Große klangliche Präzision

Das war eine Chorgala, die ihren Namen mehr als verdiente: Der MGV Sängerbund Unter-Schönmattenwag hatte in die katholische Kirche St. Johannes der Täufer eingeladen. Gast: der Maulbronner Kammerchor, der zusammen mit den drei MGV-Ensembles die Besucher im vollbesetzten Gotteshaus immer wieder in Begeisterung versetzte. Nicht nur die, auch Männerchor-Dirigent Hans-Joachim Karl empfand die musikalischen Gäste als „sensationell gut“.

Die vielgefragten und hochbegabten Sänger aus der Klosterstadt waren eine „sehr sympathische Truppe“, freut sich Karl. „Die saßen nach dem Konzert noch lange mit uns im Sängerheim zusammen.“ Es war nie zu spüren, „dass die schon auf der ganzen Welt unterwegs waren“, haben die Maulbronner ihre Kraichgauer Bodenständigkeit nicht verloren, beobachtete er.

Das in Unter-Schönmattenwag dargebotene geistliche Programm „Ruhe bitte!“ ist sehr vielfältig über alle Epochen hinweg. Mit dem Schwerpunkt Romantik waren aber auch Stücke aus der Renaissance und Zeitgenössisches zu hören. Dazu noch eine selbst komponierte Ur-Aufführung von Kammerchor-Mitglied Peter Schertler: „Sei stille im Herrn“.

Die drei MGV-Chöre mussten sich nicht verstecken. Der Männerchor trug das geistliche Programm vor, das er übernächstes Wochenende auf dem Wettbewerb in Bernbach darbieten wird. Quasi eine Art Generalprobe. Darunter war das „Non Nobis dominae“ einer amerikanischen Komponistin, die Eichendorff-Vertonung „Einsiedler“ und zwei Strophen aus dem bereits bekannten „Tre Stycken för Manskör“ von Sven-David Sandström.

Der Frauenchor unter seiner Leiterin Anna Stumpf hatte drei Stücke extra für die Chorgala neu einstudiert. Unter anderem wurde das „Sanctus“ von Andre Kaple vorgetragen. Und natürlich hatten auch die Kinder ein paar Ohrwürmer im Gepäck. „Das war sehr auflockernd“, meinte Karl zu deren Beitrag. Die jüngsten MGV-Sänger genossen es danach sichtlich, in der ersten Reihe zu sitzen und den Maulbronnern zuzuhören.

Forderte schon deren Auftritt zu Standing Ovations heraus, so setzten die Gäste bei der Zugabe noch einen drauf. Sie stellten sich mit 28 Sängerinnen und Sängern rund um die Zuschauer an den Kirchenmauern auf und boten somit von allen Seiten Rheinbergers „Abendlied“. Hajo Karl zeigte sich stark beeindruckt von der „klanglichen Präzision“ und der Homogenität über alle Register hinweg. Dass der Kammerchor stilistisch absolut sicher sein würde, „war mir klar“, schmunzelte der MGV-Chorleiter.

Nicht nur Hugo Wolfs „Einklang“, ein sehr schweres Stück, wurde „toll und ausbalanciert gesungen“, meinte Karl. Auch Josef Gabriel Rheinbergers „Morgenlied“ zu Beginn, dazu noch mehrere Lieder von Mendelssohn Bartholdy, Richard Derings „Factum est silentium“ oder „Rest“ von Ralph Vaughan Williams bildeten vielbeklatschte Programmbestandteile. Als Kontrapunkt dazu John Cages 4‘33‘‘: Vier Minuten und 33 Sekunden lang herrschte – Stille.

Das A-cappella-Programm „Ruhe, bitte!“ setzte sich mit der Sehnsucht nach Ruhe auseinander und wollte der alltäglichen Hektik, dem allgegenwärtigen Lärm und der Reizüberflutung eine Perspektive der Entschleunigung und Einkehr entgegensetzen. Die klösterliche Tradition eröffnete mit ihrem Rückzug von der weltlichen Geschäftigkeit ihren eigenen Weg zu innerer und äußerer Ruhe, der heutzutage vielleicht nicht ganz zufällig wieder populärer wird.

Den MGV Sängerbund freute es besonders, dass zu dem Konzert auch der Gründer und langjährige Leiter des Kammerchors, Jürgen Budday, aus Leipzig angereist war. Er stand von 1983 bis Sommer 2016 den Maulbronnern vor. Als Nachfolger wurde dann der 29-jährige Benjamin Hartmann gewählt, selbst ehemaliges Mitglied des Kammerchors und einst Schüler im evangelischen Seminar. Hier wiederum wirkte Jürgen Budday fast 35 Jahre als Seminarmusiklehrer und künstlerischer Leiter der Klosterkonzerte.

Der Auftritt des bekannten Ensembles zog Kreise: Weit über den Überwald hinaus, aus Richtung Heidelberg, dem Neckartal und der Bergstraße kamen die Zuschauer nach Schönmattenwag. „Die haben eine treue Fangemeinde“, so Karl anerkennend. Die Kammerchor-Mitglieder waren von der Gastfreundschaft der Schimmeldewäer und der Begeisterungsfähigkeit des Publikums beeindruckt und sagten, „dass sie gerne wieder zu uns kommen würden“.

