„Der Giersch tut so viel für uns“: Heilkräuter-Fachfrau Martina Tolnai

Der Startschuss für die Beschäftigung mit Wildkräutern fiel vor 15 Jahren. Damals hatte Martina Tolnai, gerade nach Olfen gezogen, ein Kochbuch in der Hand, worin sich Rezepte genau mit diesen Zutaten fanden. „Zwei Jahre lang habe ich nach den entsprechenden Pflanzen gesucht“, lacht sie im Rückblick. Denn sie wusste nicht, dass die benötigten Wildkräuter nur einen Teil des Jahres wachsen und blühen. Nach und nach „war ich immer mehr begeistert, was die alles machen und können“, erläutert sie.

Heutzutage ist sie so fundiert in dem Thema drin, dass sie es zum Beruf gemacht hat und Vorträge als Heilkräuter-Fachfrau anbietet. Wie etwa jetzt beim Sport- und Gesangverein Scharbach, der auf dieses Angebot eine große Resonanz hatte. Die Referentin bekam sehr viele positive Rückmeldungen. Ihre selbst hergestellten Produkte wie eine schwedische Kräutermischung, Ringelblumen-Einreibung oder Kapuzinerkresse-Essig fanden dankbare Abnehmer.

Wie auch ihre kleinen Ratgeber zu den einzelnen Pflanzen, in denen sie ihr Wissen zusammenfasst. Sie gibt landläufig Unkraut genannten Gewächsen, die aber ganz besondere Eigenschaften haben und damit völlig verkannt sind, damit ein Podium. Giersch, Brennnessel, Schafgarbe oder Löwenzahn stellt Tolnai ausführlich vor und gibt wie beim Vortrag auch Tipps, wie die Kräuter eingesetzt werden können und wo sie am besten helfen.

Das Wissen um die Heilkraft der Pflanzen ist ein uraltes und hochaktuelles, denn 80 Prozent der Weltbevölkerung bedienen sich daran und stellen ihre individuellen Heilmittel selbst her, erzählt Tolnai. Nur in der „zivilisierten“ Welt scheine es verloren gegangen zu sein und werde lieber auf chemisch hergestellte Mittel zurückgegriffen, bedauert sie.

Giersch ist etwa ein Allrounder. Er enthält Vitamine, auch Spurenelemente von Eisen, Kupfer, Mangan oder Titan. Er ist blutreinigend und stoffwechselanregend, erklärt Tolnai dem interessierten Publikum. Sie charakterisiert das Kraut als „Meister der Säfte und des Fließens“. Dazu noch bei Rheuma, Verdauungsbeschwerden, Gicht, oder Husten und Lungenleiden einsetzbar. Ein Alleskönner.

„Der Giersch tut so viel für uns“, betont die Referentin. „Er macht klar, hell und zentriert, ist vital.“ Nicht zuletzt ist die Pflanze auch essbar, was sich anhand der mit Giersch belegten Pizza an diesem Abend probieren ließ. Als „optimal für die Gartenecke“ bezeichnet ihn Tolnai. Allerdings „darf man ihn nicht aus dem Eimer rauslassen“, sonst wuchert das Wildkraut alles zu.

Den Huflattich lernte die Heilkräuter-Fachfrau als letzten kennen. „Ich wusste vorher sein Geheimnis nicht“, erläutert sie. Denn er blüht zuerst, dann geht die Blüte kaputt und erst später zeigen sich die Blätter. Der Löwenzahn hat sie besonders beeindruckt, „weil er so einfach und bescheiden ist“. Es müssen nicht immer „die Großen und Tollen sein“, meint sie. Es sind oft die unscheinbaren Pflanzen, die das Besondere in sich tragen. Die vielseitig verwendbare Pflanze „kann einfach in den Mund gesteckt oder auf den Salat gezupft werden“.

Als „sehr nierenheilend“ charakterisiert Tolnai die Brennnessel. Von den Inhaltsstoffen her sieht sie das Kraut in der Evolution als ganz dicht am Übergang zwischen Pflanze und Tier. Als „so einfach wie möglich, so kompliziert wie nötig“ beschreibt die Kräuterfrau ihre Herangehensweise an die Herstellung der Elixiere. So wie das aus Beinwell und Kastanie, die sie zusammen sechs Monate in Alkohol einlegt.

„Ich möchte Menschen auf unkomplizierte Weise der Natur wieder nahe bringen und meine eigene Begeisterung für alles, was da wächst, weitergeben“, formuliert sie als ihr Ziel. Es geht ihr darum, Verantwortung zu übernehmen für sich selbst, die Mitmenschen und die Natur mit all ihren großen und kleinen Wesen. Dies vermittelt sie auch in Seminaren.

