„Wald-Michelbach in 16 Teilen“ als Aktion von Ingrid Scholz beim Atelierfest auf der Tromm

Egal wo die Besucher herkommen, wo sie leben, was sie vorher gemacht haben: Über die Kunst finden sie zusammen. 16 Teile hat das Bild „Wald-Michelbach“ von Ingrid Scholz. Sie verstreuten sich beim Atelierfest durch den Einzelverkauf in ganz unterschiedliche Ecken der Gemarkung und darüber hinaus. „Heimat ist kein bestimmter Ort“, meint deshalb die Künstlerin, die an diesem Tag des Trommer Bergfestes ihre Galerie für die Gäste öffnete. Sie sieht einen sozialen Zusammenhang zwischen den Menschen, die an einem Ort gemeinsam leben. Die Geografie tritt in den Hintergrund.

„Was passt als Bild ins Büro des Bürgermeisters“, fragte sich Ingrid Scholz zu Beginn ihrer Arbeit an diesem Werk. Die Antwort war für sie einfach: „Wald-Michelbach.“ Wer die Künstlerin kennt, weiß, dass dies natürlich nicht ein naturnahes Aquarell sein würde. Sie orientierte sich an David Hockney, ging aber weg von den konkreteren Waldbildern hin zum Abstrakten unter dem Einsatz hellerer Farben. Bach, Bäume, eine strahlende Sonne über dem Ort: Fertig war der malerische Dreiklang, den Scholz auf 16 Puzzle-Leinwandteilen unterbrachte.

Die sind anders als beim Original angeordnet, das in Dr. Sascha Webers Büro im Wald-Michelbacher Rathaus hängt. Dort findet sich an der anderen Wand auch das Pendant-Bild „In Bewegung“. Mit fließenden Farben verkörpert es sinnbildlich den Neuanfang, seit Weber im vergangenen Jahr den Posten übernahm. Seine Arbeitsräume hätten durch die verwendeten Farben eine „helle, fröhliche Stimmung“, so der Bürgermeister. „Ich gehe gern ins Büro.“

Die Besucher waren aufgefordert, aus dem vorherigen Puzzle wieder das Ursprungsmotiv zusammenzusetzen. Scholz sprach von einer „interessanten Aufteilung“, wenn jeder ein Teil des Werkes kaufe. Denn jede der 16 einzelnen Leinwände gab es zu erwerben. Der Malerin ging es darum, die Gäste in Aktion zu versetzen, damit sie sich mit dem Bild auseinandersetzen können. Wer ein Stück davon mit nach Hause nehme, „wird sich an das Ganze erinnern“, hoffte sie. Zum Zusammenfügen könne man sich über Grenzen hinweg virtuell auf der Tromm wiedertreffen, regte sie an.

Die auf der Tromm beheimatete Künstlerin öffnete beim Bergfest aufs Neue ihr Atelier und gewährte einen Einblick in ihr vielfältiges Schaffen. Gleichzeitig gab es die Kunst-Mitmach-Aktion, bei der jede/r Interessierte seine eigenen kreativen Fähigkeiten testen konnte. Scholz setzt in ihren künstlerischen Werken das um, was ihr im täglichen Leben begegnet.

Aktuell ist das mit „Blutmond“ die totale Mondfinsternis mit ihren besonderen Farben, die Scholz inspirierte. Die Rottöne mit dem leicht orange-gelben Rand faszinierten sie. „Das war äußerst spannend“, sagte sie. Zwei Skulpturen unter dem Titel „Dreiklang“ und eine Blitzkugel entstanden ebenfalls in der vergangenen Zeit. „Was mich bewegt, versuche ich umzusetzen“, verdeutlicht Ingrid Scholz. Ihre Ideen sind direkt aus dem Leben gegriffen.

Eine andere Aktion, die vor drei Jahren im späten Frühjahr startete und dann auch im Rahmen des Trommer Bergfestes lief, ist im Internet auf http://www.beziehungswand.de zu sehen. Ingrid Scholz wollte mit ihrer Beziehungswand quasi ein „Museum in der freien Natur“ schaffen, in das sich alle einbringen könnten, wie sie erläuterte. Im Museum gebe es viele aufgehängte Dinge, diesen Ansatz verfolgte sie auch hier. Das, was den Weg an die Beziehungswand fand, hing dort so lange, wie es die Natur zuließ.

Auf der Wiese soll die neu gestaltete Skulptur „Himmelsstürmer“ einen Platz finden. Sie verwendet dafür Aluminium. „Dadurch wirkt alles viel leichter“, sagt Scholz. Wenn das Material bearbeitet wird, „geht die Starre raus“, erläutert die Künstlerin. Es ergebe sich eine Wellenbewegung durch die Struktur. Im Zuge des Irene-Turm-Neubaus und der Tromm-Spielort-Verwirklichung „fügt sich das dann ein“, so ihre Vorstellung.

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Skulptur und Bild gehören für Ingrid Scholz zusammen: Kunstaktion „Beziehungswand“ und Skulpturen-Wiese auf der Tromm vorgestellt

Auf die Skulpturenwiese genau auf der Grenze zwischen Wald-Michelbach und Grasellenbach hatte Künstlerin Ingrid Scholz zur Vernissage eingeladen. Vorgestellt wurden sowohl die Kunstaktion „Beziehungswand“ als auch die auf der Wiese befindlichen Skulpturen. Anschließend konnten die Skulpturen im nahe gelegenen Scholz-Garten und Bilder in der Galerie „artstract“ bewundert werden. Begrüßt wurden die Gäste von Prof. Gerold Scholz.

