Wandern in Wald-Michelbach auf den Spuren von Rudi Wünzer

„Auf den Spuren von Trommvater Rudi Wünzer“ bewegt sich Geopark-vor-Ort-Begleiter Theo Reichert am Sonntag, 17. Juni. Um 13 Uhr startet seine neue Tour, Treffpunkt ist der Parkplatz am Elchpark (Rudi-Wünzer-Straße) hinter der Rudi-Wünzer-Halle in Wald-Michelbach. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Die Streckenlänge beträgt etwa zwölf Kilometer. Vier Stunden sind dafür veranschlagt.

Wer kennt sie nicht, die Rudi-Wünzer-Halle in Wald-Michelbach in der Rudi-Wünzer-Straße? Viele Überwälder erinnern sich noch an den Rudi-Wünzer-Turm. Auch gibt es im Bayrischen Odenwald die Wünzer-Hütte. Doch wer war Dr. Rudi Wünzer? Theo Reichert, der als „Nachtwächter“ jeden ersten Freitag im Monat den Besuchern die Schätze Wald-Michelbachs näherbringt, begibt sich anhand von vielen Anhaltspunkte auf eine Suche nach diversen Anhaltspunkten.

Wünzer war Rechtsanwalt, Oberstaatsanwalt, Oberamtsrichter, Schriftsteller, Künstler, Politiker und großer Förderer der Wanderbewegung. Er hatte von 1903 bis 1929 den Vorsitz im Ausschuss für Wegebezeichnung des Odenwaldklubs inne. Unter seiner Leitung wurde das bis dahin in Deutschland einmalige, vom Geheimen Justizrat Ludwig Seibert geschaffene Wegesystem konsequent ausgebaut und weiterentwickelt. Viele der noch heute vorhandenen überregionalen Wanderwege gehen auf die Initiative von Dr. Rudolf Wünzer zurück.

Wünzer war der Sohn des sächsischen Hofschauspielers und späteren großherzoglich hessischen Intendanten Theodor Wünzer und dessen Frau Klementine. Er studierte Rechtswissenschaften in Heidelberg, München, Berlin und Gießen. 1892 bis 1894 arbeitete er als Rechtsanwalt in Darmstadt, 1894 bis 1897 als Staatsanwalt in Mainz und 1897 bis 1899 in der gleichen Funktion in Darmstadt. 1899 bis 1913 war er Oberamtsrichter in Wald-Michelbach und 1913 bis 1916 in Darmstadt. Von 1916 bis zu seiner Pensionierung 1928 war er Oberstaatsanwalt in Darmstadt.

In der 36. Wahlperiode (1914–1918) war er Abgeordneter der zweiten Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen. In den Landständen vertrat er den Wahlbezirk Starkenburg 4/Wald-Michelbach. Von 1919 bis 1924 gehörte er erneut dem Landtag an. Am 16. September 1913 wurde er zum Ehrenbürger von Wald-Michelbach ernannt.

Unter seiner Leitung wurde auch der Rudi-Wünzer-Turm erbaut. Wünzer zeichnete daneben für den Bau noch heute bestehender Aussichtstürme verantwortlich. In seiner 14-jährigen Amtszeit als Richter in Wald-Michelbach soll er über 1000 Mal zur Tromm gewandert sein. Auf idyllischen Wegen mit herrlichen Aussichten zur Tromm wird sein Leben und Wirken näher beleuchtet, dazu werden historische Orte seines Wirkens besucht. Auch Themen zu Geologie und Flora und Fauna werden angesprochen.

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Dhalias Lane im Hoftheater Tromm: Keltischer Folk in seiner höchsten Vollendung

Der Beifall will kaum verstummen, die Zugabe-Rufe ebenso nicht: Was die Folk-Bank „Dhalias Lane“ im schwül-heißen Hoftheater bietet, reißt die Besucher von den Sitzen, bringt sie zum Klatschen, Jubeln, Ausflippen und sogar Tanzen. Zweieinhalb Stunden lang gibt es keltischen Folk, Mittelalterstücke und eigene Lieder mit einer Spielfreude und auf einem solch hohen Niveau, dass den Gästen manchmal vor Staunen der Mund offen stehen bleibt. Wenn der wieder geschlossen war, setzt frenetischer Beifall ein.

