Gabalier begeisterten die Meute. „Simply the best” von Tina Turner leitete über zum gebührenden Abschluss, „Angels“ von Robbie Williams.

Christian Eck von der Freiwilligen Feuerwehr, die mit Gymnastikgruppe und Gesangverein die Kerwe veranstaltete, war von der Liedauswahl sehr angetan. „Da war für jeden etwas dabei.“ Aber nicht nur das: „Die hatten einen Top-Sound“, ergänzte er. Bis kurz vor 2 Uhr in der Nacht spielte die Band auf, ehe dann die Bar belagert wurde und sich die letzten auf den Heimweg machte, als schon der Morgen graute. Mit dem Besuch war man bei den Veranstaltern zufrieden.

Das Zelt in Unter-Schönmattenmwag war quasi nonstop „brechend voll“

. „Die Kerwe ist super gelaufen“, freute sich MGV-Vorsitzender Christian Jöst nach den vier tollen Tagen. Der Sängerbund als Ausrichter der Traditionsveranstaltung hatte „nonstop volles Zelt“, so Jöst. Egal ob Einweihung des Kerwebrogges, Konzert mit Thousand Years Later, Kerwepredigt oder montäglicher Ausklang: Die Schimmeldewäer strömten in Scharen in den Alten Weg, um die Gastfreundschaft der Sänger zu genießen.

Die hätten alles aber nicht ohne die große Hilfsbereitschaft aus der Ortsbevölkerung stemmen können. 200 Helfer aus dem ganzen Dorf waren über die tollen Tage im Einsatz, nicht nur MGV-Mitglieder. Ihnen sprach Jöst deshalb seinen großen Dank und ein „Riesenkompliment“ aus, dass alles so vorbildlich funktioniert. „Wir wollen die alten Traditionen wieder aufleben lassen und fortführen“, umschreibt er das „Geheimnis des Erfolgs“, dass sich die Kerwe einer so großen Beliebtheit erfreute.

Die verschiedenen Kerwe-Gaudi-Trupps trugen ihr Übriges dazu bei: Jugend, Kids, Teenies und Muttis brachten sich super ein. Der Zusammenhalt in Unter-Schönmattenwag „ist eben hervorragend“, weiß der MGV-Vorsitzende. Als „überragend“ bezeichnete er die Resonanz auf die Kerwebrogge-Einweihung am Freitagabend als Neuerung bei der Kerwe. Ein Zuspruch, der sich auch Sonntag und Montag nahtlos fortsetzte.

Start war mit dem gut besuchten Gottesdienst im Festzelt durch Pfarrer Peter Pristas, umrahmt von der Old-fashioned-Band. Mit Blick auf die Fußball-WM und das mit verschiedenen Länderfahnen ausstaffierte Zelt erlaubte sich der Geistliche den Scherz, warum es in den verschiedenen Ländern bestimmte „Nationalgetränke“ gibt: in Russland Wodka, in Schottland Whiskey, in Deutschland Bier. Nämlich damit jedes Land an seiner eigenen Fahne erkennbar ist…

Zu Frühschoppen und Schnitzel-Mittagessen spielte die Blasmusik Schimmeldewog auf. Direkt im Anschluss startete das unterhaltsame Nachmittagsprogramm, bei dem das Kerwezelt aus allen Nähten platzte. Beim Auftritt des katholischen Kindergartens und des MGV-Kinderchors unter Leitung von Katharina Zink, verstärkt durch Mitglieder des Grundschulchors, gab es nur noch ein paar Stehplätze.

Durchs Programm führte Kerwepräsident Christian Jöst, der dann den Tanz von Kerwekids und Teenies ansagen durfte. Anschließend liefen zusätzlich zu diesen noch Kerwejugend und Parre Jens Gam samt seine Entourage zu „Hells Bells“ von AC/DC ins Festzelt ein. Als der Kerweparre mit seiner Redd loslegte, glühten so einigen die Ohren. Die Zuhörer waren begeistert und lachten viel über die Missgeschicke ihrer Mitmenschen.

