Viel Beifall und Standing Ovations für die Blasmusik

Eine alte Tradition neu aufleben lassen: Das erste Neujahrskonzert für Schönmattenwag stieß in der katholischen Kirche Johannes der Täufer auf viel Interesse. Die Blasmusik Schimmeldewog unter der Leitung von Christian Schuppel hatte die Gäste zu einem bunten Potpourri unterhaltsamer Melodien eingeladen. Klänge aus dem Barock, Musik von Jacob de Haan, Musicals oder Balladen: Es war in dem eineinhalbstündigen Konzert einfach für jeden etwas dabei.

Mindestens genauso lange wie die Veranstaltung selbst dauerte die „After-Show-Party“, bei der Musiker und Besucher bei dem einen oder anderen Glühwein gemütlich miteinander verweilten, das alte Jahr Revue passieren ließen und sich über die kommenden zwölf Monate austauschten. Durch das Programm führte gewohnt eloquent Donat Skroch, der Wissenswertes zu den einzelnen Stücken mitgebracht hatte.

Das Publikum wusste den unterhaltsamen Querschnitt von verschiedenen Stilrichtungen und Epochen zu würdigen. Viel Beifall und Standing Ovations zum Schluss sprachen für sich. Auch optisch machte das Orchester im Kirchenschiff einiges her, vom besonderen Hall im Gotteshaus ganz zu schweigen. Es war das erste Konzert, das Dirigent Christian Schuppel seit seiner Übernahme des Klangkörpers vor eineinhalb Jahren komplett alleine auf die Beine gestellt hatte.

Gänsehautfeeling gab es bei der „Carmina Burana“, dem Titel einer Kantate von Carl Orff. Die Blasorchester-Instrumente verwandelten die Töne in eigene magische Bilder von der Fragwürdigkeit materieller Werte und der Flüchtigkeit des Lebens. Die Musik war von einer Intensität, „dass es mir eiskalt den Rücken runtergelaufen ist“, meinte Moderator Skroch.

Ähnlich eindrucksvoll gestaltete sich das letzte reguläre Stück des Abends, „Any Dream Will Do“. Andrew Lloyd Webber und Tim Rice komponierten „Wie vom Traum verführt“ für „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“ von 1968. Es ist Anfang und Schlusslied des Musicals. Die äußerst frei interpretierte biblische Erzählung von Joseph und seinen elf Brüdern ist ein spaßiger Trip durch drei Jahrzehnte Musikgeschichte mit rockendem Pharao, Flower-Power-Guru und Technobeats.

Natürlich war danach noch nicht Schluss. „Thank you for the music“ von Abba zeigte die Blasmusik noch einmal auf der Höhe ihres Schaffens. Die Musiker bewiesen mit ihrem Schaffen ein sehr hohes Niveau für den kleinen Ort. Sie wurden bei ihrem Spiel inspiriert vom Feedback des Publikums, das immer wieder sein Wohlwollen zum Ausdruck brachte, was natürlich die Darbietenden motivierte.

Mit „Alla Hornpipe“ aus Händels Wassermusik eröffnete die Kapelle. Der lebhafte Tanz machte gleich Lust auf mehr. Anlass für die Komposition war eine Bootsfahrt auf der Themse, die König Georg I. 1717 veranstaltete. „Der Popstar des Barocks: Georg Friedrich Händel“, meinte Skroch augenzwinkernd.

Beim „Golden Pass“ von Jacob de Haan ratterte ein Panorama-Zug durch die Kirche. Denn der Titel bezieht sich auf eine exklusive Panorama-Zuglinie, die durch die Schweizer Alpen von Montreux nach Luzern führt. Vor dem geistigen Auge flogen am Fenster weidende Kühe auf saftig grünen Wiesen, traditionelle Chalets, wunderschöne Bergseen, Wasserfälle und beeindruckende Berggipfel vorbei.

Sie zählt zu den viel gespielten Opern Händels: „Xerxes“, die nicht zuletzt wegen der Arie „Ombra mai fu“ berühmt geworden ist. Nach ihrer Uraufführung zuerst ein vollkommener Misserfolg, wurde das Stück „Largo“ von 1738 dann „das“ sentimentale Trauerlied des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Enrico Carusos Aufnahme von 1920 ist unvergessen. Joseph Kanz´ Bearbeitung für Blasorchester enthält alles, was diese Musik so besonders macht: ausgesprochene Schlichtheit, attraktive Melodielinie und verblüffend ausdrucksvolle Klangfülle.

Mit dem weltbekannten Barock-Kanon von Johann Pachelbel ging’s in die zweite Hälfte. Warum es als eines der populärsten klassischen Musikstücke gilt, zeigte sich beim klangvollen Spiel der Blasmusik. Wie sich das Orchester immer mehr in der Melodie verfängt, die einzelnen Aspekte herausstellt und schließlich nach ruhigem Intermezzo zum schönen Finale emporschwingt, hat schon was. „Children of the World“, eigentlich ein Lied der Bee Gees von 1976, passt in der Bearbeitung André Waignein, eigentlich in jedes Konzert. Denn alle Kinder dieser Welt sehnen sich nach Frieden.

