„Mit Abstand“ das beste Konzert

Corona macht erfinderisch. Weil die Orchester in Deutschland nicht mehr proben durften, startete am 22. März die bundesweite Blasmusik-Aktion. Vom ersten Takt an mit dabei: die Blasmusik Schönmattenwag. Sie hatte ihr Musizieren unter das Mottolied „Ode an die Freude“ gestellt, was natürlich immer zu hören war.

„Lieder, die verbinden – für alle, die zu Hause bleiben“: So charakterisiert der Vorsitzende Hans Vogel die Songauswahl. Die Schimmeldewäer waren immer mit etwa 15 Musikern dabei, die von den Balkonen zu Hause oder einer Stelle am Waldrand spielten. „Es war in der Region eine einzigartige Aktion“, so Vogel – zumindest ist dem Ensemble Ähnliches nichts von anderen Kapellen bekannt. Auch einige Kids der Jugendband waren immer aktiv am Instrument.

Die Auftritte sprachen sich rum. Im Ort warteten viele Zuhörer darauf, dass sonntags aufs Neue die schönen Klänge ertönten. Jetzt fand der Abschluss der Aktion in Schimmeldewog statt: das elfte und nach augenzwinkernder Einschätzung der Musizierenden „mit Abstand“ beste Konzert in dieser Zeit. 25 Musikerinnen und Musiker positionierten sich am Waldrand auf dem „Neuen Weg“ oberhalb des Ortes.

Alle geltenden Hygiene- und Abstandsregeln wurden penibel eingehalten. So standen alle Musiker in mindestens fünf Meter Abstand zueinander auf dem Weg verteilt. Gespielt wurden unter anderem: „Die Gedanken sind frei“, „Kein schöner Land in dieser Zeit“, die Polkas „Auf der Vogelwiese“ und „Böhmischer Traum“, der Marsch „In Harmonie vereint“ und natürlich zum Abschluss das  „Schimmeldewöger Lied“. Als Zugabe ertönte „Ade zur guten Nacht“.

Beifall ist der schönste Lohn der Künstler. Und davon gab es reichlich. Nach allen Stücken hörte man aus dem Ort viel Applaus hochschallen. Dazu kamen Zugabe-Rufe nach den letzten Stücken. Diese Aktion und vor allem die Gemeinschaft sowie die Resonanz aus dem Ort gab allen Musikern viel Kraft und Motivation. Mit neuer Energie kann es nun weitergehen, wenn die Proben hoffentlich bald wieder sinnvoll durchführbar sind.

Gerade die Armen trifft es hart

Kerala, schält sich aus der Erzählung von Pater Sudeesh heraus, ist im Vielvölkerstaat Indien – trotz seiner 35 Millionen Einwohner – ähnlich ländlich geprägt wie der Odenwald. Deshalb ist dort die Corona-Lage auch um einiges besser als in den Metropolen Mumbai oder Neu-Delhi. Die Ausgangssperre trifft aber alle 1,3 Milliarden Einwohner hart, berichtet der 39-jährige Pfarrvikar aus der Pfarrgruppe Überwald. Wobei auch dort die auf dem Land besser wegkommen, da die Häuser und Grundstücke größer sind.

Das Virus, hat der Karmeliter-Pater von Berichten aus der Heimat erfahren, wurde vor allem durch indische Arbeiter aus China, Italien und Dubai eingeschleppt. Derzeit sind im südwestindischen Bundesstaat lediglich 127 Erkrankte registriert, weiß. Von anfangs 430 Infizierten sind schon um die 300 wieder genesen, teilt er erfreut mit, dass die strengen, von der indischen Zentralregierung ergriffenen Maßnahmen Wirkung zeigen.

Allerdings stehen 30.000 Personen unter Beobachtung, sind teilweise in Quarantäne. Die werden, so Pater Sudeesh, in regelmäßigen Abständen von Mitarbeitern des Gesundheitsamts zu Hause besucht. „Andere Bundesstaaten sind viel stärker betroffen“, erläutert er. Es gilt eine strenge Ausgangssperre. „Die Leute dürfen nur zum Einkaufen oder für Arzttermine raus“, schildert der Kirchenmann die Situation.

Die Städte und Gemeinden kümmern sich um die Lebensmittelversorgung. Ob Reich oder Arm: Alle bekommen die gleichen Rationen. Allerdings kommen die nur bei den Einheimischen an. Es gibt aber, so der Pater, viele Wanderarbeiter und Tagelöhner, die durch die Ausgangssperre außerhalb ihrer Region in Großstädten gestrandet sind und nicht zurück dürfen. Die trifft es besonders schlimm.

Wieder andere sitzen im Ausland fest und dürfen nicht zurück. „Die sind in einer sehr schwierigen Lage, ohne Verdienst und ohne Medikamente“, macht er auf die Not der Leute aufmerksam. Nach aktuellem Stand soll der komplette Lockdown des öffentlichen Lebens noch bis Ende April anhalten, erläutert Sudeesh.

Die Krise sieht der im Hirschhorner Kloster wohnende Pater in seinem Heimatland erst am Anfang. „Die Infiziertenzahlen steigen noch an“, erzählt er. Er fragt sich, ob die Kommunen länger als zwei Monate die Lebensmittel-Versorgung der Bevölkerung gewährleisten können. „Was ist, wenn sich das Virus noch weiter ausbreitet“, stellt Sudeesh in den Raum.

In Kerala, berichtet der Inder, gibt es eine gute ärztliche Versorgung, die Regionalregierung arbeite effizient. In anderen Bundesstaaten sei dies manchmal nicht gegeben. Aktuell herrschen in seiner Heimatregion Temperaturen von 35 bis 40 Grad ohne Regen. Die etwas Betuchteren haben Ventilatoren und Klimaanlagen, „aber für Arme ist die Situation schwierig“, macht aufmerksam.

