Kitzretter waren wieder auf Tour

Dieses Mal blieben die Kitzretter – zum Glück – ohne Fund. Aber es gab auch andere Einsätze, erinnert sich Jagdpächter Jürgen Behrens, als auf den Feldern das eine oder andere Rehjunge gefunden und gesichert wurde. Vor kurzem waren wieder zehn Ehrenamtliche auf Wiesen, die danach gemäht werden sollten, unterhalb von Siedelsbrunn unterwegs. Die liegen zusammen mit anderen im Gebiet von Behrens Pacht.

„Die Landwirte rufen vorher an“, schildert er das Prozedere, „und sagen, ich will wieder mähen. Habt ihr Zeit durchzugehen?“ Die Zeit findet sich immer. Um die 40 Telefonnummern hat der Jagdpächter in der entsprechenden WhatsApp-Gruppe gespeichert, in die er dann die Nachricht sendet. Ein Jäger begleitet am betreffenden Tag die Kitzsucher-Gruppe, vor allem aus Frauen bestehend.

Ist eines gefunden, wird ein Korb darüber gestülpt und mit einem Netz auf dem Boden befestigt. Zwei große Stangen kommen daneben, um dem mähenden Landwirt zu signalisieren, dass er an dieser Stelle aufpassen soll. Der mäht dann logischerweise um diesen Fleck herum. Ist der Bauer fertig mit der Arbeit, lassen die Helfer das Kitz wieder springen.

Dieses aufwändige Prozedere hat seinen Grund. Zum einen „müssten wir die Rehjungen mit Kraft anfassen und hochheben“, schildert Behrens das Problem. Und dann würde das Kitz von der Mutter nicht mehr angenommen, wenn dieses den Mensch daran riecht. Zum anderen würde es, außerhalb des Feldes abgesetzt, wieder ins ungemähte Gras springen, um Deckung zu suchen. Denn die Tiere „drücken sich und warten, bis die Gefahr vorüber ist“ – beim Mähen genau das falsche Verhalten.

Wenn auch glücklicherweise oft keine Kitze gefunden werden, gibt es durchaus Felder, wo es dann sogar mehrere sind. So betreut der Jagdpächter auch zwei andere Wiesen in der Nähe der Wittmannskurve an der Straße von der Kreidacher Höhe nach Wald-Michelbach. Binzig, Königsbuckel, Geisberg, Mühlklingen, Fischerloch und Galkenhöhe sind neben dem Schwimmbadweg bis hoch zur Landesstraße ebenfalls Teil der der betreuten Fläche.

Seit Behrens 2014 die Pacht in diesem Gebiet übernommen hat, arbeitet er mit den Landwirten zusammen. Die könnten doch gerne, so sein Wunsch, ihre Mähaktion nicht oft erst von einem Tag auf den nächsten ankündigen. Denn die meisten Helferinnen sind berufstätig und nicht so kurzfristig verfügbar. Neue Aktive gibt es über Mund-zu-Mund-Propaganda immer wieder. „Die melden sich dann und fragen, ob sie mitmachen können“, freut er sich.

Auch wenn Behrens seit 1993/94 Jäger ist, gibt es die Kitzrettung erst seit 2014. Sein damaliger Mitpächter brachte ihn auf die Idee, erzählt er. Eigentlich, lächelt er, liegt das Thema in der Verantwortlichkeit der Landwirte, denen man damit unter die Armen greift. Aber die Helfer(innen) werden natürlich gerne tätig und es ist ein schönes Erfolgserlebnis, ein Kitz im hohen Feld zu entdecken und damit vor dem sicheren Tod zu bewahren.

Dass es in diesem Jahr erst so wenige Funde gibt, erstaunt den Jäger fast etwas. Denn vom Hochsitz aus erblickte er bereits einige Jungtiere. Allerdings „ist das kein Automatismus“, dass sich dann etliche in den Feldern verstecken, erläutert er. Und letztlich ist es ja umso besser, wenn sie in der sicheren Deckung bleiben.

Mittel der modernen Brandbekämpfung

Die Wärmebildkamera kam für die Feuerwehr Wald-Michelbach gerade zum richtigen Zeitpunkt. „Unsere ist vor einiger Zeit kaputtgegangen“, freute sich Wehrführer Peter Capuani über den Ersatz in Form einer Spende durch die Sparkassen-Versicherung (SV). Er nahm diese in Anwesenheit von Tobias Johann und Bürgermeister Dr. Sascha Weber seitens der Gemeinde von Michael Schneider entgegen. Der war mit seinen Kollegen Marcus Braun und Frank Richter in die Überwald-Gemeinde gekommen.

Die SV, betonte Schneider, fördert seit vielen Jahren die Feuerwehren. Schutz und Rettung von Menschenleben stehen bei beiden Organisationen im Fokus, hob er hervor. Natürlich geht es auch um die Gebäuderettung und die Verhütung von Schäden. Jubiläumsprämien, Zuschüsse zu Brandschutzkoffern und vor allen innovative Feuerwehrausrüstung wurden in den vergangenen Jahren gefördert, erläuterte der Sparkassenmann.

Die Spende einer Wärmekamera ist laut Capuani quasi eine „Win-win-Situation“. Die Feuerwehr kann damit Brandherde und Glutnester lokalisieren, ohne gleich das Dach einreißen zu müssen. Was wiederum der Versicherung zugutekommt, die dann möglicherweise einen geringeren Schaden begleichen muss. Ganz davon abgesehen, dass Menschenleben gerettet werden.

Viele Einsatzabteilungen der Feuerwehren verfügen noch nicht über eine Wärmebildkamera, so Schneider. Bei der SV versicherte Kommunen können nun eine im Wert von 1600 Euro kostenfrei erhalten. Dieses Programm wird noch einige Zeit fortgesetzt. Damit, führte er aus, wird die Einsatzfähigkeit der Wehr gestärkt und der kommunale Haushalt entlastet.

Der Sparkassen-Vertreter bezeichnete solche Geräte als „Mittel der modernen Brandbekämpfung bei Gebäudebränden“. Ihr Einsatz ermögliche es, einen Brandherd zu lokalisieren und effektiv zu bekämpfen. Damit lassen sich außerdem Brand- und Löschwasserschaden reduzieren. Außerdem, betonte Schneider, „kann man die Kamera auch gezielt zur Personensuche und -rettung einsetzen“. Denn sie wandelt die Infrarotstrahlung, die von einer Wärmequelle ausgeht, in ein für Menschen sichtbares Bild um.

