Bodo Bach babbelt in Affolterbach herrlichen Blödsinn

„Pech gehabt“ hieß es wohl für alle, die den Auftritt von Bodo Bach in der Peter-Heckmann-Halle verpasst haben. Denn dort war der Komiker mit seinem gleichlautenden Programm zu Gast und hinterließ eine sich vor Lachen krümmende Gästeschar, bei der die hessische Dialektik des FFH-Radiomoderators – mit dem bürgerlichen Namen Robert Treutel – super ankam. Beim Veranstalter, dem SVA-Förderverein, gab es zahlreiche positive Rückmeldungen für dieses kulturelle Highlight im Überwald.

Bodo Bach zeigt sich bestens präpariert, als er die Bühne des mit ungefähr 300 Besuchern besetzten Saals entert. Immer wieder verblüfft er mit genauen Kenntnissen, sei es über den 90 Jahre alten Sportverein oder die Unentschieden-Serie der Fußballer mit vier Remis in Folge. Thema: „Ihr seid halt hart im Nehmen.“ Dazu noch sein Dank an die vielen ehrenamtlichen Helfer, und die Überwälder fressen ihm aus der Hand.

Sowieso fühlt man sich bei ihm irgendwie wie zu Hause. Da ist der angenehm durch die Halle schwingende hessische Singsang in der seiner Stimme, die Verbundenheit zwischen Offebescher und Affelbescher und seine Themen, mitten aus dem Leben gegriffen: die Probleme mit dem Sohn, mit dem Leben, mit der ungerechten Welt sowieso, manchmal hintergründig dem Publikum mitgegeben, sodass es ein wenig dauerte, bis der Groschen gefallen war, dann aber auch wieder brachial-direkt, dass die Lacher spontan aufbrandeten.

Ob Ehefrau Gerda und Sohn Rüdiger wissen, dass ohne sie die Nonsens-Programme wohl nur halb so lang wären? Während der Kabarettist seine Frau eher wohlwollend-nachsichtig, mit ein paar Eigenheiten, einbaut, möchte wohl keiner in Rüdigers Haut stecken. Zu plastisch ist die Beschreibung des blassen Stubenhockers, der mit seinen 29 Jahren immer noch keine Frau gefunden hat und zuhause rumgammelt.

Herrlich die Kuppelversuche des Vaters, der in diversen Anzeigentexten darüber spekuliert, wie er den Filius endlich aus dem Haus und an die Frau bringen kann. Nur: „Blasser Endzwanziger sucht Frau fürs Leben. Kann gut ausschlafen“ könnte möglicherweise wenig Erfolg haben, ist auch Bodo klar. Denn er wäre gern Opa, solange er das Enkelkind „noch auf den eigenen Knien schaukeln kann“. In fortgeschrittenem Alter ist das nichts mehr für ihn, wenn die beiden dann Windeln austauschen können, meint er despektierlich.

Bodo Bach leidet natürlich wie andere Comedians auch darunter, dass man in der schnelllebigen Zeit manche Gags vielleicht schon einmal gehört oder in sozialen Netzwerken gelesen hat. Doch er macht es mit seiner Erzählweise wett. Detailreichend die Szenen ausschmückend, kunstvolle Pausen einbauend, immer im Kontakt mit dem Publikum, bekommt er am laufenden Band seine Lacher. Und dazu noch die ideenreichen Sprünge rund ums Thema Pech.

Denn das ist nicht nur das Gegenteil vom Glück, weiß der Komiker. Sondern im Mittelalter auch eine Flüssigkeit, die den Feinden von der Burgmauer auf den Kopf gekippt wurde. Die Armen verwendeten das Pech, um es auf Äste zu streichen, damit Vögel daran festklebten und sie somit das Glück hatten, ein Essen auf den Tisch zu bekommen. Festklebende Vögel? Ja klar, daher kommt der Name Uhu, meint Bodo Bach schelmisch lächelnd, während sich im Saal der Besucher nicht mehr einkriegen.

An den zehnjährigen Fabian gewandt, der vor ihm in der ersten Reihe sitzt, hängt er gleich noch hintendran, dass der es sich bloß nicht so merken soll, sonst gibt es in der Schule Ärger. Wie überhaupt der Kabarettist ständig den Kontakt mit ein paar ausgewählten Zielpersonen sucht. Die haben – wie Gudrun – das Glück, bei ihm nicht zur Zielscheibe, sondern lediglich als „Running gag“ immer wieder ins Programm eingebaut zu werden.

Herrlich seine Beschreibung einer Weinwanderung in der Pfalz, bei der das Wandern in den Hintergrund trat und sich die Gesellschaft die komplette Weinkarte vom Deidesheimer Leberhaken bis hin zum Heinsterberger Hirntod munden ließ. Dazu noch Freund Lutz als Schnapsdrossel, der das „Bett im Dornfeld(er)“ trällerte, und fertig ist ein buntes Kaleidoskop voller schwankender Erinnerungen.

Dass der Komiker kein Esoterik- und Veggie-Fan ist, lässt sich unschwer an seiner Verve erkennen, mit der er beide Zeitgeist-Erscheinungen mit Hohn und Spott überzieht. Dabei kommt er aber so freundlich babbelnd um die Ecke geschlichen, dass ihm die Betroffenen kaum böse sein können. Wie auch, sie bekommen ja vor lauter Lachern kaum Luft, wenn er bei en Eso-Nachbarn über Hunger klagt, aber nur „Gläser mit rauchenden Salzstangen“ vorfindet. Oder sich darüber amüsiert, dass seine Gerda als Hauptpreis des Kreuzworträtsels in der Zeitschrift „Wild und Hund“ ein Essen für zwei im vegetarischen Restaurant gewonnen hat.

