Aschbacher „Hussmouge“ stoßen beim Wald-Michelbacher Rathaussturm auf wenig Widerstand

Die Gegenwehr der schmalen Rathaus-Besatzung war kurz und heftig, aber – natürlich – erfolglos. Der versammelten Fastnachter-Macht aus Aschbach hatten Bürgermeister Dr. Sascha Weber und seine doch angesichts der Übermacht stark dezimierte Rathaus-Crew wenig bis nichts entgegenzusetzen. Ziemlich schnell gaben sich die Hausherren geschlagen und öffneten die Türen. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt, dass der Rathauschef als Till Eulenspiegel den Einlass Suchenden entgegentrat.

Lautstark und von einem heftigen Konfettiregen begleitet, verschafften sich die „Hussmouge“ Einlass. Sie hatten dabei ihre Jüngsten vorgeschickt, die erfolgreich an der Pforte rüttelten. Mit Beginn der fünften Jahreszeit hatte die Narrenschar aus dem Ortsteil Punkt 17.11 Uhr im Handstreich Besitz von der Verwaltungszentrale ergriffen.

„Es ist geschafft, die Tür ist offen, dass sie zu bleibt, konntet ihr nur hoffen“, reimte Sitzungspräsident Thomas Sattler. „Die fünfte Jahreszeit hat heut begonnen, das Rathaus haben wir schon eingenommen. Bis Aschermittwoch haben wir die Macht, im Rathaus wird nur noch gesungen und gelacht“, gab er als Motto für die närrischen Tage vor. „Alle Hussmouge und Beamte, das wird eine Schau, rufen zusammen ein dreifaches Hellau“, forderte er. Prompt dröhnte es lautstark durch das Foyer.

Dort hatte es sich die närrische Schar nach einem wahren Konfettiregen bequem gemacht. Die Kostüme waren dabei ein Mix aus den vergangenen Jahren: Mexikaner stand neben Cowboy, der Engel breitete seine Flügel aus – von der vielfältigen Tierwelt wie Affen, Giraffen und Katzen ganz zu schweigen. „Nur wenige von uns sind daheim geblieben“, machte Sattler die drückende Übermacht der Hussmouge deutlich. Um die 50 Narren waren es, die die schmale Rathaus-Besatzung mit Jubel, Trubel, Heiterkeit rasch überwältigten.

Sie müssen in dieser Kampagne auch schnell sein. Denn die ist extrem kurz. Aber deshalb „geballt“, wie Sattler lachte. Die Prunksitzungen starten bereits in zehn Wochen, Mitte Februar ist bereits wieder alles vorbei. Deshalb sind die einzelnen Gruppen bereits kräftig am Proben und Vorbereiten. Nach den Sommerferien ging’s los und jetzt in die heiße Phase, um pünktlich zu den Auftritten die Besucher der vier Sitzungen wieder zu begeistern.

Bürgermeister Weber sagte: „Die Verteidigung des Rathauses ist uns leider nicht gelungen, mit eurem Frohsinn habt ihr wieder den Sieg errungen.“ Aber er freute sich auch, bis Aschermittwoch die Regentschaft abtreten zu können. „Wir fügen uns dem und machen das Beste daraus, darum lasst uns gemeinsam feiern heut in diesem Haus.“

Er wünschte den Karnevalisten eine gute Kampagne „mit viel Spaß, kommt lasst uns erheben darauf das Glas“. In weiser Voraussicht hatte man sich im Rathaus bereits mit Getränken und Süßigkeiten eingedeckt, um so die große Narrenschar zu beschwichtigen. Mit Erfolg… „Wir sagen jetzt Prost und machen Radau, auf die Fastnacht ein dreifach Helau“, schloss Weber.

Von den sieben Aschbacher Tanzgruppen war jede mit einigen Teilnehmern vertreten: Gibos, Devils, Galaxy, Just for Fun, 1,2 step, M.A.D. (Men at Dance) und VIP verbreiteten im Rathaus ebenso Fröhlichkeit wie die Büttenredner der Hussmouge. Weil Bürgermeister Weber so bereitwillig den Schlüssel herausgegeben hatte, wurde er mit den ersten zwei VIP-Karten für die kommende Prunksitzung belohnt. Vor allen anderen: Denn der reguläre Vorverkauf startet erst beim Aschbacher Weihnachtsmarkt am 16. Dezember.

Info: Die vier Fastnachtssitzungen an den letzten beiden Januar-Wochenenden haben Hussmouge-gemäß ein langes Motto: „Sommer, Sonne, Strand und Meer – die Hussmouge im Südsee-Flair“. Termine sind: Freitag, 20., Samstag, 21., Freitag, 27., und Samstag, 28. Januar, jeweils 20.11 Uhr. Die Vorbereitungen für die neue Kampagne, deren Programmpunkte natürlich noch ein streng gehütetes Geheimnis sind, laufen auf Hochtouren. Der Sitzungspräsident verspricht „sensationelle Ereignisse“. Auf jeden Fall gibt es ein Jubiläum zu feiern: Die Gruppe „Just for Fun“ wird 20 Jahre alt.

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Großer Rummel auf der Gras-Ellenbacher Elferratssitzung

Willkommen auf dem bunten Jahrmarkt in der Nibelungenhalle. Kommen, staunen, schauen Sie, fahren Sie Riesenrad, bis sich der Kopf nicht nur vom Alkohol dreht, lassen Sie sich von der Wahrsagerin die Zukunft voraussagen, erleben Sie komische Figuren, grazile Tänzerinnen und magische Momente: Die zwei Mal ausverkaufte Elferratssitzung entführte im Nibelungendorf in eine andere Welt mit viel Rummel, Musik, Heiterkeit, Humor und Highlights.