Interessierte können bei Tolnai von März bis Oktober ebenfalls eine Ausbildung zur Heilkräuter-Fachfrau machen. Sie vermitteln dann das Wissen, „wonach ich schauen muss, um überhaupt in der Natur etwas zu finden“. Auch geht es darum, zu welcher Familie die einzelnen Pflanzen gehören. Ihr Wissen hat sie zumindest in Scharbach sehr anschaulich vermittelt. Einer der wenigen Männer unter den Zuschauern sagte beim Rausgehen: „Das war sehr kurzweilig, immer auf den Punktgebracht und nicht langatmig.“

1962 im „Schwobeländle“ geboren, machte Martina Tolnai zuerst eine Krankenschwesterlehre und arbeitete danach viele Jahre im OP, später im ambulanten Pflegedienst und in einer psychosomatischen Klinik. 2006 absolvierte sie die Ausbildung zur Heilkräuterfachfrau bei Susanne Rüland, 2008 eine Fortbildung bei Susanne Fischer-Rizzi (Wildniswissen). Ab diesem Jahr gab sie auch parallel Ausbildungen zur Heilkräuter-Fachfrau, zuerst an einer Heilpraktikerschule, später auch privat. 2009/2010 folgte die Ausbildung bei Marlies Bader in systemischer Homöopathie und ritueller Räucherkunde.

2013 unternahm sie den Schritt in die Selbständigkeit und hat diesen nie bereut. „Es ist ein großes Geschenk, wenn das Hobby zum Beruf wird“, sagt sie. 2014/2015 schloss sich eine Ausbildung zur Wildnis-Pädagogin an. Martina Tolnai wohnt mit ihrem Mann Karl-Michael Zimmermann in Brensbach-Affhöllerbach. Mehr unter www.ringelblume-und-co.de

Löwenzahn

Neun Mal mehr Vitamin C und 40 Mal mehr Vitamin A als im normalen Salat befinden sich laut Martina Tolnai in Löwenzahn. Außerdem enthält die Pflanze drei Mal mehr Eisen als Spinat, dazu Spurenelemente von Kalzium, Natrium Kalium und Kieselsäure. Der Löwenzahn schwemmt durch seine Bitterstoffe Harnsäure und Schlacken aus dem Körper und behebt Darmträgheit. Er wirkt gegen Allergien, Leber- und Krebs-Erkrankungen, besitzt krebshemmende Carotine und Flavonide.

Mit der Pfahlwurzel zieht er ausgewaschene Nährstoffe nach oben. Seine Samen sind Nahrung für Kleinvögel, die Wurzel eine Kinderstube für Regenwürmer. Die Blüte dient als Bienenweide, Erdbeeren gedeihen in seiner Umgebung besser. Die Frühlingswurzel mit dem bitteren Cholin sorgt für den Fettabbau aus dem Gewebe, im Herbst ist mit Inulin ein zuckerfreies Kohlenhydrat zu finden, womit sich Löwenzahl gut als Diabetiker-Gemüse eignet. Gerade im Frühjahr bietet es sich an, mit einer Schüssel in den Garten zu gehen, den Salat einfach von der Wiese zu sammeln und als Löwenzahn-Salat zuzubereiten.

 

 

Werbeanzeigen

Erster gemeinsamer Kinderkirchentag der beiden evangelischen Kirchengemeinden Siedelsbrunn und Hammelbach

Das Motto des ersten gemeinsamen Kinderkirchentags der beiden evangelischen Kirchengemeinden Siedelsbrunn und Hammelbach war durchaus wörtlich zu nehmen. „Wurzeln wachsen lassen“ hieß es bei herrlichem Frühlingswetter in der und rund um die evangelische Bergkirche. 30 Kinder zwischen vier und elf Jahren bastelten, malten und schnippelten, was das Zeug hielt, unterbrochen von einigen Tob-Einheiten auf der Wiese. Die beiden Pfarrer Stefan Ningel und Jörg Michas waren sehr zufrieden mit der Resonanz und kündigten eine Fortsetzung an.

Gabriela Fieber trieb die Zusammenarbeit zwischen den Kirchenteams voran, die sich bei gemeinsamen Seminaren kennenlernten. „Bei ihr laufen alle Fäden zusammen“, zeigte sich Ningel dankbar für die Organisation des Kinderkirchentags. Beim Seminar, das die Kindergottesdienst-Referentin des evangelischen Dekanats Bergstraße, Katja Folk, durchführte, „haben wir gespürt, dass es passt“, sagte Ningel. Die evangelischen Kirchengemeinden von Hammelbach und Affolterbach hatten eine solche Veranstaltung bereits zusammen durchgeführt, erläuterte er.

In der Kirche ging’s los mit Liedern und Gebeten zum Mitmachen sowie einem Theaterstück: Bauer Klug und Bauer Eilig bestellen beide ihr Feld, aber doch ganz anders. Während Bauer Klug der Aussaat fürs Wachsen Zeit gibt, zieht Bauer Eilig die Feldfrüchte immer schnell aus dem Boden und ist auf den schnellen Profit aus. „Die Kinder wachsen mit dem Theaterstück“, betonte Ningel. Michas ergänzte: „Sie sollen eine gute Ernte sein, im Glauben Wurzeln schlagen.“ Die Kirchen wollen sie nicht erst zum Konfirmationsunterricht erreichen, sondern bereits in jüngerem Altern.

