Alla-hopp-Anlage ist pflegeaufwändig

Die Pflege der Abtsteinacher alla-hopp-Anlage liegt Konrad Abraham (CDU) am Herzen. Der Vorsitzende des Bau- und Umweltausschusses hievte das Thema deshalb auf die Tagesordnung der aktuellen Sitzung. Er habe sich einen Eindruck durch mehrere Besuche vor Ort verschafft, erläuterte der CDU-Mann. Fazit: „Die Pflege lässt zu wünschen übrig.“ Auf Dauer, so seine Befürchtung, könnte dadurch einiges kaputt gehen. Abraham war jedoch klar, dass mit den jetzigen Mitteln und personellen Ressourcen nicht mehr machbar ist.

„Die Anlage ist pflegeaufwändig“, bestätigte Bürgermeisterin Angelika Beckenbach. Deswegen ist sie froh über die Unterstützung der Pflegedamen, die sich um die Beete kümmern. An zwei Tagen im Jahr hilft außerdem die Bevölkerung mit, das Gelände in Schuss zu halten. Wöchentlich werden durch die Bauhof die Spielgeräte kontrolliert, erläuterte sie, und außerdem die Abfallbehälter gereinigt. Die Grünpflege geschieht nach Bedarf und zeitlichen Möglichkeiten, sagte die Rathauschefin.

Allerdings verfügt Abtsteinach über einen kleinen Bauhof, erklärte sie, zu dessen Aufgaben „die Pflege der Anlage on top dazukam“. 2018 wurden inklusive der Schließzeiten 253 Arbeitsstunden aufgewendet, 2019 sind es in bisher zehn Monaten bereits 230 Stunden. Umgerechnet sind das ihren Worten zufolge Kosten von 18.000 bis 20.000 Euro im Jahr. Rechnet man die Freiwilligendienste dazu, kommt man ungefähr fast schon auf jene 30.000 Euro, die vom Planer bei Erstellung als jährlicher Pflegeaufwand für die alla-hopp-Anlage genannt wurden.

Der Teich stellt ein großes Problem dar, waren sich die Mandatsträger einig. Denn er verfügt nur über einen begrenzten Zulauf und überhaupt keinen Ablauf. Was dazu führt, dass in dem stillen Gewässer die Algen blühen wie blöd. Besonders in heißen Sommern wird das zur unangenehmen Begleiterscheinung, mögliches Umkippen durch zu viel Nährstoffeintrag inklusive. „Wir sind ratlos, wie man dem Herr werden kann“, sagte die Bürgermeisterin.

Die Verwendung von Chemie zur Algen-Bekämpfung ist laut Karl Deschl vom Bauamt verpönt. Außerdem handelt es sich bei der in der Nähe vorbei fließenden Steinach um FFH-Gebiet. Es gäbe die Möglichkeit, eine Teichkläranlage herzustellen, sagte er. Was aber natürlich Geld kostet. In der Diskussion wurde als letzte Konsequenz auch die Trockenlegung des Teichs und Auffüllung mit Sand angesprochen, sollte sonst nichts helfen. Die Frage nach der Sicherheit wurde ebenfalls aufgeworfen.

Beckenbach wies darauf hin, dass das Gelände den Vorgaben nach möglichst naturbelassen sein soll. Wenn möglicherweise etwas ungepflegt aussehen sollte, dann ist das auch eine Frage der Betrachtungsweise, meinte sie. Manche mögen‘s aufgeräumter, andere eher etwas natürlicher. Naturbelassen ist das eine, aber die Ausbreitung des Springkrauts das andere. „Da hätte man früher einschreiten und das verhindern müssen“, forderte Abraham.

„Wenn man mehr Pflege will, muss man mehr investieren“, hob die Rathauschefin hervor. Allerdings ist dann nicht mit eigenen Personal möglich, war den Ausschussmitgliedern klar war. Der Vorsitzende regte an, im Frühjahr bei einem Vor-Ort-Termin das weitere Vorgehen zu besprechen. „Wir können die Anlage nicht kaputt gehen lassen“, forderte er. Andererseits dürften zu ihren Gunsten auch keine anderen Aufgaben des Bauhofs liegen bleiben.

Martina Heller (FWV) regte an, statt bisher zwei Pflegetagen im Jahr in jedem Quartal einen zu organisieren. Peter Jöst (CDU) brachte ins Spiel, einen Arbeitsplan aufzustellen, der die verschiedenen Aufgaben übers Jahr verteilt auflistet. Das wollte Bürgermeisterin Beckenbach gerne aufgreifen. Im neuen Jahr will man sich nun zeitnah wieder dem Thema widmen.

Alla-hopp-Anlage lässt die Gemeinde Abtsteinach im Dreieck springen

Alla-hopp-Anlage und kein Ende. Mit dem Abenteuerspielplatz in Unter-Abtsteinachs Mitte hat sich Gemeinde unbewusst ein Kuckucksei ins Nest gelegt, das ihr im Nachhinein eine Menge Arbeit und Kosten verursacht. Nachdem Anwohnerklagen gegen die Baugenehmigung so erfolgversprechend waren, dass sich Kreis und Gemeinde ohne Widerspruch auf einen Vergleich einließen, ist das Thema immer noch nicht ausgestanden. Trotz erteilter Nachtragsbaugenehmigung gibt es weiter Zoff.