Jörg Rettig, der Vorsitzende des SVA-Fördervereins, war mit dem Besuch zufrieden. „Ein paar mehr hätten es natürlich noch sein dürfen“, meinte er. Beim nächsten Mal kommen die aber bestimmt, zeigte er sich zuversichtlich, wenn sich der super Auftritt des Comedy-Entertainers herumspricht. Bodo Bach ließ jedenfalls schon durchblicken, dass er gerne wieder in den Überwald kommt. Bei so viel Lob, wie er gegenüber dem Publikum aussprach, scheint es dem 61-Jährigen bestens gefallen haben. „Ich schau mir jedes Jahr ein paar Kabarettisten an“, erläuterte Rettig. Dann trifft er eine Auswahl, welche namhaften Künstler er nach Affolterbach holt. Ihm geht es darum, „das kulturelle Angebot im Überwald zu bereichern“. Es sei der Anspruch des Fördervereins, nicht nur im Bereich Fußball tätig zu sein.

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Neue Wachstumspotenziale durch Digitalisierung: Firma Jöst Abrasives erhält Landeszuschuss für Digitalisierungsprojekt

„Der Förderbescheid kam auf Papier, nicht digital“, lachte Christian Jöst. Das Geld allerdings wurde von der Wirtschafts- und Infrastrukturbank (WI-)Bank Hessen überwiesen und nicht in bar vorbeigebracht. 10.000 Euro erhielt die Firma Jöst Abrasives nach erfolgreicher Fördermittelberatung durch die Wirtschaftsförderung Bergstraße (WFB) als Landes-Zuschuss für ihr Digitalisierungsprojekt. WFB-Geschäftsführer Matthias Zürker freute sich mit WFB-Projektmanager Marco Stibe und Sebastian Schröder von der ZKÜ darüber.

„Das ist schlankes Programm, über das man schnell Mittel beantragen kann“, zeigte sich Jöst positiv überrascht. „Drei Stunden und ich war durch.“ Zwei Wochen später kam schon die Zusage. „Das war der beste Tipp, den ich je bekommen habe“, zollte er der WFB großes Lob. Denn normalerweise rechne sich – obwohl es genug Fördertöpfe gibt – die Beantragung einer Förderung für ein mittelständisches Unternehmen nicht, „weil es einen hohen bürokratischen Aufwand bedeutet“.

Jöst will aktuell – auch im Zuge des Hallen-Neubaus in Ober-Abtsteinach – seinen kompletten Wareneingang digitalisieren. „Der Online-Versand wird immer wichtiger“, betonte der Geschäftsführer. Die Firma ist Experte für die Entwicklung und Herstellung von Schleifmitteln und –systemen.

Um auf dem neuesten Stand und für die Zukunft gerüstet zu sein, „haben wir eine neue Homepage mit Shop erstellen lassen“. Noch ein paar Zertifikate obendrauf und das Ganze kostete 170.000 Euro. Ein zusätzliches Scanner-Programm schlug mit 40.000 Euro zu Buche. Da kann man 10.000 Euro als Förder-Höchstsumme immer gut gebrauchen. Da die Förderung projektbezogen ist, kann sie für weitere, zusätzliche Maßnahmen aufs Neue beantragt werden, so Jöst. Er wies darauf hin, dass der Zuschuss auch für kleinere Betriebe interessant sei: Wenn jemand eine Investition mit 8000 Euro habe, könne er diese eventuell sogar komplett abdecken.

Inzwischen, betonte der Jöst-Geschäftsführer, „investieren wir in Software schon fast so viel wie in Maschinen“. Das Digitale lasse sich allerdings schwerer greifen. Innovation hat in der Firma Tradition. „Mein Vater Peter kaufte in den 80er Jahren für 5000 Mark einen der ersten IBM-Computer“, erinnerte sich Christian Jöst. Die Digitalisierung von Logistikprozessen „spart wirklich viel Zeit“, betonte er. Die Firma lagere Rohstoffe für ein halbes Jahr auf Vorrat. Die Scannerlösung „hilft dabei, Mangel zu vermeiden“. Bisher kam es schon mal vor, dass nur noch eine Rolle auf Lager war, die für sechs Stunden reichte und die Nachlieferung aber sechs Wochen braucht. Das soll jetzt der Vergangenheit angehören.

„Es fällt kein Arbeitsplatz dadurch weg“, hob der Geschäftsführer hervor. Im Gegenteil: Für die Mitarbeiter wird alles leichter zu händeln. Als nächsten Schritt nannte er die Digitalisierung des Warenausgangs. Bei 1600 Produkten bedeute dies eine große Erleichterung. So könne eine gezielte europaweitere Auslieferung auch kleinteiliger erfolgen. „Amazon ist an uns herangetreten. Die würden gerne unsere Produkte vertreiben“, sagte Jöst. Auch dafür braucht man die Abwicklung über Computer. Wenn die Lagerhalle in Abtsteinach fertig ist, kann der Betrieb in die Vollen gehen.

Das Unternehmen Jöst ist genau auf dem richtigen Weg. „Die Digitalisierung ist ein wichtiges Zukunftsthema“, betonte Zürker. „Wir sagen den Betrieben immer, sie sollen sich damit beschäftigen.“ Es gebe zwar Risiken, „aber noch viel mehr Chancen“. Viele Kunden setzten inzwischen schon die Abwicklung per Computer voraus. Zürker erkannte zusätzliches Potenzial, wenn sich Firmen auf diese Weise breit aufstellen.