Danach drehte sich alles um Wurzeln. Draußen wurden zwei vom Hammelbacher Revierförster zur Verfügung gestellte Wurzelblöcke mit viel Detailfreude gestaltet. Moose, Flechten und leere Schneckengehäuse fanden ihren Platz, die Kinder verkünstelten sich förmlich bei der Anbringung.  Schnell entbrannte die humorvolle Diskussion darüber, welche Kirchengemeinde die größere Wurzel erhält. Denn jeweils eine soll ihren Platz an der jeweiligen Kirche finden. Drinnen wurde derzeit Wurzelgemüse geschnippelt und in leckere Karottenmuffins umfunktioniert.

Aus Wald-Michelbach, Abtsteinach, Siedelsbrunn und Hammelbach kamen die Heranwachsenden, die mit Katja Folk eine Fantasiereise zum Thema Wachsen und Wurzeln schlagen unternahmen. Mit viel Liebe zum Detail gestalteten die Kinder Blumentöpfe, die sie dann mit Samen bepflanzten. Lila, grün, gelb, blau, orange oder pink: Der Fantasie und den Formen, ob jetzt waagreicht, in Linien oder in Tupfern, waren keine Grenzen gesetzt.

Pia und Hanna-Noa aus Hammelbach wie auch Antonius aus Unter-Abtsteinach hatten ebenso wie Emily und Dennis aus Ober-Abtsteinach viel Spaß. Beim Gottesdienst blieben noch viele Eltern dabei, die ihre Sprösslinge später wieder abholten.  Ein Schubkarrenparcours und der Abschluss mit Liedern und Segen bildeten weitere Bestandteile des Nachmittags. Wer eine Pause von den angebotenen Stationen machen wollte, tollte auf dem Rasen herum oder spielte Fußball.

Die vier Pfarrer im Überwald arbeiten jetzt schon etwa bei den Gottesdiensten Hand in Hand. Auch die Verwaltungsarbeit wird gemeinsam erledigt. Außerdem gibt es verschiedene Jugendprojekte. Der Kinderkirchentag ist laut Ningel nur ein weiterer Bausteller der evangelischen Zusammenarbeit. Dank der engagierten Mitarbeiter, die sich bereits in der Vorbereitung mit ihren Ideen einbrachten, war der Tag ein voller Erfolg.

Der Hammelbacher Pfarrer erwähnte besonders die mitgestaltenden ehemaligen Konfirmandinnen. „Ohne die würde es nicht gehen.“ Michas freute sich über die „sehr positive Resonanz“. Die Veranstaltung „erfüllt unsere Erwartungen“, betonte auch Ningel. Sie soll eine Fortsetzung erfahren.

Früher, als im Überwald noch keine Autos fuhren

Ein Hauch von „Weißt du noch, damals“ zog sich durchs Mackenheimer Feuerwehrhaus, als dort Heimatkundler Andreas Arnold seinen Vortrag „Der Überwald in alten Bildern“ hielt. Er zeigte 50 historische Aufnahmen, die zum einen Erinnerungen wachriefen, zum anderen aber auch für Staunen sorgten, wie die Orte früher aussahen.

Während von den älteren Teilnehmern oft ein wissendes Nicken kam und eigene Beobachtungen aus früheren Jahren aufgefrischt wurden, waren die Kinder begeistert zu sehen, an welchen bekannten Plätzen früher noch Gaststätten oder Bauwerke standen. Man konnte damals als Kind noch bedenkenlos auf der Hauptstraße egal welchen Ortes spielen. Es gab ja so gut wie noch keine Autos. Nur „langsamere“ Pferdefuhrwerke waren unterwegs.

Arnold ging unter anderen auf das Wirtshaus Oehlenschläger, später „Motte“, in Unter-Scharbach ein. Die frühere Gaststätte am Ortseingang des Grasellenbacher Ortsteils Scharbach hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Auch die Nutzung des Gebäudes änderte sich oft. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gab es dort die Wirtschaft von Peter Oehlenschläger.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war dort ein Kinosaal untergebracht, dann wurden daraus Lagerräume der Coronet, später siedelte sich an dieser Stelle ein Gemüsehändler an. Zuletzt wurde dort im legendären Gasthaus „Motte“ gezecht, dem man auch heute noch in Scharbach hinterher trauert. Dann wurden die Räume in eine Privatwohnung umgebaut.

In Wald-Michelbach existierte von Ende der 1940er Jahre bis 1984 auch ein Kino, erzählte der Geopark-vor-Ort-Begleiter: die legendären „Gloria-Lichtspiele“. Er selbst sah dort seinen ersten Kinofilm: „Das Dschungelbuch“. Ein gleichaltriger Klassenkamerad, erinnerte sich Arnold, durfte am selben Tag in Weinheim „James Bond – Octopussy“ anschauen. „Ein Kindheitstrauma“, witzelte er.

Vor 110 Jahren wurde Wald-Michelbach von einer schweren Überschwemmung heimgesucht, erläuterte der Referent an einem andren Motiv: Der Bereich Michelstraße/Sauergasse war am 4. Februar 1909 eine große Seenlandschaft. Der Grund: Beim Bau des Bahndammes wurde der Gaderner Bach vom Bereich Sauergasse einige Meter in Richtung Ortsmitte verlegt, damit der Damm nicht durch den Bach gefährdet war, erläuterte er.

