Mit Uli Krell ist musikalisch immer zu rechnen

Die Musik spielte im Leben von Uli Krell schon seit je her eine große Rolle. Bereits als Jugendlicher nahm er die Gitarre zur Hand, später kamen dann weitere Saiteninstrumente wie Drehleier, Mandoline oder Bass dazu. „Ich bin sehr ohrenfixiert“, meint der 67-Jährige schmunzelnd über sein Hobby, aus dem vor fünf Jahren der Hammelbacher Klangwanderweg entstand. Etwas ganz anderes als sein früherer Beruf: Mathe- und Physik-Lehrer am Überwald-Gymnasium.

Vor 30 Jahren hatte Krell seine eigene Band, die sich auf historische Musik spezialisierte. Mangels Moneten baute er Harfe oder Drehleier selbst. Da seine Fächer am ÜWG „sehr kopforientiert“ waren, machte er eine Weiterbildung in Arbeitslehre. In diesem Rahmen absolvierte der Wahl-Hammelbacher ein Schreiner-Praktikum. „Das verstärkte in mir die Liebe zur Arbeit mit Holz“, erzählt er. Denn „Musik und Klänge waren schon immer mein Ding“.

Diese Vorlieben brachte er auch am Gymnasium mit ein, als er vor langen Jahren zwei Folk-Gruppen betreute. Denn früher „saßen die Kids noch mit der Gitarre auf dem Schulhof“, so der 67-Jährige. Aber als Angebot gab es damals nur ein Blockflötenorchester. Noch heute pflegt er Kontakte zu den früheren Schülern. Sobald es wieder möglich ist, will Krell wieder mit den Ehemaligen Musik machen. „Das ist für mich sehr wichtig“, betont er. Das fehlte ihm sehr, als wegen der Corona-Pandemie die Kontaktbeschränkungen galten und für größere Gruppen noch immer gelten.

Als es um die Instrumente für den Outdoor-Klangwanderweg ging, war klar, dass sich der Werkstoff Holz nur bedingt eignet. Klar wäre er für die Resonanzen besser, weiß Krell, aber eben nicht witterungsbeständig. „Ich habe schon genug Arbeit damit, alle Instrumente zu stimmen“, lacht er. Mit dem Fahrrad macht er regelmäßige Inspektionstouren, um nachzuschauen, ob überall die (richtigen) Töne erklingen. Aktuell hat er aus den Spenden bei seinen Führungen noch Reserven, um die „Ersatzteile“ zu bezahlen.

In den vergangenen Wochen erreichten Krell viele Fragen von außerhalb, ob der Klangwanderweg frei zugänglich ist. „Ich konnte die Leute alle beruhigen“, sagt er. „Es ist einiges los“, weiß er, aber natürlich gibt es auf acht Kilometern kein Gedränge. Abstände lassen sich ohne Probleme einhalten. Der Musikfan bekommt für sein „Baby“ durchweg positive Rückmeldungen, es erfreut sich großer Beliebtheit. Erst vor kurzem legte er wieder 200 Flyer nach.

Nach wie vor gibt es seine Idee des „klingenden Dorfs“: Krell baut auf Wunsch gegen Materialkostenerstattung Klangobjekte für den heimischen, privaten Garten. Allerdings wurde das bisher aus dem Ort selbst wenig in Anspruch genommen, lediglich aus Litzelbach. Er möchte „nach Corona“ eventuell in Form von Workshops seine Kenntnisse darüber weitergeben, worauf man beim Bau von Windspielen achten sollte.

Der 67-Jährige geht noch mit einer anderen Idee schwanger: ein kleines „Indoor“-Klangmuseum. Denn wenn Instrumente aus Holz (und nicht Metall) gebaut sind, „dann klingen sie viel schöner“, erläutert Krell. Da er sich aber die Miete für Räumlichkeiten nicht leisten kann, hofft er, dass es möglicherweise jemanden gibt, der diese ihm umsonst zur Verfügung stellen würde. Für ein Klangerlebnis im Inneren hat er letztens einen Klangstuhl gebaut.

Auch ein anderes Projekt führt der umtriebige Musikliebhaber weiter: Zusammen mit dem Organisten Marius Skibka stellte er bereits die beiden Instrumente in den Hammelbacher Kirchen vor. Er erklärte die verschiedenen Pfeifenformen, machte erfahrbar, wie Klang und Klangfarben zustande kommen. „Das würde ich gern in anderen Orten auch anbieten“, wenn die Kirchengemeinde Interesse hat.

Während Corona gab’s bei den Krells viel „Odenwälder Hausmusik“. Denn seine drei Söhne haben sein Faible fürs Musizieren geerbt. Und im Haus ließ sich ohne technische Verstärkung ein Krell-Ensemble ins Leben rufen. Der Hammelbacher sehnt sich aber auch nach dem gemeinsamen Musizieren mit vielen anderen, wie es vor dem März stattfand. „Aktuell ist es nur ein Bruchteil“, vermisst er dies stark – und hofft, dass es bald wieder losgeht.

Uli Krell (67) wurde in Groß-Bieberau geboren. 1979 kam er nach seinem Lehramtsstudium (Mathe/Physik) nach dem ersten Staatsexamen ans Wald-Michelbacher Überwald-Gymnasium. Dort legte er auch das zweite Staatsexamen ab. 39 Jahre, bis zur Pensionierung 2018, unterrichtete Krell am ÜWG. Seit 1989 wohnt er im Grasellenbacher Ortsteil.

Die Idee für den Hammelbacher Klangwanderwerg kam Uli Krell 2009, als er zusammen mit seiner Frau Bettina den im Luxemburger Ort Hoscheid besuchte. Erste konkrete Vorstellungen für die Realisierung gab es im Rahmen der Silek-Initiative 2011, bei der Ideen für die Fortentwicklung des Ortes gesucht wurden. Allerdings bekam Uli Krell aus den Silek-Mitteln keine Förderung, konnte aber danach über die Jugendmusikschule als Schirmherr die Sparkassenstiftung für sein Projekt als Unterstützer begeistern.

Die Windleier, das erste Objekt auf der von ihm konzipierten Strecke oberhalb von Hammelbach, hängt bereits acht Jahre. Nach und nach, je nach Freizeit und Fertigstellung, kamen die anderen Instrumente dazu. Etwa das Holzartenxylophon: Die Abmessungen sind konstant, aber die verschiedenen Holzarten klingen alle unterschiedlich.

Oder der Achtklang: Es waren viele Forschungsarbeiten nötig, bis klar war, wie lange die Rohre sein müssen, dass die Töne stimmen. Die Lion-Windharfe wurde genau an dem Tag montiert, als sein erster Enkel auf die Welt kam. Weshalb sie auch dessen Namen erhielt. Im September 2015 war Einweihung der Strecke.

