Pyromantiker lassen nichts anbrennen

Die Wiese oberhalb des Hoftheaters wird an diesem Abend zum großen feurigen Bauernhof mit Garten. Die Pyromantiker aus Berlin, Marlis Hirche und Oliver Dassing, haben ihn mit viel Liebe zum Detail gestaltet, um hier ein Feuerwerk abzubrennen. Nicht nur eines mit Raketen, sondern auch ein wortgewaltiges, in dem sich die beiden als Vadder und Mudder Schulten (mit Zwergenmasken) norddeutsch wie ein altes Ehepaar kabbeln, dass neben den Böllern auch die Pointen in einem fort zünden.

Sonnenblumen, Waschzuber, Milchkrüge, Kellen, Gartenzwerge, Laternen, Sonnenschirme und eine Kuh: Die beiden früheren Ensemblemitglieder des Kammertheaters Neubrandenburg waren den ganzen Nachmittag am Aufbauen. Denn fast jedem kleinen Teil kommt in ihrer Aufführung eine Bedeutung zu, als Vadder Schulten angeblich nur ein kleines Gartenfeuerwerk abbrennen will und damit aber mehr und mehr die Lunte zum Ärger seiner Frau legt.

Die ist als Sicherheitsbeauftragte eigentlich immer am Rennen, schleppt Wasser vom einen Ende zum anderen, ohne dem Mann jemals wirklich hinterher zu kommen. Köstlich der Versuch von Marlies Hirche, sich auf einen kleinen Zwergenstuhl zu platzieren. Slapstick pur. Wie auch Oliver Dassing immer wichtig über die Wiese schreitet, immer auf der Suche nach Brennbarem, und sich in Pose wirft, wenn was klappt.

Running Gag der beiden ist das Warten auf Angelika, die aber auf dem Hof nach den Eseln schauen muss („Können wir jetzt anfangen, Jürgen?). Daraus entwickelt sich inmitten einiger unfreiwilliger Mitwirkender wie zahlreichen Fledermäusen und einer Armada von Heuschrecken das Vorspiel zum bunt-leuchtendem Himmel, wie er bereits mit viel Geböller ein paar Minuten vorher aus Richtung Lindenfels vom Burgfest zu erahnen war.

Alles blitzt, funkelt, leuchtet. Ob’s der Gartenzaun ist, die Gießkanne Funken sprüht oder Oliver Dassing mit grünlichen Sensennebel als ebensolcher –mann über die Wiese schreitet: Die beiden Komödianten zelebrieren ein großes Schauspiel vor den Ahs und Ohs der Zuschauer, die beim einen oder anderen Knall heftig zusammenzucken. Das Ganze angereicht mit ein paar Geschlechterklischees und fertig ist ein 45-minütiges Schauspiel.

Pyro im Namen deutet daraufhin, dass viele der Aufführungen mit theatralisch eingesetzten pyrotechnischen Elementen arbeiten, was sich auf der Tromm bestens erleben ließ. Die Romantiker wiederum verweisen auf den Wesenszug in ihrer künstlerischen Arbeit, der an die Veränderung der Welt durch (Theater-)Kunst glaubt, der die Szene noch als einen Ort der Verwirklichung von Träumen und Sehnsüchten sieht.

Vadder Schulten ist eigentlich immer am Schrauben. Natürlich klappt nicht alles, was bei seiner Frau zu einigem Ärgernis führt. Kurzer Familienstreit und Versöhnung inklusive, wird kurzerhand die Kuh angebrannt, die sowieso aussieht, als wäre sie Gunther Hagens für seine Körperwelten in die Hände gefallen. Alles dient der Vorbereitung aufs große Finale: Wenn sich der Feuerregen auf die Wiese ergießt, die bunten Raketen in den Himmel schießen und die ganze Tromm im großen Feuerwerk den sommerlichen Abgesang erlebt.

Werbeanzeigen

Dem Mond einen musikalischen Kick versetzen

Ein wenig Wehmut klingt mit, als Trommer-Sommer-Mastermind Jürgen Flügge den letzten Act des 24. Veranstaltungsjahrs ansagt: die Frauenband „Kick La Luna“. Die hat an diesem Abend ein eher überschaubares Publikum, das aber umso begeisterter bei der Sache ist. Und das, obwohl an diesem Sonntag die Temperaturen nicht so schnell fallen wie sonst, es in der Mitte des Theaters-Dreiseithof nicht gleich in den Keller geht, sodass alle zu bibbern anfangen. Dafür sorgen auch die drei Frauen, die kräftig zum Mitsingen und –klatschen animieren.

