Schimmeldewäer stiegen im Glockenturm über sich selbst hinaus

Ein spezielles Glockenläuten für 20 kletterfreudige Besucher: Beim Pfarrfest der katholischen Kirchengemeinde im Haus des Gastes gab es Ende September ein „Familienduell“. Das machte den Teilnehmern viel Spaß, freute sich Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Matthias Staat. Deshalb wurden alle zu Siegern erklärt und zu einem besonderen Event eingeladen, dem „Frühstück auf dem Glockenturm“ von St. Johannes der Täufer. Jetzt war es soweit: 20 Kinder und Erwachsene stiegen hinauf.

Über zwei Leitern ging es zunächst oberhalb der Orgel durch eine Luke in den großen Kirchenspeicher, der sich über den gesamten Kirchenraum erstreckt. Hier kamen von den Kindern schon die ersten Ideen: „Wow, ist der riesig, was man da alles machen könnte.“ Weiter ging es dann in den Turm und dann erneut über eine steile Treppe etwa drei Meter weiter nach oben in den Glockenstuhl. Dort hängen die vier Glocken der Pfarrkirche.

Die älteste stammt aus dem Jahr 1404. Sie läutet jeden Tag zum Engel des Herrn. „Die alte Glocke“ trägt auf Latein die Inschrift „Im Jahre des Herrn 1404 nach dem Feste des Hl. Michael zu Ehren des hl. Kreuzes“, läutet in b und wiegt 400 Kilo. Die jüngste, „Ave Maria“, die große Glocke, wurde 1978 gegossen. Die läutet zu den Gottesdiensten an allen Sonn- und Feiertagen und schlägt zur vollen Stunde.

Die beiden mittleren Glocken, „Hl. Johannes der Täufer“ und „Christus König“, wurden in den Weltkriegen eingeschmolzen und im Jahr 1950 wieder gegossen. „Hl. Johannes der Täufer“ wiegt 230 Kilo und läutet in c. „Ich bin die Stimme des Rufenden in der Wüste“ ist dort zu lesen. Die Glocke stammte aus dem Jahr 1813 und wurde 1942 verschrottet. „Meister Hamm goss mich im Heiligen Jahr für Unter-Schönmattenwag“, ist anlässlich der „Wiederauferstehung“ 1950 zu lesen.

„Christus König“ stammt ursprünglich aus dem Jahr 1911. Die 550 Kilo schwere Glocke läutet in g. Sie wurde bereits im Ersten Weltkrieg 1917 eingeschmolzen, 1930 neu gegossen, 1942 wieder vernichtet und 1950 aufs Neue erneuert, ebenfalls von Hermann Hamm. „Lamm Gottes gib uns den Frieden“, heißt es hier. Die „alte Glocke“ von 1404 durfte immer Jahre im Turm hängen bleiben.

1978 beschloss man auf Initiative des damaligen Pfarrers Haßlinger, eine vierte Kirchenglocke anzuschaffen, die das Geläute zu einem schönen Klangkörper aus den Tönen c, b, g, und f vervollkommnen sollte. Sie wurde in Bad Friedrichshall gegossen. Mit 20 Zentner ist „Ave Marie“ in f die größte im Ensemble. Für diese Glocke musste Platz geschaffen werden, sodass die vorhandenen im Glockenstuhl nach außen rutschten.

Interessant war auch der Bericht über die Herstellung von Glocken. Sehr aufwändig werden diese mit heißer Bronze in eine gemauerte Form gegossen, erläuterte Staat. Sie müssen mehrere Tage auskühlen, bis sie dann ausgegraben werden können. Danach werden sie zum ersten Mal angeschlagen und man hört am Klang, ob die wochenlange Vorarbeit und der Guss gelungen sind.

Matthias Staat, der auch noch weitere Infos gab, schlug dann die „alte Glocke“ mit der bloßen Faust an. Es war still und man konnte minutenlang den Nachklang hören. Ein Zeichen für die außerordentlich gute handwerkliche Leistung beim Glockenguss, der jetzt schon mehr als 600 Jahre zurückliegt. Ergänzt wurde die Schilderung mit einer Videodokumentation zu einem Glockenguss.

Interessantes über Glocken gab es von Pfarrer Peter Pristas zu hören. So sollten Glocken früher das Böse vertreiben. Natürlich gab es auch Rivalitäten in benachbarten Orten, wer wohl mit der größeren Glocke das Böse in die Nachbargemeinden (ver-)treibt. Die größte frei schwingende Glocke in Deutschland hängt im Kölner Dom. Die Kölner nennen sie liebevoll ihren „Dicken Peter“. Sie wiegt 24 Tonnen.

Wichtig waren die Glocken zu jeder Zeit als Uhr, denn früher hatten die Bauern keine Armbanduhren wie heute. So riefen sie zum Mittagessen oder zum Feierabend. Heute rufen sie vor allem zum Gebet und zu den Gottesdiensten. Mit mehreren Rücksäcken war von den Helfern das Frühstück in den Turm transportiert worden. Es gab Tee, Kaffee, Kaba, belegte Brötchen, Würstchen und selbstgebackene Muffins. Es schmeckte allen – wurde aber schnell zur Nebensache bei so viel Interessantem.

