Spaß-Beach-Volleyball-Turnier ist die Attraktion

Das zweite Wochenende im August ist traditionell der Scharbacher Kerwe vorbehalten. Der ganze Ort ist auf den Beinen und mit beteiligt, wenn von Freitag, 9., bis Montag, 12. August, rund um das Haus der Vereine am Sportplatz volles Programm geboten wird. Besondere Attraktion ist Samstagnachmittag das Spaß-Beach-Volleyball-Turnier, zu dem sich noch Mannschaften anmelden können. Bunter Abend am Freitag sowie Schleppertreffen und Umzug am Sonntag sind weitere Highlights. Das Motto dieses Jahr: „Scharbach spielt“.

Der Startschuss fällt am Freitag, 9. August, um 18 Uhr. Dann halten Pfarrerin Tabea Graichen und „Kerweparre“ Stefan Schmitt im Dialog zusammen den Kerwegottesdienst. Beteiligt ist auch noch die Kerwejugend. Um 20 Uhr startet der Bunte Abend, den Florian Koch musikalisch mit Songs von Schlager bis Pop umrahmt. Geboten wird an buntes Programm-Potpourri aus Sketchen, Männerballett und lustiger Unterhaltung.

Für das Spaß-Beach-Volleyball-Turnier am Samstag, 10. August, ab 16 Uhr, können sich noch Teams melden. Fünf Personen werden pro Mannschaft benötigt, das Startgeld beträgt 15 Euro. Es verspricht wieder eine Riesengaudi zu werden. Anmeldungen sind noch möglich unter E-Mail ch@hallermeier-sicherheitstechnik.de. Abends geht es dann um 21 Uhr mit der Kerweparty mit DJ Richy bei freiem Eintritt weiter.

Hausgemachte Schnitzel, von den Mitglieder der drei veranstaltenden Ortsvereine SV, GV und Feuerwehr zubereitet, sorgen beim Frühschoppen für die notwendige feste Unterfütterung des flüssigen Genusses. Start ist am Sonntag, 11. August, um 11 Uhr. Dann beginnt auch das große Schleppertreffen auf dem Sportplatz, zu dem viele Trecker-Besitzer aus der näheren und weiteren Umgebung anreisen. Um 14 Uhr setzt sich ab dem „Kühlen Grund“ der Kerweumzug in Bewegung. Neben Kerwekids, Jugend und Parre sind natürlich auch einige Ortsbürger mit aktiv, sodass es etwa 20 teilnehmende Gruppen gibt.

Am Sportplatz angekommen, findet dort die Prämierung des schönsten Motivwagens statt, ehe dann Kerweparre Stefan Schmitt mit Mundschenkin Isabell Hallermeier in der Kerwepredigt so einige Begebenheiten aus dem Ort zu erzählen weiß, die die Betroffenen lieber nicht veröffentlicht hätten. Mit Kaffee und Kuchen sowie dem Kerwetanz, angeleitet von Florian Koch, findet der Sonntag seinen gemütlichen Ausklang.

Der Montagmorgen, 12. August, lockt ab 10 Uhr mit Freibier zum Frühschoppen. Wellfleisch und Kerwepfanne sorgen dafür, dass das Bier nicht ganz allein im Magen vor sich hin wuppert. Über den Mittag ist gemütliches Beisammensein angesagt, ehe dann um 15 Uhr als Abschluss des viertägigen Treibens die Verlosung der Tombola ansteht, gefolgt von einem langsamen Ende der viertägigen Kerwe.

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Der Chor ist eine Art Familie: Susanne Hoffmann-Rettig im Gespräch

Sie ist das Gesicht des „Goldenen Scharbocks“: Susanne Hoffmann-Rettig. Alle zwei Jahre bringt die Scharbacherin an drei Abenden hunderte von Zuschauern zu dieser Fusion von Chorgesang und Rockmusik in den Überwald. Die ausgebildete Opernsängerin leitet außerdem die Kinderchöre und den Popchor „Crescendo“ der Waldeslust. Wir sprachen mit ihr über ihre Anfänge als Sängerin, die Motivation der (jungen) Mitsänger, ihr „Kind“, den „Goldenen Scharbock“ und – Bohemian Rhapsody.

  • Frau Hoffmann-Rettig, Sie sind seit etlichen Jahren Leiterin von Chören in Scharbach. Was motiviert Sie nach all dieser Zeit jedes Mal aufs Neue, in die Singstunde zu gehen und die (jungen) Sänger zu besonderen Leistungen anzuspornen?

Hoffmann-Rettig: In einer Zeit, in der die Menschen sich am Abend immer öfter nicht mehr von der Couch aufraffen können, ist es einfach schön, sich mit singbegeisterten Leuten im Vereinshaus zu treffen, gemeinsam zu musizieren, und sich anschließend beim Après-Chor zu unterhalten, zu lachen, sich auszutauschen. Gerade für Zugezogene oder allein Lebende ist der Chor eine Art Familie, in der man auch außerhalb der Musik Unterstützung findet. Das Singen kann ganz unterschiedliche menschliche Charaktere und auch Generationen zusammenbringen. Das finde ich spannend. Um diese dann gemeinsam zu besonderen Leistungen anzuspornen, bedarf es einer attraktiven Liedauswahl und einem besonderen Ziel. Das ist unserem Fall der „Goldene Scharbock“. Nach jedem dieser Konzerte konnten wir einen Sängerzuwachs verzeichnen. Das alles steht und fällt aber nicht allein mit mir: Zum einen habe ich eine riesige Unterstützung durch meine Familie und meinen Vorstand, der mir mit großartigem Engagement den Rücken frei hält und für mich jederzeit mit meinen Ideen ansprechbar ist. Zum anderen sind das unsere Sponsoren, ohne deren finanziellen Mittel solche Großprojekte nicht zu stemmen wären. Dieses Gesamtpaket ist es, was mir Spaß macht und mich motiviert, so weiter zu machen.

