Der Lebensmittelmarkt wird schmerzlich vermisst

Jetzt hat es auch Hammelbach erwischt: Der Ort steht ohne Lebensmittelgeschäft da und teilt nun das Schicksal vieler kleinerer Dörfer auf dem Land. Mitte Juli schloss der Laden von Sabine Breuer in der Litzelbacher Straße. Gemeinde und Zukunftsoffensive Überwald sind nun mit Nachdruck auf der Suche nach einem Nachfolger, dem sogar größere Räume zu erschwinglichen Preisen in Aussicht gestellt werden – zusammen mit Investitionsförderprogrammen.

Bürgermeister Markus Röth und ZKÜ-Geschäftsführer Sebastian Schröder wissen jedoch, dass ihr Unterfangen schwierig ist. Natürlich wird Interessenten der rote Teppich ausgerollt, aber allein damit ist es nicht getan. Dann aufgrund der aktuell guten Situation auf dem Arbeitsmarkt ziehen die Leute ein sicheres Angestellten-Verhältnis der Selbstständigkeit vor, sagt Schröder. Dazu kommen noch die ausgedehnteren Arbeitszeiten. Wenn nicht gerade die Hauseigentümer selbst den Laden betreiben, ist die zu zahlende Miete eine weitere wichtige Komponente.

„Wie kann man Menschen motivieren, auf dem Land einen Einkaufsmarkt zu betreiben“, ist laut Schröder die grundsätzliche Frage. Wobei da natürlich auch die Kunden ins Spiel kommen, die bereit sein müssten, eventuell auch leicht höhere Preise zu bezahlen, als immer in den Discounter zu rennen. Wobei die relativ sind, ergänzt Röth: „Denn sonst muss ich nach auswärts fahren.“ Das kostet auch.

Röth sieht in Hammelbach durchaus Potenzial für einen Dorfladen. Denn die Schließung geschah nicht aus wirtschaftlichen Gründen oder wegen mangelnder Nachfrage, betont er. Die frühere Inhaberin hatte ihre Kunden unter anderem mit frischem Obst und Gemüse in der Gastronomie, aber auch ältere, nicht mehr so mobile Mitbürger als Stammgäste. Dazu kamen Ausflügler und Campinggäste. Röth sieht den Laden sogar als einen Ansiedlungsgrund. Deshalb sorgt ein Lebensmittelladen auch für die Attraktivität eines Dorfs, ergänzt Schröder.

Beide wissen, dass sie mit den bisherigen 80 Quadratmetern nicht wuchern können. Deshalb weisen Röth und Schröder darauf hin, dass es nebenan noch die Möglichkeit der Erweiterung auf 400 qm gibt. Wobei der ZKÜ-Geschäfstführer betont, dass es „nur mit billig“ und dem Standard-Sortiment nicht getan ist. Ein kleiner Laden auf dem Dorf muss sich seine Nische suchen, die ihn vom Discounter abhebt.

Das könnte ein erweitertes Angebot mit regionalen, frischen Produkten sein oder die Fokussierung auf ökologische Lebensmittel. „Es muss mehr geboten werden als nur der beste Preis“, betont Schröder. Seitens der ZKÜ rechne man gerne im Vorfeld alles durch und gebe Ratschläge, wie ein „kleiner“ Laden gegen einen Discounter bestehen könnte. Röth sieht die wirtschaftliche Existenz im Ort mit dem richtigen Konzept gewährleistet.

Ein Unverpackt-Laden, wie ihn die Hammelbacherin Martine Rüdinger demnächst in Birkenau eröffnet, „ist ebenfalls ein interessanter Ansatz“. Auch die Gemeinde kann sich laut Röth vorstellen, einen Mehrwert zu schaffen: Indem sie die derzeit im Rathaus befindliche Postagentur an einen das neue Geschäft abgibt. Röth regt außerdem einen Lieferservice für ältere Mitbürger an, wie ihn die bisherige Betreiberin bereits für die Gastronomie unterhielt.

Leider, bedauert Schröder, ist in Hammelbach nun eine Entwicklung angekommen, wie sie überall im Überwald zu beobachten ist. Die Ortszentren bluten aus, es gibt kaum noch Geschäfte. In der Großgemeinde Grasellenbach sind nur noch Bäcker, Metzger und im Hauptort ein kleiner Lebensmittelhändler zu finden. Das war’s.

Fehlt ein Baustein dieser Kette, dann zieht das einen Rattenschwanz nach sich, erfuhr es der Bürgermeister am eigenen Leib. Denn in zwei Gaststätten gab’s an einem Tag keinen grünen Salat mehr, weil die ihn beim vorherigen Laden bezogen hatten, dessen Betreiberin schon früh am Tag auf dem Markt unterwegs war und frisches Gemüse organisierte.

