Die Grund- ist jetzt Ganztagsschule

Ratten tummeln sich nicht nur im Ort, sie machten auch mit ihrem Heißhunger auf Abwasserleitungen die Grundschule Schimmeldewog für ein halbes Jahr zur Baustelle. Wie Ortsbeirätin Martina Tavaglione informierte, sind die angefressenen Räume seit Ende vergangener Woche wieder nutzbar, sodass dem Schuljahresbeginn am Montag nichts mehr im Weg stand. Die Sanierung durch den Kreis Bergstraße dauerte länger als gedacht, sodass Schüler und Lehrer bis zu Ferien in die Provisorien ausweichen musste.

Nicht nur die Räume sind jetzt wieder neu, auch das Schulkonzept erfuhr einen grundlegenden Wandel: Die Grund- ist jetzt Ganztagsschule. „Es ging auch darum, konkurrenzfähig zu bleiben“, erläuterte Tavaglione. Denn der Bedarf und die Nachfrage nach einer Ganztagsbetreuung hatten in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen. Träger ist der Verein Purzel aus Fürth, Start soll an diesem Mittwoch sein.

In der Zeit von 7.45 bis 14.45 Uhr finden Unterricht und Betreuung kostenlos statt. Was darüber hinaus bis 16 Uhr geht, ist kostenpflichtig. Ein Mittagsessen schlägt mit vier Euro zu Buche, so die Ortsbeirätin. Es soll Ruhepausen geben, Hausaufgabenbetreuung, AGs wie die Bienen, Projekte, aber auch Vertiefung des vormittäglichen Unterrichts. Zwischen 30 und 40 Kinder sind aktuell für das kostenlose Nachmittagsangebot angemeldet, 20 davon für die restliche Zeit.

Im vergangenen Schuljahr zählte man 66 Erst- bis Viertklässler, wovon 19 auf weiterführende Schulen abgingen. 21 wurden neu angemeldet, neben den zwölf aus dem örtlichen Kindergarten auch neun von außerhalb, etwa Wald-Michelbach, Mengelbach oder Langenthal. Das belegt laut dem Lehrerkollegium die weiterhin bestehende große Nachfrage nach der in Schönmattenwag praktizierten Unterrichtsmethode mit Freiarbeit.

Ferienbetreuung ist an vier Wochen im Jahr geplant, sagte Tavaglione. Hier denkt man an eine Zusammenarbeit mit dem Kindergarten, um sie direkt vor Ort anbieten zu können. Denn die Betreuung ist in Schönmattenwag in der Regel nicht sehr stark besucht. Sonst müssten die Kinder vielleicht an andere Grundschulen in Wald-Michelbach ausweichen.

Auf der Ortsbeiratssitzung wurde daneben von Doris Falter der Saustall an der Neuwald-Schutzhütte angesprochen. Die liegt außerhalb von Ober-Schönmattenwag an der Straße Richtung Raubach und ist ein herrliches Plätzchen. Wenn sie nicht zugemüllt ist. Die Hütte ist von feiernden Jugendlichen stark frequentiert, weiß sie. Diese wurden vergangenes Jahr auch schon direkt angesprochen, doch für Ordnung zu sorgen. „Aber dieses Jahr gab’s schon wieder Sauerei.“

Falter ärgert vor allem die Masse an Zigarettenstummeln, die sich auf dem Waldboden wiederfinden. Und das neben dem Umweltaspekt in Zeiten hoher Waldbrandgefahr. „Wir haben gefühlt tausende eingesammelt“, schildert sie. Die Sache wurde bereits dem Ordnungsamt gemeldet. Man versuche es noch im Guten und hoffe auf Einsicht. Sie wie auch Ortsvorsteher Hans-Dieter Martin ließen aber keinen Zweifel daran, dass am Ende auch eine Anzeige stehen könnte, die dann eine dicke Rechnung für die Beseitigung nach sich zieht. Denn: „Wir wissen, wer dafür verantwortlich ist.“

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Grundschüler erarbeiteten sich die Oper selbst

Es gab durchweg positive Rückmeldungen nach den beiden Aufführungen. „Wir waren sehr zufrieden“, sagte Lehrer Matthias Dautel. Es war für die komplette Grundschule Schimmeldewog eine super Woche, „in der wir wieder gemerkt haben, was man mit so tollen Kindern, Eltern und Kollegen auf die Beine stellen kann“, meinte der Pädagoge zum Werden des Stücks „Papageno und die Zauberflöte“. Bei dem zeigten die Grundschüler in Zusammenarbeit mit der Tourneeoper Mannheim (TOM) die Entstehung einer Oper in all ihren Facetten auf.