Rainer Burgmer auf diversen Flöten, Božena Woitasky auf der Geige und Berk Demiray (Gitarre) sind absolute Meister ihrer Instrumente. Unterstützt werden sie von Sofia Glaser aus Beerfelden, die mit ihrer eindrucksvollen Stimme etlichen Songs einen ganz besonderen Klang verleiht und darüber hinaus noch für die Percussion zuständig ist. Dass Burgmer und Demiray schon weit mehr als zwei Jahrzehnte gemeinsam auf der Bühne stehen (früher bei Wild Silk), lässt sich am quasi blinden Zusammenspiel erkennen.

„Jiggle Jig“ ist so ein Stück, bei dem es die Zuschauer nicht kümmert, dass es im Saal doppelt so warm ist wie draußen. Viel Platz ist zwar nicht zum Tanzen, weil das Hoftheater aufgrund des großen Andrangs ziemlich eng bestuhlt ist. Aber ein paar Meter finden sich doch, auf denen zu den fetzigen Klängen von Flöte, Geige und Gitarre die Beine von sich geschleudert werden können.

Gleich danach gibt’s was zum Abkühlen: „Down by the sally gardens“ haben Burgmer und Demiray vor Urzeiten von der irisch-schottischen Band Clannad gehört. „Da stand die kleine Schwester neben der Bühne, die immer zu den Refrains rauf durfte“, erinnert sich Demiray. Die wurde später selbst weltbekannt. Ihr Name: Enya. Erst nur mit akustischer Gitarre und der volltönenden Stimme von Sofia Glaser, setzt später erst die Geige ein, nimmt die Melodie auf, um dann an die Flöte weiterzugeben. Ein Gänsehaut-Lied.

„The Ships are sailing“ ist als Song wie ein großes, schwerfälliges Segelschiff. Es dauert lange, bis es in Fahrt kommt, aber dann. Die musikalischen Wellen schlagen hoch. Geige und Flöte liefern sich ein packendes musikalisches Duell, Rainer Burgmer entlockt seinem Instrument die unmöglichsten Töne, verknotet fast die Finger  bei seinen virtuosen Tönen. Die vier spielen sich in einen wahren Rausch. Die beste Methode, um nach einer Pause zum Abkühlen und Runterfahren Hunger auf viel mehr Musik zu machen, die vom Sitz haut.

Eher getragen melancholisch geht es in die zweite Hälfte. Dass Dhalias Lane auch historisch kann, zeigt die Adaption eines Stücks aus der westfälischen Liederhandschrift des 16. Jahrhunderts. Das bietet Berk Demiray die Gelegenheit, seine Fertigkeiten  auf der akustischen Gitarre zu zeigen, während Sofia Glaser mit ihrer vollen Stimme die ganze Tragik einer Frau rüberbringt, die ihre fünf Söhne auf die Suche nach dem auf See verschollenen Mann schickt. Diese kommen dabei um, der Mann kehrt zurück…

„Lifeline“, ein eigener Song der Gruppe, hat zwar auch einen ernsten Hintergrund, wird aber immer flotter und präsentiert sich von der Geige dominiert. Božena Woitasky, gerade aus der Babypause zurück, kann hier aufs Neue ihre virtuosen Künste mit dem Bogen demonstrieren. „Ein eigenes Tänzlein“, das einem magischen Ort in der Provence gewidmet ist, hat im Anschluss unverkennbar keltische Einflüsse.

Wer schon bisher gemeint hatte, er habe alle Fertigkeiten auf den Instrumenten gesehen, wird nun eines besseren belehrt: Es qualmt der Geigenbogen, es kommen die fingerfertigen Hände von Burgmer ins Rauchen, als er sie ein ums andere Mal über den Flötenhals  in einer Schnelligkeit gleiten lässt, dass einem beim Zuschauen fast schwindlig wird.

