Heimatbühne feiert in der Nibelungenhalle Premiere mit dem Theaterspiel „Schottische Erbschaft“

Das Ambiente für ein lustiges Theaterspiel um Geister und Liebe stimmt. Die „Schottische Erbschaft“ spielt – richtig – in einem alten schottischen Schloss, Hausgeist inklusive. Dazu noch ein paar raffgierige Verwandte, ein knorriger Gärtner und Highlander für alles, die empörte Geliebte und der trottelige Schwipp-Schwager: Dem Chaos auf der Bühne sind keine Grenzen gesetzt, wenn die Heimatbühne zur Premiere ihres neuen Stücks schreitet. Sicherlich hätten sich die Laienakteure aber ein paar mehr Zuschauer im „Schloss-Saal“ der Nibelungenhalle gewünscht.

Alles nimmt erst einmal gemächlich seinen Lauf. Eingeführt wird in die Rachegelüste des Schlossherrn, der es den Frauen seiner beiden verstorbenen Brüder heimzahlen will. „Fahrrad fahren und Lügen verlernt man nie“, philosophiert der. Denn die Damen hatten in früheren Jahren immer die Hand drauf, wenn es darum ging, den damals mittellosen Dichter zu unterstützen. Aber der ist jetzt zu viel Geld gekommen. Der perfide Plan: Schlossherr Geoffrey Dawson täuscht seinen Tod vor und spielt den eigenen Testamentsvollstrecker. Weil die Giftspritzen ihn sowieso noch nie gesehen haben, sollte das klappen. Denkt er.

Lothar Clade malt sich auf der Bühne genussvoll aus, wie er es den Erbschleicherinnen so richtig geben will und sich dabei noch live an deren Pein ergötzt. Erst einmal bricht jedoch Hektik aus, weil die beiden Raffzähne schneller an den Futternapf eilen als geplant. Bei deren Ankunft bellen auch noch ein paar Höllenhunde, der Sturm nimmt immer mehr zu, es gewittert, der Blitz schlägt ein, das Licht fällt aus, es gruselt. Vor dem Wetter? Eher nicht. Mehr vor Lady Cynthia und Magery Dawson. Emily Schuster und Elke Willutzki tun ihr Bestes, um die beiden Besen maximal unsympathisch zu machen.

Magery Dawson als Etepetete-Schwägerin, die den armen, etwas tumben, aber bauernschlauen McMumby runterbuttert, der nichts passt, die an allem etwas auszusetzen hat, schafft es gleich mit den ersten Worten, dass sie keiner mag. Auch der Bruder steht unter ihrem Pantoffel. „Schweig“ heißt es nicht nur einmal aus harten Lippen, wenn der aber auch wirklich laufend Unsinn redet. Harte Konkurrenz in dieser Liga der Unsympathischen bietet ihr die affektierte Lady Cynthia, der auch nur die Pfund-Zeichen aus den Augen glänzen.

Natürlich gönnt keine der anderen etwas. Fast zu erwarten: Die eine Schwester macht die andere schlecht, weiß natürlich um deren Defizite. „Erben ist leichter als verdienen“, meint Magery treffend. Lady Cynthia ist so geizig, „die schläft sogar zwei Mal in der Woche im Stehen, um das Bett zu schonen“, sagt die wohl übel meinende Schwester. Kaum ist die aber zur Tür rein, wird vordergründig geschleimt, was das Zeug hält.

Während sich die biestigen Frauen schon ausmalen, was alles ihnen gehören wird, hat Bruder Oswald nichts Besseres zu tun, als sich an „Sekretärin“ Sybill ranzumachen, eigentlich die Herzensdame des „Verstorbenen“. Ann-Marie Teichert wird nicht müde, sich seiner zu erwehren und die tatschenden Hände ein ums andere Mal abzustreifen.

Als die sechsköpfige Gesellschaft schließlich in dieser innigen Feindschaft verbunden ist, kommt es zum Höhepunkt im ersten Set: der Testamentsverlesung. Lothar Clade macht sich als Schlossherr einen Spaß daraus, die finanziell geprägte Zuneigung der ge- und verhassten Schwägerinnen in hohntriefenden Worten abzustrafen und sie mit der Wiese zu bedenken, damit beide dort in Ruhe alles abgrasen können. Denn die Ziegen tragen den Namen der beiden. Großer Aufschrei inklusive. Das Geld geht an die Geliebte, das Haus an den Gärtner. Was der Dichter vielleicht nicht bedacht hatte: Wer einmal Geld gerochen hat, den wird man nicht mehr so einfach los.

Deshalb dreht sich der Fortgang des Stücks natürlich darum, wie und mit welchen abstrusen Mitteln die beiden doch noch versuchen, an die vermeintliche Erbschaft zu kommen. Die erbschleichenden Tanten wollen nicht widerstandslos klein beigeben. Trotzdem erben die Erbenden nicht wie gedacht. Zu welchem Irrungen und Verwirrungen nebst chaotischen Zuständen im Schloss dies führt, breitet die Heimatbühne noch sechs Mal vor den geneigten Zuschauern in der Nibelungenhalle aus.