  • Wie kamen Sie zu Jugendzeiten mit der Musik in Kontakt, wie entstand daraus der Wunsch, die Chorleiter-Laufbahn einzuschlagen? Gab es in dieser Zeit prägende Ereignisse, die Ihnen im Gedächtnis geblieben sind?

HR: Als Jugendliche habe ich wie fast jedes Kind mit dem Blockflötenspiel in der Schule angefangen, habe dann Hammond-Orgel und die Kirchenorgel in Affolterbach gespielt. Meine große Liebe, den Gesang, habe ich erst mal tatsächlich in meinem Dorfgesangverein, der „Waldeslust Scharbach“, wie die Scharbacher Chöre auch heute noch heißen, und im damaligen Schulchor des Überwald-Gymnasiums gefunden. In diesem Schulchor unter der hervorragenden Leitung von Karlheinz Treusch haben wir anspruchsvolle Chorliteratur kennengelernt und tolle Konzerte auf die Bühne gebracht. Dieses Chor-Singen auf höchstem Niveau war der eigentliche Auslöser für meinen Wunsch, Sängerin zu werden. Eine Chorleiter-Laufbahn einzuschlagen war ganz eigentlich nie mein Wunsch, sie hat sich nur durch Zufall so ergeben. Ich fühle mich immer als eine Sängerin, die vorne steht, da bin ich Profi. Chorleiterin bin ich nur hobbymäßig und es wäre vermessen, meinen großartigen Dirigentenkollegen gegenüber zu sagen, ich sei eine Chorleiterin (schmunzelt).

  • Was sehen Sie als bisheriges Highlight Ihrer Tätigkeit?

HR: Ganz klar die „Night of the Golden Scharbock“. Der erste „Scharbock“ war ein Versuch, ob man Chormusik mit einer Rockband auf der Bühne in Einklang bringen kann. Da dies funktionierte, machten wir weiter. Jedes Event und jeder der drei Abende ist für mich ein Highlight, bei dem mir einfach nur das Herz aufgeht.

  • Welche Strategie wenden Sie an, um weiterhin Kinder und Jugendliche zur Mitwirkung in den Chören zu animieren?

HR: Bei dem Thema Kinder- und Jugendchorarbeit kann man wirklich von „Strategie“ reden. Kinder kommen nicht einfach so mal zum Singen vorbei, schon gar keine Jungs und auch nicht, weil irgendwo ein Werbeflyer liegt. Da muss man wirklich direkt auf sie zugehen, sie ansprechen und sich auch die Zeit nehmen, mal ein Gespräch mit ihnen zu führen. Worauf hätten sie mal Bock? Darauf lasse ich mich ein, versuche die Gesangsgruppen immer wieder neu zusammenzustellen, je nach den jeweiligen Bedürfnissen. Wollen sie mal ein extrem anspruchsvolles A-cappella-Stück einstudieren? Dann proben wir eine sechsstimmige A-cappella-Version der „Bohemian Rhapsody“. Können die Jugendlichen nur am Wochenende? Dann proben wir halt samstags. Das ist sehr aufwendig, aber nur so kann das funktionieren. Diejenigen, die bei einem Scharbock schon mal mitgemacht haben, möchten in der Regel auch beim nächsten Mal wieder in Kostüm und Maske mit auf der Bühne stehen.

  • Wie schätzen Sie sich selbst ein? Als jemand, die auch am letzten Ton feilt, oder als jemand, der auch mal Fünfe gerade sein lässt, wenn der Gesamtklang stimmt?

HR: Für mich ist tatsächlich erst mal das Wichtigste an Chorauftritten, dass dem Publikum klar ist: Denen da vorne auf der Bühne macht das Singen Spaß. Dieser Spaß kann aber auch natürlich nur entstehen, wenn man auf einem gewissen Niveau singt. Es kommen nur Lieder auf die Bühne, die auswendig gehen und bei denen sich der Chor sicher fühlt. Wir verfolgen ein anderes Ziel als ein Chor, der auf Wertungssingen geht und wenige Lieder bis zur Perfektion übt. Da wir auf den Goldenen Scharbock hinarbeiten, müssen wir ein großes Pensum an neuen Stücken auswendig lernen und das bei unregelmäßigen Singstunden. Da muss man einfach das Gesamtkunstwerk sehen, das am Ende herauskommt.

  • Gibt es ein bestimmtes Musikstück, das es Ihnen besonders angetan hat? Warum?

HR: Im Laufe der Jahre hatten wir immer mal Titel, die für mich und meinen Crescendo-Chor besonders waren. Die „Bohemian Rhapsody“, unser erstes wirklich anspruchsvolles Stück, von dem wir nie gedacht hätten, es jemals zu lernen. Als wir es dann drauf hatten, sangen wir sie über Jahre hinweg und bekamen immer großen Applaus dafür. Oder die schwere A-cappella-Version von „Engel“ – auch dieses eine Herausforderung, an der wir aber auch gewachsen sind. Oder „Music“…..

  • Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welchem großen Chorleiter würden Sie gerne mal einen Tag über die Schulter schauen und warum genau diesem?

HR: Da ich durch meine Tätigkeit am Nationaltheater Mannheim schon auf sehr gute Chorleiter im Klassikbereich getroffen bin, würde ich gerne für „Crescendo“ einem guten Chorleiter in diesem Spektrum begegnen. Eine von ihnen ist Stefanie Miceli, die den Bundeschorsieger „Vocalive“ leitet und auch schon bei uns Chorworkshops gemacht hat.

Zur Person: Susanne Hoffmann-Rettig (47) ist mit Jörg Rettig verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder. Die aus Scharbach stammende wohnt ebendort. Nach der Ausbildung zur Sparkassenkauffrau absolvierte sie ein Gesangstudium an der Musikhochschule Heidelberg-Mannheim und ist seit 1999 hauptberuflich Mitglied des Opernchors am Nationaltheater Mannheim. Seit 2002 leitet „Suse“, wie sie von allen genannt wird, den Kinderchor in Scharbach, seit 2006 den Crescendo-Chor. Seit 2010 stemmt sie alle zwei Jahre federführend die Veranstaltung „The Night of the Golden Scharbock“. Nächster Termin ist vom 8. bis 10. Mai 2020. Bei all den kulturellen Veranstaltungen ist Susanne Hoffmann-Rettig froh, ab und zu Zeit für Familie und Garten zu haben.

„Der Giersch tut so viel für uns“: Heilkräuter-Fachfrau Martina Tolnai

Der Startschuss für die Beschäftigung mit Wildkräutern fiel vor 15 Jahren. Damals hatte Martina Tolnai, gerade nach Olfen gezogen, ein Kochbuch in der Hand, worin sich Rezepte genau mit diesen Zutaten fanden. „Zwei Jahre lang habe ich nach den entsprechenden Pflanzen gesucht“, lacht sie im Rückblick. Denn sie wusste nicht, dass die benötigten Wildkräuter nur einen Teil des Jahres wachsen und blühen. Nach und nach „war ich immer mehr begeistert, was die alles machen und können“, erläutert sie.

Heutzutage ist sie so fundiert in dem Thema drin, dass sie es zum Beruf gemacht hat und Vorträge als Heilkräuter-Fachfrau anbietet. Wie etwa jetzt beim Sport- und Gesangverein Scharbach, der auf dieses Angebot eine große Resonanz hatte. Die Referentin bekam sehr viele positive Rückmeldungen. Ihre selbst hergestellten Produkte wie eine schwedische Kräutermischung, Ringelblumen-Einreibung oder Kapuzinerkresse-Essig fanden dankbare Abnehmer.

Wie auch ihre kleinen Ratgeber zu den einzelnen Pflanzen, in denen sie ihr Wissen zusammenfasst. Sie gibt landläufig Unkraut genannten Gewächsen, die aber ganz besondere Eigenschaften haben und damit völlig verkannt sind, damit ein Podium. Giersch, Brennnessel, Schafgarbe oder Löwenzahn stellt Tolnai ausführlich vor und gibt wie beim Vortrag auch Tipps, wie die Kräuter eingesetzt werden können und wo sie am besten helfen.

Das Wissen um die Heilkraft der Pflanzen ist ein uraltes und hochaktuelles, denn 80 Prozent der Weltbevölkerung bedienen sich daran und stellen ihre individuellen Heilmittel selbst her, erzählt Tolnai. Nur in der „zivilisierten“ Welt scheine es verloren gegangen zu sein und werde lieber auf chemisch hergestellte Mittel zurückgegriffen, bedauert sie.

Giersch ist etwa ein Allrounder. Er enthält Vitamine, auch Spurenelemente von Eisen, Kupfer, Mangan oder Titan. Er ist blutreinigend und stoffwechselanregend, erklärt Tolnai dem interessierten Publikum. Sie charakterisiert das Kraut als „Meister der Säfte und des Fließens“. Dazu noch bei Rheuma, Verdauungsbeschwerden, Gicht, oder Husten und Lungenleiden einsetzbar. Ein Alleskönner.

„Der Giersch tut so viel für uns“, betont die Referentin. „Er macht klar, hell und zentriert, ist vital.“ Nicht zuletzt ist die Pflanze auch essbar, was sich anhand der mit Giersch belegten Pizza an diesem Abend probieren ließ. Als „optimal für die Gartenecke“ bezeichnet ihn Tolnai. Allerdings „darf man ihn nicht aus dem Eimer rauslassen“, sonst wuchert das Wildkraut alles zu.

Den Huflattich lernte die Heilkräuter-Fachfrau als letzten kennen. „Ich wusste vorher sein Geheimnis nicht“, erläutert sie. Denn er blüht zuerst, dann geht die Blüte kaputt und erst später zeigen sich die Blätter. Der Löwenzahn hat sie besonders beeindruckt, „weil er so einfach und bescheiden ist“. Es müssen nicht immer „die Großen und Tollen sein“, meint sie. Es sind oft die unscheinbaren Pflanzen, die das Besondere in sich tragen. Die vielseitig verwendbare Pflanze „kann einfach in den Mund gesteckt oder auf den Salat gezupft werden“.