„Es gibt inzwischen die notwendige Infrastruktur“, hob der WFB-Geschäftsführer hervor. Internet sei in der Fläche mit 50 Mbit vorhanden, „wer was drauflegt, bekommt sogar 1 Gbit Download“. Das Glasfaserkabel werde dann direkt bis zum Unternehmen gelegt.

Nur bei der Mobilfunkabdeckung hapert es noch ein bisschen, ergänzte ZKÜ-Geschäftsführer Sebastian Schröder. Der bezeichnete die Firma Jöst als Aushängeschild des Überwalds, die als Hessen-Champion der Region einen bundesweiten Bekanntheitsgrad garantierte. Der Betrieb sei ein Innovationsvorreiter. „Wir dürfen bei den Erneuerungsprozessen nie aufhören“, forderte er. Das festige den Wirtschaftsstandort und mache ihn zukunftsfähig.

Die Digitalisierung ist laut Schröder allerdings auch „kein Allheilmittel“. Es werde immer etwas Analoges bleiben – was er als positiv bezeichnete. Gerade auf dem Land „ist der menschliche Faktor wichtig“. Hier hakte Christian Jöst ein. Der Überwald bedeutet für ihn keinen Standortnachteil, sagte er. Einen Fachkräftemangel konnte er auch nicht feststellen. Im Gegenteil: gute, motivierte Mitarbeiter.

Info: Am Förderprogramm „Zuschuss zu Digitalisierungsmaßnahmen“ interessierte Unternehmen können sich an WFB-Projektmanager Marco Stibe, Telefon 06252-6892950, E-Mail marco.stibe@wr-bergstrasse.de, wenden.

Foto: Wirtschaftsförderung Bergstraße

In Tracht feiern die Besucher bis tief in die Nacht

Schon Tage vorher vermeldete der SVA mal wieder: „ausverkauft“. Wie schon seit etlichen Jahren ist die „Nacht in Tracht“ aufs Neue der Renner im Veranstaltungskalender des Vereins. Tolle Stimmung, nette Gäste, leckere Speisen und einfach nur super Unterhaltung: Die Rückmeldungen der Besucher bei der siebten „Nacht in Tracht“ glichen sich wie ein Ei dem anderen. Für viele ist der Termin jedes Jahr gesetzt, sie sind bereits Stammgäste.

Der gesamte Überwald war zusammengekommen, um in der Peter-Heckmann-Halle sein eigenes rauschendes Oktoberfest zu feiern. Die Veranstaltung war mit 500 Plätzen wieder ausverkauft. Bis spät in die Nacht saßen die fast durchgehend in Krachlederner, Karohemd und Dirndl gekleideten Besucher zusammen. Die Kocherbacher Trachtenkapelle spielte drei Sets mit insgesamt 35 Stücken. Für den erkrankten DJ Gun sorgten André Knapp, Tim Schons und Arne Wilhelms dazwischen und später, zu fortgeschrittener Stunde, für die passende musikalische Unterhaltung „aus der Konserve“.

Toni Emig, Vorsitzender des 25 Mann und Frau starken Ensembles, freute sich bei seiner Begrüßung über den großen Zuspruch. Jörg Rettig vom SVA, Thorsten Heckmann von der Schmucker-Brauerei und Bürgermeister Dr. Sascha Weber richteten auch Grußworte die gut gelaunten Gäste. Nach dem gelungenen Fassbieranstich durch Weber gab es dann gleich Festbier aus Maßkrügen. Das Repertoire der Kocherbacher umfasst den volkstümlichen Bereich wie Märsche und Polkas, aber auch diverse bekannte Walzerstücke. Damit unterhielt die Kapelle prächtig in ihrem ersten Set.

„Stelldichein in Oberkrain“, „Bierwalzer-Potpourri“, „Die Fischerin vom Bodensee“, „Auf der Vogelwiese“, „Aus Böhmen kommt die Musik“, „Böhmischer Traum“ oder „Wir Musikanten“ hieß es unter der Leitung von Ralph Dinu-Biringer, der das erste Mal bei der Nacht in Tracht dirigierte. Schnell klatschten die ersten mit, bildeten sich die ersten Schunkelrunden und wurde hier und dort schon mal aufgestanden und auf den Tischen getanzt. Wer wollte, durfte auch gleich mitsingen.

Die Idee der „Nacht in Tracht“ hat Jörg Rettig aus Österreich mitgebracht. Dort sah er vor acht Jahren eine solche Veranstaltung und dachte sofort: „Das ist was für Affolterbach.“ Um dabei zu sein, schmeißen sich auch die Einheimischen „in Schale“: Um die 90 Prozent dürften in Tracht erschienen sein, schätzt Rettig. Dem Einfallsreichtum und der Kombination von Kleidungsstücken waren dabei keine Grenzen gesetzt.

„Das ist mein Baby“, meint Hauptorganisator Rettig zum Überwälder Oktoberfest. Über 20 Helfer des SVA sorgten bis 4 Uhr in der Früh dafür, dass es den Gästen an nichts fehlte. Dazu kamen noch zusätzliche Bedienungen, die in den Gängen hin und her wuselten. Ohne alle Helfer wäre alles nichts: Deshalb dankte Rettig diesen besonders. Die typischen Speisen wie Fleischkäse, Spießbraten, Haxen, Händl oder Weißwurst leerten sich im Verlauf des Abends zusehends.

Natürlich ganz zu schweigen von den Biermengen. „Um die 800 Liter“ gehen bei jeder Veranstaltung weg. Und „trotzdem“ verläuft alles sehr friedlich. „Wir brauchen keine Security“, ist das Affolterbacher Oktoberfest für Rettig dasjenige von den 50 durch ihn im Jahr organisierten, „das einfach ohne Vorkommnisse läuft“. Ein halbes Jahr Vorarbeit steckt in der „Nacht in Tracht“. Eine super Party „für unser Alter“, blickte Rettig in die auf den Bänken tanzende Menge, die mit zunehmendem Abend gar nicht davon runterzubringen war.