Ein paar aus den Anfangsjahren „sind noch dabei“, meinte Flügge mit Blick in die Menge. Darüber freute er sich besonders, denn für den Trommer Sommer gibt es kein Abo, „wo man hingeht, weil man muss“, wie er schmunzelte. Sondern alle kommen freiwillig auf die Höhe. Deshalb galt den „Hardcore-Fans“ sein besonderer Dank. Gerade weil diese damit Kultur abseits des Mainstreams unterstützten, kleine Perlen, die man in dieser Form sonst nicht auf dem Land findet.

Flügge bedauerte, dass die Kultur in der hiesigen Region „noch nicht so sehr in den Menschen verankert ist“. Das zeigte für ihn auch die Diskussion am Vormittag mit Kulturmachern und politischen Entscheidungsträgern. Er ätzte, dass für Kanaldeckel und Sportplätze mehr Geld vorhanden sei. Das Trio „Kick La Luna“ machte jedenfalls noch einmal deutlich, was den Überwäldern ohne den Trommer Sommer an Kulturellem fehlen würde – wie auch der Rest des Wochenendes Veranstaltungen bot, die man sonst eher nicht zu sehen bekommt.

„Tanze aus der Reihe“ heißt der neueste Song der weiblichen Weltmusik-Band. Seit 1992 vermischen die Frauen Ethno-Funk, Bossa, Soul, A-Cappella-Perlen und pulsierende Rhythmen. Einen Querschnitt des bisherigen Schaffens gab es nun auf der Tromm. Die Texte und Kompositionen stehen für Vielfalt und ein friedvolles Miteinander, machen Mut, berühren, reißen mit und rütteln auf, sagen sie von sich selbst.

Großen Anteil daran hat Frontfrau Elke Voltz (Gitarre), die sich den Gesang mit Uli Pfeifer (Bass/Gitarre) teilt. Sie ist von Soul und Gospel geprägt, was auch deutlich in ihrer ausdrucksvollen, wandlungsfähigen Stimme zum Ausdruck kommt. Mit der dominiert sie die Songs, bekommt das eine oder andere Mal auch Zwischenapplaus, etwa wenn sie ohne jegliche Begleitung ein Stück anstimmt.

„Wir spielen eine Auswahl unserer Lieblingslieder“, hatte Voltz zu Beginn angekündigt. Dass die Spannbreite ziemlich weit sein würde, ergab sich von selbst. Ganz in Weiß gekleidet, waren zuerst die USA das Ziel der musikalischen Frauenreise – natürlich nicht ohne ein paar Seitenhiebe gegen den dortigen herrschenden Mann. Großteils sind die Stücke von „Kick la Luna“ selbst geschrieben. Und die wenigen gecoverten Ausnahmen hört man sonst auch nicht jeden Tag im Radio.

Etwa Uli Pfeifers Erfahrungen damit, oft unvernünftig entschieden zu haben und es super zu finden. Mit einer Stimme wie früher Sade gibt sie dem Song einen besonderen Klang. Wie sich überhaupt die beiden Frauen am Mikro sehr gut ergänzen: die eine dunkel, rauchig, sonor, die andere hell, soulig, mit viel Power drin.

Und dann noch Angela Frontera am Schlagzeug. Die ist ein kleines Energiebündel. Sie wuselt schon zu Beginn auf der Bühne herum, als sie verspätet ihr Schlagzeug zusammenschraubt und dann auch noch einen Stimmen-Soundcheck machen muss. Der funktioniert zur Belustigung des Publikums nur, wenn sie dazu die Schlagzeugstöcke in die Hand nimmt und den Takt klopft. Auch zwischendurch ist sie immer für ein paar Grimassen gut oder werkelt unbeobachtet hinter ihrem Drumset herum, während sich die anderen beiden unterhalten.

Die Anfänge der Band liegen in Frankfurt, als sich dort Elke Voltz, Uli Pfeifer und Anne Breick kennenlernen. Letztere ist zwar auf der Tromm nicht dabei, aber nach wie vor Teil der Gruppe. Die Chemie stimmte gleich trotz der unterschiedlichen Charaktere. Die beförderten eher die große Bandbreite an Songs und Stilarten. Lateinamerikanisch, afrikanisch, maorisch oder auch mal „ganz langweilig“ deutsch angehaucht sind die Stücke. Jazz, Funk, Gospel, Pop fließen zusammen.