Ausgangspunkt des acht Kilometer langen Klangwanderwegs ist der Dorfplatz. Der Weg hat eine eigene Markierung, das „blaue Ohr“. Man kann aber auch an der Weschnitzquelle einsteigen und dann der Markierung für den Qualitätsrundwanderweg H10 auf ihrem nördlichen Teil oder dem „blauen Ohr“ folgen. Über Eselstein, Altlechtern und Schanze führt die Strecke wieder in einem Bogen zurück nach Hammelbach.

Zur Betreuung des Klangwanderwegs sucht Uli Krell noch Mitstreiter, die ihm bei der Instandhaltung zur Hand gehen. Weitere Infos bei Facebook unter Hammelbacher Klangwanderweg oder E-Mail klangwanderweg@gmail.com.

Langsame Rückkehr zur Normalität

Ganz langsam geht der Übungsbetrieb bei den Freiwilligen Feuerwehren im Überwald wieder los. Seit Anfang des Monats dürfen Übungen in kleinem Rahmen bis sechs Personen wieder stattfinden. „Anfang März wurde nach Abstimmungen im Kreis der Übungsbetrieb zunächst eingestellt“, erzählt Carsten Kling, Gemeindebrandinspektor (GBI) von Abtsteinach. Ein Ausgleich bildeten  „Video-Gruppen-Chat-Übungen“. Zunächst nur theoretisch, „wurden später auch per Übertragung aus dem Gerätehaus technische Unterrichtseinheiten durchgeführt“, berichtet er. Die Resonanz hierauf war sehr gut, freut sich Kling.

Seit Monatsanfang üben die Abtsteinacher wie andere Wehren auch wieder in Staffelstärke mit sechs Personen. Es gibt keinen personellen Wechsel und währenddessen wird durchgängig Mund-/Nasenschutz getragen, erläutert der GBI. Aktuell sind pro Woche fünf Staffeln an wechselnden Wochentagen im Übungsbetrieb, die sich somit auch nicht in den Gerätehäusern begegnen.

Während des „Feuerwehr-Shutdowns“ organisierten die Gerätewarte, dass Fahrzeuge und Gerätschaften regelmäßig gewartet wurden. Hierzu wurde laut Kling nach Feierabend und am Wochenende „im Schichtbetrieb“ einzeln das Gerätehaus aufgesucht. Er hofft, dass andere Abtsteinacher Abteilung wie Kinder- und Jugendwehr bei weiter rückläufigen Infektionszahlen bald wieder starten dürfen.

„Aktuell halte ich den Ausbildungs- und Übungsstand der Feuerwehr Abtsteinach trotz der Corona-bedingten Einschränkungen für gut“, bekräftigt Kling. Alle Beteiligten „haben ideenreich und hoch engagiert versucht, aus der Situation das Beste zu machen“. Eine nachteilige Auswirkung des eingeschränkten Übungsbetriebs kann er nicht feststellen. „Wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen“, betont der GBI.

„Das ist schon eine verdammt schwierige Zeit“, nimmt Wald-Michelbachs GBI Peter Capuani kein Blatt vor den Mund. Der Lockdown war zu Anfang mit sehr viel Überzeugungsarbeit seitens der Führungskräfte verbunden, erläutert er. Nach diversen klärenden Gesprächen „war aber letztlich allen klar, dass eine Quarantäne von Einsatzkräften unbedingt zu verhindern ist“, so Capuani. Deshalb war die strikte Einhaltung des Kontaktverbotes „für uns noch wichtiger, als für andere“. Jeglicher Dienstbetrieb mit Ausnahme des Einsatzdienstes wurde eingestellt. Das wurde bis vor knapp vier Wochen durchgehalten.

Ab Anfang des Monats ging man in der Überwald-Gemeinde dazu über, in kleinen Einheiten auch wieder praktisch zu üben, „weil das einfach unumgänglich ist“. Dafür wurden Gruppen gebildet, die für die nächste Zeit konsequent zusammen bleiben und nicht gemischt werden, erklärt er die ähnliche Vorgehensweise wie in Abtsteinach. Sollte also jemand nach einer Übung erkranken, bleibt die restliche Mannschaft einsatzfähig.

Problematisch ist Capuani zufolge die Situation bei Einsätzen: „Da geht so eine Trennung nicht.“ Am Anfang waren die Abstimmung und die Einhaltung der Hygieneregeln „etwas holprig, aber mittlerweile funktioniert das ganz gut“. Capuani vermutet, dass sich die Maßnahmen auch deshalb langsamer einspielten, weil die Einsatzzahlen von Anfang April bis heute rund ein Drittel unter denen des Vorjahres liegen. „Durch die Beschränkungen ist einfach weniger passiert.“

Die Landesfeuerwehrschule will den Regelbetrieb erst nach den Sommerferien wieder aufnehmen, dann aber auch nur mit der Hälfte der Kapazitäten, weiß der Wehrführer. Zusätzlich finden derzeit auch keine Kreislehrgänge statt. „Das wird uns in der Ausbildung sehr weit zurück werfen“, befürchtete er.

In der Zeit ohne Präsenzübungen hielt die Feuerwehr Siedelsbrunn Schulungen per Webex ab, erläutert Wehrführer Lars Gremm. Schulungsvideos wurden an die Aktiven versendet. „Negative Auswirkungen hatte die übungsfreie Zeit bisher nicht“, hebt er hervor. Durch den Stopp der Lehrgänge konnten sich zwei Brandschützer nicht zum Atemschutzgeräteträger weiterbilden, bedauert Gremm.

„Wir in Hammelbach werden erst wieder nach den Sommerferien mit Übungen und Treffen beginnen“, kündigt Wehrführer Marco Stein an. „Momentan ruht alles zu 100 Prozent in allen Abteilungen“, sagt er. Ob gemeinsam mit Scharbach gestartet wird oder jeder für sich, wird die weitere Entwicklung der Corona-Lage zeigen. Auch Lehrgänge und Fortbildungen sollen nach jetzigem Stand erst Mitte August starten.

Die Besatzung auf den Fahrzeugen während der Einsätze wurde verringert. So wird das Löschfahrzeug LF 10 derzeit nur mit fünf anstatt neun Personen besetzt, erklärt Stein. „Im Team sind wir stark“, machte sich die fehlende Übung laut dem Wehrführer nicht negativ bemerkbar. Er registrierte wie Capuani eine geringe Zahl von Einsätzen.

Kunsthandwerkermarkt findet nicht statt

Der diesjährige „Kunst.Hand.Werk.Markt“ auf der Tromm kann leider nicht stattfinden, bedauert Helena Clemens-Kohrt zutiefst. Die Goldschmiedin mit ihrem Atelier auf dem Höhenzug ist nicht nur die Veranstalterin, sie öffnete am ersten August-Sonntag auch immer selbst ihre Räume. Allerdings dieses Jahr nicht am 2. August. 25 Austeller hatte Clemens-Kohrt wieder für die Veranstaltung zusammengetrommelt, die sich immer größerer Beliebtheit erfreute.