Wer die Gras-Ellenbacher kennt, weiß, dass sie sich nicht von Zeitplänen beirren lassen. Die Polonaise am Schluss wollte denn kein Ende nehmen: Nachdem das Programm der 41. Elferratssitzung schon längst (und mit einer Stunde Verspätung) durch war, zog sich der närrische Lindwurm immer noch durch die Nibelungenhalle. Die mitwirkenden Rummelaktiven hatten ihre Gäste eingeharkt und feierten im Anschluss feucht-fröhlich an der Bar weiter. Vorangegangen war ein mehr als vierstündiges Programm, das Groß und Klein begeisterte.

Sitzungspräsident Torsten Schmidt als Magier Torlin eröffnete die Sitzung und kündigte den Einmarsch des als Wahrsagerinnen ausstaffierten Elferrats an. Ein gemeinsamer Tanz – wer hätte das im Vorfeld gewusst – leitete über zu seiner Begrüßung. Als roter Faden zog sich die magische Wahrsagerkugel durch den Abend. Sie führte mit verschiedenen Farben zu unterschiedlichen Orten und Zeiten von Jahrmärkten.

Beim Sketch „Petrus“ proklamierte dieser die Überfüllung des Himmels. Drei Jahrmarktbesucher klopften an und baten dringend um Einlass. Jeder hatte seine ganz eigene, noch fantastischere Geschichte parat. Die Einlage der „Tanzmäuse“, der ganz jungen Aktiven, sorgte für Begeisterungsstürme im Zentrum des Jahrmarktes. Der Protokoller Jens Ihrig, ein altbekannter und gern gesehener Gast in Gras-Ellenbach, nahm kein Blatt vor den Mund. Bundes- und Kommunalpolitik wurden von ihm im Stil eines Jahrmarktschreiers akribisch beleuchtet.

Wer auf dem Rummel unterwegs ist, trinkt schon das eine oder andere Bierchen. Drei unbekannte Besucher der Jahrmarkttoilette halfen sich an der Pinkelbeckenwand aus und hatten mit viel Situationskomik die Lacher auf ihrer Seite. Wie Jens Ihrig aus Erbach sind die „Elements“ aus Nieder-Liebersbach aus der Elferratssitzung nicht mehr wegzudenken. Auch wenn die Darbietung den Titel „Horrorclowns“ hatte, war sie nicht nur sehr schön anzusehen, sondern zeigte auch eine tolle Performance der 14-köpfigen Truppe. Beide fügten sich hervorragend ins närrische Programm ein.

„Rudi und Abrazzo“ hatten es darüber, was passiert, wenn der eine den Jahrmarkt zu intensiv besucht und dann die Nachwehen zu ertragen hat. Viele Lacher natürlich inklusive. Das Vater-Sohn-Gespann mit Daniel und Nico Stein hatte im vergangenen Jahr seinen Einstand in der Bütt und durfte nach diesem Erfolg gleich wieder ran.

„Falsch verbunden“ hieß der Sketch von Alexander und Christoph Dörsam mit Sophia Loske. Ein besorgter Mann rief im Krankenhaus an, um sich beim behandelnden Arzt über das Wohlbefinden seiner Frau zu erkundigen – durch Leitungsunterbrechung und die falsche Verbindung mit einem Mechaniker entstanden lustige Irritationen. Der neue, montierte Vorderbau hatte so seine Zweideutigkeiten.

Eine komplette griechische Tragödie mit allen Facetten, Göttern und Mythologie hatten die „Sexbesessenen“ im Programm. Hinter der Truppe steckt zu großen Teilen die Band Bleimenning, weswegen es auch einige musikalische Einlagen gab. „Wer ist Uschi?“ hieß es in der mehr als halbstündigen Einlage, die mit etlichen verwirrenden Wendungen mitsamt viel Situationskomik überzeugte. Großer Applaus war den Aktiven danach gewiss. „Welchem kranken Kopf ist eine solche Geschichte entsprungen?“, fragte der Sitzungspräsident danach nur fassungslos.

Die „Peanuts“ zogen mit ihrer sehenswerten tänzerischen Einlage im Anschluss die Zuschauer in den Bann. Die Licht- und UV-Effekte waren toll, zu heißen Rhythmen wurde den Besuchern in der wabernden Hitze der Halle noch etwas wärmer. Nach dem Sketch über den Arztbesuch dann das, worauf viele schon sehnsuchtsvoll, andere mit gespielter Furcht gewartet hatten. Das Männerballett war im Dschungel-Rummel unterwegs. Wie die einzelnen Bewegungen asynchron bestens harmonierten, war den Gästen stehenden Applaus wert.

Die Energiesparmaßnahmen im Altenheim hatten so manche denkwürdigen Auswirkungen, wurde im gleichnamigen Sketch deutlich. In einer Art Stummfilm hatte Daniel Stein beim gemeinsamen Stuhlgang immer die A-Karte gezogen. Daniel-Hagen Wolf philosophierte im Anschluss über den Urlaub mit seiner fernreisewütigen Frau, Fettabsaugen, allerlei Zwischenmenschliches und natürlich den Shopping-Wahnsinn.

Das große Finale wurde von den Kneipp-Girls eingeläutet, mit ihrer farbenfrohen Darbietung in farbenprächtigen Kostümen das Highlight der Sitzung. Die Besucher waren begeistert vom Jahrmarkt-Feeling pur, von der Musicalaufführung bis hin zum Discofieber. Sprühend vor Energie ließ die Truppe den Funken in den Saal überspringen, sorgte mit irischem Flair für Jubel ohne Ende.