Ein Höhepunkt war, als von Staat zunächst jede Glocke einzeln und dann alle vier gemeinsam geläutet wurden. Pfarrer Pristas meinte, „heute sind die Schimmeldewäer über sich selbst hinausgestiegen“. Begeistert waren die Kinder vom Läuten aller Glocken und von den vielen Leitern, bis man oben ist. Nach fast zwei Stunden stiegen alle wieder in die Kirche hinab, sehr angetan von der tollen Aktion.

Noch immer den Klang der Glocken in den Ohren, wurde es zum Abschluss noch einmal still im Kirchenraum. Flüsternd beteten die Teilnehmer gemeinsam mit Pfarrer Pristas das „Vater unser“. „Das war ein tolles Erlebnis“, waren sich alle einig. Weitere besondere Events in den Kirchen sollen folgen, sagte der PGR-Vorsitzende.

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Hochkarätige Leistungen beim Freundschaftssingen zum 140-jährigen Bestehen der Harmonie

Besser hätte das Highlight des Jubiläumsjahres nicht laufen können. „Es hat alles super geklappt“, freute sich Christof Klos, Vorsitzender der Harmonie Ober-Schönmattenwag. Nach dem großen Festkonzert am Samstag, bei dem sich der Chor in all seiner Vielfalt präsentierte, machten am Folgetag 24 Vereine aus der näheren und weiteren Umgebung der Harmonie ihre Aufwartung, um beim Freundschaftssingen musikalische Glückwünsche zum 140-jährigen Bestehen zu überbringen.

„Ein sehr anspruchsvolles Niveau mit guter Chorliteratur“ beobachtete Klos im gut besuchten Haus des Hauses. Er teilte sich die Moderation mit Sänger Holger Froh. Der Vorsitzende lobte das Publikum. Das war sehr diszipliniert, unterhielt sich bei den einzelnen Liedbeträgen praktisch nicht, war bei manchem „sogar mucksmäuschenstill“. Sehr schön war die Ruhe in der Halle bei allen Vorträgen, obwohl ständig ein Kommen und Gehen war. Einfach „ein reibungsloser Ablauf“, so Klos. Der Einsingraum wurde von der Feuerwehr im Untergeschoss zur Verfügung gestellt.

Christian Jöst vom MGV Sängerbund Unter-Schönmattenwag, der vor drei Jahren ebenfalls seinen 140. Geburtstag feierte, gratulierte der Harmonie aus dem oberen Ortsteil. Er dankte für die gute nachbarschaftliche Zusammenarbeit. Unter der Leitung von Hans-Joachim Karl wurde mit dem „Signore della cime“ ein Lied der italienischen Alpenchöre gesungen, das die Überwälder bei ihrer Konzertreise an den Lago Maggiore ebenfalls dargeboten hatten. „Vive l’amour“ und „Kung liljekonvalje“, zwei Klassiker in der MGV-Literatur, rundeten den Auftritt ab.

Die zwölf Cantante Cinture Kids unter der Leitung von Katharina Zink, der MGV-Kinderchor, begeisterten mit „Applaus, Applaus“ der Sportfreunde Stiller und „Un poquito cantas“, einem spanischem Lied. Susanne Hoffmann-Rettig dirigierte den Crescendo-Chor der Waldeslust Scharbach. „Music“ von John Miles schallte als Hymne durch das Haus des Gastes, „Viva la Vida“ von Coldplay und „Mama Loo“ von Les Humphries heimsten ebenfalls viel Applaus ein.

Eher traditionelle Männerchor-Literatur hatte der Volks-Chor Birkenau mitgebracht. „Hochzeit hielt das Mückelein“ oder „Parkplatzregen“ hieß es da aus 30 Kehlen. Gar 40 Mann brachte der MGV Aschbach auf die Bühne. Unter Leitung von Frank Ewald, der auch mit dem Sängerbund Heiligkreuzsteinach zu Gast war, gab es die „Katrin“ der Bläck Fööss“ zu hören. Außerdem hatten die Aschbacher das bekannte Stück „The drummer and the cook“ im Gepäck.

Ober-Hainbrunn, Wilhelmsfeld, Brombach, Finkenbach, Wald-Michelbach, Wahlen oder Hartenrod: Nicht nur aus dem Überwald, sondern auch aus dem Gorxheimertal, dem Badischen oder dem Odenwaldkreis spendeten die Chöre musikalische Grüße. Kein Wunder, dass Christof Klos von einem „krönenden Abschluss des Jubiläumsjahres“ sprach. Er dankte am Ende des Freundschaftssingens noch einmal allen, die in diesem Jahr an den vielen Veranstaltungen mitgewirkt hatten.

Nicht nur für das Festkonzert mit seinem hervorragenden Klang, auch für die sonntägliche Veranstaltung gab es sehr viel positive Resonanz, registrierte der Vorsitzende. Lob erhielt die sehr schöne Bühnen- und Hallen-Dekoration, für die die Sängerinnen verantwortlich zeichneten. Am Samstag half die Feuerwehr in Küche und Wirtschaftsbetrieb, „den Sonntag haben wir dann mit eigenen Chorkräften gestemmt“, sagte Klos.