Aufgrund der vielen Auflagen „können wir dieses Jahr den Aufwand nicht stemmen“, erläutert sie. Es würde für sie sehr schwierig, die Hygiene- und Abstandsregeln zu garantieren und die Menschen ständig zu überwachen, dass Abstände und anderes mehr eingehalten werden. Dazu kommen noch die Bestimmungen für die sanitären Einrichtungen, die in dieser Form nicht verwirklichen lassen.

Für viele Menschen im Odenwald und Umgebung ist der Markt mittlerweile ja ein feststehender Begriff, weiß die Kunsthandwerkerin. Die Leute kamen weit über die Odenwälder Grenzen hinaus auf die Tromm, hat sie festgestellt. „Es war eine tolle Werbung für das Odenwälder Kunsthandwerk, aber auch die Möglichkeit, gut zu verkaufen.“ Die Absage ist für sie und all die ausstellenden Kunsthandwerker, die hauptsächlich aus dem hiesigen Raum kommen, „ein herber Einschnitt“.

Denn viele Kunsthandwerker, ist ihr bewusst, leben von diesen Märkten, leben davon, dass sie gesehen werden und dass die Leute spontan auf die Idee kommen, mal etwas zu kaufen – auch wenn sie es eigentlich nicht vorhatten, schmunzelt Clemens-Kohrt. „Ich habe das große Glück, einen Laden und mein Atelier auf der Tromm zu haben“, erzählt sie. Interessierte können hier Termine vereinbaren und vorbeikommen.

Doch wenn man vom Verkauf auf Märkten abhängig ist, ist die aktuelle Situation existenzbedrohend, hat sie aus Rückmeldungen der Kollegen erfahren. Denn denen ist quasi eine komplette Saison weggebrochen. Einige haben die staatlichen Zuschüsse beantragt und erhalten – aber diese gelten nur für drei Monate. Jedoch sind Großveranstaltungen bis mindestens Ende August abgesagt. „Das Geld ist irgendwann weg – und wie geht es dann weiter“, stehen die künstlerisch Tätigen vor dem Nichts.

Clemens-Kohrt hofft nicht nur darauf, dass die Veranstaltung kommendes Jahr wieder wie gewohnt stattfinden kann. Sie hofft auch, dass es ihre bisherigen Aussteller und Kollegen finanziell durch 2020 schaffen und dann wieder dabei sind. Zum neunten Mal wäre der Kunsthandwerkermarkt am 2. August über die Bühne gegangen. Regelmäßig füllt sich dann der Höhenrücken mit vielen Menschen, wenn es rund um das Goldschmiede-Atelier schönes Kunsthandwerkliches und kulinarische Genüsse gibt.

Imasgo fehlen die Märkte für Afrika-Produkte

Die Produkte aus dem Hammelbacher Imasgo-Atelier von Martine Rüdinger sind jetzt in ihrem Unverpackt-Laden „Chez Martine“ in Birkenau zu finden. Seitdem die Hammelbacherin ihn im vergangenen Spätsommer eröffnete, erfreut sich das Lebensmittel-Geschäft einer großen Beliebtheit. Es gibt bereits viele Stammkunden. Gleichzeitig bietet es dem Verein, dessen zweite Vorsitzende sie ist, die Möglichkeit, die fair gehandelten Waren aus dem kleinen westafrikanischen Land Burkina Faso dort einer breiteren Kundschaft anzubieten und Infos bereitzuhalten.

In Corona-Zeiten ist der stationäre Verkauf ein wahrer Segen. Denn Rüdingers Laden durfte offenbleiben, da er Lebensmittel verkauft. Alle anderen Möglichkeiten für den Verein, Kunsthandwerk sowie Seifen, Textilien und weitere Produkte aus Afrika anzubieten, fielen weg. Denn normalerweise sind die Imasgo-Ehrenamtlichen das Jahr über auf vielen Märkten präsent, die in diesem Jahr nicht stattfinden dürfen.

Kreativmarkt Eberbach, Darmstädter Künstlerhaus, Trommer Sommer: Die Liste der weggebrochenen Termine, an denen Martine Rüdinger (und nicht nur sie) in den vergangenen Jahren oft vertreten war, ist lang. „Wir hoffen, dass die Weinheimer LebensArt im September stattfindet“, sagt Vorsitzender Franz Stevens. Die Messe wäre noch einmal eine schöne Gelegenheit, das Vereinskonto aufzufüllen, um den von den Corona-Einschränkungen gebeutelten Menschen in Burkina Faso helfen.

Da zumindest über den Sommer kein Markt ansteht, brechen die Einnahmen daraus weg, die zu 100 Prozent für die Imasgo-Hilfe verwendet werden. Zusätzlich fehlt die Möglichkeit, auf den Veranstaltungen für den Verein zu werben. Wenn Personal für einen Stand gefunden werden soll, herrscht bei Imasgo zum Glück kein Mangel. Zehn „Daueraktive“ und zusätzliche Helfer bei Aktionen stehen parat.

Stevens kaufte bei seinem Besuch in Burkina Faso im März viele neue Artikel. Schon damals zeichnete sich ab, dass alles zum Erliegen kommen würde. „Ich war der einzige Weiße dort“, berichtet er. Inzwischen geht – wie hierzulande – alles langsam wieder los, die Schulen öffnen peu à peu. Die Verschiffung des Containers verzögerte sich durch die Einschränkungen wegen der Pandemie stark.

Der Verein kann einige Kubikmeter durch eine Kooperation mit einem Frankfurter Importeur günstig mitnutzen. „Wir rechnen jetzt mit der Ankunft Ende Mai“, kam gerade dessen Nachricht – ein paar Tage früher als noch vor kurzem befürchtet. Dann will sich Stevens so schnell wie möglich darum kümmern, dass die Produkte in die Region kommen. Darunter sind Skulpturen, Taschen oder Tongefäße.

Die Schaffung von Verdienstmöglichkeiten mit Handwerk jeglicher Art ist ein weiterer Schwerpunkt von Imasgo. Dazu gehören notwendige Ausbildungen einerseits und die Hilfe bei der Beschaffung von Werkzeugen und Materialien andererseits. Zuletzt erreichten zwei Lieferungen dringend für die Schneidereien benötigter Tretnähmaschinen ihr Ziel. Eine befreundete Frauengruppe aus Gruol half kräftig mit, diese in Deutschland einzusammeln. Insgesamt wurden 14 Maschinen verschifft und jetzt zu den Werkstätten gebracht.

