Protestwanderung: Viele wollten wissen, wo im Gebiet Stillfüssel bei Siedelsbrunn die Windräder stehen sollen

Rund 150 naturbegeisterte Wanderer folgten der Einladung der Bürgerinitiativen (BI) Gegenwind Siedelsbrunn und Ulfenbach zur Tour durchs Gebiet „Stillfüssel“ am Hardberg, wo sechs Windräder geplant sind. Ab dem Treffpunkt Zollstock ging es im Rahmen der Protestwanderung gegen die „Horizontbeschränkung“ bei gutem und windfreien Wetter zunächst über den Clemensberg zur Windmessanlage auf dem Höhenrücken „Toter Mann“.

Unter der fachkundigen Begleitung von Revierförster Jürgen Lampert wurde die Wanderung vorbei an den geplanten Standorten der sechs Windenergieanlagen (WEA) fortgesetzt. Lampert berichtete fundiert über die forstwirtwirtschaftliche Nutzung und gab Einblicke in die vorgesehenen Lkw-Anfahrtswege zu den einzelnen Standorten.

Am frühen Nachmittag wurde das Ziel der Tour, die Gaststätte „Zum Wanderziel“ in Schönbrunn, erreicht. Alfred Wolf, Initiator der Protestwanderung, begrüßte dort als Gäste den ehemaligen Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Wilkes, und Dr. Richard Leiner von der Schutzgemeinschaft Odenwald. Zugleich überbrachte er eine Grußbotschaft des ehemaligen Landrats des Neckar-Odenwaldkreises, Horst Schnur.

Vera Krug, Sprecherin der BI Siedelsbrunn, stellte die Zielsetzung der Aktion heraus: „Wir wollten mit dieser Begehung jedem verdeutlichen, was auf uns Menschen zukommen wird und wie brachial die Eingriffe in unsere Natur sein werden.“ Man bezweifle, dass sich die Gemeindevertreter darüber bewusst seien, „was sie mit ihrer Entscheidung für künftige Pachteinnahmen ausgelöst haben“. Wenn die WEA erst einmal stehen, so Krug, „wird das Entsetzen groß sein“. Denn dann seien diese für alle sichtbar.

„Acht Millionen Menschen aus der Region nutzen den Odenwald als Erholungs- und Rückzugsgebiet“, betonte der bekennende Windkraftgegner Wilkes. Ihm sei es in seiner Amtszeit erfolgreich gelungen, Windräder im Kreis Bergstraße zu verhindern. „Dies gilt es unbedingt auch für nachfolgende Generationen zu erreichen.“ Wilkes unterstützt die Arbeit der Bürgerinitiativen aktiv, um das Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen und Bürger für eine Unterstützung der Sache zu gewinnen.

Richard Leiner ging in seinem Vortrag auf die heutige, technisch überprägte, industrialisierte Welt ein und forderte vehement, die „Grenze Wald“ als natürliche Bastion zu verteidigen. Problem in Bezug auf den ungebremsten Ausbau der Windenergie sei das fehlgeleitete Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG). Dies habe vor allem bei Herstellern, Projektierern und Betreibern von Windindustrieanlagen einen regelrechten „Klondike-Goldrausch“ ausgelöst. „Es findet eine Fragmentierung des Waldes statt“, so Leiner. Flächen- und mit ihm der Artenschutz werde auf Basis von Einzelfallprüfungen aufgegeben.

Leiner monierte: „Es findet keine Umweltverträglichkeitsprüfung für den Odenwald statt, die auch die Gesamtauswirkungen berücksichtigt.“ Diese sei politisch auch nicht gewollt, da der Ausbau von Windkraft nach wie vor privilegiert werde. Fakt ist seinen Worten zufolge auch, dass dort, wo Windräder stünden, „weitere hinzukommen werden“. Gerade deshalb sei es für Wald-Michelbach wichtig, den Bau von WEA auf dem Stillfüssel zu verhindern.

