Gemütliches Sommerfest der SPD Grasellenbach mit politischer Note

Beste äußere Bedingungen für das Sommerfest der Grasellenbacher SPD an der Radlerstation. Trocken mit ein paar Wolken, ab und zu zeigte sich die Sonne, angenehme Temperaturen. Viele Ausflügler waren zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs und genossen die Gastfreundschaft der Sozialdemokraten. Aus der Großgemeinde gab’s parteiübergreifend ebenso reichlich Besuch. „Das freut uns immer“, meinte Vorsitzender Franz Hartmann.

Die Gäste labten sich an Bratwurst, Kartoffeln, Steak und Kuchen, natürlich gab es dazu auch reichlich Flüssigkeit. Schon vor 17 Uhr ging’s auf den Heimweg, da alle das Deutschlandspiel im Fernsehen anschauen wollten. Hätte man den trostlosen Kick vorausgeahnt, wäre eine längere Feier durchaus drin und sicher fröhlicher gewesen.

SPD-Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht streifte kurz die „große“ Politik. „Die sollen sich endlich zusammenraufen“, meinte sie zum Streit zwischen CDU und CSU über die Einwanderungs- und Asylpolitik. Sie stellte die Erfolge der SPD in der Großen Koalition heraus, unter anderem die Wiedereinführung des paritätischen Beitrags bei der Krankenversicherung.

Lambrecht äußerte ihre Freude darüber, „dass ein Verein so etwas wie das Sommerfest auf die Beine stellt“. Ehrenamtliche Arbeit auch im politischen Bereich sei sehr wichtig, betonte sie. Aber wie anderswo „nicht einfach“. Überall gelte es „Leute zu finden, die sich engagieren“. Hartmann dankte der Abgeordneten, dass sie eine viertägige Berlinfahrt für eine Verlosung sponserte.

Durch den Losverkauf nahm die SPD 240 Euro ein. Das Geld geht als Spende an die beiden Grasellenbacher Kindergärten in Wahlen und in Hammelbach mit je 120 Euro. Die Spendenübergabe wird in den kommenden Wochen erfolgen. Glücksfee am Los-Topf war die kleine Luisa. Sie zog als Gewinner der viertägigen Reise für zwei Personen Willy Döhler aus Hammelbach.

Hartmann freute sich in seiner Begrüßung über das volle Haus. Seine Hoffnung, dass Deutschland sein WM-Auftaktspiel gewinnt, erfüllte sich allerdings nicht. Die flapsige Ansage des Vorsitzenden, dass doch alle rechtzeitig vor 17 Uhr nach Hause gehen mögen, damit die 15 ehrenamtlichen SPD-Helfer zumindest noch die zweite Spielhälfte anschauen können, wurde mit Gelächter bedacht.

Früher feierte die Partei das Sommerfest an der Nibelungenhalle. Mit Fertigstellung der Radlerstation auf Initiative von „Wir sind Wahlen“ ließ man es nach einer zwischenzeitlichen Pause wieder aufleben. Hartmann bedauerte, dass inzwischen verschiedene Dinge von Vandalen zerstört wurden. Er bat Passanten Augenmerk darauf zu haben, wenn sich jemand dort zu schaffen mache. „Die Leute sollen lieber mitarbeiten und so ihre Energie loswerden“, sagte er.

Informationen aus Kreis und Land hatte SPD-Kreisbeigeordneter Karsten Krug mitgebracht. Der war vergangenes Jahr schon einmal in Wahlen gewesen und hatte wieder seine Tochter dabei, die ganz verrückt nach Spielplatz und Ulfenbach-Ambiente war. Er lobte das schöne Umfeld, das die Initiative für Familien mit Kindern geschaffen habe.

Krug schlug einen Bogen zur in vier Monaten anstehenden Landtagswahlen. Nach 20 Jahren Pause „will die SPD wieder in die Regierung kommen“, sagte er. „BMW“ nannte er als die drei großen Themen: Bildung, Mobilität und Wohnraum. Der Beigeordnete bezeichnete den Lehrermangel als großes Problem und nannte die Entwicklung der Stundenausfälle „dramatisch“. Die SPD wolle im Gegensatz zur „Light-Variante“ der schwarz-grünen Landesregierung die Kindergärten komplett beitragsfrei stellen.

