Die Kirchweih im Überwald als Hauptfest der Landbevölkerung

Die „Kerwesaison“ im Überwald startet in diesem Jahr früh. Den Beginn macht Hartenrod bereits vom 2. bis 4. Mai, gefolgt ein Wochenende später von Aschbach und Kocherbach (8. bis 11. Mai). Für uns hat der Wahlener Heimatkundler Horst Mühlfeld, Vorsitzender des örtlichen Geschichts- und Kulturvereins, in alten Brauchtums-Büchern geblättert, um die Kirchweih, Kerwe oder Kerb als bedeutendstes Fest des Jahres in den Dörfern des Odenwaldes näherzubringen.

Das Kerwefest erstreckt sich laut Mühlfeld meist über drei Tage und findet in der Regel von Samstag bis Montag statt (Ausnahmen bestätigen die Regel). Kirchweih ist, wie der Name schon sagt, der Tag, „an dem die Dorfkirche dem Schutzpatron und Namensgeber geweiht wurde“. Wie kann man aber Kirchweih in einem Dorf feiern, in dem keine Kirche vorhanden ist, stellt Mühlfeld eine interessante Frage in den Raum. Wenn das Dorf keine Kirche habe, so ist dem Heimatforscher zufolge der Schutzpatron des Dorfes für das Kerwedatum zuständig. Die erste Kirchweih wurde seinen Worten zufolge laut Lorscher Kodex im Jahr 765 gefeiert, als die dortige Klosterkirche geweiht wurde. Sogar Karl der Große soll dabei gewesen sein.

In den Ablauf der Kirchweih im Odenwald „war früher stets der örtliche Pfarrer mit eingebunden“, so Mühlfeld. Diese Tradition erfuhr auch mit Aufkommen der Reformation in Deutschland keinen Abbruch. Im Kurmainzer Staat legte die Obrigkeit großen Wert auf die Feste – Kirchweih war laut Mühlfeld neben der Fastnacht das Hauptfest der Landbevölkerung. „Wie auch heute nahm die ganze Gemeinde daran teil.“

Verwandte, Bekannte, Musiker – und häufig auch Diebe – kamen, Händler boten ihre Waren an, Zahnbrecher und Schausteller sorgten für Kurzweil, führt der Vereinsvorsitzende aus. Doch ab dem 16. Jahrhundert „reagierte die Obrigkeit zunehmend kritisch auf Kirchweih und Fastnacht“. Denn die lief ihrer Meinung nach „zu undiszipliniert und ausschweifend ab“. Kirchenverordnungen und Gesetze wurden erlassen, die auch für den Odenwald galten.

1573 kam es laut Mühlfeld sogar so weit, dass das Feiern der Kerb in Hessen unter Androhung von Strafe verboten war. Als Begründung gab man an, dass sie einen katholischen Ursprung habe und es bei diesem Fest „durch übermäßiges Fressen und Saufen zu Unzucht und üblen Schlägereien komme“. Doch die zahlreichen Erlasse nutzten nicht viel, weiß Mühlfeld zu berichten. Oft gelang es der Bevölkerung, die Verbote zu umgehen „und die lokalen Amtsträger und Pfarrer von der Notwendigkeit der Kirchweih zu überzeugen“.

1782 wird von einer Beschwerde an die Landesregierung berichtet, „dass Tantzen, Trincken und Spielen die Nächte durch zum äußersten Verderben der Jugend und zum Veranlass Schlägereien und Unzucht geduldet werde, wie dann in dem kleinen Orth Dresel (Trösel) drey by derley Gelegenheit geschwängerte Mägdlein sich befinden“.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert wurden von der Obrigkeit weitere Verordnungen erlassen, so der Heimatkundler. Mit Genehmigung des Papstes seien 20 niedere Feiertage auf Sonntag verlegt worden, „die Kirchweih durfte nur noch einen Tag nach Sonntag gefeiert werden“. Auch sollten alle Kirchweihtage in der Erntezeit auf einen anderen Termin verlegt werden, Orte ohne eigene Kirche sollten mit ihrem Pfarrort die Kirchweih feiern. Ziel war es, „den Landmann nicht unnötig von der Arbeit abzuhalten“.

