Großes Interesse der Kinder am alten Brauchtum

Mit etwas Verspätung erreichte Apfelkönigin Melanie II. den „Markt für regionale Produkte“ in Wald-Michelbach. Am Stand des Vereins für nachhaltige Landwirtschaft (LUNA) konnte sie sich erst einmal bei frisch gekeltertem Apfelmost und leckerer Kartoffelsuppe zwischen leuchtenden alten heimischen Apfelsorten entspannen und stärken. Derweil waren auch die Reinholds aus Wald-Michelbach eingetroffen. Die fünfköpfige Familie war schon vor einigen Wochen bei der Kartoffelernte in Kocherbach dabei. Die drei Jungen hatten beim Kartoffel-Lesen die ausgefallensten Erdäpfel gefunden, für die vom Verein ein Preis beim nächsten Fest versprochen wurde.

Nun warteten sie mit großer Vorfreude auf die Preisverleihung. Genauso gespannt waren Maxime Mauermann sowie Julia und Jan Ader, die für ihre emsige Mitarbeit auf dem Kartoffelacker, beim Äpfelsammeln auf den Streuobstwiesen des Vereins, beim Dosenwerfen für Kinder und Keltern des zuckersüßen Apfelmostes am Luna-Stand auf der Hofwiese Preise als großes Dankeschön erhielten. Auch Emma Schröder hatte sich durch ihre Mithilfe beim Keltern ebenfalls einen Preis verdient.

Vorstandsmitglied Thomas Langer bedankte sich im Namen des Vereins für das große Interesse der Kinder am alten Brauchtum und ihr tolles Engagement. Übereinstimmend machte ihnen die „Feldarbeit“ einen Riesenspaß. Nur das Kartoffelfeuer mit den darin gerösteten Kartoffeln muss Luna bei der nächsten Ernte noch entzünden. Die jungen Preisträger und ihre Eltern beschlossen, die Preise in Form von Freikarten für die Sommerrodelbahn und einen Besuch im daneben liegenden Kletterwald gemeinsam zu nutzen.

„Die Rückmeldungen zu unseren Bio-Kartoffeln sind durchgehend positiv“, erzählte Luna-Kassenwart Jürgen Klieber, während er zwei Kilo davon auf einer alten Waage abwog und einer jungen Frau überreichte. Bei der Gelegenheit schnitt er ihr gleich noch einen kleinen leuchtend roten Apfel auf, der aussah, als käme er direkt aus dem Schneewittchen-Märchen.

„Wir verfolgen ja schon seit längerer Zeit eure Arbeit und Informationsveranstaltungen. Jetzt konnten wir uns auch einmal direkt ein Bild machen. Macht bitte weiter so“: Viele solcher positiven Rückmeldungen brachten den zweiten Vorsitzenden Heinz Trautmann spontan zur Zusage, im nächsten Jahr wieder mit einem Stand am Regionalmarkt dabei zu sein. Etliche Kunden bestellten bereits größere Mengen Biokartoffeln und Äpfel für das kommende Jahr vor.

Vereinsvorsitzender Gerhard Ader ist überzeugt, dass das Bewusstsein für nachhaltige Landwirtschaft auch im Odenwald noch weiter zunehmen wird. Er sieht die Aufgaben für den Verein nicht weniger werden. „Ich habe schon einige Ideen, was wir nächstes Mal noch besser machen können“, so der Kocherbacher. Dafür setzt der Verein auf die tatkräftige Mithilfe seiner Mitglieder, von denen immerhin fast 20 an diesem sonnigen Herbsttag viel Freude bei den zahlreichen Verkaufsgesprächen hatten.

Info: Wer sich für die Arbeit von LUNA interessiert, kann sich jederzeit unter http://www.luna-kocherbach.de und bei Facebook informieren.

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Backtage Wald-Michelbach: „Der Zulauf war in diesem Jahr viel stärker als 2017“

Egal wie viel Sauerteigbrot Gundolf Reh und Dieter Kunkel backen, es wird ihnen immer bis zum letzten Krümel aus den Händen gerissen. Zum Abschluss der diesjährigen Backsaison war es mit 108 Kilo, also 108 Brotlaiben, sogar die doppelte Menge gegenüber sonst. Es half alles nichts, schmunzelte Reh: Knappe fünf Minuten nachdem die wohlschmeckenden Doppelpfünder aus dem Backhaus auf der Hofwiese gekommen waren, waren sie schon verkauft. Mit den Kuchen der Landfrauen verlief es ähnlich. Ein erfolgreicher Abschluss einer sowieso sehr guten Saison.

Wenn Heimat- und Museumsverein sowie die Überwälder Landfrauen zu ihrem Backtag rufen, können sie sich sicher sein, dass Brote und Kuchen weg gehen wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. So war es auch wieder beim letzten Backtag am Einhaus in diesem Jahr, der zusammen mit dem Regionalmarkt auf der Hofwiese stattfand. Um die 600 Kilo Sauerteig-Brotlaibe zu je einem Kilo wurden in diesem Jahr an sieben Terminen gebacken, rechnete Gundolf Reh aus. 72 Kilo waren es „im Normalfall“ an jedem Backtag.