Das hessische Wirtschaftsministerium legte die Petition einer Mitbürgerin an den Landtag der Gemeinde zur Stellungnahme vor, berichtete Bürgermeisterin Angelika Beckenbach auf der Gemeindevertreter-Sitzung. Gemäß den Unterlagen solle folgendes erreicht werden: „Wir fordern gegenüber dem Betreiber der Freizeitanlage die Einhaltung der im Vergleich festgelegten Immissionsrichtwerte sowie die strikte Einhaltung der ‚Benutzung der öffentlichen Anlagen‘ in Abtsteinach. Sollte die Einhaltung der nachbarschützenden Normen nicht möglich sein, bestehen wir auf die sofortige Schließung und den Rückbau der vorsätzlich rechtswidrig errichteten Anlage.“

Wie Beckenbach sagte, werde die Stellungnahme der Gemeinde derzeit erarbeitet. Sie wolle aber „ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Anlage nicht rechtswidrig errichtet wurde“. Es liege hierfür eine Teilbaugenehmigung vom 30. April und die Baugenehmigung vom 19. August 2015 des Kreises Bergstraße vor. Der Mangel, dass in der Baugenehmigung keine Vorgaben zum Schutz der Nachbarschaft enthalten seien, „wurde mit der am 19. Dezember 2017 erteilten Nachtragsgenehmigung geheilt“. Dort seien alle im gerichtlichen Vergleich festgelegten Auflagen und Bedingungen enthalten.

Zur Einhaltung dieser Auflagen hat der Gemeindevorstand laut Bürgermeisterin zur Kontrolle der alla-hopp-Anlage eine Sicherheitsfirma beauftragt. Neben den Vorgaben aus dem gerichtlichen Vergleich werde diese zusätzlich auch die Einhaltung der Benutzungsregeln und den ruhenden Verkehr in der Weinheimer Straße kontrollieren. „Weitere Verbesserungsmaßnahmen sind in der Vorbereitung“, teilte die Rathauschefin mit.

Der Gemeindevorstand befasste sich mit diversen eingegangenen Beschwerden und gab seine Haltung dazu ab. Die entsprechende Liste hatte Beckenbach bereits dem Bauausschuss vorgestellt. Dabei ging es unter andrem um die Nutzung von Privatflächen im Buchhackerweg. Diese sei „durch unbefugte Dritte verboten und kann bei der Polizei bzw. privatrechtlich angezeigt werden“, sagte sie. Im Rahmen der Neubeschilderung werde nochmals auf die Toilettenanlage hingewiesen, damit die Wildpinkler abnehmen.

Damit Besucher die Anlage besser finden, wird derzeit laut der Bürgermeisterin die aktuelle Beschilderung überarbeitet. Weiterhin sollen Grundstücke in der Weinheimer und Hauptstraße eventuell durch Einzäunung als Zugangsmöglichkeit ausgeschlossen werden, berichtete sie. Die Sitzgruppe am Pavillon wurde als Folge des Vergleichs abgebaut, weil sie beständige Lärmquelle war.

Allerdings wurde von Anliegern darüber hinaus auch gefordert, dass das komplette Modul 2 mit Pavillon, Sand-Wasser-Spiel und Trampolin zurückgebaut werden sollte. Denn ansonsten seien keine aktiven Lärmschutzmaßnahmen möglich. Hier lautete die Antwort, dass die Sicherheitsfirma auch mit dieser Überwachung beauftragt worden sei.

Das Badeverbot im Teich, wie es ebenfalls von den Anwohnern gefordert wurde, „ist auf den derzeitigen Schildern bereits ausgesprochen“, sagte Beckenbach. Auch hier solle die Sicherheitsfirma für Überwachung sorgen. Die Schaltung der Beleuchtung erfolge analog der neuen Öffnungszeiten morgens ab 8 Uhr bis zur Helligkeit und abends ab Einbruch der Dunkelheit bis 22 Uhr. „Für die Anlage besteht ein klar ausgesprochenes Nutzungsverbot für die Zeit zwischen 22 und 8 Uhr“, betonte sie. „Bei nächtlichen Ruhestörungen ist die Polizei zu kontaktieren.“

Sie erläuterte, dass der Abstand zwischen Mikadowald und gegenüber liegenden Haus als ausreichend ausgesehen werde. Der Parkplatz von Gorxheimertal kommend werde im Zuge des Bebauungsplanverfahrens als öffentliche Parkfläche formal ausgewiesen und gewidmet, ergänzte sie. In der Weinheimer Straße sei ein eingeschränktes Halteverbot mit alleinigem Anliegerparken ausgewiesen worden. „Verkehrsteilnehmer die sich hieran nicht halten, handeln rechtswidrig“, betonte die Bürgermeisterin. „Angezeigte Vergehen werden geahndet.“

Im Rahmen der Verkehrsschau mit Hessen Mobil wurde Beckenbach zufolge die Möglichkeit zur Ausweisung eines absoluten Halteverbotes mit den Fachbehörden besprochen. „Auf Antrag der Gemeinde steht dem prinzipiell nichts entgegen“, hob sie hervor. Man müsse aber beachten, dass dann mit Ausnahme der Inhaber von Anliegerausweisen „niemand dort kurzfristig halten darf“. Diese Maßnahme werde als unverhältnismäßig angesehen. Dennoch will die Gemeinde eine Umfrage bei den Anwohnern durchführen.

Baugenehmigungen für Abtsteinacher alla-hopp!-Anlage waren rechtswidrig – Vergleich mit Klägern

Die Signale der Gerichtskammer müssen wohl eindeutig gewesen sein: Die beiden Baugenehmigungen aus 2015 für die alla-hopp!-Anlage in Unter-Abtsteinachs Mitte wurden von ihr als rechtswidrig angesehen. Geklagt hatten dagegen Anwohner der Parkanlage – vor allem wegen des dadurch resultierenden Lärms. Das Gericht machte nun einen Vergleichsvorschlag. Der gilt als angenommen, wenn die Gemeindevertreter ihn nicht widerrufen. Was sie in der aktuellen Sitzung nicht taten – wenn auch unter gewissem Grummeln. Geld kostet der Vergleich natürlich auch: Geschätzt 16.000 Euro.