„Am Anfang klang das Opernsingen total komisch“, hieß es aus Kindermund. „Wir haben uns darüber lustig gemacht.“ Am Schluss, nach vier konzentrierten Tagen des Übens und zwei 80-mintüigen Aufführungen, klang das aber ganz anders: „Jetzt will ich auch so cool singen können“, so der Wunsch einer Schülerin. In fünf Gruppen waren die 66 Grundschüler die ganze Woche aktiv und leisteten in der kurzen Probenzeit Erstaunliches. Was aber auch damit zu tun hat, dass solche Projekte in der Grundschule bereits eine große Tradition haben. Zuletzt führte die Schüler im vergangenen Sommer ein Theaterstück auf.

Beide Vorstellungen waren sehr gut besucht. Nicht nur Eltern, auch viele Schimmeldewäer und Zuschauer aus anderen Ortsteilen wohnten den Präsentationen im Haus des Gastes bei. „Die Kinder sollen nicht nur die Präsentation, sondern auch das Entstehen einer Oper kennenlernen“, erläuterte Tanja Hamleh von der Tourneeoper im Gespräch. Die ausgebildete Sopranistin betonte die Zusammengehörigkeit als Grundstock der Arbeit: Alles baut aufeinander auf und alle sind aufeinander angewiesen. Zusammen mit Alishia Funken und Marc Schwämmlein begleitete sie die Woche.

Mit Kinderopern war Hamleh schon des Öfteren im Überwald, mit dieser Art Workshop das erste Mal in Schönmattenwag. „Die Kinder arbeiteten die ganze Woche in ihren Rollen“, erklärte sie die Vorbereitung. Jeder Schüler konnte sich die Rolle aussuchen. Es ging darum, dass die Heranwachsenden „nicht nur die Präsentation, sondern auch das Entstehen einer Oper kennenlernen“.

Die besonderen schweren Passagen wurden dabei von den ausgebildeten Opernsängern Alishia Funken und Marc Schwämmlein unterstützt. Der Schulchor wiederum hatte eigene Stücke einstudiert. Im Vorfeld der Probenwoche wurden die Texte verteilt und die Einteilung vorgenommen.

Die Grundschule ist „fast seit den Anfängen der Tourneeoper mit dabei“, sagte Schulleiterin Simone Hentschel-Gärtner. Sie würdigte das „sehr durchdachte Konzept“. Die Kinder hatten lediglich drei Wochen Zeit, ihre Rollen zu lernen – und wechselten sie zwischendurch sogar noch einmal. Gerade für die Viertklässler sei das „zum Abschluss des Schuljahres eine große Chance, in die Opernwelt reinzuschnuppern“, freute sie sich.

Hentschel-Gärtner bezeichnete die Woche als „sehr wertvoll aus pädagogischer Sicht“. Aus vielen kleinen Einzelteilen wird ein Gesamtprojekt gestaltet. „Jeder bringt sich mit seinen Stärken ein.“ Die Grundschüler können „ihre Grenzen abstecken“, weil das Stück sehr anspruchsvoll ist. Andererseits merken sie aber auch: „Ich kann es schaffen.“ Was wiederum das Selbstwertgefühl stärkt. „Aus vielen kleinen Einzelteilen wird ein Gesamtprojekt gestaltet“, meinte sie.

Über die Jahre hinweg betrachtet notierte Hentschel-Gärtner, wie sich die Erstklässler erst an kleinere Rollen trauten, sich beim nächsten Durchlauf schon an eine größere wagten und als Viertklässler dann richtig Selbstvertrauen gefasst hatten. „Das ist wie ein Schnellballsystem“, lachte sie. „Die werden richtig kompetent im Schauspiel.“ Es erfordert ihrer Beobachtung nach „ein hohes Maß an Eigendisziplin“, ein bestimmtes Ziel in einer bestimmten Zeit zu erreichen. Die Kinder leisteten in der Projektarbeit viel „und sind stolz darauf“.

