Digitale Projekte sind notwendige Investitionen wie Maschinen

Die Chancen der Digitalisierung nutzen, aber den unverzichtbaren persönlichen Kontakt aufrechterhalten: So beschreibt Christian Jöst, Geschäftsführer der gleichnamigen Firma im Wald-Michelbacher Ortsteil, seinen Umgang mit den neuen Möglichkeiten. Die Wirtschaftsförderung Bergstraße (WFB) hatte in Zusammenarbeit mit der Zukunftsoffensive Überwald und dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Darmstadt Unternehmer aus dem Odenwald zur Infoveranstaltung eingeladen.

Bürgermeister Dr. Sascha Weber bezeichnete in seinen einleitenden Worten die Digitalisierung sowohl im täglichen Leben als auch für die Industrie wichtig. Mit dem leistungsfähigen Breitbandnetz sei die Gemeinde in Sachen Internet gut aufgestellt, sagte er. Bei der Firma Jöst sei die WFB-Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Roadshow – Ihr Weg zur Digitalisierung“ genau am richtigen Ort, denn der Betrieb sei sehr innovativ. Weber erhoffte sich, „dass wir den Odenwald gemeinsam voranbringen“.

In seinem kurzen Abriss der Firmengeschichte erläuterte der Geschäftsführer, dass der Betrieb mit seinen 56 Mitarbeitern in diesem Jahr voraussichtlich einen Umsatz von elf Millionen Euro erwirtschafte. 50 Prozent der Produktion gehen in den Export mit einem weltweiten Kundenstamm. „Der amerikanische Markt gestaltet sich schwierig“, fügte er aus aktuellen Anlass an. Jöst hat sich auf die Entwicklung, die Herstellung und den Vertrieb von Schleifmitteln und –systemen spezialisiert.

In den letzten Jahren, erklärte Christian Jöst, „gehen wir verstärkt in den Reinigungsbereich“. Seit drei Jahren wird eine eigene Maschine zum Schleifen und Reinigen produziert. „Der gigantische Vorteil“, schmunzelte er: „Die kann jeder bedienen.“ 95 Prozent der damit möglichen Arbeiten werden ohne Chemikalien durchgeführt. „Wir bekommen aus der ganzen Welt dafür Anfragen“, freute er sich. „Alles Made in Germany.“ Also langlebig, „aber man braucht viele Schleifmittel“, so Jöst augenzwinkernd.

Digitalisierung schön und gut, meinte er. Aber: Wenn Jöst vom Neckartal bis nach Affolterbach fährt, „ist zwischendurch fünfmal das Handy-Netz weg“. Vom Internet ganz zu schweigen. Hier sieht der Geschäftsführer Handlungsbedarf. Andere europäische Länder machen das selbst in der absoluten Pampa viel besser. Siehe Lappland. In der Einöde „gibt’s vollen Handyempfang und LTE-Netz“.

Auch in anderer Hinsicht ist er froh, nicht auf die Mobilfunk- und Internetriesen angewiesen zu sein. Jöst baut gerade im Gewerbegebiet Ober-Abtsteinach ein neues Vertriebs- und Versandzentrum auf 6400 Quadratmetern und will die beiden Standorte digital verbinden. Von der HSE bekommt er einen VDSL-Anschluss mit 250 Mbit für einen sehr guten Preis, führte er aus. Die Telekom könnte ihm nur 16 Mbit zu Mondpreisen anbieten.

Industrie 4.0, so Jöst, „macht bei unseren Produkten nicht viel Sinn“. Das sei eher etwas für die Großfirmen. Er beleuchtete auch die Nachteile: „Du musst echt aufpassen, was du machst“, wies der Geschäftsführer auf Hackerangriffe hin. Ein Betrieb, forderte er, „muss digitale Projekte ebenso als notwendige Investitionen ansehen wie Maschinen“. Etwa die Handscanner, in die Jöst 60.000 Euro investiert. Sie sind unverzichtbar für eine systematische Lagerhaltung.

Tobias Meudt vom Darmstädter Kompetenzzentrum wies auf verschiedene Möglichkeiten hin, wie sich traditionelle Betriebe im digitalen Zeitalter neu aufstellen können. Das reicht von der Möglichkeit, beim Metzger online den eigenen Rollbraten zu konfigurieren, über den Tischler, bei dem der Massivholztisch ganz nach den Wünschen des Kunden im Internet konzipiert werden kann, bis zum Allrounder, der kleineren Betrieben die tägliche Arbeit wie das Rechnungs- und Mahnwesen abnimmt.