Wie in Deutschland auch sind die Leute auf dem Land etwas besser dran. „Die können raus, bauen ihr eigens Gemüse an, alles ist nicht so dicht gedrängt.“ Zwar gibt es keinen Maßnahmen-Flickenteppich wie hierzulande. Aber Sudeesh erzählt, dass in jedem Bundesland verschiedene Kulturen und Sprachen existieren. Teilweise gibt es einen christlichen Bevölkerungsanteil wie in Kerala, manchmal auch einen muslimischen gegenüber dem Gros der Hindus.

„Zuhause geht es allen gut“, weiß der 39-Jährigen aus Telefonaten. Ein zwischenzeitlich erkrankter Verwandter, der sich in Dubai mit Corona ansteckte, ist wieder gesund. Allerdings darf er nicht nach Hause, da alle Flugverbindungen gekappt und die Grenzen dicht sind. „Eine solche Situation haben wir noch nie erlebt“, macht sich Sudeesh Sorgen um die Zukunft. Wie seine Mitpatres, etwa Pater Cyril aus Mörlenbach oder Joshy aus Hirschhorn, steht er in ständigem Kontakt mit der Heimat.

„Ich fühle mich sehr wohl Deutschland“, betont der Karmelitermann. Verglichen mit seiner Heimat gibt es trotz Beschränkungen noch viele Freiheiten. „Ich darf rausgehen“, nennt er eine davon. Was er auch gerne nutzt. Der Kontakt zu den Katholiken im Überwald geschieht derzeit allerdings meist telefonisch.

„Ich mache Telefonseelsorge“, erläutert Sudeesh. „Die älteren Menschen freuen sich über meinen Anruf“, hat er festgestellt. Er kennt einige von ihnen durch seine dreijährige Tätigkeit in der Region gut und weiß, bei wem er zwischendurch mal nachfragt. Sollte Bedarf an persönlichen Trauergesprächen sein, steht er – mit dem nötigen Mindestabstand – dafür natürlich auch zur Verfügung.                               tom

 

 

 

Pater Sudeesh Joseph (39) stammt aus Thodupuzha im südwestindischen Bundesstaat Kerala mit seinen 35 Millionen Einwohnern. Mit 16 Jahren trat er ins dortige Karmeliterkloster der Thomasprovinz ein. Vor fünf Jahren kam er nach Deutschland, seit drei Jahren wohnt er mit vier anderen Karmeliter-Brüdern im Kloster Hirschhorn. Pater Joshy George Pottackal ist katholischer Pfarrer im hessischen Neckartal und wird in Hirschhorn sowie Neckarsteinach unterstützt von Pfarrvikar Pater Linto Thekkekunnel Paily. Sudeeshs Vorgänger als Pfarrvikar im Überwald war Pater Cyril Thundathil, heute Pfarrer von St. Bartholomäus Mörlenbach und Weiher. Fünfter im Bunde ist Pater Sijoy Thevarakatt, heute Pfarrer von Hl. Kreuz Bad Wimpfen, einer hessischen Exklave des Dekanats Bergstraße, und vor 2010 ebenfalls Pfarrvikar im Überwald.

Gleich zwei Mal fällt die Kerwe flach

Die Kerwe fällt aus, es lebe die Kerwejugend. Das Verbot von Großveranstaltungen in Corona-Zeiten bis zum 31. August gilt auch für die verschiedenen Kirchweih-Veranstaltungen. Ein Dorf ist gleich doppelt betroffen: Schönmattenwag. Dort wäre im Juni in einwöchigem Abstand erst im oberen, dann im unteren Ortsteil gefeiert worden. Beide Male in diesem Jahr Veranstalter: die Freiwillige Feuerwehr.

Im Juni herrscht somit tote Hose in Schimmeldewog. In ganz Schimmeldewog? Nein, in „Unner“ regt sich Leben. Die Kerwejugend lässt von sich hören. Mit einer Collage macht sie auf sich aufmerksam, um zu zeigen, „dass auch wir zu Hause bleiben“. Da in diesem Jahr eventuell alle Kerwen im Überwald ausfallen werden, wollen sich die Jungs und Mädels mit Kerweparre Jens Gam nicht unterkriegen lassen.

Als der Vorschlag gemacht wurde, die Collage zu erstellen, waren gleich alle Mitglieder der Kerwejugend begeistert, erzählt Cindy Gam. Die Hoffnung ist groß, „dass wir nächstes Jahr das traditionelle Dorffest in Schimmeldewog wieder feiern können“. Die junge Partygesellschaft möchte damit zeigen, „dass auch wir mal die Füße still halten können“, kommt mit der Schrift „Wir bleiben alle zuhause“ und dem Button „Time to stay Home“ zum Ausdruck.

„Es war alles geplant bis auf Kleinigkeiten“, erzählt Ralf Scheib, der in Unter-Schönmattenwag federführend am Kerwe-Organisieren war. Der ehemalige Feuerwehr-Vereinsvorsitzende blickt traurig auf die bisherige Arbeit zurück. „Da wir in der aktuellen Situation keine Sitzungen zur Planung machen konnten“, wäre eine Durchführung aber sowieso schwierig geworden, weiß er. Zudem müssten sich ja auch die Grundschule Schimmeldewog und der Kindergarten St. Marien sowie Pfarrer und Bands auf den Auftritt vorbereiten – das wäre momentan nicht wirklich möglich.

„Ob wir genügend Helfer gefunden und wie wir dann den Infektionsschutz sichergestellt hätten, wäre auch schwierig geworden“, weiß Scheib um die diffizile Vorplanung. Nach dem Verbot von Großveranstaltungen in der vergangenen Woche „haben wir mit allen Lieferanten und Vertragspartnern gesprochen – und es war eigentlich keiner über meinen Anruf überrascht“, sahen es laut dem Feuerwehrmann alle irgendwie kommen. „Ich hatte bis heute kein negatives Feedback, alle hatten Verständnis.“

Nichtsdestotrotz war es seinen Worten zufolge ein schwer Schritt, „da wir ja schon viel Zeit und Arbeit investiert hatten“. Für die Brandschützer fallen zwar jetzt zwei große Feste weg, „aber unsere Gedanken sind auch bei unseren Geschäftspartnern“, sagt Scheib. Denn denen brechen praktisch alle Veranstaltungen weg. „Eine schlimme Situation, aber die Gesundheit geht nun einmal vor“, betont er. „Wer unsere Kerwen in Schönmattenwag kennt, kann sich sicher vorstellen, wie schwer die Absage fällt. Aber keine Frage – wir kommen wieder“, schreibt die Feuerwehr auf ihrer Facebook-Seite.