 

Darsteller/Mitwirkende: Mr. Geoffrey Dawson: Lothar Clade, Sybill Palmers, seine Sekretärin: Ann-Marie Teichert, McMumby, der Gärtner: Andreas Willutzki, Lady Cynthia Huntley: Emily Schuster, Magery Dawson, ihre Schwägerin: Elke Willutzki, Oswald, deren Bruder: Michael Bölcskei. Regie: Lothar Clade, Soffleuse: Helga Dörsam, Technik: Paula Jäger, Ausschank: Inge Böhm, Jürgen Arnold, Kasse: Helga Dörsam, Erich Arnold, Bühnenbild: Andreas Willutzki, Internet: Uli Dörsam

 

Info: „Schottische Erbschaft“, ein lustiges Theaterspiel um Geister und Liebe in drei Akten von Ludwig Bender, Textbearbeitung und Regie Lothar Clade. Weitere Termine: Samstag, 27. Oktober, 18 Uhr, Samstag, 3. November, Samstag, 10. November, Samstag, 17. November, Samstag, 24. November, Mittwoch, 26. Dezember, jeweils 20 Uhr Nibelungenhalle Gras-Ellenbach. Karten-Vorverkauf und telefonische Bestellung über Kurverwaltung Gras-Ellenbach, Montag bis Samstag von 10 bis 12 Uhr, Montag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 Uhr, Telefon 06207/2554, oder unter http://www.heimatbuehne.net sowie an der Abendkasse.

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Bei der Heimatbühne Gras-Ellenbach winkt die „schottische Erbschaft“

Die Proben laufen seit der Kerwe auf Hochtouren, erzählt Regisseur Lothar Clade. Kein Wunder, denn am 20. Oktober ist die Premiere des neuen Heimatbühnen-Stücks in der Nibelungenhalle. Dort ist inzwischen auch das Bühnenbild praktisch komplett aufgebaut. Nach dem „Gras-Ellenbach-Thriller“ im vergangenen Jahr unterhält in diesem Jahr ein Genre-Mix die Zuschauer in vorerst sieben geplanten Aufführungen. „Schottische Erbschaft“ hat Clade das lustige Theaterspiel um Geister und Liebe getauft.

„Wir proben inzwischen fast unter Aufführungsbedingungen“, freut sich der Regisseur. Die Verlegung der Premiere von Anfang auf Mitte Oktober „gibt uns die Möglichkeit, länger auf der Bühne das Stück einzustudieren“. Der Aktions-Hintergrund wird derweil von Andreas Willutzki, Jürgen Arnold und Michael Bölcskei geschaffen. „Ich schlage vor, welches Bühnenbild ich gerne hätte und die drei setzen es um“, schmunzelt der Regisseur.

In der Darsteller-Riege ist mit Emily Schuster ein neues, junges Gesicht. Die 17-Jährige kam über die Bekanntschaft mit einer Mitspielerin der Jugendgruppe zum Team dazu. „Es ist gut, dass jüngere Leute mitwirken. Damit sind wir für die Zukunft mit Schauspielern ausgerüstet“, bringt es Clade auf den Punkt. Paula Jäger, die sich um die Technik kümmert, ist ebenfalls das erste Mal dabei „und macht ihre Sache sehr gut“.

Elke und Andreas Willutzki sind Urgesteine der Heimatbühne. Wie Clade auch, der das zweite Mal Regie führt. Eigentlich wollte er wie im vergangenen Jahr auch nur Regie führen, aber jetzt ist sein Einsatz nach dem Ausfall eines Mitspielers doch wieder gefordert. Ann-Marie Teichert ist vor einiger Zeit vom Jugend- ins „Erwachsenenensemble“ aufgerückt und inzwischen schon fester Bestandteil der Truppe. Mit dabei ist auch wieder Michael Bölcskei. Heimatbühnen-Gründungsmitglied Helga Dörsam wirkt als Souffleuse mit.

„Wir haben uns alle zusammengesetzt, um das neue Stück auszusuchen“, beschreibt Clade den Werdegang. Es sollte keine reine Komödie, kein Klamauk sein, betont er. Eher eine Mischung von allem: Theaterstück, Liebesgeschichte mit einer Prise Spannung, aber auch der Humor kommt nicht zu kurz. Die Erbschaftsgeschichte „wird mit Anklang an die Realität dargestellt“, so wie es jeder schon einmal erlebt haben konnte. „Zum Schluss geht’s dann um das Wichtigste im Leben, die Liebe“, verrät der Regisseur.

Die Figuren sind etwas überspitzt gezeichnet und bieten die Chance zur Selbstinszenierung. Die Schauspieler tragen das Geschehen, beschreibt Clade die Handlung. „Sie sind gefordert, können sich entfalten und zeigen, was sie drauf haben.“ Sowohl diese Komponente als auch die Internationalität kam bei den jugendlichen Akteuren im Ensemble gut an. „ES ist ein kurzweiliges, schönes Stück, das sehr gut unterhält“, hebt er hervor.

Die Lese- und Lernproben starteten bereits im Frühjahr, erläutert der Theatermann. Im Juli ging’s dann langsam in die Vollen. Erst zwei Mal, dann drei Mal pro Woche wurde geprobt. In den letzten beiden Wochen steigert sich die Frequenz dann auf vier Einsätze in der Woche. „Die Akteure sind schon voll drin“, nimmt Clade aus den Treffen mit. „Ihnen gefällt, was sie spielen.“ Eigene Vorschläge werden umgesetzt, wenn sie ins Stück reinpassen.

Da das Ensemble nicht sehr groß ist und sich alle kennen, „ist das eine bewährte Geschichte“, sagt der Regisseur. „Ich kenne die Stärken und Schwächen des Einzelnen“, lacht er. So konnte er auch Elemente aus dem Vorjahr übernehmen. Das Vorgehen ist ganz einfach: Die Schauspieler raufen sich zusammen „und der Regisseur hat immer das letzte Wort“, grinst er. Eine ganz große Bank sind für ihn alle, die im Hintergrund mitwirken, ob es nun um Ausschank, Kasse oder Vorverkauf geht. „Ohne diese Ehrenamtlichen wären die Aufführungen gar nicht möglich“, dankt er den Helfern, oftmals schon viele Jahre mit im Boot.