Laut Meudt schwinden langsam die Vorbehalte der Firmen gegenüber der Digitalisierung. Als „größere Aufgabe“ bezeichnete er es, die kleinen Unternehmen auf diese Reise mitzunehmen. Das im April 2016 gegründete Kompetenzzentrum biete seine Leistungen kostenfrei an. Kann das in Darmstadt nicht weiterhelfen, gibt es den Kontakt zu 24 weiteren in Deutschland. Wie etwa beim Thema Handel, das aus der Runde nachgefragt wurde.

„Informieren, analysieren, qualifizieren, umsetzen“, beschrieb Meudt die Aufgaben. Man offeriere Schulungen in einer Lernfabrik, beschäftige sich mit den Themen IT-Sicherheit oder Prozessen und Unternehmen. Er stellte auch die „Wertstromanalyse“ vor, die Verschwendung in den Betrieben erkennen und beheben soll. Schlussworte sprach Marco Stibe, Projektleiter im WFB-Unternehmerservice.

Bild: Vor Ort in den Räumen der Jöst GmbH (v.l.): Sebastian Schröder, Geschäftsführer der Zukunftsoffensive Überwald GmbH, Tobias Meudt, Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Darmstadt, Bürgermeister Dr. Sascha Weber, Gemeinde Wald-Michelbach, Christian Jöst, Geschäftsführer der Jöst GmbH, Marco Stibe, Projektleiter im WFB-Unternehmerservice, und Andreas Furch, Projektmanager im WFB-Unternehmerservice, Kooperationsprojekt Neue Wege. – © WFB

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Gefragt ist das eiskalte Händchen beim Ostereier-Fangen

Es sind immer die gleichen, die beim Ostereierwerfen des TSV Aschbach die vorderen Plätze unter sich ausmachen. 2017 siegten Frank Hartmann und Michael Weihrauch mit 40 Metern, ein Jahr später waren es mit 46 Metern Olaf Lanzas und Holger Krapp exakt mit derselben Weite wie Timo Riebel und Carsten Weihrauch. Die hatten bereits 2016 mit damals 48 Metern dominiert. Und jetzt wieder: mit ebenfalls exakt 48 Metern. Im Stechen ließen die beiden Sandro Riebel und Ali Baytürk hinter sich, die Gewinner von 2015. Michael Weihrauch und Frank Hartmann kamen den beiden Finalisten mit 45 Metern ziemlich nah.

So unfair ist eben der Wettbewerb. War einem das Glück einmal hold, so zerrann es das andere Mal wie Eigelb unter den Fingern. Insgesamt 21 Teams, sieben auf Kinderseite, eine Frauenmannschaft und 13 Männerduos waren diesmal beim 24. Ostereierwerfen des TSV Aschbach auf dem Kerweplatz am Start. Was 210 fliegende Eier „von glücklichen Hühnern“ bedeutete, die fein säuberlich abgezählt den beiden Akteuren übergeben wurden. 300 Eier hatte der Verein vorsichtshalber organisiert. In zwei Durchgängen à fünf Wurf galt es nicht nur, das rohe Ei möglichst weit zu befördern, sondern auch so zu werfen, dass es der Fänger in einem Stück aus der Luft holen konnte.

Und genau das war die Schwierigkeit bei dieser Gaudi: Denn weit werfen kann jeder, wie die diversen Einschläge bei über 50 Meter zeigten. Aber das mit dem Fangen müssen ein paar Teams noch in einer ruhigen Minute vor Ostern 2020 üben. Die zahlreichen Schaulustigen auf dem Platz kamen bei herrlichem Frühlingswetter somit voll auf ihre Kosten. Einige hämische Lacher waren zu hören, allerdings mussten die ganz Vorwitzigen ab und zu auch mal zur Seite springen, wenn ein Wurfgeschoss von seinem Weg abkam und zwischen ihnen einzuschlagen drohte. Ein paar Ahs und Ohs begleiteten die Querschläger.

Nicht nur, dass die meisten Eier den Fängern zwischen den Fingern zerklatschten und -matschten. Manchmal standen sie auch den gefährlichen Wurfgeschossen so ungünstig im Weg, dass die Hose danach einen Stich ins Eigelbe hatte, das Hemd ein neues Muster Marke Eischale aufwies. Besonders gefährlich lebte und sah dann entsprechend aus, wer versuchte das Ei direkt vor dem Gesicht aus der Luft zu pflücken anstatt – wie die Profis – die seitliche Herangehensweise zu wählen. Manche Werfer schafften es sogar, bei zu steilem Abflug die überhängenden Äste am Start zu erwischen, womit sich das Ei schon auf den ersten Metern in seine Einzelteile zerlegte.

Horst Gramlich am Mikro blieben diese Patzer natürlich nicht verborgen. Er kommentierte mal liebevoll, mal gehässig kleinere Ausrutscher, motivierte die Zuschauer zum Anfeuern oder hatte ein paar aufmunternde und mahnende Worte für die Werfer parat. Einmal gab’s statt Kaffee und Kuchen rohes Ei als Nachmittagsspeise („Der hat mit dem Mund gefangen“), das andere Mal landete das rohe Stück so unglücklich im Gesicht, dass der Pechvogel neben der Ei-Verfärbung auch ein blaues Auge davontrug.

