Geheimnisvolle Welt von Kalif Storch

Franziska Hoffmann ist wohl das, was man auf Neudeutsch eine Soundmaschine nennen würde. Die Märchenerzählerin verleiht nicht nur dem titelgebenden „Kalif Storch“ in dem arabischen Märchen ihre Stimme, sondern allen Figuren mitsamt Rahmenhandlung, ob das nun die Fluggeräusche des Vogels sind, der sich windende Wurm oder die verzauberte Eule(nprinzessin). Das Hoftheater verwandelt sich so in eine geheimnisvolle Welt voller schillernder Gestalten.

Die schillerndste davon ist sicher die Erzählerin selbst, unterstützt von Joel Grip an der Gimbre, einem nordafrikanischen Saiteninstrument. Den hätte es mit den monoton gezupften Tönen manchmal gar nicht gebraucht bei all der Erzählkraft von Franziska Hoffmann, die mit ihrer Präsenz Begleitung die Kinder in ihren Bann zieht. Eine geborene Entertainerin.

Wie es eben im Märchen so ist: Im Unterschied zum „Erwachsenendrama“ Michel Hely am Vorabend gibt es ein Happy-End. Kalif heiratet in einem rauschenden Fest Prinzessin und sie leben glücklich bis an ihr Lebensende. Doch der Weg dahin ist natürlich steinig, mit vielen Abenteuern und Fallstricken unterhaltsam kindgerecht aufgebaut, sodass die wissbegierigen Kids bei der Stange gehalten werden. Das schafft Hoffmann bereits am Anfang, wenn sie unter jedem Sandkorn eine neue Geschichte entdeckt. Lustig, gruselig, mit Tieren, Prinzen, Zauberern, übers Essen: Sie hat sie alle in petto.

Auf die Frage, ob die kleinen Zuhörer ihre Lieblingsstory hören wollen, erntet sie erst noch ein verschämtes Ja. Später aber sind ihre Fans umso mehr bei der Sache, lachen, wenn sich die Erwachsene in Storchenverkleidung zum Affen macht, geben Tipps und wollen am besten alles gleich nochmal sehen. Denn genau das platzt aus einem Steppke heraus, als Franziska Hoffmann eine Wiederholung für heute um 11 Uhr ankündigt: „Da will ich wieder hin.“

Los geht’s, das überdimensionale, rosa-karierte Märchenbuch wird aufgeschlagen: Grimassierend, ständig gestikulierend, führt sie in die Geschichte ein. Lautstark sich selbst mit diversen Geräuschen untermalend, werden die den Kindern unbekannten Fremdworte „übersetzt“. Die haben dadurch kein Problem, den Geschehnissen zu folgen.

Die Handlung bildet mehr oder weniger den Rahmen dafür, dass die Erzählerin eine Slapstick-Nummer abzieht, hinter dem „Bühnenbild“ verschwindet, unterm Tisch durchkrabbelt oder den Figuren ihre Stimme in allen Facetten und Tonlagen leiht. Wenn sie die Verwandlung des Kalifen zum Storch nachspielt, indem sie sich rote Gummihandschuhe über die Füße zieht oder unter dem Kleid die roten Strumpfhosen als Storchenbeine sichtbar werden, dann erntet sie damit helle Kinderlacher.

Dann klappt noch der Storchenschnabel mit schöner Regelmäßigkeit über den Kopf und die jungen Zuschauer kriegen sich bald nicht mehr ein. Ob der Vogelflug Marke Helikopter oder der exaltierte Zauberer mit einer Flugbahn wie die Todesser, das Märchen in sechs Akten hält bei Laune. Ab zu ein modernes Einsprengel wie die Lust des Kalifen auf Pommes mit Ketchup und Hoffmann hat den Bezug von der „altbackenen“ Geschichte aus früherer Zeit ins Heute geschafft.

Zum Schluss gibt’s dann Klischee pur: Der dicke Schmatz des heiratenden Paares belustigt logischerweise, der fliegende Teppich für die Brautleute ist eine kleine Reminiszenz an Aladdin, der darauf vor kurzem im Kino durch die Lüfte flog. Eine schöne, kleine, bunte Märchenperle, an der auch die Erwachsenen in großer Zahl ihrer Freude hatten.

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Sebastian Schertel: „Ich lasse mich meist spontan inspirieren“

Wenn es um die musikalische Arbeit am Überwald-Gymnasium Wald-Michelbach geht, dann fällt automatisch der Name Sebastian Schertel. Der leitet ÜWG-Big Band und Sinfonisches Blasorchester, die oft außerhalb schulischer Anlässe anzutreffen sind. Doch auch jenseits der Schule ist der 40-Jährige aus Groß-Breitenbach bei Mörlenbach vielfältig musikalisch aktiv. Wir sprachen mit dem Lehrer über seine Motivation, wie er Jugendliche für die Musik begeistert und seine eigenen Vorbilder.

  • Herr Schertel, Sie sind seit knapp 10 Jahren Leiter von Chören und Schulensembles in der Region. Was motiviert Sie nach all dieser Zeit jedes Mal aufs Neue, die Mitwirkenden zu besonderen Leistungen anzuspornen?

Sebastian Schertel: In erster Linie das gemeinsame Musizieren. Aber auch die Erfahrung, zusammen etwas Großes geschafft zu haben, ein gestecktes Ziel erreicht zu haben. Gemeinsam den Applaus entgegenzunehmen, ist immer wieder ein Ansporn.