Wie Ralf Scheib ging es auch Jürgen Walter, seit vergangenem Jahr Vorsitzender des Feuerwehrvereins beider Ortsteile. „Bis auf die Feinheiten war das Programm fertig“, erzählt der Mann aus Ober-Schönmattenwag. Die Musiker hatte man bereits verpflichtet. „Wir hätten es nicht mehr durchziehen können“, wäre eine Ausrichtung auch ohne Verbot von Großveranstaltung wohl nicht möglich gewesen, meint er. „Das ist sehr schade“, so Walter, aber anderen geht es genauso.

Eine Alternative lassen sich die Feuerwehrleute noch offen: Kurzfristig ließe sich im Spätjahr eventuell eine improvisierte gemeinsame Kerwe am Feuerwehrhaus in der Mitte zwischen den beiden Orten ausrichten. Aber das will in Ruhe überlegt werden, betont Walter. Man will sich an den dann aktuellen Gegebenheiten orientieren.

Dass nun zwei große Feste wegbrechen, macht sich in der Vereinskasse negativ bemerkbar. Zum Glück waren erst kleine Kosten aufgelaufen – nicht wie beim Kohlenmeiler, der vor zwei Jahren wegen der Trockenheit am gleichen Tag abgesagt wurde. „Irgendwann muss halt eine Entscheidung her“, meint Walter – denn sonst geht es mehr ins Geld. Eigentlich hatten die Brandschützer in spe mit der Anschaffung eines Mannschaftstransportwagens geliebäugelt, wenn die Einnahmen reingekommen wären. Der muss jetzt aber erstmal warten.

Zum Glück, erzählt Walter, „haben wir noch ein paar Reserven“. Dazu werden parallel die Ausgaben zurückgefahren. Der Blick richtet sich schon Richtung 2021, wenn dann hoffentlich kräftig gefeiert werden darf. Denn dann begeht die Feuerwehr ihr 125-jähriges Bestehen, übernommen aus dem Gründungsjahr der Unter-Schimmeldewäer Wehr.

Lieder, die verbinden und zum Mitsingen einladen

Die Blasmusik Schönmattenwag bläst Corona den Marsch. „Wir spielen seit einigen Wochen jeden Sonntag für die Schimmeldewöger (und natürlich für uns)“, berichtet Matthias Staat. Dafür sich suchen sich Musiker schöne Flecken in der Natur aus, aber lassen die Instrumente auch vom Balkon aus erschallen. Das Ganze natürlich nur allein oder zu weit, um dem Kontaktverbot Rechnung zu tragen.

Gestartet wurde die bundesweite Bläseraktion, die in der Corona-Zeit zur Verbundenheit aufruft, bereits am 22. März mit Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude“. Die Musizierenden nicht nur aus Schönmattenwag „sind von Anfang an dabei und führen dies fort“, betont Staat. Gespielt wird seither jeden Sonntag um 18 Uhr von den Balkonen, Terrassen oder vom Waldrand aus. „So schallt es jedes Mal durch das Schimmeldewöger Ulfenbachtal“, freut er sich.

„Wir spielen Lieder, die verbinden und zum Mitsingen einladen“, erzählt Staat. Darunter sind etwa „Kein schöner Land in dieser Zeit“, „Alle Vögel sind schon da“ oder auch Stücke zum Nachdenken wie „Die Gedanken sind frei“. Zum Abschluss gibt es immer das „Schimmeldewöger Lied“. Am kommenden Sonntag, 3. Mai, begrüßen die Musiker um 18 Uhr den Mai unter anderem mit dem bekannten Lied „Der Mai ist gekommen“.

Die Mitglieder der Blasmusik Schimmeldewog verbinden sich per Handy oder Tablet über eine Videokonferenz, so dass sich sogar Aktive, die in Neckarsteinach oder Abtsteinach wohnen, zuschalten und mitspielen können. An den „Balkonkonzerten“ beteiligen sich auch die jungen Musiker der Jugendband. „Das finden wir besonders toll“, hebt Matthias Staat hervor.

Die Aktion zeigt eine große Verbundenheit in der Kapelle, beobachtet er. „Wir freuen uns auch, dass immer mehr Schimmeldewöger auf die Aktion aufmerksam werden und zuhören.“ Viele positive Rückmeldungen bestärken die Kapelle „und machen uns Mut in dieser für alle sehr schwierigen Zeit“. Nach dem Spielen, haben die Musizierenden festgestellt, „ist sogar Applaus der Zuhörer im Ort zu hören“. tom

Charleys Tante wird nicht aufgeführt

„Es bricht uns das Herz und wir sind unendlich traurig“: Mit diesem Satz teilen die Aktiven der Theatergruppe Schönmattenwag die Absage ihrer drei Aufführungen von „Charleys Tante“ mit, die vom 20. bis 22. März im Haus des Gastes über die Bühne gehen sollten. Doch das Corona-Virus macht alle Pläne zunichte. „Nach intensiven Gesprächen mit den beiden Vorständen der Gesangvereine und dem Bürgermeister“ wurde am Wochenende alles gecancelt. Gerade die Entwicklungen der letzten Tage „haben uns zu diesem schweren Schritt veranlasst“, teilen die Laienakteure mit Regisseurin Renate Walter mit.

Schon die letzte Probe, die 42. seit dem Start am 7. Oktober des vergangenen Jahres, war von Unsicherheiten geprägt, ob die Premiere überhaupt über die Bühne gehen würde. Denn an diesem Tag hagelte es immer neue Horrornachrichten und Absagen anderer Kulturtermine in der Region und weit darüber hinaus. Noch herrschte das Prinzip Hoffnung vor, aber die schwand am Folgetag immer mehr, bis dann schließlich die Entscheidung getroffen wurde.

