Haushaltsausgleich nur durch Grundsteuer-Erhöhung

Nur durch die bereits beschlossene Erhöhung der Grundsteuer B war es möglich, einen  Haushaltsplanentwurf 2020 vorzulegen, in dem das ordentliche Ergebnis mit einem Überschuss abschließt, betonte Abtsteinachs Bürgermeisterin Angelika Beckenbach bei der Einbringung des Zahlenwerks in die Gemeindevertretung. Alle gesetzlichen Anforderungen zur Sicherstellung der finanziellen Leistungsfähigkeit der Kommune werden erfüllt, betonte sie.

Bei gerundeten Erträgen von 6,01 Millionen Euro und Aufwendungen von 5,9 Millionen sieht der Entwurf aktuell einen Überschuss von 22.000 Euro im ordentlichen Ergebnis vor. Außerordentlich rechnet man mit 72.000 Euro, was dann zusammen 94.000 ergibt. Im Finanzhaushalt klafft ein ziemliches Loch bei den Investitionen. Um die, geplant in einer Höhe von 7,43 Millionen, zu schultern, müssen Kredite von 5,8 Millionen Euro aufgenommen werden. Die Grundsteuer A liegt bei 400, die Grundsteuer B bei 503 und die Gewerbesteuer bei 400 Prozent.

Die ordentlichen Ergebnisse der mittelfristigen Ergebnisplanung 2021 bis 2023 sind laut Bürgermeisterin ebenfalls im Plus. Die ordentlichen Kredittilgungen können aus der laufenden Verwaltungstätigkeit finanziert werden. Zur Sicherstellung der stetigen Zahlungsfähigkeit ist der Aufbau eines Liquiditätspuffers möglich. Der Jahresabschluss 2018 ist nicht nur aufgestellt, sondern auch bereits geprüft, erläuterte sie.

Beckenbach legte aber auch den Finger in die Wunde. „Leider reichen alle Sparbemühungen nicht aus, um mit den vorhandenen Finanzmitteln die ständig steigenden Anforderungen sowie gesetzlichen Auflagen und Verpflichtungen pflichtgemäß zu erfüllen“, sagte sie. Die kommen von oberen Behörden, sprich EU, Bund und Land, „unabhängig davon, wie groß die Kommune ist“.

Neue erweiterte Datenschutz- und Cybersicherheitsanforderungen, Onlinezugangsgesetz, strengere Grenzwerte bei der Abwassereinleitung aus der Kläranlage, Eigenkontrollverordnung der Abwasserkanäle, Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, Freistellung von Kindergarten-gebühren und ein erhöhter Personalschlüssel in der Kinderbetreuung sind dem Gemeindeoberhaupt zufolge nur einige Beispiele.

Natürlich sind diese Auflagen und Verpflichtungen gerade im Hinblick auf den Klima- und Umweltschutz, die Familienunterstützung, die Sicherheit und die Bürgerfreundlichkeit wichtig, richtig und daher auch nachvollziehbar, stellte Beckenbach klar. „Aber mit den vorhandenen Finanzmitteln der Gemeinde nicht dauerhaft finanzierbar“, sieht sie die Kommune im Regen stehen gelassen.

Finanzielle Unterstützungen und Förderprogramme fehlen in vielen Bereichen, bedauerte die Rathauschefin, „sind nicht auskömmlich kalkuliert und nicht vorhanden“. Aufgrund des sehr guten Gewerbesteueraufkommens können sie außerdem von Abtsteinach nicht oder nur in einem Mindestmaß in Anspruch genommen werden.

Unterm Strich bedeutet dies also, „dass dieses Plus an Sicherheit und Service von uns allen zu zahlen ist“, sagte sie. Verwaltung, Gemeindevorstand und -vertretung müssen dafür sorgen, dass mit den Steuern, Gebühren und Abgaben die Finanzmittel für diese Pflichtaufgaben auch zur Verfügung stehen – und nicht die Gesetzgeber. „Wir stehen damit bei Steuer- und Gebührenerhöhungen in der Kritik, ohne oftmals überhaupt einen direkten Einfluss oder Handlungsspielraum zu besitzen“, kritisierte Beckenbach.