In den Überleitungen zwischen den Songs erfährt man nicht nur etwas über die Lieder, sondern auch  über die Musiker selbst. Etwa wie Burgmer und Demiray früher aus Leverkusen in die Folk-Hochburg Köln pendelten, um dort die angesagten Bands zu hören. Oder wie der Flötenkünstler immer noch etwas ungläubig auf die eigene Karriere zurückschaut. „Vor 30 Jahren hätte ich mir nie träumen lassen, mal hier raus in den Garten  zu gehen und dann die eigene Musik zu hören.“ Und doch: „Es ist Wirklichkeit geworden.“

Sehr lebendig gestaltet sich auch die Vorgeschichte zu „Paddy’s“. Das handelt von einem irischen Auswanderer, der in den 1860er Jahren in den amerikanischen Bürgerkrieg gerät und gleich beim ersten Einsatz ein Bein verliert. Sein „Lamento“ mit Gesang von Sofia Glaser kommt aber keineswegs tragisch, sondern eher flott-fetzig rüber.

Einen Gassenhauer haben sich die Musiker zum Ende hin aufgehoben. Der ganze Saal darf nach  Frauen und Männern getrennt und später zusammen einstimmen, wenn „Greensleaves“ angespielt wird. Ein Klassiker schlechthin, erst nur von der Gitarre, dann auch von der Flöte  begleitet. Etwas mehr geht noch  immer: Die Musiker spielen sich im folgenden keltischen Dreier-Set förmlich in Ekstase.

Eine Flöte ist Rainer Burgmer nicht mehr genug, er spielt gleich zwei gleichzeitig. Die Hände zun schon weh vom Klatschen. Demiray zupft sich die Seele aus dem Leib und die Geige erklingt in höchsten Tönen.  Ein perfekter Schluss, dem genauso logisch Zugaben folgen. Aber alles hat ein Ende. Das zelebrieren die vier mit einem Ausmarsch wie früher die Spielleute: Burgmer schnappt sich den Dudelsack, die anderen ihre Instrumente und dann geht es lauthals quer durch den ganzen Saal in den Vorraum. Frenetischer Jubel inklusive.

Irish-Folk-Band Dhalias-Lane kommt am 1. Juni erstmals ins Hoftheater Tromm

Darauf haben die Gäste des Hoftheaters Tromm und Freunde des Irish Folk lange gewartet: Dhalias-Lane, eine der ersten Adressen in Sachen Irish und Celtic Folk in Deutschland, kommen auf Einladung des Hoftheaters erstmals in die Kulturscheune des Höhendorfes. Am Freitag, 1. Juni, geht es dort um 20 Uhr los. Vielen Fans ist die Band noch unter dem Namen „Wild Silk“ in guter Erinnerung. Auch heute sind mit Berk Demiray (Gitarre) und Rainer Burgmer (Flöten) noch zwei Musiker der Stammbesetzung mit an Bord.

So wundert es auch nicht, dass Dhalias-Lane neuerdings wieder viele alte Wild-Silk-Stücke im Gepäck haben, auf die sich die Fans besonders freuen dürfen. Der Zauber der keltischen Musik mit seinen traumhaften Balladen und mitreißenden Tänzen verschmilzt mit gefühlvollen Eigenkompositionen, orientalischen und mittelalterlichen Elementen sowie südländischen Einflüssen zu einem musikalischen Gesamtkunstwerk, das an Ausdruck und Intensität Maßstäbe setzt und die Menschen begeistert.

Mit mehr als 1400 bundesweit gegebenen Konzerten, zahlreichen Auftritten in Funk und Fernsehen sowie sieben produzierten CDs gehören Dhalias-Lane zu einer der renommiertesten und beständigsten Gruppen dieses Genres hierzulande. Mit ihrer „Teufelsgeigerin“, der Musikpädagogin Bozena Woitasky, und Berk Demiray, der zu einem der besten Gitarristen der keltischen Musikrichtung zählt, wird die sympathische Gruppe auf der Tromm für Gänsehaut-Stimmung sorgen und die Gäste auf eine beeindruckende musikalische Reise entführen.

„Die Zwei von der Klangstelle“: Es klang auf der Tromm wie im Salon der Weimarer Republik

Vorhang auf und die Zeitreise in die Weimarer Republik beginnt. Chansonnier Markus Weber und Dieter Scheithe am Piano entführen unter dem Motto „Die Zwei von der Klangstelle“ im Hoftheater in die 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Musikalisch perfekt, in Kleidung und Auftreten absolut authentisch, locken die beiden vorwiegend Vertreter der älteren Generation auf die Tromm. Die kommen trotz des Winterwetters erstaunlich zahlreich auf den Höhenrücken.

