Bei der Heimatbühne Gras-Ellenbach winkt die „schottische Erbschaft“

Die Proben laufen seit der Kerwe auf Hochtouren, erzählt Regisseur Lothar Clade. Kein Wunder, denn am 20. Oktober ist die Premiere des neuen Heimatbühnen-Stücks in der Nibelungenhalle. Dort ist inzwischen auch das Bühnenbild praktisch komplett aufgebaut. Nach dem „Gras-Ellenbach-Thriller“ im vergangenen Jahr unterhält in diesem Jahr ein Genre-Mix die Zuschauer in vorerst sieben geplanten Aufführungen. „Schottische Erbschaft“ hat Clade das lustige Theaterspiel um Geister und Liebe getauft.

„Wir proben inzwischen fast unter Aufführungsbedingungen“, freut sich der Regisseur. Die Verlegung der Premiere von Anfang auf Mitte Oktober „gibt uns die Möglichkeit, länger auf der Bühne das Stück einzustudieren“. Der Aktions-Hintergrund wird derweil von Andreas Willutzki, Jürgen Arnold und Michael Bölcskei geschaffen. „Ich schlage vor, welches Bühnenbild ich gerne hätte und die drei setzen es um“, schmunzelt der Regisseur.

In der Darsteller-Riege ist mit Emily Schuster ein neues, junges Gesicht. Die 17-Jährige kam über die Bekanntschaft mit einer Mitspielerin der Jugendgruppe zum Team dazu. „Es ist gut, dass jüngere Leute mitwirken. Damit sind wir für die Zukunft mit Schauspielern ausgerüstet“, bringt es Clade auf den Punkt. Paula Jäger, die sich um die Technik kümmert, ist ebenfalls das erste Mal dabei „und macht ihre Sache sehr gut“.

Elke und Andreas Willutzki sind Urgesteine der Heimatbühne. Wie Clade auch, der das zweite Mal Regie führt. Eigentlich wollte er wie im vergangenen Jahr auch nur Regie führen, aber jetzt ist sein Einsatz nach dem Ausfall eines Mitspielers doch wieder gefordert. Ann-Marie Teichert ist vor einiger Zeit vom Jugend- ins „Erwachsenenensemble“ aufgerückt und inzwischen schon fester Bestandteil der Truppe. Mit dabei ist auch wieder Michael Bölcskei. Heimatbühnen-Gründungsmitglied Helga Dörsam wirkt als Souffleuse mit.

„Wir haben uns alle zusammengesetzt, um das neue Stück auszusuchen“, beschreibt Clade den Werdegang. Es sollte keine reine Komödie, kein Klamauk sein, betont er. Eher eine Mischung von allem: Theaterstück, Liebesgeschichte mit einer Prise Spannung, aber auch der Humor kommt nicht zu kurz. Die Erbschaftsgeschichte „wird mit Anklang an die Realität dargestellt“, so wie es jeder schon einmal erlebt haben konnte. „Zum Schluss geht’s dann um das Wichtigste im Leben, die Liebe“, verrät der Regisseur.

Die Figuren sind etwas überspitzt gezeichnet und bieten die Chance zur Selbstinszenierung. Die Schauspieler tragen das Geschehen, beschreibt Clade die Handlung. „Sie sind gefordert, können sich entfalten und zeigen, was sie drauf haben.“ Sowohl diese Komponente als auch die Internationalität kam bei den jugendlichen Akteuren im Ensemble gut an. „ES ist ein kurzweiliges, schönes Stück, das sehr gut unterhält“, hebt er hervor.

Die Lese- und Lernproben starteten bereits im Frühjahr, erläutert der Theatermann. Im Juli ging’s dann langsam in die Vollen. Erst zwei Mal, dann drei Mal pro Woche wurde geprobt. In den letzten beiden Wochen steigert sich die Frequenz dann auf vier Einsätze in der Woche. „Die Akteure sind schon voll drin“, nimmt Clade aus den Treffen mit. „Ihnen gefällt, was sie spielen.“ Eigene Vorschläge werden umgesetzt, wenn sie ins Stück reinpassen.

Da das Ensemble nicht sehr groß ist und sich alle kennen, „ist das eine bewährte Geschichte“, sagt der Regisseur. „Ich kenne die Stärken und Schwächen des Einzelnen“, lacht er. So konnte er auch Elemente aus dem Vorjahr übernehmen. Das Vorgehen ist ganz einfach: Die Schauspieler raufen sich zusammen „und der Regisseur hat immer das letzte Wort“, grinst er. Eine ganz große Bank sind für ihn alle, die im Hintergrund mitwirken, ob es nun um Ausschank, Kasse oder Vorverkauf geht. „Ohne diese Ehrenamtlichen wären die Aufführungen gar nicht möglich“, dankt er den Helfern, oftmals schon viele Jahre mit im Boot.