Seit Betrieb der Anlage fühlten sich mehrere Anwohner durch das Nutzungsverhalten der Besucher, insbesondere aber durch den Lärm, belästigt, erläuterte Bürgermeisterin Angelika Beckenbach. Diese hätten im April 2016 Widerspruch gegen die Baugenehmigung und ein Jahr später eine Untätigkeitsklage gegen den Kreis Bergstraße aufgrund des bis dahin nicht beschiedenen Widerspruchs eingereicht. Anfang Oktober fand beim Verwaltungsgericht in Darmstadt ein Erörterungstermin statt, bei dem Beckenbach zugegen war.

„Nach vorläufiger Einschätzung der Kammer sind die beiden Baugenehmigungen als rechtswidrig anzusehen“, sagte sie. Grund: Weil keinerlei Vorgaben zum Schutz der Nachbarschaft vor den von der Anlage ausgehenden Beeinträchtigungen enthalten sind. Dabei handle es sich insbesondere um Lärmbeeinträchtigungen, „die bereits bei der Planung der Anlage aufgrund ihrer Dimensionierung und Nutzung absehbar waren“.

Der Vergleich geht detailliert auf die einzuhaltenden Immissionsrichtwerte, gemessen nach der Methodik der Freizeitlärmrichtlinie, ein. Außerdem darf die Anlage von 22 bis 6 Uhr nicht benutzt werden. Die Gemeinde verpflichtet sich außerdem dazu, die Sitzgruppe im Bereich des Pavillons zu entfernen. Auch muss durch zwei Mitarbeiter die Einhaltung der Immissionsrichtwerte und der Nutzungszeiten zwischen dem 15. März und 30. September jeweils sonntags während unterschiedlicher Ruhezeiten kontrolliert werden. Mindestens einmal im Monat gilt es den Lärmpegel zu messen. Gleiches gilt sonntags jeweils einmal im November und Dezember.

Die Rathauschefin verdeutlichte, dass eine Ablehnung des Vergleichs wegen der Rechtswidrigkeit der Baugenehmigung „die sofortige Schließung der Anlage“ zur Folge hätte. Dies bis zur Erteilung einer neuen Baugenehmigung. Die würde dann die im Vergleich skizzierten Nachbarschutzmaßnahmen auch enthalten. Wobei sich herauskristallisierte, dass nicht spielende Kinder, sondern eher exzessiv feiernde Erwachsene an der Sitzgruppe das Lärmproblem waren. Die Vergleichspunkte werden jetzt in eine Nachtragsbaugenehmigung eingearbeitet.

Karin Oberle (CDU) fühlte sich durch die Einschätzung des Gerichts in früheren Bedenken bestätigt. Die CDU habe schon früh nach Folgekosten für die Gemeinde durch die alla-hopp!-Anlage nachgefragt. Der damalige Bürgermeister habe diese verneint. „Durch die überstürzte Realisierung ohne Bebauungsplan“ sei man in der jetzigen Lage, kritisierte sie. Nun gelte es Versäumnisse aufzuarbeiten. Sie befürchtete, dass Abtsteinach „noch viele tausend Euro“ in die Hand nehmen müsse. „Auch im Sinne der Anwohner“, so Oberle, werde man „schweren Herzens“ dem Vergleich nicht widersprechen.

„Wir haben ein tolles Geschenk bekommen“, entgegnete Sabine Bahmann (FWV). Jetzt gelte es nach Möglichkeiten zu schauen, wie sich alles einvernehmlich für die Zukunft regeln lasse. In diesem Zusammenhang erwähnte die Bürgermeisterin, dass über den Vergleich hinaus die sowieso schon angedachten Verbesserungen weiterhin in der Planung und Absprache seien.

Wie Bachmann weiter sagte, hätte sie es „schön gefunden“, wenn die Beteiligten einen Kompromiss ohne den Gang vor Gericht gefunden hätten. Denn die Gemeinde sei nach den Beschwerden nicht untätig gewesen, habe für eine entsprechende Beschilderung gesorgt und auch Parkverstöße geahndet. Was Fraktionskollegin Janina Becker unterstrich. „Die Situation hat sich gegenüber der Anfangszeit sehr verbessert.“ Sie bedauerte, „dass die Kinder jetzt nur noch nach Stundenplan spielen dürfen“.

„Das ist nicht der Ort für Schuldzuweisungen“, sagte Willy Schröder (SPD). Die Idee der alla-hopp!-Anlage als Begegnungs- und Bewegungsanlage befand er als sehr gut. Er wies darauf hin, dass man davor in der Gemeinde vergeblich überlegt habe, was mit der grünen Mitte geschehen könne. „Was aber gar nicht geht“, so Schröder, sei die Missachtung der Verkehrsvorschriften. Die dortigen Bewohner seien von zwei Seiten betroffen, denn neben dem Lärm von der Anlage gebe es auch noch die vielbefahrene Landesstraße nach Weinheim. Seine Fraktionskollegin Ursula Jonasdofsky bekundete ihre uneingeschränkte Befürwortung der Spielanlage.

Bebauungsplan für Abtsteinacher „alla-hopp!-Anlage“ soll langfristig Betriebssicherheit garantieren

Die Aufstellung eines Bebauungsplans für die alla-hopp!-Anlage kann angegangen werden. Die Gemeindevertretung stimmte in ihrer vergangenen Sitzung einstimmig dafür. Sie folgte damit der ebenfalls einhelligen Empfehlung des Bau- und Planungsausschusses. Im Wesentlichen geht es darum, mit diesem Bauleitplanverfahren „langfristig Betriebssicherheit zu bekommen“, wie Bürgermeister Rolf Reinhard erläuterte.