Das Stück „wird lustig und interessant“, verspricht der Ensemblechef. Im vergangenen Jahr waren die Zuschauer „dankbar, dass es mal keine Bauernkomödie gab“. Dieses Jahr gibt’s mit einem lustigen, nachdenklichen Krimi eine Art Zwischenstück, bevor 2019 laut Clade wieder ein reiner Krimi auf dem Spielplan stehen soll. Er hofft, dass die Besucherzahl in diesem Jahr ähnlich der von 2017 sein wird. „Die war ganz ordentlich und wir waren zufrieden“, sagt er.

Zum Inhalt: Schlossherr Geoffrey Dawson will seine Freiheit und die materiellen Fesseln ablegen. Er hat alles eingeleitet, um diesen Plan in die Tat umzusetzen. Die raffgierige Verwandtschaft will er von seinem Ableben überzeugen – und anlässlich der Testamentseröffnung auch davon, dass sie leer ausgeht. Sybill, die Liebste, und McMumby, sein bester Freund, sollen nicht leer ausgehen. Aber die erbschleichenden Tanten wollen nicht widerstandslos klein beigeben. Trotzdem erben die Erbenden nicht wie gedacht.

Info: „Schottische Erbschaft“, ein lustiges Theaterspiel um Geister und Liebe in drei Akten von Ludwig Bender, Textbearbeitung und Regie Lothar Clade. Premiere Samstag, 20. Oktober, 20 Uhr, Nibelungenhalle Gras-Ellenbach. Weitere Termine: Samstag, 27. Oktober, 18 Uhr, Samstag, 3. November, Samstag, 10. November, Samstag, 17. November, Samstag, 24. November, Mittwoch, 26. Dezember, jeweils 20 Uhr Nibelungenhalle Gras-Ellenbach. Karten-Vorverkauf und telefonische Bestellung über Kurverwaltung Gras-Ellenbach, Montag bis Samstag von 10 bis 12 Uhr, Montag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 Uhr, Telefon 06207/2554, oder unter http://www.heimatbuehne.net sowie an der Abendkasse.

Premiere des Heimatbühnen-Kindertheaters Gras-Ellenbach war wie aus einem Guss

Was für ein Glück. Rundum blitzte und donnerte es, öffnete der Regen seine Schleusen, aber über der Gras-Ellenbacher Heimatbühne blieb es trocken. Die Premiere der „Prinzessin auf der Erbse“, des neuen Stücks Heimatbühnen-Kindertheater, konnte wie geplant stattfinden. Das war auch schon anders: Vor zwei Jahren musste die Vorstellung kurz nach Beginn wegen Gewitter und Platzregen abgebrochen worden. Mit verkürzter Pause ging alles trocken über die Bühne. Junge Schauspieler und Gäste waren gleichermaßen begeistert.

Auf der Freilichtbühne „Zwerg Alberich Odeon“ gegenüber des Hotels Gassbachtal wurde allerdings nicht das Original-Märchen von Hans Christian Andersen aufgeführt, sondern ein lehrreiches Märchenspiel von Heiner Schnitzler, das dieser mit aktuellen Anklängen versah. Andreas Willutzki, der mit Ann-Marie Teichert Regie führte, war mit der Leistung der neun- bis 16-jährigen Schauspieler sehr zufrieden. „Die Kids waren toll“, sprach er ein hohes Lob aus. Die „super Kostüme“ sorgten außerdem für ein farbenprächtiges Bild auf der Naturbühne.

Die Premiere war wie aus einem Guss, zeigte sich Regisseur sehr angetan. „Alles, was schief gehen konnte, ist schon in den Proben passiert“, schmunzelte er. Aufgrund des unsicheren Wetter hielt sich die Besucherzahl leider in Grenzen. Es dürften so um die 20 Erwachsene und noch einmal die gleiche Anzahl Kinder gewesen sein. Die zeigten sich jedoch vom Spiel der jungen Akteure begeistert, sparten nicht mit Szenenapplaus und feierten die Schauspieler am Schluss der eineinhalbstündigen Aufführung mit langanhaltendem Beifall.

Die Handlung rund um Einwanderungsthematik und die Witze von Mossi Schack hatten zwar einen ersten Hintergrund, vermochten dem Stück aber doch immer auch einen lustigen Anstrich zu geben, sodass der erhobene Zeigefinger sich ein ums andere Mal vor Lachen krümmte. „Das Stück kommt echt gut an“, freute sich Willutzki. Er zog ein sehr positives Fazit. „Die Arbeit der letzten Monate hat sich mehr als gelohnt“, sagte er.

Zum fünfjährigen Bestehen der Kindertheatergruppe wurde ein „tolles zeitkritisches Stück“ auf die Beine gestellt. Mit der sehr dichten Atmosphäre, die teilweise förmlich zum Greifen war, konnten sich die Besucher richtiggehend in die Aufführung hineinversetzen. Wenn die Prinzessin den Prinzen bekommt, ist das schon sehr herzergreifend. „Jonah (Teichert) hat seine Rolle als Prinz super gemeistert“, lobte Willutzki. Das alles vor einem eindrucksvollen Bühnenbild mit einen Schloss (als Digitaldruck) im Hintergrund.

Ohne viele Mitstreiter und Helfer könnte so eine Aufführung nicht funktionieren. An Willutzkis Seite stand als Regieassistentin die 16-jährige Ann-Marie Teichert, die bei Regie und Maske mitwirkte und sich engagiert um die Kids kümmerte. Außerdem spielte sie an seiner Seite die Königin. Voll des Lobes ist Willutzki auch über die Hilfsbereitschaft der beiden gegenüber wohnenden Nachbarinnen, bei den Strom und Wasser „abgezapft“ werden können und deren Garage für die Matratzen zur Verfügung steht.

Bis auf ein Mädchen, das in diesem Jahr neu hinzukam, haben alle anderen jugendlichen Akteure bereits Erfahrung mit der Schauspielerei. Deshalb ging es nach dem Probenstart im April in der Nibelungenhalle auch gut voran. Überdacht fanden die Lese- und ersten Szenenproben statt, ehe dann die zwölfköpfige Truppe mit dem guten Frühlingswetter auf die Freilichtbühne wechselte.