  • Wie kamen Sie zu Jugendzeiten mit der Musik in Kontakt, wie entstand daraus der Wunsch, diese „Laufbahn“ einzuschlagen, welches Instrument ist „Ihres“?

Schertel: Neben den üblichen Stationen wie der musikalischen Früherziehung und dem obligatorischen Flötenunterricht bin ich im evangelischen Posaunenchor mit zehn Jahren zu meinem ersten Blechblasinstrument gekommen – einem ziemlich verbeulten Tenorhorn. Meine Freude an diesem Instrument hält bis zum heutigen Tag an, auch wenn ich durch mein Studium phasenweise deutlich mehr Zeit der Posaune gewidmet habe.

Schon früh habe ich angefangen, im Posaunenchor und in der örtlichen Musikschule zu unterrichten, habe aber ansonsten alles gemacht, woran ich Spaß hatte. Vokalmusik, zünftige Blasmusik, Posaunist in einer SKA-Band und Gottesdienstbegleitung an der Orgel. Der Wunsch, beruflich Musik zu machen, anderen die Musik näher zu bringen und dafür aktiv Verantwortung zu übernehmen – gerade auch im Bereich der Schule und der Ausbildung -, war eher ein langsamer Prozess, als eine klare und frühe Entscheidung für ein bestimmtes Berufsbild.

Berufsmusiker zu werden habe ich lange nicht in Erwägung gezogen. Zum ersten Mal in Berührung gekommen bin ich mit dieser Welt, als ich meinen Wehrdienst beim Heeresmusikkorps in Kassel abgeleistet habe. Studiert habe ich im Hauptfach die Posaune, aber ohne das Tenorhorn und die Tuba würde mir etwas fehlen. Heute ist mein Instrument ganz oft ein Klangkörper, seien es meine Klassen oder die Gruppen, die ich leite. Das gegenseitige Vertrauen und das, was daraus in der Musik entstehen kann, ist ein besonderes Erlebnis.

  • Gab es in dieser gesamten Zeit prägende Ereignisse, die ihnen im Gedächtnis geblieben sind?

Schertel: Grundsätzlich haben mich die Zusammenarbeit und das Unterrichten mit meinen Schülern, sei es in der Schule oder im Einzelunterricht, mehr geprägt, als etwa die Hochschulzeit oder etwaige Idole. Es ist für mich immer wieder faszinierend, die Entwicklung eines Anfängers auf seinem Instrument zu beobachten und zu begleiten. Ein Geschenk ist es, jemanden gefunden zu haben, aus dem etwas – im musikalischen Sinne – „Großes“ werden kann.

  • Was sehen Sie als bisheriges Highlight ihrer Tätigkeit?

Schertel: Ein Highlight war sicherlich die Aufführung des Musicals „Leonarda“ mit der Grundschule Schimmeldewog, aber auch die Konzertreihen „ÜWG-Big Band meets Friends“ und „Musik an besonderen Orten“ sind jährliche Höhepunkte für mich geworden.

  • Nach welchen Kriterien suchen Sie Musikstücke heraus, die Sie dann erarbeiten? Haben Sie ein Faible für bestimmte Songs?

Schertel: Ich lasse mich meist spontan inspirieren. Es gibt so viel zu entdecken. Ganz selten gehe ich ganz konkret auf die Suche nach einem bestimmten Stück.

  • Welche Strategie schlagen Sie ein, um gerade Jugendliche für Musik zu begeistern, die manchmal ganz andere Interessen haben?

Schertel: Vorbild sein und zeigen, dass Musikmachen Freude bringt und eine unfassbar große Welt an Farben, Emotionen und Ausdrucksmöglichkeiten eröffnet. Das meint auch, bei 36 Grad im Schatten noch engagiert zu proben und gemeinsam Spaß an der Sache zu haben.

  • Wie schätzen Sie sich selbst ein? Als jemanden, der auch am letzten Ton feilt, oder als jemanden, der auch mal Fünfe gerade sein lässt, wenn der Gesamtklang stimmt?

Schertel: Feilen – dabei aber nicht das Lächeln und den Humor verlieren. Mein Ziel ist immer, das künstlerisch-musikalisch Erreichbare in einer bestimmten Konstellation von Ort und Musikern hörbar zu machen.

  • Gibt es ein bestimmtes Musikstück, das es ihnen besonders angetan hat?

Schertel: Ich höre und musiziere erstmal alles, was mir gefällt, seien es die Orgelkonzerte von Händel oder die Swingstandards aus der guten alten Zeit. Auch vor schrägen Tönen im Kontext der Neuen Musik scheue ich nicht zurück. Grundsätzlich liegt mir das Blech immer näher, als die restliche Welt der Instrumente. Stücke, die mich begeistern, kommen nicht aus einer bestimmten Zeit, sondern haben etwas, dass sie unverwechselbar macht.

  • Gibt es ein Lied, das Sie bisher noch nicht einstudierten, das aber ganz oben auf der Wunschliste steht?

Schertel: Nein, ich lass mich überraschen, was mir der Zufall so in die Hände spielt.

  • Wenn Sie einen Wunsch freihätten, welchem „großen“ Chor-/Bandleiter würden Sie gerne mal einen Tag über die Schulter schauen?

Schertel: Die beiden großen Stilrichtungen oder Epochen, die es mir besonders angetan haben, sind der Barock und der Swing. Eine Zeitreise zu Händel oder Vivaldi, Count Basie oder Glenn Miller würde ich sofort annehmen und ganz nebenbei noch meiner zweiten Leidenschaft, der Geschichte, nachgehen.