An Bergstraße und Ried steigen die Mieten, meinte er zum Thema (fehlender) Wohnungsbau. Es finde ein Verdrängungswettbewerb statt. „Diese Entwicklung passt uns überhaupt nicht“, sagte Krug. Sie gehe komplett in die falsche Richtung. „Das Land hat falsche Akzente gesetzt“, kritisierte er. Eine ÖPNV-Grundversorgung auch für kleinere Gemeinden bezeichnete der Beigeordnete als weiteren wichtigen Punkt. Mit Grasellenbach, Wald-Michelbach und der Odenwald-Regionalgesellschaft (Oreg) laufen seinen Worten zufolge Gespräche, Verbindungen aus dem Überwald Richtung Erbach/Michelstadt zu schaffen. Die sind laut Krug schon ziemlich weit gediehen und sollen kommendes Jahr greifen.

Advertisements

Premiere des Heimatbühnen-Kindertheaters Gras-Ellenbach war wie aus einem Guss

Was für ein Glück. Rundum blitzte und donnerte es, öffnete der Regen seine Schleusen, aber über der Gras-Ellenbacher Heimatbühne blieb es trocken. Die Premiere der „Prinzessin auf der Erbse“, des neuen Stücks Heimatbühnen-Kindertheater, konnte wie geplant stattfinden. Das war auch schon anders: Vor zwei Jahren musste die Vorstellung kurz nach Beginn wegen Gewitter und Platzregen abgebrochen worden. Mit verkürzter Pause ging alles trocken über die Bühne. Junge Schauspieler und Gäste waren gleichermaßen begeistert.

Auf der Freilichtbühne „Zwerg Alberich Odeon“ gegenüber des Hotels Gassbachtal wurde allerdings nicht das Original-Märchen von Hans Christian Andersen aufgeführt, sondern ein lehrreiches Märchenspiel von Heiner Schnitzler, das dieser mit aktuellen Anklängen versah. Andreas Willutzki, der mit Ann-Marie Teichert Regie führte, war mit der Leistung der neun- bis 16-jährigen Schauspieler sehr zufrieden. „Die Kids waren toll“, sprach er ein hohes Lob aus. Die „super Kostüme“ sorgten außerdem für ein farbenprächtiges Bild auf der Naturbühne.

Die Premiere war wie aus einem Guss, zeigte sich Regisseur sehr angetan. „Alles, was schief gehen konnte, ist schon in den Proben passiert“, schmunzelte er. Aufgrund des unsicheren Wetter hielt sich die Besucherzahl leider in Grenzen. Es dürften so um die 20 Erwachsene und noch einmal die gleiche Anzahl Kinder gewesen sein. Die zeigten sich jedoch vom Spiel der jungen Akteure begeistert, sparten nicht mit Szenenapplaus und feierten die Schauspieler am Schluss der eineinhalbstündigen Aufführung mit langanhaltendem Beifall.

Die Handlung rund um Einwanderungsthematik und die Witze von Mossi Schack hatten zwar einen ersten Hintergrund, vermochten dem Stück aber doch immer auch einen lustigen Anstrich zu geben, sodass der erhobene Zeigefinger sich ein ums andere Mal vor Lachen krümmte. „Das Stück kommt echt gut an“, freute sich Willutzki. Er zog ein sehr positives Fazit. „Die Arbeit der letzten Monate hat sich mehr als gelohnt“, sagte er.

Zum fünfjährigen Bestehen der Kindertheatergruppe wurde ein „tolles zeitkritisches Stück“ auf die Beine gestellt. Mit der sehr dichten Atmosphäre, die teilweise förmlich zum Greifen war, konnten sich die Besucher richtiggehend in die Aufführung hineinversetzen. Wenn die Prinzessin den Prinzen bekommt, ist das schon sehr herzergreifend. „Jonah (Teichert) hat seine Rolle als Prinz super gemeistert“, lobte Willutzki. Das alles vor einem eindrucksvollen Bühnenbild mit einen Schloss (als Digitaldruck) im Hintergrund.

Ohne viele Mitstreiter und Helfer könnte so eine Aufführung nicht funktionieren. An Willutzkis Seite stand als Regieassistentin die 16-jährige Ann-Marie Teichert, die bei Regie und Maske mitwirkte und sich engagiert um die Kids kümmerte. Außerdem spielte sie an seiner Seite die Königin. Voll des Lobes ist Willutzki auch über die Hilfsbereitschaft der beiden gegenüber wohnenden Nachbarinnen, bei den Strom und Wasser „abgezapft“ werden können und deren Garage für die Matratzen zur Verfügung steht.

Bis auf ein Mädchen, das in diesem Jahr neu hinzukam, haben alle anderen jugendlichen Akteure bereits Erfahrung mit der Schauspielerei. Deshalb ging es nach dem Probenstart im April in der Nibelungenhalle auch gut voran. Überdacht fanden die Lese- und ersten Szenenproben statt, ehe dann die zwölfköpfige Truppe mit dem guten Frühlingswetter auf die Freilichtbühne wechselte.