Das Stück „wird lustig und interessant“, verspricht der Ensemblechef. Im vergangenen Jahr waren die Zuschauer „dankbar, dass es mal keine Bauernkomödie gab“. Dieses Jahr gibt’s mit einem lustigen, nachdenklichen Krimi eine Art Zwischenstück, bevor 2019 laut Clade wieder ein reiner Krimi auf dem Spielplan stehen soll. Er hofft, dass die Besucherzahl in diesem Jahr ähnlich der von 2017 sein wird. „Die war ganz ordentlich und wir waren zufrieden“, sagt er.

Zum Inhalt: Schlossherr Geoffrey Dawson will seine Freiheit und die materiellen Fesseln ablegen. Er hat alles eingeleitet, um diesen Plan in die Tat umzusetzen. Die raffgierige Verwandtschaft will er von seinem Ableben überzeugen – und anlässlich der Testamentseröffnung auch davon, dass sie leer ausgeht. Sybill, die Liebste, und McMumby, sein bester Freund, sollen nicht leer ausgehen. Aber die erbschleichenden Tanten wollen nicht widerstandslos klein beigeben. Trotzdem erben die Erbenden nicht wie gedacht.

Info: „Schottische Erbschaft“, ein lustiges Theaterspiel um Geister und Liebe in drei Akten von Ludwig Bender, Textbearbeitung und Regie Lothar Clade. Premiere Samstag, 20. Oktober, 20 Uhr, Nibelungenhalle Gras-Ellenbach. Weitere Termine: Samstag, 27. Oktober, 18 Uhr, Samstag, 3. November, Samstag, 10. November, Samstag, 17. November, Samstag, 24. November, Mittwoch, 26. Dezember, jeweils 20 Uhr Nibelungenhalle Gras-Ellenbach. Karten-Vorverkauf und telefonische Bestellung über Kurverwaltung Gras-Ellenbach, Montag bis Samstag von 10 bis 12 Uhr, Montag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 Uhr, Telefon 06207/2554, oder unter http://www.heimatbuehne.net sowie an der Abendkasse.

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Heißer Sommer sorgt für die beste Saison überhaupt im Hammelbacher Freibad

Es war die beste Saison überhaupt, aber jetzt ist Sabrina Blessing doch froh, dass die beiden Schwimmbäder in Wald-Michelbach und Hammelbach geschlossen haben. Sie führt jeweils die Kioske und kümmert sich mit ihrem Team um den Badebetrieb. Der heiße Sommer löste einen wahren Run aufs kühle Nass aus. Als letztes der beiden Freibäder schloss am Wochenende nun das Hammelbacher offiziell, wozu es kleines Fest unter den Namen „Swim-Closing-Party“ gab.

Über den Nachmittag hinweg war das den Kindern gewidmet. „Das war richtig schön“, freute sich Blessing. Um die 60 Kids dürften es gewesen sein, die sich kostenlos schminken ließen. Auch eine Hüpfburg wurde gut genutzt. Vier-gewinnt-Spiel, Heliumluftballons, aufblasbares Fußballtor und Rodeoreiten lauteten die weiteren Angebote.

Bei der abendlichen Feuershow waren alle Tische belegt, so gut war der Zuspruch. Blessings Mann Jörg hatte extra für diese Veranstaltung mit Bekannten in zehn Stunden Arbeit noch eine Bühne im 18 Grad kalten Wasser aufgebaut. Die Geräteteile dazu wurden von der Zimmerei Marc Balmer sowie Gebhardt- und Bauer-Bedachungen gesponsert. Sabrina Blessing stellte zusätzlich Fackeln auf, sodass sich der Lichterschein idyllisch im Wasser spiegelte.

Uwe B. Mieletz aus Ludwigshafen war für die Feuershow zuständig und bekam viel Applaus. Die Show kam so gut an, „dass wir sie nächstes Jahr in großem Stil wiederholen wollen“, kündigte Blessing an. Etwa die Hälfte der Besucher verweilte dann noch um einiges länger. Bis 2.30 Uhr ging die Sperrzeitverlängerung, „bis 4 Uhr haben in kleinem Kreis ruhig weitergefeiert“, schmunzelte die Pächterin.

