Neuer Stellvertreter gefunden: Wolfgang Schinzel unterstützt Renate Lautenschläger an der Spitze des VdK-Ortsverbands

Wolfgang Schinzel ist der neue stellvertretende Vorsitzende des VdK-Ortsverbands. Er wurde einstimmig von den anwesenden Mitgliedern gewählt. Der kommissarische Juniorenvertreter im Kreis stellte sich vor seiner Wahl auf der Jahreshauptversammlung vor. Schinzel stammt aus seiner „VdK-Familie“. Schon sein Vater war Mitglied, er selbst ist es seit etlichen Jahren. Ihm ist es ein Anliegen, den Sozialverband zu unterstützen und für die Mitglieder vor Ort zu sein. Die Vorsitzende Renate Lautenschläger betonte beim Treffen die sehr positive Mitgliederentwicklung.

Der Posten von Lautenschlägers Stellvertreter konnte auf der vergangenen Jahreshauptversammlung „leider nicht besetzt werden“, erläuterte sie. Umso mehr freute sie sich, dass es jetzt klappte. Schinzel ist auch ihr Stellvertreter im gemeindlichen Seniorenbeirat. Mit Blick auf die stetig wachsende Zahl an VdK-Mitgliedern zeigte sie sich zuversichtlich, dass der Sozialverband „als eine starke Stimme für mehr soziale Gerechtigkeit wahrgenommen wird und auch tatsächlich etwas bewegen kann“.

Der Landesverband Hessen-Thüringen erreichte zum Jahresende 2018 die beeindruckende Zahl von 275.000 Mitgliedern, so Lautenschläger. „Das ist der absolute Rekord in der Geschichte.“ Der Ortsverband zählt aktuell 190 Köpfe. Nach neun Eintritten 2018 folgten in diesem Jahr bereits zwölf weitere, sagte sie. Dem stehen 16 Abgänge gegenüber. „Ohne den Einsatz der ehrenamtlich Aktiven könnte der Verband keine Mitgliederzuwächse erzielen“, betonte die Vorsitzende.

Damit die 13.000 Ehrenamtlichen im Landesverband in Zukunft noch besser informiert sind und ihre Arbeit noch erfolgreicher organisieren können, gibt es Lautenschläger zufolge seit Anfang des Jahres das „VdK-WiKi“. Es ist ähnlich aufgebaut wie Wikipedia. Dort ist das gesamte VdK-Wissen verfügbar. Schinzel und sie hätten bereits an einer Schulung teilgenommen „und wir nutzen es fleißig“.

Mehr als 24.000 Menschen haben die VdK-Petition für mehr barrierefreies Bauen in Hessen unterzeichnet, informierte Lautenschläger. Allein über den Ortsverband kamen fast 100 Unterschriften zusammen. Die Unterschriften wurden Ende Juni dem Präsidenten des hessischen Landtags übergeben. Die aktuelle Forderung und Kampagne des VdK lautet „Rente für alle“.

Der Sozialverband fordere unter anderem: Alle Erwerbstätigen müssten in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, auch Beamte, Selbstständige und Politiker. Große Vermögen und hohe Einkommen sollten so besteuert werden, dass ein sozialer Ausgleich ermöglicht und Altersarmut verhindert wird. „Arbeit und Lebensleistung müssen belohnt werden“, so der VdK. Wer jahrzehntelang auch aus kleinen Einkommen Beiträge bezahlt, muss auf eine ausreichende gesetzliche Rente vertrauen können.

Schriftführerin Brigitte Ritter informierte über die Aktivitäten seit der vergangenen Jahreshauptversammlung. Darunter waren Jahresabschlussfeier, Kaffeenachmittag mit Kindertrachtentanzgruppe des OWK sowie der Tagesausflug nach Weikersheim und Bad Mergentheim. Sie nannte auch die Alten- und Krankenbesuche, die sie mit der Frauen-Vertreterin Brunhilde Fiedler durchführt.

Kassenführerin Irmgard Jurcza berichtete kurz über die Einnahmen und Ausgaben sowie den Kassenstand Ende 2018. Die Revisoren Dieter Siebig und Luzia Siefert prüften die Konten des Ortsverbandes. Sie fanden sämtliche Unterlagen in Ordnung vor. Siebig beantragte die Entlastung des Vorstands, die einstimmig gewährt wurde. Für den Kreisverbandstag 2020 wurden anschließend zwei Delegierte und zwei Nachrücker gewählt.

VdK-Mitglieder, die noch keine SOS-Dose haben, können sich bei Brigitte Ritter melden, so Lautenschläger. Denn für Mitglieder ist diese Dose kostenfrei. Da der nächste VdK-Beratungstermin in Wald-Michelbach erst am 14. Oktober stattfindet, kann jedes VdK-Mitglied vorher auch freitags von 14 bis 16 Uhr nach Mörlenbach ins Rathaus zu den dortigen Terminen fahren. Diese werden von Hans-Jürgen Kemmer durchgeführt.

