Der Kappenabend bei der Ober-Schönmattenwager Harmonie ist eine runde Sache

Musik, Spaß und Stimmung gab’s beim Kappenabend des Gesangvereins Harmonie im evangelischen Gemeindehaus. Gäste aus nah und fern (also auch aus Unter-Schimmeldewog) begrüßte Vereinsvorsitzender Christof Klos in seinen einleitenden Worten. Das Zusammenwachsen der beiden Ortsteile sei „eine wunderbare Sache“, meinte er – trotz ein paar launiger Bemerkungen, die in den Büttenreden des Abends über die Bewohner der unterhalb gelegenen Siedlung durchklangen.

Am weitesten angereist waren extra für die Faschingsparty Gäste aus dem Elsass, die aber ihre Wurzeln in Ober-Schönmattenwag haben. Sie mischten sich unter Hexen, Fußballfans, Gesetzeshüter, Bodybuilder, Bayern oder Trachtenträger, die neben einigen Besuchern „in Zivil“ den Gemeindesaal bevölkerten. Fünf Büttenbeitrage von Vereinsmitgliedern unterhielten die Gästeschar, die danach aber noch lange nicht nach Hause wollte. Erst gegen halb 3 in der Früh packten die letzten ihre sieben Sachen.

„Wir haben hier eine offene Bühne“, schmunzelte Christof Klos. Jeder, der wolle, dürfe sich in die Bütt wagen: „Annahmeschluss für Beiträge ist 20.11 Uhr“, weiß selbst Klos am früheren Abend noch nicht, was alles geboten wird und die Gäste erwartet. „Ganz spontan“ kreieren die Harmonie-Aktiven manchmal ihr Programm bei diesem Kappenabend, der in Ober-Schönmattenwag bereits eine jahrzehntelange Tradition hat. Zwischen den einzelnen Darbietungen werden ein paar Schwätzchen gehalten, geht es um die einen oder anderen lokalen Themen.

Als „einer, der nichts sagen will“, machte Peter Wilhelm den Anfang. Er wollte aber dann doch was loswerden. Erst einmal zwei Witze, die im Saal für viele Lacher sorgten, und dann die Geschichte von den Borzels aus Ober-Schönmattenwag in Reimform: was den beiden bei einem Verkehrsunfall widerfuhr und welche Missverständnisse es gab.

Lea Walter und Hannah Walter saßen sich beim VHS-Kurs gegenüber, der „Ourewällerisch“ auch für Hochdeutsch Sprechende verständlich machen wollte. Ein paar Spitzen in Richtung des unterhalb gelegenen Schönmattenwags, dazu einige hintersinnige Gags und schöne Wortspiele: Die beiden Jugendlichen standen Bütten-Profis in nichts nach.

Der „Frauenbaumarkt“ Douglas oder ein Lied von Coldplay bzw. wahlweise Xavier Naidoo, das sich als Mischung zwischen Waschmaschinen-Lärm und hungriger Katze herausstellte, sorgten für etliche Lacher. Die weiche Ourewäller Konsonantenaussprache machte erst den Gag der „Sub-Unternehmerin“ nach Kauf einer Gulaschkanone verständlich – aber hatte dafür umso mehr Beifall.

Statistiker Dieter Walter hatte seine ganze eigene Sicht der Dinge. Er rechnete nicht nur aus, dass man ein Drittel seines Lebens verschläft. Auch welche Zeit fürs Essen, Klogänge und sonstige zwischenmenschlichen Tätigkeiten aufgewendet werden, wurde von ihm unter dem Gelächter der Gäste aufgelistet. Zuvor hatte Walter eine Tour de Force durchs Weltgeschehen unternommen. Neben VW-Skandal, Olympia, Flüchtlingen und Zika-Virus streifte er auch das Ortsgeschehen.

Das „Dreigestirn aus Ober-Schönmattenwag“, das sich am 6. März zur Wahl stellt, hatte es ihm besonders angetan. „Wenn die in Michelbach wüssten, was auf sie zukommt“, meinte er lachend. Ihre überschüssige Energie „können die jetzt bei der Gemeindevertretung verballern“, sagte Dieter Walter mit Schalk in den Augen.

Christof Klos als Straßenmusikant trug zwei Songs auf der Gitarre vor. Was tun mit dem Weihnachtsbaum, der nicht rechtzeitig entsorgt wurde, thematisierte er im ersten Lied „Dannebaam“. Denn der steht dann das ganze Jahr über im Wohnzimmer rum, beleuchtete er die Entwicklung in den einzelnen Monaten. Im zweiten Stück nahm er sich der Schwiegermutter mit all ihren Besonderheiten und Eigenheiten an – als Mitglied des Schwiegermutter-Geschädigten-Vereins.

Renate Walter als Skelett und Ulla Wilhelm als Gästeführerin im Museum kalauerten sich durch alle Lebenslagen und Körperteile. Beide sorgten bereits auch bei den vier Prunksitzungen der Aschbacher „Hussmouge“ für Begeisterung auf der Bühne. Helikoptereltern, Kindernamen wie Slipeinlagen oder Defizite der Männerwelt waren Zielscheibe ihres Spotts. Die Gürtellinie wurde dabei das eine oder andere Mal dezent unterschritten.

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