Ehemalige Wald-Michelbacher Bürgermeister-Kandidatin Martina Tavaglione wechselt von der CDU zur SPD

Einen prominenten Neuzugang hat die Wald-Michelbacher SPD zu verzeichnen: Die ehemalige Bürgermeister-Kandidatin Martina Tavaglione aus Flockenbusch, bisher CDU-Mitglied, tauschte jetzt das schwarze mit dem roten Parteibuch. Der designierte Bürgermeister und SPD-Vorsitzende Dr. Sascha Weber freute sich, ihr dieses persönlich überreichen zu dürfen. Tavaglione sei nun im Weiler und auch in Unter-Schönmattenwag das erste und (vorerst noch) einzige Mitglied der Sozialdemokraten, schmunzelte er.

Dass die Chemie zwischen Weber und Tavaglione stimmt, ist kein Geheimnis. Die 40-Jährige hatte den SPD-Kandidaten nach ihrem Ausscheiden im ersten Wahlgang Mitte März, bei dem sie 8,9 Prozent erreichte, sofort unterstützt. Der lobte das Neu-Mitglied, sie sei „mutig, klar Stellung zu bestimmten Themen zu beziehen und Haltung zu zeigen“. Tavaglione habe sich bei Themen wie Schulpolitik und Windenergie, die ihr wichtig waren, mit Nachdruck engagiert. Und im Wahlkampf bewiesen, „dass sie sich hervorragend in kommunalpolitische Themen einarbeiten kann“.

Obwohl Martina Tavaglione im Wahlkampf keine Unterstützung aus den eigenen CDU-Reihen erhalten habe, „hat sie ein großartiges Ergebnis eingefahren“, lobte Weber. Er sei sehr glücklich, dass sie sich nun zusammen mit der SPD weiterhin für die Interessen der Gemeinde einsetzen wolle und froh, dass er sie für eine Mitarbeit gewinnen konnte.

Die so Gelobte gab das Kompliment gerne zurück. Sie sei dankbar, dass Sascha Weber nach dem ersten Wahlgang sofort auf sie zugekommen sei und ihr eine politische Zusammenarbeit angeboten habe, betonte Tavaglione – während aus ihrer bisherigen politischen Heimat „keine Reaktion kam“. Ihr sei es wichtig, sich weiterhin kommunalpolitisch zu engagieren, damit die bisherige Arbeit „Früchte tragen kann“. Und damit ihr Wahlslogan, „eine von uns für hier“, keine Eintagsfliege bleibt, sondern mit Leben erfüllt wird.

Die stellvertretende Ortsvorsteherin von Schönmattenwag sieht ihren Bürgermeister-Wahlkampf nicht als „One-Hit-Wonder“, sondern als Beginn eines andauernden Einsatzes „für meine Heimat, die mir sehr am Herzen liegt“. Ihre kommunalpolitischen Ziele, meint sie, könne sie eher mit der SPD durchsetzen. Auch wegen der „sehr vertrauensvollen Basis“ mit dem neuen Bürgermeister und Ortsvereins-Vorsitzenden.

Durch den Wahlkampf, so die Kandidatin, sei ihr sehr bewusst geworden, wie wichtig ein fortgesetztes Engagement für ihren Wohnort sei. „Ich habe kandidiert, weil ich ein großes Interesse an der Fortentwicklung meiner Gemeinde und den Menschen, die hier leben, habe“, hob Martina Tavaglione hervor. Neben dem Einsatz gegen weitere Windräder steht für sie außerdem die Schulpolitik ganz oben.

Wald-Michelbach als attraktiver Schulstandort habe eine große Bedeutung für die weitere Entwicklung des Überwald-Ortes – „ob Familien hier bleiben und sich neu ansiedeln“. Die Bemühungen des Kreises Bergstraße als Schulträger will sie deshalb von Gemeindeseite her immer konstruktiv begleiten und dabei auch die nötigen Akzente aus kommunaler Sicht setzen.