Das herrliche Wetter in diesem Jahr trug zur großen Nachfrage bei. Die Draisinengäste sorgten bereits zum Start am Freitag für guten Besuch. Wenn abends die erste lecker riechende Fuhre produziert wird, „kommen bereits Besucher“, weiß der Vorsitzende des Heimat- und Museumsvereins. Die Mund-zu-Mund-Propaganda wirkt, dann inzwischen stellt er Besucher aus einem Umkreis von 50 Kilometern und mehr fest. Dazu kommen etliche Wanderer, die auf der Hofwiese Station machen. „Der Zulauf war in diesem Jahr viel stärker als 2017“, beobachtete Reh.

Der Überwald schien an diesem Tag absolut ausgehungert zu sein. Bereits um 5 Uhr morgens schritt Dieter Kunkel wieder zur Tat, nachdem Reh am Vortag noch bis 23.30 Uhr vor Ort war, um die Rückkehrer der Nachtwächterführung zu verköstigen. Nachdem die mehr als 120 Stück Riwwel- und Apfelstreuselkuchen aus dem Ofen waren, gab es später noch Pizza, als ab 12 Uhr das Begegnungscafé stattfand. „Im April 2019 geht’s weiter“, hatte Reh als Trost für all die parat, die dieses Mal nicht zum Zuge kamen.

Da der Backofen einige Zeit zum Vorheizen braucht, wird er schon am Vortag angeworfen. Zweieinhalb Stunden dauert die Befeuerung mit Holz, dann ist die komplette Ladung drin. So wird der Ofen am ersten Tag auf 560 Grad vorgeheizt, ehe er wieder runterkühlt, damit die Zweipfünder-Brote reingeschoben werden können. Wenn die Schamottsteine weiß werden, ist die richtige Hitze erreicht.

Wofür die Bäcker in früheren Zeiten durch die häufige Arbeit damit schon ein Gefühl hatten, muss heute erst noch einmal sorgfältig geprüft werden: mit einer Zeitung. „Wenn die verbrennt, ist der Ofen zu heiß.“ Sie darf nur schwarz werden. Dann, bei 280 Grad, kommen die Sauerteigbrote rein. Der besondere Geschmack entsteht unter anderem durch die beim Backprozess absinkende Temperatur.

„Die Sauerteigbrote kann man auch ohne Probleme zuhause machen“, sagt Dieter Kunkel. Benötigt wird nur der Natursauerteig (nach dem Rezept von 1872) zum Ansetzen, den man entweder in der Apotheke bekommt – oder bei einem Bäcker, der noch damit arbeitet. Im Wald-Michelbacher Fall ist das Lipp. Die Brote bestehen aus 90 Prozent Roggen und zehn Prozent Weizen. „Das Besondere daran ist die dicke Kruste“, erläutert er. Sie entsteht durchs Backen bei diesen hohen Temperaturen und sorgt dafür, dass die Brote länger frisch bleiben.

Bei den Überwälder Landfrauen ist man immer sehr zufrieden mit der Resonanz. „Das macht ja dann auch viel Spaß, wenn der Kuchen so gut ankommt“, sagt Gertrud Strauch. Neben dem kompletten Vorstand sind immer auch ein paar zusätzliche Helferinnen dabei. Anita Jäger und Cäcilia Weihrauch waren an diesem Tag für den Teig zuständig, Herta Walter kümmerte sich um den Kochkäse und die Kuchen-Obstauflagen, Helga Klos um die Streusel und Waltraud Schafhauser um Kaffee und Brote.

Die sechs Damen hatten alle Hände voll tun. Der Kuchenteig ist selbst gemacht. Dazu wird dann um am Anbacktag um halb 6 aufgestanden und losgelegt. Butterstreusel ist der Klassiker, je nach Jahreszeit kommen dann ein paar andere fruchtige Beläge dazu. Das können neben Apfel (wie jetzt) auch Rhabarber, Zwetschge und Sauerkirsch sein. „Die Leute sagen: Unser Kuchen ist der beste“, freut sich Strauch über die vielen positiven Rückmeldungen. „Frischer Streuselkuchen schmeckt halt auch immer gut“, weiß sie. „Wir sind ein eingespieltes Team“, sagt Gertrud Strauch. Sollte mal jemand ausfallen, findet sie sofort Ersatz.

Zum Brot werden selbstgemachte Marmeladen, aber auch Kochkäse nach einem eigenen Rezept („auf jeden Fall kein Magerquark“, der Rest ist geheim…) angeboten, sodass sich das Sauerteigbrot gleich vor Ort genießen lässt. Die „Schlange quer über den Platz“ zeigt, wie begehrt das Backen auf traditionelle Art und Weise ist.

