Austausch bei Windbeuteln über Windkraft

Die Lage ist einfach nur sehr idyllisch. Saftig-grüne Wiesen, dunkle Wälder ringsherum, viel Sonne: So herrlich liegt das Café Bauer im Gassbachtal. Von der Terrasse aus kann man in absoluter Ruhe den Blick über die Odenwald-Landschaft schweifen lassen. Bis er an dem Windrad hängen bleibt, das direkt über dem Waldstück in die Höhe ragt. Ein passender Ort für Landrat Christian Engelhardt, um unter dem Motto „Nachhaltiger Klimaschutz gegen nachhaltiger Landschaftsschutz“ über Windkraft ins Gespräch zu kommen.

Von der Walburgiskapelle aus war die kleine Gruppe zuvor mitten durch die Windenergieanlagen des Kahlbergs hinüber nach Hammelbach gewandert. Engelhardt besorgte sich noch kurz seine Sonnencreme, bevor man Open-Air Platz nahm. Roland Bauer gab dort Infos zum 1965 von seinem gegründeten Café, das er seit dem Jahr 2000 leitet. Spezialität: Windbeutel. Bürgermeister Markus Röth zeigte sich „froh über das Gassbachtal“, das „hochfrequentiert von Touristen“ sei. Die Windkraft sah er im Spannungsfeld zwischen Natur und Tourismus.

Röth war das „schwierige Feld“ bewusst, auf dem er sich bewegte. Denn Diskussionen seien leider „gar nicht großartig sachlich möglich“. An diesem Tag sowieso nicht, denn Windkraftgegner waren zu dem Termin nicht eingeladen. Mit dem BUND Bergstraße und seinem Vorstandssprecher Guido Carl kam allerdings ein expliziter Befürworter dieser Form der Erneuerbaren Energien ausführlich zu Wort.

Im Bereich Kahlberg arbeiteten laut Röth die Gemeindevertretungen von Grasellenbach und Fürth einvernehmlich zusammen. Zusammen mit einer guten Information der Bürger sah der Bürgermeister dies mit als Grund, dass es „eine im Vergleich ruhige Ecke“ sei, wenn es um Proteste gehe. Jedoch gibt es seinen Worten zufolge „sicherlich Dinge, die Anwohner stören könnten“. Deshalb sollte man eventuell auch Nachuntersuchungen ins Auge fassen und über die Abschaltzeiten reden.

„Wenn das mit den Leitungen funktionieren würde“, so Röth, könnten theoretisch 18.000 Haushalte und somit mehr als der gesamte Überwald durch die fünf Windräder mit Strom versorgt werden. „Auf jeden Fall besser als Kohlestrom oder Atomkraft“, postulierte er die Rotoren als eine Art kleineres Übel. Windkraft ist seiner Meinung nach „machbar und sinnvoll, wenn der Odenwald nicht zugekleistert wird“.

Wenn es aber zu viele Anlagen werden, meinte er mit Blick auf den benachbarten Odenwaldkreis, in dem mehr Vorrangflächen als im Kreis Bergstraße ausgewiesen sind, „dann ist der Grundkonsens in der Bevölkerung weg“. Deshalb müsse die Landesregierung auch darauf achten, „dass die Verteilung nicht zu ungleich wird“.

Laut Engelhardt ist die Position des Kreises eindeutig. Oder anders: Er hat keine eigene dazu und unterstützt die Kommunen in ihren jeweiligen Ansinnen, egal wie die jetzt aussehen – ob sie für oder gegen Windkraft ausgerichtet sind. Denn: Diese Energieform leiste ihren Beitrag zum Klimaschutz, aber sei in ihrer Auswirkung doch sehr lokal bezogen, sagte der Landrat. Da die Gemeinden für die Lebensverhältnisse vor Ort zuständig sind, wolle man diesen die Entscheidung überlassen. Denn: Was geschehe, muss in einen demokratischen Prozess einbezogen und „dauerhaft mehrheitsfähig sein“.

Fürths Bürgermeister Volker Öhlenschläger erläuterte, dass man sich im Weschnitztal „dem Thema frühzeitig stellte“, nämlich schon ab 2009. Zum Kalhberg gab es dort ein klares Bekenntnis. Die weitere Entwicklung, betonte er, sollte weitgehend im Konsens mit dem Bürgern gestaltet werden. „Sonst werden wir Schiffbruch erleiden.“ Öhlenschläger ist eine klare Linie, eine ordentliche Steuerung wichtig, „damit die Menschen keine Angst haben“.

Laut dem Gemeindeoberhaupt hat die Anlage auf dem Kahlberg den höchsten Ertrag der fünf ähnlich gelagerten EnBW-Anlagen in Süddeutschland. Gewerbesteuer wird daraus in den ersten Jahren noch keine fließen, da es hohe Abschreibungen aus den Investitionen gibt. Die Pachteinnahmen für die Grundstücke teilen sich beide Gemeinden hälftig. „Wir wollen gestalten“, betonte er, um die weitre Planung nicht über sich ergehen zu lassen.

Der BUND versteht sich laut Carl „als Energiewendeverband“. Der Klimawandel komme viel schneller als erwartet und deshalb müsse zügig gehandelt werden. „Wo ist die Alternative zur Windkraft“, stellte er in den Raum. Es gehe nicht um die Frage, wie viel es sein solle, sondern „wie wenig wir uns noch leisten können“, um den Klimawandel aufzuhalten. Die Menschen, so seine Vermutung, „werden sich daran gewöhnen und in Zukunft ihren Frieden damit machen“.

Werbeanzeigen

Dichtes Gedränge auf der Hammelbacher Festmeile

Ein Straßenfest ohne ein paar Tropfen Regen – das gibt es nicht, hieß es lachend von mehreren Seiten. Es waren gestern gegen 13 Uhr zwar mehr als nur ein paar Tropfen, aber das konnte die Feierwütigen nicht schrecken. Die Besucher verzogen sich kurz in die vielen Zelte der Vereine, um dann, als die Sonne wieder rauskam, in noch größerer Zahl die Festmeile zu bevölkern und den vielen Angeboten kräftig zuzusprechen.

