Auf der Tromm: Beziehungswand bringt Museales in die freie Natur

Joel ist Dortmund-Fan, deshalb war es für ihn keine Frage, ein Bild mit einem Dortmund-Trikot an die Beziehungswand auf der Tromm zu hängen. Joey dagegen findet Bulldogs toll, deshalb hat er das Motiv eines John Deere gemalt. Zusammen mit anderen Dritt- und Viertklässlern von der Adam-Karrillon-Schule und der Grundschule Schimmeldewog besuchten die beiden die von Ingrid Scholz erdachte und konzipierte Beziehungswand.

Um die 40 Kinder hatten sich mit ihren Lehrerinnen von Wald-Michelbach aus auf den Weg zum Anwesen der Scholzens gemacht, um sich dort erst einmal mit einem Frühstück zu stärken. Die Kunstgegenstände im Garten und vor allem die Möglichkeit, aus verschiedenen Metallgegenstände selbst etwas zu formen, stießen bereits auf großes Interesse. Aus Schönmattenwag waren Sabine Herold und Simone Hentschel-Gärtner mit ihren beiden Klassen zuerst mit dem Bus nach Wald-Michelbach gefahren und von dort auf die Tromm gelaufen.

Einen ähnlichen Weg beschritt auch die dritte Klasse von Ute Gölz aus der Karrillon-Schule. Auf ihre Kinder wartete zum Abschluss der ganzen Aktion noch eine Überraschung: Sie durften mit dem Feuerwehrauto zurück ins Tal fahren. Station war dabei der Spielplatz in Gadern, zum Abschluss gab’s als Überraschung noch ein Eis. Auch als Lohn für die vergangene anstrengende Woche, als sich die Drittklässler mit viel Engagement in das große Musikprojekt an der Schule eingebracht hatten.

Ingrid Scholz möchte mit ihrer Beziehungswand quasi ein „Museum in der freien Natur“ schaffen, in das sich alle einbringen könnten, wie sie erläuterte. Im Museum gebe es viele aufgehängte Dinge, diesen Ansatz verfolge sie nun auch hier. „Die Wand ist für euch“, sagte sie zu den Kindern. Wichtig sei, dass die dort aufgehängten Dinge „in einer Beziehung zu euch stehen“. Irgendetwas, das einem wichtig sei. Etwas von zuhause Mitgebrachtes, etwas auf dem Weg Gefundenes, klein oder groß.

„Habt ihr Kunst in der Natur schon mal gesehen?“, fragte Ingrid Scholz in die Runde. „Ja, in der Schweiz“, kam spontan eine Antwort. „In der Türkei“, sagte ein anderer Schüler. „Der Kunstweg hier um die Ecke“, wusste ein Dritter. Sie sei „gespannt, was ihr alles mitgebracht habt“, sagte Scholz.

Sie sei gespannt, meinte Ingrid Scholz, wie sich die Kunstinstallation entwickle. Denn es gebe die Möglichkeit, den Prozess zu verfolgen, da neue Objekte jeden Tag auf einer eigenen Homepage vorgestellt würden. „In der heutigen Konsumgesellschaft“, so Scholz, sei auch nach einer gewissen Zeit die Frage interessant, „ob die Kinder dann wieder das Gleiche aufhängen würden“.

Das, was in den kommenden Wochen den Weg an die Beziehungswand findet, soll laut der Initiatorin „so lange dort hängen bleiben, wie es die Natur zulässt“. Deshalb wurden manche Objekte auch laminiert oder in Klarsichthüllen gesteckt. Ein Rückblick in ein paar Jahren lasse sicher aufschlussreiche Erkenntnisse zu.

Die Kinder hatten sich viele Gedanken über das gemacht, was sie mitbrachten. Sarah etwa hat Hunde und Katzen gern. Deshalb fotografierte sie ihre, druckte das Foto aus und hing es auf. Bei Malik war’s ein Flieger, Melena als Pferdefan nahm ein Hufeisen, Johannes ein laminiertes Pflaster. Dies, weil es ihn an den Fall von der Schaukel erinnert, was sehr wehtat.

Ingrid Scholz wiederum verwendete einen alten Feuerwehrschlauch. Der sollte sie an den Kabelbrand in ihrer Küche erinnern und gleichzeitig die Hoffnung wecken, „dass so etwas nie wieder passiert“. Durch das Aufhängen bekomme man eine Beziehung zu den Objekten, so werde die Beziehungs- auch zu einer Museumswand.

„Kunst ist langweilig“, habe einer ihrer Schüler im Vorfeld gesagt, so Ute Gölz. Der sei dann aber im Garten von Ingrid Scholz sofort dabei gewesen, Metallteile zusammenzusetzen und wurde so eines Besseren belehrt. Die Fußball-Fans unter den Kindern hatten auf die Frage „Was ist euch wichtig?“ schnell eine Antwort, meinte Gölz. Bei den Mädchen kamen die Aspekte Pferde und Häkeln dazu.

„Gute Ideen“ hätten ihre Schüler entwickelt, so Sabine Herold. In der vergangenen Zeit habe es an der Grundschule Schimmeldewog sowieso Kunstprojekte gegeben, sagte sie. „Wir sprachen dabei auch über vielfältige Kunstformen.“ Den Kindern sei „die Freundschaft extrem wichtig“, stellte sie fest. Das Gefühl zu haben, „Ich bin nicht allein“, sei von großer Bedeutung.

Aber auch (Kuschel-)Tiere spielen laut Herold eine große Rolle. Die wurden dann in Form von laminierten Bildern an die Wand gehängt. „Praktisch keine negative Erfahrung“ habe Eingang in die Schüler-Überlegungen gefunden. Sie freute sich über die „Aufgeschlossenheit“ der Heranwachsenden gegenüber der Kunst. Die seien es in ihrer Schule gewohnt, „basteln und bauen zu dürfen“.

Nette Begebenheit am Rande: „Hängen Sie hier bitte auf, was Ihnen etwas bedeutet“, heißt es auf dem Schild an der Straße. Was auch schon einige Vorbeikommende als Aufforderung verstanden. Ein Scherzbold schrieb aber drunter: „Soll ich da jetzt meine Frau hin hängen?“        tom

Info: Am Sonntag, 26. Juli, werden um 15 Uhr die Beziehungswand und die anderen Skulpturen auf der Tromm-Wiese vorgestellt. Mehr unter www.beziehungswand.de

DSC_0951 - Kopie DSC_0947 - Kopie DSC_0961 - KopieDSC_0950 - Kopie

Advertisements