Mit Gustav Adolf weiß heute kaum einer mehr was anzufangen – die Affolterbacher Kirche trägt seinen Namen

Mit dem Namensgeber der evangelischen Gustav-Adolf-Kirche im Wald-Michelbacher Ortsteil können heute nur noch die wenigsten etwas anfangen. „Gustav wer?“ heißt es zum schwedischen König des 17. Jahrhundert, der im Dreißigjährigen Krieg bei der Wahl der Mittel zur Verbreitung des protestantischen Glaubens nicht gerade zimperlich war. 400 Jahre ist es 2018 her, dass durch den eigentlich unspektakulären Prager Fenstersturz ein Brand auf dem Kontinent ausgelöst wurde, der diesen entvölkerte und gravierend veränderte. Auch der Überwald war danach praktisch menschenleer.

Gustav Adolfs Namen trägt heute noch die 1907 eingeweihte Kirche, für die im Juni 1906 Baubeginn war. Wobei Pfarrerin Tabea Graichen die Einschränkung macht, dass dafür durchaus auch das nach ihm benannte Gustav-Adolf-Werk Pate gestanden haben könnte, da es durch einen erklecklichen Geldbetrag den Bau erst ermöglichte. Das 1832, zu Gustav Adolfs 200. Todestag gegründete Werk mit Sitz in Leipzig ist auch heute noch weltweit sozialdiakonisch, missionarisch und baulich tätig.

Von den deutschen Protestanten wurde Gustav II. Adolf zu seiner Zeit als Vorkämpfer, Held und Retter des Protestantismus idealisiert. Gerade in der Romantik wurde der schwedische König deutlich überhöht. Sein Eingreifen in den Krieg verhinderte nach landläufiger Meinung einen katholischen Sieg. Sein Schlachtentod machte ihn in der öffentlichen Wahrnehmung zum Märtyrer des Glaubens. Eine ganze Weile lang „ging man unkritisch mit seinem Namen um“. Auch in der Romantik wurde er als Verbreiter des Protestantismus verklärt.

Anlässlich der 400. Wiederkehr des Kriegsausbruchs spielt Gustav Adolf wohl in der öffentlichen Wahrnehmung keine Rolle mehr. „Ich wurde bisher überhaupt nicht darauf angesprochen“, so Graichen. Wenn überhaupt, können noch die älteren Gemeindeglieder etwas damit anfangen, die jüngeren nicht mehr, ist ihr Eindruck. Denn als sie mehr als zehn Jahren ihr Amt in Affolterbach antrat, „haben mich Besucher noch des Öfteren gefragt, warum die Kirche nach diesem Mann benannt wurde“.

Graichen sieht den Kirchen-Namen vor dem Hintergrund der Zeitläufte. Auch andere Gläubige, nach denen Gotteshäuser benannt sind, „haben nicht unbedingt nach den Zehn Geboten gelebt“, sagt sie. Beispiel Luther: „Der hat auch Klopper rausgehauen“, so die Pfarrerin, aber trotzdem die Reformen maßgeblich vorangebracht. Natürlich steht für sie die Frage im Raum, „ob man vor 400 Jahren dem Protestantismus mit anderen Mitteln zum Durchbruch verhelfen konnte“.

Die Methoden des Schweden „sind natürlich nicht mein Mittel der Wahl“, macht Graichen klar. Allerdings „habe ich auch nicht vor vier Jahrhunderten Jahren gelebt“. Gustav Adolf habe „sehr martialisch“ im Namen der Konfession in den Krieg eingegriffen. Allerdings müsse man alles „vor dem Hintergrund der damaligen Zeit sehen, auch wenn es das Tun nicht rechtfertigt“. Leider geschehen auch noch im Namen von Religionen Gräueltaten, bedauert sie.

Die Benennung der Kirche vor mehr als 110 Jahren sieht sie „als Zeugnis dieser Zeit und des Blicks auf Gustav Adolf“. Einer kritischen Auseinandersetzung stehe die Bewahrung nicht im Wege, „weil es Teil des protestantischen Erbes ist“. In den Kirchenprotokollen ist zumindest „noch nie die Idee aufgetaucht, die Kirche umzubenennen“. Sowieso ist die in Affolterbach ihrer Kenntnis nach eine der wenigen in der Region, die überhaupt einen Namen hat.