Die Vorlage eines ausgeglichenen Entwurfs „erleichtert natürlich die Haushaltsberatungen“, freute sie sich. Aber um die großen Anforderungen, insbesondere die Pflichtaufgaben und gesetzlichen Mehranforderungen, auch in den kommenden Jahren finanziell stemmen zu können, „bedarf es eiserner Aufgaben- und Ausgabendisziplin“, betonte Beckenbach. Dazu kommt die stetige Forderung nach einer besseren Finanzausstattung für die Kommunen.                 tom

 

Größte Ausgabenposten Abtsteinachs

2,3 Millionen Euro: Finanz- und Umlageverpflichtungen (insbesondere Kreis- und Schulumlage, Gewerbesteuerumlage)

531.000 Euro: Abwasserbeseitigung

520.000 Euro: Kinderbetreuung

495.000 Euro: Wasserversorgung

459.000 Euro: allgemeine Verwaltung, Bauhof und Gremien

356.000 Euro: Gemeindestraßen

353.000 Euro: Grünanlagen, Spiel- und Sportstätten

327.000 Euro: Bauangelegenheiten und gemeindeeigene Liegenschaften

188.000 Euro: Öffentliche Sicherheit und Ordnung

169.000 Euro: freiwillige Leistungen (Vereinsförderung, Draisine, ZKÜ, Veranstaltungen)

Alla-hopp-Anlage ist pflegeaufwändig

Die Pflege der Abtsteinacher alla-hopp-Anlage liegt Konrad Abraham (CDU) am Herzen. Der Vorsitzende des Bau- und Umweltausschusses hievte das Thema deshalb auf die Tagesordnung der aktuellen Sitzung. Er habe sich einen Eindruck durch mehrere Besuche vor Ort verschafft, erläuterte der CDU-Mann. Fazit: „Die Pflege lässt zu wünschen übrig.“ Auf Dauer, so seine Befürchtung, könnte dadurch einiges kaputt gehen. Abraham war jedoch klar, dass mit den jetzigen Mitteln und personellen Ressourcen nicht mehr machbar ist.

„Die Anlage ist pflegeaufwändig“, bestätigte Bürgermeisterin Angelika Beckenbach. Deswegen ist sie froh über die Unterstützung der Pflegedamen, die sich um die Beete kümmern. An zwei Tagen im Jahr hilft außerdem die Bevölkerung mit, das Gelände in Schuss zu halten. Wöchentlich werden durch die Bauhof die Spielgeräte kontrolliert, erläuterte sie, und außerdem die Abfallbehälter gereinigt. Die Grünpflege geschieht nach Bedarf und zeitlichen Möglichkeiten, sagte die Rathauschefin.

Allerdings verfügt Abtsteinach über einen kleinen Bauhof, erklärte sie, zu dessen Aufgaben „die Pflege der Anlage on top dazukam“. 2018 wurden inklusive der Schließzeiten 253 Arbeitsstunden aufgewendet, 2019 sind es in bisher zehn Monaten bereits 230 Stunden. Umgerechnet sind das ihren Worten zufolge Kosten von 18.000 bis 20.000 Euro im Jahr. Rechnet man die Freiwilligendienste dazu, kommt man ungefähr fast schon auf jene 30.000 Euro, die vom Planer bei Erstellung als jährlicher Pflegeaufwand für die alla-hopp-Anlage genannt wurden.

Der Teich stellt ein großes Problem dar, waren sich die Mandatsträger einig. Denn er verfügt nur über einen begrenzten Zulauf und überhaupt keinen Ablauf. Was dazu führt, dass in dem stillen Gewässer die Algen blühen wie blöd. Besonders in heißen Sommern wird das zur unangenehmen Begleiterscheinung, mögliches Umkippen durch zu viel Nährstoffeintrag inklusive. „Wir sind ratlos, wie man dem Herr werden kann“, sagte die Bürgermeisterin.

Die Verwendung von Chemie zur Algen-Bekämpfung ist laut Karl Deschl vom Bauamt verpönt. Außerdem handelt es sich bei der in der Nähe vorbei fließenden Steinach um FFH-Gebiet. Es gäbe die Möglichkeit, eine Teichkläranlage herzustellen, sagte er. Was aber natürlich Geld kostet. In der Diskussion wurde als letzte Konsequenz auch die Trockenlegung des Teichs und Auffüllung mit Sand angesprochen, sollte sonst nichts helfen. Die Frage nach der Sicherheit wurde ebenfalls aufgeworfen.