Aus allen Äußerungen kristallisiert sich immer wieder heraus, „dass einfach der Betreiber fehlt“. Gemeinde und ZKÜ sprachen bereits die großen Lebensmittelketten an, aber auch diese fragen Schröder zufolge erst danach. Die Furcht ist groß vor einer Abwärtsspirale, der man vor einigen Jahren mit den „Aktiven Kernbereichen“ entgegnen wollte. Immer mehr Geschäfte machen zu, die Ausflügler und Zuzügler bleiben aus, das Angebot schrumpft auf null zusammen, das Dorf wird zur Schlafsiedlung ohne Leben. „Leider gibt es ähnliche Entwicklungen in allen kleineren Ortschaften“, bedauert Schröder. „Das reißt sehr große Löcher.“

Damit Interessenten nicht nur Motivation mitbringen, sondern auch wissen, dass sie finanziell nicht im Regen stehen, weisen beide auf Förderprogramme hin: Für investive Maßnahmen wie Geschäftsausstattung, Kassensystem oder Tiefkühltruhe können bei einer Summe bis 20.000 Euro 80 Prozent gefördert werden. Darüber hinaus sind es 65 Prozent.                          tom

 

Info: Zukunftsoffensive Überwald, In der Gass 14b, 69483 Wald-Michelbach, Telefon 06207/942426, http://www.ueberwald.eu

 

 

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Die Bronze ist Wachs in seinen Händen

Vorsichtig schabt Patrice Balma mit einem handelsüblichen Küchenmesser an einem länglichen Stück Wachs herum. Langsam nimmt es Formen an, wird zu einer Figur, wie man sie von den Arbeiten des Bronze-Künstlers aus Burkina Faso kennt. Hier noch etwas abgekratzt, dort wieder einen Fingerbreit Wachs aufgeklebt: Das ist quasi nur das Rohmodell für die spätere Arbeit. Balma hat sich im Garten von Martina Rüdinger im Hardweg einen schönen Schattenplatz ausgesucht und geht dort konzentriert seiner Tätigkeit nach.

Der 39-Jährige aus der Hauptstadt Ouagadougou ist zusammen mit dem 32-jährigen Evariste Ouédraogo für zwei Wochen im Odenwald zu Gast. Beim Imasgo-Atelier in Hammelbach zeigt er plastisch, wie seine künstlerischen Arbeiten entstehen, die es auch weiter oben in den Verkaufsräumen zu erstehen gibt. Damit die Besucher eine bunte Vielfalt vorfinden, hat Balma seinen Koffer mit allerlei neuen Werken gefüllt und sie aus Burkina Faso mitgebracht.

Nur mit dem Wachs ist es natürlich nicht getan. Denn das löst sich im weiteren Fertigungsprozess zwar nicht in Luft auf, ist aber eigentlich nur Mittel zum Zweck, um einen Hohlraum für die Bronze zu schaffen. Denn als nächsten Schritt ummantelt Balma sein Werk mit Ton. Der wird dann gebrannt, wobei das heiße Wachs aus einer Öffnung herausfließt und Platz schafft für die Metall-Füllung.

Der Künstler muss quasi also immer umgekehrt denken, denn die endgültige Figur entsteht nicht aus dem Geschnitzten, sondern aus dessen Spiegelbild. Ist der Ton rund um die Bronze gehärtet, wird er abgeklopft und heraus kommt eines der vielen Kunstwerke, mit denen der 39-Jährige bereits seit etlichen Jahren seinen Lebensunterhalt verdient.

Im Künstlerdorf Ouagadougou betreibt Balma ein eigenes Atelier, wo er etwa 20 Menschen Arbeit gibt, erläutert Franz Stevens vom Birkenauer Imasgo-Verein. Er ist dort einer von acht, die eine Werkstätte betreiben. Die Künstler haben alle einen eigenen Stil, weiß Rüdinger. Balmas Figuren sind langgestreckt, sehr schmal, teilweise mit Hut. Sein Nachbar Amidou etwa hat sich eher den Wohlbeleibten verschrieben, hat Buddha-Anklänge. Die traditionellen Arbeiten sind weniger für die Einheimischen, sondern mehr für Touristen gedacht, so Rüdinger.

Direkt neben dem Künstlerdorf ist das Gelände der größten westafrikanischen Kunsthandwerkermesse, wo Balma regelmäßig mitwirkt. Sein Wissen gibt er aber auch weiter: „Patrice hat bereits zehn Bronzegießer ausgebildet“, erzählt Martine Rüdinger. Seine Werke stellte er bereits in Straßburg und Paris aus. Die Arbeit dient nicht nur dem eigenen Lebensunterhalt, Balma unterstützt damit auch seine Landsleute. Denn er will vom Verkaufserlös seiner Produkte nur eine festgelegte Summe. Was darüber hinausgeht, fließt in die Imasgo-Vereinskasse. Mit dem Erlös finanziert der Verein Bildungs- und Wasserversorgungsprojekte in Burkina Faso.

Durch Balma, beständig auf der Suche nach Perfektion, erfährt die Bronze-Kunst eine Verfeinerung und Konzentration auf das Element der Bewegung. Der Verein Imasgo konnte bei diversen Aktionen schon viele kleine und größere Figuren verkaufen. Dadurch wird der Lebensunterhalt eines ganzen Handwerkerteams unterstützt. Für die Sonderausstellungen (am kommenden Sonntag auch in Birkenau) brachten die beiden Künstler zahlreiche neue Exponate mit.

War für Balma der Europa-Aufenthalt nichts Neues, so ist Ouédraogo das erste Mal hier – und stieg auch das erste Mal in ein Flugzeug. „Ich habe in der Luft gebetet“, schmunzelt er. In seinem Heimatland istder ein unverzichtbarer Ansprechpartner für den Verein. „Er ist unwahrscheinlich engagiert für seine Leute“, freut sich Franz Stevens. Bekommt Evariste eine WhatsApp-Nachricht über für den Verkauf benötigten Dinge, „organisiert er sofort alles“.