In punkto Windkraft sei sie voll mit dem künftigen Bürgermeister auf einer Linie, so Martina Tavaglione. Der wolle wie sie „weitere Windräder auf Wald-Michelbacher Gemarkung und im Überwald verhindern“. Windenergie sei im Odenwald „nicht sinnvoll“, sagt das Neumitglied. Ihr geht es weiterhin darum, die Gemeinde in ihrer Außendarstellung präsenter zu machen. Denn die Region lebe vom Tourismus – und den gelte es noch stärker anzukurbeln.

Sascha Weber stellte heraus, dass eine gute Zusammenarbeit auf allen Ebenen im Interesse des Ortes liege. Eben diese habe es bereits im Wahlkampf zwischen beiden gegeben. „Wir stehen uns in etlichen Themen inhaltlich nahe“, sagte er. Was eine gute Basis für weitere Aktivitäten bilde. Tavaglione ergänzte, diese Übereinstimmung habe sie auch dazu bewogen, sich für Weber auszusprechen: „Es war eine Personen- und keine Parteienwahl.“

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Neuer Bürgermeister Weber: „Es darf keine weiteren Windkraftanlagen auf Wald-Michelbacher Gemarkung geben“

Viel Zeit zum Ausruhen bleibt Dr. Sascha Weber (SPD) nach seinem überwältigenden Wahlsieg bei der Bürgermeisterwahl in Wald-Michelbach nicht. Doch zumindest am Abend danach wurde am Elternhaus in Kocherbach mit vielen Freunden, Verwandten und Bekannten kräftig gefeiert. Erst gegen 1 Uhr nachts machten sich die letzten auf den Heimweg. Heute ging es für Weber bereits weiter.

Ein heikles Thema übernimmt der 35-Jährige am 1. Juli von seinem Vorgänger Joachim Kunkel: die Windenergie und speziell den umstrittenen Windpark „Stillfüssel“ bei Siedelsbrunn. 2011 hätten die Verantwortlichen in der Gemeinde „nach bestem Wissen und Gewissen entschieden“, als es um die Ausweisung des Gebiets ging, sagte Weber. Allerdings habe das Regierungspräsidium nach den im Laufe des Jahres 2016 aufgetauchten Bedenken gegen einen Bau der Windräder mit der Genehmigung zum Jahresende „eine Fehlentscheidung getroffen“, betonte er.

Seinen Worten zufolge hat die Gemeinde jetzt leider keinen Einfluss mehr auf die weitere Entwicklung. Er werde sich aber nach dem Amtsantritt die geschlossenen Verträge genau zu Gemüte führen und schauen, „ob noch was zu machen ist“. Für Weber ist es daneben allgemeiner Konsens, „dass es keine weiteren Windkraftanlagen auf Wald-Michelbacher Gemarkung geben darf“.

Die Solardraisine bezeichnete der kommende Rathauschef als „ein gutes Projekt“, weil sie jährlich 40.000 Touristen in den Überwald bringe. Er sei zuversichtlich, dass der Landrat zusammen mit der Koalition im Kreistag und dem neuen Geschäftsführer die Draisine wieder „in eine gute Spur bringt“. Langfristig, bei Auslaufen der Verträge, stelle er sich aber eine Reaktivierung der Überwald-Bahntrasse vor. Diese gilt es laut Weber in den kommenden Jahren vorzubereiten.

Der SPD-Mann will „den Odenwald-Teil des Kreise Bergstraße stärken“, sagte er. Zum einen auf Parteiebene, indem die Zusammenarbeit der verschiedenen Ortsvereine vertieft werden soll. Zum anderen aber auch auf Bürgermeister-Ebene, indem er mit den anderen Rathauschef die Möglichkeiten eines gemeinsamen Wirkens auslotet.

