Lizzy Aumeier liest auf bayrisch die Leviten

Mit Lizzy Aumeier sollte sich keiner anlegen, außer er bekommt gerne einen auf den Deckel, dass es nur so scheppert. Die Kabarettistin aus der Oberpfalz ist die Kampfbayerin par excellence, die zum Glück ihre Feindbilder zuhauf im Freistaat findet, sodass sie nicht groß in Baden-Württemberg wildern muss. Horst Seehofer, Florian Silbereisen, Markus Söder oder Alexander Dobrindt zieht sie im Programm „Wie jetzt?“ durch den Kakao.

Aumeier erschlägt sie alle mit ihrem losen Mundwerk, das unaufhaltsam sprudelt, sich selbst überholt. Sie zieht gnadenlos vom Leder, redet sich in Rage, dass die Sätze nur noch so aus ihr raus purzeln. Vor lauter Wut überschlägt sie sich fast in ihrem Furor, verfällt so tief in ihre Mundart, dass die Weinheimer die Ohren spitzen müssen.

„Ich habe gehört, dass ich nuschele“, fragt sie ungläubig nach der Pause in die Menge. Ein lautes „Ja“ schallt ihr entgegen. Zurecht, denn in der ersten Hälfte kam sie etwas schwer verständlich in ihrem flotten, verschluckten Oberpfälzisch rüber. Später hatte dann der ganze Saal viel mehr von ihren Lebensweisheiten, teilweise eher derb unter der Gürtellinie, teilweise einfach nur gnadenlos offenherzig rübergebracht. Wobei mindestens der eine oder andere Gag schon bekannt war.

Wobei Lizzy Aumeier zwei Pluspunkte hat: ihre Musik und ihre Grimassen. Dass sie eine begnadete Kontrabassisten ist, zeigt sie ein ums andere Mal mit Svetlana Klimova, der Konzertmeisterin der Moskauer Philharmoniker und ihrer Nachbarin im bayrischen 500-Seelen-Dorf. Wie die in ihrem russischen Slang in Mundart loslegen muss, ist eine vielbeklatschte Show. Ob Michael Jacksons Thriller oder Vivaldis aufgepeppte Vier Jahreszeiten: Die beiden würden auch als Musik-Duo reüssieren.

Und dann die Grimassen. Aumeier macht sich über Sport 1 lustig, wo nachts die „nackerten Weiber“ zu sehen sind. Damit ins Senderschema passt, müssen die leichtbekleidet eben Sport machen. Auf Zuruf legt das Oberpfälzer Vollweib die wildeste Pantomime hin, dass die Zuschauer aus dem Lachen nicht mehr rauskommen. Fußball, Reiten, Rugby, Tennis: Lizzy lässt die Hautlappen vibrieren und grimassiert sich einen ab.

Überhaupt die Körperfülle und das Altwerden: ein Dauerbrenner in ihrem Programm. „Leider ist der BMI wichtiger als der IQ“, bedauert sie. Der Zug zu Thin Lizzy ist halt abgefahren. Mit zu vielen Kilos hat die 55-Jährige kein Problem. Sie ist nicht dick, sondern die, „die im Kettenkarussell weiter außen fliegt“. Bewegungsmelder statt Schrittzähler lautet zuhause ihre Devise.

Aus ihrer politischen Heimat macht die Oberpfälzerin kein Geheimnis, auch wenn sie einen Abgesang auf die SPD liefert. Zur „Westerland“-Melodie wünscht sie sich die Partie Helmut Schmidts und Willy Brandts wieder herbei, findet kein gutes Haar an Gerhard Schröder und beschwert sich über das Gekrächze von Andrea Nahles, wo die Sozialdemokraten doch jede Stimme brauchen.

Pointiert, bissig, böse, startet Aumeier den ultimativen Rundumschlag, watscht Sophia Thomalla, Jens Spahn, Mesut Özil oder Christinan Lindner ab. Lieblingsfeind: natürlich die Rechten mit ihrer Doppelmoral. Dazu noch der Kurzdurchlauf aller Tatort-Handlungen und ein hämischer Nestle-Klatscher. „Denen ist gelungen, dass in Äthopien in den vergangenen zehn Jahren keiner ertrunken ist“, meint sie zum Grundwasser-Raub.

Ein paar bekannte Gags später (Komasaufen in Baden-Württemberg ist Vorglühen in Bayern, der Traktor auf dem Land vor den Motorradrasern: „Das Safety-Car ist draußen“) richtet sie einige bitterböse Bitten ans Universum: Spahn soll ein Jahr lang nur von Hartz IV leben oder Seehofer einen schwulen syrischen Sozialdemokraten als Pfleger bekommen.

Die Angst des Ablebens vor dem Fernseher mit Florian Silbereisen als letztem Eindruck, ihre Abrechnung mit der MeToo-Debatte oder zwei Wochen Kreuzfahrt für die Senioren, weil das immer noch günstiger ist als zwei Wochen betreutes Wohnen: Mit Lizzy Aumeier gibt’s ein gnadenloses Bashing all dessen, was ihr zuwider ist. Das Lachen ist in der Alten Druckerei quasi der Bordun-Ton des Abends. Rauschender Beifall verabschiedet sie nach der kurzen Zugabe.