Das denkmalgeschützte Jugendstil-Kirchengebäude wurde von 1905 bis 1907 nach Plänen von Friedrich Pützer errichtet. Fast 200 Jahre lang war die Gemeinde zuvor ohne Gotteshaus, denn die erste erwähnte Kirche von 1568 wurde im Laufe des 18. Jahrhunderts wegen Einsturgefahr geschlossen. Angeblich kümmerte sich der Landesherr nicht darum, einen zwischenzeitlichen Rechtsstreit verlor man aber. Danach fanden Gottesdienste in Wirtshaussälen statt, es gab aber auch 30 Jahre gar keinen eigenen.

„Affolterbach konnte sich damals einen Neubau mit 40.000 bis 50.000 Markt nicht leisten“, weiß Graichen aus der Kirchenhistorie. Mit allen möglichen Mitteln wurde versucht Geld zu akquirieren. Die Rede ist von einem Postkartenverkäufer, „der den Leuten kräftig auf die Nerven ging“, schmunzelt die Pfarrerin. Ab 1874 gab’s Pläne für einen Neubau, die immer wieder verschoben wurden. 1894 wurde ein Kirchenbauverein gegründet, der dann die großzügige Zusage des Gustav-Adolf-Werks erhielt. Sogar die Kaiserin von Russland, die öfters zur Sommerfrische im Überwald weilt, gab 100 Goldrubel zum Bau dazu.

Anfang des 20. Jahrhunderts „war Gustav Adolf immer noch populär“, erläutert Tabea Graichen. Gerade in einer katholischen Region mit reformierten Einsprengseln war er so etwas wie „der Held des Protestantismus“. In der Affolterbacher Kirchengemeinde, die sich zu dieser Zeit zu einer Filialgemeinde von Wald-Michelbach entwickelte, gab es sogar einen nach ihm benannten Verein und eine Jugend. Da war es mit seinem Namen für die Kirche nicht weit her. Unter den Wappen über der Kanzel ist neben dem von Landesherren und Reformatoren folgerichtig auch seines zu finden.

Gustav II. Adolf (geb. 1594 in Stockholm, gestorben 1632 bei Lützen, Kurfürstentum Sachsen) war von 1611 bis 1632 König von Schweden und eine der wichtigsten Figuren der schwedischen Geschichte und des Dreißigjährigen Krieges. Er trug durch Reformen und sein militärisch-politisches Handeln wesentlich dazu bei, Schweden eine Hegemonialstellung im nördlichen Europa zu verschaffen, die bis Anfang des 18. Jahrhunderts bestand. Sein Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg in Deutschland ab 1630 verhinderte einen Sieg des kaiserlichen Lagers der Habsburger und sicherte damit indirekt die Existenz des deutschen Protestantismus.

Allerdings war Gustav Adolf jedoch auch ein machtorientierter Realpolitiker, dessen Hauptziel die Herrschaft Schwedens über den Ostseeraum und die Absicherung als Großmacht im nordeuropäischen Raum war. Evangelische Überzeugungen und nationaler Ehrgeiz gingen in ihm eine untrennbare Verbindung ein. Damit passte er in seine Zeit, die auf der katholischen Seite von Männern wie Wallenstein und Tilly gekennzeichnet war.

 

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Der Landschaftsgenuss steht bei der Geopark-Tour rund um Affolter- und Aschbach im Vordergrund

Zum Genuss-Wandern lädt Geopark-vor-Ort-Begleiterin Eva Sattler am Sonntag, 19. Juli, um 13.30 Uhr ein. Unter dem Motto „Panoramaweg und Infozentrum“ geht es von Affolterbach an ehemaligen Steinbrüchen vorbei nach Aschbach zum Geopark-Infozentrum. Der Rückweg führt über den Kunstwanderweg vorbei an Wormser Steinbruch und Heckenmühle. Der Landschaftsgenuss steht im Vordergrund, kombiniert mit Wissenswertem und Informationen über regionale Besonderheiten.

Für die 8,5 Kilometer lange Strecke hat Eva Sattler etwa vier Stunden veranschlagt (inklusive der Besichtigung des Infozentrums). Den Schwierigkeitsgrad bezeichnet sie als leicht bis mittel, gutes Schuhwerk und wetterentsprechende Kleidung seien ratsam. Die Tour ist auch für Familien geeignet. Treffpunkt ist gegenüber der evangelischen Gustav-Adolf-Kirche in Affolterbach am Parkplatz des Dorfgemeinschaftshauses.