Die Früchte der Arbeit sieht Hentschel-Gärtner, wenn sie Theater-Aufführungen an weiterführenden Schulen besucht. „Da sind oft unsere ehemaligen unter den Schauspielern“, schmunzelt sie. Das zieht sich wie ein roter Faden weiter. Auch bei den Sommerspielen Überwald sind frühere Schimmeldewäer Grundschüler inzwischen aktiv. „Das ist eine Bestätigung fürs Pädagogenherz“, gesteht sie. Die Lehrer, bei den sonstigen Aufführungen an vorderster Front aktiv, waren dieses Mal eher Helfer und durften „gespannt in andere Arbeitsweisen reinschauen“.

Hauptdarsteller

Erzähler: Leon, Papagena-Erzählerin: Fiona, Papageno-Erzähler: Ben, Tamino: Silas, Papageno-Geschichte: Emil, Papagena-Geschichte: Yasemin, Pamina: Melody, Sarastro: Daniel, Königin der Nacht: Giulia, alte Papagena: Lonia, drei Damen: Sophia, Marie, Carla, drei Knaben: Luke, Christian, Anthony, Reden/Intendanten: Tom, Aurelia

Grundschule Schimmeldewog bekommt Ganztagsangebot

Das neue Schuljahr wird einen großen Einschnitt in der Geschichte der Grundschule Schimmeldewog bedeuten. Sie wird zu einer Ganztagsschule, worauf das Pädagogen-Team schon einige Zeit hingearbeitet. Die entsprechenden Planungen laufen bereits länger. Bei den Schnuppertagen für die Vorschüler des Kindergartens St. Marien war natürlich auch das erweiterte Angebot Thema. Für die Eltern gab es die entsprechenden Informationen, während ihre Kinder von den Paten mit der Schule vertraut gemacht wurden.

Ein Teil des Ganztagsangebots, montags bis mittwochs immer bis 14.45 Uhr, wird durch ein Landesprogramm kostenfrei gestaltet, erläutert Matthias Dautel. Er bildet zusammen mit Simone Hentschel-Gärtner die Schulleitung. Die anderen beiden Tage und die Zeit bis 16 Uhr muss seinen Worten zufolge bezahlt werden. Aktuell läuft auch die Personalplanung für die Betreuer, die zusammen mit den Lehrern das entsprechende Angebot machen.

Es soll Dautel zufolge Ruhepausen geben, Hausaufgabenbetreuung, AGs wie die Bienen, Projekte, aber auch Vertiefung des vormittäglichen Unterrichts. Das Mittagessen wird über einen Caterer geliefert. In der mittelfristigen Planung des Kreises als Schulträger werde auch über den Neubau einer Mensa nachgedacht. Wie der Pädagoge sagt, sind derzeit zwischen 30 und 40 für das kostenlose Nachmittagsangebot angemeldet, 20 davon für die restliche Zeit.

Derzeit zählt die Grundschule 66 Kinder, wovon 19 zum Ende des Schuljahres auf weiterführende Schulen abgehen. 21 kommen wieder dazu, neben den zwölf aus dem örtlichen Kindergarten auch neun von außerhalb, etwa Wald-Michelbach, Mengelbach oder Langenthal. Das belegt laut Dautel die weiterhin bestehende große Nachfrage nach der in Schönmattenwag praktizierten Unterrichtsmethode mit Freiarbeit.

Dautel findet es gut, „Schule so zu denken, dass auch nachmittags Unterricht stattfindet“. Denn damit kann man den Kindern mehr Zeit geben, das Gelernte zu vertiefen, andererseits durch ein freiwilliges Angebot Ort, Wald und Natur mehr zu integrieren. Mit einer Thematik könne man sich so in mehreren Stunden beschäftigten, was im regulären Unterricht sonst schwieriger sei. Außerdem wird der Ganztagsunterricht teilweise vom Klassenlehrer gehalten, womit dieser in der Lage ist, vormittags angeschnittene Punkte zu vertiefen.

Der Pädagoge weiß um den Bedarf von Ganztagsunterricht „auf dem Land“. Längst arbeiten auch hier beide Elternteile und sind deshalb auf die Betreuung ihrer Sprösslinge angewesen. „Das wird immer mehr nachgefragt.“ Dautel rechnet damit, dass die Nachfrage eher noch steigen wird. Er weist darauf hin, dass es sich um eine „Erweiterung des Lernangebots“ handelt. Eine Referendarin hat bereits neu in der Schule angefangen, Lehrpersonal fürs nächste Schuljahr wird noch gesucht. „Die Mittel dafür sind bereits genehmigt“, lächelt Dautel.