57 Meter sind in den fast 25 Jahren der Veranstaltung der bisherige, unangefochtene Bahnrekord, den auch dieses Mal kein Team überbot. In früheren Jahren wurde das Ostereierwerfen noch auf dem Sportplatz durchgeführt, doch seitdem dieser einen Kunstrasen hat, ist es dort nicht mehr möglich. Je nach Wetter zieht das Spektakel 200 bis 300 Gäste an, die gerne den tollkühnen Werfern mit ihren tieffliegenden Eiern zuschauen. Und ihnen natürlich auch ausweichen müssen, wenn ein Werfer total verzieht, sich noch nicht richtig auf die Mitte des Platzes eingependelt hat oder einfach nur völlig schräg wirft.

Das eine Frauenteam mit Elli Bernhardt und Petra Hintenlang aus Abtsteinach hatte den Sieg schon vor Beginn sicher. Nach 14 Metern im ersten wurden es dann 25 Meter im zweiten Durchgang. Bei den Kindern siegten Paul Wiegand und Levin Bereuter mit 18 Meter, auf Platz zwei landeten Pia Gries und Paul Wiegend vor Laura Bereuter und Jana Gries. Hier waren die Weiten unter denen der Vorjahre. Auffällig: Bei den Jungs kommt es auf Weite und Schnelligkeit an. Sie holen kräftig hinter dem Kopf aus, während die Mädchen eher sachte und gefühlvoll von unten werfen.

Waren in früheren Jahren die TSV-Fußballer meist unter sich, so hat sich die große Gaudi schon längst in der Region rumgesprochen. „Ich sehe viele Auswärtige“, meinte Horst Gramlich. Nicht nur bei den Aktiven, sondern auch bei den Besuchern. Darmstadt, Pfalz, Vöckelsbach, Abtsteinach, zählte Gramlich die Entfernung der Startenden runter. Allen kam es zupass, dass die Veranstaltung nach dem Graupelschauerwetter des vergangenen Jahres dieses Mal von der Sonne verwöhnt war.

Aus allen Ecken Europas kommen die jungen Karateka in den Überwald

600 junge Sportler aus 14 Nationen im Überwald. Über Ostern pulsiert das Leben in Wald-Michelbach. Was mit 300 Teilnehmern im Jahr 2011 begann, hat sich im Laufe der Zeit zu einer der wichtigsten Veranstaltungen für junge Karateka gemausert, wenn es darum geht, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen und für Meisterschaften zu qualifizieren. Schnelligkeit sowie die absolute Beherrschung von Geist und Körper machen die Faszination beim Kampfsport Karate aus. Beim „U21-Randori“ herrschte in der Großraumhalle ein Stetes Kommen und Gehen.

Markus Emmerich und den Helfern des Vereins Bushido ist es zu verdanken, dass das internationale Turnier wie im Vorjahr wieder in Wald-Michelbach stattfand. Zwischendurch waren auch Mörlenbach und Rimbach dran. Zur Eröffnung dieses besonderen Sportereignisses kamen Bürgermeister Sascha Weber und Reinhard Schmidt-Eckardt, der Präsident des hessischen Landesverbands für Karate, vorbei.

Für den Wald-Michelbacher Verein mit seinen 50 Mitgliedern ist die Ausrichtung inzwischen fast Routine. Im ersten Jahr waren es noch 350 Starter, in Mörlenbach zwischenzeitlich 500, 2017 zählte man sogar 670 Teilnehmer. Unterstützung gibt’s von den befreundeten Vereinen aus Mörlenbach, Rimbach, Viernheim und Birkenau, die bei der Organisation rund ums Turnier kräftig mit anpacken und die Verpflegung schmeißen. Insgesamt kommt man so auf 150 Helfer.

Island, Bulgarien, Rumänien, Russland, Luxemburg und ganz stark vertreten Dänemark, Österreich, Schweiz und Frankreich lauteten einige der Herkunftsländer. „Die Niederlande und Spanien sind dieses Jahr ziemlich stark“, schätzte Emmerich. Auf die drei Finalisten aus Hessen war Landestrainer Jamal Laudiai stolz. Der Mann vom Landesstützpunkt Hessen-Süd sieht die Jugend „gut aufgestellt“. Die Arbeit läuft vor allem über die Vereine, weiß er. Wer sich dort gut schlägt, kommt in den Landes- oder Bundeskader. Das Turnier im Überwald betrachtet er als Vorbereitung für die Deutschen Meisterschaften am 18. Mai in Erfurt.