Der erste Kirchenbau wurde Sattler zufolge 1568 erwähnt, allerdings 1707 bereits als verfallen bezeichnet. Der Neubau der Kirche im Jugendstil erfolgte nach Plänen des Kirchenbaumeisters Prof. Friedrich Pfützer in den Jahren 1906/1907. Am Ortsrand lässt sich ein Blick auf das Panorama des Trommrückens erhaschen. Dieser ist kennzeichnend für die geologische Besonderheit der Region: „Wir befinden uns an der Nahtstelle zwischen kristallinem und Buntsandstein-Odenwald“, so Sattler.

Nächste Station des schönen Waldrand-Weges Richtung Aschbach ist der Rossbrunnen. Es werde vermutet, erläutert die Geopark-vor-Ort-Begleiterin, dass der Brunnen seinen Namen von der Quelle neben der Wasserversorgung habe. Denn diese habe als Tränke für die Pferde der Waldarbeiter gedient. Engagierte Ortsbürger sorgten zu Beginn des neuen Jahrtausends für eine Neuanlage der Quelle sowie der ebenfalls hier befindlichen Georg-Vock-Anlage. Sehr schön sei die frühere Wasserleitung anhand eines Nachbaus in Form von Holzrohren zu sehen.

Im Aschbacher Steinbruch „Steinhecke“ können die Wanderer einen Eindruck davon gewinnen, wie mühsam der Natursteinabbau Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war. Die Familie Weihrauch baute hier noch bis ins Jahr 1951 Granit ab, der vorwiegend als Treppenstufen oder Pflastersteine verwendet wurde.

Früher waren Spitzeisen, Hammer und Meißel die verwendeten Werkzeuge, erst 1922 (mit dem Aufkommen von elektrischem Strom) kamen moderne Geräte wie der Bohrhammer zum Einsatz. Aber nicht nur der reine Gesteinsabbau war laut Sattler für die Arbeiter gefährlich. Das Einatmen des feinen Staubs, der beim Behauen und Bearbeiten der Steine unentwegt entstand, führte oftmals zum frühen Tod. Das Geopark-Infozentrum vermittelt einen anschaulichen Überblick davon.

Der Rückweg nach Affolterbach führt über den Kunstwanderweg auf der Trasse der ehemaligen Überwaldbahn. Neben einzelnen Kunstwerken passieren die Wanderer auch den Wormser Steinbruch. In den 1920er Jahren wurde hier durch die Stadt Worms Granit für Reparaturen am Dom abgebaut. Weiter geht’s an der Heckenmühle vorbei, wo auf dem Hof aus dem Steinbruch „Steinhecke“ stammende Pflastersteine zu sehen sind.

Eine Anmeldung ist erforderlich unter Telefon 0160-90260153 oder E-Mail sattlereva@gmx.de.

Eine Reise in längst vergangene Zeiten: Zehn Museen waren bei der Überwälder Traumnacht „in Aktion“

Es war wie eine Zeitreise 50, 80 oder 100 Jahre zurück: Eine alte Registrierkasse erinnerte an Kaiser- und Weimarer Zeit, der Gemischtwarenladen ließ die Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg lebendig werden: Das Museum für historische Reklame und Läden bietet auf kleinstem Raum einen Blick zurück in die Zeit zwischen 1900 und 1960, lässt die Besucher in Nostalgie schwelgen.

Und davon waren es viele während der Überwälder Traumnacht, die einen Blick in einen der vier Original-Läden mit den Artikeln aus eben dieser Zeit werfen wollten. Das Museum war aber nur eine von vier Stationen in Hammelbach, die bei der Traumnacht die Gäste in Scharen anlockten. Zusammen mit einem ansprechenden Rahmenprogramm war dafür gesorgt, dass sich die Besucher vor allem in hinteren Bereich der Schulstraße bis weit in die Nacht aufhielten.

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Die Leidenschaft für alte Sachen entwickelte Peter Heiß bereits in seiner Jugend. Vor 20 Jahren fiel ihm das erste Emaille-Reklameschild in die Hände. Von da an wusste er: „Davon muss ich mehr haben.“ Als es im eigenen Haus immer enger wurde, folgte 2011 der Entschluss, einen Laden einzurichten. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, genauso wenig wie die Resonanz: Immer mehr Stücke erforderten eine Erweiterung.

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Nachdem Garage und Werkstatt als neue Räume umgebaut worden waren, sind seit Frühjahr 2014 hunderte Original-Artikel und zahlreiche Emaille-Reklameschilder in historischem Ambiente am Ende der Schulstraße zu finden. Dr.-Oetker-Puddingpulver, noch volle Coca-Cola-Flaschen, Zopfspangen, Persil-Waschmittel und unzählige andere Waren aus alten Tante-Emma-Läden gibt es hier zu bestaunen.