Das ergibt einen eingängigen Mix aus Gute-Laune-Musik, der auch im Überwald bestens ankommt, wie der herzliche Beifall beweist. Südamerikanische Rhythmen entführen an den Trommer Strand, perlende Klänge machen spontan Lust auf „Ice in the sunshine“. Aber wer die Frauenband-Band kennt, weiß auch, dass sie sich einmischt, gesellschaftskritisch ist. Und dafür auch ihre Stimme erhebt, was an diesem Abend ebenfalls deutlich wird.

Selbst Hergestelltes stößt auf großes Interesse

Wenn Helena Clemens-Kohrt zum Kunsthandwerkermarkt auf die Tromm ruft, dann ist eines garantiert: Sonne und Hitze. Zum Glück waren die Temperaturen dieses Mal noch im Endzwanziger-Bereich. Denn es gab auch Jahre, da ging ohne Schatten gar nichts mehr. So aber herrschte den ganzen Nachmittag reger Betrieb und viel Interesse an den schönen handgemachten Dingen, die es im lauschigen Garten zu erstehen gab.

Inzwischen zum achten Mal immer am ersten August-Wochenende durchgeführt, ist der Markt immer eine feste Bank im Veranstaltungskalender. Regelmäßig füllt sich der Höhenrücken mit vielen Menschen, wenn es rund um das Goldschmiede-Atelier schönes Kunsthandwerkliches und kulinarische Genüsse gibt. Schon um die Mittagszeit herrschte bei herrlichem Wetter reger Betrieb.

Dorothee Flachs aus Hirschhorn war zum fünften Mal dabei. Sie stellt all ihre Kreationen selbst in ihrer Hirschhorner Werkstatt „Midlandfilz“ her. Filztiere sowie Gartenstecker sind im Sortiment. Dieses Mal hat sie mit Vögeln verzierte Filzkörbchen neu dabei, aber auch Broschen. „Filz ist wasserabweisend“, erläutert sie. Es ist eher die Sonne, die das Material beeinträchtigen kann und ausbleichen lässt. „Regen macht dem nichts aus.“

Peter Hermans beschäftigt sich seit 20 Jahren im Lindenfelser Stadtteil Winterkasten mit Kunstglaserei. Den im Stand hängenden Drachen malte er auf Glas, „bevor es das Drachenmuseum gab“, lächelt der Künstler. „Die Leute kommen mit ihren Vorstellungen zu mir und ich setze diese um“, beschreibt er einen Gutteil seiner Arbeit. Da passt es, dass seine Frau Jeanne Kloepfer als Illustratorin für die perfekten Entwürfe sorgt.

Schreibgeräte, Gewürzmühlen und Holzgefäße hat Thomas Sauer aus Wahlen mitgebracht. Einheimische Obsthölzer wie Birne, Kirsche oder Zwetschge verwendet er ebenso für seine Arbeiten wie Eiche, Esche und Ulme. Seine Gewürzmühlen „sind der Renner“, freut er sich. Die Käufer kommen von weit her, um die filigran selbst gedrechselten Schmuckstücke zu erwerben. Deshalb hat er auch ein großes Sortiment dabei.

Die Gäste können ihm auch bei der Herstellung zuschauen, wenn die Späne nur so fliegen. Eher etwas für Liebhaber sind die Holzschüsseln oder auch die Deko-Holzkugeln. „Das ist eine alte Technik“, erläutert Sauer. Mit der wurden früher Billardkugeln gedreht. Der Wahlener hat sie bei der Meisterprüfung gelernt und macht jetzt immer mal wieder Kugeln „just for fun“.

Messermacher Otto Morr aus Wald-Michelbach hat vom kleinen Küchenmesser bis hin zum großen Hirschfänger alles ausgestellt. Über die Jahre hat sich sein Sortiment immer weiter entwickelt. So sind bei ihm jetzt auch Schneidwerkzeuge aus andren Kulturen zu finden. Er fertigt sowohl Griffe als auch Stahl in Handarbeit. Verschiedene Hölzer und Gehörne kommen dabei zum Einsatz. Je nach Einsatzmöglichkeit werden unterschiedliche Stahlsorten verwendet.

Ein paar neue Kreationen haben Monika und Johannes Gehrig von den Odenwälder Feinen Bränden aus Litzelbach im Gepäck. Etwa Honig-Zwetschge oder Honig-Apfel aus „100 Prozent Handarbeit“, wies auf dem Etikett steht. Die Schnäpse sind trotz der Schärfe angenehm mild. Die Idee haben die beiden aus dem ehemaligen Jugoslawien. Odins Nacht, Erdas Muse oder „Mer sinn quitt“ sind weitere klangvolle Kreationen.

