Grundschüler sollen „drucken statt daddeln“

„Wer will den Druck von Mika haben“, fragt Matthias Heinrichs in die Runde. Gleich gehen ein paar Finger der Grundschüler hoch. Denn das Werk ist schön bunt und farbenprächtig. Hergestellt hat er es im Rahmen der Druckwerkstatt, die für zwei Tage an der Grundschule Schimmeldewog zu Gast war. Heinrich und sein Kollege Walter Lutz vom Verein Schuldruckzentrum Darmstadt vermittelten dabei unter dem Motto „Drucken statt daddeln“ die gesamten Facetten dieses alten Handwerks.

Das Programm wird durch das hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst finanziert. Die beiden Vereinsmitglieder waren damit bereits im Taunus zu Gast und werden auch noch in den Odenwaldkreis nach Breuberg reisen. Das Besondere an der Schule in Schönmattenwag ist, „dass es noch eine alte Druckerei gibt, die nicht mehr genutzt wird“, so Heinrichs. Lehrer Matthias Dautel hakte hier ein und ergänzte, dass diese aber reaktiviert werden soll.

Als Verein habe es man sich zur Aufgabe gemacht, das Drucken an den Schulen wiederzubeleben. Denn vor dem Aufkommen des Computers war dies in den 80er und 90er Jahren noch an der Tagesordnung. Im Darmstädter Druckladen werden zu diesem Thema Fortbildungen angeboten, die ein Teil des Kollegiums aus Schönmattenwag besuchte. Der Kontakt kam durch den Schulverbund „Blick über den Zaun“ zustande, dem die Schimmeldewäer angehören. „Wir schauen nach Schulen mit einem nicht alltäglichen Ansatz“, so Heinrichs.

Er lernte als Grafikdesigner in den 70er Jahren noch das Buchstabensetzen mit Bleilettern. „Das war damals die aktuelle Technik“, schmunzelt Heinrichs. Der Drucker hat jedoch ein zweites berufliches Standbein: Lehrer. In dieser Tätigkeit kam er mit der Freinet-Pädagogik in Kontakt, in der die Schuldruckerei eine wesentliche Rolle spielte. „Das hat mich fasziniert“, sagt er.

Heinrichs freut sich darüber, dass sich auch viele junge Leute mit einem kulturpädagogischen Studiumshintergrund im Verein Schuldruckzentrum engagieren. Das dortige Druckmuseum sei dem hessischen Landesmuseum angegliedert, werde aber ein wenig stiefmütterlich behandelt, bedauert er. Dabei stellt er immer wieder fest, dass die Begeisterung der Kinder beim Drucken groß ist. „Das funktioniert einfach überall.“ Als Rückmeldung der Lehrer bekomme er, dass gerade schwierige Jungs bei der Beschäftigung damit aufblühen. „Wenn man ihnen was zu tun gibt, läuft es.“

Diese Einschätzung bestätigt sich beim Blick in die Klassenzimmer, wo ein reges Treiben herrscht. Heinrichs leitet die Kinder an, wie die Buchstaben sortiert werden. Melody gefällt an diesem Tag einfach alles, während Carl seine Freude am Rollen über die Buchstaben hat und wie sich dann die Farben auf dem Papier wiederfinden.

Für die Grundschule hat die Beschäftigung mit dem Drucken auch einen ganz praktischen Grund. „Die Kinder lernen dadurch besser die Rechtschreibung“, betont Dautel – wenn sie nämlich die Wörter entweder in Lettern oder überdimensional gedruckt vor sich haben. Große Texte „kann man nicht einfach am Computer setzen“, meint er. Dazu noch die Farben und die Herstellung: Fertig ist das tagesfüllende Programm, bei dem die Schüler nicht müde werden, ihre eigenen Kreationen herzustellen.

In den verschiedenen Räumen waren sie mit Buchbinden, Monotypien, Polystyroldruck, Papierschöpfen, Musterdruck und Stempelherstellung beschäftigt. So wurden etwa mit den Rollen die Platten beschichtet, um dann etwas hineinzuritzen und das Ergebnis zu drucken. „Man kann viel dabei herumexperimentieren“, deutet Dautel auf diverse kreative Ergebnisse abseits von manchen Schriftexperimenten. Farben und Linien ließen sich in großer Kreativität verwenden.

„Kulturkoffer“ nennt sich das Projekt, mit dem die Darmstädter zu Gast im Überwald waren. Für Lutz bedeutete es einen Besuch in der alten Heimat, denn ein Teil der Familie stammt von hier. Der „Letterdruck wie bei Gutenberg“ soll Grundschüler dazu anregen, Farbe und Techniken selbstständig zu verwenden und somit – wie es sich die Schule auch auf die Fahnen geschrieben – abseits eines starren Lehrplans sich bestimmte, sie interessierende Themen auf eigene Faust zu erarbeiten.

Info: Für die Wiederbelebung der Schuldruckerei sucht die Grundschule Schimmeldewog noch nach alten, größeren Lettern. Für Hinweise ist man dankbar unter Telefon 06207-2110.

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