Ob die Tanzmäuse, die Peanuts oder die Kneipp-Girls. Alle Gruppen zeigten, dass die Bemühungen, sehr früh für Faschings-Nachwuchs zu sorgen, Früchte getragen haben. Ob es nun die Kostüme der beiden jüngeren Gruppen oder die der erfahrenen „Kneipp-Girls“ waren – alle Outfits werden nach den jeweiligen Vorstellungen selbst entworfen.

Gleich nach Beendigung der vorangegangenen Kampagne beginnt in Gras-Ellenbach die Planung für die kommende Elferratssitzung. Schon im März 2016 wurde so in einem gemeinsamen Treffen aller Aktiven und Fastnachtsbegeisterten die Idee für die Kampagne 2017 geboren: „Jahrmarkt“ sollte das Motto lauten. Fieberhaft wurden mögliche Themen besprochen. Tänze, Gesangsdarbietungen, Sketche und ganze Bühnenshows wurden geplant und geprobt.

Mehr Bilder hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1415610941816384.1073741996.100001024761983&type=1&l=995e2096d4

Mitwirkende Elferratssitzung Gras-Ellenbach

Elferrat: Patrick Freudenberger, Alexander Dörsam, Jörg Fuhr, Holger Hübner, Torsten Schmidt (Präsident), Eric Wolf, Wolfgang Schierenbeck, Volker Reinhard, Attila Fodor, Uwe Loske, Uli Kolb, Uwe Schäfer, Jens Helmstädter. Leitung Tanz: Conny Hintenlang

Sketch Petrus: Steffi Schmidt, Veronique Schmidt, Chaterina Bauer, Christoph Dörsam

Tanzmäuse: Maxime Mauermann, Marlene Hofmann, Joyce Hintenlang, Carla Fuhr, Emely Fuhr, Zoe Wipplinger, Julia Merk, Jonah Teichert, Lilli Teichert, Alina Golz, Mira Golz, Anna-Luisa Heiß, Leitung Denise Oberle

Bütt: Jens Ihrig

Sketch WC: Timo Lammer, Uwe Loske, Attila Fodor

Elements: Annika Wagener, Annika Koch, Franziska Mechler, Janina Habel, Jessica Wolperth, Kim Wetzel, Kristina Roth, Kristina Werner, Madita Schmitt, Manuela Brender, Saskia Morr, Vivien Fath, Isabell Blumer, Sina Olbrich, Leitung Johanna Volz und Jenny Keil

Rudi und Abrazzo: Nico Stein und Danny Stein

Sketch Falsch verbunden: Alexander Dörsam, Christoph Dörsam, Sophia Loske

Sechsbesessene Wer zum Teufel ist Uschi: Marco Dörsam, Kevin Fischer, Marcus Golz, Sylvia Harendarski, Matthias Linzmaier, Daniel Stein, Sascha Baßler

Peanuts: Kiara Kiel, Kristin Scholl, Lena Kramer, Olivia Sipior, Panthera Sieverding, Ann-Marie Teichert, Ann Kathrin Greinert, Joshua Hintenlang, Sven Reinhard, Nico Stein, Alissa Stein, Elena Freudenberger, Lisa-Marie Lanzas, Leitung Selina Lanzas

Sketch Arztbesuch: Alexander Dörsam, Timo Lammer, Conny Hintenlang

Männerballett: Domenik Schäfer, Marius Steinmann, Leo Trautmann, Patrick Freudenberger, Martin Günl, Madeleine Schäfer, Veronique Schmidt, Leitung David-Luca Schmidt

Sketch Altenheim: Ramona Stein, Ludi Reinhard, Andrea Lanzas, Alissa Stein, Daniel Stein

Bütt Hagen: Daniel Hagen Wolf

Kneipp-Girls: Christina Bauer, Yeliz Brecht, Chris Dörsam, Marion Koch, Selina Lanzas, Sophia Loske, Veronique Schmidt, Selina Lanzas, Leitung Chatarina Bauer

Verantwortliche Vereine: TSV, MGV Germania, Freiwillige Feuerwehr

Technik und Requisite: Marko Dörsam, Timo Lammer, Mark Heisinger, Hüseyin Karaharman

Kameramann: Franz-Joseph Gölz

Mundschenkin:  Jeanette Kolb

Brandwache: FFW

Bewirtung: MGV, TSV-Gymnastikdamen

Kartenvorverkauf: Sylke Teichert

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Aschbacher „Hussmouge“ nehmen das Wald-Michelbacher Rathaus nach kurzer Gegenwehr ein

Die Gegenwehr war kurz und heftig, aber erfolglos. Der versammelten Fastnachter-Macht aus Aschbach hatten Bürgermeister Joachim Kunkel und seine doch angesichts der Übermacht stark dezimierte Rathaus-Crew wenig bis nichts entgegenzusetzen. Fast als Alleinkämpfer versuchte der als blasslila auftretende Rathaus-Cowboy Kunkel, die Pforten des Gemeinde-Saloons verschlossen zu halten – doch vergebens.

Lautstark und von einem heftigen Konfettiregen begleitet verschafften sich die „Hussmouge“ Einlass. Mit Beginn der fünften Jahreszeit hatte die Narrenschar aus dem Ortsteil Punkt 17.11 Uhr im Handstreich Besitz von der Verwaltungszentrale ergriffen. Zum Einsatz kam zum ersten Mal das lautstarke Kazoo-Orchester der Aschbacher. „Von dem wird man noch viel hören“, meinte der Hussmouge-Sitzungspräsident Thomas Sattler mit Blick auf die Kampagne.