Sebastian Schertel, 40 Jahre alt, wuchs in der Nähe von Alsfeld im Vogelsbergkreis auf und wohnt in Zotzenbach. Er studierte Schulmusik (Hauptfach Posaune) und Geschichte an der Johannes- Gutenberg-Universität in Mainz. Unter seiner Leitung spielen zurzeit die ÜWG-Big Band, die auch immer wieder außerhalb der Schule zu hören ist, und das Sinfonische Blasorchester des Überwald-Gymnasiums. In Mörlenbach leitet er den evangelischen Posaunenchor. Privat nimmt er Gesangsunterricht als Countertenor. Eine engere musikalische Verbindung besteht zu den Orchestern und Musikvereinen des Überwaldes durch die Konzertreihe „ÜWG-Big Band meets Friends“. Wenn es mal nicht um die Musik geht, dann findet man ihn in seinem Garten.

Bürgermeister Stein war die treibende Kraft beim Bau der Karrillon-Schule

Ohne Georg Stein gäbe es wohl die heutige Adam-Karrillon-Schule (AKS) nicht. Der langjährige Wald-Michelbacher Bürgermeister von 1904 bis 1927, nach seinem Ausscheiden zum Ehrenbürgermeister ernannt und 1951 Namensgeber der gleichnamigen Straße, war die treibende Figur beim Bau des Ortsbild prägenden Sandsteingebäudes, dessen Einweihung 1927 Höhe- und Schlusspunkt von Steins Wirken für seine Heimatgemeinde war. In der Festschrift „70 Jahre Adam-Karrillon-Schule“ geht Dieter Griesbach-Aisant auf die (Vor-)Geschichte des Schulbaus ein.

Es war Anfang des 20. Jahrhunderts dringend notwendig, dass endlich ein neues, konfessionsübergreifendes Schulhauses gebaut wurde. Denn ständig steigende Schülerzahlen in engen Räumen, dazu trostlose bauliche Verhältnisse, schlecht bezahlte Lehrer und Auseinandersetzungen zwischen Schulbehörden und Gemeinde zogen sich bereits durch die vorigen drei Jahrhunderte. Auf der Nachtwächter-Führung von Geopark-vor-Ort-Begleiter Theo Reichert werden die verschiedenen Gebäude des Ortes, die einmal als Schulraum dienten, immer wieder erwähnt – oft auch in anderer Funktion.

Wie etwa das heutige Lokal „Zur Kreuzgasse“: 1845 erwarb die Gemeinde die dortige Lipp’sche Hofreite, als gerade einmal wieder dringender Raumbedarf herrschte. Die reformierte Schule zog mit allen Jahrgängen ein. Später, nach Umzug in die neue Karrillon-Schule, wurde daraus das Rathaus. Das besondere war in Ober-Wald-Michelbach, dass es bis 1927 eine getrennte katholische und eine evangelische Schule gab, so Theo Reichert. In der Region ist ihm diese Aufteilung bis weit ins 20. Jahrhundert hinein unbekannt.

Ende des 19./zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es einige wichtige Infrastrukturmaßnahmen wie Eisenbahn, Kreisstraßenbau oder Versorgung mit elektrischem Licht, die den Schulbau trotz enger Räume und vieler Kinder in den Hintergrund treten ließen. Mit Amtsantritt von Johann Georg Stein kam wieder Zug in die Sache. Der 1865 im Ort geborene erlernte das Sattlerhandwerk, war von 1899 bis 1904 Gemeinderechner und wurde 1904 zum Bürgermeister gewählt.

Als alle Beteiligten endlich an einem Strang zogen, Gelder bereitgestellt wurden, das Grundstück gekauft war, machte der Erste Weltkrieg allen Planungen einen großen Strich durch die Rechnung. Es war dann 1923 wieder Georg Stein, der Bewegung in die Sache brachte. Dem Heppenheimer Regierungsbaurat Karl Zimmermann hat Wald-Michelbach die markante Bauweise zu verdanken, durch die die Schule von der Kreidacher Höhe kommend sofort ins Auge sticht. Die Hauptfassade ist wie der gesamte Baukörper zweigeschossig in rotem Sandstein errichtet und durch ein schlichtes Sohlbankgesims aus weißem Sandstein gegliedert, schreibt Griesbach-Aisant.

Architekt Reinhard Guyot, der auch die maßgeblichen Pläne erarbeitete hatte, übernahm die Bauleitung. Zuerst ging es zügig voran, ein Jahr später waren trotz ungünstigen Untergrund bereits Keller, Badeanstalt und Erdgeschoss samt Rohbau fertiggestellt. Danach kam es dicke. Bauleiter Guyot wurde nicht in den Staatsdient übernommen, Zimmermann ging in Ruhestand, die Arbeiter streikten, weil sie kein Geld bekamen. Und es fehlten 210.000 Reichsmark.

Die Balken fürs Dachgeschoss mussten aus dem Schwarzwald geholt werden, erläutert Reichert, da es nach dem Ersten Weltkrieg kaum Stammholz im Odenwald gab: zum Teil durch Abholzung, zum Teil durch Reparaturleistungen an die Siegermächte.

Doch Ende gut, alles gut: Kurz vor Ende seiner Amtszeit durfte Bürgermeister Stein seinen persönlichen Triumph feiern. Acht Klassenräume (zwei waren für viel Geld noch nachgerüstet worden) und ein Zeichensaal, eine moderne Badeeinrichtung mit Schwimmbad sowie Wannen- und Brausebädern waren entstanden.