Die beiden Afrikaner sind begeistert vom Grün des Odenwalds, erzählt Rüdinger. Denn bei ihnen ist alles staubig und trocken. Auch die Ruhe auf dem Land wissen sie gegenüber der quirligen, nie stillstehenden Hauptstadt von Burkina Faso zu schätzen. Da auf die zwei Wochen in Deutschland noch zwei Wochen in Paris folgen, hat sich auch schon wenig Heimweh nach den Familien eingeschlichen. „Beide sind über WhatsApp viel in Kontakt“, hat Rüdinger beobachtet. Ouédraogo grüßt dann seine Frau mit den zwei Söhnen, Balma seine kleine Tochter.

„In Deutschland ist das Leben unheimlich teuer“, ist dem 32-Jährigen schon zu Beginn aufgefallen. Was natürlich auch mit dem ganz anderen Lohnniveau zu tun hat.  Kein Vergleich zu Burkina Faso, „wo man für zwei Euro mit der kompletten Familie essen gehen kann“, erläutert Rüdinger. Jürgen Flügge vom Trommer Hoftheater schaut derweil dem Mann aus Burkina Faso interessiert auf die Finger. Er überlegt bereits, im kommenden Jahr einen Workshop anzubieten, um diese alte Handwerkstechnik den Überwäldern näherzubringen.

 

Info: Die Ausstellung kann noch einmal in Birkenau am Sonntag, 25. August, von 11 bis 16 Uhr im Imasgo-Treff im katholischen Pfarrheim in der Hauptstraße 80 besucht werden. Dort werden auch Camille und Téné Ramdé mit dabei sein, die beide als Deutschlehrer aktiv waren. Camille ist Universitätsdozent, Mitglied des Vereins und Projektkoordinator vor Ort in Imasgo. Seine Frau Téné ist heute Regionaldirektorin und zuständig für alle höheren Schulen, somit ebenfalls eine wichtige Partnerin der Birkenauer für die Bildungsprojekte. Weiteres unter http://www.imasgo.de

Kreis rechnet mit Mehrausgaben

Die dritte Stufe des Bundesteilhabegesetzes bringt zum kommenden Jahr für den Kreis Bergstraße große Herausforderungen mit sich. Um diese Veränderungen meistern zu können, will der Kreisbeigeordnete Karsten Krug möglichst frühzeitig Schnittstellen, Berührungspunkte und Wünsche der Betroffenen abklopfen. Dazu war er mit dem Leiter des Sozialamts beim Kreis Bergstraße, Torsten Bach, und dessen Stellvertreterin Annette Wagner in die Pro Seniore-Residenz Gassbachhof gekommen.

An diesem idyllischen Fleckchen weitab von Hammelbach und jenseits aller Handy-Empfänge, aber mit Windrad-Aussicht, informierten ihn die beiden Residenzleiter Beate Wittmann und Mario Dick über den Stand der Dinge und die Erwartungen hinsichtlich der Gesetzesänderung. Krug betonte, „dass natürlich auch der Mensch selbst dazu gehört, der die Leistung in Anspruch nimmt“. Bis Jahresende wird sich seinen Worten zufolge noch nichts ändern. Der Großteil der Zuständigkeiten bleibt wie bisher beim Landeswohlfahrtsverband (LWV).

Die 2016 auf den Weg gebrachten Veränderungen bedeuten aber ab 2020 andere Zuständigkeiten, informierte er. Jugendliche werden dann vom Jugendamt des Kreises betreut, zwischen 18 und 65 Jahren ist die Zuständigkeit beim LWV angesiedelt, für ältere Menschen, die erstmals Leistungen beziehen, beim Kreis-Sozialamt.

Krug zufolge werden ab kommenden Jahr die existenzsichernden von den Fachleistungen getrennt. Erstere übernimmt der Kreis, letztere wie gehabt der LWV. Da somit alles aufgedröselt werden muss, rechnet der Kreisbeigeordnete mit einem großen Arbeitsaufwand. Deshalb „wollen wir möglichst früh in die Kommunikation einsteigen“. Bis Jahresende gibt es noch einige Hürden zu überwinden, so Krug. „Noch sind nicht alle rechtlichen Details geklärt.“

Der Sozialdezernent geht davon aus, dass kreisweit eine mittlere dreistellige Zahl Personen von dieser Änderung betroffen ist. Die Kosten werden wohl zum Gutteil an den Kreis weitergereicht, befürchtete er. Da für die Betroffenen auch höhere Einkommensgrenzen bei der Anrechnung des eigenen Vermögens gelten werden, rechnet Krug mit jährlichen Mehrausgaben von fünf Millionen Euro. Natürlich hätte er die gern vom Land wieder, aber ist realistisch genug um zu wissen, „dass es schwierige Gespräche sein werden, um die finanziellen Fronten zu klären“. Seine Forderung ist aber klar: „Das Land soll die Mehrkosten übernehmen.“

Beate Wittmann erläuterte, dass hinter dem integrierten Teilhabeplan (ITB) die Zielsetzung steht, den Menschen mehr Selbständigkeit zu ermöglichen. So hätten die Klienten dann unter anderem ein eigenes Konto. Für den Gassbachhof als stationäre Einrichtung sei es eine Herausforderung zu bewerkstelligen, „dass die Menschen ihr Geld selbst verwalten sollen“. Es gelte, ihnen nichts überzustülpen, sondern ein Ziel für eine gewisse Zeit zu definieren, das danach wieder überarbeitet werde.

