Reichhaltiges Angebot beim Hammelbacher Wintermarkt

Richtiges Winterwetter wäre schöner gewesen. Aber das kam erst einen Tag später. So windete und regnete es des Öfteren beim Wintermarkt während der neunten Durchführung. Vereine und Aussteller hatten auf Rathaus- und Poschdaddl-Platz wieder ein großes, liebevolles Angebot an Waren sowie zahlreiche Spezialitäten fürs leibliche Wohl vorbereitet. Als es am Sonntag gegen Nachmittag mal auflockerte, kamen viele Besucher vorbei. Die meisten Standbetreiber zeigten sich denn zufrieden mit der Resonanz.

Die Entscheidung aus dem Vorjahr, den nahegelegenen Poschaddl-Platz miteinzubeziehen, war goldrichtig, sagte Renate Dahlke. Sie organisierte seitens der Gemeinde federführend die Veranstaltung. Es gab zehn feste Hütten, die leihweise von Wald-Michelbach zur Verfügung gestellt wurden, und darüber hinaus weitere zehn Aussteller mit eigenen Hütten oder Ständen. Afrikanisch, Thai, Polnisch oder Ourewällerisch: Die kulinarischen Genüsse ließen keine Wünsche offen. Dazu kamen etliche Anbieter mit handgefertigten Waren.

Seifen aus dem Mossautal, selbst Gehäkeltes, Schmuck oder Drechselwaren gab es zu erstehen. Aussteller aus Weiterstadt und Mosbach hatten die weiteste Anreise, die meisten kamen jedoch aus der näheren Umgebung von Fürth bis Wald-Michelbach. „Weihnachtsmärkte gibt es genug“, meinte Dahlke. Der Wintermarkt „in der Saure-Gurken-Zeit“ zieht Besucher auch von weiter her an. Groß-Gerau oder Dieburg lauteten unter anderem die Adressen.

Am Stand des Vereins Imasgo gab es unter anderem Honig aus dem gleichnamigen westafrikanischen Ort in Burkina Faso zu erstehen. Der Hibiskus-Tee wird direkt im Dorf gepflückt, weiß Martine Rüdinger. Sie hatte dieses Mal auch besondere Bronzeplastiken von Patrice Balma mit dabei, die dieser mit einem Container Richtung Europa schickte.

„Da sind große Sachen dabei, die wir sonst nicht transportieren könnten“, erläuterte sie. Leider sei der Bronzepreis in der vergangenen Zeit gestiegen, so Rüdinger. Deshalb verwendet der Künstler auch alte Wasserhähne als Rohmaterial. Balma beschäftigt in seiner Werkstatt 22 Jugendliche – mit ein Grund, warum ihn der Verein unterstützt. „Die haben Arbeit, bleiben dort und müssen nicht auswandern“, berichtete sie.

Um Bücher drehte es sich im Eingangsbereich des Rathauses. Annette Bach bot mit Gisela Dörr gespendete Exemplare an gegen einen freiwilligen Obolus an. Christa Mücke unterstützte beim Aufbau. Der Erlös geht an das Kinderhospiz Sterntaler in Mannheim. „Seit 2011 wurden dadurch schon viele tausend Euro gespendet“, zeigte sich Bach erfreut über den bisherigen Erlös. Aus der Bevölkerung kommt nach wie vor Nachschub.

Wärmendes für kalte Tage empfahl Monica Gehrig-Himmel. „Giselhers Vermächtnis“, ein Zwetschgenlikör der Odenwälder Feinen Brände, schmeckt heiß gemacht mit Zimt und einem Sahnehäubchen einfach herrlich, meinte sie. Heißer Apfelsaft, ebenfalls mit Zimt, bildete die Variante ohne Alkohol. Gerne getrunken wird auch „Unser Willi“, der bekannte Birnenschnaps.

Wollig-mollig warm wurde es den Besuchern am Stand von Jutta Weber. Die Kocherbacherin strickt das ganze Jahr über, was das Zeug hält. Das ungemütliche Wetter war genau passend für selbstgestrickte Mützen, Schals oder Handschuhe. Für die Küche gab’s dann auch noch Topflappen zu erstehen. Sie ist mit nur einem Aussetzer seit Anfang an beim Wintermarkt dabei. „Die Leute kommen immer wieder“, beobachtete Weber. „Und wenn sie nur Socken holen“, lachte sie.

Glücksbringer, Engelsrufer oder einfach auch „Engel-to-go“ hatte Bettina Wagner aus Fürth mitgebracht. Die Herstellung ist ein Hobby, „das sehr viel Spaß macht“, betonte sie. Entstanden ist die Herstellung aus Kursen, die an der Klinik in Winterkasten anbot. Bei den Besuchern stoßen die Angebote immer auf viel Widerhall. „Das sieht man nicht überall“, weiß die Fürtherin. Der Schutzengel im kleinen Glas ist dort gut verklebt, sodass man ihn überall mit hinnehmen kann, erläuterte sie. Dazu kommt dann „echter Feenstaub aus dem Odenwald“, schmunzelt Wagner.

Drechsler Lukas Bette aus Mörlenbach war das erste Mal in Hammelbach dabei. „Wir haben uns noch schnell die eigene Hütte gebaut“, war die Teilnahme für den Fachmann kein Problem. Heimische Hölzer wie Kirschbaum, Eiche oder Weide sowie Bergsträßer Mirabelle verwendet er für seine Schüsseln oder Behältnisse. Auch ein paar Osterhasen gingen schon über die Theke. „Als Schreiner macht man eben alles“, meinte er. Nicht nur Fenster und Inneneinrichtungen.

Die vielfältigen Angebote sorgten für ein abwechslungsreiches Ortsfest. Dazu trugen auch in diesem Jahr Vereine, Bürger, Schulen, Kirchen und Gewerbetreibende bei, die zusammen mit der Gemeindeverwaltung wieder ein umfangreiches Programm aufgestellt hatten. Der „Crescendo Chor“ sorgte mit seinen musikalischen Beiträge für schöne Stimmung.