Der erfahrene Theatermann ging zu Beginn her und suchte fünf mögliche Stücke heraus, deren Inhalte er den Kindern vorstellte. Die entschieden sich schnell für das jetzt gespielte. Das sozialkritische Stück, das aktuelle Themen wie die Flüchtlingsproblematik aufgreift, kam bei ihnen am besten an.

Zum Inhalt: Das bekannte Märchen von Hans Christian Andersen wurde in die heutige Zeit adaptiert. Mossi Schack, einer der Protagonisten, ist eine brandaktuelle Figur, die die Einwanderungsthematik  ins Spiel bringt. Er spricht ein ulkiges „Ausländerdeutsch“ und hat eine verbindende, wichtige Rolle in dem Stück. Die Prinzessin auf der Erbse ist hier ein sehr mutiges Mädchen, das sich nicht scheut, für sein Land und seine Menschen einzutreten.

Sie gibt dem Prinz und dem König, die angesichts der schwarzen Königin allen Mut verloren haben und aus ihrem Land fliehen wollen, die Hoffnung zurück. Gleichzeitig hat sie aber auch die Empfindsamkeit, die sie mit Schwächeren mitleiden lässt und die ihr den zu ihrer Prüfung aufgestellten Matratzenturm mit der Erbse darunter unerträglich machen.  tom

Info: „Die Prinzessin auf der Erbse“ vom Kindertheater der Gras-Ellenbacher Heimatbühne Sonntag, 17. Juni, 14 Uhr, bei Jäigs Hoffest, in Gras-Ellenbach. Vorverkauf und telefonische Bestellung über Kurverwaltung Gras-Ellenbach, Nibelungenhalle, Montag bis Samstag von 10 bis 12 Uhr, Montag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 Uhr. Telefon 06207/2554. Bei guter Resonanz soll es nach den Sommerferien weitere Termine geben.

Darsteller

Der Prinz: Jonah Teichert

König Servillo III.: Andreas Willutzki

Königin Servilla: Ann-Marie Teichert

Zerboro, der Diener: Hermine Oberle

Zauberer Sonorolo: Carla Fuhr

Crissola, seine Tochter: Maxime Mauermann

Savarella (Prinzessin Nuruma): Marica Unger

Mossi Schack: Eva Wolk

Die Schwarze Königin: Hannah Brantsch

Die Räuberbande

Simsa: Liliana Teichert

Sala: Hannah Brantsch

Labim: Emely Fuhr

Regie: Ann-Marie Teichert, Andreas Willutzki

Frenetischer Beifall und Standing ovations für den goldenen Scharbock in Affolterbach

Ob das in zwei Jahren nochmal zu toppen sein wird? 1400 Gäste an drei Abenden, eine drei Mal ausverkaufte, dampfend-schwülheiße Peter-Heckmann-Halle, frenetischer Beifall, Standing ovations, restlos begeisterte Zuschauer. Die fünfte „Night of the golden Scharbock“ im 120. Jahr des Bestehens der Scharbacher Chöre war eine Demonstration von Sangeskunst, wie sie in der Region nur selten zu finden ist. Weit über 100 Sänger, hochkarätige Solisten und eine virtuose Begleitband machten die Abende zum Nonplusultra der Überwälder Veranstaltungen in diesem Jahr.

Kein Wunder, dass der Gesangverein aus dem Grasellenbacher Ortsteil Scharbach dieses Mega-Event nur alle zwei Jahren durchführen kann – zu gewaltig ist der Aufwand dafür. Aber die überschäumenden Reaktionen darauf lohnen jegliche Mühe. Wenn die musikalische Gesamtleiterin Susanne „Suse“ Hoffmann-Rettig in goldenem Mantel als ausgebildete Opernsängerin zusammen mit Sascha Fischer im Smoking zum Ende des ersten Sets wie Montserrat Cabellé und Freddie Mercury „Barcelona“ schmettert, dann kennt der Jubel keine Grenzen mehr.

Der 29-jährige Student Fischer aus Wahlen ist musikalisch ebenfalls „vorbelastet“. Zuerst mit der Coverrockband „NeRo“, jetzt mit „Xtreme“ tourt er durch Deutschland und hat in Frankenthal seine eigene Theaterrevue. Dass sein Herz für den Rock schlägt, merkt man auch bei „Summer of 69“ von Bryan Adams, das mit den 50-köpfigen Crescendo-Chor im Hintergrund eine voluminöse Intensität erreicht. Der ganze Saal steht, alle klatschen mit. „We’re not gonna take it“ von Twister Sister ist kurz vor Schluss noch einmal eine Verbeugung an einen ewigen Rockhit.