Zur Sinnhaftigkeit der Veränderungen äußerten sich die Beteiligungen salomonisch. „Jede Veränderung bringt oft viel Bürokratie mit sich“, sagte Wittmann. Sie erkannte den positiven Grundgedanken, den Klienten mehr Selbstverantwortung zu übertragen. „Aber es gibt einen Rattenschwanz an Mehrarbeit“, meinte sie. Ihr Kollege Mario Dick wies darauf hin, „dass Routine reinkommen muss“. Alles gelte sich einzuspielen. Karsten Krug begrüßte die Intention hinter dem Vorhaben. Die Kosten-Nutzen-Frage lasse sich frühestens in einem Jahr beantworten, prognostizierte er.

Die Bewohner der Pro Seniore-Residenz werden laut Wittmann nur indirekt betroffen sein. „Unser Klientel wird weiter auf Betreuer angewiesen sein“, betonte sie. Profitieren werden ihren Worten nach vor allem die Menschen, die ins „normale“ Leben zurückkehren. Etwa derjenige, der Verpflegungsgeld bekommt, und lernt, auf eigenen Beinen zu stehen. „Es muss ein Ziel vorhanden sein, um es zu fördern“, hob sie hervor. „Den Menschen wurde früher viel abgenommen“, ergänze Krug. Jetzt werde das eigene Handeln in den Fokus gerückt.

„Wir achten auf kleine, homogene Gruppen“, erklärte Wittmann. Denn zwischen den Menschen mit chronischen Abhängigkeiten, derzeit 48 bis 65 Jahre alt, soll sich auch ein soziales Gefüge entwickeln. „Es gibt kaum Angehörige“, weiß sie. Und wenn, dann sind diese oft zerstritten. Da die Residenz daneben auch Plätze im Pflegebereich bietet, müssen die Klienten nicht wechseln, sollte dieser aufgrund der Vorerkrankungen nicht unwahrscheinliche Fall eintreten. „Die sozialen Kontakte bleiben bestehen“, stellte sie heraus. Betreuer, Sozialdienste, Land, Kreis und Kliniken kommen auf das Haus in Hammelbach zu und fragen nach Plätzen nach.

 

Die Pro Seniore-Residenz Gassbachhof gehört zur gleichnamigen Unternehmensgruppe mit Sitz in Saarbrücken, die deutschlandweit über 100 Einrichtungen betreibt. In Hammelbach gibt es 95 Plätze im Pflegebereich und 18 für Bewohner mit chronischen Abhängigkeiten. Davon sind derzeit 66/13 analog der Personalsituation belegt. Denn das seit 1984 bestehende Haus hat wie andere Pflegeeinrichtungen auch mit dem hohen Fachkräftemangel zu kämpfen. Man arbeitet bei Pro Seniore derzeit viel mit indischen Fachkräften zusammen.

„Das sind ganz normale Leute ohne Starallüren“

Es ist nicht allein die Musik, es sind auch die drei Musiker selbst, von denen sie begeistert sind: Birgit und Hansi Werner aus Hammelbach sind seit 14 Jahren im Fanclub der „Zillertaler Haderlumpen“ aktiv und stemmten mit diesem seither jedes Jahr ein Open-Air am Sportplatz. Am Wochenende fuhr der ganze Fanclub aus dem Odenwald nach Tirol, als dort das Volksmusik-Trio vom 9. bis 11. August sein diesjähriges Fanwochenende veranstaltete.

„Das gibt immer ein großes Hallo“, weiß sie aus den vergangenen Jahren vom Fanwochenende. Viele Freundschaften entwickelten sich im Laufe der Zeit, viele Leute lernten die Mitglieder aus den Überwald kennen. Denn sie sind natürlich nicht die einzigen Fans, die sich organisiert haben. In Deutschland gibt es etliche Clubs, die sich den Haderlumpen verschrieben haben. Allein 27 listet die Gruppe auf ihrer Homepage. Die besuchen sich auch gern gegenseitig, wie jetzt gerade beim Open-Air in Hammelbach.

Das beruht auf Gegenseitigkeit. Der Haderlumpen-Auftritt in Reichelsheim ist natürlich gesetzt, wo es logischerweise auch einen Fanclub gibt. Aber Neu-Isenburg, Semd und Hatzfeld/Eder stehen ebenfalls auf dem Programm. „Früher sind wir noch weiter gefahren, aber wir werden auch älter“, schmunzelt die Kassenwartin.

Vor 15 Jahren wollte Hansi Werner nicht mehr nur zu einem Konzert fahren, sondern es vor Ort auch selbst erleben: Er holte die Tiroler das erste Mal nach Hammelbach. Kurz darauf wurde auch der Fanclub gegründet, dessen Vorsitzender er ist und der aktuell 25 Mitglieder zählt. 14 weitere, jährliche Auftritte sollten bis zum Abschiedsevent folgen.

Birgit Werner kann sich noch an die erste Begegnung mit dem Trio erinnern, als wäre es gestern gewesen und nicht vor etlichen Jahren: „Wir haben die Band bei einem Konzert in Aschbach kennengelernt“, erzählt sie. Ein paar Tage später traten die Haderlumpen auch in Fränkisch-Crumbach auf. Dort wurden die Werners von den Musikern angesprochen, dass sie kurz zuvor doch auch auf der Veranstaltung im Wald-Michelbacher Ortsteil waren.

