Premiere des Heimatbühnen-Kindertheaters Gras-Ellenbach war wie aus einem Guss

Was für ein Glück. Rundum blitzte und donnerte es, öffnete der Regen seine Schleusen, aber über der Gras-Ellenbacher Heimatbühne blieb es trocken. Die Premiere der „Prinzessin auf der Erbse“, des neuen Stücks Heimatbühnen-Kindertheater, konnte wie geplant stattfinden. Das war auch schon anders: Vor zwei Jahren musste die Vorstellung kurz nach Beginn wegen Gewitter und Platzregen abgebrochen worden. Mit verkürzter Pause ging alles trocken über die Bühne. Junge Schauspieler und Gäste waren gleichermaßen begeistert.

Auf der Freilichtbühne „Zwerg Alberich Odeon“ gegenüber des Hotels Gassbachtal wurde allerdings nicht das Original-Märchen von Hans Christian Andersen aufgeführt, sondern ein lehrreiches Märchenspiel von Heiner Schnitzler, das dieser mit aktuellen Anklängen versah. Andreas Willutzki, der mit Ann-Marie Teichert Regie führte, war mit der Leistung der neun- bis 16-jährigen Schauspieler sehr zufrieden. „Die Kids waren toll“, sprach er ein hohes Lob aus. Die „super Kostüme“ sorgten außerdem für ein farbenprächtiges Bild auf der Naturbühne.

Die Premiere war wie aus einem Guss, zeigte sich Regisseur sehr angetan. „Alles, was schief gehen konnte, ist schon in den Proben passiert“, schmunzelte er. Aufgrund des unsicheren Wetter hielt sich die Besucherzahl leider in Grenzen. Es dürften so um die 20 Erwachsene und noch einmal die gleiche Anzahl Kinder gewesen sein. Die zeigten sich jedoch vom Spiel der jungen Akteure begeistert, sparten nicht mit Szenenapplaus und feierten die Schauspieler am Schluss der eineinhalbstündigen Aufführung mit langanhaltendem Beifall.

Die Handlung rund um Einwanderungsthematik und die Witze von Mossi Schack hatten zwar einen ersten Hintergrund, vermochten dem Stück aber doch immer auch einen lustigen Anstrich zu geben, sodass der erhobene Zeigefinger sich ein ums andere Mal vor Lachen krümmte. „Das Stück kommt echt gut an“, freute sich Willutzki. Er zog ein sehr positives Fazit. „Die Arbeit der letzten Monate hat sich mehr als gelohnt“, sagte er.

Zum fünfjährigen Bestehen der Kindertheatergruppe wurde ein „tolles zeitkritisches Stück“ auf die Beine gestellt. Mit der sehr dichten Atmosphäre, die teilweise förmlich zum Greifen war, konnten sich die Besucher richtiggehend in die Aufführung hineinversetzen. Wenn die Prinzessin den Prinzen bekommt, ist das schon sehr herzergreifend. „Jonah (Teichert) hat seine Rolle als Prinz super gemeistert“, lobte Willutzki. Das alles vor einem eindrucksvollen Bühnenbild mit einen Schloss (als Digitaldruck) im Hintergrund.

Ohne viele Mitstreiter und Helfer könnte so eine Aufführung nicht funktionieren. An Willutzkis Seite stand als Regieassistentin die 16-jährige Ann-Marie Teichert, die bei Regie und Maske mitwirkte und sich engagiert um die Kids kümmerte. Außerdem spielte sie an seiner Seite die Königin. Voll des Lobes ist Willutzki auch über die Hilfsbereitschaft der beiden gegenüber wohnenden Nachbarinnen, bei den Strom und Wasser „abgezapft“ werden können und deren Garage für die Matratzen zur Verfügung steht.

Bis auf ein Mädchen, das in diesem Jahr neu hinzukam, haben alle anderen jugendlichen Akteure bereits Erfahrung mit der Schauspielerei. Deshalb ging es nach dem Probenstart im April in der Nibelungenhalle auch gut voran. Überdacht fanden die Lese- und ersten Szenenproben statt, ehe dann die zwölfköpfige Truppe mit dem guten Frühlingswetter auf die Freilichtbühne wechselte.

Der erfahrene Theatermann ging zu Beginn her und suchte fünf mögliche Stücke heraus, deren Inhalte er den Kindern vorstellte. Die entschieden sich schnell für das jetzt gespielte. Das sozialkritische Stück, das aktuelle Themen wie die Flüchtlingsproblematik aufgreift, kam bei ihnen am besten an.

Zum Inhalt: Das bekannte Märchen von Hans Christian Andersen wurde in die heutige Zeit adaptiert. Mossi Schack, einer der Protagonisten, ist eine brandaktuelle Figur, die die Einwanderungsthematik  ins Spiel bringt. Er spricht ein ulkiges „Ausländerdeutsch“ und hat eine verbindende, wichtige Rolle in dem Stück. Die Prinzessin auf der Erbse ist hier ein sehr mutiges Mädchen, das sich nicht scheut, für sein Land und seine Menschen einzutreten.

Sie gibt dem Prinz und dem König, die angesichts der schwarzen Königin allen Mut verloren haben und aus ihrem Land fliehen wollen, die Hoffnung zurück. Gleichzeitig hat sie aber auch die Empfindsamkeit, die sie mit Schwächeren mitleiden lässt und die ihr den zu ihrer Prüfung aufgestellten Matratzenturm mit der Erbse darunter unerträglich machen.  tom

Info: „Die Prinzessin auf der Erbse“ vom Kindertheater der Gras-Ellenbacher Heimatbühne Sonntag, 17. Juni, 14 Uhr, bei Jäigs Hoffest, in Gras-Ellenbach. Vorverkauf und telefonische Bestellung über Kurverwaltung Gras-Ellenbach, Nibelungenhalle, Montag bis Samstag von 10 bis 12 Uhr, Montag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 Uhr. Telefon 06207/2554. Bei guter Resonanz soll es nach den Sommerferien weitere Termine geben.

