„Rhein-Neckar-Böhmische“ huldigten beim Kurkonzert in Gras-Ellenbach Ernst Mosch beim Kurkonzert in der Nibelungenhalle

Der unvergessene  Ernst Mosch ließ grüßen. Die „Original Rhein-Neckar-Böhmische“ aus Ladenburg huldigten dem jahrzehntelangen Schaffen der Volksmusik-Größe bei ihrem  Kurkonzert in der Nibelungenhalle. Der Blasmusik-Vormittag stand ganz im Zeichen des 1925 im heutigen Tschechien geborenen Musikers. Ihm und seinen Egerländer Musikanten waren die meisten Stücke beim Konzert gewidmet. Um die zwei Stunden lang spielten die zwölf Musiker Märsche, Walzer und Polkas, dass dem vorwiegend älteren Publikum in Erinnerung an die Jugendjahre das Herz aufging.

Für die junge Kapelle war es erst der vierte öffentliche Auftritt. Den ersten hatte sie vor zwei Jahren bei der Kerwe in Unter-Schönmattenwag. Die zweite Feuertaufe, ebenfalls in Gras-Ellenbach vor einem Jahr, absolvierten die Hobby-Musiker mit professionellem Auftreten mit Bravour. Zwischenzeitlich waren sie auch einmal in Fränkisch-Crumbach aktiv, ehe es jetzt wieder nach Gras-Ellenbach ging, wo die Kapelle von etwa 80 Zuschauern erwartet wurde.

Ein „Sehr gut“ oder ein „Bravo“ aus dem Publikum nach den einzelnen Stücken machte verbunden mit viel Applaus deutlich, dass dieses große Freude an den einzelnen Titeln hatte. Den Schwerpunkt legten die Akteure unter der musikalischen Leitung von Günter Hofmann auf Stücke von Ernst Mosch mit Ausflügen von der Operette über Märsche aus der k. u. k. Zeit bis hin zur Stimmungsparade.

Moderator Thorsten Kurtze führte nicht nur in die einzelnen Stücke, sondern auch ins Leben des 1925 im heutigen Tschechien geboren Ernst Mosch ein. Der kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg kurz in seine Heimat zurück, heiratete dort seine Frau Lydia, musste aber dann fliehen und ließ sich zuerst in Hamburg nieder. Ursprünglich dann als Jazz-Posaunist 1951 nach Stuttgart gekommen, waren die Heimat und ihre Musik in seinem Leben aber stets präsent.

Mosch besann sich auf seine Wurzeln und gründete am 21. April 1956 die Egerländer Musikanten, mit denen er sofort große Erfolge feierte. Einem ersten Auftritt mit 18 Musikern im öffentlich-rechtlichen Rundfunk folgte eine große Resonanz auf seine Musik. Eine goldene Schallplatte 1960 für eine Million verkaufte Singles war der schnelle Lohn. „Es folgten 40 Jahre erfolgreiches Musizieren“, so Kurtze.

Neben den „Jungen Musikanten“ spielte die Kapelle nicht nur die weltbekannte „Edelweiß-Polka“, sondern auch andere bekannte Melodien aus dieser Zeit. In den einzelnen Stücken setzten die Instrumenten-Gruppen eindrucksvoll ihre Akzente. Mal waren es die Klarinetten, mal die Trompeten, ein anderes Mal die Tenor- und Flügelhörner oder Posaunen, die aufhorchen ließen. Schnell kamen die ersten Zuhörer bei den beschwingten Melodien in Schunkellaune, wurde später sogar mitgeklatscht.

Mit dem Walzer „Böhmischer Wind“ hatte das Ensemble einen Klassiker von Mosch im Programm. Der zeigte, so Kurtze, die große Heimatverbundenheit des Musikers. Die kommt unter anderem in der Zeile „Weit in der Ferne weht der böhmische Wind, er wird noch wehen, wenn wir nicht mehr sind“ zum Ausdruck. Symbolisiert wurde der Wind durch die beiden Klarinetten. Das Lied wurde 1999 auch auf dem Begräbnis von Ernst Mosch gespielt.

„Musik, Musik“, „Im Wäldchen“ oder der „Brautnacht-Walzer“ waren neben dem „Strohwitwer“, dem „Kammbläser-Marsch“ oder diversen Oden an die Heimat wie „Dort tief im Böhmerwald“, „Egerland-Heimatland“ oder „Die schöne Egerländerin“  gerne gehörte Klassiker. „Vajnorska-“ und „Brautschau-Polka“,  der „Egerländer Liedermarsch“ oder eine  Stimmungsparade waren weitere Stücke der Blaskapelle, die sie musikalisch auf hohem Niveau darbot und damit immer wieder viel Beifall einheimste. Letztes Stück im regulären Programm war der „Rocking March“, wobei am Schlagzeug Andreas Staudt glänzen durfte.