Das könnte auch daran liegen, dass Weber als Gründungsmitglied der Weinheimer Kabarettgruppe „Spitzklicker“ und Fastnachter mit Leib und Seele in der Region bekannt ist wie ein bunter Hund und damit etliche Fans mitbringt. Die Illusion, die er an diesem Abend jedenfalls bietet, ist perfekt. Angefangen bei der graukarierten Hose mit den Hosenträger, dem schwarzen Hemd, den schwarz-weißen Schuhen und dem Gehstock. Dazu noch der Mannheimer Klaviervirtuose Scheithe als Kontrapart: Das passt.

Als „Tanz auf dem Vulkan“ kennzeichnet Weber die damalige Zeit: die Dekadenz der Charleston-Generation, der erst aufkeimende und dann wieder bröckelnde Wohlstand, die zunehmende Armut durch die Weltwirtschaftskrise, die Populisten, der Fremdenhass. „Eine Zeit, die unserer erschreckend ähnlich ist.“ Aber auch eine solche der schillernden Unterhaltung. Gerade die Chansons sind bis heute Zeugen dieser Epoche und auch fast 100 Jahre später noch Ohrwürmer.

Das macht auch das vorsichtige Mitsummen oder -singen bei manchen Stücken deutlich, die in Fleisch und Blut übergangen sind. Beim Blick in die Zuschauerreihen dürften einige Gäste die bekannten Stücke noch auf dem Grammophon oder dem Plattenspieler der Eltern gehört haben. „Was machst du mit dem Knie, lieber Hans?“ hat sich sogar noch als Hit in die Babyboomer-Zeit hinüber gerettet. „Ich hab‘ das Fräulein Helen baden sehn’“ macht die Frivolität der damaligen Jahre deutlich.

„Schöner Gigolo, armer Gigolo“ heißt es im Chanson über den Husaren aus dem Jahr 1928, der sich als adliger, aber durch den Krieg verarmter Edelmann reichen Frauen andienen muss. Wie Weber das nicht nur hier mit dem Tremolo in der wandlungsfähigen Stimme, seinen Bewegungen und seinen Blicken rüberbringt, ist eine Show für sich. Dazu noch Scheithe als kongenialer Partner am Flügel: Die Revue aus einem Nachtclub oder einer Bar der Weimarer Zeit ist perfekt.

Nicht nur der verarmte Husar macht deutlich, dass es in den Goldenen 20ern oftmals schon von den Wänden abblätterte und auch die unschönen Seiten immer mehr zum Vorschein kamen. Als der Tonfilm Fahrt aufnahm, hatten plötzlich die Stummfilm-Orchester keine Berechtigung mehr. „Mein Bruder macht beim Tonfilm die Musik“, heißt das entsprechende Lied dazu. Für die einzelnen Geräusche wird gleich das Publikum eingespannt.

Gesellschaftliche Umwälzungen kündigen sich durch die Emanzipation der Frau an. Frisuren, Kleider, Aussehen: Alles ändert sich. Gleichzeitig wirkt noch die Prüderei des Kaiserreichs nach, was eben beim Fräulein Helen deutlich wurde. Waren die Männer zu Beginn der 20er Jahre noch harmlos, wie Weber in der „keuschen Susanne“ schmunzelnd rüberbringt, kommt immer mehr der Playboy zum Vorschein. Passend dazu der Evergreen von Theo Mack: „Du hast Glück bei den Frauen, Bel Ami“.

Aber auch die Damen wussten mitzuhalten: „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben“, singt Markus Weber fürs weibliche Geschlecht. Was sie vom Playboy aus der Czardasfürstin oder der Lustigen Witwe halten, brachte Walter Kollo zum Ausdruck: „Die Männer sind alle Verbrecher.“ Wiederum Theo Mack hatte dafür in Gestalt der Femme Fatale der 30er Jahre, Zarah Leander, die passende Antwort: „Nur nicht aus Liebe weinen.“

Die „Nacht voller Seligkeit“ darf natürlich ebenso nicht fehlen wie das berühmte „Es wird einmal ein Wunder geschehen“. Peter Kreuder mit seinen Evergreens („Ich brauche keine Millionen“ und „Das gibt‘s nur einmal“) wechselt sich ab mit nachdenklichen Passagen von Ringelnatz oder Tucholsky. Heiter, frivol, aber auch melancholisch, traurig, ergänzen sich der Mann am Mikro und der Klavierspieler, werfen sich immer wieder gesanglich und textlich die Bälle zu, ziehen sich selbst durch den Kakao.