Werbeanzeigen

Darüber reden ist die beste Medizin

Es ist wie überall im Leben: Am besten hilft reden, reden, reden. Das gilt für eine Beziehung genauso wie für traumatische Situationen, die einen ereilen können. Gerade Helfer aus den Rettungsdiensten sind damit öfter als der „Normalbürger“ konfrontiert und müssen das Erlebte verarbeiten. Das ist mitunter nicht einfach, gerade wenn die Ehrenamtlichen auf dem Land tätig sind und diejenigen kennen könnten, denen sie zu Hilfe eilen. Wir unterhielten uns mit drei Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Wald-Michelbach, wie sie mit solchen Ereignissen umgehen.

Gemeindebrandinspektor (GBI) Peter Capuani hat festgestellt, dass sich der Umgang mit diesen Erlebnissen in den vergangenen zehn Jahren (zum Glück) änderte. „Früher gab’s die Cowboys“, erzählt er. „Bei denen hörte man lange nichts“, weil sie alles mit sich selbst ausmachten. Erst nachts um 3, in geselliger Runde, mit genug Zungenlöser intus, kamen die Geschichten. Und die passierten dann nicht vor ein paar Tagen oder Wochen, „sondern sind 25 Jahre her und beschäftigen die Leute immer noch“.

Auch er kommt aus einer Zeit, sagt Capuani, als man über die eigenen Gefühle kaum sprach – höchstens im engeren Familienkreis. Eine Notfallhotline wie heute, für die Wehrleute angesiedelt an einer psychotraumatologischen Praxis in Frankfurt, oder ein Kriseninterventionsteam, das neben den Opfern auch die Helfer betreut, gab es einfach nicht. „Wir haben viel runtergeschluckt“, weiß er aus eigener Erfahrung.

Der 52-jährige Capuani kann sich noch wie gestern an einen Leichenfund in Gadern vor 30 Jahren erinnern. Da war er gerade ein paar Jahre in der Einsatzabteilung. Er musste am leblosen Körper den Puls fühlen. „Ich habe mir bestimmt danach 30 Mal die Hände gewaschen“, erzählt er. Jedes Detail dieses Tages ist ihm auch heute noch präsent. Der GBI hat registriert: Dinge, die man schon einmal erlebt habt, „steckt man beim zweiten Mal besser weg“. Was einen aber nicht vor noch schlimmeren Situationen bewahrt.

Wenn die Wehrleute an eine Unfallstelle oder einen Brandort kommen, „geht der erste Blick aufs Kennzeichen“, erzählt Sven Wilhelm. Denn die Möglichkeit, den Betreffenden näher zu kennen, ist im Überwald recht groß. In einem solchen Fall wird’s für die Helfer schwieriger, damit klar zu kommen. Wobei der Gaderner Wehrführer und stellvertretende GBI Christian Eck sagt: „Erst einmal funktioniert man und macht seine Arbeit.“ Der Schock kommt mit einiger Verzögerung.

Bei ihm kam der Zusammenbruch nach einem solchen Einsatz, bei dem es um einen guten Bekannten ging, zuhause. „Ich habe noch mit meiner Mutter und der Freundin darüber gesprochen und war dann ganz plötzlich weggeschossen“, sagt er. Eck macht Mut zur Offenheit: „Heulen ist menschlich.“ Anders als bei einem anonymen Opfer werden die Helfer auch später noch mit der Situation konfrontiert. Etwa wenn die Beerdigung des Betreffenden stattfindet.

Die drei Brandschützer können bei der Bewältigung solcher Extremsituationen auf ihre Familie zählen. Früher, sagt Wilhelm, „kam ich von einem Unfall nach Hause und habe stundenlang mit meiner Mutter geredet“. Auch wenn es nachts um 3 war. Manchmal dauerte es eine Woche, „bis alles durch war“, erinnert er sich. Manche Bilder „habe ich aber heute noch im Kopf“. Seit der Heirat spricht er mit seiner Frau Linda, selbst bei der Feuerwehr aktiv, über alles.

Die Umstände spielen auch eine Rolle, wie die Feuerwehrleute mit etwas umgehen können, erläutert Capuani. „Wenn es ein Raser selbst verbockt“, packe man das leichter, bekennt er ganz offen. Ist es dann ein Landarbeiter wie einmal bei Schönbrunn, der tragisch verunglückt und kleine Kinder zurücklässt, nimmt das mit. „Der Tag ist gelaufen“, sagt auch Sven Wilhelm.

Wobei die Einsätze auch innerhalb der Feuerwehr im Nachgespräch thematisiert werden, ergänzt der Kommandant. Sehr an die Nieren ging den Wehrleuten der Suizid eines gemeinsamen Bekannten. „Wir saßen nachts lange zusammen“, weiß Wilhelm noch. „Offen und ehrlich drüber reden“, ist für ihn das A und O einer Bewältigung. Er ruft sich dann auch schöne Dinge in Erinnerung. Etwa wenn ein lebensgefährlich verletztes Unfallopfer ein Dreivierteljahr später bei der Wehr vorbeikommt und sich für die Rettung bedankt.

