Bei den Tagen des offenen Ateliers wurde im Hammelbacher Imasgo-Atelier die Fotoausstellung „Schwarze und weiße Berufe“ gezeigt

Es gibt viele Kontraste, aber auch unvermutete Gemeinsamkeiten. „Schwarze und weiße Berufe“ lautete der Titel der Fotoausstellung, die an den Tagen des offenen Ateliers im Imsago-Atelier von Martine Rüdinger auf der Hard in Hammelbach zu sehen waren. Die Bilder von handwerklichen Berufen aus dem westafrikanischen Land hatte die im Verein „Christen für Afrika“ aktive Rüdinger geschossen. Die Oden- und Überwälder Motive steuerte der Scharbacher Hobby-Fotograf Peter Hahn bei.

Das Atelier hatte Martine Rüdinger mit Vereinsunterstützung im Frühsommer eingerichtet. Dort werden Waren aus Imasgo verkauft, deren Erlös dann getreu des Prinzips „Hilfe zur Selbsthilfe“ den Menschen vor Ort zugutekommen soll, damit die daraus wiederum ihren Lebensunterhalt bestreiten können. So arbeitet der von ihr fotografierte Schneider dem Verein zu. Der im Bild festgehaltene Tischler wiederum stellt Möbel für die von der Birkenauer Organisation aufgebaute Schule her.

Peter Hahn schoss die Bilder in der direkten Umgebung des Überwalds oder in Birkenau. Er suchte sich hiesige Werkstätten, in denen der gleiche Beruf ausgeübt wird. Hahn orientierte sich dabei an den von Martine Rüdinger mitgebrachten Motiven. Dabei stellte er trotz aller Unterschiede auch immer wieder Gemeinsamkeiten fest.

Aber allein die spartanische Ausstattung der Werkräume in Burkina Faso im Gegensatz zu den hiesigen Arbeitsweisen zeigt, auf welch unterschiedlichem Standard gearbeitet wird. Hahns Aufnahmen aus der näheren Umgebung haben auch einen gewissen Wiedererkennungswert. So hängt ein Bild des Eiscafés in Wahlen neben dem eines Cafés aus Imasgo. Ein Schulzimmer des Ortes in Burkina Faso kontrastiert mit einem Raum aus der Wahlener Ulfenbachtal-Schule. Und auch die beiden Kirchen werden gegenüber gestellt.

Hahn, im Hauptberuf Förster im Bereich Kühkopf im Kreis Groß-Gerau, hat sich auf Porträtbilder und Theateraufnahmen spezialisiert. Seine Zusammenarbeit mit Martine Rüdinger hatte bereits einen Vorläufer in der Fotoserie von Odenwälder und afrikanischen Frauen. Während hierzulande oft die Großeltern mit dabei sind, „ist es dort die Ausnahme“, so Hahn. Der Grund: „Die Menschen werden nicht so alt.“ Rüdinger brachte die Porträts von ihren Reisen mit, Hahn ergänzte sie mit seinen Aufnahmen.

Ihm geht es darum, „auf die Situation der Menschen in Burkina Faso hinzuweisen“. Und gleichzeitig aufzuzeigen, „wie arm das Land ist“. Mit den einfachsten Mitteln lasse sich den Leuten dort helfen. Hahn wünscht sich, mit den Fotos auch Spenden zu generieren. Das in der Ulfenbachtal-Schule entstandene Bild hatte einen solch positiven Effekt. Die Schüler spendeten spontan 500 Euro aus der Klassenkasse.

Regelmäßig kommen Waren aus Burkina Faso als Nachschub in Hammelbach an. Diese Woche wird wieder ein Container erwartet, weil die Christen aus Afrika am 24. September auf dem Handwerkermarkt bei der Schreinerei Bellut in Airlenbach dabei sind und dort neue Dinge in Angebot haben möchten.

Seit der Eröffnung Ende Juni haben weitere Möbel aus Burkina Faso den Weg in den Überwald gefunden, erläuterte Rüdinger den interessierten Gästen beim Tag des offenen Ateliers. Diese wurden aus Holz für den Sitz und Ölfässern für Lehne und Beine gefertigt. Stühle und typisch afrikanische Sitzbänke gibt es in dieser Form. Recycling in bestem Sinne also. Auch Tabletts wurden aus Ölfässer-Resten hergestellt.