Darsteller

Der Prinz: Jonah Teichert

König Servillo III.: Andreas Willutzki

Königin Servilla: Ann-Marie Teichert

Zerboro, der Diener: Hermine Oberle

Zauberer Sonorolo: Carla Fuhr

Crissola, seine Tochter: Maxime Mauermann

Savarella (Prinzessin Nuruma): Marica Unger

Mossi Schack: Eva Wolk

Die Schwarze Königin: Hannah Brantsch

Die Räuberbande

Simsa: Liliana Teichert

Sala: Hannah Brantsch

Labim: Emely Fuhr

Regie: Ann-Marie Teichert, Andreas Willutzki

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Hier ist nichts so wie es scheint: Premiere der Gras-Ellenbacher Heimatbühne mit dem neuen Stück „Flammender Zorn“

Zum Schluss überschlagen sich die Ereignisse. In der letzten Viertelstunde geht es rund auf der Bühne in der Nibelungenhalle. Immer wenn das Publikum denkt, nach der ersten Überraschung kann keine weitere mehr folgen, gibt es eine neue Wendung, die noch mehr verblüfft und nach dem letzten Vorhang für rauschenden Applaus sorgt. Die Heimatbühne hatte Premiere mit ihrem neuen Stück „Flammender Zorn“.

So viel sei gesagt: Allein wegen den 15 Minuten im dritten Akt lohnt sich der Besuch. Wie es hier drunter und drüber geht, die Akteure noch einmal zu Höchstform auflaufen, sich gegenseitig beharken, ist eine Pracht. Wer hier nicht jede Sekunde aufpasst, der verpasst möglicherweise eine wichtige Nuance und könnte am Ende ratlos dastehen. Deshalb: Uffbasse.

Dabei entwickelt sich alles sehr gemächlich. Zuerst ist da der trauernde Witwer Walter Förster (Lothar Clade), der durch einen tragischen Unglückfall seine Frau Leonore (Elke Willutzki) verlor. Oder war es doch kein Unfall? Walter steigert sich immer mehr in die Vorstellung rein, dass Schwester Clara (Ann-Marie Teichert) die Gattin meuchelte. Der Arzt-Freund Paul Hofmann (Andreas Willutzki) steht zwischen den Fronten und vermittelt, so gut er kann.

Doch Walter wird immer irrer. Denkt seine Umgebung. Dabei ist der selbst jedoch überzeugt davon, dass ihn seine Verblichene anruft, mit ihm spricht und ihm sogar erscheint. Nur bekommen alle anderen (angeblich) davon nichts mit. Als ihm Leonore schließlich sogar aufträgt, „Mörderin“ Clara umzubringen, wird’s chaotisch. Es scheint nur noch die Einweisung in die Psychiatrie zu helfen. Denn Clara ist bereits am Rande des Nervenzusammenbruchs. Ihr Bruder macht ihr nur noch Angst.

Der allerdings weiß schon längst nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Fast muss der Zuschauer um Lothar Clade Angst haben, wie er sich immer mehr reinsteigert, dass die eigentlich unter der Erde liegende Ex noch am Leben ist, ihm sogar erscheinungsweise an die Wäsche geht. Aber Vorsicht: Es könnte auch alles nur gespielt sein. Immer mehr versteift sich der von Clade gespielte Walter darauf, dass seine Schwester für alles verantwortlich ist. Mit bekannten Auswirkungen. Er mutiert zum Psychopaten, der nur noch eines will: Rache. So redet es ihm Leonore schließlich ein.

Clara wird dadurch ganz (k)irre und dreht selbst fast ab. Wie die 15-jährige Ann-Marie Teichert in ihrer Rolle aufgeht, mit überschlagender, kippender, kieksender Stimme eindrucksvoll rüberbringt, wie ihr alles an die Nieren geht, nimmt man der Nachwuchsschauspieler sofort ab. Dass es alles nicht so ist wie es scheint, kommt erst später – macht aber die Ereignisse im zweiten Akt im Nachhinein zur wahren Schauspielerei. Es ist nicht nur die Rolle, die sie perfekt spielt, sondern auch die Rolle in der Rolle, die sich erst später auflöst.

Dass es der ruhige Paul faustdick hinter den Ohren haben würde, vermutet zu diesem Zeitpunkt auch noch keiner. Andreas Willutzki gibt den Fels in der Brandung, der nur schwer aus der Fassung zu bringen scheint. Er leiht allen sein Ohr, gibt den Guten, den Verständnisvollen. So gut, dass ihm Clara schließlich unter dem Mantel der ärztlichen Schweigepflicht anvertraut, dass sie doch etwas mit dem „Tod“ von Leonore zu tun hatte.

Die aber, scheinbar jedermanns und auch –fraus Liebling, entwickelt sich in der Rückschau zur männermordenden und -verführenden Femme fatale, die auf ihrem egoistischen Lebensweg viele Leichen hinterlässt. Nicht nur bildlich gesprochen, wie sich noch herausstellt. Elke Willutzki gibt die Hexe mit viel Verve, geht jedem und jeder an die Wäsche, wie es ihr gerade zum Vorteil und Befriedigung gereicht. Erst als Geist, dann irgendwann auch real spinnt sie ihre Intrigen und bringt Unheil in die Hausgemeinschaft.