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Hammelbach soll zum klingenden Dorf werden

Wenn Uli Krell über Klänge redet, kommt er ins Schwärmen. Der pensionierte Mathe- und Physiklehrer am Überwald-Gymnasium ist Spiritus Rector des Hammelbacher Klangwanderwegs, den er nach wie vor mit viel Liebe pflegt. In diesem Jahr will er – das Rentnerdasein mit mehr Freizeit macht es möglich – regelmäßig Führungen anbieten. Der 65-Jährige hat aber ein weiteres, neues Projekt. „Ich will Hammelbach zu einem klingenden Dorf machen“, sagt er: Krell baut auf Wunsch gegen Materialkostenerstattung Klangobjekte für den heimischen, privaten Garten.

Der Hammelbacher spricht von der „Faszination Klänge“ mit ihren verschiedenen Farben als etwas, „das mich schon immer direkt ansprach und begeisterte“. Von zart bis laut gibt ein weites Spektrum an Kontrasten. Er bezeichnet das Ohr als differenziertes Sinnesorgan, „das aber sträflich vernachlässigt wird“. Ein junger Mensch könne bis zu zehn Oktaven hören. Im Alter lasse das aber nach, spricht Krell bei sich scherzend von „höchstens noch 9,4“.

„Alles ist aufs Auge abstimmt“, bedauert er. Der Mensch nutze die Fähigkeiten des Hörorgans, etwa Töne zu orten, nur unzureichend. Drei Viertel der Eindrücke nehme man über das Sehorgan auf. „Deshalb gibt es auch mehr Kunst- als Klangwanderwege“, lacht er. Er wurde aktiv, um in Hammelbach „dem Auge etwas entgegen zu setzen“.

„Ich sehe die Töne in den Objekten“, weist Uli Krell auf seine Affinität zu Klängen hin. Deshalb kauft er Weingläser auch nur, „wenn sie richtig gut klingen“, bestätigt seine Frau Bettina aus dem Hintergrund. Für die Sparkassen-Stiftung baute der Hammelbacher eine „Trogel“, bei der eine schwingende Luftsäule aktiv wird. Diese wird angeschlagen – im Gegensatz zur Orgel, die geblasen wird. HT-Rohre sind als F-Dur-Skala angeordnet.

Auf die Idee dafür kam er, weil ihm bei der Arbeit am Klangwanderweg eine Plastikröhre auf einen Stein fiel und ein entsprechendes Geräusch verursachte. „Das funktioniert bei mir öfters so“, grinst Krell. Es fällt etwas runter, macht einen Ton und prompt „entsteht in meinem Kopf eine Idee“. Wenn er etwas übers Ohr wahrnimmt, „muss ich was draus machen“, erläutert der Meister der Klänge.

Für Uli Krell ist es noch, als wäre es gestern. Aber am 1. Mai hängt die Windleier, das erste Objekt auf dem von ihm konzipierten Klangwanderweg oberhalb von Hammelbach, bereits sieben Jahre. Das Edelstahl-Rohr mit 15 Zentimetern Durchmesser und einer Länge von 1,10 Metern hat er allein gebaut. In ihm sind 18 Nylon-Fäden gespannt, die alle auf den gleichen Ton gestimmt sind. „Man hört nie den Grundton, sondern das, was der Wind daraus an Oberton-Schwingungen macht“, erläutert der bald 66-Jährige. „Je stärker der Wind, desto höher und verschiedener der Ton“, beschreibt er die Wirkungsweise.

Den Klangwanderweg hatte er schon im Hinterkopf, als er an die Windleier ging. Erste konkrete Vorstellungen für die Realisierung gab es im Rahmen der Silek-Initiative 2011, bei der Ideen für die Fortentwicklung des Ortes gesucht wurden. Allerdings bekam Uli Krell aus den Silek-Mitteln keine Förderung, konnte aber danach über die Jugendmusikschule als Schirmherr die Sparkassenstiftung für sein Projekt als Unterstützer begeistern. Im September 2015 war Einweihung.

Dass sich der ehemalige Lehrer so intensiv mit Klängen und dazugehörigen Instrumenten auseinandersetzt, hat er indirekt seiner Frau Bettina zu verdanken. Denn die schenkte ihm 2009 ein Wochenende in Luxemburg. In Hoscheid gibt es einen Klangwanderweg, von dem Krell „hin und weg“ war. Denn „ich wandere gerne und beschäftige mich gerne mit Klängen“ – somit war diese Strecke die bestmögliche Kombination. „Da wurde die Idee geboren, so etwas auch daheim realisieren zu wollen.“

„Nach und nach, je nach meiner Freizeit und Fertigstellung, kamen die anderen Instrumente dazu“, erzählt Uli Krell. Etwa das Holzartenxylophon: Die Abmessungen sind konstant, aber die verschiedenen Holzarten klingen alle unterschiedlich. Oder der Achtklang: Es waren viele Forschungsarbeiten nötig, bis klar war, wie lange die Rohre sein müssen, dass die Töne stimmen.

Ganz in seinem Kopf entstanden ist die Lion-Windharfe. „Die habe ich genau an dem Tag montiert, als mein erster Enkel auf die Welt kam.“ Weshalb sie auch dessen Namen erhielt. Ab und zu reißt eine der 27 Saiten, die dann ausgetauscht werden muss. „Allerdings hängt die drei Meter über dem Grund“, bedeutet das für ihn im Moment noch eine gewisse Schwierigkeit.

Aufgrund einer Schulter-OP hat die Instandhaltung der Instrumente in den vergangenen Monaten ein wenig gelitten. „Ich habe mich noch nicht auf die Leiter getraut“, gesteht Krell. Deshalb steht bei der Achtklang-Maremba auch noch die Reparatur der Klöppel an. Die Verbindung zwischen den Holzstielen und den Gummibällen bricht öfters, weiß er. „Die Sechser-Gewindeschraube kriegen die Leute immer wieder kaputt“, hat er festgestellt. Jetzt gab es aber einen Tipp, wie die Verbindung länger halten könnte.

