Standing Ovations für die gemeinsame Leistung von ÜWG-Ensembles und Trachtenkapelle

Standing Ovations waren der verdiente Lohn für sinfonisches Blasorchester, Big Band und Kocherbacher Trachtenkapelle bei ihrem gemeinsamen Auftritt. 65 Jugendliche, Frauen und Männer hatten sich beim letzten Teil von ÜWG-Big Band meets Friends auf der Bühne versammelt und boten in sechs Stücken ein beeindruckendes Musikerlebnis. Ravels „Bolero“ stach bei dieser zweiten Konzert-Zusammenarbeit innerhalb von sechs Jahren besonders heraus.

Als „das große Finale“ hatte ÜWG-Musiklehrer Sebastian Schertel den gemeinsamen Auftritt angekündigt. Der Radetzky-Marsch war genau der richtige „Einheizer“ für den Auftritt des sinfonischen Blasorchesters in der Kocherbacher. Die Besucher klatschten – ganz in der Tradition der Neujahrskonzerte – wie bei den Wiener Philharmonikern kräftig mit. „I’ll do it for you“ von Bryan Adams, die Filmmusik aus Robin Hood, schallte emotional und gefühlvoll von der Bühne.

„By Loch and Mountain“ nahm die Gäste mit auf eine Reise in die schottischen Highlands. Der Beginn war geprägt durch ein schönes Hornsolo auf der Grundlage des traditionellen Irish-Folk-Songs „I Know Where I’m Goin“ und kam eher ruhig rüber, spielte mit den verschiedenen Instrumentenfarben. Der zweite energiegeladene Teil, „Highland Celebration“, bestach durch einen pulsierenden Rhythmus und erinnerte an „Lord of the Dance“.

Viele Akteure trugen zum Gelingen des Abends bei, denen auf ÜWG-Seite Schertel und bei den Kocherbachern deren Vorsitzende Franziska Michel dankten. Humperdincks Abendsegen war dann das richtige Stück, um einen beschwingten Abend getragen zu beenden. Die spätromantische Märchenoper Hänsel und Gretel aus den frühen 1890er Jahren hatte jedoch trotzdem noch genug Intensität, um die Zuschauern zum Aufstehen und zu heftigem Beifall zu bewegen.

Den Beginn in der gut besuchten Rudi-Wünzer-Halle machten die 25 Musiker der Trachtenkapelle Kocherbach unter der Leitung von Achim Wagner. Sie boten ein buntes Potpourri quer durch alle Musikrichtungen von Schlager über Walzer, Polkas und Märsche bis hin zu Calypso und Big-Band-Sound. Michel freute sich in ihrer Begrüßung über die Wiederholung der Zusammenarbeit. „Gerne sind wir der Einladung gefolgt“, betonte sie.

Zwei Mal probten beide Ensembles zusammen, vor zwei Wochen im Gymnasium und einen Tag vor der Aufführung. „Lassen Sie sich überraschen, wie es ausgehen wird“, meinte sie schmunzelnd ans Publikum gewandt – und um es vorwegzunehmen: Es klappte alles bestens. Mit „In Harmonie vereint“ und „Für unsere Freunde“ starteten die Kocherbacher in Form von zwei Polkas. „The Lion King“ und ein Medley der Saragossa Band zeigten die Kapelle dann auf einem ganz anderen Feld aktiv. Der beschwingte Rhythmus verleitete das eine oder andere Mal zum Klatschen.

Saxophone und Holzregister standen im Medley der schönsten Stücke von Billy Vaughn im Vordergrund. Mit ihnen orientierte die Trachtenkapelle Richtung Big-Band-Sound. Vaughn verstand es nicht nur meisterhaft, alte Klassiker mit eigenem Stil wieder aufzubereiten, sondern er setzte vor allem die R&B-Musik und den Rock’n’Roll der schwarzen Musiker auf eine eigene Art um. Slavonicka- und Borsicka-Polka sowie der Deutschmeister-Regimentsmarsch zeigten die Musiker dann wieder auf vertrautem Terrain.

„Ich bin immer wieder stolz auf meine Musiker, wenn sie sich erfolgreich an Neues wagen und wir so etwas dann gemeinsam über die Bühne bekommen“, sagte Sebastian Schertel über den Big Band-Auftritt. Er zeigte sich sehr zufrieden mit dem Auftritt der jungen Musiker. „Es sind zur Zeit viele Talente dabei“, freute er sich.