„Hits am laufenden Band“ hatten die Scharbacher Chöre in diesem Jahr ihre „Scharbock“-Aufführung betitelt, nachdem es vor zwei Jahren um „Musicals“ gegangen war. Im Jubiläumsjahr gab es einen bunten Streifzug durch die Musikgeschichte, der passenderweise mit „Music“ von John Miles eröffnet wurde. Dieser pompöse Klassiker aus über 100 Kehlen von gemischtem Chor und Chor: Das hat was. Martin Steffan, der den gemischten Chor leitet, kann aber nicht nur dirigieren. Der Tenor schmetterte danach Pavarottis „O sole mio“ eindrucksvoll von der Bühne.

Ob es nun ein Medley der Comedian Harmonists war, die Mimi ohne Krimi ins Bett sollte oder der „Wind of Change“ der Scorpions zusammen mit dem Kinderchor durch den Saal hallte: Quer durch alle Zeiten und Musikrichtungen ging die Reise der Chöre. Die wurden von einer hochkarätigen Band unterstützt: Michael Hubert (Drums), David Kirchner (Gitarre) und Nicholas Neumüller (Bass) erlern(t)en ihr Handwerk an der Popakademie Mannheim, während Keyboarder Achim Essig ein Urgestein der Odenwälder Musikszene ist.

Was wäre der Gesang ohne die Technik? Mit dem aus Wald-Michelbach stammenden Max Koch, der mittlerweile als Regie-Assistent bei den Bregenzer oder Bad Hersfelder Festspielen tätig ist, hat ein kreativer Kopf die Konzeption übernommen. Eine bewegliche, transparente Stoffwand, ein Hebebühnen-Podest und vor allem die eindrucksvolle Lasershow machten den musikalischen Eindruck erst zu einem stimmigen Gesamtpaket.

Heiß war es schon zu Beginn, noch heißer wurde es nach der Pause. „Celebration“ und „Sing Halleluja“ eröffnen einen fulminanten zweiten Set. Robbie Williams‘ „Let me entertain you“ sieht Dirigentin Hoffmann-Rettig nach einem Konfetti-Regen der überdimensionalen Geburtstagstorte entsteigen, während sich der Chor zu Höchstleistungen aufschwingt. Bei „Proud Mary“ rockt sie mit Sopranistin Doris Steffan-Wagner die Bühne, dass Tina Turner vor Staunen der Mund offen stehen bleiben würde. Alles natürlich mit dem vielstimmigen Chor im Hintergrund, der den Songs eine ganz besondere Klangfülle verleiht.

Die „Jungs“, der von Hoffmann-Rettig geleitete Kinderchor, huldigen mit „TNT“ AC/DC – eine gute Gelegenheit für Gitarrist David Kirchner, seine Fertigkeiten auf den sechs Saiten zu zeigen. „Titanium“ vom Jungen Chor, „Malaguena“ mit Solistin Corina Tatzel oder „Mama Loo“ mit den jungen Solisten Beni und Vincent bereiten den Boden für ein mächtiges „Walking on Sunshine“ von Kathrina and the Waves, nach dem keiner gehen wollte. Noch mehr Schweiß floss bei nicht enden wollenden Zugaberufen und Klatschorgien.

Die Resonanz war überwältigend: „Der Chor ist ein Aushängeschild im Kreis Bergstraße. Solch ein kleiner Ort und so eine große Show“, sagte Landrat Christian Engelhardt. Andere Sänger und Musiker zeigten sich begeistert: „Das ist toll, was die auf die Beine stellen“, meinte Siggi Winkler aus Weiher von der Folk Band „Irish Voices“. Christof Klos, Vorsitzender des Gesangvereins Harmonie Ober-Schönmattenwag, sprach von einer „großen Klasse“ der Aufführung. Trotz der tropischen Temperaturen im Saal „war es ein großartiges Konzerterlebnis, das in unserer Region einmalig ist“, so Wald-Michelbachs Bürgermneister Sascha Weber. „Ich freue mich bereits jetzt schon sehr auf die Rückkehr des goldenen Scharbocks in zwei Jahren“, so der Rathauschef. „Brutal gut“ fasste es Jörg Rettig kurz und knapp zusammen.