Mit Produkten aus dem Hammelbacher Imasgo-Atelier des Imasgo-Vereins sind Martine Rüdinger und Franz Stevens erstmalig dabei. Der Erlös der Produkte aus Burkina Faso geht wieder an die Menschen vor Ort. Unter den Waren sind auch afrikanische Tiere aus Ebenholz oder Kaïcedra, von den Dorfbewohnern hergestellter Schmuck aus Glas, Papier, Horn und Stoff oder filigrane Basteleien in Form von Autos oder Fahrrädern aus alten Blechdosen. Der Scarabee-Stuhl aus alten Ölfässern gewann bereits einen Designpreis in Paris, erläuterte Rüdinger.

Aktuell kümmert sich der Verein um den Brunnenbau in mehreren zu Imasgo gehörenden Dörfern. Denn einer davon mit Pumpe kostet über 8600 Euro. Damit sich die Investition lohnt, müssen es mindestens drei sein. Mit Willi Jäger aus Birkenau hat man bereits einen Sponsor gefunden, der 25.000 Euro besteuert.

Stelen in verschiedenen Formen und Farben sind das Metier von Claudia Rippl aus Schönau. „Ich liebe die Schatten, die von den Gläsern geworfen werden“, sagt sie. „Deshalb gefällt mir meine Arbeit besonders.“ Gerade von unten nach oben Strebendes kennzeichnet ihre Werke. Kräuterorakel, Dilsberger Landseifen, Tonwaren, Steinarbeiten oder Olivenölspezialitäten waren nur einige der vielen weiteren Angebote an diesem Tag.

Das Odenwald-Institut lud ein paar Meter weiter zum Stöbern in der neugestalteten Buchhandlung ein. Neben Gedrucktem und auf CD Gepresstem sowie Dingen für Körper, Geist und Seele fanden sich dort auch handgefertigte Taschen von Claudia Kappeler. Regina Klieber aus Kocherbach verkaufte auf dem Flohmarkt viele Dinge für einen guten Zweck. Der Erlös geht an die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS).

Gankino Circus bringt die Tromm zum Muhen

Das war ein Schlagzeugsolo für die Geschichte. Selbst für Trommer-Sommer-Verhältnisse, bei denen das Außergewöhnliche die Normalität ist, dürfte der Gankino Circus ein Highlight gewesen sein, über das noch lange gesprochen wird. Die westmittelfränkischen Kabarettisten und Musiker reißen die Zuschauer im Hoftheater von den Sitzen, heimsen Standing Ovations und begeisterten Applaus ein, der nicht enden will.

Und das mit einer Performance, die nicht nur musikalisch virtuos, auf höchstem Niveau ist, sondern auch ein Feuerwerk an anarchischem Klamauk, abgeschossen aus vollen Rohren auf die schon quietschenden Lachmuskeln der Besucher an diesem besonderen Samstagabend auf der kalten Tromm. Die Kälte merkt zum Schluss eigentlich keiner mehr, so sehr wabert die Luft nach dieser Nonsens-Kanonade, den die vier großen Kleinkünstler abfeuern.

Albern Ralf Wieland, Simon Schorndanner, Maximilian Eder und Johannes Sens schon im ersten Set ihres Programms herum wie die Jungs im Kindergarten, aus dessen Zeiten sie sich in der Metropole Dietenhofen bereits kennen, so geht’s nach der Pause in einer Weise ab, dass das Auge kaum folgen kann und die Ohren nicht mehr wissen wohin.

Daran hat, ohne das Können und den Witz der anderen schmälern zu wollen, vor allem einer Anteil: Schlagzeuger Johannes Sens. Der parodiert in einer Weise die oft ausufernden, unnötigen und eintönigen Drum-Soli bei Rockkonzerten, dass es einfach zum Wegschmeißen ist. An seiner Schießbude mutiert der Franke im Odenwald zum Tier aus der Muppets-Show, spielt sich selbst immer mehr in Rage, feuert sich an, flippt völlig aus und reißt das Heft der Musik an sich, während seine Kompagnons – gespielt – völlig fassungslos daneben stehen.

Dabei hatte alles so gemächlich begonnen. Aus der fränkischen Provinz kommen vier Musiker in die hessische, fühlen sich gleich heimisch, weil vieles so vertraut vorkommt. Alle sehen sie auch irgendwie nach Provinz aus. Johannes Sens hängt ein Trikot vom TV Dietenhofen mit der Nummer 8 an die Wand, das später noch eine wichtige Rolle spielen wird. Er verkörpert ein wenig den Typ gefrusteter Sozialarbeiter, der in der Freizeit die musikalische Sau rauslässt.