„Das Umfeld muss merken, was Sache ist“, betont Capuani. Er sieht hier auch die FFW-Führungskräfte in der Pflicht, genau hinzuschauen. Denn manchmal merken es die Wehrleute selbst nicht, dass etwas hängenbleibt. Über die Leitstelle lässt sich bei Bedarf professionelle Hilfe organisieren. Über deren Existenz ist der Wehrführer froh. Man muss den für sich richtigen Gesprächspartner finden“, ist seine Empfehlung. Denn oftmals ist es mit einer Unterhaltung nicht getan – es dauert, bis alles durch ist.

Eine Gala für den Chorgesang

Die vierte Überwälder Chorgala steht bevor. Der MGV Sängerbund hat sich dafür einen besonderen Gast eingeladen: den Maulbronner Kammerchor unter der Leitung von Benjamin Hartmann. Er bringt sein A-cappella-Projekt „Ruhe, bitte!“ zu Gehör. Auftreten werden am Sonntag, 13. Oktober, auch die drei MGV-Ensembles: der Männerchor unter Leitung von Hans-Joachim Karl, der Frauenchor mit Dirigentin Anna Stumpf und „Cantante Cintura Kids“ von Katharina Zink. Ort ist um 17 Uhr die katholische Kirche St. Johannes der Täufer Unter-Schönmattenwag. Eintritt frei.

„Wir singen mit dem Männerchor das geistliche Programm, das wir auch zwei Wochen später auf dem Wettbewerb in Bernbach bieten“, nutzt der Chor laut Karl die Möglichkeit, vor Publikum eine Art Generalprobe durchzuführen. „Non Nobis dominae“ einer amerikanischsten Komponistin ist dabei ebenso zu hören wie zwei Strophen aus dem bereits bekannten „Tre Stycken för Manskör“ von Sven-David Sandström.

Von den Frauen wird unter anderem das „Sanctus“ von Andre Kaple vorgetragen. Und natürlich haben auch die Kinder ein paar Ohrwürmer im Gepäck. „Wir wollen alle Chorgattungen präsentieren“, sagt Karl. Erst werden die drei einheimischen Chöre auftreten, danach dann die Maulbronner. Er rechnet mit einer Konzertdauer von 75 Minuten. An den Kammerchor kam der Dirigent durch einen Tipp. „Sonst hätte das nicht geklappt“, weiß er um das begehrte Ensemble.

Das geistliche A-cappella-Programm „Ruhe, bitte!“ des Maulbronner Kammerchors setzt sich mit der Sehnsucht nach Ruhe auseinander und will unserer alltäglichen Hektik, dem allgegenwärtigen Lärm und der Reizüberflutung eine Perspektive der Entschleunigung und Einkehr entgegensetzen. Die klösterliche Tradition eröffnete mit ihrem Rückzug von der weltlichen Geschäftigkeit ihren eigenen Weg zu innerer und äußerer Ruhe, der heutzutage vielleicht nicht ganz zufällig wieder populärer wird.

„In der Stille und in der Ruhe, da spricht Gott in die Seele“, predigte schon Meister Eckhart im 14. Jahrhundert. Vertonungen dieser und anderer Texte bilden den roten Faden durch das Programm, das aber im Schrillen und Lauten bisweilen den Kontrast sucht, um die Ruhe noch intensiver erlebbar zu machen.

In der Musik ist die Pause, also die Stille, nicht minder wertvoll wie der Klang. Der subjektive und emotionale Eindruck der Ruhe ist dabei aber mehr als die bloße Abwesenheit von Geräuschen: eine Geborgenheit, ein Ankommen. Die Sehnsucht nach Ruhe führte Menschen zu sich selbst, in die Natur und nicht zuletzt zu Gott. Unsere Bitte um Ruhe und Frieden artikuliert sich im Konzertprogramm „Ruhe, bitte!“ auf vielfältige Weise mit weltlichen und geistlichen Werken vom 17. bis ins 21. Jahrhundert.

Der Kammerchor wurde 1983 von Jürgen Budday gegründet und bis Sommer 2016 von ihm geleitet. Als Nachfolger wurde der 29-jährige Benjamin Hartmann gewählt, selbst ehemaliges Mitglied des Kammerchors und einst Schüler im evangelischen Seminar. Hier wiederum wirkte Jürgen Budday fast 35 Jahre als Seminarmusiklehrer und künstlerischer Leiter der Klosterkonzerte.

Beide Institutionen, Seminar und Klosterkonzerte, sind für den semiprofessionellen Maulbronner Kammerchor wichtige Säulen. Die Verbindung zum evangelischen Seminar ist eng und viele der Chorsänger waren oder sind dort Schüler. Das Altersspektrum der singenden Seminaristen reicht heute von 16 bis Anfang 50.

Benjamin Hartmann erhielt eine humanistische und kirchenmusikalische Ausbildung und setzte seine musikalischen Studien in Leipzig, Yale und Stockholm fort. Bereits als 22-Jähriger wurde er zum Leiter des Philharmonischen Jugendchores Leipzig berufen und war während seines Studiums Dirigent des semi-professionellen „Kammarkören Musikaliska“ in Stockholm. Wichtige künstlerische Impulse erhielt er durch Meisterkurse bei renommierten Dirigenten wie Hans-Christoph Rademann, Frieder Bernius, Helmuth Rilling, Grete Pedersen, Daniel Reuss, Simon Halsey und Peter Dijkstra.