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Hennis Verklärung des Hessischen

Henni, bleib bei deinem Hessisch. Irgendwie ist es komisch, wenn die am oberen Ende behaarte Hälfte des Comedy-Duos „Badesalz“ plötzlich hochdeutsch redet – kennt man Henni Nachtsheim doch eher als Mundart-Babbler, der für seine Schnelligkeit im heimischen Idiom schon fast einen Waffenschein braucht. Mit seinem Solo-Programm „Gisela“ war der Comedian nun in der Alten Druckerei zu Gast – und es waren erstaunliche viele Stühle noch frei.

Vielleicht lag es daran, dass der 62-Jährige mit seiner Stubenfliege Gisela bereits bald zwei Jahre auf Tour ist – da mögen ihn die Fans vielleicht schon anderswo gesehen haben. Die Angst der Weinheimer, Nachtsheim nicht verstehen zu können, dürfte es nicht gewesen sein. Denn der redet erstaunlich viel Schriftsprache an diesem Abend, und selbst wenn: Mit den paar Kilometern bis zur hessischen Grenze tun sich keine unüberwindbaren Sprachbarrieren auf.

Aber möglicherweise kamen manche auch in Kenntnis des Programms nicht. Es wurde viel gebabbelt, viel geredet, auch vorgelesen und erzählt – und das zog sich. Die richtig großen Lacher, die Schenkelklopfer in hessischem Singsang, die von „Badesalz“ im Gedächtnis sind, die unvorhersehbaren Pointen, die gegenseitigen, ausartenden Beschimpfungen – die fehlten.

Nachtsheim ist dann in seinem Element, wenn er seine Herkunft betont: „Hessen als schlaustes Bundesland“. Lauter Jubel im Publikum zeigt, dass einige von dort über die grüne Grenze nach Baden-Württemberg gekommen sind. Den riesigen Wissensdurst, den Durst nach Weiterbildung verbindet die hessisch eingefärbte Vorstellung in den Rängen natürlich prompt eher mit Äbbelwoi-Dorschd.

Herrlich seine Schilderung der verschiedenen speziellen VHS-Kurse, die es in anderen Bundesländern nicht gibt. Kompaktgespräche etwa nach dem Motto „Unn?“, gefolgt von „Selber?“ Alles gesagt. Auskunftsfreude, Empathie, Sympathie: Zwei Wörter voller Bedeutung. Der hessische „Sch“, in Wörter gezimmert, wo es eigentlich nicht vorgesehen ist, nimmt diesen die Schärfe, beweist er. Stöffsche, Bömbsche. „Es macht die Sprache flüssiger und erotischer, ist besser für die Gesundheit.“

Und dann noch die verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten für Handkäse, die sich dem Nicht-Hessen selbst in seinen wildesten Träumen nicht erschließen. Handkäs- statt Bernsteinzimmer, Brustvergrößerung durch Handkäs (analog dem Frankfurter Würstchen in der Hose) oder als Bausubstanz, um die Auswirkungen von Stürmen abzufedern (Häuser brechen nicht so leicht).

Gut bei sich selbst geklaut ist schon einen Programmteil wert: Henni Nachtsheim erzählt vom wahren Helden seiner Kindheit abseits von Micky Maus oder irgendwelchen Marvel-Figuren. Tat er aber schon im vergangenen Jahr bei seinen „Dollbohrer“-Gastspielen mit Rick Kavanian. Denn der wahre Held ist für ihn Kioskbetreiber Kurt Veith, der ihm immer die rot-schwarzen Gummiteufel verkaufte.

Überhaupt Kindheit und Familie: Denen widmet der in Neu-Isenburg aufgewachsene neben Stubenfliege Gisela (wie aber auch die ständig schimpfende Tante hieß) einen Großteil des weit über zweistündigen Abends. Er zeichnet liebevoll-bissig die verschiedenen Verwandten mit ihren besonderen Fehlern nach. So Onkel Karl-Heinz als schlechtester Elvis-Imitator ever (kein Wunder bei 1,63 und 162 Kilo), Drehbücher-Charly, dessen Filme es immer bereits gab, oder Porno-Paul als allerhässlichsten, dessen Stimme jedoch Träume produzierte.

Und eben Tante Gisela mit ihrem riesigen Schimpfwortarsenal. Alle waren sie hibbelig und nervös. Das muss sich wohl auch auf den jungen Henni vererbt haben, der fast ohne Punkt und Komma vor sich hin babbelt, gerne auch mal spontan aufs Publikum reagiert und kein Problem damit hat, nahtlos von einem Thema zum nächsten zu wechseln.