Der musikalische Leiter Günter Hofmann ist ein echter Odenwälder aus Brombachtal. Er war viele Jahre Mitglied der Blaskapelle Langen-Brombach und auch bei der Dorfkapelle Lauerbach aktiv. Nach dem Umzug vor neun Jahren nach Ladenburg scharte er dort eine große Zahl Holz- und Blechbläser um sich, die seine Liebe zur Musik von Ernst Mosch teilten. Die kommen neben Ladenburg auch aus Dossenheim, Heidelberg, Wiesloch, Wahlen, Michelstadt und Waibstadt. „Musikalisch haben wir fleißig geprobt und unser Repertoire um einige Stücke erweitert“, sagte Hofmann

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Die „Irish Voices“ stehen in den Startlöchern für die neue Konzertsaison im Odenwald

Wenn die Natur in Deutschland erwacht, dann sprießen auch wieder die musikalischen Knospen von der „Grünen Insel“. Wobei die „Irish Voices“ beileibe nicht im Winterschlaf waren, sondern seit vergangenem Herbst kräftig an neuen Songs feilten. Die gibt es am Vorabend des St. Patrick’s Day erstmals in Mörlenbach zu hören, ehe dann im April das Jahresprogramm startet. Die ersten Auftritte der Irish-Folk-Gruppe aus dem Odenwald mit vielen neuen Songs und Tunes sind bereits unter Dach und Fach.

Die Konzerte der „Irish Voices“ versprühen immer gute Laune und sind prädestiniert für unterhaltsame Abende, bei dem das Flair der Grünen Insel mit jeder Faser zu spüren ist. Die Gruppe setzt bewusst nicht auf die irischen „Folk-Schlager“, wie sie hoch unter runter laufen, sondern will die ungefilterte Pub-Atmosphäre rüberbringen. Seit nunmehr 15 Jahren touren die Musiker mit ständig verändertem Programm. Sie wollten eigentlich alle niemals in einer Band auftreten, aber es hat sich durch ihre Liebe zur traditionellen irischen Musik „alles so ergeben“.

Zunächst waren Johanna Boch und Siggi Winkler als Duett auf privaten Feten und später auch öffentlich unterwegs. Dann wurden sie mit Simone Köhler zu einem Trio, später mit Friederike Hornauer zum Quartett. Im vergangenen Jahr musste Johanna Boch ihre Musikerfreunde aus gesundheitlichen Gründen verlassen, seitdem sind diese wieder als Trio unterwegs: musikalisch gereift, mit altem Konzept, aber neuen Ideen und immer wieder neuen Songs.

Ihre Musikrichtung definieren die Drei als „Traditional Irish“ – nicht immer, aber überwiegend. Dafür stehen die traditionellen Instrumente Geige, Gitarre, Gitarrenbanjo, Bodhran, (Tin) Whistle, Viola, Querflöte und natürlich die Stimmbänder. „Keyboard, Schlagzeug und andere zeitgemäß opportune Instrumente sind bei uns nicht zu erwarten“, betont Simone Köhler.

Mit inzwischen über 200 Songs und Tunes ist die Auswahl für ihre (O-Ton) „Konzertchen“ immer eine „Qual der Wahl“, schmunzelt Siggi Winkler. Aber es werden jedes Jahr über Winter weiterhin neue Songs eingeübt. „The long run“, „Farewell to the Rhonda“, „The water is wide”, „Treat me doughter kindly”, „Any town in Ireland” oder „The working man“ sind einige der „neuen Lieder”. Teils sind sie populär, teils aber auch nur als „Local Songs” in Irland bekannt.

Für Abwechslung sorgen immer einige eingestreute Ourewäller Mundartsongs, die überwiegend aus eigener Feder stammen. Die „Irish Voices“ wollen ihre regionalen Auftritte in diesem Jahr auf zehn begrenzen. Davon sind sieben öffentlich. Auf der Agenda stehen im Frühjahr zunächst zwei Konzerte: Saisoneröffnung ist am Vorabend des „St. Patrick‘s Day“ am Freitag, 16. März, um 19.30 Uhr im katholischen Pfarrheim Mörlenbach. Hierzu wird als „Schmankerl“ eine Fotoshow mit 1000 Bildern aus Irland vorbereitet.

Das eigentliche Premierenkonzert findet am Samstag, 14. April, in Weiher um 20 Uhr im Landgasthof „Zur Mühle“ statt. Vorreservierungen sind hierzu unter Telefon 06209-1634 zweckmäßig. Es folgen später Auftritte in Zotzenbach (Museum Rotes Haus, 3. Juni) und Birkenau (Bistro Toskana, 17. Juni). Ende September tritt das Trio traditionell im Nibelungencafé des Hotels Gassbachtal in Gras-Ellenbach auf.

Ihre Inspirationen bezieht die Irish-Folk-Gruppe oft an einer irischen Musikschule, bei der die Mitglieder seit Jahren regelmäßige Gäste sind. „Stillstand ist Rückschritt“, erklären Simone Köhler und Friederike Hornauer immer wieder. Daher gehören auch wiederkehrende musikalische Exkursionen auf die Grüne Insel zum „Pflichtprogramm“. Siggi Winkler kam erst vor wenigen Tagen von seinem 21. Aufenthalt aus Dublin zurück. Dort besuchte er ein Folkfestival und gewann die Erkenntnis, dass sich die Musikszene in Irland weiter verändert hat.

