Fastnachtsrad, Feuer, Hexen und Guggemusik in Darsberg

Der Kulturausschuss Darsberg veranstaltet am Fastnachtsdienstag, 17. Februar, ab 19 Uhr das traditionelle Abrollen des Feuerrades und das Entzünden des Scheiterhaufens. Bereits am Samstag, 14. Februar, wird ab 13 Uhr am Ortseingang aus Neckarsteinach kommend das ca. 1,80 Meter hohe und 2,50 Meter breite Feuerrad gestopft. Am Dienstag beginnt die Veranstaltung entlang der gesperrten Ortdurchgangsstraße ab 18 Uhr mit der Bewirtung. Gegen 19 Uhr startet der 14. Hexenumzug. Die Darsberger Hexen treffen sich im Dorfgemeinschaftshaus am Dorfplatz mit der Guggemusik „Neckarfurzer“ aus Neckarzimmern. Fremde Hexen sind eingeladen, sich in den Zug einzureihen. Entlang der Straße führt der Zug zu den Wiesen, wo die Hexen ein großes Feuer entzünden. Das Abrollen des Feuerrades wird gegen 19.30 Uhr stattfinden. Geführt von mindestens zehn Männern und begleitet durch die Hexen, wird das große Rad abgerollt. Die mehrere Meter hoch lodernden Flammen bieten ein beeindruckendes Bild für die Besucher. Um das große Feuer findet abschließend die Vertreibung der Hexen durch die symbolisierte Sonne statt.

Geschichtlicher Hintergrund: Wenn am Fastnacht-Dienstag in Darsberg wieder Birkenscheiben fliegen, das Fastnachtsrad zu Tal rollt, ein großes Feuer brennt und die Hexen mit der Guggemusik für zwei Stunden den beschaulichen Ort mit ihrem infernalischen Lärm aufschrecken, fühlt sich mancher Zuschauer in heidnische, düstere Zeiten zurückversetzt. Fastnacht lässt sich begrifflich aber auch aus der christlichen Fastenzeit ableiten. Was ist der Ursprung des Brauchtums? Ergebnisse der Fastnachtsforschung (kein Fastnachtsscherz!) legen die Vermutung nah, dass die Bräuche einen christlichen Ursprung haben: Im vierten Jahrhundert nach Christi wird die Fastenzeit erstmals erwähnt. Ende des 6. Jahrhunderts wird unter Papst Gregor dem Großen der Beginn der Fastenzeit auf „Aschermittwoch“ gelegt. Vor dieser Fastenzeit finden Feiern statt. Bekannt ist, dass Ende des 13. Jahrhunderts in der Vorfastenzeit männliche Bürger in Frauenkleidern sich zu Feiern treffen. Sie versinnbildlichen das Laster, eine sechstägige Antischöpfung vor der durch den Glauben geprägten Zeit. Mit der Reformation und der Aufhebung des Fastengebotes wurden auch die Bräuche zurückgedrängt. Erst im 19. Jahrhundert lebten die Bräuche als „Heidnisches Brauchtum“ wieder auf. Rieten und Bräuche wurden gemixt, neues hinzugedichtet. Erstmals traten Hexen in Erscheinung. Schellen kamen hinzu, die den Narren als lieblosen und gottfernen Gesellen erscheinen lassen.

Brauchtum: In Darsberg ist es eine lange Tradition, ein Fastnachtsrad abzurollen. Zumindest seit Beginn des 19. Jahrhunderts ist durch mündliche Überlieferung dieser Brauch bekannt. Lediglich in den Kriegsjahren gab es Unterbrechungen. Anfangs nur auf den Ort beschränkt, fanden mit der zunehmenden Mobilität zunächst auch einige interessierte Bürger aus der Kernstadt den Weg auf den Darsberg. In den Siebziger Jahren wurden erste Versuche unternommen, das Abrollen des Feuerrades durch ein kleines Rahmenprogramm attraktiver zu gestalten. Es wurden zur Unterhaltung der Gäste Musikkapellen engagiert und die Jungfeuerwehr bot Fackeln und Glühwein an. Wurde das große Rad beim Abrollen durch einen starken Wind begleitet, verursachte es bei so manchem Helfer nicht nur auf den alten Kleidern Brandflecken. So kamen die Feuerwehrleute auf die Idee, sich mit ihren Schutzanzügen gegen die sprühenden Funken zu schützen. Die Stimmung litt aber unter dem Anblick der silbern glänzenden Figuren. Dies war der Anlass, die Veranstaltung zu überdenken. Es kam die Idee auf, in Anlehnung an die alemannische Fastnacht mit Masken aufzutreten. Mit Hilfe von Sponsoren ließ man im südbadischen Kenzingen vier Masken schnitzen. Beim Abrollen im Jahr 1997 begleiteten die vier Hexen das Feuerrad.

Hexenumzug: Mit der Erweiterung der Veranstaltung im Jahr 1998 durch einen Hexenumzug mit zwischenzeitlich zwölf Masken, unterstützt durch die Guggemusik „Neckarfurzer“ aus Neckarzimmern und die entsprechende Werbung nahm das regionale Interesse zu. So können – je nach Witterung – die Veranstalter mit ca. 1000 Besuchern rechnen. Von 18 bis 22 Uhr dauert der Spuk. Gegen 18 Uhr sammeln sich die Hexen und die Guggemusiker auf dem Dorfplatz (Roter Platz). Auf der Wiese am Dorfeingang beginnt um 18.30 Uhr das Holzscheiben schießen. Gegen 19 Uhr laufen die Hexen und die Guggemusik in Richtung Wiese am Dorfeingang. Dort angekommen wird das Feuerrad entzündet und das Abrollen beginnt.