Doch nach wie vor erwies sich die Bevölkerung als halsstarrig und feierwütig, erläutert Horst Mühlfeld. Sie ließ sich ihre Kerwe einfach nicht nehmen. „Das sah schließlich auch die Obrigkeit ein und kassierte lieber Strafgelder und Steuern.“ Ähnlichkeiten zum Umgang mit Bestimmungen und Gesetzen in heutiger Zeit sind rein zufällig…

Die Kerwe das höchste Dorffest wird von zahlreichen Bräuchen umrahmt, berichtet er. So werde die Kerwe vor dem Dorf ausgegraben und per Festzug in den Ort geleitet, dort zur Schau gestellt, nach der Feier wieder hinausgetragen und begraben oder verbrannt. Träger des Kerwebrauchs sind seinen Worten zufolge die Kerweburschen, sie übernähmen die gesamte Ausgestaltung des Festes. Sinnbild sei meist der bunt bebänderte Kerwekranz, „in manchen Ortschaften aber auch eine mit Stroh ausgestopfte Puppe“.

Die Kerweumzüge finden Mühlfeld zufolge in der Regel am Nachmittag des Kerwesonntags statt. Die teilnehmenden „Gestalten“ können in den jeweiligen Odenwalddörfern unterschiedlich sein. Meist sei der Anführer der Kerwepfarrer, in manchen Dörfern trete noch der Schimmelreiter, eine Doppelgestalt – Frau mit Mann auf dem Rücken – auf oder werde das Kerwerad mitgeführt. Auch das ausgegrabene Kerwezeichen, „oft ein mit Apfelwein gefüllter steinerner Krug“, werde unter Musik zur Schau getragen.

Der Kerwepfarrer, meist als evangelischer Geistlicher verkleidet, steigt nach den Worten des Wahlener Heimatforschers auf eine Leiter und verliest die Anekdoten aus dem vergangenen Jahr, oft in Versform. Musikanten spielten derzeit die altbekannten und überlieferten Weisen wie „Schnicker“, „Trippler“, „Schleifer“, „Schürzenwalzer“, „Polka“ und vielleicht sogar den „Siebensprung“. Beim Tanz komme oft wieder der Odenwälder Nationaltanz, der Dreischrittdreher, zu Ehren.

Der Kerwemontag wiederum ist laut Mühlfeld den Ortsansässigen vorbehalten, während die auswärtigen Gäste den Sonntag ausgiebig mitfeierten. „Montag um Mitternacht ist die Kerb zu Ende.“ Den Abschluss bilde das Verbrennen der Kerwestrohpuppe oder das Vergraben des Weinkruges. Im Laufe der Zeit habe sich der Kerwebrauch verändert, erläutert er. „Manche Sitten gerieten in Vergessenheit, neue Bräuche kamen hinzu.“ Was aber geblieben sei: Es wird gesungen, getanzt und gelacht, „gefressen und gesoffen“ – die Kerwe ist immer noch die Kerwe.

Horst Mühlfelds Quellen: Geschichts- und Heimatbücher über den Odenwald

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An Ostern soll der Winter vertrieben und verbrannt werden

Ostern ist das höchste christliche Fest im Kirchenjahr. Wie viele andere Feierlichkeiten im Christentum „hat auch Ostern einen weit vorchristlichen Ursprung“, erzählt Heimatkundler Horst Mühlfeld. Für uns hat der Heimatforscher aus Wahlen in verschiedenen Büchern geblättert und interessante Details über die „Osterbräuche im Odenwald“ zusammengestellt.