Im Vorfeld des Amtsantritts möchte Weber daneben Gespräche mit Landrat Christian Engelhardt sowie den beiden Kreisbeigeordneten führen, wie es dieser auch bei seinen Glückwünschen angeboten hatte. Auch die Kreistagsfraktionen sind seine Ansprechpartner, um sich auf den aktuellen Stand aller auch Wald-Michelbach betreffenden Dinge zu bringen.

SPD-Kandidat Sascha Weber gewinnt die Bürgermeisterwahl in Wald-Michelbach mit fast 74 Prozent

An dem Ergebnis gibt es nichts zu deuteln: Mit 73,7 Prozent zu 26,3 holte der SPD-Kandidat Sascha Weber bei der Bürgermeisterwahl in Wald-Michelbach einen grandiosen und unangefochtenen Sieg gegen seinen Mitbewerber, den Grünen-Politiker Matthias Schimpf. Der war als unabhängiger Kandidat angetreten, wurde jedoch von CDU und Freien Wählern unterstützt. Weber hatte 2098 Stimmen oder über 45 Prozent Vorsprung. Die Wahlbeteiligung lag bei 54 Prozent. Weber gewann alle Wahlbezirke von knapp (Siedelsbrunn 50,7 zu 49,3) bis erdrutschartig (Unter-Schönmattenwag 90,3 zu 9,7 Prozent).

Als der frisch gewählte Bürgermeister Sascha Weber, vom Rathaus kommend, mit seiner Frau Kathrin am Elternhaus in Kocherbach vorfährt, wird er schon von einer großen Menschenmenge erwartet. Beifall brandet auf, bevor beide überhaupt aus dem Auto steigen. Die Reserven von der letzten Silvesterfeier machen sich bewährt: Ein paar Raketen steigen in den Himmel, es gibt ein kleines Feuerwerk. Dazu sind bunte Lichterketten über die Straße gehängt. Ein dreifaches „Hipp Hipp Hurra“ begrüßt den jetzt bekanntesten Sohn des Dorfs, gefolgt von einem Ständchen.

Danach haben beide Webers viele Hände zu schütteln. Halb Kocherbach ist da, aber auch Unterstützer, Freunde, Verwandte und Bekannte aus den umliegenden Ortsteilen mit etwa Gadern, Affolterbach, Hartenrod und Siedelsbrunn. Vor dem Haus, an den aufgebauten Zelten, herrscht beste Stimmung, sorgen Familie und Eltern für stetigen Nachschub an Essen und Getränken. Ein paar Freudentränen gibt’s bei der Gratulationscour auch immer mal wieder.

Die beiden im ersten Wahlgang ausgeschiedenen Kandidaten, Martina Tavaglione und Frank Derikatz, feierten mit, hatten sie doch im Vorfeld ihre Unterstützung des SPD-Kandidaten verkündet. Laut dem SPD-Kreistagsabgeordneten Sven Wingerter zeigt das Ergebnis, „dass alte Wald-Michelbacher Verhältnisse abgewählt sind“. Beide Wahlgänge machten deutlich, „dass die Menschen mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung wollen“. Sascha Weber „kann und will mit allen reden“, so Wingerter.

Sein Fraktionskollege und Neckarsteinacher Bürgermeister Herold Pfeifer, ein gebürtiger Hammelbacher und ÜWG-Schüler, freut sich auf die Zusammenarbeit mit Weber. Weil der „ein toller Mensch ist“, der Wald-Michelbach wieder in gutes Fahrwasser bringen werde. SPD-Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Christine Lambrecht sagte, der frisch gewählte Rathauschef habe „in einem tollen Wahlkampf über die Zukunft von Wald-Michelbach gesprochen“. Das hätten die Wähler mit diesem grandiosen Ergebnis honoriert. Sie wünsche ihm „viel Kraft, aber auch Freude in seinem neuen Amt“.