Wilkes bestätigte diese Aussage: Im aktuellen Entwurf des Regionalplans Südhessen seien auf Gemarkung Wald-Michelbach bereits jetzt fünf Vorrangflächen für WEA ausgewiesen. „Ich bin davon überzeugt, dass dies die verantwortlichen Vertreter der Gemeinde noch nicht wissen“, so der ehemalige Landrat. „Mit dem Stillfüssel allein wird es daher nicht ausgestanden sein“, ist er sich sicher. Er schloss seine Ausführungen mit dem eindringlichen Appell: „Kämpfen Sie gegen alle Vorrangflächen, die in Wald-Michelbach und im gesamten Odenwald geplant sind.“

Info: Laut dem „Sachlichen Teilplan Erneuerbare Energien (Entwurf 2016) – Regionalplan Südhessen“ sind der Bürgerinitiative zufolge aktuell folgende Vorranggebiete für Windkraft auf Gemarkung Wald-Michelbach aufgeführt: „Auf der Höhe“ (Flockenbusch, Nr. 24), „Stillfüssel“ (Nr. 25), „Zentwald“ (Nr. 26a), zwischen Ober-Schönmattenwag und Aschbach (Nr. 909) und zwischen Aschbach und Affolterbach (Nr. 905).

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Geopark-Wanderung: Entlang des Solardraisinenwegs zum Mackenheimer Steinbruch

„Schienen, Schotter und Draisinen“ heißt die neue Geopark-Tour mit Vor-Ort-Begleiter Jürgen Johann, die er am Sonntag, 10. April, anbietet. Sie führt entlang des Solardraisinenwegs von Kreidach zum Mackenheimer Steinbruch und ist für „Steigungen nicht scheuende“ Wanderfreunde geeignet. Treffpunkt ist um 10 Uhr der Kreidacher Parkplatz/Bushaltestelle Unterdorf.

Die Strecke verläuft auf naturnahen Waldwegen mit einzelnen Aussichtspunkten (auch am Geopunkt Steinbruch) und tollen Fernsichten zum Vorderen Odenwald. Die Trasse der Überwaldbahn wird mehrfach gekreuzt, ein Viadukt unterquert, ein Tunnel passiert. Festes Schuhwerk ist laut Johann erforderlich. Die Wanderer müssten schon großes Pech haben, um unterwegs keine Solardraisinen zu Gesicht zu bekommen, so der Wanderführer. Denn deren Betriebssaison habe jetzt gerade begonnen.

Jürgen Johann möchte mit und auf seiner Tour auch zwei kürzlich eröffnete Wanderwege im Überwald vorstellen und „die Lust am Wandern wecken“: den Solardraisinen-Wanderweg „S“ und den Abtsteinacher Steinbruchweg „A6“. Sie verlaufen in Kreidach zusammen auf gleicher Strecke. Der 2015 eröffnete Solardraisinen-Wanderweg verbindet Mörlenbach und Wald-Michelbach und orientiert sich an der Streckenführung, die wiederum auf einem zehn Kilometer langen Teilstück der historischen Überwaldbahn-Trasse verläuft.

Der Weg hat eine Gesamtlänge von 13,5 Kilometern und kreuzt mehrfach die Trasse. Aufgrund der Gebirgslage verläuft er allerdings auch abwechselnd oberhalb und unterhalb des Schienenniveaus, so dass sich eine beträchtliche Anzahl an zu überwindenden Höhenmetern auf der Tour ansammelt: Es sind 660 bergauf und 480 bergab zu bewältigen.

Der Abtsteinacher Steinbruchweg ist einer von sieben Überwald-Wanderwegen, die das Prüfsiegel „Wanderbarer Odenwald“ erhalten haben. Höhepunkt ist ein Besuch des Geopunktes mit hervorragender Aussicht auf den Steinbruch und die Umgebung. Zahlreiche Informationstafeln geben Auskunft über die Natursteinindustrie und deren Betriebsabläufe, Gesteinsentstehung und Erdgeschichte sowie Flora und Fauna im Steinbruch.