„Was früher als Kuchenrezept gang und gäbe war“, wird heute von den Landfrauen je nach Jahreszeit frisch belegt und dann im Ofen am Einhaus bei 170 Grad gebacken. Die „tollen Rezepte“ stammen aus dem Backbuch „Walters Hefeteig“. In ihm hat die Wald-Michelbacherin Lore Walter Rezepte aus früheren Jahrhunderten zusammengefasst. Die – der Name sagt es schon – sich immer um den Hefeteig und seine wohlschmeckende Verarbeitung drehen.

Gänsehautfeeling beim gemeinsamen Singen: MGV Sängerbund unternahm eine Konzertreise an den Lago Maggiore

Dirigent Hans-Joachim Karl ist begeistert von der Konzertreise: „Wir haben fantastische Sachen gesehen“, sagt er über die viertägige Tour des MGV Sängerbund Unter-Schönmattenwag an den Lago Maggiore. Zusammen mit dem „Coro Arnica“ aus Laveno Mombello gaben Frauen- und Männerchor ein Benefizkonzert zur Orgelrenovierung in der Pfarrkirche Invenzione di Santo Stefano. Die berühmte Orgel im Ortsteil Mombello stammt von den Gebrüdern Pietro und Lorenzo Bernasconi aus dem Jahr 1874.

„Alles hat super gut funktioniert“, zeigt sich Karl in seiner Bilanz sehr zufrieden. Eine homogene, 70-köpfige Reisegruppe machte sich frühmorgens vom Überwald aus auf den Weg. „Allen war klar, dass es eine Konzertreise ist und kein Urlaub“, lacht der Dirigent, der im Vorfeld gemeinsam mit seinem Kollegen auf italienischer Seite, Bruno Bresciani, alles organisiert hatte. Dabei kam ihm zupass, dass Bresciani gleichzeitig Bürgermeister des Ortes ist. „Das hat uns einige Türen geöffnet“, sagt er.

So wie die Chemie zwischen diesen beiden stimmt, stimmte sie auch sofort zwischen Deutschen und Italienern. Denn diese kannten sich im Vorfeld gar nicht. Der Kontakt in den Überwald bestand bisher zum MGV Union Wald-Michelbach, den Hajo Karl ebenfalls dirigiert. „Es gab einen herzlichen Empfang“, freut sich der Dirigent. Auf zwischenmenschlicher Ebene sprang sofort der Funke über. Beim Abschied wurden sogar ein paar Tränchen verdrückt, so gut war der gemeinsame Kontakt geworden. Und das, obwohl abseits der offiziellen Anlässe „die Verständigung mit Händen und Füßen lief“, wie er berichtet.

Varese und einer der neun heiligen Berge in der Umgebung wurden an einem Tag besichtigt. Beim Weltkulturerbe Sacro Monte kommt Karl ins Schwärmen. „Das war unglaublich toll“, sagt er. Highlight war die Krypta unter der Wallfahrtskirche, die vor kurzem neu zugänglich gemacht wurde. Im Vorfeld waren hier Fresken und eine alte römische Straße entdeckt worden. Dem italienischen Abend, ausgerichtet vom Coro Arnica, schloss sich abends das Benefizkonzert an, bei dem sich die Chöre in ihren Vorträgen abwechselten.

Frauen- und Männerchor griffen dabei auf die schon einstudierte geistliche Literatur von der Romantik bis zur Moderne zurück, die bereits auch im Kirchenkonzert in St. Johannes der Täufer Schönmattenwag des vergangenen Jahres aufgeführt worden war. „Wir haben vorher nochmal alles aufgefrischt“, schmunzelt Karl. Der Coro Arnica brachte vor allem folkloristisches Liedgut zu Gehör.

„Das ist einer der besten Chöre der Region“, so Hajo Karl, aber eben fokussiert auf dieses Genre. Das begründet sich auf der Historie als „Ableger“ der Alpini mit ihrer Tradition in der Gebirgsjäger und Bergsteiger. „Die schütteln 100 dieser Songs aus dem Ärmel“, war er beeindruckt, Gänsehautfeeling gab es beim gemeinsamen Singen der Männerchöre des „Signore de la Cime“.

Der Folgetag war dem Sightseeing auf dem Lago Maggiore mit Singen gewidmet. Isola Bella, Isola Pescatori und Eremitage Santa Catherina del Sasso standen auf dem Programm. Es gab vielbeachtete Auftritte im Kuppelsaal des Palazzo Borromäo und in der Eremitage. Unvergesslich bleibt für die Teilnehmer der spätere deutsch-italienische Abend mit Odenwälder Spezialitäten und Bier. Kochkäse, Hausmacher Wurst und Gerstensaft aus Ober-Mossau machten die Runde. „Wir haben denen auch ein paar Fässer Schmucker-Bier mitgebracht, weil wir wissen, dass es dort gern getrunken wird“, lacht Karl.