Neben Gisela gibt’s natürlich noch andere, frühere Haustiere, die kein allzu schönes Ende fanden. Etwa der Hamster auf der Carrera-Bahn oder der vorwitzige und vorlaute Rabe („schmeckt besser als Hähnchen“). Auf die eigenen drei Kinder ist der Comedian, auch wenn er das geschickt in eine Geschichte über deren Fehler verpackt, maßlos stolz. Denn die haben trotz aller Vorurteile des Papas, ob sie es überhaupt drauf haben, ihren Weg gemacht.

„Indiana Henni“, angetan mit Peitsche und Schlapphut, wollte in Weinheim ja ganz anders starten. Etwa mit der Sprengung einer Felswand, einer riesigen Showtreppe, gesäumt von 284 aserbaidschanische Tänzerinnen. Oder Peter Maffay auf einem Elefanten. Und einem Wasserbecken mit weißem Hai. Gibt’s nicht, sagte das Management. Bekommt alles Gerd Knebel für seine Show. Apropos: Die beiden zusammen sind besser als ein Teil davon.

Die alten Mädchen wissen um ihre Zipperlein

Die „Alten Mädchen“ wissen genau, was Sache ist. Anna Bolk, Jutta Habicht, Ines Martinez und Sabine Urig kennen genau ihre Zipperlein, die Gos und No Gos, wissen um jede einzelne Falte und jedes Gramm zu viel (oder zu wenig). In der Alten Druckerei sind die vier fitten Fünfzigerinnen damit natürlich bestens aufgehoben. Der Blick ins Publikum zeigt, dass zum Popkabarett viele „Leidensgenossinnen“ gekommen sind, die ihren – zumindest an diesem Abend – Leidensgenossen, ob er wollte oder nicht, im Schlepptau hatten.

Die selbsternannten Herren der Schöpfung bekommen natürlich auch ihr Fett weg, von dem manche Mädels in fortgeschrittenem Alter sowieso meinen, mehr als genug davon zu haben. Die Männer sind schuld an den fraulichen Wechseljahren (die es nur bei Menschen und Schimpansen gibt), ist zu erfahren, weil sie sich eine jüngere Partnerin suchen. Die Folge: „Was nicht mehr gebraucht wird, schafft sich ab.“

Der Umkehrschluss: Wie wäre es mit der Menopause für den Mann? Brigitte Woman wäre überflüssig, es gäbe vielleicht Holger Man? Günther Jauch räkelt sich darin auf der Couch, Florian Silbereisen säuselt über den Sexy-Typ mit 47? Geschlechterklischees sind die Paradedisziplin des Quartetts, vielleicht noch übertroffen von der Unzufriedenheit mit dem Altern. Dazu: Paarungsverhalten, Werbesprüche, Spätgebärende, Kinderlose, aufsässige Pubertierende.

Und Fragen über Fragen, die sich im trauten Kreise der sehr gut besetzten Alten Druckerei unter Frauen natürlich dezent klären lassen. Von der Milf bis zur Gilf geht das, mitsamt nicht jugendfreier Erklärung der Großmutter, die aufs Sexualleben nicht verzichten möchte. Das Singledasein mit dem Verzicht auf Zweisamkeit („keiner sagt einer, wie toll sie ist“), verbunden mit der indiskreten Erkundigung nach der Selbstbefriedigung, zeigt: Die alten Mädchen nehmen kein Blatt vor den Mund.

Fett, Falten, schlaffe Körperteile, Speckröllchen, eine BH-Größe von 70 A bis 85 G: Etliche Lebensjahre kalauern sich durch die Defizite der Midlife Crisis, haben an allem etwas auszusetzen und finden damit viele Gleichgesinnte im Publikum, wie die deutlich helleren Lacher zeigen. Anna Bolk schreibt alle Texte und Lieder und den anderen dreien auf den Leib. So ist Jutta Habicht aufgrund ihres Alters „nicht die hellste Kerze auf der Torte“, im Kopf hat sie nur noch Watte und „das Denken kann ich mir schenken“.

Sabine Urig, die schon Heinz Beckers Ehefrau Hilde spielte, blickt musikalisch zurück aufs Jahr mit Parship, zählt die Erfahrungen mit Nummer eins bis 75 auf, um dann bei Tinder zu landen. Anna Bolk macht mit ihren „Hoor“ und dem Tribute-Bodysuit einen auf Bülent Ceylan und ergibt sich langatmigen Träumereien hin einer Beziehung mit ihm hin, steigert sich total rein, um dann frustriert von der Bühne zu schleichen.

Vielleicht wäre weniger manchmal mehr. Ein Thema bis zum Exzess auszubreiten, in allen Facetten auszumalen, verliert irgendwann den Witz. Wie auch das ewige Lamento der Mädels mal eine gewisse Wiederkennbarkeit hat: Sie sind älter, zu alt, jenseits der 50, kriegen keinen gescheiten Typen mehr ab, die Figur ist entweder zu dürr oder zu üppig, haben alle ihre Wehwehchen und Gebrechen, geben sich ohne Gnade dem Selbstmitleid hin. Das jedoch stimmlich in höchster Qualität, die den Inhalt übertüncht.