Denn das Straßenfest ist einfach ein Selbstläufer. Egal ob glühende Hitze wie in den vergangenen beiden Jahren oder Regen, nicht nur die Einheimischen, sondern viele Gäste aus dem Überwald und dem benachbarten Weschnitztal strömen in den Grasellenbacher Ortsteil, um dort ein paar unbeschwerte Stunden zu verleben, die vielfältigen kulinarischen Spezialitäten zu genießen und das eine oder andere Schwätzchen mit Bekannten zu führen. An manchen Stellen herrscht dann kein Durchkommen mehr.

Bereits zum Frühschoppen gibt es schmissige Klänge. Im schützenden Schatten einer Scheune haben sich die Mitglieder der Blasmusik Schimmeldewog niedergelassen, um die Gäste mit einem Best-of ihres Repertoires unter Leitung von Christian Schuppel zu unterhalten. Am Nachmittag finden sich dann über 40 Mitglieder der Scharbacher Chöre vor dem eigenen Stand ein, um unter dem Dirigat von Susanne Hoffmann-Rettig ein paar Lieder zu singen.

Die Farbe Rot dominiert an deren Stand. Selbst die Servietten haben ein Erdbeer-Logo. Der passionierte Koch Marcello Cappello hat wieder einmal seiner Kreativität freien Lauf gelassen und Erdbeeren in fester und flüssiger Form verarbeitet: ob light als alkoholfreie Bowle erfrischend, ob spritzig beschwingt mit Prozenten, als Frucht-Spieß oder, sehr sättigend, als Tiramisu mit Mascarpone und Mango. 60 Portionen von diesem Gaumenschmaus bereitet er immer zu. Als Grundstoff für alles ordert Cappello zehn Kisten Erdbeeren beim örtlichen Obsthändler. Inflation gibt es bei den Chören nicht. „Wir haben noch die gleichen Preise wie vor sechs Jahren.“

Der Spießbraten ist beim DRK Hammelbach eine feste Bank, freut sich Vorsitzender Thorsten Metz. „Unsere Stammgäste kommen extra von weiter her dafür aufs Fest“, weiß er. 50 Kilo Fleisch werden an einem Tag verputzt. Am Grill schwingen seit mehr als zwei Jahrzehnten Axel Bauer und Hans Wolk das Zepter – egal bei welchen Wärmegraden. 20 Helfer sind in der Mittagszeit am Springen, damit die vielen hungrigen Mäuler gestopft werden können.

Der türkisch-islamische Verein aus Wahlen, mit von Anfang an beim Straßenfest dabei, ist dieses Mal an anderer Stelle anzutreffen. Denn zwischenzeitlich kann man auf einen Imbisswagen zurückgreifen, in dem sich der Dönerspieß dreht. Dafür ist mehr Platz notwendig. Deshalb tauschte der Verein mit dem SV Hammelbach. Um die 50 Familien sorgen dafür, dass an leckeren türkischen Spezialitäten kein Mangel herrscht.

„Seker pare“ nennt sich eine Süßspeise, die wie ein Cookie gebacken, aber dann in eine Zuckerlösung eingelegt wird, erklärt Didem Baris. „Sigara Börek“ sieht aus wie eine Zigarre und ist ein Blätterteig, mit türkischem Schafkäse gefüllt. Weinblätter und Couscous gibt es ebenso wie Yufka, ein hauchdünner, gerollter Blätterteig mit Spinat und Schafskäse – alles am Abend vorher selbstgemacht. Dieses Jahr neu dabei: „Dolmar“, gefüllte Paprika, und Iįli Köfte, eine Teigtasche mit Hackfleischfüllung.

Trialvorführungen der MSVg Hammelbach finden auf dem Parkplatz oberhalb des Aicher Cents statt. Lucy Arnold, der erst sechsjährige Malte Frankenberger, Leonard Hoffmann und Sandro Melchiori zeigen ihre Künste unter anderem am „Oxxe“. Dahinter verbirgt sich ein 1,50 Meter hohes Hindernis, aus dem die Sportler quasi aus dem Stand hochfahren.

Die Vereinsmitglieder haben unabhängig davon auch genug zu tun, denn an Getränke- und Essensstand war konstant viel los. Das dazugehörige Festzelt mit entweder Schatten oder Regenschutz erfreut sich den ganzen Tag über eines regen Betriebs. „Trotz des anfänglichen Regens ist viel los“, sagt Angelika Schwabedissen. Als es goss, wurde das Zelt einfach auf der Seite zugemacht, prompt bleiben alle trocken.

Die Brandschützer sind seit Beginn 1979 dabei. Seit eh und je wird dort Äppelwoi in verschiedenen Varianten gereicht. Klassiker sind daneben Obstweine in den Geschmacksrichtungen Kirsche, Erdbeere oder Brombeere. Spezialität dieses Mal: „Lillet Wild Berry“. Während 20 Wehrleute als Durstlöscher für die Gäste im Einsatz sind, kümmern sich weitere inklusive sechs Mitgliedern der Jugendfeuerwehr um die Bespaßung der Kinder: Entenangeln und die simulierte Löschung eines brennenden Hauses stehen hoch im Kurs.

„Wir sind mitten im Geschehen“, schmunzelt SV-Vorsitzender Rainer Wolk nach dem Platztausch. Auch er stellt keinen Rückgang der Besucherzahlen fest, nur weil es bisschen feucht wird. Das gehört doch zum Straßenfest dazu, lacht er. Völlig im Trockenen waren natürlich die Eisenbahnfreunde, die sich traditionell im Schultheißenhaus präsentieren. Zu den verschiedenen Anlagen kommen immer wieder Neuerungen dazu. Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder, um an ihren Anlagen „rumzuschrauben“.