Bürgermeister Kunkel „beschwerte“ sich in seiner Entgegnung, dass nun zu viel Lärm in der Bude sei. „Hier im Haus ist normalerweise himmlische Ruh, jetzt kommt ihr und weg ist die Ruh – im Nu.“ Normal, meinte er, „müsst ich sagen in voller Empörung, ich zeig euch an wegen Ruhestörung“. Jedoch: „Ihr konntet uns wieder überzeugen, wir wollen uns der Fastnacht beugen.“ Denn die Erkenntnis war selbst im Rathaus klar: „Gute Laune und Humor – das ist gar nicht so schlecht.“

Das Ortsoberhaupt macht in seiner kurzen Kapitulationsrede deutlich, dass nun wieder die Profi-Narren am Werk sind – und nicht die Amateure wie sonst: „Ab heute richtige Narretei und Frohsinn hier regiert. Fast wie’s ganze Jahr – mal sehn was nun passiert.“ Ab sofort kann sich Kunkel zurücklehnen, denn bis Aschermittwoch ziehen die Hussmouge den Karren. „Wir fügen uns jetzt euren Regeln, ihr Narren.“

Er wünschte den Karnevalisten eine Kampagne, „dass es nur so kracht“. Dazu auch tolle Veranstaltungen, viel Freude, Begeisterung, „bei euch wird immer viel gelacht“. Dass die Aschbacher die richtige Stimmung verbreiten, hat Kunkel seit vielen Jahren in bester Erinnerung. „Ihr Hussmoge habt einen tollen Schwung.“ In weiser Voraussicht hatte man sich im Rathaus bereits mit Getränken und Süßigkeiten eingedeckt, um so die große Narrenschar zu beschwichtigen. Mit Erfolg…

„Es ist geschafft, die Tür ist offen, dass sie zu bleibt, konntet ihr nur hoffen“, reimte Sitzungspräsident Thomas Sattler. „Die fünft Jahreszeit hat heut begonnen, das Rathaus haben wir schon eingenommen. Bis Aschermittwoch haben wir die Macht, im Rathaus wird nur noch gesungen und gelacht“, gab er als Motto für die närrischen Tage vor. „Alle Hussmouge und Beamte, das wird eine Schau, rufen zusammen ein dreifaches Helau.“

Die närrische Schar hatte es sich nach einem wahren Konfettiregen unter den Klängen des Kazoo-Orchesters im Foyer bequem gemacht. Die Kostüme waren dabei ein Mix aus den vergangenen Jahren: Mexikaner stand neben Cowboy, von der vielfältigen Tierwelt ganz zu schweigen. „Nur wenige von uns sind daheim geblieben“, machte Sattler die drückende Übermacht der Hussmouge deutlich. Um die 50 Narren waren es, die die schmale Rathaus-Besatzung mit Jubel, Trubel, Heiterkeit überwältigten.

Von den sieben Aschbacher Tanzgruppen war jede mit einigen Teilnehmern vertreten: Gibos, Devils, Galaxy, Just for fun, 1,2 step, M.A.D. (Men at Dance) und VIP verbreiteten im Rathaus ebenso Fröhlichkeit wie Büttenredner der Hussmouge. Weil Bürgermeister Kunkel so bereitwillig den Schlüssel herausgegeben hatte, wurde er mit den ersten zwei VIP-Karten für die kommende Prunksitzung belohnt. Vor allen anderen: Denn der reguläre Vorverkauf startet erst beim Aschbacher Weihnachtsmarkt am 10. Dezember. Und auch das letzte Mal, da seine Amtszeit Mitte des kommenden Jahres endet.

Die Fastnachtssitzungen werden unter einem langen Motto stehen: „Ob Wirklichkeit, ob Fantasie, im
Zauberwald, da weiß man nie – die Hussmouge auf verwunschenen Wegen“. Termine sind: Freitag, 3., Samstag, 4., Freitag, 10., und Samstag, 11. Februar. Die Vorbereitungen für die neue Kampagne, deren Programmpunkte natürlich noch ein streng gehütetes Geheimnis sind, laufen laut dem Sitzungspräsidenten auf Hochtouren.

Der Kappenabend bei der Ober-Schönmattenwager Harmonie ist eine runde Sache

Musik, Spaß und Stimmung gab’s beim Kappenabend des Gesangvereins Harmonie im evangelischen Gemeindehaus. Gäste aus nah und fern (also auch aus Unter-Schimmeldewog) begrüßte Vereinsvorsitzender Christof Klos in seinen einleitenden Worten. Das Zusammenwachsen der beiden Ortsteile sei „eine wunderbare Sache“, meinte er – trotz ein paar launiger Bemerkungen, die in den Büttenreden des Abends über die Bewohner der unterhalb gelegenen Siedlung durchklangen.

Am weitesten angereist waren extra für die Faschingsparty Gäste aus dem Elsass, die aber ihre Wurzeln in Ober-Schönmattenwag haben. Sie mischten sich unter Hexen, Fußballfans, Gesetzeshüter, Bodybuilder, Bayern oder Trachtenträger, die neben einigen Besuchern „in Zivil“ den Gemeindesaal bevölkerten. Fünf Büttenbeitrage von Vereinsmitgliedern unterhielten die Gästeschar, die danach aber noch lange nicht nach Hause wollte. Erst gegen halb 3 in der Früh packten die letzten ihre sieben Sachen.

„Wir haben hier eine offene Bühne“, schmunzelte Christof Klos. Jeder, der wolle, dürfe sich in die Bütt wagen: „Annahmeschluss für Beiträge ist 20.11 Uhr“, weiß selbst Klos am früheren Abend noch nicht, was alles geboten wird und die Gäste erwartet. „Ganz spontan“ kreieren die Harmonie-Aktiven manchmal ihr Programm bei diesem Kappenabend, der in Ober-Schönmattenwag bereits eine jahrzehntelange Tradition hat. Zwischen den einzelnen Darbietungen werden ein paar Schwätzchen gehalten, geht es um die einen oder anderen lokalen Themen.