Zwölf neue ABC-Schützen wird die Grundschule Schimmeldewog im kommenden Schuljahr vom örtlichen Kindergarten St. Marien aufnehmen. Damit die sich gleich im neuen Umfeld zuhause fühlen und weniger Eingewöhnungsschwierigkeiten haben, gibt es für die baldigen Erstklässler im ausgehenden Schuljahr drei Schnuppertage im Abstand von zwei bis vier Wochen. Diese haben sich bestens bewährt und machen den Start in den „Ernst des Lebens“ leichter. Denn genau davor soll ihnen die Angst genommen werden – was nach Rückmeldung aus der Elternschaft auch sehr gut gelingt.

Im Kindergarten gibt es spezielle Vorschulprojekte, in die sich die angehenden Schüler einwählen dürfen, erläutert Leiterin Sabine Heutz. Da geht es unter anderem um die Polizei mit einem Besuch der Station in Wald-Michelbach oder das Erbacher Krankenhaus, wo Mutter und Opa eines Kindes arbeiten. „Alle sind richtig fit und fordern mehr“, hat Heutz beobachtet, dass die zwölf jetzt in der Schule gut aufgehoben sind. Fürs Abschiedsfest überlegten sie sich selbst ein Programm, üben ein Theaterstück ein und basteln die Requisiten selbst.

„Wir sind voll belegt“, gibt es laut der Kindergartenleiterin eine ständige Nachfrage nach freien Plätzen. Sie rechnet deshalb damit, dass es auch im kommenden Jahr wieder eine ähnliche Zahl Schulanfänger geben wird. Berührungsängste in der Schule gibt es nicht. Die „Neuen“ werden von ihren Paten an die Hand genommen und herumgeführt, mit der Freiarbeit vertraut gemacht. „Die sind begeistert, voller Vorfreude, neugierig“, hat Sabine Heutz beobachtet.

Schreiben lernen, ein Buch lesen, Kräuter bestimmen oder Zahlen in Mathe erforschen heißen die ersten Aufgaben der Schulanfänger, erläutert Matthias Dautel. Ziel ist es, einen fließenden Übergang zu gestalten. Den schaffen die angehenden Erstklässler in der Regel leichter als ihre Eltern. „Die Kinder haben viel weniger Probleme beim Loslassen“, hat der Pädagoge beobachtet.

Was den Kindern hilft, hilft aber auch den Lehrern. Denn nach der großen Pause gibt es eine „Schulstunde“, in der zusammen ein Bilderbuch gelesen oder etwas gebastelt wird. Während Dautel den Unterricht gestaltet, sind drei Kolleginnen dabei, die sich die neuen Erstklässler genau anschauen, um bereits einen Eindruck davon zu bekommen, was der eine oder die andere im kommenden Schuljahr vielleicht brauchen könnte.        Symbolbild

Bücher haben nichts von ihrer Faszination verloren

Lesen ist bei den Grundschülern in. Aber natürlich darf die sanfte Hinleitung zu dieser „Old-School-Wissensaufnahme“ nicht fehlen. Hier sind neben der Grundschule Schimmeldewog auch die Eltern gefragt, die im Wald-Michelbacher Ortsteil super mitziehen. Deshalb ist die Buchausstellung jedes Schuljahr „eine feste Bank“ im Veranstaltungskalender und immer sehr gut besucht. Da gerade der Mehrzweckraum saniert wird, wichen die Kinder dieses Mal in die verschiedenen Klassenräume aus.

Wie lange es bereits die Buchausstellung gibt, lässt sich nicht mehr feststellen. Aber mehrere Jahrzehnte. In diesen hat – trotz Fernsehen, Internet und Smartphone – das Gedruckte noch nichts von seiner Faszination verloren. Seit Anfang an ist auch die Buchhandlung Arb aus Schönau mit dabei und stellt die verschiedenen Werke zur Verfügung. Die neueste Kinder- und Jugendliteratur für die Klassen 1 bis 5 gibt’s neben den aktuellsten Kinderspielen dann zu sehen und zu kaufen. „Die Veranstaltung wird immer sehr gut angenommen“, freut sich Peter Arb.