Museen erlebbar machen: Zwölfte Überwälder Traumnacht am 13. Juli

Diese Nacht verspricht wieder ein Traum zu werden. Am Samstag, 13. Juli, findet von 18 bis 24 Uhr die zwölfte Überwälder Traumnacht an zwölf verschiedenen Stationen statt. Das Programm stellten nun der Geschäftsführer der Zukunftsoffensive Überwald (ZKÜ), Sebastian Schröder, und der Vorsitzende des Museums- und Kulturvereins, Gundolf Reh, vor. Das Geopark-Infozentrum in Aschbach als Treffpunkt hatte eine besondere Bedeutung. Denn der Ort feiert in diesem Jahr 650-jähriges Bestehen, wozu das Wiesental an diesem Abend illuminiert werden soll.

„Kunst, Kultur und Ambiente“ sind laut Schröder auch in diesem Jahr die Schlagworte der Veranstaltung. Das Konzept mit der Museumsöffnung und der dortigen Bewirtung „hat sich bewährt“, sagte er. Der schon bisher eingesetzte Shuttlebus wird seinen Worten nach erweitert. In der Stoßzeit ab 22 Uhr kommt ein drittes Fahrzeug hinzu. Die Besucher können an diesem Abend zu zwölf Stationen in Abtsteinach, Wald-Michelbach und Grasellenbach pilgern.

Der Geschäftsführer hoffte, dass sich wieder genug Freiwillige finden, die über den Klingelbeutel um Unterstützung für die Traumnacht in Form eines Kulturbeitrags bitten. Denn: „Die Veranstaltung bleibt kostenfrei“, betonte er. Die vielen Sponsoren und Partner leisteten ihren Beitrag dazu, dass man in den vergangenen Jahren immer eine schwarze Null schreiben konnte. Die ist auch 2019 wieder das Ziel, gutes Wetter vorausgesetzt. Was es aber bei den vergangenen elf Versionen immer gab. Schröder wies auf die neue gestaltete Homepage für die Traumnacht hin, die durch einen Überwälder Webdesigners erstellt wurde.

Präsentiert werden kulturelle Schätze in lebendiger und anschaulicher Weise. Musikfreunde, Museums- und Kleinkunstliebhaber kommen bei den vielen verschiedenen Programmpunkten in und zwischen den Museen voll auf ihre Kosten. Eine bunte Palette interessanter Künstler, Führungen und kulinarische Köstlichkeiten werden auch die zehnte Traumnacht zu einem einzigartigen Erlebnis machen. Um alle Stationen bequem erreichen zu können, sind wieder kostenlose Shuttlebusse im Einsatz.

„Wir wollen die Museen erlebbar und die Kultur des Überwalds zum Event machen“, sagte der ZKÜ-Geschäftsführer. Grasellenbachs Bürgermeister Markus Röth freute sich über „die hervorragende Frequentierung“ dieser einzigen sommerlichen Nachtveranstaltung an mehreren Orten. Für ihn ist es einzigartig, dass der Überwald in dieser Form verbunden wird. „Es gibt selten so viel Mobilität zwischen den einzelnen Orten“, freute sich Röth.

Abtsteinachs Rathauschefin Angelika Beckenbach würdigte das besondere Flair und reichhaltige Angebot. Kultur und Kunst verbindet die Kommunen im Überwald, sagte sie. „Wir treten gemeinsam auf“, blickte sie auf das Zusammenwirken der drei Orte. „Wir gehen von 2500 bis 3000 Besuchern aus“, ergänzte Schröder. Die kommen beileibe nicht nur aus den Teilnehmer-Gemeinden, sondern auch von auswärts bis an die Bergstraße und in den Odenwaldkreis.

Die Hausherren in Aschbach sorgen für die ansprechende Wiesental-Beleuchtung und öffnen das infozentrum, wo es neben der Ausstellung zu den Odenwälder Steinen und Steinbrüchen auch Infos zur Ortsgeschichte gibt. Neben dem Männerquartett und dem Projektchor des Gesangvereins tritt auch die Formation „650 Jahre unplugged“ mit Überwälder Musikern auf.

„Wir machen es uns nicht einfach bei der Auswahl der Künstler“, hob Traumnacht-Urgestein Gundolf Reh hervor. Das Augenmerkt liegt darauf, die Gestaltung immer interessant zu halten. Reh ist bereits seit der ersten Ausführung dabei. Die Bedeutung dieser Veranstaltung ist seiner Meinung nach nicht hoch genug einzuschätzen. „Wir zeigen, was der Überwald alles zu bieten hat“, erläuterte er. Die Resonanz egal von Besuchern oder Einheimischen ist jedes Mal positiv.

Programm-Auswahl

Eine schöne Tradition ist bereits die Teilnahme der Sommerspiele Überwald, die an verschiedenen Stationen Ausschnitte ihres neuen Stücks „Michael Hely“ aus der Feder von Adam Karrillon präsentieren (19 Uhr, Ober-Abtsteinach, Pfarrgarten; 20.30 Uhr Hofwiese; 22 Uhr Affolterbach, Gustav-Adolf-Kirche).

Ebenfalls wieder dabei: die „Timeless Blues Band“. Eigentlich, schmunzelte Gundolf Reh, sollte es im Programm keine schnelle Auftritts-Wiederholung geben. „Aber die waren so gut, dass wir sie wieder haben wollten.“

Gesetzt sind die „Bonanzaz“ ab 20.30 Uhr beim Museum für Alte Läden und Reklame in Hammelbach, das an der Traumnacht öffnet.

In Wald-Michelbach tritt das örtliche Musik-Urgestein Ludwig Münch mit seinen „Rockefellers“ am Einhaus auf. „Der macht schon seit 40 Jahren Musik“, weiß Reh. In den letzten Jahren gab es mehrfach die Anregung, ihn mit ins Boot zu holen, was man jetzt tat.

Helmut Kadel auf Quetschkommode und an der Sackpfeife ist ab 19 Uhr am Überwaldmuseum anzutreffen. „Er möchte mit den Zuschauern Lieder singen“, kündigte Reh an. Am Museum gibt es auch wieder Besenbinder- und Stuhlflechter-Vorführungen. Die Union singt gegen 23 Uhr.