Als „einer, der nichts sagen will“, machte Peter Wilhelm den Anfang. Er wollte aber dann doch was loswerden. Erst einmal zwei Witze, die im Saal für viele Lacher sorgten, und dann die Geschichte von den Borzels aus Ober-Schönmattenwag in Reimform: was den beiden bei einem Verkehrsunfall widerfuhr und welche Missverständnisse es gab.

Lea Walter und Hannah Walter saßen sich beim VHS-Kurs gegenüber, der „Ourewällerisch“ auch für Hochdeutsch Sprechende verständlich machen wollte. Ein paar Spitzen in Richtung des unterhalb gelegenen Schönmattenwags, dazu einige hintersinnige Gags und schöne Wortspiele: Die beiden Jugendlichen standen Bütten-Profis in nichts nach.

Der „Frauenbaumarkt“ Douglas oder ein Lied von Coldplay bzw. wahlweise Xavier Naidoo, das sich als Mischung zwischen Waschmaschinen-Lärm und hungriger Katze herausstellte, sorgten für etliche Lacher. Die weiche Ourewäller Konsonantenaussprache machte erst den Gag der „Sub-Unternehmerin“ nach Kauf einer Gulaschkanone verständlich – aber hatte dafür umso mehr Beifall.

Statistiker Dieter Walter hatte seine ganze eigene Sicht der Dinge. Er rechnete nicht nur aus, dass man ein Drittel seines Lebens verschläft. Auch welche Zeit fürs Essen, Klogänge und sonstige zwischenmenschlichen Tätigkeiten aufgewendet werden, wurde von ihm unter dem Gelächter der Gäste aufgelistet. Zuvor hatte Walter eine Tour de Force durchs Weltgeschehen unternommen. Neben VW-Skandal, Olympia, Flüchtlingen und Zika-Virus streifte er auch das Ortsgeschehen.

Das „Dreigestirn aus Ober-Schönmattenwag“, das sich am 6. März zur Wahl stellt, hatte es ihm besonders angetan. „Wenn die in Michelbach wüssten, was auf sie zukommt“, meinte er lachend. Ihre überschüssige Energie „können die jetzt bei der Gemeindevertretung verballern“, sagte Dieter Walter mit Schalk in den Augen.

Christof Klos als Straßenmusikant trug zwei Songs auf der Gitarre vor. Was tun mit dem Weihnachtsbaum, der nicht rechtzeitig entsorgt wurde, thematisierte er im ersten Lied „Dannebaam“. Denn der steht dann das ganze Jahr über im Wohnzimmer rum, beleuchtete er die Entwicklung in den einzelnen Monaten. Im zweiten Stück nahm er sich der Schwiegermutter mit all ihren Besonderheiten und Eigenheiten an – als Mitglied des Schwiegermutter-Geschädigten-Vereins.

Renate Walter als Skelett und Ulla Wilhelm als Gästeführerin im Museum kalauerten sich durch alle Lebenslagen und Körperteile. Beide sorgten bereits auch bei den vier Prunksitzungen der Aschbacher „Hussmouge“ für Begeisterung auf der Bühne. Helikoptereltern, Kindernamen wie Slipeinlagen oder Defizite der Männerwelt waren Zielscheibe ihres Spotts. Die Gürtellinie wurde dabei das eine oder andere Mal dezent unterschritten.

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Begeisternde närrische Nacht im Museum mit den Aschbacher „Hussmouge“

Die „Hussmouge“ wissen, wie man Fasching feiert. In vier ausverkauften Prunksitzungen unterhielten sie ein ums andere Mal das närrische Publikum prächtig. Und können dabei auf die Begeisterungsfähigkeit ihrer Gäste zählen, die ihnen in punkto Einfallsreichtum bei der Kostümierung in nichts nachstehen. „Nachts im Museum“ hatten die Fastnachter ihre Events in der Mehrzweckhalle überschrieben und boten dabei, inspiriert vom gleichnamigen Film, eine faszinierende und kurzweilige Reise durch die einzelnen Museums-Abteilungen.

Die einzelnen Tische waren bestimmten Themen zugeordnet – und so boten die dort sitzenden ein buntes, farbenprächtiges Sammelsurium an Verkleidungen. Hier unterhielt sich Gandalf mit einem Wikinger, dort war ein waschechter Bayer in seiner Krachledernen im Gespräch mit dem bösen Wolf auszumachen. Die Ägypterinnen waren eine Augenweide für die Männerwelt, während die Frauenwelt eher den Johnny-Depp-Verschnitt als Pirat der Karibik anschmachtete.

Ritter im Burgmuseum, allerlei Märchenfiguren in der Disney-Abteilung, Spielzeuge, Steinzeitmenschen oder Panzerknacker machten zusammen mit den Darstellern aus dem Wachsfigurenkabinett allein den Blick in die Menge lohnenswert. Die über 120 Akteure auf der Bühne setzten noch einen drauf. „Hausmeister“ Sitzungspräsident Thomas Sattler führte nicht nur durchs Programm und kündigte die einzelnen Auftritte, sondern überbrückte die kleineren Umbaupausen immer mal wieder mit dem einen oder anderen (schlüpfrigen) Witz.

Alle Aktiven beim großen Finale auf der Bühne machten eindrucksvoll deutlich, auf welch breites Repertoire die „Hussmouge“ zurückgreifen können. Da waren Körperwelten-Darsteller und die Geister von Indianern oder die Besatzung des Fliegenden Holländers darunter, ebenso wie Wachsfiguren, der Pharao, Einbrecher, Affen, Menschen und Menschenaffen, Roboter oder Neandertalerin. Ihnen schallte wie auch den einzelnen Punkten des Abends ein dreifach donnerndes Helau entgegen.