Ob der „Song of Liberation“ von Jacob de Haan über die Befreiung Europas am Ende des Zweiten Weltkrieges, „Una Furtiva Lagrima“ aus der Oper „Liebestrank“ von Gaetano Donizetti oder „You’ll Never Walk Alone“ von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II aus dem Broadway-Musical „Carousel“: Das Ensemble bewies sein Können auf allen Feldern der Musik.

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„Leise rieselt der Schnee“ gibt in Indien an Weihnachten nicht

„Weihnachten ist bei uns mitten im Sommer“, schmunzelt Pater Cyril. „Das ist nicht wie hier mit Schnee und Kälte“, sagt er. Denn der 41-Jährige stammt aus Kerala im äußersten Südwesten Indiens. 35 Grad sind dort rund um die Jahreswende normal. Der katholische Pfarrer von Mörlenbach und Weiher hatte allerdings schon einige Jahre Gelegenheit, sich ans Fest zu Christi Geburt in heimischen Gefilden zu gewöhnen. Seit 14 Jahren ist er in Deutschland, seit neun Jahren im Kloster Hirschhorn beheimatet.

„Weiße Festtage – das ist uns fremd“, meint Cyril Thundathil und schließt dabei seinen Karmeliter-Mitbruder Sudeesh mit ein, der wie er aus der der Provinz Kottayam in Zentralkerala stammt. Dort ist der Bevölkerungsanteil der Christen mit 40 Prozent besonders hoch. „Wir haben unsere eigenen Weihnachtslieder“, erläutert der Pater. Denn: „Leise rieselt der Schnee“ passt nicht, lacht er. Die Menschen sind aufgrund der Temperaturen eher sommerlich gekleidet.

In der Vorweihnachtszeit gibt es in der Heimat der beiden Patres eine völlig andere Tradition als hierzulande. „Bei uns wird vom 1. Dezember an bis zum festlichen Mitternachts-Gottesdienst am 24. Dezember gefastet“, erzählt Pfarrer Cyril. „Viele verzichten in diesen Tagen auf Fleisch, Fisch und Alkohol“, ergänzt Sudeesh. „Bei über 30 Grad gibt’s auch keinen Glühwein“, grinst er. Advents- oder Weihnachtsfeiern gibt es nicht, ebenso werden die vier Sonntage nicht festlich begangen.

Fladenbrot und Lammfleisch als traditionelle Speise beenden am Morgen des 25. Dezember die Fastenzeit. „Mittags wird dann richtig zugeschlagen“, lacht Sudeesh, der als Pfarrvikar in der Pfarrgruppe Überwald tätig ist. Statt der Plätzchen gibt es einen „Christmas Cake“. Überhaupt wird nicht so viel Süßes in dieser Zeit gegessen, hat er festgestellt. Beide Geistliche kennen die deutsche Form der Weihnachtsbeleuchtung nicht in dieser Form. In Indien schmücken die Familien, egal welcher Religion sie angehören, ihre Häuser unter anderem mit Sternen. Die Straßen werden nicht illuminiert.

Wie in Deutschland ist Weihnachten aber auch in Kerala ein Familienfest. Da zwischen den Jahren Ferien sind, kommen die über ganz Indien verstreuten Kinder nach Hause zu den Eltern. Aber: Es gibt bei den indischen Christen keine Bescherung. Auch die Erwachsenen schenken sich nichts. Das ist dem Nationalfest Onam Ende August vorbehalten.

Eine Besonderheit ist das „Carol-Singing“, das Weihnachtssingen. Gruppen von Jugendlichen laufen am Abend und in der Nacht des 25. Dezember von Haus zu Haus und singen festliche Lieder. „Die Einwohner warten darauf“, sagt Cyril. Egal ob es 10 Uhr abends oder 2 Uhr früh ist: Den Singenden wird die Tür geöffnet und sie bekommen Spenden. „Hier ist es unvorstellbar, dass jemand von einer Musikgruppe mitten in der Nacht aus dem Bett geklingelt wird“, grinst Sudeesh. Den Jugendlichen macht die Aktion, für die sie vorher die Lieder einüben, großen Spaß. Nikolaus als Christmas Papa und das Christkind sind bei dieser Gelegenheit auch mit dabei.

In der Heimat der Patres gibt es eine Art „Wettkampf“, wer die schönste Krippe baut, erzählen die beiden. In einem Gebetskreis sind zwischen zehn und 15 Familien organisiert, die sich übers Jahr abwechselnd treffen. Sie überbieten sich bei dieser „Challenge“ quasi selbst in der Gestaltung. Der Sieger bekommt einen Preis. Cyril erinnert sich, wie auch er früher mit den Eltern eine Krippe aufbaute und festlich schmückte. Damals gab es keinen Fernseher und keinen Computer. „Wir haben tagsüber draußen gespielt.“

Im ganzen Dorf gibt es am 25. Dezember quasi einen „Tag der offenen Tür“: Die Kinder gehen von Haus zu Haus, besuchen andere Familien und schauen sich die Krippen an. „Die kommen nur zum Essen wieder nach Hause“, meint Sudeesh. „Es ist so warm, dass sich die Menschen sowieso draußen aufhalten und alles offen ist“, erläutert er.