Dublin ist aber nicht Irland. Besonders in der Provinz kann man das echte Irland erleben, während sich Dublin mit der Zeit multikulturell entwickelt hat. Aber die Tradition lebt auch dort weiter, was der Weiherer bei einer Session an einer Musikschule in Dublin selbst erlebte. Es gibt viele junge, begabte Musiker. Das „Trinity College“ mit seinen über 1000 Schülern sowie zahlreiche Musikschulen in der Stadt und auf dem Lande sind die „Brutstätte“ dafür.

Info: Das komplette Programm zusammen mit den Auftrittsorten kann unter http://the-irish-voices.chapso.de eingesehen werden.

Neujahrsempfang der SPD Grasellenbach mit dem neuen UB-Vorsitzenden Marius Schmidt als Festredner

Ein Blick in die Welt, aber vor allem auf Deutschland und die Heimat: Die SPD Grasellenbach hatte zum inzwischen elften Neujahrsempfang ins Foyer der Nibelungenhalle eingeladen. Der Vorsitzende Franz Hartmann blickte auf 2017 zurück und voraus aufs laufende Jahr. Gastredner waren der neue Unterbezirks-Vorsitzende Marius Schmidt und Bürgermeister Markus Röth. Für die Musikeinlage sorgten Nadine Jöst und Alisa Pump.

„Das Jahr 2017 war in vieler Hinsicht ein aufregendes und nicht gerade ruhmreiches“, sagte Hartmann. Die Themen Populismus, Terror und Flüchtlinge bestimmten wieder den politischen Alltag, bedauerte er. Vor dem Hintergrund des AfD-Einzugs in den Bundestag müssten alle Demokraten aufstehen und dafür kämpfen, „dass diese populistische Stimmungsmache aufhört“.

Leider sei der Aufschwung des Populismus nicht nur in Deutschland ein Thema. Hartmann nannte hier USA, Türkei und Nordkorea. 2017 sei trotz wirtschaftlichem Aufschwung bedauerlicherweise wieder stark geprägt von Angst gewesen. Wenn jeder auch nur ein bisschen an den anderen denke, „dann ist der erste Schritt zum Besseren getan“, sagte er.

„Was Deutschland betrifft, brauchen wir umgehend eine stabile Regierung“, so Hartmann. Ob große Koalition oder Neuwahlen,  werde sich in den nächsten Wochen entscheiden. Wie es in den vielen weltweiten Krisengebieten, ob im Nahen Osten oder in Afrika weitergeht, sei ebenfalls noch nicht absehbar. Er äußerte seine Hoffnung, „dass die Handelnden wieder mehr den Menschen in den Mittelpunkt stellen“.

Der neue UB-Vorsitzende Schmidt ging zuerst kurz auf seine Person ein. Seit November als Nachfolger von Christine Lambrecht im Amt, hat der 26-Jährige sein Politikstudium derzeit quasi beendet. Er ist seit 2016 Kreistagsabgeordneter und Fraktionsvorsitzender der SPD in der Lampertheimer Stadtverordnetenversammlung. Im Spätjahr kandidiert er in der Nachfolge von SPD-MdL Norbert Schmitt im Wahlkreis Bergstraße West für den hessischen Landtag.

„Es geht viel, wenn in einer Kommune mit vereinten Kräften zusammengearbeitet wird“, betonte Schmidt. Grasellenbach attestierte er eine gute gemeindliche Entwicklung. Vieles von dem, was im vergangenen Jahr begonnen wurde, setze sich in 2018 fort. Es sei wichtig, dass Deutschland eine stabile Regierung habe, forderte er. Doch genauso gut gelte es, „über den Tellerrand hinauszuschauen“. Überall seien große Veränderungen im Gang. Es heiße Abschied zu nehmen von Selbstverständlichem, sagte er.

„Sicherheiten gibt es keine mehr“, hob der UB-Vorsitzende hervor. Mit dem Verweis auf Trump, die EU-Krise oder autoritäre Regierungen wies er auf die Umwälzungen hin. Stabilität  und Wohlstand gilt es seinen Worten zufolge zu erhalten. Gleichzeitig „müssen wir auch an unsere Mitmenschen denken“ und die Dinge gemeinsam angehen, so der Lampertheimer.

Die Sondierungsgespräche über eine Fortsetzung der großen Koalition fanden sich logischerweise auch in den Äußerungen von Schmidt wieder. Er sprach kein klares Für oder Wider aus, sondern äußerte sich sehr diplomatisch. Er selbst, meinte der SPD-Mann, wäge in der Regel ab, ob eine solche Regierung „dem Gemeinwohl dient“. Die Sozialdemokraten treten dafür ein, „Deutschland ein bisschen besser und gerechter zu machen“.

Schmidt zählte verschiedene SPD-Forderungen auf, die sich in den Sondierungen wiederfanden.  Andererseits „gibt es Dinge, die weh tun und wo mehr gegangen wäre“. Er traue es den SPD-Mitgliedern zu, über einen späteren Koalitionsvertrag zu entscheiden, ob dieser „der große Wurf“ sei und genug Antworten auf die anstehenden Probleme gebe.