Der 90 Jahre alte Posaunenchor im evangelischen Kirchgarten von Wald-Michelbach (19 und 21 Uhr), die Union an der Kapellenruine Hammelbach (22 Uhr) und der MGV Wallonia Wahlen an der Gustav-Adolf-Kirche Affolterbach zur Eröffnung: Auch die Vereine bringen sich kräftig ein.

Die Freifahrten mit der Solardraisine am Bahnhof Ober-Wald-Michelbach starten um 18 Uhr (bis 22 Uhr). Es gibt nummerierte Tickets im Bereich des Bistros B10. Für eine (kostenpflichtige) exklusive VIP-Tour um 17.15 Uhr ist eine telefonische Voranmeldung unter 06207-2049130 nötig.

Ober-Abtsteinach, Pfarrgarten: 19.30 Uhr „Schulzes“, außerdem Kirchenführungen.

Aschbach, Heckenmühle: Dr. Soul & Mr. Blues ab 19 Uhr

Hammelbach, Motorrad-Museum: Führungen, Trial- und Filmvorführungen, Vortrag „30 Jahre Mauerfall“ (21.15 Uhr); evangelische Kirche, Fotoausstellung von Jürgen Busse; Eisenbahnmuseum geöffnet.

Wald-Michelbach, katholische Kirche: Friedensgebet von 20 bis 21 Uhr.

Siedelsbrunn, „Krone“: Ausstellung von Klienten der Systelios-Klinik.

Krönender Abschluss ist die Lasershow auf der Hofwiese Wald-Michelbach ab 23.40 Uhr.

Infos: Alle Programmpunkte auf http://www.ueberwaelder-traumnacht.de

Artenschutz beim Windradbau: „Wer bedrohte Vogelarten finden will, der findet sie auch“

Wie bestellt fliegt zum Ortstermin ein Schwarzmilan vorbei. „Ich beobachte hier 20 Überflüge pro Tag“, erzählt Dirk Bernd. Nicht nur des Schwarzen, auch seines roten Bruders. Der Artenschutzgutachter aus Lindenfels steht gerade auf einem Feldweg zwischen Weschnitz und Ober-Ostern, unterhalb der Windenergieanlage Kahlberg, von dem aus man eine herrliche Sicht bis zu Schloss Reichenberg, zu Stotz und Range, Richtung Rohrbach mit Lärmfeuer und Morsberg sowie Hammelbach hat.

Dirk Bernd sieht sie alle, die bedrohten Arten. Die auf der roten Liste stehenden Schwarzstörche fliegen bei seinen Untersuchungen mehrmals am Tag vorbei. „Ginge es nach dem Artenschutz, dürfte im Odenwald kein einziges Windrad betrieben werden“, macht der renommierte Fachmann klar. Denn wer will, der findet. Und zwar reichlich. Nicht nur vorbei fliegende Tiere, sondern auch Horste. „Wir haben hier ein Brut- und Nahrungshabitat für Rot- und Schwarzmilan, ein Dichtezentrum mit regelmäßigen Überflügen“, hebt er hervor.

Die Betonung Bernds liegt auf dem Wollen. Er wurde bei seinen faunistischen Gutachten bisher in allen Gebieten fündig, wo vorher bestellte Gutachter der Betreiber so gut wie nichts entdeckt hatten. Auf seinen Untersuchungen basieren im Odenwald sämtliche sogenannten „Weißflächen“ im aktuellen Windkraft-Regionalplanentwurf, wo aufgrund der Gutachten-Ergebnisse die Planungen erst einmal zurückgestellt werden. Heute entscheidet in Frankfurt die Regionalversammlung über diesen Plan. Eigentlich, sagt Bernd, müssten die Windkraft-Planer diese Aufgaben übernehmen. „Aber die könnten ja bei Funden nichts durchbringen.“ Und zu finden gibt es viel.

Dirk Bernd ist in seinem Element, wenn er über seinen Beruf spricht. Man merkt ihm die Sorge um die Natur an. „Es ist extrem, was wir hier kaputt machen“, bedauert er. „Ich mache es für die Sache und hoffe, dass es was bringt.“ Um gleich danach den Finger in die Wunde zu legen: „Unseriöser geht’s kaum“, meint er zur bisherigen Genehmigungspraxis bei Windkraftanlagen, seien es nun Greiner Eck, Stillfüssel oder Kahlberg. „Der Willkür ist Tür und Tor geöffnet.“

Die fünf Windräder auf dem Kahlberg drehen sich an diesem Tag mit etwa 150 Stundenkilometern, schätzt der Gutachter. 300 sind das Maximum. 2016 beobachtete er hier noch 30 Überflüge des europaweit geschützten Rotmilans an einem Tag. Als dann gerodet wurde, waren die entstandenen Freiflächen ein beliebtes Jagdrevier des Raubvogels. „Die Zahl der Überflüge blieb gleich, aber die Verweildauer stieg auf das Sechsfache an“, beobachtete er.

Mit dem Start der Rotoren begann das große Gemetzel. „Eine Zeitlang geht das noch gut“, weiß der Fachmann. Aber nicht lange. Denn der Rotmilan, an der Spitze der Nahrungskette, „erkennt die Rotoren nicht als Gefahr“, erläutert Dirk Bernd. Er fliegt zwischen ihnen hindurch und spielt unfreiwillig Russisch-Roulette. Mal geht es gut, mal nicht. Eine Tötung des Vogels wird für ihn deshalb billigend in Kauf genommen. „Das ist absolut wiederrechtlich und illegal“, macht er seinem Frust Luft.

Die aktuell 40 und mehr werdenden Windräder im Odenwald „hält keine Rotmilan-Population aus“, warnt er. Die Bestände an Vögeln „werden den Planungen angepasst“, kritisiert der Gutachter. Nicht nur bei diesen: Abstände zu Quartierbäumen der Mopsfledermaus wurden laut Bernd immer mehr verringert, von 5000 auf jetzt 200 Meter. „Sonst könnte man etwa im Spessart überhaupt kein Windrad bauen.“

Dirk Bernd machte auch zahlreiche Brutpaare des Rotmilans im Bereich um den Kahlberg aus. „Die drei am nächsten gelegenen waren ein Jahr später (nach Inbetriebnahme des Kahlberg-Windparks, d.Red.) nicht mehr da“, klagt er an. „Die Projektierer haben keinen davon gesehen“, moniert er. Dabei gehören doch „Rotmilan und Odenwald zusammen“, weist er auf das hohe Vorkommen hin.