Helga Dörsam als „Doyle das Medium“ macht zu Beginn und zwischen den Szenen die Besucher vertraut mit den Ereignissen. Sie reißt an, wie es weitergehen könnte, was vielleicht passiert – und führt damit geschickt in die Irre. Denn mit dem, was kommen würde, hatte sicher keiner gerechnet. Dass der „Geist“ Leonore nicht nur den geistreichen Getränken von Walter geschuldet ist, stellt sich noch als geringste Überraschung heraus.

Es verbünden sich solche, bei denen es man nicht gerechnet hätte, andererseits überrascht auch der scheinbar irre Walter mit seiner Pfiffigkeit. Ganz abgesehen von seiner mörderischen Entschlossenheit. Wer jetzt aber nur in eine Richtung denkt, der liegt falsch. Da hilft am besten, eine der kommenden Aufführungen zu besuchen und sich selbst davon zu überzeugen, was die Laienschauspieler in den vergangenen Probenwochen er- und geschaffen haben. Der Krimi statt einer Komödie, wie es sich Regisseur Clade wünschte, ist eine sehr unterhaltsame Abwechslung. Und lohnt sich.

 

Info: Weitere Aufführungen: Samstag, 21. Oktober, Samstag, 28. Oktober, Freitag, 17. November, Samstag, 18. November, Dienstag, 26. Dezember, Mittwoch, 27. Dezember, jeweils 20 Uhr, Nibelungenhalle Gras-Ellenbach. Vorverkauf und telefonische Bestellung über Kurverwaltung Gras-Ellenbach, Montag bis Samstag von 10 bis 12 Uhr, Montag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 Uhr, Telefon 06207/2554, oder unter http://www.heimatbuehne.net sowie an der Abendkasse.

Proben gehen in die Endphase: Am 6. Oktober feiert die Gras-Ellenbacher Heimatbühne Premiere des neue Stücks

„In den vergangenen Wochen waren wir fest beim Proben“, erzählt Regisseur Lothar Clade. Kein Wunder, denn am 6. Oktober ist die Premiere des neuen Heimatbühnen-Stücks in der Nibelungenhalle. Dort ist inzwischen auch das Bühnenbild aufgebaut, nachdem die Halle zuvor für die Kerwe belegt gewesen war. Nach vielen Jahren mit Komödien betritt die Heimatbühne in dieser Saison spannendes Neuland. Ein „Gras-Ellenbach-Thriller“ unterhält die Zuschauer in vorerst acht geplanten Aufführungen. „Flammender Zorn“ hat Clade den Krimi in drei Akten von Bernhard Hank Höfellner mit dem Originaltitel „Besessen“ getauft.

Clade beobachtet, sich selbst eingeschlossen, „eine stetige Steigerung“ bei den Akteuren. „Wir haben uns in die Rollen total eingelebt“, hebt er die intensive Arbeit der letzten Zeit hervor. „Das wird eine sehr schöne Aufführung“, weiß er. Die Proben gingen seinen Worten zufolge ihren bewährten Gang. Kein Wunder bei einem eingespielten Ensemble. Dazu kommt: „Das Stück ist in sich schlüssig.“

Clade fühlt sich deshalb auch in der einstimmig getroffenen Entscheidung bestätigt, dieses Mal einen Krimi anzugehen. Spannung gibt es aber nicht nur auf der Bühne. Der Regisseur ist auch gespannt darauf, „was das Publikum dazu sagt“, mal keine Komödie zu erleben. In den letzten zwei Wochen vor der Premiere standen und stehen acht fixe Probentermine an. Den 1. Oktober und den Feiertag hat man sich freigehalten, um bei Bedarf ebenfalls noch einmal zusammenzukommen.

Da aber sowieso schon Montag, Donnerstag und Samstag jeweils zwei- bis zweieinhalb Stunden geackert wird, „sind alle danach ein bisschen ausgepowert“, meint er. Denn schließlich muss „alles in den Kopf rein“. Clade ist aber überhaupt nicht bange, „dass wir wieder ein ordentliches Stück abliefern werden“. Denn alle sind mit Eifer bei der Sache. Auch wenn es keine Komödie ist, „haben wir immer viel Spaß bei den Proben“ und der eine oder andere Scherz kommt über die Lippen.

„Ich wollte nicht wieder eine Komödie wie in den vergangenen 30 Jahren bieten“, betont der neue Regisseur, der den „Job“ von Hedi Jährling übernahm. Vom Krimi „war ich von Anfang an begeistert“, so Clade. Vier Rollen sind im Original vorgegeben, die von ihm, Ann-Marie Teichert, Andreas Willutzki und Elke Willutzki verkörpert werden. Eine fünfte wurde für Helga Dörsam ins Stück reingeschrieben. Sie führt als „Doyle, das Medium“ durchs Programm und bestreitet auch die Überleitungen in den Pausen.

Die Mitspieler sind auch aufgrund der Komplexität wie Clade selbst „begeistert von dem Thriller“, hat der Regisseur beobachtet. Die Spannung baut sich über die drei Akte hinweg ständig weiter auf und fordert die Zuschauer zum beständigen Nachdenken auf. Wie der von ihm gespielte Walter Förster immer mehr zum Getriebenen wird, hat ihn beeindruckt.

Zum Inhalt: Eine Frau stirbt unter tragischen Umständen. Ein Mann verliert seine geliebte Frau. War es vielleicht sogar Mord? Die Ungewissheit darüber macht den Ehemann psychisch instabil. Das Ganze gerät außer Kontrolle, als er auch noch Telefonate erhält, die nur er hören kann. Zusätzlich erscheint ihm seine Frau, die er als einziger sehen kann.