Deshalb kann es sein, erklärte er, dass man mit bloßem Auge in einem verrauchten Raum nichts erkennen kann, aber mit der Wärmebildkamera mehr und besser sieht. Somit können vermisste Personen schneller gerettet werden. Bei Lagebeurteilung, Gefahrguteinsätzen oder bei der Personensuche nach Verkehrsunfällen ist sie ein wichtiges Hilfsmittel.

Capuani bezeichnete das Gerät als sehr gute Ergänzung bei Einsätzen. Es kommt auf den Einsatzleitwagen, erläuterte er. Dort war die andere, kaputt gegangene Kamera auch untergebracht. Aktuell, sagte er, ist die Wald-Michelbacher Wehr gut ausgestattet. Eigentlich hätte man gern in diesem Jahr den Gerätewagen Gefahrgut ausgetauscht, da das bisherige Gefährt ein halbes Jahrhundert alt wird. Erst einmal ist aber jetzt die durch die Behörden geforderte Drehleiter dran.

Gemeinden mit Gebäuden von über acht Metern Brüstungshöhe müssen eine haben, so Capuani. In Wald-Michelbach gibt es diese, aber keine Drehleiter. Von Mörlenbach oder Oberzent dauert es zu lange, bis das Fahrzeug im Überwald ist. Denn für solche Fälle gilt eine Hilfsfrist von zehn Minuten. Innerhalb dieser Zeit muss die Leiter am jeweiligen Ort sein.

Eine Drohne wäre „nice to have“, schmunzelte der Wehrführer, aber eben ein besonderes Schmankerl. Sie könnte bei Waldbränden einen Blick von oben eröffnen. Da allerdings die Feuerwehr Geräte braucht, die auch bei schlechtem Wetter Bilder liefern, wäre das benötigte Equipment teurer als die handelsüblichen Waren. „Was wir haben müssen, haben wir auch“, machte er klar, dass derzeit keine Lücke in der Ausrüstung besteht.

Der Feuerwehrmann lobte die Kreativität der Sparkassenversicherung, wenn es um notwendige Anschaffungen geht. Vor Jahren gab es schon einmal ein Strahlrohr. Außerdem spendete die SV sechs Rauchvorhänge. „Sehr sinnvoll“, so Capuani, denn diese verhindern, dass Rauch in andere Gebäude eindringt und damit dort auch Schaden entsteht. „Die machen sich wirklich Gedanken, was geeignet ist“, freute er sich. Natürlich auch vor dem Hintergrund, das Schadensausmaß zu verringern und somit als Versicherer geringe Summen regulieren zu müssen.

Langsame Rückkehr zur Normalität

Ganz langsam geht der Übungsbetrieb bei den Freiwilligen Feuerwehren im Überwald wieder los. Seit Anfang des Monats dürfen Übungen in kleinem Rahmen bis sechs Personen wieder stattfinden. „Anfang März wurde nach Abstimmungen im Kreis der Übungsbetrieb zunächst eingestellt“, erzählt Carsten Kling, Gemeindebrandinspektor (GBI) von Abtsteinach. Ein Ausgleich bildeten  „Video-Gruppen-Chat-Übungen“. Zunächst nur theoretisch, „wurden später auch per Übertragung aus dem Gerätehaus technische Unterrichtseinheiten durchgeführt“, berichtet er. Die Resonanz hierauf war sehr gut, freut sich Kling.

Seit Monatsanfang üben die Abtsteinacher wie andere Wehren auch wieder in Staffelstärke mit sechs Personen. Es gibt keinen personellen Wechsel und währenddessen wird durchgängig Mund-/Nasenschutz getragen, erläutert der GBI. Aktuell sind pro Woche fünf Staffeln an wechselnden Wochentagen im Übungsbetrieb, die sich somit auch nicht in den Gerätehäusern begegnen.

Während des „Feuerwehr-Shutdowns“ organisierten die Gerätewarte, dass Fahrzeuge und Gerätschaften regelmäßig gewartet wurden. Hierzu wurde laut Kling nach Feierabend und am Wochenende „im Schichtbetrieb“ einzeln das Gerätehaus aufgesucht. Er hofft, dass andere Abtsteinacher Abteilung wie Kinder- und Jugendwehr bei weiter rückläufigen Infektionszahlen bald wieder starten dürfen.

„Aktuell halte ich den Ausbildungs- und Übungsstand der Feuerwehr Abtsteinach trotz der Corona-bedingten Einschränkungen für gut“, bekräftigt Kling. Alle Beteiligten „haben ideenreich und hoch engagiert versucht, aus der Situation das Beste zu machen“. Eine nachteilige Auswirkung des eingeschränkten Übungsbetriebs kann er nicht feststellen. „Wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen“, betont der GBI.

„Das ist schon eine verdammt schwierige Zeit“, nimmt Wald-Michelbachs GBI Peter Capuani kein Blatt vor den Mund. Der Lockdown war zu Anfang mit sehr viel Überzeugungsarbeit seitens der Führungskräfte verbunden, erläutert er. Nach diversen klärenden Gesprächen „war aber letztlich allen klar, dass eine Quarantäne von Einsatzkräften unbedingt zu verhindern ist“, so Capuani. Deshalb war die strikte Einhaltung des Kontaktverbotes „für uns noch wichtiger, als für andere“. Jeglicher Dienstbetrieb mit Ausnahme des Einsatzdienstes wurde eingestellt. Das wurde bis vor knapp vier Wochen durchgehalten.

Ab Anfang des Monats ging man in der Überwald-Gemeinde dazu über, in kleinen Einheiten auch wieder praktisch zu üben, „weil das einfach unumgänglich ist“. Dafür wurden Gruppen gebildet, die für die nächste Zeit konsequent zusammen bleiben und nicht gemischt werden, erklärt er die ähnliche Vorgehensweise wie in Abtsteinach. Sollte also jemand nach einer Übung erkranken, bleibt die restliche Mannschaft einsatzfähig.