2015 gründete Benjamin Hartmann das professionelle Verum Audium Vokalensemble, mit dem er in Schweden und Deutschland regelmäßig Konzertprojekte realisiert. Erste Opernerfahrungen sammelte er als musikalischer Assistent und Dirigent an der Jungen Oper Stuttgart, wo er in der Spielzeit 2017/2018 auch eigene Vorstellungen leitete. Als Gastdirigent erarbeitete er im Oktober 2017 mit dem Landesjugendchor Rheinland-Pfalz ein skandinavisches Programm.

Bunt geschnitzt geht es in den Waldlehrpfad bei Ober-Schönmattenwag

Der Einstieg in den ersten Waldlehrpfad Deutschlands ist jetzt wieder eine Augenweide. Ende der 1950er Jahre war Lehrer Rupprecht Bayer hier Vorreiter für das, was heute „Fridays for Future“ heißt. Der von ihm ins Leben gerufene, knapp drei Kilometer lange Pfad, sensibilisiert die Bevölkerung für die Schönheit der Natur und gibt Erläuterungen. Die Vogelschutzgruppe sorgte nun mit Unterstützung der Jagdgenossenschaft für zwei neue, hochwertige Hinweisschilder an der Grillhütte.

„Die waren einfach kaputt“, erläutert Vorsitzender Holger Groh. Von Lehrer Bayer initiiert, geht es der Vogelschutzgruppe darum, „ein Stück weit die Traditionen am Leben zu erhalten und den historischen Charakter zu bewahren“. Auf der ganzen Strecke sind es um die 80 Schilder zu den Themen Wald, Wasser, Pflanzen, Tiere und Natur, die schon seit vielen Jahren von den Mitgliedern in Schuss gehalten werden.

„Einen aktuelleren Bezug kann es nicht geben“, meint Groh mit Blick auf die laufende Klimaschutz-Diskussion. In der kommenden Zeit will man verstärkt versuchen, die Jugend heranzuführen, „denn ohne die nächste Generation geht es nicht“, betont er. „Statt freitags wütend durch die Stadt zu laufen“, hält er es für sinnvoll, die Heranwachsenden mit der Schönheit der Region vertraut zu machen und gleichzeitig ihr Interesse für deren Bewahrung vor Ort zu wecken. Angedacht sind Patenschaften.

Groh hebt jedoch hervor, dass es der Vogelschutzgruppe nicht nur darum geht, „prunkvolle Schilder aufzustellen“, sondern etwas Praktisches zu tun. Zu den Aktivitäten der Vogelschutzgruppe zählen auch diverse Arbeitseinsätze. In deren Rahmen werden dann Sitzbänke gestrichen und wieder instand gesetzt oder bestimmte Bereiche ausgemäht. Bereits im Juni wurde beim ersten Aktionstag viel geleistet.

Deshalb geht es längst nicht nur um die Waldlehrpfad-Schilder, sondern auch um Nistkästen oder Vogelschutzmaßnahmen, ergänzt Albert Klos. Die Aktion der Gruppe wird finanziell von der Jagdgenossenschaft Ober-Schönmattenwag unterstützt, die unter anderem die Bildhauerarbeiten und die Kosten für den Anstrich übernahm. Den Jagdgenossen ist es ein Anliegen, den Naturschutz im Ellenbachtal zu unterstützen.

Das Dürr-Ellenbacher Tal ist Naturschutzgebiet, weiß er. Hessen Forst ist dort für den Naturschutz zuständig und hat viel zu tun, damit die Landschaft nicht zuwuchert. „Die müssen viel Geld dafür in die Hand nehmen“, sagt Klos. Er gehört zur Generation, die Lehrer Bayer noch „live“ erlebte. Als Schulkinder „sind wir mit dem Wägelchen durch den Wald gelaufen und haben alles sauber gemacht“, erzählt er. Auch während der Schulzeit, aber eben mit praktischem Zweck.

Die Initiative für die Erneuerung ging vom ehemaligen Vorsitzenden der Vogelschutzgruppe, Wilfried Ruths, aus. Dessen Enkel, Holzbildhauer Manuel Appelt, schuf die Schilder. Das Rohmaterial besorgte Schreiner Harald Falter. Die Bemalung erledigte dann die Familie Ruths, für die Vormontage war wieder Falter zuständig. Ruths zeigte sich „außerordentlich glücklich“, dass jetzt die neuen Schilder aufgestellt wurden und dass die Vogelschutzgruppe daran beteiligt ist.

Seit 1957 wurden die Hinweisschilder drei Mal erneuert. „Jetzt geschah dies am aufwändigsten“, blickte Ruths zurück. Von der Schnitzarbeit her wertete er das farbenprächtige Werk als das schönste. Die alten Hinweisschilder waren in die Jahre gekommen. Die kunstvoll gefertigten Schnitzwerke laden Besucher und Wanderer jetzt aufs Neue ein, den einzigartigen Waldlehrpfad im Dürr-Ellenbachtal zu erkunden.

