Mountainbiker Harald Philipp als „Pfad-Finder“

„Pfad-Finder“ heißt der Multimedia-Live-Vortrag von Harald Philipp, den er am Freitag, 22. November, um 20 Uhr in der Schulturnhalle Unter-Abtsteinach auf Einladung der SGU hält. Steile Bergpfade sind seine Radwege, die Alpen sein Spielplatz. Seine Erfolge stehen in Gipfelbüchern, nicht auf Ergebnislisten. Als Bike-Profi fährt Philipp nicht gegen andere Biker – er fährt mit ihnen. „Mit dem Mountainbike die Welt und sich selbst neu entdecken“ heißt das Motto.

Der Abenteurer sieht selbst da noch fahrbare Wege, wo die Grenzen zwischen Wandern und Klettern fließend sind. Jahrelang hat Harald Philipp als Mountainbiker die Grenzen des Machbaren verschoben. In seinem neuesten Multimedia-Live-Vortrag führt der Bike-Profi sein Publikum in die entlegensten Landschaften der Alpen und Asiens. Und er zeigt auf inspirierende Weise, wie große und kleine Abenteuer helfen, neue Pfade im Leben einzuschlagen und sich selbst zu finden. Unbekannte und bislang unbefahrene Pfade zu entdecken, ist seine Leidenschaft.

Philipp lässt die Zuschauer an seinen Visionen hautnah teilhaben. Mit Helmkameras lässt er sie in die Abgründe blicken, die oft nur eine Hand breit neben Felssteigen im Karwendel in gähnende Tiefe führen. Luftaufnahmen mit Drohnen lassen die Betrachter schwerlos über die Höhen des Himalaya schweben. In Zeitlupen erlebt das Publikum packende Momente noch intensiver mit. Nur der Fahrtwind fehlt. Harald Philipps Weg führt von den Hausgipfeln nahe Innsbruck zu vereisten Vulkanen in Sibirien, über Höhen und Tiefen im Himalaya, auf noch nie mit dem Mountainbike befahrene Berge in Nordkorea – und wieder zurück nach Tirol.

Dabei geht es ihm nicht darum, sich als Held des „Schneller, Höher, Weiter“ zu inszenieren. Mit einem Schuss sympathischer Selbstironie berichtet er auch von Fehlschlägen und Sackgassen. So nimmt er Mountainbiker, Bergsportler, Reise- und Naturfans mit auf einen abenteuerlichen und authentischen Trip durch sein Leben, das sich im Grunde gar nicht so sehr von dem seiner Zuschauer unterscheidet.

Wichtig sind Philipp auch seine Weggefährten. Aus einer Ski-Expedition mit seiner Mutter Uta auf der sibirischen Halbinsel Kamtschatka wird der Respekt vor den Gefahren auf einem der aktivsten Vulkane der Welt greifbar. Trial-Weltmeister Tom Öhler begleitet ihn auf den fahrtechnisch anspruchsvollsten Trails der Alpen. Und in Himalaya-Tälern ohne eine einzige Straße zeigen Harald und sein Freund Martin Falkner, dass man mit dem Mountainbike als Kommunikationsmittel auch am Ende der Welt weit kommen kann – ohne fließend Nepali zu sprechen.

Pfad-Finder, das auch als Buch erschien, ist eine Geschichte über die Neugier auf das Unbekannte. Über die Freiheit, seinen Lebensweg selbst zu gestalten – und im Unterwegssein zu finden. „Gerade in unserer bewegten, globalisierten Welt ist es wichtig, ein Zuhause als Ruhepunkt zu haben“, sagt Harald Philipp.

„Doch genauso wichtig ist es, immer wieder aufzubrechen und die ausgetretenen Pfade zu verlassen.“ Es geht ihm darum, Natur und Kulturen zu entdecken, sprichwörtlich zu er-fahren, und nicht zuletzt auch sich selbst. Er erzählt auch davon, wie diese Erfahrungen helfen können, sich selbst immer wieder neu zu entdecken und weiter zu entwickeln.