Großes Aufreger-Thema war eine mögliche Einbahnstraßen-Regelung, weil mit schöner Regelmäßigkeit in der Kirchstraße morgendliches Verkehrschaos herrscht. Der Grund: Die Eltern fahren ihre Sprösslinge immer direkt bis an die Grundschule, anstatt sie unten an der Straße rauszulassen. Und dann das: „Des Verkehrschaos um kurz vor 8 soll zure Eibohnstroß reiche? En Skandal, er Lait, des sucht seines gleiche! Do wurd geredd, diskudiert und depadiert, in de Hoffnung, dass sou en unfug ned bassiert.“

Doch auf der Gemeinde war von den Plänen wenig bekannt. Deshalb: „Sou gab’s veel Stress um e Eibohnstroßeschild,  wou vielleicht die Käischstroß ziehrt, hoffendllich hawwe die Verursacher die Problematik dodemit kapiert. Do hawwe mer die Moral vun der Geschicht, Kinner an die Schul bis vor die Der, die fährt man nicht.“

Die aus Owwer hatten sich einen Scherz mit „Unner“ erlaubt, der wohl noch ein Nachspiel haben wird: „Awwer ehr Leid aus Owwer isch sag eisch ohns, ma sieht sich immer Zwo mal im Lewe.“ Die Kerwe-T-Shirts waren weg. „Die häwwe ledschd Woch, unser Kerwe T-Shirts als Geisel genumme.“ Abholung: bei der Kerwe in Ober. „Mit re sportlich kampferfahrene Mannschaft sinn ma do owwe eigeloffe, mim Parremobil uff unserm eigens reservierten Parkplatz gschosse, im Feschdzelt glei e paar Bier im Arm, bis es dann zur T-Shirt Übergabe kam.“

Der singende Landwirt Gerhard Pfeifer aus Lautertal unterhielt danach die Meute mit seiner Stimmungsmusik bestens. Von Schlagern bis hin zu aktuellen Hits war alles dabei, untermalt von einigen Witzen. Kein Wunder, dass die große Sause bis spät in die Nacht andauerte und auch die Cocktailbar mit ihren 25 süffigen Angeboten wieder stark frequentiert wurde.

Der Kerwemontag stand unter anderem im Zeichen des Freibiers: Mittags spendierte es der hessische Meisterchor des Sängerbunds zusammen mit dem Kerwepräsidenten, nachmittags floss der Gerstensaft dank Hans Ehret, seit 40 Jahren Rechner beim MGV, fer umme. Haxen und Wellfleisch sowie Kaffee und Kuchen wurden stark nachgefragt, während Alleinunterhalter Florian Koch aufspielte. Zum Abschluss wurde unter großem Wehklagen die Kerwe durch den Parre und sämtliche Beteiligte zu Grabe getragen, während der Musikus einen Trauermarsch spielte. Zwischendurch führten Kerwejugend, Teenies und Muttis noch einmal einen Tanz auf.

oben v.l. Lukas Milke, 1. Kerweborschd, Jens Gam,  Parre, Benedikt Staat, Mundschenk

    Oliver Jöst (li.) machte das Metall-Geweih, Klaus Sieber den Kerwebrogge

 

Fußball und Musik sorgen für volles Kerwezelt beim MGV Unter-Schönmattenwag

Das Fazit des MGV-Vorsitzenden Christian Jöst ist kurz und knackig: „Volles Haus beim Fußball und danach bei TYL auch. Enten wurden alle 100 verkauft und jede Menge Gaudi. TYL hat bis halb 3 gespielt und dann Feier bis es hell wurde.“ Was er damit sagen will: Der Sängerbund als diesjähriger Ausrichter der Unner-Schimmeldewäer Kerwe ist absolut zufrieden mit dem bisherigen Verlauf des Dorffestes.

Bevor die Plastikenten auf den Ulfenbach geschickt wurden, versetzte noch Zauberer Seppl im Festzelt am Alten Weg die Kinder mit seinen Kunststücken in Erstaunen. Währenddessen gingen auch noch die letzten der 100 quietschgelben Plastikentchen in den Verkauf, nachdem kurz vor knapp die 15 letzten auf ihre Besitzer gewartet hatten. Für die ersten drei Plätze gab es verschiedene Gutscheine für Kino, Eisdiele und Sommerrodelbahn, für die weiteren 97 hieß es: „Jede Ente ein Gewinn.“ Der MGV hatte verschiedene Trostpreise in petto.