Den Tannenweihnachtsbaum haben die Inder erst in Deutschland kennengelernt. In Kerala „nehmen wir irgendeinen Baum und schmücken diesen mit Sternen, Kugeln und Glitzer“, lacht Cyril. Den Adventskranz mit seinen vier Kerzen kannte er auch noch nicht. „Das ist eine schöne Bereicherung“, sagt er. Das Anzünden der Adventskerze empfindet er als etwas Besonderes.

Das war’s dann aber auch mit dem Weihnachtsfest. „Einen zweiten Feiertag gibt es bei uns nicht“, erläutert Cyril. Wie auch keinen Nikolaustag oder Heilige Drei Könige. Da Hindus und Muslime die Bevölkerungsmehrheit stellen, werden nicht so viele christliche Feiertage begangen. Beide freuen sich schon, im Januar wieder in ihre Heimat zu fliegen – und in den Sommer.

Der 1977 geborene Cyril Thundathil trat nach der Schule in den Karmeliten-Orden ein. 2003 wurde er nach drei Jahren Theologiestudium zum Priester geweiht. Im Oktober 2004 kam er nach Deutschland. Zuerst lernte Cyril in Bonn und danach in Köln die deutsche Sprache, war danach fast fünf Jahre Mitglied im Karmeliterkloster Mainz. Vor der Pastoralausbildung absolvierte der Pater zwei Praktika, eines als Krankenhausseelsorger an der Charité in Berlin und eines in der Gemeindepastoral der Pfarrgruppe Nieder-Olm in Rheinhessen. Seit November 2006 war er dann im Bistum Mainz tätig. Dass es ihn nach Deutschland verschlagen würde, war nicht vorgezeichnet, aber auch kein absoluter Zufall. Denn die indische Niederlassung des dortigen Karmeliterordens war vor einigen Jahrzehnten von einem Deutschen gegründet worden. Seit knapp drei Jahren ist er nun Pfarrer in St. Bartholomäus Mörlenbach und Herz Jesu Weiher. Um 15 Uhr gestaltet er am 24. Dezember die Kinderkrippenfeier, um 17.30 Uhr den Weihnachtsgottesdienst und um 22.30 Uhr die Christmette, jeweils in St. Bartholomäus Mörlenbach.

Zwölf Jahre Ausbildung liegen hinter dem 38-jährigen Sudeesh. Für ihn war es schon früh klar, wohin sein Weg führen würde. Er war Ministrant in seinem Bezirk mit einem hohen christlichen Bevölkerungsanteil. Sudeesh entschied sich schon während der Schulzeit, Priester zu werden und fragte dort nach, aufgenommen zu werden. Er besuchte Priesterseminare der Karmeliter in Kothamangalam und Bangalore. „Das Christentum hat eine schöne Tradition in unserer Heimat“, erläutert der Pater. Er wurde nach seinem Studium 2008 zum Priester geweiht und kam 2015 nach Deutschland, wo in Mainz unter anderem Deutschkurse auf der Tagesordnung standen. Seit Sommer 2017 ist er im Kloster Hirschhorn. Der 38-Jährige ist als Pfarrvikar/Kaplan bei Pfarrer Peter Pristas in der Pfarrgruppe Überwald mit ihren Teilorten Wald-Michelbach, Unter-Schönmattenwag, Aschbach und Hammelbach tätig. In letzterem Ort hält er am 24. Dezember um 18 Uhr die Christmette in der katholischen Kirche.

Schöner Abschluss eines anstrengenden Jahres an der Grundschule

„Sehr gut besucht und eine tolle, besinnliche Atmosphäre“. So fasste Simone Hentschel-Gärtner den ersten kleinen Weihnachtsmarkt zusammen, den die Grundschule Schimmeldewog auf ihrem Schulhof veranstaltete. Das Orga-Team hatte Stehtische, Feuertonnen und –schalen sowie Sitzgelegenheiten organisiert, damit es trotz des kalten Wetters richtig schön gemütlich wurde. Kerzen und ein Weihnachtsbaum rundeten das weihnachtliche Ambiente ab.

Alles lief auf Spendenbasis: Wer sich an den verschiedenen Verpflegungsmöglichkeiten bediente, durfte etwas in die dafür vorgesehenen Dosen zugunsten des Fördervereins werfen. Die Betreuung, geleitet von Corina Mähler, Stephanie Weihrauch und Marco Amico, bot selbstgebackene Plätzchen an. Andere kulinarische Spezialitäten wurden über den Förderverein organisiert. Die Eltern gestalteten ein kleines Büffet, das in der Aufführungspause eröffnet wurde. Dazu gab es heiße Getränke wie Chai-Tee und warmen alkoholfreien Punsch sowie Kaffee.

Die beiden Schulsprecher Silas Brand und Aurelia Bogs führten durchs Programm, Jacob Abeln moderierte und sagte die Aufführungen an. „Die haben sich toll entwickelt“, freute sich die kommissarische Schulleiterin. Von den Eltern und Großeltern bekam Hentschel-Gärtner sehr positive Rückmeldungen.

Das Programm gestalten die Kinder selbst und holten sich dabei bei Bedarf Unterstützung durch die Lehrer. Die Veranstaltung wurde nicht nur mit Weihnachtsliedern eröffnet, sondern klang auch mit diesen aus. Musiklehrerin Anna Bachner hatte sie im Unterricht und beim Montagssingen eingeübt. Zwischendrin gab es zwei kleine Sketche der Theater-AG, die von Hentschel-Gärtner und Petra Schuhmann betreut wird.