Je später der Abend, desto mehr Schlager, Pop- und Rocksongs schlichen sich ins Repertoire ein. Sehr zur Freude des frenetisch klatschenden Publikums. „Take Me Home, Country Roads”, ein Dieter Thomas Kuhn- und Helene Fischer-Schlagerpotpourri, „Atemlos“, „Griechischer Wein“, oder „Viva Colonia“ bestimmten den zweiten Teil. Alten Rocklegenden wurde im dritten Set mit „Smoke on the water“ von Deep Purple gehuldigt. „Hulapalu“ von Andreas Gabalier oder „Rock mi“ bedienten den Zeitgeist. Ganz klassisch dann der Schluss mit „Fürstenfeld“ und „Böhmischer Traum“.

Matthias Linzmaier, Ronja Helfrich („Atemlos“), Danny Stein und sein Sohn Nico griffen zwischenzeitlich zum Mikro. Bei der Löffelpolka spielte Frank Beisel das Solo. Von Anfang an war das Publikum voll dabei, feuerte die Kapelle an, klatschte und schunkelte mit. Erst etliche Zugaben später durften die Musiker irgendwann rund gegen Mitternacht von der Bühne und ihren wohlverdienten Feierabend genießen.

André Knapp, Tim Schons und Arne Wilhelms legten zwischen den Sets der Kocherbacher und auch danach die größten Hits aufs, die sowohl Bayern als auch die Schlagerwelt hervorbrachten. In den Pausen noch verhaltener, drehten die drei danach den Lautstärkeregler so richtig auf. Mehrfach wurde „Cordula Grün“ von Josch gespielt. Die Party näherte sich dem Höhepunkt, viel mehr Gäste standen auf den Bänken als dass sie saßen. Der Mittelgang wurde mehr und mehr zur Tanzfläche.

Mit Gustav Adolf weiß heute kaum einer mehr was anzufangen – die Affolterbacher Kirche trägt seinen Namen

Mit dem Namensgeber der evangelischen Gustav-Adolf-Kirche im Wald-Michelbacher Ortsteil können heute nur noch die wenigsten etwas anfangen. „Gustav wer?“ heißt es zum schwedischen König des 17. Jahrhundert, der im Dreißigjährigen Krieg bei der Wahl der Mittel zur Verbreitung des protestantischen Glaubens nicht gerade zimperlich war. 400 Jahre ist es 2018 her, dass durch den eigentlich unspektakulären Prager Fenstersturz ein Brand auf dem Kontinent ausgelöst wurde, der diesen entvölkerte und gravierend veränderte. Auch der Überwald war danach praktisch menschenleer.

Gustav Adolfs Namen trägt heute noch die 1907 eingeweihte Kirche, für die im Juni 1906 Baubeginn war. Wobei Pfarrerin Tabea Graichen die Einschränkung macht, dass dafür durchaus auch das nach ihm benannte Gustav-Adolf-Werk Pate gestanden haben könnte, da es durch einen erklecklichen Geldbetrag den Bau erst ermöglichte. Das 1832, zu Gustav Adolfs 200. Todestag gegründete Werk mit Sitz in Leipzig ist auch heute noch weltweit sozialdiakonisch, missionarisch und baulich tätig.

Von den deutschen Protestanten wurde Gustav II. Adolf zu seiner Zeit als Vorkämpfer, Held und Retter des Protestantismus idealisiert. Gerade in der Romantik wurde der schwedische König deutlich überhöht. Sein Eingreifen in den Krieg verhinderte nach landläufiger Meinung einen katholischen Sieg. Sein Schlachtentod machte ihn in der öffentlichen Wahrnehmung zum Märtyrer des Glaubens. Eine ganze Weile lang „ging man unkritisch mit seinem Namen um“. Auch in der Romantik wurde er als Verbreiter des Protestantismus verklärt.

Anlässlich der 400. Wiederkehr des Kriegsausbruchs spielt Gustav Adolf wohl in der öffentlichen Wahrnehmung keine Rolle mehr. „Ich wurde bisher überhaupt nicht darauf angesprochen“, so Graichen. Wenn überhaupt, können noch die älteren Gemeindeglieder etwas damit anfangen, die jüngeren nicht mehr, ist ihr Eindruck. Denn als sie mehr als zehn Jahren ihr Amt in Affolterbach antrat, „haben mich Besucher noch des Öfteren gefragt, warum die Kirche nach diesem Mann benannt wurde“.

Graichen sieht den Kirchen-Namen vor dem Hintergrund der Zeitläufte. Auch andere Gläubige, nach denen Gotteshäuser benannt sind, „haben nicht unbedingt nach den Zehn Geboten gelebt“, sagt sie. Beispiel Luther: „Der hat auch Klopper rausgehauen“, so die Pfarrerin, aber trotzdem die Reformen maßgeblich vorangebracht. Natürlich steht für sie die Frage im Raum, „ob man vor 400 Jahren dem Protestantismus mit anderen Mitteln zum Durchbruch verhelfen konnte“.

Die Methoden des Schweden „sind natürlich nicht mein Mittel der Wahl“, macht Graichen klar. Allerdings „habe ich auch nicht vor vier Jahrhunderten Jahren gelebt“. Gustav Adolf habe „sehr martialisch“ im Namen der Konfession in den Krieg eingegriffen. Allerdings müsse man alles „vor dem Hintergrund der damaligen Zeit sehen, auch wenn es das Tun nicht rechtfertigt“. Leider geschehen auch noch im Namen von Religionen Gräueltaten, bedauert sie.