„Für uns hat die Gesundheit aller Besucher sowie der vielen Helfer oberste Priorität“, schreiben die Darsteller. Mit der Absage wollen sie präventiv einen Beitrag dazu leisten, das Ansteckungsrisiko zu reduzieren, um so eine weitere Verbreitung des Coronavirus möglichst zu verhindern. Die gesamte Gruppe ist sich einig, „dass wir keine Freude am diesjährigen Theater hätten, wenn wir wissen, dass die Veranstaltung als Risiko gilt“.

Das Stück „Charleys Tante“ soll nun im kommenden Jahr aufgeführt werden. Das aufwändige Bühnenbild, das bereits die Bühne im Haus des Gastes zierte, soll dann wieder zum Einsatz kommen. Knapp zehn handwerklich begabte Mitglieder von MGV Sängerbund und Gesangverein Harmonie um Dieter Walter und Ernst Siefert hatten sich nach Fasching an den Aufbau gemacht. Das Motiv zeigt die Gartenlaube neben der Wohnung der beiden Studenten und wurde mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Jetzt muss es leider wieder abgebaut werden.

Samstag nach Fasching gingen auch die Schauspieler hier an Werk, nachdem sie zuvor mehr als fünf Monate lang im evangelischen Gemeindehaus geprobt hatten. „Charleys Tante“ machte allen so richtig Spaß, erzählt Renate Walter. Was natürlich nun die Absage umso betrüblicher macht. „Wir haben ein paar Tanz-Talente entdeckt“, schildert sie die Rock’n’Roll- und Tango-Ausflüge.

„Wir hatten sehr lustige Proben“, bekräftigt Jürgen Walter. „Ein Making-of wäre klasse gewesen“, schmunzelt Nadine Pohl. Hans-Dieter Martin, der vor 32 Jahren in der damaligen, längeren Aufführung bereits den Colonel Sir Francis Chesney spielte, nennt das Stück einen „echten Klassiker“. Es ist für ihn handwerklich richtig gut aufgebaut. Das Beste: „Die Uniform von früher passt mir noch“, grinst er. Dass in der neueren Variante die Handlung gestrafft und ein paar Personen entfallen sind, wertet Renate Walter positiv: „Jetzt sind die Längen raus.“

Die Textsicherheit läuft, schaut die Regisseurin grinsend zu Jürgen Walter. Der lächelt beschwichtigend-gequält, nachdem er schon in der halben Stunde zuvor das Skript intensiv studiert hat. Wer den Text nicht so gut beherrscht, muss einen Wein mitbringen, erklärt Renate Walter mit Blick auf die paar Flaschen auf dem Tisch lachend. „Habe ich schon ein paar Mal“, meint Jürgen trocken und lässt den Korken ploppen.

„Lange haben wir noch gedacht, das wird was“, schildert die Chefin im Theater-Ring die allgemeine Hoffnung, dass es nicht zur Pandemie kommen würde. Denn gerade wurden die letzten Feinheiten wie Aktschlüsse und Laufwege einstudiert, erläutert Timo Walter. Jeden Abend wären am kommenden Wochenende um die 300 Gäste gekommen, um sich bei der Komödie aufs Beste zu amüsieren. Der Vorverkauf lief bis zuletzt gut, hat sie festgestellt.

„Wir haben viel Herzblut in das Stück gesteckt“, erzählen die Aktiven. Mit „Charleys Tante“ fand man darüber hinaus nach der modernen Aufführung im vergangenen Jahr eine Adaption, die allen so richtig lag und innerhalb der Truppe bestens ankam. Dazu noch die Proben seit sechseinhalb Monaten, zuerst zwei Mal in der Woche, seit zwei Wochen dann täglich und das detailreich gezimmerte Bühnenbild: Es schmerzt, nun vor dem „Nichts“ zu stehen. Aber die Unabwendbarkeit dieses Entschlusses ist allen klar.

 

Info: Bereits gekaufte Karten können bis 31. Mai an den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden, wo sie auch gekauft wurden. Gutscheine behalten grundsätzlich für das nächste Jahr ihre Gültigkeit, können aber natürlich auch zurückgegeben werden. Ansprechpartnerin ist hier Renate Walter, Telefon 06207/7823.

Wie man im eigenen Haus Stürze vermeiden kann

Sturzprophylaxe ist im Alter das A und O. Der VdK-Ortsverband Schönmattenwag hatte als Referentin zu seinem Kaffee-Nachmittag eine Fachfrau eingeladen: Uta Brand von PauLa, der psychosozialen Fachkraft auf dem Land. Vorsitzende Renate Lautenschläger freute sich, dazu im katholischen Pfarrheim an die 40 Gäste begrüßen zu dürfen. Neben der Vorstellung ihrer Arbeit gab Brand auch ganz praktische Tipps fürs tägliche Leben.

Die Referentin animierte die Besucher, sie zu diesen und weiteren Themen gerne auch direkt und persönlich anzusprechen. Brand wies darauf hin, dass sie der Schweigepflicht unterliegt und somit alles, was an sie herangetragen wird, vertraulich bleibt. Sie nannte daneben auch die verschiedenen sozialen Dienste im Überwald als Ansprechpartner. So referiert sie in Kürze bei der AWO in Wald-Michelbach und betonte, dass dieser Vortrag für alle offen ist. „Man muss dazu kein Mitglied sein.“

Es geht laut Brand darum, die Sturzrisiken im eigenen Umfeld zu erkennen. Das kann der Teppich im Wohnzimmer sein oder das fehlende Nachtlicht im Schlafzimmer. „Die Sinne lassen im Alter nach“, betonte die Referentin. Man wird langsamer und sollte sich das rechtzeitig ins Gedächtnis rufen. Sichere Bewegungen sollen gewährleistet und gezielt gefördert werden. Brand nutzte das gemeinsame Kaffeetrinken dann für ein paar persönliche Gespräche.