Info: Ausgangspunkt des acht Kilometer langen Klangwanderwegs ist der Dorfplatz. Er hat eine eigene Markierung, das „blaue Ohr“. Man kann aber auch an der Weschnitzquelle einsteigen und dann der Markierung für den Qualitätsrundwanderweg H10 auf ihrem nördlichen Teil oder dem „blauen Ohr“ folgen. Über Eselstein, Altlechtern und Schanze führt die Strecke wieder in einem Bogen zurück nach Hammelbach. Zur Betreuung des Klangwanderwegs sucht Uli Krell Mitstreiter, die ihm bei der Instandhaltung zur Hand gehen. Ab dem 3. Februar bietet er regelmäßig Führungen immer am ersten Sonntag eines geraden Monats an (weiter geht’s am 7. April). Weitere Infos bei Facebook unter Hammelbacher Klangwanderweg oder E-Mail klangwanderweg@gmail.com

Besonders der Monnheimer-Großbrand forderte die Wählemer Wehr

Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter der Freiwilligen Feuerwehr. Mit über 50 Einsätzen waren die Wehren der Gesamtgemeinde in 2018 besonders gefordert. Die Abteilung Wahlen wurde allein 23 Mal alarmiert. Allerdings waren die Brandschützer auch auf Ortsebene aktiv und bereicherten das dörfliche Leben mit verschiedenen Veranstaltungen. Gewürdigt wurde auf der Versammlung häufiger Übungsbesuch. Wehrführer Rüdiger Dostal versieht seinen aktiven Dienst bereits seit 30 Jahren.

Vorsitzender Tobias Schork ging auf die verschiedenen Veranstaltungen des Feuerwehrvereins im vergangenen Jahr ein. Nach dem erfolgreichen „Schneefeuer“ Ende Februar ist das Frühlingsfest am 1. Mai ebenfalls eine feste Bank im Veranstaltungskalender. Die „Pommes-Knappheit“ soll in diesem Jahr der Vergangenheit angehören, schmunzelte er. Der Mehrtagesausflug führte nach Hamburg. Für 2020 plant das Orga-Team einen Trip nach München.

Herbstwanderung, Martinszug, Teilnahme am Volkstrauertag und Kameradschaftsabend waren weitere Aktivitäten, die von einem Ausflug auf den Weihnachtsmarkt nach Ludwigsburg abgeschlossen wurden. In diesem Jahr stehen wieder das traditionelle Fest am 1. Mai und ein Tagesausflug am 22. September an. Auch der Besuch eines Weihnachtsmarkts ist in Planung.

Der stellvertretende Wehrführer Sebastian Werner listete in seinem Bericht 23 Alarmierungen für die Wählemer Wehr auf. Er nannte 13 Brandeinsätze, davon zwei als nachbarschaftliche Löschhilfe nach Wald-Michelbach und Reichelsheim. Dazu kamen zehn Fehlalarme. Es wurden 605 Einsatzstunden gelistete, „davon allein 521 beim Großbrand im Sägewerk Monnheimer“. Dazu kamen weitere 160 Übungsstunden.

Werner dankte der „Reservistengruppe“, die immer für eine zahlreiche und tatkräftige Unterstützung gut ist. Bei der Erneuerung der Tore und Fenster im Gerätehaus packten viele Kameraden mit an. Er erwähnte außerdem die zahlreichen Besuche von Festlichkeiten anderer Wehren mit einer Abordnung. Der stellvertretende Wehrführer hob die Bereitschaft der Brandschützer hervor, sich in ihrer Freizeit in den Dienst der guten Sache zu stellen und an Übungen sowie Einsätzen teilzunehmen.

Patrick Kohl berichtete, dass die Jugendwehr derzeit aus sechs Jungen im Alter von neun bis 16 Jahren besteht – Tendenz gleichbleibend. Ende Mai 2018 fand das Berufsfeuerwehrcamp für die Gesamtgemeinde statt. Dabei wurden mehrere Einsatzübungen organisiert. Außerdem nahm man Ende Juni am Kreis-Jugendfeuerwehrzeltlager in Bürstadt teil. Für den Kindergarten organisierten die Jugendlichen am 11.11. das St. Martins-Feuer unter großem Anklang bei der Bevölkerung. Kohl nannte 192 ehrenamtliche Stunden der Betreuer.

Rechner Wilfried Greinert verlas den Kassenbericht. Er berichtete wegen der zahlreichen Anschaffungen und Investitionen in 2018 von einem kleinen Defizit. Die Kassenprüfer Karin Hartmann und Volker Heilmann betätigten ihm eine einwandfreie Buchführung. Sie beantragten die – im Anschluss einstimmig erfolgte – Entlastung des Gesamtvorstandes.

Bürgermeister Markus Röth nahm die Ehrung des (an diesem Abend abwesenden) Wehrführers Rüdiger Dostal mit der Anerkennungsprämie des Landes Hessen für 30 Jahre aktiven Dienst vor. Er dankte für dessen Engagement, verbunden mit dem Wunsch, dass dies auch in den nächsten Jahren so bleibe. Röth überbrachte zudem die Grüße der gemeindlichen Gremien und bedankte sich für die Arbeit der Feuerwehr Wahlen.

Sebastian Werner ehrte Norbert Kohl und Martin Keil für besonderen Übungsbesuch und übergab als Dank ein Rettungsmesser. Gemeindebrandinspektor Timo Lammer bedankte sich bei den Aktiven für ihr großes Engagement. Er hob die 50 Einsätze auf Gemeindeebene hervor. Lammer würdigte auch den Vorstand des Feuerwehrvereins, da nur durch dessen Aktivitäten das für den Einsatzdienst notwendige Gemeinschaftsgefühl geschaffen und gestärkt werden könne.

Zum Schluss übergab Vorsitzender Schork an Wolfgang Pütt und Karin Hartmann von der Initiative „Wir sind Wahlen“ eine anonyme Spende in Höhe von 100 Euro. Diese ging bei ihm mit der Bitte ein sie weiterzuleiten. Das traditionelle Schnitzelessen schloss sich nach Ende der Veranstaltung an.

Symbolbild Feuerwehr Hammelbach

Historisches wird geschickt mit Lustigem gespickt

Der Überwald lockt wieder seine Gäste. „Nachtwächter“ Theo Reichert führt in diesem Jahr sechs Mal abends durch die Gassen von Wald-Michelbach und hat die entsprechenden Geschichten parat, um verwunschene Ecken und alte Gebäude wieder zum Leben zu erwecken. Start- und Zielpunkt des etwa 90-minütigen Rundgangs ist jeweils das Einhaus auf der Hofwiese. Darüber hinaus hat der Geopark-vor-Ort-Begleiter zwei Radtouren und zwei Wanderungen im Angebot.