Bei Raumanalyen „kann man tricksen“, schildert der Planer. Das betreffende Gebiet wird in bestimmte Raster eingeteilt, die weniger beflogenen werden rausgezogen und für Windradbebauung zur Verfügung gestellt. Nur: „Der Rotmilan hält sich nicht an Flugbahnen und Rasterkästchen.“ Diese Art der Arbeit dient seiner Meinung nach nur dazu, „die Pläne zu realisieren“. Aus Erfahrung weiß Bernd, dass sich Raumanalysen von einem zum anderen Jahr „diametral unterscheiden“. Die Vögel fliegen nicht dahin, wohin sie sollen.

„Wenn einer nichts sehen will, ist immer eine Genehmigung zu kriegen“, schildert der Fachmann. Damit war es einfach, meint der Gutachter ironisch, „kein erhöhtes Tötungsrisiko festzustellen“. Denn dessen Existenz würde das Aus für einen Windpark bedeuten. Da aber genau dieses nach all seinen Untersuchungen besteht, „dürfte hier (und damit meint er den ganzen Odenwald, d.Red.) nicht gebaut werden“.

„Egal wo ich nachgeschaut habe, ich habe immer etwas gefunden“, verdeutlicht Dirk Bernd die existierenden Populationen. Und fügt hinzu: „Ich kann meine Argumentation sehr gut begründen.“ Er arbeite mit den aktuellen Methoden-Standards, dokumentiere seine Sichtungen in der Regel mit Bildern.

Stellt Bernd etliche Überflüge und Horste bedrohter Arten fest, ein anderer, von den Firmen beauftragter Gutachter aber nicht, „folgte die Genehmigungsbehörde dem politischen Druck“, moniert er. Und winkte die Windräder durch. Erst in letzter Zeit ändert sich daran etwas, siehe Weißflächen.

Wobei diese ja auch nicht für alle Zeit aus der Planung sind, sondern nur ein paar Jahre. Was für den Fachmann absoluter Blödsinn ist. „Der Schwarzstorch hält an seinem Revier fest“, betont er. „Der ist eigentlich nie weg.“ Horste werden im Umkreis von ein paar hundert Metern gebaut. Damit sind laut Bernd die Weißflächen Augenwischerei, da sich der Status Quo nicht ändern wird. Außer es werden die Bäume gefällt, wo sich die Horste befinden, wie es vergangenes Jahr am Morsberg bei Reichelsheim geschah. Und selbst dann bauen der Rotmilan oder Schwarzstorch im Umfeld einen neuen Horst, den es dann wieder zu finden gilt.

Info: Dirk Bernd hat ein Buch zum Thema veröffentlicht: „Windindustrie versus Artenvielfalt – Eine Studie über die Auswirkungen der Windenergienutzung auf Großvögel- und Fledermausarten am Beispiel Odenwald und weiteren Mittelgebirgsräumen“. Man kann es kostenlos als Pdf unter www.muna-ev.com/veröffentlichungen/ herunterladen.

Kahlberg-Schwarzstörche

Die Windräder am Kahlberg „liegen zwischen den Horsten von drei Schwarzstorch-Brutpaaren“, sagt Dirk Bernd. Die gehen an Weschnitz und Ulfenbach zur Nahrungssuche runter und überfliegen dabei regelmäßig die Rotoren. Aufgrund des Flugradius’ der Tiere „müsste man in einem Zehn-Kilometer-Umkreis prüfen“, hebt er hervor. Obwohl der Genehmigungsbehörde Bilder von Schwarzstörchen, sogar von einem Paar aus den Monaten Mai und Juni vorlagen, sei der Windpark in Betrieb gegangen. Begründung: „Die Vögel könnten auf dem Zug gewesen sein.“ Der Gutachter weiß nicht, ob ihn das zum Lachen oder Weinen bringen soll. Denn: „Die Schwarzstörche kommen bereits im März.“ Sein Fazit: „Es wird gebogen und gelogen, um eine Genehmigung zu erhalten.“

Zur Person

Dirk Bernd (47), aus Heppenheim stammend, wohnt seit zwölf Jahren in Lindenfels und betreibt dort ein Büro für Faunistik und Landschaftsökologie. Er erstellt als Gutachter Flächennutzungspläne für Gemeinden, ist für Fauna und Flora in kommunalen Bebauungsplanverfahren etwa für Gewerbe- und Wohngebiete zuständig. Am Kahlberg, im Dreieck zwischen Weschnitz, Grasellenbach und Mossautal, war er für die dortige Bürgerinitiative tätig, als Artenschutzgutachter in Reichelsheim – bei Stotz und Range – ebenso für die Gemeinde wie im Mossautal oder Breuberg. „Ich stehe auf einer Anhöhe und schaue das Plangebiet entlang“, beschreibt der Gutachter seine Arbeit. Das geschieht in einem Umkreis von sechs bis zehn Kilometern mit Fernglas und Spektiv. Zur Dokumentation hat Bernd eine Kamera mit 600mm-Objektiv dabei.

„Der Energiewandel muss intelligent gemacht werden“, fordert er. Man kann nicht einfach zwei Prozent der Landesfläche für Windkraft ausweisen, „aber nicht wissen, wie das umgesetzt werden soll“, kritisiert er. Die dadurch bisher entstandenen Schäden an der Fauna sind „nachweisbar und erkennbar“. Da technisch an den Windrädern keine Verbesserungen möglich sind, um die Tiere zu schützen, „kann es nur ein Entweder-oder geben“. Dirk Bernd ist der Meinung, „dass wir die Stromwende auch mit Fotovoltaik hinkriegen könnten“. Dazu noch ordentliche Speicher „und es geht kein Vogel daran kaputt“. Für ihn ist es extrem, „was wir hier zerstören“. Er weiß von zwei Fledermaus-Arten, die aufgrund der Windkraft schon zu 90 Prozent ausgerottet sind. Zahlreiche weitere der 24 heimischen Arten sind durch die Windenergienutzung ebenfalls stark gefährdet.