Das ist jedoch nur eine kleine Palette der Waren, die aus Burkina Faso den Weg nach Deutschland finden. Darunter sind auch afrikanische Tiere aus Ebenholz oder Kaïcedra, von den Dorfbewohnern hergestellter Schmuck aus Glas, Papier, Horn und Stoff, filigrane Basteleien in Form von Autos oder Fahrrädern aus alten Blechdosen oder ein nach Traubenzucker schmeckendes Produkt aus dem Inneren der Affenbrotbaum-Frucht. Aus der Turareg-Region in Nord-Burkina ist Silberschmuck zu finden.

„Unser vorrangiges Ziel ist es, mit dem Produktverkauf die Menschen in Imasgo zu unterstützen, damit sie auf eigenen Beinen stehen können“, betonte Rüdinger. Deshalb habe man den Laden auch komplett von den anderen Projekten wie etwa der Schule getrennt. „Die Menschen in Afrika sollen genug Geld verdienen, um sich Dinge des täglichen Lebens selbst finanzieren zu können.“

Dazu gab es Essen und Getränke nach afrikanischen Rezepten. So Dégué aus Hirse, Quark und braunem Zucker und frischer Mango, weiter ein Gericht aus Kochbananen, den Hibiskustee Bissap mit Ingwer, braunem Zucker und Limonen oder eine leckere Erdnuss-Suppe, die Marcello Capello kreiert hatte. Das Gewürz Soumbala, aus dem Baum Neré gewonnen, wurde abgepackt verkauft.   tom

 

Informationen: http://christen-fuer-afrika.de

 

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Reiches Programm beim Hammelbacher Pfarrfest am 1. Oktober

Das alljährliche Pfarrfest der katholischen Kirchengemeinde zu Erntedank findet am Sonntag, 1. Oktober, statt. Ort ist das Pfarrheim „St. Maria“ in Hammelbach, Veranstalter der Katholische Pfarrgemeinderat. Beginn ist gegen 11 Uhr im Anschluss an die Messe in der benachbarten Kirche, die um 10 Uhr startet. Eingeladen sind alle Bürger der Gemeinde Grasellenbach, aber auch konfessionsübergreifend Gäste und Freunde der Kirche aus der Pfarrgruppe Überwald. Bei schönem Wetter kann auch draußen gefeiert werden.

Marianne Verona und Marcello Cappello werden wieder in bewährter Manier ihre Kochkünste aufbieten und die Gäste mit leckeren Gerichten verwöhnen. Auf der Speisekarte stehen ab etwa 12 Uhr Kraftbrühe mit Markklößchen, Gemüselasagne mit Parmesan und Mariannes Hirschkalbsgulasch mit Spätzle. Selbstgemachte Salate ergänzen das Angebot. Am Nachmittag lockt ein reichhaltiges Kuchenbüffet, dazu gibt es Kaffee.

Zu Beginn wird Bonita Piccardo-Selg die Gäste mit ihrem Akkordeon auf den Tag einstimmen. Der gemischte Chor der Scharbacher Chöre wird gegen 13 Uhr einige neue und dennoch bekannte Lieder präsentieren. Danach spielt das Pfarrfest-Trio ab etwa 14 Uhr unter Leitung von Reinhold Karey auf Akkordeon, Gitarre und Geige beliebte Melodien im Stil der Wiener Kaffeehausmusik.

Aber es ist nicht nur Musik zu hören, sondern auch Kabarett zu sehen: Corina Tatzel wird zwischendurch gegen 13.30 Uhr ihr Alter Ego „Margot“ auftreten lassen. Diese hat sich bereits über die Grenzen des Überwalds hinaus eine große Fangemeinde erworben. Sie beschäftigt sich mit den Irrungen und Verwirrungen in Leben, Liebe und Beziehungen. Außerdem „übersetzt“ sie bekannte Popsongs in den Ourewäller Dialekt und befasst sich auf spezielle Art dem Thema Erntedank.

Die Pfarrbücherei ist geöffnet und stellt Lesestoff zur Verfügung. Beim Bücherflohmarkt kann sich jeder aus dem ausliegenden Angebot bedienen, der seine eigene Bibliothek bereichern möchte. Über Salatspenden freut sich das Organisationsteam, ebenso wie über Kuchen und Torten für die Kaffeezeit. Sie werden gerne am gleichen Morgen angenommen. Der Erlös des Pfarrfestes dient der Erneuerung der defekten Außenbeleuchtung des Pfarrheims und der Anschaffung von Stehtischen.

Tage des offenen Ateliers am 16. und 17. September mit zwei Angeboten in Hammelbach und Wald-Michelbach

Zwei interessante Aktivitäten und Projekte warten bei den Tagen des offenen Ateliers im Rahmen des Kultursommers Südhessen am 16. und 17. September auf die Besucher. In Hammelbach können sie unter dem Motto „Afrika trifft Europa“ Burkino Faso und den Ort Imasgo im gleichnamigen Atelier kennenlernen. In Wald-Michelbach gibt es bei „Life Culture“ die offene Lederwerkstatt von Frank Derikatz und Martina Seibel mit Vorführung zu erleben.