In seiner Begrüßung erläuterte Schertel den Grundgedanken der gemeinsamen Konzerte. Er will damit die Zusammenarbeit des ÜWG, der von ihm geleiteten Big Band und des sinfonischen Blasorchesters, mit den umliegenden Orchestervereinen stärken und „den Kindern Neues zeigen“.

Gleichzeitig geht es darum, die Kontakte herzustellen, sodass die Jugendlichen – neben oder nach der Schule – auch woanders Musik machen können. Durch die zusammen gespielten Stücke sollen die jungen Musiker in anderen Genres Erfahrung sammeln. Den „Bolero“ oder im vergangenen Jahr „den Mars zu spielen“ ist schon was Besonderes, betonte Schertel.

Das etwa 30-köpfige Ensemble hatte einige Klassiker im Programm wie „Strike Up The Band“, „Boogie Down“, „Stand By Me“ oder das Rocky-Thema „Gonna Fly Now“. Bei „Summertime“ gab es auf dem Sopransaxophon ein Solo von Samuel Staat und in einem Zwischenteil von Jana Grohmann zu hören. Bei „In The Mood“ war Pauline Hildenbeutel solistisch aktiv, die zum 18. Geburtstag von der ganzen Halle ein Ständchen bekam.

Den Kontrabass bei den Swingnummern spielte Leo Pollitt, die Drumsolos, etwa bei „Sing Sing Sing“, waren von Elias Basler. „Der Abend war schön, die Big Band hat druckvoll und präzise gespielt“, bilanzierte Schertel. Gerade die letzten Stücke sorgten für große Begeisterung bei den Zuschauern. Mit Pausen waren es dann zum Schluss über drei Stunden Musik, die die Gäste bestens unterhielten.

Werbeanzeigen

„Big Band meets Friends“ mit ÜWG-Ensembles und Kocherbacher Trachtenkapelle

„Big Band meets Friends“ ist schon ein bestens eingeführtes musikalisches Format, bei dem sich das Ensemble des Überwald-Gymnasiums im jährlichen Wechsel Gäste einlädt, um mit diesen ein abendfüllendes Konzert zu gestalten. In diesem Jahr gibt es aber eine Neuerung: Erstmals ist das sinfonische Blasorchester des ÜWG mit im Boot, was ein ganz anderes Lied- und Instrumentenspektrum ermöglicht.

Für das dreiteilige Konzert am Samstag, 18. Mai, in der Rudi-Wünzer-Halle trafen nun die jungen Musiker zwischen zwölf und 18 Jahren mit ihrem diesjährigen Gast, der Kocherbacher Trachtenkapelle, zur gemeinsamen Probe zusammen. Außer der Generalprobe einen Tag vorher ist dies die einzige Möglichkeit, die sechs gemeinsamen Stücke unter einen Hut zu bringen. Denn 65 Musizierende „sollen dann das Gleiche spielen“, wie es augenzwinkernd Big-Band-Leiter Sebastian Schertel formulierte.

Sein Ensemble bestreitet mit gerne gehörten Klassikern den ersten Teil des Abends. „In the Mood“ oder „Gonna fly now“, das Thema aus dem Rock-Film, sind ebenso dabei wie ein Rock-Pop-Stücke oder das bekannte „Summertime“. Dann entert die 25-köpfige Trachtenkapelle die Bühne. Von ihr gibt es natürlich den bekannten „Deutschmeister Regimentsmarsch“, „In Harmonie vereint“ oder auch den „Böhmischen Sonntag“ zu hören. Wieder mit im Set die der „Lion King“ und die „Liebeserklärung“.

Mit dem sinfonischen Blasorchester werden dann Instrumente beim ÜWG-Klangkörper zu hören sein, die vorher nicht in der Big Band zuhause waren: Bassklarinette, Waldhorn, Klarinette, Tuben oder Flöten. Der „Radetzkymarsch“, Bryan Adams „I’ll do it für you“ aus dem Robin-Hood-Film oder „By Loch and the Mountain“ sind solche gemeinsamen Lieder, die dann mit den Kocherbachern erklingen. Letzteres hat es Schertel sehr angetan, wie er gleich singend deutlich machte. Irisch-schottisch angehaucht, ist ein Hornsolo integriert „und dann geht es ab à la Michael Flatley“.