„Zuerst waren wir verdutzt, dass die uns wiedererkannten, obwohl es mehrere hundert Besucher waren.“ Dann entwickelte sich daraus ein Gespräch – und der Startschuss für die Begeisterung bis hin zur Fanclub-Gründung und eigenen Konzert-Ausrichtung war gefallen. „Es passte auch menschlich“, erinnert sich Birgit Werner. „Das sind ganz normale Leute ohne Starallüren.“

Trotz der Erfolge in den kommenden Jahren blieben das die drei Tiroler auch, freut sich die Hammelbacherin. Als das Trio 2007 zusammen mit dem oberösterreichischen Duo „Sigrid und Marina“ den Grand Prix der Volksmusik holte, war der Jubel groß. „Ich habe damals dem Vitus (Amor) eine Gratulations-SMS geschrieben“, sagt Birgit Werner. Später rief der dann an und versicherte: „Wir bleiben immer die Gleichen.“

Die Werners fuhren bereits Anfang der 2000er Jahren zum Fantreffen nach Zillertal, als das noch eine kleine Veranstaltung mit 300 oder 400 Gästen war. Damals feierte die Gruppe gerade ihr 15-jähriges Bestehen. Über 10.000 Besucher sind es inzwischen in Zell am Ziller geworden. Im kommenden Jahr soll nach 33 Jahren auf der Bühne Schluss sein – natürlich mit einem rauschenden Wochenende.

Die Hammelbacherin bedauert es sehr, dass die Haderlumpen aufhören möchten. „Ich weiß gar nicht, was wir dann an diesem August-Wochenende machen werden“, lacht sie. Andererseits kann sie es auch verstehen, dass das ständige Touren nach über drei Jahrzehnten irgendwann mal genug ist. Denn alle drei Musiker haben Familie und „normale“ Berufe.

Schlager und Volksmusik hört sie natürlich schon gern, erzählt Birgit Werner. Aber beileibe nicht nur. „Im Auto habe ich nur das Radio an, da kommt viel Modernes“, schildert sie. Anders wird das, wenn die Haderlumpen eine neue CD wie jetzt mit „Danke!“ ihre Abschiedspressung auf den Markt bringen. Die läuft dann hoch und runter. Das muss sein.

Info: Nächster Auftritt der Zillertaler Haderlumpen im Odenwald ist am Sonntag, 25. August, um 19 Uhr beim Konzert am Michelsmarkt in der Festhalle Reichelsheim. Mehr unter http://www.haderlumpen.com

 

Austausch bei Windbeuteln über Windkraft

Die Lage ist einfach nur sehr idyllisch. Saftig-grüne Wiesen, dunkle Wälder ringsherum, viel Sonne: So herrlich liegt das Café Bauer im Gassbachtal. Von der Terrasse aus kann man in absoluter Ruhe den Blick über die Odenwald-Landschaft schweifen lassen. Bis er an dem Windrad hängen bleibt, das direkt über dem Waldstück in die Höhe ragt. Ein passender Ort für Landrat Christian Engelhardt, um unter dem Motto „Nachhaltiger Klimaschutz gegen nachhaltiger Landschaftsschutz“ über Windkraft ins Gespräch zu kommen.

Von der Walburgiskapelle aus war die kleine Gruppe zuvor mitten durch die Windenergieanlagen des Kahlbergs hinüber nach Hammelbach gewandert. Engelhardt besorgte sich noch kurz seine Sonnencreme, bevor man Open-Air Platz nahm. Roland Bauer gab dort Infos zum 1965 von seinem gegründeten Café, das er seit dem Jahr 2000 leitet. Spezialität: Windbeutel. Bürgermeister Markus Röth zeigte sich „froh über das Gassbachtal“, das „hochfrequentiert von Touristen“ sei. Die Windkraft sah er im Spannungsfeld zwischen Natur und Tourismus.

Röth war das „schwierige Feld“ bewusst, auf dem er sich bewegte. Denn Diskussionen seien leider „gar nicht großartig sachlich möglich“. An diesem Tag sowieso nicht, denn Windkraftgegner waren zu dem Termin nicht eingeladen. Mit dem BUND Bergstraße und seinem Vorstandssprecher Guido Carl kam allerdings ein expliziter Befürworter dieser Form der Erneuerbaren Energien ausführlich zu Wort.

Im Bereich Kahlberg arbeiteten laut Röth die Gemeindevertretungen von Grasellenbach und Fürth einvernehmlich zusammen. Zusammen mit einer guten Information der Bürger sah der Bürgermeister dies mit als Grund, dass es „eine im Vergleich ruhige Ecke“ sei, wenn es um Proteste gehe. Jedoch gibt es seinen Worten zufolge „sicherlich Dinge, die Anwohner stören könnten“. Deshalb sollte man eventuell auch Nachuntersuchungen ins Auge fassen und über die Abschaltzeiten reden.

„Wenn das mit den Leitungen funktionieren würde“, so Röth, könnten theoretisch 18.000 Haushalte und somit mehr als der gesamte Überwald durch die fünf Windräder mit Strom versorgt werden. „Auf jeden Fall besser als Kohlestrom oder Atomkraft“, postulierte er die Rotoren als eine Art kleineres Übel. Windkraft ist seiner Meinung nach „machbar und sinnvoll, wenn der Odenwald nicht zugekleistert wird“.

Wenn es aber zu viele Anlagen werden, meinte er mit Blick auf den benachbarten Odenwaldkreis, in dem mehr Vorrangflächen als im Kreis Bergstraße ausgewiesen sind, „dann ist der Grundkonsens in der Bevölkerung weg“. Deshalb müsse die Landesregierung auch darauf achten, „dass die Verteilung nicht zu ungleich wird“.