Der Rathauschef hatte im Ausschuss verdeutlicht, dass es aufgrund der sehr großen überregionalen Resonanz bei starker Frequentierung zu Parkplatz-Engpässen und auch zu Beschwerden über Lärmbeeinträchtigungen gekommen sei. Er rechnet aber damit, dass sich dies durch Fertigstellung weiterer „alla-hopp!-Anlagen“ in der näheren Region und die hierdurch bessere Verteilung der Besucher abmildere.

Brigitte Wetzel (CDU) fragte nach, ob für dieses Gebiet nicht schon ein Bebauungsplan aufgestellt worden sei und es sich jetzt um eine Dopplung handle. Hierzu meinte Reinhard, dass es bisher einen Flächennutzungsplan gebe, aber kein Bebauungsplanverfahren. In dessen Rahmen wolle man nun der Bevölkerung die Möglichkeit geben, sich dazu zu äußern. Auch sei es dadurch möglich, Einwänden Rechnung zu tragen.

Auf Anfrage von Ursula Jonasdofsky (SPD) skizzierte der Bürgermeister den weiteren Verlauf. Wenn das vorgeschlagene Büro beauftragt werde, erarbeite dieses einen Entwurf. Dieser wiederum werde im Ausschuss beraten. Es gebe dann ein öffentliches Beteiligungsverfahren, bei dem auch die Anlieger Stellung beziehen könnten. Nach der Würdigung der Bedenken stehe am Ende der Satzungsbeschluss.

Durch die Aufstellung des Bebauungsplans sollen weitere Parkplätze vorbereitet werden, um diese dann umgehend realisieren zu können. Eine im Bebauungsplan Weinheimer Straße festgesetzte Ausgleichs- als Parkfläche soll umgenutzt werden und ein weiterer Parkplatz vor dem Ortseingang von Weinheim kommend entstehen. Der Buchackerweg soll Verbindungsweg zur Bewegungsanlage werden.

Mit dem Bebauungsplan will man daneben eine verlässliche planungsrechtliche Grundlage schaffen, um gegen Lärmbelästigungen geeignete Schutzmaßnahmen festlegen zu können. Auch der Kiosk wird in diesem Zusammenhang planungsrechtlich vorbereitet. Die Bauaufsicht des Kreises begrüßt laut Reinhard die Aufstellung des Bebauungsplans, weil damit die Baugenehmigung für die alla-hopp!-Anlage gesichert werde. Das Plangebiet hat eine Gesamtgröße von etwa 2,1 Hektar.

Das „wilde Parken“ in der Weinheimer Straße werde regelmäßig überprüft, erläuterte Reinhard auf eine Anfrage von Willy Schröder (SPD). Der Bürgermeister sagte in diesem Zusammenhang, dass die in einem Beschwerdebrief genannten Punkte „völlig überzogen“ seien. Bisher „haben wir 280 Strafmandate ausgestellt“, betonte er. Es werde weiterhin fortlaufend kontrolliert. Allerdings habe man keinen Ordnungspolizisten, der dies übernehme, sondern dies geschehe durch Gemeindemitarbeiter.

Bebauungsplan-Aufstellung für Abtsteinacher alla-hopp!-Anlage wird im Ausschuss vorberaten

Die Aufstellung eines Bebauungsplans zur Weiterentwicklung der alla-hopp!-Anlage wird erst einmal im Bauausschuss vorberaten, ehe sie dann wieder Eingang auf die Tagesordnung der nächsten Gemeindevertreter-Sitzung findet. Dies beschlossen die Mandatsträger mehrheitlich auf Antrag der CDU-Fraktion. Die Sitzung des Ausschuss wurde auch gleich auf den 28. Juni terminiert. Die Gemeindevertreter kommen vor der Sommerpause nochmal am 7. Juni zusammen, beschloss das Gremium.

Nachfrage und Nutzung hätten bisher „alle Erwartungen weit übertroffen“, sagte Bürgermeister Rolf Reinhard über die im vergangenen Jahr eingeweihte alla-hopp!-Anlage. Man glaube aber, dass der Nutzerdruck nach dem Bau der Anlage in Mörlenbach abnehmen werde. Die eigentlich positive Entwicklung brachte für die Hardberg-Gemeinde laut dem Bürgermeister auch einige negative Aspekte mit sich.

Er erwähnte in diesem Zusammenhang den „hohen Parkdruck“, dem man mittlerweile durch die Ausweisung eines zusätzlichen Parkplatzes an der Hohen Straße Rechnung trug. „Dieser wird auch gut von den Besuchern angenommen.“ Zusammen mit einem Parkverbot in der Weinheimer Straße und der Ausgabe von Anwohner-Parkausweisen „hat die Verwaltung diese Entwicklung mittlerweile im Griff“, sagte Reinhard.

Außerdem gab es seinen Worten zufolge Beschwerden über Lärm. Dem habe man dadurch zu begegnen versucht, dass nach Einbruch der Dunkelheit der Spielen auf der alla-hopp!-Anlage verboten werden solle. Auch werde die Beleuchtung um 22 Uhr abgeschaltet. Die entsprechende Beschilderung solle demnächst erfolgen.

Jedoch habe weiterer Protest sogar dazu geführt, dass es einen Widersprich gegen die Genehmigung der Anlage gegeben habe, so der Bürgermeister. Deshalb wolle man nun in Absprache mit der Bauaufsichtsbehörde mit einem Bebauungsplanverfahren nachsteuern. Auch werde das Thema Lärmschutz „noch einmal gesondert geprüft“, sagte er. Daneben sind Reinhard zufolge die bauleitplanerische Absicherung des zweiten Parkplatzes und der Kiosk-Errichtung notwendig.