Einige Schüler aus der vierten Klasse spielten auf ihren Instrumenten, unterstützt von ihrem Klassenlehrer Matthias Dautel. Von den Flexklassen gab es etwas auf der Flöte zu hören. Schüler der dritten Klasse trugen Gedichte vor, die ihre Klassenlehrerin Isabel Fontius mit ihnen eingeübt hatte. „Die Feier kam sehr gut an“, sagte Hentschel-Gärtner. Deshalb soll es auch eine Fortsetzung geben, aber nicht unbedingt im jährlichen Rhythmus. Denn Ende kommenden Jahres laufen gerade die Vorbereitungen für das große Theaterprojekt im Jahr 2020.

Die kommissarische Leiterin verdeutlichte, „dass wir kommendes Jahr auf jeden Fall wieder am Weihnachtsmarkt im Ort teilnehmen werden“. Das war dieses Mal aus organisatorischen, internen Gründen leider nicht möglich. Die schulische Veranstaltung, sehr kurzfristig angerannt und von den Kindern auf die Beine gestellt, war „ein schöner Abschluss eines anstrengenden Jahres“, betonte sie. „Wir sind ein bisschen zusammengerückt.“

Tolle musikalische Zusammenarbeit im MGV Sängerbund

Ein langer Abend in gemütlicher Runde mit vielen bekannten Gesichtern und einem großen Programm. Die Weihnachtsfeier des MGV Sängerbund ist schon schöne Tradition im Verein. Sie wurde bereichert durch diverse Liedbeiträge der verschiedenen Chöre. Natürlich durfte auch der Nikolaus nicht fehlen, der einige Geschenke für die Kleinen im Gepäck hatte. Neben einem Rückblick aufs abgelaufene Jahr standen daneben eine Vorausschau auf 2019 und Ehrungen von Mitgliedern an.

Die Kinder waren zuerst dran: Unter der Leitung von Katharina Zink gab es von den „Cantante Cintura Kids“ Lied- und Gedichtvorträge wie „In der Weihnachtsbäckerei“ oder „Feliz Navidad“ zu hören. Bevor der Nikolaus seine Gaben an die 40 anwesenden Jüngsten verteilte, trug ihm der Kinderchor noch ein Gedicht vor. Zwischendurch gab es eine kleine Gesangseinlage mit allen Besuchern, die in Form eines Kanons von Katharina Zink mit diesen humorvoll einstudiert wurde.

„Wieder naht der heilge Stern“, „Nativity Carol“ und „Es gibt nen Mann der alles kann“ hießen die Lieder des Frauenchors, die dieser unter der Leitung von Anna Stumpf vortrug. Gemeinsam mit Katharina Zink sang die Frauenchor-Leiterin im Anschluss das Weihnachtssegen-Duett aus der Oper Hänsel und Gretel. Die Männer, dirigiert von Hans-Joachim Karl, waren dann unter anderem mit dem „Trommellied“ und den „Weihnachtsglocken“ an der Reihe.

Hans Martin hat ein gutes Auge. Der jahrzehntelange Sänger gewann nach dem Vorjahr wieder das Schätzpaket. Es galt zu erraten, wie schwer der von der Metzgerei befüllte Teller mit Schinken und Wurst war. Das reichhaltige Nachtisch-Büffet hatten Sängerfrauen und Mitglieder gespendet.

Vorsitzender Christian Jöst dankte den drei Dirigenten für die tolle musikalische Zusammenarbeit und die in diesem Jahr erreichten Ziele. Aktuell hat der Kinderchor 18 Mitglieder, die Frauen zählen 25 Stimmen und die Männer 40 Sänger. Im kommenden Jahr will man mit Nachdruck Sängerwerbung betreiben, um wieder neue Mitglieder für die Mitwirkung in den Chören begeistern zu können. Jöst äußerte seine Freude über die stetige Weiterentwicklung der verschiedenen Klangkörper.

In seinem Resümee blickte der Vorsitzende unter anderem auf viertägige Tour des MGV an den Lago Maggiore zurück. Zusammen mit dem „Coro Arnica“ aus Laveno Mombello gaben Frauen- und Männerchor ein Benefizkonzert zur Orgelrenovierung in der Pfarrkirche Invenzione di Santo Stefano. Die berühmte Orgel im Ortsteil Mombello stammt von den Gebrüdern Pietro und Lorenzo Bernasconi aus dem Jahr 1874. Beide griffen dabei auf die schon einstudierte geistliche Literatur von der Romantik bis zur Moderne zurück, die bereits im Kirchenkonzert in St. Johannes der Täufer aufgeführt worden war. Der Coro Arnica brachte vor allem folkloristisches Liedgut zu Gehör. Die Chorfreundschaft der Italiener in den Odenwald wurde gefestigt und weiter ausgebaut.

Ein weiterer großer Erfolg war die Teilnahme am hessischen Chorfestival während der Landesgartenschau Bad Schwalbach. Das Golddiplom in der A-Klasse bedeutete den Titel „Meisterchor des Hessischen Sängerbundes 2018“. Außerdem gab es noch für den MGV als einzigen Teilnehmer den Sonderpreis für bestes Wettbewerbsprogramm und Literatur für die stilistische und technische Vielfalt der vier dargebotenen Stücke. Jöst erwähnte außerdem die Tagesbestleistung beim Singen in Graben-Neudorf.