Humor und Lebensfreude stehen dabei im Kontrast zu dem, was 1933 folgte und vor dessen Wiederkehr die beiden Künstler den warnenden Zeigefinger erheben. Aber nicht zu viel Botschaft in einem eigentlich heiter-lustig-beschwingten Programm:  „Eine Nacht voller Seligkeit“ von Marika Rökk, Zarah Leanders „Kann denn Liebe Sünde sein?“ oder „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ von Marlene Dietrich finden begeisterten Anklang bei den Zuschauern. Wie auch „Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt‘“ zum Abschluss.

Bitterböse bayrische Balladen: „30 Jahre Wellküren“ beim Trommer Sommer

Wenn sich Moni in Rage redet, dann gibt es kein Halten mehr. Minutenlang lässt sie kein gutes Haar an der bayrischen Politik, an den Zuständen auf der Welt im Allgemeinen, kommt vom Hundertsten ins Tausendste, ihr Dialekt wird immer gnadenloser, dass die Zuschauer die Ohren spitzen müssen. Was die eine im Bunde der drei „Wellküren“ beim Auftritt auf der Tromm liefert, ist eine Show für sich, gegen die die hintersinnigen Lieder auf den Volksmusik-Instrumenten manchmal fast verblassen. „30 Jahre Wellküren“ hieß es zum Abschluss des diesjährigen Kultursommers – was für ein Finale.

Voll gepackt ist der Saal des Hof-Theaters, kaum ein freies Plätzchen ist mehr zu ergattern. Es hat sich auch nach Hessen herumgesprochen, was die drei Schwestern aus dem oberbayerischen Oberschweinbach im Landkreis Fürstenfeldbruck Bissiges zu bieten haben, wie sie sich teils hintersinnig-vorsichtig-feingeistig, teils brachial-direkt-eindeutig den Ereignissen und Exzessen auf der Welt widmen.

Die Well-Schwestern sind dabei in guter Gesellschaft. Nicht nur, dass alle 15 Geschwister zumeist mehrere Instrumente beherrschen, mit den „Biermösl Blosn“ in Gestalt von drei Brüdern zeigen sie, dass die satirische Aufbereitung des Erlebten (und das ist gerade in Bayern einiges) Stoff hergibt für eine fulminante Tour de Force durch die Niederungen und Tiefen der heutigen Zeit.

Wenn dabei die Zuschauer des Öfteren mit offenem Mund dasitzen, ist das aber nicht nur den kunstreichen Wortverdrehungen und verbalen Ausfällen geschuldet, sondern auch dem verzweifelten Versuch, dem bayrischen Idiom zumindest in Ansätzen Herr – oder in diesem Fall Frau – zu werden. Ab und zu zählt allein der olympische Gedanke, wenn eine der drei in Fahrt kommt und in ihrem Furor gegen alles und jeden loswettert.

Wenn sie nicht gerade singen, wird es bei den Schwestern bitterbös. Von wegen verbale Wellness. Konzentrierte Aufmerksamkeit ist angesagt, um die gesammelte Schar von Gemeinheiten zu erfassen, die in einem Wortschwall sondersgleichen ausgestoßen werden. Ob es die freistehende Badewanne des Limburger Bischofs ist, die Verfehlungen von Heimatschutzminister Söder oder der Vergleich des großen Trumps mit dem kleinen Trumpi in Bayern sowie deren Gier nach Abgrenzungen: Moni Well redet sich in Rage, dass die Schwestern Bärbi und Burgi nur kopfschüttelnd daneben stehen können.

„Was grenzt an Dummheit? Mexiko und Kanada“ ist da nur die logische Konsequenz in ihrem Denken. Und die Erkenntnis, dass es noch nie eine erfolgreiche Mauer gab. Allerhöchstens die italienische Abwehr- im Fußballspiel gegen Deutschland. Es schreien doch im Moment die am lautesten danach, die sie am längsten hatten, stichelt sie bitterböse nach Osten. Um sich dann gleich beim Publikum einzuschleimen: Gegen den dortigen Dialekt sei „Hessisch ein Hochgenuss“.