„Die beste Saison ever“, lachte Blessing rückblickend auf 2018. „Das wurde auch mal Zeit.“ Gleichzeitig war der Sommer aber auch „super anstrengend“. Seit fünf Jahren führt sie den Kiosk in Hammelbach, seit drei Jahren auch das Freibad in Wald-Michelbach. Drei Kinder plus „eines gerade im Bauch“ taten ihr Übriges. Nach den eher schlechten Jahren 2016 und 2017, als das Wetter nicht so mitspielte, „hoffe ich aber natürlich, dass 2019 wieder so gut wird“, meinte sie. Am 15. Mai kommenden Jahres geht es weiter.

Die Gäste auch von weiter her schätzten das Quellwasser-Bad ohne Chlor. Dafür kommen sie gerne von Fürth oder sogar von Mannheim, um beim familiären Betrieb ein paar angenehme Stunden zu verbringen. „Wir sind mit Herzblut dabei“, betonte die Kiosk-Chefin. Das wird von den Besuchern honoriert und „kommt von denen auch zurück“. Die schätzen ebenso den „Retro-Charme“ des Freibads. Als Familienbetrieb wird nicht so genau auf die Uhr geschaut. „Wir haben bei Bedarf halt auch abends mal länger auf“, sagte die Chefin.

Wenn rundherum die Wassertemperaturen bei Hitze denen einer lauwarmen Brühe ähneln, ist es in Hammelbach immer noch angenehm kühl. Was in den Vorjahren ein Manko war, als sich der Sommer nicht so hitzig wie in diesem Jahr präsentierte, sollte 2018 der große Vorteil sein. Aber selbst das Quellwasser wurde immer wärmer, „dass wir Mitte August tatsächlich 26 Grad hatten“, so Blessing.

Zwei Mal feierten die Kerwegäste in Gras-Ellenbach eine große Sause

Zwei Mal, eigentlich sogar drei Mal wurde bei der Kerwe heftig bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Am Freitagabend luden die Organisatoren zur großen Sause mit der Band „Xtreme“ ein, am Samstag begeisterte die Malle-Party die Feierwütigen. Inoffiziell war die Kerwe bereits am Donnerstagabend gestartet, als nach dem Ausschellen im Fußballerheim am Sportplatz bis in den frühen Morgen gefeiert wurde. Leider verlor der TSV sein Heimkerwespiel unglücklich 2:3 gegen Reichenbach II. Aber das war kein Grund, Trübsal zu blasen.

Krachend voll knapp 500 Besuchern zeigte sich die Nibelungenhalle am Freitagabend. Kein Wunder, ist die Band „Xtreme“ doch eine Marke für sich und tourt regelmäßig durch die Region. Hier gab es keine Berührungsängste. Vom deutschen Schlager bis hin zu Mark Forster oder AC/DC: Stilgrenzen sind was von gestern. „Die Stimmung war einfach super“, war Attila Fodor vom Orga-Team hellauf begeistert. „Wir sind wieder sehr gut gestartet.“

Ganz egal welches Genre: Xtreme ließ sich nicht in eine musikalische Schublade stecken. Vielseitigkeit lautete das Stichwort – und das zelebrierten die Musiker in Perfektion. Jeder Song war technisch perfekt einstudiert und bekam gleichzeitig einen individuellen Touch. Mit im Tourgepäck hatte die Band eine professionelle Bühnen-Performance, garniert mit einigen Pyro-Effekten.

Mit zwei Sängern war die Partyband für alle Songs gerüstet. Lukas Baum für den männlichen Part und Jenny Daniele für die weiblichen Stimmen sorgten dafür, dass zusammen mit rasanten Outfitwechseln die gesamte Bandbreite der Party-Hits abgedeckt werden konnte – egal ob das jetzt aktuelle Dance-Charts waren, Rock- und Pop-Stücke, Neue Deutsche Welle oder deutsche Schlager. Am Bass sorgte Björn Buhl für den richtigen Groove, den Takt gab Heiko Herzog am Schlagzeug an. Bastian Ludäscher an der Gitarre hatte immer die richtigen Riffs aufs Lager.

YMCA, Wannsee, Skandal im Sperrbezirk oder I will survive hatten deshalb ebenso ihre Berechtigung wie ein Pur-, Ed Sheeran-, Malle-, Wolfgang-Petry-, Nena- oder Bayern-Medley, Songs von den Toten Hosen, Ärzten („Westerland“) oder den Sportfreunden Stiller („Ein Kompliment“). Zusammen mit Stücken von Queen („I want it all“), Robbie Williams („Angels“) oder AC/DC („Highway to hell“) der beste Mix, um inklusive frenetisch erklatschter Zugabe die Gäste bis weit nach zwei Uhr bei Laune zu halten.