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Auch Fritz Röth ist jemand, der sich mit Herz und Seele einer Sache verschrieben hat: dem Motorrad. Seit 1873 gibt es bereits die Firma in Familienhand, zu den Hoch-Zeiten war man in Deutschland Generalimporteur für 40 Motorradmarken und vertrat 800 Händler. „Mein Herz hängt an den alten Maschinen“, sagt Fritz Röth, als er vor einem Moto Guzzi-Gespann aus dem Jahr 1934 steht. „Die läuft noch wie eine Eins“, meint er stolz über diesen Blickfang vor dem Eingang des Motorradmuseums.

Dort gab es daneben alte Modelle von Suzuki oder Ducati zu sehen, aber auch Trophäen von ZR-Fahrern, einstigen Deutschen Meistern, Vize-Weltmeistern und mehr. Denn die Röths statteten immer auch die Rennteams aus – oder saßen wie Fritz Röth selbst oft genug im Sattel.

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Als wäre es heute, erinnert sich Röth an seine erste Begegnung mit der Faszination Motorrad zurück: Als Elfjähriger musste er eine Miele mit 98 ccm und 3 PS von Weschnitz zur Werkstatt schieben. „Nachdem der Bürgermeister zuvor mit ihr in den Graben gefahren war“, schmunzelt er. Nach ausgiebigem „Beschnuppern“ setzte er sich selbst auf die Maschine und zuckelte über die Wiese des Nachbarn. Danach war Röths Weg quasi „vorgezeichnet“: Bereits als 14-Jähriger fuhr er mit einer 125er NSU Rennen mit.

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Unweit des Motorradmuseums, im alten Schultheißenhaus, zeigten die Eisenbahnfreunde in ihren Vereinsräumlichkeiten neben alten Eisenbahnutensilien mehrere Modellbahnanlagen. Sechs bis acht echte Bastler gibt es in ihren Reihen. Verschiedene „Spuren“, wie die Gleisbreiten der Modelleisenbahnen heißen, finden sich bei den im Zimmer untergebrachten Anlagen. Dazu zählt auch eine alte „Spur 0“ von Märklin, die „Mutter aller Modelleisenbahnen“ und erste von der Firma hergestellte aus der Vorkriegszeit. Eine Spur N ist ebenso dabei wie die Spur G, wobei das G für Gartenbahn steht.

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„Licht, Bilder und Skulpturen“ hieß es in der evangelischen Kirche, während oberhalb in der gotischen Kapellruine alle halbe Stunde klassische Musik gespielt wurde. Nachtwächter Aloys Dörr hatte zwei al am Abend „volles Haus“. Jeweils fast 30 Gäste wollten seine Rundtour entlang der nostalgisch beleuchteten Museumsmeile mit dem Pranger sowie Abstechern in die benachbarten Gassen verfolgen.

Im historischen Zent-Rathaus in der idyllischen „Gass“ ist in Wald-Michelbach das Heimatmuseum untergebracht. „Der Wald als Lebensgrundlage des Überwaldes“ und die größte Kleiderbügel-Sammlung Deutschlands waren dort zu sehen. Landwirtschaftliche Gegenstände, Sattlerwerkzeuge, eine Schuhmacherwerkstatt, ein kleiner Schulsaal, die Bergbauabteilung mit Mineralien-Sammlung, das „Adam-Karrillon-Zimmer“ und vieles mehr gab es zu entdecken. Im Stoewer-Museum wird das Wirken der Automobil-Pioniere Stoewer in Stettin gewürdigt wird.

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Das Einhaus war das Zentrum der Überwälder Traumnacht. Hier herrschte bis nach Mitternacht, als die beeindruckende Lasershow über die Bühne gegangen war, ein stetes Kommen und Gehen. Der Backofen glühte auf Hochtouren, spuckte, von Dieter Kunkel bedient, ein ums andere Brot und Flammkuchen aus. Das Lapidarium, die Sammlung bearbeiteter historischer Steine, wurde mit Einbruch der Dunkelheit schön illuminiert. Die „Travellers“ unterhielten dazu ihr Publikum bestens.