Durch das Orchester sind laut Schertel „mehr Instrumentierungen möglich als bisher“. Gleichzeitig kann der Dirigent Schülern ein musikalisches Zuhause bieten, die in der Bläserklasse groß wurden, aber in der Big Band mit ihrem Instrument nicht vertreten waren. Damit lässt sich dann auch ein ganz anderer Klang erzeugen. Personell gibt es einige Überschneidungen. Zwei Drittel der jeweils etwa 30 Köpfe starken Ensembles spielt auch im anderen.

Wie mit der Feuerwehrkapelle im vorigen Jahr trat die Big Band bereits vor fünf Jahren mit den Kocherbachern auf. Hinter der Zusammenarbeit „steckt immer die Idee, den Kindern eine Perspektive zu geben, wo sie nach der Schule weitermachen können“, erläutert Schertel. Denn er fände es schade, mangels Möglichkeiten das Instrument an den Nagel hängen zu müssen. Bei der Trachtenkapelle wird das bereits praktiziert: Drei ÜWG-Schüler spielen in ihr mit.

„Das wird schon ein besonderes Erlebnis, wenn 65 Leute auf der Bühne sind und das Gleiche spielen“, freut sich der ÜWG-Lehrer. Jede Kapelle probte im Vorfeld bereits die eigenen Stücke, jetzt standen die sechs gemeinsamen auf dem Programm, bevor dann bei der Generalprobe der letzte Schliff erfolgt.

Schertel war zu diesem Zweck auch bei einer Probe der Kocherbacher dabei und brachte diesen etwa „Evening Prayer“ oder „Bolero“ näher – Songs, die seine Schüler schon kennen. Gleichzeitig übte er mit diesen wiederum den „Earth Song“ von Michael Jackson ein.

Neben dem rein Musikalischen denkt man bei der Trachtenkapelle natürlich auch ein wenig an die Vereinszukunft, sagt Vorsitzende Franziska Michel. „Wir wollen den Kontakt zwischen den Schülern und der Kapelle herstellen“, erläutert sie. Und dabei auch zeigen, was mit den verschiedenen Instrumenten alles möglich ist. Sie äußerte die Hoffnung, „dass der eine oder andere hängen bleibt“.

Info: ÜWG-Big-Band meets Friends mit der Trachtenkapelle Kocherbach und dem sinfonischen Blasorchester, Samstag, 18. Mai, 19 Uhr (Einlass 18 Uhr), Rudi-Wünzer-Halle, Eintritt frei, Spenden sind willkommen. Die Bewirtung übernimmt der ÜWG-Förderverein.

Überwälder Umwelt-Initiativen bündeln Kräfte

„Es ging um ein erstes Kennenlernen und darum, mögliche Wege der Zusammenarbeit auszuloten“, erläuterte Jürgen Klieber von Verein für ökologische Landwirtschaft (Luna) die Hintergründe des ersten Treffens der beiden Umwelt-Initiativen in Siedelsbrunn. Anwesend waren der gesamte Vorstand des gemeinnützigen Kocherbacher Vereins und Aktive der Blühwieseninitiative Wald-Michelbach (Bwi Wamiba).

Die lose Bwi-Gruppierung um Alfons Schmitt, Jürgen Baron und Frank Derikatz ist seit 2012 in Aktion und hat es sich zur Aufgabe gemacht, brachliegende Flächen durch Umwandlung in Blühwiesen ökologisch aufzuwerten, um den Lebensraum für Insekten zu erhalten. „Angesichts des massiv voranschreitenden Bienen- und Insektensterbens ein wichtiger Beitrag“, findet Luna-Vorstandsmitglied Thomas Langer. Dessen Verein mit Schwerpunkt auf ökologischer Landwirtschaft und Naturschutz hat in der Vergangenheit bereits ebenfalls durch das Anlegen von Blühstreifen an den von Luna nach biologischen Rahmenbedingungen bewirtschafteten Feldern für mehr Blütenpracht gesorgt.

Ebenso sorgt Luna durch eine nachhaltigere Nutzung ihrer Wiesenflächen für eine stetig wachsende Blüten-, Insekten- und somit auch größere Vogelvielfalt. Boden- und Grundwasserschutz, Ausbau von Öffentlichkeitsarbeit sowie die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen – auch bei anderen Themen waren sich die Vertreter beider Abordnungen schnell einig.