Der erfahrene Theatermann ging zu Beginn her und suchte fünf mögliche Stücke heraus, deren Inhalte er den Kindern vorstellte. Die entschieden sich schnell für das jetzt gespielte. Das sozialkritische Stück, das aktuelle Themen wie die Flüchtlingsproblematik aufgreift, kam bei ihnen am besten an.

Zum Inhalt: Das bekannte Märchen von Hans Christian Andersen wurde in die heutige Zeit adaptiert. Mossi Schack, einer der Protagonisten, ist eine brandaktuelle Figur, die die Einwanderungsthematik  ins Spiel bringt. Er spricht ein ulkiges „Ausländerdeutsch“ und hat eine verbindende, wichtige Rolle in dem Stück. Die Prinzessin auf der Erbse ist hier ein sehr mutiges Mädchen, das sich nicht scheut, für sein Land und seine Menschen einzutreten.

Sie gibt dem Prinz und dem König, die angesichts der schwarzen Königin allen Mut verloren haben und aus ihrem Land fliehen wollen, die Hoffnung zurück. Gleichzeitig hat sie aber auch die Empfindsamkeit, die sie mit Schwächeren mitleiden lässt und die ihr den zu ihrer Prüfung aufgestellten Matratzenturm mit der Erbse darunter unerträglich machen.  tom

Info: „Die Prinzessin auf der Erbse“ vom Kindertheater der Gras-Ellenbacher Heimatbühne Sonntag, 17. Juni, 14 Uhr, bei Jäigs Hoffest, in Gras-Ellenbach. Vorverkauf und telefonische Bestellung über Kurverwaltung Gras-Ellenbach, Nibelungenhalle, Montag bis Samstag von 10 bis 12 Uhr, Montag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 Uhr. Telefon 06207/2554. Bei guter Resonanz soll es nach den Sommerferien weitere Termine geben.

Darsteller

Der Prinz: Jonah Teichert

König Servillo III.: Andreas Willutzki

Königin Servilla: Ann-Marie Teichert

Zerboro, der Diener: Hermine Oberle

Zauberer Sonorolo: Carla Fuhr

Crissola, seine Tochter: Maxime Mauermann

Savarella (Prinzessin Nuruma): Marica Unger

Mossi Schack: Eva Wolk

Die Schwarze Königin: Hannah Brantsch

Die Räuberbande

Simsa: Liliana Teichert

Sala: Hannah Brantsch

Labim: Emely Fuhr

Regie: Ann-Marie Teichert, Andreas Willutzki

Hier ist nichts so wie es scheint: Premiere der Gras-Ellenbacher Heimatbühne mit dem neuen Stück „Flammender Zorn“

Zum Schluss überschlagen sich die Ereignisse. In der letzten Viertelstunde geht es rund auf der Bühne in der Nibelungenhalle. Immer wenn das Publikum denkt, nach der ersten Überraschung kann keine weitere mehr folgen, gibt es eine neue Wendung, die noch mehr verblüfft und nach dem letzten Vorhang für rauschenden Applaus sorgt. Die Heimatbühne hatte Premiere mit ihrem neuen Stück „Flammender Zorn“.

So viel sei gesagt: Allein wegen den 15 Minuten im dritten Akt lohnt sich der Besuch. Wie es hier drunter und drüber geht, die Akteure noch einmal zu Höchstform auflaufen, sich gegenseitig beharken, ist eine Pracht. Wer hier nicht jede Sekunde aufpasst, der verpasst möglicherweise eine wichtige Nuance und könnte am Ende ratlos dastehen. Deshalb: Uffbasse.

Dabei entwickelt sich alles sehr gemächlich. Zuerst ist da der trauernde Witwer Walter Förster (Lothar Clade), der durch einen tragischen Unglückfall seine Frau Leonore (Elke Willutzki) verlor. Oder war es doch kein Unfall? Walter steigert sich immer mehr in die Vorstellung rein, dass Schwester Clara (Ann-Marie Teichert) die Gattin meuchelte. Der Arzt-Freund Paul Hofmann (Andreas Willutzki) steht zwischen den Fronten und vermittelt, so gut er kann.

Doch Walter wird immer irrer. Denkt seine Umgebung. Dabei ist der selbst jedoch überzeugt davon, dass ihn seine Verblichene anruft, mit ihm spricht und ihm sogar erscheint. Nur bekommen alle anderen (angeblich) davon nichts mit. Als ihm Leonore schließlich sogar aufträgt, „Mörderin“ Clara umzubringen, wird’s chaotisch. Es scheint nur noch die Einweisung in die Psychiatrie zu helfen. Denn Clara ist bereits am Rande des Nervenzusammenbruchs. Ihr Bruder macht ihr nur noch Angst.

Der allerdings weiß schon längst nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Fast muss der Zuschauer um Lothar Clade Angst haben, wie er sich immer mehr reinsteigert, dass die eigentlich unter der Erde liegende Ex noch am Leben ist, ihm sogar erscheinungsweise an die Wäsche geht. Aber Vorsicht: Es könnte auch alles nur gespielt sein. Immer mehr versteift sich der von Clade gespielte Walter darauf, dass seine Schwester für alles verantwortlich ist. Mit bekannten Auswirkungen. Er mutiert zum Psychopaten, der nur noch eines will: Rache. So redet es ihm Leonore schließlich ein.