Stützpunkt- und Kadertraining gibt es für die Schüler U12 bis zur Leistungsklasse ab 18 in Dietzenbach, erklärt Laudiai. „Wir haben einen guten Zulauf“, sagt er. Vieles funktioniere über Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Trainer haben einen geübten Blick: „Man merkt, ob sich einer richtig bewegt, die Techniken gut ausführt, ob der Kampfes- und Siegeswille da ist“, sagt der Coach. „Die anderen 50 Prozent“ sind die Eltern. Denn die müssen mitziehen, die jungen Karate-Sportler nach Kräften unterstützen – und zu den Turnieren kutschieren.

Die Bundeskader-Athleten waren dieses Mal nicht in Wald-Michelbach dabei, erläutert Emmerich. Die weilen in Marokko bei der Premier League, um dort Punkte für die WM-Teilnahme zu sammeln. Die Trainer Klaus Bitsch aus Breitenwiesen (Lautertal) bei den Junioren, der 2018 in Wald-Michelbach dabei war, und Thomas Nitschmann bei den Senioren kümmern sich um die Cracks. Denn früh übt sich: Der Sport wird 2020 in Tokio olympisch sein.

Bei der Familie Bitsch liegt Karate im Blut. Tochter Mia, obwohl erst 15 Jahre alt, schaffte es im Überwald ins Finale der U18-Ausscheidung in der Klasse unter 54 Kilo. Bei der Europameisterschaft belegte sie vor kurzem in der U16-Altersklasse den dritten Platz. Renee Stein (U16) wurde in der Klasse unter 47 Kilo sogar EM-Zweite.

Volker Harren hält viel vom 14-jährigen Mohamed Özdemir aus Wiesloch. Der wurde bei der EM Fünfter und fährt Anfang Mai zur Youth League nach Zypern. In Wald-Michelbach hatte der Jugendliche „keinen ernstzunehmenden Gegner“ und erreichte quasi im Spaziergang das Finale, beobachtete der Leiter des Leistungszentrums Karate Baden-Württemberg in Dielheim. Özdemir will keinen Fehler machen und „bereitet alles akribisch vor“. Damit heimst er die höchste Punkteausbeute ein. „Von dem wird man noch was hören“, ist Harren sicher.

Damit der 14-Jährige weiter erfolgreich sein kann, „müssen Training und Leben zusammenpassen“, erläutert der Trainer. Sprich: Die Schule darf darunter nicht leiden. Was manchmal nicht so einfach ist, denn die jungen Sportler sind 60 Tage im Jahr unterwegs – und nicht nur in Deutschland. „Mit Karate kann man noch kein Geld verdienen“, verdeutlicht Harren. Deshalb muss alles wohlkoordiniert sein.

Für Emmerich ist es die Internationalität, die das Besondere am Turnier ausmacht. „Wir haben hier eine ganz tolle Atmosphäre“, schwärmt er. „Ein solches breites Starterfeld findet man in Wald-Michelbach sonst bei Sportveranstaltungen nicht“, zeigt sich Emmerich stolz. „Sogar einer aus Hawaii war schon dabei.“ Zusammen mit Eltern und Betreuern finden sich um die 1000 Besucher vor Ort ein. Was bedeutet, dass Hotels und Pensionen im Umkreis restlos ausgebucht sind. Aber die Erfahrung macht es eben. „Für uns als Verein eine große Leistung“, betont der Organisator.

Ein zweistündiger Streifzug durch 650 Jahre Geschichte

Großer Andrang trotz schlechtem Wetter: Geopark-vor-Ort-Begleiter Theo Reichert führte anlässlich des Jubiläums „650 Jahre Aschbach“ über die Gemarkung und durch die Geschichte. Das Wetter war zwar „sehr, sehr kühl“, schmunzelte Reichert. Aber kurz vor Beginn der Führung, die am Infozentrum im Wiesental startete, hörte es auf zu schneien. Um die 100 Interessierte machten sich auf die etwa zweistündige Tour.

Sehr gut gefiel dem Heimatkundler, dass viele Einheimische dabei waren und an einigen Stellen Beiträge zur Geschichte von Aschbach lieferten. Um die tapferen Rückkehrer zu belohnen, hatte der Ortsbeirat mit Unterstützung einiger Helfer am Geopark-Infozentrum Zelte mit einer Grillstation aufgebaut. Dort war auch eine kleine Ausstellung mit historischen Bildern zu finden. Es wurde noch lange diskutiert und sich über die Aschbacher Geschichte unterhalten.