Erschwert wurde auch diese Aktion durch die starken Beschränkungen wegen der COVID-19-Pandemie. „Es kommen keine Touristen mehr – wir können kaum noch etwas verkaufen“, sagt Patrice Balma. Der Bronzekünstler aus der Hauptstadt Ouagadougou war im Sommer vergangenen Jahres zu Besuch in Hammelbach und Birkenau. Sein Atelier im Kunsthandwerkerdorf ist wie die dort ebenfalls beheimateten Geschäfte seiner Kollegen seit Ausbruch des Coronavirus geschlossen.

Neben der Pandemie machen auch die negativen Schlagzeilen über die vielen Terrorangriffe der Islamisten im Norden dem Land schwer zu schaffen. 800.000 Inlands-Flüchtlinge kommen zwar überwiegend bei Verwandten und Freunden weiter im Süden unter, aber die Versorgung wird zunehmend kritischer. Umso wichtiger ist die internationale Solidarität, betont Stevens.

In einem Land, in dem es keine Reserven und keine staatlichen Hilfsfonds gibt, ist es sofort Existenz bedrohend, wenn Menschen ihre Waren nicht auf dem Markt oder in ihren kleinen Boutiquen verkaufen können. Touristen lassen sich seit zwei Monaten nicht mehr blicken – schon vorher machten sie sich rar. „Hunger ist die direkte Folge“, weiß Stevens. „Das ist tragisch“, so der Vorsitzende.

Rüdinger und Stevens wissen, dass der Imasgo-Beitrag „natürlich nur ein kleiner Tropfen ist“, wollen ihn aber als Zeichen sehen und Nachahmer ermutigen, „die Solidarität mit den Ärmsten nicht zu vergessen“. Ein Einkauf burkinischer Produkte im Unverpackt-Laden ist eine Möglichkeit, diese Solidarität zu praktizieren, hebt der Vorsitzende hervor.                      tom

 

 

Info: Sachspenden wie funktionierende Tretnähmaschinen, Smartphones oder Tablet-PCs für Lehrer, aber auch Sanitärartikel wie Gehhilfen sind sehr willkommen. Eine E-Mail an info@imasgo.de oder ein Anruf beim Verein unter 06201/31697 reicht, um einen Abholtermin zu vereinbaren. Geldspenden sind möglich, um die Projekte schneller voranzubringen. Das Spendenkonto lautet: IBAN DE91 5095 1469 0005 0656 17, BIC HELADEF1HEP. Weitere Informationen unter www.imasgo.de. Der Unverpackt-Laden in der Hauptstraße 87 Birkenau ist Montag bis Freitag geöffnet von 9 bis 13 und von 14.30 bis 18 Uhr, samstags nur vormittags.

Die Besonderheit ist der interkonfessionelle Ansatz

Oft sind es die Ärmsten der Armen, die am meisten unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie leiden. Nicht einmal so sehr unter der Krankheit selbst, sondern unter den wirtschaftlichen Folgen. Gerade Afrika und Asien sind besonders betroffen. Die evangelische Kirchengemeinde Hammelbach unterhält seit fast sechs Jahren eine Partnerschaft mit der Moravian Chruch auf Sansibar.

Pfarrer Stefan Ningel bekommt durch Fainess Kasote von der dortigen Kirchengemeinde regelmäßig Infos von der zu Tansania gehörenden Insel. Bettina Nasgowitz von der Herrnhuter Missionshilfe in Bad Boll, die die Unterstützung federführend koordiniert, hält ständig Kontakt. Zum Glück gibt es noch nicht viele Fälle, so ihre Info in den Überwald. Allerdings wurde ihrer Kenntnis nach auch wenig getestet.

Gottesdienste finden zwar teilweise noch statt, die jedoch nur von wenigen Gläubigen besucht werden. Was zwar einerseits gut ist, weil sich so die Krankheit nicht ausbreiten kann, andererseits aber haben die Kirchen kaum Einnahmen, weiß Nasgowitz. „Sie können dann Pfarrer nicht bezahlen“, berichtet sie. Alle Schulen auf Sansibar sind geschlossen, informiert die Kontaktfrau. Was wiederum bedeutet, dass durch die fehlenden Schulgebühren „massive Probleme“ auftreten.

Die Herrnhuter Brüdergemeine stattet derzeit ihre Krankenhäuser mit Hygieneartikeln und Sauerstoffmasken aus. „Die Situation ist nicht einfach“, sagt die Projektverantwortliche. Außer Abwarten, wie sich alles entwickelt, ist nicht viel möglich. „Hoffen wir, dass sich das Virus nicht weiter in Afrika verbreitet“, lautet ihr Wunsch.

Die Moravian Church, wie die Herrnhuter aufgrund ihrer Herkunft aus dem Böhmischen im Englischen bezeichnet werden, sind in einer überwiegend muslimischen Gesellschaft aktiv. Auf Sansibar beträgt deren Bevölkerungsanteil 99 Prozent. Ende 2014 startete das Schulprojekt. Seit dieser Zeit besteht auch die Partnerschaft mit Hammelbach. 2015 wurde im Überwald an der Kirche dazu ein Gedenkstein errichtet.

Eigentlich wollten die Konfirmanden in diesem Jahr wieder für Sansibar sammeln, aber wegen Corona wurde die Feier auf Ende November verschoben. Auch die Kollekte des Vorstellungsgottesdienstes war dafür geplant. „Das Geld kommt dort an“, weiß Ningel, der 2017 selbst eine Woche zu Besuch war. „Es versickert nicht in dunklen Kanälen“, betont er. Entweder die Herrnhuter nehmen es bei Besuchen mit oder es wird an Vertrauenspersonen überwiesen.

Vor kurzem wurde eine neue Grundschule mit 120 Kindern und ein neuer Kindergarten mit 138 Kindern in Mwera eröffnet, erklärt Pfarrer Ningel. Beide werden von Hammelbach aus unterstützt. „Die Schule ist gut anerkannt“, weiß er. Die Besonderheit ist der interkonfessionelle Ansatz. Einige Lehrkräfte sind Muslime, andere Christen. Auch die Kinder gehören verschiedenen Konfessionen an. „Spielen und lernen in Frieden und Harmonie zusammen.“

Die Kinder feierten mit ihren Eltern und Lehrkräften die Fertigstellung der zusätzlichen Schulgebäude. Dazu war auf dem Schulgelände ein Festzelt aufgestellt und ein buntes Programm vorbereitet worden. Die Schule, in der auch Englisch unterrichtet wird, genießt einen sehr guten Ruf und kann nun viel mehr als bisher aufnehmen. „Viele Kinder haben keine Eltern oder kommen aus sehr armen Familien“, so Nasgowitz.

