Kartoffeln in allen Formen: Verein für ökologische Landwirtschaft Luna aus Kocherbach hatte zum Fest eingeladen

Alles drehte sich um die Kartoffel in allen möglichen Formen. Ob in einer leckeren Suppe mit allerlei weiteren Zutaten, ob in Form von Kartoffelpuffern mit Apfelmus oder einfach nur „pur“ im Fünf-Kilo-Sack. Der Verein zur Förderung umweltverträglicher, nachhaltiger und artgerechter Landwirtschaft „Luna“ aus Kocherbach hatte vor kurzem seine erste Kartoffelernte eingebracht und das zum Anlass genommen, auf den Hof der Biolandwirte und Wasserbüffelzüchter Wolfgang Schierenbeck und Joachim Mauermann zum Vereinsfest einzuladen.

Pfiff morgens noch der Wind durch die Scheune und kam der Regen waagrecht, so gesellte sich pünktlich zu Beginn die Sonne zu den Gästen, die sich erst zaghaft, dann in immer größerer Zahl auf den Weg in die Güttersbacher Straße machten. Luna hatte neben viel Schmackhaften auch die „Hardware“ in Form von Infos über den Verein im Gepäck. „Wir haben alles geboten, was es im Herbst gibt“, so Vorstandsmitglied Gerhard Ader.

Und natürlich einiges zum Anschauen: nicht nur die Eicher-Bulldogs der beiden Landwirte, sondern auch eine alte Apfelpresse und eine Waage, mit der die verkauften Kartoffeln abgemessen wurden. Etwa einen Zentner Kartoffeln verarbeiteten die Vereinsmitglieder für Puffer und Suppe. Der Zustrom aus dem Überwald und weit darüber hinaus war so groß, dass am Nachmittag „nicht nur die Kartoffelspezialitäten, sondern auch die Kuchentheke trotz üppiger Bevorratung geplündert waren“, freute sich Ader. Von den Hobby-Imkern Keil und Mayer gab es Honig und Liköre zu erstehen.

Die vielen Besucher von auswärts hatten etliche Fragen im Gepäck. Damit erreichte der Verein genau das, was er wollte, nämlich über seine Vorstellungen von ökologischer Landwirtschaft zu informieren. Die Erdäpfel zogen viel Interesse auf sich. Die Gäste wollten wissen, wo der Anbau erfolgt und ob es noch mehr geben wird. Eine Überlegung, mit der man sich jetzt auch mit Blick auf kommendes Jahr bei Luna beschäftigen wird. Wer was Schmackhaftes mitnehmen wollte, durfte als Nichtmitglied fünf Kilo Nicola erstehen.

Angebaut worden war von den Vereinsmitgliedern die Sorte Nicola, eine Bio-Pflanzkartoffel der Klasse A. Dabei handelt es sich um eine festkochende, schmackhafte alte deutsche Kartoffel, die sehr vielfältig in der Küche eingesetzt werden kann. Die Anbaufläche von etwa einem Morgen Land (2500 Quadratmeter) wurde schon jahrelang nicht mehr industriell genutzt. Es wurden somit keine Gülle und Spritzmittel aufgetragen. Bewuchs war bisher eine Klee-Wiesen-Mischung.

Die Rindswürste vom Galloway-Rind stammen aus eigener Produktion der Biolandwirte. Hackfleisch und Salami sind weitere Erzeugnisse. 35 Wasserbüffel inklusive Jungtiere stehen derzeit auf den Weiden rund um Gras-Ellenbach. Laut Schierenbeck bleiben die Tiere ganzjährig in Freilandhaltung draußen. Es gibt einen Weideunterstand. Für zwei von ihnen, etwas ein halbes Jahr alt, übernimmt der Verein Luna die Patenschaft und kümmert sich nach der Schlachtreife um die Vermarktung.

Wegen der begrenzten Fläche ist auch die Anzahl der Büffel begrenzt, um die Wiesen zu schonen. Die Weiden befinden sich unter anderem im Naturschutzgebiet Gras-Ellenbacher Wiesen. Vor dreieinhalb Jahren starteten die beiden Landwirte mit der Haltung. Damals zusammen mit dem Megaherbivoren-Verein aus Bensheim, dem Förderkreis große Pflanzenfresser im Kreis Bergstraße.

Wer neben den „Standard-Getränken“ etwas ganz Frisches genießen wollte, konnte sich am direkt vor Ort gepressten Apfelsaft laben. Fünf Zentner Äpfel waren von den Luna-Mitgliedern am Tag zuvor auf den Streuobstwiesen gesammelt worden. „Dieses Jahr war wenig auf den Bäumen drauf“, meinte Schierenbeck. Denn der späte Frost im April setzte den Blüten arg zu und ließ die Ernte schrumpfen. Das gekelterte Ergebnis konnte sich trotzdem sehen, pardon trinken, lassen.