Wenn sich die vier ob ihrer Unzulänglichkeiten kabbeln oder ein Opfer in der ersten Reihe ausmachen, sind die Mädels wiederum in Hochform. Köstlich der Exzess, pardon Exkurs, über die herabfallende Kinnhaut, bei der der arme Dietmar ganz vorn plötzlich im Zentrum des Geschehens steht.

Bademantel über Unterwäsche, Trainingshosen, Nachthemd mit Socken und ein Striptease (aber nur bis zum BH): Den vier „Hell’s Grannies“, wie sie der britischen Komikertruppe Monty Python in den Sinn gekommen sein könnten, ist nichts heilig. Die Schauspielerinnen haben schon in mehreren Wechseljahr-Produktionen unter der Regie von Gerburg Jahnke mitgewirkt, was sicher auch den deftigen Witz erklärt.

Ines Martinez mit ihrer warmen, weichen Stimme sowie Anna Bolk setzen musikalische Akzente, bei denen jedes Genre bedient wird. Sabine Urig verteidigt mit aller Macht ihre Kinderlosigkeit gegen die Übermuttis, die aber wieder über die nervenden Plagen klagen. Jutta Habicht glorifiziert die 50er: „Du musst nicht immer 50 sein.“ Oder: „Über 50 Brücken musst du gehen.“ Dem überwiegend weiblichen Publikum gefällt das, wie der stürmische Applaus zeigt.

Comedian Lisa Feller in der Alten Druckerei: Grinsend, grimassierend, gestikulierend, gackernd

Der Frauenüberschuss im Publikum ist nicht nur sichtbar, sondern auch deutlich hörbar. Kein Wunder: Comedian Lisa Feller ist so etwas wie das weibliche Gegenstück von Mario Barth, nur dass sie eben die Männer durch den Kakao zieht. Zum Glück nicht nur: Die vielgebuchte Kabarettistin kennt auch die feinen Zwischentöne, agiert nicht nur schlüpfrig unterhalb der Gürtellinie, sondern packt gerade im zweiten Set das komplette Instrumentarium an Gags jeglicher Couleur aus, dass die Zuschauer im Minutentakt in Lachsalven ausbrechen.

„Ausverkauft“ heißt es schon vor der Alten Druckerei, wo die 42-Jährige das erste Mal gastiert. Aber ihr Ruf durch Rollen in der Comedyserie Schillerstraße und durch Auftritte als Stand-Up-Komikerin im Quatsch Comedy Club, bei Nightwash, im RTL II Fun Club und anderen Comedy-Formaten ist der in Düsseldorf geborenen vorausgeeilt. Seit 2019 ist Lisa Feller auch noch Gastgeberin der ARD-Kabarettshow „Ladies Night“ und damit fast schon medial omnipräsent.

„Der Nächste, bitte!“ heißt ihr aktuelles Bühnenprogramm, mit dem sie inzwischen auch schon eineinhalb Jahre auf Tour ist. Aber eben noch nicht in Weinheim, wo die Frauenwelt euphorisch aufs Männerbashing reagiert. Ein paar Vertreter des männlichen Geschlechts sind natürlich auch dabei, aber die machen manchmal den Eindruck, als wären sie des lieben häuslichen Friedens willen mitgedackelt.

Der Blick ins Publikum zeigt, dass Fellers Witz generationenübergreifend ist. Hier das junge Pärchen, bei dem er sich immer mal wieder den Gag von seiner Freundin erklären lässt (was aber auch daran liegen kann, dass Lisa Feller zeitweise nuschelt und der Ton hinten nicht ganz verständlich ankommt). Dort das ältere Ehepaar, das angesichts der Probleme der Generation 40+ sicherlich nur müde lächeln kann. Denn bei 40 oder 50 Jahren Ehe haben die beiden schon völlig andere Dinge überstanden.

Nicht so Lisa Feller, sonst gäbe es den Namen ihres Programms nicht. Grinsend, grimassierend, gestikulierend, gackernd, gibt sie dem Affen Zucker. Mr. Right findet sich so einfach, was logischerweise auch an den Ansprüchen liegt, erfahren die Männer – und bekommen so ein paar (ungewollte) Tipps. Die Partnersuche ist nämlich wie Schuhe kaufen, verrät die Kabarettistin: „Man nimmt nicht gleich das erstbeste Paar.“ Und, aus Erfahrung: Die Treter müssen auf der Langstrecke nicht schön sein, aber eben bequem.

Der deutlich hellere Ton in den Lachern macht jetzt schon klar, wie die Gewichte verteilt sind. Frau kennt das, Frau fühlt, fiebert, feixt mit. Denn: „Perfekt würde schon reichen“, ist Feller mit nichts weniger als dem Komplettpaket zufrieden. Bodenständig, aber ein wenig crazy, Muskeln, aber nicht zu doll, kinderlieb, aber keine eigenen, eine Granate im Bett, aber selten Bock darauf, sie abzufeuern: Männer, es ist doch ganz einfach, was wollt ihr eigentlich?