2019 steigen die Frauen wieder in die Wettbewerbsteilnahmen ein, unter anderem in Reichartshausen. Außerdem gibt es am 16. März als Nachklapp zum 20-jährigen Bestehen des Frauenchors 2018 einen Workshop unter dem Titel „Reine Frauensache“. Hierzu sind auch Sängerinnen anderer Chöre sowie Einsteigerinnen eingeladen. Beide Chöre werden dann in Lampenhain ihre Stimmen erklingen lassen, die Männer außerdem noch in Pohl-Göns. In dieser Sängerhochburg wird wieder alles vertreten sein, was Rang und Namen hat, freute sich Jöst über die Herausforderung.

Sein Dank ging außerdem an die Mitglieder des 200 Köpfe zählenden Vereins, die in diesem Jahr wieder tatkräftig bei den verschiedenen Festen mithalfen. Kerwe, 1.-Mai-, Schlacht- und Oktoberfest wären ohne die Treue der Sängerfamilie gar nicht zu stemmen, meinte er. Der MGV unterstrich damit seinen Stellenwert als ein gewichtiger Träger des gesellschaftlichen Lebens im Ort. Gefeiert wurde dann noch bis tief in die Nacht bei leckeren Cocktails an der Ski-Bar, um die sich jedes Jahr Kirsten und Holger Ehret kümmern.

Info: Am Samstag, 5. Januar, findet die alljährliche Winterwanderung des MGV Sängerbund statt, die um 14 Uhr am Sängerheim beginnt. Anmeldung noch bis zum 27. Dezember beim Vorsitzenden Christian Jöst, Telefon 0176/97900709. Am Freitag, 18. Januar, findet um 20 Uhr die Jahreshauptversammlung im Sängerheim statt.

VdK ist für viele Bürger eine wichtige Anlaufstelle

Volles Haus bei der Jahresabschlussfeier des VdK-Ortsverbandes Schönmattenwag. Im katholischen Gemeindehaus kamen Mitglieder und Gäste zu einem gemütlichen Beisammensein am Ende des 70. Jubiläumsjahres zusammen. Der VdK hatte aus diesem Anlass bei jedem Termin zu kostenlosen Schnittchen sowie Kaffee und Kuchen eingeladen. Mit einem kleinen Medley an Weihnachtsliedern stimmte Gabriele Forrester die Besucher auf den Nachmittag ein.

Die Vorsitzende Renate Lautenschläger begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste. Sie freute sich über den sehr guten Besuch. „Alle Plätze waren besetzt“, meinte sie. Bei ihren Dankesworten an die Vorstandskollegen erwähnte sie auch ihren Mann Michael, der sie im abgelaufenen Jahr tatkräftig unterstützte. Derzeit wird in Wald-Michelbach ein Seniorenbeirat gegründet, in dem sie eine Mitarbeit anstrebt, erläuterte Lautenschläger.

In Schönmattenwag sei der VdK für viele Bürger eine wichtige Anlaufstelle, ein Ort, „wo sie sich angenommen fühlen und sicher sein können, dass man ihnen Hilfe und Unterstützung bietet“, sagte die Vorsitzende. Das müsse nicht immer etwas Großartiges sein. „Manchmal ist es nur ein freundliches Wort“, die Frage nach dem Befinden eines erkrankten Angehörigen oder das Angebot, jemanden im Auto zu einer Veranstaltung mitzunehmen, betonte sie. „Jeder spürt, dass hier eine starke Gemeinschaft besteht, die den Einzelnen mitträgt.“

Lautenschläger nannte als Markenzeichen des VdK die Solidarität und die Unterstützung von Hilfebedürftigen. „Diesem Anspruch müssen wir gerecht werden.“ Denn für viele Menschen sei der Sozialverband die erste Anlaufstelle in Notsituationen – für manche sogar die einzige. „Wir lassen keinen allein. Für uns ist jeder wichtig“, laute das Leitbild.

Auf der kürzlichen Ortsbeiratssitzung monierte die nochmals die fehlenden Geländer auf dem oberen Teil des Friedhofs in Unter-Schönmattenwag und bat darum, da Abhilfe zu schaffen, erläuterte die Vorsitzende. „Ich werde dran bleiben“, versprach sie. Die immer weiter aufklaffende Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland und verschiedene Forderungen des VdK hatte Lautenschläger bereits auf der Jahreshauptversammlung thematisiert, wie sie darlegte.

Bürgermeister Dr. Sascha Weber übermittelte die Grüße der gemeindlichen Gremien und richtete Dankesworte an den Vorstand für die geleistete ehrenamtliche Arbeit. Er verwies auf den geplanten Seniorenbeirat und bedauerte, dass außer Renate Lautenschläger niemand aus Gesamt-Schönmattenwag bisher Bereitschaft zur Mitarbeit signalisiert habe.

Ortsvorsteher Hans-Dieter Martin, selbst VdK-Mitglied, ging in erster Linie auf die „Vision Bergstraße“ ein und stellte diese ausführlich vor. Sein weiteres Hauptaugenmerk galt der „SOS-Dose“, die sowohl bei der Gemeindeverwaltung als auch bei der VdK-Ortsgruppe zu erhalten ist. Hier merkte Lautenschläger an, dass der Ortsverband für seine Mitglieder die Kosten hierfür übernimmt.