„Wir haben die gleichen Ziele“, bilanzierte Bwi-Mitglied Helmut Siefert den Abend. So verständigte man sich darauf, künftig Knowhow und Erfahrungen stärker auszutauschen. Gemeinsame Veranstaltungen und gegenseitige Hilfe bei Arbeitseinsätzen sollen ebenfalls Schwerpunkte einer Zusammenarbeit beider Umwelt-Initiativen sein. Heinz Trautmann vom Luna-Vorstand sieht in der Vernetzung von Gleichgesinnten den nächsten logischen Schritt. „Gemeinsam können wir viel mehr erreichen und die Zukunft des Überwaldes effektiver gestalten.“ Interessierte eingeladen, sich zu beteiligen.

Info: Ansprechpartner sind Alfons Schmitt von der Blühwieseninitiative (Telefon 06207/82165) und Gerhard Ader von Verein Luna (Telefon 0160/97514051).

Großes Interesse der Kinder am alten Brauchtum

Mit etwas Verspätung erreichte Apfelkönigin Melanie II. den „Markt für regionale Produkte“ in Wald-Michelbach. Am Stand des Vereins für nachhaltige Landwirtschaft (LUNA) konnte sie sich erst einmal bei frisch gekeltertem Apfelmost und leckerer Kartoffelsuppe zwischen leuchtenden alten heimischen Apfelsorten entspannen und stärken. Derweil waren auch die Reinholds aus Wald-Michelbach eingetroffen. Die fünfköpfige Familie war schon vor einigen Wochen bei der Kartoffelernte in Kocherbach dabei. Die drei Jungen hatten beim Kartoffel-Lesen die ausgefallensten Erdäpfel gefunden, für die vom Verein ein Preis beim nächsten Fest versprochen wurde.

Nun warteten sie mit großer Vorfreude auf die Preisverleihung. Genauso gespannt waren Maxime Mauermann sowie Julia und Jan Ader, die für ihre emsige Mitarbeit auf dem Kartoffelacker, beim Äpfelsammeln auf den Streuobstwiesen des Vereins, beim Dosenwerfen für Kinder und Keltern des zuckersüßen Apfelmostes am Luna-Stand auf der Hofwiese Preise als großes Dankeschön erhielten. Auch Emma Schröder hatte sich durch ihre Mithilfe beim Keltern ebenfalls einen Preis verdient.

Vorstandsmitglied Thomas Langer bedankte sich im Namen des Vereins für das große Interesse der Kinder am alten Brauchtum und ihr tolles Engagement. Übereinstimmend machte ihnen die „Feldarbeit“ einen Riesenspaß. Nur das Kartoffelfeuer mit den darin gerösteten Kartoffeln muss Luna bei der nächsten Ernte noch entzünden. Die jungen Preisträger und ihre Eltern beschlossen, die Preise in Form von Freikarten für die Sommerrodelbahn und einen Besuch im daneben liegenden Kletterwald gemeinsam zu nutzen.

„Die Rückmeldungen zu unseren Bio-Kartoffeln sind durchgehend positiv“, erzählte Luna-Kassenwart Jürgen Klieber, während er zwei Kilo davon auf einer alten Waage abwog und einer jungen Frau überreichte. Bei der Gelegenheit schnitt er ihr gleich noch einen kleinen leuchtend roten Apfel auf, der aussah, als käme er direkt aus dem Schneewittchen-Märchen.

„Wir verfolgen ja schon seit längerer Zeit eure Arbeit und Informationsveranstaltungen. Jetzt konnten wir uns auch einmal direkt ein Bild machen. Macht bitte weiter so“: Viele solcher positiven Rückmeldungen brachten den zweiten Vorsitzenden Heinz Trautmann spontan zur Zusage, im nächsten Jahr wieder mit einem Stand am Regionalmarkt dabei zu sein. Etliche Kunden bestellten bereits größere Mengen Biokartoffeln und Äpfel für das kommende Jahr vor.