Bis sich die christliche Glaubenslehre dem Osterfest annahm, bestand Sinn und Zweck der Feier etwa in germanischer Zeit darin, den Übergang vom Winter in den Frühling zu feiern, sagt Mühlfeld. „Der Winter wurde vertrieben und das Leben in der Natur erwachte.“ Deren Wiederbelebung nach einer langen, entbehrungsreichen und harten Jahreszeit sollte gebührend bejubelt werden. „Die ersten Blumen brechen aus der Erde, die Luft verbreite einen eigentümlichen frühlingshaften Geruch.“

Um den Winter zu vertreiben, zu verbrennen oder auszutragen, wurden laut dem Heimatkundler aus Stroh und Lumpen Puppen hergestellt, die unter Singen durch das Dorf getragen und anschließend verbrannt wurden. Mit Peitschenknallen sollte der Winter verscheucht werden und der Sommer Einzug halten. Junge Burschen und Mädchen sprangen über das Osterfeuer, brennende Räder wurden einen Abhang hinunter gerollt.

Das Osterfeuer sei das Symbol der Reinigung, werde aber auch als Mittelpunkt des Lebens, der Fruchtbarkeit und des Wachstums der Ernte angesehen, erläutert er. Es werde in der Nacht zum Ostersonntag im Dorf entzündet und oft von einem Priester geweiht. Mittels der Osterkerze oder einer Fackel trage man das geweihte Feuer in jeden Haushalt und entzünde mit ihm den heimischen Herd. Das solle die bösen Geister davon abhalten, Unglück und Krankheiten zu verbreiten, so die Ausführungen von Horst Mühlfeld.

Zur Ostermythologie gehört seinen Worten zufolge auch das Schöpfen von Quellwasser aus einem bestimmten Brunnen noch vor Sonnenaufgang am Ostermorgen. Das Wasser solle Heilwirkung besitzen, die Handlung dürfe nur von unverheirateten Frauen vorgenommen werden. „Sie dürfen während der Zeremonie nicht sprechen und nicht lachen, sonst verfliegt die Wirkung des Wassers. Es wird zu Babbelwasser“, zeigt er den Bezug von alten Bräuchen zu noch heute gängigen Redewendungen auf.

Schon seit Jahren wird in Hirschhorn der Brunnen auf dem Marktplatz durch die Kolpingsfamilie festlich geschmückt. Auch dieses Jahr wieder haben sich die Mitglieder viel Mühe gegeben und den Marktbrunnen übers Osterfest mit viel Liebe zum Detail dekoriert.

Ein weiterer Osterbrauch ist nach Mühlfeld das Zubereiten des Osterlammes. Diesen Ritus führe man auf das jüdische Passahfest zurück, wo tatsächlich ein Lamm Gott geopfert werde. „Das Osterlamm in unseren Breiten ist ein Ostergebäck und hat nur eine symbolische Bedeutung.“ Es sei ein sogenanntes „Gebildbrot“, das auch in anderen Formen wie Vögel, Sonne oder Hasen gebacken werden könne.

Osterhase und Osternest mit Osterei sind laut dem Heimatforscher ebenfalls überlieferte Bräuche. Der Hase und das Ei seien schon in der ägyptischen Mythologie Symbole der Fruchtbarkeit gewesen „und wurden an die unterschiedlichen Kulturen weitergereicht“. Bereits im 1. Jahrhundert n.Chr. hätten sich die Menschen gegenseitig Eier als Geschenke überreicht. Im 4. Jahrhundert kamen die ersten farbigen Eier auf, wobei die Farbe Rot dominierte. Ab dem 16. Jahrhundert habe sich der Osterbrauch immer weiter entwickelt, bis die Eigestaltung zu einer wahren Kunst geworden sei, so Mühlfeld. „Viele dieser Techniken wurden bis in die heutige Zeit überliefert und erfreuen sich weiter großer Beliebtheit.“

Die Ostergeschenke würden etwa seit dem 17. Jahrhundert nicht persönlich überreicht, sondern im Garten versteckt. Warum aber bringe sie gerade der Osterhase und lege sie in ein dafür vorgesehenes Osternest, greift Mühlfeld eine immer wieder gestellte Frage auf. Erklärung: „Die Osterzeit fällt in die erste Paarungszeit des wild lebenden Hasen nach dem Winter.“ Der Hase wiederum „ist ein Symbol für die Fruchtbarkeit und das Ei das Symbol für erwachendes Leben“. In diesem Zusammenhang gesehen falle es nicht schwer, „die Behauptung aufzustellen, dass der Hase die Ostereier bringt“.