Brigitte Wetzel (CDU) beantragte noch vor der Beratung, das Thema in den Bauausschuss zu verweisen. Der Bürgermeister entgegnete, es gehe noch nicht um Inhalte, sondern erst einmal nur um die Aufstellung des Bebauungsplans. Eine nochmalige Beratung wäre für ihn „ein unnötiger Zeitverlust“. Reinhard sah daneben sowohl einen Nutzer- als auch Anwohnerdruck, etwas zu tun.

Die beiden SPD-Vertreter Willy Schröder und Ursula Jonasdofsky plädierten dafür, zweigleisig zu fahren. Also sowohl gleich den Aufstellungsbeschluss zu fassen als auch im Ausschuss die Details im Ausschuss zu besprechen. Konrad Abraham (CDU) sah wiederum die vorherige Verweisung als „enorm wichtig“ an, da man erst am selben Abend die notwendigen Unterlagen bekommen habe und noch nicht fundierte entscheiden könne. Der CDU-Antrag ging im Anschluss mit acht zu vier Stimmen bei einer Enthaltung durch.

Diesmal wurden die Mehrkosten für die Abtsteinacher „Dorferneuerung“ mit klarer Mehrheit bewilligt

Und täglich grüßt das Murmeltier: Über die Erhöhung des Haushaltsansatzes der „Dorferneuerung“ galt es in der vergangenen Gemeindevertreter-Sitzung auf Anraten der Kommunalaufsicht noch einmal abzustimmen. Bei der Beratung zuvor hatte es einen heftigen Disput zwischen der CDU-Fraktionsvorsitzenden Brigitte Wetzel und Bürgermeister Rolf Reinhard gegeben, wen die Verwaltung wann und in welchen Rahmen informiert hatte – oder eben nicht. Glücklicherweise blieb diesmal die Auseinandersetzung in kleinen Scharmützeln stecken – auch wenn sich die Meinungen nicht geändert hatten.

Hinter dem Produkt „Dorferneuerung“ verbergen sich die Erstellung WC-Anlage im Rahmen der alla-hopp!-Anlage, der Ausbau Festscheune und die Figurengruppe. Die Summe von 35.000 Euro war versehentlich in diesem Haushaltsjahr von der Verwaltung nicht eingeplant worden. Zur Deckung soll der Haushaltsausgaberest aus 2014 für die Kanalsanierung Festplatz in Höhe von 50.000 Euro anteilig verwendet werden.

Wie Reinhard bei der ersten Beratung erläutert hatte, seien die tatsächlichen Baukosten für WC-Anlage und Festscheune um etwa 12.000 Euro unter der Kostenschätzung geblieben. Man könne nun, um die bewilligte Zuwendung von 68.694 Euro voll in Anspruch nehmen zu können, neben der noch herzustellenden Pflasterfläche in der Festscheune (Kosten etwa 5500 Euro) weitere Maßnahmen im Außenbereich der Festscheune (Böschungsbefestigung mit Granitblöcken, Bodenplatte für zweite WC-Anlage) ausführen – eben mit den genannten Mehrkosten.

In der vorangegangenen Sitzung der Gemeindevertretung wurden die jeweiligen Anträge der FWV auf Verweisung in den Ausschuss und der CDU auf Ablehnung der Erhöhung des Haushaltsansatzes bei Stimmengleichheit zurückgewiesen, sagte der Bürgermeister. „Nach Rücksprache mit der Kommunalaufsicht ist durch die Zurückweisung der Ablehnung damit im Umkehrschluss der Erhöhung zugestimmt worden.“ Jedoch empfehle die Behörde, „zur Klarstellung und der Vermeidung weiterer Unstimmigkeiten“ einen positiven Beschluss herbeizuführen.

Brigitte Wetzel hatte sich vor dem jetzigen Entscheid die Mühe gemacht, alle Magistrats-Protokolle zu durchforsten. Denn Reinhard hatte darauf hingewiesen, dass dort der Entscheidungsprozess nachzuvollziehen sei. Bei der Lektüre sei ihr aufgefallen, sagte die CDU-Mandatsträgerin, „dass die Gewerke oftmals nachträglich bewilligt wurden“. Was aber laut dem Bürgermeister nichts Außergewöhnliches sei. „Das wird öfters so praktiziert“, meinte er, und werde vom Gemeindevorstand mitgetragen, um das Verfahren zu beschleunigen.

Den Verweis Wetzel, dass die hessische Gemeindeordnung (HGO) eine „andere Vorgehensweise“ vorsehe, konterte Reinhard mit dem Verweis, dass man „in der Praxis manchmal anders handeln muss“, weil sonst „nichts vorangeht“. Da der Eröffnungstermin der alla-hopp!-Anlage von der Hopp-Stiftung vorgegeben worden sei, war laut Reinhard dieses Vorgehen „der einzig gangbare  Weg“, um den Termin einhalten zu können.

Klaus Schmitt (CDU) nahm zusammen mit seinem Kollegen Konrad Abraham überhaupt nicht an der Abstimmung teil. Denn zum einen, begründeten die beiden, liege nichts Schriftliches von Kommunalaufsicht vor, zum anderen sei eigentlich ein Beschluss schon gefasst worden – und sehe die HGO eine andere Verfahrensweise vor. Mit acht Ja- bei drei Nein-Stimmen wurde die Erhöhung des Haushaltsansatzes beschlossen.

Wer wusste wann was (nicht)?: Heftiger Schlagabtausch über zusätzliche Maßnahmen im Rahmen der Unter-Abtsteinacher Dorferneuerung

In der linken Ecke: Brigitte Wetzel, Fraktionsvorsitzende der CDU. In der rechten Ecke: Bürgermeister Rolf Reinhard. Beide lieferten sich einen erbitterten Fight über Gesagtes oder Nicht-Mitgeteiltes sowie über die Anstrengungen rund um die Sanierung des Festplatzes. Als Ringrichter betätigte sich schlussendlich Peter Jöst, CDU, nachdem sich Kontrahenten heftig beharkt hatten: Der drang auf dem Höhepunkt des Scharmützels auf eine finale Abstimmung in der Gemeindevertretung, um den Clinch zu beenden.