Am Freitagnachmittag waren einer alten Tradition folgend zehn junge Blumenmädchen zwischen zwölf und 25 Jahren mit einem Bollerwagen durch den Ort gezogen, um Blühendes für die Ausschmückung der Halle zu sammeln. Die Anwohner kennen den Brauch schon und hielten einiges an Blumen bereit. Alte Lieder, aber auch solche zum „Mitgrölen“ und der Gras-Ellenbacher Kerwesong durften dabei nicht fehlen. „Dieses Mal sind besonders viele junge dabei“, freute sich Fodor. Das zeigt, dass die Traditionen im Ort noch gelebt werden.

Die Kerweburschen waren ebenfalls schwer aktiv. Sie gruben am Freitag die Kerwe in Gestalt von zwei Flaschen Wein aus. Die Jugendlichen zwischen 18 und 35 Jahren sind der alten Tradition folgend schon seit Anbeginn der Kerwe dahingehend aktiv. In Mitleidenschaft wird immer das Grundstück desjenigen gezogen, der sich im Vorjahr besonders viel zuschulden kommen ließ und entsprechend Erwähnung in der Kerweredd findet.

Die beiden Ausschellerinnen Madeleine Schäfer und Nadine Sauter – erstmals hatten Mädchen diesen Part übernommen – waren bereits am Donnerstag durch die Ortsstraßen gezogen und hatten die Einwohner lautstark mit dem nahenden größten Fest des Jahres vertraut gemacht. In traditionellem Gardeanzug gekleidet, hatten sie die Kerweregularien im Gepäck und taten diese lauthals kund. Anschließend wurde dann beim TSV bis in die Puppen weitergefeiert. Die Fußballer hatten natürlich einiges zu tun, um ihren Frust über die unnötige Niederlage zu ertränken.

Ebenfalls sehr gut besucht war die Nibelungenhalle am Samstagabend, als DJ Cometos Andreas Siebler von der Disco Kinki in Sinsheim zur Malle-Party einlud. Und das nicht nur ein paar Stunden lang, sondern bis Sonntagmorgen. Es herrschte bei den mehr als zahlreichen Gästen eine Top-Stimmung und feierten alle eine heiße Fete unter Sonnenschirmen.

Die Halle war entsprechend dekoriert mit Riesen-Cocktailautomat, Luftmatratzen an der Decke oder überdimensionierten Stehtischen. Der DJ hatte alles im Gepäck, was die wilde Partymeute verlangte und feuerte die Tanzwütigen immer wieder an – was diese auch gerne annahmen. Ab 22.30 Uhr wurde die Halle proppenvoll und blieb es bis in den frühen Morgen. Passend zum Motto waren auch die Besucher in Mallorcafeeling. Aber auch draußen herrschte bei gutem Wetter viel Betrieb. Anziehungspunkt war der Rummelplatz mit dem Riesenraketen-Simulator für 15 Personen.

Beim Hoffest der Odenwälder Feinen Brände fand auch die Eröffnung des 2. Odenwälder Apfelherbstes statt

Gleich vier Feste gab es bei den Odenwälder Feinen Bränden zu feiern. Zum ersten Mal fand auf dem Waldhubenhof der Familie Gehrig die Eröffnung des Odenwälder Apfelherbstes statt. Dazu hatten sich etliche Hoheiten aus dem Odenwald eingefunden, um zusammen mit den Landräten des Kreises Bergstraße, Christian Engelhardt, und Darmstadt-Dieburg, Pit Schellhaas, dem leckeren Obst zu huldigen. Dazu gab es eine Ausstellung der Streuobstwiesenretter aus Bensheim und vor Ort von Albin Strecker aus Zotzenbach frisch gekelterten Apfelsaft.

Zum siebten Mal luden Johannes Gehrig und seine Frau Monica außerdem anlässlich des Tags des offenen Denkmals auf ihren restaurierten, denkmalgeschützten Dreiseithof ein, einen der wenigen im Umkreis. Dort fand auch zum fünften Mal das Hoffest mit Musik und allerlei kulinarischen Genüssen statt, bei dem natürlich die Brände aus der eigenen Brennerei nicht fehlen durften. Ganz neu: Im wiederhergestellten uralten Backofen wurde Bauernbrot und Blechkuchen gebacken, die reißenden Absatz fanden.