Gitarrist Ralf Wieland ist den 70ern stehengeblieben: Jeansjacke, bordeauxfarbene Hose, Hardrock-Café-T-Shirt kennzeichnen den Halbglatzenträger. Simon Schorndanner verkörpert eher den Typ 68er-Lehrer: hellblaues Hemd, geschmacklose Krawatte und helle Stoffhose, später noch gepaart mit einem farblich abgestimmten Sakko, ziehen den Spott seiner Kameraden auf sich. Der Klarinettist kommt gern in den Odenwald, weil er hier mit seinen Klamotten nicht auffällt, meint die Truppe.

Waldschrat Maximilian Eder mit Hut, Vollbart und langen Haaren ist im wirklichen Leben Bauer. Sein Gehstock wird dahingehend erklärt, dass ihm der Bulle beim Besamen einen Schubs gab und er sich den Oberschenkel verstauchte. Die deftige, nicht jugendfreie Zote von Sens gibt’s aber gleich hinterher. Xylophon und Akkordeon spielt er auf jeden Fall tierisch gut.

Was die vier im Anschluss bieten, ist ein musikalisches Feuerwerk zusammen mit Provinz-Witz. Damit sind sie natürlich im Überwald genau richtig, denn was den Franken ihr Dietenhofen, ist den Hessen ihre Tromm. Wenn Wieland vorschlägt, einen bestimmten Begriff doch zu googeln, schiebt er quasi nahtlos hinterher, „ihr habt ja eh kein Netz hier oben“. Alltag pur eben, hier wie dort. Man weiß augenzwinkernd, was Sache ist.

Wie auch der Song über die Ereignislosigkeit in Dietenhofen. Sechs Wochen auf dem Marktplatz sitzen und es passiert nichts? „Das kennt ihr doch bestimmt“, ruft Wieland in die Menge. „Wir saufen bis zum Umfallen und fallen so schnell nicht um“, lautet eine Textzeile. Nicht Neues in der Provinz. Die Städter sind bei fünf Bier besoffen, auf dem Land ist derjenige dann der Fahrer, weil alle anderen noch viel mehr intus haben.

Fränkische Volksmusik vs. Gankino-Sound: Die Gegenüberstellung von Dreiviertel- und Elfachtel-Takt ist herrlich. Wie überhaupt es die vier meisterlich beherrschen, Elemente aus ihrer Heimat mit flotten Balkanelementen aufzupeppen, daraus fast schon ein jazzig-angehauchtes Weltmusik-Stück machen. Vor allem Schorndanner auf Klarinette und Saxofon tut sich dabei das eine aufs andere Mal virtuos hervor, wenn er die Finger über die Tasten flitzen lässt.

Was in moll beginnt, wird im Laufe eines Songs zu feurigem Dur, sieht Wieland eine beinahe Flamenco-konformes Solo zaubern, während Akkordeon und Saxofon kräftig dagegen halten. Dazwischen ein paar Frotzeleien, ein paar Scherze auf Kosten der Überwälder, die den Franken aus der tiefsten Provinz aber keiner übel nimmt – und fertig ist ein denkwürdiger Auftritt, bei dem es der Gankino Circus es sogar schafft, das versammelte Auditorium zu Eders finnischem Fjäll-Rindvieh-Lied muhen zu lassen.

Geheimnisvolle Welt von Kalif Storch

Franziska Hoffmann ist wohl das, was man auf Neudeutsch eine Soundmaschine nennen würde. Die Märchenerzählerin verleiht nicht nur dem titelgebenden „Kalif Storch“ in dem arabischen Märchen ihre Stimme, sondern allen Figuren mitsamt Rahmenhandlung, ob das nun die Fluggeräusche des Vogels sind, der sich windende Wurm oder die verzauberte Eule(nprinzessin). Das Hoftheater verwandelt sich so in eine geheimnisvolle Welt voller schillernder Gestalten.

Die schillerndste davon ist sicher die Erzählerin selbst, unterstützt von Joel Grip an der Gimbre, einem nordafrikanischen Saiteninstrument. Den hätte es mit den monoton gezupften Tönen manchmal gar nicht gebraucht bei all der Erzählkraft von Franziska Hoffmann, die mit ihrer Präsenz Begleitung die Kinder in ihren Bann zieht. Eine geborene Entertainerin.