Für den Mehrtagesausflug vom 8. bis 13. September nach Bischofsmais im bayrischen Wald hat die Vorsitzende inzwischen 40 Reiselustige gefunden. Das bedeutet, dass die Reise nun weniger kostet, da die Busfirma Staffelpreise je nach Anzahl der Mitreisenden abrechnet. Lautenschläger wies auf die kommenden Termine hin: den Info- und Kaffeenachmittag am 19. Oktober mit der Referentin Aruna Whitworth zum Thema gesunde Ernährung und die Jahresabschlussfeier am 7. Dezember. tom

Ehrungen: 25 Jahre Mitgliedschaft Karin Jöst, zehn Jahre Luzia Siefert, Reinhard Tober, Oliver Guthier, Harald Büchler, Bernhard Walter, Hildegard Haubert, Jürgen Höfler

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Kerwezelt brodelte vor Hitze und Stimmung

Das war eine heiße Kerwe im wahrsten Sinne des Wortes. Doch dem Zuspruch am Sonntagnachmittag konnten die hohen Temperaturen nichts anhaben. „Das Zelt platzte aus allen Nähten“, freute sich Bernd Egner vom veranstaltenden FC Odin. Bis in die späten Abendstunden hinein wurde noch weitergefeiert, während der Barbetrieb auf Hochtouren lief. Gesetzt ist am Sonntagnachmittag natürlich immer die Kerwepredigt.

Der Start in den Tag war eher geruhsam mit dem gut besuchten Gottesdienst. Als der beendet war, warteten bereits die nächsten Gäste vor dem Zelt auf den Frühschoppen. „Die Gottesdienst-Besucher blieben fast alle da“, sagte Egner. Was bedeutete, dass das Festzelt im Alten Weg gerammelt voll wurde. „Wir haben 200 Essen in einer Stunde rausgehauen“, war der Hunger der Besucher gewaltig. In bewährter Manier unterhielt dazu die Blasmusik Schimmeldewog mit schmissigen Weisen.

Obwohl alle Seiten des Zeltes aufgemacht wurden, war es trotzdem sehr heiß. Dass unter diesen Bedingungen so viele Leute kamen, „war überragend“, zog der FC-Vorsitzende vor der Schimmeldewäer Hitzebeständigkeit den Hut. Und vergaß auch nicht den vielen Helfern zu danken, die bei Gluthitze ihren Dienst versahen.

Den Auftakt des Nachmittags machte die Projektband aus Kindern und Jugendlichen unter dem Dach der Blasmusik, dirigierte von deren Leiter Christian Schuppel. Für ihre vier Lieder bekamen die jungen Musiker sehr viel Zuspruch, was sicherlich auch Motivation für die Fortsetzung dieses Projekts sein dürfte. Der Kindergarten St. Marien führte im Anschluss zwei Tänze auf. „Droben auf dem Berg“ und „Komm sing, komm tanz mit mir“ hieß es unter der Leitung von Gabi Knapp, Carmen Öhlenschläger und Sabine Heutz.

Da schon Ferien und einige in Urlaub sind, hatte sich von der Grundschule Schimmeldewog eine „freiwillige Gruppe“ von Schülern eingefunden, die unter der Leitung von Katharina Zink zusammen mit dem MGV-Kinderchor ein paar Lieder mit Gitarrenbegleitung sangen. Die Spannung stieg bereits in Vorfreude auf die Kerwepredigt an, als zuerst noch die Kerwekids unter der Leitung von Michelle Bock und Kerstin Gerlitschka ein tänzerisches Fußballmedley boten. Das Schimmeldewäer Lied zum Schluss was die passende Überleitung zum mit großen Getöse angekündigten Einzug des Kerwepfarrers.

Das Zelt brodelte jetzt nicht nur wegen der Hitze, die Stimmung war überschäumend, jeder Platz besetzt, sogar draußen hatten die Helfer noch Bänke aufgebaut. „Das Wasser wurde uns aus den Händen gerissen“, meinte Egner, so dämpfig war es im offenen Zelt. Doch: „Die Helfer haben das super gewuppt.“ Und dann kam er, der Glöckner von Notre Schönmattenwag, quasi Jens. Unter dem „Hells-Bells“-Läuten der selbst gebauten Glocke zog Kerweparre Gam mit seiner Entourage ins Zelt ein und las den Bürgern die Leviten.

Mit Liebe gepflegt wird die „Freundschaft“ mit denen aus „Owwer“. Dass bei der dortigen Kerwe vor einer Woche die Fahrgeschäfte absagten, war natürlich Thema: „Do war ned emol e Reitschul do. Mei Kinner häwe sich unheimlich gfreut, nach Owwer uff die Kerwe zu gäi. A sach emol, do war a koh Schiffschaukel zu säi.“

Letztes Jahr trieb es am Kerwesonntag einer so bunt, dass ihn seine Frau zu späterer Stunde sanft nach Hause begleitete, wusste der Kerweparre: „Fürsorglich hod sen hoom chauffiert, un ihn ganz sachte uff die Couch trapiert. Die Schuh un die Hos hot se ihm vorher noch ausgezoge.“ Sie aber wollte weiter feiern, machte die Rechnung aber ohne den späteren Wiedergänger. „Jetzt staid de Old wia do in voller Pracht, Gott sei dank, hod er noch an sei Hos gedacht.“

Äpfel klauen geht nach hinten los, berichtete Jens Gam – auch wenn es nur dazu diente, die Bäume vor dem Zusammenkrachen zu bewahren. Die Erfahrung machte der „Gemeindevorstand der Houl“. Da die Bäumebesitzer nichts unternahmen, schritt sie selbst zur Tat. Schwer bepackt, sollte es mit einem Sprung zurück über den Bach gehen. „Faschd bis niwwer hod ses gepackt, awwer irgendwie war die Schlucht, doch breiter als gedacht.“ Das hatte schmerzhafte Auswirkungen: Im Krankenhaus erfuhr die Apfel-Retterin, „dass der Fuß is total zerschmettert, ehr Leid ehr häd mol hearn solle, wie die hod gewettert.“

Der singende Landwirt Gerhard Pfeifer aus Lautertal unterhielt danach die Meute mit seiner Stimmungsmusik bestens. Von Schlagern bis hin zu aktuellen Hits war alles dabei, untermalt von einigen Witzen. Kein Wunder, dass die große Sause bis spät in die Nacht andauerte.