Auch der Frauenchor unter seiner Leiterin Anna Stumpf und der Kinderchor „Cantante Cintura Kids“ mit Katharina Zink begeisterten an diesem Abend das Publikum mit ihren Liedern. Der Auftritt der Kinder war gar nicht geplant, da nicht alle dabei waren. Jedoch war die Atmosphäre an diesem Abend so freundschaftlich und gelöst, dass die Chorleiterin spontan zu den sechs mitgefahrenen Jungsängern sagte, „singen wir doch was“. Bei den Italienern „kam das super an“, beobachtete Karl. „Die Chorfreundschaft von Coro Arnica in den Odenwald wurde gefestigt und weiter ausgebaut“, freut er sich. Für den Herbst 2019 ist ein Gegenbesuch der Italiener geplant.

Eine Nacht (nicht nur) für die Oldies bem FC Odin

Schnell trauten sich bei der Oldie-Night des FC Odin die ersten Tanzwilligen vor die Bühne, wo Harald Walz mit seinen Friends die bekanntesten Hits aus den 1960er und 70er Jahren bis tief in die Nacht spielte. „Dass beim ersten Song die Tanzfläche richtig voll ist, habe ich bisher nur selten erlebt“, freute sich der Bandleader. Da ließ es sich auch verschmerzen, dass noch ein paar Gäste mehr ins Haus des Gastes gepasst hätten. Mit den Songs von Chris Norman, Suzi Quatro, CCA, Roy Orbison, Neil Diamond, Beatles, Stones, Lords, Spencer Davis Group, Shocking Blue, Drafi Deutscher oder Peter Maffay herrschte eine super Stimmung bis um halb 2 in der Nacht.

„Rockin‘ all over the world“ von Status Quo passte als Motto ganz gut zum Abend. Die Musik aus der Jugend mal wieder zu hören, war für die Besucher ein besonderes Highlight. Da wurden die alten Knochen wieder jung und gelenkig, es kamen Erinnerungen an die ersten Tanzstunden oder Kerweabende auf, als diese Melodien hoch und runter liefen. Deshalb ist es für den FC-Vorsitzenden Bernd Egner auch „ein Stück weit Tradition“, wenn solche Abend stattfinden. Er freute sich über den guten Besuch. „Querveranstaltungen gibt es halt immer“, meinte er.

Im kommenden Jahr will der Verein wieder aufs letzte Oktober-Wochenende gehen, das dem FC vor zwei Jahren bei der Premiere einen Riesenerfolg bescherte. „Da wird die Zeit zurückgestellt und alle können eine Stunde länger feiern“, meinte Egner. „Die Band ist für 2019 bereits wieder gebucht.“ In seinen Begrüßungsworten äußerte er seine Freude darüber, dass die Oldie-Night so gut angenommen wird. Die fand bis vor drei Jahren im Deutschen Haus in Siedelsbrunn statt. Von Harald Walz kam dann die Anfrage, ob der FC sie nicht im Haus des Gastes durchführen wollte.

Egner freute sich auch über die „gute Resonanz“ aus den beiden Ortschaften. Gestemmt wurde der Abend nur von Vereinskräften mitsamt Anhang, die tatkräftig bei der Organisation im Vorfeld und bei der Bewirtung der Gäste im Laufe der Veranstaltung mitwirkten. Die Aktiven schmissen die Bar und lockten damit auch jüngeres Publikum in die Halle. Ein Spieler feierte noch in Heidelberg Geburtstag und wollte dann mit der ganzen Mannschaft zu späterer Stunde einlaufen.

Wie Egner sagte, geht mit der Oldie-Night auch der Wunsch des FC in Erfüllung, die Ortsgemeinschaft zu stärken. Die Mannschaft selbst pflegt diesen Zusammenhalt innerhalb der beiden Schönmattenwags ebenfalls gerne durch den Besuch von Veranstaltungen befreundeter Vereine aus dem Dorf. „Wir freuen uns natürlich, je mehr das auf Gegenseitigkeit beruht“, sagte er. Mit Blick auf die Tische meinte er schmunzelnd, „Ober- ist fast besser als Unter-Schimmeldewog vertreten“.

Eine feste Bank unter den Gästen ist der Fanclub von Harald Walz. Dessen Mitglieder kommen aus dem ganzen Odenwald und fahren die Termine mit ihren Wohnmobilen an. „Die sind bei jedem Konzert dabei“, staunte Egner. Über Facebook wird der Kontakt gehalten. Obwohl die treuen Fans alle um die 60 oder 70 sind, ist für sie das soziale Netzwerk ein beliebtes Kommunikationsmittel. „Wenn wir uns wieder sehen, weiß ich, dass ein Jahr rum ist“, so Egner.

Auf die Tanzfläche wagte sich vorrangig erst die ältere Generation, deren Songs gespielt wurden. Ältere wie auch die Band selbst. Mit Günther Reinhard (Schlagzeug und Gesang) und Linda Sauer (Gesang) sowie Harald Walz (Gitarre, Keyboards, Saxofon und Gesang) sind heute noch drei Mitglieder aus den Anfangsjahren der „Outlaws“ dabei, der Band, die Walz zusammen mit Rudi Boml 1968 gründete. Man spielte jedoch nur knapp zwei Jahre gemeinsam, bis Boml bei einem Unfall ums Leben kam. Rüdiger Horst aus Unter-Schönmattenwag, der 2016 einstieg, ist an Bass, Saxophon und Gesang eine echte Bereicherung für die Band. Fred Quick (Gitarre/Gesang) ist ebenfalls mit dabei.