„Harald Philipp war schon mal 2013 bei uns zu Gast“, erzählt Frank Wetzel von der SGU. Aufgrund des damaligen Erfolgs, den spektakulären Bildern und dem großen Interesse nach einer Wiederholung wurde er von der SGU nochmals engagiert. Schaut man auf seine Terminliste, ist Abtsteinach eingebettet in Veranstaltungsorte  wie Salzburg, Bad Neustadt, Ingolstadt oder Landshut. Dies zeigt, dass der Vortrag überregional auf breites Publikumsinteresse stößt. Wetzel betont, dass er nicht nur für Mountainbike-Fans gedacht ist, sondern auch für Interessierte, die gerne beindruckende Bilder von Gebirgslandschaften sehen.             tom

 

Info: Multimedia-Live-Vortrag „Pfad-Finder“ von Harald Philipp, Freitag, 22. November, um 20 Uhr in der Schulturnhalle Unter-Abtsteinach. Vorverkauf im Diesbachmedien Kartenshop Weinheim und Fürth, Bäckerei Jäger Siedeslbrunn, Hobbythek Stahl Gorxheimertal, Autohaus Rösch Affolterbach, Rathaus Ober-Abtsteinach, SGU-Clubheim Unter-Abtsteinach und online unter http://www.sg-unter-abtsteinach.de/mountainbike-multimediavortag/

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Querfeldein durch musikalische Welten

Matz Scheid ist nicht nur einer der Macher hinter dem „Odenwälder Shanty Chor“ (OSC), sondern vielfältig musikalisch aktiv. Seit mehr als drei Jahrzehnten ist er fester Bestandteil der Kulturszene rund um den Odenwald, die Pfalz und Hessen. In eine Schublade ließ sich der bärtige Bergsträßer Barde nie stecken. Auch bei seinen Solo-Auftritten geht es querfeldein durch die musikalische Welt. Wie jetzt im vollgestopften Obergeschoss des „Gude Drobbe“.

„Es macht viel Spaß, allein aufzutreten“, meint er. Da kann Matz Scheid dann aus dem Vollen schöpfen. Odenwälder und Pfälzer Mundart wechseln sich ab mit Beatles-Klassikern, bayrischen und irischen Folkliedern sowie eigenen Stücken, oft zusammen mit Manfred Maser vom OSC komponiert. Die Gäste im urigen Saal danken es ihm mit einer super Stimmung, viel Gelächter angesichts der den lustigen Texte und großer Begeisterung. „Das war ein Hammer-Abend“, sagt der Musiker beeindruckt im Rückblick.

Drei Stunden lang singt und plaudert Matz Scheid aus seinem großen Geschichten- und Lieder-Fundus. Ein Shanty zum Start ist bestens geeignet, die Stimmung in die Höhe zu treiben. „Hielan‘ Laddie“ animiert zum Mitsingen, was die Zuschauer im aufgeheizten Dachgeschoss sehr gerne tun. „Norwegian Wood“ von den Beatles passt da gut hinterher. Das kennt auch jeder und kann ungehemmt mitsummen.

Der „Star of the County Down“ ist einer der bekanntesten irischen Folksongs. Van Morrison verhalf ihm schon zu viel Popularität außerhalb der Grünen Insel. Diese Version hat Matz Scheid bereits vor vielen Jahren gehört. „Sie ist sehr schön“, meint er verschmitzt. Es gibt nur eine, die ihm noch mehr gefällt, schmunzelt er – und stimmt auf der Gitarre seine eigene an.

Sowieso stand das Lachen hoch im Kurs. Matz Scheid blickt in etliche Gesichter, das aus dem Lachen gar nicht mehr rauskamen. Seinem Eindruck nach „haben viele mein Solo-Programm das erste Mal gehört“, freut er sich. Auch dabei: „Vom Odenwald aufs weite Meer“ vom OSC. Die australischen Klänge hat das zweite OSC-Mastermind Manfred Maser textlich aufgepeppt.

Den pfälzischen „Singer-Songwriter“ Alfred Dexheimer bindet der Kurpfälzer gern in seinem Programm mit ein. Dessen Stück über die Vergesslichkeit mit dem Titel „Alleweil hob ich’s noch gwisst“ ist aus dem Leben gegriffen. Man geht auf den Speicher, um etwas zu holen. Oben angekommen, weiß man nicht mehr was.

In Dexheimers „Hundeknoddel-Song“ wird ebenfalls ganz plastisch geschildert, was die Hinterlassenschaften des Vierbeiners so auslösen können. Und beim Kochen der „Tomatensoße“ kommen skurrile Typen zusammen. „Ich werr moin Dannebaam net los“ zeugt von der Verzweiflung, das nadelnde Ungetüm im neuen Jahr entsorgen zu können.