Nun sind in den neuen, geräumigen Gebäuden zehn Klassenzimmer mit ausreichend Platz vorhanden. Die Kinder können nun in einer sicheren Umgebung und ohne Angst um gesundheitliche Gefährdungen auf die anstehende Zukunft vorbereitet werden, hebt sie hervor. 2017 unterstützten die Herrnhuter eine Kinder-Sonntagsschule in den Räumlichkeiten. Mehr als 100 Heranwachsende, auch Muslime, kommen bis heute regelmäßig, um zu singen, zu tanzen, zu spielen und biblische Geschichten zu hören.

Anfang dieses Jahr wurde mit dem Bau einer Mehrzweckhalle neben der Schule begonnen, teilt der Hammelbacher Geistliche mit. Unter der Woche wird diese von der Schule und am Sonntag für Gottesdienste genutzt. Bisher versammelten sich die Christen zum Gebet in der Ruine einer anglikanischen Kirche. Innerhalb von zwei Monaten wurde der neue Bau fertiggestellt.

Damit kann das Ziel des Stiftungswerks, den Dialog zwischen Muslimen und Christen zu fördern und jungen Christen in einer muslimisch dominierten Gesellschaft eine Zukunft zu ermöglichen, unter neuen, besseren Voraussetzungen verfolgt werden, erklärt Nasgowitz. Die neue Halle ist groß genug, um in Corona-Zeiten das Abstandsgebot einzuhalten.                                     tom

 

Info: http://www.herrnhuter-missionshilfe.de

Besuch in Bédarrides liegt auf Eis

Frankreich und Spanien werden neben Italien besonders schlimm von der Corona-Pandemie heimgesucht. Deshalb sind die Verordnungen der Regierungen im Vergleich zu Deutschland noch um einiges strikter, wenn es um Schließungen und Ausgangsbeschränkungen geht. Da es sich bei den beiden Grasellenbacher Partnergemeinden Bédarrides und Cunit um vergleichsweise kleine Kommunen handelt, ist die Zahl der Erkrankten nicht allzu hoch.

„Wir wollen im Mai hin“, erzählt Edgar Schmidt vom Freundeskreis Bédarrides. Die Reise, an der auch die ÜWG-Big Band teilnehmen sollte, „war schon durchgeplant“. In den umliegenden Ortschaften und Bédarriedes selbst sollte es mehrere Konzerte geben, teilweise sogar zwei am Tag. Über 80 Personen mit zwei Bussen wollten sich auf den Weg machen, informiert Schmidt.

„Jetzt werden wir das Ganze um ein Jahr verschieben“, will der Freundeskreis auf Nummer sicher gehen. „Alles andere ist zu vage.“ Zu den offiziellen Stellen, erzählt Schmidt, gibt es derzeit keine direkten Kontakte. Von den französischen Bekannten aus dem Freundeskreis „ist derzeit niemand erkrankt“, zeigt er sich froh.

Der Bürgermeister von Bédarrides, Christian Tort, wendet sich jede Woche mit einer Videobotschaft an die Bürger, erfuhr der Freundeskreis-Vorsitzende. Daneben ist die örtliche Verwaltung viel auf Facebook aktiv und versucht den Bürgern Tipps zu geben, wie diese durch die schwierige Zeit kommen können. Über 5000 Bürger wohnen in der Gemeinde im Département Vaucluse in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, nahe Avignon gelegen.

Der Lockdown in Frankreich ist um einiges rigoroser als hierzulande. Die Menschen werden aufgefordert, nur für die allernötigsten Dinge außer Haus zu gehen – und dann allein. Sie brauchen dafür einen Passierschein. Paris erließ jetzt gerade die Verordnung, dass zwischen 10 und 19 Uhr selbst der Sport unter freiem Himmel untersagt ist. Da sind Tipps Gold wert, wie man sich die Zeit vertreiben kann, wenn man nur zu Hause sitzt.

Um in Form zu bleiben, gibt es auf Facebook etwa virtuelle Trainingsstunden der „Cailles Tonic“, der Frauenrugby-Mannschaft von Bédarrides. Gepostet werden daneben Aktivitäten für die gesamte Familie. Als weiterer Beschäftigungs-Tipp werden die Bewohner aufgefordert, doch mal den Hausstand auf Vordermann zu bringen, den „alten Kram“ zu sortieren und später, wenn sie wieder „Ausgang“ haben, zu den Sammelstellen zu bringen.

Der wöchentliche Montagsmarkt ist zu, der Sommermarkt geschlossen, ebenso wie das Rathaus, das jedoch von 8.30 bis 16.30 montags bis samstags telefonische Sprechstunden anbietet: Das Leben ist in Bédarrides ein langer, ruhiger Fluss, der derzeit überhaupt keine Bewegung kennt. Im sozialen Netzwerk wartet noch ein Ratespiel auf die von Langeweile geplagten Bürger. „Kennst du dein Viertel im Laufe der Zeit“, heißt es da auf der Seite des Nationalen Geographischen Instituts.

„Einkaufen geht noch, alles andere ist dicht“, hat Bürgermeister Markus Röth von seinem Schwiegervater aus dem spanischen Cunit erfahren. Glücklicherweise soll es in der Region nur wenige Todesfälle geben, so die Auskunft. Im Strandort am Mittelmeer ist noch keine Saison, weswegen sich dort noch wenige bis keine Touristen aufhielten. Die 13.000-Einwohner-Kommune zwischen Barcelona und Tarragona in Katalonien wuchs seit Beginn der Partnerschaft sehr stark, weiß Röth.

Gemessen an der Zahl der Erkrankten „ist die Lage noch nicht so dramatisch“, erzählt der Bürgermeister. Allerdings ist es für die Menschen eine große Belastung, immer zu Hause bleiben zu müssen, bekam er von seinem Schwiegervater mit auf den Weg. Denn das gesellschaftliche Leben spielt sich in den südlichen Ländern oftmals draußen ab – was derzeit unmöglich ist.

Reichhaltiges Angebot beim Wintermarkt

Besser hätte das Wetter beim zehnten Wintermarkt nicht sein können. Als am Sonntag gegen Mittag die Sonne rauskam und die Temperaturen auf angenehme sieben Grad kletterten, wurde es rund ums Rathaus so richtig voll. Dann noch die Darbietung des Crescendo-Chors der Waldeslust: Die Gäste drängten sich um die Buden von Vereinen und Ausstellern auf dem Rathaus- und Poschdaddl-Platz.

Ein großes, liebevoll zusammengestelltes Angebot an Waren aller Couleur sowie zahlreiche Spezialitäten fürs leibliche Wohl zogen an. Die meisten Standbetreiber zeigten sich zum Abschluss zufrieden mit der Resonanz und dem Andrang. Die Entscheidung aus 2018, den nahegelegenen Poschaddl-Platz wieder miteinzubeziehen, war goldrichtig. Hier war neben dem Kinderkarussell auch die „Gastro-Meile“ der örtlichen Vereine aufgebaut, die keine Wünsche übrig ließ. Motorsportvereinigung, Fußballer und Kerwejugend standen Gewehr bei Fuß.

