Sanierung ist erst zum Schuljahresende fertig

Weil die Feuchtigkeit so stark war, dauerte die Trocknungszeit länger und verschiebt sich somit auch das Sanierungsende. In der Grundschule Schimmeldewog wurden mehrere Leitungen im Sanitärbereich von Ratten zerfressen, weswegen unter anderem im Frühjahr 200 Quadratmeter Estrich erneuert werden mussten. Auf Grund der unvorhersehbaren längeren Trocknungszeit „werden die Räume erst Ende Juni wieder genutzt werden können“, teilt die Pressestelle des Kreises mit. Also genau dann, wenn die Sommerferien beginnen. Geplant war Ende Mai.

Derzeit gibt es eine Interimslösung durch einen Toilettencontainer auf dem Schulhof. Quasi eine Wiederholung des Zustands während der Renovierung vor acht Jahren, als die Schüler ebenfalls aufs WC-Häuschen auf den Schulhof gehen mussten, wenn sie mal mussten. Durch die rattenzerfressenen Löcher in den Abwasserleitungen sickerte über mehrere Jahre unbemerkt Fäkalwasser in den Estrich. Aufgrund der dortigen Feuchtigkeit sei dann eine Heizungsleitung im Boden korrodiert und gerissen. Dadurch wiederum kam noch mehr Wasser in den Estrich, wodurch auch die angrenzenden Räume betroffen waren, heißt es vom Kreis.

Die Abbrucharbeiten wurden Anfang März abgeschlossen, so die Auskunft des Kreises als Schulträger. Danach erfolgte eine technische Trocknung des Sanierungsbereiches, „die auf Grund der vorhandenen Feuchtigkeit länger dauerte als geplant“. Nach der Trocknung wurde der Sanierungsbereich desinfiziert, heißt es seitens der Pressestelle. Danach erfolgte am Baumaterial eine Probenahme durch einen Bauchemiker. „Alle Proben waren negativ“, sodass der Sanierungsbereich für die folgenden Arbeiten ab dem 8. April freigegeben wurde.

Erneuert werden mussten neben dem Estrich zirka 80 Quadratmeter Trockenbauwände sowie 15 Meter Abwasser- und 40 Meter Heizungsleitungen. Als Präventionsmaßnahme wurden in die Grundleitungen so genannte Rattensperren eingebaut, teilte Pressesprecherin Cornelia von Poser mit.

Im April wurde eine Bodenabdichtung auf den Rohboden aufgebracht. Auch bauten die Handwerker neue Heiz-, Wasser- und Elektroleitungen eingebaut. Nach Abschluss dieser Arbeiten wurde der Estrich mit Wärmedämmung eingebaut. In dieser Woche (ab dem 6.5.)/in der vergangenen Woche startete der Einbau der Trockenbauwände. Die Höhe der Schadenssumme wurde von der Versicherung noch nicht genannt, so von Poser. Sie werde aber komplett von der Gebäudeversicherung getragen. „Dem Kreis Bergstraße wird durch diesen Vorfall kein finanzieller Schaden entstehen.“

Bemerkt wurde der Schaden laut Kreis-Pressestelle im Dezember 2018, als man einen hohen Verlust im Heizungssystem feststellte und gleichzeitig an den Trockenbauwänden feuchte Stellen mit Schimmelbefall sichtbar wurden. Die WC-Anlagen wurden daraufhin umgehend geschlossen. Im Schulhof wurde ein Toilettencontainer aufgestellt. Die Sanierungsarbeiten erfolgen in enger Abstimmung mit der Schulleitung.

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Grundschule Schimmeldewog bekommt Ganztagsangebot

Das neue Schuljahr wird einen großen Einschnitt in der Geschichte der Grundschule Schimmeldewog bedeuten. Sie wird zu einer Ganztagsschule, worauf das Pädagogen-Team schon einige Zeit hingearbeitet. Die entsprechenden Planungen laufen bereits länger. Bei den Schnuppertagen für die Vorschüler des Kindergartens St. Marien war natürlich auch das erweiterte Angebot Thema. Für die Eltern gab es die entsprechenden Informationen, während ihre Kinder von den Paten mit der Schule vertraut gemacht wurden.

Ein Teil des Ganztagsangebots, montags bis mittwochs immer bis 14.45 Uhr, wird durch ein Landesprogramm kostenfrei gestaltet, erläutert Matthias Dautel. Er bildet zusammen mit Simone Hentschel-Gärtner die Schulleitung. Die anderen beiden Tage und die Zeit bis 16 Uhr muss seinen Worten zufolge bezahlt werden. Aktuell läuft auch die Personalplanung für die Betreuer, die zusammen mit den Lehrern das entsprechende Angebot machen.

Es soll Dautel zufolge Ruhepausen geben, Hausaufgabenbetreuung, AGs wie die Bienen, Projekte, aber auch Vertiefung des vormittäglichen Unterrichts. Das Mittagessen wird über einen Caterer geliefert. In der mittelfristigen Planung des Kreises als Schulträger werde auch über den Neubau einer Mensa nachgedacht. Wie der Pädagoge sagt, sind derzeit zwischen 30 und 40 für das kostenlose Nachmittagsangebot angemeldet, 20 davon für die restliche Zeit.

Derzeit zählt die Grundschule 66 Kinder, wovon 19 zum Ende des Schuljahres auf weiterführende Schulen abgehen. 21 kommen wieder dazu, neben den zwölf aus dem örtlichen Kindergarten auch neun von außerhalb, etwa Wald-Michelbach, Mengelbach oder Langenthal. Das belegt laut Dautel die weiterhin bestehende große Nachfrage nach der in Schönmattenwag praktizierten Unterrichtsmethode mit Freiarbeit.