Die Kerwejugend hatte zuvor den Lauf des Ulfenbachs auf einer Strecke von mehreren hundert Metern freigemacht und das Ufer ausgemäht, sodass den Enten keine Hindernisse im Weg lagen. Aus einem Kübel wurden die 100 Enten in den Bach gekippt und mussten sich dann ihren Weg von einer kleinen Brücke oberhalb des Festzeltes bis zu diesem suchen. Ein Trichter diente als Ziel, sodass es keine Unklarheiten über den Sieger geben konnte. Nach dem knapp zehnminütigen spannenden Rennen hieß der Gewinner Günter Gries.

Wie der Nachmittag begann, ging es am Abend weiter. Beim Public Viewing des WM-Vorrundenspiels Deutschland-Schweden herrschte im Festzelt volles Haus. Die Gäste litten erst mit, dann fieberten sie mit, als sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in der zweiten Hälfte wieder ins Spiel hineinkämpfte. Der Siegtreffer von Kroos in der letzten Minute der Nachspielzeit ließ nicht nur das Zelt, sondern halb Schimmeldewog erbeben. Wildfremde lagen sich feiernd in den Armen.

Beste Bedingungen also für den Auftritt der Partyband „Thousand Years Later“ (TYL). Auch hier galt: Es war eine große Fete von Anfang an. Schon zu Beginn waren alle Sitzplätze belegt. „Es wurde viel getanzt und gefeiert.“ Denn Band weiß ihren Heimvorteil immer auszunutzen.

TYL, bestehend aus Katharina Zink, Timo und Tobias Walter (alle Gesang), Benedikt Breitwieser (Bass), Sven Dörsam (Gitarre) und Benedikt Staat (Drums), begeisterten ihr Publikum mit einem abwechslungsreichen Programm bis in den frühen Morgen. Unterstützung auf dem Keyboard gab es durch Janina Becker. Die Band machte um 2.30 Uhr Schluss, was aber noch lange nicht das Ende der Party bedeutete. Erst als es schon hell wurde, gingen die letzten Feierwütigen nach Hause.

Die musikalische Bandbreite der 55 Songs reichte von aktuellen Hits aus Rock und Pop über deutsche Schlager bis hin zu Klassikern. Peter Schilling mit „Major Tom“, „Westerland“ von den Ärzten oder auch „Purple Rain“ von Prince zeigten die große Bandbreite der Stücke auf, die großteils von Timo Walter gesungen wurden. „Hedonism“, „All about that base“ oder die „Hollaywood Hills“ ließen das Stimmungsbarometer ebenfalls nach oben schnellen.

Matthias Reims „Verdammt ich lieb dich“, die Spider Murphy Gang mit dem „Skandal im Sperrbezirk“, Abba mit „Waterloo“, Bon Jovi, aber auch Marius Müller Westernhagen, Joan Jett, Dschingis Kahn, Nena und Tina Turner („Simply the best“) lauteten die weiteren Interpreten der Setliste, die für super Stimmung sorgten. Nicht fehlen durfte natürlich „Hulapalu“ oder „Türlich, Türlich“ von Andreas Gabalier. Während sich zuerst die vorderen Reihen auf die Tanzfläche trauten, rückten später auch die hinteren nach.

Ausrichtende Feuerwehr ist mit der Ober-Schönmattenwager Kerwe „extrem zufrieden“

Besser hätte die Kerwe für die Freiwillige Feuerwehr als Veranstalter kaum laufen können. „Ich bin extrem zufrieden mit den vier Tagen“, meinte Vereinsvorsitzender Jürgen Walter in der Rückschau. „Es lief alles super.“ Mit dem Bunten Abend am Sonntag fanden die viele Programmpunkte ihren Abschluss, ehe dann am Montag der gemütliche Kehraus einsetzte, der aber trotzdem noch einmal bis in die Abendstunden dauerte. Denn auch der Ausklang war gut besucht.

Unter dem Motto „Schimmeldewog 2.0“ hatten die verschiedenen Ortsgruppen einen Bunten Abend gestaltet, der die Gäste in der Jagdgenossenschaftshütte aufs Beste unterhielt. Bis spät in die Nacht saß man gemütlich zusammen. Highlight waren die drei Tenöre vom Männerballett, die mit schwarzen Perücken und Schnurrbart verkleidet ihre Arien ins Publikum schmetterten, aber durch eine Art Fußfessel etwas in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt waren. Holger Wetter, Dieter Walter und Harald Falter hatten die Lacher mehr als einmal auf ihrer Seite.