Musikalisch weiß man nicht, wo einem der Kopf steht, so schnell ist die Abfolge der diversen Melodien und Stilarten auf den verschiedenen Instrumenten. Auf Ukulele, Harfe, Tuba, Posaune, Gitarre, Hackbrett, Saxofon und Nonnentrompete gibt‘s Schlager, Jazz, Filmmusik, Mozart und natürlich Stubnmusik zu hören, die klassische bayrische Empfängnisverhütung. Wobei die Eltern damit wohl spät anfingen, meinen die Schwestern aufgrund der großen Kinderschar schmunzelnd.

Die Bayernhymne nach einem bunten Melodien-Potpourri hat natürlich in Hessen nicht die übliche Wirkung. Es steht keiner auf wie bei den Heimspielen. Herrlich Burgis Bekenntnis, immer und überall „ein guter Verlierer“ zu sein: Was sie schon alles unters Volk gebracht, schildert sie gern dem aufmerksam lauschenden Publikum. Sechs Gitarren, dazu den Verstand, ihr Herz und ihre Unschuld hat sie schon verloren.

Das Kinderlied vom „Kuckuck“ wird ein dreistimmiges Kanon-Erlebnis, bei dem sie sich schier in Ekstase singen, um dann ganz gesittet mit einem zarten „Simsalabimbambasaladusaladim“ zu enden. „Wenn Männer im Trainingsanzug die Bundesliga im Fernsehen anschauen, glauben die, sie treiben Sport“ heißt es zwischendurch als Seitenhieb aufs vermeintlich starke Geschlecht, dem aber genauso als Wiedergutmachung ein Lied gewidmet wird. Quasi als Dank dafür, dass es ihre Männer so lange mit den Well-Schwestern ausgehalten haben.

Seitenhiebe gibt’s aber auch in schwesterlicher Liebe: Burgi ist Meisterin im Verlieren, Bärbi hat für alles Globuli, bei Moni muss im Falle des Ablebens die Schwertgosch extra erschlagen werden. Lifestyle-Mamis, Transit-Zonen, der eigene Migrationshintergrund mit Wurzeln in Südtirol und Schottland, Facebook, Thermomix oder die Beschwernisse des Alterns: Es gibt nichts, was vor dem Spott der Schwestern sicher ist.

Es ist dann zwar nicht High Noon auf der Tromm, aber spät und vor allem kalt: Die schlotternden Kabarettistinnen kommen zum Schluss und zum Höhepunkt. Das Stubnmusical ist eine bitterböse Abrechnung mit den autoritären Herrschern, egal ob aus Bayern, Russland oder Ungarn. Zur Melodie von „Spiel mir das Lied vom Tod“, herrlich schräg auf der Nonnentrompete gespielt, wird über Windkrafttrassen-Chaos oder verfehlte Schulpolitik philosophiert, um dann fatalistisch zu meinen: „Wenn sie nicht bald sterben, regieren sie noch weiter.“

Beim Trommer Sommer war Günther Lindner mit seinem Papiertheater „Die drei kleinen Schweinchen und der Wolf“ zu Gast

Wer nur ein Bilderbuch zur Hand hat und daraus eine spannende, 45-minütige Geschichte stricken will, der sollte auch schauspielerisch begabt sein. Und das ist der Berliner Günther Lindner auf jeden Fall. Mit seinem Papiertheater „Die drei kleinen Schweinchen und der Wolf“ nach dem bekannten englischen Märchen war er beim Trommer Sommer zu Gast und fand seine begeisterte kindliche Zuhörerschaft.

Auf die Bühne tritt ein Mittfünfziger, der verschämt-kokett erst einmal sein schütteres Haar aus der Stirn streicht und dann nach seinem Hut schaut. Mit Hemd und Jackett bekleidet, heimst er, im ersten Moment etwas schüchtern auftretend, gleich viel Vorschussapplaus ein. Unter dem Arm hat er ein großes Buch mit wenigen Seiten. Das wird schnell am Tisch arretiert und aufgestellt. Und sofort geht es mit dem Aufschlagen direkt hinein in die Geschichte.