Dautel findet es gut, „Schule so zu denken, dass auch nachmittags Unterricht stattfindet“. Denn damit kann man den Kindern mehr Zeit geben, das Gelernte zu vertiefen, andererseits durch ein freiwilliges Angebot Ort, Wald und Natur mehr zu integrieren. Mit einer Thematik könne man sich so in mehreren Stunden beschäftigten, was im regulären Unterricht sonst schwieriger sei. Außerdem wird der Ganztagsunterricht teilweise vom Klassenlehrer gehalten, womit dieser in der Lage ist, vormittags angeschnittene Punkte zu vertiefen.

Der Pädagoge weiß um den Bedarf von Ganztagsunterricht „auf dem Land“. Längst arbeiten auch hier beide Elternteile und sind deshalb auf die Betreuung ihrer Sprösslinge angewesen. „Das wird immer mehr nachgefragt.“ Dautel rechnet damit, dass die Nachfrage eher noch steigen wird. Er weist darauf hin, dass es sich um eine „Erweiterung des Lernangebots“ handelt. Eine Referendarin hat bereits neu in der Schule angefangen, Lehrpersonal fürs nächste Schuljahr wird noch gesucht. „Die Mittel dafür sind bereits genehmigt“, lächelt Dautel.

Zwölf neue ABC-Schützen wird die Grundschule Schimmeldewog im kommenden Schuljahr vom örtlichen Kindergarten St. Marien aufnehmen. Damit die sich gleich im neuen Umfeld zuhause fühlen und weniger Eingewöhnungsschwierigkeiten haben, gibt es für die baldigen Erstklässler im ausgehenden Schuljahr drei Schnuppertage im Abstand von zwei bis vier Wochen. Diese haben sich bestens bewährt und machen den Start in den „Ernst des Lebens“ leichter. Denn genau davor soll ihnen die Angst genommen werden – was nach Rückmeldung aus der Elternschaft auch sehr gut gelingt.

Im Kindergarten gibt es spezielle Vorschulprojekte, in die sich die angehenden Schüler einwählen dürfen, erläutert Leiterin Sabine Heutz. Da geht es unter anderem um die Polizei mit einem Besuch der Station in Wald-Michelbach oder das Erbacher Krankenhaus, wo Mutter und Opa eines Kindes arbeiten. „Alle sind richtig fit und fordern mehr“, hat Heutz beobachtet, dass die zwölf jetzt in der Schule gut aufgehoben sind. Fürs Abschiedsfest überlegten sie sich selbst ein Programm, üben ein Theaterstück ein und basteln die Requisiten selbst.

„Wir sind voll belegt“, gibt es laut der Kindergartenleiterin eine ständige Nachfrage nach freien Plätzen. Sie rechnet deshalb damit, dass es auch im kommenden Jahr wieder eine ähnliche Zahl Schulanfänger geben wird. Berührungsängste in der Schule gibt es nicht. Die „Neuen“ werden von ihren Paten an die Hand genommen und herumgeführt, mit der Freiarbeit vertraut gemacht. „Die sind begeistert, voller Vorfreude, neugierig“, hat Sabine Heutz beobachtet.

Schreiben lernen, ein Buch lesen, Kräuter bestimmen oder Zahlen in Mathe erforschen heißen die ersten Aufgaben der Schulanfänger, erläutert Matthias Dautel. Ziel ist es, einen fließenden Übergang zu gestalten. Den schaffen die angehenden Erstklässler in der Regel leichter als ihre Eltern. „Die Kinder haben viel weniger Probleme beim Loslassen“, hat der Pädagoge beobachtet.

Was den Kindern hilft, hilft aber auch den Lehrern. Denn nach der großen Pause gibt es eine „Schulstunde“, in der zusammen ein Bilderbuch gelesen oder etwas gebastelt wird. Während Dautel den Unterricht gestaltet, sind drei Kolleginnen dabei, die sich die neuen Erstklässler genau anschauen, um bereits einen Eindruck davon zu bekommen, was der eine oder die andere im kommenden Schuljahr vielleicht brauchen könnte.        Symbolbild

„Big Band meets Friends“ mit ÜWG-Ensembles und Kocherbacher Trachtenkapelle

„Big Band meets Friends“ ist schon ein bestens eingeführtes musikalisches Format, bei dem sich das Ensemble des Überwald-Gymnasiums im jährlichen Wechsel Gäste einlädt, um mit diesen ein abendfüllendes Konzert zu gestalten. In diesem Jahr gibt es aber eine Neuerung: Erstmals ist das sinfonische Blasorchester des ÜWG mit im Boot, was ein ganz anderes Lied- und Instrumentenspektrum ermöglicht.

Für das dreiteilige Konzert am Samstag, 18. Mai, in der Rudi-Wünzer-Halle trafen nun die jungen Musiker zwischen zwölf und 18 Jahren mit ihrem diesjährigen Gast, der Kocherbacher Trachtenkapelle, zur gemeinsamen Probe zusammen. Außer der Generalprobe einen Tag vorher ist dies die einzige Möglichkeit, die sechs gemeinsamen Stücke unter einen Hut zu bringen. Denn 65 Musizierende „sollen dann das Gleiche spielen“, wie es augenzwinkernd Big-Band-Leiter Sebastian Schertel formulierte.