Laut Engelhardt ist die Position des Kreises eindeutig. Oder anders: Er hat keine eigene dazu und unterstützt die Kommunen in ihren jeweiligen Ansinnen, egal wie die jetzt aussehen – ob sie für oder gegen Windkraft ausgerichtet sind. Denn: Diese Energieform leiste ihren Beitrag zum Klimaschutz, aber sei in ihrer Auswirkung doch sehr lokal bezogen, sagte der Landrat. Da die Gemeinden für die Lebensverhältnisse vor Ort zuständig sind, wolle man diesen die Entscheidung überlassen. Denn: Was geschehe, muss in einen demokratischen Prozess einbezogen und „dauerhaft mehrheitsfähig sein“.

Fürths Bürgermeister Volker Öhlenschläger erläuterte, dass man sich im Weschnitztal „dem Thema frühzeitig stellte“, nämlich schon ab 2009. Zum Kalhberg gab es dort ein klares Bekenntnis. Die weitere Entwicklung, betonte er, sollte weitgehend im Konsens mit dem Bürgern gestaltet werden. „Sonst werden wir Schiffbruch erleiden.“ Öhlenschläger ist eine klare Linie, eine ordentliche Steuerung wichtig, „damit die Menschen keine Angst haben“.

Laut dem Gemeindeoberhaupt hat die Anlage auf dem Kahlberg den höchsten Ertrag der fünf ähnlich gelagerten EnBW-Anlagen in Süddeutschland. Gewerbesteuer wird daraus in den ersten Jahren noch keine fließen, da es hohe Abschreibungen aus den Investitionen gibt. Die Pachteinnahmen für die Grundstücke teilen sich beide Gemeinden hälftig. „Wir wollen gestalten“, betonte er, um die weitre Planung nicht über sich ergehen zu lassen.

Der BUND versteht sich laut Carl „als Energiewendeverband“. Der Klimawandel komme viel schneller als erwartet und deshalb müsse zügig gehandelt werden. „Wo ist die Alternative zur Windkraft“, stellte er in den Raum. Es gehe nicht um die Frage, wie viel es sein solle, sondern „wie wenig wir uns noch leisten können“, um den Klimawandel aufzuhalten. Die Menschen, so seine Vermutung, „werden sich daran gewöhnen und in Zukunft ihren Frieden damit machen“.

Dichtes Gedränge auf der Hammelbacher Festmeile

Ein Straßenfest ohne ein paar Tropfen Regen – das gibt es nicht, hieß es lachend von mehreren Seiten. Es waren gestern gegen 13 Uhr zwar mehr als nur ein paar Tropfen, aber das konnte die Feierwütigen nicht schrecken. Die Besucher verzogen sich kurz in die vielen Zelte der Vereine, um dann, als die Sonne wieder rauskam, in noch größerer Zahl die Festmeile zu bevölkern und den vielen Angeboten kräftig zuzusprechen.

Denn das Straßenfest ist einfach ein Selbstläufer. Egal ob glühende Hitze wie in den vergangenen beiden Jahren oder Regen, nicht nur die Einheimischen, sondern viele Gäste aus dem Überwald und dem benachbarten Weschnitztal strömen in den Grasellenbacher Ortsteil, um dort ein paar unbeschwerte Stunden zu verleben, die vielfältigen kulinarischen Spezialitäten zu genießen und das eine oder andere Schwätzchen mit Bekannten zu führen. An manchen Stellen herrscht dann kein Durchkommen mehr.

Bereits zum Frühschoppen gibt es schmissige Klänge. Im schützenden Schatten einer Scheune haben sich die Mitglieder der Blasmusik Schimmeldewog niedergelassen, um die Gäste mit einem Best-of ihres Repertoires unter Leitung von Christian Schuppel zu unterhalten. Am Nachmittag finden sich dann über 40 Mitglieder der Scharbacher Chöre vor dem eigenen Stand ein, um unter dem Dirigat von Susanne Hoffmann-Rettig ein paar Lieder zu singen.

Die Farbe Rot dominiert an deren Stand. Selbst die Servietten haben ein Erdbeer-Logo. Der passionierte Koch Marcello Cappello hat wieder einmal seiner Kreativität freien Lauf gelassen und Erdbeeren in fester und flüssiger Form verarbeitet: ob light als alkoholfreie Bowle erfrischend, ob spritzig beschwingt mit Prozenten, als Frucht-Spieß oder, sehr sättigend, als Tiramisu mit Mascarpone und Mango. 60 Portionen von diesem Gaumenschmaus bereitet er immer zu. Als Grundstoff für alles ordert Cappello zehn Kisten Erdbeeren beim örtlichen Obsthändler. Inflation gibt es bei den Chören nicht. „Wir haben noch die gleichen Preise wie vor sechs Jahren.“

Der Spießbraten ist beim DRK Hammelbach eine feste Bank, freut sich Vorsitzender Thorsten Metz. „Unsere Stammgäste kommen extra von weiter her dafür aufs Fest“, weiß er. 50 Kilo Fleisch werden an einem Tag verputzt. Am Grill schwingen seit mehr als zwei Jahrzehnten Axel Bauer und Hans Wolk das Zepter – egal bei welchen Wärmegraden. 20 Helfer sind in der Mittagszeit am Springen, damit die vielen hungrigen Mäuler gestopft werden können.