Was die Gruppe „Galaxy“ als „Geister in Bilderrahmen“ zuvor bot, war ein Klasse für sich. Mit aufwändiger Deko, weit flatternden Geisterkostümen, Furcht erregenden Augen und passender Lichtshow ließen sie tote Westernhelden oder Indianer über die Bühne tanzen. Da passte eines zum anderen, die gruselige Atmosphäre stimmte und die Zuschauer waren gebannt von der Vorführung. Mit viel Applaus wurden die Tänzerinnen verabschiedet.

Eileen Kumpf als Neandertalerin hatte bei ihrer Museums-Gratisführung ein ums andere Mal die Lacher auf ihrer Seite. Als eine Mischung zwischen Cindy aus Marzahn und Paul Panzer, direkt dem Dschungelcamp entstiegen, bot sie ihre ganz eigene Interpretation der Schöpfungsgeschichte, garniert mit unzähligen Erfindungen, die sie sich selbst zuschrieb. Die Unterkunft als „Erstbezug“ in der Grube Messel war nicht das Wahre, monierte sie. Weitere wichtige Ereignisse der Erdgeschichte waren natürlich nur ihrem Wirken zuzuordnen – das Aussterben der Dinosaurier eingeschlossen.

In alten Trachten ließen die „Devils“ die Heimatabteilung des Museums zu ihrem Recht kommen. Standen zuerst Volkstänze aus früheren Zeiten im Mittelpunkt, gab es plötzlich einen Bruch und die Moderne kam mit dem „Dorfkind“ zu ihrem Recht. Tosender Beifall war der Gruppe für den gelungenen Auftritt gewiss.

Als Roboter mit eckigen Bewegungen wackelten die Mitglieder der Gruppe „V.I.P.“ über die Bühne und erinnerten dabei „Kraftwerk“ aus der Neuen Deutschen Welle – ehe sich dann alles zu fließenden Bewegungen, unterstützt von beeindruckenden Lichteffekten, zusammensetzte. Die aufwändigen Kostüme zusammen mit den Effekten kamen bestens bei der gut gelaunten Gästeschar an.

Renate Walter als Skelett und Ulla Wilhelm als Gästeführerin kalauerten sich durch alle Lebenslagen und Körperteile. Helikoptereltern, Kindernamen wie Slipeinlagen oder Defizite der Männerwelt waren Zielscheibe ihres Spotts – gerade von den Männern auch mit ein paar Buhrufen gekontert. Die Gürtellinie wurde dabei das eine oder andere Mal dezent unterschritten. Apropos Körper: Die hautengen Kostüme der Gruppe „1,2 Step“ bei ihrem Tanz „Körperwelten“ waren ein Hingucker.

Zu Beginn hatte „Hausmeister“ Sattler das Publikum begrüßt, die einzelnen Tische aufgerufen und dann mit einem Klatschspiel deren Aufmerksamkeit überprüft. Gleichzeitig versicherte er sich der Unterstützung, um seine erste Nacht im Museum durchzustehen – der Vorgänger hatte nach nur einer Woche den Bettel hingeschmissen. Und los ging’s bei seinem Rundgang mit den „Gibos“. Sehr süß war der Nachwuchs anzuschauen, der als Schmetterlinge und Schulklasse in den Räumen unterwegs war.

„Mozart im Sexmuseum“ hieß es mit Tanja und Marius Gölz, ehe Mozart zusammen mit Michael Jackson und Lady Gaga von den drei Arbeiterinnen aus dem Wachfigurenkabinett mitgenommen wurde und alle zu jeweiligen Songtiteln (Amadeus, Smooth Criminal und Born this way) tanzten. Pharao Thomas Heiligenthal, eine Leihgabe aus dem Mannheimer Museum, wusste so manches aus seinem Leben zu berichten, ehe es A-cappella ums Essen ging.

Steffi, Timo, Tobias und Jürgen Walter sowie Benedikt Breitwieser dichteten zur Freude der Besucher bekannte Songs um, sodass sie immer etwas mit dem leiblichen Wohl zu tun hatten. Die Theatergruppe war szenisch und musikalisch als „Einbrecher“ unterwegs. Billy Joels „We didn’t stop the fire“, „Felicità“ von Al Bano und Romina Power sowie „Er ist wieder da” von Marion März kamen in völlig neuem Gewand auf die Bühne – zusammen mit Thomas Sattler als umjubeltem „Mister X“.

Nach der Sitzung ist vor der Sitzung: Schon jetzt verkündete Thomas Sattler das Motto der kommenden Kampagne: „Fantastische Welten – die ‚Hussmouge‘ fernab der Realität“. Ab dem Sommer laufen dann – wie auch im vergangenen Jahr für dieses – die Vorbereitungen dafür an. Die „heiße Phase“ startet Anfang/Mitte September, wenn die einzelnen Tänze und Bütten eingeübt werden.