Beckenbach wies darauf hin, dass das Gelände den Vorgaben nach möglichst naturbelassen sein soll. Wenn möglicherweise etwas ungepflegt aussehen sollte, dann ist das auch eine Frage der Betrachtungsweise, meinte sie. Manche mögen‘s aufgeräumter, andere eher etwas natürlicher. Naturbelassen ist das eine, aber die Ausbreitung des Springkrauts das andere. „Da hätte man früher einschreiten und das verhindern müssen“, forderte Abraham.

„Wenn man mehr Pflege will, muss man mehr investieren“, hob die Rathauschefin hervor. Allerdings ist dann nicht mit eigenen Personal möglich, war den Ausschussmitgliedern klar war. Der Vorsitzende regte an, im Frühjahr bei einem Vor-Ort-Termin das weitere Vorgehen zu besprechen. „Wir können die Anlage nicht kaputt gehen lassen“, forderte er. Andererseits dürften zu ihren Gunsten auch keine anderen Aufgaben des Bauhofs liegen bleiben.

Martina Heller (FWV) regte an, statt bisher zwei Pflegetagen im Jahr in jedem Quartal einen zu organisieren. Peter Jöst (CDU) brachte ins Spiel, einen Arbeitsplan aufzustellen, der die verschiedenen Aufgaben übers Jahr verteilt auflistet. Das wollte Bürgermeisterin Beckenbach gerne aufgreifen. Im neuen Jahr will man sich nun zeitnah wieder dem Thema widmen.

Einige gesellige Stunden verbracht

Große Freude bei den älteren Abtststeiner Mitbürgern: Sie verbrachten einen unterhaltsamen Seniorennachmittag mit einem bunten Unterhaltungsstrauß im katholischen Pfarr- und Jugendheim. Große Freude auch bei der organisierenden Gemeindeverwaltung mit Gabriele Gerner an der Spitze: 84 Senioren über 65 Jahre waren dieses Mal vorbeigekommen. Deutlich mehr als in den vergangenen Jahren mit meist um die 65 Teilnehmer. Bereits zum 70. Mal wurden sie in der Vorweihnachtszeit zu ein paar schönen Stunden eingeladen.

Neben den auftretenden Gruppen waren viele andere helfende Hände aktiv. Helfer aus Fraktionen, Verwaltung und Bevölkerung brachten sich an den verschiedenen Stellen ein oder bewirteten die älteren Mitbürger wie auch die Jugendgruppe der Malteser. Die Feuerwehr Ober-Abtsteinach übernahm den Fahr-, die Malteser den Sanitätsdienst.

Bürgermeisterin Angelika Beckenbach freute sich in ihren Begrüßungsworten über den sehr guten Zuspruch. Sie führte auch durchs Programm des weiteren Nachmittags. Die beiden Pfarrer Christian Stamm und Jörg Michas hießen die Gäste ebenso willkommen wie Christina Schmitt vom Seniorenclub. Zwischen den einzelnen Programmpunkten unterhielt Alleinunterhalter Dietmar Jöst. Er stieß auf viele begeisterte Mitsinger, wenn er die bekannten Advents- und Weihnachtslieder anstimmte. Geehrt wurden die ältesten Teilnehmer: die beiden 92-jährigen Joseph Kohl und Laura Sowa.

Uta Brand stellte den Älteren die psychosoziale Beratungsstelle auf dem Land, kurz „PauLa“, vor. Abtsteinach ist in diesem Jahr die einzige Gemeinde, die sie in der Vorweihnachtszeit besucht, wies sie auf die Besonderheit hin. Den Senioren ist von früher noch die Gemeindeschwester bekannt, erläuterte Brand. Die Einrichtung „wurde jetzt quasi neu entdeckt“, erklärte sie. „PauLa kümmert sich um sie“, so ihre Botschaft.

Sie erklärte aber auch den Unterschied. Denn „PauLa pflegt nicht“. Gearbeitet wird präventiv, damit die Leute zu Hause wohnen bleiben können. Uta Brand besucht die Mitbürger, sucht das Gespräch, berät sie über ihr Handeln. „Die sozialen Kontakte sollen erhalten bleiben“ ist ein Ziel, um der Vereinsamung entgegenzuwirken. Das Ganze ist für die Menschen kostenlos. „Bleiben Sie zuhause glücklich, solange das möglich ist“, rief sie die Senioren auf.

Beckenbach animierte die Anwesenden, das Angebot anzunehmen. „PauLa leistet wertvolle Hilfe“, betonte sie. Im Rathaus vermittle man Anfragen gerne weiter. Den ersten Teil des Programmreigens bestritt der Gesangverein Concordia unter der Leitung von Carsten Best. „Es ist ein Ros entsprungen“, „White Christmas“ oder „Go tell it on the Mountain“, lauteten einige Stücke.