Die Rohre der Brücke in der Michelstraße über den Gaderner Bach waren aber offenbar falsch dimensioniert. „Der Durchfluss war zu klein“, meinte Arnold. Im Februar vor 110 Jahren trat in großen Teilen Deutschlands nach massivem Schneefall Tauwetter mit Starkregen ein. Die auf dem Bild links erkennbare Brücke staute das Wasser regelrecht, sodass sich dahinter eine weitläufige Wasserfläche bildete.

Affolterbachs alte Kirche, als Jugendstil-Gebäude heute ein Blickfang in der Ortsmitte, hat eine lange Vorgeschichte, erzählte der Heimatkundler. Die Ersterwähnung ist Mitte 16. Jahrhundert als „evangelische Kapelle in der Dorfmitte“ zu finden. Aufgrund des allmählichen Verfalls der Kapelle war sie irgendwann nicht mehr nutzbar. 1792 fand dort der letzte Gottesdienst statt.

1894 gründete sich in Affolterbach ein Kirchenbauverein, der ein neues Gotteshaus errichten wollte. Sogar Alix von Hessen-Darmstadt, besser bekannt als Enkelin der englischen Königin Victoria und spätere russische Zarin Alexandra (gestorben 1918 mit ihrer Familie) spendete 100 Goldrubel für den Bau. 1907 wurde die neue „Gustav-Adolf-Kirche“, benannt nach dem schwedischen König aus dem 30-jährigen Krieg, an gleicher Stelle eingeweiht, so Arnold.

TSV-Fußballer haben den Aufstieg in Reichweite

Hinter dem TSV liegt ein vollgepacktes Vereinsjahr, berichtete der Vorsitzende Walter Mink auf der Jahreshauptversammlung. Für die zahlreichen Helfer, die dem Verein bei seinem Aktivitäten unter die Arme griffen, fand er ebenso herzliche Dankesworte wie für all die anderen, die unterstützend tätig waren. In diesem Jahr finden wieder das Vatertagsgrill- und Oktoberfest in der Strieth statt, kündigte er an. Der Vereinsausflug führt nach Dirmstein und zum Burg-Weinfest nach Neuleinigen.

Was wäre ein Verein ohne seine treuen Mitglieder, die bereits seit Jahrzehnten ihren Mann stehen? Sie wurden natürlich besonders geehrt. Veronique Schmidt erläuterte bei den Berichten der verschiedenen Abteilungen, was sich bei den Kneipp-Girls im vergangenen Jahr alles tat. Die Gruppe feierte ihr 40-jähriges Bestehen, bei dem 18 weitere Gruppen mitwirkten. 20 Tanzmäuse, 17 Peanuts und neun Kneipp-Girls sind aktiv. Viele Verpflichtungen auch bei auswärtigen Vereinen und Ausflüge rundeten das Jahr ab.

Für die Gymnastik-Abteilung referierte Waltraud Walter über die Aktivitäten. In Bezug auf die Nordic Walking-Gruppe erwähnte sie, dass diese nach Bedarf und Wetterlage unterwegs ist. Die „Rücken-Fit“-Übungsstunden fanden 20 Mal statt, immer dienstags von 18.30 bis 19.30 Uhr. Für die Bergwanderfrauen ging es zum Rosengarten. Besonderen Eindruck hinterließ der Besuch in Dresden.

Thorsten Gleich freute sich über die gut besuchte Heimspiele der Fußballer, die aktuell auf dem zweiten Tabellenplatz der C-Liga rangieren. Gleich erwähnte die „außergewöhnlich gute Trainingsbeteiligung“, die den Grundstock für den derzeitigen Erfolg legte. Erst zwei Spiele wurden in der laufenden Saison verloren. Der TSV liegt nur zwei Punkte hinter dem Tabellenführer Hüttenfeld und „hat alles noch in eigener Hand“.

Für die neue Runde wurden bereits die Weichen gestellt, betonte er. Der Stammkader bleibt zusammen. Bisher ist nur ein Abgang bekannt, zwei weitere Spieler haben sich Bedenkzeit erbeten. „Die Abgänge konnten wir mit Neuzugängen kompensieren“, freute sich Gleich. Der TSV kann seiner Meinung nach „zuversichtlich und mit Freude in die nächste Saison gehen, unabhängig in welcher Klasse“. Denn der Aufstieg ist ja in Reichweite.

Uwe Schäfer stellte die Entwicklung in der Jugendabteilung dar. Diese ist weiterhin in die JSG Ulfenbachtal eingebunden, in der neben den Teams Grasellenbacher Ortsteilen auch Kinder des SV Affolterbach kicken. Daneben gibt es eine Zusammenarbeit mit dem TSV Aschbach. In der JSG sind zwischen 100 und 110 Kinder aktiv, so Schäfer. Es gibt eine Bambini-, zwei F- und E-Jugend- sowie eine D-Jugendmannschaft. A- bis C-Jugend sind momentan nicht besetzt, „da einfach nicht genug Spieler zu Verfügung stehen“.