Vereinsvorsitzender Gerhard Ader ist überzeugt, dass das Bewusstsein für nachhaltige Landwirtschaft auch im Odenwald noch weiter zunehmen wird. Er sieht die Aufgaben für den Verein nicht weniger werden. „Ich habe schon einige Ideen, was wir nächstes Mal noch besser machen können“, so der Kocherbacher. Dafür setzt der Verein auf die tatkräftige Mithilfe seiner Mitglieder, von denen immerhin fast 20 an diesem sonnigen Herbsttag viel Freude bei den zahlreichen Verkaufsgesprächen hatten.

Info: Wer sich für die Arbeit von LUNA interessiert, kann sich jederzeit unter http://www.luna-kocherbach.de und bei Facebook informieren.

Luna-Großeinsatz gegen den kleinen Kocherbacher Kartoffelkäfer

Gerhard Ader hat einen kleinen Feind. Dieser ist gerade mal einen guten Zentimeter „groß“ und mit seinen schwarzgelben Streifenpanzer „eigentlich hübsch anzuschauen“, findet der Biologe. Doch der Leptinotarsa decemlineata („Zehnstreifen-Läufer“) ist ein gefürchteter Schädling. Landwirte und Hobbygärtner müssen den Kartoffelkäfer alljährlich bekämpfen, um größere Ernteausfälle zu verhindern. Deshalb steht auch Ader diesen Sommer zwei bis drei Mal pro Woche auf einem zwei Hektar großen Kartoffelacker, den der Verein für nachhaltige Landwirtschaft (Luna) aus Kocherbach im zweiten Jahr bewirtschaftet.

„Das ist ein Bamberger Hörnchen, eine alte Kartoffelsorte, die den Käfern offenbar besonders gut schmeckt“, erklärt Ader und deutet auf ein dunkleres Kraut. „Durch den großen Verlust an Blattfläche kann die Kartoffelpflanze nicht mehr genügend Nährstoffe für die Knollen ausbilden“, erklärt der 65-Jährige das Problem des starken Befalls. Gefräßige Käfer und nimmersatte Larven können ganze Ernten gefährden, sofern man nicht konsequent gegen sie vorgeht. Besonders in warmen Sommern vermehren sich die Schädlinge rasch.

Ursprünglich stammt der Kartoffelkäfer aus Colorado, weshalb er auch unter dem Namen „Colorado Beetle“ oder „Ami-Käfer“ bekannt ist. Von dort gelangte er Ende des 19. Jahrhunderts durch Schiffstransporte nach Europa. Ohne natürliche Fressfeinde breitete er sich ungehindert aus. Um der Plage in Deutschland beizukommen, formte sich 1935 der Kartoffelkäfer-Abwehrdienst (KAD). Man verteilte Kartoffelkäfer-Fibeln an Schulen und rief zur Kartoffelkäfer-Bekämpfung auf.

2018 fühlt sich „Karl Kahlfraß“, wie er zu DDR-Zeiten auch genannt wurde, auf der Kocherbacher Höhe sichtlich wohl. Vier weitere Vereins-Mitglieder und freiwillige Helfer durchstreifen unermüdlich die Reihen. Geduldig pflückt der „Kocherbacher Kartoffelkäfer-Abwehrdienst“ (KKAD) mal eine winzige Larve im Anfangsstadium, mal einen ausgewachsenen Käfer von den Blättern.

Als eine „fast meditative Tätigkeit“ erlebt Vereinskassenwart Klaus Oberle den regelmäßigen Dienst im Feld. Der IT-Fachmann genießt sowohl die „sportliche“ Herausforderung des Absammelns als auch die Gelegenheit für ein Schwätzchen zwischendurch. Denn immer wieder bleiben neugierige Spaziergänger am Wegrand stehen und stellen Fragen. „Wir erklären dann, dass Luna hier Bio-Kartoffeln anbaut“, sagt der Affolterbacher, „und dass das eben mehr Aufwand als herkömmliche Landwirtschaft bedeutet.“

Das Absammeln per Hand ist zwar mühsam und zeitintensiv, aber immer noch eine der effektivsten und natürlichsten Methoden im Kampf gegen die Kahlfresser. Denn Spritzmittel zu vermeiden ist eines der zentralen Anliegen von Luna. Der Verein setzt sich außerdem dafür ein, den jahrzehntelangen intensiven Einsatz von Gülle auf den Feldern zurückzudrängen sowie Flächen in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuführen und die Artenvielfalt der Region zu erhalten.