Problematisch ist Capuani zufolge die Situation bei Einsätzen: „Da geht so eine Trennung nicht.“ Am Anfang waren die Abstimmung und die Einhaltung der Hygieneregeln „etwas holprig, aber mittlerweile funktioniert das ganz gut“. Capuani vermutet, dass sich die Maßnahmen auch deshalb langsamer einspielten, weil die Einsatzzahlen von Anfang April bis heute rund ein Drittel unter denen des Vorjahres liegen. „Durch die Beschränkungen ist einfach weniger passiert.“

Die Landesfeuerwehrschule will den Regelbetrieb erst nach den Sommerferien wieder aufnehmen, dann aber auch nur mit der Hälfte der Kapazitäten, weiß der Wehrführer. Zusätzlich finden derzeit auch keine Kreislehrgänge statt. „Das wird uns in der Ausbildung sehr weit zurück werfen“, befürchtete er.

In der Zeit ohne Präsenzübungen hielt die Feuerwehr Siedelsbrunn Schulungen per Webex ab, erläutert Wehrführer Lars Gremm. Schulungsvideos wurden an die Aktiven versendet. „Negative Auswirkungen hatte die übungsfreie Zeit bisher nicht“, hebt er hervor. Durch den Stopp der Lehrgänge konnten sich zwei Brandschützer nicht zum Atemschutzgeräteträger weiterbilden, bedauert Gremm.

„Wir in Hammelbach werden erst wieder nach den Sommerferien mit Übungen und Treffen beginnen“, kündigt Wehrführer Marco Stein an. „Momentan ruht alles zu 100 Prozent in allen Abteilungen“, sagt er. Ob gemeinsam mit Scharbach gestartet wird oder jeder für sich, wird die weitere Entwicklung der Corona-Lage zeigen. Auch Lehrgänge und Fortbildungen sollen nach jetzigem Stand erst Mitte August starten.

Die Besatzung auf den Fahrzeugen während der Einsätze wurde verringert. So wird das Löschfahrzeug LF 10 derzeit nur mit fünf anstatt neun Personen besetzt, erklärt Stein. „Im Team sind wir stark“, machte sich die fehlende Übung laut dem Wehrführer nicht negativ bemerkbar. Er registrierte wie Capuani eine geringe Zahl von Einsätzen.

Die Kombination von allem erzeugt Einmaligkeit

„Mixed Media“ ist das „Ding“ von Christine Wuillemet. Sie schätzt bei diesem Malstil, „dass man sich nicht festlegen muss“. Kurse im Atelier (in der Schreinerei von Volker Ader in Affolterbach) wurden vor Corona gut angenommen, erzählt sie. „Etliche kamen zuerst und sagten, sie können nicht malen“, erinnert sie sich. Die 53-Jährige überzeugte die Teilnehmer vom Gegenteil. „Viele gingen strahlend mit einem Bild nach Hause.“ Und kommen dann auch gerne wieder, wenn etwas Neues angeboten wurde.

„Wir schauen, was gebraucht wird“, ist sie ständig auf der Suche nach neuen Ideen. Stillstand gibt es nicht. So wurden Buchbinder-Kurse mit ins Programm aufgenommen. Einmal im Monat findet eine „Ladies Drawing Night“ statt, ein Abend für Frauen, bei dem ein kleines Thema vorgegeben wird und die Teilnehmerinnen dann mit einem Bild nach Hause gehen. Dazu kommen Kurse für Firmen, so für die Entega in Höchst, oder andere im Kloster Engeltal in der Wetterau.

Aktuell herrscht allerdings Stillstand. „Wir haben sehr gekämpft mit Corona“, schildert Wuillemet die Situation. Alle Kurse wurden abgesagt. Darüber hinaus war ihren Worten nach das Atelier noch zu jung für entsprechende Hilfen. So langsam tastet man sich nun wieder an den Neustart heran. „Wir versuchen, in kleinerem Rahmen weiterzumachen“, erläutert sie. Während der erzwungenen Pause war die 53-Jährige froh, auf ihr zweites Standbein, die Konzeption von Unterrichtsmaterialien, zurückgreifen zu können. Die Malerin hofft, dass die Kunden dem Atelier die Treue halten, bis es weitergehen kann wie bisher.

„Es gibt ein Thema oder ein Motiv, das mich interessiert“, erklärt Wuillemet ihre Herangehensweise. Mit Mixed Media entsteht ihr Werk Stück für Stück, bleibt auch einmal liegen. Manches kommt aus der Stimmung heraus, anderes ist eine Auftragsarbeit. Die Künstlerin experimentiert gern und viel. „Ich habe gerade Tusche für mich entdeckt“, erzählt sie.

Die Kombination von allem bringt in ihren Worten zufolge eine Einmaligkeit zu standen. Es entstehen Collagen aus allen möglichen Stilrichtungen. Genau das ist für Wuillemet das Spannende an ihrer Arbeit: Wie an einem Büffet kann sie an verschiedenen Malstilen naschen und sich genau das heraussuchen, was ihr am besten schmeckt, sie am meisten anspricht.

Kunsthandwerkermärkte wie auf der Tromm im vergangenen Jahr sind für die 53-Jährige eine Möglichkeit, auf ihr Atelier aufmerksam zu machen. Leider wird die Veranstaltung dieses Jahr nicht stattfinden, bedauert sie. „Ich würde gern einmal eine Ausstellung vorbereiten“, erzählt Wuillemet. Die Chance wird es bald bei Faber-Castell geben, freut sie sich.

Schon jetzt sind die Überlegungen gestartet, welche Kurse im kommenden Jahr angeboten werden können – in der Hoffnung, dass dann wieder Normalität eingekehrt ist. „Das Lernen ist nie zu Ende“, betont Christine Wuillemet. Alles ist ein Stück Entwicklung, das auch Spaß macht. Allerdings derzeit mit angezogener Handbremse. „Ich weiß noch nicht, wann wir wieder richtig starten können“, schildert sie die Hängepartie.