Als Ansporn für die Landtagswahl im Spätjahr wertete es Schmidt, nach 19 Jahren endlich die CDU-geführte Regierung in Hessen abzuwählen. Zum Glück habe die SPD in der großen Koalition auf Kreisebene seit 2016 Akzente im sozialen Bereich gesetzt und so manchen Kahlschlag durch fehlende Landesmittel ausgeglichen. „Es geht um  unterschiedliche Politikansätze“, sagte der Landtagskandidat. Beispielhaft nannte er die frühkindliche Bildung, die komplett kostenlos sein müsse. Die Wahl von radikalen Parteien aus Unzufriedenheit mit den Volksparteien ist für Schmidt keine Lösung.  „Stärken Sie mit ihrer Stimme die demokratische Auseinandersetzung“, forderte er die Anwesenden auf.

Bürgermeister Markus Röth ging auf bürokratische Hürden ein, die den Verwaltungen oft das Handeln  im Dienste der Bürger erschweren. Auch sorge der Zuschussdschungel für viel Aufwand, um die benötigten Mittel  zu erhalten. Er zeigte sich froh über das große Engagement der Bürgerschaft. Allerdings gebe es auch  beim Ehrenamt immer wieder „Konjunkturzyklen“.

Röth bezeichnete es als sehr wichtig,  den ländlichen Raum weiterzuentwickeln.  Gleichzeitig freute er sich, dass die Einwohnerzahl von Grasellenbach erstmalig über 4000 gestiegen sei. Allerdings müsse sich der Staat „Gedanken über die Regionalpolitik machen“, forderte er. Die dritte Änderung des Landesentwicklungsplans ist für den Bürgermeister inhaltlich „Schwachsinn“. Der bürokratische Aufwand stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen für den Bürger.

Mit Blick auf den Ort ist es für Röth wichtig, dass die Dichte in Gastronomie erhalten bleibt. Denn in der vergangenen Zeit habe man einige Schließungen verzeichnen müssen.  Über die Hessenkasse tilge man in den kommenden 23 Jahren die Hälfte der Kassenkredite von knapp vier Millionen, die andere Hälfte übernimmt das Land.

Info: Der SPD-Unterbezirk Bergstraße informiert am Freitag, 19. Januar, 18 Uhr im Restaurant „Gossini“  Heppenheim seine Mitglieder über das Ergebnis der Sondierungen. Christine Lambrecht berichtet von den Verhandlungen.

Trotz des Fehlstarts legt der TSV Gras-Ellenbach derzeit in der Fußball-Kreisliga C mit dem sechsten Tabellenplatz „voll im Soll“

„Die Hinrunde ist trotz eines kapitalen Fehlstarts mit einigen Niederlagen in Folge sehr gut gelaufen“, freut sich der Spielertrainer des TSV 09 Gras-Ellenbach, Ronny Sauer. Das Saisonziel in der Bergsträßer Fußball-Kreisliga C wurde im Sommer mit Platz fünf bis acht definiert. Mit dem derzeitigen sechsten Tabellenrang „liegen wir voll im Soll“, sagt er. Acht Punkte Vorsprung hat die Mannschaft derzeit auf den neunten Platz. Für den Coach ein schönes kleines Polster. Zum fünften Platz sind es aktuell nur vier Punkte bei einem Spiel weniger, sieht er sogar noch ein wenig Luft nach oben.

Die Situation ist seinen Worte zufolge auch deshalb nicht zu verachten, weil der Verein die vergangenen drei Jahre immer auf Tuchfühlung zu den Abstiegsrängen stand. „Daher sind die gezeigten Leistungen auf dem Platz sowie der sechste Tabellenplatz schon stark einzuschätzen“, betont er.

Die Mannschaft hat sich laut Sauer „super weiterentwickelt“ und zeigt das auch in den Spielen. Das Team setzt immer mehr die taktischen Trainer-Vorgaben um und lernt von Einheit zu Einheit dazu. Selbst nach „üblen Niederlagen“ fanden sich danach zur Freude des Coachs 16 bis 18 Spieler im Training ein. Die Mannschaft identifiziert sich mit den Aufgaben und der Vereinsidee zu 100 Prozent, weiß er.

„Die Trainingsbeteiligung ist herausragend“, kann Sauer aus dem Vollen schöpfen. Von 22 Leuten haben 19 regelmäßig teilgenommen. „Das ist außergewöhnlich“, ist er mehr als angetan von der Motivation – bedenkt man die Tatsache, dass es schwere Verletzungen gab und im Team Schichtarbeiter aktiv sind. Nach Beginn der Runde kam zum Team neben Mark Heisinger und Kai Hiller (beide Torhütertrainer) noch Robert Ulrich als Co-Trainer dazu.

Mit ihm tauscht sich Sauer nach allen Einheiten und Spielen aus, wodurch er die Möglichkeit hat, das Spiel auch von außen zu bewerten. „Robert ist für mich eine Riesenunterstützung“, hebt er hervor. Für den Coach macht es momentan einfach Spaß beim TSV – und die Stimmung ist auch dementsprechend. In der öffentlichen Wahrnehmung scheint die Mannschaft ebenfalls eine größere Außenwirkung zu haben, beobachtet er. Es finden sich immer mehr Zuschauer auf dem Platz ein, um den Begegnungen beizuwohnen.