Bei seinen Ausführungen stützte sich Theo Reichert auf die Broschüre von 1994, die anlässlich der 625-Jahr-Feier entstanden war. Joachim Jänsch hatte dafür viel Wissenswertes mit Jahresangaben aus der Historie zusammengetragen. Herausgegeben wurde das Heft von der Gemeinde Wald-Michelbach. Zum Namen des Ortes nannte er zwei Erklärungsvarianten: Zum einen wird angenommen, dass dort Pottasche zur Seifenherstellung erzeugt wurde, zum anderen, dass entlang des Bachlaufs viele Eschen standen.

Der Vor-Ort-Begleiter wies auf die Besonderheit hin, dass im Dorf „auf wenigen 100 Metern verschiedene Gesteinsarten vorkommen“: Sandstein, Diorit, Granit und roter Trommgranit. Viele Menschen verdienten in den vergangenen Jahrhunderten ihr Brot in den Steinbrüchen – obwohl die Arbeit schwer war und die Steinhauer wegen der Staublunge nicht alt wurden. „Aber es war die einzige Möglichkeit, Arbeit zu finden.“

Durchs Wiesental abwärts bewegte sich die Gruppe auf Hammerstraße und Unterdorf zu. Hier wies Reichert auf die frühere Firma Koch hin, die von 1902 bis 1967 mehrere Produktionsstätten am Ulfenbach hatte. Papier und Kunstleder, später auch Hartpappenprodukte für die Autoindustrie wurden dort hergestellt.

Die frühere Aschbacher Bahnhaltestelle, eigentlich auf Hartenroder Gemarkung, verband den Ort per Zug ab 1901 mit der großen weiten Welt. In den 20er Jahren existierte sogar ein Nebengleis, das zum Abtransport des Roten Granits aus dem Wormser Steinbruch diente. Zwei Mühlen sind im Ort belegt, in alten Unterlagen wird sogar von drei gesprochen. Beide wurden später zu Eisenhämmern umgebaut, erläuterte Reichert.

Der erste, untere Eisenhammer soll schon 1657 errichtet worden sein, belegt ist er aber 1727 mit einem Johann Ezechiel Haffner aus Dürr-Ellenbach. Diese wurde dann von Hermann Rauch 1783 zu einer Papiermühle umgebaut, der ersten in ganz Kurmainz. In der Kurpfalz, zu der Wald-Michelbach nur ein paar Kilometer weiter gehörte, existierte eine solche bereits ein paar Jahrzehnte früher.

1810 begann die Ära der Familie Kurtz. Die Nachkommen des Johann Philipp aus Michelstadt betrieben den oberen Eisenhammer bis 1948. Noch heute gibt es Reichert zufolge auf dem Gelände ein gleichnamiges Sägewerk. Nächstes Ziel der Tour war die 1935 eingeweihte Kirche „Maria hilf“. Der direkt daneben liegende Friedhof entstand 1928. Bis dahin wurden die Toten entweder in Abtsteinach oder in Wald-Michelbach beigesetzt – je nach Religionszugehörigkeit.

Reichert gab dann noch verschiedene Erläuterungen zu Geschehnissen in früheren Jahren. 1369 erfolgt die Ersterwähnung von Aschbach im Zinsbuch der Kellerei Lindenfels. 1509 werden Aschbach und Dornelbach (Dürr-Ellenbach) als Teil der Zent Ober-Abtsteinach erwähnt, mit 45 und 35 Einwohnern. Schweizer besiedeln den Odenwald nach dem 30-jährigen Krieg, während es im 18. Jahrhundert (und wieder im 19. Jahrhundert) Auswanderungswellen gibt. 1838 verlassen Aschbach und Dürr-Ellenbach die Bürgermeisterei Gadern und bilden einen eigenen Bezirk. 1846 übernimmt Ludwig Anton aus Darmstadt die untere Papiermühle und errichtet eine große Zündholzfabrik, in der hunderte von Menschen beschäftigt werden – aber oft unter menschenunwürdigen Bedingungen.

1882 wurde der Männergesangverein Frohsinn gegründet, 1896 eine Turnabteilung im Gesangverein. 1920 wurde dann aus „Frohsinn“ und „Germania“ die heutige „Harmonie“, die Turner verließen den Verein und bildeten den heutigen TSV. Die Bahn hielt ab 1901 (bis 1983) am Ort, den ersten Strom gab es 1923. 1945 bis 48 gab es die Tonbandproduktion der BASF in Unter-Aschbach. Seit 1956 tragen alle Straßen eigene Namen, vorher hieß alles einheitlich „Ortsstraße“. Im selben Jahr geschah auch der Verkauf des Gemeindebullen.

Grenzenlose Begeisterung für die Europareise der Blasmusik

„Musik ohne Grenzen“ in Zeiten des Brexits und der unseligen Rückbesinnung aufs Nationale: Die Blasmusik Schimmeldewog setzte mit ihrem Jahreskonzert unter der Leitung von Christian Schuppel ein Zeichen für die (musikalische) Völkerverständigung. Mehr als zwei Stunden lang brachte das Ensemble im sehr gut besetzten Haus des Gastes ein flottes, eingängiges Stück nach dem anderen zu Gehör. Durch das Programm führte in bewährter Manier Donat Skroch.