Im Hammelbacher Imasgo-Atelier des Vereins „Christen für Afrika“ kommen bei Martine Rüdinger Produkte aus Burkina Faso zum Verkauf. Deren Erlös geht dann direkt wieder an die Menschen des westafrikanischen Staats, damit sich diese ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können. Was in Hammelbach eingenommen wird, geht direkt in den Einkauf der nächsten Ware. „Wir kaufen Stoff für einen Schneider in Imasgo“, so Rüdinger. Der näht dann Kleider auf Bestellung, bekommt seinen Lohn dafür und kann damit einen Teil seines Lebensunterhalts bestreiten. Quasi eine Win-win-Situation. Auch Trommeln werden auf Bestellung gefertigt.

Das ist jedoch nur eine kleine Palette der Waren, die aus Burkina Faso nach Deutschland kommen. Darunter sind auch afrikanische Tiere aus Ebenholz oder Kaïcedra, von den Dorfbewohnern hergestellter Schmuck aus Glas, Papier, Horn und Stoff, filigrane Basteleien in Form von Autos oder Fahrrädern aus alten Blechdosen oder ein nach Traubenzucker schmeckendes Produkt aus dem Inneren der Affenbrotbaum-Frucht. Aus der Turareg-Region in Nord-Burkina ist Silberschmuck zu finden.

Rüdingers Solern-Projekt, bei dem aus dem Erlös des Second-Hand-Bücherverkaufs Solarlampen finanziert werden, ist weiterhin eine Erfolgsgeschichte. Inzwischen wurde um die 500 Lampen übergeben. Damit können die Kinder auf dem Land, wo es keinen Strom gibt, lernen. Für diese denkt man auch darüber nach, einen Standfuß vor Ort entwickeln zu lassen. „Die Menschen in Afrika sollen genug Geld verdienen, um sich Dinge des täglichen Lebens selbst finanzieren zu können.“ Es gibt weiterhin eine Fotoausstellung mit Werken von Martine Rüdinger und Peter Hahn zu sehen: „Die Arbeitswelten – Burkina Faso (ein Land in Westafrika) und der Odenwald.“

Für seine Waren hat Frank Derikatz, der zusammen mit Martina Seibel seine Lederwerkstatt in Wald-Michelbach für Interessierte öffnet, ganz hohe Qualitätsansprüche. Alles wird so weit wie möglich in Handarbeit hergestellt. Er kennt seine Produzenten genau, weiß, woher sein Leder kommt, sucht sich die Gerberei akribisch aus, bei der er die benötigte Rohware kauft.

Was Derikatz darüber hinaus benötigt, findet sich vielleicht sogar auf dem eigenen Grundstück. Wie etwa das Wachs für den Leinenzwirn, das die vier eigenen Bienenvölker liefern. Oder auch das selbst hergestellte Lederfett, das er dem Gürtelkäufer ans Herz legt, um dem erworbenen Naturprodukt eine möglichst lange Lebensdauer zu garantieren.

„Alles wird in Handarbeit hergestellt“, lässt der 54-Jährige keine Maschine an seine Waren. „Seit 37 Jahren nicht“, sagt er. Er verwendet „nur naturgegerbtes Leder mit Zertifikat“, dessen Herkunftsort eindeutig bestimmt werden kann. Genäht wird ausschließlich mit Leinenzwirn, nicht mit Polyester. „Ich fertige nur Unikate“, betont der Lederer. Dabei kommen neben dem Rohstoff auch Materialien wie Holz oder Horn zum Einsatz.

Sein Sortiment ist breit gefächert: Da sind Sattelbezüge oder Harleytaschen für Biker dabei, aber auch Schreibtischauflagen, Brillenetuis und -bänder, Portemonnaies in rustikalem Look, Handy- oder Pferdetaschen. Hundehalsbänder und -leinen gehören ebenso zu seinem Sortiment. Die Gürtel „schneide ich von Hand mit dem Skalpell aus dem Lederstück“, erläutert Frank Derikatz. Die Löcher „werden per Hand gestanzt“.

Die handwerklichen Fertigkeiten des Wald-Michelbachers wurden vor acht Jahren in Norwegen gewürdigt. Im dortigen Staatsmuseum sei er „als bester Handwerker“ unter mehr als 100 Ausstellern – alles Norweger – gekürt worden: „Da bild‘ ich mir was drauf was ein.“ In Deutschland, ist Derikatz sicher, „muss man studiert haben, um in dieser Form ausgezeichnet zu werden“.