Sascha Webers Vater Günter ist am Abend nach der Wahl immer noch fassungslos – im positiven Sinn. „Vor einem Jahr hätte ich mir das nie vorstellen können“, erzählt er. „Es ist einfach unglaublich.“ Aber auch folgerichtig: „Nach diesem Wahlkampf hat er den hohen Sieg verdient“, freut sich Günter Weber. Sein Sohn ergänzt noch lächelnd, wie die Eltern ziemlich erstaunt schauten, als er sie vor einem Dreivierteljahr in seine Pläne einweihte, für den Bürgermeister-Posten zu kandidieren .

Für den Gewählten bringt die Nachwahl-Woche noch keine Entspannung. „Ich habe bis Freitag fünf Texte abzugeben“, ist Weber durch seinen Wahlkampf in Rückstand mit seiner Arbeit bei der Uni Gießen. Mit seinem Arbeitgeber befasst er sich auch noch in anderer Weise: „Jetzt muss ich erst einmal kündigen“, schmunzelte der 35-Jährige.

Nach dem Job ist vor dem Job: Bevor sich Weber aber richtig in die Vorbereitung für seine am 1. Juli beginnende Tätigkeit wirft, fliegt er am Wochenende mit seiner Frau für eine Woche nach Mallorca. Entspannung pur ist trotzdem nicht angesagt: Das Smartphone muss mit und ein paar Bücher, um sich in verschiedene spätere Aufgabenbereiche einzulesen.

Auch privat wartet auf das Ehepaar ab April viel Arbeit: Denn vor kurzem kaufte es sich ein Baugrundgrundstück in Hartenrod. Die Planungen für den Hausbau hatten schon im vergangenen Jahr begonnen, „mussten“ dann im Wahlkampf auf Eis gelegt werden. Jetzt sollen sie langsam wieder anlaufen. Und vielleicht, hofft Sascha Weber, „wird das dieses Jahr dann noch was“.

Geregelt werden muss auch die künftige Aufgabenverteilung im Haushalt. Denn dafür war bisher der künftige Bürgermeister zuständig, der sich seine Arbeitszeit freier einteilen konnte als seine Frau als Lehrerin. „Mal schauen, wie wir das organisieren“, meint Weber mit einem Lächeln.

Vor der Ergebnisverkündigung war er noch in Kocherbach und organisierte die spätere Feier mit. Und wirkte auf Vater Günter dabei ziemlich gelassen, während dieser die Spannung kaum noch aushielt und immer nervöser wurde. „Erst gegen halb 6 habe ich auch an Sascha bemerkt, dass auch er mitfieberte“, sagt der stolze Papa. Als gegen 18.10 Uhr die ersten Ergebnisse aus den Ortsteilen eintrudelten, wurde es immer klarer, dass gerade der künftige Bürgermeister im Elternhaus war – und Sascha Weber machte sich auf den Weg ins Rathaus.

Viel Zuspruch für das Frühlingsfest der SPD Wald-Michelbach am Einhaus

Beste Stimmung herrschte beim Frühlingsfest der SPD auf der Hofwiese am Einhaus. Um die 100 Gäste waren es, die am Abend den Weg dorthin fanden und es sich bei leckeren Speisen und Getränken gut gehen ließen. Natürlich war auch der erste Wahlgang der Bürgermeister-Wahl Thema, bei dem der sozialdemokratische Kandidat als Führender über die Ziellinie gegangen war. Doch die Besucher ließen sich beileibe nicht nur den SPD-Fahnen zuordnen, sondern kamen aus allen politischen Gruppierungen.

Damit sich bei angenehmer, nicht zu kalter Witterung auch im Magen eine wohlige Wärme ausbreiten konnte, standen Nino Schork und Gunther Emig parat. Ersterer hatte den Lachs ausgenommen und dann als Flammlachs über dem Feuer zubereitet, letzterer sorgte für die bekannten und beliebten Kartoffelpuffer, die reißenden Absatz fanden. Kurz nach 21 Uhr war die Platte schon geputzt und es gab nur noch flüssige Nahrung. Doch die war noch reichlich vorhanden, sodass die letzten Gäste erst gegen 23 Uhr den Nachhauseweg antraten.