Seine Schwester Clara ist verzweifelt und leidet unter seinen verbalen Ausfällen ihr gegenüber. Als er ihr auch noch die Schuld am Tod seiner Frau gibt, sucht sie Rat und Hilfe bei einem alten Freund der Familie. Da dieser auch noch Arzt ist, soll er den Ehemann in eine psychiatrische Klinik einweisen. Die Zeit drängt, denn der Geist der Toten verlangt nach Rache, und der Ehemann scheint diesem Wunsch täglich mehr nachkommen zu wollen.

Die Sonntags-Aufführung am 8. Oktober wurde auf 18 Uhr vorverlegt. Damit will die Heimatbühne den Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen aus der Region die Möglichkeit geben, zu einer früheren Zeit das Krimi-Stück zu besuchen. Aus Gesprächen mit dem Pflegepersonal nahm man mit, dass 20 Uhr zu spät für diese sei, betont Clade.

Info: Premiere Freitag, 6. Oktober, 20 Uhr. Weitere Aufführungen: Sonntag, 8. Oktober, 18 Uhr, Samstag, 21. Oktober, Samstag, 28. Oktober, Freitag, 17. November, Samstag, 18. November, Dienstag, 26. Dezember, Mittwoch, 27. Dezember, jeweils 20 Uhr, Nibelungenhalle Gras-Ellenbach. Vorverkauf und telefonische Bestellung über Kurverwaltung Gras-Ellenbach, Montag bis Samstag von 10 bis 12 Uhr, Montag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 Uhr, Telefon 06207/2554, oder unter www.heimatbuehne.net sowie an der Abendkasse.

 

Gras-Ellenbacher Heimatbühne betritt mit dem Thriller „Flammender Zorn“ ein spannendes Neuland

Nach vielen Jahren mit Komödien betritt die Heimatbühne in dieser Saison spannendes Neuland. Ein „Gras-Ellenbach-Thriller“ unterhält die Zuschauer ab dem 6. Oktober in vorerst acht geplanten Aufführungen. „Flammender Zorn“ hat Regisseur Lothar Clade den Krimi in drei Akten von Bernhard Hank Höfellner mit dem Originaltitel „Besessen“ getauft. „Spannung bis zum Schluss ist garantiert“, verspricht Clade, der den Regiestuhl in diesem Jahr von Hedi Jährling übernommen hat.

Am Anfang stand ein gemeinsames Brainstorming: „Wie viele und welche Schauspieler stehen zur Verfügung“, lautete die erste Bestandsaufnahme. Zusammen mit den übrigen vier Akteuren ging es dann an die Stückauswahl. Clade hatte dem Team verschiedene Themen vorgeschlagen. Der Thriller hatte es ihm dabei besonders angetan. Die verschiedenen Handlungsstränge fügen sich erst im dritten Akt zusammen. „Das Ende hat mich überrascht, deshalb spielen wir das Stück“, schmunzelt er. Wobei die Entscheidung einmütig fiel.

„Ich wollte nicht wieder eine Komödie wie in den vergangenen 30 Jahren bieten“, betont der neue Regisseur. Vom Krimi „war ich von Anfang an begeistert“, so Clade. „Er passt zu mir und meiner Art – etwas Außergewöhnliches“, lacht er. Seine eigene Begeisterung habe er an die Mitspieler weitergegeben. Im Mai starteten die Leseproben, wobei auch gleichzeitig schon die jeweiligen Positionen eingeübt wurden. Nach der Urlaubspause geht es dann auf der Bühne unter Live-Bedingungen weiter. Gleichzeitig beginnen auch die Stellproben.

Vier Rollen sind im Original vorgegeben, die von Lothar Clade, Ann-Marie Teichert, Andreas Willutzki und Elke Willutzki verkörpert werden. Eine fünfte wurde für Helga Dörsam ins Stück reingeschrieben. Sie führt als „Doyle, das Medium“ durchs Programm und bestreitet auch die Überleitungen in den Pausen. „Die Spieler haben sich schon in ihre Personen eingelebt“, hat Clade während der Leseproben beobachtet. Nach der Pause will er dann Anfang August so schnell möglich beginnen, ohne Textvorlagen weiterzuarbeiten.

Nicht nur die Schauspieler, sondern auch die Zuschauer sind gefordert, ganz besonderes Augenmerk auf das Gesagte zu legen. Denn die Bezüge und Handlungsstränge ziehen sich durchs ganze Stück. Was nebenher im ersten Akt fiel, könnte gegen Ende hin helfen, das Rätsel aufzulösen. „Sie müssen genau hinhören“, meint Clade an die Gäste gewandt.

Die Mitspieler sind auch aufgrund der Komplexität wie Clade selbst „begeistert von dem Thriller“, hat der Regisseur beobachtet. Die Spannung baut sich über die drei Akte hinweg ständig weiter auf und fordert die Zuschauer zum beständigen Nachdenken auf. Wie der von ihm gespielte Walter Förster immer mehr zum Getriebenen wird, hat ihn beeindruckt.

Lothar Clade, seit 1992 bei der Heimatbühne aktiv, wollte dieses Jahr eigentlich nur Regie führen. Da aber dann ein Schauspieler krankheitsbedingt ausfiel, stieg er wieder mit ein. Im Wesentlichen lief alles so, wie er sich das im Vorfeld vorgestellt hatte. Nur ein paar technische Feinheiten galt es zu überlegen: etwa wie man auf der Bühne Gläser zerbrechen kann und sich keiner daran schneidet.