Das Buch klappt sich auf und gibt den Blick frei in die heile Schweinchen-Welt, in der die Mutter die drei nervigen Bälger nach einer Woche Regenwetter an die frische Luft setzt, weil sie die Streitereien darüber, wer wem die Kartoffeln weggefressen hat, nicht mehr ertragen kann. Also fast wie im richtigen Menschenleben. Schon hier wird die Wandlungsfähigkeit des Manns vom „Theater oN“ am Prenzlberg (was für „ohne Namen“ steht) deutlich. Tief-brummend gibt er das älteste Schweinchen, kieksend-vorsichtig das jüngste, keifend die Mutter.

In die weite Welt geschickt, sind die drei erstmal vorsichtig. Die weite Welt öffnet sich aber schon einmal mit weiteren Buchseiten. Es tut sich ein gelbes Rapsfeld auf, in das sich dann der älteste Filius hinaustraut. Es kommt, was kommen muss: Eine selbst gebaut Strohhütte bietet nicht genug Schutz vor dem gierigen und hungrigen Wolf, der so seinen Abendtisch deckt.

Nicht viel anders geht es dem mittleren Schweinchen, das sich immerhin eine Reisighütte im Wald gebaut hatte. Aber auch hier: Gegen das Magenknurren des Räubers ist kein Kraut gewachsen. Was mit Pusten nicht geht, funktioniert mit Niedertrampeln. Und wieder landet ein Schweinebraten im Bauch des Nimmersatts. Es ist eine Freude, Günther Lindner beim Wechsel zwischen den verschiedenen Figuren und Stimmen zuzuschauen. Die lässt er dazu noch vor den Hintergrundbildern zappeln und zetern, während er aus seinen Papier- und Buchvorlagen alle möglichen Gegenstände formt.

Die volle Aufmerksamkeit seiner kleinen Zuschauer ist ihm gewiss, wenn Lindner praktisch jede Bewegung kommentiert, ein Rübenfeld, einen Apfelbaum oder ein Riesenrad aus dem Hut zaubert. Dazu noch die Figuren am Rand, die er voll komödiantischen Talents mit den jeweiligen Dialekten fast überzeichnet. Sachse, Berliner oder Böhme sind schnell in ihrer Ausdrucksweise zu erkennen und bringen Farbe ins Spiel.

Wie auch Schweinchen Nummer 3, das schlussendlich dafür sorgt, dass dem Wolf gehörig der Appetit vergeht. Es baut sich nicht nur ein Steinhaus, das Pusten und Trampen wiedersteht. Nein, es erweist sich auch noch als so schlau und gewitzt, dass der Böse letztendlich daran verzweifelt. Jede List wird mit einer Gegenlist beantwortet, sodass der Räuber langsam, aber sicher verzweifelt. Sehr zur Freude der Kinder ist das Schweinchen immer einen Schritt voraus.

Als der Wolf dann noch vom Riesenrad fällt und sich mit Bauchschmerzen in den Wald trollt, ist die Befriedigung groß, dass mal wieder das Gute siegte. Mit der Konsequenz, dass das jüngste Schwein jetzt natürlich Riesenrad fahren über alles liebt und jedem die Geschichte erzählt, wie es den Wolf überrumpelte.

Irgendwie vermittelte der Berliner Lindner mit seinem Stück dann doch ein Stück schwäbische Mentalität: „Schaffe schaffe Häusle baue“ kann durchaus von Vorteil sein. Dazu noch ein bisschen Bauernschläue und Gewitztheit: Fertig ist die Kombination, mit denen sich den Widrigkeiten im Leben begegnen lässt. Mit viel Leichtigkeit, Charme und schauspielerischer Brillanz erzählte er die Geschichte vom Sieg der Klugheit über die Dummheit und erweckte auf beeindruckende Weise die bunt bemalten Figuren und die Papier-Szenerie zu faszinierendem Bühnenleben.

Sich selbst kreativ verwirklichen: Kunst-Mitmach-Aktion bei Ingrid Scholz auf der Tromm

Klopfendes Herz, amputierter Mann oder Durchdringung: Die Bilder und Kunstwerke von Ingrid Scholz sind nicht nur ein Hingucker, sie haben auch griffige Namen, die im Gedächtnis bleiben. Die auf der Tromm beheimatete Künstlerin öffnete beim Bergfest aufs Neue ihr Atelier und gewährte einen Einblick in ihr vielfältiges Schaffen. Gleichzeitig gab es an diesem Tag eine Kunst-Mitmach-Aktion, bei der jede/r Interessierte seine eigenen kreativen Fähigkeiten testen konnte.