„Das Schwimmbad war für die damalige Zeit etwas Tolles“, weiß Reichert. Es wurde in „absolutem Jugendstil“ errichtete. Auch die Eingangstür des Schulgebäudes mit ihren Säulen zeugt von dieser Stilrichtung. Mit dem Bau der Karrillon-Schule wurde, ist ihm aus verschiedenen Erzählungen bekannt, versucht, dem Niedergang der Natursteinindustrie entgegenzuwirken. Denn früher gab es im Überwald 28 Steinbrüche, ein Hauptarbeitgeber der Region. Als in den 1920er Jahren die günstigeren Kunststeine aufkamen, brach sie immer mehr zusammen.

Die Folgejahre der Karrillon-Schule waren geprägt von weiteren Anbauten, dem Auszug von zuerst Volks- und Realschule sowie später des Gymnasiums in neue, eigene Räume. Ab 1971 war die Karrillon- somit eine reine Grundschule. Heute ist die AKS dreizügig. Des Weiteren gibt es zwei Intensivklassen, in denen Kinder unterrichtet werden, die die deutsche Sprache erlernen müssen.

 

Entwicklung der Karrillon-Schule

1910: Überschüssige Gelder wurden für den Schulhaus-Neubauzinsbringend angelegt.

1912: Staatsbeihilfe von 7500 Mark

Februar 1914: Der Gemeinderat beauftragte den Bürgermeister, Angebote für einen Bauplatz einzuholen.

März 1914: Erwerb des unterhalb des Amtsgerichts gelegenen Ackers am Kirchberg (2250 qm) für 3000 Mark

Juli 1914: Auftrag an die Großherzogliche Kreisbauinspektion Heppenheim, Entwürfe und Voranschläge für ein Schulhaus zu erstellen. Als Baumaterial sollte roter Sandstein verwendet werden.

1915: Vorlage von Plänen durch die Bauinspektion. Den Kosten von 140.000 Mark stand ein Kapital von 5500 Mark gegenüber.

1920: Der Jahnbund legte auf dem heutigen Schulhof einen Turnplatz an.

1923: Die Gemeindevertretung genehmigte wieder einen Neubau.

Sommer 1924: Vorlage von Ausführungsplänen für eine sechsklassige Schule mit umfangreicher Badeeinrichtung.

Oktober 1924: erste Erdarbeiten

  1. November 1924: feierliche Grundsteinlegung.

Stillstand 1925/26 wegen Streiks, Geldschwierigkeiten und Wechsel in der Bauleitung

  1. Juli 1927 Einweihung. Schulden der Gemeinde zu diesem Zeitpunkt 365.000 Reichsmark, Ende 1933: 380.000 Reichsmark.

1933: Umbenennung in Adam-Karrillon-Schule anlässlich dessen 80. Geburtstags

1952/53: Erster Anbau, 1995-97 zweiter Anbau

1964: Umzug der Volks- und Realschule in die neu gebaute Eugen-Bachmann-Schule

1971: Umzug des Gymnasiums in die neuen Räume des Überwald-Gymnasiums

1971: Schließung der Wannen- und Brausebäder

1986: Das Gebäude wird unter Denkmalschutz gestellt.

1994: Silllegung des Schwimmbads

„Rotzlöffl“ heizten den Garemern „boarisch“ ein

Auch wenn die „Rotzlöffl“ bereits zum siebten Mal das Garemer Festzelt zum Beben brachten, dauerte es zu Beginn kurzzeitig etwas, bis der richtige Drive drin war. Aber diese Phase währte nur ganz kurz. Bereits Mitte des ersten Sets standen die Zuschauer auf den Bierbänken, schunkelten, sangen und klatschen kräftig mit. Kurze Zeit danach stieg das Stimmungsbarometer noch weiter kräftig an und blieb bis nach Mitternacht im heißen Bereich.

„Wir freuen uns schon wieder wahnsinnig auf die Kerwe in Gadern“, hatte Christoph Plank zuvor gesagt. Denn das Quartett weiß seit sechs Jahren, welch begeisterungsfähige Meute aus dem Odenwald immer wieder zusammenkommt, auch wenn es dieses Jahr ein paar weniger als sonst gewesen sein dürften. „Vor allem finden wir klasse, dass wir mit unserer Musik und unserem Programm jedes Jahr aufs Neue punkten können“, lachte er.

Wer so lange in den Überwald kommt, der knüpft auch Kontakte: „Die mittlerweile tollen Bekanntschaften finden wir super. Das macht den Auftritt spezieller und vor allem persönlicher“, so Plank. Getreu dem Motto „Boarisch Rocken“ machten die vier eine Partyhölle aus dem Festzelt. Da passte Matthias Reims „Wahnsinn“ mit seinem Refrain wie die Faust aufs Auge.

David Sorgenfrei (Gitarren, Trompete), Sandro Augustin (Schlagzeug, Trompete), Matthias Zimmerer (E-Bass, Bariton), Christoph Plank (Akkordeon, Steirische, Keyboard), alle vier auch gesanglich aktiv, holten einen knalligen Sound ins Zelt, der selbst in den hintersten Reihen noch schweißtreibend wirkte. Die 2005 gegründete Band räumt jedes Mal auf der Roadschuh-Kerwe ab. Die Besucher kommen dafür längst nicht mehr aus dem Ort selbst, sondern von weiter her, um zusammen eine große Sause zu feiern.