Für die wärmenden Schwedenfeuer, die gerne angenommen wurden, zeichnete Thomas Lange verantwortlich. Er hatte die Holzstämme selbst entsprechend bearbeitet. Philipp Schönberger sorgte mit seiner Freundin Sabine an Keyboard und Gitarre für die Musik. Eineinhalb Stunden lang boten die beiden eigene Songs, aber auch unvergessliche Klassiker wie „Don’t worry, be happy“, „Somewhere over the rainbow “, „The rose”, „Marmor, Stein und Eisen bricht“ oder „Lemon tree”.

Zahlreiche Helfer aus dem Ortsverein kümmerten sich um das Wohl der Gäste, die parteiübergreifend neben der Bürgermeisterwahl und der nicht besonders guten Wahlbeteiligung auch die Kommunalpolitik analysierten. Generell, hieß es, sollten die Bürger am 26. März in größerer Zahl von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, um somit selbst über die Zukunft der Gemeinde mitzubestimmen.

Am 12. März steht in Abtsteinach der neue Rathauschef fest

Die Hardberg-Gemeinde wird am 12. März einen neuen Bürgermeister wählen. Oder eine neue Bürgermeisterin. Bei lediglich zwei Kandidaten ist auch klar, dass bereits am Wahlabend ein künftiger Rathauschef beglückwünscht werden darf. Zur Wahl stellt sich der aus Mackenheim stammende und in Siedelsbrunn wohnende Kevin Flödl, der von der CDU unterstützt wird. Seine Kontrahentin ist die 48-jährige Angelika Beckenbach, seit 23 Jahren in Abtsteinach wohnhaft und aus Hirschhorn stammend. Sie wird von den Freien Wählern unterstützt.

Verschiedene Punkte hat sich Beckenbach, in der Hirschhorner Stadtverwaltung seit 1987 unter anderem für Bauangelegenheiten und Finanzen, hier auch Haushaltsplanung, zuständig, auf die Fahnen geschrieben. „Der nachhaltige Umgang mit den Finanzen der Gemeinde hat oberste Priorität“, betont die Fachfrau. Sie hebt weiterhin den Erhalt und Schutz der Naturräume hervor, die Unterstützung des Gewerbes und den weiteren Ausbau des Breitbandnetzes. Daneben sieht sie die Förderung des Tourismus und eine aktive Ortsverschönerung als „aktuelle Herausforderungen“ für Abtsteinach.

Eine familienfreundliche Gemeindepolitik ist für Beckenbach in Zeiten des demografischen Wandels besonders wichtig. Dazu gehören ihren Worten zufolge bezahlbare Kindergartengebühren und die Unterstützung zum Erhalt einer attraktiven Grundschule mit ihren Betreuungsangeboten. Am anderen Ende der Alterspyramide begrüßt sie die Umsetzung des Betreuten Wohnens. „Verbesserte Mobilität und generationsübergreifende Projekte können für alle zu verbesserten Lebensbedingungen führen“, betont die verheiratete Mutter zweier Söhne, die von 2001 bis 2016 15 Jahre für die Freien Wähler Mitglied der Gemeindevertretung war.

Die Verwaltungsfachwirtin setzt sich außerdem für eine weitreichende Vereinsförderung ein, um das große ehrenamtliche Engagement im Ort zu unterstützen. „Das Miteinander in Vereinen, Organisationen, Kirchen und sozialen Einrichtungen prägt die Gemeinde und schafft Lebensqualität“, betont Beckenbach.

Diplom-Betriebswirt Kevin Flödl arbeitete nach seinem Studium in Stuttgart, Heidelberg und Mannheim bis 2007 beim Internationalen Bund mit den Schwerpunkten Finanzen und KLR. Seit zehn Jahren ist er bei der Gemeinde Mörlenbach angestellt. Zu seinen Hauptaufgaben gehören dort unter anderem die Einführung der Doppik, Aufstellung der der Jahresrechnungen, die kaufmännische Betriebsleitung des Eigenbetriebs Gemeindewerke und die stellvertretende Geschäftsbereichsleitung Finanzen.