In Hammelbach: Imasgo Atelier, Martine und Pascal Rüdinger und Peter Hahn, Auf der Hard 22, am Samstag, 16. September, von 15 bis 22 Uhr, am Sonntag, 17. September, von 14 bis 18 Uhr. Motto: „Afrika trifft Europa.“ Musik mit Calebassen, Kindermalprojekte und afrikanische kulinarische Spezialitäten. Zudem eine Fotoausstellung: Die Arbeitswelten – Burkina Faso (ein Land in Westafrika) und der Odenwald.

In Wald-Michelbach: „LifeCulture“, Martina Seibel und Frank Derikatz, Feriendorf 28, am 16. September von 12 bis 19 Uhr, am 17. September von 12 bis 18 Uhr. Offene Lederwerkstatt mit Vorführung und Anfertigung von etwa Gürteln und Taschen. Beobachten, Staunen und Lernen

Viel Geld zur Steigerung der Lebensqualität: Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks besichtigte unterstützte Projekte in Wald-Michelbach und Hammelbach

Eigentlich war viel mehr Zeit für den Besuch von Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks (SPD) eingeplant. Doch weil ihr Flieger von Berlin aus eine Stunde zu spät in Frankfurt landete, wurde aus der Besichtigungstour in Wald-Michelbach und Hammelbach ein Parforceritt mit nur kurzen Abstechern an den einzelnen geplanten Punkten. Allerdings wurde trotzdem deutlich, welche segensreichen Wirkungen die Städtebaumittel im Überwald hatten.

Auf Einladung der Ersten Parlamentarischen Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion und Bergsträßer Bundestagsabgeordneten Christine Lambrecht besichtigte Hendricks mit Bundesmitteln geförderte Projekte. Denn 2008 bis 2016 flossen fast drei Millionen Euro von Berlin aus in die beiden Gemeinden. Im Wald-Michelbacher Rathaus wurde die Delegation von Bürgermeister Dr. Sascha Weber begrüßt. Hier wurde in den vergangenen Jahren mit den Geldern etwa die Attraktivierung der „Gass“, der Ludwigstraße oder der Hofwiese angegangen.

Vor dem Rathaus wartete bereits eine Abordnung der Windkraft-Gegner, um der Ministerin eine Petition gegen den Windradbau im Odenwald zu überreichen, die von 2500 Bürgern unterzeichnet worden war. Sprecher Udo Bergfeld bezeichnete die Energiewende als „Niederlage für unser Land“. Mit Hendricks entspann sich eine engagierte Diskussion über das Für und Wider der Windkraft, die naturgemäß zu keiner übereinstimmenden Meinung führte.

Obwohl es Städtebauförderungsprogramm heiße, gehe fast die Hälfte der Fördersumme an kleinere Gemeinden, betonte die Ministerin. Diese Art der Unterstützung von bedürftigen Regionen sei ein deutsches Alleinstellungsmerkmal in Europa, um das man beneidet werde. Das Programm sei so wertvoll, weil erfahrungsgemäß ein Euro Fördermittel sieben Euro an privaten Investitionen nach sich ziehe. „Die Lebensqualität steigt und die Menschen fühlen sich in ihrem Ort wohl“, sagte sie.

Hendricks hob hervor, dass die Städtebaumittel in der laufenden Legislaturperiode auf stark angehoben worden seien. Im aktuellen Haushalt wende man dafür 790 Millionen Euro auf. „Das ist gut ausgegebenes Geld“, sagte sie. Auch in Zukunft werde dieses Programm ein Schwerpunkt der SPD-Arbeit sein. Zusammen mit Weber und Lambrecht nahm sie dann „Vorher-Nachher-Bilder“ der Hofwiese in Augenschein, bevor sich die gesamte Delegation mit Vertretern aus Wirtschaft und Gesellschaft sowie aus Gemeindevertretung und –vorstand auf den Weg machte, um sich alles live anzuschauen. Wie auch die erneuerte Kulturbühne zwischen den Kirchen. Im Rahmen des Förderprogramms „Aktive Kernbereiche“ wurde dieses 300.000-Euro-Projekt zu über 70 Prozent mit Bundesmitteln gefördert. Über die Wohnsituation, Immobilienlage, ÖPNV und die Eintracht der Konfessionen in Wald-Michelbach wurde ebenfalls gesprochen.