Zum Inhalt: Eine Frau stirbt unter tragischen Umständen. Ein Mann verliert seine geliebte Frau. War es vielleicht sogar Mord? Die Ungewissheit darüber macht den Ehemann psychisch instabil. Das Ganze gerät außer Kontrolle, als er auch noch Telefonate erhält, die nur er hören kann. Zusätzlich erscheint ihm seine Frau, die er als einziger sehen kann.

Seine Schwester Clara ist verzweifelt und leidet unter seinen verbalen Ausfällen ihr gegenüber. Als er ihr auch noch die Schuld am Tod seiner Frau gibt, sucht sie Rat und Hilfe bei einem alten Freund der Familie. Da dieser auch noch Arzt ist, soll er den Ehemann in eine psychiatrische Klinik einweisen. Die Zeit drängt, denn der Geist der Toten verlangt nach Rache, und der Ehemann scheint diesem Wunsch täglich mehr nachkommen zu wollen.

Info: Premiere Freitag, 6. Oktober, 20 Uhr. Weitere Aufführungen: Sonntag, 8. Oktober, 18 Uhr, Samstag, 21. Oktober, Samstag, 28. Oktober, Freitag, 17. November, Samstag, 18. November, Dienstag, 26. Dezember, Mittwoch, 27. Dezember, jeweils 20 Uhr, Nibelungenhalle Gras-Ellenbach. Vorverkauf und telefonische Bestellung über Kurverwaltung Gras-Ellenbach, Montag bis Samstag von 10 bis 12 Uhr, Montag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 Uhr, Telefon 06207/2554, oder unter www.heimatbuehne.net sowie an der Abendkasse.

 

Farbenfrohes Spektakel rund um den Holzjungen: Kindertheater der Heimatbühne mit Premiere von „Pinocchio“ in Gras-Ellenbach

Nein, warten wollten die jungen Zuschauer nicht. Als Regisseur Andreas Willutzki, gleichzeitig Darsteller des Gepetto, verkündete, dass es wegen des großen Ansturms ein paar Minuten länger mit dem Beginn der „Pinocchio“-Aufführung dauern würde, schallte ihm ein lautes „Nein“ aus Kindermund entgegen. In der Hofreite der Familie Kumpf herrschte drangvolle Enge, als die Kindertheatergruppe der Heimatbühne ihre Premiere des diesjährigen Stücks feierte. Dabei handelte es sich um ein Märchenspiel in 14 Bildern von Matthias Weißert nach dem Kinderroman von Carlo Collodi.

„Das Stück haben sich die Kinder und Jugendlichen selbst herausgesucht“, erläuterte Willutzki zu Beginn. Zwischen sieben und 15 Jahren sind die jungen Darsteller alt, die nach der kürzeren „Rotkäppchen“-Aufführung im vergangenen Jahr dieses Mal gerne etwas Längeres spielen wollten. Mit dem Klassiker von Collodi wurde ihnen der Wunsch mit mehr als einer Stunde reiner Spielzeit erfüllt.

Szenenbilder und Texte machten deutlich, warum den Kids diese Adaption so gefiel: Sie hatte aktuelle Anklänge, bot viel Spaß und war extrem farbenfroh. Wenn Meister Gepetto in wohlgesetzten Reimen schilderte, wie ihm ein schwedischer Möbelriese das Geschäft kaputt macht, dann war das natürlich ein paar Lacher wert. Und wenn dann ein Kasperltheater im Land ist und direkt vor den Kindern sein Zelt aufschlägt, sorgt dies logischerweise für offene Münder vor lauter Staunen. Diese Szene machte auch den jugendlichen Akteuren am meisten Spaß. Da waren sie fast alle auf der Bühne zu finden und es ging rund.

Zum Inhalt: Die weltberühmte Vorlage wurde für die heutige Zeit umgeschrieben und ist in ihrer Art und Weise für die Kinder sehr lehrreich. Pinocchio ist nach seiner Entstehung in der Tat ein „Holzkopf“. Er dankt zwar seinem „Vater“ Gepetto, dass er ihn zu einem richtigen Jungen gemacht hat. Doch statt in die Schule zu gehen, lässt er sich von der listigen und gemeinen Füchsin und dem bösartigen Kater in die Irre führen. Und obwohl sie ihn schmählich im Stich lassen, fällt er jedes Mal wieder auf ihre falschen Versprechungen herein.

Der Fee gegenüber, die ihm immer wieder helfen will, erweist sich Pinocchio dagegen als ziemlich undankbar. Statt aufs Neue in die Schule zu gehen, wozu ihm die Fee die Chance gibt, lässt er sich immer wieder verlocken und verführen. Nicht einmal als der Hunger ihn plagt, ist er bereit, für ein Stück Brot zu arbeiten.

Erst als es ihm ganz dreckig geht, die Fee ihm aber trotzdem wieder auf die Beine hilft, lernt er, dass Geben genauso wichtig ist wie Nehmen. Jetzt erst ist er ein „richtiges Kind“ und kann zu seinem Vater zurückkehren. Wie das vor sich geht und welche Schwierigkeiten er dabei zu bewältigen hat, soll noch nicht verraten werden, da es noch weitere Aufführungstermine gibt.

Die jugendlichen Darsteller waren voll in ihrer Rolle drin. Es war gut zu bemerken, wie viel Spaß ihnen das selbst ausgesuchte Stück machte. Für jedes der 14 Bilder gab es einen neuen Hintergrund. Genauso viel Spaß wie auf herrschte auch vor der Bühne, wo sich die kleinsten Zuschauer eingefunden hatten und das bunte Treiben vor ihnen mit Staunen verfolgten. Viel Applaus auch zwischen den Szenen war der verdiente Lohn für die monatelange Vorarbeit von Regisseuren und jungen Schauspielern.