Sein Ensemble bestreitet mit gerne gehörten Klassikern den ersten Teil des Abends. „In the Mood“ oder „Gonna fly now“, das Thema aus dem Rock-Film, sind ebenso dabei wie ein Rock-Pop-Stücke oder das bekannte „Summertime“. Dann entert die 25-köpfige Trachtenkapelle die Bühne. Von ihr gibt es natürlich den bekannten „Deutschmeister Regimentsmarsch“, „In Harmonie vereint“ oder auch den „Böhmischen Sonntag“ zu hören. Wieder mit im Set die der „Lion King“ und die „Liebeserklärung“.

Mit dem sinfonischen Blasorchester werden dann Instrumente beim ÜWG-Klangkörper zu hören sein, die vorher nicht in der Big Band zuhause waren: Bassklarinette, Waldhorn, Klarinette, Tuben oder Flöten. Der „Radetzkymarsch“, Bryan Adams „I’ll do it für you“ aus dem Robin-Hood-Film oder „By Loch and the Mountain“ sind solche gemeinsamen Lieder, die dann mit den Kocherbachern erklingen. Letzteres hat es Schertel sehr angetan, wie er gleich singend deutlich machte. Irisch-schottisch angehaucht, ist ein Hornsolo integriert „und dann geht es ab à la Michael Flatley“.

Durch das Orchester sind laut Schertel „mehr Instrumentierungen möglich als bisher“. Gleichzeitig kann der Dirigent Schülern ein musikalisches Zuhause bieten, die in der Bläserklasse groß wurden, aber in der Big Band mit ihrem Instrument nicht vertreten waren. Damit lässt sich dann auch ein ganz anderer Klang erzeugen. Personell gibt es einige Überschneidungen. Zwei Drittel der jeweils etwa 30 Köpfe starken Ensembles spielt auch im anderen.

Wie mit der Feuerwehrkapelle im vorigen Jahr trat die Big Band bereits vor fünf Jahren mit den Kocherbachern auf. Hinter der Zusammenarbeit „steckt immer die Idee, den Kindern eine Perspektive zu geben, wo sie nach der Schule weitermachen können“, erläutert Schertel. Denn er fände es schade, mangels Möglichkeiten das Instrument an den Nagel hängen zu müssen. Bei der Trachtenkapelle wird das bereits praktiziert: Drei ÜWG-Schüler spielen in ihr mit.

„Das wird schon ein besonderes Erlebnis, wenn 65 Leute auf der Bühne sind und das Gleiche spielen“, freut sich der ÜWG-Lehrer. Jede Kapelle probte im Vorfeld bereits die eigenen Stücke, jetzt standen die sechs gemeinsamen auf dem Programm, bevor dann bei der Generalprobe der letzte Schliff erfolgt.

Schertel war zu diesem Zweck auch bei einer Probe der Kocherbacher dabei und brachte diesen etwa „Evening Prayer“ oder „Bolero“ näher – Songs, die seine Schüler schon kennen. Gleichzeitig übte er mit diesen wiederum den „Earth Song“ von Michael Jackson ein.

Neben dem rein Musikalischen denkt man bei der Trachtenkapelle natürlich auch ein wenig an die Vereinszukunft, sagt Vorsitzende Franziska Michel. „Wir wollen den Kontakt zwischen den Schülern und der Kapelle herstellen“, erläutert sie. Und dabei auch zeigen, was mit den verschiedenen Instrumenten alles möglich ist. Sie äußerte die Hoffnung, „dass der eine oder andere hängen bleibt“.

Info: ÜWG-Big-Band meets Friends mit der Trachtenkapelle Kocherbach und dem sinfonischen Blasorchester, Samstag, 18. Mai, 19 Uhr (Einlass 18 Uhr), Rudi-Wünzer-Halle, Eintritt frei, Spenden sind willkommen. Die Bewirtung übernimmt der ÜWG-Förderverein.

Pflanzen ohne Ende für die Gartenliebhaber

Von etwas Schneefall Anfang Mai lassen sich die Pflanzenliebhaber nicht schrecken. Während außerhalb des großen Schirms auf der Hofwiese die dicken weißen Flocken niedergingen, kamen darunter die Interessierten zusammen, um bei der Pflanzentauschbörse des demokratischen Bürgerforums Wissenswertes um so manches Kraut auszutauschen. Manchmal wurden Kräuter Pflanzen getauscht, andere nahmen auch einfach nur etwas mit, die dritten kamen zu einem Plausch vorbei. Das Team um Christa Bistry und Anja Gammelin-Werner hatte für alle und jeden ein offenes Ohr und Tipps.

Mit der Resonanz waren beide angesichts des Winterwetters zufrieden. Natürlich war etwas weniger als im Jahr zuvor los, aber es war besser als befürchtet. Schon vor dem eigentlichen Beginn kamen die ersten, nicht nur aus dem Überwald, sondern auch aus umliegenden Orten, um zum einen Erzeugnisse des eigenen Gartens im Tausch loszuwerden und zum anderen selbst etwas mitzunehmen, das die eigene Erde noch nicht hergibt – oder um eine besondere Idee auszuprobieren. Wer nichts zum Tauschen hatte, durfte bei Mitnahme auch einfach nur spenden.

Natürlich wurden ebenfalls Rezepte ausgetauscht. Da ging es dann darum, wie welche Tomatensorte zubereitet werden kann oder dass sich Minze als Gewürz, Tee oder Salatbeilage verwenden lässt. Topinambur wächst im Garten schon fast als Strauch und ist sehr unempfindlich, andererseits können aber im Herbst auch die Knollen geerntet werden. Auch ausgefallene Kräuter wie die winterharte Kresse stießen auf Gegenliebe.