Ostern sei ein beweglicher Feiertag und werde nach dem Mondkalender festgelegt, erklärt Mühlfeld. Der Ostersonntag falle immer auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond zwischen dem 22. März und dem 25. April eines Jahres. „Dieser Zeitrahmen wurde auf dem päpstlichen Konzil von Nicäa 325 n.Chr. festgelegt und hat sich bis heute nicht verändert.“

Die Kirche biete den Gläubigen an Ostern eine Form des Feierns an. Aber die Menschen selbst hätten im Laufe von Jahrhunderten bestimmte Traditionen entwickelt, wie sie sich das Osterfest vorstellen und entsprechend feiern möchten. Das Osterbrauchtum wiederum dürfe nicht für sich alleine betrachtet werden. „Die Bräuche im Winter gehen fließend in die Sommerbräuche über“. Denn in vergangener Zeit gab es laut dem Heimatforscher „nur zwei Jahreszeiten, nämlich die Sommerzeit und die Winterzeit“. Allzu viel hat sich wettermäßig allerdings heutzutage auch nicht daran geändert, wie der Blick aus dem Fenster aufs Osterwetter zeigt.

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Heiraten am Donnerstag sollte eine lange und glückliche Ehe garantieren

„Kennst du den noch?“ oder „Ist das nicht der…?“: Die alten Bilder aus Wahlen und Umgebung, gezeigt von Horst Mühlfeld bei seinem Vortrag „Brauchtum im Odenwald im Jahresablauf“, riefen bei Besuchern und Vereinsmitgliedern so manche Erinnerung wach. Fleißig wurde gerätselt, wer denn nun auf dem Bild zu sehen sei oder wo dieses entstand. Der Vereinsvorsitzende referierte über die zahlreichen lokalen Bräuche im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Geschichts- und Kulturvereins Wahlen.

„Kaum eine Landschaft besitzt ein so reichhaltiges Brauchtum wie der Odenwald“, leitete Mühlfeld seinen Vortrag ein. Viele Völker seien im Laufe der Jahrhunderte hier durchgezogen. Auch sei der Gegensatz von Kurmainz und Kurpfalz sowie von Katholiken und Protestanten sehr fruchtbar in Bezug auf kulturelle Hinterlassenschaften gewesen. Der Versuch der Altvorderen, unter schwierigen äußeren Bedingungen der Familie ein gutes Leben zu ermöglichen, habe sich in vielfältigen Bräuchen niedergeschlagen.

Und natürlich in den Festen des Jahreslaufs. Diese „ließen den harten Alltag für kurze Zeit vergessen“, so der Vorsitzende. Viele Bräuche seien aber im Übergang von einer landwirtschaftlich zur städtisch-industriell geprägten Gesellschaft verloren gegangen. „Neuen Bräuchen fehlt oftmals die Traditionskette“, so Mühlfeld.

Vielfältige Verhaltensregeln machte er aus, wenn im Odenwald früherer Zeiten die Geburt eines Kindes anstand. „Die Schwangere durfte kein Garn wickeln und nicht unter einer Wäscheleine hindurchlaufen“, berichtete Horst Mühlfeld. Nachts herrschte für sie Ausgehverbot. War das Kind geboren, „durfte es nicht aus dem Fenster gehalten werden“. Verpönt war auch der Aufenthalt im Regen. Denn dadurch konnten Sommersprossen entstehen. Die Fingernägel mussten dem Kind abgebissen werden – würde sie die Mutter schneiden, könnte aus dem Zögling später ein Dieb werden.