Denn der Vierer lässt praktisch keinen Schlager aus und hat die größten Hits zu Medleys gemischt. Da gibt’s neben Schneewalzer, Kufsteinlied oder Amsterdam natürlich auch was von Andreas Gabalier zu hören, zusammen mit „boarisch“-volkstümlichen Stücken, aber auch mal zur Freude des Publikums eingestreute AC/DC-Riffs. Mitsingen bei den bekannten Ohrwürmern ist quasi Pflicht.

Was sich langsam, aber sicher zur schweißtreibenden Angelegenheit entwickelte. Auch deshalb, weil die Band ewig lange am Stück abhottete, ehe sie den Gästen die erste Pause gönnte. Vor einem Jahr hatte die Truppe einen Auftritt bei „Immer wieder sonntags“ in der ARD mit Stefan Mross. Dort präsentierte sie ihre Single „Fensterln gehen“. Diesen Song hatten die Rotzlöffl natürlich dann auch live in Gadern dabei.

U18 und Ü75 feierten bei der Party für alle Generationen zusammen mit den dazwischen liegenden Altersgruppen bis nach Mitternacht zusammen mit der Band. Zur Schunkelrunde ging’s ins Münchner Hofbräuhaus. Die Rotzlöffl beklagten sich danach über das fehlende Bier auf Hawaii, ließen Spanien kräftig hochleben (Viva España) und hetzten in ihrem Medley rockig „Atemlos durch die Nacht“. Währenddessen mussten die Bierbänke zeigen, dass sie stabil sind: Immer mehr Gäste stiegen auf sie, um ausgelassen mitzusingen und zu tanzen.

Zwischenzeitlich blitzte es hervor, dass die vier heimliche Rocker sein müssen. Augustin trommelt sowieso einen sehr rockigen Takt, Sorgenfrei rotzt ein paar fetzige Soli runter und Plank quetscht seine klangvolle Kommode, dass es eine wahre Pracht ist. Sowieso ist der Akkordeonmann der heimliche Chef auf der Bühne, der mit seinen virtuosen Intermezzi den Sound bestimmt.

Während die Mallorca-Hits „Schwarze Natascha“, „Knallrotes Gummiboot“ und der „Anton aus Tirol“ wie aus der Pistole geschossen musikalisch in die Menge gefeuert wurden, kannte diese kein Halten mehr. Jung und Alt ließen sich gerne von den „Rotzlöffln“ ins „Tiroler Land“ entführen oder tanzten den „Zillertaler Hochzeitsmarsch“. Wie überhaupt die Fläche vor der Bühne sich immer mehr füllte, je später der Abend wurde.

Hits von den Schürzenjägern, die Songs „7 Sünden“, „Brenna tuats guad“, „Cordula Grün“ oder Hulapalu zusammen mit 90er Hits bildeten die richtige Mischung für einen ausgelassenen Abend. Dann noch Bierzeltklassiker wie „Rock mi“ oder „Narcotic“: Ohne drei Zugaben kamen die vier Oberpfälzer nicht nach Hause. „Es war eine tolle Stimmung“, freute sich Christian Eck von der mitveranstaltenden Feuerwehr. Nach einem AC/DC-Revival und einem Abstecher zu Peter Maffay musste irgendwann Schluss sein. „Die Eisenharten blieben natürlich bis zum Morgen“, schmunzelte Eck.

Der Chor ist eine Art Familie: Susanne Hoffmann-Rettig im Gespräch

Sie ist das Gesicht des „Goldenen Scharbocks“: Susanne Hoffmann-Rettig. Alle zwei Jahre bringt die Scharbacherin an drei Abenden hunderte von Zuschauern zu dieser Fusion von Chorgesang und Rockmusik in den Überwald. Die ausgebildete Opernsängerin leitet außerdem die Kinderchöre und den Popchor „Crescendo“ der Waldeslust. Wir sprachen mit ihr über ihre Anfänge als Sängerin, die Motivation der (jungen) Mitsänger, ihr „Kind“, den „Goldenen Scharbock“ und – Bohemian Rhapsody.

  • Frau Hoffmann-Rettig, Sie sind seit etlichen Jahren Leiterin von Chören in Scharbach. Was motiviert Sie nach all dieser Zeit jedes Mal aufs Neue, in die Singstunde zu gehen und die (jungen) Sänger zu besonderen Leistungen anzuspornen?

Hoffmann-Rettig: In einer Zeit, in der die Menschen sich am Abend immer öfter nicht mehr von der Couch aufraffen können, ist es einfach schön, sich mit singbegeisterten Leuten im Vereinshaus zu treffen, gemeinsam zu musizieren, und sich anschließend beim Après-Chor zu unterhalten, zu lachen, sich auszutauschen. Gerade für Zugezogene oder allein Lebende ist der Chor eine Art Familie, in der man auch außerhalb der Musik Unterstützung findet. Das Singen kann ganz unterschiedliche menschliche Charaktere und auch Generationen zusammenbringen. Das finde ich spannend. Um diese dann gemeinsam zu besonderen Leistungen anzuspornen, bedarf es einer attraktiven Liedauswahl und einem besonderen Ziel. Das ist unserem Fall der „Goldene Scharbock“. Nach jedem dieser Konzerte konnten wir einen Sängerzuwachs verzeichnen. Das alles steht und fällt aber nicht allein mit mir: Zum einen habe ich eine riesige Unterstützung durch meine Familie und meinen Vorstand, der mir mit großartigem Engagement den Rücken frei hält und für mich jederzeit mit meinen Ideen ansprechbar ist. Zum anderen sind das unsere Sponsoren, ohne deren finanziellen Mittel solche Großprojekte nicht zu stemmen wären. Dieses Gesamtpaket ist es, was mir Spaß macht und mich motiviert, so weiter zu machen.