Wenn es um die Pflanzen geht, ist Christa Bistry in ihrem Element. Etliche der Kräuter und Blumen stammen aus ihrem Garten oder vom eigenen Balkon. Besonders angetan hat es ihr Jiaogulan, das chinesische Kraut der Unsterblichkeit. Der Frauenginseng unterstützt Yin und Yang, ist in der Beschreibung zu lesen. Es ist ein Kraut mit krebshemmender Eigenschaft, das zudem stressabbauend sein soll. In Thailand und China werden frische Blätter als Salat oder spinatähnlich verwendet. Sowohl aus den getrockneten als auch den frischen Blättern kann zudem Tee zubereitet werden.

Löwenzahn, den es natürlich nicht zum Tauschen gab, weil er überall wächst, ist ein Allrounder, den Anja Gammelin-Werner für den Salat empfiehlt. Denn die Pflanze hat neun Mal mehr Vitamin C und 40 Mal mehr Vitamin A als normaler Salat. Außerdem enthält er drei Mal mehr Eisen als Spinat, dazu Spurenelemente von Kalzium, Natrium Kalium und Kieselsäure. Der Löwenzahn schwemmt durch seine Bitterstoffe Harnsäure und Schlacken aus dem Körper und behebt Darmträgheit. Er wirkt gegen Allergien, Leber- und Krebs-Erkrankungen, besitzt krebshemmende Carotine und Flavonide.

Die Frühlingswurzel mit dem bitteren Cholin sorgt für den Fettabbau aus dem Gewebe, im Herbst ist mit Inulin ein zuckerfreies Kohlenhydrat zu finden, womit sich Löwenzahl gut als Diabetiker-Gemüse eignet. Gerade im Frühjahr bietet es sich an, mit einer Schüssel in den Garten zu gehen, den Salat einfach von der Wiese zu sammeln und als Löwenzahn-Salat zuzubereiten.

Melisse, Tellerkraut, Helgoländer Wildkohl, Waldmeister, Liebstöckel, Maggikraut, Melde oder Agastache: Es gibt beim Einhaus nichts, was es nicht gibt. Sushni bezeichnet Christa Bistry als „wunderbare Kräuterpflanze“ und Nervenkraut. „Es gibt 50 verschiedene Sorten Minze“, erläutert sie. Die Pfefferminze wird unter anderem auch für Süßspeisen verwendet, ist aber wegen des ätherischen Öls auch eine Heilpflanze. Die jungen Blätter der Purpurmelde eignen sich für Salat, die größeren dann für eine Zubereitung wie Spinat.

„Der Rosenweihrauch ist etwas für die Sinne“, meint sie. Ausnahmsweise mal keine Pflanze, die man essen kann. Er wirkt stimmungsaufhellend, kann getrocknet werden und verbreitet dann über Räucherkohle seinen wohltuenden Duft. Bei der Agastache, weiß Gammelin-Werner, handelt es sich um eine Teepflanze, die sowohl frisch als auch getrocknet für Kräutertees verwendet werden kann. Sie ist dem Allgemeinwohl zuträglich.

Waldmeister will in Maßen genossen werden, warnt sie. Auch bei ihm handelt es sich um eine Heilpflanze, die jedoch dosiert eingesetzt werden sollte, um Kopfschmerzen zu vermeiden. Denn mit der richtigen Menge hilft er genau dagegen. Bekannt ist der Waldmeister aber auch durch die gleichnamige Bowle.

Manche Kräuter müssen über den Winter rein, andere wie Thymian, Rosmarin und Melisse „wachsen immer wieder“, erläutert Gammelin-Werner. Auch Estragon ist sehr robust. Kommt ein trockener Sommer wie der letzte, dann brauchen die Kräuter ab und zu etwas Wasser, beobachtete sie. Sie freute sich darüber, dass derzeit die Natur gerade voll in der Entfaltung ist. „Alles sprießt und blüht.“

Bei Stillfüssel geht’s jetzt in die Hauptklage

Verbinden und nicht spalten: Unter dieses Motto hatten die Initiatoren von Bürgerinitiativen (BI) Gegenwind Siedelsbrunn und Ulfenbachtal ihr zweites „Schwachwindfest“ gestellt, das – guter Planung sei Dank – dieses Mal nicht den Wetterunbilden ausgesetzt war, sondern im Bürgerhaus stattfand. Drei Bands spielten am Nachmittag und Abend auf, während fürs leibliche Wohl bestens gesorgt war und natürlich die Info-Vermittlung im Mittelpunkt stand.

„Es war eine gute Veranstaltung“, bilanzierte Organisator Udo Bergfeld. Der Zuspruch litt im Außenbereich leider unter dem Wetter, aber drinnen war es zu jeder Zeit gut besucht. Er stellte eine stetes Kommen und Gehen fest. Auch die Bands kamen seiner Beobachtung nach „hervorragend an“. Auf der Bühne waren Peter Geisinger mit „Jazz & Samba by P.M.D.“, die „Paraberries“ und die „Old farts on stage“ (Ofos) vertreten.

In Sichtweite der fünf Windräder am Windpark Stillfüssel, die sich gemächlich in der Wolkendecke drehten, meinte Bergfeld: „Wir wollen miteinander ins Gespräch kommen.“ In diesen Zusammenhang stellte er auch die Infos über die sogenannten Weißflächen, die dem Windenergie-Regionalplan am 14. Juni in der Regionalversammlung zur Verabschiedung verhelfen sollen. Dabei handelt es sich um Gebiete, die aufgrund bestimmter Kriterien wie besonders schützenwerte Fauna erst einmal aus der Planung herausgenommen werden sollen.