So lange läuft auch einiges online. Marion Gross schreibt die Blogbeiträge auf der Webseite. Dort werden einige Techniken erklärt, was auf eine gute Resonanz trifft. Etwa: Lederpaper oder Gelplatten selbst herstellen. Oder die Beschäftigung mit Farbe: „Was bedeutet Rot in der Kunst?“ Dazu gibt es Backstage-Einblicke ins Atelier.                           tom

 

Christine Wuillemet (53) stammt aus Ratingen in Nordrhein-Westfalen. Dem ersten Besuch im Odenwald mit zwölf Jahren sollte später der Wohnsitz in der Region folgen. Wuillemet arbeitete 25 Jahre lang im Marketing bei Lufthansa und wohnte während dieser Zeit lange in Erbach. Seit 2015 ist sie in Gras-Ellenbach zu Hause, ihr Atelier „in der Schreinerei“ befindet sich in Affolterbach.

Gemalt hat Christine Wuillemet bereits seit frühester Jugend. Nach der Schule begann sie ein Medizinstudium, später dann beschäftigte sie sich mit Orientalistik und Wirtschaftswissenschaften. 2013 gründete sie mit ihrem Bruder Sascha eine Medienagentur, in der sie Unterrichtsmaterialien für Medienzentren erstellt. Die wiederum beliefern Schulen damit. Ihr Bruder dreht die dazugehörigen Filme.

Nach ihrer Tätigkeit bei Lufthansa absolvierte die Wahl-Überwälderin eine Ausbildung zur Grafikdesignerin und Mediengestalterin. Aktuell studiert sie an der Faber-Castell-Akademie Bildende Kunst. Das Atelier in der Schreinerei erblickte Ende 2018 das Licht der Welt. Mit im Boot sind dort Volker Ader, Martin Steffan, Doris Steffan-Wagner und Marion Gross.

Mehr auf http://www.atelierinderschreinerei.de

„Mit Abstand“ das beste Konzert

Corona macht erfinderisch. Weil die Orchester in Deutschland nicht mehr proben durften, startete am 22. März die bundesweite Blasmusik-Aktion. Vom ersten Takt an mit dabei: die Blasmusik Schönmattenwag. Sie hatte ihr Musizieren unter das Mottolied „Ode an die Freude“ gestellt, was natürlich immer zu hören war.

„Lieder, die verbinden – für alle, die zu Hause bleiben“: So charakterisiert der Vorsitzende Hans Vogel die Songauswahl. Die Schimmeldewäer waren immer mit etwa 15 Musikern dabei, die von den Balkonen zu Hause oder einer Stelle am Waldrand spielten. „Es war in der Region eine einzigartige Aktion“, so Vogel – zumindest ist dem Ensemble Ähnliches nichts von anderen Kapellen bekannt. Auch einige Kids der Jugendband waren immer aktiv am Instrument.

Die Auftritte sprachen sich rum. Im Ort warteten viele Zuhörer darauf, dass sonntags aufs Neue die schönen Klänge ertönten. Jetzt fand der Abschluss der Aktion in Schimmeldewog statt: das elfte und nach augenzwinkernder Einschätzung der Musizierenden „mit Abstand“ beste Konzert in dieser Zeit. 25 Musikerinnen und Musiker positionierten sich am Waldrand auf dem „Neuen Weg“ oberhalb des Ortes.

Alle geltenden Hygiene- und Abstandsregeln wurden penibel eingehalten. So standen alle Musiker in mindestens fünf Meter Abstand zueinander auf dem Weg verteilt. Gespielt wurden unter anderem: „Die Gedanken sind frei“, „Kein schöner Land in dieser Zeit“, die Polkas „Auf der Vogelwiese“ und „Böhmischer Traum“, der Marsch „In Harmonie vereint“ und natürlich zum Abschluss das  „Schimmeldewöger Lied“. Als Zugabe ertönte „Ade zur guten Nacht“.

Beifall ist der schönste Lohn der Künstler. Und davon gab es reichlich. Nach allen Stücken hörte man aus dem Ort viel Applaus hochschallen. Dazu kamen Zugabe-Rufe nach den letzten Stücken. Diese Aktion und vor allem die Gemeinschaft sowie die Resonanz aus dem Ort gab allen Musikern viel Kraft und Motivation. Mit neuer Energie kann es nun weitergehen, wenn die Proben hoffentlich bald wieder sinnvoll durchführbar sind.

Kunsthandwerkermarkt findet nicht statt

Der diesjährige „Kunst.Hand.Werk.Markt“ auf der Tromm kann leider nicht stattfinden, bedauert Helena Clemens-Kohrt zutiefst. Die Goldschmiedin mit ihrem Atelier auf dem Höhenzug ist nicht nur die Veranstalterin, sie öffnete am ersten August-Sonntag auch immer selbst ihre Räume. Allerdings dieses Jahr nicht am 2. August. 25 Austeller hatte Clemens-Kohrt wieder für die Veranstaltung zusammengetrommelt, die sich immer größerer Beliebtheit erfreute.

Aufgrund der vielen Auflagen „können wir dieses Jahr den Aufwand nicht stemmen“, erläutert sie. Es würde für sie sehr schwierig, die Hygiene- und Abstandsregeln zu garantieren und die Menschen ständig zu überwachen, dass Abstände und anderes mehr eingehalten werden. Dazu kommen noch die Bestimmungen für die sanitären Einrichtungen, die in dieser Form nicht verwirklichen lassen.

Für viele Menschen im Odenwald und Umgebung ist der Markt mittlerweile ja ein feststehender Begriff, weiß die Kunsthandwerkerin. Die Leute kamen weit über die Odenwälder Grenzen hinaus auf die Tromm, hat sie festgestellt. „Es war eine tolle Werbung für das Odenwälder Kunsthandwerk, aber auch die Möglichkeit, gut zu verkaufen.“ Die Absage ist für sie und all die ausstellenden Kunsthandwerker, die hauptsächlich aus dem hiesigen Raum kommen, „ein herber Einschnitt“.

Denn viele Kunsthandwerker, ist ihr bewusst, leben von diesen Märkten, leben davon, dass sie gesehen werden und dass die Leute spontan auf die Idee kommen, mal etwas zu kaufen – auch wenn sie es eigentlich nicht vorhatten, schmunzelt Clemens-Kohrt. „Ich habe das große Glück, einen Laden und mein Atelier auf der Tromm zu haben“, erzählt sie. Interessierte können hier Termine vereinbaren und vorbeikommen.