Das Fest war daneben ein spontanes Bürgermeister-Treffen. Dr. Sascha Weber aus Wald-Michelbach, selbst aus dem Vereinssitz Kocherbach stammend, kam mit Gattin Katrin in die Nachbargemeinde. Jens Helmstädter aus Mörlenbach ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, alte Schulkameraden zu treffen. „Platzhirsch“ Markus Röth traf beim Besuch mit seinem fahrbaren Untersatz ins Schwarze. Er hatte die volle Aufmerksamkeit, als er mit seinem historischen Allgaier-Traktor bei den Eicher-Fans Schierenbeck/Mauermann vorfuhr. Den Bulldog kaufte Röth in Niedersachsen und ließ ihn dann per Spedition in den Überwald schaffen.

„Wir waren vom Besuch, den offenen Fragen, dem Kaufinteresse an den Biokartoffeln und spontanen Vereinseintritten absolut positiv überrascht“, bilanzierte Gerhard Ader für den Vorstand. „Die Gäste wiederum waren vom breiten Angebot absolut begeistert.“ So ging es auch den Organisatoren und Helfer, die von der Freundlichkeit und dem großen Interesse der Besucher sehr angetan waren

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Hier ist nichts so wie es scheint: Premiere der Gras-Ellenbacher Heimatbühne mit dem neuen Stück „Flammender Zorn“

Zum Schluss überschlagen sich die Ereignisse. In der letzten Viertelstunde geht es rund auf der Bühne in der Nibelungenhalle. Immer wenn das Publikum denkt, nach der ersten Überraschung kann keine weitere mehr folgen, gibt es eine neue Wendung, die noch mehr verblüfft und nach dem letzten Vorhang für rauschenden Applaus sorgt. Die Heimatbühne hatte Premiere mit ihrem neuen Stück „Flammender Zorn“.

So viel sei gesagt: Allein wegen den 15 Minuten im dritten Akt lohnt sich der Besuch. Wie es hier drunter und drüber geht, die Akteure noch einmal zu Höchstform auflaufen, sich gegenseitig beharken, ist eine Pracht. Wer hier nicht jede Sekunde aufpasst, der verpasst möglicherweise eine wichtige Nuance und könnte am Ende ratlos dastehen. Deshalb: Uffbasse.

Dabei entwickelt sich alles sehr gemächlich. Zuerst ist da der trauernde Witwer Walter Förster (Lothar Clade), der durch einen tragischen Unglückfall seine Frau Leonore (Elke Willutzki) verlor. Oder war es doch kein Unfall? Walter steigert sich immer mehr in die Vorstellung rein, dass Schwester Clara (Ann-Marie Teichert) die Gattin meuchelte. Der Arzt-Freund Paul Hofmann (Andreas Willutzki) steht zwischen den Fronten und vermittelt, so gut er kann.

Doch Walter wird immer irrer. Denkt seine Umgebung. Dabei ist der selbst jedoch überzeugt davon, dass ihn seine Verblichene anruft, mit ihm spricht und ihm sogar erscheint. Nur bekommen alle anderen (angeblich) davon nichts mit. Als ihm Leonore schließlich sogar aufträgt, „Mörderin“ Clara umzubringen, wird’s chaotisch. Es scheint nur noch die Einweisung in die Psychiatrie zu helfen. Denn Clara ist bereits am Rande des Nervenzusammenbruchs. Ihr Bruder macht ihr nur noch Angst.

Der allerdings weiß schon längst nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Fast muss der Zuschauer um Lothar Clade Angst haben, wie er sich immer mehr reinsteigert, dass die eigentlich unter der Erde liegende Ex noch am Leben ist, ihm sogar erscheinungsweise an die Wäsche geht. Aber Vorsicht: Es könnte auch alles nur gespielt sein. Immer mehr versteift sich der von Clade gespielte Walter darauf, dass seine Schwester für alles verantwortlich ist. Mit bekannten Auswirkungen. Er mutiert zum Psychopaten, der nur noch eines will: Rache. So redet es ihm Leonore schließlich ein.

Clara wird dadurch ganz (k)irre und dreht selbst fast ab. Wie die 15-jährige Ann-Marie Teichert in ihrer Rolle aufgeht, mit überschlagender, kippender, kieksender Stimme eindrucksvoll rüberbringt, wie ihr alles an die Nieren geht, nimmt man der Nachwuchsschauspieler sofort ab. Dass es alles nicht so ist wie es scheint, kommt erst später – macht aber die Ereignisse im zweiten Akt im Nachhinein zur wahren Schauspielerei. Es ist nicht nur die Rolle, die sie perfekt spielt, sondern auch die Rolle in der Rolle, die sich erst später auflöst.

Dass es der ruhige Paul faustdick hinter den Ohren haben würde, vermutet zu diesem Zeitpunkt auch noch keiner. Andreas Willutzki gibt den Fels in der Brandung, der nur schwer aus der Fassung zu bringen scheint. Er leiht allen sein Ohr, gibt den Guten, den Verständnisvollen. So gut, dass ihm Clara schließlich unter dem Mantel der ärztlichen Schweigepflicht anvertraut, dass sie doch etwas mit dem „Tod“ von Leonore zu tun hatte.