Danach waren die praktischen Übungen dran. Als Aufwärmtraining gab es Bewegung auf dem Stuhl, dann wurde das Aufstehen geübt. Die Füße sollten ältere Menschen nicht parallel stellen, empfahl die PauLa-Mitarbeiterin. Bei weniger Kraft ist es besser, wenn sie versetzt angeordnet sind. Auch die Hände kann man zu Hilfe nehmen, wenn es einem schwerer fällt hochzukommen.

Aber ebenso die entgegengesetzte Bewegung will sorgsam ausgeführt sein: „Schauen Sie, dass sie sich dort hinsetzen, wo der Stuhl steht“, mahnte sie. Sie erwähnte die altersspezifischen Veränderungen des Skelettsystems und der Sinne. Feste, geschlossene Schuhe sind ratsam. Dazu kommt das seelische Befinden. Traurigkeit, Depression, Sturzangst nannte die Vortragende.

Ganz wichtig laut Brand: immer in Bewegung bleiben und nicht einrosten. Koordination, Kraft, Gleichgewicht, Dehnung, Entspannung sind hier wesentliche Punkte. Senioren müssten sich darüber im Klaren sein, dass sie eine langsamere Reaktionszeit haben. Die Referentin hob hervor, dass sich Übungen auch im Sitzen absolvieren lassen. Das Ganze ist ihren Worten nach „kein Wettbewerb“. Jeder solle es so machen, wie er kann. Brand regte an, die Verbesserung der Wahrnehmung zu trainieren und Freude an der Bewegung zu haben.

Uta Brand hatte diverses Infomaterial im Gepäck. Etwa mit dem Titel „Gleichgewicht Kraft“ die „Einführung in die Sturzprävention“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die verschiedene Tipps und Hilfen bereithält. Im zweiten Teil gibt es Trainingsanleitungen und Illustrationen. Das Ziel: fit und beweglich im Alter zu sein. Denn: „Alles, was ich nicht benutze, geht verloren.“ Die Schriften können Interessierte bei Renate Lautenschläger erhalten.

„Bewegung aktiv“ nennt sich die Kartensammlung mit 25 Übungen, eine Aktivitätssteigerung zur alltäglichen Anwendung. Die Ähnlichkeit mit einer Medikamentenschachtel ist sicher gewollt. Das „Alltagstrainingsprogramm“ bringt Bewegung ins Leben. Brand hatte außerdem eine Checkliste für die eigene Wohnung im Gepäck, um diese risikofrei zu machen.

Unter anderem geht es um vorhandene Schwellen, ausreichende Türbreiten, Treppen mit rutschhemmendem Belag, Handläufen innen und außen, hörbarer Türglocke oder gut erreichbarem Telefon. Sie wies darauf hin, sich auf eine Tätigkeit zu fokussieren und nicht multitasking sein zu wollen: „Stop walking while talking“, bleib stehen beim Reden. PauLa bietet daneben ein Schulungsprogramm zur Stärkung der Gesundheitskompetenz von Senioren und Hochbetagten an, informierte Brand.                     tom

 

 

 

Info: Anmeldungen für den Tages- und Mehrtagesausflug des VdK Schönmattenwag sind jetzt möglich. Der Tagesausflug führt am Donnerstag, 14. Mai, nach Haibach zu den Adlerwerken. Bei Lohr gibt es eine Schifffahrt auf dem Main. Die Fünftagesfahrt geht vom 6. bis 10. September nach Aurich in Ostfriesland. Ein Ausflug zur Meyer-Werft in Papenburg, eine Ostfrieslandrundfahrt und eine Tour nach Wilhelmshaven sind geplant. Anmeldungen nimmt Renate Lautenschläger, Telefon 06207/81466, E-Mail renate.lautenschlaeger@vdk.de, entgegen. Mehr unter www.vdk.de/ov-schoenmattenwag. Dort gibt es auch Bilder vom Kaffeenachmittag.

Sehr wichtiger Bestandteil für den Brandschutz

Das Jahr 2019 stand ganz im Zeichen des neuen Löschfahrzeugs (LF) 10 KatS, berichtete Wehrführer Tobias Walter auf der Jahreshauptversammlung von Einsatzabteilung und Feuerwehrverein. Viele Stunden akribischer Feinarbeit wurden in Vorbereitung und Einarbeitung investiert. Er listete fürs vergangene Jahr 19 Einsätze auf, davon sieben technische Hilfeleistungen und neun Brände.

Das neue Löschfahrzeug bewährte sich ab Indienststellung in der zweiten Jahreshälfte, freute sich Walter. Er sprach von verbesserten Arbeitsbedingungen. Der Wehrführer erwähnte besonders den Einsatz beim Brand in der Hintergasse Ober-Schönmattenwag, als die Wehrleute eine überwältigende Hilfsbereitschaft der Bevölkerung erfuhren. Es gab 46 Ausbildungen – und in diesem Jahr sind die Brandschützer bereits bei 17 Seminaren und Lehrgängen angemeldet. Walter erwähnte lobend die „gewohnt hohe Ausbildbereitschaft“.

Jugendwart Kevin Lörsch ging auf die Teilnahme am Staffelwettbewerb des Landesfeuerwehrverbandes Hessen in Hünfeld ein. Jugendsprecherin Lea Walter bezeichnete diese als mehr als aufregend. Die JFW Schönmattenwag kam als erste aus Wald-Michelbach bei einem Leistungswettkampf so weit nach vorn. Aktuell befinden sich zwölf Kinder in der Jugendfeuerwehr. Nadine Koudele, die seit November gemeinsam mit Carolin Schäfer die Kinderfeuerwehr leitet, sagte, dass dort aktuell neun Jungen und zwei Mädchen mitwirken.

Danny Lörsch verlas den Bericht des Spielmannszug-Vertreters. Jörg Wetter referierte zu den Aktivitäten des Spielmannszuges. Er informierte über seinen Rücktritt als Stabführer zum Jahresende 2019. Sofern es gewünscht sei, werde er sich jedoch weiterhin um die musikalische Begleitung des Kerweumzugs kümmern. Ernst Siefert verlas den mit Erhard Möckel erstellten Bericht der Alters- und Ehrenabteilung. Stefan Siefert referierte für den Bereich Atemschutz, Benedikt Staat berichtete über die regelmäßig durchgeführten Geräteprüfungen und Technik.