In Hammelbach ging es zusammen mit Bürgermeister Markus Röth und seinem Rimbacher Kollegen Holger Schmitt um das Geozentrum, das neben dem Irene-Turm auch Projekte in Wald-Michelbach (Steinbruch Mengelbach) und Abtsteinach (Haus der Steine) zum Inhalt hat. Schmitt kam auf die Details des Geozentrums mit dem Neubau des Turms zu sprechen. Die Lokalpolitiker zeigten sich erfreut über die Förderung an den verschiedenen Überwald-Orten. Denn sie machten den ländlichen Raum attraktiv und zukunftsfähig.

Auch der ehemalige Gasthof „Ochsen“, in den letzten Jahren aufwändig saniert, war Thema. Für eine finanzschwache Kommune wie Grasellenbach sei die Bundesförderung die einzige Möglichkeit, den Ort wieder attraktiv und lebenswert zu machen, meinte Bürgermeister Markus Röth. Er führte auch etwas zur touristischen Prägung und Ortskernbelebung etwa durch die Boule-Anlage aus.

„Das Leben vor Ort soll angenehmer gestaltet werden“, betonte Lambrecht. Das lasse sich der Bund jedes Jahr einiges kosten, denn zwei Drittel der gewährten Mittel kommen aus Berlin. „Der ländliche Raum wird nicht abgehängt“, sagte die Bundestagsabgeordnete. Denn die Mittel würden vor Ort sinnvoll zur Steigerung der Lebensqualität eingesetzt.

Die Hammelbacher Feuerwehr fährt beim Grillfest immer kräftig auf

Das Grillfest der Feuerwehr brennt nie auf Sparflamme. Denn wenn die Brandschützer zu dieser Traditions-Veranstaltung ans Feuerwehrgerätehaus rufen, lodert nicht nur ein kleines Feuerchen, sondern sie fahren kräftig auf. Das müssen sie auch, denn an den beiden Festtagen haben sie jedes Mal volles Haus. Wenn sich das Wetter wie am vergangenen Wochenende von der besten Seite zeigt, umso mehr. Dann sind schon bald nach Beginn am Samstagabend die Plätze der Sitzgarnituren gut frequentiert.

Nicht nur die Einheimischen, sondern auch viele Campinggäste schauen vorbei und lassen sich gerne von den Floriansjüngern bewirten. Dazu kommen zahlreiche Mitglieder befreundeter Wehren. Besonders freute man sich, dass diesmal die Wald-Michelbacher gleich zwei Mal vorbeischauten. Einmal nach ihrer Übung am Samstag, ein zweites Mal am Sonntag zum Frühschoppen. Örtliche Vereine bieten auch gerne ihre helfende Hand.

Über 20 Aktive und nochmal zehn Frauen oder Freundinnen helfen laut Wehrführer Marco Stein schon zwei Tage vorher mit, wenn der Aufbau ansteht oder wenn das Kuchen backen ansteht. Denn das große Zelt, der Barbetrieb, Bierwagen und Essenstheke wollen erstmal aufgestellt sein. Für die Feuerwehrleute ist das Grillfest neben der Teilnahme am Hammelbacher Straßenfest der zweite große jährliche Event.

Die erfolgreiche eingeführte Cocktailbar, an der zum Beispiel Mojito, Tequila Sunrise und der alkoholfreie San Francisco frisch zubereitet werden, fand diesmal eine Wiederholung. Ebenfalls wieder gelungen, wie der weit in die Nacht zum Sonntag hineinreichende Barbetrieb zeigte. Erst um 5 Uhr in der Früh gingen die letzten nach Hause. Aber natürlich floss auch der Gerstensaft in Strömen. Neben den fleischlichen Genüssen wie Steak und Wurst ist eine Spezialität der Flammkuchen auch in vegetarischer Ausführung.

Besichtigt werden konnten darüber hinaus die beiden Fahrzeuge der Hammelbacher Wehr. Einmal der Gerätewagen, zum anderen das LF 10 KATS mit einem 1200-Liter-Tank, das seit 2014 im Dienst der Brandschützer steht. Mit ihm könne man in der Theorie bei Katastrophenfällen auch überörtlich angefordert werden, sagte Stein. Eine Besatzung von neun Mann ist gerüstet für technische Hilfeleistung und Brandeinsätze. Das Fahrzeug sei quasi „eine fahrende Werkstatt“, so der Kommandant. Zum anderen der Pritschen-/Gerätewagen, den der Feuerwehrverein finanzierte.