Die aber, scheinbar jedermanns und auch –fraus Liebling, entwickelt sich in der Rückschau zur männermordenden und -verführenden Femme fatale, die auf ihrem egoistischen Lebensweg viele Leichen hinterlässt. Nicht nur bildlich gesprochen, wie sich noch herausstellt. Elke Willutzki gibt die Hexe mit viel Verve, geht jedem und jeder an die Wäsche, wie es ihr gerade zum Vorteil und Befriedigung gereicht. Erst als Geist, dann irgendwann auch real spinnt sie ihre Intrigen und bringt Unheil in die Hausgemeinschaft.

Helga Dörsam als „Doyle das Medium“ macht zu Beginn und zwischen den Szenen die Besucher vertraut mit den Ereignissen. Sie reißt an, wie es weitergehen könnte, was vielleicht passiert – und führt damit geschickt in die Irre. Denn mit dem, was kommen würde, hatte sicher keiner gerechnet. Dass der „Geist“ Leonore nicht nur den geistreichen Getränken von Walter geschuldet ist, stellt sich noch als geringste Überraschung heraus.

Es verbünden sich solche, bei denen es man nicht gerechnet hätte, andererseits überrascht auch der scheinbar irre Walter mit seiner Pfiffigkeit. Ganz abgesehen von seiner mörderischen Entschlossenheit. Wer jetzt aber nur in eine Richtung denkt, der liegt falsch. Da hilft am besten, eine der kommenden Aufführungen zu besuchen und sich selbst davon zu überzeugen, was die Laienschauspieler in den vergangenen Probenwochen er- und geschaffen haben. Der Krimi statt einer Komödie, wie es sich Regisseur Clade wünschte, ist eine sehr unterhaltsame Abwechslung. Und lohnt sich.

 

Info: Weitere Aufführungen: Samstag, 21. Oktober, Samstag, 28. Oktober, Freitag, 17. November, Samstag, 18. November, Dienstag, 26. Dezember, Mittwoch, 27. Dezember, jeweils 20 Uhr, Nibelungenhalle Gras-Ellenbach. Vorverkauf und telefonische Bestellung über Kurverwaltung Gras-Ellenbach, Montag bis Samstag von 10 bis 12 Uhr, Montag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 Uhr, Telefon 06207/2554, oder unter http://www.heimatbuehne.net sowie an der Abendkasse.

Erstes Oktoberfest des TSV Gras-Ellenbach war ein schöner Erfolg

Bei der Premiere gleich ein großer Erfolg: Kein Wunder, dass der TSV Gras-Ellenbach im kommenden Jahr wieder ein Oktoberfest veranstalten will. Maßbier, Haxen und Weißwürste gingen in großer Zahl über die Theke. Besonders am Nachmittag, wie es der TSV vom Vatertagsfest an der Strieth-Grillhütte kennt, füllten sich die Bierbankgarnituren zusehends mit Gästen. Mit dem Maßkrugschieben und Holzbock-Nageln hatte der Verein sich noch zwei Gaudi-Attraktionen ausgedacht, die auf viel Zuspruch stießen.

Der TSV hatte im Sportlerheim früher schon einen bayrischen Abend veranstaltet. Die Odenwaldstuben waren mit einem Oktoberfest am Tag der deutschen Einheit vertreten. Nachdem das Lokal zumachte, schmiss der Verein beides zusammen und veranstaltete es an der vom ihm fest gepachteten Grillhütte. Mit Unterstützung von Attila Fodor, dem Sohn des Odenwaldstuben-Betreibers. Das schöne Ambiente im Tal kam zusammen mit dem herrlichen Sonnenschein, der zum Sonntagsausflug einlud, bestens an.

Festwirt war Jens Michel, der bei der Organisation auf vielfältige Hilfe aller Abteilungen zählen konnte. „Alles hat wunderbar geklappt“, freute der sich. 40 Dienste galt es im Vorfeld zu belegen, wozu sich genug Mitglieder fanden. Für die Haxen, die am Nachmittag sogar nachgeordert werden mussten, zeichnete Daniel-Hagen Wolf verantwortlich. Den Braten gab’s von der Metzgerei Müller. Essen, das natürlich bestens ankam.

Auch das Rahmenprogramm konnte sich hören lassen. Den Auftakt machte die Feuerwehrkapelle Wald-Michelbach unter der Leitung von Klaus Weihrauch mit ihren bekannten Stücken aus Schlager, Märschen, Polkas und Pop. Am Nachmittag war Alleinunterhalter Florian Koch dran. Der Abend gehörte dann dem TSV-DJ „Ötzi“ Heisinger.

Neben Dirndl und Krachlederner bei den TSV-Helfern war natürlich auch die Deko in Weiß-Blau gehalten. Wie die Speisekarte. Weißwurst mit Brezen, Nürnberger im Weck, Braten oder Schnitzel mit Kartoffelsalat befriedigten die leiblichen Gelüste. Dazu noch die Maß Schmucker-Festbier und zum Abschluss auf den vollen Magen bayrische Schnäpse zum Verdauen. Mehr geht nicht.