Gut, dass damit die Suche dadurch natürlich etwas schwierig ist, wird auch dem ewigen Single Lisa Feller bewusst. Ein Ausflug ins Fitnessstudio, wo der „Schnupperkurs“ eine ganz neue Bedeutung gewinnt, ist genauso wenig erquickend wie der Beau, dessen Schönheit ja nicht von allein kommt und der in der Drogerie die Bude leer kauft. Die 42-Jährige versteht es, die Nöte der Frauen plastisch zuzuspitzen, lacht gerne und oft über sich selbst, versprüht gute Laune, dass man ihr ein paar Längen in der ersten Hälfte gerne nachsieht.

Ihr Programm ist zum Glück nicht so platt, dass Fremdschämen angesagt ist. Sie bekommt immer wieder mit einem Augenzwinkern die Kurve. Denn letztendlich basiert ja auch der ganze Abend auf dem, was der Lonely Comedian in den vergangenen Jahren so zugestoßen ist. Ihren beiden Söhnen ist zu wünschen, dass die später keine Aufzeichnung davon sehen, denn der Sieben- und Elfjährige bekommen kräftig ihr Fett weg.

Irgendwann setzt, mit fortschreitendem Alter, die Feller-Erkenntnis ein: Es ist egal, wie der Partner aussieht. Etwa Sebastian, nicht ganz Rainer Calmund, aber auf dem Weg dahin. Dazu kommen noch die verschiedenen Freundinnen, die einen Single mit allen Mitteln unter die Haube bringen wollen – peinliche Ereignisse vorprogrammiert.

Der Kuchenbackzwang beim Kita-Fest, der Supermarkt-Besuch in Crocks, Parka und mit Kajalresten, die Einladung zur Schlagersendung, der Eros-Center-Trip auf der Suche nach einem Netzdings für die Party mit dem Reeperbahn-Motto: Feller kennt sie alle, die Fallstricke im Alltag. Wie Mann noch den letzten Topf in die Geschirrspülmaschine quetscht, zeichnet sie so herrlich nach, dass es keinen mehr auf dem Stuhl hält. Nur so sprudelnd, ohne Punkt und Komma, ohne Manuskript, eben ganz Stand-up, landet sie einen Knaller nach dem anderen, sodass sie überschäumender Beifall nicht ohne Zugabe gehen lässt.

Schöne Mannheims reißen die Weinheimer mit

Was für eine Naturgewalt: Wenn die „Schönen Mannheims“ die Bühne entern, dann ist die enorme Präsenz der vier bis in die letzte Reihe zu spüren. Und die letzte Reihe war beim Auftritt in der Alten Druckerei auch besetzt, denn das Können der Monnemerinnen hat sich schon längst in der gesamten Kurpfalz herumgesprochen. Die Nachfrage war so groß, dass man die Saalkapazität locker hätte verdoppeln können. Da war es denn auch unerheblich, ob die vier mit ihrem 2016er-Programm „Entfaltet“ zu Gast waren. Es ist eigentlich egal was die Grazien bieten, sie sind einfach nur eine Show für sich.

Da ist Stefanie Titus, die fulminant die schwarzen und weißen Tasten bedient und so das musikalische Fundament für die stimmlichen Höchstleistungen ihrer Kolleginnen abliefert. Eine Virtuosin am Klavier, die ab und zu auch mal einen trocken-bitterbösen Humor aufblitzen lässt und damit den anderen dreien einen mitgibt. Aber die sind natürlich ebenfalls nicht zimperlich, wenn’s ums Ausschenken geht.

Anna Krämer ganz in Rot ist der Vamp, die Burschikose, die, die sich immer traut, keine Hemmungen hat und sich in der (gespielten) Phobie-Selbsthilfegruppe auch gerne mal breitbeinig auf den Stuhl fläzt. Herrlich, wie sie mit ihrer Stimme die ganze Palette von sinnlich-verspielt bis hin zu glockenhell draufhat. Susanne Back in Lila kommt bisschen als die Verhuschte rüber, die’s mit dem Rücken hat, eine Ballade aber so meisterhaft-volltönend singt, dass die Zuschauer danach begeistert in Beifall ausbrechen.

Und dann Smaida Platais. Deren Pink sticht so heftig in die Augen wie ihre Stimme Spuren in den Ohren hinterlässt. Von Oper über Chanson bis Schlager, mehrere Oktaven überbrückend, so kräftig, dass ihr Organ wohl auch ohne Mikro bis in die letzten Ränge dringen würde, ist sie ein wenig der ruhende Pol angesichts der beiden anderen gackernden Hühner. Natürlich dürfen die hochgezogenen Augenbrauen von Pianistin Vitus aber nicht fehlen.

Das Programm gibt den Vieren logischerweise Zucker, ist bestens geeignet, dass sich die Musikerinnen an der eigenen Entfaltung im Alter parallel mit dem vermehrten Auftreten von Falten abarbeiten. Wie die Komfortzonen, die vorkommen, „obwohl sie keiner gerufen hat“. Wortspielereien, der Song über den Veganer-Hund oder auch mal ernste Themen: Temperamentvoll, herrlich komisch und ausgesprochen vielseitig präsentieren sich die Vollblut-Musikerinnen.