Die Benennung der Kirche vor mehr als 110 Jahren sieht sie „als Zeugnis dieser Zeit und des Blicks auf Gustav Adolf“. Einer kritischen Auseinandersetzung stehe die Bewahrung nicht im Wege, „weil es Teil des protestantischen Erbes ist“. In den Kirchenprotokollen ist zumindest „noch nie die Idee aufgetaucht, die Kirche umzubenennen“. Sowieso ist die in Affolterbach ihrer Kenntnis nach eine der wenigen in der Region, die überhaupt einen Namen hat.

Das denkmalgeschützte Jugendstil-Kirchengebäude wurde von 1905 bis 1907 nach Plänen von Friedrich Pützer errichtet. Fast 200 Jahre lang war die Gemeinde zuvor ohne Gotteshaus, denn die erste erwähnte Kirche von 1568 wurde im Laufe des 18. Jahrhunderts wegen Einsturgefahr geschlossen. Angeblich kümmerte sich der Landesherr nicht darum, einen zwischenzeitlichen Rechtsstreit verlor man aber. Danach fanden Gottesdienste in Wirtshaussälen statt, es gab aber auch 30 Jahre gar keinen eigenen.

„Affolterbach konnte sich damals einen Neubau mit 40.000 bis 50.000 Markt nicht leisten“, weiß Graichen aus der Kirchenhistorie. Mit allen möglichen Mitteln wurde versucht Geld zu akquirieren. Die Rede ist von einem Postkartenverkäufer, „der den Leuten kräftig auf die Nerven ging“, schmunzelt die Pfarrerin. Ab 1874 gab’s Pläne für einen Neubau, die immer wieder verschoben wurden. 1894 wurde ein Kirchenbauverein gegründet, der dann die großzügige Zusage des Gustav-Adolf-Werks erhielt. Sogar die Kaiserin von Russland, die öfters zur Sommerfrische im Überwald weilt, gab 100 Goldrubel zum Bau dazu.

Anfang des 20. Jahrhunderts „war Gustav Adolf immer noch populär“, erläutert Tabea Graichen. Gerade in einer katholischen Region mit reformierten Einsprengseln war er so etwas wie „der Held des Protestantismus“. In der Affolterbacher Kirchengemeinde, die sich zu dieser Zeit zu einer Filialgemeinde von Wald-Michelbach entwickelte, gab es sogar einen nach ihm benannten Verein und eine Jugend. Da war es mit seinem Namen für die Kirche nicht weit her. Unter den Wappen über der Kanzel ist neben dem von Landesherren und Reformatoren folgerichtig auch seines zu finden.

Gustav II. Adolf (geb. 1594 in Stockholm, gestorben 1632 bei Lützen, Kurfürstentum Sachsen) war von 1611 bis 1632 König von Schweden und eine der wichtigsten Figuren der schwedischen Geschichte und des Dreißigjährigen Krieges. Er trug durch Reformen und sein militärisch-politisches Handeln wesentlich dazu bei, Schweden eine Hegemonialstellung im nördlichen Europa zu verschaffen, die bis Anfang des 18. Jahrhunderts bestand. Sein Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg in Deutschland ab 1630 verhinderte einen Sieg des kaiserlichen Lagers der Habsburger und sicherte damit indirekt die Existenz des deutschen Protestantismus.

Allerdings war Gustav Adolf jedoch auch ein machtorientierter Realpolitiker, dessen Hauptziel die Herrschaft Schwedens über den Ostseeraum und die Absicherung als Großmacht im nordeuropäischen Raum war. Evangelische Überzeugungen und nationaler Ehrgeiz gingen in ihm eine untrennbare Verbindung ein. Damit passte er in seine Zeit, die auf der katholischen Seite von Männern wie Wallenstein und Tilly gekennzeichnet war.

 

Mit den Heimkehrern soll es beim SV Affolterbach eine sichere Sache werden

Mit zurückgekehrten „Affelbeschern“ will der SVA in der Bergsträßer Fußball-Kreisliga B wieder ein Wörtchen mitreden. Nachdem die vergangene Runde vor allem gegen Ende hin vom Kampf gegen den Abstieg dominiert war, strebt der Verein auch mit Hilfe von Rückkehrern in der kommenden Saison das gesicherte Mittelfeld an. Mit den neuen Trainern Antonio Pietroluongo und Joachim Hademer kam zudem frischer Wind ins Team.

„Zwischendurch war es schon etwas eng“, meint Spielausschussvorsitzender Helmut Sattler im Rückblick. Zum Schluss hin berappelte sich die Elf aber, fuhr wieder ein paar Siege ein und zog sich so am eigenen Schopf aus dem Abstiegsstrudel. Sattler macht für das Hin und Her auch die Abmeldung der ersten Mannschaft des TV Lampertheim verantwortlich. Dadurch spielten ein paar leistungsstarke Akteure in der Zweiten mit, wodurch diese Auftrieb bekam, Begegnungen plötzlich gewann und damit die Tabelle etwas verfälschte.

„Ich bin glücklich, dass wir die B-Klasse gehalten haben“, betont Sattler. „In dieser Saison können wir jetzt darauf aufbauen.“ Denn natürlich ist ein B-Ligist für potenzielle Neuverpflichtungen, aber auch für die bisherige Elf attraktiver als ein C-Liga-Verein. Vor diesem Hintergrund war es auch einfacher, frühere SVA-Akteure oder aus „Affelboch“ stammende zurückzugewinnen. „Sonst wäre der eine oder andere vielleicht nicht gekommen“, gibt der Spielausschussvorsitzende freimütig zu.