Obwohl, vielleicht doch: Das große Salatbüffet und die vielen Kuchen waren von der Ortsbevölkerung gespendet worden. Gerade der Kuchen bildete aufgrund der Größe der Stücke fast schon eine komplette Mahlzeit für sich. Und das zu Preisen, wie man sie auf dem Oktoberfest in München bestimmt nicht findet, betonte Fußball-Abteilungsleiter Thorsten Gleich. Die Haxen wurden schon zu 7,50 Euro angeboten, die Maß zu 6,80 Euro.

Für die Kinder gab’s eine Hüpfburg, die gestandenen Mannsbilder durften sich am Maßkrugschieben versuchen. Wer den gefüllten Krug am besten in den mittleren Kreis bugsierte, dem winkten Preise von 100, 50 und 25 Euro. Bei 600 Punkten (25 waren maximal bei einem Versuch zu erzielen) winkte „ein Kuss von unserer Schriftführerin“, meinte Gleich lachend. Nägel in einen Holzblock zu treiben gestaltete sich nach der einen oder anderen Maß natürlich etwas schwierig. Zum Glück waren keine Finger dazwischen.

Proben gehen in die Endphase: Am 6. Oktober feiert die Gras-Ellenbacher Heimatbühne Premiere des neue Stücks

„In den vergangenen Wochen waren wir fest beim Proben“, erzählt Regisseur Lothar Clade. Kein Wunder, denn am 6. Oktober ist die Premiere des neuen Heimatbühnen-Stücks in der Nibelungenhalle. Dort ist inzwischen auch das Bühnenbild aufgebaut, nachdem die Halle zuvor für die Kerwe belegt gewesen war. Nach vielen Jahren mit Komödien betritt die Heimatbühne in dieser Saison spannendes Neuland. Ein „Gras-Ellenbach-Thriller“ unterhält die Zuschauer in vorerst acht geplanten Aufführungen. „Flammender Zorn“ hat Clade den Krimi in drei Akten von Bernhard Hank Höfellner mit dem Originaltitel „Besessen“ getauft.

Clade beobachtet, sich selbst eingeschlossen, „eine stetige Steigerung“ bei den Akteuren. „Wir haben uns in die Rollen total eingelebt“, hebt er die intensive Arbeit der letzten Zeit hervor. „Das wird eine sehr schöne Aufführung“, weiß er. Die Proben gingen seinen Worten zufolge ihren bewährten Gang. Kein Wunder bei einem eingespielten Ensemble. Dazu kommt: „Das Stück ist in sich schlüssig.“

Clade fühlt sich deshalb auch in der einstimmig getroffenen Entscheidung bestätigt, dieses Mal einen Krimi anzugehen. Spannung gibt es aber nicht nur auf der Bühne. Der Regisseur ist auch gespannt darauf, „was das Publikum dazu sagt“, mal keine Komödie zu erleben. In den letzten zwei Wochen vor der Premiere standen und stehen acht fixe Probentermine an. Den 1. Oktober und den Feiertag hat man sich freigehalten, um bei Bedarf ebenfalls noch einmal zusammenzukommen.

Da aber sowieso schon Montag, Donnerstag und Samstag jeweils zwei- bis zweieinhalb Stunden geackert wird, „sind alle danach ein bisschen ausgepowert“, meint er. Denn schließlich muss „alles in den Kopf rein“. Clade ist aber überhaupt nicht bange, „dass wir wieder ein ordentliches Stück abliefern werden“. Denn alle sind mit Eifer bei der Sache. Auch wenn es keine Komödie ist, „haben wir immer viel Spaß bei den Proben“ und der eine oder andere Scherz kommt über die Lippen.

„Ich wollte nicht wieder eine Komödie wie in den vergangenen 30 Jahren bieten“, betont der neue Regisseur, der den „Job“ von Hedi Jährling übernahm. Vom Krimi „war ich von Anfang an begeistert“, so Clade. Vier Rollen sind im Original vorgegeben, die von ihm, Ann-Marie Teichert, Andreas Willutzki und Elke Willutzki verkörpert werden. Eine fünfte wurde für Helga Dörsam ins Stück reingeschrieben. Sie führt als „Doyle, das Medium“ durchs Programm und bestreitet auch die Überleitungen in den Pausen.

Die Mitspieler sind auch aufgrund der Komplexität wie Clade selbst „begeistert von dem Thriller“, hat der Regisseur beobachtet. Die Spannung baut sich über die drei Akte hinweg ständig weiter auf und fordert die Zuschauer zum beständigen Nachdenken auf. Wie der von ihm gespielte Walter Förster immer mehr zum Getriebenen wird, hat ihn beeindruckt.

Zum Inhalt: Eine Frau stirbt unter tragischen Umständen. Ein Mann verliert seine geliebte Frau. War es vielleicht sogar Mord? Die Ungewissheit darüber macht den Ehemann psychisch instabil. Das Ganze gerät außer Kontrolle, als er auch noch Telefonate erhält, die nur er hören kann. Zusätzlich erscheint ihm seine Frau, die er als einziger sehen kann.