Dem Kerweparre läutet die Glocke höllisch laut

In Zukunft weiß der Kerweparre, was ihm die Glocke geschlagen hat. Nämlich „Hells Bells“ von AC/DC. Was aus einer Schnapsidee (im wahrsten Sinne des Wortes) entstand, war der große Hingucker bei der Kerweeröffnung in Unner-Schimmeldewog. Denn dort hängt jetzt neben der Bühne ein originalgetreues Exemplar einer Glocke, als ob man sie kurz vorher vom Kirchturm „geborgt“ hätte.

Seit Ende April hatte das Dreier-Glocken-Trio, Max Ballmann, Dominik Beutel und Jens Gam, im Geheimen an der Verwirklichung gewerkelt. Der Kerweparre, ein gelernter Werkzeugmacher, war in seinem Element. Das Objekt der Begierde wurde komplett als Schablone hergestellt. Das Epoxidharz wurde selbst lackiert, die Glasfasermatten auf die gebaute Form laminiert. Auch die Technik bauten die drei selbst ein.

„Die ganze Nacht hat’s gebimmelt“, weiß Gam um die große Resonanz auf die Konstruktion. Am gestrigen Sonntag kam die Glocke wieder zum Einsatz. Denn der Kerweparre marschierte sowieso bisher zum AC/DC-Song ein, was durch die Glocke eine ganz andere Dimension bekommt. Das Kerwezelt war am Eröffnungsabend gerammelt voll, bis 3 Uhr nachts spielte die Musik von DJ Minimi. Und auch dann wollten viele noch nicht nach Hause.

„Stück für Stück haben wir uns das Ding zusammengedacht“, erläutert Gam. „Heute muss die Glocke werden, frisch, Gesellen, seid zur Hand“, spornte er die Mitdenker an. Beim Hauptbastler Dominik Beutel, gelernter Schreiner, stieß er damit auf offene Ohren. Es war dann schnell klar, dass für den guten Ton die bisherige Einmarschmusik verwendet werden sollte.

Jens Gam war zeigte sich glücklich über die „tolle Resonanz“ auf die viele Arbeit. „Wir haben nachts bis in die Puppen bearbeitet“, schildert er das Glockenwerden. Denn: „Von der Stirne heiß, Rinnen muss der Schweiß, Soll das Werk den Meister loben“, wusste schon Schiller.

Bereits zur Eröffnung der in diesem Jahr vom FC Odin veranstalteten Kerwe war es gerammelt voll im Festzelt. „Das war hervorragend“, freute sich FC-Vorsitzender Bernd Egner. Zusammen mit der Blasmusik Schimmeldewog, Bürgermeister Dr. Sascha Weber und den verschiedenen Kerwegruppierungen, insgesamt fast 100 Köpfe zählend, wurde das Freibier angezapft.

Bereits vor der offiziellen Eröffnung hatten Kerweparre und Kerwejugend nicht nur Unter-, sondern auch Ober-Schönmattenwag unsicher gemacht. Dort sah es im Hochsommer aus wie nach heftigem Schneefall, da die wilde Horde mit einem Laubbläser mehrere Kilo Konfetti verteilt hatte. „Es war zwar keiner auf der Straße, aber laut genug waren wir“, grinste ein Mitglied des Teams. Vielleicht war ja auch deshalb keiner auf der Straße?…

Um sich dann für die weitere Tour zu regenerieren, gab’s einen Verpflegungstopp an der Kerwepfarrer-Homebase in Korsika. Die Musikauswahl auf dem Anhänger bot wirklich für alle was: Von „Paradiese City“ bis „Cordula Grün“ schallte Partymusik für jeden Geschmack laut durch die Boxen.

Dass sich so viele Jugendliche für die alte Tradition engagieren, hat für Jans Gam nicht nur was mit Party zu tun. „Die wissen, worum es geht“, meint er, nämlich die Kerwe als Bestandteil des Ortslebens hochzuhalten. Für ihn das beste Beispiel für den Einsatz: „Noch am Morgen haben vier Kumpels in der prallen Sonne das Unkraut vom Kerweplatz weggerechelt.“

Auch wenn es am Samstagnachmittag drückend heiß war, ließen sich die Besucher nicht davon abschrecken. Der FCO organisierte, wie es sich als Fußballverein gehört, eine Ball-lastige Kinderbespaßung. Dazu zählten Bubble Soccer, Fußballparcours und Torwandschießen. Die Kerwejugend verkaufte Spiralkartoffeln an die Kids. Außerdem gab es eine Buttonmaschine, bei der jeder seinen ganz eigenen, selbstgravierten Button erstellen konnte. „Für die Bullenhitze war es gut besucht“, freute sich Gam. Im Zelt herrschte durchgehend Betrieb.