„Wir liegen mit unseren Themen im Trend“, glaubt Gerhard Ader, der ein zunehmendes Interesse an der Arbeit des Vereins registriert – und das nicht nur bei älteren Spaziergängern, die im Gespräch mit leuchtenden Augen von ihren Kindheits-Erinnerungen auf deutschen Kartoffeläckern erzählen. So stieß beispielsweise auch das letztjährige Vereinsfest auf große Resonanz.

Zahlreiche Besucher freuten sich über die erste eingebrachte Ernte in Form von Kartoffelpuffern und -suppe. Ganz nebenbei wurden den Gästen ihre Fragen rund um nachhaltige Landwirtschaft beantwortet. „Eine schöne Gelegenheit, den Besuchern bewusst zu machen, dass nachhaltiger Anbau von Nahrung im Odenwald möglich ist“, resümiert Ader.

Auch dieses Jahr ist wieder eine Erntefeier geplant. Damit der Verein wieder eine gute Kartoffelernte einfahren kann, müssen die Kartoffelkäferjäger noch einigen gefräßigen Schädlingen den Garaus machen. „Wer sich für einen freiwilligen Helfer-Einsatz interessiert, ist  jederzeit willkommen“, so Klaus Oberle.

Interessierte können sich unter E-Mail info@luna-kocherbach.de melden und auf der Webseite http://www.luna-kocherbach.de über weitere Tätigkeiten des Vereins informieren.

Die Nächte bei der Kocherbacher Kerwe sind lang

Der jüngste Kerweparre des Überwalds machte seine Sache zur Begeisterung des Publikums mehr als gut. Nico Stein ist erst 13 Jahre alt und gab als Überraschungsbesetzung bei der Kocherbacher Kerwe sein Debüt. Noch kurz vor seinem Auftritt war spekuliert worden, ob es überhaupt einen Nachfolger für Vorgänger Tobias Krause geben würde. Umso größer war dann das Hallo, als der Sohn von Danny Stein die Bühne enterte.

Zuerst zog Mundschenk Mario Schmitt in den Saal des Kastanienhofs ein und erweckte den Eindruck, dass es keinen Pfarrer geben würde. Darauf deutete auch die Aufschrift auf dem Anhänger hin: „Ist denn gar kein Pfarrer da? Es grüßt der Scheich in diesem Jahr.“ Mit lautem „Wem ist die Kerwe“ zog die Truppe an den Gästen vorbei, die es sich bei herrlichem Wetter rund um die Gastwirtschaft bequem gemacht hatten.

Kerweparre Nico Stein wusste von einem Kocherbacher zu berichten, der den Geldbeutel nach einer durchzechten Nacht im Kastanienhof vergessen hatte. Da war es dann nichts mit dem Kauf der Busfahrkarte. Die Moral von der Geschichte: Er dud sich die Fahrkaade im Voraus kaafe, liewer zwa mol schlecht gefahrn, wie oamol gut gelaafe.“

Lacher hatte auch die Geschichte von dem, der ein altes Cabrio ohne Zentralverriegelung fährt. Aussteigen nach Alkoholgenuss und mit dem Arm auf dem Knopf funktioniert dann halt nicht so gut. „Er liewe Leid, sou äh Audo ist doll, doch zum bediene warer leider zu voll“, meinte der Kerwepfarrer. Er wusste auch von den Erlebnissen seines Vorgängers bei der Hochzeitsreise auf die Malediven zu berichten – schon am Flughafen war dem ganz komisch.

Von den eher rustikalen Anmachmethoden eines Bauernsohns hatte der Kerweparre auch Wind bekommen. Der wollte nämlich seine Schwester zum Güllefahrn einladen – und nicht zum Eisessen, wie dann die wohlmeinende Empfehlung lautete. Die Zuschauer im Saal des Gasthauses hatten einen Riesenspaß bei den Ausführungen von Pfarrer Stein, dem keine Fehltritte seiner Mitbürger im vergangenen Jahr verborgen blieben.

Wenn im kleinen Ortsteil Kerwe gefeiert wird, dann ist an Schlaf nicht zu denken. Schon die ersten beiden Nächte waren extrem kurz, die nächste stand ihnen in nichts nach. Es wurde gefeiert bis in die frühen Morgenstunden. Geweckt wurden die letzten Partygäste quasi am Sonntagmorgen von der Trachtenkapelle Kocherbach, die zum sehr gut besuchten Frühschoppen aufspielte.