Ihm ist aus diesem Jahr das Shanty-Konzert mit dem OSC noch in bester Erinnerung. Der Kohlenmeiler fand zwar erst im dritten Anlauf statt, aber er fand statt. Während all der Zeit liefen die regelmäßigen Proben. „Wir haben uns lange aufs Konzert vorbereitet“, so Klos. Es waren einige „sehr intensiv geprobte Lieder“ dabei. Generell waren die Proben längerfristig angelegt, inklusive einem kompletten Samstag Anfang Oktober. Kurz vor knapp wollte man nicht jeden Tag ran.

Die Einbindung der zusätzlichen Instrumentalisten „hat super hingehauen“, beobachtete der Vorsitzende. Mit der eigenen Leistung der Harmonie zeigte er sich wie auch Dirigentin Ria Günther „sehr zufrieden“. Jetzt gilt es nach dem vollen Programm in den vergangenen Monaten „Luft zu schnappen und durchzuatmen“. Kommenden Freitag „fällt die Probe aus“, schmunzelte er. Das hat sich der Chor nach dieser Mammutleistung verdient.

Vielfältige musikalische Jubiläumsreise der Harmonie

Wer feiert, macht sich gern selbst das schönste Geschenk. Da bildete der Gesangverein Harmonie keine Ausnahme. Auf eine 140-jährige Geschichte blicken die Männer und Frauen des ältesten Vereins im Ort in diesem Jahr zurück. Bereits seit dem Frühjahr wurde auf die eine oder andere Weise gefeiert, jetzt stand das Highlight an: das Jubiläumskonzert im Haus des Gastes, bei dem sich der 45 Köpfe zählende Klangkörper prächtig mit Musik aus fünf Jahrhunderten präsentierte.

Eindrucksvoll schon der Beginn der vielfältigen musikalischen Reise mit Beethovens „Freude schöner Götterfunken“. Aus vielen Kehlen klang das Stück mächtig durch das Haus des Gastes und stieß auf viel Widerhall. Mit dem „Gedicht an die Freude“ von Schiller als literarischer Basis, bildete das Lied die letzte vollendete Symphonie des großen Komponisten. Seit 1985 ist Beethovens Neunte die offizielle Europahymne, erläuterte Vorsitzender Christof Klos zu Beginn. Er freute sich, dass so viele Gäste der Einladung gefolgt waren.

Im ersten Teil – wie der zweite auch unter der musikalischen Leitung von Dirigentin Ria Günther – wurde ein weiter musikalischer Bogen gespannt. Englische Madrigals, bekannte Melodien klassischer Operetten, aber auch Werke der deutschen Romantik waren zu hören. Eher zart, getragen, dann das mehrstimmige Madrigal des Engländers Thomas Morley, der es mit mehreren weltlichen Liedern schaffte, den musikalischen Ritterschlag zu erhalten und an den königlichen Hof berufen zu werden.

Auf „Drei schöne Dinge fein“ aus „Servia musicalis prima“ von Daniel Friderici aus dem Jahr 1614 folgte mit „Come again“ von John Dowland ein Lied, bei dem die – in der Überzahl befindlichen – weiblichen Stimmen Akzente setzten. „Die Harmonie der Ehe“ von Josef Haydn zeigte die verschiedenen Stimmlagen in perfekter Harmonie und machte deutlich, an welch schwieriges Liedgut sich der Chor zum seinem Jubiläum herangetraut hatte. Mehrstimmig und abwechselnd spielten sich Männer und Frauen die Bälle zu.

Mit den Gästen Elisabeth Nadler (Piano) sowie Susanne und Stephanie Phieler (Violine und Viola), unterstützt vom Stepptänzer und Schlagzeuger David Friederich, gab es als „Salon-Trio“ einen Break, bei dem sich der Chor eine Auszeit gönnen durfte. Vor allem die Stepp-Einlagen des Heidelbergers bekamen viel Applaus. Auch im zweiten Set durfte er noch einmal seine Künste zeigen.

Die Romantik mit der Suche nach Ausgleich in der Schönheit der Natur „ist hochaktuell und kein alter Kram“. Schumanns „Zigeunerleben“ kam sehr leidenschaftlich, lebendig, vielseitig, facettenreich rüber, dass es die Beine ins Zuckenbrachte. Rheinbergers „Abendlied“ wiederum, eine sechsstimmige Motette, stellte den Chor vor besondere Herausforderungen, die er trefflich meisterte. Offenbachs „Can-Can“ leitete über zum großen Finale im ersten Teil, „Im Feuerstrom der Reben“ aus der „Fledermaus“ von Johann Strauss. Liebe, Leidenschaft und Vergnügtheit sprudelten nur so aus den Stimmen.

Nach der Pause dann der Sprung in die Gegenwart. Stücke, mit denen die Harmonie bereits in den vergangenen Jahren zu hören war, wechselten sich ab mit neu einstudierten Liedern wie etwa „So soll es sein, so soll es bleiben“ von Ich & Ich. „Daran haben wir lange geprobt“, meinte Klos. Es hat sich aber ausgesprochen gelohnt, sagte er. Schon der Einstieg in die zweite Hälfte war monumental: „Conquest of Paradise“ von Vangelis ist aus dem gleichnamigen Film bekannt und zog in seinen Bann.