„Bücher für alle Altersklassen“ haben die Arbs eingepackt. Das waren etwa Exemplare aus der Reihe des „Magischen Bauhauses“ von Mary Pope Osbourne für die für die Kleineren – mit großer Schrift und einigen Illustrationen. Oder Geschichten von „Petronella Apfelmus“ für die etwas Älteren und „Gregs Tagebücher“ für die Größeren, die langsam auf die Pubertät zugehen. Richtung weiterführende Schule kommt bei den Jungs Fantasy ins Spiel. Bei den Mädchen bahnen sich die ersten zarten Liebesromane an, aber auch die Einhorn-Geschichten stehen weiter hoch im Kurs.

Peter Arb hat festgestellt, dass Sachbücher immer angesagt sind. Und das in allen Grundschul-Klassen. „Mehr als die Belletristik“, weiß er. Da geht es um Pferde, Religion, Experimente, Feuerwehr oder Dinosaurier. Alles kind- und jugendgerecht aufbereitet. Aktuell sehr stark nachgefragt: die Kreativ-Kratzelbücher. Bei den Ausgaben für Jungs finden sich dann eher Krokodile oder Fahrzeuge drauf, bei denen für Mädchen Ponys.

„In Schönmattenwag sind die Kinder sehr lesebegeistert“, hat Arb bemerkt. Das ist heutzutage keineswegs mehr selbstverständlich. Seiner Beobachtung nach hat das auch viel mit den Eltern zu tun. Und die sind an der Grundschule hinterher, dass ihre Sprösslinge kräftig schmökern. Allgemein, hat der Buchhändler nämlich beobachtet, geht die Lesefreudigkeit der Kids zurück. „Aber hier ist sie konstant“, sagt er.

„Die Buchausstellung ist immer sehr besucht“, weiß Matthias Dautel, der zusammen mit Simone Hentschel-Gärtner derzeit die Schule leitet. „Die Kinder lieben es zu stöbern.“ Die Eltern wiederum sind dankbar über Tipps, welche Literatur dem Nachwuchs gefallen könnte. Die lieb gewordene Tradition, neue Bücher vorzustellen, „fügt sich positiv ins Schulleben ein“, hebt er hervor.

„Für uns ist das ein wichtiger Baustein im Rahmen der Leseförderung“, so Dautel. Denn die wird groß geschrieben. „Wir wollen die Lesefreude wecken“, betont der Pädagoge. So haben die Schüler täglich in der Freiarbeitszeit die Möglichkeit zu lesen, können dazu auch eigene Bücher mitbringen, selbst Geschichten schreiben und diese den anderen vorlesen. Die Zeiteinteilung obliegt dabei ihnen.

Zwei Wochen hatten die Grundschüler im Vorfeld Zeit, in vier Projektgruppen den Tag vorzubereiten. Es ging ums Bücher binden, Papierschmuck und Buchkunst, letzteres angeleitet von Isabel Fontius. Seit diesem Schuljahr wieder in Betrieb ist die Schuldruckerei, betreut von Sabine Metz. „Wir wollen den Stellenwert des Lesens im digitalen Zeitalter hochhalten“, hob Dautel hervor. Wenn im kommenden Schuljahr das Ganztagsprogramm startet, wird auch das Lesen ein Schwerpunkt sein.

Märchenerzählerin Lisa Helfrich-Wolf aus Siedelsbrunn hatte ein Schulzimmer zu einem geheimnisvollen Raum umgestaltet, in dem sie den verschiedenen Klassen abenteuerliche Geschichten erzählte. Die Schüler waren direkt ins Märchen eingebunden und fieberten mit. Selbst die „coolen“ Viertklässler, die zu Beginn gewisse Vorhalte hatten („Märchen sind doch was für Babys“), kamen völlig begeistert wieder aus.

Wie immer, wenn es an der Grundschule eine Veranstaltung gibt, ist der Förderverein bei der Bewirtung mit im Boot. Er kann dabei auf die große Unterstützung der Eltern zählen, die die Kuchentheke gut bestückten und auch beim Verkauf halfen. Der Erlös soll gespendet werden. Die Schüler recherchierten dazu im Internet und wollen auf der kommenden Schulkonferenz vor den Osterferien entscheiden, wohin das Geld geht.

Schöner Abschluss eines anstrengenden Jahres an der Grundschule

„Sehr gut besucht und eine tolle, besinnliche Atmosphäre“. So fasste Simone Hentschel-Gärtner den ersten kleinen Weihnachtsmarkt zusammen, den die Grundschule Schimmeldewog auf ihrem Schulhof veranstaltete. Das Orga-Team hatte Stehtische, Feuertonnen und –schalen sowie Sitzgelegenheiten organisiert, damit es trotz des kalten Wetters richtig schön gemütlich wurde. Kerzen und ein Weihnachtsbaum rundeten das weihnachtliche Ambiente ab.