Für Bergfeld handelt es sich dabei aber um „eine Hütchenspielerei“. Denn diese Gebiete würden nur vorübergehend zurückgestellt. Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid wolle mit diesem „Taschenspielertrick“ nur erreichen, dass über den Regionalplan abgestimmt werde „und die Flächen dann zur Verfügung stehen“. Den BI geht das gegen den Strich. Sie setzen sich laut Bergfeld vehement für eine dritte Offenlage des Regionalplans ein und wollen in deren Rahmen weitere Gutachten erstellen lassen. „Wir kämpfen dafür“, ergänzte auch Matthias Vercrusse.

Denn: „Die Weißflächen sind nicht aus der Planung draußen, sondern können wieder reingenommen werden“, betonte Bergfeld die „Augenwischerei“. Die Bürger werden seiner Meinung nach getäuscht, weil ihnen suggeriert werde, dass Flockenbusch oder Meisenberg auf Wald-Michelbacher Gemarkung windradfrei blieben. Beide seien zwar im Flächennutzungsplan der Gemeinde nicht enthalten, aber eben im Regionalplan. Und der greift im Zweifelsfall, da er auf höherer Ebene verabschiedet werde, hob der Aktive hervor.

Der BI-Sprecher führte mehrere Argumente gegen Windräder ins Feld: Inzwischen gebe es 31.000 davon in Deutschland, „aber keine CO2-Reduzierung“. Und die Förderung erneuerbarer Energien werde ja immer damit begründet, dass man dem durch fossile Energieträger forcierten Klimawandel infolge von zu viel Kohlendioxid-Ausstoß entgegentreten will. Zweiter Punkt: Der Strom wird immer teurer. „Die Deutschen zahlen in Europa den höchsten Preis“, so Bergfeld. Je mehr Windräder gebaut werden, desto größer sei deren Förderung über die EEG-Umlage, desto höher der Preis für die Endverbraucher.

Bergeld wies in seinen Worten auf die zahlreichen Aktionen der vergangenen Zeit hin. So etliche 10.000 Einwendungen gegen den Bau des Windparks, 21.000 Unterschriften gegen den Teilflächennutzungsplan Erneuerbare Energien, wie der Regionalplan ausgeschrieben heißt, oder das deutschlandweite Lichtermeer am 7. März. Was ihn zur pauschalen Aussage führte: „Die Leute sind nicht damit einverstanden, dass Windräder gebaut werden.“

Denn letztlich, bemängelte der BI-Mann, könnten die Überschüsse sowieso nicht gespeichert und müssten ins Ausland verkauft werden. Paradox: Wenn der Wind zu heftig weht und damit sehr viel Strom produziert wird, müssen die Anlagen abgeschaltet werden, weil man nicht wisse, wohin mit der ganzen Energie. Die die leistungsfähigen Leitungen fehlten.

Mit dem Windpark Stillfüssel „gehen wir jetzt in die Hauptklage“, erläuterte Bergfeld. Auch wenn es vielleicht durch vorherige Entscheidungen so aussehen könnte, „ist noch nichts aussichtslos“, betonte er. Denn letztendlich fange das Verfahren jetzt ganz neu am Darmstädter Verwaltungsgericht an. Er rechnete damit, dass es sich ein paar Jahre hinziehen wird.

„Was den Betreibern weh tut“, weiß Bergfeld, seien die Abschaltzeiten etwa wegen Fledermausflug. Er wies daneben auf den Schaden hin, den die Rotoren in der Insektenwelt anrichteten. Dass diese ein- bis zweimal im Jahr gereinigt werden müssten, weil sonst die Leistung zurückgehe, komme nicht von ungefähr. „Die richten so viel Schaden an wie im Jahr 40 Millionen Autos“, sagte er.

 

Einkaufsgutscheine sind bei der Wirtschaftsvereinigung Überwald der Renner

Was im Überwald an Einkaufsgutscheinen über die Ladentische geht, ist im Vergleich zu anderen Gemeinden schon außergewöhnlich. Geschäftsführer Ernst Gräber nannte auf der Jahreshauptversammlung der Wirtschaftsvereinigung (WVÜ) einige Zahlen. Demnach werden pro Jahr um die 70.000 bis 80.000 Euro umgesetzt. Seit dem Start vor 13 Jahren wurden fast 67.000 Gutscheine mit einem Gesamtwert von 930.000 Euro verkauft. „Wir sind guten Mutes, demnächst die Million zu knacken“, sagte Gräber.

Kassenprüfer Bruno Klemm, der mit Toni Buchhaus die vielen, von Gräber gesammelten Belege durchgesehen hatte, attestierte dem gemeindlichen Hauptamtsleiter nicht nur eine einwandfreie Arbeit, sondern erledigte auch die Entlastung des Vorstands. Er wies auch auf die große Kaufkraft der Gutscheine hin. „In Mörlenbach haben wir nur ein Zehntel dieser Summe“, meinte Klemm anerkennend.

Ein Hauptpunkt der Zusammenkunft war der im September anstehende Gassenmarkt. Bisher liegen 62 Anmeldungen vor, teilte Gräber mit. „Wir müssen viel bei den Ausstellern nachhaken“, monierte er. Wahrscheinlich werde man in diesem Jahr „die 80 nicht vollbekommen“, so der Geschäftsführer. Fest gebucht sei die große Hüpfburg. Mit dem MSVg Hammelbach stehe man in Kontakt wegen des Trialparcours.