Wie es eben im Märchen so ist: Im Unterschied zum „Erwachsenendrama“ Michel Hely am Vorabend gibt es ein Happy-End. Kalif heiratet in einem rauschenden Fest Prinzessin und sie leben glücklich bis an ihr Lebensende. Doch der Weg dahin ist natürlich steinig, mit vielen Abenteuern und Fallstricken unterhaltsam kindgerecht aufgebaut, sodass die wissbegierigen Kids bei der Stange gehalten werden. Das schafft Hoffmann bereits am Anfang, wenn sie unter jedem Sandkorn eine neue Geschichte entdeckt. Lustig, gruselig, mit Tieren, Prinzen, Zauberern, übers Essen: Sie hat sie alle in petto.

Auf die Frage, ob die kleinen Zuhörer ihre Lieblingsstory hören wollen, erntet sie erst noch ein verschämtes Ja. Später aber sind ihre Fans umso mehr bei der Sache, lachen, wenn sich die Erwachsene in Storchenverkleidung zum Affen macht, geben Tipps und wollen am besten alles gleich nochmal sehen. Denn genau das platzt aus einem Steppke heraus, als Franziska Hoffmann eine Wiederholung für heute um 11 Uhr ankündigt: „Da will ich wieder hin.“

Los geht’s, das überdimensionale, rosa-karierte Märchenbuch wird aufgeschlagen: Grimassierend, ständig gestikulierend, führt sie in die Geschichte ein. Lautstark sich selbst mit diversen Geräuschen untermalend, werden die den Kindern unbekannten Fremdworte „übersetzt“. Die haben dadurch kein Problem, den Geschehnissen zu folgen.

Die Handlung bildet mehr oder weniger den Rahmen dafür, dass die Erzählerin eine Slapstick-Nummer abzieht, hinter dem „Bühnenbild“ verschwindet, unterm Tisch durchkrabbelt oder den Figuren ihre Stimme in allen Facetten und Tonlagen leiht. Wenn sie die Verwandlung des Kalifen zum Storch nachspielt, indem sie sich rote Gummihandschuhe über die Füße zieht oder unter dem Kleid die roten Strumpfhosen als Storchenbeine sichtbar werden, dann erntet sie damit helle Kinderlacher.

Dann klappt noch der Storchenschnabel mit schöner Regelmäßigkeit über den Kopf und die jungen Zuschauer kriegen sich bald nicht mehr ein. Ob der Vogelflug Marke Helikopter oder der exaltierte Zauberer mit einer Flugbahn wie die Todesser, das Märchen in sechs Akten hält bei Laune. Ab zu ein modernes Einsprengel wie die Lust des Kalifen auf Pommes mit Ketchup und Hoffmann hat den Bezug von der „altbackenen“ Geschichte aus früherer Zeit ins Heute geschafft.

Zum Schluss gibt’s dann Klischee pur: Der dicke Schmatz des heiratenden Paares belustigt logischerweise, der fliegende Teppich für die Brautleute ist eine kleine Reminiszenz an Aladdin, der darauf vor kurzem im Kino durch die Lüfte flog. Eine schöne, kleine, bunte Märchenperle, an der auch die Erwachsenen in großer Zahl ihrer Freude hatten.

„Wald-Michelbach in 16 Teilen“ als Aktion von Ingrid Scholz beim Atelierfest auf der Tromm

Egal wo die Besucher herkommen, wo sie leben, was sie vorher gemacht haben: Über die Kunst finden sie zusammen. 16 Teile hat das Bild „Wald-Michelbach“ von Ingrid Scholz. Sie verstreuten sich beim Atelierfest durch den Einzelverkauf in ganz unterschiedliche Ecken der Gemarkung und darüber hinaus. „Heimat ist kein bestimmter Ort“, meint deshalb die Künstlerin, die an diesem Tag des Trommer Bergfestes ihre Galerie für die Gäste öffnete. Sie sieht einen sozialen Zusammenhang zwischen den Menschen, die an einem Ort gemeinsam leben. Die Geografie tritt in den Hintergrund.

„Was passt als Bild ins Büro des Bürgermeisters“, fragte sich Ingrid Scholz zu Beginn ihrer Arbeit an diesem Werk. Die Antwort war für sie einfach: „Wald-Michelbach.“ Wer die Künstlerin kennt, weiß, dass dies natürlich nicht ein naturnahes Aquarell sein würde. Sie orientierte sich an David Hockney, ging aber weg von den konkreteren Waldbildern hin zum Abstrakten unter dem Einsatz hellerer Farben. Bach, Bäume, eine strahlende Sonne über dem Ort: Fertig war der malerische Dreiklang, den Scholz auf 16 Puzzle-Leinwandteilen unterbrachte.