Clara wird dadurch ganz (k)irre und dreht selbst fast ab. Wie die 15-jährige Ann-Marie Teichert in ihrer Rolle aufgeht, mit überschlagender, kippender, kieksender Stimme eindrucksvoll rüberbringt, wie ihr alles an die Nieren geht, nimmt man der Nachwuchsschauspieler sofort ab. Dass es alles nicht so ist wie es scheint, kommt erst später – macht aber die Ereignisse im zweiten Akt im Nachhinein zur wahren Schauspielerei. Es ist nicht nur die Rolle, die sie perfekt spielt, sondern auch die Rolle in der Rolle, die sich erst später auflöst.

Dass es der ruhige Paul faustdick hinter den Ohren haben würde, vermutet zu diesem Zeitpunkt auch noch keiner. Andreas Willutzki gibt den Fels in der Brandung, der nur schwer aus der Fassung zu bringen scheint. Er leiht allen sein Ohr, gibt den Guten, den Verständnisvollen. So gut, dass ihm Clara schließlich unter dem Mantel der ärztlichen Schweigepflicht anvertraut, dass sie doch etwas mit dem „Tod“ von Leonore zu tun hatte.

Die aber, scheinbar jedermanns und auch –fraus Liebling, entwickelt sich in der Rückschau zur männermordenden und -verführenden Femme fatale, die auf ihrem egoistischen Lebensweg viele Leichen hinterlässt. Nicht nur bildlich gesprochen, wie sich noch herausstellt. Elke Willutzki gibt die Hexe mit viel Verve, geht jedem und jeder an die Wäsche, wie es ihr gerade zum Vorteil und Befriedigung gereicht. Erst als Geist, dann irgendwann auch real spinnt sie ihre Intrigen und bringt Unheil in die Hausgemeinschaft.

Helga Dörsam als „Doyle das Medium“ macht zu Beginn und zwischen den Szenen die Besucher vertraut mit den Ereignissen. Sie reißt an, wie es weitergehen könnte, was vielleicht passiert – und führt damit geschickt in die Irre. Denn mit dem, was kommen würde, hatte sicher keiner gerechnet. Dass der „Geist“ Leonore nicht nur den geistreichen Getränken von Walter geschuldet ist, stellt sich noch als geringste Überraschung heraus.

Es verbünden sich solche, bei denen es man nicht gerechnet hätte, andererseits überrascht auch der scheinbar irre Walter mit seiner Pfiffigkeit. Ganz abgesehen von seiner mörderischen Entschlossenheit. Wer jetzt aber nur in eine Richtung denkt, der liegt falsch. Da hilft am besten, eine der kommenden Aufführungen zu besuchen und sich selbst davon zu überzeugen, was die Laienschauspieler in den vergangenen Probenwochen er- und geschaffen haben. Der Krimi statt einer Komödie, wie es sich Regisseur Clade wünschte, ist eine sehr unterhaltsame Abwechslung. Und lohnt sich.

 

Info: Weitere Aufführungen: Samstag, 21. Oktober, Samstag, 28. Oktober, Freitag, 17. November, Samstag, 18. November, Dienstag, 26. Dezember, Mittwoch, 27. Dezember, jeweils 20 Uhr, Nibelungenhalle Gras-Ellenbach. Vorverkauf und telefonische Bestellung über Kurverwaltung Gras-Ellenbach, Montag bis Samstag von 10 bis 12 Uhr, Montag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 Uhr, Telefon 06207/2554, oder unter http://www.heimatbuehne.net sowie an der Abendkasse.

Proben gehen in die Endphase: Am 6. Oktober feiert die Gras-Ellenbacher Heimatbühne Premiere des neue Stücks

„In den vergangenen Wochen waren wir fest beim Proben“, erzählt Regisseur Lothar Clade. Kein Wunder, denn am 6. Oktober ist die Premiere des neuen Heimatbühnen-Stücks in der Nibelungenhalle. Dort ist inzwischen auch das Bühnenbild aufgebaut, nachdem die Halle zuvor für die Kerwe belegt gewesen war. Nach vielen Jahren mit Komödien betritt die Heimatbühne in dieser Saison spannendes Neuland. Ein „Gras-Ellenbach-Thriller“ unterhält die Zuschauer in vorerst acht geplanten Aufführungen. „Flammender Zorn“ hat Clade den Krimi in drei Akten von Bernhard Hank Höfellner mit dem Originaltitel „Besessen“ getauft.

Clade beobachtet, sich selbst eingeschlossen, „eine stetige Steigerung“ bei den Akteuren. „Wir haben uns in die Rollen total eingelebt“, hebt er die intensive Arbeit der letzten Zeit hervor. „Das wird eine sehr schöne Aufführung“, weiß er. Die Proben gingen seinen Worten zufolge ihren bewährten Gang. Kein Wunder bei einem eingespielten Ensemble. Dazu kommt: „Das Stück ist in sich schlüssig.“

Clade fühlt sich deshalb auch in der einstimmig getroffenen Entscheidung bestätigt, dieses Mal einen Krimi anzugehen. Spannung gibt es aber nicht nur auf der Bühne. Der Regisseur ist auch gespannt darauf, „was das Publikum dazu sagt“, mal keine Komödie zu erleben. In den letzten zwei Wochen vor der Premiere standen und stehen acht fixe Probentermine an. Den 1. Oktober und den Feiertag hat man sich freigehalten, um bei Bedarf ebenfalls noch einmal zusammenzukommen.

Da aber sowieso schon Montag, Donnerstag und Samstag jeweils zwei- bis zweieinhalb Stunden geackert wird, „sind alle danach ein bisschen ausgepowert“, meint er. Denn schließlich muss „alles in den Kopf rein“. Clade ist aber überhaupt nicht bange, „dass wir wieder ein ordentliches Stück abliefern werden“. Denn alle sind mit Eifer bei der Sache. Auch wenn es keine Komödie ist, „haben wir immer viel Spaß bei den Proben“ und der eine oder andere Scherz kommt über die Lippen.