Matz Scheid sorgt aber auch für einen sorgenlosen Abend. Beim „Jammertal-Blues“ dürfen die Gäste all das bedauern, was sie bedrückt, und mit einem kräftigen Jammern von sich geben. Der „Gude Drobbe“ erzitterte… Der bayrische Barde Fredl Fesl ist neben Dexheimer ein zweiter Mundartsänger, der es dem umtriebigen Scheid angetan hat. „Ein Pferd hat vier Beine“, heißt es zuerst von diesem.

„Ritter Hadubrant“ mit seinen zahlreichen Strophen ist beinahe schon legendär. „Ein Reim ist bescheuerter als der andere“, lächelt er. Alles wird so hingebogen, dass es passt, egal ob der Wortsinn dabei flöten geht oder nicht. „Da muss ich mich total darauf konzentrieren“, meint der Musiker, damit der ganze Unfug nicht auch noch falsch rüberkommt. „Weil I net mog“, heißt es nochmal mit Fesl, während „Adjö Farväl“ einen Abschied auf Schwäbisch beleuchtet.

„The last Shanty“ heißt es A-Cappella zum Mitmachen. Die Besucher lassen sich nicht zweimal bitten. Zwei irische Folksongs im Anschluss, „Dark old sailor“ und „Whisky in the Jar“, sind dann Gassenhauer, bei denen keiner ruhig sitzenbleiben kann. „Die Leute waren klasse drauf“, ist viel Beifall der schönste Lohn eines Künstlers.

Ein Refrain zum Mitsingen: So kündigt Matz Scheid Georg Kreißlers Telefonbuch-Polka an. Was natürlich nicht ernst gemeint war, denn der Song ist ein wahrer Zungenbrecher, wenn alle Namen mit V hintereinander gereiht werden. Ludwigs Hirschs „Hand“ sprüht nur so vor Wiener Morbidität, wenn bei einer Hochzeit alles schiefgeht, was nur möglich ist.

Mit schottischen Tönen untermalt, gab’s zum Schluss Manfred Maser Hymne „Dafür ist das Leben da“ zu hören, ehe Matz Scheid logischerweise nicht ohne zwei Zugaben gehen darf. So begeistert wie die Gäste ist er auch: „Das war eine ganz besondere Atmosphäre“, sagt der Musiker. „Urig gemütlich ohne Technik“, mit super Publikum. Foto: Matz Scheid

Volles Programm beim Pfarrfest

Volles Programm, gutes Essen und dazu auch noch ein paar praktische Hinweise: Das Pfarrfest der katholischen Kirchengemeinde St. Marien Unter-Abtsteinach war eine runde Sache. Das herrliche Wetter ermöglichte es den Organisatoren, auf dem Freigelände ein paar Sitzgarnituren aufzustellen, sodass sich nicht alle im Saal unter der Kirche drängten. Auf dessen Bühne fanden die verschiedenen Darbietungen statt.

Der Gesangverein Harmonie unter der Leitung von Carsten Best spannte einen großen musikalischen Bogen. Von altem Liedgut wie „Am Brunnen vor dem Tore“ ging es bis zu Gospels wie „Ride on King Jesus“. Dazwischen gesellte sich „Only you“ von den Flying Picketts und das bekannte „Halleluja“ von Leonard Cohen. Den Gospelsong begleitete Best nur mit einer Bassdrum. „Sehr außergewöhnlich für einen Chor“, betonte er. Die Sänger sind „mit viel Spaß dabei“, freute sich der Chorleiter.

Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Raimund Hornauer wies in seiner Rede auf die Anfang November anstehenden Wahlen hin. „Wir brauchen acht Kandidaten“, mahnte er. Ein paar der bisherigen PGR-Mitglieder machen weiter, aber man würde sich sehr über neue Gesichter freuen. Auf die wartet, ergänzte Pfarrer Christian Stamm, eine spannende Zeit mit vielen Veränderungen und Entwicklungen. „Sie können etwas mitgestalten“, forderte er.