Bürgermeister Dr. Sascha Weber überbrachte die Grüße der gemeindlichen Gremien. Er dankte für die geleistete, großartige Arbeit. Die Zusammenlegung der Einsatzabteilungen sowie die Neugründung eines Feuerwehrvereines sei ein Erfolg. Die Ausrichtung der Kerwe in beiden Ortsteilen wertete er als großes Projekt, eine Feuerprobe für den Verein. Zum Anbau ans Haus des Gastes informierte Weber, dass im Gemeindehaushalt hierfür in 2020 kleinere Summen, jedoch in 2021 größere eingestellt seien. Fertigstellung und Einzug sind für 2022 geplant.

Gemeindebrandinspektor Peter Capuani war sehr angetan von der Aufzählung der einzelnen geleisteten Arbeiten. Die Feuerwehr Schönmattenwag sei eine hochmotivierte Truppe und ein sehr wichtiger Bestandteil für den Brandschutz in der Großgemeinde. Kreisbrandmeister Sven Falter lobte die ungebrochene Einsatzbereitschaft und die hohe Motivation. Kreisstabführer Roland Ritter dankte stellvertretend dem ausgeschiedenen Stabführer Jörg Wetter.

Rolf Sauer erläuterte den Kassenbericht. Die Kassenprüfer Christiane Koudele und Ramon Jöst bestätigten eine ordentliche Finanzführung des Feuerwehrvereins. Die Entlastung des Gesamtvorstandes erfolgte einstimmig. Ramon Jöst und Markus Martin wurden danach einstimmig von der Versammlung zu Kassenprüfern gewählt.

Vereinsvorsitzender Jürgen Walter bedankte sich bei Ralf Scheib, der bis vergangenes Jahr den Verein in Unter-Schönmattenwag leitete, für dessen Engagement und geleistete Arbeit in den verschiedenen Vorstandspositionen. Er schlug der Versammlung vor, ihn zum Ehrenvorsitzenden zu ernennen, was einstimmig angenommen wurde. Scheib war ab 1992 zuerst als stellvertretender, dann bis 2000 als Jugendwart tätig, hatte ab 2001 erst den stellvertretenden, ab 2003 bis 2019 dann den Vereinsvorsitz der Feuerwehr Unter-Schönmattenwag inne. Von 2001 bis 2008 war er auch stellvertretender Wehrführer.

Walter berichtete, dass der Mitte vergangenen Jahres neu gegründete Verein, der aus den zuvor selbständigen Organisationen in Unter- und Ober-Schönmattenwag hervorging, inzwischen eingetragen sei. Außerdem erhielt man die Gemeinnützigkeit durchs Finanzamt erteilt. Der Weihnachtsmarkt, erstmals am Feuerwehrhaus durchgeführt, war ein voller Erfolg. „Für das nächste Mal gibt es einiges zu verbessern“, erläuterte der Vorsitzende. Die Themen wurden bereits bei einer Nachbesprechung angeschnitten.

Mit Blick aufs laufende Jahr erwähnte er die Ausrichtung der Kerwe in Ober-Schönmattenwag als zentralen Punkt. Traditionell werden am Freitagabend wieder „Six Pack“ und „Thousand Years Later“ auftreten. Auch der Sonntag mit der Kerweredd und dem Bunten Abend ist gesetzt. Um die Kerwe im unteren Ortsteil, ebenfalls von der Feuerwehr gestemmt, kümmert sich federführend Ralf Scheib.

 

Ehrungen/Beförderungen

Marcel Sauer wurde Übungsbester der Einsatzabteilung.

Sebastian Hirsch wurde zum Oberfeuerwehrmann befördert, Marcel Sauer und Kevin Lörsch zum Löschmeister, Rene Zink zum Hauptlöschmeister, Marc Ritter zum Oberbrandmeister.

Anerkennungsprämien des Landes Hessen für langjähriges Engagement: Georg Walter (20 Jahre aktiver Dienst), Hans-Georg Karl (40).

Jörg Wetter wurde für seine 40-jährige aktive Musikertätigkeit mit dem Ehrenzeichen für Hessische Feuerwehrmusik in Gold ausgezeichnet. Ebenso erhielt er die goldene Ehrennadel für 40-jährige aktive Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr.

Harald Falter wurde die goldene Ehrennadel für langjährige Feuerwehrzugehörigkeit und zum Übergang in die Alters- und Ehrenabteilung verliehen.

Jürgen Stay wurde das goldene Brandschutzehrenzeichen am Bande für 40 Jahre aktiven Dienst verliehen. Ebenso erhielt er die goldene Ehrennadel für 40-jährige aktive Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr.

Julia Koudele, Nico Wetter und Matti Arnold wurden Übungsbeste der Jugendfeuerwehr.

Den  „Feuerwehr-Oskar 2019“ für besondere ehrenamtliche Unterstützung erhielt Benedikt Staat.

Die Jubilarin ist geistig topfit

Ilse Ulberth merkt man ihre 100 Jahre nicht an. Die Beine wollen zwar nicht mehr so richtig wie die Jubilarin, aber der Kopf treibt den Körper voran. An ihrem Geburtstag ist sie permanent auf Achse. Neben den Verwandten kommen am laufenden Band Freunde und Bekannte in der Hauptstraße Süd in Unter-Schönmattenwag vorbei, um der agilen Seniorin zu gratulieren. Bürgermeister Sascha Weber und Ortsvorsteher Hans-Dieter Martin schauen ebenfalls rein.