Weiteres Thema von Mühlfelds Vortrag waren die Hochzeitsbräuche. War zuerst die Eheschließung nur der Kirche vorbehalten, so änderte sich dies 1876. Ab dieser Zeit, so der Vereinsvorsitzende, sei die Ehe nur noch durch Unterschrift auf dem Standesamt gültig gewesen. In früherer Zeit „wurden die Kinder oft schon in der Wiege einander versprochen“, sagte er. Wichtig sei der jeweilige Stand der potenziellen Eheleute gewesen und ob sie zusammen passten.

Ein anderer wesentlicher Schritt in der Eheanbahnung war laut dem Referenten die Mitgiftverhandlung. Ging diese erfolgreich über die Bühne, stand die Herrichtung der Hochzeitskrone an. Eheschließungen selbst fanden Mühlfeld zufolge immer an Donnerstagen (dem germanischen Gott Donar gewidmet) statt. Davon erhoffte man sich „eine lange und glückliche Ehe“. Eine den Brautleuten übergebene Schale mit Brot und Salz sollte dafür sorgen, dass im gemeinsamen Haus „nie Armut einzieht“.

Ob nun das Wort Fastnacht vom alten deutschen Zeitwort „fasen“ (für Unsinn treiben) oder von der Fastenzeit hergeleitet wird: Laut Mühlfeld geht es darum, den Winter auszutreiben. Hauptzeit im Odenwald war der Fastnachtsdienstag. Dann wurde der Viehstall ausgemistet und mit Holzasche kreuzförmig ausgestreut. Die Arbeit auf dem Feld musste an diesem Tag ruhen, die Frauen durften keine Wäsche waschen. Und zum Abendessen gab es nach Mühlfelds Worten Blutwurst mit Dörrobst und Kreppel (was in der Zuhörer-Runde ein allgemeines Ihhh nach sich zog).

Doch die Winteraustreibung war nicht nur auf diesen Anlass beschränkt. Der Sonntag Laetare in der Mitte der Fastenzeit, Osterfeuer und Pfingstbräuche sind ebenfalls dem Thema zuzuordnen. An Laetere etwa, erläuterte der Referent, gingen (verkleidete Bürger als) Winter und Sommer zusammen zu allen Höfen. Oftmals würden sie auch hereingebeten, worauf der Sommer die Fenster öffne, damit der Winter besiegt werden kann.

„Das Hauptfest der Landbevölkerung im Odenwald“ ist Mühlfeld zufolge die Kerwe oder Kirchweih. Bei ihrem Ablauf sei der örtliche Pfarrer miteingebunden gewesen. Ab dem 16. Jahrhundert habe die Obrigkeit zunehmend kritisch reagiert, ab dem 18. Jahrhundert gab es weitere Verordnungen, „um den Landmann nicht von seiner Arbeit abzuhalten“. Doch die Bevölkerung ließ sich dem Referenten zufolge „ihre Kerwe nicht nehmen“.

Richtung Weihnachten gab es dann die leuchtenden Rübenköpfe, den „Nickel“ oder das Christkind. Dieses sei auf die Gestalt der Frau Holle aus vorchristlicher Zeit zurückzuführen, so Mühlfeld. „Silvester war früher eine ernste Angelegenheit“, betonte er. Denn es sei darum gegangen, Hexen und Dämonen nicht ins neue Jahr mitzunehmen. Die Lösung: sie durch Lärm vertreiben. Daneben gab es Rituale wie das Blei gießen oder Karten legen – „was sich bis heute erhalten hat“. „Kommt der Wind von Osten, gibt es ein gutes Obstjahr, kommt er von Westen, wird es ein gutes Milchjahr“ – so die Weisheiten zum Jahresbeginn.