Nach dem morgendlichen Gottesdienst und war die Katholische Kirchenmusik (KKM) unter der Leitung von Alexander Kropp am Zug. 23 Musiker drängten sich auf der Bühne. Mehr passten nicht drauf. Gespielt wurde typische volkstümliche Blasmusik wie „Pfeffer und Salz“, ein schmissiger schneller Marsch, oder der „Böhmische Traum“, eine Polka, die auch als Nationalhymne der Blasmusiker bezeichnet wird. Dazu kamen „Auf der Vogelwiese“, eine Polka von Ernst Mosch, der Marsch „Mein Heimatland“ und die Polka „Böhmische Liebe“ von Mathias Rauch. Die eroberte in kurzer Zeit die Herzen der Blasmusikwelt.

Zum Start des Nachmittagsprogramms trat die Kleinen des katholischen Kindergarten St. Josef Abtsteinach mit dem „Körperteile-Blues“ auf. 20 Kinder mit ihren Erzieherinnen brachten die Augen der Besucher zum Leuchten. Später war dann noch der Kirchenchor unter der Leitung von Ernst Kratzert mit einigen Stücken dran.

Die Messdiener buken Waffeln, nachmittags wurde Kaffee und Kuchen angeboten, während es für die Kinder ein Spielangebot gab. Durchs Programm führte Elvira Hornauer. Einen Hinweis gab es daneben für das Sommerzeltlager der Pfarrgruppe Abtsteinach. Es findet vom 7. bis 14. August 2020 in Reichenbach/Oberpfalz statt. Weitere Infos dazu gibt’s bei Pfarrer Stamm, Telefon 06207/21130, oder E-Mail christian.stamm@bistum-mainz.de. Ein Diabend zum Zeltlager 2019 findet am Sonntag, 29. September, um 18 im Pfarrsaal Uhr statt. Dort gibt es auch weitere Infos zu Reichenbach.

Abriss oder Sanierung der Halle?

 

Was soll mit der gemeindeeigenen Halle am Sportplatz geschehen? Abriss oder Sanierung? Eine Empfehlung wollten die Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses in ihrer Sitzung noch nicht abgeben. Dafür ist das Thema zu politisch, denn vor zehn Jahren wurde es bereits kräftig diskutiert und führte zu einem Bürgerentscheid, der augenscheinlich Gräben aufwarf und immer noch nachhallt. Auch mit einem neuen Gutachten in den Händen ergaben sich die alten Fragen, da es nur wenige neue Erkenntnisse gab.

Bevor Manfred Hertel vom Ingenieurbüro Hahl und Seelinger aus Lampertheim sein aktuelles Gutachten vorstellte, gab Bürgermeisterin Angelika Beckenbach einen zeitlichen Abriss der Ereignisse seit Ende 2008. Damals hatte die Gemeindevertretung erstmals einen Sanierungsbeschluss fürs Hallendach gefasst, woraus später ein statisches Gutachten resultierte, das aufgrund der Einsturzgefahr zur Sperrung führte.

Manfred Hertels Analyse förderte im Wesentlichen das zutage, was bereits vor zehn Jahren Stand der Dinge war. „Die Halle ist nicht standsicher“, sagte er. Bei zwei Ortsterminen nahm man das Gebäude genau unter die Lupe. Daneben wurden verschiedene Sanierungskonzepte erarbeitet. Die Fachleute beäugten auch die zwischenzeitlich installierte Notabstützung, die es den Fastnachtern ermöglicht, dort weiterhin ihren Wagenbau vorzunehmen. Dabei stellte man laut Hertel fest, „dass ein Binder nicht abgestützt war“.

Eine Sanierung ist seinen Worten zufolge heutzutage besser und günstiger machbar als vor zehn Jahren. „Die technischen Mittel sind ganz andere“, erläuterte er. Die Dachkonstruktion müsse sowieso erneuert werden, so Hertel. Er wies darauf hin, dass es bereits in den ursprünglichen statischen Berechnungen einen Fehler gab, weil die Schneelast zu gering angesetzt wurde.

Ausschuss-Vorsitzender Konrad Abraham (CDU) wollte wissen, ob sich die Standfestigkeit der 1971 gebauten Halle in den vergangenen zehn Jahren negativ entwickelte. Denn er nahm an, dass vielleicht Feuchtigkeit übers Dach eingedrungen war. Hier konnte Hertel Entwarnung geben. „Uns ist nichts Gravierendes aufgefallen.“ Sein Gutachten sei „weitgehend identisch“ mit dem damaligen – bis auf die Sanierungsvorschläge.