Derweil herrschte draußen schon eifriges Gewusel. Der Grundschulchor mit Leiterin Elisabeth Schlag hatte sich dort für seinen Auftritt zusammengefunden. „Wir sagen euch an den lieben Advent“, „Weihnachten ist nicht mehr weit“ und die „Gute Hexe Befana“ brachten die Kinder zu Gehör. Das Saxophon-Trio unter Alexander Kropp war danach mit „Believe“ aus dem Film Polarexpress, „Mamma Mia“ (Abba) und „You are the One that I want“ aus Grease an der Reihe.

Die katholische Kirchenmusik mit Dirigent Stefan Wetzel hatte eine große Zahl von Melodien aus ihrem Repertoire mitgebracht. Darunter viele Polkas wie die Amsel-, Tatra-, Slavonicka- und Herz-Schmerz-Polka, die bei den Senioren Erinnerungen an die Jugendjahre hochkommen ließ. Aber auch „Mein Heimatland“, „Mondschein an der Eger“, „In der Weinschenke“ oder „Ich hab die Sterne gefragt“ wärmten das Herz der älteren Mitbürger.

Aus dem Unverhofften Freude ziehen

Was die Alpen, Sibirien, Nordkorea und der Himalaya gemeinsam haben? Harald Philipp machte sie schon mit seinem Mountainbike oder auf Skiern unsicher. Was er dabei erlebte, erzählte der Wahl-Innsbrucker bei seinem Multimedia-Live-Vortrag „Pfad-Finder“. Denn Philipp geht es nicht um das „Höher, Schneller, Weiter“. Er sieht alles eher philosophisch im Einklang zwischen Suchen und Finden – wobei man manchmal etwas ganz anderes findet als man sucht.

Für die veranstaltenden SGU-Fußballer stellte Dirk Steuber in der Schulturnhalle Unter-Abtsteinach den Referenten als jemanden vor, der mit dem Bike in Regionen unterwegs ist, die man sich nicht unbedingt als dafür geeignet vorstellt. „Harald Philipp findet mit dem Rad Pfade, wo wir nicht einmal welche zum Laufen sehen“, meinte Steuber vor weit mehr als 200 Zuschauern.

In Philipps Vortrag geht es nicht darum, möglichst tolle Flows auf noch tolleren Trails zu zeigen und damit anzugeben. Er betont immer auch den zwischenmenschlichen Aspekt des Radfahrens als Brückenbauer zwischen den Menschen. Auch geht es darum, mit sich selbst im Reinen zu sein, nicht immer den eigenen Erwartungen hinterher zu hecheln, sondern mit dem zufrieden zu sein, was sich ergibt – auch wenn es nicht dem entspricht, was es sein sollte.

Das Mountainbike ist für ihn deshalb auch beileibe nicht nur Sportgerät, sondern fast ein lebensveränderndes Heiligtum. Er ist keiner, der ein und denselben Pfad möglichst schnell fährt, sondern sehr neugierig am Wegesrand schaut, welche noch nicht ausgetretenen Spuren sich dort finden lassen.

Dass dabei dann mitunter etwas ganz anderes herausspringt als gedacht, verdeutlicht er nicht nur an den Alpen. „Den richtigen Weg findet man vielleicht dort, wo man gar nicht gesucht hat“, postuliert der 36-Jährige. Ihm ist das oft genug im Leben passiert. Der Mensch plant, Gott lacht. Die Kunst ist, aus dem Unverhofften ebensolche Freude zu ziehen wie aus dem, wie es eigentlich sein sollte. „Etwas zu finden ist etwas anderes, als etwas zu suchen“, ist für Philipp eine weitere Lebensweisheit.

In dem Fall war es für ihn nicht der eigentlich avisierte Alpen-Gipfel, sondern der nebenan liegende, der ihm Glücksgefühle bescherte. Direkt über dem Abgrund balanciert er auf einem zehn Zentimeter breiten Pfad über Steine hinweg. Dann kommt doch der passionierte Biker in ihm durch: „Geiler Trail, nicht wahr“, kann er sich nicht verkneifen.