Italienische Opernklassiker, ein deutsches Volkslied, ein englisches Traditional, ein schwedischer Abba-Evergreen oder das unverwüstliche Azzurro, bekannt durch Adriano Celentano, wussten das Publikum zu begeistern. Das kam bereits im ersten Set gut in Fahrt, klatschte beim weltbekannten Thema von Bizets „Carmen“ mit, um dann nach der Pause voll einzusteigen. Das Orchester durfte sich über herzlichen bis überbordenden Applaus für seine Leistung freuen.

Den hatte sich die Blasmusik auch redlich verdient. Der etwa 30-köpfige Klangkörper mit drei Gästen folgte dem Dirigenten auf den Punkt. Voll, majestätisch, aber dann auch wieder zart, fein, kamen die einzelnen Melodien zum Tragen. Einmal leise Querflöten, dann wieder donnerndes Schlagzeug zeigten zusammen mit dem eindrucksvollen Tutti die gesamte Bandbreite des Könnens.

Kein Wunder, dass eine begeisterte Menge die Musiker nach Ende des regulären Programms nicht ziehen lassen wollte. Dafür war das von Paolo Conte stammende „Azurblau“, also Azzurro“, der perfekte Anheizer, um damit den Wunsch nach mehr kräftig zu befördern. Der wurde auch erfüllt – und wie: „Pfeffer und Salz“, berühmt durch Ernst Mosch, brachte die Egerländer in den Überwald. Kein Konzert ohne das Markenzeichen der Blasmusik: Zum Ausklang ertönte das obligatorische „Schimmeldewog-Lied“ bei stehendem und mitsingendem Publikum.

Ein weiterer Höhepunkt nach der Pause: „The Blues“ von Arrangeur Zane van Auken. Die lebhafte Solisten-Parade wurde durch die Zuschauer immer wieder mit „One more Time“-Rufen unterstützt, wenn Schuppel die Hand hob. Alle Register spielten stehend ihren Part und die Füße der Gäste wippten im Takt mit. Zum Schluss musizierte dann das komplette Orchester im Stehen.

War der erste Set musikalisch sehr anspruchsvoll, so kam im zweiten die Nähe der Stücke zum „normalen“ Konzertbesucher noch hinzu. Das Feedback war von allen Seiten sehr positiv. Es gab Lob und Anerkennung für die musikalische Leistung sowohl von Laien als auch von den zahlreich anwesenden „Spezialisten“ anderer Ensembles.

Urdeutsch vom Ursprung Idee her, aber erfrischend flott und mitreißend gestaltete sich der Auftakt mit „Along the Weser“. Jacob de Haan gestaltete, inspiriert vom traditionellen „An der Weser“, eine Hommage an diesen doch sehr deutschen Fluss. „Wo Werra sich und Fulda küssen, sie ihren Namen büßen müssen; denn hier entsteht durch diesen Kuss, deutsch bis zum Meer, der Weser Fluss“: Das hat jeder schon mal irgendwo gehört.

Analog der Nationalflaggen im Programmheft prangten diese auch über der Bühne und waren auf den Tischen zu finden. Vorsitzender Hans Vogel forderte zu Beginn die Zuschauer auf schmunzelnd auf, sich die gewünschten Fähnchen zusammenzusuchen, „wenn einer nicht mit Brexit in Verbindung gebracht werden will“. Patrick Walter am Schlagzeug, das erste Mal dabei, holte sich später ein dickes Lob von Donat Skroch ab. Dennis Nußbeutel vom Blasmusikverband Rhein-Neckar nahm zwischenzeitlich Ehrungen vor.

Von Heinz Briegel stammt die Bearbeitung des Folksongs „Scarborough Fair“ für Blasorchester. Denn eigentlich ist das Lied durch Simon & Garfunkel weltbekannt. Briegel malt die magisch, mystische Liebesgeschichte in dunklen Klangfarben aus, die weltbekannte Melodie kann ihre traurige Schönheit in ergreifenden Bläserklängen entfalten, um schließlich leise in der Ferne zu verklingen.

Salzburg? Klar, die Mozartstadt. Da ist es nur naheliegend, in der „Salzburg Impression“ das Andante in G-Dur KV 501 von Wolfgang Amadeus Mozart umzuarbeiten. Dizzy Stratford alias Jacob de Haan, der sich in etlichen Songs wiederfand, war hier wieder einmal am Werk. Er nahm die bezaubernde, leichte Melodie und setzte sie in ein etwas moderneres, aber ebenso leichtes und reizvolles Stück für Blasorchester um.