Das Osterfeuer diente nach den Worten des Vereinsvorsitzenden dazu, böse Geister abzuwehren. Dazu sei es in die Häuser getragen worden. Auch das Schöpfen von Wasser aus geweihten Brunnen sei so einzuordnen. „Das Volksbrauchtum basiert auf naturgebundenem Erfahrungswissen und heimatlichen Alltagsgewohnheiten“, fasste Mühlfeld zusammen. Symbolhandlungen seien zum Teil aus dem Glauben, zum Teil aus Aberglauben entstanden, schloss er seinen mit viel Beifall bedachten Vortrag.

Fastnachtsrad, Feuer, Hexen und Guggemusik in Darsberg

Der Kulturausschuss Darsberg veranstaltet am Fastnachtsdienstag, 17. Februar, ab 19 Uhr das traditionelle Abrollen des Feuerrades und das Entzünden des Scheiterhaufens. Bereits am Samstag, 14. Februar, wird ab 13 Uhr am Ortseingang aus Neckarsteinach kommend das ca. 1,80 Meter hohe und 2,50 Meter breite Feuerrad gestopft. Am Dienstag beginnt die Veranstaltung entlang der gesperrten Ortdurchgangsstraße ab 18 Uhr mit der Bewirtung. Gegen 19 Uhr startet der 14. Hexenumzug. Die Darsberger Hexen treffen sich im Dorfgemeinschaftshaus am Dorfplatz mit der Guggemusik „Neckarfurzer“ aus Neckarzimmern. Fremde Hexen sind eingeladen, sich in den Zug einzureihen. Entlang der Straße führt der Zug zu den Wiesen, wo die Hexen ein großes Feuer entzünden. Das Abrollen des Feuerrades wird gegen 19.30 Uhr stattfinden. Geführt von mindestens zehn Männern und begleitet durch die Hexen, wird das große Rad abgerollt. Die mehrere Meter hoch lodernden Flammen bieten ein beeindruckendes Bild für die Besucher. Um das große Feuer findet abschließend die Vertreibung der Hexen durch die symbolisierte Sonne statt.

Geschichtlicher Hintergrund: Wenn am Fastnacht-Dienstag in Darsberg wieder Birkenscheiben fliegen, das Fastnachtsrad zu Tal rollt, ein großes Feuer brennt und die Hexen mit der Guggemusik für zwei Stunden den beschaulichen Ort mit ihrem infernalischen Lärm aufschrecken, fühlt sich mancher Zuschauer in heidnische, düstere Zeiten zurückversetzt. Fastnacht lässt sich begrifflich aber auch aus der christlichen Fastenzeit ableiten. Was ist der Ursprung des Brauchtums? Ergebnisse der Fastnachtsforschung (kein Fastnachtsscherz!) legen die Vermutung nah, dass die Bräuche einen christlichen Ursprung haben: Im vierten Jahrhundert nach Christi wird die Fastenzeit erstmals erwähnt. Ende des 6. Jahrhunderts wird unter Papst Gregor dem Großen der Beginn der Fastenzeit auf „Aschermittwoch“ gelegt. Vor dieser Fastenzeit finden Feiern statt. Bekannt ist, dass Ende des 13. Jahrhunderts in der Vorfastenzeit männliche Bürger in Frauenkleidern sich zu Feiern treffen. Sie versinnbildlichen das Laster, eine sechstägige Antischöpfung vor der durch den Glauben geprägten Zeit. Mit der Reformation und der Aufhebung des Fastengebotes wurden auch die Bräuche zurückgedrängt. Erst im 19. Jahrhundert lebten die Bräuche als „Heidnisches Brauchtum“ wieder auf. Rieten und Bräuche wurden gemixt, neues hinzugedichtet. Erstmals traten Hexen in Erscheinung. Schellen kamen hinzu, die den Narren als lieblosen und gottfernen Gesellen erscheinen lassen.