 

Nach zwölf Jahren kehrt der Landkreis Bergstraße in die gemeinsame touristische Vermarktung des Odenwalds zurück

West- und Ost-Odenwald sind wieder vereint. Oder wie es der Landrat des Odenwaldkreises, Frank Matiaske, formulierte: „Alte Liebe rostet nicht.“ Nach zwölf Jahren Pause machen die vier Landkreise mit Odenwald-Anteil in Sachen Tourismus wieder gemeinsame Sache, da der Kreis Bergstraße seine „Auszeit“ aufgab und zum bisherigen Trio zurückkehrte. Dessen Landrat Christian Engelhardt betonte ebenso wie sein Amtskollege die große Bedeutung dieses Schritts, um jetzt als Destination Bergstraße-Odenwald zusammen mit dem Landkreis Darmstadt-Dieburg und dem bayrischen Miltenberg geschlossen auftreten zu können.

Seit Matiaske und Engelhardt im Amt sind, war es ein gemeinsames Vorhaben der beiden, die touristischen Aktivitäten wieder unter einem Dach zu bündeln. Viele Hürden galt es allerdings zu überwinden, bis es jetzt mit der feierlichen Vertragsunterzeichnung soweit war. Um deren Überwindung kümmerte sich federführend Kornelia Horn vom Verein Touristik Service Odenwald-Bergstraße (TSOB). Der Beitritt gilt rückwirkend zum Jahresanfang.

Der Verein überweist die Mitgliedsbeiträge als Zuschuss an die Odenwald Tourismus-Gesellschaft, die das operative Geschäft erledigt, erläuterte Matiaske. In deren Vorstand wurde Engelhardt auf der Mitgliederversammlung als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats gewählt. Nach zwölf Jahren Trennung „kommen wir mit noch mehr Beteiligung zurück“, betonte dieser. Das neue Gebilde deckt sich seinen Worten zufolge „in großen Teilen mit dem Unesco-Geopark Bergstraße-Odenwald“.

„Es kostete viele Gespräche“, meinte Engelhardt. Dicke Bretter waren zu bohren. Er sieht aber in der Wiedervereinigung „eine tolle Chance für den Tourismus“. Dies mit Unterstützung des Landes Hessen, das „den Tourismus größer denken wollte“. Es lässt dafür auch etwas springen: 125.000 Euro. Der Landkreis Bergstraße, so Engelhardt, investiert sogar eine größere Summe: 200.000 Euro jährlich zusätzlich zu den bisherigen Mitteln, die in diesen Bereich flossen.

Der Landrat bezeichnete den Tourismus auf der einen Seite als Wirtschaftsfaktor, auf der anderen aber auch als Quell der Lebensqualität für die Bürger. „Gemeinsam sind wir das Land der Nibelungen“, hob er hervor, von Worms bis hin zu den Siegfriedbrunnen, die sogar im Bayrischen verortet werden. Die Gebiete „wachsen zu einer gemeinsamen Region zusammen“.

Der Mix aus Bergstraße und Odenwald mit ihren jeweiligen Produkten und die vielen Freizeitaktivitäten „machen die hiesige Lebensqualität aus“, so Engelhardt. Bereits im Vorfeld entfaltete Kornelia Horn einige Aktivitäten, was etwa in den Gruppenangeboten zum Ausdruck kommt. Denn Touristen schauen nicht nur auf die örtlichen Angebote, sondern wollen wissen, was in einem Umkreis von 50 Kilometern geboten wird. „Wir zeigen aber auch den Einheimischen, was es alles gibt“, sagte er. Durch die Förderung des Landes „können wir jetzt mehr machen“.

Mit den neuen finanziellen Möglichkeiten, zu denen auch eine Leader-Förderung über 150.000 Euro zählt, werden „ungeahnte Möglichkeiten eröffnet“, freute sich Matiaske. Vor fünf Jahren sei dies noch nicht möglich gewesen. Er zollte Kornelia Horn große Anerkennung. „Sie hat es wirklich hinbekommen, diese Allianz zu schmieden“. Der Odenwaldkreis-Landrat sprach von einer „Win-win-Situation für alle“.

Das Naturerlebnis sei ein „brandaktuelles Thema“, betonte Matiaske mit Blick auf die Grünen-Erfolge oder die „Fridays for future“-Bewegung. Engelhardt ergänzte: „Der Wunsch nach einer nachhaltig entwickelten Umwelt kann hiererfüllt werden.“ Durch die Eingliederung der Bergstraße sei man nun noch breiter aufgestellt.

Engelhardts Worten nach wurden „komplett neue Strukturen geschaffen“. Was aber nicht heißt, dass es unterschiedliche Ansprachen geben müsse: Deshalb wird eine zweite Strukturebene touristischer Arbeitsgemeinschaften installiert, für Bergstraße und vorderen Odenwald. Der Landrat sprach von einem „richtigen Leuchtturm“, der über die einzelnen Destinationen herausstrahlt. Matiaske wies schmunzelnd auf den Zusammenschluss auch beim Tischgetränk hin: Das Premium-Wasser der Odenwaldquelle wird in Oberzent-Finkenbach im Auftrag einer in Heppenheim sesshaften Firma abgefüllt.

„E kommt wieder zusammen, was zusammen gehört“, meinte für den Landkreis Darmstadt-Dieburg Hans-Georg Schöpp als ständiger Vertreter der Landrats. „Der Verbraucher macht nicht vor Landesgrenzen halt“, sagte er. Die Region hat unheimlich viel zu bieten: „Natur, Kultur, Wein, Brauereien“, schmunzelte er. Kornelia Horn zeigte sich begeistert, „welche Vielfalt jetzt angeboten werden kann“. Man wolle nun „an dem fantastischen Angebot weiter arbeiten“.