Christoph Ohnsorg, Bäckermeister aus Erbach, kümmerte sich darum, dass es immer Nachschub gab. „Die Brennerei wurde heute in eine Bäckerei umfunktioniert“, lachte Johannes Gehrig. Mit Kaffeespezialitäten und dem Schokoladenbrunnen waren Wolfgang Zumkeller und Andreas Lehmann aus Mannheim dabei. Leah Olimpia sorgte für kenianisches Essen mit Zutaten aus dem Odenwald. Xenia Krautschneider, Elfenbeinschnitzerin aus Fränkisch-Krumbach, wählte als Material Kuhknochen für ihre Arbeit. Freilandstauden gab es bei Martina Ittmann aus Höllerbach zu erwerben.

Neben den beiden Landräten schauten auch Grasellenbachs Bürgermeister Markus Röth und sein Kollege aus Wald-Michelbach, Sascha Weber, vorbei. Sie erfreuten sich königlicher Gesellschaft. Kartoffel-, Rapsblüten- oder Bensheimer Blütenkönigin waren ebenso vor Ort wie das Dreigestirn von der Weininsel Groß-Umstadt und Sina I., die ehemalige Wald-Michelbacher Apfelhoheit. Die neue Formation „Yoi“ um Schauspieler und Musiker Helmut Kadel trug eigene Lieder und Gospelinterpretationen vor.

Engelhardt und Röth lobten das „schöne Fest“ und dankten dem Ehepaar, dass es auf diese Weise den Über- und Odenwald über dessen Grenzen hinaus bekannt macht. Monica Gehrig-Himmel freute sich in ihrer Begrüßung, dass wieder so viele Gäste den Weg in den kleinen Grasellenbacher Ortsteil gefunden hatten. Pfarrer Stefan Ningel von der evangelischen Kirche und Wort-Gottes-Feier-Leiter Aloys Dörr von der katholischen Kirchengemeinde hielten die ökumenische Andacht, ehe Karmeliter-Pater Sudesh das Backhaus weihte.

Das hatte hinter dem dazwischen gebauten Bad hinter dem Wohnhaus über lange Zeit hinweg ein Dornröschendasein gefristet. Im vergangenen Jahr wurde das Bad abgerissen, erläuterte Gehrig, und der Ofen wieder restauriert. „Wir wollen dort in Zukunft backen lassen“, kündigte er an. Nebenan, im „Saustall“, fand sich die süffige Ergänzung zum Frischgebackenen.

Zwischendrin erläuterten Florian Schumacher und Martin Schaarschmidt von den Streuobstwiesenrettern vieles über ihre Arbeit und die zahlreichen Apfelsorten. Sie gehören auch dem Förderverein Odenwälder Apfel an, der sich für den Erhalt des regionalen Streuobstes einsetzt. Zu den 100 Akteuren zählen unter anderem Kelterer, Brenner, Imker, Direktvermarkter, Gastronomen und Handwerker. Der Erhalt der Odenwälder Kulturlandschaft hat für sie oberste Priorität.

„Mähen, freihacken, Bäume schneiden: Es ist das ganze Jahr über etwas zu tun“, schmunzelte Vorstandsmitglied Schumacher. Die Bäume hängen aufgrund der Witterung „dieses Jahr total voll“, sagte er. Allerdings sind die Äpfel kleiner als sonst, sodass der Ertrag ähnlich sein dürfte wie in den Vorjahren. Ein Apfelbaum wird im Schnitt um die 100 Jahre alt, sagte er. Bei guter Pflege wird er auch so lange Obst tragen. Um die 20 Sorten hatten die beiden mit nach Litzelbach gebracht. Die Streuobstwiesenretter sind zwar bei Bensheim angesiedelt, wo sie auch ein paar Flächen betreuen, aber in einem Umkreis von 60 bis 70 Kilometern im Odenwald aktiv, erläuterte Schaarschmidt.

Info: Der 2. Odenwälder Apfelherbst bietet viele Veranstaltungen rund um das Obst. Mehr unter http://www.odenwaelder-apfel.de

Kerweband machte in Wahlen Stimmung ohne Ende

Professionelle Hilfe war gefragt: Mit dem neuen Zapfhahn hatte Bürgermeister Markus Röth so seine Probleme beim Fassbieranstich zur Wählemer Kerwe. Doch Andreas Heckmann von der Schmucker-Brauerei griff fachmännisch ein und brachte den kostenlosen Gerstensaft zum kontrollierten Laufen. Natürlich eine große Gaudi für die Besucher am Eröffnungsabend. Kerwepfarrer Fabien Morr samt Mundschenkin Lara Helm sowie dem letztjährigen Kerwepaar Wilfried Greinert und Tamara Handwerker schaute interessiert den Bemühungen des Gemeindeoberhaupts zu.