Fraktionskollege Peter Jöst hinterfragte die Anbringung eines Stützpfostens auf dem nicht tragfähigen Boden. Hertel gab ihm Recht. Wenn auf dem Dach die volle Nutzlast, also viel Schnee, anfalle, „ist die Standfestigkeit nicht gegeben“. Der Fachmann erläuterte auf Abrahams Nachfrage, dass es bereits 1971 bei der statischen Prüfung Fehler gegeben habe. Die geschah damals über den Kreis. Zuerst halboffen gebaut, ergab sich durch die Schließung eine wichtige Änderung, „die aber nicht geprüft wurde“.

Klaus Schmitt, als Ingenieur der Fachmann im Gemeindevorstand, bezifferte die Abrisskosten auf 80.000 Euro. Gehe man her, mache das Dach neu und sorge für die richtige Statik, dann koste das ungefähr 150.000 Euro, sagte er. „Diese Differenz ist zu diskutieren.“ Natürlich koste der Abriss weniger, „aber dann haben wir auch keine Halle mehr“.

Egal wie man die Vergangenheit betrachte: „Das ist alles Schnee von gestern“, meinte er. Die jetzige Frage drehe um Abriss oder Erhalt. „Wenn weg, dann weg“, brachte er es auf den Punkt. Einen Neubau bekomme man in dieser Form auch nicht mehr genehmigt. Die Bürgermeisterin ging auf die Kosten ein. 150.000 Euro beim Erhalt bedeuteten etwa 6000 Euro jährlich an Abschreibung oder Zinsen. „Das müsste zumindest anteilig refinanziert werden“, meinte sie.

Nutzungsmöglichkeiten gibt es Beckenbach zufolge einige. Da ist zum einen der Okaclu, der sie bereits seit Jahren zum Bau der Faschingswagen nutzt. Wobei die Frage aus dem Gremium auftauchte, wo bei der Sperrung einer einsturzgefährdeten Halle für die Öffentlichkeit der Unterschied ist, wenn sich trotzdem Menschen in ihr aufhalten. Zum anderen, so die Bürgermeisterin, würden Unterstellmöglichkeiten immer gebraucht.

Peter Jöst wollte das so nicht gelten lassen. „Die jetzige Situation gab es schon 2008“, sagte er. Damals hätten sich die Sanierungskosten auf 120.000 Euro belaufen. Mit einem wichtigen Unterschied, ergänzte die Rathauschefin: „Die Halle war damals vermietet.“ Jetzt ist sie in der alleinigen Verfügungsgewalt der Gemeinde. Die komplette Thematik soll nun erst einmal ausgiebig in den Fraktionen diskutiert werden, bevor sie in die Gemeindevertretung zur finalen Entscheidung kommt.

 

Chronologie

Dezember 2008: Die Gemeindevertretung beschließt, 120.000 Euro für die Sanierung des Hallendachs in den Haushalt 2009 einzustellen.

Juni 2009: Eine Statik-Prüfung wird beauftragt.

August 2009: Die Untersuchung fördert gravierende Konstruktionsmängel zutage. Das Gebäude muss wegen Einsturzgefahr gesperrt werden.

September 2009: Die Gemeindevertretung gibt eine Vorplanung mit Kostenschätzung in Auftrag.

Oktober 2009: Ein Gutachten bewertet die Hallenkonstruktion als nicht standsicher.

Januar 2010: Laut Statiker kann schon ein kleines Ereignis die Halle zum Einsturz bringen. Nach dem Einbau einer Notabstützung aller Dachbinder in Hallenmitte kann die Halle für das Herrichten und Unterstellen von Karnevalswagen bis zu den Umzügen genutzt werden. Mehr nicht.

März 2010: Die Gemeindevertretung beschließt eine Sanierung für 360.000 Euro zugunsten einer möglichen Nutzung als Versammlungsstätte für 600 Personen.

Juli 2010: Aufhebung des Beschlusses durch einen Bürgerentscheid.

Juli 2011: Der FCO klagt gegen die Gemeinde auf Kostenübernahme zur Sanierung der Halle.

Oktober 2011: Kündigung des Pachtvertrages über die Nutzung der Halle.

Februar 2012: Widerklage der Gemeinde gegen den FCO auf Räumung und Herausgabe der Halle.