Zwischen den einzelnen Programmpunkten wurde von Lea und Jürgen Walter in Form von Sketchen ein Bogen vom Mittelalter bis ins Jahr 2030 gespannt. Jürgen Walter mimte dabei den Begriffsstutzigen, der alles wörtlich nimm -, so eindrücklich, dass die Gäste ihre helle Freude dabei hatten. Zuerst ging es um Johannes Gutenberg und das Buch, mit dem Lea ihre Schwierigkeiten beim Öffnen hatte. „Heute liest man E-Paper“, versuchte sie erklären.

Die Registrierung nahm Jürgen natürlich wörtlich und meinte, er wäre schon auf der Gemeinde registriert. Auch das Passwort („wozu brauche ich ein Wort für den Pass“) oder das Codewort („so etwas Ekliges brauche ich nicht“) wurden von ihm buchstabengetreu umgesetzt. Tanz, Gesang und Sketche unterhielten die Gäste im Folgenden prächtig.

Einige Lieder von Alleinunterhalter Florian Koch zwischen den einzelnen Programmpunkten sorgten für kräftig Stimmung und animierten zum Mitschunkeln oder sogar Tanzen auf der Bühne. Die Jüngsten erhielten zum Auftakt gleich Zugaberufe. Die Kerwekids in WM-Kleidung bekamen bei ihrem anschließenden Tanz bestimmt mehr Beifall als die deutsche Mannschaft beim müden Kick gegen Mexiko.

„So soll es sein“ und „Drei Dinge fein“ hieß es vom 35-köpfigen Chor der Harmonie. Die Jugendfeuerwehr hatte es sich in Liegestühlen bequem gemacht und bot einen lustigen Tanz mit Fußpuppen. Ganz im Westernstyle war die Gruppe Ratz-Fatz auf der Bühne unterwegs. Jürgen und die Technik: Sein Versuch, sich einen Laptop zu kaufen, ließ die Angestellte des Computershops verzweifeln. „Hat der Internet“, meinte der Feuerwehr-Vorsitzende unter anderem. Das Ende vom Lied: Er bekam den Laptop geschenkt, damit er bloß schnell geht.

Ähnlich die Erlebnisse mit der Störungshotline in Wald-Michelbach. Da wurde dann in natura ein Fenster geschlossen oder Jürgen Walter ging nach entsprechender Aufforderung „raus“ – statt aus dem Programm aus dem Saal. Nur blöd, dass man dann die Stimme aus dem Computer nicht mehr hörte. Die futuristisch gekleidete Kerwejugend und die Kerweweiber als alte Frauen mit Rollatoren bildeten weitere Programmpunkte, ehe Stephanie und Renate Walter mit einem Sketch unterhielten.

„Ein sehr guter Sonntag“, meinte der Vereinsvorsitzende im Rückblick. Erst war die Hütte bei der Kerwepredigt brechend voll, dann bleiben auch viele zum gemeinsamen Fußballschauen bei der Feuerwehr und litten mit der deutschen Mannschaft. Bis auf die Niederlage gab es strahlende Gesichter bei den Verantwortlichen. „Die Kerwe hervorragend gelaufen“, meinte Walter im Rückblick. Freitag- und Samstagabend gab es eine Riesenstimmung. Am Samstag, der bisschen zögerlich begann, füllte sich die Halle später immer mehr und alle feierten bei der Musik von DJ MaStr aus Aschbach friedlich zusammen. Nach dem Kerweumzug war das Zelt bei der Kerwepredigt voll bis obenhin. Der nahtlose Übergang zum bunten Abend wurde besonders gelobt.

Foto: Fritz Kopetzky/OZ

Kerweparre hatte in Ober-Schönmattenwag wieder viel zu tun

Wehe dem, der sich im vergangenen Jahr etwas zuschulden kommen ließ. Kerweparre Sascha Oberle hatte die Verfehlungen der Einwohner akribisch notiert und tat sie in seiner Kerwepredigt am Sonntagnachmittag kund. Wie üblich fand die in der proppenvollen Jagdgenossenschaftshütte statt. Oberle ist ja in Sachen Recherchearbeit in Owwer-Schimmeldewog bereits ein alter Hase und weiß die Missgriffe und Missgeschicke seiner Mitmenschen rhetorisch geschickt zu verpacken, sodass sich die Halle vor Lachen biegt und sich selbst die Betroffenen ein Lachen abringen können.