Abtsteinach bietet Flödls Ansicht nach eine gute Ausgangslage, um sich den momentanen Anforderungen sowie die in absehbarer Zukunft auf die Gemeinde zukommenden Herausforderungen stellen zu können. Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, die Sicherstellung der Versorgung mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs sowie damit einhergehend die Verstärkung des ÖPNV zur Mobilisierung der Bürger sind für ihn wichtige Punkte.

Der in einer festen Beziehung lebende Kandidat nennt weiterhin die Stärkung und Attraktivierung des Ehrenamts in Vereinen, Institutionen und Politik, die Wiederbelebung des Naherholungstourismus und die gemeinsame Erarbeitung eines Leitbildes, zu dem sich die Gemeinde entwickeln will, als vorrangige Ziele im Falle einer Wahl. Die Bürger sollten sich im Zuge der Umsetzung „stärker an der Entwicklung der Gemeinde beteiligen sollen und können“. Beteiligungsprozesse hätten den Charme, dass sie die Akzeptanz der Änderungen erheblich verbesserten und die Angebote, welche dadurch geschaffen werden, „auch besser angenommen werden“.

Meinungsvielfalt beim Antikorruptionsbeauftragten: Kandidaten-Vorstellung zur Bürgermeisterwahl in Wald-Michelbach

„Braucht Wald-Michelbach einen Antikorruptionsbeauftragten?“, lautete etwas provokant die Frage von Moderator Jörg Maletz bei der Kandidaten-Vorstellung zur Bürgermeisterwahl in Wald-Michelbach am 12. März. Zu der Veranstaltung des Bürgerforums Überwald waren Martina Tavaglione, Frank Derikatz, Dr. Sascha Weber und Christiane Hennrich gekommen. Maletz leitete das Thema mit einem „Märchen“ aus der nächsten Umgebung ein, wie dort bei einer Auftragsvergabe „gemauschelt“ worden sein soll.

Die Bandbreite bei den Antworten der vier Bewerber für den höchsten Rathaus-Posten war groß. „Ich bin definitiv dafür“, sagte Hennrich. Wenn man Verwaltungsarbeit transparent gestalten wolle, würde ein solcher Mitarbeiter „für die Zukunft Ruhe reinbringen“, meinte sie. Dieser Angestellte könne auch eine beratende Funktion im Vorfeld übernehmen.

Für Sascha Weber ist es unerlässlich, dass es ganz klare Vergabekriterien für öffentliche Aufträge gibt. Ihm geht es aber auch, dass diese möglichst in der Region bleiben und Unternehmen zum Zuge kommen, die sich an einschlägige Vorschriften halten bzw. gerechte Löhne zahlten. Der Bewerber sah es als „zentrale Aufgabe“ eines Bürgermeisters an, über die ordnungsgemäße Vergabe zu wachen. „Erst einmal nicht notwendig“, meinte Weber zu einem Antikorruptionsbeauftragten, aber bei Notwendigkeit durchaus überlegenswert.

„Ich bin nicht käuflich“, sagte Frank Derikatz, deshalb benötige er als Bürgermeister auch keinen Antikorruptionsbeauftragten. „Wir wollen Geld sparen“, so der Kandidat, weshalb er eine solche Stelle als unnötig erachtete. Martina Tavaglione sah einen aus der Verwaltung herausgedeuteten Mitarbeiter mit einer „undankbaren Aufgabe“ bedacht. Wer schon jahrelang mit den Kollegen zusammenarbeite und jetzt im Zweifelsfall gegen sie handeln müsse, tue dies bestimmt nicht gerne. Sie wies darauf hin, dass der Kreis in solchen Dingen Ansprechpartner sei.