Alles lief auf Spendenbasis: Wer sich an den verschiedenen Verpflegungsmöglichkeiten bediente, durfte etwas in die dafür vorgesehenen Dosen zugunsten des Fördervereins werfen. Die Betreuung, geleitet von Corina Mähler, Stephanie Weihrauch und Marco Amico, bot selbstgebackene Plätzchen an. Andere kulinarische Spezialitäten wurden über den Förderverein organisiert. Die Eltern gestalteten ein kleines Büffet, das in der Aufführungspause eröffnet wurde. Dazu gab es heiße Getränke wie Chai-Tee und warmen alkoholfreien Punsch sowie Kaffee.

Die beiden Schulsprecher Silas Brand und Aurelia Bogs führten durchs Programm, Jacob Abeln moderierte und sagte die Aufführungen an. „Die haben sich toll entwickelt“, freute sich die kommissarische Schulleiterin. Von den Eltern und Großeltern bekam Hentschel-Gärtner sehr positive Rückmeldungen.

Das Programm gestalten die Kinder selbst und holten sich dabei bei Bedarf Unterstützung durch die Lehrer. Die Veranstaltung wurde nicht nur mit Weihnachtsliedern eröffnet, sondern klang auch mit diesen aus. Musiklehrerin Anna Bachner hatte sie im Unterricht und beim Montagssingen eingeübt. Zwischendrin gab es zwei kleine Sketche der Theater-AG, die von Hentschel-Gärtner und Petra Schuhmann betreut wird.

Einige Schüler aus der vierten Klasse spielten auf ihren Instrumenten, unterstützt von ihrem Klassenlehrer Matthias Dautel. Von den Flexklassen gab es etwas auf der Flöte zu hören. Schüler der dritten Klasse trugen Gedichte vor, die ihre Klassenlehrerin Isabel Fontius mit ihnen eingeübt hatte. „Die Feier kam sehr gut an“, sagte Hentschel-Gärtner. Deshalb soll es auch eine Fortsetzung geben, aber nicht unbedingt im jährlichen Rhythmus. Denn Ende kommenden Jahres laufen gerade die Vorbereitungen für das große Theaterprojekt im Jahr 2020.

Die kommissarische Leiterin verdeutlichte, „dass wir kommendes Jahr auf jeden Fall wieder am Weihnachtsmarkt im Ort teilnehmen werden“. Das war dieses Mal aus organisatorischen, internen Gründen leider nicht möglich. Die schulische Veranstaltung, sehr kurzfristig angerannt und von den Kindern auf die Beine gestellt, war „ein schöner Abschluss eines anstrengenden Jahres“, betonte sie. „Wir sind ein bisschen zusammengerückt.“

Grundschüler sollen „drucken statt daddeln“

„Wer will den Druck von Mika haben“, fragt Matthias Heinrichs in die Runde. Gleich gehen ein paar Finger der Grundschüler hoch. Denn das Werk ist schön bunt und farbenprächtig. Hergestellt hat er es im Rahmen der Druckwerkstatt, die für zwei Tage an der Grundschule Schimmeldewog zu Gast war. Heinrich und sein Kollege Walter Lutz vom Verein Schuldruckzentrum Darmstadt vermittelten dabei unter dem Motto „Drucken statt daddeln“ die gesamten Facetten dieses alten Handwerks.

Das Programm wird durch das hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst finanziert. Die beiden Vereinsmitglieder waren damit bereits im Taunus zu Gast und werden auch noch in den Odenwaldkreis nach Breuberg reisen. Das Besondere an der Schule in Schönmattenwag ist, „dass es noch eine alte Druckerei gibt, die nicht mehr genutzt wird“, so Heinrichs. Lehrer Matthias Dautel hakte hier ein und ergänzte, dass diese aber reaktiviert werden soll.