Ab dem vierten Adventswochenende wurde es in dieser Saison noch heißer: Denn wegen der kurzen Kampagne mussten schon die Aufbauarbeiten in der Mehrzweckhalle beginne. Dann gingen die Aktiven daran, in viel Kleinarbeit die Bühnenteile zu stellen, Schilder zu malen, Türen selbst zu gestalten  und restliche Elemente zusammenzubauen. Wie immer: alle Jahre wieder. Mehr Bilder hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1090659600978188.1073741896.100001024761983&type=1&l=6bdadfc86c

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Rathaussturm der Aschbacher Narren läutet die kurze Kampagne ein – Motto: „Die Hussmouge Nachts im Museum“

Die Gegenwehr war kurz und heftig, aber erfolglos. Der versammelten Fastnachter-Macht aus Aschbach hatten Bürgermeister Joachim Kunkel und seine Rathaus-Crew wenig bis nichts entgegenzusetzen. Lautstark und von einem heftigen Konfettiregen begleitet verschafften sich die „Hussmouge“ Einlass. Mit Beginn der – in dieser Kampagne sehr kurzen – fünften Jahreszeit hatte die Narrenschar aus dem Ortsteil Punkt 17.11 Uhr im Handstreich Besitz von der Verwaltungszentrale ergriffen.

„Es ist geschafft, die Tür ist offen, dass sie zu bleibt, konntet ihr nur hoffen“, reimte Hussmouge-Sitzungspräsident Thomas Sattler. „Die fünft Jahreszeit hat heut begonnen, das Rathaus haben wir schon eingenommen. Bis Aschermittwoch haben wir die Macht, im Rathaus wird nur noch gesungen und gelacht“, gab er als Motto für die närrischen Tage vor.

Bürgermeister Kunkel „beschwerte“ sich in seiner Entgegnung, dass nun zu viel Lärm in der Bude sei. „Das ganze Jahr herrscht hier im Haus himmlische Ruh, jetzt kommt ihr und weg ist die Ruh – im Nu.“ Er habe gehofft, „die Zahl der Verteidiger reicht, dass ihr euch vom Hofe wieder schleicht“. Jedoch: „Ihr konntet uns doch überzeugen, dass wir uns der Fastnacht beugen.“ In weiser Voraussicht hatte man sich im Rathaus bereits mit Getränken und Süßigkeiten eingedeckt, um so die große Narrenschar zu beschwichtigen.

Die hatte es sich nach einem wahren Konfettiregen und unter den Klängen des Spielmannszugs der Freiwilligen Feuerwehr Ober-Schönmattenwag im Foyer bequem gemacht. Die Kostüme waren dabei ein Mix aus den vergangenen Jahren: Mexikaner stand neben Cowboy, von der vielfältigen Tierwelt ganz zu schweigen. „Nur wenige von uns sind daheim geblieben“, machte Sattler die drückende Übermacht der Hussmouge deutlich. Bestimmt über 50 Narren waren es, die die schmale Rathaus-Besatzung mit Jubel, Trubel, Heiterkeit überwältigten.

Von den sieben Aschbacher Tanzgruppen war jede mit einigen Teilnehmern vertreten: Gibos, Devils, Galaxy, Just for fun, 1,2 step, M.A.D. (Men at Dance) und VIP verbreiteten im Rathaus ebenso Fröhlichkeit wie Büttenredner der Hussmouge. Weil Bürgermeister Kunkel so bereitwillig den Schlüssel herausgegeben hatte, wurde er mit den ersten zwei Karten für die kommende Prunksitzung belohnt. Vor allen anderen: Denn der reguläre Vorverkauf startet erst beim Aschbacher Weihnachtsmarkt am 12. Dezember.

Die Fastnachtssitzungen werden unter dem Motto „Die Hussmouge Nachts im Museum“ stehen. Termine sind: Freitag, 15., Samstag, 16., Freitag, 22., und Samstag, 23. Januar. Die Vorbereitungen für die neue Kampagne, deren Programmpunkte natürlich noch ein streng gehütetes Geheimnis sind, laufen laut dem Sitzungspräsidenten auf vollen Touren.

Nach dem Rathaussturm wurde aber erst einmal weiter gefeiert. Rund um die Aschbacher Mehrzweckhalle fand die Straßenfastnacht statt. Ab 18.11 Uhr sorgte die Band „Thousand Years Later“ mit Mitgliedern aus Aschbach und Schönmattenwag durch ihr abwechslungsreiches Programm für mächtig Stimmung. Timo Walter, Katharina Zink, Tobias Walter, Sven Dörsam, Benedikt Breitwieser und Benedikt Staat spielten aktuelle Hits aus Rock und Pop, dazu Schlager und echte Klassiker. So gab’s Songs von Joe Cocker, Lady Gaga, Prince, Kings of Leon und anderen zu hören.

An den verschiedenen Buden der Ortsvereine, die zu diesem Zweck viel Arbeit investiert hatten, feierten die Fastnachter munter weiter. Bei angenehmen Temperaturen war auch der später einsetzende Regen der Stimmung nicht abträglich. Die große Bar überzeugte durch ihr breites Sortiment, die verschiedenen Partyzelte boten genügend Möglichkeiten, vor einem Guss Schutz zu suchen – sodass es spät (oder früh) wurde.

Heiraten am Donnerstag sollte eine lange und glückliche Ehe garantieren

„Kennst du den noch?“ oder „Ist das nicht der…?“: Die alten Bilder aus Wahlen und Umgebung, gezeigt von Horst Mühlfeld bei seinem Vortrag „Brauchtum im Odenwald im Jahresablauf“, riefen bei Besuchern und Vereinsmitgliedern so manche Erinnerung wach. Fleißig wurde gerätselt, wer denn nun auf dem Bild zu sehen sei oder wo dieses entstand. Der Vereinsvorsitzende referierte über die zahlreichen lokalen Bräuche im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Geschichts- und Kulturvereins Wahlen.