Die sind anders als beim Original angeordnet, das in Dr. Sascha Webers Büro im Wald-Michelbacher Rathaus hängt. Dort findet sich an der anderen Wand auch das Pendant-Bild „In Bewegung“. Mit fließenden Farben verkörpert es sinnbildlich den Neuanfang, seit Weber im vergangenen Jahr den Posten übernahm. Seine Arbeitsräume hätten durch die verwendeten Farben eine „helle, fröhliche Stimmung“, so der Bürgermeister. „Ich gehe gern ins Büro.“

Die Besucher waren aufgefordert, aus dem vorherigen Puzzle wieder das Ursprungsmotiv zusammenzusetzen. Scholz sprach von einer „interessanten Aufteilung“, wenn jeder ein Teil des Werkes kaufe. Denn jede der 16 einzelnen Leinwände gab es zu erwerben. Der Malerin ging es darum, die Gäste in Aktion zu versetzen, damit sie sich mit dem Bild auseinandersetzen können. Wer ein Stück davon mit nach Hause nehme, „wird sich an das Ganze erinnern“, hoffte sie. Zum Zusammenfügen könne man sich über Grenzen hinweg virtuell auf der Tromm wiedertreffen, regte sie an.

Die auf der Tromm beheimatete Künstlerin öffnete beim Bergfest aufs Neue ihr Atelier und gewährte einen Einblick in ihr vielfältiges Schaffen. Gleichzeitig gab es die Kunst-Mitmach-Aktion, bei der jede/r Interessierte seine eigenen kreativen Fähigkeiten testen konnte. Scholz setzt in ihren künstlerischen Werken das um, was ihr im täglichen Leben begegnet.

Aktuell ist das mit „Blutmond“ die totale Mondfinsternis mit ihren besonderen Farben, die Scholz inspirierte. Die Rottöne mit dem leicht orange-gelben Rand faszinierten sie. „Das war äußerst spannend“, sagte sie. Zwei Skulpturen unter dem Titel „Dreiklang“ und eine Blitzkugel entstanden ebenfalls in der vergangenen Zeit. „Was mich bewegt, versuche ich umzusetzen“, verdeutlicht Ingrid Scholz. Ihre Ideen sind direkt aus dem Leben gegriffen.

Eine andere Aktion, die vor drei Jahren im späten Frühjahr startete und dann auch im Rahmen des Trommer Bergfestes lief, ist im Internet auf http://www.beziehungswand.de zu sehen. Ingrid Scholz wollte mit ihrer Beziehungswand quasi ein „Museum in der freien Natur“ schaffen, in das sich alle einbringen könnten, wie sie erläuterte. Im Museum gebe es viele aufgehängte Dinge, diesen Ansatz verfolgte sie auch hier. Das, was den Weg an die Beziehungswand fand, hing dort so lange, wie es die Natur zuließ.

Auf der Wiese soll die neu gestaltete Skulptur „Himmelsstürmer“ einen Platz finden. Sie verwendet dafür Aluminium. „Dadurch wirkt alles viel leichter“, sagt Scholz. Wenn das Material bearbeitet wird, „geht die Starre raus“, erläutert die Künstlerin. Es ergebe sich eine Wellenbewegung durch die Struktur. Im Zuge des Irene-Turm-Neubaus und der Tromm-Spielort-Verwirklichung „fügt sich das dann ein“, so ihre Vorstellung.

Selbst Hergestelltes findet auf dem Trommer Kunsthandwerkermarkt immer großes Interesse

Der Kunsthandwerkermarkt auf der Tromm, inzwischen zum siebten Mal immer am ersten August-Wochenende durchgeführt, ist immer eine feste Bank im Veranstaltungskalender. Regelmäßig füllt sich der Höhenrücken mit vielen Menschen, wenn es rund um das Goldschmiede-Atelier von Helena Clemens-Kohrt schönes Kunsthandwerkliches und kulinarische Genüsse gibt. Im herrlichen Garten hinter dem Gebäude stehen auch genug Schattenplätze bereit, um der sengenden Sonne ein paar Minuten zu entgehen.

Kunstglaser Peter Hermanns aus dem Lindenfelser Ortsteil Winterkasten fühlt sich bei seinen Arbeiten augenscheinlich der Historie seines Heimatorts verpflichtet: Der Nibelungendrachen ist auf einigen seiner kunstvollen Fensterdekorationen zu finden. Blumenmotive, aber auch detailverliebte, verzierte Gartenlampen bilden einen weiteren Schwerpunkt der ausgestellten Objekte.