Bei der kommenden Veranstaltung im März soll die jetzt bestellte Dose in blauem VdK-Design ausgeteilt werden. Außerdem ist dann die Anmeldung für die geplanten Ausflüge möglich. Aus dem Kreise der Anwesenden wurde Interesse signalisiert. Hans-Dieter Martin erläuterte ausführlich den Inhalt und Nutzen. Er verdeutlichte darüber hinaus, dass der Ortsbeirat für alle Beschwerden, Wünsche und Anregungen der Bürger immer ein offenes Ohr hat.

Nach einem gemeinsam gesungenen Weihnachtslied wurde das Kuchenbuffet eröffnet. Zwischen zwei weiteren Liedern trug Margret Becker die Weihnachtsgeschichte „Himmelsfenster“ vor. Danach erfolgte eine Power-Point-Präsentation des diesjährigen Ausflugs nach Celle und in die Lüneburger Heide. Anhand von Fotos ließ Lautenschläger die sechs Ausflugstage anschaulich Revue passieren lassen und sorgte für so manches Hallo.

Mit dem Nikolaus-Lied wurde im Anschluss daran der Mann mit Rauschbart, VdK-Mitglied Heinz Höfler, begrüßt. Er leitete mit zwei kurzen Anekdoten die Bescherung ein. Zum Abschluss stellte Renate Lautenschläger noch die Termine für das kommende Jahr vor, wozu natürlich auch wieder Ausflüge zählen.

Info: Weiteres auf www.vdk.de/ov-schoenmattenwag/

Bei der „SOS-Rettungsdose“ handelt es sich um ein Angebot für Menschen, die zuhause leben. Weil man im Notfall nicht immer alle Fragen von Helfern gleich beantworten kann, enthält die Rettungsdose ein Datenblatt mit wichtigen persönlichen Informationen für den Notfall. Die SOS-Dose beinhaltet das ausgefüllte Blatt. Sie wird in der Innentür des Kühlschranks gut sichtbar aufbewahrt. Durch einen Aufkleber an der Wohnungs-/Hauseingangstür (innen) und einem zweiten an der Kühlschranktür (außen) wissen die Helfer-Dienste sofort, dass eine SOS-Dose vorhanden ist.

200 Jahre alter Laufbrunnen in Dürr-Ellenbach sprudelt wieder

Jahrzehnte hatte er unter Schlamm und Dreck gesteckt, jetzt ist der alte Glanz wieder sichtbar. Unter der Regie von Revierförster Stefan Aßmann wurde der steinerne Laufbrunnen unterhalb des ehemaligen Forsthauses in Dürr-Ellenbach mit Forstamtskräften wieder freigelegt. „Bis über den Rand hinauf war alles voll mit Erde“, deutet Aßmann auf die deutlich sichtbaren Spuren an der nebenan liegenden Sandsteinmauer. „Adam Gölz 1830“ ist auf einem der beiden Tröge („Särge“) zu lesen. „Der erste war für die Menschen, der zweite, hintere, für die Tiere“, so der Hartenroder.

Bereits 200 Jahre alt ist der Brunnenstock. Die Inschrift „N 1818 G“, (Nikolaus Gölz 1818) ist unterhalb des verzierten Kopfes auf ihm zu finden. „Vorher war das total versumpft“, erläutert Aßmann seinen Überwald-Försterkollegen bei einem Treffen. „Von den Trögen war nichts mehr zu sehen“. Der Wasserspender, vorher weiter unten am Stock angesiedelt, musste etwas nach oben verlegt werden, da der Druck nicht mehr ausreichte. Aßmann zeigte sich über die Unterstützung des Bauhofs dabei dankbar.

Über einen Meter hoch hatte sich die Erde über dem steinernen Laufbrunnen angesammelt. Die wurde von den Arbeitskräften im Laufe der vergangenen zwei Monate abtransportiert. Nun sprudelt der Überlauf der Forsthausquelle wieder fröhlich vor sich hin. Aßmann hatte schon längere Zeit die Idee, den 200 Jahre alten Brunnen wieder freizulegen. „Ich wollte damit auch der Falschmeldung entgegentreten, dass ihn Hessen-Forst verkauft hätte“, schmunzelt er.

Früher war die Funktion eines Brunnen vielfältiger. Er war nicht nur – gerade im Odenwald – Spender sauberen Trinkwassers, das ohne Probleme genossen werden konnte, sondern diente auch als Waschmaschine, Kühlschrank oder Badewanne. Das kühle Quellwasser war in heißen Sommern eine willkommene Erfrischung.

Das ehemalige Forsthaus ist heute die Wohnung von Förster Florian Koch. Das dazugehörige Revier Dürr-Ellenbach gibt es allerdings seit 2005 nicht mehr. Es ist seit der Reform 2005 Teil des Reviers Wald-Michelbach, das von Aßmann betreut wird. Koch ist stattdessen für das sich südlich anschließende Revier Schönbrunn mit dem Hauptort Unter-Schönmattenwag zuständig, das er seit dem „Umzug“ des dortigen Leiters Alex Scheuermann nach Ober-Sensbach kommissarisch leitet.