Der Verein Touristik Service Odenwald-Bergstraße (TSOB) umfasst die Gebietskulisse des hessischen und bayerischen Odenwaldes. Kooperationspartner im badischen Teil des Odenwaldes ist die Touristikgemeinschaft Odenwald. Ziele des Verbandes sind die Erhöhung des Bekanntheitsgrades des Odenwaldes, die Herausstellung der Vorzüge des Odenwaldes als attraktives Reiseziel, allgemeine Imagewerbung für den Tourismus im Odenwald, die Entwicklung und Umsetzung von Marketingkonzepten für den Odenwald, kreis- und länderübergreifende Kooperationen mit anderen Tourismusorganisationen zum Zweck der allgemeinen Tourismusförderung im Odenwald, allgemeine Marktforschung zum Tourismus im Odenwald.

Erster gemeinsamer Kinderkirchentag der beiden evangelischen Kirchengemeinden Siedelsbrunn und Hammelbach

Das Motto des ersten gemeinsamen Kinderkirchentags der beiden evangelischen Kirchengemeinden Siedelsbrunn und Hammelbach war durchaus wörtlich zu nehmen. „Wurzeln wachsen lassen“ hieß es bei herrlichem Frühlingswetter in der und rund um die evangelische Bergkirche. 30 Kinder zwischen vier und elf Jahren bastelten, malten und schnippelten, was das Zeug hielt, unterbrochen von einigen Tob-Einheiten auf der Wiese. Die beiden Pfarrer Stefan Ningel und Jörg Michas waren sehr zufrieden mit der Resonanz und kündigten eine Fortsetzung an.

Gabriela Fieber trieb die Zusammenarbeit zwischen den Kirchenteams voran, die sich bei gemeinsamen Seminaren kennenlernten. „Bei ihr laufen alle Fäden zusammen“, zeigte sich Ningel dankbar für die Organisation des Kinderkirchentags. Beim Seminar, das die Kindergottesdienst-Referentin des evangelischen Dekanats Bergstraße, Katja Folk, durchführte, „haben wir gespürt, dass es passt“, sagte Ningel. Die evangelischen Kirchengemeinden von Hammelbach und Affolterbach hatten eine solche Veranstaltung bereits zusammen durchgeführt, erläuterte er.

In der Kirche ging’s los mit Liedern und Gebeten zum Mitmachen sowie einem Theaterstück: Bauer Klug und Bauer Eilig bestellen beide ihr Feld, aber doch ganz anders. Während Bauer Klug der Aussaat fürs Wachsen Zeit gibt, zieht Bauer Eilig die Feldfrüchte immer schnell aus dem Boden und ist auf den schnellen Profit aus. „Die Kinder wachsen mit dem Theaterstück“, betonte Ningel. Michas ergänzte: „Sie sollen eine gute Ernte sein, im Glauben Wurzeln schlagen.“ Die Kirchen wollen sie nicht erst zum Konfirmationsunterricht erreichen, sondern bereits in jüngerem Altern.

Danach drehte sich alles um Wurzeln. Draußen wurden zwei vom Hammelbacher Revierförster zur Verfügung gestellte Wurzelblöcke mit viel Detailfreude gestaltet. Moose, Flechten und leere Schneckengehäuse fanden ihren Platz, die Kinder verkünstelten sich förmlich bei der Anbringung.  Schnell entbrannte die humorvolle Diskussion darüber, welche Kirchengemeinde die größere Wurzel erhält. Denn jeweils eine soll ihren Platz an der jeweiligen Kirche finden. Drinnen wurde derzeit Wurzelgemüse geschnippelt und in leckere Karottenmuffins umfunktioniert.

Aus Wald-Michelbach, Abtsteinach, Siedelsbrunn und Hammelbach kamen die Heranwachsenden, die mit Katja Folk eine Fantasiereise zum Thema Wachsen und Wurzeln schlagen unternahmen. Mit viel Liebe zum Detail gestalteten die Kinder Blumentöpfe, die sie dann mit Samen bepflanzten. Lila, grün, gelb, blau, orange oder pink: Der Fantasie und den Formen, ob jetzt waagreicht, in Linien oder in Tupfern, waren keine Grenzen gesetzt.

Pia und Hanna-Noa aus Hammelbach wie auch Antonius aus Unter-Abtsteinach hatten ebenso wie Emily und Dennis aus Ober-Abtsteinach viel Spaß. Beim Gottesdienst blieben noch viele Eltern dabei, die ihre Sprösslinge später wieder abholten.  Ein Schubkarrenparcours und der Abschluss mit Liedern und Segen bildeten weitere Bestandteile des Nachmittags. Wer eine Pause von den angebotenen Stationen machen wollte, tollte auf dem Rasen herum oder spielte Fußball.

Die vier Pfarrer im Überwald arbeiten jetzt schon etwa bei den Gottesdiensten Hand in Hand. Auch die Verwaltungsarbeit wird gemeinsam erledigt. Außerdem gibt es verschiedene Jugendprojekte. Der Kinderkirchentag ist laut Ningel nur ein weiterer Bausteller der evangelischen Zusammenarbeit. Dank der engagierten Mitarbeiter, die sich bereits in der Vorbereitung mit ihren Ideen einbrachten, war der Tag ein voller Erfolg.

Der Hammelbacher Pfarrer erwähnte besonders die mitgestaltenden ehemaligen Konfirmandinnen. „Ohne die würde es nicht gehen.“ Michas freute sich über die „sehr positive Resonanz“. Die Veranstaltung „erfüllt unsere Erwartungen“, betonte auch Ningel. Sie soll eine Fortsetzung erfahren.

Ein 100 Jahre alter Blick ins Schlafzimmer von Weber Nicklas

„Den Mann hab’s ich noch gekannt“, ruft ein älterer Zuschauer erstaunt aus, als Dr. Manfred Göbel ein Bild vom Ellenbacher Ortseingang aus dem Jahr 1908 zeigt. Zeitlich dürfte das hinhauen, denn der Betreffende auf dem Motiv von Friedrich Maurer ist vielleicht um die 30, der Besucher der Buchvorstellung um die 80 – somit könnten sich die Wege von beiden irgendwann in den 1950er Jahren überschnitten haben. „Leben und Arbeiten im hessischen Odenwald“ heißt Göbels 128-seitiger Bildband, in dem er 160 spektakuläre und teilweise unveröffentlichte Fotografien des bedeutenden Heimatforschers und Arzts zusammentrug.