Natürlich kamen auch die Black Fööss mit „Katrin“ zu ihrem Recht – ein Song, der aus dem Repertoire des Gesangvereins nicht wegzudenken ist. Michael Jackson mit „We are the world“ und dem „Earth Song“ durften ebenfalls nicht fehlen. Gerade bei ersterem ist natürlich der Mitsingfaktor hoch. Eingestreut war wieder ein Instrumentalteil mit Stücken von Schostakowitsch, Lehar und Scott Joplin, bei dem unter anderem die weiteren Solisten Elina und Michael Feiertag (Violoncello und Kontrabass) sowie Peter Gaidarow (Violine 2) zum Einsatz kamen.

Dass nach „Thank you for the Music“, einer Abba-Hymne schlechthin, noch nicht Schluss sein würde, war mehr als klar. Denn das Lied begeisterte die Zuschauer in der Halle – ein paar mehr hätten noch reingepasst – logischerweise so, dass sie nach einer Zugabe verlangten. Was in Form dieser kommen würde, wussten die meisten: das „Schimmeldewäer Lied“.

Nach drei Stunden vollem musikalischem Programm konnten die Gäste dann in dem Bewusstsein nach Hause gehen, dass sie einem besonderen musikalischen Highlight im Ortsleben beigewohnt hatten. Gestern stand die Fortsetzung mit dem Freundschaftssingen an, bei dem 23 Vereine der Harmonie ihre Aufwartung machten.

Gänsehautfeeling beim gemeinsamen Singen: MGV Sängerbund unternahm eine Konzertreise an den Lago Maggiore

Dirigent Hans-Joachim Karl ist begeistert von der Konzertreise: „Wir haben fantastische Sachen gesehen“, sagt er über die viertägige Tour des MGV Sängerbund Unter-Schönmattenwag an den Lago Maggiore. Zusammen mit dem „Coro Arnica“ aus Laveno Mombello gaben Frauen- und Männerchor ein Benefizkonzert zur Orgelrenovierung in der Pfarrkirche Invenzione di Santo Stefano. Die berühmte Orgel im Ortsteil Mombello stammt von den Gebrüdern Pietro und Lorenzo Bernasconi aus dem Jahr 1874.

„Alles hat super gut funktioniert“, zeigt sich Karl in seiner Bilanz sehr zufrieden. Eine homogene, 70-köpfige Reisegruppe machte sich frühmorgens vom Überwald aus auf den Weg. „Allen war klar, dass es eine Konzertreise ist und kein Urlaub“, lacht der Dirigent, der im Vorfeld gemeinsam mit seinem Kollegen auf italienischer Seite, Bruno Bresciani, alles organisiert hatte. Dabei kam ihm zupass, dass Bresciani gleichzeitig Bürgermeister des Ortes ist. „Das hat uns einige Türen geöffnet“, sagt er.

So wie die Chemie zwischen diesen beiden stimmt, stimmte sie auch sofort zwischen Deutschen und Italienern. Denn diese kannten sich im Vorfeld gar nicht. Der Kontakt in den Überwald bestand bisher zum MGV Union Wald-Michelbach, den Hajo Karl ebenfalls dirigiert. „Es gab einen herzlichen Empfang“, freut sich der Dirigent. Auf zwischenmenschlicher Ebene sprang sofort der Funke über. Beim Abschied wurden sogar ein paar Tränchen verdrückt, so gut war der gemeinsame Kontakt geworden. Und das, obwohl abseits der offiziellen Anlässe „die Verständigung mit Händen und Füßen lief“, wie er berichtet.

Varese und einer der neun heiligen Berge in der Umgebung wurden an einem Tag besichtigt. Beim Weltkulturerbe Sacro Monte kommt Karl ins Schwärmen. „Das war unglaublich toll“, sagt er. Highlight war die Krypta unter der Wallfahrtskirche, die vor kurzem neu zugänglich gemacht wurde. Im Vorfeld waren hier Fresken und eine alte römische Straße entdeckt worden. Dem italienischen Abend, ausgerichtet vom Coro Arnica, schloss sich abends das Benefizkonzert an, bei dem sich die Chöre in ihren Vorträgen abwechselten.

Frauen- und Männerchor griffen dabei auf die schon einstudierte geistliche Literatur von der Romantik bis zur Moderne zurück, die bereits auch im Kirchenkonzert in St. Johannes der Täufer Schönmattenwag des vergangenen Jahres aufgeführt worden war. „Wir haben vorher nochmal alles aufgefrischt“, schmunzelt Karl. Der Coro Arnica brachte vor allem folkloristisches Liedgut zu Gehör.

„Das ist einer der besten Chöre der Region“, so Hajo Karl, aber eben fokussiert auf dieses Genre. Das begründet sich auf der Historie als „Ableger“ der Alpini mit ihrer Tradition in der Gebirgsjäger und Bergsteiger. „Die schütteln 100 dieser Songs aus dem Ärmel“, war er beeindruckt, Gänsehautfeeling gab es beim gemeinsamen Singen der Männerchöre des „Signore de la Cime“.