Doch wenn man vom Verkauf auf Märkten abhängig ist, ist die aktuelle Situation existenzbedrohend, hat sie aus Rückmeldungen der Kollegen erfahren. Denn denen ist quasi eine komplette Saison weggebrochen. Einige haben die staatlichen Zuschüsse beantragt und erhalten – aber diese gelten nur für drei Monate. Jedoch sind Großveranstaltungen bis mindestens Ende August abgesagt. „Das Geld ist irgendwann weg – und wie geht es dann weiter“, stehen die künstlerisch Tätigen vor dem Nichts.

Clemens-Kohrt hofft nicht nur darauf, dass die Veranstaltung kommendes Jahr wieder wie gewohnt stattfinden kann. Sie hofft auch, dass es ihre bisherigen Aussteller und Kollegen finanziell durch 2020 schaffen und dann wieder dabei sind. Zum neunten Mal wäre der Kunsthandwerkermarkt am 2. August über die Bühne gegangen. Regelmäßig füllt sich dann der Höhenrücken mit vielen Menschen, wenn es rund um das Goldschmiede-Atelier schönes Kunsthandwerkliches und kulinarische Genüsse gibt.

Kleiderbügel erzählen Geschichte

Kleiderbügel erzählen auf ihre Weise ein Stück Lokal- und manchmal sogar Weltgeschichte. Genau 100 Jahre ist jetzt die Gründung der Hessischen Hölzerwerke Schlerf in Wald-Michelbach her. 1920 wurde dort, wo heute die Igena beheimatet ist, erst mit der Produktion von Bürsten, später mit Kleiderbügeln begonnen. Die Hölzerwerke, später Coronet, gibt’s schon lange nicht mehr, aber ihre Produkte – und viele mehr aus der ganzen Welt. Kleiderbügel en masse zeigt zum Jubiläum jetzt das Überwaldmuseum in einer Sonderausstellung.

Wald-Michelbach war früher die Kleiderbügel-Metropole Europas, weiß Gundolf Reh. Der Vorsitzende des Überwälder Museums- und Kulturvereins hat sich die Mühe gemacht, aus dem riesigen Fundus die schönsten und außergewöhnlichsten Exponate herauszusuchen, um sie der Öffentlichkeit in zwei Räumen geballt zu präsentieren.

Unglaubliche 6,9 Millionen Bügel stellten die Hölzerwerke 1953 her, ist in einer Firmenzeitschrift aus diesem Jahr nachzulesen. Die spätere Coronet war damals der größte Produzent in Europa. 60.000 Meter Seidenschläuche wurden in dem Jahr gekauft, außerdem 3500 Kilo Lacke. 411 Mitarbeiter zählte das schnell wachsende Werk, 60 mehr als 1952.

Zehn Jahre später berichtet die Werkszeitschrift wieder von drei neuen Raritäten für das Kleiderbügel-Museum, das es eigentlich noch gar nicht gab, aber als Idee im Kopf von Walter Franz schon existierte. Der Hölzerwerke-Mitarbeiter war auch Vereinsmitglied. 1962 war etwa ein aufblasbarer Bügel aus Japan hinzugekommen. Auch in den Folgejahren bereicherten weitere besondere Exemplare die Sammlung.

Wie viele Kleiderbügel aktuell im Museum lagern, kann Gundolf Reh nur schätzen. Manches davon ist sogar noch gar nicht archiviert. 1991 waren es mal mehr als 900. Seitdem kamen aber unzählige hinzu, da sich das Überwald-Museum einen gewissen Bekanntheitsgrad als „Home of the Kleiderbügel“ in der Szene erworben hat. „Kisten kommen aus ganz Deutschland“, weiß der Vorsitzende.

Die Sammler kennen sich untereinander und geben Unikate weiter. So ziert das Museum ein „Street one“-Bügel, den „Ecke Design“ in Berlin Anfang der 90er Jahre für Coronet entwarf. Oder das Stück eines Nürnberger Sammlers, der sich auf Bügel mit Werbeaufdrucken spezialisierte und den Wald-Michelbachern einen vermachte. Die Kleiderbügel-Narren eint eines: Sie sind meist schon etwas älter und plagen sich mit der Sorge, „wer soll meine Sammlung mal übernehmen“.

Gundolf Reh hat dafür einen Traum: ein deutsches Kleiderbügel-Museum in Wald-Michelbach. Aber das wäre sehr aufwändig, ist ihm klar. Bei einer solchen Größe müsste außerdem eine wissenschaftliche Begleitung her. Eine Designstudentin schrieb vor zwei Jahren bereits ihre Bachelor-Arbeit über die Sammlerstücke aus dem Überwald-Museum. Allerdings auf Englisch. Die Übersetzung steht noch aus.

Im Eingangsbereich des Museum zeigen alte Bilder, wie sich die Produktion entwickelte. Erst war es noch Handarbeit mit der Fräse, später dann kam der vollautomatische Produktionsvorgang mit Schleifen und Biegemaschine hinzu. Ab den 60er Jahren wurden die Coronet-Mitarbeiter angehalten, Kleiderbügel als aller Welt mitzubringen.

Deshalb gibt’s in Wald-Michelbach auch etliche Exemplare aus Belgien oder einen vom Ritz in Lissabon. Nicht zu vergessen das Hotel Continental in München. Ein anderer im Erdgeschoss trägt die Inschrift des Textilhauses Maurer in Wald-Michelbach, das es schon längt nicht mehr gibt.

Gundolf Reh versuchte, die vielen verschiedenen Exponate nach Form zu sortieren. Da sind an einer Wand die älteren, grob gearbeiteten Kleiderbügel vom beginnenden 20. Jahrhundert zu finden. Dort die aus Metall gefertigten, nebenan welche aus Plastik, Stoff, Samt oder Leder. Dann kommen noch multifunktionale hinzu, die für Strümpfe oder Hemdchen gemacht sind.

Manche sind so tricky, dass Reh immer noch am Rätseln ist, was es mit ihnen auf sich hat. Etwa der Kleiderbügel mit Seitenteilen aus Leder, aus dessen Querholz ebenfalls ein Lederstück herausschaut. „Die Funktion ist mir unbekannt“, stieg er noch nicht hinter den Zweck.