Die Tanzfläche wurde dieses Mal auf Zeltbodenniveau gelegt, damit die Kerweband oben noch mehr Platz hatte und sich austoben konnte. So war vom Zelt aus auch die Sicht nach vorn besser. Die Musiker aus dem Ort hatten sich 2010 „just for fun“ zusammengefunden. Die eingefleischten Wählemer lieben es, Musik zu machen und haben schon alle in verschiedenen Bands über viele Jahre hinweg ihr Hobby gepflegt. Jetzt spielen viele nur noch einmal im Jahr, nämlich zur Kerwe.

So entstehen auch die verschiedenen Sets: Jeder bringt seine Erfahrungen mit ein und in jedem Jahr wird auch nach aktuellen Hits geschaut, die vertont werden können. Fünf bis sechs Mal wird vor der Kerwe geprobt und dann sitzt alles. Das wissen die Besucher zu schätzen. Kaum sind die ersten Töne erklungen, füllt sich schon die Tanzfläche bis auf den letzten Platz.

Jens Sattler (Gitarre und Gesang), André Knapp (Keyboards und Gesang), Sascha Fischer und Annette Hinz (Gesang), Ralf Eisenhauer (Bass und Gesang), Ingo Stechmann (Schlagzeug), Karsten Hinz (Keyboards und Gesang), Reiner Altendorf (Trompete) und Albrecht Bärenz (Posaune) erhielten dieses Jahr Unterstützung aus dem befreundeten „Ausland“. Mit Matthias Linzmaier bediente ein Gras-Ellenbacher das Saxophon. Sein „I love Woahle“-T-Shirt hatte er aber nur an diesem Tag an, beteuerte der Musiker.

Die Band hatte dieses Mal nicht nur ihr normales Repertoire aus Volksliedern über Rockklassiker bis hin zu aktuellen Hits im Gepäck, sondern ebenso unter dem Motto „Let’s dance tonight“ ein „Disco-Special“. „Gloria“, I will survive“, „Kung Fu Fighting“ oder „YMCA“ begeisterten die Gäste in Massen. Die Musiker verbreiteten eine klasse Stimmung, die von Anfang an die Besucher zum Tanzen auf die Bühne holte.

Viele Schlager sorgten für viel Begeisterung. Da gab’s „Anita“ zu hören, „Er gehört zu mir“, oder eine neue Liebe“. „Einen Stern, der deinen Namen trägt“, brachte die Gruppe ebenfalls zum Leuchten. Begonnen hatte die Kerweband mit Traditionellem: „Aus Böhmen kommt die Musik“ hieß es vor der „Himmelspolka“ und „Tief im Odenwald“.

Gespielt wurden außerdem unter anderem von Bryan Adams das unvermeidliche „Summer of 69“, Tina Turners „Proud Mary“ und von BAP „Verdamp lang her“. „Ein Hoch auf uns“ von Andreas Bourani und „Rock mi“ waren weitere Partysongs, die natürlich im Repertoire nicht fehlen durften. „Purple rain“ von Prince war zum Abschluss ein Kracher, nach dem eigentlich keiner die Band – schon fast am frühen Morgen – ziehen lassen wollte.

Am Nachmittag war die etwa 30-köpfige Kerwejugend im Ort unterwegs, um das große Fest „auszuschellen“ und die Ortsbevölkerung darauf hinzuweisen. „Eine halbe Stunde früher als bisher, damit sie rechtzeitig zur Eröffnung im Zelt sind“, lachte die zweite Vorsitzende des veranstaltenden „Bohnestegge“-Vereins, Julia Mühlfeld. An vielen, oft schon bekannten Stationen im Dorf wie den Familien Morr und Buchhaus wurden die Schellenden mit Festem und Flüssigem verpflegt. Bollerwagen, Musik und Sirene machten auch dem Letzten klar, dass jetzt die große Sause beginnt. „Alle sind gut verköstigt angekommen“, schmunzelte sie. „Es gab keine Ausfälle.“

„Das sechste Oktoberfest war wieder ein Wahnsinnserfolg für uns“: Julia Mühlfeld war die Begeisterung über das brechend volle Festzelt am Samstagabend anzumerken. „Eine klasse Stimmung.“ Die „Almrocker“ unterhielten über vier Stunden lang bis 2 Uhr nachts die Gäste super. Über 300 Karten gingen bereits Mitte Juli im Vorverkauf innerhalb von wenigen Stunden weg wie die warmen Brezn. Am Ende waren es dann über 700 Oktoberfest-Gäste – „eine super Resonanz“. Für den Verein ist klar:  „Wir waren super zufrieden und werden des Oktoberfest nächstes Jahr wieder veranstalten.“