Der Folgetag war dem Sightseeing auf dem Lago Maggiore mit Singen gewidmet. Isola Bella, Isola Pescatori und Eremitage Santa Catherina del Sasso standen auf dem Programm. Es gab vielbeachtete Auftritte im Kuppelsaal des Palazzo Borromäo und in der Eremitage. Unvergesslich bleibt für die Teilnehmer der spätere deutsch-italienische Abend mit Odenwälder Spezialitäten und Bier. Kochkäse, Hausmacher Wurst und Gerstensaft aus Ober-Mossau machten die Runde. „Wir haben denen auch ein paar Fässer Schmucker-Bier mitgebracht, weil wir wissen, dass es dort gern getrunken wird“, lacht Karl.

Auch der Frauenchor unter seiner Leiterin Anna Stumpf und der Kinderchor „Cantante Cintura Kids“ mit Katharina Zink begeisterten an diesem Abend das Publikum mit ihren Liedern. Der Auftritt der Kinder war gar nicht geplant, da nicht alle dabei waren. Jedoch war die Atmosphäre an diesem Abend so freundschaftlich und gelöst, dass die Chorleiterin spontan zu den sechs mitgefahrenen Jungsängern sagte, „singen wir doch was“. Bei den Italienern „kam das super an“, beobachtete Karl. „Die Chorfreundschaft von Coro Arnica in den Odenwald wurde gefestigt und weiter ausgebaut“, freut er sich. Für den Herbst 2019 ist ein Gegenbesuch der Italiener geplant.

Eine Nacht (nicht nur) für die Oldies bem FC Odin

Schnell trauten sich bei der Oldie-Night des FC Odin die ersten Tanzwilligen vor die Bühne, wo Harald Walz mit seinen Friends die bekanntesten Hits aus den 1960er und 70er Jahren bis tief in die Nacht spielte. „Dass beim ersten Song die Tanzfläche richtig voll ist, habe ich bisher nur selten erlebt“, freute sich der Bandleader. Da ließ es sich auch verschmerzen, dass noch ein paar Gäste mehr ins Haus des Gastes gepasst hätten. Mit den Songs von Chris Norman, Suzi Quatro, CCA, Roy Orbison, Neil Diamond, Beatles, Stones, Lords, Spencer Davis Group, Shocking Blue, Drafi Deutscher oder Peter Maffay herrschte eine super Stimmung bis um halb 2 in der Nacht.

„Rockin‘ all over the world“ von Status Quo passte als Motto ganz gut zum Abend. Die Musik aus der Jugend mal wieder zu hören, war für die Besucher ein besonderes Highlight. Da wurden die alten Knochen wieder jung und gelenkig, es kamen Erinnerungen an die ersten Tanzstunden oder Kerweabende auf, als diese Melodien hoch und runter liefen. Deshalb ist es für den FC-Vorsitzenden Bernd Egner auch „ein Stück weit Tradition“, wenn solche Abend stattfinden. Er freute sich über den guten Besuch. „Querveranstaltungen gibt es halt immer“, meinte er.

Im kommenden Jahr will der Verein wieder aufs letzte Oktober-Wochenende gehen, das dem FC vor zwei Jahren bei der Premiere einen Riesenerfolg bescherte. „Da wird die Zeit zurückgestellt und alle können eine Stunde länger feiern“, meinte Egner. „Die Band ist für 2019 bereits wieder gebucht.“ In seinen Begrüßungsworten äußerte er seine Freude darüber, dass die Oldie-Night so gut angenommen wird. Die fand bis vor drei Jahren im Deutschen Haus in Siedelsbrunn statt. Von Harald Walz kam dann die Anfrage, ob der FC sie nicht im Haus des Gastes durchführen wollte.

Egner freute sich auch über die „gute Resonanz“ aus den beiden Ortschaften. Gestemmt wurde der Abend nur von Vereinskräften mitsamt Anhang, die tatkräftig bei der Organisation im Vorfeld und bei der Bewirtung der Gäste im Laufe der Veranstaltung mitwirkten. Die Aktiven schmissen die Bar und lockten damit auch jüngeres Publikum in die Halle. Ein Spieler feierte noch in Heidelberg Geburtstag und wollte dann mit der ganzen Mannschaft zu späterer Stunde einlaufen.

Wie Egner sagte, geht mit der Oldie-Night auch der Wunsch des FC in Erfüllung, die Ortsgemeinschaft zu stärken. Die Mannschaft selbst pflegt diesen Zusammenhalt innerhalb der beiden Schönmattenwags ebenfalls gerne durch den Besuch von Veranstaltungen befreundeter Vereine aus dem Dorf. „Wir freuen uns natürlich, je mehr das auf Gegenseitigkeit beruht“, sagte er. Mit Blick auf die Tische meinte er schmunzelnd, „Ober- ist fast besser als Unter-Schimmeldewog vertreten“.