Smaida Platais etwa bekommt begeisterten Applaus für ihre Darstellung dessen, „was wirklich wichtig ist“. Sie vermengt dabei etliche Genres miteinander. Mal Richtung Singer-Songwriter, dann Schlager-Anleihen, danach wieder klassische Klänge: Dem Ohr wird eine ausgewogene Mischung aus brillantem Gesang und feinsinniger Schauspielkunst geboten.

Mal sind sie musikalisch zu viert unterwegs, dann zeigt jede einzelne ihr Können: Charme, Witz, Musikalität und Kurzweil unterhalten mehr als zwei Stunden lang die Zuschauer, die vom Können der Monnemer Schönen nicht genug bekommen können. Intensität und Leidenschaft leben die vier in ihren Songs – immer gepaart mit einer gehörigen Portion Ironie.

Der Ausflug nach Italien ist ganz großes Kino. Erst schmachtet Anna Krämer „Voglio parlare al tuo cuore“ im Stil der italienischen Schlagersänger, dass gefühlt die Adria an die Küsten der Alten Druckerei plätschert. Dann bekommt der Song einen Operntouch und Anna Bocelli schmettert ihn ariengleich in die Menge. Die Schönen Mannheims wären nicht sie selbst, wenn’s nicht gleich noch einen Lacher hinterher gäbe. Smaida Platais bekommt nämlich von Musik vom Stiefel sofort Heißhunger auf „Knotschi und Terracotta“.

Wer es noch nicht wusste: Für den durchschnittlichen Welthit braucht es 95 Mal das Wort „Liebe“, 17 Mal „Du“ und 20 Mal „Ich“. Kein Wunder, dass es im nächsten Lied nur so „Amore“ hagelt, wenn die Drückerei-Bühne zum Opernrund wird. „Da capo“ lautete danach der passende Zugaberuf, der nicht nur einmal an diesem Abend erklang. Der Mitklatscher „Ich will dich“ lässt schließlich keinen mehr Stillsitzen: Der vollbesetzte Saal feiert die Darstellerinnen.

Was 2011 mit „Hormonyoga“ startete, ist acht Jahre und drei Programme später zu „dem“ Hit in der Metropolregion – und weit darüber hinaus geworden – geworden. Frauenpower pur, die sich auch in der Besetzung der Besucher(innen) niederschlägt, kommt bissig, witzig, und erfrischend pietätlos rüber. Oper, Schlager, Chanson und Pop: Vor keinem Genre machen Vitus, Krämer, Platais und Back halt. Von ernst auf urkomisch geht’s in unter einer Sekunde. Erst ein bewegendes Lied und dann Comedy vom Feinsten. Das kommt einfach klasse an. Ohne Zugabe geht der gefeierte Auftritt nicht zu Ende.

Info: Die „Schönen Mannheims“ sind am Freitag, 8. März, 20 Uhr, im Wieslocher Palatin mit ihrem aktuellen Best-of-Programm zu sehen.

Ingolf Lück kalauert sich ablesend durch den Abend in Weinheim

Ingolf Lück ist ein Tausendsassa. Der Generation 50+ dürfte er durch die Moderation der Musiksendung „Formel Eins“ Mitte der 80er Jahre in Erinnerung sein, später, in den 2000ern, war er Anchorman der satirischen „Wochenshow“ auf Sat1, zwischendurch mal „Caveman“ auf der Theaterbühne und reüssierte vergangenes Jahr als Tänzer bei „Let’s dance“. Somit ist der 60-Jährige körperlich topfit. Komödiantisch hat er aber möglicherweise seinen Zenit überschritten, wie sich jetzt beim Gastspiel in der Alten Druckerei zeigt.

„Sehr erfreut! Die Comedy-Tour 2019“ heißt sein aktuelles Programm, das im Saal doch einige Stühle frei lässt. Am auffälligsten ist, dass Ingolf Lück nach einem kurzen Intro quasi alles abliest. Er hangelt sich augenscheinlich an seinen Vorgaben entlang, was der Spontaneität wenig Raum lässt. Und selbst wenn sie mal aufblitzen sollte, wird schnell klar, dass dies so im „Drehbuch“ steht. Kurze lokale Einsprengsel mit Bezug auf Weinheim reißen es nicht wirklich raus. Sie sind, man muss es so sagen, einfach nicht besonders witzig.

Stattdessen breitet der Comedian langatmig seine Kindheitserinnerungen aus, wie ihn als Vierjährigen die Mutter in Angst und Schrecken versetzte („wenn du das Kaugummi schluckst, stirbst du“) oder outet sich als Kindergartentranse Ingolfina, die dem Gleichaltrigen Tipps für den richtigen Fingernagellack gibt. Schwups dann der Sprung zum anderen hochnotpeinlichen Erlebnis in seinem Leben, dem Kiffen in Amsterdam als 50-Jähriger. Peinlich ja – komisch: nur bedingt.