Mer Bilder hier:

Scharbacher Chöre

Posted by Thomas Wilken on Sunday, June 10, 2018

 

Dhalias Lane im Hoftheater Tromm: Keltischer Folk in seiner höchsten Vollendung

Der Beifall will kaum verstummen, die Zugabe-Rufe ebenso nicht: Was die Folk-Bank „Dhalias Lane“ im schwül-heißen Hoftheater bietet, reißt die Besucher von den Sitzen, bringt sie zum Klatschen, Jubeln, Ausflippen und sogar Tanzen. Zweieinhalb Stunden lang gibt es keltischen Folk, Mittelalterstücke und eigene Lieder mit einer Spielfreude und auf einem solch hohen Niveau, dass den Gästen manchmal vor Staunen der Mund offen stehen bleibt. Wenn der wieder geschlossen war, setzt frenetischer Beifall ein.

Rainer Burgmer auf diversen Flöten, Božena Woitasky auf der Geige und Berk Demiray (Gitarre) sind absolute Meister ihrer Instrumente. Unterstützt werden sie von Sofia Glaser aus Beerfelden, die mit ihrer eindrucksvollen Stimme etlichen Songs einen ganz besonderen Klang verleiht und darüber hinaus noch für die Percussion zuständig ist. Dass Burgmer und Demiray schon weit mehr als zwei Jahrzehnte gemeinsam auf der Bühne stehen (früher bei Wild Silk), lässt sich am quasi blinden Zusammenspiel erkennen.

„Jiggle Jig“ ist so ein Stück, bei dem es die Zuschauer nicht kümmert, dass es im Saal doppelt so warm ist wie draußen. Viel Platz ist zwar nicht zum Tanzen, weil das Hoftheater aufgrund des großen Andrangs ziemlich eng bestuhlt ist. Aber ein paar Meter finden sich doch, auf denen zu den fetzigen Klängen von Flöte, Geige und Gitarre die Beine von sich geschleudert werden können.

Gleich danach gibt’s was zum Abkühlen: „Down by the sally gardens“ haben Burgmer und Demiray vor Urzeiten von der irisch-schottischen Band Clannad gehört. „Da stand die kleine Schwester neben der Bühne, die immer zu den Refrains rauf durfte“, erinnert sich Demiray. Die wurde später selbst weltbekannt. Ihr Name: Enya. Erst nur mit akustischer Gitarre und der volltönenden Stimme von Sofia Glaser, setzt später erst die Geige ein, nimmt die Melodie auf, um dann an die Flöte weiterzugeben. Ein Gänsehaut-Lied.

„The Ships are sailing“ ist als Song wie ein großes, schwerfälliges Segelschiff. Es dauert lange, bis es in Fahrt kommt, aber dann. Die musikalischen Wellen schlagen hoch. Geige und Flöte liefern sich ein packendes musikalisches Duell, Rainer Burgmer entlockt seinem Instrument die unmöglichsten Töne, verknotet fast die Finger  bei seinen virtuosen Tönen. Die vier spielen sich in einen wahren Rausch. Die beste Methode, um nach einer Pause zum Abkühlen und Runterfahren Hunger auf viel mehr Musik zu machen, die vom Sitz haut.

Eher getragen melancholisch geht es in die zweite Hälfte. Dass Dhalias Lane auch historisch kann, zeigt die Adaption eines Stücks aus der westfälischen Liederhandschrift des 16. Jahrhunderts. Das bietet Berk Demiray die Gelegenheit, seine Fertigkeiten  auf der akustischen Gitarre zu zeigen, während Sofia Glaser mit ihrer vollen Stimme die ganze Tragik einer Frau rüberbringt, die ihre fünf Söhne auf die Suche nach dem auf See verschollenen Mann schickt. Diese kommen dabei um, der Mann kehrt zurück…

„Lifeline“, ein eigener Song der Gruppe, hat zwar auch einen ernsten Hintergrund, wird aber immer flotter und präsentiert sich von der Geige dominiert. Božena Woitasky, gerade aus der Babypause zurück, kann hier aufs Neue ihre virtuosen Künste mit dem Bogen demonstrieren. „Ein eigenes Tänzlein“, das einem magischen Ort in der Provence gewidmet ist, hat im Anschluss unverkennbar keltische Einflüsse.

Wer schon bisher gemeint hatte, er habe alle Fertigkeiten auf den Instrumenten gesehen, wird nun eines besseren belehrt: Es qualmt der Geigenbogen, es kommen die fingerfertigen Hände von Burgmer ins Rauchen, als er sie ein ums andere Mal über den Flötenhals  in einer Schnelligkeit gleiten lässt, dass einem beim Zuschauen fast schwindlig wird.