Zur Vorstellung präsentierte sich die Bücherscheune so voll wie bisher noch nie bei einer Lesung – was sicherlich auch der ausführlichen Vorbesprechung in der OZ geschuldet sein dürfte. Gerade die Älteren freuten sich darauf, den Odenwald noch einmal so zu sehen, wie er vor 100 Jahren aussah und wie sie ihn – zumindest in Teilen – auch noch aus ihrer Kindheit kannten. Die erste Auflage von Göbels Buch ist bereits verkauft, wie er erfreut vermeldete, die zweite ist in Druck.

Dass gerade 1907 dieses besondere Interesse am Odenwald von Weschnitz bis Michelstadt, von Ober-Ostern bis Hammelbach, von Langenthal über Hirschhorn bis Eberbach erwachte, führt Göbel auf die 25-Jahr-Feier des 1882 gegründeten Odenwaldklubs zurück. Aus diesem Anlass gab es damals eine Wanderung auf die Neunkirchner Höhe – und mit diesen Bildern startet auch das erste Album, erläutert er den interessierten Zuhörern.

Maurer, selbst OWK-Mitglied, bestückte parallel auch in Darmstadt das Odenwald-Museum (das leider während der Brandnacht im Zweiten Weltkrieg vernichtet wurde). Der Darmstädter Oberbürgermeister war zu dieser Zeit in Personalunion Gesamt-OWK-Vorsitzender, der Bürgermeister Chef das Darmstädter Ortsvereins – somit alles eine große Familie. Die Vereinszugehörigkeit dürfte dem Fotografen auf dem Land Tür und Tor geöffnet haben, schätzt Göbel. Anhang der Motive wird deutlich, dass es Maurer immer wieder an die gleichen Orte zog. Auf der Alme in Ober-Ostern entstanden allein 62 Bilder, in Weschnitz 43 und in Hammelbach 27.

Er zeigte den Alltag der Bevölkerung, das wirkliche Leben, nicht die Hochglanz-Motive, die sonst in der damaligen Zeit entstanden. Genau das ist das Außergewöhnliche an der fotografischen Arbeit des Heimatforscher, die sie so wertvoll für die heutige Betrachtung macht, erklärt Göbel. So dürfen die Gäste einen Blick ins Schlafzimmer von Weber Nicklas werfen. Oder Familie Arnold in der Hammelbacher Straße von Weschnitz beim Mittagsessen vor mehr als 100 Jahren zuschauen. „Dass wir solche Bilder haben, ist sensationell“, freut sich der Hobby-Historiker.

Die Rückbesinnung auf die „gute, alte Zeit“ war zu dieser Zeit groß angesagt, weiß der Referent aus Groß-Zimmern. Der OWK befasste sich stark mit der Volkskunde, weil der Wandel durch die Industrialisierung viele alte Bräuche in Vergessenheit geraten ließ. „Ganze Berufsfelder starben aus“, erläutert Göbel. Es ging Maurer darum, den Wandel zu dokumentieren und die Vergangenheit festzuhalten.

Dabei scheute er auch nicht davor zurück, Bilder nachzustellen, heute würde man von „faken“ reden. Berufen, die kaum noch praktiziert wurden, schuf er anhand seiner Fotos ein Denkmal. Der Mediziner hatte dabei zwei Vorgehensweisen: Entweder er stellte alle Arbeitsschritte eines Berufsbildes auf einem Bild zusammen oder er schoss ganze Bilderserien.

Vereinsfest, Festkommers, Hochzeit, Kommunion oder Soldat: Das waren zu dieser Zeit die „normalen“ Fotomotive. Aber Alltagssituationen, Dorfbewohner in ihrer Privatwohnung oder bei der Arbeit: Dass solche Szenen heute erhalten sind, „verdanken wir Friedrich Maurer“. Wie etwa die Kinder im Hiltersklinger Weg von Hammelbach, die angesichts des fremden Mannes mit seiner Kamera zusammengelaufen sind. Diese Einblicke „sind ein wahrer Schatz“.

Da Anfang des 20. Jahrhunderts das Eisenbahnnetz voll (und besser als heute) in den Odenwald hinein ausgebaut war, konnte Maurer von Darmstadt aus alle Ecken und Enden erreichen. Er reiste nach Michelstadt (weiter mit der Odenwaldbahn nach Eberbach und von dort nach Hirschhorn), konnte die Überwaldbahn nach Wald-Michelbach nehmen oder hatte die Gesprenztalbahn nach Reichelsheim zur Verfügung.

Die Motive von früher lassen die Augen der Senioren strahlen: Hier die „Äppelquetsch“ auf der Alme, da das Eichenrindenklopfen („Rennekloppe“) in Schönbrunn bei Wald-Michelbach, dort Knopfdreher, Brunnenmacher, Zunderschwammklopfer, Schachtelmacher, Zigarrenmacher, Schindelschnitzer oder Nagelschmied: Maurers Werk ist ein wahrer Fundus für Freunde der Regionalgeschichte und bietet einen unbezahlbaren Blick auf das, was schon lange nicht mehr ist. Eben die „gute, alte Zeit“.

Info: „Leben und Arbeiten im hessischen Odenwald“, herausgegeben von Manfred Göbel, zeigt auf 128 Seiten rund 160 spektakuläre und teilweise unveröffentlichte Fotografien des bedeutenden Heimatforschers und Arzts Friedrich Maurer (1852-1939), der den Odenwald zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchstreifte und dabei das entbehrungsreiche Leben der Handwerker und Gewerbetreibenden in den Dörfern eindrucksvoll ins Bild setzte. ISBN: 9783954009640, Sutton Verlag 2018, 19,90 Euro.