Walz ist in der Region bekannt wie ein bunter Hund. Mit Linda Sauer, die wie er aus Aschbach stammt, ist er als „Odenwälder Nibelungen Duo“ auf sämtlichen Kerwe-Veranstaltungen landauf, landab unterwegs. Songs aus den 60ern von den Lords, Shadows, Stones, Bee Gees, Kinks, Roy Orbison, Smokie, aber auch deutsche Interpreten wie Peter Maffay, Drafi Deutscher, Flippers und viele andere waren mit im Programm. Entsprechend der Originale wechselten sich auch die Musiker beim Gesang ab, womit jeder den einzelnen Stücken seinen Stempel aufdrücken kann. Ein alter Pop- oder Rock-Hit aus vergangenen Zeiten jagte den nächsten.

Herrliches Wetter sorgte für viele Gäste beim Regionalmarkt in Wald-Michelbach

Nicola, Violetta und Red Emaille: Das sind nicht drei neue Hoheiten aus dem Odenwald, die dem Regionalmarkt auf der Hofwiese ihre Aufwartung machten, sondern die drei Bio-Kartoffelsorten, die der Verein für ökologische Landwirtschaft Luna zum Verkosten dabei hatte. Zum ersten Mal waren die Mitglieder aus Affolterbach und Kocherbach dabei und durften sich über einen großen Zulauf freuen. Obst, Marmelade, Honig, Hausmacher, Blumengestecke, Messer, Spinnereien: Es gibt im Odenwald eine Vielzahl von Anbietern regionaler Produkte, die sich einem wachsenden Kreis von Interessierten präsentieren. Gerade um die Mittagszeit war das Gelände gut gefüllt.

Etwa 200 Obstbäume stehen im Überwald auf den von Luna bewirtschafteten Streuobstwiesen. Die sorgten in diesem Jahr für Äpfel ohne Ende, aus denen sehr zur Freude und unter Mitwirkung der Kinder frischer Apfelsaft gepresst wurde. Die Nicola-Sorte wurde für die wohlschmeckende Kartoffelsuppe verwendet, die bereits kurz nach dem Mittag ausverkauft war. Die drei angebauten Kartoffelsorten ließen sich abgekocht mit Dip oder Hausmacher verkosten.

Wem das alles schmeckte, durfte sich gleich bei Jürgen Klieber als Interessent für die Kartoffelernte des nächsten Jahres eintragen. Leider gab es durch die Trockenheit in diesem Jahr nicht so viele Kartoffeln, bedauerte Vorsitzender Gerhard Ader. Deshalb nutzte Luna den Regionalmarkt quasi auch gleich als „Kartoffelfest“, das 2017 Ende Oktober in Gras-Ellenbach gefeiert worden war.

Bei Birgit und Jörg Sprang aus Fränkisch-Crumbach drehte sich alles um die Wolle. Strick- und Häkelwaren, Trachtenkniestrümpfe, Hosenträger und Strumpfbänder, Socken und, und, und werden selbst hergestellt. Dazu führten beide auch die Arbeit mit dem Spinnrad vor. Dessen Reparatur haben die in Odenwälder Tracht gewandeten aus dem Gersprenztal ebenfalls im Angebot. Alle 14 Tage gibt es mittwochs in der Gaderner Jägerslust einen Handarbeits- und Spinnnachmittag, zu dem sich ab 15 Uhr die „Strickmädels“ treffen. „Es kann kommen, wer möchte“, ist der Kreis für alle offen, betonte Birgit Sprang.

Wieder dabei: Isabelle und Willi Baumann von der gleichnamigen Lebkuchenbäckerei in Reichelsheim-Beerfurth. Süße weihnachtliche Gaumenfreuden wie Magenbrot, Spritzgebäck, Makronen und natürlich – als Renner – Lebkuchen in verschiedensten Variationen gehören zum Sortiment. Bei knapp 20 Grad war zwar noch schlecht vorstellbar, dass Weihnachten in zwei Monaten ist. Aber die Waren der Baumanns schmecken zu jeder Jahreszeit.

Im heimischen Betrieb fängt jetzt die Arbeit so richtig. Bis zum Erbacher Bauernmarkt vor zwei Wochen wurde nur vormittags produziert, jetzt wird der 70 Jahre alte Ofen auch von 13 bis 17 Uhr befüllt. In der heißen kalten Jahreszeit ab Ende November geht es dann sogar abends von 19 bis 22 Uhr weiter, erzählt Willi Baumann junior, der den Betrieb vor vier Jahren vom Vater übernahm. Denn dann wollen die Großabnehmer bedient werden, die mit den Baumann-Lebkuchen den Frankfurter oder Darmstädter Weihnachtsmarkt bestücken.