Während der Nachtwächter-Touren lauschen die Teilnehmer seinen Anekdoten, mit denen er Historisches geschickt mit Lustigem spickt – das wird gewiss spannend. Termine sind immer freitags am 10. Mai, 20.30 Uhr, 7. Juni und 19. Juli, jeweils 21 Uhr, 9. August, 20.30 Uhr, 13. September und 18. Oktober, jeweils 20 Uhr. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Daher ist eine Anmeldung erforderlich unter Telefon 06207/94240. Für Gruppen gibt es Führungen jederzeit nach Terminabsprache.

Da das historische Backhaus bereits für den am Samstag stattfindenden Backtag vorgeheizt wird, besteht die Möglichkeit, vor Führungsbeginn dort einen kleinen Imbiss zu. Die Wald-Michelbacher Backtage sind am 13. April, 11. Mai, 8. Juni, 20. Juli, 10. August, 14. September und 19. Oktober, jeweils von 10 bis 13 Uhr. Der Überwälder Museums- und Kulturverein bietet in Kooperation mit den Landfrauen frisch gebackenes Natursauereteigbrot aus dem Backhaus mit Hausmacher sowie leckeren Kuchen an.

Ausgeweitet wird in diesem Jahr das Programm der ZKÜ, „Schlappe und Schlemme“. Das gab es in 2018 nur in Gras-Ellenbach und wird 2019 im gesamten Überwald stattfinden. Termine sind: 27. April, Siedelsbrunn; 4. Mai, Abtsteinach; 25. Mai, Gras-Ellenbach; 29. Juni, Wald-Michelbach; 14. September, Hammelbach; 28. September, Gras-Ellenbach. Unter der fachkundigen Führung eines Geopark-vor-Ort-Begleiters lernen die Gäste Natur und Kultur im nahen Umfeld und die lokale Gastronomie kennen.

„Mit den Radtouren musste ich leider zwei Jahre aussetzen“, erläutert Theo Reichert. „Jetzt bin ich aber soweit wieder fit, dass ich aufs Neue welche anbieten kann.“ Seine Radtour von Wald-Michelbach über die Tromm zur Walburgiskapelle findet am Samstag, 23. März, 13 Uhr, statt. Durch das Gassbachtal danach in Gras-Ellenbach angelangt, führt die Strecke auf der anderen Talseite weiter nach Wahlen sowie Affolterbach und von dort über den Radweg zurück nach Wald-Michelbach.

Das Tromm-Massiv mit seinen Granitformationen bittet zahlreiche Einblicke in die Erdgeschichte. All diese Punkte sind seit Jahrhunderten mit zahlreichen Sagen belegt. Am Kahlberg, auch Kapellenberg genannt, besuchen die Radler die Walburgiskapelle. Hier begann um das Jahr 800 die Besiedlung des Überwalds. Auf der Anhöhe oberhalb der Kapelle soll ein alter keltischer Kultplatz gewesen sein. Hier hielt Kaiser Karl der Große im Jahr 773 einen Gerichtstag ab, bei dem die Grenzen der Mark Heppenheim festgelegt wurden.

Zum „Roten Wasser“ führt eine weitere Radtour am Samstag, 20. April, 13 Uhr. Über die ehemalige Bahnstrecke geht es von Wald-Michelbach bis nach Gras-Ellenbach. Über den Spessartkopf wird in Richtung Olfen bis zum „Verbotsstein“ geradelt. Nach einer kurzen Besichtigung des Steinbruchs Olfen ist das Naturschutzgebiet „Roten Wasser“ das Ziel. Anschließend führt die Tour entlang des Hinterbachs bis in die Raubach und weiter über die „Falthers Ruhe“ ins Dürr-Ellenbachtal und von dort zurück nach Wald-Michelbach.

Moore sind auch im Odenwald sehr selten geworden. Eines der letzten „echten“ ist das „Rote Wasser“. Es ist ein Hochmoor, das entsteht, wenn kalkarmes Wasser (Regenwasser) nicht wegsickern kann. Hier vermodern Heidekräuter, Wollgräser, Birken, Weiden und vor allem Torfmoose, die die Bäume durch ihre Polster ersticken und absterben lassen. Da das Torfmoos in der Mitte am stärksten wuchert, wölbt sich das Hochmoor allmählich uhrglasförmig auf.

Anlässlich der 650-Jahr-Feier von Aschbach gibt es am Samstag, 13. April, 10 Uhr, eine Geschichtswanderung. Anschließend ist ein gemütliches Beisammensein am Geopark-Infozentrum im Wiesental geplant. „Von Steinen, Stollen und Schwellen“ heißt es am Samstag, 18. Mai um 13 Uhr. Eisenbahn, Bergbau und Industrie im Überwald Anfang des 20. Jahrhunderts sind Themen der Führung. Die sechs Kilometer lange Wanderung führt entlang der ehemaligen Bahnstrecke nach Aschbach. Es geht um die Bahngeschichte, aber auch um Industrieansiedlung wie Eisenhammerwerk, Papiermühle und Zündholzfabrik. Den Abschluss bildet ein Besuch der Grube Ludwig.

Eine „Waldlehrpfad-Wanderung“ ins Dürr-Ellenbacher Tal und zum Himmelreich gibt es am 5. Mai und 4. August mit Jürgen Wolf. Die Kunstwegewanderung „Siedelsbrunn/Wald-Michelbach“ mit Lisa Helfrich-Wolf steht am 5. Mai und 13. Oktober an. Der „Überwälder Wandertag“ findet in diesem Jahr am 20. Oktober in Gras-Ellenbach statt.

Info: Näheres zu diesen Touren und allen weiteren Aktivitäten der Geopark-vor-Ort-Begleiter im Überwald unter www.ueberwald.eu, Telefon 06207/94240 oder E-Mail info@ueberwald.eu.