Als „sehr nierenheilend“ charakterisiert Tolnai die Brennnessel. Von den Inhaltsstoffen her sieht sie das Kraut in der Evolution als ganz dicht am Übergang zwischen Pflanze und Tier. Als „so einfach wie möglich, so kompliziert wie nötig“ beschreibt die Kräuterfrau ihre Herangehensweise an die Herstellung der Elixiere. So wie das aus Beinwell und Kastanie, die sie zusammen sechs Monate in Alkohol einlegt.

„Ich möchte Menschen auf unkomplizierte Weise der Natur wieder nahe bringen und meine eigene Begeisterung für alles, was da wächst, weitergeben“, formuliert sie als ihr Ziel. Es geht ihr darum, Verantwortung zu übernehmen für sich selbst, die Mitmenschen und die Natur mit all ihren großen und kleinen Wesen. Dies vermittelt sie auch in Seminaren.

Interessierte können bei Tolnai von März bis Oktober ebenfalls eine Ausbildung zur Heilkräuter-Fachfrau machen. Sie vermitteln dann das Wissen, „wonach ich schauen muss, um überhaupt in der Natur etwas zu finden“. Auch geht es darum, zu welcher Familie die einzelnen Pflanzen gehören. Ihr Wissen hat sie zumindest in Scharbach sehr anschaulich vermittelt. Einer der wenigen Männer unter den Zuschauern sagte beim Rausgehen: „Das war sehr kurzweilig, immer auf den Punktgebracht und nicht langatmig.“

1962 im „Schwobeländle“ geboren, machte Martina Tolnai zuerst eine Krankenschwesterlehre und arbeitete danach viele Jahre im OP, später im ambulanten Pflegedienst und in einer psychosomatischen Klinik. 2006 absolvierte sie die Ausbildung zur Heilkräuterfachfrau bei Susanne Rüland, 2008 eine Fortbildung bei Susanne Fischer-Rizzi (Wildniswissen). Ab diesem Jahr gab sie auch parallel Ausbildungen zur Heilkräuter-Fachfrau, zuerst an einer Heilpraktikerschule, später auch privat. 2009/2010 folgte die Ausbildung bei Marlies Bader in systemischer Homöopathie und ritueller Räucherkunde.

2013 unternahm sie den Schritt in die Selbständigkeit und hat diesen nie bereut. „Es ist ein großes Geschenk, wenn das Hobby zum Beruf wird“, sagt sie. 2014/2015 schloss sich eine Ausbildung zur Wildnis-Pädagogin an. Martina Tolnai wohnt mit ihrem Mann Karl-Michael Zimmermann in Brensbach-Affhöllerbach. Mehr unter www.ringelblume-und-co.de

Löwenzahn

Neun Mal mehr Vitamin C und 40 Mal mehr Vitamin A als im normalen Salat befinden sich laut Martina Tolnai in Löwenzahn. Außerdem enthält die Pflanze drei Mal mehr Eisen als Spinat, dazu Spurenelemente von Kalzium, Natrium Kalium und Kieselsäure. Der Löwenzahn schwemmt durch seine Bitterstoffe Harnsäure und Schlacken aus dem Körper und behebt Darmträgheit. Er wirkt gegen Allergien, Leber- und Krebs-Erkrankungen, besitzt krebshemmende Carotine und Flavonide.

Mit der Pfahlwurzel zieht er ausgewaschene Nährstoffe nach oben. Seine Samen sind Nahrung für Kleinvögel, die Wurzel eine Kinderstube für Regenwürmer. Die Blüte dient als Bienenweide, Erdbeeren gedeihen in seiner Umgebung besser. Die Frühlingswurzel mit dem bitteren Cholin sorgt für den Fettabbau aus dem Gewebe, im Herbst ist mit Inulin ein zuckerfreies Kohlenhydrat zu finden, womit sich Löwenzahl gut als Diabetiker-Gemüse eignet. Gerade im Frühjahr bietet es sich an, mit einer Schüssel in den Garten zu gehen, den Salat einfach von der Wiese zu sammeln und als Löwenzahn-Salat zuzubereiten.

 

 

Flattermänner lieben den Schmetterlingsgarten

Das Insektensterben beherrscht aktuell die Medien. „Es ist nachweisbar, es ist messbar und spürbar“, sagt Fachmann Siggi Winkler aus Weiher, der sich schon seit 50 Jahren mit dem Thema beschäftigt, Schmetterlinge beobachtet und züchtet. Auch wenn im Odenwald die Welt noch einigermaßen in Ordnung ist, kann jede noch so kleine Maßnahme helfen, den Bestand zu sichern. Wie etwa der „Schmetterlingsgarten“ von Claudia Felske, den sie in den vergangenen Jahren in der Scharbacher Mooswiese anlegte.

„Den Garten habe ich vor dem Haus der Kuhwiese abgetrotzt“, erzählt „Fenna“ Felske. Im ersten Jahr baute sie eine kleine Terrasse und versuchte Gemüse anzubauen. Den Rest der Wiese ließ die Scharbacherin „einfach mal wachsen“ und schaute, was sich entwickelt, wenn das Gras nicht ständig gemäht oder abgesenst wird. Im zweiten Jahr waren das die Sumpfdotterblumen, das Mädesüß und die Engelwurz, die wilde Möhre, Buschwindröschen, Miere, Malven, Glockenblumen.

Felske pflanzte parallel Stauden Sträucher und Bäume. Die Brombeerecke wurde definiert, die wilden Himbeeren durften sich ausbreiten. Die Insektenvielfalt stellte sich im dritten Jahr ein. „Es zogen vermehrt Schmetterlinge ein“, beobachtete sie, dazu die Zauneidechse und Massen von Marienkäfern. Im vierten Jahr fingen sich die Stauden an zu vermehren.