Der auslösende Tagesordnungspunkt auf der vergangenen Sitzung klang auf dem Papier eher harmlos: Es ging um die Erhöhung des Haushaltsansatzes für das Produkt „Dorferneuerung“ (dahinter verbergen sich Erstellung WC-Anlage im Rahmen alla-hopp!-Anlage, Ausbau Festscheune und Figurengruppe) um 35.000 Euro. Denn diese Summe war versehentlich in diesem Haushaltsjahr von der Verwaltung nicht eingeplant worden, räumte Reinhard selbstkritisch ein. Zur Deckung könnte der Haushaltsausgaberest aus 2014 für die Kanalsanierung Festplatz in Höhe von 50.000 Euro anteilig verwendet werden, schlug er vor.

Wie Reinhard erläuterte, seien die tatsächlichen Baukosten für WC-Anlage und Festscheune um etwa 12.000 Euro unter der Kostenschätzung geblieben. Man könne nun, um die bewilligte Zuwendung von 68.694 Euro voll in Anspruch nehmen zu können, neben der noch herzustellenden Pflasterfläche in der Festscheune (Kosten etwa 5500 Euro) weitere Maßnahmen im Außenbereich der Festscheune (Böschungsbefestigung mit Granitblöcken, Bodenplatte für zweite WC-Anlage) ausführen – eben mit den genannten Mehrkosten.

Was nun Brigitte Wetzel auf den Plan rief. Die zeigte sich „irritiert“ darüber, dass hier Arbeiten ohne Wissen der CDU-Fraktion ausgeführt worden seien. „Wir wollen keine zweite WC-Anlage“, sagte sie. Auch hatte man ihren Worten zufolge von der Instandsetzung der Festscheune keine Kenntnis. „Warum setzen wir uns im Ältestenrat zusammen“, fragte sie, um doch nichts zu erfahren.

Diesen Vorwurf ließ Bürgermeister Reinhard nicht auf sich sitzen. Zum einen, betonte er, sei alles über den Gemeindevorstand kommuniziert worden, in dem auch CDU-Vertreter säßen. Zum anderen gebe es die entsprechenden Protokolle der Sitzungen, in denen sich alles nachlesen lasse und die auch von der CDU bestätigt worden seien. Weshalb er in keinster Weise Wetzels Worte nachvollziehen könne, bekräftigte Reinhard empört.

Bei der Festscheune, entgegnete er auf eine Frage Wetzels nach den Kosten, „haben wir aus kommunalen Mitteln nichts gezahlt“. Den nach Abzug der Fördermittel noch offenen Rest habe die Dorfwerkstatt übernommen. Im Übrigen, betonte der Rathauschef, stehe es der CDU frei, den Verwaltungsvorschlag einfach abzulehnen – was aufgrund der Zusammensetzung der Gemeindevertretung an diesem Abend möglich sei.

Bis es dann aber bei Stimmengleichheit dazu kam, griff Wetzel noch den Verwaltungs-Deckungsvorschlag aus Mitteln für die Kanalsanierung des Festplatzes an. Auch hier konterte Reinhard: Zwischenzeitlich gebe es doch eine ganz andere geplante Verwendung des Platzes, weshalb diese Gelder an der jetzigen Stelle nicht nötig seien. Da offensichtlich noch Informationsbedarf herrsche, wünschte sich Martina Heller, FWV, eine zusätzliche Beratung im Ausschuss. Aber auch dieser Antrag wurde mit Stimmengleichheit abgelehnt. Somit passierte: nichts. (Bild: Festscheune bei Einweihung alla-hopp!-Anlage)

100 Nordic Walker weihten die drei neuen Strecken rund um Abtsteinach ein

Synchron gehen etwa 100 Paar Arme in die Höhe. Zu peppiger Musik wärmen sich die Nordic-Walker im unteren Bereich der neuen alla-hopp!-Anlage auf. Vor ihnen liegt ein Novum: Anlässlich des 5. Nordic-Walking-Tags Steinachtal werden die drei neuen Abtsteinacher Strecken eingeweiht – nach denen aus Heiligkreuzsteinach, vor etwa drei Monaten offiziell in Dienst gestellt, ein weiterer Mosaikstein für den Steinachtal-Walking-Park.

An vorderster Front bei den Walkern: Peter Schlickenrieder. Der deutsche Silbermedaillengewinner im Sprint bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City ging nicht nur mit auf die Strecke, sondern stand danach beim gemütlichen Beisammensein auch noch für einen Gedankenaustausch zur Verfügung. Er gehörte zu denen, die zu Beginn von Willy Schröder begrüßt wurden. Bürgermeister Rolf Reinhard hatte sich ebenfalls zum Aufwärmtraining gestellt und stärkte eifrig seine Muskeln, auch wenn er später nicht mit auf die Strecke ging. Dirk Dewald vom Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald war ebenfalls mit am Start und wurde von Schröder begrüßt.

Seitens der Abteilung „Fit for Fun“ der SG Unter-Abtsteinach hatte Raphaela Loos die Einführung übernommen und sorgte dafür, dass die Walker bestens vorbereitet und aufgelockert auf die verschiedenen Strecken gehen konnten. Das Warm-Up begleiteten außerdem Christiane Rüger, Karin Hanke und Stefanie Wetzel von „Fit for Fun“. Als größte Gruppe wurde „Effektiv“ aus Birkenau geehrt.