„Robert und ich haben auch schon für kommende Runde zugesagt“, ist für Sauer die logische Konsequenz. Auch die Zusage des Großteils der Mannschaft steht bereits, ist Konstanz angesagt. „Mein Wunsch wäre, dass wir keinen Spieler abgeben und uns dadurch noch weiterentwickeln können“, sagt er. So oder so soll es aber keine große Spielerfluktuation geben. Die Jungs gehören zum Inventar des Vereins und sind gar nicht mehr wegzudenken. „Uns täte es um jeden einzelnen Spieler leid“, betont der Coach.

Aktuell befindet sich der Verein trotzdem mit potenziellen Neuzugängen in Gesprächen. Dadurch hofft man, die Mannschaft punktuell verstärken zu können. Es muss für Sauer aber passen, „da Fußball aus unserer Sicht nur im Kollektiv funktionieren kann“. Ein Individualist ist für ihn willkommen, sofern er das Team besser machen will. Aber er muss für die Mannschaft arbeiten, nicht das Team für ihn. „Funktionierende Mannschaften wie der TSV haben für so etwas immer ein sehr gutes Gespür.“

Bauchschmerzen bereitet dem Trainer aktuell das Fehlen eines Schiedsrichters, „da wir so in der nächsten Runde einen Punkt abgezogen bekommen“. Seiner Beobachtung nach brennen die Spieler aber dermaßen für den Verein, dass sie eventuell auch dieses Problem gemeinsam angehen wollen.

2016 hat sich der TSV Gras-Ellenbach neu aufgestellt – mit neuem Vorstand, neuem Trainergespann und teilweise neuem Team. Nach eineinhalb Jahren „können wir sagen, dass wir einiges zusammen bewegt haben“. Zurücklehnen wird sich aber niemand, ist für Sauer klar. Der Vorstand und die sportliche Leitung sind mit vollem Elan dabei und machen den beiden Trainern das Arbeiten dadurch sehr einfach, weiß er.

Die Vorbereitung startet dieses Jahr am 27. Januar mit einem Spiel gegen Beerfelden. „Wir wollen, dass sich die Spieler gut auf die erste Einheit einstellen, da die Vorbereitung sehr kurz ist“, betont Sauer. Eine Woche früher als geplant steht das Nachholspiel gegen Türkspor an. Seiner Meinung nach sind hier die Karten komplett neu gemischt, da beide Teams erst mal in den Rhythmus kommen müssen. Es ist für Sauer wichtig, gut zu starten, um nicht eine ähnlich schlechte Rückrunde zu spielen wie 2017. „Damals sind wir im neuen Jahr ziemlich eingebrochen“, weiß der Coach. „Das gilt es zu verhindern“, ist seine Maxime.

Kocherbacher Verein Luna ist Pate für zwei Gras-Ellenbacher Wasserbüffel-Kälbchen

Der Verein zur Förderung umweltverträglicher, nachhaltiger und artgerechter Landwirtschaft Luna hat rechtzeitig zum Weihnachtsfest den zweiten vierbeinigen Nachwuchs bekommen. „Kabul“, ein kleines Wasserbüffel-Kälbchen, kam am 15. Dezember zur Welt. Bereits Ende Oktober, pünktlich zum Luna-Kartoffelfest, vergrößerte eine junge Dame die Gallowayherde der Luna-Partner und zertifizierten Biolandwirte Wolfgang Schierenbeck und Joachim Mauermann in Gras-Ellenbach. Der Verein hat die Patenschaft für die beiden Kälbchen übernommen, die weiterhin bei ihren Müttern und in der jeweiligen Herde artgerecht aufwachsen dürfen.

Luna hat im ersten Jahr seiner landwirtschaftlichen Tätigkeit die anvertrauten Flächen von etwa 15 Hektar mit seinen Partnern tadellos bewirtschaftet, berichtete Vorsitzender Dr. Thomas Michel zu diesem Anlass. Auch ohne „Gülle“ und Pestizideinsatz wurden seinen Worten zufolge hervorragende Ergebnisse erzielt und die gesetzten Ziele weit übertroffen. Jeder Besitzer eines Gartens oder landwirtschaftlicher Flächen „trägt Verantwortung sowie kann und sollte etwas für unsere Natur tun“, betonte Vorstandsmitglied Jürgen Klieber.

Dies könne dadurch geschehen, in dem er als Eigentümer die bestehende Pacht kündige, um dann in absehbarer Zeit (2020) selbst über seine Flächen bestimmen zu können und diese nachhaltig sowie umweltverträglich bewirtschaften zu lassen. Dies ist Heinz Trautmann zufolge ein weiterer Schritt um zu zeigen, „dass auch im Überwald nachhaltig und artgerecht Nahrungsmittel erzeugt werden“. Einige wenige Landwirte praktizierten dies ja erfreulicherweise immer noch.

Die Umstellung ist laut Luna auch bitter nötig. Denn nicht von ungefähr vervielfältigten sich die Berichte über Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft auf die Natur, Artenvielfalt, Wasserqualität und damit auf den Menschen immer mehr, weiß Vorstandsmitglied Thomas Langer. Glyphosat dürfte alleine und fachgerecht verwendet relativ wenig krebserregend, so Gerhard Ader. Es sei aber das am häufigsten eingesetzte und potenteste „Pflanzenschutzmittel“, somit Pestizid und Gift.