Der Garten macht nicht viel Arbeit, erläutert sie. Denn man muss nur einzelne Sektionen bearbeiten und das meiste einfach sich selbst überlassen. Eigentlich ist das Sensen tabu. Nur Sortieren und vorsichtiges Abräumen der toten Blätter und Staudenstängel im späten Frühjahr ist erlaubt. „Doch leider wird dies als Faulheit oder Unordentlichkeit ausgelegt“, bedauert die Scharbacherin. „Doch seit wann ist denn die Natur ordentlich?“, fragt sie rhetorisch.

Die Engelwurzstaude liefert im Sommer als Doldenblütler Pollen und Nektar für Biene und Schmetterling und dient im Winter als Unterschlupf für Wildbienen, sofern sie stehen gelassen wird. Ein mögliches Winterlager für den Zitronenfalter ist ein Brombeergebüsch, etwas feucht durch den Bachbereich. Totholz und Kompost bilden Lebensraum für zahlreiche Insekten. Besonders Marienkäfer freuen sich, unter der Rinde einen Platz zu finden. Auch die Zauneidechse und der Zaunkönig haben hier ihre Nische gefunden.

In einem Schmetterlingsgarten müssen Brennnessel, Brombeeren, Himbeeren, Totholz und Blühstauden miteinander verwildern, rät sie. Außerdem: „Im Winter alles stehen lassen.“ Genau das ist laut Felske das ausschlaggebende Kriterium. Denn wenn im November alles abgesenst und verbrannt wird, lösen sich damit auch die Eier und Raupen der Schmetterlinge in Rauch auf. „Es muss verwildern“, betont sie. Der Schmetterlingsgarten wird erst im Juni richtig schön. Dann sind auch die meisten Insekten geschlüpft, die als Raupe oder Eier überwintert haben.

Felske sehen mit Besorgnis, wie wenige Insekten im Vergleich zu ihrer Kindheit heute noch zu sehen sind. Das bestätigt auch Winkler: „Die Biomasse ist in den letzten 30 Jahren um etwa 75 Prozent zurückgegangen“, weiß er. Er kennt 100 Arten von Tagschmetterlingen, von denen 32 im Odenwald bestätigt werden konnten. „Vor allem die Älteren wissen noch, welche Insektenpampe wir früher auf der Windschutzscheibe unserer Autos hatten“, schmunzelt er.

Seine soziologischen Studien macht der 70-Jährige seit 30 Jahren für eine Arbeitsgemeinschaft, die beim Frankfurter Senckenbergmuseum angesiedelt ist. Prof. Josef H. Reichholf veröffentlichte im Herbst 2017 eine Studie, in der er den Artenschwund bei Schmetterlingen dokumentierte und wissenschaftlich untermauerte, so der Weiherer.

Winkler warnt: „Etliche Arten sind in dieser Zeit bei uns verschwunden.“ Im Odenwald schätzt Winkler jedoch, dass der Rückgang „nur“ etwa 30 Prozent beträgt. Und: „Es ist kein plötzlich aufgetretenes Ereignis.“ Bereits vor 30 Jahren gab es Anzeichen dafür. Als Gründe nennt der Fachmann: Biotopverlust, Veränderungen in der Landwirtschaft, Kreiselmäher, mehrmalige Mahd im Jahr (die keine Entwicklung mehr zulässt), Düngung, Pestizide, Zersiedelung der „freien Landschaft“, Verlust von Brachflächen oder extensiv bewirtschaftete Flächen.

Von den Pestiziden wisse man mittlerweile, dass viele als insektenunschädlich eingestufte Herbizide das Orientierungssystem und die Fortpflanzungsdynamik stören. Seit Jahrzehnten gibt es im Weschnitztal Ehrenamtliche, die mit ihren Studien den Wissenschaftlern zuarbeiten und die Entwicklung dokumentieren. Neben Winkler zählen dazu auch die Hobbyentomologen Reinhold Pfeifer/Rimbach und Peter Gehrisch/Ellenbach.

Wir können den Insekten helfen durch…

  • Verzicht auf Insektizide, besonders Neonicotinoide, Herbizide
  • keine extensive Beweidung landwirtschaftlicher Flächen
  • Düngeminimierung, Düngeverzicht
  • Ankauf von Flächen durch die öffentliche Hand oder Naturschutzverbände als „Trittsteine“
  • Schaffung von Ackerrandstreifen, Belassen von Böschungen und Wegerainen (die oft ungedüngt sind…)
  • Pflanzung von Sträuchern an Waldrändern, Belassen von Sträuchern, Hecken, Flora an Waldrändern
  • Anlage von Feldholzinseln mit insektenfreundlichen Arten
  • Augenmerk auf Eichen, Weiden und Pappeln (beherbergen die meisten Insektenarten)
  • kleine verwilderte Bereiche/Ecken in Gärten, Belassen sogenannter „Unkräuter“ in Gärten und in der freien Landschaft
  • Einsaat von Blühwiesen oder Sommerflieder in Gärten als Insektenmagnet
  • Erhaltung und Pflege der Obstbäume/Streuobstwiesen, Mistelbekämpfung
  • Verzicht auf „Exoten“ im Garten (z.B. Buchsbaum), Anpflanzung von Blühpflanzen wie Fenchel, Lavendel u.a.