Die Kerwejugend hatte zuvor den Lauf des Ulfenbachs auf einer Strecke von mehreren hundert Metern freigemacht, sodass den Enten bei ihrem Rennen keine Hindernisse im Weg lagen. „Alle verkauft“, lautete kurz vor dem Start die Meldung. Aus einem Kübel wurden die Exemplare in den Bach gekippt und mussten sich dann ihren Weg von einer kleinen Brücke oberhalb des Festzeltes bis zu diesem suchen. Ein Trichter diente als Ziel, sodass es keine Unklarheiten über den Sieger geben konnte.

Und wieder volles Zelt am Abend bei der Partyband „Thousand Years Later“ (TYL). Auch hier galt: Es war eine große Fete von Anfang an. Es wurde viel getanzt und gefeiert. Denn Band weiß ihren Heimvorteil immer auszunutzen. TYL, bestehend aus Katharina Zink, Timo und Tobias Walter (alle Gesang), Benedikt Breitwieser (Bass), Sven Dörsam (Gitarre) und Benedikt Staat (Drums), begeisterte das Publikum mit einem abwechslungsreichen Programm bis in den frühen Morgen.

Die Band machte um 2.30 Uhr Schluss, was aber noch lange nicht das Ende der Party bedeutete. Erst als es schon hell wurde, gingen die letzten Feierwütigen nach Hause. Die musikalische Bandbreite der 55 Songs reichte von aktuellen Hits aus Rock und Pop über deutsche Schlager bis hin zu Klassikern.

Kerwepfarrer grub außer der Kerwe so einiges für die Rede aus

Die Kerweredd ist bei der Kirchweih in Owwer-Schimmeldewog immer gesetzt. Sonntagnachmittag ist die Jagdgenossenschaftshütte proppenvoll, wenn (seit 2014) Kerweparre Sascha Oberle ansetzt, die Verfehlungen seiner Mitmenschen in allen Details zur Freude der Besucher auszubreiten und dabei kein auch so nebensächliches Element auslässt. Der Bunte Abend, bei dem die verschiedenen Gruppen ihr Können zeigen, ist dann die Abrundung des Kerwe-Hochtags, der wie die anderen Tage auch zur absoluten Zufriedenheit des veranstaltenden Gesangvereins Harmonie verlief.

Die aus „Unner“ sollten dieses Jahr in der Kerweredd nicht vorkommen, erzählte Sascha Oberle. Wer’s glaubt… Doch dann leisteten sich die Intimfreunde, deren Kerwe am kommenden Wochenende stattfinden, einen gewaltigen Fauxpas, der die Aufmerksamkeit des Beobachters aus „Owwer“ auf sich zog. Denn ihrem Kerwezelt fehlen zwei Elemente, womit weniger Leute reinpassen. Leidtragender: Der FC Odin, der dieses Jahr die Kerwe ausrichtet.

„Der Odin muss des ganze dies Joahr halt ausbade, un dutt eventuell zu veel Leit fer zu wenisch Zelt erwarde.“ Die guten Nachbarn standen natürlich mit Rat und Tat zur Seite. „Ich mach net viel Worte, will gar net viel Saaache, vielleicht koann des Kerwekomitee mol schnell des Bauwerk hertraaache.“ Unter großen Gelächter wurde ein Mini-Zelt reingetragen, das für die Kollegen mindestens zwei bis drei Besucher mehr aufnehmen kann.

Das neue Fahrzeug der fusionierten Feuerwehr lässt gestandene Männer zu kleinen begeisterten Jungs werden, wusste der Kerweparre: „Ich wett, so mancher hat sein gsamte Jahresurlaub genumme, weil des LF 10 steht koa Minut, des dut Tag un Nacht brumme. Do wern noch enanner sämtliche Straßezüge abgefahrn, damit im Ernstfall alles leeft nach Plan.“

Alle waren dabei? Alle? Nein, einer nicht. Der bekam nämlich nie eine Alarmierung aufs Handy. Die Lösung des Problems fand der Sohnemann: „Der schüttelt bloß de Kopp, versteh oaner die Welt, Vadder doi Handyalarmierung is uff lautlos gstellt.“ Die Empfehlung: „Vielleicht kennt ehr jo des weiterhin uffs Handy schicke, un fer denn mal kurz uff de Sireneknopf dricke.“

Das Männerballett im Ort boomt, weiß Sascha Oberle, denn er durfte schon zwei Mal das Training leiten. Deshalb der Rat an die Ehefrauen: „Wenn in Zukunft eier Männer angeblich in Feuerwehr, Singstunn oder Fussball gehn, einfach nochmal in die Tasche sehn, wahrscheinlich sinn anstatt Noteblatt, Stolleschuh oder Stahlkappe, in de Dasch, nur Leggins, än Body un ä paar Doanzschlappe.“

Die folgende „Einzelbetrachtung“ der Schimmeldewäer Übeltäter wollte fast kein Enden nehmen, so viele Begebenheiten hatte das Kerwepfarrer-Redaktionsteam zusammengestellt. Kleine Tierchen an unzugänglichen Körperstellen, der Bauboom auf dem Lotzebuckel, Darmbewegungen eines Feuerwehrmannes, die Frau Hotzenplotz statt Hotz, weil die Worterkennung in WhatsApp spinnt, oder die gerissene Hose beim Mountainbiken: Es wurde viel gelacht, mal laut, mal leiser, während es die Betroffenen versuchten mit Humor zu nehmen.