Mit der Fahrzeugschau geht die Feuerwehr auch etwas auf Nachwuchsschau. Derzeit sind sechs Jugendliche in ihren Reihen aktiv. „Es könnten natürlich mehr sein“, schmunzelt Stein. Interessierte zwischen zehn und 18 Jahren sind jeden Montag ab 18 Uhr gerne bei den Floriansjüngern willkommen. Aber auch Erwachsene für die Einsatzabteilung. „Wir treffen uns 14-täglich immer donnerstags“, erläuterte der Wehrführer.

Für Musik sorgten dieses Mal „Vocal Design“ mit Siggi und Babs. Er aus Biblis, sie aus Fürth, brachten am Samstagabend Stimmung in die Bude. Gespielt wurde alles, was Spaß macht: Oldies, Schlager, Popsongs, Chartstürmer und Hitparadenmusik hoch und runter. Trotz des langen Abends war der Frühschoppen am nächsten Tag wieder sehr gut frequentiert. Steins Dank ging auch an Anwohner und Ortsbevölkerung für die fortwährende Unterstützung durch den Besuch des Grillfestes.

Fürs kommende Jahr sind die Planungen bereits angelaufen. Denn dann stehen gleich zwei Jubiläen ins Haus: 125 Jahre Einsatzabteilung und 50 Jahre Jugendfeuerwehr werden beim Grillfest gefeiert. Beides soll mit einem Aktionstag am ersten August-Wochenende begangen werden. An verschiedenen Stationen entlang des Weschnitzquellenwegs wird es für Kinder und Jugendlich viel Spiel und Spaß geben. Brandhaus, Rauchzelt oder Kistenstapeln sind nur einige der angedachten Aktionen. Außerdem ist laut Marco Stein in diesem Bereich ebenfalls eine Fahrzeugausstellung in großem Umfang geplant, unter anderem mit einer Drehleiter.

Schon in diesem Jahr, im Oktober und November, wird der Gemeinschaftsraum im Gerätehaus ein neues Outfit erhalten. Denn er ist ziemlich in die Jahre gekommen. Mit viel Eigenleistung steht die Erneuerung von Boden, Elektrik oder Küche an. „Es soll gemütlich werden“, kündigt Stein an. Die benötigten Gelder sollen über Zuschüsse fließen.

50 Jahre Pedex in Affolterbach: Mitarbeiter tragen maßgeblich zum Erfolg bei

Was wäre ein Unternehmen ohne seine treuen Mitarbeiter? Es kann wie die Firma Pedex nur deshalb über 50 Jahre hinweg erfolgreich sein, weil sich die Arbeitnehmer in der ganzen Zeit einbringen. Deshalb stand die Ehrung von langjährigen Mitarbeitern auch im Mittelpunkt des Sommerfests, zu dem die Affolterbacher Firma anlässlich ihren halben Jahrhunderts auf den Hammelbacher Sportplatz eingeladen hatten.

Florian Kisling, CEO der Perlon-Dachgruppe und gleichzeitig Geschäftsführer von Pedex, hatte für jeden Geehrten ein paar persönliche Worte parat, ehe es Auszeichnungen und Blumenstrauß gab. Einige langjährige erhielten außerdem aus den Händen der IHK-Vizepräsidentin des Bereichs Darmstadt-Rhein Main Neckar, Tatjana Steinbrenner, eine Urkunde für ihr Wirken.

Renate Sattler hatte dabei die meisten Jahre „auf dem Buckel“. Sie begann vor 45 Jahren noch als Renate Hering ihre Ausbildung als Bürogehilfin. Die altgediente Angestellte erlebte laut Kisling in dieser Zeit „viele Umstrukturierungen und interne Wechsel“ mit. Die Jubilarin ist eine Konstante in der Firma: „Sie kennt jedes Gesicht, jeden Namen und jede Personalnummer.“

30 Jahre sind Attila Prikel, Giovanni Lima und Holger Speckhardt der Firma treu. Letzteren charakterisierte der Geschäftsführer als „ruhigen Pol“. Prikel wiederum setzte sich lange Jahre als Betriebsratsmitglied und zwischenzeitlich auch Vorsitzender des Gremiums für die Belange der Kollegen ein. Hobby-Biker Lima ist Schichtführer in der Extrusion und „Spaßvogel der Truppe“.

Hans Stingl, der „inoffizielle Parre von Kocherboch“, legt nach den Worten von Kisling Wert darauf, „im Unnerdorf“ zu wohnen. Der bekennende HSV-Fan ist seit 1992 dabei und kam von der Coronet-Metallwarenfabrik nach Affolterbach. Ebenfalls 25 Jahre arbeitet Dalibor Omcikus bei Pedex. Nach seiner Ausbildung als Industriemechaniker arbeitet er in der Schlosserei und Instandhaltung. „Durch lukrative Verbesserungsvorschläge trug er immer wieder zum Erfolg des Unternehmens bei“, freute sich der CEO.