Die Gäste, oft zum wiederholten Male da, sparten ebenfalls nicht mit Lob. Die Resonanz war sogar noch besser als im vergangen Jahr, freute sich Mühlfeld. Dazu trugen natürlich auch die vielen bekannten Schlager bei, die die „Almrocker“ präsentierten: „Hulapalu“ von Andreas Gabalier, „Schützenjägerzeit“, „Sierra Madre“ oder „Ab in den Süden“. Highlight: ein Gastauftritt des Wählemers Sascha Fischer bei „Westerland“ und „Narcotic“. Das Festzelt kochte. Mit Weißwurst, Haxen, Brezn und Maßbier hatte der Kerweverein neben der stimmigen blau-weißen Atmosphäre natürlich die entsprechende Oktoberfest-Verpflegung in petto.

Baby-Boom-Bu Franz Kain babbelt ohne Punkt und Komma

Er ist der „Baby-Boom-Bu“. Und weil er einer von so vielen ist, hat auch ganz, ganz viel zu erzählen. Was der Weinheimer Kabarettist Franz Kain in der Nibelungenhalle vor einem begeistert mitgehenden Publikum mit einer Ausdauer und Intensität tut, dass die Zuschauer vor allem im ersten Set kaum zum Luftholen und kaum aus dem Lachen heraus kommen. Es ist auch zu schön, sich alles realitätsnah vorzustellen, was der Meister der dialekt-ischen Wortspiele so alles raushaut und wen er dabei genüsslich durch den Kakao zieht.

Ein Blick ins Publikum verrät, dass vor allem gleichgesinnte Gleich- und Höheraltrige der Einladung des veranstaltenden Kneipp-, Kur- und Verkehrsvereins gefolgt sind. Die Generation 50 plus XXL kann mit Kains Verklärung dessen, was alles Mal war und nicht mehr sein wird, besonders viel anfangen. Sein launiges Programm ist eine Hommage an die Jugendjahre in den 70ern und 80ern, mit vielen Zitaten, was es damals gab, heute nicht mehr gibt – oder zum Glück noch nicht gab.

Alle politisch Korrekten der heutigen Zeit bekommen mit Nachdruck ihr Fett weg. Der 53-Jährige sagt eben noch mit Nachdruck Mohrenköpfe oder Zigeunerschnitzel, ohne dass ihn sein schlechtes Gewissen plagt. Der frühere Sarottimohr als heutiger Magier der Sinne – nichts für ihn. Den findet er unmöglich und spricht dabei seinen Besuchern aus der Seele.

Dialekt und Hochdeutsch: Kein Wunder, dass die Integration nicht klappt, vermutet der Kabarettist. Wer Junge lernt und „Bu“ hört, wer einen Guten Tag wünscht und ein „Un‘ wie“ entgegengeschleudert bekommt, wer sich mit Auf Wiedersehen verabschiedet und ein „Alla“ empfängt, muss wohl an sich zweifeln.

Verklärt werden wortreich die Kinderjahre, als die vielen Babyboomer nachmittags vom Spielen aus dem Wald nach Hause kamen – „wie der Almabtrieb“. Doch die Masse hat ihren Schattenseiten: Die Rente ist sicher? Kain muss übers Norbert Blüms Äußerung aus den 80ern nur laut lachen. Er wird wohl als Selbständiger arbeiten, bis er ins Gras beißt. Apropos: Auch das Sterben hat seine lustigen Seiten, macht er deutlich, auch wenn manchmal das Lachen im Halse stecken bleiben will.

Des Deutschen liebstes Kind, das Auto, verzeichnet mit drei Millionen im Jahr deutlich mehr Neuzulassungen als es Geburten gibt, ist die Baby-Boom-Zeit vorbei. Der in Monnem geborene Woinemer schwelgt in Erinnerungen ans Zehner-Wassereis, den Commodore 64, den Videospieler oder das Telefon mit Wählscheibe. Kain überholt sich dabei ständig fast selbst, ist immer in Bewegung, gestikuliert, springt von einem Thema zum nächsten, haut die Pointen raus, dass die manchmal ein paar Sekunden brauchen, um sacken zu können.

