Grundschule Schimmeldewog führte das Theaterstück „Ali Baba und die 40 Diebe“ auf

Orient im Überwald. „Ali Baba und die 40 Diebe“ hatte die Grundschule Schimmeldewog ihre Theateraufführung überschrieben, die im Kerwezelt des MGV Sängerbund stattfand. Das hatten die Sänger extra dafür eine Woche früher auf dem Festplatz im Alten Weg gestellt. „In zweieinhalb Stunden war das mit 40 Leuten gestemmt“, schmunzelte MGV-Vorsitzender Christian Jöst. Beste Voraussetzungen, damit die mehr als einstündige Aufführung dort unter großem Zuspruch über die Bühne gehen konnte.

Apropos Bühne: Die Kulissen, entworfen von Erstklässler Felix und gebaut von den Eltern, entführten in einen bunten orientalischen Basar in einer ebenso abwechslungsreichen Stadt. Die Räuberhöhle gab’s auch gleich nebenan. Passend zum Schauplatz „haben wir orientalische Temperaturen ins Zelt geholt“, hieß es schmunzelnd zu Beginn. Die kleinen Schauspieler waren nach so vielen Proben fast schon Profis. Basarverkäufer, Diebe, Kamele, Räuberhauptfrau und einfache Bürger waren in Bagdad, der Stadt des Kalifen und der großen Paläste, anzutreffen.

Die Besonderheit am Stück: Es wurde mit den Kindern zusammen entwickelt und beruht auf deren Ideen. Weshalb der Chef der Diebe auch eine furchterregende Räuberhauptfrau war. Die Geschichte spielte in keinem Palast, sondern in den Gassen der großen Stadt, zwischen Lehmhäusern und Marktständen. Eine Themensammlung zu Beginn des Schuljahres ergab, dass das Thema Orient für die Grundschüler sehr spannend ist.

Zwei Musiker mit Oud (Florian Pommerien-Brecht) und Rahmentrommel (Michael Pliska) sorgten für den orientalischen Klang-Background, während das gerne angenommene orientalische Büffet den Magen erfreute. Eine Schülertanzgruppe unter der Leitung von Burkhard Melchior trat am Anfang und am Schluss auf. Unter dem Meer der Turbane gab es noch weitere andere Welt, war von die Erzählerin Scheherazade (Elise Hampel) zu erfahren: das Reich der 40 Diebe. Eben mit einer „furchteinflößenden Frau“ als Anführerin.

Die Geschichte von Ali Baba ist altbekannt und wurde den Schülern mit einigen Abwandlungen nacherzählt. Sehr plastisch die Schilderung der Diebeshöhle, aus Geldbeuteln gemacht. Unter der Decke hingen 40 Hängematten, darunter ein riesiger Berg an Münzen. Die Matratze aus seidenen Taschentüchern diente der despotischen Räuberchefin als Schlafstätte. Ihre Diktatur sorgte für zunehmenden Unmut bei den armen Räubern.

An Ali Baba wurde der Zwiespalt zwischen einem aufrechten Menschen und der Gier nach Geld deutlich. Erst ging es nur um das Geld für die Medizin der Mutter und für Brennholz, dann klaute er sich so viel, dass es für einen Palast reichte. „Stehlen ist zwar falsch, aber das Geld ist ja schon gestohlen“, so die Selbstberuhigung. Wie es weitergeht, ist allgemein bekannt.

Regisseur Danilo Fioriti war „ziemlich begeistert, wie die Vorstellung lief“. Auch das volle Kerwezelt mit den ganzen mitgebrachten Campingstühlen der Zuschauer und dem riesigen arabischen Buffet hatte es ihm angetan. „Die Vorbereitungen zu dem Stück waren außergewöhnlich anstrengend“, erläuterte er. Die meisten Proben mussten im Schulhof stattfinden – und die Hauptprobenphase fand im heißesten Mai und Juni seit Menschengedenken statt.

„Wir haben alle Eckpunkte der Geschichte in einem Improvisationsworkshop vor Weihnachten entwickelt“, so Fioriti. Den Schülern machte es großen Spaß gemacht, ihre Ideen später dann auch auf der Bühne zu sehen. Nach drei Tagen Workshop nahm der Theatermann Texte und Ideen mit, um daraus das Stück zu schreiben. Übers Schuljahr hinweg wurde anhand dieses Scripts immer mal wieder geprobt. Andererseits fand auch eine kontinuierliche Weiterentwicklung statt.

Nach den Osterferien wurde es Ernst und Projektgruppen gebildet: so unter anderem Kulissen, Kostüme, Einladungskarten und Schauspieler. Wobei die Kinder nie auf eine Gruppe festgelegt waren und Mitglied von mehreren sein durften. „Jeder Schüler hat eine tragende Rolle.“ Nachdem festgelegt worden war, wer welche Rolle spielte, ging es ans Üben der Texte.

Das Stück blieb aber nicht starr, sondern wurde ständig verändert und weiterentwickelt. Denn beim Besuch einer Theateraufführung auf der Tromm waren die Grundschüler begeistert davon, wie die Schauspieler mitten im Stück ihre Rollen wechselten. Alle Grundschüler, derzeit über 70, waren an dem Projekt beteiligt. Die letzten beiden Wochen vor dem Aufführungstermin gab es Durchlaufproben mit Regisseur Fioriti.

Als Gesamtfazit nannte der Regisseur, dass es sich am Ende lohnte – „obwohl es für Schüler wie auch für Lehrer sehr anstrengende und Nervenaufreibende zwei Wochen vor der Aufführung waren“, schmunzelte er. Während auf Lehrerseite Petra Schumann und Simone Hentschel-Gärtner hauptverantwortlich für die Theatervorstellung waren, kümmerte sich Matthias Dautel um Technik und Kulissen.

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