Scharbacher Wehr musste 24 Mal ausrücken

24 Einsätze standen im vergangenen Jahr für die Scharbacher Freiwillige Feuerwehr an, berichtete Wehrführer Lothar Schmitt auf der Jahreshauptversammlung. Neun Mal gingen Brandmeldeanlagen los, fünf Brände galt es zu löschen, dazu kam der Großbrand beim Holzwerk Monnheimer, der alle Brandschützer der Gemeinde forderte. Die Einsatzabteilung der Ortsteilwehr besteht derzeit aus 21 Aktiven, davon drei Frauen und 18 Männer, berichtete er.

Fast alle der 23 Übungen wurden mit den Hammelbacher Kameraden durchgeführt, erläuterte Schmitt. Dafür wurden 530 ehrenamtliche Stunden geleistet. Er bat alle „um rege Teilnahme an den Übungen“, da nur so der Ausbildungsstand gehalten werden könne. Zusätzlich zu den Einsätzen gab es neun technische Hilfeleistungen, davon unter anderem vier wegen Unwetter und zwei Unterstützungen der Rettungsdienste. Der Wehrführer listete hierfür 422 Stunden auf. Er freute sich, dass dabei niemand verletzt wurde.

Schmitt dankte für die Bereitschaft der Firmen, „auch während der Arbeitszeit Aktive zum Einsatz zu lassen“. Der Einsatz von Tobias Schmidt mit Michel Schmitt für die Jugendwehr „lässt uns für die Zukunft auf weitere Aktive in der Einsatzabteilung hoffen“. Die Hammelbacher Kameraden bringen „in mühsamer, oft stundenlanger Arbeit die Schläuche in Ordnung“, hob er hervor. Der Kommandant erwähnte daneben die Arbeit der beiden Gerätewarte Jürgen und Gunther Speckhardt, „ohne deren gewissenhafte Wartung unsere technische Ausrüstung nicht in einem so tadellosen Zustand wäre“.

Der Vereinsvorsitzende Waldemar Schmidt hatte zu Beginn alle Anwesenden begrüßt. Gemeindebrandinspektor Timo Lammer, der zweite stellvertretende GBI Dennis Reim, Bürgermeister Markus Röth sowie Kameraden der Nachbarwehren und Vertreter des Hammelbacher DRK nahmen an der Versammlung teil und sprachen zum Teil Grußworte. Matthias Forell prüfte zusammen mit Jörg Quick die Kasse und lobte die einwandfreie Kassenführung. Beide stellten Antrag auf Entlastung, die einstimmig angenommen wurde. Udo Gruber und Matthias Forell wurden im Anschluss einstimmig zu Kassenprüfern gewählt.

2018 war für den Feuerwehrverein ein ruhiges Jahr, berichtete Waldemar Schmidt. Es standen Besuche bei Festivitäten der Nachbarwehren an. Der Vereinsausflug führte wieder in die schöne Pfalz. Gleich fünf runde Geburtstage galt es zu feiern, außerdem eine diamantene und goldene Hochzeit. Kameradschaftsabend auf der Tromm und Jahresabschluss fanden einen schönen Anklang.

Schmidt kündigte an, im kommenden Jahr sein Amt niederzulegen. Er sei dann 50 Jahre im aktiven Feuerwehrdienst und 20 Jahre im Vorstand tätig. Er merke, dass er „nicht mehr dieselbe Energie wie früher hat“ und will sein Amt deshalb an Jüngere abgeben, kündigte der Vorsitzende an. Mit Blick auf 2019 erwähnte Schmidt die Planung eines Suppenfestes am 23. Oktober und der Ausflüge. In zwei Jahren sind Gesamtneuwahlen des Vorstandes, warf der Vorsitzende einen Blick in die Zukunft. „Bis dahin müssen viele Nachfolger gefunden werden“, mahnte er.

Jugendfeuerwehrwart Tobias Schmidt berichtete, dass durch einen Neuzugang inzwischen vier Jugendliche mitmachen. Es wurden 88 Stunden zur feuerwehrtechnischen Ausbildung abgehalten, außerdem 66 für allgemeine Jugendarbeit aufgewendet. Christbaumsammelaktion, Berufsfeuerwehrcamp und Kreiszeltlager lauteten die Veranstaltungen im abgelaufenen Jahr. Die Übungen wurden mit den anderen Jugendwehren der Gemeinde abgehalten.

Beförderungen: Hauptfeuerwehrmann Tobias Schmidt, Brandmeister Lothar Schmitt

Übungen: Dennis Reim (20 von 23), Tobias Schmidt (19), Gunter Speckhardt (16)

Lehrgänge: Tobias Schmidt (Truppführer), Dennis Reim (Leiter einer Wehr), Isabell Forell, Lothar Schmitt (beide Fortbildungen für Sanitätshelfer)

Sehr gut besuchter Bunter Abend zum Start der Scharbacher Kerwe

Großer Besucherandrang bei der Kerwe im kleinen Ortsteil. Das Wetter passte dieses Jahr super für die Open-Air-Aktivitäten, sodass sich im Vergleich zum verregneten Vorjahr viel mehr Ortsbürger und Gäste von auswärts einfanden. Der Bunte Abend am Sportplatz, für den sich die drei veranstaltenden Vereine ein lustiges Programm ausgedacht hatte, stieß auf sehr viel Zuspruch. Natürlich stand die Gaudi im Vordergrund – und was macht mehr Spaß, als über den Nachbarn zu lachen, der sich auf der Bühne bei einer Aufgabe zum Narren macht.