Aßmann erklärt seinen Kollegen, „dass das – 2017 renovierte – Forsthaus nicht als solches gebaut wurde“. Es ist das einzige verbliebene Gebäude des damaligen Weilers, der vor 1850 über 50 Bewohner zählt. Für die dortigen Kinder gibt es sogar ein eigenes Schulhaus. Das „Kurfürstengut“ – als klassisches Beispiel eines Odenwälder Hubenguts, einer Hofreite – wurde Ende des 18. Jahrhunderts errichtet.

Das aus drei Steinen bestehende rundbogige Türgewände des ehemaligen Pferdestalls trägt noch die Inschrift „Iohan Georg Goeltz 1793 Eliesabetha Gölzin“. In einem der beiden Kellerräume ist heute die Wildkammer untergebracht. Dort werden die geschossenen Tiere gewogen und aufbewahrt, erläuterte Aßmann. Im rechten Keller befindet sich die Wasserversorgung.

Als 1853 der 62-jährige Besitzer Adam Gölz stirbt, will keines seiner Kinder den Hof übernehmen. Bereits zu dieser Zeit hatte die Abwanderung aus dem Überwald eingesetzt. Ein Jahr später kauft das Grafenhaus zu Erbach-Erbach den Besitz auf. Immer mehr Gebäude werden von diesem in den Folgejahren „auf Abbruch“ veräußert, weswegen sich auch in anderen (Fachwerk-)Häusern der Umgebung Material aus Dürr-Ellenbach findet.

1928 verkauft das Fürstenhaus den Besitz ans Land Hessen, 1936 wird von Aschbach her eine Stromleitung gelegt. Menschliche Besiedlung gibt’s außer dem Förster zu dieser Zeit praktisch schon keine mehr. Auf einer alten Postkarte aus dem Jahr 1921 wird Dürr-Ellenbach noch als das „kleinste Dorf Deutschlands“ tituliert. Damals wird im Hof Flaschenbier an Wanderer verkauft, was die Behörde aber später untersagt.

Die gegenüber liegende große Stallscheuer „ist noch im Originalzustand von vor 200 Jahren“, erläutert Aßmann. Da sie unter Denkmalschutz steht, ist die Sanierung nicht einfach. Über dem Türsturz steht die Inschrift „Diesen Bau hatt erbauet Georg Gölz und dessen Ehefrau Elisabätha im Jahr 1812“. Das neben dem Wohnstallhaus befindliche Backhaus wurde vor kurzem hergerichtet und soll in spe wieder in seiner ursprünglichen Funktion genutzt werden.

Dürr-Ellenbach war ein Ort, dessen Gemarkung mit Aschbach, einem Ortsteil von Wald-Michelbach im südhessischen Kreis Bergstraße, vereinigt wurde. Von dem Ort ist nur ein Forsthaus übrig geblieben. Die nächstgelegenen Ortschaften sind Aschbach im Westen, Affolterbach im Norden, Olfen im Osten sowie Raubach und Ober-Schönmattenwag im Süden. Die erste Erwähnung findet sich 1437 als „Dorn Elbach“ im Urkundenbuch des Staatsarchives Darmstadt des Ortes Ober-Schönmattenwag. Die spätere Geschichte ist weitgehend mit der Aschbachs identisch. So wird auch Dürr-Ellenbach 1803 hessisch. Ab 1821 wird der Ort von der Bürgermeisterei in Gadern des Landratsbezirks Lindenfels im Großherzogtum Hessen verwaltet. Es kam 1832 zum Kreis Heppenheim und gehörte zwischenzeitlich (1852–1874) zum Kreis Lindenfels, bevor der Kreis Heppenheim im heutigen Kreis Bergstraße aufging. Als Mitte des 19. Jahrhunderts die Lebensverhältnisse im Odenwald immer schlechter wurden, wanderte fast die gesamte Einwohnerschaft nach Amerika aus. Um 1829 werden noch 52 Bewohner gelistet, gegen 1895 nur noch drei. Übrig blieb bis heute nur der Hof des Johann Georg Göltz, der „Mittlere Hof“ oder „Kurfürstenhof“, der dann als gräfliches Forsthaus und später als Revierförsterei bzw. Dienstwohnung genutzt wurde. Nach der Forstreform 2005 wurde das Forstrevier Dürr-Ellenbach aufgelöst.

 

Für Sabine Heutz hat sich in St. Marien ein Kreis geschlossen

Eine Rückkehr in den Kindergarten 30 Jahre später: Für Sabine Heutz hat sich ein Kreis geschlossen. Die 36-Jährige aus Unter-Schönmattenwag besuchte als Kind selbst St. Marien und kehrte dorthin nun nach dem Sommer als neue Leiterin zurück. Heutz traf dort auf eine „alte Bekannte“: ihre ehemalige Erzieherin Ria Lahn, die hier bereits seit 1980 arbeitet. Zusammen mit Stellvertreterin Anika Kunkel-Berger und fünf weiteren Erzieherinnen kümmert sich das Team um derzeit 39 Kinder. Die Aufgaben sind in den vergangenen Jahren ständig gewachsen und veränderten sich, stellen die beiden fest.