Um Wegverlauf: Vom Startpunkt im Unterdorf erreichen die Ausflügler nach einem kurzen Anstieg und wenigen Metern bereits die Bahnschienen. An der nächsten Bahnquerung sind die Markierungszeichen zu sehen. Ab hier geht’s zur Mackenheimer Höhe, wo sich Johann zufolge „ein herrlicher Ausblick“ zur Kreidacher Höhe mit Sommerrodelbahn, auf den Hardberg mit dem Sendeturm, Mackenheim mit dem Steinbruch und auf die Höhen des Vorderen Odenwalds bietet.

Hinab laufend ins Mackenheimer Tal zum Eisenbahnviadukt wird die Bahntrasse am Tunnel gekreuzt. Auf einem moderat ansteigenden Weg geht’s zur Aussichtsplattform am Geopunkt „Steinbruch“. Der Rückweg erfolgt über eine steile Passage, für die Trittsicherheit erforderlich ist, oder aber über den bequemeren Hinweg zum Viadukt und von dort zurück zum Ausgangspunkt in unmittelbarer Nähe des Landgasthofes „Zum Odenwald“. Dort ist auch eine Schlusseinkehr möglich.

Info: Geopark-Tour „Schienen, Schotter und Draisinen“, Sonntag, 10. April, 10 Uhr, ab Kreidach Parkplatz/Bushaltestelle Unterdorf. Dauer 3 bis 3,5 Stunden, Länge ca. acht Kilometer, Gelände anspruchsvoll mit knapp 400 Höhenmetern, festes Schuhwerk erforderlich. Anmeldung erforderlich bei Jürgen Johann unter Telefon 06207-1256 oder 0157-79027656.

Rodeln steht in Siedelsbrunn weiter hoch im Kurs – Auch Loipen werden gespurt

„Auch heute noch wird bei uns gerodelt“, ergänzt Siedelsbrunns Ortsvorsteher Helmut Gremm unseren Bericht über die frühere Wintersport-Hochburg Überwald. Allerdings nicht am westlichen Hang des Hardbergs Richtung Sportplatz, wo diese Sportart früher fast schon professionell betrieben wurde. In der heutigen Zeit kommen die Rodelfans auf der Wiese gegenüber des Gasthauses „Morgenstern“, neben der Straße von Siedelsbrunn zur Kreidacher Höhe, zusammen, um viel Spaß im Schnee zu haben – wenn genug fällt.

Natürlich sind vor allem Kinder dann beim Schlittenfahren anzutreffen. Aber auch für die Erwachsenen ist es laut Gremm eine große Gaudi, beim Nachtrodeln, wenn die (zusammen mit den TV-Handballern) veranstaltende Feuerwehr den Hang ausleuchtet, gen Tal zu sausen. Sollte die weiße Pracht hoch genug sein, spurt der Wirt des „Morgenstern“, Hans-Peter Gärtner, zusätzlich die Langlaufloipen rund um den Kottenberg.

Während sich die frühere Rodelbahn laut Gremm westlich vom Hardberg hinunter bis zum Sportplatz (und heutigem Bürgerhaus) zog, lag die Ski-Abfahrtsstrecke auf der anderen Seite. Für sie wurde eine Schneise in den Wald geschlagen, die sich vom Sendeturm auf einem knappen Kilometer bis ins Eiterbachtal zog. Sprungschanze, Skischlepplift und -hang waren früher dort zu finden, wo auch der (heute nicht mehr existierende) Tierpark angesiedelt war. Der Hang wurde mit Schneekanonen und Kunstschnee in Schuss gehalten, bis die Winter immer wärmer wurden – und dann irgendwann aufgegeben.