Ein Rückkehrer ist Marcel Eckert, der von der TSG Weinheim in den Überwald zurückkommt. Von ihm versprechen sich die SVA-Verantwortlichen einiges. Der defensive Mittelfeldmann soll von hinten raus das Spiel ankurbeln. „Wir wollten uns in der gesamten Breite verstärken“, meint Sattler mit Blick auf die anderen Neuzugänge. Denn in der vergangenen Runde zeigte sich, dass es vorn an der Chancenverwertung haperte, aber andererseits die Abwehr nicht immer solide stand. „Wir müssen in allen Bereichen stärker werden“, betont er deshalb.

Der Verein setzt deshalb auch große Hoffnungen auf das neue Trainerduo. Gerade Pietroluongo hat Erfahrungen im A-Jugendbereich und weiß deshalb, wie er die junge Truppe anzupacken hat. „Der kann mit denen umgehen“, schmunzelt Sattler. Er ist mit seinem Co Hademer bereits engagiert bei der Sache. „Die hängen sich richtig rein“, hat er beobachtet. Beide haben einen guten Zugang zu den Spielern gefunden. „Ich bin sehr positiv gestimmt“, sagt der SVA-Mann deshalb.

Denn eine Zitterpartie wie in der letzten Saison soll es nicht mehr geben. Das Team strebt einen Platz im gesicherten Mittelfeld an. Am Wochenende wird im Trainingslager erst einmal Kraft und Ausdauer gebolzt, ehe es dann zum Testspiel gegen den C-Ligisten Italia Bensheim geht. Mit dem SSV Schneppenhausen (bei Darmstadt) steht eine weitere Mannschaft auf der Testliste vor dem Rundenstart. „Im Training herrscht eine gute Stimmung“, gibt der SVA-Crack einen Stimmungsbericht.

Durch die Zugänge mit Stallgeruch möchte der SVA auch wieder eine größere Identifikation mit dem Dorf erreichen, hebt Sattler hervor. „Die Bindung zum Verein ist dann eine ganz andere“, sagt er. Die ist ganz anders, enger. Dahinter steckt auch die Hoffnung, dass sich die Zuschauerzahl bei den Heimspielen erhöht. Die ließ doch zwischenzeitlich etwas zu wünschen übrig. Sehr bedauert wird von ihm der Weggang von Jonas Guthy, der künftig beim TSV Gras-Ellenbach kickt. „Das tut schon weh und ist für uns schade“, so Sattler. Guthy war in der vergangenen Runde für einige Treffer gut. Mit Heckmann wird darüber hinaus ein „alter Fuchs“ fehlen.

Die jüngeren Spieler „müssen natürlich noch etwas an sich arbeiten und Routine bekommen“, weiß der SVA-Verantwortliche. Der Wechsel von den Jugend- in den Seniorenbereich bedeutet eine ziemliche Umstellung. Für Sattler ist aber klar: „Das schaffen die Jungs.“ Nicht zuletzt weil sie mit dem Coach einen erfahrenen Hasen an ihrer Seite haben, der der Tricks und Kniffe bestens kennt. Da zum Kader einige Schicht- und Montagearbeiter zählen, findet das Training bewusst neben dienstags auch freitags statt.

Zugänge: German Weigel (SV Fürth, Winterpause), Marcel Eckert (TSG 09 Weinheim), Jasmin Mesic (Türk Beerfelden), Majid Ismaeli (Eintracht Wald-Michelbach), Benedict Steffan (JFV Wald-Michelbach), Eric Bauer (SV Scharbach), Paul Ertel (fängt wieder an), Antonio Pietroluongo (KSV Reichelsheim), Joachim Hademer (KSV Reichelsheim)

Abgänge: Jonas Guthy (TSV Gras-Ellenbach), Pascal Seeberger, Patrick Dörsam, Piotr Eichler, Christof Heckmann (alle eigene Soma)

Kader: Leon Krause, Martin Mottl, Mirko Reim, Frank Sattler, Aldin Sejaric, Jacob Steffan, Benedict Steffan, Patrick Stulz, Marcel Eckert, Jasmin Mesic, Patryk Banaszkiewicz, Majid Ismaeli, Hendrik Scholl, Kevin Seitz, Darek Slusarz, Paul Ertel, Eric Bauer, Joachim Hademer, Antonio Pietroluongo, Anes Drobic, Thilo Kessler, Max Fischer, Nils Heldmann, Sven Hufler

Trainer: Antonio Pietroluongo für Pawel Karas (1. Saison)

Co-Trainer: Joachim Hademer für Sven Hufler (1. Saison)

Ziel: gesichertes Mittelfeld

Favoriten: keine

Das Bild entstand bei der Partie FC Schönmattenwag – SV Affolterbach

Frenetischer Beifall und Standing ovations für den goldenen Scharbock in Affolterbach

Ob das in zwei Jahren nochmal zu toppen sein wird? 1400 Gäste an drei Abenden, eine drei Mal ausverkaufte, dampfend-schwülheiße Peter-Heckmann-Halle, frenetischer Beifall, Standing ovations, restlos begeisterte Zuschauer. Die fünfte „Night of the golden Scharbock“ im 120. Jahr des Bestehens der Scharbacher Chöre war eine Demonstration von Sangeskunst, wie sie in der Region nur selten zu finden ist. Weit über 100 Sänger, hochkarätige Solisten und eine virtuose Begleitband machten die Abende zum Nonplusultra der Überwälder Veranstaltungen in diesem Jahr.