In den Überleitungen zwischen den Songs erfährt man nicht nur etwas über die Lieder, sondern auch  über die Musiker selbst. Etwa wie Burgmer und Demiray früher aus Leverkusen in die Folk-Hochburg Köln pendelten, um dort die angesagten Bands zu hören. Oder wie der Flötenkünstler immer noch etwas ungläubig auf die eigene Karriere zurückschaut. „Vor 30 Jahren hätte ich mir nie träumen lassen, mal hier raus in den Garten  zu gehen und dann die eigene Musik zu hören.“ Und doch: „Es ist Wirklichkeit geworden.“

Sehr lebendig gestaltet sich auch die Vorgeschichte zu „Paddy’s“. Das handelt von einem irischen Auswanderer, der in den 1860er Jahren in den amerikanischen Bürgerkrieg gerät und gleich beim ersten Einsatz ein Bein verliert. Sein „Lamento“ mit Gesang von Sofia Glaser kommt aber keineswegs tragisch, sondern eher flott-fetzig rüber.

Einen Gassenhauer haben sich die Musiker zum Ende hin aufgehoben. Der ganze Saal darf nach  Frauen und Männern getrennt und später zusammen einstimmen, wenn „Greensleaves“ angespielt wird. Ein Klassiker schlechthin, erst nur von der Gitarre, dann auch von der Flöte  begleitet. Etwas mehr geht noch  immer: Die Musiker spielen sich im folgenden keltischen Dreier-Set förmlich in Ekstase.

Eine Flöte ist Rainer Burgmer nicht mehr genug, er spielt gleich zwei gleichzeitig. Die Hände zun schon weh vom Klatschen. Demiray zupft sich die Seele aus dem Leib und die Geige erklingt in höchsten Tönen.  Ein perfekter Schluss, dem genauso logisch Zugaben folgen. Aber alles hat ein Ende. Das zelebrieren die vier mit einem Ausmarsch wie früher die Spielleute: Burgmer schnappt sich den Dudelsack, die anderen ihre Instrumente und dann geht es lauthals quer durch den ganzen Saal in den Vorraum. Frenetischer Jubel inklusive.

Trotz der Hitze brummte es beim Hammelbacher Straßenfest

Das Straßenfest läuft immer, egal ob Hitze oder Regen. Nicht nur die Einheimischen, sondern viele Gäste aus dem Überwald und dem benachbarten Weschnitztal strömen in den Grasellenbacher Ortsteil, um dort ein paar unbeschwerte Stunden zu verleben, die vielfältigen kulinarischen Angebote zu genießen und das eine oder andere Schwätzchen zu führen. Bereits zum Frühschoppen gab es schmissige Klänge. Im schützenden Schatten einer Scheune hatten sich die Mitglieder der Blasmusik Schimmeldewog niedergelassen, um die Gäste mit einem Best-of ihres Repertoires zu unterhalten.

Am Anfang der Festmeile war nach Karussell und Süßwarenstand der SSV Hammelbach mit seinem Schießstand in einer Garage anzutreffen. Allerdings ohne Patronen: Eine Software wertet den roten Lichtpunkt der auslösenden Pistole aus. Die Kamera erkennt dabei den Lichtunterschied. Die Pistole ist leichter (zwei Kilo gegenüber fünf beim Original) und lässt sich besser halten, weil es keinen Rückschlag gibt, erläuterte der Vorsitzende Bernhard Platzer. „Wir haben damit einen starken Zulauf im Jugendbereich“, freute er sich. Denn es gibt keine Altersbeschränkung.

Trialvorführungen der aktiven Jugendlichen der MSVg Hammelbach fanden auf dem Parkplatz oberhalb des Aicher Cents statt. Die Vereinsmitglieder hatten unabhängig davon auch genug zu tun, denn an Getränke- und Essensstand war konstant viel los. Das dazugehörige Festzelt mit angenehmem Schatten erfreute sich den ganzen Tag über eines regen Betriebs. „Die Pommes gehen langsam zur Neige“, meinte schmunzelnd Angelika Schwabedissen bald nach dem Mittag über den  großen Andrang.

Die Brandschützer sind seit Beginn 1979 dabei. Seit eh und je wird dort Äppelwoi in verschiedenen Varianten gereicht. Während 20 Wehrleute als Durstlöscher für die Gäste im Einsatz waren, kümmerten sich weitere um die Bespaßung der Kinder: Entenangeln und die simulierte Löschung eines brennenden Hauses standen hoch im Kurs.