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Der „Handwerker-Bob“ trug den Namen Siedelsbrunn hinaus in die Wintersport-Welt

Heutzutage ist selbst eine dünne Schneeschicht schon fast eine Besonderheit. Vor 60 Jahren sah das noch ganz anders aus: Knackig kalte Winter bescherten dem Überwald bis in den März und April hinein sichere Ski- und Rodel-Bedingungen. Teilweise ging nichts mehr, waren die Straßen absolut dicht. In den 50er Jahren war der heutige Wald-Michelbacher Ortsteil eine Wintersport-Hochburg. Mit dem Bau einer Sprungschanze 1953 und der Gründung einer Wintersportabteilung beim TV 02 wurden die Weichen für die Aufwärtsentwicklung gestellt.

Initiator war, wie immer wenn es in Siedelsbrunn um den Fremdenverkehr, Tourismus oder den Sport ging, der damalige Lehrer Georg Jungmann. Er war Mitbegründer der Rodelgruppe und Mitinitiator für den Bau einer Rodelbahn, die vom Sendeturm auf dem Hardberg bis zum Centwald eine Länge von 800 Metern hatte. Auf ihr wurden im Winter 1959/60 die hessischen Rodelmeisterschaften ausgetragen.

Im Herbst 1959 gesellten sich zu der Rodelgruppe vier junge Männer hinzu. Sie riefen – wie konnte es anders sein – unter Anleitung von Lehrer Jungmann den Bobsport ins Leben: Heinz Jöst an den Lenkseilen, Walter Ihrig, Ernst Schmitt und als Bremser Gerd Schwebel. Doch bis es das erste Mal in die Bahn gehen konnte, brauchte man noch das entsprechende Sportgerät, einen Bob. Da dieser nicht billig war, ließ Jungmann seine Beziehungen spielen. Er fand mit der Firma Färberei Roland in Fürth, der Firma Heinrich Schlerf und der Familie Weczera drei Sponsoren, die genügend Geld spendeten, um einen Vierer- und einen Zweierbob der Marke Feierabend anzuschaffen.

Und schon ging es los mit den Übungen zum Anschieben und dem Aufsitzen beim Start. Geübt wurde auf der heimischen Rodelbahn am Hardberg. Ihren ersten Auftritt hatten die vier jungen Sportler bei einem Pokalrennen in Oberhof (damalige DDR). Die Platzierung stand eher im Hintergrund. Es ging darum, gesund und heil unten ankommen. Denn die Geschwindigkeit war ziemlich hoch und es galt, sich mit dem Lenken anhand von Seilen zurechtzufinden.

Doch schon beim zweiten Auftritt, bei den deutschen Meisterschaften in Winterberg im Sauerland, erreichten die Siedelsbrunner gute Platzierungen. So fuhr der Zweierbob mit Walter Ihrig als Steuermann und Gerd Schwebel als Anschieber und Bremser auf einen hervorragenden fünften Platz. Der Vierer landete ebenfalls unter den ersten Zehn und wurde Siebtplatzierter. Er wurde gesteuert von Heinz Jöst. Mit im Schlitten saßen Walter Ihrig, Ernst Schmitt und als Bremser Gerd Schwebel.

Bei der Fernsehübertragung dieser Meisterschaft bezeichnete der damalige Sportmoderator Hugo Morero den Siedelsbrunner Vierer als „Handwerker-Bob“, da alle vier Insassen Handwerker waren. Für die Betreuung und als Tippgeber konnte man den damaligen mehrfachen Welt- und Europameister Franz Kemser aus Garmisch-Patenkirchen gewinnen. Zu diesem wurde auch noch Jahre später ein guter Kontakt gepflegt.