Darsteller: Jonah Teichert, Andreas Willutzki, Ann-Marie Teichert, Maxime Mauermann, Carla Fuhr, Eva Wolk, Emely Fuhr, Hannah Brantsch, Marica Unger, Alina Golz, Liliana Teichert, Mira Golz. Regie: Ann-Marie Teichert und Andreas Willutzki.

Info: Weitere Aufführungen Samstag, 24. Juni, Seebühne Leben am Wald, Sonntag, 25. Juni, Freilichtbühne Alberich, Gras-Ellenbach, jeweils 15 Uhr. Karten bei der Kurverwaltung in der Nibelungenhalle unter 06207/2554, unter http://www.heimatbuehne.net oder an der Theaterkasse.

Um die Mittagszeit war kaum noch ein Durchkommen, aber auch den ganzen Tag über brummte es beim Hoffest von „Jäig’s“ in Gras-Ellenbach. Das herrliche Wetter bescherte der Familien Kumpf, Ganz und Wolk einen Riesenansturm. Das unterhaltsame Programm tat ein Übriges, dass sich die Gäste gerne lange aufhielten, die Gastfreundschaft genossen und dem kulinarischen Angebot kräftig zusprachen. Schattenplätze waren heiß begehrt, als die Sonne sich mehr und mehr Raum am Himmel verschaffte.

Eine Hofandacht, gehalten von Pfarrer Stefan Ningel, machte den Anfang. Pfarrer Thomas Knedelhans auf der Posaune und Gabriele Forrester am Piano sorgten die für musikalische Begleitung. Thema war „Huch, du bist heilig“, das Motto der evangelischen Kirche im Lutherjahr. Die gesammelte Kollekte nimmt Ningel demnächst mit nach Tansania zur Partnerschule auf Sansibar.

Musikalisch war den ganzen Tag über ebenso volles Programm auf der Bühne. Den Beginn machte zum Frühschoppen die Trachtenkapelle Kocherbach mit ihrem bekannten und gern gehörten Set aus Polkas, Märschen und Walzer. Nachmittags spielten dann die „Colorados“ auf, quasi in den zehn Jahren des Hoffest-Bestehens die Haus- und Hofband bei „Jäig’s“. Musik gab’s querbeet in allen Facetten.

Natürlich durfte das Kulinarische nicht zu kurz kommen. Die Produkte aus dem Hofladen konnten zum Teil verkostet werden, auf jeden Fall standen sie aber zur Mitnahme bereit. Kartoffelpuffer gab es süß mit Apfelbrei oder herzhaft mit Kräutern. Dazu natürlich Kochkäs oder Handkäs mit Musik und andere regionale Spezialitäten. Nicht zu vergessen die Klassiker Bratwurst und Steak. Die Schlangen an den verschiedenen Ständen zeugten davon, dass es den Besuchern bestens mundete.

„Wir haben immer versucht, jährlich auf dem vorangegangenen Hoffest aufzubauen“, erläuterte Manuela Ganz. Sie ist Teil des zehnköpfigen Familienzusammenschlusses, der sich um Hof(-Laden) und Landwirtschaft kümmert. Das Ganze sollte außerdem eine Art „Eventcharakter“ bekommen. Dazu zählen auch Kutschfahrten mit dem Planwagen zur Mutterkuhherde oder dieses Jahr die Premiere des Kindertheaterstücks der Heimatbühne, „Pinocchio“, im Innenhof der Hofreite.

Die Kumpfs, Ganz‘ und Wolks können auf eine treue Gästeschar zählen. Die kommt nicht nur aus dem Überwald, sondern bis weit hinein in den Odenwaldkreis aus Erbach oder Richtung Bergstraße aus Weinheim. „Hier trifft sich alles“, schmunzelte Manuela Ganz. Dem Team geht es beim Hoffest aber auch darum, die Landwirtschaft und die in ihrer Tätigen „den Leuten näherzubringen“.

Der „große Ansturm zum Mittagszeit“ freute sie sehr. Die stellte dann auch für das bewährte Team aus Familien, Schwiegereltern, Freunden und Bekannten, an die 40 Helfer, eine Herausforderung dar, die es bestens meisterte. Somit ein schöner Erfolg in dem Bestreben, die Besucher „für die Direktvermarktung zu sensibilisieren“.

Denn seit dem ersten Hoffest „ist immer ähnlich viel los“, kommt diese Form der Wissensvermittlung, die durch den Magen geht, immer gut an. Und sorgt auch dafür, das Überleben der dörflichen Familien-Landwirtschaft zu sichern. „Die Leute treffen sich hier, um einen geselligen Nachmittag zu verleben“, sah Manuela Ganz mit Blick auf die vollbesetzten Reihen in den schattenspendenden Zelten das Ziel mehr als erreicht.

 

 

Kindertheater der Gras-Ellenbacher Heimatbühne feiert am 18. Juni Premiere mit „Pinocchio“

Nicht mehr lange, dann steht der Holzjunge das erste Mal auf der großen Bühne. Und will dann dort wie auch im Märchen von Carlo Collodi nichts sehnlicher, als endlich ein normales Kind zu werden. Die Jugendgruppe der Gras-Ellenbacher Heimatbühne führt das Stück „Pinocchio“ erstmals am Sonntag, 18. Juni, beim Hoffest von „Jäig’s“ auf. Derzeit laufen die Proben auf Hochtouren und die Akteure sind mit voller Konzentration bei der Sache.