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Die Museums-Druckerei im Heag-Turm am Wetzkeil wurde 2002 eingerichtet und vermittelte einen guten Eindruck von der Arbeit einer Druckerei Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhundert. Sie umfasst eine komplette Setzerei, die Druckerei und die Buchbinderei. In der Aschbacher Heckenmühle konnte man an Führungen durch das historische, seit 1996 stillgelegte Mühlengebäude teilnehmen und die modernen Anlagen besichtigen. Bei Einbruch der Dunkelheit wurde das weitläufige Gelände mit vielen Windlichtern und Lagerfeuern romantisch beleuchtet.

In der Gustav-Adolf-Kirche Affolterbach wurden Lieder aus verschiedenen Ländern und Zeitepochen gespielt. Begleitend konnten Interessierte Informationen zur Geschichte der Jugendstilkirche von Prof. Friedrich Pützer aus dem Jahre 1906 erhalten. Die katholische Kirche St. Bonifatius Ober-Abtsteinach war erstmals Gastgeberin. Führungen in der im 17. Jahrhundert erbauten, stattlichen Barock-Kirche gaben Gelegenheit, die Besonderheit dieses Kleinods zu würdigen.

Gleich zehn „Museen in Aktion“ bei der Überwälder Traumnacht am 11. Juli

Die „Überwälder Traumnacht“ lockt am Samstag, 11. Juli, als gemeinsame Kultur-Veranstaltung der drei Überwald-Gemeinden die Menschen in die Museen der Region. Präsentiert werden dabei kulturelle Schätze in lebendiger und anschaulicher Weise. Musikfreunde, Museums- und Kleinkunstliebhaber kommen bei den vielen verschiedenen Programmpunkten von 18 bis 24 Uhr an, in und zwischen den teilnehmenden Museen voll auf ihre Kosten.

Eine bunte Palette interessanter Künstler, Führungen in den verschiedenen Museen und kulinarische Köstlichkeiten sollen auch die 8. Traumnacht zu einem einzigartigen Erlebnis machen. Um alle Stationen bequem erreichen zu können, sind Shuttlebusse und ein Planwagen im Einsatz. Deren Nutzung sowie der Besuch der Museen und das umfangreiche Rahmenprogramm sind kostenlos. Durch den Erwerb eines Filzanhängers für drei Euro können die Gäste einen Kulturbetrag zur Traumnacht leisten. Damit helfen sie mit, dass auch zukünftig ein hochwertiges und abwechslungsreiches Programm bei weiterhin freiem Eintritt ermöglicht wird.

Wald-Michelbach: Im historischen Zent-Rathaus in der idyllischen „Gass“ ist das Heimatmuseum untergebracht. „Der Wald als Lebensgrundlage des Überwaldes“ und die größte Kleiderbügel-Sammlung Deutschlands sind dort zu sehen. Landwirtschaftliche Gegenstände, Sattlerwerkzeuge, eine Schuhmacherwerkstatt, ein kleiner Schulsaal, die Bergbauabteilung mit Mineralien-Sammlung, das „Adam-Karrillon-Zimmer“ und vieles mehr gibt es zu entdecken.

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Im April 2002 eröffnete Manfred Bauer das private Stoewer-Museum in Wald-Michelbach, in dem das Wirken der Automobil-Pioniere Stoewer in Stettin gewürdigt wird. Neben wundervoll restaurierten Oldtimern sind hier auch Fahrräder sowie Näh- und Schreibmaschinen sowie zahlreiche weitere Exponate aus der Zeit zu sehen.

Das Einhaus ist ein in Wald-Michelbach wiederaufgebautes, typisches Odenwälder Bauernhaus um 1800. Nebenan gibt es das Lapidarium, eine Sammlung bearbeiteter historischer Steine mit Baumkelterstein, Apfelquetsche, Brunnentrögen, alten ausgelaufenen Grenzsteinen, Mühlstein, Kollergangstein und eine seltene Sandsteinbrücke zu sehen. Im Backhaus ist Brotbacken oder Blechkuchenherstellung wie anno dazumal möglich.

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Die Museums-Druckerei im Heag-Turm am Wetzkeil wurde 2002 eingerichtet und vermittelt einen guten Eindruck von der Arbeit einer Druckerei Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhundert. Sie umfasst eine komplette Setzerei, die Druckerei und die Buchbinderei. Druckvorführungen und Papierschöpfen vermitteln die Handwerkskunst der damaligen Zeit.