Aus der Runde kam die Anregung für einen zweiten verkaufsoffenen Sonntag, eventuell im Frühjahr. Gräber wies auf die Schwierigkeit hin, Mitwirkende zu finden. „Deshalb ist auch Lifestyle eingeschlafen“, sagte er. Die Vereine hätten ebenfalls nur begrenzte Kapazitäten und bestritten übers Jahr eine Vielzahl an Veranstaltungen, bei denen ihre Mitglieder schon eingespannt seien.

„Wir können nicht alle abfragen“, erläuterte Vorsitzender Heinz Fischer. „Es kamen kaum noch Rückmeldungen“, ergänzte Gräber. Er sagte aber zu, es in diesem Jahr wieder zu probieren und dem Infoschreiben zum Heimatfest noch ein Blatt für den Gassenmarkt beizulegen. Von den WVÜ-Mitgliedern wurde Wert darauf gelegt, auf jeden Fall einen Versuch zu starten.

Im Moment ist noch nicht klar, ob die Sommerlos-Aktion in diesem Jahr wieder stattfindet, teilte Fischer mit. Bereits im vergangenen Jahr nahm die von Hessen Mobil geplant Baustelle an der Brücke über den Gaderner Bach viel Raum ein. Die Vollsperrung beschäftigt Gemeinde und WVÜ auch weiterhin, denn Wald-Michelbach soll natürlich gut erreichbar bleiben.

Der Vorsitzende erwähnte außerdem die (erfolgreichen) Werbemaßnahmen in Abtsteinach, um dortige Betriebe für die WVÜ zu begeistern. Auf dem Rathaus der Höhengemeinde sollen demnächst die Einkaufsgutscheine verkauft werden. Die WVÜ möchte sich auch in die andere Überwald-Richtung ausdehnen, sagte er, um so die komplette Region abzudecken. Fischer bedauerte, dass sich Paul Schmitt aus der Umzugsprämierung beim Heimatfest etwas zurückziehen wolle und kündigte augenzwinkernd Gespräche darüber an.

Sebastian Schröder von der Zukunftsoffensive Überwald (ZKÜ) stellte die neu gestaltete Homepage vor. Ihr Herzstück ist das Branchenverzeichnis. Das allerdings muss von den Betrieben noch gefüllt werden, bevor die relativ schlanke Seite „scharf geschaltet wird“. Mehr als die Hälfte der Firmen hat noch keinen Eintrag erstellt. Die Webseite soll Ende des Monats online gehen, hoffte er. Er rief dazu auf, bis dahin Inhalte zur Verfügung zu stellen. Eva Sattler von der ZKÜ ist die Ansprechpartnerin.

Zusammen mit der Eugen-Bachmann-Schule treiben WVÜ und ZKÜ die Ausbildungsplatzinitiative voran. Auf dem Gassenmarkt soll es einen Aushang von freien Ausbildungsplätzen geben. Ausbildungsbetriebe will man mit einem großen Symbol kennzeichnen. Friederike Kempe will hiesige Betriebe im Rahmen von Schulpraktika stärker einbringen und diese im Rahmen von Projektwochen besuchen.

Fischer und Schröder stellten noch die Idee von einheitlichen Radständern für Überwald vorgestellt, vor Geschäften und öffentlichen Einrichtungen. Der Vorsitzende merkte an zum Schluss hin noch an, dass in der Gemeindevertretung oftmals Fehler der Vergangenheit gesucht würden, anstatt in die Zukunft zu blicken und sich mit dieser zu beschäftigen. „Es bewegt sich zu wenig“, sagte er.

Info: Kontakt für die WVÜ-Homepage ist bei der ZKÜ Eva Sattler, Telefon 06207/942426, E-Mail info@ueberwald.eu

Gute Nachrichten in Sachen Drogeriemarkt: „Wir sind kurz vor dem Vertragsabschluss“, sagte Bürgermeister Sascha Weber auf der WVÜ-Versammlung. In den nächsten Wochen erwartet er die Unterschrift mit dem Inverstor, erläuterte er. „Ich bin positiv gestimmt, dass es bald losgeht.“ Er hofft auf eine Eröffnung irgendwo zwischen Herbst kommenden Jahres und dem Frühjahr 2021. Entstehen soll der Markt zwischen Aldi und Edeka oberhalb des jetzigen Parkplatzes, wofür der Hügel ein Stückchen angegraben wird.

Eine zweite wichtige Mitteilung des Rathauschefs betraf die geplante Baumaßnahme am Gaderner Bach. Eigentlich sollte im Juni begonnen werden, was sich aber etwa um vier Wochen verschiebt. Laut Bürgermeister Sascha Weber soll die Strecke bis zum (von Hessen Mobil dann eingeplanten) Wintereinbruch im Dezember fertig wieder befahrbar sein. Die Crux: „Wir bekommen erst etwa eine Woche, bevor es losgeht, Bescheid über den Starttermin“, seufzte Weber. „Es ist alles sehr eng getaktet.“

 

Stoewer-Sammlung geht von Wald-Michelbach nach Stettin

Das Stoewer-Museum in der Michelstraße wird es bald nicht mehr geben. Eigentümer Manfried Bauer verkauft seine seit 2002 bestehende Sammlung nach Stettin und damit in genau die heute polnische Stadt, wo vor 160 Jahren zuerst die Ursprünge der Nähmaschinen, dann Fahrräder und Schreibmaschinen sowie später Automobile lagen, denen er sich seit 30 Jahren widmet. „Alle Versuche, die Sammlung in Deutschland zu lassen, sind ergebnislos verlaufen“, bedauert der 78-Jährige. Am Sonntag, 7. Juli, ist das letzte Mal geöffnet.