„Die aktuelle Probe ist sehr gut verlaufen“, bilanzierten die beiden Regisseure Andreas Willutzki und Ann-Marie Teichert zufrieden. Die besten Szenen der jugendlichen Schauspieler waren ihrer Beobachtung nach am Anfang, „da dann die Kinder noch voll konzentriert auf ihre Rollen waren“. Zum Ende hin ließ zwar die Konzentration etwas nach. Das war aber „nach fast zweistündiger Probe und 13 Kulissenumbauten“ sowie bei den entsprechenden Temperaturen auch verständlich.

„Wir haben jetzt noch zwei Termine vor der Generalprobe und sind sehr zuversichtlich, dass alles klappt“, ergänzte Ann-Marie Teichert. Die Aufführung ist sehr farbenfroh: Denn es handelt sich um ein Märchenspiel in 14 Bildern von Matthias Weißert nach dem Kinderroman von Carlo Collodi. So mit Pinocchio und Gepetto, Pinocchio mit dem Fuchs und dem Kater, dems Puppenspieltheater, mit der Fee und einer Spielplatzszene. Manche der 13 jungen Schauspieler sind gleich in mehreren Rollen zu sehen.

Das Stück haben sich die Kinder und Jugendlichen zwischen sieben und 15 Jahren selbst herausgesucht. Denn es sollte ihrem Wunsch zufolge ein längeres sein als im vergangenen Jahr. Willutzki machte deshalb drei Vorschläge: Till Eulenspiegel, ein Märchen – und eben Pinocchio. Die reine Spielzeit beträgt eine Stunde, nach dem siebten Bild gibt es eine kleine Pause. Besonderen Spaß macht den jugendlichen Akteuren die Szene mit dem Kasperltheater. Da sind sie fast alle auf der Bühne zu finden „und es geht rund“, schmunzelte der Regisseur.

Zum Inhalt: Die weltberühmte Vorlage wurde für die heutige Zeit umgeschrieben und ist in ihrer Art und Weise für die Kinder sehr lehrreich. Pinocchio ist nach seiner Entstehung in der Tat ein „Holzkopf“. Statt in die Schule zu gehen, lässt er sich von der listigen und gemeinen Füchsin und dem bösartigen Kater in die Irre führen. Und obwohl sie ihn schmählich im Stich lassen, fällt er jedes Mal wieder auf ihre falschen Versprechungen herein.

Der Fee gegenüber, die ihm immer wieder helfen will, erweist er sich dagegen als ziemlich undankbar. Statt aufs Neue in die Schule zu gehen, wozu ihm die Fee die Chance gibt, lässt er sich immer wieder verlocken und verführen. Nicht einmal als der Hunger ihn plagt, ist er bereit, für ein Stück Brot zu arbeiten. Erst als es ihm ganz dreckig geht, die Fee ihm aber trotzdem wieder auf die Beine hilft, lernt er, dass Geben genauso wichtig ist wie Nehmen. Jetzt erst ist er ein „richtiges Kind“ und kann zu seinem Vater zurückkehren.

Die Premiere dieses lehrreichen Märchenspiels findet zum zehnten Hoffest bei „Jäig’s“ statt – im Hof, abgeschirmt vom anderen Trubel. Die Theaterspieler sind deshalb der Familie Kumpf dankbar. Nicht nur für die Bereitstellung der Räumlichkeiten zur Unterstellung der vielen Kulissen und der Requisiten, sondern auch dafür, „dass wir schon einige Proben auf dem Hof machen durften“, so Willutzki.

Die zweite Vorstellung ist am 24. Juni beim Sommerfest der Residenz „Leben am Wald“ auf der Seebühne vorgesehen. Hier gilt der Dank des Teams der Familie Unger-Seip für die Unterstützung und die Bereitstellung der Örtlichkeiten. Dritter Termin ist am Sonntag, 25. Juni, auf vereinseigenen Freilichtbühne „Zwerg Alberich Odeon“. Zwei weitere Vorstellungen sind nach den Sommerferien ebenso auf der Freilichtbühne geplant.

Info: Premiere Heimatbühnen-Kindertheater „Pinocchio“ Sonntag, 18. Juni, Hoffest Jäig‘s, Samstag, 24. Juni, Seebühne Leben am Wald, Sonntag, 25. Juni, Freilichtbühne Alberich, jeweils 15 Uhr. Karten bei der Kurverwaltung in der Nibelungenhalle unter 06207/2554, unter http://www.heimatbuehne.net oder an der Theaterkasse.

Neues Stück der Heimatbühne Gras-Ellenbach: Geballte Frauenpower lehrt Mann das Fürchten

Aus der Not hat die Heimatbühne eine Tugend gemacht. Und dazu noch eine, die für beste Stimmung in der Nibelungenhalle sorgte und ein ums andere Mal die Zuschauer zum Lachen hinriss. Denn der Theatergruppe fehlen die männlichen Schauspieler, sodass ein eigentlich geplantes Stück gecancelt werden musste. Stattdessen gab es nun „Frauenpower“. Und wie. Fünf gegen einen, der aber in Gestalt des Vorsitzenden Andreas Willutzki eine Paraderolle hatte, um all seine komischen Talente zum Vorschein zu bringen.

Als Finanzberater Henry Duttler wirkt er schon durch sein extravagantes Äußeres. Vor Charme sprühend, wirkt der Finanzberater auf die Damen durch und durch integer. Doch: grüne Hose, Karohemd, Hornbrille, gefärbte blonde, zu Berge stehende Haare. Der führt doch was im Schilde, könnte der Besucher beim ersten Auftritt bereits meinen. Tut er. Aber zuerst einmal sorgt er für Hormonwallungen auf dem Drei-Frauen-Hof.