  • Wie kamen Sie zu Jugendzeiten mit der Musik in Kontakt, wie entstand daraus der Wunsch, die Chorleiter-Laufbahn einzuschlagen? Gab es in dieser Zeit prägende Ereignisse, die Ihnen im Gedächtnis geblieben sind?

HR: Als Jugendliche habe ich wie fast jedes Kind mit dem Blockflötenspiel in der Schule angefangen, habe dann Hammond-Orgel und die Kirchenorgel in Affolterbach gespielt. Meine große Liebe, den Gesang, habe ich erst mal tatsächlich in meinem Dorfgesangverein, der „Waldeslust Scharbach“, wie die Scharbacher Chöre auch heute noch heißen, und im damaligen Schulchor des Überwald-Gymnasiums gefunden. In diesem Schulchor unter der hervorragenden Leitung von Karlheinz Treusch haben wir anspruchsvolle Chorliteratur kennengelernt und tolle Konzerte auf die Bühne gebracht. Dieses Chor-Singen auf höchstem Niveau war der eigentliche Auslöser für meinen Wunsch, Sängerin zu werden. Eine Chorleiter-Laufbahn einzuschlagen war ganz eigentlich nie mein Wunsch, sie hat sich nur durch Zufall so ergeben. Ich fühle mich immer als eine Sängerin, die vorne steht, da bin ich Profi. Chorleiterin bin ich nur hobbymäßig und es wäre vermessen, meinen großartigen Dirigentenkollegen gegenüber zu sagen, ich sei eine Chorleiterin (schmunzelt).

  • Was sehen Sie als bisheriges Highlight Ihrer Tätigkeit?

HR: Ganz klar die „Night of the Golden Scharbock“. Der erste „Scharbock“ war ein Versuch, ob man Chormusik mit einer Rockband auf der Bühne in Einklang bringen kann. Da dies funktionierte, machten wir weiter. Jedes Event und jeder der drei Abende ist für mich ein Highlight, bei dem mir einfach nur das Herz aufgeht.

  • Welche Strategie wenden Sie an, um weiterhin Kinder und Jugendliche zur Mitwirkung in den Chören zu animieren?

HR: Bei dem Thema Kinder- und Jugendchorarbeit kann man wirklich von „Strategie“ reden. Kinder kommen nicht einfach so mal zum Singen vorbei, schon gar keine Jungs und auch nicht, weil irgendwo ein Werbeflyer liegt. Da muss man wirklich direkt auf sie zugehen, sie ansprechen und sich auch die Zeit nehmen, mal ein Gespräch mit ihnen zu führen. Worauf hätten sie mal Bock? Darauf lasse ich mich ein, versuche die Gesangsgruppen immer wieder neu zusammenzustellen, je nach den jeweiligen Bedürfnissen. Wollen sie mal ein extrem anspruchsvolles A-cappella-Stück einstudieren? Dann proben wir eine sechsstimmige A-cappella-Version der „Bohemian Rhapsody“. Können die Jugendlichen nur am Wochenende? Dann proben wir halt samstags. Das ist sehr aufwendig, aber nur so kann das funktionieren. Diejenigen, die bei einem Scharbock schon mal mitgemacht haben, möchten in der Regel auch beim nächsten Mal wieder in Kostüm und Maske mit auf der Bühne stehen.

  • Wie schätzen Sie sich selbst ein? Als jemand, die auch am letzten Ton feilt, oder als jemand, der auch mal Fünfe gerade sein lässt, wenn der Gesamtklang stimmt?

HR: Für mich ist tatsächlich erst mal das Wichtigste an Chorauftritten, dass dem Publikum klar ist: Denen da vorne auf der Bühne macht das Singen Spaß. Dieser Spaß kann aber auch natürlich nur entstehen, wenn man auf einem gewissen Niveau singt. Es kommen nur Lieder auf die Bühne, die auswendig gehen und bei denen sich der Chor sicher fühlt. Wir verfolgen ein anderes Ziel als ein Chor, der auf Wertungssingen geht und wenige Lieder bis zur Perfektion übt. Da wir auf den Goldenen Scharbock hinarbeiten, müssen wir ein großes Pensum an neuen Stücken auswendig lernen und das bei unregelmäßigen Singstunden. Da muss man einfach das Gesamtkunstwerk sehen, das am Ende herauskommt.

  • Gibt es ein bestimmtes Musikstück, das es Ihnen besonders angetan hat? Warum?

HR: Im Laufe der Jahre hatten wir immer mal Titel, die für mich und meinen Crescendo-Chor besonders waren. Die „Bohemian Rhapsody“, unser erstes wirklich anspruchsvolles Stück, von dem wir nie gedacht hätten, es jemals zu lernen. Als wir es dann drauf hatten, sangen wir sie über Jahre hinweg und bekamen immer großen Applaus dafür. Oder die schwere A-cappella-Version von „Engel“ – auch dieses eine Herausforderung, an der wir aber auch gewachsen sind. Oder „Music“…..

  • Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welchem großen Chorleiter würden Sie gerne mal einen Tag über die Schulter schauen und warum genau diesem?

HR: Da ich durch meine Tätigkeit am Nationaltheater Mannheim schon auf sehr gute Chorleiter im Klassikbereich getroffen bin, würde ich gerne für „Crescendo“ einem guten Chorleiter in diesem Spektrum begegnen. Eine von ihnen ist Stefanie Miceli, die den Bundeschorsieger „Vocalive“ leitet und auch schon bei uns Chorworkshops gemacht hat.

Zur Person: Susanne Hoffmann-Rettig (47) ist mit Jörg Rettig verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder. Die aus Scharbach stammende wohnt ebendort. Nach der Ausbildung zur Sparkassenkauffrau absolvierte sie ein Gesangstudium an der Musikhochschule Heidelberg-Mannheim und ist seit 1999 hauptberuflich Mitglied des Opernchors am Nationaltheater Mannheim. Seit 2002 leitet „Suse“, wie sie von allen genannt wird, den Kinderchor in Scharbach, seit 2006 den Crescendo-Chor. Seit 2010 stemmt sie alle zwei Jahre federführend die Veranstaltung „The Night of the Golden Scharbock“. Nächster Termin ist vom 8. bis 10. Mai 2020. Bei all den kulturellen Veranstaltungen ist Susanne Hoffmann-Rettig froh, ab und zu Zeit für Familie und Garten zu haben.

Schüler reparierten ihre Fahrräder

Die vierten Klassen der Adam-Karrillon-Schule absolvierten im Frühsommer vor dem Start der Ferien ihre Fahrrad-Ausbildung mit der Jugendverkehrsschule Heppenheim. Bald zeigte sich, dass man neben den geplanten sechs theoretischen Übungseinheiten mit den Verkehrspolizisten auch zusätzlich etwas praktische Erfahrung sammeln sollte. Glücklicherweise verfügt die Schule über zehn eigene Fahrräder, die für solche Zwecke genutzt werden können.

Jedoch waren diese Räder nicht sofort einsetzbar, stellte sich heraus: Die Reifen waren platt und Bremsen zum Teil nicht funktionsfähig. Bei genauerer Überprüfung tauchte noch der eine oder andere zusätzliche kleine Mangel auf. Deshalb waren Schüler und Lehrer dankbar, als sich die Möglichkeit einer Kooperation mit der ortsansässigen, ehrenamtlichen Fahrrad-Werkstatt auftat. Diese wurde ursprünglich mit einer Anschubfinanzierung aus den 500 Land-Initiativen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft heraus ins Leben gerufen und ist derzeit alle zwei Wochen samstags und dienstags geöffnet.

Offen und hilfsbereit zeigten sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Initiative, Rüdiger Mieslinger und Dennis Johann, als das Schulteam dort erstmals die „behandlungsbedürftigen“ Räder vorstellte. Beide sichteten die fahrbaren Untersätze, Ersatzteile wurden bestellt. Rasch rührte man in der Schule die Werbetrommel, um auch einige Eltern und Schüler mit ins Boot zu bekommen. Schließlich sieht das Konzept der Fahrrad-Werkstatt „Hilfe zur Selbsthilfe“ vor, also die Anleitung und Unterstützung beim eigenen Schrauben.

Gemeinsam setzten so Ehrenamtliche, Eltern, Schüler und Lehrer die zehn Drahtesel wieder in Gang. Die Werkstatt spendete der Schule sogar noch ein zusätzliches Fahrrad. Für ihr großes Engagement und die freundliche Unterstützung bei dem Vorhaben wurde dem Helfer-Team gedankt. Dieser Tage traf man sich nochmals an der Fahrradwerkstatt, um eine kleine Anerkennung zu überreichen. „Diese Aktion hat gezeigt, wie großartig es ist, solch eine Initiative vor Ort zu haben“, sagte Lehrerin Irina Burger.

Das Team der Fahrrad-Werkstatt sucht stetig weitere Interessierte und freut sich über Unterstützung jedweder Art, bekamen die Schüler vermittelt. Alle Bürger können auf das Angebot an Zweirädern zurückgreifen. Anfallende Kosten von notwendigen Ersatzteilen sind zu tragen, darüber hinaus gehende Spenden sind natürlich immer willkommen. Bei allem gilt: Wer seinen Drahtesel repariert haben möchte, muss selbst mit anpacken.

Info: Die Fahrradwerkstatt in der ehemaligen Feuerwehrwache Wald-Michelbach, Pestalozzistraße 15, hat wieder am Samstag, 27. Juli, von 10 bis 13 Uhr geöffnet, danach am Dienstag, 30. Juli, 17 bis 19 Uhr. Die Reparatur der Räder geschieht zusammen mit dem (neuen) Besitzer. Fahrräder müssen gebracht werden. Kontakt: Rüdiger Mieslinger, Telefon 06207/9499220.

 

Aus den Hits von damals wurden die Oldies von heute

Wenn Harald Walz ins Erzählen kommt, dann rauschen fast wie von selbst fünf Jahrzehnte Musikgeschichte am geistigen Ohr vorbei. Denn so lange ist der Aschbacher Sänger, Gitarrist, Keyboarder und Saxophonist inzwischen auf den Bühnen der Region in wechselnden Besetzungen unterwegs. Ans Aufhören denkt der agile 66-Jährige noch lange nicht. So gibt’s etwa am Samstag, 3. August, die zweite Mossautaler Oldie-Nacht an bewährter Wirkungsstätte.