Überdüngung verseuche das Grundwasser, betont Michel. In Deutschland sei die kritische Marke vielfach weit überschritten. Weshalb nach einer Klage der EU-Kommission eine neue Düngeverordnung zum Schutz des Wassers her musste. Diese wurde im November vorgestellt. Vertreter von Luna waren bei der Präsentation in Reichelsheim dabei. Es wird Verbesserungen geben, sagte der Vorsitzende, wenn sich alle an die Verordnung hielten. „Die einflussreiche Lobby konnte sich aber wieder vielfach durchsetzen“, beklagt er.

Anfang Februar werden auf der Grünen Woche in Berlin vermutlich neue Interpretationen vorgestellt. Luna-Mitglieder sind dort dabei. Danach ist eine Veranstaltung für Vereinsmitglieder und interessierte Bürger geplant, auf der dieses Gesetz vorgestellt wird. Jürgen Klieber wies auf die Folge von zu häufigem Einsatz von Pestiziden und Überdüngung hin. „Zuerst sterben die Pflanzen, dann die Insekten, dann die Vögel und dann…“ sei ein geflügelter Satz.

Luna war im abgelaufenen Jahr vielfältig aktiv. Es wurde einige Informationsveranstaltungen ausgerichtet und einige besucht. Besonders erfreute den Verein, dass Theresa Bartmanns Projekt für ökologische Pferdehaltung an der Heckenmühle von der Sparkassenstiftung Starkenburg mit einem Sonderpreis gefördert wurde. „Mittlerweile freuen sich drei Reitpferde über die große Weide und den neuen Unterstand“, so Langer.

Zu den Aktivitäten zählten auch die Anpflanzung von zehn Obstbäumen mit Hilfe eines neuen Erdbohrers und das erfolgreiche Kartoffelfest. Aufgrund der großen Nachfrage muss die Anbaufläche für die Nicola-Kartoffel 2018 erheblich erweitert werden. Es gab spontane Vereinseintritte und Angebote zur Anpachtung von neuen Flächen. An der nachhaltigen Nutzung ihrer eigenen landwirtschaftlichen Flächen interessierte Mitbürger könnten sich überlegen, noch in diesem Jahr ihre Flächen zu kündigen, meinte der Vorsitzende. Sie hätten dann die Möglichkeit, ab 2020 über ihr eigenes Gelände zu verfügen. „Luna berät gern“, betonte er. Jeder könne etwas für Natur und Heimat tun, Landbesitzer besonders. „Nur in einem gesunden Boden kann gesunde Nahrung wachsen.“

Allerdings wäre der Verein nicht so erfolgreich ohne seine Mitglieder, Helfer, Unterstützer, Sponsoren und Kunden, betonen die Vorstandsmitglieder. Deshalb gilt diesen am Jahresende ihr großer Dank. Im kommenden Jahr steht weiterhin der fachgerechte Schnitt der Obstbäume an, daneben das Vermessen und Markieren der neu angepachteten Flächen. Im Frühjahr folgt dann der Anbau von Kartoffeln und Gemüse.

Kartoffeln in allen Formen: Verein für ökologische Landwirtschaft Luna aus Kocherbach hatte zum Fest eingeladen

Alles drehte sich um die Kartoffel in allen möglichen Formen. Ob in einer leckeren Suppe mit allerlei weiteren Zutaten, ob in Form von Kartoffelpuffern mit Apfelmus oder einfach nur „pur“ im Fünf-Kilo-Sack. Der Verein zur Förderung umweltverträglicher, nachhaltiger und artgerechter Landwirtschaft „Luna“ aus Kocherbach hatte vor kurzem seine erste Kartoffelernte eingebracht und das zum Anlass genommen, auf den Hof der Biolandwirte und Wasserbüffelzüchter Wolfgang Schierenbeck und Joachim Mauermann zum Vereinsfest einzuladen.

Pfiff morgens noch der Wind durch die Scheune und kam der Regen waagrecht, so gesellte sich pünktlich zu Beginn die Sonne zu den Gästen, die sich erst zaghaft, dann in immer größerer Zahl auf den Weg in die Güttersbacher Straße machten. Luna hatte neben viel Schmackhaften auch die „Hardware“ in Form von Infos über den Verein im Gepäck. „Wir haben alles geboten, was es im Herbst gibt“, so Vorstandsmitglied Gerhard Ader.

Und natürlich einiges zum Anschauen: nicht nur die Eicher-Bulldogs der beiden Landwirte, sondern auch eine alte Apfelpresse und eine Waage, mit der die verkauften Kartoffeln abgemessen wurden. Etwa einen Zentner Kartoffeln verarbeiteten die Vereinsmitglieder für Puffer und Suppe. Der Zustrom aus dem Überwald und weit darüber hinaus war so groß, dass am Nachmittag „nicht nur die Kartoffelspezialitäten, sondern auch die Kuchentheke trotz üppiger Bevorratung geplündert waren“, freute sich Ader. Von den Hobby-Imkern Keil und Mayer gab es Honig und Liköre zu erstehen.