Ein buntes Nachmittagsprogramm ließ die Gäste gerne am Kastanienhof verweilen. Traditionell war die Jugend am Zug. Begrüßt wurden die Gäste von Christina Speck, die sich federführend ums Programm kümmerte. Durch den Nachmittag führten dann die „wundervolle attraktive Alissa“ (Stein) und die „herrliche Samy“ (Samantha Mergel). Unterstützung bekamen sie von Helene Speck.

Beim Lied „Schäfer Heinrich“ erhielt Tobias Stein Hilfe von Steffen Rabsch an der Trompete und Mario Schmitt auf dem Akkordeon. Wolfgang Petry in Gestalt von Alissa Stein hieß der nächste Gast. Den „Wahnsinns-Kerl“ hatte Samy Mergel gerade in der Umkleide gesehen, meinte sie. Mit „Hölle, Hölle, Hölle“ ließ der bekannte Schlager nicht lange auf sich warten.

„Immer wieder sonntags“ hieß es passenderweise am richtigen Weg in Anlehnung an Cindy und Bert, in diesem Fall Samantha Mergel und Nico Stein. Sie begeisterten die Zuschauer mit ihrer Darbietung. Dann waren die Kerwe-Kids dran. Es sangen und tanzten Hermine Oberle, Aleksander Krowka, Ksawery Krowka sowie Hannie und Luis Bernhardt. Hermine Oberle suchte auf den „Country Roads“ einen „Cowboy als Mann“. Dazu gab’s auch den entsprechenden Tanz, ebenso wie zu „Cowboy, Cowboy“ und „Cowboy und Indianer“.

Die Tanz-Gruppe „One2Step“ hatte sich drei Songs als Darbietung herausgesucht: „Saturday Night“, „Ketchup Song“ und „Barbie Girl“. Alissa Stein, Nico Stein, Samantha Mergel und Eva Reitz heimsten viel Applaus ein. Für die Choreografie der Tänze war Alissa Stein verantwortlich, während Danny Stein für die Musik verantwortlich zeichnete. Er sorgte auch für die Umrahmung von Reden und Tänzen. Zum Schluss standen dann alle gemeinsam auf der Bühne. Erstmals dabei: die beiden Zweijährigen Carla Einberger und Emma Keil.

Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen wurden am Sonntagnachmittag sehr gut angenommen. Dazu hatte sich auch Bürgermeister Dr. Sascha Weber eingefunden. Der Luftballon-Wettbewerb läutete nach dem sehr gut besuchten montäglichen Frühschoppen nachmittags den Ausklang ein. Unter lautem Wehklagen wurde dann die Kerwe in Form des Schildes mit der diesjährigen Zahl zu Grabe getragen.

Kocherbacher Verein Luna war vielfältig aktiv

Auf eine breite Palette von Aktivitäten blickt der Kocherbacher Verein zur Förderung ökologischer Landwirtschaft, LUNA, zurück. Mehrere Hektar Fläche werden bereits nachhaltig bewirtschaftet. Dazu gibt es Aktionen wie Kartoffelernte oder Schnittkurse. Der Verein hat die Patenschaft über zwei Gallowayrinder der Landwirte Mauermann und Schierenbeck übernommen. Ein Pferdeprojekt an der Heckenmühle lief erfolgreich an, wurde auf der Jahreshauptversammlung im „Lamm“ angesprochen.

Vor dem Bericht des Vorsitzenden Thomas Michel gab Wolfgang Schierenbeck einen Überblick über das Aussehen und die Einsatzbereiche der LUNA-Neuanschaffungen Striegel und Erdbohrer. Auch über den Bewuchs auf den einzelnen Äckern informierte er die Mitglieder. Weiterhin zeigte er anhand von aktuellen Aufnahmen die Vitalität und das Wohlergehen der beiden „LUNA-Patenkinder“, Wasserbüffelkalb Kabul sowie Gallowaydame Jane, in ihren jeweiligen Herden.