 

 

ÖPNV soll Richtung Odenwaldkreis wachsen

„Wird denn irgendetwas auch besser?“, lautete die Zwischenfrage eines Besuchers bei der Rede von Bürgermeister Markus Röth anlässlich des SPD-Neujahrsempfangs. „Nö“, sagte der trocken, und fuhr in seiner Philippika gegen den Bürokratie-Wahnsinn fort, der die Gemeinde in seinem Würgegriff hat. Vorsitzender Franz Hartmann hatte die Traditionsveranstaltung eröffnet, zu der die Sozialdemokraten bereits zum zwölften Mal ins Foyer der Nibelungenhalle einluden. „Viele haben noch keinen verpasst“, meinte er erfreut mit Blick in die Runde.

Als politisch aufregendes und „nicht gerade ruhmreiches Jahr“ bezeichnete Hartmann 2018. Leider bestimmten die Themen Populismus, Terror und Flüchtlinge aufs Neue die Agenda. Neben der eigenen Wahlniederlage in Hessen schmerzte den Ortsvereinsvorsitzenden am meisten der Einzug der AfD in den Landtag. „Wir müssen jetzt Farbe bekennen und dieser rechtspopulistischen Partei entschieden entgegen treten“, rief er die aufrechten Demokraten zum Handeln auf. „Die AfD muss wieder verschwinden.“

Hartmann sprach sich für ein weltoffenes Deutschland und starkes Europa aus. Wenn man sich dafür nicht einsetze, „werden wir zum Spielball der Großmächte“. Deshalb appellierte er an die Anwesenden, am 26. Mai bei der Europawahl ihre Stimme abzugeben. Ehe später seine Frau, die SPD-Landtagsabgeordnete Karin Hartmann, das Wort ergriff, referierte der hauptamtliche SPD-Kreisbeigeordnete Karsten Krug über die dortige Arbeit (Artikel folgt). Kristin Hartmann unterhielt mit zwei Stücken auf der Gitarre.

In seiner gewohnt schnoddrigen Art legte Bürgermeister Röth über „die da oben“ los. Er müsse „jedes Jahr etwas schenne über Entwicklungen, die anders laufen könnten“. Er ging auf die derzeit sprudelnden Gelder ein, wodurch Grasellenbach „kein Notstandsgebiet mehr ist“. Allerdings könne sich das genauso schnell wieder umkehren, wenn die wirtschaftliche Entwicklung eine Delle bekommt. „Dann werden sich die Kassen leeren“, befürchtete er.

Da Mieten und Bauplatzpreise noch um einiges niedriger als an der Bergstraße sind, verzeichnet die Gemeinde einen steten Einwohnerzuwachs auf jetzt 4125 Bürger. Inzwischen „sind wir nur die sechstkleinste Kommune im Kreis“, meinte Röth lakonisch. Start war als zweitkleinste. Auch die Geburtenzahlen gehen hoch, weshalb eine Erweiterung des Kindergartens Wahlen notwendig wird. Die kostet 1,6 Millionen Euro, wovon der Ort über eine Million selbst zahlen muss. Für den Bürgermeister auch ein Anlass zum „Schenne“. Er hoffte, dass die Maßnahme in diesem Jahr über die Bühne gehen kann.

Aktuell laufen seinen Worten zufolge sieben oder acht Bebauungspläne, die ein „bürokratisches Chaos produzieren, das man kaum beherrschen kann“. Gutachten, Regionalplanung oder Straßenbauamt: Die Liste der Fallstricke ist lang, weshalb das eine oder andere länger dauert. Wie der Netto-Markt in Wahlen, dessen Erwähnung ein Raunen bei den Zuschauern nach sich zog. Ist der doch schon einige Jährchen in der Mache.

Aktive Kernbereiche Hammelbach, Spielgolf-Anlage Wahlen, Naturpark Tromm, Radweg von Wahlen nach Hammelbach: Der Rathauschef erwähnte einige laufende Projekte, die mit Zuschüssen gestemmt werden, aber Ressourcen binden. Ein heißes Thema sind die Straßenausbaubeiträge. Hier wies Röth darauf hin, dass die Kommune aufgrund ihrer finanziellen Situation nicht umhin komme, welche zu erheben. Mit dem wiederkehrenden System setze man auf die Solidargemeinschaft im Ort.

Da Grasellenbach noch unter dem Schutzschirm steht, darf sich die Nettoneuverschuldung nicht erhöhen. Weshalb nach Röths Worten der Investitionsspielraum sehr gering ist. Allein mit den Pflichtaufgaben sind die Mittel schon weg. Deshalb wird es eine Herkulesaufgabe, die Kindergarten-Erweiterung zu schultern oder andere wünschenswerte Dinge durchzuführen.

Steigende Übernachtungszahlen, aber weniger Übernachtungsmöglichkeiten, die Holzvermarktung oder Kanalsanierung: Der Bürgermeister holte zum Rundumschlag aus. Es gibt derzeit viele Förderprogramme von Land und Bund, sagte er. Was allerdings dazu führt, „dass wir einen neuen Anstrich bekommen, ohne dass vorher die Löcher im Dach geflickt sind“. Röths Mantra: „Alles ist überreguliert, wir stehen uns selbst im Weg.“ Keiner blickt mehr durch. „Was vernünftig ist, ist rechtswidrig“, kritisierte er. Ein Kampf gegen Windmühlen.

Karin Hartmann ging auf drei Themen ein: bezahlbaren Wohnraum, gute Bildung und die Freiheit von Straßenausbaubeiträgen. Letztere will die SPD im neuen Landtag noch einmal thematisieren, nachdem man in der alten Legislaturperiode damit abgeblitzt war. „Wir wollen die komplette Abschaffung“, hob sie hervor. Die SPD-Landtagsabgeordnete weiß aus Gesprächen: „Das bewegt die Menschen.“ Die Gemeinden sollen vom Land eine Pauschale für diese Maßnahmen bekommen.

Auch wenn die Außenwirkung von manchen Aktionen (Stichwort Maaßen) teilweise schlecht war, „wurde auf Bundesebene auch inhaltlich gearbeitet“, betonte sie. Höhere Kinderzuschläge, mehr Kindergeld, Parität bei der Krankenversicherung, Bruttoentlastung für Familien hießen unter anderem die Stichworte, für die sich die SPD ein- und sie umsetzte. „Das nationalstaatliche Denken darf nicht Oberhand gewinnen“, mahnte sie vor der Europawahl. Es gelte gemeinsam dafür zu kämpfen, dass den Kindern und Enkel das weltoffene, solidarische und soziale Europa erhalten bleiben, schloss Hartmann.