Nachdem Sabine Heutz zwischenzeitlich im Ried arbeitete, führte der Weg die junge Familie während ihres Mutterschutzes wieder zurück in den Überwald, nach Unter-Schönmattenwag. „Wir haben in der Straße meiner Eltern ein Haus gebaut“, erzählt sie. Die Übernahme der Kita-Leitung war keineswegs vorgezeichnet. „Ich bin Anfang des Jahres reingerutscht“, schmunzelt sie. Zu Beginn gab es eine Integrationsstelle mit 15 Wochenstunden. Da ihre zweijährige Tochter ebenfalls St. Marien besucht, „hatte ich die Möglichkeit, mehr zu arbeiten“, lächelt Heutz. „Die Leitung in Schönmattenwag ist naheliegender als in Lampertheim“, ergänzt Kollegin Anika Kunkel-Berger.

Landauf, landab steigt der Bedarf an Betreuungsplätzen für unter Dreijährige. „Wir bauen ständig den U3-Bereich aus“, erläutert Heutz. Gerade wurde im Obergeschoss ein neuer Schlafraum gestaltet, damit die Kinder in Ruhe ihren Mittagsschlaf halten können. Außerdem kaufte man neue Möbel. Ab dem Sommer 2019 „gibt es viele U3-Anmeldungen“, weiß die Leiterin. „Das bedeutet für uns andere Anforderungen, weil es die pädagogische Arbeit verändert.“ Deshalb bereitet sich das Team bereits jetzt darauf vor.

Anika Kunkel-Berger weist auf die „Herausforderung Ganztagsbetreuung“ auch auf dem organisatorischen Sektor hin. Es gibt nur 20 Essensplätze bei 39 Kindern. „Da müssen wir Platz-Sharing betreiben“, lächelt sie. Inzwischen „geht fast jede Mutter arbeiten“, ergänzt Heutz. Da die Arbeitsplätze aber weiter entfernt sind und längere Anfahrtswege bedeuten, reicht ein Halbtagsplatz im Kindergarten oft nicht mehr aus.

Für die Erzieherinnen heißt das umdenken. „Ein Kind, das ganztags bei uns ist, braucht eine andere Betreuung“, verdeutlicht Heutz. Dann ist nicht nur Spielen angesagt, sondern die Erziehung „spielt ein gutes Stück mit rein“. Gerade die Jüngeren brauchen in diesen acht Stunden „mehr Zuwendung, Ruhe, Rückzugsmöglichkeiten“, sagt Kunkel-Berger. Für sie ist auch eine 1:1-Betreuung, dass sich eine Erzieherin mit einem Kind beschäftigt, wichtig.

Als die Kinder nur ein paar Stunden in der Kita waren, „haben wir beim Spielen unterstützt“. Heute dagegen „fördern wir die Entwicklung aktiv mit“. Eine große Veränderung zur Arbeit „am Beginn meiner Laufbahn“. Auf dem Dorf, freuen sich die beiden Erzieherinnen, „ist noch ein Stück weit heile Welt“. Die Eltern seien realistisch. In der Stadt, so die Erfahrung von Heutz, „gibt es mehr Ansprüche“.

Die Kindergarten-Leiterin betont die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Eltern. „Nur wenn diese uns vertrauen, können wir in dieser Form arbeiten.“ Es sei wichtig, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Im Gegensatz zu früher gibt es heutzutage Eingangsgespräche, um zu erfahren, welche Rituale die Kleinen haben. „Wir sind immer im Austausch“, hebt sie hervor.

Eine klassische Vorschulerziehung gibt es nicht mehr. „Wir stärken die Stärken der Kleinen“, so die Leiterin. „Und holen sie dort ab, wo sie sind“, ergänzt Kunkel-Berger. Die Förderung von sozialer Kompetenz steht im Fokus. Es geht darum, im Team mit den anderen eine Lösung zu finden. Heutz weist in diesem Zusammenhang auf die enge Kooperation mit der 200 Meter entfernten Grundschule hin. „Die Schüler kommen einmal die Woche und lesen vor“, erläutert sie.

Dem Team in St. Marien ist der christliche Auftrag wichtig. Unterstützung erhält es beim Gottesdient und in der religiösen Erziehung von den ehrenamtlichen Helfern. Heutz freut sich über die Unaufgeregtheit von Eltern mit anderer Religionszugehörigkeit. „Die türkischen Kinder dürfen mit in den Gottesdienst.“ Noch so eine Sache, die zum Bild der heilen Welt beiträgt. „In der Stadt ist das nicht so unproblematisch.“

Nach ihrem Vorpraktikum in St. Marien Schönmattenwag und der Ausbildung zur Erzieherin machte Sabine Heutz ihr Anerkennungsjahr in Affolterbach, um dann acht Jahre in der Heinrich-Schlerf-Kita in Wald-Michelbach tätig zu sein. Parallel absolvierte sie das Studium soziales Management im Bereich Kindertagesstätten, das die 36-Jährige mit dem Fachwirt in Organisation und Führung abschloss. Darauf folgten sechs Jahre als Leiterin einer katholischen Einrichtung in Lampertheim. Im katholischen Kindergarten St. Marien Unter-Schönmattenwag werden derzeit 39 Kinder in einer U3-Gruppe für Zwei- und Dreijährige und in einer altersgemischten Ü3-Gruppe für Vier- bis Sechsjährige von sieben Erzieherinnen betreut.