„Kunst bedeutet für Ingrid Scholz, unterschiedliche Vorstellungen und Empfindungen in ihren Wirkungen darzustellen und damit nachvollziehbar zu machen“, sagte der Leiter des Hof-Theaters Tromm, Jürgen Flügge, in seiner Eröffnungsrede. „Offenbar ist die Tromm ein Anziehungspunkt für Menschen, die künstlerisch tätig sein wollen“, meinte er Blick auf die vielen Aktivitäten auf dem und rund um den Hügelrücken.

„Wer auf der Tromm wandert, soll Natur und Kultur genießen können. Und wer hier angekommen ist, kann erleben, wie sich Kunst und Natur zueinander verhalten“, formulierte Flügge. Sechs Objekte habe Ingrid Scholz mittlerweile auf der Wiese versammelt – und dazu noch die Beziehungswand. Flügge versprach den Gästen: „Wenn Sie nächstes Jahr wiederkommen, werden Sie neue Objekte vorfinden.“

Flügge erläuterte das Konzept hinter Ingrid Scholz‘ Schaffen: Ein Teil der Skulpturen passe sich der Landschaft an und verstärke deren Atmosphäre. Andere Skulpturen kontrastierten wiederum das Landschaftsbild. Für Ersteres stehe das große Blatt. „Es ist fast sechs Meter hoch und drängt sich dennoch nicht auf. Man hat das Gefühl, es stünde schon immer da.“ Für die zweite Intention, die Kontrastierung, sei das Kreuz aus Computerteilen mit dem Titel „Anbetung“ ein Beispiel. Die Kunstaktion Beziehungswand wiederum mache sichtbar, „dass Kunst hier zum Dialog auffordern will, dazu, sich zu dem, was man hier anfassen und sehen kann, zu verhalten“.

„Skulptur und Bild gehören für sie zusammen“, meinte Flügge zum Kunstverständnis von Ingrid Scholz. „Beide sind nur unterschiedliche Mittel, um Ideen anschaulich zu machen.“ Scholz mische diese Elemente auch. So klebe sie Edelstahl auf ihre Bilder und bearbeite den Stahl so, dass er eine bildhafte Struktur erhalte. „Das Bild wird durch die Skulptur inspiriert und umgekehrt.“ Diese Offenheit entspreche ihrer Kunstauffassung.

Wie der Leiter des Hof-Theaters weiter ausführte, lege Scholz „auf die inhaltliche Aussage ihrer Arbeiten Wert“ – trotz des unverkennbaren Bezuges zum Konstruktivismus, der ihren Werke eigen sei. „Skulpturen wie Anbetung weisen deutlich in diese Richtung.“ Bei vielen Bildern dominierten heitere, helle Farben: rot, gelb, blau. Viele hätten einen Bezug zu Urlaubsreisen und damit verbundenen Erlebnissen oder Beobachtungen. „Viele Bilder sind heiter und zuversichtlich“, so Flügge. Die erkennbare Freude stehe nicht im Kontrast zur Analyse und zum Nachdenken. „Wer wahrnimmt und nachdenkt, so möchte ich sie übersetzen, kann sich dabei erfreuen.“

Die besondere Stellung der Tromm nicht nur unter Natur-, sondern auch unter kreativen Gesichtspunkten würdigte Wald-Michelbachs Bürgermeister Joachim Kunkel. Das sei für beide Gemeinden „sehr bemerkenswert“, sprach er für seinen ebenfalls anwesenden Kollegen Markus Röth aus Grasellenbach.

In den vergangenen zehn Jahren habe sich der Ort nicht nur durch die Anstrengungen von Ingrid Scholz in Sachen Kunst einen Namen gemacht. Der Überwald „ist in punkto Kunst, Kultur und Schauspiel allgemein gut aufgestellt“, wies Kunkel auch auf den am Donnerstag beginnenden Trommer Sommer mit einem reichhaltigen und weit über die Grenzen der Region hinaus strahlenden Angebot hin.

Im Folgenden erläuterte Ingrid Scholz die Beziehungswand: Dort könne jeder ein Objekt, eine Erinnerung, ein Bild aufhängen, mit dem er eine besondere Beziehung habe. Alles werde dokumentiert und unter www.beziehungswand.de ins Internet gestellt. Scholz selbst machte den Anfang und erklärte, was sie dort befestigt hatte: einen alten Wasserschlauch. In Erinnerung an einen Küchenbrand im Haus und mit der Hoffnung verbunden, dass so etwas nie mehr passieren möge.

Die Beziehungswand in Verbindung mit dem Ort und dem Odenwald sei „einfach klasse“, lobte Christa Mücke. Sie hängte ein Plakat mit einer persönlichen Notiz auf. Derya Michel hatte aus der Türkei ein sogenanntes „Blauauge“ mitgebracht, das böse Blicke abwenden soll. Angelika Borchert zeigte sich nach anfänglicher Skepsis von der „Durchlässigkeit“ der Beziehungswand begeistert. Beim anschließenden gemütlichen Beisammensein auf dem Scholz-Anwesen bestand in ungezwungener Atmosphäre die Möglichkeit, die dortigen Skulpturen im Garten, aber auch die Arbeiten von Ingrid Scholz in ihrem Atelier in Augenschein zu nehmen.