Ilse Ulberth hat in ihrem langen Leben einige Schicksalsschläge verkraftet. In Tetschen-Bodenbach an der Elbe, 60 Kilometer südlich von Dresden geboren, geboren, gehörte sie nach dem Zweiten Weltkrieg zu den Heimatvertriebenen aus Nordböhmen im heutigen Tschechien. Die Jubilarin studierte zuvor den Lehrberuf in Prag und Reichenberg. 1944 machte sie ihr Staatsexamen, im selben Jahr heiratete die Jubilarin ihren Studienkollegen Hermann Ulberth.

Ein Jahr nach Kriegsende fand sich das Geburtstagskind in Wismar (russisch besetzte Zone) wieder, wohin sie aus ihrer Heimat ausgesiedelt worden war. Hermann Ulberth wurde aus der französischen Kriegsgefangenschaft entlassen. Er bekam eine Anstellung als Lehrer an der Volksschule Unter-Abtsteinach und schaffte es, erst seine Frau und ein Jahr später deren Eltern in den Überwald nachzuholen. „Wir haben hier buchstäblich mit nichts begonnen“, erinnert sie sich.

Der erste Sohn Klaus wurde 1947 geboren, der zweite, Rainer, 1949. Doch schon 1950 schlug das Schicksal erneut zu. Hermann Ulberth erkrankte an Tuberkulose und wurde, da noch nicht verbeamtet, aus dem Schuldienst entlassen. Jetzt war es an seiner Frau, für den Lebensunterhalt der jungen Familie zu sorgen. Sie arbeitete wieder als Lehrerin.

1953 erfolgte die Versetzung nach Unter-Schönmattenwag, wo Ilse Ulberth bis zu ihrer Pensionierung 1981 Lehrerin war. Einer ihrer Schüler ab 1967 im neuen Schulhaus: Hans-Dieter Martin. Vor 53 Jahren zog die Familie auch ins eigene Haus, das sie heute noch bewohnt. 1981 starb plötzlich ihr Mann.

Von 1985 bis 1999 lebte sie in einer „Ehe ohne Trauschein“, wie die Jubilarin es ausdrückt, mit Ludwig Bauer zusammen, bis dieser starb. Von 2003 bis zu seinem Tod 2011 bestand eine Partnerschaft mit Georg Spreng. Seitdem, hebt sie hervor, lebt Ilse Ulberth allein „und bis heute selbstständig“.

Vergangenes Jahr starb erst 70-jährig Sohn Rainer, auch der andere Sohn Klaus hat gesundheitlichen Kummer. Die beiden Enkel Sonja, in Mainz wohnhaft, und Nico besuchen die Großmutter regelmäßig. Urenkelin Sophie, die Tochter von Nico Ulberth, ist heute 16. Der sagt über seine Oma: „Sie ist geistig topfit.“ Die Tageszeitung ist ihr täglicher Begleiter, auch Rätsel löst sie gern. Dazu kommen Gesellschaftsspiele. Ihre Spezialität ist Handrommé. „Wenn sie die Karten öfter umsteckt, ist was im Busch“, lacht der Enkel.

Weber und Martin überbrachten neben den Glückwünschen von Gemeinde und Ortsbeirat auch diverse Urkunden. Neben der Wald-Michelbacher zum seltenen runden Geburtstag gab es auch eine des Kreises Bergstraße, unterzeichnet von Landrat Christian Engelhardt, und vom hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier. „Da kann man schon neu tapezieren“, scherzte Weber.

An diesem Tag schauten Freunde und Bekannte aus dem Ort zum Gratulieren vorbei. Ist Ilse Ulberth mit ihren Enkeln im Ort unterwegs, wird die frühere Lehrerin immer wieder von ehemaligen Schülern, die heute selbst lange die 40 oder 50 überschritten haben, erkannt und gegrüßt. Eine Putzfrau unterstützt die 100-Jährige im Haus, ansonsten erledigt sie alles allein. Eine große Freude ist es für sie, wenn sie mit den Enkeln unterwegs ist, zum Essen oder auf Ausflügen.

Vorsitzender Jöst wird in seinem Amt bestätigt

Bei der Jahreshauptversammlung des MGV Sängerbund 1875 war es nach der stetigen Weiterentwicklung der drei Chöre und den vergangenen Erfolgen nur eine Formsache, dass der Vorsitzende Christian Jöst von der Versammlung einstimmig in seinem Amt bestätigt wurde. Er amtiert seit 2014 und geht jetzt in seine vierte Amtsperiode. Auch bei den restlichen Wahlen des Teilvorstands herrschte auf der Jahreshauptversammlung Einmütigkeit.

Die großen Erfolge bei Sängerwettbewerben im vergangenen Jahr will der Vorstand nutzen, um diesen Schwung in die Zukunft mitzunehmen. Gerade die Tagesbestleistung in Lampenhain und das beste Ergebnis der Vereinsgeschichte in Bernbach geben großen Auftrieb, um den Verein zukunftsfähig zu machen. „Darauf wollen wir aufbauen“, betonte er.

In diesem Jahr stehen erst einmal die „regulären“ Aktivitäten im Vordergrund, zusammen mit einem Konzert anlässlich des 145-jährigen Vereinsbestehens. „Wir wollen uns entwickeln und die Chöre weiter nach vorn bringen“, hob der Vorsitzende hervor. Die von Hans Ehret geführte Kasse war wie üblich tadellos, bestätigten die Revisoren Gottfried Jöst und Manuela Bruns. Ihrem Antrag auf Entlastung gab die Versammlung einstimmig statt.

In seiner Vorschau aufs laufende Jahr wies Jöst unter anderem auf das am 1. Februar stattfindende Schlachtfest hin, jedes Jahr ein großer Renner. Am 14. März gibt es eine Weinprobe im Sängerheim, vom 20. bis 22. März finden die drei Aufführungen der Theatergruppe Schönmattenwag im Haus des Gastes statt, bei denen der MGV zusammen mit dem GV Harmonie traditionsgemäß die Bewirtung übernimmt.

Einem Workshop am 4. April folgt der Grill in den Mai am 30. des Monats und 1. Mai. Der 6. Juni ist dem Jubiläum vorbehalten. 145 Jahre gibt es den MGV Sängerbund, was mit einem Open Air am Sängerheim begangen werden soll. Die drei Chöre (Männer, Frauen, Kinder und Jugendliche) stellen sich bei einer Zeitreise durch 145 Jahre Sangesgeschichte vor. Das Oktoberfest bildet wie üblich ein Highlight im zweiten Halbjahr.