Christina Hintenlang, Yvonne Sattler, Tatiana Finke und Carmen Tschulik halten dem Betrieb schon seit 20 Jahren die Treue. Tschulik ist seit langer Zeit im Betriebsrat tätig und setzte sich dort „permanent für bessere Bedingungen der Kolleginnen in der Konfektion ein“. Zehn Jahre sind Marko Camber und Oktay Mamaci dabei.

IHK-Vizechefin Steinbrenner überbrachte die Glückwünsche der südhessischen Unternehmen. Höhen und Tiefen, wie sie auch die Pedex durchlebte, „sind uns allen bekannt“, meinte sie. Es sei immer wichtig, in die Zukunft zu schauen. Die immer größer werdende Ausrichtung aufs Internet und damit die „Industrie 4.0“ mache auch vor den produzierenden Betrieben nicht halt. „Das wird uns immer mehr beschäftigen.“

Ganz wichtig, so Steinbrenner, sei es, die Mitarbeiter „auf die Reise mitzunehmen“. Denn ohne diese „kann es nicht funktionieren“. Für die Unternehmer sei klar: „Allein schaffen wir es nicht.“ Sie thematisierte auch den zunehmenden Fachkräftemangel. Hier konnte Kisling Positives vermelden: Über den Sommer wurden vier Stellen ausgeschrieben. Auf diese gab es jeweils sehr viele Bewerbungen. „Was uns zeigt, dass wir ein attraktiver Arbeitgeber sind.“ Er nahm im Anschluss die IHK-Urkunde zum 50. Jubiläum der Firma entgegen.

„Wir sind sehr stabil und wachsen weiter“, sagte der CEO zur Geschäftsentwicklung. Das erkenne man auch an der Mitarbeiterzahl. 2005/06, rund um die Coronet-Insolvenz, von der die Pedex als Teil davon ebenfalls betroffen war, waren es 80. „Heute zählen wir 144“, wies Kisling darauf hin, dass es seither eine stete Aufwärtsentwicklung gab. Allerdings – auch wenn es dieses Mal sehr viele Bewerbungen auf die vier Stellen gab – „wird es immer schwerer, neue Angestellte zu finden“. Für das Werk Affolterbach hatte er gute Nachrichten: „Es soll weiter ausgebaut werden.“

Das hörte der Wald-Michelbacher Bürgermeister Dr. Sascha Weber gern. Er sei „glücklich und froh“, ein solch erfolgreiches Unternehmen in der Gemeinde zu haben. „Das ist auch ein Erfolg der Belegschaft“, so Weber. „Für die kommenden 50 Jahre“ wünsche er alles Gute, meinte der Rathauschef augenzwinkernd. Dem offiziellen Teil schloss sich ein gemütliches Beisammensein der Mitarbeiter an. In einem Fußball-Freundschaftsspiel standen sich dann die Soma des SV Hammelbach und eine Perlon-Pedex-Auswahl gegenüber, das die Senioren mit 5:2 gewannen.

Bei Vollmond wurde in Hammelbach die Nacht zum Traum

Fritz Röth ist ein lebendes Motorrad-Lexikon. Sein Motorradmuseum ist jedes Jahr bei der Traumnacht geöffnet, wie auch das Museum für alte Läden und Reklame weiter oben in der Straße. Beide Orte bilden den Schwerpunkt der Museumsmeile im Ort, die jedes Jahr sehr viele Besucher anziehen. Zwischendrin, bei evangelischer Kirche und Kapellruine, gab es dann Balsam für die Ohren. Den Eisenbahnfreunden konnte man im Schultheißenhaus über die Schulter schauen. Organisiert wird alles vom Kulturbüro.

Seine Begeisterung über alles, was zwei Räder hat, hat Röth auch an seine Frau Johanna und Sohn Matthias weitergegeben. Die wissen ebenfalls zu jedem Ausstellungsstück Bescheid. Sein besonderer Stolz ist eine MotoGuzzi von 1934 mit liegendem Einzylinder. Der Beiwagen hat einen „Schwiegermutter-Sitz“, also eine dritte Mitfahrgelegenheit. „Denn damals war das Motorrad ein Familienfahrzeug“, wusste Matthias Röth. Autos waren Mitte der 30er Jahre in Italien noch nicht so weit verbreitet.