Seine Schwester Clara ist verzweifelt und leidet unter seinen verbalen Ausfällen ihr gegenüber. Als er ihr auch noch die Schuld am Tod seiner Frau gibt, sucht sie Rat und Hilfe bei einem alten Freund der Familie. Da dieser auch noch Arzt ist, soll er den Ehemann in eine psychiatrische Klinik einweisen. Die Zeit drängt, denn der Geist der Toten verlangt nach Rache, und der Ehemann scheint diesem Wunsch täglich mehr nachkommen zu wollen.

Die Sonntags-Aufführung am 8. Oktober wurde auf 18 Uhr vorverlegt. Damit will die Heimatbühne den Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen aus der Region die Möglichkeit geben, zu einer früheren Zeit das Krimi-Stück zu besuchen. Aus Gesprächen mit dem Pflegepersonal nahm man mit, dass 20 Uhr zu spät für diese sei, betont Clade.

Info: Premiere Freitag, 6. Oktober, 20 Uhr. Weitere Aufführungen: Sonntag, 8. Oktober, 18 Uhr, Samstag, 21. Oktober, Samstag, 28. Oktober, Freitag, 17. November, Samstag, 18. November, Dienstag, 26. Dezember, Mittwoch, 27. Dezember, jeweils 20 Uhr, Nibelungenhalle Gras-Ellenbach. Vorverkauf und telefonische Bestellung über Kurverwaltung Gras-Ellenbach, Montag bis Samstag von 10 bis 12 Uhr, Montag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 Uhr, Telefon 06207/2554, oder unter www.heimatbuehne.net sowie an der Abendkasse.

 

Kerwe in Gras-Ellenbach: „Loasst doch die Kerweborscht de Iwwerwoald regier’n“

Wehe dem, der sich übers Jahr die Aufmerksamkeit von Kerweparre Tibor Mink zugezogen hatte. Der zückte gleich den Stift, notierte sich alles haarklein und breitete es nun in seiner Kerwepredigt am Sonntagnachmittag in der Nibelungenhalle in den schillerndsten Farben aus. Nach dem Umzug waren Teilnehmer und Besucher hineingeströmt und füllten die Sitzplätze bis in den letzten Winkel. Wer zu spät kam, musste mit einem Stehplatz vorlieb nehmen.

Bis alles vorbereitet war, die Kerwejugend in den Saal marschiert war und auch nach Minks Aufzählungen von diversen Unzulänglichkeiten sorgten die „Stephanos“ für Unterhaltung. Auf der Bühne hatten sich derweil die verschiedenen Umzugsteilnehmer niedergelassen, um dem Geschehen aus nächster Nähe beizuwohnen. Der Kerweparre, unterstützt von seiner ansehnlichen „Kerwebraut“ Erik Wolf, nahm kein Blatt vor den Mund.

Der Kulturtrip eines TSV-Fußballers nach Thailand fand bei ihm ebenso Erwähnung wie die doch nicht so fundierten medizinischen Kenntnisse eines örtlichen Möchtegern-„Medicus“. Der hatte so seine Probleme, die Unterschiede zwischen Schulterluxation und Bänderriss zu erkennen. Der Ausflug an den Wald-Michelbacher Sportplatz endete für einen Gras-Ellenbacher damit, dass er am nächsten Tag sein Auto im ganzen Ort suchte. Nur hatte er vergessen, dass er den fahrbaren Untersatz schon zuvor in gute Hände abgegeben hatte.

Ein Frühjahrs-Grillabend förderte im Herbst noch etwas zutage: Denn die versammelte Mannschaft übte sich im Pfeile schießen. Weil man dabei aber auch ziemlich viel Zielwasser intus hatte, ging was verloren: „Der Pfeil oan sich, der war verschwunne, ma hoat en ach net glei wie gefunne.“ Eben erst im Herbst, als die Pflanzen von Nachbars Terrasse in die Wärme sollten.

Schadenfreude ist die schönste Freude: Man sollte eben nicht mitten in der Nacht nach einem schönen langen Zechabend die Ersatzreifen aus der väterlichen Garage holen und dabei die falschen erwischen. Denn dann bleibt die Kiste bei der Werkstatt gleich länger stehen. Nochmal um Autos ging es in der Geschichte, als ein ortsbekannter Gras-Ellenbacher Autotüftler bei seinem Flitzer vergessen hatte, die Bremse zu ziehen. „Sou is des Fahrzeu, wie soll ich soache, mit voller Wucht in de Garasch oigschloache.“

Der alte Zwist zwischen Hammelbach und Gras-Ellenbach wurde vom Kerweparre ebenfalls wieder aufgewärmt. „So kam’s, wie’s kumme is, en halbwegs gute Kompromiss“, meinte Tibor Mink zur Gemeindefusion in den 70er Jahren. „Litzelboch un Hammelboch derfe regier’n, Scharboch muss des akzeptier’n. Gras-Elleboch un Woahle, die brauch mer zum Bezoahle.“ Er wusste die Patentlösung: „Man misst’s prowier’n, loasst doch die Kerweborsch de Iwwerwoald regier’n.“

Die Kerwe ist für die zahlreichen Helfer immer eine Herzensangelegenheit. Ein paar Mann kümmern sich um die Hauptorganisation, allen voran Attila Fodor. Über die fünf tollen Tage helfen etwa 40 Personen mit, damit alles reibungslos abläuft. Die Kerweburschen kümmerten sich um den Bau der Umzugswagen und organisierten den Ablauf, dazu kamen noch Bandunterstützer, Küchenkräfte und „Materialschlepper“.