Volles Programm am bunten Abend: Nach dem Tanz der Kerwekids, die zeigten, wie das Leben funktioniert, sang der Chor unter Leitung von Ria Günther drei lustige Lieder. Das traditionelle Shanty „The drunken Sailor“ von Robert Sund beleuchtete die Arbeitswelt der Matrosen auf hoher See. „Das Rendezvous“ von Oliver Gies erzählte von einem romantischen und heißen Date im wahrsten Sinne des Wortes. Im Popsong „So soll es bleiben“ ist Anette Humpe auf der Suche nach dem perfekten Moment, der keine Wünsche offenlässt.

Mit der Tanzgruppe Ratz Fatz ging es zuerst zurück in die 80er Jahre, ehe dann die Kerwejugend vor unkontrolliertem „Wildwechsel“ durch angetrunkene Anwohner der Odenwaldgemeinde auf der Landesstraße 3105 während der Kerwe warnte. So wie an Kerwe geht es auch auf einer Fastnachtssitzung sehr bunt und lustig zu, sagte Moderator Holger Groh zum nächsten Punkt. Mit Tanz, Gesang, Vorträgen und viel Tamtam wird das Leben gefeiert. „Die Kerweweiwer zeigen uns, wie’s geht.“

Neun Schimmeldewäer machten sich letztes Jahr auf den Weg zum Karneval nach Rio de Janeiro, wusste Groh. Sie waren so begeistert und fasziniert von Show, Musik und natürlich hübschen Frauen dass sie selbst Tanzstunden nahmen. Die ersten Auftritte brachten die Leute zum Ausflippen, meinte er schmunzelnd. Das Männerballett als deutsche „Zumba Nationalmannschaft“ heimste viel Applaus ein.

 

Kerwekids: Lotta Walter, Hannah Büttner, Nala Pohl, Ronja Dürr, Emilia Orner, Leandra Indinemao, Anni Buchloh, Celia Hartmann, Hannes Bernhard, Silas Hartmann und Paul Zimmermann, Leitung Hannah Klos

Ratz Fatz: Andrea Ballmann, Ina Keil, Sandra Klos, Jutta Schmidt, Petra Stay, Martina Uhrig und Heike Wetter, Choreografie Anika Klos.

Kerwejugend: Riva Jöst, Rike Lautenklos, Emily Uhrig, Lea Walter, Nico Wetter, Hannah Klos

Kerweweiwer: Stefanie Walter, Renate Walter, Karin Sauer, Ulrike Klos, Sandra Klos, Ramona Jöst, Christiane Hirsch und Andrea Ballmann

Männerballett: Heinz Ballmann, Sebastian Ebeling, Harald Falter, Christoph Klos, Michael Walter, Dieter Walter, Holger Wetter, Jörg Wetter und Max Wilhelm, Leitung Nadine Pohl

Alte Traditionen im Ort am Leben erhalten

Dass Jens Gam heute Kerwepfarrer von Unter-Schönmattenwag ist, hat er zum Gutteil auch seinem losen Mundwerk zu verdanken, wie er verschmitzt lachend selbstkritisch anmerkt. Er macht diesen „Job“ aber auch, um die alten Traditionen im Ort am Leben zu erhalten und die Dorfgemeinschaft zu fördern. Ende des Monats ist es wieder soweit.

Aktuell ist er gerade wieder voll in seinem Element, denn seine Vorbereitungen für die Kerwe auf dem Festplatz laufen auf Hochtouren. Die Kerweredd mit den Missetaten der Ortsbürger hütet der 45-Jährige deshalb auch wie seinen Augapfel, legt sie unters Kopfkissen, nimmt sie bestimmt auch mit aufs Klo und lässt niemanden einen Blick hinein werfen.

Es war vor drei Jahren, als der eingeborene Korse (oder Korsikaner?) den Grundstein zu seiner Kerwe-Karriere legte. Er war nicht so recht zufrieden mit dem, was 2016 auf der Kirchweih passierte. „Ich wollte mehr Pepp reinbringen“, meint er im Rückblick. Wer Jens Gam kennt, weiß, dass er dies wortgewaltig auf Ourewällerisch zu artikulieren vermag. Es kam, wie es kommen musste. 2017 wurde er vier Wochen vor der Kerwe von der ausrichtenden Feuerwehr gefragt, ob er den Kerweparre machen würde.

Kneifen gilt nicht. „Ich hatte eine große Schnauze und musste jetzt zu meinem Wort stehen“, sagt er rückblickend. Unter einer Bedingung: Es sollte auch eine Kerwejugend geben. Was er vielleicht insgeheim hoffte – dass sich zu wenige finden würden -, trat aber nicht ein. Im Gegenteil: Zum ersten Treffen kamen gleich 25 Leute. „Und die wollten tatsächlich alle mitmachen“, grinst er.

Die Themen für die erste Kerwerede lagen schon vor, er musste sie „nur noch“ auf sich umschreiben. Trotzdem „ist mir da oben ganz schön der Stift gegangen“, bringt Gam plastisch seine Nervosität rüber. „Das war nicht ohne oben auf der Bühne.“ Für ihn ist die Tradition das Besondere an dieser Veranstaltung. Die Jugend will er dafür begeistern. „Ihr wollt doch auch, dass eure Kinder Kerwe feiern“, motiviert er die.