Willutzki geht voll in seiner Rolle auf. Er umschmeichelt die Damen mit seinen Worten, weckt längst vergessen geglaubte Gefühle, schmiert ihnen wortreich Honig ums Maul. Mal überkandidelt, mal mit kieksender Stimmen hüpft er auf der Bühne herum, bezirzt jede genauso, wie die es gerne hören möchte. Und hat es doch auf das profanste aller Dinge abgesehen: Geld. Denn davon ist im Haus der drei Schwestern einiges zu holen, hat ihm sein „Süßer“ geflüstert.

Der „Süße“? Richtig: Denn Henry Duddler ist „vom anderen Ufer“, wie es die drei Frauen kurz vor Ende des zweiten Aktes bemerken, als Luise ein Telefongespräch belauscht. Nämlich dann, als sich ihm die mannstolle Petra an den Hals geschmissen, Henry daraufhin panisch die Flucht ergreift, sich den Knöchel verknackst und bei der Behandlung so weinerlich anstellt, dass Nachbarin Paula als Helferin in der Not nur noch ein Kopfschütteln übrig hat.

Diverse Nachforschungen führen Lore, Luise und Petra dann zur Erkenntnis, dass sie einem Schwindler auf dem Lein gegangen sind. Und wehe, wenn Frauen auf Rache sinnen. Die wird für Mann schrecklich, hinterhältig und gemein. Einen ersten Vorgeschmack bekommen die Zuschauer bereits, als das Abführmittel in den Schnaps und dem nichts ahnenden Henry untergeschoben wird. Wie die rachelüsternen Fantasien der drei Furien weiter gehen, wird an dieser Stelle noch nicht verraten, denn das Stück kommt noch sechs Mal zur Aufführung.

Wie die drei Schwestern zuvor versuchen, sich in Gunstbeweisen gegenüber dem vermeintlichen Finanzjongleur selbst zu übertreffen, ist sehenswert. Luise, die zu Beginn noch um ihren verstorbenen Mann trauert, erblüht zusehends und kramt in der „Geschichte“ – so bezeichnet sie ein Erotikbuch, das ihre Schwester im Schlafzimmer fand.

Lore, die Lehrerin und graue Maus, die einen Groll gegenüber den vielen Gartenzwergen von Luise hegt, wird plötzlich Hawaii-bunt und umgarnt den feschen Henry. Das verrückte Huhn Petra macht sowieso jedem männlichen Wesen gerne schöne Augen und rühmt sich damit, dass sie noch nie von einem abgewiesen wurde – außer in spe eben Henry.

Neben Willutzki hat Jungschauspielerin Ann-Marie Teichert in dieser Rolle die beste Gelegenheit, ihr großes Talent zu zeigen. Ihre Petra ist herrlich spleenig und passt so gar nicht auf den beschaulichen Hof. Mit ihren Schwestern eckt sie immer wieder an, da sie diese für hoffnungslos altmodisch hält. Und sich selbst für die Beste, die mit einer Zurückweisung nicht umgehen kann.

Die Hormone der drei Damen spielen verrückt. Heimlich pirscht sich jede Schwester an den vermeintlichen Gast heran. Im Kampf um dessen Gunst müssen sie aber irgendwann feststellen, dass ihr Geld weg ist. Aber sie wären nicht Schwestern, wenn sie jetzt nicht zusammenhalten würden. Deswegen schmieden die drei mit ihrer Nachbarin Paula und deren Enkelin Kathy Rachepläne.

„Es war schwer, ein Stück mit einem Mann und mehreren Frauen zu finden“, sagt Willutzki. Er hatte Erfolg mit dem bayrischen Stück „Jetzt gehörst du der Katz“, das für Gras-Ellenbacher Verhältnisse etwas umgemodelt wurde. Was seinen Worten nach aber nichts daran ändert, „dass wir dringend männliche Schauspieler brauchen“.

Die Truppe war „begeistert“ von der Komödie. „Wir haben schon bei den Proben herzhaft gelacht.“ Die Leseproben verliefen sehr gut, schon Anfang Juli saß bei jedem praktisch der Text. Nach den Sommerferien wurde dann auf der Bühne geprobt. In einer Woche wurden nach der Kerwe Bühne und Kulissen aufgebaut. „Ich bin wahnsinnig zufrieden, das ist ein super Stück“, meinte Willutzki. Wie auch die Zuschauer, die immer wieder Zwischenapplaus spendeten.

Info: Die Komödie „Frauenpower“ oder „Ohne Moos nix los!“ wird noch sechs Mal aufgeführt: am Freitag, 14. Oktober, am Samstag, 15. Oktober, am Samstag, 12. November, am Samstag, 19. November, am Montag, 26. Dezember und am Dienstag, 27. Dezember. Beginn ist jeweils um 20 Uhr in der Nibelungenhalle in Gras-Ellenbach. Karten gibt es im Vorverkauf in der Kurverwaltung unter Telefon 06207/2554 oder an der Abendkasse (Platzreservierung).

Die Akteure und Helfer

Luise: Hedi Jährling, Lore: Elke Willutzki, Petra: Ann-Marie Teichert, Henry Duttler: Andreas Willutzki, Paula: Helga Dörsam, Kathy: Panthera Sieverding, Regie: Hedi Jährling

Soffleur: Michael Boelcskei

Technik: Andreas Willutzki, Heinz Jährling

Bühnenbild: Andreas Willutzki, Heinz Jährling, Michael Boelcskei

Internet: Uli Dörsam, Facebook: Sylke Teichert

Ausschank: Inge Böhm, Jürgen Arnold

Kasse: Helga Dörsam, Erich Arnold