Überhaupt die Sprünge und Wechsel: Denen kann man kaum folgen, so schnell hüpft der Kabarettist von einem Thema zum nächsten. Nur ein Stichwort reicht, und er ist schon beim folgenden Gedanken. Von den debilen Auswanderern bei „Goodbye Deutschland“, die an der Strandpromenade ein Café neben 700 anderen gleichartigen Läden aufmachen, ist es da nicht weit zur Fahrradprüfung in der vierten Klasse, die er zwei Mal krachend versemmelte. Wobei Lück diese Demonstration seiner Unfähigkeit auf zwei Rädern so gründlich auswalzt, dass es viel zu langatmig wird.

Comedians müssen natürlich zur Übertreibung neigen, das gehört zur Jobbeschreibung. Aber sie immer wieder auf die Spitze zu treiben, erhöht die Gefahr, dass diese Anhäufung von Unwahrscheinlichem irgendwann ermüdet. Letztlich sind die Nahtod-Erfahrungen, die einem über 50-Jährigen begegnen, doch ein wenig überzogen, wenn sie genüsslich in allen Details ausgebreitet werden. Immerhin: Man ist ab 50 nicht alt, sondern „vintage“. Das klingt auf jeden Fall besser.

Der Bielefelder (ja, die Stadt gibt’s wirklich) kann auch anders. Nur lässt er seinen bitterbösen Humor, bei dem das Publikum manchmal nicht weiß, ob es jetzt lachen oder entsetzt sein soll, viel zu selten aufblitzen. Platt kann Lück auch – und damit ist nicht die Sprache gemeint. Etwa wenn er sich über die verarmten Mediziner mokiert, die jetzt auch noch kellnern gehen müssen. Also Ober-Ärzte.

Da merkt er selbst, wie niedrig gerade der Humorpegel ist und schiebt gleich noch einen Narrhallamarsch hinterher – in der Faschingszeit darf der Humor etwas bodenständiger sein. Oder AfD-Frau Alice Weidel, die mit ihrem Bandscheibenvorfall zum „Heil“-Praktiker geht. Kann man bringen, muss man nicht.

„Bauer sucht Frau“ hat es dem Ostwestfalen angetan. Vielleicht, weil seine Heimat eine doch etwas spezielle ländliche Gegend ist, deren Bewohner als maulfaule Sturköpfe verschrien sind. Die gehen nicht nur, weiß er, zum Lachen in den Keller, sondern graben dort noch ein Loch, um darin zu lachen. Lück zählt logischerweise nicht dazu, weshalb er jetzt auch in Köln wohnt. Ihm würde man eher mal wünschen, dass er etwas langsamer abliest und somit den Zuschauern die Chance gibt, den einen oder anderen guten Gag – den es durchaus gibt – richtig zu goutieren.

Sein Hand zur „Selbstsuboptimierung“ (möglichst alles falsch machen, um später nicht mehr gefragt zu werden) lässt sich natürlich gut beim verhassten Umzug anwenden, dessen Tücken er wortreich in der Alten Druckerei vermittelt. Mehr als wortreich, langatmig schon, sind seine Auslassungen über die Sonnenempfindlichkeit. „Erst rot, dann braun – wie das Leben von Horst Mahler“ ist zumindest ein ziemlich guter Insider-Joke für politisch Interessierte.

Aber die plastischen Schilderungen des „ekligen Engländer-Sonnenbrands“ mit nässenden Wunden und sich schälender Haut wollen als Gag nicht wirklich zünden. Weniger wäre eindeutig mehr. Ebenso exzessiv wie eklig auch die Döner-Erlebnisse, der Chipstüten-Grapscher oder die schniefenden Mitmenschen in der Straßenbahn, inklusive hinkender Überleitung und angestrengter Pointe. Ingolf, das war nix.

Kabarettist Jörg Knör holt viele Stars aus sich raus

Der Mann hat nicht nur eine gespaltene Persönlichkeit, sondern Dutzende von verschiedenen Identitäten. Kabarettist Jörg Knör springt bei seinem Jahresrückblick in der Alten Druckerei nahtlos von einem Star zum anderen, parodiert (auch stimmlich) die Eigen- und Besonderheiten der Politiker, zieht vorgebliche Promis durch den Kakao. Manchmal schlüpfrig, mal unter der Gürtellinie, mal auch bisschen platt daherkommend weiß er aber seine begeisterten Gäste im vollbesetzten Saal stets hinter sich, wenn er loslegt.

Ein Blick in die Runde zeigt, dass sich die Fans von Knör altersmäßig auf dessen Niveau bewegen (er feierte im vergangenen Jahr seinen 60.). Was aber auch kein Wunder ist, denn der Kabarettist taucht tief ein in wohlige Schlager-Atmosphäre, garniert mit ein paar Schlenkern zur guten alten Zeit, sei es nun politisch oder gesellschaftlich. Der Abstieg ins Dschungelcamp mit seinen A-, B- und C-Klassen-Promis ist mehr oder weniger nur ein Ausrutscher in die niedersten Gefilde der aktuellen Fernsehunterhaltung.