In der Abtsteinacher „Nordic-Walking-Wabe“ stehen drei unterschiedliche Strecken zur Verfügung. Wie bei den Skipisten sind sie nach Farben geordnet: blau die kürzeste mit 7,7, rot die mittlere mit zehn und schwarze die längste und schwerste mit 14,1 Kilometern. Zwischen eineinhalb und drei Stunden sind Walker auf ihnen unterwegs. Am Eröffnungstag waren zwischendurch Verpflegungsstationen aufgebaut. „Landschaftlich wunderschön“, wie Schröder sagte, geht es unterhalb des Hardbergs entlang, rund um Unter- und Ober-Abtsteinach bis hinunter an die Grenzen von Heiligkreuzsteinach (bei der schwarzen Strecke).

Seiner Kenntnis nach ist im Tal zwischen Ober-Abt- und Neckarsteinach inzwischen „der größte Nordic-Walking-Park Deutschlands mit 150 Kilometern Streckenlänge entstanden“. Die Touren wurden in Zusammenarbeit mit dem Verein „Fürs Steinachtal aktiv“ ausgesucht. Auf örtlicher Seite brachte sich Frank Wetzel vom Skiclub innerhalb der SGU maßgeblich ein. Der Club wirkte bei der Beschilderung mit und wird in Zukunft die Strecke prüfen sowie pflegen.

Die einen walkten, die anderen tobten: Bei der gleichzeitig stattfindenden „alla-hopp!-Rallye“ durften die Kinder die neue Anlage in Besitz nehmen. Fünf Stationen hatte der Förderverein des katholischen Kindergartens St. Josef zusammengestellt. Wer diese absolviert hatte, bekam zum Schluss eine kleine Urkunde. Mitglieder des Fördervereins und des Elternbeirats betreuten die einzelnen Abschnitte.

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Trampolin springen, balancieren und klettern, Slackline, der Mikadowald und als letzte Station die Seilbahn galt es zu bewältigen. Von einem Jahr bis zu zwölf: Der Andrang war in jeder Altersgruppe groß. An der Hand von Mama oder Papa wollten es die ganz Kleinen den Größeren nachtun und über die Holzstämme balancieren. Die Mikadostangen waren aber selbst für die Älteren eine kleine Herausforderung.

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„Es sollte gelingen, einen Dorfladen in Unter-Abtsteinach mit einer schwarzen Null zu führen“

Geht man nach der großen Resonanz auf die Infoveranstaltung, dann müsste ein Dorfladen in Unter-Abtsteinach realisierbar sein. Die Dorfwerkstatt hatte eingeladen, um über das Konzept zu informieren und gleichzeitig das Interesse an einer Mitarbeit abzufragen. An die 100 Bürger kamen in die Schulturnhalle – so viele, dass die zur Verfügung stehenden Rückmeldezettel nicht ausreichten.

Auf dem Podium saßen seitens der Dorfwerkstatt Vorsitzende Bettina Schork und Willy Schröder sowie von der Zukunftsinitiative Überwald (ZKÜ) Geschäftsführer Sebastian Schröder. Willy Schröder skizzierte mit Blick auf die Nahversorgung sowohl die Situation in den ländlichen Regionen Deutschlands allgemein als auch speziell für den Ortsteil.

Mit der Bäckerei Schmitt habe vor knapp einem Jahr der letzte noch verbliebene Einzelhändler dicht gemacht, verdeutlichte Schröder. Seitdem bleibe der Bevölkerung in punkto Grundversorgung nur der Weg zum Bäcker nach Siedelsbrunn oder Richtung Heiligkreuzsteinach – wenn man den Discounter in Ober-Abtsteinach außen vor lasse. „Sonntags trifft man viele aus Schönmattenwag und Abtsteinach beim Bäcker in Siedelsbrunn“, schmunzelte er.

Die Vorteile eines Dorfladens liegen laut Schröder klar auf der Hand: Einsparung von Fahrtkosten, kurze Wege für Ältere sowie Einkaufs- und Imbissmöglichkeiten für die Gäste der alla-hopp-Anlage. Daneben sei ein solcher Laden „Frequenzbringer und Kommunikationszentrum“, betonte er. Mit der Schließung der Bäckerei Schmitt sei eben dieser „wichtige Ort fürs gesellschaftliche Leben“ weggefallen. Es gebe aber eine wichtige Vorbedingung: „Die Menschen müssen den Laden wollen und auch annehmen.“

Dorfläden, betonte Schröder, deckten nie den kompletten Grundbedarf des dörflichen Lebens, „aber sie machen es komplett“. Das Fehlen von Supermärkten und Gaststätten sei „eine Überlebensfrage“ für den ländlichen Raum. „Neue Versorgungswege sind gefragt“, meinte Schröder. Die Zahl der älteren Menschen, die eine Nahversorgung direkt vor Ort brauchten, steige auf dem Land stärker als in der Stadt.

Mit den Dorfläden lasse sich „ein wichtiges Stück Infrastruktur erhalten“, sagte er. Ihre Zahl steige bundesweit kontinuierlich. Ein Ortsteil wie Unter-Abtsteinach mit 1000 Einwohnern „muss über eine Einkaufsmöglichkeit verfügen“. Allerdings müsse sich auch ein Dorfladen einpassen, neue Versorgungswege wie E-Commerce seien gefragt. Die Dorfwerkstatt wolle mit der Veranstaltung aufzeigen, „dass wir hier eine Chance haben“, erläuterte Schröder.