In verschiedener Hinsicht hatte der hauptamtliche SPD-Kreisbeigeordnete Karsten Krug gute Nachrichten für die Gemeinde. Er war als Redner zu Gast beim Neujahrsempfang der Sozialdemokraten und hatte dazu Neuigkeiten aus der Kreispolitik mitgebracht. In Heppenheim regiert ja bekannt seit Mitte 2016 eine große Koalition aus CDU und SPD, die zur Halbzeit einiges auf den Weg gebracht hat, wie er ausführte.

Gerade mit Blick auf den nordöstlichen Teil des Kreises ist es Krug schon seit Längerem ein Anliegen, den ÖPNV Richtung Odenwaldkreis zu verbessern. Wenn es im kommenden Spätjahr den nächsten Fahrplanwechsel gibt, steht eine Verbindung von Grasellenbach nach Erbach auf der Wunschliste. Dort befindet sich vom Nibelungendorf aus gesehen das nächste Krankenhaus. Auch von Affolterbach nach Beerfelden ist eine Verbesserung in Planung.

Im Fokus steht daneben die Beschäftigung mit der Reaktivierung der Überwaldbahn. Hier geht es Krug um aktuelle Zahlen, mit denen dann geplant werden kann. „Wir müssen als SPD vor Ort unser Profil schärfen“, betonte er. Dann allein mit dem Erreichten auf Landes- oder Bundesebene sei es nicht getan. Im Gegenteil: Wenn dort etwas in die Hose geht, schlägt es bis nach unten durch. „Es gibt viele Themen, die wir auf allen Ebenen auf der Agenda haben“, hob er hervor.

Mit dem, was in der großen Koalition auf Bundesebene im abgelaufenen Jahr vor sich ging, war er unzufrieden. Die Umfragewerte der SPD rutschten immer tiefer in den Keller, was bei 15 Prozent den Status einer Volkspartei in Frage stelle. Krug, dessen Tätigkeits-Schwerpunkt auf den Finanzen liegt, berichtete daneben von einer erfreulichen Entwicklung. 80 Millionen Euro gingen aus Kreis-Eigenmitteln in den Schuldenabbau, noch einmal die gleiche Summe kam über die Hessenkasse, um Kassenkredite zu tilgen. „Die sind fast weg“, freute er sich.

Trotz dieser Sparanstrengungen wurde die Kreisumlage um 2,3 Prozent gesenkt, so der Beigeordnete. Die Schulumlage ging um einen Prozentpunkt hoch, was aber einem ehrgeizigen Vorhaben geschuldet sei. „Wir wollen ein Schulsanierungsprogramm auf den Weg bringen“, sagte er. Damit soll dem Rückstau an Renovierungen wie auch der Digitalisierung Rechnung getragen werden. Insgesamt wird Grasellenbach seinen Worten zufolge in diesem Jahr um 60.000 Euro entlastet.

Eine „Herzensangelegenheit“ sind ihm bezahlbare Wohnungen. Bis 2030 erwartet der Kreis einen Bevölkerungszuwachs um 7000 bis 8000 Bürger. Zusätzlich zu den sowieso schon 1700 Wohnungssuchenden. Im Überwald „ist der Druck noch nicht so hoch“, aber es gebe auch in Grasellenbach einen Anstieg der Preise und Nachfrage. Ende Januar gibt es Gespräche mit den Bürgermeistern, um eine Wohnraumagentur unter dem Dach des Kreises entstehen zu lassen, die Leerstände anmietet und an sozial Schwächere weitervermittelt.

„Wir fördern das Ehrenamt stärker als bisher“, hob Krug hervor. Die Vereinsförderung sei um 20 Prozent erhöht worden. Zusätzliche Mittel gab‘s unter anderem fürs Frauenhaus, die Schuldnerberatung oder die Frühförderstelle. Ein Fahrgastbeirat wurde auf den Weg gebracht, eine Neuorientierung beim Tourismus eingeleitet. Die Zusammenarbeit im Odenwald soll hier investiert werden. „Eine sechsstellige Summe“ wird laut Krug zusätzlich locker gemacht.

Das Heimspiel mit „Xtreme“ genießt Sascha Fischer besonders

Sascha Fischer ist musikalisch ein Hans Dampf in allen Gassen. Auch wenn der gebürtige Wählemer schon seit acht Jahren in Mannheim wohnt, ist er weiterhin der alten Heimat treu, wenn es um die vielfältige Bühnenpräsenz geht. An diesem Samstag steht der 30-Jährige mit der Cover-Show-Band „Xtreme“ auf der Bühne der Peter-Heckmann-Affolterbach, wenn der SVA dort zur großen Sause in den ausgehenden Winterferien einlädt. Los geht’s gegen 21.30 Uhr, Einlass ist um 20 Uhr. Karten gibt es an der Abendkasse.

Die Musik war für Sascha Fischer Ausgleich erst fürs Studium und ist es jetzt für den Beruf. Nachdem er Ende des vergangenen Jahr sein Bildungswissenschaften-Studium mit dem Master abschloss, ist er seitdem an der Eugen-Bachmann-Schule Wald-Michelbach tätig. Der Weg führte also zurück in den Überwald, wo er sich vor mehr als 20 Jahren im Chor der Ulfenbachtal-Grundschule Wahlen seine ersten musikalischen Sporen verdiente.

Von dort war es als Zehnjähriger nicht weit zum MGV Wallonia. „Mein Opa hat mich dahin mitgenommen“, schmunzelt der Wahl-Mannheimer. Dem Chor hält er bei verschiedenen Auftritten bis heute die Treue. Ein besonderes Erlebnis war für Sascha Fischer die erste eigene Band in Gestalt von „NeRo“. Die Gruppe mischte ab 2006 sechs Jahre lang, bis Ende 2012, nicht nur den Überwald mit ihren Coverrocksongs auf und genießt bis heute einen gewissen Kultstatus. Bei der Hammelbacher Kerwe gab es 2016 und 2017 ein umjubeltes Revival.