Hosen-Röcke-Spanner, Bügel für Feinwäsche, geschnitzte aus Südamerika, solche fürs Kinderzimmer oder klappbare: Es gibt nichts, was es an den verschiedenen Stellwänden nicht gibt. Auf einer Weltkarte lassen sich die Herkunftsländer der Exponate nachvollziehen. Ganz Europa ist natürlich dabei, aber auch Russland, Chile oder die Philippinen. „Wir haben noch Jahre der Sortierung vor uns“, erzählt Reh. Da kam es gerade recht, dass der Verein eine Spende der Sparkasse erhielt, die dabei half, ein Archivprogramm für Museen aufzukaufen.

Info: Öffnungszeiten des Überwaldmuseums sind Dienstag, Freitag, Samstag, Sonntag, jeweils 15 bis 17 Uhr. Aufgrund der Hygiene- und Abstandsregelungen dürfen nur 20 Besucher gleichzeitig hinein. Mundschutz ist Pflicht. Ansprechpartnerin: Anneliese Daub, Telefon 06207/94240. Mehr unter http://www.ueberwaldmuseum.de/ueberwaldmuseum/

Besondere Kleiderbügel im Überwald-Museum:

  • Einer der ersten 1929 aus Zellulose gefertigten
  • Einer der ältesten, 1830 im Raum Hasselt/Belgien hergestellt. Die Metallhaken waren noch eckig, weil sie leichter zu biegen waren als gleichmäßig runde
  • Ein Kleiderbügel aus dem Zimmer des Gasthauses Bären in Kiental/Schweiz, wo 1916 der russische Revolutionär Lenin untergebracht war
  • Einer von 1950, komplett aus einem Stück Draht gebogen, der vor allem in Badeanstalten genutzt wurde
  • Sehr einfache Bügel, nach dem Zweiten Weltkrieg von Heimatvertriebenen auf der Flucht zusammengesteckt
  • Kleiderbügel mit Griff, die an einer Stange an der Decke hingen, wenn jemand sich keinen Kleiderschrank leisten konnte.
  • Ein verstellbarer, massiver Bügel für Pelze
  • Drei Kleiderbügel aus den 1830er-Jahren vom Passionstheater Oberammergau
  • Gundolf Rehs persönlicher Favorit: ein undatierter Bügel, dessen Haken auch aus Holz besteht. Damit er hält, wurde eine Hülse geschnitzt

 

 

 

Museumsverein plant neue Schutzhütte

Aus zwei mach‘ eins: Vor zwei Jahren kamen die ersten Ideen auf, wie die alte, offene Schutzhütte am Bergwerk Grube Ludwig und die kleine Materialhütte unter einem größeren Dach vereint werden könnten. Die alte Hütte ist schon länger baufällig, schildert Gundolf Reh vom Museums- und Kulturverein Wald-Michelbach den Stand der Dinge. Eigentlich wollten die Vereinsmitglieder für einen Neubau selbst mit anpacken, aber durch Corona ist das Arbeiten in großen Gruppen nicht möglich.

„Bedingt durch die Ereignisse können wir unser Projekt nicht selbst ausführen“, erklärt der Vorsitzende. Dem Verein fehlt die Möglichkeit, in ehrenamtlicher Arbeit zusammenzukommen. „Wir vermuten, dass das auch das nächste halbe Jahr so sein wird“, rechnet er mit einer längeren Dauer. Um trotzdem voranzukommen, überlegt man, das aktuelle Landesförderprogramm zur Vereinsunterstützung in Corona-Zeiten mit einer Summe von bis zu 10.000 Euro in Anspruch zu nehmen.

Hintergedanke ist, die neue Schutzhütte professionell durch einen Zimmerer-Betrieb aus Aschbach erstellen zu lassen. Am 7. Mai gibt es Reh zufolge einen ersten Gesprächstermin, um über die Ausführung und die Kosten zu sprechen – „dann werde ich einen Antrag stellen“. Ob die 10.000 Euro  reichen werden, weiß er noch nicht. „Wir brauchen die Hütte unbedingt“, macht Reh deutlich. Ohne die Hilfe einer Fachfirma hat er Bedenken, ob es sonst dieses Jahr mit der Errichtung noch hinhauen würde.

Denn der Verein ist schon in Vorleistung gegangen und hat sich das Eichen-Gebälk einer alten Scheune aus der Hartenroder Straße gesichert. Das will man dann auf die geplante Schutzhütte mit einem Grundriss von vier mal acht Metern aufbringen. Die historischen Stämme sind optimal geeignet, um sie an dieser Stelle wiederzuverwenden. Gundolf Reh sicherte sich gleich auch die dazugehörigen Biberschwanzziegel.

Mit Hilfe des Bauhofs wurde das Gebälk bereits ans Bergwerk gebracht und dort auf Holzböcken geschützt zwischengelagert. Das längste Stück davon ist acht Meter lang. Beim Abriss, erklärt Reh, kennzeichnete er die Balken, damit sie am neuen Ort wieder richtig zusammengefügt werden können. Da am Gebälk noch ein paar Arbeiten gemacht werden müssten, wäre es auch aus diesem Grund sinnvoll, wenn ein Fachmann mit im Boot ist.

Die Hütte soll aber nicht nur einen Schutzcharakter haben, sondern ebenfalls das Material beherbergen. Außerdem können sich die Vereinsmitglieder dort für die Führungen umziehen, es könnte Schutzkleidung für die Besucher gelagert werden. Dazu kommen Informationstafeln. Ein weiterer Aspekt: Sie könnte als Unterstand für die Besucher dienen, wenn diese bei schlechtem Wetter oder starker Sonneneinstrahlung auf die Führung im Bergwerksmuseum warten.

Der Abriss der kleinen Materialhütte hätte dem Vorsitzenden zufolge einen weiteren positiven Effekt. Dann wäre der Blick vom Vorplatz frei das Tal hoch und auf den Bergwerksbrunnen mit seiner Sitzbank. „Das würde alles offener machen“, erläutert Reh. Die Optik würde sich erweitern. Nicht zu vergessen die dann größere Hütte, erstellt aus historischen Materialien.