Im Anschluss gingen die Ehrenamtlichen gleich nochmals ans Werk. „Wir haben noch einige Arbeiten erledigen können“, freut sich Groh. Weitere Schilder und Pfosten wurden gestrichen, Schmuddelecken gereinigt und das Kneipp-Tretbecken gesäubert. Die Restaurationen der Holzschilder laufen über den Winter durch Mitglieder der Gruppe, „damit wir im nächsten Frühjahr wieder ein paar Verschönerungen vorweisen können“.                        tom

 

 

 

„Ohne Wald kein Wasser – ohne Wasser kein Leben! Wollen wir leben, müssen wir den Wald schützen.“ Prophetische Worte schon Mitte des 20. Jahrhunderts, als Umwelt- und Naturschutz überhaupt noch nicht auf der gesellschaftlichen Agenda standen. Der Ober-Schönmattenwager Lehrer Rupprecht Bayer war aber auch in anderer Weise Vorreiter: Unter seiner Regie wurde von 1955 bis 1957 der erste deutsche Waldlehrpfad im idyllischen Dürr-Ellenbachtal angelegt.

Bayer (1915-1994) kam 1948 an die damals noch existierende einklassige Volksschule in Ober-Schönmattenwag. 1952 begann er, mit seinen Schülern eine Vogelschutzgruppe aufzubauen. Daraus entstand dann die Idee, einen Waldlehrpfad zu errichten. Bayer setzte zur damaligen Zeit ein modernes pädagogisches Konzept um: fächerübergreifend, handlungsorientiert und projektbezogen. Die Schule selbst hatte nicht mehr lange Bestand. In den 60er Jahren wurde sie aufgelöst, Schüler und Lehrer wechselten nach Unter-Schönmattenwag. Der Lehrpfad wurde in der Folge von der Vogelschutzgruppe im Nabu betreut.

 

Tollkühne Männer auf ihren alten knatternden Kisten

Durch den Regen in den Tagen vor der Veranstaltung „war die Strecke sehr anspruchsvoll“, lacht Rennleiter Markus Hirsch. Dem Zuspruch tut das keinen Abbruch. Bei der 17. ADAC Johann-Philipp-Jöst-Gedächtnisfahrt des MSC Ulfenbachtal, der Enduro Classic, gingen wieder 140 Fahrer an den Start. Jedes Jahr muss der Verein vielen Interessierten absagen, bedauert er. Denn die Nachfrage nach diesem besonderen Rennen ist riesig.

Sowohl an den verschiedenen Stationen als auch am Vereinsheim kamen viele Schaulustige zusammen, um den tollkühnen Männern auf ihren alten knatternden Gefährten zuzuschauen und sie anzufeuern. In der letzten Runde treffen sich Fahrer und Besucher an bestimmten Stellen zu traditionellen Benzingesprächen. Denn um Zeit geht es bei diesem Event eigentlich nie, mehr um das Happening. Um die 120 Mitglieder des MSC Ulfenbachtal sind an diesem Tag voll gefordert. Dazu kommen noch die vielen Helfer aus dem Ort sowie Motorsport-Begeisterte aus dem Umkreis.

Die Enduro Classic rief der MSC anlässlich seines 50-jährigen Bestehens 2001 wieder ins Leben. Seit 2003 findet sie regelmäßig jedes Jahr statt. Fahrer aus Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande und der Schweiz sind ganz wild auf die Teilnahme, weiß Hirsch. „Jeder will dabei sein, der Rang und Namen hat“, unterstreicht er das Renommee. Wegen Platz, Zeitrahmen und Fahrerlager muss der MSC aber das Starterfeld begrenzen.

Das Gelände im Überwald bietet eine der schönsten Enduro-Strecken in Deutschland, sind sich die Teilnehmer einig. Was da rund um den Ort fährt, an Korsika, Ludwigsdorf und Flockenbusch vorbei, über Stock und Stein in der Wüstenbach, liest sich wie ein „Who’s Who“ der ehemals erfolgreichen Cracks auf zwei Rädern mit ihren alten Motorradmarken, bei denen jedem Fan das Herz aufgeht.

Die BMW-Geländemotorräder sind darunter noch die bekanntesten, die bei der Enduro Classic loslegen. Java, Laverda, Bombardier, Maico, Sachs, Simson, Hercules, Puch sind weitere Exoten, gefolgt von KTM, MZ, SWM, Moto Monini oder Bultaco. Allen ist eines gemein: Sie müssen vor 1980 gebaut sein. Gespanne dürfen vier Jahre jünger sein.

Mindestens genauso so alt wie ihre Untersätze sind oft die Fahrer. Etwa Burchard Lenz mit seinen 84 Jahren. Vor dem zieht Hirsch den Hut. Der Senior zeigt den jungen Bundeswehr-Rekruten noch, wo der Bartel den Most holt, erzählt der Rennleiter. Erst fährt er mit ihnen auf dem Motorrad den Parcours ab, um danach noch einmal durchzujoggen – natürlich mit dem topfitten Lenz vorneweg. Er nimmt in Schimmeldewog mit einer 17-PS-Hercules aus dem Jahr 1972 teil.

Viele deutsche Meister sind am Start, aber mit Pierfranco Muraglia auch ein ehemaliger WM-Fahrer. „Der hat heute noch ein Team bei der Geländesport-WM dabei“, weiß Hirsch. Rolf Klug und Friedrich Hieronymus, zwei frühere Werksfahrer, fanden ebenfalls den Weg in den Überwald. Die ältesten Motorräder stellten Fritz Gruber und Axel Konstroffer mit einer DKW RT 175 aus dem Jahr 1955.