Beim Thema „Eine Region im Umbruch, Kultur, sozialer Raum und Wohnraum im Zeitalter des Sozialen Wandels“ konzentrierte sich das Gespräch vor allem auf die Möglichkeit der Beteiligung älterer Menschen am gesellschaftlichen Leben. Hennrich regte an, den Bewohnern der Altenheime die Teilnahme an Aktionen im Ort zu erleichtern, so etwa der Aktiven Senioren. Auch sollten sie einfacher den ÖPNV nutzen können. „Es fehlen soziale Räume zum Treffen“, meinte die Kandidatin.

Die Gemeinde könne versuchen, steuernd tätig zu werden, sagte Sascha Weber. Er sprach sich dafür aus, das Ehrenamt bei den älteren Mitbürgern zu fördern, damit diese mehr am gesellschaftlichen Leben teilnähmen. In diesem Zusammenhang hielt er auch eine noch stärkere Unterstützung der Vereine als Träger des kulturellen Angebots für angebracht. Ein Jugend- und Seniorenbeirat, um die Betroffenen direkt zu hören, „findet meine Unterstützung“. Weber könnte sich bei Bedarf auch ein Mehrgenerationenhaus vorstellen. Das müsste dann, so Hennrich, barrierefrei gestaltet sein.

In eine ähnliche Richtung ging eine Idee von Frank Derikatz, der betreutes Wohnen für Ältere in der Nähe des Jugendtreffs ins Gespräch brachte. Auch einen regelmäßigen Wochenmarkt, etwa mittwochs, sah er als gute Möglichkeit, Alt und Jung an einem Platz zusammen und ins Gespräch zu bringen. „Das hat was Kommunikatives“, sagte er, denn den Kontakt zwischen den verschiedenen Altersgruppen vermisst der Bewerber in Wald-Michelbach.

„Ein Seniorenbeirat wäre was Tolles“, sprach sich Martina Tavaglione für ein solches Gremium aus. Dort könne man abfragen, was die älteren Mitbürger im Ort als sinnvoll ansähen. Ein Mehrgenerationenhaus sei mit „ganz viel Ehrenamt verbunden“, erläuterte sie anhand von Beispielen. Es gelte entsprechende Gruppen zu finden, die sich einbrächten. Das „unheimlich hohe Gut“ Ehrenamt sollte ihrer Meinung nach noch stärker von der Gemeinde unterstützt werden.

Mit Blick auf die Jugendlichen forderte Hennrich, diesen auch etwas zuzutrauen und sie selbst machen zu lassen. Er könne sich gut eine wie auch immer geartete Rathausstelle im Bereich Jugendarbeit vorstellen, betonte Weber. Die auch anständig bezahlt sein müsse. „Wenn wir wollen, dass was los ist, müssen wir was los machen“, hob Derikatz die Notwendigkeit der Initiative seitens der Gemeinde hervor. Die Tür zum Jugendzentrum sei viel zu oft verschlossen, meinte er.

Bürgermeisterkandidaten-Vorstellung in Wald-Michelbach: Die „essbare Gemeinde“ muss erst einmal wachsen

„Naturnahe Gemeinde, Arbeiten, Wohnen, Energie“ war ein weiterer Themenpunkt der Bürgermeisterkandidaten-Vorstellung auf Einladung des demokratischen Bürgerforums. Wie geschaffen somit für Frank Derikatz‘ Vision einer essbaren Gemeinde, die er mit viel Verve und Überzeugung vortrug. Und damit auch ein Perpetuum mobile des Abends schuf, denn immer wieder kam das Thema aufs Tapet, wurde sowohl von ihm bei anderen Fragekomplexen eingebracht als auch von der Zuhörerschaft in seiner Sinnhaftigkeit hinterfragt.