Am Bergwerk selbst gibt es immer was zu tun. Steiger Lothar Reinhard will demnächst nachschauen, ob irgendwo Nässe und Schlamm reingekommen sind. Denn in den vergangenen zwei Jahren war dies öfters der Fall. „Wir haben bestimmt 50 Schubkarren rausgefahren“, erzählt Reh. Inzwischen wurden viele Stellen abgedichtet. „Eine Verbauung muss ich noch überprüfen.“

Die Grube Ludwig ist das arbeitsintensivste Projekt des Überwälder Museums- und Kulturvereins. „150 Stunden im Jahr sind da gar nichts“, sagt der Vorsitzende. 2019 wurde mit Hilfe des Geoparks und des Bauhofs die Außenanlage erneuert sowie die vorherige Holz- und Erdtreppe durch Betonstufen und ein gesichertes Geländer ersetzt. Außerdem gab es Absturzsicherungen mit Edelstahlseilen. Das Interesse am Bergwerk nahm in den vergangenen Jahren ständig zu, freut er sich. „Eine Hütte wäre eine weitere Bereicherung“, denkt Reh in die Zukunft.          tom

 

Info: Die Blütezeit des Überwälder Bergbaus war von 1895 bis 1912. Ein Jahrhundert später, 1994, wurde die Genehmigung für den Besucherstollen erteilt. Rund 5500 Arbeitsstunden investierten die Bergwerksfreunde des Museums- und Kulturvereins, um den ehemaligen Bergbaustollen von dem Schutt und Schlamm zu befreien, der aus den ehemaligen Abbau-Schächten eingedrungen war.        Mehr zum Grube Ludwig hier: http://www.ueberwaldmuseum.de/grube-ludwig/

Harald ist derzeit nicht auf der Walz

Der Song „Helden“ war für Harald Walz ein Herzensanliegen. Er widmet ihn allen, die in Corona-Zeiten wichtige Dinge tun, unverzichtbare Arbeiten erledigen, sich für andere einsetzen. „Das ist nicht hoch genug einzuschätzen“, meint der Aschbacher Musiker zu seinem gesellschaftskritischen Stück, das den Blick auf die wirklich wichtigen Dinge richten möchte. Eigentlich ist Walz das ganze Jahr unterwegs, meistens mit zwei bis drei Terminen in der Woche. Doch davon ist während Corona nichts mehr übriggeblieben.

Ein „Trostpflaster“ hat der 66-Jährige noch: seine sonntäglichen Auftritte im Park bei der Residenz „Leben am Wald“ in Gras-Ellenbach. Mittlerweile ist es schon über fünf Jahre her, dass er darauf angesprochen wurde. Bei der Residenz handelt es sich um eine Facheinrichtung der Neurophase F, in der Menschen ab dem 18. Lebensjahr umfassend betreut werden. „Als ich gefragt wurde, hätte ich nicht geahnt, dass daraus mittlerweile so viele Jahre würden“, sagt er.

In all den Jahren, erzählt der Musiker, „habe ich gesehen, was die Menschen die dort arbeiten und leisten“. Es gibt viele Jobs, weiß er, die man kaum wahrnimmt und leider erst jetzt bemerkt, „wie wichtig diese für unser Leben sind“. Die Einschränkungen durch Corona, so Walz, „machen uns sehr deutlich, was wirklich zählt“.

„Die Helden dieser Stunde war’n schon immer für uns da“, heißt es im Refrain. „Nicht unsichtbar, doch leise, man nahm sie nur nie wahr“. In schweren Zeiten, wenn man so viel vermisst, „da lernt man das zu schätzen, was wirklich wichtig ist“, textet Walz weiter in seinem Statement gegen die Ellbogengesellschaft, das auf seinem YouTube-Kanal abzurufen ist.

„Hut ab“, sagt er nur. Denn der Aschbacher möchte nicht wissen, wie viele mit einem mulmigen Gefühl derzeit an ihren Arbeitsplatz gehen, „um das Rad weiter zu drehen“. An die 500 Aufrufe hat der Musiker bereits für das Lied bekommen – zusätzlich zu den schönen Kritiken, die ihn persönlich erreichten. Die Aufnahme machte er selbst in seinem eigenen Studio.

Und verwendete dafür das neue Mischpult, auf dem er das Lied teils analog, teils digital einspielte. Um darauf umzusteigen, hatte Walz jetzt genug Zeit: Denn seit Mitte März gibt es für ihn keine Auftritte mehr. „Ich wollte das schon seit einem Jahr angehen und hatte jetzt die Zeit dazu“, erzählt er schmunzelnd.

Mit seinen 66 trifft der Ausfall den seit Jahrzehnten aktiven Musiker nicht mehr ganz so schlimm wie jüngere Kollegen. „Ich habe mir was aufgebaut und komme zurecht“, erläutert er. Wenn er aber 20 Jahre jünger wäre, noch etliche Jahre bis zur „Rente“ hätte, eventuell noch Equipment abzuzahlen und Miete fällig wäre, sähe das ganz anders aus. Walz weiß, wie schwer es die ganze Musikerzunft getroffen hat, der von einem Tag auf den nächsten sämtliche Engagements bei laufenden Kosten wie etwa Sozialversicherungen, Miete und Lebenshaltungskosten wegbrachen.

Für den Mitgründer der „Outlaws“ Ende der 60er Jahre, im Odenwald bekannt wie ein bunter Hund und heutzutage viel als Entertainer unterwegs, ist sein Alter „nur eine Zahl“, kokettiert er. „Ich bin froh, dass ich noch so gut im Geschäft bin“. Aber: Kerwen in Aschbach, Affolterbach, Weinheim, Scharbach, Haisterbach oder Güntersfürst, Oldie Night in Mossau oder das traditionelle Maifest in Hamm am Rhein – alles weg.

Selbst für den Oktober gab es schon eine Absage der Feuerwehr Frankfurt. Da fragt sich Walz, wie es mit dem Faschingsauftakt am 11.11. aussieht. „Es ist schon schade, weil dieses Jahr sehr viel gewesen wäre“, meint er resigniert zum leeren Terminkalender.

Zum Glück ist er keiner, der den Kopf in den Sand steckt und dann Trübsal bläst. „Am Haus ist immer was zu tun“, meint der handwerklich Begabte. Oder er sitzt im Studio und schraubt an was rum, wenn er nicht gerade mit dem Rad unterwegs ist oder den vor ein paar Jahren erworbenen Motorrad-Führerschein für eine Ausfahrt nutzt.