Die vielen Besucher von auswärts hatten etliche Fragen im Gepäck. Damit erreichte der Verein genau das, was er wollte, nämlich über seine Vorstellungen von ökologischer Landwirtschaft zu informieren. Die Erdäpfel zogen viel Interesse auf sich. Die Gäste wollten wissen, wo der Anbau erfolgt und ob es noch mehr geben wird. Eine Überlegung, mit der man sich jetzt auch mit Blick auf kommendes Jahr bei Luna beschäftigen wird. Wer was Schmackhaftes mitnehmen wollte, durfte als Nichtmitglied fünf Kilo Nicola erstehen.

Angebaut worden war von den Vereinsmitgliedern die Sorte Nicola, eine Bio-Pflanzkartoffel der Klasse A. Dabei handelt es sich um eine festkochende, schmackhafte alte deutsche Kartoffel, die sehr vielfältig in der Küche eingesetzt werden kann. Die Anbaufläche von etwa einem Morgen Land (2500 Quadratmeter) wurde schon jahrelang nicht mehr industriell genutzt. Es wurden somit keine Gülle und Spritzmittel aufgetragen. Bewuchs war bisher eine Klee-Wiesen-Mischung.

Die Rindswürste vom Galloway-Rind stammen aus eigener Produktion der Biolandwirte. Hackfleisch und Salami sind weitere Erzeugnisse. 35 Wasserbüffel inklusive Jungtiere stehen derzeit auf den Weiden rund um Gras-Ellenbach. Laut Schierenbeck bleiben die Tiere ganzjährig in Freilandhaltung draußen. Es gibt einen Weideunterstand. Für zwei von ihnen, etwas ein halbes Jahr alt, übernimmt der Verein Luna die Patenschaft und kümmert sich nach der Schlachtreife um die Vermarktung.

Wegen der begrenzten Fläche ist auch die Anzahl der Büffel begrenzt, um die Wiesen zu schonen. Die Weiden befinden sich unter anderem im Naturschutzgebiet Gras-Ellenbacher Wiesen. Vor dreieinhalb Jahren starteten die beiden Landwirte mit der Haltung. Damals zusammen mit dem Megaherbivoren-Verein aus Bensheim, dem Förderkreis große Pflanzenfresser im Kreis Bergstraße.

Wer neben den „Standard-Getränken“ etwas ganz Frisches genießen wollte, konnte sich am direkt vor Ort gepressten Apfelsaft laben. Fünf Zentner Äpfel waren von den Luna-Mitgliedern am Tag zuvor auf den Streuobstwiesen gesammelt worden. „Dieses Jahr war wenig auf den Bäumen drauf“, meinte Schierenbeck. Denn der späte Frost im April setzte den Blüten arg zu und ließ die Ernte schrumpfen. Das gekelterte Ergebnis konnte sich trotzdem sehen, pardon trinken, lassen.

Das Fest war daneben ein spontanes Bürgermeister-Treffen. Dr. Sascha Weber aus Wald-Michelbach, selbst aus dem Vereinssitz Kocherbach stammend, kam mit Gattin Katrin in die Nachbargemeinde. Jens Helmstädter aus Mörlenbach ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, alte Schulkameraden zu treffen. „Platzhirsch“ Markus Röth traf beim Besuch mit seinem fahrbaren Untersatz ins Schwarze. Er hatte die volle Aufmerksamkeit, als er mit seinem historischen Allgaier-Traktor bei den Eicher-Fans Schierenbeck/Mauermann vorfuhr. Den Bulldog kaufte Röth in Niedersachsen und ließ ihn dann per Spedition in den Überwald schaffen.

„Wir waren vom Besuch, den offenen Fragen, dem Kaufinteresse an den Biokartoffeln und spontanen Vereinseintritten absolut positiv überrascht“, bilanzierte Gerhard Ader für den Vorstand. „Die Gäste wiederum waren vom breiten Angebot absolut begeistert.“ So ging es auch den Organisatoren und Helfer, die von der Freundlichkeit und dem großen Interesse der Besucher sehr angetan waren

Hier ist nichts so wie es scheint: Premiere der Gras-Ellenbacher Heimatbühne mit dem neuen Stück „Flammender Zorn“

Zum Schluss überschlagen sich die Ereignisse. In der letzten Viertelstunde geht es rund auf der Bühne in der Nibelungenhalle. Immer wenn das Publikum denkt, nach der ersten Überraschung kann keine weitere mehr folgen, gibt es eine neue Wendung, die noch mehr verblüfft und nach dem letzten Vorhang für rauschenden Applaus sorgt. Die Heimatbühne hatte Premiere mit ihrem neuen Stück „Flammender Zorn“.

So viel sei gesagt: Allein wegen den 15 Minuten im dritten Akt lohnt sich der Besuch. Wie es hier drunter und drüber geht, die Akteure noch einmal zu Höchstform auflaufen, sich gegenseitig beharken, ist eine Pracht. Wer hier nicht jede Sekunde aufpasst, der verpasst möglicherweise eine wichtige Nuance und könnte am Ende ratlos dastehen. Deshalb: Uffbasse.