Eine volle Halle an den verschiedenen Tagen dankte es ihnen. So wie am Sonntag, als zuerst der Kerwegottesdienst mit Pfarrer Stefan Ningel dort stattfand. Das Mittagessen, Gulasch mit Nudeln „à la Hagen“ vom benachbarten gleichnamigen Landgasthof Daniel-Hagen Wolfs, fand wie immer großen Anklang. Im Anschluss spielte die Kocherbacher Trachtenkapelle zum Kurkonzert auf. Die Musiker aus dem Wald-Michelbacher Ortsteil zeigten ihr Können mit ihrem breiten Repertoire aus klassischen Volksmusikstücken.

Draußen konnten sich derweil bei schönen Wetter die Kinder auf dem „Rummelplatz“ vergnügen. So lautete dieses Jahr auch das Motto der Nibelungenkerwe. Kettenkarussell, Süßwarenstand, Schießstand, Crepes-Bude und historisches Kinderkarussell standen als Attraktionen bereit. Allerdings fehlte ein wenig die Masse der Heranwachsenden für die verschiedenen Angebote.

Der Sonntag klang mit der Preisverleihung des Luftballon-Wettbewerbs aus dem vergangenen Jahr aus. Der Frühschoppen mit Freibier ging unter musikalischer Untermalung durch „Singles“ vor sich. Es gab deftiges Wellfleisch neben den Klassikern Bratwurst und Steaks. Der Landgasthof Hagen sorgte dafür, dass auch allerlei anderes frisch Gekochtes auf den Teller kam. Eine große Kuchen- und Tortentheke durfte nicht fehlen.

Dem Eingraben der Kerwe auf dem Grundstück dessen, der sich in diesem Jahr am meisten hatte zuschulden kommen lassen, ging ein Bilderrätsel mit Ortsbürgern voraus. „Jeder Tag lief dieses Jahr besser als im vergangenen“, freute sich Attila Fodor fürs Orga-Team. Beste Motivation also, es im kommenden Jahr mit neuen Kräften wieder anzugehen.

Zwei Mal feierten die Gras-Ellenbacher Kerwegäste eine große Party

Zwei Mal, eigentlich sogar drei Mal wurde bei der Kerwe heftig bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Am Freitagabend luden die Organisatoren zur großen Sause mit der Band „Xtreme“ ein, am Samstag begeisterte die 90er-Party die Feierwütigen. Inoffiziell war die Kerwe bereits am Donnerstagabend gestartet, als nach dem Ausschellen im Fußballerheim am Sportplatz bis halb 4 Uhr morgens gefeiert wurde. Den Anlass lieferte auch der TSV, der dem Tabellenführer Hüttenfeld in der C-Liga ein hochverdientes 3:3 abtrotzte.

Krachend voll mit etwa 430 Besuchern zeigte sich die Nibelungenhalle am Freitagabend. Kein Wunder, ist die Band „Xtreme“ doch eine Marke für sich und tourt regelmäßig durch die Region. Hier gab es keine Berührungsängste. Vom deutschen Schlager bis hin zu Metallica oder AC/DC: Stilgrenzen sind was von gestern. „Die Stimmung war einfach super“, war Attila Fodor vom Orga-Team hellauf begeistert.

Ganz egal welches Genre: Xtreme ließ sich nicht in eine musikalische Schublade stecken. Vielseitigkeit lautete das Stichwort – und das zelebrierten die sieben Musiker in Perfektion. Jeder Song war technisch perfekt einstudiert und bekam gleichzeitig einen individuellen Touch. Mit im Tourgepäck hatte die Band eine professionelle Bühnen-Performance, garniert mit einigen Pyro-Effekten.

Mit gleich drei Sängern war die Partyband für alle Songs gerüstet. Mario Schmelcher und Lukas Baum für den männlichen Part und Jenny Daniele für die weiblichen Stimmen sorgten dafür, dass zusammen mit rasanten Outfitwechseln die gesamte Bandbreite der Party-Hits abgedeckt werden konnte – egal ob das jetzt aktuelle Dance-Charts waren, Rock- und Pop-Stücke, Neue Deutsche Welle oder deutsche Schlager. Am Bass sorgte Björn Buhl für den richtigen Groove, den Takt gab Benedikt Weiß am Schlagzeug an, während Hannes Böhm am Keyboard die melodischen Untertöne besorgte. Bastian Ludäscher an der Gitarre hatte immer die richtigen Riffs aufs Lager.