Ein besonders inniges Verhältnis hat Harald Philipp zu seiner Mutter Uta. Von ihr hat er auch die Passion zur Natur. Es ging ihr nicht darum, einen speziellen Berg zu ersteigen, „sondern etwas Unerwartetes zu erreichen“. Sein Vergleich bekommt viele Lacher: „Stellt euch Pippi Langstrumpf als 60-Jährige vor, das ist die Mama.“

Der Ausflug von beiden nach Sibirien, zu einem aktiven Vulkan, auf dem noch niemand mit Skiern war, geriet eigentlich zum Fiasko, das aber im Nachklapp viele komische Momente hatte. Der erste Bergführer ohne jegliche Bergerfahrung, der zweite ohne Skischuhe, dann noch ein angebliches Unwetter, das keines war.

Kurzum: Das Unternehmen ging krachend schief, aber genau krachend waren die Lacher über die verschiedenen Fehlschläge. Aber an der Reaktion seiner Mutter macht Harald Philipp dann die Lebensweisheit fest, sich auch mit den kleinen Dingen zufrieden zu geben. In dem Fall den liebevoll verschiedenen Fensterläden im sibirischen Dorf. Seine Freunde gehen dem 36-Jährigen über alles: Mit denen geht, pardon fährt, er durch dick und dünn. Auf den Gipfeln wird die Männerfreundschaft zelebriert.

Ein solcher brachte ihn auch zur nächsten Tour: Noch schräger als der sibirische Vulkan mit Skiern war Nordkorea mit Mountainbike. Dan Milner setzte ihm den Floh in den Kopf, das verbotene Land auf zwei Rädern zu erkunden. Das Bike soll als Eisbrecher funktionieren. „Das Abenteuer schweißt Menschen zusammen“, stellte auch Philipp fest. Aus Bewachern wurden fast Freunde.

Wobei er sich hier schon etwas blauäugig vor den nordkoreanischen PR-Karren spannen lässt: herzliche Menschen auf dem Land, die dem Fremden offen und freundlich begegnen, worüber der in lauten Jubel ausbricht. Da blitzt ein wenig Stockholm-Syndrom durch. Denn es ist bekannt, was das Regime mit denen macht, die ihm nicht passen.

Höher hinauf als zum Schluss geht’s dann nicht mehr: In Himalaya-Tälern ohne eine einzige Straße zeigen Harald Philipp und sein Freund Martin Falkner mit fantastischen Bildern, dass man mit dem Mountainbike als Kommunikationsmittel auch am Ende der Welt weit kommen. „Pfad-Finder“, das auch als Buch erschien, ist eine Geschichte über die Neugier auf das Unbekannte. Über die Freiheit, seinen Lebensweg selbst zu gestalten.

Zwei Frauen führen den CDU-Ortsverband Abtsteinach

Frauenpower an der Spitze der CDU Abtsteinach: Auf der Jahreshauptversammlung wurde Vorsitzende Brigitte Wetzel wiedergewählt. Ihr zur Seite steht neu als zweite Vorsitzende Julia Jöst aus Mackenheim. Schatzmeister bleibt Peter Jöst, neuer Schriftführer ist Michael Wetzel. Alle, auch die folgenden Wahlen erfolgten unter der Leitung des Mitgliederbeauftragten der Kreis-CDU, Björn Hedderich aus Lampertheim, einstimmig.

Brigitte Wetzel begrüßte im Café Staier auch den früheren, langjährigen CDU-Landtagsabgeordneten Peter Stephan aus Mörlenbach. Der Bericht von Schatzmeister Peter Jöst ergab für das Berichtsjahr 2018 einen kleinen Gewinn, sodass sich die Kassenlage des Ortsverbandes nach wie vor positiv darstellt. Für die beiden Kassenprüfer Hans Lammer und Michael Losert berichtete letzterer von einer einwandfreien Kassenführung. Er beantragte die Entlastung von Schatzmeister und Gesamtvorstand. Diese wurde von der Versammlung einstimmig erteilt.

Brigitte Wetzel dankte dem bisherigen zweiten Vorsitzenden und Schriftführer Thomas Kunkel, der krankheitsbedingt nicht mehr zur Verfügung stand, für sein langjähriges Engagement. Durch die Wahl stehen erstmals zwei Frauen an der Spitze der CDU Abtsteinach. Mit Julia Jöst stellt sich eine junge, sehr engagierte Person dieser Aufgabe. Sie werde sicherlich frisches Blut und neue Ideen in die Partei bringen, hieß es.