„Das sind tolle alte Schätze“, meint der sportliche Leiter ehrfürchtig. Für die müssen die Eigentümer die Ersatzteile oft selbst fertigen lassen, da sie auf dem Markt nicht mehr erhältlich sind. Bei Marken wie SWM, Kramer oder Moto Monini „ist nichts mehr zu bekommen“, erzählt Hirsch. Für die italienischen Untersätze gibt es zwei Mal im Jahr einen Flohmarkt in der Nähe von Mailand. Dahin bewegt sich dann eine große Prozession aus ganz Europa, um auf Vorrat die notwendigen Kleinteile zu organisieren.

Dass Classic schrauben bedeutet, ließ sich des Öfteren an der Strecke oder den Wertungsstationen beobachten. Immer mal wieder musste am fahrbaren Untersatz das eine oder andere Teil auf Vordermann gebracht werden. Kein Wunder, denn oftmals sind die zweirädrigen Oldtimer älter als die Fahrer selbst.

Die sehr anspruchsvolle Strecke fordert von Fahrer und Gefährt alles. Der lange Regen sorgte für viel Matsch. Eine durchgehende braune Schicht legte sich in den 25-Kilometer-Runden auf Fahrer und Gefährt. Zum Glück gab es keinen Unfall, so Hirsch. Schimmeldewog zählt neben Isny und Zschopau zu den drei renommiertesten deutschen Enduro-Strecken.

„Die Fahrer sind durch die Bank weg begeistert“, bekommt er als Rückmeldung, obwohl sie total fertig sind. „Jeder sagt gleich, er will kommendes Jahr wieder dabei sein.“ Von einigen weiß Hirsch, dass sie bereits seit Wiedergründung vor 18 Jahren am Start sind. Motocross ist nach wie vor ein Männersport, erläutert er. Denn nur vier Frauen sind unter den Startern.

„Das Highlight ist die Geländefahrt“, betont der Rennleiter. Denn auf dem Rundkurs gibt es nur 500 Meter Asphalt. Der Rest geht durch die Prärie, durch Feld, Wald und Wiesen im stetigen Auf und Ab. „Wir haben 98 Prozent Waldwege“, hebt er hervor. Das Wertungssystem ist komplex, macht aber auch deutlich, dass beim Wettbewerb viel Gaudi dabei ist.

Es gibt 14 verschiedene Klassen. Jeder Fahrer hat noch vor dem Start 200 Strafpunkte auf dem Konto. Davon werden Fahrer- und Motorradalter abgezogen. Sprich 100 Punkte, wenn beide 50 alt sind. Fährt ein 20-Jähriger eine 40 Jahre alte Maschine, sind es nur 60. Der Jungspund muss dann diese 40 Punkte in den Sonderprüfungen wieder aufholen. „Die Alten sind also klar im Vorteil“, schmunzelte Hirsch.

17 der 140 Starter stellte der MSC Ulfenbachtal. Etwa Frank Koster mit seiner BMW R75 aus dem Jahr 1972, die 50 PS auf die Strecke bringt. Oder Marcel Sauer, auch er aus Wald-Michelbach, mit seiner zwei Jahre jüngeren Beta GS 125. Alle müssen sie viermal über den 25-Kilometer-Kurs, wofür pro Runde maximal 90 Minuten vorgegeben sind. Die „Senioren“ über 70 müssen nur drei Runden absolvieren. Laut Hirsch dient das aber lediglich als Zuverlässigkeitsprüfung.

Die Sonderfahrt erstreckt sich auf 1,4 Kilometer. Zu den Aufgaben zählt auch, in 20 Sekunden die alte Kiste zu starten und abzufahren. Auf der Cross-Strecke bedeutet jede gefahrene Sekunde einen Strafpunkt. Wer dann am Ende die wenigsten Zähler auf seinem Konto hat, gewinnt seine Klasse. Haben die neueren Maschinen wenigstens eine zumindest eine rudimentäre Federung, dann geht das den alten Geräten völlig ab. Den Fahrern ist das Wurscht. „Die alten Haudegen brauchen das, jedes Loch zu prüfen“, schmunzelt Hirsch.

Für den MSC ist der Event eine Herkulesaufgabe und seine größte Veranstaltung im Jahr. Denn kaum ist die eine Veranstaltung vorbei, steht die des kommenden Jahres in den Startlöchern. „Bis Ende Oktober muss beim ADAC der Termin für 2020 gemeldet sein“, teilt Hirsch mit.

Die Streckenmarschalls sichern die Strecke und reparieren sie bei Bedarf auch. Es gilt Büsche zu schneiden und umgefallene Bäume zu beseitigen. Ihre Arbeit beginnt bereits im Juli oder August. Bereits weit im Vorfeld sind die Mitglieder gefordert, alles zu bepfeilen, abzustecken und auszuschildern.

In weiß-blauer Atmosphäre wird lange gefeiert

Ein gut geheiztes Zelt ist Gold wert, wenn es wie gestern ziemlich abkühlt, nachdem der Rest der Woche noch einigermaßen erträglich war. Aber der MGV Sängerbund Unter-Schönmattenwag ist bei seinem Oktoberfest am Sängerheim für alle Eventualitäten gerüstet. Immerhin: Die Sonne schaut mal sporadisch zwischen den Wolken hervor. Die feierfreudigen Gäste lassen sich sowieso nicht davon schrecken, ob es ein paar Grad mehr oder weniger sind. Nur die Bierbank-Garnituren im Freien werden dann nicht so stark nachgefragt.