Deutlich entschleunigt kommt der Kabarettist aus der Pause. Wehmütig-verklärt seine Schilderungen des musikalischen Jugendzeit mit „Franz und Heiner – die Enterteiner“, eher sorgenvoll der Blick nach vorn aufs lebenslange Arbeiten. Kain schaltet einen Gang zurück, die Gags kommen nicht mehr im Sekundentakt, es wird ruhiger in der Nibelungenhalle. Aber nur so lange, bis er wieder einen Kracher bringt und die Lacher über den Tischen schweben.

Odenwälder Apfelherbst wird beim Hoffest der Brennerei in Litzelbach eröffnet

Viele Hoheiten aus der Region geben sich die Ehre, wenn am Sonntag, 9. September, der zweite Odenwälder Apfelherbst bei den „Odenwälder Feinen Bränden“ eröffnet wird. Zugleich findet das fünfte Hoffest der Brennerei im Grasellenbacher Ortsteil statt, gepaart mit der siebten Teilnahme am Tag des offenen Denkmals. Gleichzeitig soll der 400 Jahre alte Backofen wieder in Betrieb genommen werden. Um 11 Uhr geht es in der Scharbacher Straße 7 los, bis 19 Uhr wird gefeiert.

Beim fünften Hoffest bieten Monica und Johannes Gehrig ihren Gästen wesentlich mehr als sonst. Anlässlich des 25. Tags des offenen Denkmals und der eigenen siebten Teilnahme wird (wenn bis dahin keine Komplikationen auftreten) der 400 Jahre alte Backofen wieder in Betrieb genommen. Natürlich werden dem interessierten Besucher nicht nur Fragen zur Historie der denkmalgeschützten Hofreite aus dem 17. Jahrhundert beantwortet, sondern auch rund um die Brennerei.

Der Förderverein „Odenwälder Apfel“ startet auf dem Gelände der Brennerei die zweite Auflage des Odenwälder Apfelherbstes. Es ist der Auftakt zu vielen Veranstaltungen im Odenwald rund um das Obst. Unter anderem gibt es am 23. September von 10 bis 18 Uhr das dritte Apfelfest bei Koziol in Erbach, gefolgt vom 29. Odenwälder Bauernmarkt in derselben Stadt.

Die Streuobstwiesenretter haben für den 9. September eine außergewöhnliche pomologische Ausstellung in Litzelbach vorbereitet. Vereinsmitglied Albin Strecker aus Zotzenbach wird vor Ort Äpfel keltern. Der frische Saft kann dann sofort probiert werden. Aber natürlich gibt es noch viel mehr Balsam für Leib und Seele.

Damit das Ganze einen entsprechenden Rahmen bekommt, wird um 11.30 Uhr eine ökumenische Andacht mit Pfarrer Stefan Ningel von der evangelischen Kirche und Wort-Gottes-Feier-Leiter Aloys Dörr von der katholischen Kirchengemeinde gefeiert. Dazu gibt es musikalische Umrahmung. Um 13 Uhr beginnt der offizielle Teil des Festes. Zur Eröffnung des Apfelherbstes kommen viele Hoheiten aus Odenwald und Bergstraße vorbei. Auch sind Honoratioren aus Politik und Gesellschaft anwesend.

Natürlich müssen die Gäste nicht hungern. Es wird besondere lukullische Überraschungen geben. Nachmittags muss niemand auf die Klassiker Kaffee und Kuchen verzichten. Um das Ganze abzurunden, gibt es eine „süße Sünde“: Zwei Chocolatiers aus Mannheim bringen einen Schokoladenbrunnen mit, der während des Nachmittags läuft. Auch für musikalische Umrahmung ist gesorgt: Ab etwa 14 Uhr wird die neue Formation „YOI“ um Schauspieler und Musiker Helmut Kadel eigene Lieder und Gospelinterpretationen vortragen.

Die Jüngeren kommen ebenso auf ihre Kosten. Der Erlebnispädagoge und Förster Peter Hahn geht mit den Kids raus in die Natur und sorgt für Abenteuer pur. Wie in jedem Jahr gibt es einen kleinen Markt mit bekannten und neuen Gesichtern. Allerlei Selbstgestaltetes und Schönes aus Kunsthandwerk und viel mehr wird geboten. Zu guter Letzt können alle Kreationen der Brennerei (es gibt wieder viele leckere Neuigkeiten) gerne probiert werden. Am Ortseingang befindet sich ein ausgeschilderter Parkplatz. Die Buslinie 667 hält ganz in der Nähe.

Infos unter der Rufnummer 06253/938158 oder http://www.odw-feine-braende.de