Mai 2012: Ein Gerichtsurteil verpflichtet den Verein zur Räumung und Übergabe der Halle an die Gemeinde.

Oktober 2012: Die von der Verwaltung vorgeschlagene Umnutzung als Lagerhalle mit geschätzten Kosten in Höhe von 50.000 Euro (nur statische Ertüchtigung) wird in den Bauausschuss verwiesen.

November 2012: Diskussion um weitere Nutzung, Abriss, Einrichtung Wertstoffhof oder Verkauf.

Februar 2013: Gemeindevertretung streicht Haushaltsansatz für Sanierung.

März 2013: Start der Verkaufsverhandlungen, keine weitere Vermietung.

Dezember 2014: Bislang kein akzeptables Kaufangebot.

Mai 2017: Ablehnung eines Verkaufs an gewerbliche Interessenten.

November 2018: Der Bau- und Umweltausschuss stimmt für die Beauftragung eines neutralen Gutachters.

 

Keine Ratenzahlung in der Lindenstraße

Das Ansinnen der Grundstücks-Interessenten stieß den Mitgliedern des Bau- und Umweltausschusses etwas sauer auf. Es ging in der Sitzung um die Veräußerung des letzten gemeindeeigenen Bauplatzes in der Lindenstraße, der sich bisher als Ladenhüter erwiesen hatte. Die Verwaltung war deshalb bereit, den potenziellen Käufern weit entgegenzukommen und eine schrittweise Bebauung inklusive Zahlung in zwei Raten zu gewähren. Dagegen sperrten sich die Mandatsträger.

Vorsitzender Konrad Abraham (CDU) erläuterte, dass das Grundstück sehr schmal zugeschnitten sei und einen Höhenunterschied von etwa sechs Metern aufweise. „Allein in den letzten beiden Jahren wurde es fünf Bauplatzsuchenden angeboten“, sagte er. Die hätten jedoch aufgrund der erschwerten Baumöglichkeiten und der Lage von einem Kauf Abstand genommen. Sollte das Objekt nun verkauft werden, wäre damit die Erschließung des Baugebietes „Kirchberg“ abgeschlossen und der treuhänderische Vertrag mit der MVV Regioplan könnte aufgelöst werden. Für dessen Verwaltung fielen rund 500 Euro jährlich an, die dann eingespart würden, so Abraham.

Die potenziellen Käufer wollen dem Vorsitzenden zufolge in einem ersten Abschnitt ein Untergeschoss mit etwa 90 Quadratmeter überbauter Fläche als Garage schaffen. Außerdem sind darüber Werk- und Haustechnikraum sowie eine Nasszelle mit Toilette, Waschbecken und Dusche geplant. Aufgrund des besonderen Grundstückszuschnitts sei es für diese Planung erforderlich, das Baufenster im südlichen Teil mit einer Dreiecksfläche von etwa 7,5 qm zu überschreiten.

Das Untergeschoss würde mit einem Pultdach abgedeckt, das nach Norden zur unteren Lindenstraße abfällt, erläuterte er. Auf der südlichen Seite (zum oberen Teil der Lindenstraße) würde das Dach rund 1,5 Meter über Straßenniveau enden. Das projektierte Kellergeschoss soll so tief eingelassen werden, dass es nicht zum Vollgeschoss wird. In einem zweiten Abschnitt, der allerdings zeitlich noch ungewiss ist, ist die Aufstockung durch ein Wohnhaus geplant.

Als Kaufpreis sind laut Abraham 155 Euro/Quadratmeter festgelegt. Bei einer Grundstücksfläche von 449 qm ergibt dies einen Kaufpreis von etwa 70.000 Euro. Aufgrund der vorerst nur eingeschränkten Nutzung und der zeitlich nicht absehbaren Weiterbebauung als Wohnhaus beantragten die Antragsteller den Erwerb zum hälftigen Kaufpreis von 75 Euro/qm mit grundbuchrechtlicher Sicherung zugunsten der Gemeinde, sodass bei späterer Wohnbebauung der restliche Kaufpreis fällig wird.

Hier ergänzte Bürgermeisterin Angelika Beckenbach, dass sich der Gemeindevorstand für eine Frist aussprach: Der restliche Kaufpreis soll innerhalb von zehn Jahren fällig werden. Die potenziellen Käufer wohnen ihren Angaben zufolge in der Nähe und suchten erst einmal Unterstellmöglichkeiten für die Fahrzeuge, entgegnete sie auf eine Frage von Julia Jöst (CDU). Da es aber auch zwei ältere Kinder gebe, sei eine spätere Bebauung naheliegend.