Aber Vorsicht: Beim nächsten Programmpunkt konnte es den Lacher selbst erwischen, denn Moderator Jörg Rettig griff sich seine Probanden wahllos aus dem Publikum heraus. „Scharbacher auswärts unterwegs“ oder USA lautet das Motto der diesjährigen Kerwe, die heute stimmungsvoll zu Ende geht. Natürlich schwebte die USA auch zentral über dem Bunten Abend. Jörg Rettig hatte sich dafür in ein lustiges Kostüm gezwängt, bei dem Donald Trump auf einem Zwerg reitet.

Vorgeschaltet war die Kerweeröffnung mit Gottesdienst und folgendem Fassbieranstich durch Bürgermeister Markus Röth und Kerwepfarrer Stefan Schmitt. Dann zogen Kerwejugend und Kerwekids in die Halle ein. Anschließend gab es einen vielbeklatschten Auftritt der Scharbacher Kinderchöre, der „Little Fire Girls“ und der „Golden Power Girls“, unter der Leitung von Susanne Hoffmann-Rettig. „Alles ist Musik“ und „Achterbahn“ von Helene Fischer waren zu hören.

Die Kerwekids boten einen umjubelten Tanz zum Lied „Lollipop“, der Gemischte Chor Waldeslust und der Crescendo-Chor ließen ihre Stimmen ebenfalls bei „Ohne Krimi geht die Mimi“ und „Let me entertain you“ ertönen. Der Junge Chor der Scharbacher Chöre sang „Titanium“ – alles Titel aus der drei Mal im Juni gebotenen Aufführung des fünften „Goldenen Scharbocks“.

Weiter gab einen Beitrag, der Jamaika-Feeling aufkommen ließ. Zum Lied „Äppelwoi Cola“ wurden kurzerhand Mülltonne und Kazoo mit in die Darbietung einbezogen. Den Abschluss des Abends gestalteten die Kerwe-Girls mit einem fetzigen Rock’n’Roll-Stück aus den 50er Jahren. Ein fulminantes Baywatch-Männerballett war der Kracher und ließ die Gäste stürmisch Beifall klatschen.

Abwechslung zwischen den einzelnen Aufführungen war geboten mit lustigen, von Rettig angeleiteten Spielen, bei denen die Zuschauer vor einige Herausforderungen gestellt wurden. Vier Männer mussten gegen vier Frauen antreten. Melodiengurgeln, Decke wenden oder Wörterbilden waren in der Kürze der Zeit und Hitze der Nacht gefragt. Es gab zum Schluss ein gerechtes Unentschieden. Männlein und Weiblein gewannen jeweils zwei Spiele, so dass man sich danach in der Bar zu einem Getränk traf. Ausgedacht hatte sich die Aktionen das zehnköpfige Kerweteam um Claudia Hallermeier.

Für überschäumende Stimmung sorgte außerdem Alleinunterhalter Florian Koch, der den Abend mit Keyboard und Trompete umrahmte. Schlager, Pop, Rock, Unterhaltungsmusik: Es gab für jeden Geschmack etwas zu hören. Nach dem offiziellen Ende war natürlich noch lange nicht Schluss. Die Nacht war ziemlich kurz, ehe sich am nächsten Morgen schon wieder die ersten zum Feiern einfanden.

Karibisch bei Sonne, Strand und coolen Cocktails ging es beim Beachvolleyball-Turnier zu. Es fand im vergangenen Jahr unter erschwerten Bedingungen zum ersten Mal statt. Denn damals kam so viel Wasser vom Himmel, dass es fürs halbe Meer neben dem Sandstrand gereicht hätte. Es wurde aber trotzdem so gut angenommen, dass sich das Kerwe-Team für eine zweite Auflage entschied. Dieses Mal herrschten optimal Bedingungen.

15 Mannschaften mit je fünf Spielern gingen an den Start. Der Sand war trocken, die Sonne warm, die Getränke kühl: Besser geht nicht. „Bauwagen 1“ gewann vor dem Team „Waidmannsheil“ und dem „SV Germania“. Sportlich vorbelastet war allerdings kaum ein Akteur, sodass die Gaudi klar im Vordergrund stand. Die Leitung war jedoch professionell. Drei Spielerinnen des ÜSC Wald-Michelbach schauten nach der richtigen Regelbefolgung. Nach dem offiziellen Ende um 21.30 Uhr gingen die Spieler daran, verbrannte Kalorien und ausgeschwitzte Flüssigkeit wieder zu nachzufüllen. Das dauerte lange bis in den Sonntag hinein…

Frenetischer Beifall und Standing ovations für den goldenen Scharbock in Affolterbach

Ob das in zwei Jahren nochmal zu toppen sein wird? 1400 Gäste an drei Abenden, eine drei Mal ausverkaufte, dampfend-schwülheiße Peter-Heckmann-Halle, frenetischer Beifall, Standing ovations, restlos begeisterte Zuschauer. Die fünfte „Night of the golden Scharbock“ im 120. Jahr des Bestehens der Scharbacher Chöre war eine Demonstration von Sangeskunst, wie sie in der Region nur selten zu finden ist. Weit über 100 Sänger, hochkarätige Solisten und eine virtuose Begleitband machten die Abende zum Nonplusultra der Überwälder Veranstaltungen in diesem Jahr.