Kein Wunder, dass der Gesangverein aus dem Grasellenbacher Ortsteil Scharbach dieses Mega-Event nur alle zwei Jahren durchführen kann – zu gewaltig ist der Aufwand dafür. Aber die überschäumenden Reaktionen darauf lohnen jegliche Mühe. Wenn die musikalische Gesamtleiterin Susanne „Suse“ Hoffmann-Rettig in goldenem Mantel als ausgebildete Opernsängerin zusammen mit Sascha Fischer im Smoking zum Ende des ersten Sets wie Montserrat Cabellé und Freddie Mercury „Barcelona“ schmettert, dann kennt der Jubel keine Grenzen mehr.

Der 29-jährige Student Fischer aus Wahlen ist musikalisch ebenfalls „vorbelastet“. Zuerst mit der Coverrockband „NeRo“, jetzt mit „Xtreme“ tourt er durch Deutschland und hat in Frankenthal seine eigene Theaterrevue. Dass sein Herz für den Rock schlägt, merkt man auch bei „Summer of 69“ von Bryan Adams, das mit den 50-köpfigen Crescendo-Chor im Hintergrund eine voluminöse Intensität erreicht. Der ganze Saal steht, alle klatschen mit. „We’re not gonna take it“ von Twister Sister ist kurz vor Schluss noch einmal eine Verbeugung an einen ewigen Rockhit.

„Hits am laufenden Band“ hatten die Scharbacher Chöre in diesem Jahr ihre „Scharbock“-Aufführung betitelt, nachdem es vor zwei Jahren um „Musicals“ gegangen war. Im Jubiläumsjahr gab es einen bunten Streifzug durch die Musikgeschichte, der passenderweise mit „Music“ von John Miles eröffnet wurde. Dieser pompöse Klassiker aus über 100 Kehlen von gemischtem Chor und Chor: Das hat was. Martin Steffan, der den gemischten Chor leitet, kann aber nicht nur dirigieren. Der Tenor schmetterte danach Pavarottis „O sole mio“ eindrucksvoll von der Bühne.

Ob es nun ein Medley der Comedian Harmonists war, die Mimi ohne Krimi ins Bett sollte oder der „Wind of Change“ der Scorpions zusammen mit dem Kinderchor durch den Saal hallte: Quer durch alle Zeiten und Musikrichtungen ging die Reise der Chöre. Die wurden von einer hochkarätigen Band unterstützt: Michael Hubert (Drums), David Kirchner (Gitarre) und Nicholas Neumüller (Bass) erlern(t)en ihr Handwerk an der Popakademie Mannheim, während Keyboarder Achim Essig ein Urgestein der Odenwälder Musikszene ist.

Was wäre der Gesang ohne die Technik? Mit dem aus Wald-Michelbach stammenden Max Koch, der mittlerweile als Regie-Assistent bei den Bregenzer oder Bad Hersfelder Festspielen tätig ist, hat ein kreativer Kopf die Konzeption übernommen. Eine bewegliche, transparente Stoffwand, ein Hebebühnen-Podest und vor allem die eindrucksvolle Lasershow machten den musikalischen Eindruck erst zu einem stimmigen Gesamtpaket.

Heiß war es schon zu Beginn, noch heißer wurde es nach der Pause. „Celebration“ und „Sing Halleluja“ eröffnen einen fulminanten zweiten Set. Robbie Williams‘ „Let me entertain you“ sieht Dirigentin Hoffmann-Rettig nach einem Konfetti-Regen der überdimensionalen Geburtstagstorte entsteigen, während sich der Chor zu Höchstleistungen aufschwingt. Bei „Proud Mary“ rockt sie mit Sopranistin Doris Steffan-Wagner die Bühne, dass Tina Turner vor Staunen der Mund offen stehen bleiben würde. Alles natürlich mit dem vielstimmigen Chor im Hintergrund, der den Songs eine ganz besondere Klangfülle verleiht.

Die „Jungs“, der von Hoffmann-Rettig geleitete Kinderchor, huldigen mit „TNT“ AC/DC – eine gute Gelegenheit für Gitarrist David Kirchner, seine Fertigkeiten auf den sechs Saiten zu zeigen. „Titanium“ vom Jungen Chor, „Malaguena“ mit Solistin Corina Tatzel oder „Mama Loo“ mit den jungen Solisten Beni und Vincent bereiten den Boden für ein mächtiges „Walking on Sunshine“ von Kathrina and the Waves, nach dem keiner gehen wollte. Noch mehr Schweiß floss bei nicht enden wollenden Zugaberufen und Klatschorgien.

Die Resonanz war überwältigend: „Der Chor ist ein Aushängeschild im Kreis Bergstraße. Solch ein kleiner Ort und so eine große Show“, sagte Landrat Christian Engelhardt. Andere Sänger und Musiker zeigten sich begeistert: „Das ist toll, was die auf die Beine stellen“, meinte Siggi Winkler aus Weiher von der Folk Band „Irish Voices“. Christof Klos, Vorsitzender des Gesangvereins Harmonie Ober-Schönmattenwag, sprach von einer „großen Klasse“ der Aufführung. Trotz der tropischen Temperaturen im Saal „war es ein großartiges Konzerterlebnis, das in unserer Region einmalig ist“, so Wald-Michelbachs Bürgermneister Sascha Weber. „Ich freue mich bereits jetzt schon sehr auf die Rückkehr des goldenen Scharbocks in zwei Jahren“, so der Rathauschef. „Brutal gut“ fasste es Jörg Rettig kurz und knapp zusammen.