Martina Heller (FWV) empfand das Ansinnen als etwas merkwürdig. Man habe ein Baugebiet für junge Familien geschaffen, sagte sie. Da passt für sie dieser Garagen-/Nutzraumkomplex nicht rein. Peter Jöst (CDU) kam sich vor „wie auf einem Basar“. Für andere Käufer in diesem Gebiet wurden diese Extrawürste nicht gebraten, sagte er. Er sprach sich gegen die Ratenzahlung aus. „Das geht so nicht.“ Seine Tochter wollte den Kaufpreis ebenfalls auf einmal fließen sehen.

Einen anderen Aspekt führte Fraktionskollege Konrad Abraham an. Wenn der restliche Kaufpreis erst in zehn Jahren gezahlt wird, „ist das Grundstück dann vielleicht viel mehr Wert“, statt 155 möglicherweise 250 Euro. Er wollte die Richtlinien einhalten und das Grundstück lieber aufgrund der schwierigen Erschließung zu einem günstigen Preis anbieten, als einen Präzedenzfall zu schaffen.

Während Frank Wetzel (FWV) gern das Gebiet abgeschlossen sehen wollte und dafür auch zu Zugeständnissen bereit war, kamen vom Rest der Fraktion kritische Töne. Denise Reinhard etwa frage, ob man nicht bei den zeitlichen Vorgaben für den Hausbau kulant sein könne, aber der Preis in einer Summe gezahlt werden soll.

Peter Jöst regte in diesem Sinne an, dass die Bürgermeisterin im Vorfeld der Gemeindevertreter-Sitzung noch einmal mit den Interessenten Kontakt aufnehmen könne, ob diese den vollen Preis auf einmal zahlen würden und wie eine Bauverpflichtung aussehen könnte. Der Punkt ging ohne Empfehlung an das am 30. August tagende Gremium.           tom

Weitere Bauplätze in Mackenheim geplant

Mackenheim boomt. Die Nachfrage nach Bauplätzen und Mietwohnungen insbesondere von jungen Familien ist sehr groß. Denn wo findet man unberührte Natur zu solch günstigen Preisen? Um die 80 bis 90 Euro kostet hier der Quadratmeter Baugrund, während es bereits im Hauptort Abtsteinach um das Doppelte sein kann. Von den Preisen an der Bergstraße ganz zu schweigen, die dürften locker das Vierfache der Insel der Bauherren-Seligkeit betragen.

Allein in den vergangenen drei Jahren zogen im Vöckelsbacher Weg drei Familien mit Kleinkindern neu zu, informierte Bürgermeisterin Angelika Beckenbach den Bau- und Umweltausschuss. Der hatte sich jetzt mit dem Aufstellungsbeschluss zur zweiten Änderung des Bebauungsplanes zu befassen, weil die dortige Eigentümer-Gemeinschaft auf die Nachfrage reagiert und weitere Bauplätze ausweisen möchte.

Im Zuge der Nachverdichtung sollen auf einer Teilfläche von rund 3500 Quadratmetern im Vöckelsbacher Weg weitere Wohnbauflächen ausgewiesen werden, sagte Beckenbach. Die verbleibende Restfläche wollen die Eigentümer weiterhin landwirtschaftlich nutzen. Der erforderliche Ausgleich kann auf eigenen Grundstücken nachgewiesen werden. Die Kosten des Verfahrens werden von Antragstellern getragen, so ihre Auskunft.

Die Nachfrage ist da, sagte die Bürgermeisterin: In der Liste der Bauplatzsuchenden sind derzeit zehn Interessenten aufgeführt, sechs davon ortsteilunabhängig. Hinzu komme eine Vielzahl von unverbindlichen Anfragen nach künftigen Wohnbauflächen, so Beckenbach. Das Grundstück liege im Außenbereich. Es sei im Flächennutzungsplan als Acker und Wirtschaftsgrünland ausgewiesen.