In der folgenden Zeit nahmen die Überwälder noch an mehreren hessischen und deutschen Meisterschaften teil. Zu den bisherigen Bobfahrern kamen noch drei weitere hinzu, die Spaß an dieser Sportart gefunden hatten: Wilhelm Rothmüller, Herbert Kaufmann und der aus Fürth stammende Walter Roßbach. Außer in Winterberg und Oberhof wurde noch auf der Bob- und Rodelbahn in Berchtesgaden am Königsee, am Berg Isel in Innsbruck und auf der Bobbahn in Cortina d’Ampezzo gefahren. Der Feierabend-Bob aus dem Odenwald machte den kleinen Überwald-Ort somit überall bekannt.

Die Rodelbahnen waren zur damaligen Zeit noch Natureisbahnen und standen somit den Athleten nicht immer zur Verfügung. So mussten die Siedelsbrunner oft größere Strapazen auf sich nehmen, wenn sie unter Wettkampfbedingungen trainieren wollten. Das kostete viel Zeit und Geld. Vielleicht war das – neben den sich verschlechternden Wintersport-Bedingungen – mit ein Grund, dass der Bobsport bald aufgegeben wurde.

Heutzutage, mit den per Auto schnell erreichbaren großen Wintersport-Orten, hat die Bedeutung des Überwalds für Ski- und Rodelsport abgenommen. Außerdem fehlt in jüngerer Zeit immer mehr die Schneesicherheit. So beschränkt sich die sportliche Tätigkeit im Winter auf das Langlaufen und die Kinder haben Spaß beim Rodeln. Aber auch die Winterwanderungen in der gesunden Höhenluft sind bei den Gästen sehr beliebt – und die Möglichkeiten dazu vielfältig.

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Der Überwald war früher ein attraktives Wintersportziel

Der Frühling im Dezember und das jetzige, darauf folgende Schmuddelwetter täuschen darüber hinweg, dass vor einigen Jahrzehnten der Skisport auf den Überwald-Bergen groß in Mode war – und die Region in den Schneemassen förmlich versank. In den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts kamen die Wintersport-Begeisterten von weither, um auf 500 oder 600 Metern Höhe, auf der Tromm oder am Hardberg, die weiße Pracht zu genießen. Aber auch im tiefer gelegenen Wald-Michelbach hieß es „Ski und Rodel gut“. Zuletzt allerdings war die Region vor fünf Jahren von einer dichten Schneeschicht bedeckt.

Während die Tromm schon Anfang des 20. Jahrhunderts als Ausflugsziel bekannt war, begann der „Boom“ bei Siedelsbrunn erst nach dem Zweiten Weltkrieg. „Am Hardberg erwartet den passionierten und versierten Wintersportfreund ein Gelände, in dem er sich nach Herzenslust tummeln, vergnügen und seinen Sport huldigen kann“, schrieb Lehrer Georg Jungmann, in Siedelsbrunn spiritus rector des Wintersports.

Von den Einheimischen wurden die dortigen Hänge rund um die 593 Meter hohe Erhebung allerdings schon in früheren Zeiten fürs Schlitten- und Skifahren genutzt. Der Kreidacher Bahnhof der Überwaldbahn war in den 50er Jahren Endstation für die Skisportbegeisterten aus der Ebene. Von dort aus ließen sich dann Richtung Siedelsbrunn kutschieren. Die Sprungschanze am westlichen Hang lockte die Massen an. Der Ansturm war manchmal so groß, dass die Straße ab der Kreidacher Höhe bis nach Abtsteinach wegen dort parkender Autos gesperrt werden musste.

Die Schanze lag am Ortsausgang von Siedelsbrunn Richtung Ober-Abtsteinach, wo heute das Kloster „Buddhas Weg“ zu finden ist. 35 Meter betrug in früheren Jahren der Schanzenrekord, 36 Meter die „kritische Weite“. Allerdings währte der Ski-Boom nicht allzu lange. Als es die Deutschen in Folge größerer Mobilität mehr und mehr in die Alpen und den Schwarzwald zog, parallel dazu die Schneesicherheit abnahm, verlor der Hardberg an Attraktivität. Die Sprungschanze wurde Mitte der 1960er Jahre abgerissen.