Dies liegt seinen Worten zufolge daran, dass die guten Leute von höherklassigen Vereinen angesprochen werden, außerdem mit steigendem Alter andere Interessen Vorrang haben. Für die Soma kündigte Peter Bauer an, dass im Sommer mittwochs ab 19.30 Uhr auf dem Platz trainiert wird, im Winter zur gleichen Zeit in der Wahlener Schulsporthalle.

Für den Kassenbericht war Wolfgang Schierenbeck zuständig. Zum Jahresende hatte der TSV 288 Mitglieder, erläuterte er darüber hinaus. Martin Monnheimer und Walter Hörr prüften die Kasse und bescheinigten dem Rechner eine einwandfreie Arbeit. Beide Revisoren setzen ihre Arbeit in diesem Jahr fort. Die Entlastung von Kassenwart und Gesamtvorstand erfolgte einstimmig. Zur Anerkennung von Steuervergünstigungen wurde die TSV-Satzung geändert, was die Versammlung einhellig billigte.

Mitgliederehrungen

50 Jahre: Karl Peter Schwöbel, Gerhard Linzmaier

40 Jahre: Bernd Schäfer, Bernd Sattler

25 Jahre: Marcus Golz, Jens Helmstädter, Christian Fleischer, Werner Bauer, Mihaly Fodor

Ein 100 Jahre alter Blick ins Schlafzimmer von Weber Nicklas

„Den Mann hab’s ich noch gekannt“, ruft ein älterer Zuschauer erstaunt aus, als Dr. Manfred Göbel ein Bild vom Ellenbacher Ortseingang aus dem Jahr 1908 zeigt. Zeitlich dürfte das hinhauen, denn der Betreffende auf dem Motiv von Friedrich Maurer ist vielleicht um die 30, der Besucher der Buchvorstellung um die 80 – somit könnten sich die Wege von beiden irgendwann in den 1950er Jahren überschnitten haben. „Leben und Arbeiten im hessischen Odenwald“ heißt Göbels 128-seitiger Bildband, in dem er 160 spektakuläre und teilweise unveröffentlichte Fotografien des bedeutenden Heimatforschers und Arzts zusammentrug.

Zur Vorstellung präsentierte sich die Bücherscheune so voll wie bisher noch nie bei einer Lesung – was sicherlich auch der ausführlichen Vorbesprechung in der OZ geschuldet sein dürfte. Gerade die Älteren freuten sich darauf, den Odenwald noch einmal so zu sehen, wie er vor 100 Jahren aussah und wie sie ihn – zumindest in Teilen – auch noch aus ihrer Kindheit kannten. Die erste Auflage von Göbels Buch ist bereits verkauft, wie er erfreut vermeldete, die zweite ist in Druck.

Dass gerade 1907 dieses besondere Interesse am Odenwald von Weschnitz bis Michelstadt, von Ober-Ostern bis Hammelbach, von Langenthal über Hirschhorn bis Eberbach erwachte, führt Göbel auf die 25-Jahr-Feier des 1882 gegründeten Odenwaldklubs zurück. Aus diesem Anlass gab es damals eine Wanderung auf die Neunkirchner Höhe – und mit diesen Bildern startet auch das erste Album, erläutert er den interessierten Zuhörern.

Maurer, selbst OWK-Mitglied, bestückte parallel auch in Darmstadt das Odenwald-Museum (das leider während der Brandnacht im Zweiten Weltkrieg vernichtet wurde). Der Darmstädter Oberbürgermeister war zu dieser Zeit in Personalunion Gesamt-OWK-Vorsitzender, der Bürgermeister Chef das Darmstädter Ortsvereins – somit alles eine große Familie. Die Vereinszugehörigkeit dürfte dem Fotografen auf dem Land Tür und Tor geöffnet haben, schätzt Göbel. Anhang der Motive wird deutlich, dass es Maurer immer wieder an die gleichen Orte zog. Auf der Alme in Ober-Ostern entstanden allein 62 Bilder, in Weschnitz 43 und in Hammelbach 27.

Er zeigte den Alltag der Bevölkerung, das wirkliche Leben, nicht die Hochglanz-Motive, die sonst in der damaligen Zeit entstanden. Genau das ist das Außergewöhnliche an der fotografischen Arbeit des Heimatforscher, die sie so wertvoll für die heutige Betrachtung macht, erklärt Göbel. So dürfen die Gäste einen Blick ins Schlafzimmer von Weber Nicklas werfen. Oder Familie Arnold in der Hammelbacher Straße von Weschnitz beim Mittagsessen vor mehr als 100 Jahren zuschauen. „Dass wir solche Bilder haben, ist sensationell“, freut sich der Hobby-Historiker.

Die Rückbesinnung auf die „gute, alte Zeit“ war zu dieser Zeit groß angesagt, weiß der Referent aus Groß-Zimmern. Der OWK befasste sich stark mit der Volkskunde, weil der Wandel durch die Industrialisierung viele alte Bräuche in Vergessenheit geraten ließ. „Ganze Berufsfelder starben aus“, erläutert Göbel. Es ging Maurer darum, den Wandel zu dokumentieren und die Vergangenheit festzuhalten.