In einem ersten Abstimmungsgespräch mit dem Kreis Bergstraße wurde ihren Worten zufolge die Genehmigungsfähigkeit in Aussicht gestellt. Genutzt werden könnte dafür ein ab kommendem Jahr geltendes beschleunigtes Verfahren, das die Einbeziehung von Außenbereichsflächen empfiehlt. Demnach können Bebauungspläne mit einer Grundfläche von weniger als 10.000 qm, die sich an bebaute Ortsteile anschließen, auch für Außenbereichsflächen schneller aufgestellt werden. Im Rahmen dieses Verfahrens sind kein Umweltbericht und keine formale Eingriffs-Ausgleichs-Bilanzierung erforderlich. Das Verfahren muss bis zum Jahresende 2019 förmlich eingeleitet werden.

Die Rathauschefin machte deutlich, dass vor einer Realisierung noch zahlreiche weitere Gespräche geführt werden müssten. Grundsätzlich, so der Tenor im Ausschuss, freute man sich über weitere Bauplätze im Ortsteil. Das Gremium empfahl der Gemeindevertretung, die Änderung des Bebauungsplanes „Ortslage Mackenheim“ anzugehen.

Gesamtpaket wird auf den aktuellen Stand gebracht

. Der neue, einheitliche Bebauungsplan fürs Gewerbegebiet Ober-Abtsteinach ist am Werden. Er soll die bisherigen Stückwerke zusammensetzen und harmonisieren. Gleichzeitig will man damit die aktuellen gesetzlichen Vorschriften berücksichtigen. Die Gemeindevertretung gab nun einstimmig für den Vorentwurf zur Durchführung der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit grünes Licht. Daneben wurde die Änderung des Flächennutzungsplans in diesem Bereich eingeleitet. Im Bauausschuss hatte zuvor André Göbel vom Bensheimer Büro Schweiger und Scholz die fachlichen Erläuterungen gegeben.

Es wird nichts Bestehendes über den Haufen geworfen, hatte Bürgermeisterin Angelika Beckenbach im Ausschuss beruhigt. Denn die Firmen genießen durch die bisherigen rechtskräftigen Pläne Bestandsschutz. Planungsintention ist es laut Göbel, „den Bestand beizubehalten“. In den vergangenen Jahren gab es mehrfach Erweiterungen und Arrondierungen des Gewerbegebiets, für die Bebauungspläne aufgestellt wurden. In den verschiedenen Teilbereichen wurden aber unterschiedliche Festsetzungen getroffen.

Straßenverschwenkungen, eine andere Dimensionierung des Erdwalls unterhalb MET, Nutzungskonflikte, dazu noch die Höhendifferenz zwischen Erschließungsstraße und Wirtschaftsweg gilt es außerdem unter einen Hut zu bringen. Weiterhin sollen verschiedene Festsetzungen vereinheitlicht werden. Darüber hinaus muss die vorgesehene Fläche fürs neue Feuerwehrgerätehaus (neben dem Netto-Markt) mit aufgenommen werden. Eine räumliche Erweiterung des Gewerbegebiets soll es nicht geben.

Für das Gesamtgebiet wird es auch einen neuen Umweltbericht geben, inklusive schalltechnischer Untersuchung und Artenschutzgutachten. Der Bebauungsplan umfasst auch den zur Eingrünung und Abschirmung errichteten Erdwall. Durch erneute Grundstücksverhandlungen ließ sich eine Erweiterung der Fläche erreichen. Diese soll auch im neuen B-Plan Berücksichtigung finden.

André Göbel ging im Ausschuss detailliert auf die einzelnen Punkte ein. „Auf die FFH-Gebiete wird Rücksicht genommen“, betonte er. Es gebe keine Kollision mit Wasserschutzgebieten, da die gemeindlichen Quellen in diesem Bereich nicht mehr genutzt werden. Auf die bisherigen Erweiterungspläne bezogen, meinte er, dass sich diese teilweise überlagerten „und für Unklarheiten sorgen“. Deshalb müsse man das Gesamtpaket auf den Stand der Zeit bringen.

„Wir fangen ganz von vorn an, als wäre nichts da“, erläuterte er. Gleichzeitig wird seinen Worten zufolge auch der Flächennutzungsplan geändert, weil es der Lebensmittelmarkt aufgrund der jetzigen Größe (nach der Zusammenlegung mit dem Drogeriemarkt) als Sondergebiet eingestuft werden muss. Auch passt die vorgesehene Feuerwehrfläche nicht zur Definition.