Wenn er auch betonte, dass sich das Projekt derzeit in der Infophase befinde, gab es Schröder zufolge doch bereits einige Abklärungen. Martina Schmitt würde einem Dorfladen ihr bisheriges Geschäft für eine überschaubare Pacht zur Verfügung stellen. Die Bäckerei Jäger aus Siedelsbrunn würde die Brötchen liefern, die Metzgerei Beisel aus Heiligkreuzsteinach Wurst- und Fleischwaren. „Hier gibt es klare Aussagen“, betonte Schröder. Martina Heller von der FWV, die nicht teilnehmen konnte, hatte ihm extra ein Schreiben zukommen lassen, in dem sie ihre Unterstützung sowohl durch eine Einlage als auch durch den Einsatz von Arbeitskraft signalisierte.

Eine zusätzliche Überlegung wäre, das Standardsortiment anzureichern mit frischen regionalen Produkten und gegebenenfalls weiteren Dienstleitungen wie etwa einer Annahmestelle für Wäschereinigung. Auch ein Imbiss, wie er bereits zuvor dort bestanden hatte, wäre eine Option. Mit einem Beispiel aus der Oberpfalz verdeutlichte Schröder, dass das Konzept Dorfladen bestens funktionieren könne. Natürlich „hat jeder Ort sein eigenes Profil, das man auch suchen muss“.

Willy Schröder hatte zuvor darauf hingewiesen, dass bereits acht Millionen Deutsche weder Supermarkt noch Post in ihrer Nähe hätten. Gerade in ländlichen Regionen sei die nächste Einkaufsmöglichkeit oft mehr als einen Kilometer entfernt. Im Falle Unter-Abtsteinachs seien es sogar zwei, wenn man den Discounter im oberen Ortsteil heranziehe. „Wer kein Auto hat, ist vom Warenangebot abgeschnitten.“

Der demografische Wandel verbinde vielerorts abnehmende Kaufkraft mit der Schließung von Einrichtungen und Geschäften. In den vergangenen 50 Jahren, meinte Schröder, sei die Zahl der Lebensmittelhändler deutschlandweit um 80 Prozent zurückgegangen – „bei uns sogar um 100 Prozent“. „Wenn wir was erreichen wollen, dann geht das nur über uns“, hob er die notwendige Eigeninitiative der Bürger hervor.

„Wir brauchen Bürger, die es im Vorfeld in die Hand nehmen“, sagte Stefan Knapp seitens der Dorfwerkstatt. Aber auch auf Dauer seien engagierte Leute nötig. „Wir wollen den Dorfladen nicht zur Bewirtung der Touristen, sondern zur Ergänzung unserer Nahversorgung“, so Knapp. Für den weiteren Fortgang seien Rückmeldungen und „die Bekundung ernsthaften Interesses“ notwendig.

Info: Da die Zettel mit der Möglichkeit der Rückmeldung oder Teilnahme, aber auch für mögliche Anregungen, aufgrund des großen Andrangs ausgingen, besteht die Möglichkeit, weitere Exemplare bei Willy Schröder, Hauptstraße 24, Telefon 06207-6944, oder Bettina Schork, Eiterbacher Weg 14, Telefon 06207-7536, zu erhalten. Beide nehmen auch die ausgefüllten Blätter entgegen.

Drei mögliche Geschäftsmodelle gibt es laut Sebastian Schröder von der ZKÜ für einen potenziellen Dorfladen. Er skizzierte diese mit Anlehnung an das Café am Markt in Hammelbach, das auf Initiative der Gemeinde als eingetragene Genossenschaft gegründet worden sei. Dort sei Ähnliches wie in Unter-Abtsteinach passiert, indem der vorherige Betrieb an dieser Stelle geschlossen worden war.

Wie Schröder verdeutlichte, „kann man mit einem Dorfladen keine Gewinne erwirtschaften“. Denn sonst würde ihn längst ein Einzelhändler auf eigene Rechnung betreiben. Es gehe bei diesem Konzept um „eine kostendeckende Alternative“. Anhand der Zahlen aus Hammelbach mit Berücksichtigung der Unter-Abtsteinacher Verhältnisse kam er bei einer ersten Planrechnung auf ein Nullsummenspiel bei Einnahmen und Ausgaben.

„Es sollte gelingen, einen Dorfladen mit einer schwarzen Null zu führen“, war Schröders Fazit. Allerdings müssten noch spezielle örtliche Fragen geklärt werden wie Öffnungszeiten, Sortiment, Preisniveau, Toilettennutzung (bei Kioskbetrieb) und schließlich die Rechtsform. Eine GmbH dürfte laut des ZKÜ-Geschäftsführers für die Unter-Abtsteinacher Zwecke unpraktikabel sein.

Am gängigsten ist seinen Worten zufolge die Genossenschaft. Bei ihr gebe es kein Mindestkapital und nur geringe Gründungskosten. Ein anderer machbarer Weg wäre eine Vereinsgründung speziell für diesen Zweck. Es dürfe dabei kein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb entstehen, weshalb der Satzungszweck genau definiert werden müsste, sagte er.

Schröder verband seine Vorstellung mit zwei direkten Fragen an die Besucher: „Würden Sie in den Dorfladen gehen, wenn die Waren dort etwa zehn bis 15 Prozent mehr als im Discounter kosten?“ Darauf gingen etwas mehr als Hälfte der Arme nach oben. Und: „Würden Sie einen gewissen Betrag jährlich zur Unterstützung beisteuern?“ Hier war es dann etwas weniger als die Hälfte der Anwesenden, die den Arm hob.

In der anschließenden Diskussion ging es um die Frage der Wirtschaftlichkeit, mögliche Öffnungszeiten, die unternehmerische Verantwortung oder gesundheitsrechtliche Vorschriften. Über den Sommer werde man im Hintergrund weiterarbeiten, sagte Willy Schröder abschließend, und dann im September wieder an die Öffentlichkeit gehen. Bezug nehmend auf die Resonanz nach der Veranstaltung meinte er, dass die Tendenz in Richtung einer Genossenschaft gehe.