„Despacito“ von Luis Fonsi oder der „Summer of 69“ von Bryan Adams hatten deshalb ebenso ihre Berechtigung wie ein 90er-, Malle-, Wolfgang-Petry-, Nena- oder Bayern-Medley, Songs von den Toten Hosen, Ärzten („Westerland“) oder den Sportfreunden Stiller („Ein Kompliment“). Zusammen mit Stücken von Queen („I want it all“), Robbie Williams („Angels“) oder Gloria Gaynor („I Will survive“) der beste Mix, um inklusive frenetisch erklatschter Zugabe die Gäste bis weit nach zwei Uhr bei Laune zu halten.

Am Freitagnachmittag waren einer alten Tradition folgend zehn junge Blumenmädchen zwischen zwölf und 25 Jahren mit einem Bollerwagen durch den Ort gezogen, um Blühendes für die Ausschmückung der Halle zu sammeln. Die Anwohner kennen den Brauch schon und hielten einiges an Blumen bereit. Alte Lieder, aber auch solche zum „Mitgrölen“ und der Gras-Ellenbacher Kerwesong durften dabei nicht fehlen.

Der daraus angefertigte Kerwekranz hing beim gestrigen Umzug am ersten Bulldog und wird danach über der Bühne aufgehängt. Die Kerweburschen waren ebenfalls schwer aktiv. Sie gruben am Freitag die Kerwe in Gestalt von zwei Flaschen Wein aus. Das geschah dieses Mal bei Jörg Fuhr, der sich im vergangenen Jahr einiges zu Schulden hatte kommen lassen, was von Kerweparre Tibor Mink aufgedeckt worden war. Die Jugendlichen zwischen 18 und 30 Jahren sind der alten Tradition folgend schon seit Anbeginn der Kerwe dahingehend aktiv.

Die beiden Ausscheller Leo Trautmann und Patrick Freudenberger waren bereits am Donnerstag durch die Ortsstraßen gezogen und hatten die Einwohner lautstark mit dem nahenden größten Fest des Jahres vertraut gemacht. In Gardeuniform gekleidet, hatten sie die Kerweregularien im Gepäck und taten diese kund. Anschließend wurde dann beim TSV bis in die Puppen weitergefeiert.

Ebenfalls sehr gut besucht war die Nibelungenhalle am Samstagabend, als DJ Comet Andreas Siebler von der Disco Kinki in Sinsheim zur 90er-Jahre-Party einlud. Und das nicht nur ein paar Stunden lang, sondern bis fast 6 Uhr am Sonntagmorgen. Es herrschte bei den mehr als 300 Gästen (mehr als vergangenen Jahr bei der Schlagerparty) eine Top-Stimmung und feierten alle eine heiße Fete unter Hawaii-Schirmen. Die Halle war entsprechend 90er-mäßig dekoriert mit Bravo-Wand, Super Mario-Figur und CD-Rohlingen.

Der DJ hatte alles im Gepäck, was die wilde Partymeute verlangte. Dazu gehörten Songs von Ace of Base, DJ Bobo, Milli Vanillli oder Kris Kross, aber auch Rock- und Popsongs. Ab 22.30 Uhr wurde die Halle proppenvoll und blieb es bis in den frühen Morgen. Wie die 90er waren auch die Besucher knallig bunt gekleidet. Die Bravo-Fotowand war von den Blumenmädchen gestaltet worden.

Mit Hartnäckigkeit kam sie an den Ausbildungsplatz: Charlotte Schamber aus Gras-Ellenbach macht eine Lehre im „Männerberuf“ Schreiner

Für Charlotte Schamber war schon früh klar, was sie nach der Schule machen will: eine Schreinerlehre. Bis es so weit war, hatte die 18-Jährige aus Gras-Ellenbach aber einige Hürden zu überwinden. Denn der Beruf scheint immer noch eine mit Klischees behaftete Männerdomäne zu sein. Sie bekam auf ihre Bewerbungen viele Absagen oder gar keine Antworten – obwohl viele Lehrstellen frei sind. Bis sie bei der Schreinerei Pracht im Beerfeldener Stadtteil Falken-Gesäß anklopfte – und gleich eine Zusage erhielt.

„Ich habe zuhause schon immer viele handwerkliche Sachen gemacht“, kam Charlotte früh mit dem Beruf in Berührung. Denn ihr Vater ist gelernter Schreiner und gab ihr so manchen Tipp. „Er hat mir bereits viel gezeigt.“ An der Fürther Heinrich-Böll-Schule machte die Gras-Ellenbacherin ihren Realschulabschluss und kam dann über Praktika mit verschiedenen Berufen in Berührung. Aber ob Floristin, Hufschmiedin oder Pferdewirtin – es war nicht der passende für sie dabei.