Die Überwälder müssen nicht extra nach München oder auf die Cannstatter Wasen fahren, um dort fürs doppelte Geld süffige weiß-blaue Stimmung zu genießen. Dann lieber beim MGV vor der Haustür feiern. Aber natürlich nicht nur deswegen darf sich der Verein bei seinem wiederholten Oktoberfest über Besucher en masse freuen. Eine Hüpfburg für die Kinder ist bereits eine Institution und wird von den Kleinen gern hüpfend angenommen. Auch der Süßwarenstand ist wieder dabei.

Die Gäste kommen aus allen Himmelsrichtungen angefahren, um die gemütliche Atmosphäre rund ums Sängerheim zu genießen. Denn die Qualität des Essens, das gute Bier und die sehr günstigen Preise haben sich herumgesprochen, sodass den ganzen Tag über volles Haus war. Eine Original-Maß Zötler Allgäuer-Festbier für 5,80 Euro: Wo gibt es das sonst noch?

Über die Mittagszeit füllen sich die Plätze an den vielen Biertischgarnituren zusehends, bis kaum noch ein Platz zu ergattern war. Das bleibt den ganzen Nachmittag über so. Vorsitzender Christian Jöst freut sich über den wachsenden Andrang im Lauf der Jahre. Ständig trudelten Nachfragen bei ihm ein, ob noch Tische frei sind oder ein bestimmtes Essen verfügbar ist. Jöst kann beruhigen: Es herrscht wie üblich kein Mangel an nichts.

Weißwurst, Krustenbraten, Haxen und Leberkäs genauso wie Knödel, Kraut, Zwiebelsoße und Brezn sowie als krönender kalorienreicher Abschluss der Apfelstrudel mit Vanillesoße und Vanilleeis sorgen dafür, dass Freunde der weiß-blauen (Essens-)Tradition auf ihre Kosten kommen. Wem etwas schwer im Magen lag, hatte dann mit ein paar hochprozentigen Tropfen die Gelegenheit, diesen zu beruhigen. „Die ersten kommen schon vor 11“, weiß die zweite Vorsitzende Anette Wiegel, dass die Gäste bereits früh großen Hunger und Durst haben.

Die Besucher, beobachtet auch Schriftführerin Anja Freudl, kommen aus einem weiten Umkreis. Vom Badischen, aus Heiligkreuzsteinach oder Schönau (trotz der Baustellen), bis rüber in den Odenwaldkreis, nach Finkenbach oder Rothenberg, reicht das Einzugsgebiet. Natürlich ist die Großgemeinde Wald-Michelbach nicht zu vergessen, ebenso wie die südlich gelegeneren Heddesbacher oder Hirschhorner. Das zeigt, welchen Stellenwert die Veranstaltung inzwischen genießt. Dieses Mal wurden sogar Besucher aus dem Emsland erwartet.

An die 50 Vereinsmitglieder kümmern sich den ganzen Tag über ums Wohl der Gäste. „Wir brauchen immer mehr Leute“, macht Wiegel deutlich, dass es „rund“ geht. Wenn es brummt, packen selbst die an, die eigentlich keinen Dienst haben. Lederhosen und Dirndl waren sind keine Pflicht für die ehrenamtlichen Helfer, aber sie gehen „mit gutem Beispiel voran“ und verleiten somit etliche Besucher dazu, ebenfalls die „Krachlederne“ auszupacken oder sich ins schmucke Dirndl zu werfen.

Polka, Walzer und Märsche bis hin zu modernen Stücken stehen auf dem Programm der Blasmusik Unter-Schönmattenwag. Die spielt zum Mittagessen und danach unter der Leitung von Christian Schuppel Open-Air bis in die Nachmittagsstunden auf. Das „Schimmeldewäer Lied“ zum Abschluss darf traditionsgemäß natürlich nicht fehlen.

Der großen Sause gehen viele Tage harte Arbeit voraus. Zuerst wird das Festzelt in einer Größe fast wie bei der Kerwe gestellt, im Vorfeld dann auch die unzähligen Bierbankgarnituren, der Ausschank vorbereitet, die Dekoration erledigt. Auch der Kinderchor „Cantante Cintura Kids“ bringt sich stark ein. Die Kinder helfen kräftig in den Stoßzeiten mit, in dem sie sich ums Abräumen der Teller und Gläser kümmern. Vorher schmücken sie alles und richten die Tische her.

„Die Vorbereitungen sind sehr gut gelaufen“, freut sich Jöst darüber, „dass die Mitglieder voll mit angepackt haben“. Er ist wieder sehr zufrieden mit der Resonanz: Wie immer war das Oktoberfest sehr gut besucht. Der Aufwand hat sich wie üblich gelohnt und ist der beste Ansporn dafür, nächstes Jahr wieder loszulegen.                       tom

 

Info: Die vierte Überwälder Chorgala des MGV Sängerbund findet am Sonntag, 13. Oktober, statt. Der Verein hat sich dafür einen besonderen Gast eingeladen: den Maulbronner Kammerchor unter der Leitung von Benjamin Hartmann mit seinem A-cappella-Projekt „Ruhe, bitte!“. Auftreten werden auch die drei MGV-Ensembles: der Männerchor unter Leitung von Hans-Joachim Karl, der Frauenchor mit Dirigentin Anna Stumpf und „Cantante Cintura Kids“ von Katharina Zink. Ort ist um 17 Uhr die katholische Kirche St. Johannes der Täufer. Eintritt frei.