Sehr beeindruckend durch seinen Abwechslungsreichtum: „Crith Mhonadh“ von Alfred Bösendorfer, der sechs musikalische schottische Bilder zeichnet. Das stimmungsvolle, wunderschöne „Only Time“ von Enya hat sich 2001 im Nachgang des 11. September wohl in alle Herzen eingebrannt. An „Poupée de cire, poupée de son“ von Serge Gainsbourg werden sich die Älteren noch gut erinnern, denn von France Gall gesungen gewann es den Eurovision Song Contest 1965.

Schneeflocken auf dem Sauerteigbrot

„Das hatten wir noch nie, dass es am ersten Backtag eines Jahres dicke Flocken schneite“, meinte Gundolf Reh schmunzelnd. Er stand zusammen mit Dieter Kunkel am Backhaus auf der Hofwiese und holte an zwei Tagen leckere 72 Kilo Sauerteigbrot aus der Glut. Die Aktiven des Museums- und Heimatvereins zogen dieses Mal zusammen mit den Überwälder Landfrauen und dem kompletten Equipment in die Tenne, um so ein Dach über dem Kopf zu haben.

Trotz des unwirtlichen Wetters freute man sich über einen regen Besuch von hungrigen Mäulern. Es waren zwar nicht „die Massen an Leuten“ wie sonst, beobachtete Reh, aber gekauft wurde trotzdem wie immer. „Nur ein Brot blieb übrig, das habe ich mitgenommen“, sagte der Vorsitzende lächelnd. Zu den Zweipfündern werden selbstgemachte Marmeladen, aber auch Kochkäse nach einem eigenen Rezept angeboten, sodass sich das Sauerteigbrot gleich vor Ort genießen lässt. Dazu wird Kaffee ausgeschenkt.

Bis auf 330 Grad heizt sich der Ofen beim Einschießen hoch, um sich dann innerhalb einer Stunde wieder auf 220 Grad abzukühlen. Drei Stunden dauert es, bis das Holz verbrannt und die Glut entstanden ist. Dann geht es daran, alles auszuräumen und zu putzen. Eine Stunde sind die 36 Laib Brot im Ofen, ehe sie dann von Reh normalerweise im Schweiße seines Angesichts rausgeholt werden. Dieses Mal wurde er um den warmen Arbeitsplatz beneidet. Ein Privatmann kam zusätzlich mit zehn Brotlaiben aus verschiedenen Teigsorten vorbei, die kurzerhand ebenfalls gebacken wurde.

Schon am Abend vorher saß man gemütlich zusammen, als die ersten 36 Sauerteigbrote im Backhaus über sich hinaus wuchsen. Die kann man auch ohne Probleme zuhause machen. Benötigt wird nur der Natursauerteig zum Ansetzen, den man entweder in der Apotheke bekommt – oder bei Bäcker Lipp wie die Akteure des Backtags. Die Brote bestehen aus 90 Prozent Roggen und zehn Prozent Weizen. „Das Besondere daran ist die dicke Kruste“, erläutert Reh. Sie entsteht durchs Backen bei diesen hohen Temperaturen und sorgt dafür, dass die Brote länger frisch bleiben.

Der Kuchenteig ist selbst gemacht. Dazu stehen die Landfrauen um halb 6 auf und legen los. Das Backen auf traditionelle Art und Weise ist begehrt, wie der Andrang zeigt. Was früher als Kuchenrezept gang und gäbe war, wird heute je nach Jahreszeit frisch belegt und bei 170 Grad gebacken. Die 120 Stück Riwwelkuchen und Apfelstreusel wurden wie üblich ratzeputz verkauft. Aus dem wieder aufgelegten Buch „Wolters Hefeteig“ mit Rezepten von Lore Walter hatte Anneliese Daub außerdem ein Rezept mit süßem Hefeteig herausgesucht und daraus ein paar leckere Zuckerguss-Knoten gezaubert.

Das Buch war längere Zeit vergriffen, aber es gab immer wieder die Nachfrage. Deshalb trat der Museums- und Heimatverein an die Gemeinde zwecks einer Neuauflage heran. Auf dem Großkopierer im Rathaus entstanden so die Broschüren in Spiralbindung, die dort und im Überwald-Museum zu den normalen Öffnungszeiten für drei Euro erhältlich sind. Auch beim Backtag wurde „ein ganzer Stapel verkauft“, freute sich Reh.

Ein bunter Melodienstrauß unterhielt prächtig

Mit seinem Programmtitel hatte das „Consortium felicianum“ nicht übertrieben. „Einen bunter Melodienstrauß“ hatten die fünf Musiker auf Einladung des Azurit-Gruppe und des Hauses „Talblick“ in Gras-Ellenbach für die evangelische Gustav-Adolf-Kirche Affolterbach angekündigt. Und genau diesen bekamen die Zuhörer an einem wie im Flug vorbeiziehenden Nachmittag im gut gefüllten Kirchenschiff zu hören. Mal fulminant-fetzig, mal getragen-melancholisch wussten die Könner auf ihren Instrumenten bestens zu unterhalten.