Zuvor startete der Kerweumzug durch den Ort ab dem Kerweplatz und führte wieder zu diesem zurück. Er wurde von Kindern und Jugendlichen mit geschmückten Fahrrädern, dem Kerwekomitee mit Oberle, Mundschenk Sebastian Hirsch, Kerweborschd Ramon Jöst und Bajazz Stefan Walter sowie dem Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr begleitet. Hauptzweck war die Ausgrabung der Kerwe, wozu der Parre mit der Hacke die versteckte Weinflasche befreien musste.

Drei Bier und ein Wasser fürs Kerwekomitee: Dass der Kerweborschd dem Gerstensaft entsagt, war sogar einen Vermerk in der Kerwepredigt wert. Der „is glaab weltweit der oanzisch anti-alkoholische Kerweborscht“, meinte Oberle. Er hat eben andere Qualitäten. „Sou konn der mit soine zarte Finger en klasse Hefeteig fer den Kerwekuche knete, der koann die Fleischworscht wie koan zwoate biege un koann die Borschtegawwel doisch Owwer troage ohne uff die Gosch zu fliege.“

Im benachbarten „Unner“ gibt es keine Kommunionskinder mehr. Die Welt gerät aus den Fugen. Ein katholischer Ort ohne Kommunion. Sascha Oberle wusste wieso: „Ich häb do des Gfühl de Kommunionsunnericht is net sou schäi, wie zum Parre Gam in die Kerwejugend zu gäi.“ Denn der dortige Kerweparre ist schwer aktiv: „Bischt Kaum uff de Welt, duscht in die Windel noch saiche, dut schun der Gams Jens mim Kerwejugend-T-Shirt um dich rum schleiche.“

Oberle wusste weiter: „Awwer de Papscht hoat jetzt gsacht, ewe is schluß, mer vum Vatikan schicke en Unnersuchungsausschuss. Do wärt doann mol jeder Unner-Schimmeldewäer Stoa rumgedreht, so dass im nächschte Joahr wiar ä Unner-Schimmeldewäer Kommunionsmannschaft in de Käisch steht.“

Noch ein Seitenhieb Richtung unten: Der Kerweparre hatte notiert, „dass unser Ortsschild immer weiter in Richtung Unner dut  maschiern. Jetzt sag ich eich mol als Feststellung blouß, das Haus des Gastes seit ihr Unner-Schimmeldewäer jetzt ach offiziell lous. Die Hall, die stäiht jetzt goanz ohne Froag, zu 100 % in Owwer-Schimmeldewog.“ Er prophezeite: „Un ich denk, des geht weider …bis in ein paar Jaaaahr, geht Owwer-Schimmeldewog bis zu de Korsikaaa.“

Oberle wusste daneben vom Geheimrezept, mit dem der FC Odin seine Spieler kuriert, wenn sie angeschlagen oder malad sind: das Geheime-Odin-Elixier. „Das Produkt, das ich meine is wohl jedem bekannt, im Volksmund wird es üblicherweise Eistee genannt.“ Beim Odin „is nix anneres als Eistee im Sanikoffer drin“, grinste er. „Der Knoche beim Päddel noooch nem Foul halwer doisch… auf druff mit dem Eistee-Zeusch. Vum letschte Kopfballduell erschüttert das Spieler Gehirn, ah do hilft nur oans… sofort Eistee druffschmiern.“

Der Italienurlaub eines Schimmeldewäers hatte keinen guten Start, so der Kerweparre. Denn beim Packen wurde etwas Wichtiges vergessen: „Die letscht Dasch is drinn jetzt schnell ins Bett, wenn der na nochmol noch de Autotür geguckt hätt. Die stäiht nämlich bis Nachts sperrongelweit uff, un soigt sou defär, dass de Akku geht druff. Das, durch die offene Tür ausgelöste Fahrzeug-Innenraum-Licht, hat in denne paar Stunn die Autobatrrie hiegericht.“

Vom heimischen Malheur eines rüstigen Rentner bekam er ebenfalls Kenntnis: Die Frau „hätt gern gebügelt, doch des Brett war verklemmt, der Mann sofort sich mit aller Kraft dagegen gestemmt.

Die Füß von dem Bügelbrett warn irgendwie blockiert. Und plötzlich sind ganz unverdrosse, des Bügelbretts Beine nach obe geschosse. Die schnalse uff warn steckesteif, und schlage den krankenhausreif. Doch in der Ambulanz habe die ganz diskret, die Platzwund wieder zugenäht.“

Bild: Philipp Reimer/OZ