Dabei scheute er auch nicht davor zurück, Bilder nachzustellen, heute würde man von „faken“ reden. Berufen, die kaum noch praktiziert wurden, schuf er anhand seiner Fotos ein Denkmal. Der Mediziner hatte dabei zwei Vorgehensweisen: Entweder er stellte alle Arbeitsschritte eines Berufsbildes auf einem Bild zusammen oder er schoss ganze Bilderserien.

Vereinsfest, Festkommers, Hochzeit, Kommunion oder Soldat: Das waren zu dieser Zeit die „normalen“ Fotomotive. Aber Alltagssituationen, Dorfbewohner in ihrer Privatwohnung oder bei der Arbeit: Dass solche Szenen heute erhalten sind, „verdanken wir Friedrich Maurer“. Wie etwa die Kinder im Hiltersklinger Weg von Hammelbach, die angesichts des fremden Mannes mit seiner Kamera zusammengelaufen sind. Diese Einblicke „sind ein wahrer Schatz“.

Da Anfang des 20. Jahrhunderts das Eisenbahnnetz voll (und besser als heute) in den Odenwald hinein ausgebaut war, konnte Maurer von Darmstadt aus alle Ecken und Enden erreichen. Er reiste nach Michelstadt (weiter mit der Odenwaldbahn nach Eberbach und von dort nach Hirschhorn), konnte die Überwaldbahn nach Wald-Michelbach nehmen oder hatte die Gesprenztalbahn nach Reichelsheim zur Verfügung.

Die Motive von früher lassen die Augen der Senioren strahlen: Hier die „Äppelquetsch“ auf der Alme, da das Eichenrindenklopfen („Rennekloppe“) in Schönbrunn bei Wald-Michelbach, dort Knopfdreher, Brunnenmacher, Zunderschwammklopfer, Schachtelmacher, Zigarrenmacher, Schindelschnitzer oder Nagelschmied: Maurers Werk ist ein wahrer Fundus für Freunde der Regionalgeschichte und bietet einen unbezahlbaren Blick auf das, was schon lange nicht mehr ist. Eben die „gute, alte Zeit“.

Info: „Leben und Arbeiten im hessischen Odenwald“, herausgegeben von Manfred Göbel, zeigt auf 128 Seiten rund 160 spektakuläre und teilweise unveröffentlichte Fotografien des bedeutenden Heimatforschers und Arzts Friedrich Maurer (1852-1939), der den Odenwald zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchstreifte und dabei das entbehrungsreiche Leben der Handwerker und Gewerbetreibenden in den Dörfern eindrucksvoll ins Bild setzte. ISBN: 9783954009640, Sutton Verlag 2018, 19,90 Euro.

Die Menschen sollen spüren, dass sie nicht allein sind

Frau Müller, die auch Schmidt oder Maier heißen kann, ist 89 Jahre alt, lebt allein, die Kinder wohnen weiter weg, bezieht nur eine geringe Rente, und kämpft mit den Gebrechen des Alters. Die Treppenstufen vor dem Haus sind sehr beschwerlich für sie, die Medikamente vergisst die ältere Dame öfters einmal einzunehmen, beim Arzt war sie auch schon lange nicht mehr, die sozialen Kontakte sind passé: Alexandra Löchelt vom Pflegestützpunkt Bergstraße erläuterte bei der Veranstaltung „Wenn Eltern alt werden“ an einem fiktiven Beispiel, welche Unterstützung pflegebedürfte Menschen benötigen.

Zukunftsoffensive Überwald (ZKÜ) und das Evangelische Dekanat Bergstraße hatten unter diesem Thema in die Nibelungenhalle eingeladen. Neben Löchelt für die gesetzlichen Krankenkassen klärte Maria Rief für privat Versicherte darüber auf, wie die verschiedenen Vorgehensweisen sind. Für den Pfarrer-Impuls sorgte Stefan Ningel mit nachdenklichen Worten.

Sabine Allmenröder, Referentin für gesellschaftliche Verantwortung beim Dekanat, führte durch die Veranstaltung, zu der ihr „Chef“, Dekan Arno Kreh, und ZKÜ-Geschäftsführer Sebastian Schröder willkommen hießen. Grußworte der Gemeinde überbrachte Beigeordneter Tamas Bölcskei. Im geselligen Teil gab es einen regen Gesprächsaustausch der Gäste mit den beiden Referentinnen. Es wurden gleich Termine ausgemacht.

Um bei der fiktiven Frau Müller zu bleiben: „Wir stellen fest, dass sie Hilfe beim Duschen und Anziehen braucht, Schwierigkeiten hat, den Haushalt zu führen“, zeichnete Löchelt das mögliche weitere Prozedere auf. Deshalb ist ein Antrag auf Pflegegrad möglich, bei dessen Ausfüllen die Mitarbeiter des Pflegestützpunkts beratend tätig sind. „Wir schauen dann, was für den Alltag sinnvoll ist.“

Im Falle Frau Müllers: Sie bekommt vier Mal in der Woche Essen auf Rädern und wird zwei Mal wöchentlich zur Tagespflege abgeholt. „Damit ist die bisher fehlende soziale Teilhabe wieder gegeben“, erklärte die Fachfrau. Außerdem kümmert sich die Beratungsstelle darum, wer im Chor dabei ist, dessen Singstunden die Senioren gerne wieder besuchen würde, sie einmal im Monat zuhause abholt und wieder heimbringt.