Mer Bilder hier:

Scharbacher Chöre

Posted by Thomas Wilken on Sunday, June 10, 2018

 

Bei der „Night of the golden Scharbock“ in Affolterbach wirken renommierte Musiker aus der Region mit

Wenn die Scharbacher Chöre zur „Night of the golden Scharbock“ rufen, dann trommeln sie neben den Vereinsmitgliedern auch eine Vielzahl von Gästen zusammen, die für den Erfolg der Veranstaltung sorgen. Zum einen kommen aus dem Überwald stammende Künstler wieder hierher zurück, zum anderen bringen sich überregional erfolgreiche und tätige Musiker in das Projekt ein. Frederic Michel, Joachim Essig und Sascha Fischer sind drei solche Beispiele.

„Hits am laufenden Band“ heißt es bei der fünften „Night of the golden Scharbock“. Die veranstalten die Scharbacher Chöre gleich dreimal vom 8. bis 10. Juni in der Affolterbacher Peter-Heckmann-Halle. Im Jahr des 120. Vereinsjubiläums ist der Aufwand wie üblich riesig, den Zuschauern etwas Einmaliges zu bieten. Crescendo- und Kinderchor, „Jungs“, Solisten und Band: Um die 120 Mitwirkenden werden jedes Mal auf der Bühne stehen.

Für die musikalische Umsetzung ist der aus Affolterbach stammende und in Mannheim wohnende Frederic Michel zuständig. Der Schlagzeuger kann zwar selbst nicht mitspielen, weil er mit der Sängerin „Lea“ auf Tour ist, koordiniert aber die Band-Arbeit. Für ihn sitzt Michael Hubert an den Drums. Achim Essig spielt Keyboard, David Kirchner Gitarre und Nicholas Neumüller Bass.

„Das ist mein Heimatdörfchen“, meint Michel augenzwinkernd. „Ich freue mich sehr, wenn ich dieses Projekt unterstützen kann.“ Als Berufsmusiker ist er ständig auf Tour und genießt es dann, ein wenig in der eigenen Gemeinde aktiv sein zu können. Wenn ein Laienchor „mit großem Engagement und Herzblut an ein solches Vorhaben geht“, ist das jede Ehre wert, betont er.

Den Profis „hängt irgendwie immer das Business im Nacken“, sagt Michel. Dagegen laufen die Proben mit der großen Scharbock-Familie sehr entspannt ab. Die musikalische Leiterin Susanne Hoffmann-Rettig erarbeitet mit dem Chor eine Liste an Songs, die in Frage kommen. „Die gehen wir dann zusammen durch, streichen vielleicht auch was und arrangieren bei Bedarf.“ Die Band versucht die Stücke dann so umzusetzen, dass sie den Belangen des Chors entsprechen.

Der 27-Jährige kennt seine Mitmusiker schon lange: Mit Kirchner und Neumüller studierte er gemeinsam in Mannheim an der Popakademie. Mit dem Wahl-Wahlener Achim Essig spielt Michel seit sieben Jahren in einer Gala-Band zusammen. Nach dem Abi am Überwald-Gymnasium verschlug es ihn für kurze Zeit an die Musikhochschule Hamburg, ehe er dann 2013 an der Popakademie startete.

Aus dem benachbarten Wahlen kommt Sascha Fischer, der nicht nur singt, sondern gemeinsam mit Martine Rüdinger die Veranstaltung auch moderiert. Der 29-Jährige hat sich schon früh seine Sporen als Sänger verdient: Zuerst mit der legendären Überwald-Coverband Nero, jetzt ist er mit den nicht minder erfolgreichen „Xtreme“ unterwegs. Die Kombination wie bei der Scharbock-Night mit Solosänger, Chor und Band „habe ich noch nie gemacht“, sagt er.

„Susanne hat es super vorbereitet“, zollt er Hoffmann-Rettig viel Lob. Auf diese Weise habe er problemlos reingefunden. Für Fischer ist es „immer wieder spannend, einmal etwas anderes zu machen“. In diesem Sinne hat er neben der Rock-Coverband auch eine eigene Schlagerrevue am Theater Frankenthal am Laufen. „Das ist eine coole Gemeinschaft“, sagt der Student der Bildungswissenschaften an der PH Heidelberg über die Scharbacher Chöre. Ihn beeindrucken Idealismus und Durchhaltevermögen. „Die wollen das unbedingt machen und ziehen es durch“, meint er bewundernd.

Achim Essig freut sich, dass die Aufführung dieses Jahr bei ihm terminlich passte. Die Scharbock-Termine „sind eine Institution in der Region“, weist er auf die große Bekanntheit hin. „Suse hat damit eine Lawine losgetreten“, sagt Essig. In dem Projekt „ist viel positive Energie drin“. Für ihn ist es schön, das große Engagement der Chormitglieder zu beobachten, die sich absolut reinhängen.

Das Klavierspielen wurde Achim Essig quasi in die Wiege gelegt. Mit vier Jahren hatte er seinen ersten Unterricht und arbeitet seit Ende der 70er Jahre als Profi-Musiker. Der gebürtige Mannheimer ist mit seiner eigenen Band „Transatlantic“ unterwegs, arbeitet in seiner Gala-Band mit Sascha Fischer zusammen, begleitete in früheren Jahren bereits auch so namhafte Künstler wie Bill Ramsey oder Karel Gott.

Info: Night of the Golden Scharbock Vol. 5, Thema „Hits am laufenden Band“, 8. bis 10. Juni, Beginn Freitag/Samstag 19.30 Uhr, Sonntag 18 Uhr, Peter-Heckmann-Halle in Affolterbach, Vorverkauf: Sparkasse Wald-Michelbach, Metzgerei Müller Affolterbach, Gemeindeverwaltung Hammelbach, Kurverwaltung Gras-Ellenbach, Tickethotline 06207/3452. Samstag ausverkauft.