Das Motorrad hat Fritz Röth vor mehr als 20 Jahren direkt aus Italien geholt, erinnert sich seine Frau Johanna. „Von einem alten Herrn, der es in gute Hände angeben wollte.“ Es wurde in einer Fabrik am Comer See hergestellt, in Mandello dell’Ario. Das Adler-Emblem der Firma auf der 500ccm-Maschine, erläuterte Matthias Röth, sei dem ursprünglichen Firmenzweck gewidmet. Denn MotoGuzzi stellte zuvor Fluggeräte für die italienische Luftwaffe her.

Zu Fritz Röth kamen in den 70er Jahren die Motorrad-Enthusiasten, als der Run auf die zwei Räder noch nicht eingesetzt hatte. „Das waren alles Liebhaber“, erinnert er sich. Die ihn fragten: „Kannst du mir nicht diese oder jene Maschine organisieren?“ Auf diese Weise machte Röth den Namen Suzuki in Deutschland groß, brachte Ducati, Honda oder MotoGuzzi nach Deutschland und in den Odenwald.

Oder die Horex, für die er die Markenrechte erwarb und dann in einem Zweigwerk von Fichtel und Sachs in Portugal produzieren ließ. „Davon wurden 10.000 Stück in Deutschland verkauft“, weiß der Motorrad-Grandseigneur noch, als ob es gestern gewesen wäre. Auch wurden 20 Rennmaschinen gebaut.

Fritz Röth muss man nur einen Markennamen hinwerfen und sofort kommt er ins Erzählen. Kein Wunder, denn über 40 Marken gingen im Laufe des Berufslebens bereits durch seine Hände. Darunter auch solche Exoten wie MZ, Jawa oder Simson. „Wo ein Motor mit zwei Rädern dran war, bin ich dabei gewesen“, macht der eingeschworene Hammelbacher klar, dass ohne ihn die Geschichte des Motorrads in Deutschland ganz anders verlaufen wäre.

Was sich auf zwei Rädern alles beim Trial anstellen lässt, demonstrierten vor den Ausstellungsräumen die Fahrer des MSV Hammelbach. 25 von ihnen sind aktuell bei Meisterschaften aktiv und an 35 Wochenenden im Jahr unterwegs. Mit vier oder fünf Jahren können die Kids mit diesem Sport bereits starten, die Ältesten im Verein sind an die 70 Jahre alt. Werbung für das zwei Mal pro Woche stattfindende Training gab’s auch gleich obendrauf.

Während beim Motorradmuseum die Band „Nachtkrapp“ mit Rockrhythmen für schöne Unterhaltung sorgte, waren es beim Museum für Alte Läden und Reklame traditionell die „Bonanzaz“. Akkordeon, Mundharmonika und zwei akustische Gitarren sorgten für treibenden Sound, der die Gäste mitriss. Am Beginn der Museumsmeile gab es Gutes aus der Thai- und syrischen Küche, an deren Abschluss feine Brände, Kartoffelspalten oder auch Crepes. Eine große Menschentraube hatte sich dort schon traditionell eingefunden.

Es war wie eine Zeitreise 50, 80 oder 100 Jahre zurück: Eine alte Registrierkasse erinnerte an Kaiser- und Weimarer Zeit, der Gemischtwarenladen ließ die Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg lebendig werden: Das Museum für Alte Läden bot auf kleinstem Raum einen Blick zurück in die Zeit zwischen 1900 und 1960, lässt die Besucher in Nostalgie schwelgen. Und davon waren es viele während der Überwälder Traumnacht, die einen Blick in einen der Original-Läden werfen wollten.

Gleich am Eingang steht ein kompletter Apothekerschrank mit zahlreichen Mittelchen. Der Kobold von der Schokoladenfabrik Altona spuckte früher „Vanille Krem Schokolade“ aus, geworben wurde für Knorr Suppen oder mit „Aber Tantchen, man wäscht doch mit Persil“. Seit Frühjahr 2014 sind hunderte Original-Artikel und zahlreiche Emaille-Reklameschilder in historischem Ambiente zu finden. Dr.-Oetker-Puddingpulver, noch volle Coca-Cola-Flaschen, Zopfspangen, Persil-Waschmittel und unzählige andere Waren aus alten Tante-Emma-Läden gibt es hier zu bestaunen.

Zum Schluss zog Raimund Bach fürs Kulturbüro ein fast überschwängliches Fazit: „Das war ein klasse Fest, die Leute waren super drauf – und bis spät in die Nacht unterwegs.“ Besonders beeindruckend war seinen Worten zufolge der Auftritt des MGV Union in der Kapellruine. „Da herrschte bei Vollmond eine ergreifende Stimmung.“ Und es kamen 100 Zuhörer: ein Riesenerfolg. Später wurde noch mit den „Bonanzaz“ weitergefeiert und getanzt