In seinem Programm „Das war’s mit den Stars 2018“ vergisst er auch nicht ein paar lokale Spitzen – etwa zur Bürgermeisterwahl. Das kürzliche Datenleak traf auch Manuel Just, wusste Knör mit einem gefakten Bild vom gewählten, aber noch in Amt und Würden befindlichen Rathauschef deutlich zu machen. Den platten Gag mit dem neuen Faschingsdress „Just in Bi(e)ber“ konnte er sich nicht verkneifen, sagt er. Er hatte Recht – der war echt platt.

Sein Weinheimer Zimmer mit Blick zur Burg („es gibt doch noch was Älteres“), die Begegnungen mit der Drive-In-Toilette der Alten Druckerei (für Rollstuhlfahrer) und noch ein paar Urinal-Witze mehr zeigen schnell, dass dem Kabarettisten auch die Gags in Bodennähe nicht unbekannt sind. Deutlich mehr Resonanz bekommt er, wenn er in seine Paraderollen schlüpft. Etwa die Hommage an den unvergessenen Chansonnier Charles Aznavour, der vergangenes Jahr mit 94 Jahren starb.

Da kann Knör nur den Hut vor dessen Lebensleistung zieht. Er tut das mit einer Inbrunst, dass es plötzlich ganz still wird im Saal, wenn der Comedian als begnadeter Sänger das umgeschriebene „Ma vie“ (Mein Leben) schmettert. Eine tiefe Verneigung vor einem Mann und dessen unvergessenem Wirken über Jahrzehnte hinweg, das seinesgleichen sucht – und heutzutage bestimmt nicht mehr findet. Da gibt’s vor allem Popsternchen und verglühende Kometen, die aber niemals hell erstrahlten, sondern höchstens einmal kurz aufblitzten.

Eine wahre Pracht ist Knörs Otto Waalkes. Der feierte im vergangenen Jahr seinen 70. Geburtstag. Mal kurz nach hinten in die Requisite gegangen, Perücke drüber, Plastikgitarre geschnappt und dann wild fuchtelnd in hektischen Bewegungen fahrig über die Bühne gehetzt: Fertig ist der Blödel-Barde, der so täuschend echt rüberkommt, dass wohl öfters bei den Auftritten gefragt wird, ob Otto nochmal auf die Bühne käme. Eine echte Paraderolle, für die der Parodist des ostfriesischen Blödlers zu Recht den meisten Applaus des Abends bekommt.

Noch einen der alten Garde hat der Kabarettist bestens drauf: Gerhard Schröder mit seiner Flasche Bier und der dröhnenden Lache. Dessen Heirat mit seiner südkoreanischen Freundin Kim Yong Un, pardon Kim So Yeon, bietet reichlich Stoff für Spott. „Asiatinnen sind sehr zuverlässig in Pflegeberufen“, weiß Knör diebisch grinsend mit Blick auf den 74-jährigen Ex-Kanzler. Überhaupt die Promi-Verbandlungen: Die Heirat von Prinz Harry und seiner Meghan darf ebenso wenig fehlen wie die Verlobung von Heidi Klum mit dem viel jüngeren Tom Kaulitz. Natürlich entsprechend bösartig karikiert.

Rainer Calmund, Boris Becker oder Dieter Bohlen: Knör pickt sich genussvoll die jeweiligen Schwächen der Betreffenden heraus, um sie dann mit viel Detailversessenheit breitzutreten. Bei Arnold Schwarzenegger mit seinem österreichischen Englisch verkommt das fast zur Liebeserklärung für den Terminator. Denn der setzt sich kräftig für den Klimaschutz ein, „before the earth goes for the dogs“ (bevor die Erde vor die Hunde geht), witzelt er. Ein Thema, das dem Comedian auch sehr am Herzen liegt. In schneller Abfolge knallt er das „broken english“ des Muskelmannes raus.

Jörg Knör ist auch sehr politischer Mensch. Er nimmt sich der AfD und ihrer Widersprüche mitsamt den handelnden Personen in einer Weise an, dass es zur gnadenlosen Abrechnung mit den Rechtspopulisten wird. Zwischenapplaus dankt ihm dieses mehr als klare Statement gegen Rechts, wie man es sich des Öftern von anderen Promis wünschen würde. „Wann wird der Wähler endlich wieder klüger“ dichtet er auf Rudi Carrells „Wann wird es endlich wieder Sommer“. Ein paar böse Wortspiele mit dem Parteinamen später hat er die Alternative vollends beerdigt.

Merkel, AKK, alte Väter wie Jack White oder Peter Maffay, dazu noch der polternde Franz-Josef Strauß, eine Watschn für den Nach-Nachfolger Markus Söder, der unfähige schöne Andy Scheuer oder der Diesel-Skandal: 2018 hatte sehr sehr viel zu bieten. Zumindest für Kabarettisten. „Welches Schweinderl hätten’s denn gern“, meint Knör noch in Anspielung auf Robert Lembke zur CDU-Kandidatenkür. Und natürlich Trump über Trump. Der umgetextete Babysitter-Boogie auf das Kind im Weißen Haus sagt schon alles….