Wenn die eigenen Eltern alt werden, ändert sich einiges in der Familie. Sie müssen in diese Situation genauso hineinwachsen wie die erwachsenen Kinder in die neue Rolle als Unterstützer. Eine besondere Herausforderung, entsteht für die Töchter und Söhne, wenn die eigenen Eltern zum Pflegefall werden.

Als Wirtschaftsförderung, so Schröder einleitend, „kommen wir mit dem Thema nicht so oft in Berührung wie die Kirche“. Jedoch gibt es trotzdem Überschneidungen, wenn auch unter einem anderen Blickwinkel. „Es geht darum Räume zu finden, wo Menschen alt werden können“, sagte er. Welche Dienstleiter, Experten und Fachleute existieren, damit die Überwälder in ihrer Heimat den Lebensabend verbringen können.

Auch wenn seine Eltern noch nicht in einem Alter sind, „dass ich mich kümmern müsste“, ist Schröder bewusst, „dass dieses Thema früher oder später auf jeden zukommt“. Was auch Dekan Kreh verdeutlichte. „Ab 50 aufwärts liegt das in der Luft“, sagte er. Er wies darauf hin, dass die familiären Beziehungen vielschichtiger wurden, die Kinder oft nicht mehr vor Ort wohnen.

Die Senioren wiederum „haben eigene Ansprüche, wie sie im Alter leben wollen“. Oftmals geht es darum, im eigenen Haus wohnen zu bleiben und nicht in Pflegeheime umziehen zu wollen. In der Kirche, so Kreh, „geht es nicht nur um das Glaubensthema, sondern auch um Fragen, die das Leben uns stellt“. Man versuche, ein Stück weit einen Beitrag zu leisten. „Die Menschen sollen spüren, dass sie nicht allein sind“, forderte Sabine Allmenröder. Sie wies auf die schwierige Situation hin: „Die, die einen großgezogen haben, benötigen plötzlich selbst Hilfe.“

Pfarrer Ningel ging auf den Wechsel der Perspektiven ein. Früher waren es die Eltern, „die wollten, dass es einem gut geht“. Wenn diese älter werden, gibt es plötzlich nicht mehr das Gefühl des Aufgehobenseins. „Nichts ist mehr wie vorher.“ Aus dem Elternteil wird ein Mensch, der Liebe, Zuwendung und Pflege braucht. Ganz wichtig ist der Glaube: „Wir sind nie alleingelassen.“

Alexandra Löchelt skizzierte die Arbeit des Pflegestützpunkts, der vom Kreis und der Techniker Krankenkasse getragen wird. Es gibt – wie auch bei der Compass-Organisation für privat Versicherte – Vor-Ort- und telefonische Beratung. „Ambulant vor stationär, Reha vor Pflege“ lauten die Grundsätze.

Jeder kann etwas für die Bienen tun

Das Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen“ war die erfolgreichste Beteiligung der Bürger in der Geschichte Bayerns. 1,8 Millionen Wahlberechtigte unterstützten eine Änderung des Naturschutzgesetzes, um eine vielfältige Flora und Fauna zu erhalten. Die Imker im Kreis Bergstraße verfolgten die Entwicklung im Nachbar-Bundesland mit Interesse und Sympathie. „Ich hätte da auch unterschrieben“, meint etwa der Vorsitzende des Bienenzüchtervereins Fürth, Gerd Viniol aus Hammelbach.

„Der Politik wurde mit dem Volksbegehren klargemacht, dass der Bevölkerung der Artenschutz wichtig ist“, betont der 65-Jährige. Es gehe ja nicht nur um das Bienen-, sondern um das Insekten- und Artensterben allgemein, dem Einhalt geboten werden müsse. Denn wenn die Tiere aussterben, „hat das auch Folgen für die Menschen“, hob Viniol hervor. Es fehle dann ein Glied in der langen Kette, was Auswirkungen für alle anderen mit sich bringe.

„Die Biene ist ein guter Sympathieträger“, freut sich der Vereinsvorsitzende. Viele Feld- und Waldfrüchte wie Beeren und Äpfel würden ohne sie fehlen. Jedoch ist sie laut Viniol nur ein Teil des Ganzen, denn auch viele weitere wildlebende Insekten sind durch Monokulturen, extensive Landwirtschaft, immer mehr bebaute Flächen oder Klimawandel bedroht.

Ohne das Einschreiten der Imker, ist sich der 65-Jährige sicher, „würden die Bienenvölker kollabieren“. Grund ist die inzwischen stark verbreitete Varroa-Milbe, die sie stark schwächt und dezimiert, sodass die Tiere nicht mehr über den Winter kommen. Übers Jahr hinweg gibt es verschiedene Maßnahmen (teilweises Ausschneiden der Drohnen-Brut, Säurebehandlung), um dem Schädling zu Leibe zu rücken.