Kein Wunder, dass der Gesangverein aus dem Grasellenbacher Ortsteil Scharbach dieses Mega-Event nur alle zwei Jahren durchführen kann – zu gewaltig ist der Aufwand dafür. Aber die überschäumenden Reaktionen darauf lohnen jegliche Mühe. Wenn die musikalische Gesamtleiterin Susanne „Suse“ Hoffmann-Rettig in goldenem Mantel als ausgebildete Opernsängerin zusammen mit Sascha Fischer im Smoking zum Ende des ersten Sets wie Montserrat Cabellé und Freddie Mercury „Barcelona“ schmettert, dann kennt der Jubel keine Grenzen mehr.

Der 29-jährige Student Fischer aus Wahlen ist musikalisch ebenfalls „vorbelastet“. Zuerst mit der Coverrockband „NeRo“, jetzt mit „Xtreme“ tourt er durch Deutschland und hat in Frankenthal seine eigene Theaterrevue. Dass sein Herz für den Rock schlägt, merkt man auch bei „Summer of 69“ von Bryan Adams, das mit den 50-köpfigen Crescendo-Chor im Hintergrund eine voluminöse Intensität erreicht. Der ganze Saal steht, alle klatschen mit. „We’re not gonna take it“ von Twister Sister ist kurz vor Schluss noch einmal eine Verbeugung an einen ewigen Rockhit.

„Hits am laufenden Band“ hatten die Scharbacher Chöre in diesem Jahr ihre „Scharbock“-Aufführung betitelt, nachdem es vor zwei Jahren um „Musicals“ gegangen war. Im Jubiläumsjahr gab es einen bunten Streifzug durch die Musikgeschichte, der passenderweise mit „Music“ von John Miles eröffnet wurde. Dieser pompöse Klassiker aus über 100 Kehlen von gemischtem Chor und Chor: Das hat was. Martin Steffan, der den gemischten Chor leitet, kann aber nicht nur dirigieren. Der Tenor schmetterte danach Pavarottis „O sole mio“ eindrucksvoll von der Bühne.

Ob es nun ein Medley der Comedian Harmonists war, die Mimi ohne Krimi ins Bett sollte oder der „Wind of Change“ der Scorpions zusammen mit dem Kinderchor durch den Saal hallte: Quer durch alle Zeiten und Musikrichtungen ging die Reise der Chöre. Die wurden von einer hochkarätigen Band unterstützt: Michael Hubert (Drums), David Kirchner (Gitarre) und Nicholas Neumüller (Bass) erlern(t)en ihr Handwerk an der Popakademie Mannheim, während Keyboarder Achim Essig ein Urgestein der Odenwälder Musikszene ist.

Was wäre der Gesang ohne die Technik? Mit dem aus Wald-Michelbach stammenden Max Koch, der mittlerweile als Regie-Assistent bei den Bregenzer oder Bad Hersfelder Festspielen tätig ist, hat ein kreativer Kopf die Konzeption übernommen. Eine bewegliche, transparente Stoffwand, ein Hebebühnen-Podest und vor allem die eindrucksvolle Lasershow machten den musikalischen Eindruck erst zu einem stimmigen Gesamtpaket.

Heiß war es schon zu Beginn, noch heißer wurde es nach der Pause. „Celebration“ und „Sing Halleluja“ eröffnen einen fulminanten zweiten Set. Robbie Williams‘ „Let me entertain you“ sieht Dirigentin Hoffmann-Rettig nach einem Konfetti-Regen der überdimensionalen Geburtstagstorte entsteigen, während sich der Chor zu Höchstleistungen aufschwingt. Bei „Proud Mary“ rockt sie mit Sopranistin Doris Steffan-Wagner die Bühne, dass Tina Turner vor Staunen der Mund offen stehen bleiben würde. Alles natürlich mit dem vielstimmigen Chor im Hintergrund, der den Songs eine ganz besondere Klangfülle verleiht.

Die „Jungs“, der von Hoffmann-Rettig geleitete Kinderchor, huldigen mit „TNT“ AC/DC – eine gute Gelegenheit für Gitarrist David Kirchner, seine Fertigkeiten auf den sechs Saiten zu zeigen. „Titanium“ vom Jungen Chor, „Malaguena“ mit Solistin Corina Tatzel oder „Mama Loo“ mit den jungen Solisten Beni und Vincent bereiten den Boden für ein mächtiges „Walking on Sunshine“ von Kathrina and the Waves, nach dem keiner gehen wollte. Noch mehr Schweiß floss bei nicht enden wollenden Zugaberufen und Klatschorgien.

Die Resonanz war überwältigend: „Der Chor ist ein Aushängeschild im Kreis Bergstraße. Solch ein kleiner Ort und so eine große Show“, sagte Landrat Christian Engelhardt. Andere Sänger und Musiker zeigten sich begeistert: „Das ist toll, was die auf die Beine stellen“, meinte Siggi Winkler aus Weiher von der Folk Band „Irish Voices“. Christof Klos, Vorsitzender des Gesangvereins Harmonie Ober-Schönmattenwag, sprach von einer „großen Klasse“ der Aufführung. Trotz der tropischen Temperaturen im Saal „war es ein großartiges Konzerterlebnis, das in unserer Region einmalig ist“, so Wald-Michelbachs Bürgermneister Sascha Weber. „Ich freue mich bereits jetzt schon sehr auf die Rückkehr des goldenen Scharbocks in zwei Jahren“, so der Rathauschef. „Brutal gut“ fasste es Jörg Rettig kurz und knapp zusammen.

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Scharbacher Chöre

Posted by Thomas Wilken on Sunday, June 10, 2018