Nach der NeRo-Auflösung widmete sich der 30-Jährige zwei Jahre „nur“ dem Studium, ehe ihn dann Ende 2014 die Leidenschaft für Musik wieder packte. Er stieg bei der Coverband „Snow“ aus dem Öhringer Raum ein, die auch im Odenwald diverse Auftritte hatte. Ab 2015 kam eine völlig andere musikalische Sparte dazu. Erst spielte der Wählemer den „Piccolo“ in der Operette „Im Weißen Rössl“ des Theaters Alte Werkstatt in Frankenthal und ist seitdem dort festes Ensemblemitglied.

Ein Jahr später konzipierte er dann mit Kollegin Maria Breuer eine Schlagerrevue im Stil der „guten alten Samstag-Abend-Show“. Zuerst waren die 50er- und 60er-Jahre Thema der selbstgeschriebenen Show, inzwischen sind die beiden in den 70ern angekommen – und es geht weiter. Bestimmt 30 Shows wurden bisher gespielt. „Fast alle waren ausverkauft“, freut sich der Musiker. „Es geht darum, das Lebensgefühl der damaligen Zeit zu vermitteln.“ Außer der Reihe kamen eine „Lieblings-Weihnachtsshow“ und ein Italien-Special zum Dolce Vita der 50er Jahre hinzu. 2018 gab es sogar eine Open-Air-Show. „Ich habe den Schlager dadurch kennen und lieben gelernt“, betont er.

Dem Überwald blieb der 30-Jährige in all den Jahren aber immer treu. Seit Beginn des Scharbock-Musicals 2010 (co-)moderiert er diese Mammut-Veranstaltung der Scharbacher Chöre und tritt auch als Solist auf. Gut im Gedächtnis ist noch sein Auftritt im vergangenen Jahr zusammen mit Susanne Hoffmann-Rettig mit dem Song „Barcelona“. Ebenfalls seit neun Jahren singt Sascha Fischer in der Wählemer Kerweband, aus der heraus sich eine Gruppe formte, die unter dem Motto „Burg unplugged“ in der Burg Waldau ein Weihnachtskonzert gab.

Mehr oder weniger „Back to the roots“ hieß es für den 30-Jährigen vor zwei Jahren. Da stieg er bei der Coverband „Xtreme“ ein, nachdem er in der Zwischenzeit bereits mit mehreren Bands im Rhein-Neckar-Raum sporadisch zusammenarbeitete. Bei etwa 30 Shows im Jahr ist er gemeinsam mit dem etatmäßigen Sänger Lukas Baum am Mikro anzutreffen. „Das macht einfach Spaß“, sagt Fischer. „Da hängt mein Herzblut dran.“

Die Band hat zwar ein festgefügtes Programm mit abgestimmten Licht und Videowall, aber ein paar Lieblingsstücke darf der Sänger mit einbringen. Dazu gehören etwa „Anything for Love“ von Meatloaf, „Living on a prayer“ von Bon Jovi oder „Panic! at the Disco“.  Affolterbach „ist für mich etwas ganz Besonderes“, sagt Sascha Fischer. Denn dort fand in der Peter-Heckmann-Halle Ende 2012 das Abschiedskonzert von „NeRo“ statt. Im Folgejahr trat „Xtreme“ in die Fußstapfen der Überwald-Rocker und beschallt seitdem die vielen hundert Gäste.

„Ich freue mich aufs Heimspiel“, lacht der 30-Jährige. Denn sonst sind die Auftritt oft über 100 Kilometer entfernt bei Koblenz oder in der Rhön. Freunde und Arbeitskollegen haben sich für den Samstag bereits angekündigt. Fischer genießt es, mit diesen nach der Show bisschen feiern zu können, denn er hat von allen Bandmitgliedern mit Abstand den kürzesten Heimweg. „Ich übernachte bei meinen Eltern in Wahlen“, grinst er. In drei Minuten ist er dort. Wenn dann noch die Bude voll ist, dann wird die Party umso schöner.

Info: Die Coverpartyband „Xtreme“ spielt am Samstag, 12. Januar, 21.30 Uhr (Einlass 20 Uhr) in der Peter-Heckmann-Halle des SV Affolterbach. Karten gibt es an der Abendkasse.

„Leise rieselt der Schnee“ gibt in Indien an Weihnachten nicht

„Weihnachten ist bei uns mitten im Sommer“, schmunzelt Pater Cyril. „Das ist nicht wie hier mit Schnee und Kälte“, sagt er. Denn der 41-Jährige stammt aus Kerala im äußersten Südwesten Indiens. 35 Grad sind dort rund um die Jahreswende normal. Der katholische Pfarrer von Mörlenbach und Weiher hatte allerdings schon einige Jahre Gelegenheit, sich ans Fest zu Christi Geburt in heimischen Gefilden zu gewöhnen. Seit 14 Jahren ist er in Deutschland, seit neun Jahren im Kloster Hirschhorn beheimatet.

„Weiße Festtage – das ist uns fremd“, meint Cyril Thundathil und schließt dabei seinen Karmeliter-Mitbruder Sudeesh mit ein, der wie er aus der der Provinz Kottayam in Zentralkerala stammt. Dort ist der Bevölkerungsanteil der Christen mit 40 Prozent besonders hoch. „Wir haben unsere eigenen Weihnachtslieder“, erläutert der Pater. Denn: „Leise rieselt der Schnee“ passt nicht, lacht er. Die Menschen sind aufgrund der Temperaturen eher sommerlich gekleidet.

In der Vorweihnachtszeit gibt es in der Heimat der beiden Patres eine völlig andere Tradition als hierzulande. „Bei uns wird vom 1. Dezember an bis zum festlichen Mitternachts-Gottesdienst am 24. Dezember gefastet“, erzählt Pfarrer Cyril. „Viele verzichten in diesen Tagen auf Fleisch, Fisch und Alkohol“, ergänzt Sudeesh. „Bei über 30 Grad gibt’s auch keinen Glühwein“, grinst er. Advents- oder Weihnachtsfeiern gibt es nicht, ebenso werden die vier Sonntage nicht festlich begangen.