Walz ist nicht der einzige aus dem Ort, der bereits 50 Jahre lang Musik macht. Sängerin Linda Sauer und Schlagzeuger Günther Reinhard (beide 67) starteten mit ihm zusammen bei den „Outlaws“, die damals landauf, landab tourten. Gründer waren Walz und der leider viel zu früh verstorbene Rudi Bommel. Die Stones waren in der Anfangszeit angesagt.

Nach ein paar Jahren mit den „Outlaws“ bekam Walz das Angebot einer damals im Odenwald bekannten Tanzband, „Blauweis“. Da schlug er zu. Linda Sauer und Bassist Dieter Jäger wechselten in dieser Zeit zum Klaus Bauer Swingtett. Die vor allem im Neckarraum bekannten „Dominos“ und dann die von ihm gegründete Band „Sunshine“ – wieder mit Linda Sauer – waren weitere Stationen. Mit letzterer tourte Walz in ganz Südhessen, war oft Gast bei Bienen- und Wiesenmarkt.

Die Oldie-Night gibt es wieder regelmäßig, seitdem Walz sie als Benefizveranstaltung zugunsten des Kunstrasens aufm Aschbacher Fußballplatz wieder ins Leben rief. Erst Siedelsbrunn und jetzt Schönmattenwag (wieder am 26. Oktober) lauteten die weiteren Stationen. In Ober-Mossau ist er mit seinen Friends auf Einladung der Chorgemeinschaft Open-Air im Hof des Gasthauses „Zum Ross“ zu Gast.

Außer den drei Urgesteinen werden dann auch Fred Quick von den Bobcats auf der Gitarre und Rüdiger Horst (Bass/Saxophon) aus Unter-Schönmattenwag mit an Bord sein. Der Beat der 60 und 70er Jahre steht im Mittelpunkt des Programms. Rattles, Stones, Archies, Roy Orbison, Neil Diamond oder Joe Cocker rattert Walz einige der bekannten Namen von damals runter.

Ein alter Pop- oder Rock-Hit aus vergangenen Zeiten jagt den nächsten. Auch deutsche Schlager aus früheren Jahren sind dabei. Wer schon einmal auf der Oldie-Night in Schönmattenwag war, weiß, welch tolle Stimmung dort immer herrscht. Walz ist musikalisch in der Region bekannt wie ein bunter Hund. Mit seiner Band schaffte er bereits zweimal ins Finale der SWR-Live-Sendung „Der närrische Ohrwurm“.

Apropos damals: Vor ein paar Jahrzehnten war das noch ein ganz anderes Musizieren. „Das hat bestimmt katastrophal geklungen“, lacht er im Rückblick. Damals wurde das Instrument eingestöpselt und los ging’s, kleine Fehler wurden in Kauf genommen. Das „Poor Boy“ von den Lords „könnte man heute gar nicht mehr so spielen“, sagt er. Denn weil oftmals Einspielungen bei den Songs dabei sind, muss alles stimmen, kann man sich keinen Patzer erlauben. „Früher war ein Fehler eben ein Fehler und nicht mehr zu ändern.“

Walz nimmt das sportlich. „Die Entwicklung geht weiter“, sagt er am Beispiel seines Großvaters. Der spielte früher in Unter-Schönmattenwag Trompete und wollte, dass der Enkel auch dieses Instrument lernt. Doch den faszinierte als Beat-Club-Fan die Gitarre. „Das war für meinen Opa keine Musik mehr.“ Heutzutage ist es genau anders, „da bin ich der Opa“, lacht er über die zunehmende Arbeit am Computer. Auch in Wirklichkeit ist Walz Opa: Er hat drei Enkel.

Für ihn heißt es ganz klar: „Wenn ich nicht mit der Zeit gehe, wäre ich nicht mehr im Geschäft.“ Denn: „Wer heute mitmischen will, kommt an der Technik nicht vorbei.“ Er hat auch kein Problem damit, die Mama von Niki Lauda anzuspielen, wenn dies der Wunsch der Besucher ist. Mit Linda Sauer tritt er daneben als Odenwälder Nibelungenduo auf den verschiedenen Kerwes auf.

Verschmitzt erinnert sich Walz noch an die Anfänge zurück. Während der Lehre als Maschinenschlosser „hab ich den ersten Mikrofonständer selbst gemacht“. Das Schlagzeug kaufte die Band in Wald-Michelbach und schleppte es nach Aschbach, da noch keiner ein Auto hatte. Als die Gruppe einen ersten großen Gig bei der Kerwe in Heiligkreuzsteinach bekam, „hatten wir keine gescheite Anlage“. Kurzerhand wurde eine von Dynacord aufgetrieben.

Vier Mark kostete damals der Gitarrenunterricht in der Woche. Viel Geld, wie ihm seine Mutter ständig einbläute. Aber es waren ja sowieso andere Zeiten. Die Musik gab es nicht einfach an jeder Ecke im Internet. „Ich habe mir ein Telefunken-Tonband gekauft und die Lieder aus dem Radio aufgenommen“, erzählt er. Dann wurden Texte und Harmonie rausgeschrieben und danach gespielt.

Info: Die Chorgemeinschaft Mossautal lädt am Samstag, 3. August, zur zweiten „Mossemer Oldienight“ mit „Harald Walz & Friends“ ein. Beginn 19 Uhr Open-Air im Hof des Gasthauses „Zum Ross“.