Eine große Veränderung gab es bereits zu Jahresanfang: Der Sängerbund, lange Jahre Mitglied im Sängerkreis Neckartal, wechselte zu Weschnitztal-Überwald. Jöst zeigte sich in seinem Fazit sehr zufrieden mit der Entwicklung der Chöre. Die Feste sind durchgehend gut besucht. Dazu tragen auch die vielen Helfer bei, auf die der MGV immer wieder zählen kann. Der Vorsitzende stellte auch die Zusammenarbeit im Vorstand und unter den Chören lobend heraus.

Tolle musikalische Zusammenarbeit

Ein gemütlicherer Abend in geselliger Runde mit vielen bekannten Gesichtern und einem großen Programm: Die Weihnachtsfeier des MGV Sängerbund Schönmattenwag ist schon schöne Tradition im Verein. Knapp 150 Besucher begrüßte Vorsitzender Christian Jöst im Haus des Gastes. Die Feier wurde bereichert durch diverse Liedbeiträge der drei. Natürlich durfte auch der Nikolaus nicht fehlen, der einige Geschenke für die Kleinen im Gepäck hatte. Daneben stand die Ehrung von Mitgliedern an.

Die Kinder waren zuerst dran: Unter der Leitung von Katharina Zink gab es von den „Cantante Cintura Kids“ Liedvorträge wie „Denn es ist Weihnachtszeit“ (im Original „Mary‘s Boychild“), „Sweet but a psycho“ und „Eisenbahn“ zu hören. Ein- und Auszug des Nikolauses wurde von der Dirigentin mit „Feliz Navidad“ begleitet. Bevor der Mann mit Bart seine Gaben an die Jüngsten verteilte, bot der Kinderchor noch einen Tanz dar. Benet Siefert und Julian König sagten ein Gedicht auf. Es folgte die verdiente Stärkung.

„Herzekrank“, „Hebe deine Augen auf“, „Eternal Flame“ und „That ever I saw“ hießen die Lieder des Frauenchors, die dieser unter der Leitung von Anna Stumpf vortrug. In Form eines Flashmobs starteten die Frauen in ihre Darbietung. Die Chorleiterin ließ die Melodie am Klavier erklingen, während nach und nach die Sängerinnen aus dem Publikum einliefen.

Norbert Pfohe hatte dieses Mal das beste Auge. Es galt zu erraten, wie viele Kilo der geschäftsführende Vorstand mit Christian Jöst, Anja Freudl, Anette Wiegand und Hans Ehret zusammen mit den jeweiligen Chorleitern Katharina Zink, Anna Stumpf und Alexander Schmitt in Vertretung von Hajo Karl auf die Waage bringt. 560 Kilo schätzte Pfohe, 558,3 waren es genau, wobei der Mantel des Schweigens über die Verteilung gehüllt wurde. Der Sieger gewann einen Gutschein.

Gemeinsam mit Katharina Zink sang die Frauenchor-Leiterin im Anschluss den Abendsegen aus der Oper „Hänsel und Gretel“. Die Männer, dirigiert von Schmitt, waren dann mit „Mondnacht“, „Trommellied“, „Soon ah will be done“ und „Weihnachtsglocken“ an der Reihe. „Wach auf meins Herzens Schön“ hieß es vom Quartett mit Anna Stumpf, Katharina Zink, Alexander Schmitt und David Bruns.

Das folgende reichhaltige Nachtisch-Büffet hatten Sängerfrauen und Mitglieder gespendet. Die Kinder und Jugendlichen begeisterten später mit drei Tänzen, die sie während ihres Wochenend-Gesangsworkshops zusätzlich einstudiert hatten. Vorsitzender Christian Jöst dankte den drei Dirigenten für die tolle musikalische Zusammenarbeit und die in diesem Jahr erreichten Ziele.

Aktuell hat der Kinderchor 18 Mitglieder, die Frauen zählen 25 Stimmen und die Männer 32 Sänger. Im kommenden Jahr will man mit Nachdruck Sängerwerbung betreiben, um wieder neue Mitglieder für die Mitwirkung in den Chören begeistern zu können. Jöst äußerte seine Freude über die stetige Weiterentwicklung der verschiedenen Klangkörper.

Jösts Dank ging an die Mitglieder des 200 Köpfe zählenden Vereins, die in diesem Jahr wieder tatkräftig bei den verschiedenen Festen mithalfen. Kerwe, 1.-Mai-, Schlacht- und Oktoberfest wären ohne die Treue der Sängerfamilie gar nicht zu stemmen, meinte er. Der MGV unterstrich damit seinen Stellenwert als ein gewichtiger Träger des gesellschaftlichen Lebens im Ort. Gefeiert wurde dann noch bis tief in die Nacht bei leckeren Cocktails an der Ski-Bar, um die sich jedes Jahr Kirsten und Holger Ehret kümmern.

Info: Am Samstag, 11. Januar, findet die alljährliche Winterwanderung des MGV Sängerbund statt. Anmeldung noch bis zum 31. Dezember beim Vorsitzenden Christian Jöst, Telefon 0176/97900709, oder allen anderen Mitgliedern. Die Jahreshauptversammlung findet am 17. Januar um 20 Uhr im Sängerheim statt.

 

Ehrungen

Kinderchor drei Jahre: Svenja Ballmann, Sina Jurcza, Lina Walter

Aktive Sänger: Thomas Ritter (zehn Jahre), Anette Wiegel (15), Werner Schmitt (30), Lothar Abelshauser (40, Ernennung zum Ehrenmitglied), Reiner Schwab (45), Gustav Dengler (55), Willi Ritter (65), Hermann Schmitt (70, beide Ehrenmitglied und Ehrensänger).

Passive: 25 Jahre Thorsten Ehret, Joachim Jöst, Gottfried Walz