„Kaum eine Landschaft besitzt ein so reichhaltiges Brauchtum wie der Odenwald“, leitete Mühlfeld seinen Vortrag ein. Viele Völker seien im Laufe der Jahrhunderte hier durchgezogen. Auch sei der Gegensatz von Kurmainz und Kurpfalz sowie von Katholiken und Protestanten sehr fruchtbar in Bezug auf kulturelle Hinterlassenschaften gewesen. Der Versuch der Altvorderen, unter schwierigen äußeren Bedingungen der Familie ein gutes Leben zu ermöglichen, habe sich in vielfältigen Bräuchen niedergeschlagen.

Und natürlich in den Festen des Jahreslaufs. Diese „ließen den harten Alltag für kurze Zeit vergessen“, so der Vorsitzende. Viele Bräuche seien aber im Übergang von einer landwirtschaftlich zur städtisch-industriell geprägten Gesellschaft verloren gegangen. „Neuen Bräuchen fehlt oftmals die Traditionskette“, so Mühlfeld.

Vielfältige Verhaltensregeln machte er aus, wenn im Odenwald früherer Zeiten die Geburt eines Kindes anstand. „Die Schwangere durfte kein Garn wickeln und nicht unter einer Wäscheleine hindurchlaufen“, berichtete Horst Mühlfeld. Nachts herrschte für sie Ausgehverbot. War das Kind geboren, „durfte es nicht aus dem Fenster gehalten werden“. Verpönt war auch der Aufenthalt im Regen. Denn dadurch konnten Sommersprossen entstehen. Die Fingernägel mussten dem Kind abgebissen werden – würde sie die Mutter schneiden, könnte aus dem Zögling später ein Dieb werden.

Weiteres Thema von Mühlfelds Vortrag waren die Hochzeitsbräuche. War zuerst die Eheschließung nur der Kirche vorbehalten, so änderte sich dies 1876. Ab dieser Zeit, so der Vereinsvorsitzende, sei die Ehe nur noch durch Unterschrift auf dem Standesamt gültig gewesen. In früherer Zeit „wurden die Kinder oft schon in der Wiege einander versprochen“, sagte er. Wichtig sei der jeweilige Stand der potenziellen Eheleute gewesen und ob sie zusammen passten.

Ein anderer wesentlicher Schritt in der Eheanbahnung war laut dem Referenten die Mitgiftverhandlung. Ging diese erfolgreich über die Bühne, stand die Herrichtung der Hochzeitskrone an. Eheschließungen selbst fanden Mühlfeld zufolge immer an Donnerstagen (dem germanischen Gott Donar gewidmet) statt. Davon erhoffte man sich „eine lange und glückliche Ehe“. Eine den Brautleuten übergebene Schale mit Brot und Salz sollte dafür sorgen, dass im gemeinsamen Haus „nie Armut einzieht“.

Ob nun das Wort Fastnacht vom alten deutschen Zeitwort „fasen“ (für Unsinn treiben) oder von der Fastenzeit hergeleitet wird: Laut Mühlfeld geht es darum, den Winter auszutreiben. Hauptzeit im Odenwald war der Fastnachtsdienstag. Dann wurde der Viehstall ausgemistet und mit Holzasche kreuzförmig ausgestreut. Die Arbeit auf dem Feld musste an diesem Tag ruhen, die Frauen durften keine Wäsche waschen. Und zum Abendessen gab es nach Mühlfelds Worten Blutwurst mit Dörrobst und Kreppel (was in der Zuhörer-Runde ein allgemeines Ihhh nach sich zog).

Doch die Winteraustreibung war nicht nur auf diesen Anlass beschränkt. Der Sonntag Laetare in der Mitte der Fastenzeit, Osterfeuer und Pfingstbräuche sind ebenfalls dem Thema zuzuordnen. An Laetere etwa, erläuterte der Referent, gingen (verkleidete Bürger als) Winter und Sommer zusammen zu allen Höfen. Oftmals würden sie auch hereingebeten, worauf der Sommer die Fenster öffne, damit der Winter besiegt werden kann.

„Das Hauptfest der Landbevölkerung im Odenwald“ ist Mühlfeld zufolge die Kerwe oder Kirchweih. Bei ihrem Ablauf sei der örtliche Pfarrer miteingebunden gewesen. Ab dem 16. Jahrhundert habe die Obrigkeit zunehmend kritisch reagiert, ab dem 18. Jahrhundert gab es weitere Verordnungen, „um den Landmann nicht von seiner Arbeit abzuhalten“. Doch die Bevölkerung ließ sich dem Referenten zufolge „ihre Kerwe nicht nehmen“.

Richtung Weihnachten gab es dann die leuchtenden Rübenköpfe, den „Nickel“ oder das Christkind. Dieses sei auf die Gestalt der Frau Holle aus vorchristlicher Zeit zurückzuführen, so Mühlfeld. „Silvester war früher eine ernste Angelegenheit“, betonte er. Denn es sei darum gegangen, Hexen und Dämonen nicht ins neue Jahr mitzunehmen. Die Lösung: sie durch Lärm vertreiben. Daneben gab es Rituale wie das Blei gießen oder Karten legen – „was sich bis heute erhalten hat“. „Kommt der Wind von Osten, gibt es ein gutes Obstjahr, kommt er von Westen, wird es ein gutes Milchjahr“ – so die Weisheiten zum Jahresbeginn.

Das Osterfeuer diente nach den Worten des Vereinsvorsitzenden dazu, böse Geister abzuwehren. Dazu sei es in die Häuser getragen worden. Auch das Schöpfen von Wasser aus geweihten Brunnen sei so einzuordnen. „Das Volksbrauchtum basiert auf naturgebundenem Erfahrungswissen und heimatlichen Alltagsgewohnheiten“, fasste Mühlfeld zusammen. Symbolhandlungen seien zum Teil aus dem Glauben, zum Teil aus Aberglauben entstanden, schloss er seinen mit viel Beifall bedachten Vortrag.