Es gab einige feste Hütten, die leihweise von Wald-Michelbach zur Verfügung gestellt wurden, und darüber hinaus Aussteller mit eigenen Ständen. Seifen aus dem Mossautal, selbst Gehäkeltes, Schmuck oder Drechselwaren gab es zu erstehen. Der Wintermarkt „in der Saure-Gurken-Zeit“ zieht Besucher auch von weiter her an. Groß-Gerau oder Dieburg lauteten unter anderem die Adressen.

Am Stand des Vereins Imasgo gab es etliche Dinge aus dem gleichnamigen westafrikanischen Ort in Burkina Faso. Darunter wieder besondere Bronzeplastiken von Patrice Balma, die dieser mit einem Container Richtung Europa schickte. „Da sind große Sachen dabei, die wir sonst nicht transportieren könnten“, erläuterte Martine Rüdinger. Leider sei der Bronzepreis in der vergangenen Zeit gestiegen.

Um Bücher drehte es sich im Eingangsbereich des Rathauses. Annette Bach bot mit Gisela Dörr gespendete Exemplare an gegen einen freiwilligen Obolus an. Der Erlös geht an das Kinderhospiz Sterntaler in Mannheim. „Seit 2011 wurden dadurch schon viele tausend Euro gespendet“, zeigte sich Bach erfreut über den bisherigen Erlös. Aus der Bevölkerung kommt nach wie vor Nachschub.

Wärmendes für kalte Tage mit vielen Prozenten empfahl Johannes Gehrig. Die „Nacht über Xanten“ entführt in die Heimat der Burgunder, die die heimischen Wälder unsicher machten. Der Likör aus Holunderbeeren und Portugieser-Rotwein war ebenso eine Leckerei wie die „Alte Zwetschge“, eine besondere Abfüllung in nur 28 Flaschen. Hinter dem Birnenbrand der „Gräfin von Paris“ verbirgt sich Obst von der Klinger Höhe.

Wollig-mollig warm wurde es den Besuchern am Stand von Jutta Weber. Die Kocherbacherin strickt das ganze Jahr über, was das Zeug hält. Selbstgemachte Mützen, Schals oder Handschuhe, dazu für die Küche Topflappen: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Weber ist mit nur einem Aussetzer seit Anfang an beim Wintermarkt dabei.

Glücksbringer, Engelsrufer oder einfach auch „Engel-to-go“ hatte Bettina Wagner aus Fürth mitgebracht. Die Herstellung ist ein Hobby, „das sehr viel Spaß macht“, betonte sie. Bei den Besuchern stoßen die Angebote immer auf viel Interesse, weshalb Wagner auch viel zu erklären hatte. „Das sieht man nicht überall“, weiß die Fürtherin.

Drechsler Lukas Bette aus Mörlenbach war das zweite Mal in Hammelbach dabei. Heimische Hölzer wie Kirschbaum, Eiche oder Weide sowie Bergsträßer Mirabelle verwendet er für seine Schüsseln oder Behältnisse. Teilweise schlägt er die Bäume sogar selbst ein. „Ostern kommt schneller als man denkt“, lacht er mit Blick auf die ausgestellten Osterhasen. Der Drechsler fertig neben Rosen, Flaschenöffnern oder Tierfiguren auch formschöne Reagenzglashalter.

Die evangelische Kirchengemeinde setzt sich auf dem Wintermarkt für die Tafel Weschnitztal-Überwald in Rimbach ein. Während die Konfirmanden Waffeln und Kaffee verkaufen, ist der Kirchenvorstand für den Kuchen zuständig. Dazu gibt es das Schätzspiel, wie viel Besteck im Pfarrhaus vorhanden ist. Das liegt nebenan in einer großen Tüte. Bei Pfarrer Stefan Ningel bleibt somit am Wochenende die Küche kalt….

Die vielfältigen Angebote sorgten für ein abwechslungsreiches Ortsfest. Dazu trugen auch in diesem Jahr Vereine, Bürger, Schulen, Kirchen und Gewerbetreibende bei, die zusammen mit der Gemeindeverwaltung wieder ein umfangreiches Programm aufgestellt hatten. Der Posaunenchor trat auf, abends führte Nachtwächter Theo Reichert Interessierte durch den Ort, später zeigte Feuerkünstler Jeremy seine Künste.

Der ländliche Raum wird benachteiligt

2020 steht ganz im Zeichen der Kommunalwahl-Vorbereitung, schälte sich aus den Grußworten auf dem SPD-Neujahrsempfang heraus. Der fand zum 13. Mal in Folge traditionell im Foyer der Nibelungenhalle statt und erfreute sich wieder eines großes Zuspruchs. Der Ortsvereinsvorsitzende Franz Hartmann, der SPD-Unterbezirksvorsitzende Marius Schmidt und Bürgermeister Markus Röth richteten ihre Worte an die Gäste.

Er hoffe, dass die zum neuen Jahr ins Auge gefassten Ziele in Erfüllung gehen, meinte Hartmann. Die Vorhaben sollten aber immer realistisch sein, betonte er. Bei all dem gelte es die Mitmenschlichkeit nicht zu vergessen, „denn sie kommt immer kürzer“, mahnte Hartmann. Er forderte, „dass der Mensch endlich wieder in den Mittelpunkt rücken muss“. Er freute sich, unter den Besuchern einige auszumachen, die noch keinen der bisherigen Neujahrsempfänge verpassten.

Hartmann bezeichnete 2019 als „aufregendes, aber nicht gerade ruhmreiches Jahr“. Klimawandel, Brexit und rechte Wahlerfolge nannte der lokale SPD-Chef als prägnante Themen. „Es gilt die Erde für zukünftige Generationen zu schützen“, hob er hervor. Deshalb dürfe man die Augen auch nicht vor der Realität verschließen. Er forderte alle auf, „endlich umweltbewusst zu handeln“.

Die auf der Welt tobenden Kriege seien aus Grasellenbacher Sicht weit weg, aber „jeder ist gefordert, seinen Beitrag zur Friedenserhaltung zu leisten“. Hartmann postulierte: „Wir brauchen ein weltoffenes Deutschland und ein starkes Europa.“ Denn sonst werde man zum Spielball der Großmächte USA, Russland und China.

„In Grasellenbach stimmt das Miteinander“, hob Schmidt hervor. Statt gemeckert wird gemacht. Andere könnten sich davon eine Scheibe abschneiden, sagte der Unterbezirksvorsitzende. „Respektrente“, das Wort des Jahres 2019, „ist eine Erfindung der SPD“, wies er auf den Einsatz der Sozialdemokraten hin. Wer 35 Jahre gearbeitet hat, bekommt eine ordentliche Rente über dem Grundsicherungsniveau.