Der Spießbraten ist beim DRK Hammelbach eine feste Bank, freute sich Vorsitzender Thorsten Metz.  „Unsere Stammgäste kommen extra von weiter her dafür aufs Fest“, weiß er. Wegen der Hitze ging es mittags etwas langsamer los, aber in der Regel kommen die Leute dann über den ganzen Tag. 50 Kilo Fleisch  werden an einem Tag verputzt. Am Grill schwingt seit zwei Jahrzehnten Axel Bauer mit Unterstützung von Hans Wolk das Zepter – egal bei welchen Wärmegraden. Die in den Jahren zuvor betriebene Mitgliederwerbung will man auf die Blutspendetermine verlegen, so Metz. Denn dort hat das DRK im Verhältnis zur „Größe“ des Ortes einen großen Zuspruch.

Um die 50 Familien sorgten beim türkisch-islamischen Verein aus Wahlen dafür, dass an leckeren Spezialitäten kein Mangel herrschte. „Seker pare“ nennt sich eine Süßspeise, die wie ein Cookie gebacken, aber dann in eine Zuckerlösung eingelegt wird, erklärte Didem Baris. „Sigara Börek“ sieht aus wie eine Zigarre und ist ein Blätterteig mit türkischem Schafkäse gefüllt. Weinblätter und Couscous gab es ebenso wie Yufka, ein hauchdünner,  gerollter Blätterteig mit Spinat und Schafskäse – alles am Abend vorher selbstgemacht. Nebenan drehte sich der bewährte Dönergrill.

„Sechs bis acht echte Bastler“ zählen die Eisenbahnfreunde, die sich traditionell im Schultheißenhaus präsentieren. Zu den verschiedenen Anlagen kommen immer wieder Neuerungen dazu. Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder, um an ihren Anlagen „rumzuschrauben“, den Rest der Zeit „geht’s dann zuhause weiter“. Seit 2011 wird an der H0-Anlage gebaut. Viele kleine Details, die sich erst auf den zweiten Blick erschließen, machen die filigrane Arbeit deutlich.

Irish-Folk-Band Dhalias-Lane kommt am 1. Juni erstmals ins Hoftheater Tromm

Darauf haben die Gäste des Hoftheaters Tromm und Freunde des Irish Folk lange gewartet: Dhalias-Lane, eine der ersten Adressen in Sachen Irish und Celtic Folk in Deutschland, kommen auf Einladung des Hoftheaters erstmals in die Kulturscheune des Höhendorfes. Am Freitag, 1. Juni, geht es dort um 20 Uhr los. Vielen Fans ist die Band noch unter dem Namen „Wild Silk“ in guter Erinnerung. Auch heute sind mit Berk Demiray (Gitarre) und Rainer Burgmer (Flöten) noch zwei Musiker der Stammbesetzung mit an Bord.

So wundert es auch nicht, dass Dhalias-Lane neuerdings wieder viele alte Wild-Silk-Stücke im Gepäck haben, auf die sich die Fans besonders freuen dürfen. Der Zauber der keltischen Musik mit seinen traumhaften Balladen und mitreißenden Tänzen verschmilzt mit gefühlvollen Eigenkompositionen, orientalischen und mittelalterlichen Elementen sowie südländischen Einflüssen zu einem musikalischen Gesamtkunstwerk, das an Ausdruck und Intensität Maßstäbe setzt und die Menschen begeistert.

Mit mehr als 1400 bundesweit gegebenen Konzerten, zahlreichen Auftritten in Funk und Fernsehen sowie sieben produzierten CDs gehören Dhalias-Lane zu einer der renommiertesten und beständigsten Gruppen dieses Genres hierzulande. Mit ihrer „Teufelsgeigerin“, der Musikpädagogin Bozena Woitasky, und Berk Demiray, der zu einem der besten Gitarristen der keltischen Musikrichtung zählt, wird die sympathische Gruppe auf der Tromm für Gänsehaut-Stimmung sorgen und die Gäste auf eine beeindruckende musikalische Reise entführen.

„Rhein-Neckar-Böhmische“ huldigten beim Kurkonzert in Gras-Ellenbach Ernst Mosch beim Kurkonzert in der Nibelungenhalle

Der unvergessene  Ernst Mosch ließ grüßen. Die „Original Rhein-Neckar-Böhmische“ aus Ladenburg huldigten dem jahrzehntelangen Schaffen der Volksmusik-Größe bei ihrem  Kurkonzert in der Nibelungenhalle. Der Blasmusik-Vormittag stand ganz im Zeichen des 1925 im heutigen Tschechien geborenen Musikers. Ihm und seinen Egerländer Musikanten waren die meisten Stücke beim Konzert gewidmet. Um die zwei Stunden lang spielten die zwölf Musiker Märsche, Walzer und Polkas, dass dem vorwiegend älteren Publikum in Erinnerung an die Jugendjahre das Herz aufging.