Großes Lob vom Komponisten Schronen

Nach den Erfolgen des ersten Halbjahrs und den zwei Golddiplomen für den Wald-Michelbacher Chor Union stand nun ein musikalischer Wettstreit außerhalb der Heimatregion an. Die Sänger nahmen an den musikalischen Festtagen des Liederkranzes Pohl-Göns, einem Stadtteil von Butzbach im hessischen Wetteraukreis, teil. Mit einem Golddiplom, dem ersten Klassenpreis und dem Sonderpreis des Komponisten war man sehr erfolgreich.

Der Chor nahm am Volksliederwettbewerb teil und hatte sich für die Klasse M3 (Männerchöre bis 28 Stimmen) gemeldet. Hier traf er auf zwei Mitstreiter: einen Chor aus Delkenheim bei Wiesbaden und einen aus Niederzeuzheim bei Limburg. Beim Einsingen war schnell klar, dass die Sänger an diesem Tag in Top-Form waren und sich die intensive Probenarbeit gelohnt hatte. Hans-Joachim Karl hatte die vergangenen Monate viel Zeit mit der Arbeit am Klangbild verbracht und nicht nur an den richtigen Klängen, sondern auch den passenden Obertönen getüftelt.

Bereits bei den Auftritten im ersten Halbjahr war die Umsetzung teilweise gelungen und hatte zu den hervorragenden Bewertungen geführt. Beim Auftritt in Pohl-Göns sollte aber noch einmal ein deutlicher Fortschritt zu hören sein. Die Sänger wussten, dass dies auch nötig sein würde, trafen sie doch mit dem Klangkörper aus Niederzeuzheim unter der Leitung von Jürgen Faßbender auf einen sehr starken Konkurrenten, der bekannt ist für ein hervorragendes Klangbild.

Besonders interessant wurde es, als klar wurde, dass beide Chöre ein Stück von Komponist Alwin Schronen vorbereitet hatten, der an diesem Tag auch Teil der Jury sein sollte. Die Sänger aus Wald-Michelbach trugen als letzte ihrer Klasse das „Abendständchen“ von August Härtel, „Kein Feuer, keine Kohle“ von Alwin M. Schronen und „Ezekiel saw the wheel“ von Howard Helvey vor.

Publikum und Sänger spürten bereits nach dem ersten Stück, dass es sich um ein Wettstreit auf Augenhöhe mit den Niederzeuzheimern handelte. Beim zweiten Lied wanderten die Augen der Mitwirkenden immer mal wieder zum Komponisten, der gespannt der Darbietung lauschte. Den Abschluss machte man mit einem rhythmischen Spiritual und wurde für alle drei Stücke mit lautem Applaus des Publikums belohnt.

Im Nachgang zum Auftritt wurden Chorleiter Karl und die Mitwirkenden von Zuhörern mehrfach auf das besondere Klangerlebnis angesprochen. Wiederholt wurden die Kompaktheit des Klangs und die überzeugende Darbietung gelobt. Mit Spannung erwartete man deshalb die Bekanntgabe der Wertungen. Jurymitglied Stefan Class hob hervor, dass die Jury an beiden Wettbewerbstagen bei allen Entscheidungen sehr einheitliche Einschätzungen hatte.

Festdirigent Martin Winkler verlas die vergebenen Noten, die sich auf die technische und künstlerische Ausführung von Chor und Chorleiter beim gesamten Auftritt bezogen. Schnell wurde klar, dass die Jury bei der Vergabe das volle Spektrum der Bewertungen nutzte. So gab es neben Bronze-, Silber- und Golddiplomen auch einen Chor ohne alles. Die Gesamtwertungen reichten von 15,2 bis 22,5 Punkten.

Die Sänger aus Wald-Michelbach warteten gespannt auf die Bekanntgabe der Punkte ihrer Klasse. Niederzeuzheim erhielt eine Gesamtwertung von 22,3 Punkten, ein Golddiplom und die bis dahin höchste Punktzahl des Tages. Nun folgten die Punkte für die Union. Das Staunen war groß, als Winkler exakt die gleiche Wertung wie zuvor vorlas und damit das Kopf-an-Kopf-Rennen bestätigte. Auch die Überwälder wurden mit einem Golddiplom ausgezeichnet.

Dann kam die Überraschung: Winkler verkündete die Vergabe eines Sonderpreises an die Union für die hervorragende Interpretation des Stücks „Kein Feier, keine Kohle“. Diese Auszeichnung freute die Überwälder besonders, da sie ja vom Komponisten selbst kam. Alwin Schronen und seine Gattin sprachen von der besten Interpretation seines Stücks, die bis dato zu hören war. Bei der Klassenwertung entschloss sich die Jury, den ersten Klassenpreis an die zwei punktgleichen Chöre zusammen zu vergeben.