Der türkisch-islamische Verein aus Wahlen, mit von Anfang an beim Straßenfest dabei, ist dieses Mal an anderer Stelle anzutreffen. Denn zwischenzeitlich kann man auf einen Imbisswagen zurückgreifen, in dem sich der Dönerspieß dreht. Dafür ist mehr Platz notwendig. Deshalb tauschte der Verein mit dem SV Hammelbach. Um die 50 Familien sorgen dafür, dass an leckeren türkischen Spezialitäten kein Mangel herrscht.

„Seker pare“ nennt sich eine Süßspeise, die wie ein Cookie gebacken, aber dann in eine Zuckerlösung eingelegt wird, erklärt Didem Baris. „Sigara Börek“ sieht aus wie eine Zigarre und ist ein Blätterteig, mit türkischem Schafkäse gefüllt. Weinblätter und Couscous gibt es ebenso wie Yufka, ein hauchdünner, gerollter Blätterteig mit Spinat und Schafskäse – alles am Abend vorher selbstgemacht. Dieses Jahr neu dabei: „Dolmar“, gefüllte Paprika, und Iįli Köfte, eine Teigtasche mit Hackfleischfüllung.

Trialvorführungen der MSVg Hammelbach finden auf dem Parkplatz oberhalb des Aicher Cents statt. Lucy Arnold, der erst sechsjährige Malte Frankenberger, Leonard Hoffmann und Sandro Melchiori zeigen ihre Künste unter anderem am „Oxxe“. Dahinter verbirgt sich ein 1,50 Meter hohes Hindernis, aus dem die Sportler quasi aus dem Stand hochfahren.

Die Vereinsmitglieder haben unabhängig davon auch genug zu tun, denn an Getränke- und Essensstand war konstant viel los. Das dazugehörige Festzelt mit entweder Schatten oder Regenschutz erfreut sich den ganzen Tag über eines regen Betriebs. „Trotz des anfänglichen Regens ist viel los“, sagt Angelika Schwabedissen. Als es goss, wurde das Zelt einfach auf der Seite zugemacht, prompt bleiben alle trocken.

Die Brandschützer sind seit Beginn 1979 dabei. Seit eh und je wird dort Äppelwoi in verschiedenen Varianten gereicht. Klassiker sind daneben Obstweine in den Geschmacksrichtungen Kirsche, Erdbeere oder Brombeere. Spezialität dieses Mal: „Lillet Wild Berry“. Während 20 Wehrleute als Durstlöscher für die Gäste im Einsatz sind, kümmern sich weitere inklusive sechs Mitgliedern der Jugendfeuerwehr um die Bespaßung der Kinder: Entenangeln und die simulierte Löschung eines brennenden Hauses stehen hoch im Kurs.

„Wir sind mitten im Geschehen“, schmunzelt SV-Vorsitzender Rainer Wolk nach dem Platztausch. Auch er stellt keinen Rückgang der Besucherzahlen fest, nur weil es bisschen feucht wird. Das gehört doch zum Straßenfest dazu, lacht er. Völlig im Trockenen waren natürlich die Eisenbahnfreunde, die sich traditionell im Schultheißenhaus präsentieren. Zu den verschiedenen Anlagen kommen immer wieder Neuerungen dazu. Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder, um an ihren Anlagen „rumzuschrauben“.

Museen erlebbar machen: Zwölfte Überwälder Traumnacht am 13. Juli

Diese Nacht verspricht wieder ein Traum zu werden. Am Samstag, 13. Juli, findet von 18 bis 24 Uhr die zwölfte Überwälder Traumnacht an zwölf verschiedenen Stationen statt. Das Programm stellten nun der Geschäftsführer der Zukunftsoffensive Überwald (ZKÜ), Sebastian Schröder, und der Vorsitzende des Museums- und Kulturvereins, Gundolf Reh, vor. Das Geopark-Infozentrum in Aschbach als Treffpunkt hatte eine besondere Bedeutung. Denn der Ort feiert in diesem Jahr 650-jähriges Bestehen, wozu das Wiesental an diesem Abend illuminiert werden soll.

„Kunst, Kultur und Ambiente“ sind laut Schröder auch in diesem Jahr die Schlagworte der Veranstaltung. Das Konzept mit der Museumsöffnung und der dortigen Bewirtung „hat sich bewährt“, sagte er. Der schon bisher eingesetzte Shuttlebus wird seinen Worten nach erweitert. In der Stoßzeit ab 22 Uhr kommt ein drittes Fahrzeug hinzu. Die Besucher können an diesem Abend zu zwölf Stationen in Abtsteinach, Wald-Michelbach und Grasellenbach pilgern.

Der Geschäftsführer hoffte, dass sich wieder genug Freiwillige finden, die über den Klingelbeutel um Unterstützung für die Traumnacht in Form eines Kulturbeitrags bitten. Denn: „Die Veranstaltung bleibt kostenfrei“, betonte er. Die vielen Sponsoren und Partner leisteten ihren Beitrag dazu, dass man in den vergangenen Jahren immer eine schwarze Null schreiben konnte. Die ist auch 2019 wieder das Ziel, gutes Wetter vorausgesetzt. Was es aber bei den vergangenen elf Versionen immer gab. Schröder wies auf die neue gestaltete Homepage für die Traumnacht hin, die durch einen Überwälder Webdesigners erstellt wurde.

Präsentiert werden kulturelle Schätze in lebendiger und anschaulicher Weise. Musikfreunde, Museums- und Kleinkunstliebhaber kommen bei den vielen verschiedenen Programmpunkten in und zwischen den Museen voll auf ihre Kosten. Eine bunte Palette interessanter Künstler, Führungen und kulinarische Köstlichkeiten werden auch die zehnte Traumnacht zu einem einzigartigen Erlebnis machen. Um alle Stationen bequem erreichen zu können, sind wieder kostenlose Shuttlebusse im Einsatz.