Für die junge Kapelle war es erst der vierte öffentliche Auftritt. Den ersten hatte sie vor zwei Jahren bei der Kerwe in Unter-Schönmattenwag. Die zweite Feuertaufe, ebenfalls in Gras-Ellenbach vor einem Jahr, absolvierten die Hobby-Musiker mit professionellem Auftreten mit Bravour. Zwischenzeitlich waren sie auch einmal in Fränkisch-Crumbach aktiv, ehe es jetzt wieder nach Gras-Ellenbach ging, wo die Kapelle von etwa 80 Zuschauern erwartet wurde.

Ein „Sehr gut“ oder ein „Bravo“ aus dem Publikum nach den einzelnen Stücken machte verbunden mit viel Applaus deutlich, dass dieses große Freude an den einzelnen Titeln hatte. Den Schwerpunkt legten die Akteure unter der musikalischen Leitung von Günter Hofmann auf Stücke von Ernst Mosch mit Ausflügen von der Operette über Märsche aus der k. u. k. Zeit bis hin zur Stimmungsparade.

Moderator Thorsten Kurtze führte nicht nur in die einzelnen Stücke, sondern auch ins Leben des 1925 im heutigen Tschechien geboren Ernst Mosch ein. Der kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg kurz in seine Heimat zurück, heiratete dort seine Frau Lydia, musste aber dann fliehen und ließ sich zuerst in Hamburg nieder. Ursprünglich dann als Jazz-Posaunist 1951 nach Stuttgart gekommen, waren die Heimat und ihre Musik in seinem Leben aber stets präsent.

Mosch besann sich auf seine Wurzeln und gründete am 21. April 1956 die Egerländer Musikanten, mit denen er sofort große Erfolge feierte. Einem ersten Auftritt mit 18 Musikern im öffentlich-rechtlichen Rundfunk folgte eine große Resonanz auf seine Musik. Eine goldene Schallplatte 1960 für eine Million verkaufte Singles war der schnelle Lohn. „Es folgten 40 Jahre erfolgreiches Musizieren“, so Kurtze.

Neben den „Jungen Musikanten“ spielte die Kapelle nicht nur die weltbekannte „Edelweiß-Polka“, sondern auch andere bekannte Melodien aus dieser Zeit. In den einzelnen Stücken setzten die Instrumenten-Gruppen eindrucksvoll ihre Akzente. Mal waren es die Klarinetten, mal die Trompeten, ein anderes Mal die Tenor- und Flügelhörner oder Posaunen, die aufhorchen ließen. Schnell kamen die ersten Zuhörer bei den beschwingten Melodien in Schunkellaune, wurde später sogar mitgeklatscht.

Mit dem Walzer „Böhmischer Wind“ hatte das Ensemble einen Klassiker von Mosch im Programm. Der zeigte, so Kurtze, die große Heimatverbundenheit des Musikers. Die kommt unter anderem in der Zeile „Weit in der Ferne weht der böhmische Wind, er wird noch wehen, wenn wir nicht mehr sind“ zum Ausdruck. Symbolisiert wurde der Wind durch die beiden Klarinetten. Das Lied wurde 1999 auch auf dem Begräbnis von Ernst Mosch gespielt.

„Musik, Musik“, „Im Wäldchen“ oder der „Brautnacht-Walzer“ waren neben dem „Strohwitwer“, dem „Kammbläser-Marsch“ oder diversen Oden an die Heimat wie „Dort tief im Böhmerwald“, „Egerland-Heimatland“ oder „Die schöne Egerländerin“  gerne gehörte Klassiker. „Vajnorska-“ und „Brautschau-Polka“,  der „Egerländer Liedermarsch“ oder eine  Stimmungsparade waren weitere Stücke der Blaskapelle, die sie musikalisch auf hohem Niveau darbot und damit immer wieder viel Beifall einheimste. Letztes Stück im regulären Programm war der „Rocking March“, wobei am Schlagzeug Andreas Staudt glänzen durfte.

Der musikalische Leiter Günter Hofmann ist ein echter Odenwälder aus Brombachtal. Er war viele Jahre Mitglied der Blaskapelle Langen-Brombach und auch bei der Dorfkapelle Lauerbach aktiv. Nach dem Umzug vor neun Jahren nach Ladenburg scharte er dort eine große Zahl Holz- und Blechbläser um sich, die seine Liebe zur Musik von Ernst Mosch teilten. Die kommen neben Ladenburg auch aus Dossenheim, Heidelberg, Wiesloch, Wahlen, Michelstadt und Waibstadt. „Musikalisch haben wir fleißig geprobt und unser Repertoire um einige Stücke erweitert“, sagte Hofmann