Derikatz erwähnte Andernach als Vorreiter- der essbaren Gemeinde, die inzwischen deutschlandweit mehr als 100 Nachahmer gefunden habe. Als Projekt „weit gediehen“, sogar schon mit Preisen ausgezeichnet worden seien die Initiatoren. Im Grundsatz geht es darum, dass öffentliche Grünflächen zur Bepflanzung zur Verfügung gestellt werden. Bürger können hier setzen, was sie möchten, die gewachsenen Ergebnisse stehen allen zur Verfügung.

„Jeder kann das Obst und Gemüse ernten, das an allen Ecken und Enden wächst“, erläuterte Derikatz. Allerdings brauche es auch klare Strukturen. Die Umgebung, das Ortsbild werde harmonischer gestaltet, bekomme ein freundlicheres Aussehen. Schulen, Kindergärten, Bürger, aber auch den Bauhof sah der Kandidat hier mit im Boot, hob aber ebenso die generationenübergreifende Kommunikation auf diese Weise hervor. „Das ist keine Spinnerei“, wurde Derikatz mit Hinweis auf erfolgreiche Realisierungen nicht müde zu betonen.

„Die intakte Natur um uns herum ist ein wesentlicher Aspekt unserer Lebensqualität“, postulierte Dr. Sascha Weber. Er sprach sich für eine Fortsetzung der schon bisher betriebenen nachhaltigen Forstwirtschaft aus. Man könne über ein Ausgleichskataster nachdenken, um Flächenverbrauch aufzufangen. Einen ähnlichen Ansatz gab es auch von Christiane Hennrich. Sie hob weiter auf verschiedene Baumfällaktionen ab, deren Sinn sich ihr nicht erschloss.

Eine Baumschutzsatzung, wie sie von den Grünen schon einmal angeregt wurde, empfand sie als „gute Sache“. Hennrich sprach sich dafür aus, das Ortsbild attraktiver zu gestalten „und nicht so kahl zu lassen“. Zwar gehe es immer ums liebe Geld, aber „Stück für Stück“ lasse sich einiges verwirklichen. Steuobstwiesen prägten die Region und würden vor allem von Ehrenamtlichen gepflegt, sagte sie.

Ein Thema, das mit Blick auf die Aktivitäten der Firma Falter in Heddesbach auch Martina Tavaglione ansprach. Diese unterstütze die Wiederanpflanzung alter Apfel- und Birnbaumsorten, was zu einem schönen Ortsbild beitrage. Sie sah zahlreiche Möglichkeiten auf kommunaler Ebene, um hier tätig zu werden. Sie gebe es an der Grundschule Schimmeldewog bereits ein Bienenprojekt, das ÜWG bilde in allen Klassen Energieberater aus. „Das sind Dinge, die von unten nach oben wachsen“, betonte die Kandidatin die Nachhaltigkeit.

Wie kann man mehr Menschen in den Überwald locken, gingen die vier Kandidaten noch auf eine Frage aus dem Publikum ein. Hennrich sprach sich für eine Rückbesinnung auf die Ursprünge aus, für einen attraktiven Tagestourismus, für eine attraktive Wander- und Fahrradwege sowie Angebote für Pferdehalter. Ein „unglaubliches touristisches Potenzial“ attestierte Weber der Region. „Wir müssen endlich anfangen, den Oden- und Überwald viel besser zu vermarkten“, forderte er. Eine wichtige Voraussetzung sei allerdings auch eine bessere Anbindung an die Metropolregion.

„Ruhigen, sanften und friedlichen Tourismus“ nannte Derikatz als Maxime. Denn die Menschen schätzten den Überwald gerade wegen seiner ländlichen Ruhe abseits des Großstadt-Trubels. An schönen speziellen Plätzen könnten Holzhäuser als Wanderziele errichten werden, meinte er mit Blick auf andere Regionen. „Wir sollten auf langsamen Tourismus setzen“, sagte auch Tavaglione. Zum Gesamtkomplex gehöre daneben, dass die Gäste genug Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten vorfänden.