Ingrid Scholz setzt in ihren künstlerischen Werken das um, was ihr im täglichen Leben begegnet. Aktuell ist das mit „Sonnenwinde“ eine Betrachtung der aktuellen Situation auf der Welt. Denn die Atmosphäre verändere sich durch die Naturphänomene extrem und sorge für viele Katastrophen. Scholz hat für ihr Bild eine Aluplatte mit einer Flex strukturiert, wodurch die Verwirbelungen im Zentrum entstehen.

Zwei Ausrufezeichen, eines nach oben, eines nach unten zeigend, symbolisieren für sie das Auf und Ab in einer Beziehung. Einmal ist der eine oben, dann wieder unten – und umgekehrt. Beim „amputierten Mann“ griff sie das Gefühl von jüngeren Frauen auf, den Partner eventuell einzuengen. „Was mich bewegt, versuche ich umzusetzen“, verdeutlicht Ingrid Scholz. Ihre Ideen sind direkt aus dem Leben gegriffen.

„Wings in the Wilderness“ entstand etwa bei einem England-Aufenthalt mit den Kindern. Als plötzlich aus den Nebelschwaden viele ihr unbekannte Vögel aufstiegen, inspirierte dies die Künstlerin zu dem Holz-Objekt mit zwei stilisierten Flügeln. „Das sind keine Engelsflügel“, schmunzelt Scholz. Das Erlebnis auf der Insel beeindruckte sie dermaßen, dass sie sich an die Arbeit machte und aus Holz ihr Werk aussägte.

Auf großes Interesse stieß die nachmittägliche Kunst-Mitmach-Aktion im Garten. Sie ist angelehnt an Joseph Beuys. Denn dieser war einer ihrer Dozenten, als Ingrid Scholz Kunst und Pädagogik an der Universität Kassel studierte. Bunte Holzklötze konnten auf eine Metallstange gesetzt werden – beliebig in Farbe und Form, ganz wie es den jeweiligen Künstlern gefiel.

„Jeder Mensch ist kreativ“, meinte Scholz nach der Idee von Beuys. Und genau dazu wollte die Aktion ermutigen: sich selbst künstlerisch zu verwirklichen. Die notwendigen Materialien entstanden in Eigenregie: Die diversen Holzklötze ließ sie in unterschiedlichen Formen sägen und dann Löcher in die Mitte bohren, um sie aufeinander schichten zu können. „Alle sind ein wenig verschieden“, betont die Künstlerin.

Deshalb gibt es wie bei den Lottozahlen auch unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten der in Rot, Weiß, Blau und Gelb gehaltenen Holzklötze. Scholz will jedoch nach Abschluss die Gebilde nebeneinander stellen und zu einem einheitlichen Kunstwerk zusammenfügen. Als die ersten Besucher kamen, „ging es ruckzuck, dass Figuren entstanden“, meinte sie. Jemandem das Gefühl zu geben, selbst kreativ tätig sein zu können, ist für sie etwas sehr Wertvolles.

Eine andere Aktion, die vor zwei Jahren im späten Frühjahr startete und dann auch im Rahmen des Trommer Bergfestes lief, ist jetzt im Internet auf www.beziehungswand.de zu sehen und soll eine Wiederholung erfahren. Ingrid Scholz wollte mit ihrer Beziehungswand quasi ein „Museum in der freien Natur“ schaffen, in das sich alle einbringen könnten, wie sie erläuterte. Im Museum gebe es viele aufgehängte Dinge, diesen Ansatz verfolgte sie auch hier.

Das, was den Weg an die Beziehungswand fand, hing dort so lange, wie es die Natur zuließ. Deshalb wurden manche Objekte auch laminiert oder in Klarsichthüllen gesteckt. Inzwischen nagte der Zahn der Zeit so stark, dass Gerold Scholz die Dinge abhängte. Gleichzeitig stellte er aber einen Dreibeiner an diese Stelle, „damit die Leute wieder etwas dranhängen können“. Denn durch das Aufhängen bekomme man eine Beziehung zu den Objekten, so werde die Beziehungs- auch zu einer Museumswand.