Die Familie Marquardt aus Ober-Osten bietet aus eigener Herstellung alles von süß bis deftig an. Kochkäse, Eier, Knacker, Marmelade, Hausmacher Wurst: Der Vielfalt waren keine Grenzen gesetzt. Nur die Kürbisse fehlten dieses Mal. „Die sind uns auf 1,2 Hektar wegen der Trockenheit alle vertrocknet“, bedauert Wilfried Marquart. Ähnlich breit das Sortiment der Gärtners aus Erlenbach. Die Vollerwerbslandwirte sind auch viel im Bergtierpark anzutreffen. Nüsse und frischer Apfelsaft gab’s hier zusätzlich im Angebot.

Gleich nebenan hatte Doris Johann aus Kreidach eine bunte Palette ihrer Heimarbeit auf den Tisch gezaubert. Hausgemachte Marmeladen und Gelees luden zum Probieren ein. Honig in allen Facetten gab’s bei der Imkerei Schürmann aus Wald-Michelbach. Die teilte sich als Vertreter vom Stallenkandel den Stand mit Familie Jöst vom Bergblick, die Fleisch selbst räuchert und Wurst daraus macht.

„Orient küsst Odenwald“ hat Azadeh Seip ihre leckeren Kreationen genannt. Die in Falken-Gesäß verheiratete Perserin lebt ihre Konditorenkunst in den Brotaufstrichen und Soßenzutaten aus. Sie verwendet dazu unter anderem den Honig von Ulrike Klein aus Ludwigsdorf, den diese gleich nebenan anbot. „Die Idee gibt es seit einem Jahr, jetzt starten wir durch“, sagt sie. Ein Bauwagen soll zu einer Backstube ausgebaut werden. „So regional wie möglich“ sind die Zutaten. Ihren Karamell-Aufstrich hat sie etwa ohne Zucker entwickelt. Stattdessen sorgt Honig für die Süße. Dazu kommen Sahne, Butter, Salz, Zimt und Stärke. Wenn Chili Verwendung findet, dann entsteht daraus „eine deftige Soße mit für Fleisch“.

Mit Floristik war Petra Thullen aus Wald-Michelbach vertreten. Messermacher Otto Morr aus Wald-Michelbach hatte vom kleinen Küchenmesser bis hin zum großen Hirschfänger alles dabei. Er fertigt sowohl Griffe als auch Stahl in Handarbeit. Verschiedene Hölzer und Gehörne kommen dabei zum Einsatz. Gebrauchsmesser, Outdoor-Artikel oder Jagdmesser für Jäger, Angler und Waldläufer – Morr hat für alle die entsprechende Klinge im Sortiment. Neben gab’s noch Lavendelherzen und Gewürzsalze zu erstehen – viele Besucher machten sich reich beladen auf den Heimweg.

Das Ambiente auf der Hofwiese „macht was her“, meinte ZKÜ-Geschäftsführer Sebastian Schröder. Für den Regionalmarkt, der traditionell immer Mitte Oktober stattfindet, ein guter Standort, der in der fünften Auflage für wieder mehr Besucher als im vergangenen Jahr sorgte. Dazu trug auch das herrliche Wetter bei, bei dem zur Mittagszeit ein regelrechter „Run“ auf die Stände herrschte. Dazu kamen auch fast doppelt so viele Aussteller.

Verschiedene Anbieter boten selbst Hergestelltes und Gefertigtes an. Zukunftsoffensive (ZKÜ), Wirtschaftsvereinigung (WVÜ) und Überwälder Museums- und Kulturverein luden die Besucher ein, Kulinarisches und Kultur zu verbinden und zu genießen. „Die Sitzgarnituren waren um die Mittagszeit alle belegt“, freute sich Schröder. Der gleichzeitig standfindende Backtag tat ein Übriges, dass teilweise viel Andrang herrschte.

Die Begrüßung der Gäste nahmen neben Schröder Bürgermeister Dr. Sascha Weber und Apfelhoheit Melanie vor. Sie kümmerten sich auch um die Ziehung der Sommerlos-Gewinner. Bei der anschließenden Neubürgerführung mit Theo Reichert waren um die 20 Personen dabei. Diese wurde auch gleich als eine Art Bürgersprechstunde mit dem Rathauschef genutzt. Judy Jensen trat später noch mit akustischen Pop-Rock-Nummern auf.

 

In Tracht feiern die Besucher bis tief in die Nacht

Schon Tage vorher vermeldete der SVA mal wieder: „ausverkauft“. Wie schon seit etlichen Jahren ist die „Nacht in Tracht“ aufs Neue der Renner im Veranstaltungskalender des Vereins. Tolle Stimmung, nette Gäste, leckere Speisen und einfach nur super Unterhaltung: Die Rückmeldungen der Besucher bei der siebten „Nacht in Tracht“ glichen sich wie ein Ei dem anderen. Für viele ist der Termin jedes Jahr gesetzt, sie sind bereits Stammgäste.