Früher, weiß er aus seinen eigenen Jugendjahren, „war richtig Action“. Da gab es Zeiten mit „Melibokus“ oder die HR3-Party. Es war Full House und es ging tierisch die Post ab. „Rabatz und Stimmung machen“ sind auch die Ziele, die sich der Kerweparre auf die Fahnen geschrieben hat. Denn davon gab es in den vergangenen Jahren seiner Meinung nach zu wenig. „Irgendwann hatte man sich an allem sattgesehen und das Ding ist eingeschlafen.“

Jens Gam wird nicht müde zu betonen, dass es nicht um einen bestimmten Verein geht. „Ich babbel immer an die Leute dran, dass es ein Fest fürs ganze Dorf ist“, betont er. Die ältere Generation hat das begriffen, stellt er fest. „Die geben mir Tipps, was man noch alles machen könnte.“ Eine dieser Ideen ist die Beflaggung des kompletten Ortes zur Kirchweih. „Das soll sich schon in diesem Jahr rumsprechen“, wünscht er sich.

Was mit der Kerwejugend startete, wurde 2018 erweitert. Da gab es dann schon Kerwekids, -muttis und –teenies. „Derzeit sind wir über 50 Leute“, freut sich Gam über die große Resonanz. Die erleichtert es auch, die anfallenden Arbeiten wie Deko- oder Bar-Bau auf mehrere Schultern zu verteilen.

Zum Fassbieranstich am Kerwefreitag, 28. Juni, verspricht er um 20 Uhr eine besondere Überraschung, über die er sich auch bei penetrantem Nachbohren keine Einzelheiten entlocken lässt. Die diesjährige Kerwerede hält Gam am Sonntag, 30. Juni, um 15 Uhr. „Beim Bäcker oder Metzger werde ich oft auf die Seite gezogen“, meint er verschmitzt. Da heißt es dann: „Hast du das schon gehört, was wieder passiert ist.“ Gam muss aus dem Erzählten ein wenig aussieben, „damit keiner beleidigt ist“.

Bis die Story zum Vortrag kommt, „habe ich jeden Absatz bestimmt 50 Mal gelesen“, erzählt er. Seine Frau kann ein Lied davon singen. „Cindy meint, ich wäre in der Zeit ziemlich anstrengend“, fügt er hinzu. Die Genannte kommt gerade die Treppe runter und ergänzt nur trocken: „Wir stehen in der Zeit jedes Mal kurz vor der Scheidung.“ Da kann auch das „Ich bin doch eigentlich ganz ruhig“ ihres Mannes nicht wirklich die Wogen glätten.

Die Erstellung der Kerwepredigt ist Teamarbeit. „Ich schreibe alles per Hand im karierten Notizblock auf“, erläutert der 45-Jährige. Seine Frau tippt die geheim gehaltenen Worte dann in den Computer, er liest sie nochmal durch, verbessert etwas, sie tippt die neue Fassung ein – ein Vorgang, der sich sechs oder sieben Mal wiederholen kann. „Derzeit ist gerade wieder Vollgas angesagt.“ Heraus kommt irgendwann die fertige Fassung, die sich dann im schwarzen Buch mit Schimmeldewäer Wappen auf der Vorderseite wiederfindet.

Wenn es auf den großen Sonntag zugeht, kommt der Frack aus dem Jahr 1913 zu seinem Recht. Den schenkte ihm „die Nachbarin der Schwester meiner Frau“, erklärt der Kerweparre. Er passt wie angegossen. Was nicht selbstverständlich ist, denn früher trugen nur reiche Leute eine solche Kleidung, die aber in der Regel schmal waren. Der Zylinder stammt auch vom Uropa besagter Nachbarin.

Mit den Ideen ist noch lange nicht Schluss. Die Kerwe ist für Jens Gam „ein Dorffest, das man nicht untergehen lassen darf“. Sie funktioniert nur, „wenn alle mit anpacken“: Helfer, Kerweborscht, Bevölkerung. Das müssen die Leute merken und umsetzen, hofft er. „Dann habe ich alles richtig gemacht.“

Jens Gam (45) hat mit seiner Frau Cindy zwei Kinder. Der Kerweparre aus Unner-Schimmeldewog wohnt ganz hinten in Korsika im Elternhaus. Er arbeitet als Werkzeugmacher in Vorderheubach. 2017 zog er das erste Mal Frack und Zylinder an und traute sich im Festzelt auf die Bühne.

 

Info: Die Kerwe in Ober-Schönmattenwag, in diesem Jahr vom FC Odin ausgerichtet, dauert von Freitag, 28. Juni, bis Montag, 1. Juli. Highlights: Freitag, 20 Uhr, Ausgrabung der Kerwe und Fassbieranstich, 21 Uhr, 2000er Go Up Kerwe Party mit DJ Minimi. Samstag, 29. Juni, 14.30 Uhr, Familiennachmittag, 15.30 Uhr, Entenrennen auf dem Ulfenbach, 21.30 Uhr, Konzert Thousand Years Later. Sonntag, 30. Juni: 11.30 Uhr, Frühschoppen mit der Blasmusik, 13.30 Uhr, Kerweumzug, 15 Uhr, Kerweredd, 17 Uhr, Stimmung mit dem singenden Landwirt. Montag, 1. Juli: 10.30 Uhr Frühschoppen, 17 Uhr, Begraben der Kerwe.

 

Kerwerede belebte die Tradition neu

Die Kerweredd ist seit Anfang der 80er Jahre wieder eine Institution in Ober-Schönmattenwag. In der ganzen Zeit bis heute gab es nur drei Kerwepfarrer, die ihren Mitmenschen den Spiegel vorhalten: ab 1981 Donat Skroch, von 1993 bis 2013 Christof Klos und seitdem Sascha Oberle, der auch am Sonntag um 15 Uhr zur Tat schreiten wird. Die ersten zehn Jahre dieser örtlichen Nabelschau gibt’s sogar in Form einer kleinen Broschüre, die allerlei Wissenswertes übers Dorf zutage fördert.