„Ich bin 78, ich weiß nicht, wie lange ich noch weitermachen kann“, begründet der in Stettin geborene Bauer seinen Schritt. Sein Vater war Heidelberger. Sein Wunsch wäre gewesen, dass die beiden Söhne die Sammlung übernehmen, aber die sagten ihm vor zwei Jahren aus persönlichen Gründen ab. Dem mit viel Herzblut aufgebauten Museum hat Bauer in den vergangenen zwei Jahrzehnten seine Freizeit geopfert.

Wie ist ihm jetzt mit dem Verkauf geht? Er zögert kurz, die Stimme stockt einen Moment, dann sagt er: „Das Loch kommt erst, wenn alles weg ist.“ Zumindest gibt es eine Übergangszeit, denn Bauer begleitet den Umzug ins technische Museum der 400.000-Einwohner-Stadt an der Odermündung und steht beim dortigen Aufbau als Berater zur Seite.

Als ihn seine Eltern für die Heimatstadt interessieren wollten, „habe ich früher immer abgewinkt“, erzählt Bauer. 1984 war er dann auf einem Weltcampertreffen in Polen. Die Eltern schickten ihn zu diesem Anlass auf die Suche nach dem ehemaligen Wohnhaus in Stettin. Das gab es zwar nicht mehr, „aber ich fing an, mich für die Stadt zu interessieren“. Oldtimerfan war der 78-Jährige schon immer – „und dann kam eins zum anderen“. Er besuchte die Stadt jedes Jahr ein bis zwei Mal.

1989 holte er sein erstes Stoewer-Auto aus der Schweiz und fing an, sich intensiver mit den gefertigten Produkten der zwei großen Schwester-Unternehmen aus der Oder-Stadt zu beschäftigen. Bauer ging es aber nie nur ums Blech, sondern auch um die Menschen, die vor 1945 (nach Kriegsende wurde alles von den Sowjets demontiert) dort Autos, Nähmaschinen oder Fahrräder fertigten.

1994 mietete der Wahl-Wald-Michelbacher einen Bus „und dann sind wir mit ehemaligen Mitarbeitern nach Stettin gefahren und haben das frühere Werksgelände besichtigt“. Manche waren zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs wieder dort, erläutert Bauer. 1996 dann die nächste Tour, dieses Mal mit 15 Stoewer-Fahrzeugen, die von der deutschen Seite aus nach Stettin fuhren. Bei den älteren Leutchen „sind ein paar Tränen gerollt“, weiß er. Leider leben heute nur noch zwei der früheren Stoewer-Leute. „Beide sind 95“, erzählt Bauer. „Ich stehe noch mit ihnen in Kontakt.“

Als 1998 seine Frau starb, warf ihn das aus der Bahn. „Was machst du jetzt?“, fragte sich Bauer. Die Intensivierung der Beschäftigung mit Stoewer bildete für ihn einen Fixpunkt, an dem er sich festhalten konnte. Anfang April 2002 eröffnete er sein Museum. „Ich war zu der Zeit schon gut ausgestattet“, blickt er zurück. Sechs Autos, davon zwei geliehene, zierten die ehemaligen Bankräume. Neben vielen anderen Exponaten.

Im Laufe der Jahre kam Etliches dazu. 910 Exemplare, die in irgendeiner Form mit dem Unternehmen zu tun haben, listeten die Gutachter im Auftrag der Stadt Stettin vor einem Jahr auf. „Es sind inzwischen noch ein paar hinzugekommen“, schmunzelt der Sammler. Neben den größeren Objekten gibt es unter anderem auch Anstecknadeln, eine Radmutter mit Stoewer-Prägung für alte Cabrios, Bücher, Plaketten oder eine alte Taschenuhr, die ein Stoewer-Fahrer für seinen Sieg bei einem Wettbewerb 1928 erhielt.

Was er nach dem Spätjahr macht, wenn die Sammlung in Stettin wieder eröffnet sein soll? „Ich habe noch andere Hobbys“, lächelt Bauer. Etwa die Numismatik. Die war sogar schon vor der Beschäftigung mit Stoewer ein Steckenpferd von ihm. Neben der Sammlung Hessen-Darmstadt hat er inzwischen auch eine mit Bezug zu Stettin aufgebaut. Irgendwann, meint er mit Augenzwinkern, „möchte ich mal wieder ein gutes Buch lesen, das nichts mit Autos zu tun hat“.

„Ich schmeiße nicht hin“, versichert Bauer. Sondern es gibt einen geordneten Übergang. Denn das Technikmuseum der polnischen Stadt baut auf sein Fachwissen. Im dortigen früheren Straßenbahndepot aus Kaiserzeiten wird seiner Sammlung der gebührende Platz eingeräumt. Sie bekommt mehr als die doppelte Fläche, wie sie in Wald-Michelbach mit 300 Quadratmetern hatte.