„Wir wollen die Museen erlebbar und die Kultur des Überwalds zum Event machen“, sagte der ZKÜ-Geschäftsführer. Grasellenbachs Bürgermeister Markus Röth freute sich über „die hervorragende Frequentierung“ dieser einzigen sommerlichen Nachtveranstaltung an mehreren Orten. Für ihn ist es einzigartig, dass der Überwald in dieser Form verbunden wird. „Es gibt selten so viel Mobilität zwischen den einzelnen Orten“, freute sich Röth.

Abtsteinachs Rathauschefin Angelika Beckenbach würdigte das besondere Flair und reichhaltige Angebot. Kultur und Kunst verbindet die Kommunen im Überwald, sagte sie. „Wir treten gemeinsam auf“, blickte sie auf das Zusammenwirken der drei Orte. „Wir gehen von 2500 bis 3000 Besuchern aus“, ergänzte Schröder. Die kommen beileibe nicht nur aus den Teilnehmer-Gemeinden, sondern auch von auswärts bis an die Bergstraße und in den Odenwaldkreis.

Die Hausherren in Aschbach sorgen für die ansprechende Wiesental-Beleuchtung und öffnen das infozentrum, wo es neben der Ausstellung zu den Odenwälder Steinen und Steinbrüchen auch Infos zur Ortsgeschichte gibt. Neben dem Männerquartett und dem Projektchor des Gesangvereins tritt auch die Formation „650 Jahre unplugged“ mit Überwälder Musikern auf.

„Wir machen es uns nicht einfach bei der Auswahl der Künstler“, hob Traumnacht-Urgestein Gundolf Reh hervor. Das Augenmerkt liegt darauf, die Gestaltung immer interessant zu halten. Reh ist bereits seit der ersten Ausführung dabei. Die Bedeutung dieser Veranstaltung ist seiner Meinung nach nicht hoch genug einzuschätzen. „Wir zeigen, was der Überwald alles zu bieten hat“, erläuterte er. Die Resonanz egal von Besuchern oder Einheimischen ist jedes Mal positiv.

Programm-Auswahl

Eine schöne Tradition ist bereits die Teilnahme der Sommerspiele Überwald, die an verschiedenen Stationen Ausschnitte ihres neuen Stücks „Michael Hely“ aus der Feder von Adam Karrillon präsentieren (19 Uhr, Ober-Abtsteinach, Pfarrgarten; 20.30 Uhr Hofwiese; 22 Uhr Affolterbach, Gustav-Adolf-Kirche).

Ebenfalls wieder dabei: die „Timeless Blues Band“. Eigentlich, schmunzelte Gundolf Reh, sollte es im Programm keine schnelle Auftritts-Wiederholung geben. „Aber die waren so gut, dass wir sie wieder haben wollten.“

Gesetzt sind die „Bonanzaz“ ab 20.30 Uhr beim Museum für Alte Läden und Reklame in Hammelbach, das an der Traumnacht öffnet.

In Wald-Michelbach tritt das örtliche Musik-Urgestein Ludwig Münch mit seinen „Rockefellers“ am Einhaus auf. „Der macht schon seit 40 Jahren Musik“, weiß Reh. In den letzten Jahren gab es mehrfach die Anregung, ihn mit ins Boot zu holen, was man jetzt tat.

Helmut Kadel auf Quetschkommode und an der Sackpfeife ist ab 19 Uhr am Überwaldmuseum anzutreffen. „Er möchte mit den Zuschauern Lieder singen“, kündigte Reh an. Am Museum gibt es auch wieder Besenbinder- und Stuhlflechter-Vorführungen. Die Union singt gegen 23 Uhr.

Der 90 Jahre alte Posaunenchor im evangelischen Kirchgarten von Wald-Michelbach (19 und 21 Uhr), die Union an der Kapellenruine Hammelbach (22 Uhr) und der MGV Wallonia Wahlen an der Gustav-Adolf-Kirche Affolterbach zur Eröffnung: Auch die Vereine bringen sich kräftig ein.

Die Freifahrten mit der Solardraisine am Bahnhof Ober-Wald-Michelbach starten um 18 Uhr (bis 22 Uhr). Es gibt nummerierte Tickets im Bereich des Bistros B10. Für eine (kostenpflichtige) exklusive VIP-Tour um 17.15 Uhr ist eine telefonische Voranmeldung unter 06207-2049130 nötig.

Ober-Abtsteinach, Pfarrgarten: 19.30 Uhr „Schulzes“, außerdem Kirchenführungen.

Aschbach, Heckenmühle: Dr. Soul & Mr. Blues ab 19 Uhr

Hammelbach, Motorrad-Museum: Führungen, Trial- und Filmvorführungen, Vortrag „30 Jahre Mauerfall“ (21.15 Uhr); evangelische Kirche, Fotoausstellung von Jürgen Busse; Eisenbahnmuseum geöffnet.

Wald-Michelbach, katholische Kirche: Friedensgebet von 20 bis 21 Uhr.

Siedelsbrunn, „Krone“: Ausstellung von Klienten der Systelios-Klinik.

Krönender Abschluss ist die Lasershow auf der Hofwiese Wald-Michelbach ab 23.40 Uhr.

Infos: Alle Programmpunkte auf http://www.ueberwaelder-traumnacht.de