Die Bienen werden allerdings ebenso durch den Rückgang des Nahrungsangebots stark bedroht. „Sie brauchen eine sehr abwechslungsreiche Landschaft“, weiß der Fachmann, seit 2003 Mitglied im Verein. Die Nahrung benötigen die Tiere, „um ihr normales Tagesgeschäft zu erledigen“. Die Pollen wiederum werden für die Jungbienen benötigt, damit diese ihren Chitinpanzer ausbilden können.

Wichtig ist die Positionierung des Stocks, hebt Viniol hervor: „Die Bienen haben einen Flugradius von drei Kilometern.“ Wenn es dort größere Agrarflächen gibt, dann finden sie nach deren Abernten keine Nahrung mehr. Deshalb sind Plätze an Wiesen, Waldsäumen oder bei Obstbäumen optimal, „um die Versorgung übers ganze Jahr hinweg zu gewährleisten“.

Im Odenwald, erläutert der Hobbyimker mit seinen 15 Völkern, „ist es einfacher zu imkern als in der Ebene“. Denn zum einen gibt es in der Hügellandschaft ein viel größeres Nahrungsangebot, zum anderen lässt die Geländeform oftmals keine extensive Landwirtschaft zu. Wobei Viniol verdeutlicht, „dass der Imker außer dem richtigen Standort und der Pflege nichts zum Honig beitragen kann“. Dessen Zusammensetzung besorgen die Bienen selbst.

Den Verein steht derzeit auf gesunden Füßen, freut sich der Vorsitzende. Der Imkerberuf ist positiv besetzt, stellt er fest. Laut hessischem Landesverband stieg die Zahl der Bienenzüchter im Jahresvergleich um sechs Prozent. Stand früher der wirtschaftliche Aspekt im Vordergrund und hatten die Imker oftmals viele Völker, hat sich dies heutzutage verändert. Das Interesse an der Natur bewegt die Menschen, sich nun mit den Bienen zu beschäftigen. Vier oder fünf Völker sind bei den Neuanfängern, oft um die 30 Jahre alt, der Schnitt.

Um den Paarflüglern unter die Arme zu greifen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die Fürther Imker säen etwa auf einer Brachlandfläche im April Blumensamen, die dann Richtung Sommerende zum Blühen kommen. Damit finden die Bienen noch Nahrung, wenn sie anderswo bereits zur Neige geht. Aber nicht nur die: „Da kommen auch alle anderen Fluginsekten hin“, hat er beobachtet.

Die bayrische Initiative kann sich der Bienenzüchter auch gut in Hessen vorstellen. „Wenn es eine solche gäbe, würde ich sie sofort durch meine Unterschrift unterstützen“, versichert Viniol. Bisher hat er allerdings noch keine Verbandsinfo zu einem ähnlichen Ansinnen im hiesigen Bundesland erhalten. Doch es muss ja nicht gleich ein Gesetz sein. Auch ohne ein solches gibt es vielfältige Möglichkeiten, den Insekten einen Lebensraum zu bieten, der seinen Namen auch verdient.

Privatpersonen und Gartenbesitzer können ebenfalls ihren Teil dazu beitragen. In den Bau- und Gartenmärkten gibt passende Saatmischungen, um eine nahrungsreiche Farbenpracht zu erzeugen. Auch Frühblüher sind interessant, erzählt er. Deshalb pflanzte Viniol letzten Herbst Krokusse. „Das sieht gerade wunderschön auf der Grasflächen aus“, beobachtet er. „Damit kommen die Bienen besser über die Runde“, sagt der Imker. Allerdings müssen es auch Orte sein, die von den Tieren erreicht werden können. Besser sind deshalb viele kleine blühende Flecken als nur eine, weit vom Volk entfernte.

Der Bienenzüchterverein Fürth hat derzeit 35 Mitglieder, davon 27 mit insgesamt 170 Bienenvölkern. Mit Fürth als Zentrum gibt es Mitglieder in Hammelbach, Lörzenbach, Hiltersklingen und Ostern. Der Jüngste ist 15 Jahre alt, die Ältesten sind 91. Vorsitzender ist seit 2005 Gerd Viniol (65) aus Hammelbach, E-Mail a-g-viniol@t-online.de. Wer sich fürs Imkern interessiert, kann sich auf www.starkenburger-imkerkreis.de über den nächstgelegenen Verein informieren. Der Imkerkreis umfasst acht Ortsvereine (neben Fürth auch Hirschhorn, Lampertheim, Bensheim, Heppenheim, Lautertal, Lindenfels und Weschnitztal) sowie zwei Belegstellen in Heppenheim und Hirschhorn/Brombach. Über den Landesverband Hessischer Imker (LHI) werden für Neumitglieder Grund- und Aufbaukurse angeboten. Darüber hinaus werden sie in der Regel von einem erfahrenen Mitglied des Ortsvereins an die Hand genommen.