Eine feste Bank unter den Gästen ist der Fanclub von Harald Walz. Dessen Mitglieder kommen aus dem ganzen Odenwald und fahren die Termine mit ihren Wohnmobilen an. „Die sind bei jedem Konzert dabei“, staunte Egner. Über Facebook wird der Kontakt gehalten. Obwohl die treuen Fans alle um die 60 oder 70 sind, ist für sie das soziale Netzwerk ein beliebtes Kommunikationsmittel. „Wenn wir uns wieder sehen, weiß ich, dass ein Jahr rum ist“, so Egner.

Auf die Tanzfläche wagte sich vorrangig erst die ältere Generation, deren Songs gespielt wurden. Ältere wie auch die Band selbst. Mit Günther Reinhard (Schlagzeug und Gesang) und Linda Sauer (Gesang) sowie Harald Walz (Gitarre, Keyboards, Saxofon und Gesang) sind heute noch drei Mitglieder aus den Anfangsjahren der „Outlaws“ dabei, der Band, die Walz zusammen mit Rudi Boml 1968 gründete. Man spielte jedoch nur knapp zwei Jahre gemeinsam, bis Boml bei einem Unfall ums Leben kam. Rüdiger Horst aus Unter-Schönmattenwag, der 2016 einstieg, ist an Bass, Saxophon und Gesang eine echte Bereicherung für die Band. Fred Quick (Gitarre/Gesang) ist ebenfalls mit dabei.

Walz ist in der Region bekannt wie ein bunter Hund. Mit Linda Sauer, die wie er aus Aschbach stammt, ist er als „Odenwälder Nibelungen Duo“ auf sämtlichen Kerwe-Veranstaltungen landauf, landab unterwegs. Songs aus den 60ern von den Lords, Shadows, Stones, Bee Gees, Kinks, Roy Orbison, Smokie, aber auch deutsche Interpreten wie Peter Maffay, Drafi Deutscher, Flippers und viele andere waren mit im Programm. Entsprechend der Originale wechselten sich auch die Musiker beim Gesang ab, womit jeder den einzelnen Stücken seinen Stempel aufdrücken kann. Ein alter Pop- oder Rock-Hit aus vergangenen Zeiten jagte den nächsten.

Azurit-Veranstaltung: Achtsam sein und das eigene Tun hinterfragen

„Wir müssen achtsam sein und unser Tun hinterfragen“: Diese zentrale Botschaft „haben alle mitgenommen“, stellte Jutta König fest. Die Referentin aus Wiesbaden sprach auf Einladung der Azurit-Seniorenzentren Rothenberg, Kortelshütte und Gras-Ellenbach im Haus des Gastes vor Altenpflegeschülern, aber auch bewährten Pflegekräften. Die Fachfrau wird für Gutachten, Beratung und Seminare zum Thema Pflege bundesweit angefragt und ist daneben auch Sachverständige vor Gericht.

Die Einladung ging an die Azurit-Kooperationspartner, Altenpflegeschulen und Heidelberg, Mosbach, Erbach, Weinheim und Bensheim, aber auch die schon im Beruf Tätigen und die eigenen Mitarbeiter. Auf diese Weise zählte man 230 Teilnehmer, freute sich der Leiter der beiden Rothenberger Häuser, Jörg Wehrle, in seiner Begrüßung. „Halt vor Gewalt“ ist jedes Jahr Thema des Azurit-Aktionstages im Oktober, sagte er. Damit will die Gruppe für das Thema Gewalt in der Pflege sensibilisieren, verdeutlichte Wehrle.

„Wir möchten als Unternehmen die freiheitsentziehenden Maßnahmen auf null setzen“, erläuterte Wehrle die Motivation. Was bisher geschehe, „ist nicht immer im Sinne der Bewohner“. Den Menschen, betonte er, „steht Freiheit zu“. Er ist überzeugt: „Es geht auch ohne freiheitsentziehende Maßnahmen.“ Wenn es etwa bei einem Pflegebedürftigen den Gerichtsbeschluss gebe, dass die Seitenteile des Bettes hochgestellt werden sollen, „hinterfragen wir das und führen es in Absprache mit Ärzten und Angehörigen erst einmal nicht aus“. Ähnliches gelte für den Einsatz von Psychopharmaka.

Die Azurit-Häuser seien offene Einrichtungen, hob Wehrle hervor. Wenn die Bewohner beschäftigt seien, „dann sind sie auch ausgeglichen und laufen nicht weg“, ist der Heimleiter überzeugt. Deshalb sei es wichtig, sich intensiv um die Menschen zu kümmern. Es gibt einen „bindenden Verhaltenskodex zum Thema Halt vor Gewalt“ für die Beschäftigen in den 80 Einrichtungen der Gruppe, sagte er.

Jutta König, Gerichtssachverständige und Fachfrau auf den Gebieten Straf-, Zivil- und Sozialrecht, vermittelte den Teilnehmern zu Beginn eine Definition von Gewalt. „Das kann schon verbal beginnen“, betonte sie. Etwa durch Reglementieren, Bestimmen, Macht oder Druck ausüben. „Man muss eine eigene Haltung zu diesem Thema entwickeln“, forderte sie, „und die Pflegenden dafür sensibilisieren“.