Ähnlich erging es der Bobbahn auf der Ostseite des Hardbergs. Für sie war eine fast einen Kilometer breite Schneise in den Wald geschlagen worden (siehe anderen Artikel). Die Abfahrtsstrecke startete am Hardberg-Gipfel und endete im 200 Meter tiefer gelegenen Eiterbachtal. Im Winter 1959/60 wurden hier sogar die Hessischen Rodelmeisterschaften ausgetragen. Als die Winter weniger streng wurden, parallel aber die Sicherheitsvorschriften strenger, geriet diese Sportart mehr und mehr in Vergessenheit.

Auf der hohen Tromm mit 577 Metern wurde an der Wende vom 19. bis 20. Jahrhundert schon kräftig dem Wintersport gefrönt. Ein installierter Skischlepplift und die dortige kleine Sprungschanze zogen die Massen an. In früheren Jahren war der Überwald nicht zuletzt wegen der hervorragenden Möglichkeiten, auf seinen Gipfeln und Hängen Wintersport zu treiben, weithin bekannt. Oft war im März und April an der Ebene schon der Frühling eingekehrt, während der Winter Hardberg und Tromm noch fest in seinem eisigen Griff hielt.

„In den letzten Wochen kamen fast täglich sogenannte Schneeschuhläufer von der Bergstraße und den benachbarten Städten hierher, um dem neusten Sport auf unseren Höhen zu dienen.“ Dies vermeldet der „Centralanzeiger für den Odenwald – Erbacher Kreisblatt“ im Februar des Jahres 1900 unter dem Stichwort „Von der hohen Tromm, Neuster Sport“. Dass die Winter hier lange dauerten, wird aus einer Mitteilung derselben Zeitung vom 8. April 1900 deutlich: „Wir haben hier auf unseren Bergen wieder völliges Winterwetter.“ Täglich werde die Region „von vielen Touristen und Ausflüglern besucht.“ Diverse Ansichtskarten von der Tromm vermitteln daneben in den 1920er und 30er Jahren ein Bild der guten Wintersportmöglichkeiten.

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Wanderer trotzten den widrigen Wetterverhältnissen: Knapp 60 Teilnehmer beim vierten Überwälder Wandertag

Das war ein Wandertag für Hartgesottene: Bei Temperaturen um die vier Grad, leichtem Nebel-Nieseln und einer Kälte, die in die Knochen kroch, machten sich gestern knapp 60 Unerschrockene an der alla-hopp!-Anlage auf, um auf drei Strecken die Region zu erkunden. Zum vierten Mal fand der Überwalder Wandertag statt, diesmal rund um Hardberg, Hohberg, Hilsenhain und Eiterbachtal auf sieben, zehn oder zwölf Kilometern.

Seinen Ursprung nahm der Wandertag bei der gemeinsamen 1000-Jahr-Feier von Siedelsbrunn, Abtsteinach und Schönmattenwag im Jahr 2012. Nach weiteren Stationen in Hammelbach und Affolterbach war dieses Jahr Unter-Abtsteinach dran, nächstes Jahr soll er in einem Grasellenbacher Ortsteil stattfinden. Aufgrund des guten Wetters im vergangenen Jahr war damals um einiges mehr los als im gestrigen Hochnebel.

Die Touren wurden von den Wanderführern selbst ausgesucht. Theo Reichert machte sich mit Geopark-vor-Ort-Begleiter Jürgen Johann auf die zwölf Kilometer lange „Hardbergroute“. Am Aussichtspunkt „Steinerne Bank“ vorbei mit – bei schönem Wetter – tollem Blick ins Eiterbachtal ging es über den höchsten Gipfel des Überwaldes (593 Meter Höhe). Gerade mal drei andere Wanderer wollten sich aber auf diese längste Tour begeben. Motto: Nur die Harten kommen auf den Hardberg.