Brauchtum: In Darsberg ist es eine lange Tradition, ein Fastnachtsrad abzurollen. Zumindest seit Beginn des 19. Jahrhunderts ist durch mündliche Überlieferung dieser Brauch bekannt. Lediglich in den Kriegsjahren gab es Unterbrechungen. Anfangs nur auf den Ort beschränkt, fanden mit der zunehmenden Mobilität zunächst auch einige interessierte Bürger aus der Kernstadt den Weg auf den Darsberg. In den Siebziger Jahren wurden erste Versuche unternommen, das Abrollen des Feuerrades durch ein kleines Rahmenprogramm attraktiver zu gestalten. Es wurden zur Unterhaltung der Gäste Musikkapellen engagiert und die Jungfeuerwehr bot Fackeln und Glühwein an. Wurde das große Rad beim Abrollen durch einen starken Wind begleitet, verursachte es bei so manchem Helfer nicht nur auf den alten Kleidern Brandflecken. So kamen die Feuerwehrleute auf die Idee, sich mit ihren Schutzanzügen gegen die sprühenden Funken zu schützen. Die Stimmung litt aber unter dem Anblick der silbern glänzenden Figuren. Dies war der Anlass, die Veranstaltung zu überdenken. Es kam die Idee auf, in Anlehnung an die alemannische Fastnacht mit Masken aufzutreten. Mit Hilfe von Sponsoren ließ man im südbadischen Kenzingen vier Masken schnitzen. Beim Abrollen im Jahr 1997 begleiteten die vier Hexen das Feuerrad.

Hexenumzug: Mit der Erweiterung der Veranstaltung im Jahr 1998 durch einen Hexenumzug mit zwischenzeitlich zwölf Masken, unterstützt durch die Guggemusik „Neckarfurzer“ aus Neckarzimmern und die entsprechende Werbung nahm das regionale Interesse zu. So können – je nach Witterung – die Veranstalter mit ca. 1000 Besuchern rechnen. Von 18 bis 22 Uhr dauert der Spuk. Gegen 18 Uhr sammeln sich die Hexen und die Guggemusiker auf dem Dorfplatz (Roter Platz). Auf der Wiese am Dorfeingang beginnt um 18.30 Uhr das Holzscheiben schießen. Gegen 19 Uhr laufen die Hexen und die Guggemusik in Richtung Wiese am Dorfeingang. Dort angekommen wird das Feuerrad entzündet und das Abrollen beginnt.

Das Feuerrad: Odenwälder Tradition, die vor allem in unserer Gegend gepflegt wird. Es sollen die bösen Geister vertrieben und der Winter verbrannt werden. Bis 1997 wurde das Rad durch Drehen von Strängen aus langem Stroh, das früher von den Bauern im Dorf gestiftet wurde, hergestellt. Dies war in früherer Zeit ein riesiger Spaß der jungen Burschen, es wird aber auch erzählt, dass mansche Mädchen im Stroh gesehen wurden. Heute wird das Stroh angekauft und kann wegen der maschinellen Getreideernte und der Rückzüchtung der Halmlänge nicht mehr gedreht werden, es ist schlichtweg zu kurz. Aus diesem Grund haben einige Helfer einen Käfig geschweißt, in der nun das Stroh gestopft wird. Dies hat die Arbeit wesentlich vereinfacht.

Scheibenschießen: Ein uralter Odenwälder Brauch, der in früheren Jahren in Darsberg am Faschingsdienstag betrieben wurde, dann allerdings wieder über viele Jahrzehnte in Vergessenheit geraten war und erst ab 1998 wieder auflebte. Früher hatten junge Burschen die glühenden Holzscheiben aus Birkenholz, deren Durchmesser ca. 10 bis 15 Zentimeter betrug und in der Mitte eine Bohrung besaßen, mit Haselstecken durch den Nachthimmel geschleudert. Während des Wurfes haben sich die Halbstarken etwas gewünscht. Wenn der Wurf misslang, wurde er kurzerhand für ungültig erklärt. Entnommen der Seite http://www.darsberg.com

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