„Wir haben es auf dem Land schon gut“, betont der 66-Jährige, wenn hinterm Haus das große Grundstück liegt – kein Vergleich zu den engen städtischen Wohnungen. Deshalb sagt Walz auch: „Wir dürfen uns nicht beklagen.“ Denn über kurz oder lang „wird das vorbeigehen“.  Dem jung gebliebenen Opa ergeht es derzeit wie anderen Großeltern. Wenn er die Enkel in Mossau besucht, ist Abstand halten angesagt. Schwer für einen, „der ganz verrückt nach denen ist“.

Der Song „Helden“ ist auf YouTube zu finden unter www.youtube.com/watch?v=8i3KW6vahTo

 

Der Aschbacher Harald Walz ist musikalisch in der Region bekannt wie ein bunter Hund. Mit 14 gründete er zusammen mit Rudi Boml, Günter Reinhard und Linda Sauer die Band „Outlaws“, die heute noch in anderer Besetzung tourt. Mit 17 spielte er bei „Blauweiß“ (einer im Odenwald bekannten Tanzcombo). In den 80er Jahren war er mit der Band „Sunshine“ unterwegs. Walz veröffentlichte damals die erste Single „Halt, wenn du gehst, bin ich sauer“, die wochenlang im Deutschen Schlagerlotto des HR auf Platz zwei stand. Mit Linda Sauer, die wie er aus Aschbach stammt, ist Walz als „Odenwälder Nibelungen Duo“ auf sämtlichen Kerwe-Veranstaltungen landauf, landab unterwegs, tourt mit seinen „Outlaws“ auf Oldie-Veranstaltungen und bestreit mit seinen „Friends“ Partyveranstaltungen. Daneben wird er auch oft als Alleinunterhalter gebucht.

Geschichte, Geologie und Natur

In Coronazeiten treibt’s die Leute an die frische Luft, hat Geopark-vor-Ort-Begleiter Theo Reichert beobachtet. Deshalb erneuerte er in und um Aschbach etliche Wegweiser und brachte den Audioguide auf dessen 4,6 Kilometer langen Strecke auf den aktuellen Stand. Auf dem Bahnweg zwischen Wald-Michelbach und Affolterbach wurden bei der Stromtrassen-Verlegung vor einiger Zeit etliche Schilder abgebaut, erläutert er. Auch denen widmete er sich.

Reichert investierte zwei Tage Arbeit in sein 40 Stück umfassendes Schildbürgerwerk. Teilweise stellte der Geopark neue Beschilderungen zur Verfügung, teilweise konnten alte, abgebaute wiederverwendet werden. Die ebenfalls hier verlaufende Mountainbike-Strecke und die barrierefreien Wege wurden ebenfalls wieder oder neu kennzeichnet.

Der Geopark-vor-Ort-Begleiter kümmerte sich dabei um die touristischen Schilder, die Gemeinde war für die verkehrlichen zuständig, damit der sogenannte Freizeitweg wieder erkennbar ist. Reichert transportierte das Equipment auf seinem Fahrrad mit Anhänger durch den Überwald – auch abseits der asphaltierten Ortslagen.

Die Audioguide-Tour startet oberhalb des Wiesentals am Aschbacher Geopark-Infozentrum. Im Wiesental trifft der Sandstein auf den unterhalb liegenden Granit. Die beiden Gesteinsarten werden auch im Infozentrum selbst ausführlich erläutert. Der Rundkurs führt im Uhrzeigersinn zum früheren  Industriezentrum in Unter-Aschbach, wo mit Wasserkraft Mühlen, Sägegatter und der „Aschbacher Hammer“ betrieben wurden.

Auf einem Abschnitt der ehemaligen Überwaldbahn geht es vorbei am „Wormser Steinbruch“ zur Heckenmühle mit ihrem Wasserrad und der modernen Energieerzeugung. An der Steinhecke gibt es einen Blick in den ehemaligen Steinbruch und Eindrücke der Steinhauer-Arbeit. Hoch geht’s zum  Meisenberg, wo sich noch Reste eines Sandsteinbruchs befinden. Ein idyllischer Waldweg führt zurück zum Infozentrum. Für und an 36 Stationen sind per QR-Code zwei bis drei Minuten lange Audiodateien abrufbar, die sich Geschichte, Geologie und Natur widmen.

Reichert weist auf die gestiegene Nachfrage nach Freizeitaktivitäten in der näheren Umgebung hin. „Was kann ich mit den Kindern machen“, wurde von den Bürgern an ihn in Zeiten der Kontaktsperre herangetragen. Für den 63-Jährigen bietet sich die knapp fünf Kilometer lange Strecke an. „Die ist ideal“, betont Reichert. „Man kann allein oder mit der Familie wandern, bekommt was erzählt und braucht keine Begleitung“, führt er aus.

Ihn freut es, dass die Leute wieder mehr rausgehen und sich auf die Natur rückbesinnen – auch wenn das Ganze einen ernsten Hintergrund hat. Leider, so hat Reichert beobachtet, „sind manchmal auch Deppen unterwegs“, die Müll in die Landschaft schmeißen. Die sollen das doch lassen, bittet er. Mit seinem Einsatz „leistet er einen wichtigen Beitrag, dass Wanderer die Angebote des Audioguides vor Ort erreichen und digital abrufen können“, freut sich Sebastian Schröder von der Zukunftsoffensive Überwald (ZKÜ), die die touristischen Aktivitäten in der Region koordiniert.                       tom

Mehr zum Audioguide unter: http://www.geo-naturpark.net/deutsch/service/audiofuehrer/audioguide-aschbach/

 

Theo Reichert (63) wohnt schon seit gesamtes Leben in Wald-Michelbach, wenn man die ersten sechs Monate in Koblenz abzieht. Der Natur hat er sich bereits seit frühester Jugend verschrieben. Jahrzehntelang engagiert sich Reichert bereits im Museums- und Kulturverein, ist seit 2008 beim Geopark Bergstraße-Odenwald aktiv, führt seit 2013 Nachtwächter-Touren durch.

Der alte Wormser Steinbruch im Ulfenbachtal bei Aschbach, ebenfalls Teil der Audioguide-Tour, ist für Theo Reichert ein besonderes Naturdenkmal. Denn dort wurde in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts (rosa)roter Granit abgebaut, den es sonst im Odenwald kaum gibt. Er ist beeindruckt davon, wie sich dort die Natur den aufgelassenen Steinbruch Stück für Stück zurückerobert.