Schmidt hält es für richtig, dass sich eine Partei Gedanken macht, „was sie will“, ging er auf die Diskussion nach der Vorsitzendenwahl ein. Dabei sollte man nicht gleich den Kompromiss innerhalb der Großen Koalition mit einpreisen. „Gut regiert zu werden ist der Anspruch jeden Bürgers“, postulierte der SPD-Mann. Das stärke das Vertrauen in die Staatlichkeit. „Wir haben Ergebnisse erzielt, die sich sehen lassen können“, hob er hervor.

Auch auf Kreisebene trägt die Politik die Handschrift der SPD, so Schmidt. Viele Programmpunkte aus der vergangenen Landratswahl habe man in der Großen Kreiskoalition umgesetzt. Schmidt nannte die Stärkung der Vereinsförderung, des Schulbau, der Sozialverbände, der Tarifbindung und des ÖPNV. „Stellt euch vor, was alles hinbekommen hätten, wenn wir die Wahl gewonnen hätten“, schmunzelte er.

Bürgermeister Röth machte drei Kreuze, dass nach knapp fünf Jahren Planung endlich der Bebauungsplan für den Lebensmittelmarkt in Wahlen beschlossen wurde. Es gab eine „endlose Diskussion um eine vernünftige Lösung“, sah er das Vorhaben durch viele Vorgaben von oben verzögert. Am vergangenen Dienstag wurde der Bauantrag vom Gemeindevorstand beschlossen, erläuterte er.

Der Rathauschef ging daneben auf die allgemeine Entwicklung ein. Wenn Geld da ist, „haben Kreis und Land die Möglichkeit, Straßen zu sanieren“. Die Kommune ist dann aber auch bei Wasser und Kanal gefordert. Dafür gibt’s jedoch keine Mittel, beklagte er, außerdem sind Bauunternehmer in der jetzigen Hochkonjunktur schwer zu bekommen.

„Können wir ein Problem schaffen, um an Fördergelder zu bekommen“, meine er ironisch zu den vielen Fördertöpfen, die aber oftmals am Bedarf vorbeigehen. Das Gemeindeoberhaupt führte die bis 2009 gezahlte pauschale Investitionszulage an. „Warum gibt es die nicht mehr?“, fragte er. Der ländliche Raum wurde durch die jetzige Art der Zuweisung benachteiligt, so der Bürgermeister.

Auch bei der Wohnungsbauförderung sah er die ländlichen Regionen übervorteilt. Vor Ort müsse man mit dem zurechtkommen, „was wir haben“, sagte er leicht resigniert. Immerhin steigt die Einwohnerzahl. Sie liegt inzwischen bei etwa 4150 Personen. „Die Michelbescher bekommen bald Minderwertigkeitskomplexe“, scherzte Röth.

Eigentlich war auch SPD-Bundesjustizministerin Christine Lambrecht angekündigt, die nach dem Empfang in Heppenheim vorbeischauen wollte. Doch der verzögerte sich, sodass Lambrecht leider ihren Besuch wegen folgender Termine absagen musste, wie Franz Hartmann später bedauernd verkündete.

 

Marius Steinmann kehrt zum TSV zurück

Nach dem Aufstieg „sind wir mittlerweile respektabel in der Liga angekommen“, freut sich TSV-Trainer Ronny Sauer. „Ich habe vernommen, dass wir mittlerweile von den Gegnern ernst genommen werden“, schmunzelt er. Mit den bisher erzielten Punkten in der Fußball-Kreisklasse B zeigt er sich zum Jahreswechsel zufrieden. Der TSV Gras-Ellenbach hat sich schon ein kleines Polster nach hinten erarbeitet und ist somit dem Ziel Klassenerhalt näher gekommen.

Doch genug des Lobes: „Mit den sportlichen Auftritten und dem Spielstil war ich jedoch zu selten zufrieden“, meint der Coach. Er vermutet, dass der Respekt vor der Klasse am Anfang zu groß war. Positionen wurden oft nicht ein- und die Bälle zu lange gehalten, wodurch das Spiel lahmte. „Es wurde zu viel gekickt und weniger Fußball gespielt.“ Dass es die Mannschaft mehr kann, hat sie in den Begegnungen gegen Rodau (2:0 – zu dem Zeitpunkt ungeschlagener Tabellenführer), in Weiher (1:1), Affolterbach (6:1), Rimbach (5:1) und Fürth (6:1) gezeigt.

Sauer erwartet und hofft, dass die Spieler gut vorbereitet ins erste Training kommen und sie wieder die Lust packt, sich fußballerisch weiterzuentwickeln. Generell „muss ich der Mannschaft aber auch ein Kompliment aussprechen“, will der Trainer nicht zu viel Kritik üben. Bereits am Anfang wurde sie stark zurückgeworfen und musste in der Hinserie immer wieder mit harten Rückschlägen kämpfen.

So kämpfte Kapitän Domenik Schäfer die ersten Wochen mit hartnäckigen Rückenproblemen. Julius Klute, der neue Mittelfeldmotor, verletzte sich am Knie und konnte noch kein Spiel machen. Markus Kunkel (mit 40 Treffern vergangene Saison unverzichtbar) konnte in der Hinserie nur zwei Begegnungen absolvieren. Mittelfeldabräumer Alex Gavrila fehlte nach einer unberechtigten roten Karte mehrere Wochen.

Florian Staier, letztes Jahr bester Torschütze, fiel mit Knieproblemen acht Wochen aus. Björn Scheuermann zog nach Frankfurt und konnte seither nicht mehr trainieren. Hinzu kamen viele Verletzte sowie Schichtarbeiter Woche für Woche. „Wir konnten kein Spiel mit der gleichen Mannschaft beginnen“, bringt es Sauer auf den Punkt. „Es war klar, dass wir hierdurch nicht ganz in den Rhythmus kamen und unser Ballbesitzspiel nicht im gewohnten Stil forcieren konnten.“ Dafür hat es die Mannschaft aber sehr gut gemacht, lobt er. Die Tabellenkonstellation spricht da eine klare Sprache.

Als Sauer vier Jahren in Gras-Ellenbach antrat, hatte er einen Wunsch und ein Ziel: „Gras-Ellenbacher sollen in Gras-Ellenbach spielen.“ Genau dieses Ziel verfolgt er hartnäckig und ist froh, „dass sich immer mehr für diesen Weg entscheiden“. Im letzten Saisonspiel gegen Türkspor standen sieben Gras-Ellenbacher in der Startelf, zwei weitere saßen auf der Bank, zwei andere waren nicht im Kader, erläutert er.