„Wir wollten damals die Kerwe wieder neu beleben“, erinnert sich Skroch an die Anfänge. Die frühere Wirtschaftskerwe gab es seit Mitte der 50er Jahre nicht mehr, da die Gastwirte ihre Säle anderweitig nutzten. Daraufhin wurden die Vereine mit ihrer Zeltkerwe selbst ab 1969 aktiv. Zu Beginn der 80er Jahre, weiß er, wollte man die alten Traditionen wieder einbauen: Kerweparre, Mundschenk, Bajazz und Kerweborscht. Seitdem teilen sich Gesangverein Harmonie und Feuerwehr die Ausrichtung.

Erwin Münd war damals für die Aktiven genau der richtige Ansprechpartner. Die wandelnde Enzyklopädie für Owwer-Schimmeldewäer Geschichte „hat uns genau beschrieben, wie früher der Brauch war“. Dazu gehörte, am Vorabend eine Weinflasche zu vergraben, am Kerwetag selbst loszuziehen und sie zur Eröffnung auszubuddeln. Natürlich mit lautstarker Unterstützung des Spielmannszugs.

„Wir hatten immer eine Ersatzflasche dabei“, erzählt der 69-Jährige schmunzelnd die Vorplanung. Denn manchmal wurde der wilde Haufen beim Vergraben beobachtet, dann machten sich Nachbarn oder Ortsjugend einen Spaß daraus, den guten Tropfen verschwinden zu lassen. Wenn das Kerwekomitee seiner Beute habhaft geworden war, ging es mit dem Ruf „Wem gehört die Kerwe? Unser!“ zurück zum Kerweplatz.

In der Regel, erläutert der ehemalige Kerwepfarrer, thematisierte er Begebenheiten, „die unterhalb des Erfassungspegels der Medien liegen“. Deshalb wollte er „dieses spezielle Teilgebiet der Brauchtumspflege“ auf diese Art dokumentieren. Herausgekommen ist ein Büchlein in der Reihe der „Überwälder Archivschriften“, das zwar inzwischen vergriffen ist, aber im Archiv der herausgebenden Gemeinde Wald-Michelbach noch eingesehen werden kann.

Im Vorwort ist von Heimatforscher Peter Sattler zu erfahren, dass ganz früher in den Wirtschaften „Eintracht“ und „Post“ abwechselnd gefeiert wurde. Zusätzlich gab es Anfang September noch die „Quetschekuchekerwe“ an der Heimsbrücke bei Leonhard Beckenbach. Die dortige Wirtschaft hatte am längsten einen Tanzsaal und eine Kegelbahn, schreibt Sattler.

Als Skroch 1975 aus dem Ried in den Überwald zog, „bin ich bald beim Odin und bei der Harmonie eingetreten“, erzählt er. Und das, „ohne Fußball spielen oder singen zu können“. Aber integriert war er schnell. Als er dem damaligen Dirigenten beim ersten Treffen einen guten Tag wünschten, meinte der nur: „erster Bass, setzen“, lacht er im Rückblick.

Seit 1983 wird auf Skrochs Initiative hin an versetzten Wochenenden gefeiert. Denn früher fand die Kerwe parallel in Ober und Unter am ersten Sonntag nach Johannistag statt. „Damals sind die von Owwer nach Unner geschlichen und haben geschaut, wie viele leere Bierfässer dort standen“, weiß er um das Konkurrenzdenken. Die Entzerrung „belebte die Kerwe ungemein“, freut er sich.

Sattler beschreibt in seinem Vorwort auch den früheren Ablauf. Mittwochs trafen sich Kerweborscht und Dorfmädchen, um Girlanden zu wickeln und den Saal zu schmücken. Am „Kuchebacksamstag“ wurde dann abends die Kerwe „ougesoffe“. Der vom Bajazz aufgetragene Anzug war ein Unikat. 1923 hatte ihn Schneidermeister Adam Falter aus 200 farbigen Stofffetzen zusammengenäht. Er wurde lange Jahre aufgetragen, bis irgendwann einmal verloren ging.

Zum Quartett gehörte auch der Kerweborscht mit seiner dreizinkigen Heugabel, über der ein Ring Fleischwurst und ein Buntkuchen aufgesteckt war. Weiter unten am Schaft der Gabel hing ein Kranz mit bunten Bändern, der Kerwekranz. Die Herkunft dieser Tradition ist Skroch unbekannt. Natürlich darf man den Kerweparre nicht vergessen, mit langem Gehrock, steifem Zylinder und Kerwebuch unterm Arm. Ihm wurden während seiner Rede alkoholische Erfrischungen durch den Mundschenk gereicht.

Manche Inhalte der Kerwereden sind zeitlos, freut sich Donat Skroch. Seine Beschäftigung mit den Uznamen bietet auch heute noch Stoff für Lacher. Dabei griff er dabei nur auf eigene Erlebnisse zurück. Als Schriftführer notierte der Zugezogene bei den Versammlungen die Namen so, wie sie gesprochen wurden. „Die Verlesung des Protokolls sorgte dann immer für große Lacher“, grinst er. Natürlich wurde auch gerne über die Mischelbäscher oder die aus „Unner“ hergezogen.