Ihr ist jedoch auch klar, „dass man leider manchmal die Freiheit der Gepflegten beschränken muss“. König erläuterte für solche Fälle die rechtlichen Rahmenbedingungen, in welchen Fällen dies möglich ist. „Jede Auffälligkeit hat ihren Grund“, hob sie hervor. Deshalb müssten die Pflegekräfte „die Menschen in ihrem Verhalten verstehen“. Zu diesem Zweck sei die Kenntnis der Biografie wichtig. Es gehe darum, das Handeln nachvollziehen zu können. „Wir dürfen jemandem nicht sagen, er soll sitzen bleiben, wenn er unbedingt aufstehen will, sondern müssen ergründen, warum er das tun will“, fügte sie ein Beispiel an.

Laut ihrer Aussage hat das Thema Gewalt in der Pflege „nichts mit dem Personalmangel zu tun“. Wichtig sind laut König die Handelnden. „Es braucht nicht viele Pflegekräfte, sondern wenige mit Hirn“, brachte sie es auf den Punkt. Gute Pflege sei nicht „eine Frage der Quantität“. Die Referentin freute sich über die vielen interessierten Rückfragen aus dem Publikum. Ob Jung oder Alt: Alle müssen achtsam sein, gab König den Teilnehmern mit.

Eine Afterwork-Party mit DJ Steven Sun unter dem Motto „Gepflegt feiern im Odenwald“ schloss sich an. Cocktailbar und Grillbuffet waren nach dem langen Vortragsnachmittag zuerst stark belagert, ehe es dann zurück in die Halle ging. In der Pause hatten die Teilnehmer an der Challenge „1min.care“ mit dem Motto „Applaus für die Pflege“ teilgenommen.

Tollkühne Männer auf ihren alten knatternden Kisten beim MSC Ulfenbachtal

Das herrliche Wetter sorgte für einen Besucherrekord bei der 16. ADAC Johann-Philipp-Jöst-Gedächtnisfahrt des MSC Ulfenbachtal. Sowohl an den verschiedenen Stationen als auch am Vereinsheim waren viele Schaulustige zugegen, um den tollkühnen Männern auf ihren alten knatternden Gefährten zuzuschauen und sie anzufeuern. „Das war wohl die am besten besuchte Classic Enduro seit der Neuauflage“, freute sich der MSC-Vorsitzende Uwe Gam. „So doll war es noch nie.“

Hunderte Gäste ließen an den Bewirtungs- und Treffpunkten die Kasse klingeln. An der Auffahrt bei Otmar Walter ballten sich die Interessierten, auch bei Franz Walter im Finkenbacher Weg war Highlife. In der letzten Runde „trafen sich hier Fahrer und Besucher zu Benzingesprächen“, lachte Gam. Denn um Zeit geht es bei diesem Event eigentlich nie, mehr um das Happening.

Dass Classic schrauben bedeutet, ließ sich des Öfteren an der Strecke oder den Wertungsstationen beobachten. Immer mal wieder musste am fahrbaren Untersatz das eine oder andere Teil auf Vordermann gebracht werden. Kein Wunder, denn oftmals sind die zweirädrigen Oldtimer älter als die Fahrer selbst. Auf stolze 63 Jahre brachte es das älteste Motorrad, eine DKW. Wobei: Die „menschlichen“ Oldtimer waren 20 Jahre älter.

Um die 100 Mitglieder des MSC Ulfenbachtal sind bei der ADAC-Gedächtnisfahrt voll gefordert. Die Enduro Classic rief der MSC anlässlich seines 50-jährigen Bestehens 2001 wieder ins Leben. Seit 2003 findet sie regelmäßig jedes Jahr statt. Fahrer aus ganz Europa sind ganz wild auf die Teilnahme, weiß Gam. Doch nur 140 dürfen an den Start. 190 wollten dieses Mal. „Jeder will teilnehmen, der Rang und Namen hat“, unterstreicht er das Renommee der Veranstaltung. Wegen Platz, Zeitrahmen und Fahrerlager muss der MSC aber das Starterfeld begrenzen.

Das Gelände im Überwald bietet eine der schönsten Enduro-Strecken in Deutschland, sind sich die Teilnehmer einig. Was da rund um den Ort fährt, an Korsika, Ludwigsdorf und Flockenbusch vorbei, über Stock und Stein in der Wüstenbach, liest sich wie ein „Who’s who“ der ehemals erfolgreichen Cracks auf zwei Rädern mit ihren alten Motorradmarken, bei denen jedem Fan das Herz aufgeht.

Die BMW-Geländemotorräder sind darunter noch die bekanntesten, die bei der Enduro-Classic in Schimmeldewog loslegen. Java, Laverda, Bombardier, Maico, Sachs, Simson, Hercules, Puch sind weitere Exoten, gefolgt von KTM, MZ, SWM, Moto Monini oder Bultaco. Allen ist eines gemein: Sie müssen vor 1980 gebaut sein.

Mindestens genauso so alt wie ihre Untersätze sind auch die tollkühnen Männer auf ihren fahrbaren Kisten. Den Vogel schießen Hermann Schnurr und Burchard Lenz ab, die das Alter ihrer Zweiräder locker toppen. Beide sind 83 Jahre alt und bekamen damit auch Preise als älteste Teilnehmer. „Der Hermann Schnurr ging schon 1958 bei uns auf die Strecke“, erinnert sich Gam.