„Ich wollte nicht wieder eine Komödie wie in den vergangenen 30 Jahren bieten“, betont der neue Regisseur, der den „Job“ von Hedi Jährling übernahm. Vom Krimi „war ich von Anfang an begeistert“, so Clade. Vier Rollen sind im Original vorgegeben, die von ihm, Ann-Marie Teichert, Andreas Willutzki und Elke Willutzki verkörpert werden. Eine fünfte wurde für Helga Dörsam ins Stück reingeschrieben. Sie führt als „Doyle, das Medium“ durchs Programm und bestreitet auch die Überleitungen in den Pausen.

Die Mitspieler sind auch aufgrund der Komplexität wie Clade selbst „begeistert von dem Thriller“, hat der Regisseur beobachtet. Die Spannung baut sich über die drei Akte hinweg ständig weiter auf und fordert die Zuschauer zum beständigen Nachdenken auf. Wie der von ihm gespielte Walter Förster immer mehr zum Getriebenen wird, hat ihn beeindruckt.

Zum Inhalt: Eine Frau stirbt unter tragischen Umständen. Ein Mann verliert seine geliebte Frau. War es vielleicht sogar Mord? Die Ungewissheit darüber macht den Ehemann psychisch instabil. Das Ganze gerät außer Kontrolle, als er auch noch Telefonate erhält, die nur er hören kann. Zusätzlich erscheint ihm seine Frau, die er als einziger sehen kann.

Seine Schwester Clara ist verzweifelt und leidet unter seinen verbalen Ausfällen ihr gegenüber. Als er ihr auch noch die Schuld am Tod seiner Frau gibt, sucht sie Rat und Hilfe bei einem alten Freund der Familie. Da dieser auch noch Arzt ist, soll er den Ehemann in eine psychiatrische Klinik einweisen. Die Zeit drängt, denn der Geist der Toten verlangt nach Rache, und der Ehemann scheint diesem Wunsch täglich mehr nachkommen zu wollen.

Die Sonntags-Aufführung am 8. Oktober wurde auf 18 Uhr vorverlegt. Damit will die Heimatbühne den Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen aus der Region die Möglichkeit geben, zu einer früheren Zeit das Krimi-Stück zu besuchen. Aus Gesprächen mit dem Pflegepersonal nahm man mit, dass 20 Uhr zu spät für diese sei, betont Clade.

Info: Premiere Freitag, 6. Oktober, 20 Uhr. Weitere Aufführungen: Sonntag, 8. Oktober, 18 Uhr, Samstag, 21. Oktober, Samstag, 28. Oktober, Freitag, 17. November, Samstag, 18. November, Dienstag, 26. Dezember, Mittwoch, 27. Dezember, jeweils 20 Uhr, Nibelungenhalle Gras-Ellenbach. Vorverkauf und telefonische Bestellung über Kurverwaltung Gras-Ellenbach, Montag bis Samstag von 10 bis 12 Uhr, Montag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 Uhr, Telefon 06207/2554, oder unter www.heimatbuehne.net sowie an der Abendkasse.

 

Gras-Ellenbacher Heimatbühne betritt mit dem Thriller „Flammender Zorn“ ein spannendes Neuland

Nach vielen Jahren mit Komödien betritt die Heimatbühne in dieser Saison spannendes Neuland. Ein „Gras-Ellenbach-Thriller“ unterhält die Zuschauer ab dem 6. Oktober in vorerst acht geplanten Aufführungen. „Flammender Zorn“ hat Regisseur Lothar Clade den Krimi in drei Akten von Bernhard Hank Höfellner mit dem Originaltitel „Besessen“ getauft. „Spannung bis zum Schluss ist garantiert“, verspricht Clade, der den Regiestuhl in diesem Jahr von Hedi Jährling übernommen hat.

Am Anfang stand ein gemeinsames Brainstorming: „Wie viele und welche Schauspieler stehen zur Verfügung“, lautete die erste Bestandsaufnahme. Zusammen mit den übrigen vier Akteuren ging es dann an die Stückauswahl. Clade hatte dem Team verschiedene Themen vorgeschlagen. Der Thriller hatte es ihm dabei besonders angetan. Die verschiedenen Handlungsstränge fügen sich erst im dritten Akt zusammen. „Das Ende hat mich überrascht, deshalb spielen wir das Stück“, schmunzelt er. Wobei die Entscheidung einmütig fiel.

„Ich wollte nicht wieder eine Komödie wie in den vergangenen 30 Jahren bieten“, betont der neue Regisseur. Vom Krimi „war ich von Anfang an begeistert“, so Clade. „Er passt zu mir und meiner Art – etwas Außergewöhnliches“, lacht er. Seine eigene Begeisterung habe er an die Mitspieler weitergegeben. Im Mai starteten die Leseproben, wobei auch gleichzeitig schon die jeweiligen Positionen eingeübt wurden. Nach der Urlaubspause geht es dann auf der Bühne unter Live-Bedingungen weiter. Gleichzeitig beginnen auch die Stellproben.

Vier Rollen sind im Original vorgegeben, die von Lothar Clade, Ann-Marie Teichert, Andreas Willutzki und Elke Willutzki verkörpert werden. Eine fünfte wurde für Helga Dörsam ins Stück reingeschrieben. Sie führt als „Doyle, das Medium“ durchs Programm und bestreitet auch die Überleitungen in den Pausen. „Die Spieler haben sich schon in ihre Personen eingelebt“, hat Clade während der Leseproben beobachtet. Nach der Pause will er dann Anfang August so schnell möglich beginnen, ohne Textvorlagen weiterzuarbeiten.

Nicht nur die Schauspieler, sondern auch die Zuschauer sind gefordert, ganz besonderes Augenmerk auf das Gesagte zu legen. Denn die Bezüge und Handlungsstränge ziehen sich durchs ganze Stück. Was nebenher im ersten Akt fiel, könnte gegen Ende hin helfen, das Rätsel aufzulösen. „Sie müssen genau hinhören“, meint Clade an die Gäste gewandt.