Das Feuerrad: Odenwälder Tradition, die vor allem in unserer Gegend gepflegt wird. Es sollen die bösen Geister vertrieben und der Winter verbrannt werden. Bis 1997 wurde das Rad durch Drehen von Strängen aus langem Stroh, das früher von den Bauern im Dorf gestiftet wurde, hergestellt. Dies war in früherer Zeit ein riesiger Spaß der jungen Burschen, es wird aber auch erzählt, dass mansche Mädchen im Stroh gesehen wurden. Heute wird das Stroh angekauft und kann wegen der maschinellen Getreideernte und der Rückzüchtung der Halmlänge nicht mehr gedreht werden, es ist schlichtweg zu kurz. Aus diesem Grund haben einige Helfer einen Käfig geschweißt, in der nun das Stroh gestopft wird. Dies hat die Arbeit wesentlich vereinfacht.

Scheibenschießen: Ein uralter Odenwälder Brauch, der in früheren Jahren in Darsberg am Faschingsdienstag betrieben wurde, dann allerdings wieder über viele Jahrzehnte in Vergessenheit geraten war und erst ab 1998 wieder auflebte. Früher hatten junge Burschen die glühenden Holzscheiben aus Birkenholz, deren Durchmesser ca. 10 bis 15 Zentimeter betrug und in der Mitte eine Bohrung besaßen, mit Haselstecken durch den Nachthimmel geschleudert. Während des Wurfes haben sich die Halbstarken etwas gewünscht. Wenn der Wurf misslang, wurde er kurzerhand für ungültig erklärt. Entnommen der Seite http://www.darsberg.com

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Das Feuerrad: eine feurig-schöne Brauchtumspflege

Langenthal. Mit dem Feuerrad-Rollen sollen am Fastnachtsdienstag, 17. Februar, in Langenthal die bösen Geister verbannt und der Winter ausgetrieben werden. Veranstalter des Events ist die örtliche Freiwillige Feuerwehr. Um 14 Uhr beginnt das traditionelle Fastnachtsrad-Binden „Am Eichbrunnen“ in Richtung „Klapperquelle“. Besonders für die Kinder ist dies immer ein riesiger Spaß. Fürs leibliche Wohl ist dort gesorgt. Am Abend treffen sich alle interessierten Kinder, die am Fackellauf teilnehmen möchten, um 19 Uhr im Feuerwehrgerätehaus (Mütter oder Väter sind zur Unterstützung willkommen). Um 20 Uhr werden die Männer der Langenthaler Feuerwehr – nach dem Fackeltragen der Kinder und dem Schwingen der Bienenkörbe – das Feuerrad zu Tal bringen. Gäste aus nah und fern sind zu dieser feurig-schönen Brauchtumspflege eingeladen. An der Einfahrt der Firma Mayr in Langenthal gibt es kalte und warme Getränke sowie Bratwürste.

Das Feuerrad wird in Langenthal (wieder) seit 1962 durchgeführt. Eigentlich gibt es diese Tradition im Hirschhorner Ortsteil aber schon im 19. Jahrhundert, wie die alten Postkarten belegt. Zuerst wurde es von den „jungen Dorfburschen“ organisiert. Die waren aber damals schon überwiegend in der Feuerwehr als Ehrenamtliche tätig. Später wird dann der Feuerwehrverein als Organisator genannt, der es auch bis heute durchführt. Beim „Strohtrippeln“ (Stroh weich treten für das Binden) sind bis heute um die 15 bis 20 Kinder anwesend, eine ähnliche Anzahl beim Fackellauf.

Beim Feuerrad sind hauptsächlich die Aktiven der Feuerwehr beteiligt. 39 davon zählt die Langenthaler Wehr, davon elf Frauen. Die Alters- und Ehrenabteilung beteiligt sich auch jedes Jahr beim Binden und unterstützt die Verpflegung der zahlreichen Besucher. Die Bienenkörbe (heute Stahlkörbe) sind nur zur Schau, zumindest wurde nichts schriftlich überliefert.

Langenthal ist einer der wenigen Orte in Deutschland, in denen dieser alte germanische Brauch wieder gepflegt wird. Während in Süddeutschland das Feuerrad zu Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch zu Tal gebracht wird, hat sich im Norden und Osten die Tradition erhalten, diese Brauchtumspflege am Ostersonntag zu zelebrieren. Heddesbach, Darsberg, Neckarkatzenbach, Schönau und Wilhelmsfeld, alle im Odenwald gelegen, sind ebenso wie Dühren und Steinsfurt im Kraichgau hiesige Veranstaltungsorte.

Den ersten schriftlichen Beleg für einen Feuerbrauch dieses Typs in Deutschland bietet die Chronik des Klosters Lorsch. Am 21. März 1090 vernichtete ein Feuer große Teile des Klostergebäudes, hervorgerufen durch eine brennende Holzscheibe, die als Volksbrauch zur Frühlingstagundnachtgleiche in die Luft geschleudert wurde. Ein solcher Brauch ist auch heute noch als Scheibenschlagen bekannt und wird am gleichen Tag um 19 Uhr in Neckarsteinachs Ortsteil Darsberg gepflegt.

Auch zum vierten Fastensonntag, dem Laetare, wurden in Teilen Deutschlands Feuerräder gerollt, so beispielsweise bei Eisenach und in Franken. Den Brauch bei den Franken beschreibt auch Jacob Grimm 1854 in seinem Werk „Deutsche Mythologie“. Es wird angenommen, dass das Feuerrad in vorchristlichen Zeiten ein Frühlingsbrauch zum „Äquinoktium“ (Tag- und Nacht-Gleiche am 21. März)  gewesen ist, der sich nach der Christianisierung in die Verbindung mit der Fastenzeit in Südwestdeutschland und mit der Osterzeit im nördlichen Deutschland aufspaltete.

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