„Ich bin nicht der Mensch für Büroarbeiten“, sagt Charlotte über sich selbst. Ihr liegt eher das Handwerkliche. Eben, wie der Name schon sagt, die Arbeit mit den eigenen Händen, an deren Ende dann ein sicht- und greifbares Ergebnis steht. Da es mit dem Ausbildungsplatz nicht sofort klappte, absolvierte sie zuerst ein sogenanntes Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) in Bensheim. Drei Mal die Woche war Theorie angesagt, zwei Mal Praxis in Form von Praktika.

Bei der Ausbildungsstelle bei der Schreinerei Pracht steht nun die Praxis im Vordergrund. Theorie gibt‘s jetzt an der BSO Michelstadt jeden Freitag und jeden zweiten Donnerstag. Montag bis Mittwoch ist sie immer im Betrieb. „Ein weiblicher Lehrling ist schon selten“, weiß Juniorchef Daniel Pracht. „Das letzte Mal hatten wir vor fünf Jahren jemanden.“ Ihm imponiert an der 18-Jährigen, wie sie sich in einem traditionellen Männerberuf behauptet und mit anpackt.

Die Praxiserfahrungen für Charlotte sind dabei sehr vielfältig. Sie fährt mit auf die Montage, hilft mit, Küchen und Schränke einzubauen, packt beim Schleppen mit an, passt Fenster, Türen oder Böden mit ein. Vor kurzem gab es ein Schleiftraining bei einem renommierten Hersteller von Schleifmaschinen. „Ich will viel mit auf Montage sein, um zu sehen, wie dort gearbeitet wird“, verrät sie ihr Interesse an der Praxis vor Ort. Die Modernisierung von Objekten, wo es aufs Feine und Filigrane ankommt, hat es ihr auch angetan.

In der Pracht-Werkstatt übt sie die Herstellung von Schlitz- und Zapfen-Verbindungen. „Ich liebe es, etwas mit meinen eigenen Händen herzustellen.“ Einen anderen Beruf kann sie sich nicht vorstellen. „Wenn ich morgens aufstehe und gerne zur Arbeit gehen, dann habe ich was richtig gemacht“, lacht sie. Peter Schäfer, der im vergangenen Jahr seine Lehr abschloss und jetzt den Meister macht, betreut die Lehrlinge im Betrieb.

„Ich habe überhaupt keine Probleme als Frau im Männerberuf“, kommt sie mit ihren Kollegen in der Schreinerei Pracht bestens klar. Auch der Freundeskreis findet es „ziemlich cool“, dass sie diesen Job macht. Ihre Mutter hat lediglich die Sorge, dass sie sich an der Säge in die Hand schneiden könnte und rät ihr zum Aufpassen, schmunzelt Charlotte.

„Schon vor einem Jahr habe ich lange eine Ausbildungsstelle gesucht“, verdeutlicht die Gras-Ellenbacherin ihren langen Atem. Auch wenn es etwas dauerte, „wollte ich das nicht aufgeben“. Eine Einstellung, die auch Daniel Pracht beeindruckt: „Wer sich als junge Frau für diesen Beruf entscheidet, will es wirklich“, sagt er. Ihm imponieren die „taffen Mädels“, die sich behaupten. Als Charlotte noch keine 18 war, fuhr sie jeden Tag mit dem Roller von Gras-Ellenbach nach Falken-Gesäß. Nach dem kürzlichen Geburtstag ist der Weg mit dem Auto jetzt einfacher.

Mit seiner Kochinsel hat Daniel Pracht vor kurzem in Fachkreisen für Aufsehen gesorgt. Dabei ging es ihm eigentlich erst einmal darum, im Rahmen seines Meisterkurses eine Idee fürs eigene Zuhause praktisch in die Tat umzusetzen. Der 31-Jährige hatte nicht damit gerechnet, dass er damit gleich den renommierten Bad Wildunger Designpreis gewinnen und extrem positives Feedback bekommen würde. Eine Kochinsel wollte der Schreinermeister schon länger für seine Wohnung bauen. Als es im vergangenen Jahr darum ging, die 2011 begonnene Ausbildung abzuschließen, kam der Gedanke als Meisterarbeit wieder ins Spiel.

Die Schreinerei Pracht gibt es seit 60 Jahren, inzwischen in dritter Generation. Im Wohnhaus am Postweg in Falken-Gesäß ist gleichzeitig auch das Büro untergebracht, es geht beengt heimelig familiär zu. Gleich neben dem Eingang hat Seniorchef Helmut Pracht seinen Schreibtisch stehen, der Blick nach vorn geht auf zwei Computer mit dem gesammelten Firmenwissen. 16 Mitarbeiter zählt die Schreinerei heute, davon allein vier aus der Familie. Daniel Prachts Bruder Florian hat gerade im ersten Lehrjahr die Ausbildung zum Schreiner begonnen.

„Die Arbeit soll erfüllen: Das geht nur zusammen“, betont Daniel Pracht. Ihm schweben für die Zukunft Komplettlösungen für Innenausbauten vor, bei denen die Schreinerei als eine Art Kompetenzzentrum mit vielen Spezialisten unter einem Dach fungiert. Dies immer mit dem Anspruch, dass Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen zufrieden sind.