Die Mitspieler sind auch aufgrund der Komplexität wie Clade selbst „begeistert von dem Thriller“, hat der Regisseur beobachtet. Die Spannung baut sich über die drei Akte hinweg ständig weiter auf und fordert die Zuschauer zum beständigen Nachdenken auf. Wie der von ihm gespielte Walter Förster immer mehr zum Getriebenen wird, hat ihn beeindruckt.

Lothar Clade, seit 1992 bei der Heimatbühne aktiv, wollte dieses Jahr eigentlich nur Regie führen. Da aber dann ein Schauspieler krankheitsbedingt ausfiel, stieg er wieder mit ein. Im Wesentlichen lief alles so, wie er sich das im Vorfeld vorgestellt hatte. Nur ein paar technische Feinheiten galt es zu überlegen: etwa wie man auf der Bühne Gläser zerbrechen kann und sich keiner daran schneidet.

Zum Inhalt: Eine Frau stirbt unter tragischen Umständen. Ein Mann verliert seine geliebte Frau. War es vielleicht sogar Mord? Die Ungewissheit darüber macht den Ehemann psychisch instabil. Das Ganze gerät außer Kontrolle, als er auch noch Telefonate erhält, die nur er hören kann. Zusätzlich erscheint ihm seine Frau, die er als einziger sehen kann.

Seine Schwester Clara ist verzweifelt und leidet unter seinen verbalen Ausfällen ihr gegenüber. Als er ihr auch noch die Schuld am Tod seiner Frau gibt, sucht sie Rat und Hilfe bei einem alten Freund der Familie. Da dieser auch noch Arzt ist, soll er den Ehemann in eine psychiatrische Klinik einweisen. Die Zeit drängt, denn der Geist der Toten verlangt nach Rache, und der Ehemann scheint diesem Wunsch täglich mehr nachkommen zu wollen.

Info: Premiere Freitag, 6. Oktober, 20 Uhr. Weitere Aufführungen: Sonntag, 8. Oktober, 18 Uhr, Samstag, 21. Oktober, Samstag, 28. Oktober, Freitag, 17. November, Samstag, 18. November, Dienstag, 26. Dezember, Mittwoch, 27. Dezember, jeweils 20 Uhr, Nibelungenhalle Gras-Ellenbach. Vorverkauf und telefonische Bestellung über Kurverwaltung Gras-Ellenbach, Montag bis Samstag von 10 bis 12 Uhr, Montag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 Uhr, Telefon 06207/2554, oder unter www.heimatbuehne.net sowie an der Abendkasse.

 

Farbenfrohes Spektakel rund um den Holzjungen: Kindertheater der Heimatbühne mit Premiere von „Pinocchio“ in Gras-Ellenbach

Nein, warten wollten die jungen Zuschauer nicht. Als Regisseur Andreas Willutzki, gleichzeitig Darsteller des Gepetto, verkündete, dass es wegen des großen Ansturms ein paar Minuten länger mit dem Beginn der „Pinocchio“-Aufführung dauern würde, schallte ihm ein lautes „Nein“ aus Kindermund entgegen. In der Hofreite der Familie Kumpf herrschte drangvolle Enge, als die Kindertheatergruppe der Heimatbühne ihre Premiere des diesjährigen Stücks feierte. Dabei handelte es sich um ein Märchenspiel in 14 Bildern von Matthias Weißert nach dem Kinderroman von Carlo Collodi.

„Das Stück haben sich die Kinder und Jugendlichen selbst herausgesucht“, erläuterte Willutzki zu Beginn. Zwischen sieben und 15 Jahren sind die jungen Darsteller alt, die nach der kürzeren „Rotkäppchen“-Aufführung im vergangenen Jahr dieses Mal gerne etwas Längeres spielen wollten. Mit dem Klassiker von Collodi wurde ihnen der Wunsch mit mehr als einer Stunde reiner Spielzeit erfüllt.

Szenenbilder und Texte machten deutlich, warum den Kids diese Adaption so gefiel: Sie hatte aktuelle Anklänge, bot viel Spaß und war extrem farbenfroh. Wenn Meister Gepetto in wohlgesetzten Reimen schilderte, wie ihm ein schwedischer Möbelriese das Geschäft kaputt macht, dann war das natürlich ein paar Lacher wert. Und wenn dann ein Kasperltheater im Land ist und direkt vor den Kindern sein Zelt aufschlägt, sorgt dies logischerweise für offene Münder vor lauter Staunen. Diese Szene machte auch den jugendlichen Akteuren am meisten Spaß. Da waren sie fast alle auf der Bühne zu finden und es ging rund.

Zum Inhalt: Die weltberühmte Vorlage wurde für die heutige Zeit umgeschrieben und ist in ihrer Art und Weise für die Kinder sehr lehrreich. Pinocchio ist nach seiner Entstehung in der Tat ein „Holzkopf“. Er dankt zwar seinem „Vater“ Gepetto, dass er ihn zu einem richtigen Jungen gemacht hat. Doch statt in die Schule zu gehen, lässt er sich von der listigen und gemeinen Füchsin und dem bösartigen Kater in die Irre führen. Und obwohl sie ihn schmählich im Stich lassen, fällt er jedes Mal wieder auf ihre falschen Versprechungen herein.

Der Fee gegenüber, die ihm immer wieder helfen will, erweist sich Pinocchio dagegen als ziemlich undankbar. Statt aufs Neue in die Schule zu gehen, wozu ihm die Fee die Chance gibt, lässt er sich immer wieder verlocken und verführen. Nicht einmal als der Hunger ihn plagt, ist er bereit, für ein Stück Brot zu arbeiten.