Den meisten Zuspruch hatte Bürgermeister Rolf Reinhard mit seiner „Grenzwanderung“, von ZKÜ-Geschäftsführer Sebastian Schröder auch scherzhaft als „Wanderung zu den Wurzeln der Familie Reinhard“ bezeichnet. Er nahm die Wanderer mit nach Hilsenhain und hinauf Richtung Stiefelhöhe (584 Meter). Auf dieser gut zehn Kilometer langen Tour wären bei klarer Witterung Aussichten in den Süden möglich gewesen.

Trudl Wittmann und Christine Röder waren mit ihrer Gruppe „Vom Granit in den Sandstein“ unterwegs. Auf sieben Kilometern ging es um Unter-Abtsteinach herum. Vom Hohberg führte die Strecke zum Hardberg, wo allerdings an diesem Tag der sonst beeindruckende Weitblick in die Rheinebene ein frommer Wunsch blieb. Allen drei Wandergruppen war gemein, dass sie ihren Abschluss in der Mehrzweckhalle fanden. Dort wartete dann, gab Reinhard als Anreiz schon vor dem Start bekannt, eine deftige Erbsensuppe auf die Weitgewanderten. Die Soma-Fußballer der SG Unter-Abtsteinach kümmerten sich um das leibliche Wohl der Gäste.

Der Bürgermeister bezeichnete den Wandertag in seiner Begrüßung als „Ergebnis intensiver Zusammenarbeit der Überwald-Gemeinden“. Sowieso, betonte er, sei der Odenwald ein immer beliebteres Wanderziel und rangiere inzwischen ganz vorn beim Zuspruch der Aktiven. Was Kornelia Horn von der Odenwald-Tourismus GmbH nur unterstreichen konnte.

„Panorama- und Steinbruchweg sind zwei vom Odenwaldklub zertifizierte Qualitätswanderwege auf der Gemarkung“, unterstrich sie. Um dieses besondere Naturerlebnis zu gestalten, habe es in den vergangenen fünf Jahren „einen sehr intensiven Prozess“ gegeben. Denn schließlich gewinne dadurch der Odenwald sein besonderes Profil. Mit der Region „wird an erster Stelle das Thema Wandern verbunden“, ergab laut Horn eine Studie.

Ein weiterer Schritt, um dieses hervorstechende Merkmal zu optimieren, sei die Anbringung einer „Weg-Ziel-Beschilderung“. Zwar seien die Strecken schon „hervorragend markiert“, sagte die Geschäftsführerin. „Aber es fehlten die Wegweiser, wie weit es noch zum nächsten Ort oder zur nächsten Einkehrmöglichkeit ist.“ 55.000 Euro kosteten die Schilder für den gesamten Odenwald, erläuterte sie. Die Realisierung sei nur möglich gewesen, weil 60 Prozent der Summe über EU-Mittel gefördert würden.

„Es war ein Riesenprojekt auszutüfteln, wo die Wegweiser hin sollen und was darauf geschrieben wird“, sagte Horn. Man habe „kreis- und länderübergreifend 1000 Stück“ abgebracht. Im Überwald würden fünf Wege beschildert, so Horn. Erkennbar sind sie an der hellgrünen Farbe. Der Steinbruchweg steht Horn zufolge noch aus.

Hauptwanderwert Manfried Hering vom Odenwaldklub ergänzte, die meisten Genuss-Wanderer „laufen nicht nach Karten“. Gerade für diese sei die Beschilderung wichtig. Neben der Entfernung gäben die Markierungszeichen auch Aufschluss darüber, „was mich am Ziel erwartet“. Hering sagte, ihn freue es „als Nutzer ganz besonders“, dass diese Maßnahme jetzt verwirklicht werde. Er äußerte seine Freude darüber, dass „trotz des Wetters so viele gekommen sind“.