Der gesamte Überwald war zusammengekommen, um in der Peter-Heckmann-Halle sein eigenes rauschendes Oktoberfest zu feiern. Die Veranstaltung war mit 500 Plätzen wieder ausverkauft. Bis spät in die Nacht saßen die fast durchgehend in Krachlederner, Karohemd und Dirndl gekleideten Besucher zusammen. Die Kocherbacher Trachtenkapelle spielte drei Sets mit insgesamt 35 Stücken. Für den erkrankten DJ Gun sorgten André Knapp, Tim Schons und Arne Wilhelms dazwischen und später, zu fortgeschrittener Stunde, für die passende musikalische Unterhaltung „aus der Konserve“.

Toni Emig, Vorsitzender des 25 Mann und Frau starken Ensembles, freute sich bei seiner Begrüßung über den großen Zuspruch. Jörg Rettig vom SVA, Thorsten Heckmann von der Schmucker-Brauerei und Bürgermeister Dr. Sascha Weber richteten auch Grußworte die gut gelaunten Gäste. Nach dem gelungenen Fassbieranstich durch Weber gab es dann gleich Festbier aus Maßkrügen. Das Repertoire der Kocherbacher umfasst den volkstümlichen Bereich wie Märsche und Polkas, aber auch diverse bekannte Walzerstücke. Damit unterhielt die Kapelle prächtig in ihrem ersten Set.

„Stelldichein in Oberkrain“, „Bierwalzer-Potpourri“, „Die Fischerin vom Bodensee“, „Auf der Vogelwiese“, „Aus Böhmen kommt die Musik“, „Böhmischer Traum“ oder „Wir Musikanten“ hieß es unter der Leitung von Ralph Dinu-Biringer, der das erste Mal bei der Nacht in Tracht dirigierte. Schnell klatschten die ersten mit, bildeten sich die ersten Schunkelrunden und wurde hier und dort schon mal aufgestanden und auf den Tischen getanzt. Wer wollte, durfte auch gleich mitsingen.

Die Idee der „Nacht in Tracht“ hat Jörg Rettig aus Österreich mitgebracht. Dort sah er vor acht Jahren eine solche Veranstaltung und dachte sofort: „Das ist was für Affolterbach.“ Um dabei zu sein, schmeißen sich auch die Einheimischen „in Schale“: Um die 90 Prozent dürften in Tracht erschienen sein, schätzt Rettig. Dem Einfallsreichtum und der Kombination von Kleidungsstücken waren dabei keine Grenzen gesetzt.

„Das ist mein Baby“, meint Hauptorganisator Rettig zum Überwälder Oktoberfest. Über 20 Helfer des SVA sorgten bis 4 Uhr in der Früh dafür, dass es den Gästen an nichts fehlte. Dazu kamen noch zusätzliche Bedienungen, die in den Gängen hin und her wuselten. Ohne alle Helfer wäre alles nichts: Deshalb dankte Rettig diesen besonders. Die typischen Speisen wie Fleischkäse, Spießbraten, Haxen, Händl oder Weißwurst leerten sich im Verlauf des Abends zusehends.

Natürlich ganz zu schweigen von den Biermengen. „Um die 800 Liter“ gehen bei jeder Veranstaltung weg. Und „trotzdem“ verläuft alles sehr friedlich. „Wir brauchen keine Security“, ist das Affolterbacher Oktoberfest für Rettig dasjenige von den 50 durch ihn im Jahr organisierten, „das einfach ohne Vorkommnisse läuft“. Ein halbes Jahr Vorarbeit steckt in der „Nacht in Tracht“. Eine super Party „für unser Alter“, blickte Rettig in die auf den Bänken tanzende Menge, die mit zunehmendem Abend gar nicht davon runterzubringen war.

Je später der Abend, desto mehr Schlager, Pop- und Rocksongs schlichen sich ins Repertoire ein. Sehr zur Freude des frenetisch klatschenden Publikums. „Take Me Home, Country Roads”, ein Dieter Thomas Kuhn- und Helene Fischer-Schlagerpotpourri, „Atemlos“, „Griechischer Wein“, oder „Viva Colonia“ bestimmten den zweiten Teil. Alten Rocklegenden wurde im dritten Set mit „Smoke on the water“ von Deep Purple gehuldigt. „Hulapalu“ von Andreas Gabalier oder „Rock mi“ bedienten den Zeitgeist. Ganz klassisch dann der Schluss mit „Fürstenfeld“ und „Böhmischer Traum“.

Matthias Linzmaier, Ronja Helfrich („Atemlos“), Danny Stein und sein Sohn Nico griffen zwischenzeitlich zum Mikro. Bei der Löffelpolka spielte Frank Beisel das Solo. Von Anfang an war das Publikum voll dabei, feuerte die Kapelle an, klatschte und schunkelte mit. Erst etliche Zugaben später durften die Musiker irgendwann rund gegen Mitternacht von der Bühne und ihren wohlverdienten Feierabend genießen.