Erst als es ihm ganz dreckig geht, die Fee ihm aber trotzdem wieder auf die Beine hilft, lernt er, dass Geben genauso wichtig ist wie Nehmen. Jetzt erst ist er ein „richtiges Kind“ und kann zu seinem Vater zurückkehren. Wie das vor sich geht und welche Schwierigkeiten er dabei zu bewältigen hat, soll noch nicht verraten werden, da es noch weitere Aufführungstermine gibt.

Die jugendlichen Darsteller waren voll in ihrer Rolle drin. Es war gut zu bemerken, wie viel Spaß ihnen das selbst ausgesuchte Stück machte. Für jedes der 14 Bilder gab es einen neuen Hintergrund. Genauso viel Spaß wie auf herrschte auch vor der Bühne, wo sich die kleinsten Zuschauer eingefunden hatten und das bunte Treiben vor ihnen mit Staunen verfolgten. Viel Applaus auch zwischen den Szenen war der verdiente Lohn für die monatelange Vorarbeit von Regisseuren und jungen Schauspielern.

Darsteller: Jonah Teichert, Andreas Willutzki, Ann-Marie Teichert, Maxime Mauermann, Carla Fuhr, Eva Wolk, Emely Fuhr, Hannah Brantsch, Marica Unger, Alina Golz, Liliana Teichert, Mira Golz. Regie: Ann-Marie Teichert und Andreas Willutzki.

Info: Weitere Aufführungen Samstag, 24. Juni, Seebühne Leben am Wald, Sonntag, 25. Juni, Freilichtbühne Alberich, Gras-Ellenbach, jeweils 15 Uhr. Karten bei der Kurverwaltung in der Nibelungenhalle unter 06207/2554, unter http://www.heimatbuehne.net oder an der Theaterkasse.

Um die Mittagszeit war kaum noch ein Durchkommen, aber auch den ganzen Tag über brummte es beim Hoffest von „Jäig’s“ in Gras-Ellenbach. Das herrliche Wetter bescherte der Familien Kumpf, Ganz und Wolk einen Riesenansturm. Das unterhaltsame Programm tat ein Übriges, dass sich die Gäste gerne lange aufhielten, die Gastfreundschaft genossen und dem kulinarischen Angebot kräftig zusprachen. Schattenplätze waren heiß begehrt, als die Sonne sich mehr und mehr Raum am Himmel verschaffte.

Eine Hofandacht, gehalten von Pfarrer Stefan Ningel, machte den Anfang. Pfarrer Thomas Knedelhans auf der Posaune und Gabriele Forrester am Piano sorgten die für musikalische Begleitung. Thema war „Huch, du bist heilig“, das Motto der evangelischen Kirche im Lutherjahr. Die gesammelte Kollekte nimmt Ningel demnächst mit nach Tansania zur Partnerschule auf Sansibar.

Musikalisch war den ganzen Tag über ebenso volles Programm auf der Bühne. Den Beginn machte zum Frühschoppen die Trachtenkapelle Kocherbach mit ihrem bekannten und gern gehörten Set aus Polkas, Märschen und Walzer. Nachmittags spielten dann die „Colorados“ auf, quasi in den zehn Jahren des Hoffest-Bestehens die Haus- und Hofband bei „Jäig’s“. Musik gab’s querbeet in allen Facetten.

Natürlich durfte das Kulinarische nicht zu kurz kommen. Die Produkte aus dem Hofladen konnten zum Teil verkostet werden, auf jeden Fall standen sie aber zur Mitnahme bereit. Kartoffelpuffer gab es süß mit Apfelbrei oder herzhaft mit Kräutern. Dazu natürlich Kochkäs oder Handkäs mit Musik und andere regionale Spezialitäten. Nicht zu vergessen die Klassiker Bratwurst und Steak. Die Schlangen an den verschiedenen Ständen zeugten davon, dass es den Besuchern bestens mundete.

„Wir haben immer versucht, jährlich auf dem vorangegangenen Hoffest aufzubauen“, erläuterte Manuela Ganz. Sie ist Teil des zehnköpfigen Familienzusammenschlusses, der sich um Hof(-Laden) und Landwirtschaft kümmert. Das Ganze sollte außerdem eine Art „Eventcharakter“ bekommen. Dazu zählen auch Kutschfahrten mit dem Planwagen zur Mutterkuhherde oder dieses Jahr die Premiere des Kindertheaterstücks der Heimatbühne, „Pinocchio“, im Innenhof der Hofreite.

Die Kumpfs, Ganz‘ und Wolks können auf eine treue Gästeschar zählen. Die kommt nicht nur aus dem Überwald, sondern bis weit hinein in den Odenwaldkreis aus Erbach oder Richtung Bergstraße aus Weinheim. „Hier trifft sich alles“, schmunzelte Manuela Ganz. Dem Team geht es beim Hoffest aber auch darum, die Landwirtschaft und die in ihrer Tätigen „den Leuten näherzubringen“.

Der „große Ansturm zum Mittagszeit“ freute sie sehr. Die stellte dann auch für das bewährte Team aus Familien, Schwiegereltern, Freunden und Bekannten, an die 40 Helfer, eine Herausforderung dar, die es bestens meisterte. Somit ein schöner Erfolg in dem Bestreben, die Besucher „für die Direktvermarktung zu sensibilisieren“.

Denn seit dem ersten Hoffest „ist immer ähnlich viel los“, kommt diese Form der Wissensvermittlung, die durch den Magen geht, immer gut an. Und sorgt auch dafür, das Überleben der dörflichen Familien-Landwirtschaft zu sichern. „Die Leute treffen sich hier, um einen geselligen Nachmittag zu verleben“, sah Manuela Ganz mit Blick auf die vollbesetzten Reihen in den schattenspendenden Zelten das Ziel mehr als erreicht.