Konzertmeister Arne Müller, Felicitas Schönfeld an der Obligatvioline, Felix M. Schönfeld auf dem Violoncello, Kontrabassist Christian Thürmer und Klavierspieler Reinhardt Naumann unternahmen dabei eine weitgestreckte musikalische Reise durch zwei Jahrhunderte von Oper über Walzer bis hin zu Operette und Liebesliedern. Der richtige Rahmen für den Stoff, aus dem die Melodien-Träume entstehen.

Viel Applaus war der schöne Lohn der mehr als zweistündigen Konzertreise in musikalisch heitere Welten. Zwischen den einzelnen Stücken schuf Felix Schönfeld mit seinen einleitenden Worten immer wieder den Bezug zum Komponisten oder zur jeweiligen Ära, in der die Lieder entstanden. Begrüßt hatte für die Talblick-Einrichtung, Dimitrij Petuchov, Assistenz der Hausleitung.

„Freut Euch des Lebens“ von Johann Strauss war genau passend für das Konzert. Komponiert für die Wiener Gesellschaft der Musikfreunde, tauchte diese Walzerfolge immer in den Neujahrskonzerten der Wiener Philharmoniker auf, erläuterte Schönfeld. Hier wie auch bei anderen Stücken wusste Arne Müller mit seinem filigranen Geigenspiel zu begeisterten. Er entlockte dem Instrument alle Arten von Tönen – von leise, schmeichelnd, verspielt bis fordernd, fetzig, vorantreibend.

Die Balkan-Klänge der Bulgaren Vesco und Ljubomir D’Orio waren deutlich im nächsten Stück zu spüren. Traurige Passagen, abgelöst von lebenslustigen, schnellen Teilen, beeindruckten durch ihre große Bandbreite. Die Musiker harmonierten prächtig, wenn die perlenden Klavierläufe die Geige zu immer neuen Höchstleistungen anstachelten, mit punktgenauen Einsätzen von Felix Schönfeld am Violoncello.

Fritz Kreislers Karriere startete 1899 mit einem Konzert zusammen mit den Berliner Philharmonikern. Von ihm hatte das Ensemble ein paar Stücke im Programm. Erst „Liebesleid“ und dann das folgende „Liebesfreud“. Zum Komponisten hatte Schönfeld eine nette Anekdote parat: Kreisler hatte seine ersten Werke unter dem Namen anderer, bereits verstorbener Komponisten veröffentlicht.

Erst 1935 machte er das selbst öffentlich. Was heute einen Riesenskandal bedeuten würde, blieb damals aus: „Wohl weil es den Musikwissenschaftlern zu peinlich war, dass sie das nicht bemerkt hatten“, schmunzelte der Musiker. In dem Stück mit seinem mächtigen Beginn sind deutlich die Einflüsse der 1920er Jahre zu spüren.

 „Tanzt der Pole die Masur“ aus der Operette „Die Blaue Masur“ von Franz Lehar hieß es flott nach der Pause. Weiter ging es mit einer Operetten-Ouvertüre von Johann Strauss. Die bestach durch ihr flottes Zwischenspiel von Geige und Klavier sowie dem Wechsel von schwungvollen und getragenen Teilen, um dann im furiosen Finale des Müller’schen Saiteninstruments zu enden.

Walzerseligkeit kam bei der Operette „Das Schwarzwaldmädel“ von Leon Jessel auf. Denn der hat den Schlussgesang mit dem Titel „Erklingen zum Tanze die Geigen“ zu einem Walzer verarbeitet. Es jubilierte die Geige im Dreivierteltakt. „Tanzen möchte ich, Jauchzen möchte ich“ hieß es passend zur Stimmung in der Operette „Die Csardasfürstin“ von Emmerich Kalman. Viel Beifall verabschiedete das Ensemble.

Den Azurit-Häusern geht es darum, die Bewohner mit den Bürgern zusammenzubringen, erläuterte Dimitrij Petuchov die Intention. „Die Gemeinde soll mit einbezogen werden.“ Man wolle ein kleines kulturelles Highlight bieten. Das „Consortium felicianum“ ist bereits 14 Jahre für die Azurit-Gruppe in ganz Deutschland unterwegs. Für die älteren Bewohner sind die Konzerte eine willkommene Abwechslung. Die Melodien erinnern sie oftmals an die Jugendzeit. Spenden aus den Ticketeinnahmen gehen an die zwei Kindergärten im Ort, „Die kleinen Strolche“ in Wahlen und den „Purzelbär“ in Hammelbach.