Dabei entwickelt sich alles sehr gemächlich. Zuerst ist da der trauernde Witwer Walter Förster (Lothar Clade), der durch einen tragischen Unglückfall seine Frau Leonore (Elke Willutzki) verlor. Oder war es doch kein Unfall? Walter steigert sich immer mehr in die Vorstellung rein, dass Schwester Clara (Ann-Marie Teichert) die Gattin meuchelte. Der Arzt-Freund Paul Hofmann (Andreas Willutzki) steht zwischen den Fronten und vermittelt, so gut er kann.

Doch Walter wird immer irrer. Denkt seine Umgebung. Dabei ist der selbst jedoch überzeugt davon, dass ihn seine Verblichene anruft, mit ihm spricht und ihm sogar erscheint. Nur bekommen alle anderen (angeblich) davon nichts mit. Als ihm Leonore schließlich sogar aufträgt, „Mörderin“ Clara umzubringen, wird’s chaotisch. Es scheint nur noch die Einweisung in die Psychiatrie zu helfen. Denn Clara ist bereits am Rande des Nervenzusammenbruchs. Ihr Bruder macht ihr nur noch Angst.

Der allerdings weiß schon längst nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Fast muss der Zuschauer um Lothar Clade Angst haben, wie er sich immer mehr reinsteigert, dass die eigentlich unter der Erde liegende Ex noch am Leben ist, ihm sogar erscheinungsweise an die Wäsche geht. Aber Vorsicht: Es könnte auch alles nur gespielt sein. Immer mehr versteift sich der von Clade gespielte Walter darauf, dass seine Schwester für alles verantwortlich ist. Mit bekannten Auswirkungen. Er mutiert zum Psychopaten, der nur noch eines will: Rache. So redet es ihm Leonore schließlich ein.

Clara wird dadurch ganz (k)irre und dreht selbst fast ab. Wie die 15-jährige Ann-Marie Teichert in ihrer Rolle aufgeht, mit überschlagender, kippender, kieksender Stimme eindrucksvoll rüberbringt, wie ihr alles an die Nieren geht, nimmt man der Nachwuchsschauspieler sofort ab. Dass es alles nicht so ist wie es scheint, kommt erst später – macht aber die Ereignisse im zweiten Akt im Nachhinein zur wahren Schauspielerei. Es ist nicht nur die Rolle, die sie perfekt spielt, sondern auch die Rolle in der Rolle, die sich erst später auflöst.

Dass es der ruhige Paul faustdick hinter den Ohren haben würde, vermutet zu diesem Zeitpunkt auch noch keiner. Andreas Willutzki gibt den Fels in der Brandung, der nur schwer aus der Fassung zu bringen scheint. Er leiht allen sein Ohr, gibt den Guten, den Verständnisvollen. So gut, dass ihm Clara schließlich unter dem Mantel der ärztlichen Schweigepflicht anvertraut, dass sie doch etwas mit dem „Tod“ von Leonore zu tun hatte.

Die aber, scheinbar jedermanns und auch –fraus Liebling, entwickelt sich in der Rückschau zur männermordenden und -verführenden Femme fatale, die auf ihrem egoistischen Lebensweg viele Leichen hinterlässt. Nicht nur bildlich gesprochen, wie sich noch herausstellt. Elke Willutzki gibt die Hexe mit viel Verve, geht jedem und jeder an die Wäsche, wie es ihr gerade zum Vorteil und Befriedigung gereicht. Erst als Geist, dann irgendwann auch real spinnt sie ihre Intrigen und bringt Unheil in die Hausgemeinschaft.

Helga Dörsam als „Doyle das Medium“ macht zu Beginn und zwischen den Szenen die Besucher vertraut mit den Ereignissen. Sie reißt an, wie es weitergehen könnte, was vielleicht passiert – und führt damit geschickt in die Irre. Denn mit dem, was kommen würde, hatte sicher keiner gerechnet. Dass der „Geist“ Leonore nicht nur den geistreichen Getränken von Walter geschuldet ist, stellt sich noch als geringste Überraschung heraus.

Es verbünden sich solche, bei denen es man nicht gerechnet hätte, andererseits überrascht auch der scheinbar irre Walter mit seiner Pfiffigkeit. Ganz abgesehen von seiner mörderischen Entschlossenheit. Wer jetzt aber nur in eine Richtung denkt, der liegt falsch. Da hilft am besten, eine der kommenden Aufführungen zu besuchen und sich selbst davon zu überzeugen, was die Laienschauspieler in den vergangenen Probenwochen er- und geschaffen haben. Der Krimi statt einer Komödie, wie es sich Regisseur Clade wünschte, ist eine sehr unterhaltsame Abwechslung. Und lohnt sich.

 

Info: Weitere Aufführungen: Samstag, 21. Oktober, Samstag, 28. Oktober, Freitag, 17. November, Samstag, 18. November, Dienstag, 26. Dezember, Mittwoch, 27. Dezember, jeweils 20 Uhr, Nibelungenhalle Gras-Ellenbach. Vorverkauf und telefonische Bestellung über Kurverwaltung Gras-Ellenbach, Montag bis Samstag von 10 bis 12 Uhr, Montag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 Uhr, Telefon 06207/2554, oder unter http://www.heimatbuehne.net sowie an der Abendkasse.