Als Verein habe es man sich zur Aufgabe gemacht, das Drucken an den Schulen wiederzubeleben. Denn vor dem Aufkommen des Computers war dies in den 80er und 90er Jahren noch an der Tagesordnung. Im Darmstädter Druckladen werden zu diesem Thema Fortbildungen angeboten, die ein Teil des Kollegiums aus Schönmattenwag besuchte. Der Kontakt kam durch den Schulverbund „Blick über den Zaun“ zustande, dem die Schimmeldewäer angehören. „Wir schauen nach Schulen mit einem nicht alltäglichen Ansatz“, so Heinrichs.

Er lernte als Grafikdesigner in den 70er Jahren noch das Buchstabensetzen mit Bleilettern. „Das war damals die aktuelle Technik“, schmunzelt Heinrichs. Der Drucker hat jedoch ein zweites berufliches Standbein: Lehrer. In dieser Tätigkeit kam er mit der Freinet-Pädagogik in Kontakt, in der die Schuldruckerei eine wesentliche Rolle spielte. „Das hat mich fasziniert“, sagt er.

Heinrichs freut sich darüber, dass sich auch viele junge Leute mit einem kulturpädagogischen Studiumshintergrund im Verein Schuldruckzentrum engagieren. Das dortige Druckmuseum sei dem hessischen Landesmuseum angegliedert, werde aber ein wenig stiefmütterlich behandelt, bedauert er. Dabei stellt er immer wieder fest, dass die Begeisterung der Kinder beim Drucken groß ist. „Das funktioniert einfach überall.“ Als Rückmeldung der Lehrer bekomme er, dass gerade schwierige Jungs bei der Beschäftigung damit aufblühen. „Wenn man ihnen was zu tun gibt, läuft es.“

Diese Einschätzung bestätigt sich beim Blick in die Klassenzimmer, wo ein reges Treiben herrscht. Heinrichs leitet die Kinder an, wie die Buchstaben sortiert werden. Melody gefällt an diesem Tag einfach alles, während Carl seine Freude am Rollen über die Buchstaben hat und wie sich dann die Farben auf dem Papier wiederfinden.

Für die Grundschule hat die Beschäftigung mit dem Drucken auch einen ganz praktischen Grund. „Die Kinder lernen dadurch besser die Rechtschreibung“, betont Dautel – wenn sie nämlich die Wörter entweder in Lettern oder überdimensional gedruckt vor sich haben. Große Texte „kann man nicht einfach am Computer setzen“, meint er. Dazu noch die Farben und die Herstellung: Fertig ist das tagesfüllende Programm, bei dem die Schüler nicht müde werden, ihre eigenen Kreationen herzustellen.

In den verschiedenen Räumen waren sie mit Buchbinden, Monotypien, Polystyroldruck, Papierschöpfen, Musterdruck und Stempelherstellung beschäftigt. So wurden etwa mit den Rollen die Platten beschichtet, um dann etwas hineinzuritzen und das Ergebnis zu drucken. „Man kann viel dabei herumexperimentieren“, deutet Dautel auf diverse kreative Ergebnisse abseits von manchen Schriftexperimenten. Farben und Linien ließen sich in großer Kreativität verwenden.

„Kulturkoffer“ nennt sich das Projekt, mit dem die Darmstädter zu Gast im Überwald waren. Für Lutz bedeutete es einen Besuch in der alten Heimat, denn ein Teil der Familie stammt von hier. Der „Letterdruck wie bei Gutenberg“ soll Grundschüler dazu anregen, Farbe und Techniken selbstständig zu verwenden und somit – wie es sich die Schule auch auf die Fahnen geschrieben – abseits eines starren Lehrplans sich bestimmte, sie interessierende Themen auf eigene Faust zu erarbeiten.

Info: Für die Wiederbelebung der Schuldruckerei sucht die Grundschule Schimmeldewog noch nach alten, größeren Lettern. Für Hinweise ist man dankbar unter Telefon 06207-2110.

Neu aufgestelltes Team und Nachmittagsbetreuung an der Grundschule Schimmeldewog

Alles neu macht das neue Schuljahr: An der Grundschule Schimmeldewog gab es einige Veränderungen. Mit einem neu aufgestellten Lehrerkollegium und dem Angebot einer Nachmittagsbetreuung blickt die kleine Grundschule jetzt optimistisch in die Zukunft. Zum Ende des vergangenen Schuljahres ging die langjährige Leiterin Sabine Herold in den Ruhestand. Das Auswahlverfahren für diese Stelle läuft. Derweil hat Simone Hentschel-Gärtner die kommissarische Schulleitung zusammen mit Matthias Dautel inne. „Es ist eine Art Neubeginn bei uns“, sagt sie.