André Knapp, Tim Schons und Arne Wilhelms legten zwischen den Sets der Kocherbacher und auch danach die größten Hits aufs, die sowohl Bayern als auch die Schlagerwelt hervorbrachten. In den Pausen noch verhaltener, drehten die drei danach den Lautstärkeregler so richtig auf. Mehrfach wurde „Cordula Grün“ von Josch gespielt. Die Party näherte sich dem Höhepunkt, viel mehr Gäste standen auf den Bänken als dass sie saßen. Der Mittelgang wurde mehr und mehr zur Tanzfläche.

Azurit-Veranstaltung: Achtsam sein und das eigene Tun hinterfragen

„Wir müssen achtsam sein und unser Tun hinterfragen“: Diese zentrale Botschaft „haben alle mitgenommen“, stellte Jutta König fest. Die Referentin aus Wiesbaden sprach auf Einladung der Azurit-Seniorenzentren Rothenberg, Kortelshütte und Gras-Ellenbach im Haus des Gastes vor Altenpflegeschülern, aber auch bewährten Pflegekräften. Die Fachfrau wird für Gutachten, Beratung und Seminare zum Thema Pflege bundesweit angefragt und ist daneben auch Sachverständige vor Gericht.

Die Einladung ging an die Azurit-Kooperationspartner, Altenpflegeschulen und Heidelberg, Mosbach, Erbach, Weinheim und Bensheim, aber auch die schon im Beruf Tätigen und die eigenen Mitarbeiter. Auf diese Weise zählte man 230 Teilnehmer, freute sich der Leiter der beiden Rothenberger Häuser, Jörg Wehrle, in seiner Begrüßung. „Halt vor Gewalt“ ist jedes Jahr Thema des Azurit-Aktionstages im Oktober, sagte er. Damit will die Gruppe für das Thema Gewalt in der Pflege sensibilisieren, verdeutlichte Wehrle.

„Wir möchten als Unternehmen die freiheitsentziehenden Maßnahmen auf null setzen“, erläuterte Wehrle die Motivation. Was bisher geschehe, „ist nicht immer im Sinne der Bewohner“. Den Menschen, betonte er, „steht Freiheit zu“. Er ist überzeugt: „Es geht auch ohne freiheitsentziehende Maßnahmen.“ Wenn es etwa bei einem Pflegebedürftigen den Gerichtsbeschluss gebe, dass die Seitenteile des Bettes hochgestellt werden sollen, „hinterfragen wir das und führen es in Absprache mit Ärzten und Angehörigen erst einmal nicht aus“. Ähnliches gelte für den Einsatz von Psychopharmaka.

Die Azurit-Häuser seien offene Einrichtungen, hob Wehrle hervor. Wenn die Bewohner beschäftigt seien, „dann sind sie auch ausgeglichen und laufen nicht weg“, ist der Heimleiter überzeugt. Deshalb sei es wichtig, sich intensiv um die Menschen zu kümmern. Es gibt einen „bindenden Verhaltenskodex zum Thema Halt vor Gewalt“ für die Beschäftigen in den 80 Einrichtungen der Gruppe, sagte er.

Jutta König, Gerichtssachverständige und Fachfrau auf den Gebieten Straf-, Zivil- und Sozialrecht, vermittelte den Teilnehmern zu Beginn eine Definition von Gewalt. „Das kann schon verbal beginnen“, betonte sie. Etwa durch Reglementieren, Bestimmen, Macht oder Druck ausüben. „Man muss eine eigene Haltung zu diesem Thema entwickeln“, forderte sie, „und die Pflegenden dafür sensibilisieren“.

Ihr ist jedoch auch klar, „dass man leider manchmal die Freiheit der Gepflegten beschränken muss“. König erläuterte für solche Fälle die rechtlichen Rahmenbedingungen, in welchen Fällen dies möglich ist. „Jede Auffälligkeit hat ihren Grund“, hob sie hervor. Deshalb müssten die Pflegekräfte „die Menschen in ihrem Verhalten verstehen“. Zu diesem Zweck sei die Kenntnis der Biografie wichtig. Es gehe darum, das Handeln nachvollziehen zu können. „Wir dürfen jemandem nicht sagen, er soll sitzen bleiben, wenn er unbedingt aufstehen will, sondern müssen ergründen, warum er das tun will“, fügte sie ein Beispiel an.

Laut ihrer Aussage hat das Thema Gewalt in der Pflege „nichts mit dem Personalmangel zu tun“. Wichtig sind laut König die Handelnden. „Es braucht nicht viele Pflegekräfte, sondern wenige mit Hirn“, brachte sie es auf den Punkt. Gute Pflege sei nicht „eine Frage der Quantität“. Die Referentin freute sich über die vielen interessierten Rückfragen aus dem Publikum. Ob Jung oder Alt: Alle müssen achtsam sein, gab König den Teilnehmern mit.

Eine Afterwork-Party mit DJ Steven Sun unter dem Motto „Gepflegt feiern im Odenwald“ schloss sich an. Cocktailbar und Grillbuffet waren nach dem langen Vortragsnachmittag zuerst stark belagert, ehe es dann zurück in die Halle ging. In der Pause hatten die Teilnehmer an der Challenge „1min.care“ mit dem Motto „Applaus für die Pflege“ teilgenommen.