Manfried Bauer hätte seine Stoewer-Sammlung gerne weiter in Wald-Michelbach gesehen. „Die Gemeinde hätte sie auch gern behalten“, erzählt er. Doch die Kommune hätte zur Finanzierung des Projekts Hilfe von der Landesregierung gebraucht – „und die bekam sie nicht“. Vor über zwei Jahren gab es Gespräche, bei denen der frühere Bürgermeister Joachim Kunkel, Sebastian Schröder von der ZKÜ und der ehemalige Landtagsabgeordnete Peter Stephan „ihr Möglichstes versuchten“. Ohne Erfolg. „Das Land sagte, es gibt ja keine Verbindung zur hessischen Industriegeschichte“, hat der Sammler als Ablehnungsgrund im Gedächtnis.

Er probierte alles, um die Sammlung im Überwald zu halten, klopfte an viele Türen, aber niemand hatte gesteigertes Interesse. Das Pommersche Landesmuseum in Greifswald zeigte ebenfalls Interesse, „bekam aber keine Unterstützung von der Landesregierung in Schwerin“, erinnert sich der aus Stettin stammende Bauer. Ganz anders die polnische Stadt Stettin, bis 1945 Heimat der beiden Stoewer-Werke. Bauer hatte dorthin bereits früher einen guten Kontakt und dem Technik-Museum bereits einen Stoewer V5 verkauft.

Zwei Grundvoraussetzungen nannte der Sammler, damit sein Lebenswerk die Reise antreten kann: dass ein Konzept für die Weiterführung bestehen muss und die Sammlung nicht auseinander gerissen werden darf. Man wurde sich einig. „Die Polen kamen sofort mit einem überzeugenden Vorschlag“, sagt Bauer. Mehrere Gespräche in Wald-Michelbach und Stettin folgten. Vor Weihnachten wurde vereinbart, Nägeln mit Köpfen zu machen. Jetzt gilt es nur noch Details zu regeln.

Sieben Automobile, acht Fahrräder sowie etwa 90 Näh- und Schreibmaschinen kommen neben weiteren über 800 Stoewer-Exponaten in die polnische Stadt. Stettin wollte für den Kauf der Sammlung keine EU-Mittel anzapfen, sondern sie aus dem eigenen Haushalt in drei Jahresraten zahlen. Bauer war einverstanden. In der vergangenen Woche stimmte auch das dortige Stadtparlament zu. Jetzt muss das hessische Wissenschafts- und Kunstministerium noch sein Plazet geben, „da es sich um ein genehmigungspflichtiges Kulturgut handelt“. Die Signale stehen aber auf Grün, erfuhr der Sammler.

Stettins Stadtpräsident (Oberbürgermeister) Piotr Krzystek ist die treibende Kraft hinter der Aktion. „Stoewer kommt nach Hause zurück. Einen besseren Ort auf der Welt zur Ausstellung dieser Marke gibt es nicht. Aus Stettiner Sicht ist diese Sammlung von unschätzbarem Wert”, sagte er bei der Bekanntgabe, heißt es in der polnischen Zeitung „Stettiner Kurier“.

Krzystek findet, dass die Bürger der polnischen Stadt auf die Sammlung stolz sein können. „In Stettin produzierte Automobile, das ist schon was. Mercedes hat von Stoewer gelernt und BMW produzierte die ersten Fahrzeuge erst über 20 Jahre später“, meinte er. Der Stadtpräsident will das technische Museum „zu einem Kompetenzzentrum in Sachen Stoewer machen“, erläutert Bauer. Mehr Personal sowie Lese- und Archivraum sind geplant. Wie auch der Aufkauf weiterer Stoewer-Sammlungen.

„Für uns eröffnen sich viele neue Möglichkeiten. Die Sammlung kommt aus Privathand ins öffentliche Museum und bleibt für immer bei uns”, wird Stanisław Horoszko, Direktor des Technik- und Verkehrsmuseums „Zajezdnia Sztuki”, zitiert. Das größte und stattlichste Fahrzeug, das nach Stettin zurückkehrt (alle sind noch fahrtüchtig), ist die repräsentative Limousine Stoewer Arkona. Sie ist 5,1 Meter lang und hat drei Sitzreihen.

Bauer geht davon aus, dass seine Sammlung Ende September/Anfang Oktober in Stettin wieder zu sehen sein wird. Ein Fahrzeug bleibt seinen Worten zufolge aus persönlichen Gründen in Wald-Michelbach und wird erst nach drei Jahren ausgeliefert. Das umfangreiche Stoewer-Archiv „wird noch mindestens ein Jahr in Wald-Michelbach bleiben“, versichert er. Das polnische Museum will es ebenfalls übernehmen, „aber die Modalitäten müssen noch vereinbart werden“.

Stoewer-Geschichte

Die vom in Pyritz geborenen Bernhard Stoewer in Stettin im Jahr 1858 gegründete Firma reparierte zunächst Nähmaschinen. Dann verwandelte sich die Werkstatt schnell in eine Fabrik. Die dort produzierten Maschinen schnitten im Wettstreit mit den bekannten amerikanischen Singer-Nähmaschinen sehr gut ab.

Die Firma vergrößerte sich weiter, produzierte neben Näh- auch Werkzeugmaschinen, Fahrräder, Schreibmaschinen und Automobile. Das war dann schon der Verdienst der Söhne des Fabrikgründers Bernhard jr. und Emil Stoewer. Der Prototyp des ersten Automobils der Marke Stoewer fuhr 1899 auf den Straßen Stettins. Im 20. Jahrhundert wurden die Fahrzeuge, zu denen auch Lkw und Busse kamen, dann in den Werken an der Falkenwalderstraße (heute Allee Wojska Polskiego) produziert.

Info: Das Stoewer-Museum, Michelstraße 2, Wald-Michelbach, hat jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet, das letzte Mal am 7. Juli. Mehr unter www.stoewer-museum.de