Größte Veränderung im Schulalltag ist die Nachmittagsbetreuung, für die es in der Vergangenheit bereits mehrere Anläufe gab. Die konzertierte Aktion seit Ende des vergangenen Jahres, von Eltern des Kindergartens und der Schule zusammen mit dem Lehrerkollegium auf den Weg gebracht, führte jetzt zum Erfolg. Von 12 bis 16 Uhr gibt es montags bis freitags ein Angebot, das derzeit 18 Kinder aus den Klassen 1 bis 4 nutzen. Die Eltern können zwischen einem Besuch an drei oder fünf Wochentagen wählen.

Der Verein Kubus kümmert sich um die finanzielle Seite und die Einteilung des Personals. Das wird zum Teil über den Verein gestellt, zum Teil sind es externe Kräfte. Bei einigen Nachmittagsbetreuern ist der Kontakt zur Schule bereits gegeben, erläutert Hentschel-Gärtner. „Wir haben ein paar Leute vorgeschlagen“, sagt sie. Dazu zählen die Mutter eines ehemaligen Schülers und eine ehemalige Hospitantin. Andere Kräfte wiederum kommen über den Verein. Eine Erzieherin aus Elmshausen ist federführend tätig, die bereits dort in dieser Rolle agierte.

Zu ihnen stößt auch der ehemalige Schüler Marco Amico, der nach seinem Abitur am Überwald-Gymnasium nun an der Grundschule seine Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) macht. „Das trifft sich super, denn er kennt unsere Strukturen“, freut sich Hentschel-Gärtner. Amico wird sowohl im morgendlichen Unterricht als auch in der Nachmittagsbetreuung eingesetzt. Daneben ist es seine Aufgabe, unterstützt von den Eltern das Frühstück zu organisieren.

Das pädagogische Konzept des selbständigen, projektorientierten Lernens „wird auch in den Nachmittag übertragen“, betont die kommissarische Schulleiterin die Kontinuität. Dann sollen auch diverse Projekte angeboten werden. Das reicht vom Besuch des Hufschmieds oder einer Maskenbildnerin bis hin zur Akrobatik. Interessierte Personen, die ehrenamtlich etwas zum Angebot beisteuern wollen, können sich mit der Schule in Verbindung setzen.

Die frühere Schulleiterin Sabine Herold „hat bereits signalisiert, dass sie uns bei Projekten weiterhin unterstützen wird“, betont Hentschel-Gärtner. „Sie kann noch nicht wirklich ohne uns“, lacht sie. Derzeit ist Herold zusammen mit Dautel und den neuen Viertklässlern auf der Nordseeinsel Föhr. Die Unterrichtsfahrt mit dem Hauptthema Weltkulturerbe Wattenmeer wird später auch im Unterricht aufgearbeitet und in einer Präsentation nach außen vorgestellt.

Von den 67 Schulkindern sind 14 Erstklässler. Die durften gleich bei der Honigernte mithelfen, denn die Schule hat drei eigene Bienenvölker. Etwa 20 Prozent der Schüler kommen mit einer Gestattung aus anderen Orten, was die Attraktivität der Grundschule unterstreicht. Um alle kümmern sich vier Vollzeit-Lehrkräfte. Als Unterstützung in den beiden Flex-Klassen ist weiterhin Petra Schumann mit zwölf Stunden in der Woche an der Schule tätig. Zwei weitere Personen sind mit je 20 Stunden in der Woche für die Schulbegleitung von Kinder zuständig, die eine speziellere Betreuung brauchen.

Der Schwerpunkt in diesem Schuljahr liegt laut Hentschel-Gärtner „auf der Zusammenführung des neuen Teams“, zu dem jetzt auch Anna Bachner und Roland Gottselig gehören. Sie haben sich mit Unterstützung des Teams schon in das Konzept eingearbeitet und werden hierzu auch in den nächsten pädagogischen Konferenzen eigene Impulse mit einbringen, um gemeinsam die Schulentwicklung voranzutreiben. In dieser Konstellation „haben wir zwei männliche und zwei weibliche Lehrkräfte“. Die kommissarische Leiterin bezeichnet dies „als ganz wertvoll“, weil dadurch ein anderer, ausgleichende Blick auf die Dinge gewährleistet wird. Musical- und Theaterprojekte sollen dann ab dem Schuljahr 2019/20 wieder aufgenommen werden.