Aschbach: Die idyllisch gelegene Heckenmühle bei Aschbach wurde 1654 erstmals genannt. 2006 wurde das Anwesen von der Familie Schumacher übernommen und vor allem energietechnisch auf den neuesten Stand gebracht. Es besteht die Möglichkeit, an Führungen durch das historische, seit 1996 stillgelegte Mühlengebäude teilzunehmen und die modernen Anlagen wie Wasserrad, Photovoltaikanlage, Pelletkessel, solare Wärmegewinnung und Elektrofahrzeuge zu besichtigen. Bei Einbruch der Dunkelheit wird das weitläufige Gelände mit vielen Windlichtern und Lagerfeuern romantisch illuminiert. Bewirtung mit Odenwälder Spezialitäten, Lagerfeuer mit Stockbrot.

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Affolterbach: In der Gustav-Adolf-Kirche werden Lieder aus verschiedenen Ländern und Zeitepochen auf einem Dudelsack gespielt. Dazu hören die Gäste passende Geschichten, Märchen und Gedichte. Begleitend können Interessierte Informationen zur Geschichte der Jugendstilkirche von Prof. Friedrich Pützer aus dem Jahre 1907 erhalten. Vor und nach den Veranstaltungen warten auf die Gäste mediterrane Köstlichkeiten.

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Ober-Abtsteinach: Die katholische Kirche St. Bonifatius ist in diesem Jahr erstmals Gastgeberin. Führungen in der im 17. Jahrhundert erbauten, stattlichen Barock-Kirche geben Gelegenheit, die Besonderheit dieses Kleinods zu würdigen. Im benachbarten Rathaus sind Bilder und Skulpturen einiger Schüler von Martin Hintenlang zu besichtigen. Ein musikalisches Unterhaltungsprogramm, traditionelle Speisen und Getränke runden das Angebot ab.

Hammelbach: Im Motorradmuseum Röth werden historische Motorräder ab dem Jahr 1925 sowie Urkunden und Schriftwechsel mit der Firma Opel in Rüsselsheim seit dem Jahr 1899, als diese noch Fahr- und Motorräder baute, präsentiert. Zeithistorische Dokumente des Unternehmens und seiner Geschäftspartner wie Suzuki, Ducati oder Moto Guzzi, für die Röth Generalimporteur in Deutschland war, geben Einblicke in die Entwicklung des internationalen Motorradrennsports.

Außerdem gibt es Schnittmodelle wie Wankel-Motoren, Rennmaschinen von Ducati, Horex, ein seltenes Gespann von Moto Guzzi, Trophäen von ZR-Fahrern, einstigen Deutschen Meistern, Vize-Weltmeistern und mehr zu sehen. Vor dem Museum ist ein Spalier von gepflegten Renn- und Serienveteranen der Hammelbacher Motorradfreunde zu bewundern.

Unweit des Motorradmuseums, im alten Schultheißenhaus, zeigen die Eisenbahnfreunde in ihren Vereinsräumlichkeiten neben alten Eisenbahnutensilien mehrere Modellbahnanlagen. Speziell für Kinder bietet sich die Möglichkeit, selbst einen Zug über die Anlage zu steuern.

Die von den Einheimischen liebevoll als Museumsmeile bezeichnete Schulstraße hat am Abend der Traumnacht Einiges zu bieten: Vom Motorradmuseum ausgehend vorbei am Eisenbahnmuseum gelangt man direkt zur evangelischen Kirche, wo 2015 erstmals eine Veranstaltung mit dem Titel „Licht, Bilder & Skulpturen“ zu sehen ist. Gegenüber liegen die gotische Kapellruine sowie der Pranger. Besucher können an Führungen mit dem Nachtwächter entlang der nostalgisch beleuchteten Meile teilnehmen und dürfen die eine oder andere Überraschung erwarten.

Im Kleinen Museum für alte Läden und Reklame heißt es „Shopping wie vor 100 Jahren…“. Dr.-Oetker-Puddingpulver, noch volle Coca-Cola-Flaschen, Zopfspangen, Persil-Waschmittel und unzählige andere Waren aus alten Tante-Emma-Läden gibt es hier zu bestaunen. Beachtlich ist auch die Sammlung originaler Emaille-Reklameschilder. Dieses Jahr bietet das Museum nach umfangreichen Umbaumaßnahmen gleich vier Original-Läden aus verschiedenen Epochen. Während die Musiker von „Bonanzaz“ kräftig einheizen, gibt es deftiges Essen und Kulinarisches von den Odenwälder Feinen Bränden und der Weschnitztaler Braumanufaktur.

Info: http://www.überwälder-traumnacht.de

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