Waldlehrpfad bekommt ein Facelifting

Der Waldlehrpfad im beschaulichen Dürr-Ellenbachtal ist etwas Besonders: Denn er entstand vor über 60 Jahren als erster seiner Art in ganz Deutschland. Der Vogelschutzbund und freiwillige Helfer aus der Gemeinde schauen immer mal wieder nach dem Rechten. Jetzt ging man 15 Mann und Frau hoch konzertiert und konzentriert zur Sache. Stolze 99 Anlaufpunkte hatte Holger Groh ausgemacht, die auf der drei Kilometer langen Strecke einer Auffrischung bedurften.

Auf der Jahreshauptversammlung im Frühjahr war angeklungen, dass man sich doch einmal des Waldlehrpfads annehmen sollte, erläuterte der Vorsitzende zu Beginn am Treffpunkt bei der Schutzhütte. Deshalb „habe ich ein paar Dinge aufgeschrieben, die zu erledigen sind“, meinte er mit einem gewissen Understatement. „Alles schafft man nie“, war auch Groh klar, dass die Aktion nur ein Anfang sein kann. Und der Anreiz: „Ich habe bei Dingeldein einen Snack bestellt“, schmunzelte er.

Nicht nur Mitglieder, auch Helfer aus dem Ort hatten sich eingefunden. Was Groh sehr freute, „denn der Waldlehrpfad ist für alle Bürger da“, sagte er. 40 Pfosten waren unter anderem zu streichen. Damit sie gut zu finden waren, hatte der Vorsitzende entsprechende Zettel ausgedruckt. „Also ohne Übernachtung“, scherzte daraufhin Christof Klos. Groh machte daneben darauf aufmerksam, dass auch ein Brückengeländer auszubessern ist.

Harald Falter und Erhard Möckel kümmern sich um die Tretbecken. Georg Klos und Willi Walter haben sich bereits ein paar Bänken angenommen und diese gestrichen. Die Sitzgelegenheit an der Schutzhütte „müsste auch mal ausgegraben und gerichtet werden“, gab es weiteren Handlungsbedarf. Er wies darauf hin, „dass wir uns im Naturschutzgebiet befinden“. Die Anwesenden wissen es, „aber viele andere leider nicht, wenn man auf den Boden schaut“, bedauerte er.

Holzlasur, Pinsel, Eimer und einen Werkzeugkasten hatte Groh als Equipment mitgebracht. Ebenso drei Stahlbürsten, um etwa den Pfosten im „Winkel“ erst einmal zu Leibe zu rücken und sie dann in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Hinterm Himmelreich ging’s weiter den Bach hoch, erläuterte Groh den Weg. Hier die Holztafel abschrauben und das Schild neu streichen, dort die Bankgruppe mit Dach (Pilz) erneuern: Schnell machten sich die einzelnen Trupps auf den Weg.

„Viele fühlen sich mit dem Waldlehrpfad verbunden“, weiß Groh. Denn sie kamen unter Lehrer Bayer mit ihm als Kinder in Berührung „und wünschen sich, dass er Bestand hat“. Der Weg „ist ja auch einmalig“, betonte er. Denn der Pfad ist nicht normiert, sondern individuell gestaltet. Teilweise wissenschaftlich, dann wieder auf Kinder ausgerichtet, aber auch mit erhobenem Zeigefinger nach damaligem Zeitgeist.

Angesichts des positiven Echos ist eine Wiederholung im Herbst angedacht, vielleicht dann in ausgedehnter Form auch um den Ort herum. Denn an einem Nachmittag lässt sich nicht alles bewältigen. „Es hat alles gut geklappt“, sagte der Initiator in seinem Fazit. Er ist mit dem Geopark in Kontakt, damit dessen Schilder – falls nötig – ausgetauscht werden. Um die geschnitzten Werke zu erneuern, könnte er sich die Mitwirkung der Grundschule vorstellen, „damit die Kinder sie bemalen“. Die Ehrenamtlichen sind für jede weitere helfende Hand dankbar, sagte er.

„Ohne Wald kein Wasser – ohne Wasser kein Leben! Wollen wir leben, müssen wir den Wald schützen.“ Prophetische Worte des Ober-Schönmattenwager Lehrers Rupprecht Bayer schon Mitte des 20. Jahrhunderts, als Umwelt- und Naturschutz überhaupt noch nicht auf der gesellschaftlichen Agenda standen. Er war aber auch in anderer Weise Vorreiter: Unter seiner Regie wurde von 1955 bis 1957 der erste deutsche Waldlehrpfad im idyllischen Ellenbachtal angelegt.

Lehrer Bayer (1915-1994) kam 1948 an die damals noch existierende einklassige Volksschule in Ober-Schönmattenwag. 1952 begann er, mit seinen Schülern eine Vogelschutzgruppe aufzubauen. Daraus entstand dann die Idee, einen Waldlehrpfad zu errichten. Von 1955 bis 1957 liefen die Vorbereitungen: Die Schüler wälzten Lexika, lasen Biologie-Bücher, fertigten Info-Tafeln an, schnitzten die Schilder und brannten die Texte ein.

Bayer setzte zur damaligen Zeit ein modernes pädagogisches Konzept um: fächerübergreifend, handlungsorientiert und projektbezogen. Um die Texte zu erstellen, waren sowohl Schön- als auch Rechtschreibung gefordert, das Fach „Werken“ wurde durch die Herstellung der Schilder abgedeckt, Mathe und Geometrie kamen durch die Übertragung der Winkel bei der Konstruktion zu ihrem Recht.