Gerhard Ader präsentierte den Anwesenden mit einigen Bildern die Aktivitäten im vergangenen Geschäftsjahr 2017/2018. Unter anderem erwähnte er die Kartoffelernte und das darauf folgende Herbstfest mit den Erdäpfeln in Gras-Ellenbach, den Besuch der Grünen Woche in Berlin, den Obstbaum- und Sträucherschnittkurs, die Heckenpflege in der Heckenmühle und die Brutkastenaktion. Gleichzeitig wurden die von LUNA betreuten Flächen gezeigt.

Mit Blick auf das vergangene Geschäftsjahr erwähnte Ader die Umsetzung des Pferdeprojekts mit dem Partnern Mauermann/Schierenbeck und dessen Förderung mit den von den Mitgliedern bewilligten Mitteln. Bau von Unterständen, Heukrippe und Zäunen durch Teresa Bartmann und ihre Helfer fanden ebenfalls Nennung. Es folgte die Umsiedlung von drei Pferden in die „neue Heimat“.

Vorträge gab es im vergangenen Jahr über die EU-Landwirtschaftspolitik, die Folgen der intensiven Landwirtschaft, die neue Düngeverordnung sowie neue Fördermöglichkeiten im Landbau. Erwähnung fand die Anschaffung eines Erdbohrers und eines Striegels, was die Kasse kräftig belastete, aber eine nachhaltige Investition darstellte. Es gab einen regelmäßigen Austausch des Vorstands mit den Partnern.

Die Freude war groß, dass sich doch schon etliche biologisch überaus interessante Biotopflächen in Vereinshand befinden und in der jetzigen Vegetationsperiode noch einige weitere dazukamen. Geförderte Grünflächen gibt es aktuell 7,13 Hektar, Ackerland 5,3 Hektar und das Pferdeprojekt läuft auf 3,1 Hektar. Zu den „güllefreien“ LUNA-Flächen gehören die von Mitgliedern bewirtschafteten Wiesen, das Pferdeprojekt, Blühstreifen an den Ackerrändern und die von zertifizierten Biolandwirten bestellten Äcker. Mitglieder sind es derzeit 56, mit Familien über 100, zahlende sind es mittlerweile über 30.

Mit Blick auf das laufende Jahr erwähnten der Vorsitzende und Ader den Abschluss weiterer Pachtverträge, den Kartoffelanbau mitsamt folgendem Fest, eine Testphase für Gemüseanbau und die Zertifizierung für biologischen Landbau. Geplant sind wieder eine Fahrt zur Grünen Woche, eine engere Kontaktpflege mit Naturschutzgruppen und nachhaltig arbeitenden Landwirten sowie die Beendigung der Pflegeschnitte an den Obstbäumen.

Angeschafft werden soll ein Mähwerk, wofür der Verein 3000 Euro aufbringt. Der Rest soll über Spenden finanziert werden. Parzellenverpachtung, solidarische Landschaft oder Vertriebspartner, Blumenstreifen und Fortbildung waren weitere Schlagworte. 70 Obstbäume stehen auf eigenen Flächen. An Anschaffungen wurden getätigt: 23 Meisenbrutkästen, drei Kästen für Hausbrüter, drei Fledermauskästen und ein Insektenhotel.

Jürgen Klieber stellte den positiven Finanzbericht vor. Weiterhin beauftragten die Mitglieder den Vorstand, die von ihm vorgeschlagenen Versicherungen abzuschließen, um die Arbeit der Mitglieder abzusichern. Welche Maschinen zur Sauberhaltung kleiner und feuchter Wiesen sowie für die Mahd der Streuobstwiesen angeschafft werden soll, muss noch intern besprochen werden. Der Vorstand erhielt hierfür das Mandat.

Zum Kassenprüfer wurde für den turnusgemäß ausscheidenden Thorsten Ader Klaus Oberle einstimmig gewählt. Er steht jetzt Martin Monnheimer zur Seite, der den Bericht der Kassenprüfung in humorvoller Weise präsentierte und die einstimmige Entlastung des Vorstandes leitete. Die Vorstandswahl wurde einstimmig auf August verschoben, da der bisherige Vorsitzende Dr. Thomas Michel signalisierte, aufhören zu wollen, sich aber aus dem Besucherkreis kein Nachfolger fand. Er sei berufloich und privat ezu eingespannt, sagte Michel. Der Vrein mit einer solchen Füpllen von Aktivitäten solle einen Vorsitzenden haben, der sich besser einbringt, sagte er.