Schreibgeräte, Gewürzmühlen und Holzgefäße hat Thomas Sauer aus Wahlen mitgebracht. „Sehr entspannt“ ist für den in Neckarsteinach arbeitenden sein einziger Markt, den er mit seinen Exponaten besucht. Einheimische Obsthölzer wie Birne, Kirsche oder Zwetschge verwendet er ebenso für seine Arbeiten wie Eiche, Esche und Ulme. Seine Gewürzmühlen „sind der Renner“, freut er sich. Die Käufer kommen dafür von weiter her, selbst aus dem Taunus, um die filigran selbst gedrechselten Schmuckstücke zu erwerben.

Schon um die Mittagszeit herrscht bei herrlichem Wetter reger Betrieb. Messermacher Otto Morr aus Wald-Michelbach hat vom kleinen Küchenmesser bis hin zum großen Hirschfänger alles dabei. Er fertigt sowohl Griffe als auch Stahl in Handarbeit. Verschiedene Hölzer und Gehörne kommen dabei zum Einsatz. „Ich habe zu Beginn nur eine vage Vorstellung, wie das fertige Messer aussieht“, berichtet er. Je nach Einsatzmöglichkeit werden unterschiedliche Stahlsorten verwendet.

Dorothee Flachs aus Hirschhorn war zum vierten Mal auf dem Markt dabei. Sie stellt all ihre Kreationen selbst in ihrer Hirschhorner Werkstatt „Midlandfilz“ her. „Das ist doch ein herrliches Ambiente“, sagt sie über die Tromm. Filztiere wie Frösche, Hasen oder Katzen als Kantenhocker sowie Gartenstecker in Form von Mohnkapseln – natürlich mit einem Filzkopf – hat sie dieses Mal neu dabei.

„Filz ist wasserabweisend“, erläutert sie. Es ist eher die Sonne, die das Material beeinträchtigen kann und ausbleichen lässt. „Regen macht dem nichts aus.“ Auch handgefärbte Schals aus Wolle und Seide ziehen die Blicke auf sich. Flachs freut sich jedes Jahr über das sehr interessierte Publikum. „Ich war schon immer am Filzen interessiert“, erzählt sie. Sie verwendet Rohwolle vom Schaf, die sie direkt verarbeitet. „Sie wird durch das Filzen gewaschen“, erklärt Flachs.

Ein paar neue Kreationen haben Monika und Johannes Gehrig von den Odenwälder Feinen Bränden aus Litzelbach im Gepäck. Etwa den Raubacher Jockel, der mit dem Alkohol des alkoholfreien Bier der Schmucker-Brauerei aus Mossautal hergestellt wird. Ein exquisiter Tropfen, der es geschmacklich mit einem hochkarätigen Whisky aufnehmen kann. „Walhalla“ nennt sich der Likör aus dunklem Bockbier, das ebenfalls von Schmucker kommt. Odin lässt grüßen.

Stelen in verschiedenen Formen und Farben sind das Metier von Claudia Rippl aus Schönau. Fast schon eine „Sucht“ ist es für sie, Achatscheiben mit einzuarbeiten. „Ich liebe die Schatten, die von den Gläsern geworfen werden“, sagt sie. „Deshalb gefällt mir meine Arbeit besonders.“ Das gebogene und geschweißte Metall wird von ihr zum Glas hin mit Zement ausgearbeitet. Gerade von unten nach oben Strebendes kennzeichnet ihre Werke.

Rosenzucker, Lavendelzucker, Lippenbalsam, Liköre und Basilikumöl sind nur ein paar der Waren, die Beatrice Heid aus Oftersheim mit auf die Tromm gebracht hat. Bereitwillig erklärt sie den interessierten Besuchern die diversen Anwendungsmöglichkeiten. „Pantarella“ nennt sich ein Design-Paradies gegenüber, bei dem sich in vielen Gestaltungsideen schwelgen lässt. Klangschalen, indianischer Federschmuck, Trommeln oder Windspiele bilden nebenan bei Dirk Wickenträger ein großes Sammelsurium an tönendem Wohnungsschmuck.

Tonwaren für jeden Geschmack gab es unter anderem bei der Töpfere Schrader aus Modautal zu erstehen. Der Maßschuhmacher Falk Buxmann, die Opalschleifer Marion und Detlef Metzer, Feintäschner Lederwaren, die Dilsberger Landseifen Manufaktur von Silvia Föhrenbach oder Olivenspezialitäten von Helga Kremer erfreuten ebenfalls das zahlreiche Publikum, und machten die große Anziehungskraft der Veranstaltung deutlich.