60 Jahre Motorradsport im Überwald: eine Seltenheit und eine Auszeichnung wert. Schnurr hatte sogar zum Jubiläum eine alte Plakette von damals mitgebracht. Ein passionierter Schrauber, der mehr Benzin als Blut in den Venen hat und der nach wie vor seine Honda XL 185 beherrscht. Wie ihn gibt es einige, die seit 50, 60 oder mehr Jahren dem Motorsport im Gelände verfallen sind.

Die sehr anspruchsvolle Strecke fordert von Fahrer und Gefährt alles. Die lange Trockenheit sorgte für viel Staub. Eine durchgehende braune Schicht legte sich in den 25-Kilometer-Runden auf Fahrer und Gefährt. Zum Glück gab es nur einen Unfall, so Gam. Der ging glimpflich aus, der Gestürzte aus den eigenen Reihen kam mit einer Gehirnerschütterung davon.

Schimmeldewog zählt neben Isny und Zschopau zu den drei renommiertesten deutschen Enduro-Strecken. „Selbst die aus Isny sagen loben uns“, freut sich Gam. Kein Wunder, dass Teilnehmer aus Belgien, Italien, Kroatien, Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden an den Start im Überwald gehen. Etliche deutsche Meister und viele weitere namhafte Fahrer belegen die internationale Bedeutung der Veranstaltung in Schimmeldewog

„Das Highlight ist die Geländefahrt“, betont Gam. Denn auf dem 25-Kilometer-Rundkurs gibt es nur 500 Meter Asphalt. Der Rest geht durch die Prärie, durch Feld, Wald und Wiesen im stetigen Auf und Ab. „Wir haben 98 Prozent Waldwege“, hebt Gam hervor. Das Wertungssystem ist komplex, macht aber auch deutlich, dass beim Wettbewerb viel Gaudi dabei ist.

Es gibt 14 verschiedene Klassen. Jeder Fahrer hat noch vor dem Start 200 Strafpunkte auf dem Konto. Davon werden Fahrer- und Motorradalter abgezogen. Sprich 100 Punkte, wenn beide 50 alt sind. Fährt ein 30-Jähriger eine 40 Jahre alte Maschine, sind es nur 70. Der Jungspund muss dann diese 30 Punkte in den Sonderprüfungen wieder aufholen. „Die Alten sind also klar im Vorteil“, schmunzelte Gam.

Einer wie der 70-jährige Peter Neumann. Der gewann als Motorradgeländesportler mit der Nationalmannschaft 1975 und 1976 die Internationale Sechstagefahrt. Neumann wurde vier Mal in Folge Europameister und erkämpfte sich drei Mal die Deutschen Meisterschaft. 1972 war er erstmals Mitglied der bundesdeutschen Trophy-Mannschaft. All seine Erfolge holte er auf Zündapp. Mit einer solchen Maschine nahm er auch in Schimmeldewog teil.

Die Sonderfahrt erstreckt sich auf 1,4 Kilometer. Zu den Aufgaben zählt auch, in 20 Sekunden die alte Kiste zu starten und abzufahren. Auf der Cross-Strecke bedeutet jede gefahrene Sekunde einen Strafpunkt. Wer dann am Ende die wenigsten Zähler auf seinem Konto hat, gewinnt seine Klasse. Zusätzlich müssen vier (für Gespanne und über 70 Jahre alte Fahrer drei) Runden à 25 Kilometer in maximal je 90 Minuten absolviert werden. Laut Gam dient das aber lediglich als Zuverlässigkeitsprüfung.

Wie bei den anderen Oldtimern auch müssen die Fahrer absolute Spezialisten für ihre Maschinen sind. „Alles muss selbst angefertigt werden“, erklärt der Vorsitzende. „Teile gibt es dafür keine mehr.“ Für den MSC ist der Event eine Herkulesaufgabe. Denn kaum ist die eine Veranstaltung vorbei, steht die des kommenden Jahres in den Startlöchern. „Bis Ende Oktober muss beim ADAC der Termin für 2019 gemeldet sein.“ Sieben Streckenmarschalls sichern die Strecke und reparieren sie bei Bedarf auch. Bereits im Vorfeld sind die Mitglieder gefordert, alles zu bepfeilen, abzustecken und auszuschildern.

MSC-Fahrer: Luigi Mocchetto (Klasse 1), Gernot Walter, Martin Novak, Christopher Teppich (alle Klasse 2), Dirk Kohl, Peter Hinz (Klasse 3), Stephan Jöst (Klasse 4), Uwe Zwerenz, Patrick Stay (beide Klasse 5), Hans-Stephan Jöst (Klasse 7), Marcel Sauer (Klasse 10), Frank Koser (erster Platz Klasse 11).

Tagesschnellster: Rolf Nikolai, schnellste Runde in der Sonderprüfung: Stephan Jöst

Älteste Fahrer: Hermann Schnurr und Burchard Lenz (beide 83 Jahre)

Ältestes Motorrad: DKW RT 175 GS von Axel Konstroffer/Saarwellingen aus dem Jahr 1955.

Folgende teilnehmende Damen wurden ausgezeichnet: Karin Spiegel und Monika Lambertz