Fladenbrot und Lammfleisch als traditionelle Speise beenden am Morgen des 25. Dezember die Fastenzeit. „Mittags wird dann richtig zugeschlagen“, lacht Sudeesh, der als Pfarrvikar in der Pfarrgruppe Überwald tätig ist. Statt der Plätzchen gibt es einen „Christmas Cake“. Überhaupt wird nicht so viel Süßes in dieser Zeit gegessen, hat er festgestellt. Beide Geistliche kennen die deutsche Form der Weihnachtsbeleuchtung nicht in dieser Form. In Indien schmücken die Familien, egal welcher Religion sie angehören, ihre Häuser unter anderem mit Sternen. Die Straßen werden nicht illuminiert.

Wie in Deutschland ist Weihnachten aber auch in Kerala ein Familienfest. Da zwischen den Jahren Ferien sind, kommen die über ganz Indien verstreuten Kinder nach Hause zu den Eltern. Aber: Es gibt bei den indischen Christen keine Bescherung. Auch die Erwachsenen schenken sich nichts. Das ist dem Nationalfest Onam Ende August vorbehalten.

Eine Besonderheit ist das „Carol-Singing“, das Weihnachtssingen. Gruppen von Jugendlichen laufen am Abend und in der Nacht des 25. Dezember von Haus zu Haus und singen festliche Lieder. „Die Einwohner warten darauf“, sagt Cyril. Egal ob es 10 Uhr abends oder 2 Uhr früh ist: Den Singenden wird die Tür geöffnet und sie bekommen Spenden. „Hier ist es unvorstellbar, dass jemand von einer Musikgruppe mitten in der Nacht aus dem Bett geklingelt wird“, grinst Sudeesh. Den Jugendlichen macht die Aktion, für die sie vorher die Lieder einüben, großen Spaß. Nikolaus als Christmas Papa und das Christkind sind bei dieser Gelegenheit auch mit dabei.

In der Heimat der Patres gibt es eine Art „Wettkampf“, wer die schönste Krippe baut, erzählen die beiden. In einem Gebetskreis sind zwischen zehn und 15 Familien organisiert, die sich übers Jahr abwechselnd treffen. Sie überbieten sich bei dieser „Challenge“ quasi selbst in der Gestaltung. Der Sieger bekommt einen Preis. Cyril erinnert sich, wie auch er früher mit den Eltern eine Krippe aufbaute und festlich schmückte. Damals gab es keinen Fernseher und keinen Computer. „Wir haben tagsüber draußen gespielt.“

Im ganzen Dorf gibt es am 25. Dezember quasi einen „Tag der offenen Tür“: Die Kinder gehen von Haus zu Haus, besuchen andere Familien und schauen sich die Krippen an. „Die kommen nur zum Essen wieder nach Hause“, meint Sudeesh. „Es ist so warm, dass sich die Menschen sowieso draußen aufhalten und alles offen ist“, erläutert er.

Den Tannenweihnachtsbaum haben die Inder erst in Deutschland kennengelernt. In Kerala „nehmen wir irgendeinen Baum und schmücken diesen mit Sternen, Kugeln und Glitzer“, lacht Cyril. Den Adventskranz mit seinen vier Kerzen kannte er auch noch nicht. „Das ist eine schöne Bereicherung“, sagt er. Das Anzünden der Adventskerze empfindet er als etwas Besonderes.

Das war’s dann aber auch mit dem Weihnachtsfest. „Einen zweiten Feiertag gibt es bei uns nicht“, erläutert Cyril. Wie auch keinen Nikolaustag oder Heilige Drei Könige. Da Hindus und Muslime die Bevölkerungsmehrheit stellen, werden nicht so viele christliche Feiertage begangen. Beide freuen sich schon, im Januar wieder in ihre Heimat zu fliegen – und in den Sommer.

Der 1977 geborene Cyril Thundathil trat nach der Schule in den Karmeliten-Orden ein. 2003 wurde er nach drei Jahren Theologiestudium zum Priester geweiht. Im Oktober 2004 kam er nach Deutschland. Zuerst lernte Cyril in Bonn und danach in Köln die deutsche Sprache, war danach fast fünf Jahre Mitglied im Karmeliterkloster Mainz. Vor der Pastoralausbildung absolvierte der Pater zwei Praktika, eines als Krankenhausseelsorger an der Charité in Berlin und eines in der Gemeindepastoral der Pfarrgruppe Nieder-Olm in Rheinhessen. Seit November 2006 war er dann im Bistum Mainz tätig. Dass es ihn nach Deutschland verschlagen würde, war nicht vorgezeichnet, aber auch kein absoluter Zufall. Denn die indische Niederlassung des dortigen Karmeliterordens war vor einigen Jahrzehnten von einem Deutschen gegründet worden. Seit knapp drei Jahren ist er nun Pfarrer in St. Bartholomäus Mörlenbach und Herz Jesu Weiher. Um 15 Uhr gestaltet er am 24. Dezember die Kinderkrippenfeier, um 17.30 Uhr den Weihnachtsgottesdienst und um 22.30 Uhr die Christmette, jeweils in St. Bartholomäus Mörlenbach.

Zwölf Jahre Ausbildung liegen hinter dem 38-jährigen Sudeesh. Für ihn war es schon früh klar, wohin sein Weg führen würde. Er war Ministrant in seinem Bezirk mit einem hohen christlichen Bevölkerungsanteil. Sudeesh entschied sich schon während der Schulzeit, Priester zu werden und fragte dort nach, aufgenommen zu werden. Er besuchte Priesterseminare der Karmeliter in Kothamangalam und Bangalore. „Das Christentum hat eine schöne Tradition in unserer Heimat“, erläutert der Pater. Er wurde nach seinem Studium 2008 zum Priester geweiht und kam 2015 nach Deutschland, wo in Mainz unter anderem Deutschkurse auf der Tagesordnung standen. Seit Sommer 2017 ist er im Kloster Hirschhorn. Der 38-Jährige ist als Pfarrvikar/Kaplan bei Pfarrer Peter Pristas in der Pfarrgruppe Überwald mit ihren Teilorten Wald-Michelbach, Unter-Schönmattenwag, Aschbach und Hammelbach tätig. In letzterem Ort hält er am 24. Dezember um 18 Uhr die Christmette in der katholischen Kirche.