100 Nordic Walker weihten die drei neuen Strecken rund um Abtsteinach ein

Synchron gehen etwa 100 Paar Arme in die Höhe. Zu peppiger Musik wärmen sich die Nordic-Walker im unteren Bereich der neuen alla-hopp!-Anlage auf. Vor ihnen liegt ein Novum: Anlässlich des 5. Nordic-Walking-Tags Steinachtal werden die drei neuen Abtsteinacher Strecken eingeweiht – nach denen aus Heiligkreuzsteinach, vor etwa drei Monaten offiziell in Dienst gestellt, ein weiterer Mosaikstein für den Steinachtal-Walking-Park.

An vorderster Front bei den Walkern: Peter Schlickenrieder. Der deutsche Silbermedaillengewinner im Sprint bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City ging nicht nur mit auf die Strecke, sondern stand danach beim gemütlichen Beisammensein auch noch für einen Gedankenaustausch zur Verfügung. Er gehörte zu denen, die zu Beginn von Willy Schröder begrüßt wurden. Bürgermeister Rolf Reinhard hatte sich ebenfalls zum Aufwärmtraining gestellt und stärkte eifrig seine Muskeln, auch wenn er später nicht mit auf die Strecke ging. Dirk Dewald vom Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald war ebenfalls mit am Start und wurde von Schröder begrüßt.

Seitens der Abteilung „Fit for Fun“ der SG Unter-Abtsteinach hatte Raphaela Loos die Einführung übernommen und sorgte dafür, dass die Walker bestens vorbereitet und aufgelockert auf die verschiedenen Strecken gehen konnten. Das Warm-Up begleiteten außerdem Christiane Rüger, Karin Hanke und Stefanie Wetzel von „Fit for Fun“. Als größte Gruppe wurde „Effektiv“ aus Birkenau geehrt.

In der Abtsteinacher „Nordic-Walking-Wabe“ stehen drei unterschiedliche Strecken zur Verfügung. Wie bei den Skipisten sind sie nach Farben geordnet: blau die kürzeste mit 7,7, rot die mittlere mit zehn und schwarze die längste und schwerste mit 14,1 Kilometern. Zwischen eineinhalb und drei Stunden sind Walker auf ihnen unterwegs. Am Eröffnungstag waren zwischendurch Verpflegungsstationen aufgebaut. „Landschaftlich wunderschön“, wie Schröder sagte, geht es unterhalb des Hardbergs entlang, rund um Unter- und Ober-Abtsteinach bis hinunter an die Grenzen von Heiligkreuzsteinach (bei der schwarzen Strecke).

Seiner Kenntnis nach ist im Tal zwischen Ober-Abt- und Neckarsteinach inzwischen „der größte Nordic-Walking-Park Deutschlands mit 150 Kilometern Streckenlänge entstanden“. Die Touren wurden in Zusammenarbeit mit dem Verein „Fürs Steinachtal aktiv“ ausgesucht. Auf örtlicher Seite brachte sich Frank Wetzel vom Skiclub innerhalb der SGU maßgeblich ein. Der Club wirkte bei der Beschilderung mit und wird in Zukunft die Strecke prüfen sowie pflegen.

Die einen walkten, die anderen tobten: Bei der gleichzeitig stattfindenden „alla-hopp!-Rallye“ durften die Kinder die neue Anlage in Besitz nehmen. Fünf Stationen hatte der Förderverein des katholischen Kindergartens St. Josef zusammengestellt. Wer diese absolviert hatte, bekam zum Schluss eine kleine Urkunde. Mitglieder des Fördervereins und des Elternbeirats betreuten die einzelnen Abschnitte.

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Trampolin springen, balancieren und klettern, Slackline, der Mikadowald und als letzte Station die Seilbahn galt es zu bewältigen. Von einem Jahr bis zu zwölf: Der Andrang war in jeder Altersgruppe groß. An der Hand von Mama oder Papa wollten es die ganz Kleinen den Größeren nachtun und über die Holzstämme balancieren. Die Mikadostangen waren aber selbst für die Älteren eine kleine Herausforderung.

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