Mit Marius Steinmann kommt nun noch ein Urgestein wieder zu seinem Stammverein zurück. Der Wahl-Mannheimer hat gemerkt, was ihm fehlt und bricht nach eineinhalb Jahren beim SC Käfertal seine Zelte dort ab, „um wieder bei uns zu sein“, ist der Coach erfreut. Seine Dynamik und seine Führungsqualitäten „werden unserem Spiel gut tun und machen uns offensiv sowie defensiv nochmal unberechenbarer“.

Zusätzlich konnte der TSV das 18-jährige Talent Nikolas Helm für sich gewinnen. Der kommt ebenfalls aus Gras-Ellenbach und könnte noch A-Jugend beim SV Fürth spielen. „Er hat sich trotzdem für uns entschieden und ist bereits jetzt schon super integriert“, sagt der Trainer. Er wird sicher noch etwas brauchen, um sich den Spielstil anzueignen und körperlich mitzuhalten. „Seine Ansätze sind jedoch stark“, hat er beobachtet. Er ist genau der Spieler, den der TSV für sein Spiel braucht: schnell, ballsicher und lernwillig. Abgänge sind nach derzeitigem Stand keine zu verzeichnen, hebt der Coach die Verbundenheit mit Gras-Ellenbach hervor.

Der Verein, Co-Trainer Robert Ulrich und Sauer selbst waren in sehr guten Gesprächen mit Blick auf die kommende Saison, erzählt er. Der TSV versucht sich stets weiterzuentwickeln und dementsprechend sind auch das Ansehen und die Wertschätzung im und um den Verein immer weiter gewachsen. „Robert und ich wie auch meine Familie fühlen uns beim TSV sehr wohl, weshalb wir auch in das fünfte Jahr als Trainergespann gehen werden“, ist ein weiteres Arbeiten Sauers für den Verein bereits in trockenen Tüchern.

Ende Januar startet bereits die Vorbereitung. Dann gibt es zusätzlich zum Training stolze sieben Freundschaftsspiele, bis sich der TSV im Rundenauftakt am 8. März mit dem anderen Aufsteiger SG Hüttenfeld misst.

Lobpreisung Gottes mal ganz anders

Während draußen Zähneklappern angesagt war, brachte Elisha Mbukwa in der evangelischen Kirche Hammelbach Wärme in die Herzen der Konzertbesucher. Die saßen dichtgedrängt im Kirchenschiff, um dem Musiker aus Tansania zu lauschen. Der hatte zwei Kollegen aus seinem afrikanischen Heimatland mitgebracht und sich dazu noch Unterstützung aus der Region geholt.

Mbukwas Songs, auf Englisch und Suaheli vorgetragen, haben ein zentrales Thema: die Lobpreisung Gottes und das Vertrauen auf seine Taten. Er wird alles richten. Simone Spielmann, Leiterin des Rimbacher Jugendchores, transportierte die Gedanken des afrikanischen Musikers nach Deutschland. Für den Ton war in der Kirche Stephan Lauterbach verantwortlich, für das Licht Lukas Spielmann.

„Gott wird es tun“, hieß es zu Beginn von der Band. „Er ist der mächtigste“, betonte Elisha Mbukwa. Begleitet wurde er von einem der besten Drummer Tansanias, Amigo Johnson. Dazu kam Dennis Hezron am Bass, der kurzfristig sein Instrument mit Conny Krell getauscht hatte. Denn eigentlich ist er Keyboarder und ebenfalls Mitglied im Efatha-Gospelchor. Die drei waren als dessen Mitglieder schon vor zwei Jahren bereits beim gemeinsamen Weihnachtskonzert dabei.

Aktuell wirkte das Trio ebenfalls beim Weihnachtskonzert des Rimbacher Gospelchors mit. Der revanchierte sich und füllte bei einem Song den Altarraum bis auf den letzten Platz. Denn dort hatten bereits Mitglieder des Jugendgospelchores und des Jugendchores der Jugendmusikschule aus Rimbach Aufstellung genommen, die sich für mehrere Konzerte in der Region zusammengeschlossen und gemeinsam mit Mbukwa die Lieder erarbeitet hatten.

Der ist in der Region kein Unbekannter. 2015 und 2017 war er gemeinsam mit dem Efatha-Gospelchor aus Dar Es Salaam in Deutschland. Mbukwa hat gerade seine erste Live-DVD veröffentlicht und sich damit in seinem Heimatland einige Bekanntheit erarbeitet. Der Song „Lina nguvu“ wurde bei Youtube mittlerweile 163.000 Mal angeklickt – und das in nur vier Monaten. Natürlich gab es ihn ebenfalls im Überwald zu hören.

„Atafanya“, mit afrikanisch angehauchten Klängen auf dem Keyboard angestimmt, bringt die Glaubenswelt des Musikers nach Hammelbach. Wie man es aus den Gospelgottesdiensten in den USA kennt, werden alle miteinbezogen. Bange machen gilt nicht, Mitklatschen und Mitsingen sind Pflicht. Mbukwa tut sein Bestes, damit die Zuschauer auftauen.

Die sich abwechselnden „Halleluja“ und „Amen“, von den Jugendlichen sehr eindrucksvoll vorgetragen, tragen ihren Teil dazu bei, dass langsam die Glieder lockerer werden und immer mehr Bewegung in die Besucher kommt. Denn die Lieder des Tansaniers klingen frisch. Seine Texte sind spirituell-eindrucksvoll. Mit seiner offenen Art kann man gar nicht anders als seiner Einladung auf Mitwirkung folgen.

Vervollständigt wird die Truppe durch Andreas Berndt an der Gitarre. Der lässt das eine oder andere Mal mit einem Solo aufhorchen. Wäre da nicht der Text, könnte vorn genauso gut eine Popband stehen, die sehr flotte Melodien im Gepäck hat. Die eingängigen Songs und die wechselnde Rhythmik werden durch die Einsätze der Jugendlichen stark aufgewertet.

„Your Name ist powerful“ heißt es etwa. Gott hat solche Kraft, dass darüber die Größe des Problems in den Hintergrund tritt. Flotte Pianoklänge lassen Elisha Mbukwa sogar vorn ein Tänzchen wagen, allerdings traut sich sonst niemand, es ihm nachzutun. Seinen Dank äußert der Mann aus Tansania musikalisch, dass Gott seinen Sohn auf die Erde gelassen hat, um sein Werk zu vollenden.

In nur sechs Wochen schafften sich die jugendlichen Sänger die Lieder drauf, erzählte Simone Spielmann. Die teilweise spontane Improvisation des afrikanischen Trios „ist eine große Herausforderung für sie“, schmunzelte die Leiterin. „We celebrate“ ist danach ein eindrucksvoller Beweis, dass das Ergebnis sehr hörenswert ist. Der Popsong in christlichem Gewand mit Gitarren-Solo geht ins Ohr. Da passte die Bitte um spirituellen und materiellen Segen, dargeboten mit dem Rimbacher Gospelchor, perfekt.