Dass auch in dieser Legislaturperiode niemand aus Unter-Abtsteinach im Vorstand der CDU vertreten ist, wurde allgemein bedauert. Peter Stephan führte unter Verschiedenes zur Landrats- und Kommunalwahl aus, dass beide wahrscheinlich an einem Tag im Frühjahr 2021 stattfinden werden. Der neue geschäftsführende Vorstand wurde beauftragt, hierzu in absehbarer Zeit Vorschläge für den dann anstehenden Wahlkampf zu erarbeiten.

Der Mitglieder-Altersdurchschnitt ist bei der Abtsteinacher CDU einfach zu hoch, wurde von Brigitte Wetzel moniert. Darum sei es dringend erforderlich, in nicht allzu langer Zeit jüngere Menschen für die Partei zu gewinnen. Eine aktive Mitarbeit wäre wünschenswert, jedoch keine Verpflichtung, so ihr Tenor. Björn Hedderich und Michael Wetzel stellten hierzu einige Möglichkeiten vor, die es nun auszuarbeiten und sukzessive zu realisieren gilt. Sobald dies erfolgt ist, will man diese Konzepte dann der Bevölkerung vorstellen.

„Es ist für mich absolut nicht nachvollziehbar, dass die Bürger bei ihrer Wahlentscheidung mehr und mehr auf populistische Themen abfahren und die Gesamtheit aller politischen Entscheidungen größtenteils völlig ausblenden“, erklärte Brigitte Wetzel in ihrem Blick auf die Bundespolitik. Sie hielt es für absolut notwendig, „dass man sich davon löst, seitens der Regierungsparteien zu diesen politischen Aggressionen immer wieder Stellung zu beziehen“.

Ziel des CDU-Ortsverbands ist es, „dass wir nach vielen Jahren in der Opposition bei der Kommunalwahl 2021 wieder als stärkste Partei in Abtsteinach hervorgehen“, postulierte die Vorsitzende. Frischer Wind würde die anstehenden Aufgaben und Entscheidungen beflügeln. Man könne dann die anstehenden Aufgaben besser mitgestalten, so Wetzel. Dafür sollte ein eigenes Programm erstellt werden, in dem die relevanten Themen der nächsten Legislaturperiode angesprochen und die eigenen Vorstellungen transportiert werden.

In ihrer Funktion als Fraktionsvorsitzende beklagte Wetzel „die sukzessive Abwertung der Gemeindevertretung“. Immer mehr Entscheidungen würden auf Gemeindevorstand sowie Bau- und Finanzausschuss verlagert, beklagte sie. Weiterhin werde die Gemeinde von den „Sünden der Vergangenheit“ aufgrund von früheren falschen Entscheidungen eingeholt.

Brigitte Wetzel skizzierte auf der Versammlung die wesentlichen investiven Maßnahmen, die der Gemeinde in den kommenden Jahren ins Haus stehen. Eine davon ist das neue Feuerwehrhaus. „Trotz der zu erwartenden Zuschüsse aus diversen staatlichen Quellen muss ein Großteil der hierfür anfallenden Kosten seitens der Gemeinde finanziert werden“, berichtete sie.

Eine weitere, sehr kostenintensive Investitionsmaßnahme ist ihren Worten zufolge eine Lösung für die Kläranlage. Die derzeitige, in die Jahre gekommene erfülle nicht mehr die gesetzlichen Vorgaben. Die beiden Alternativen: Renovierung der bestehenden oder Beitritt zur Kläranlage in Schönau. Diskutiert wird daneben Abriss oder Ertüchtigung der Halle am Sportplatz.

Nach wie vor klagen einige Anwohner gegen die Alla-hopp-Anlage, sagte die Fraktionsvorsitzende. Ein Ende des Rechtsstreits sei genauso wenig abzusehen wie die weiteren Kosten, die auf die Gemeinde zukommen könnten. Sie bezeichnete die Außenstelle des katholischen Kindergartens neben der Apotheke als „ein sehr kostspieliges Projekt, aber unsere Kinder sind dies uns allemal wert“.

Erweiterte Vorstandswahlen

Beisitzer: Willibald Berbner, Peter Kahlig, Gerhard Sax und Klaus Schmitt (beide Mackenheim) wurden in ihren Ämtern einstimmig bestätigt

Neue Kassenprüfer: Michael Losert und Michael Jöst

Mitgliederbeauftragter: Michael Wetzel (wie bisher)

Delegierte für Kreisparteitage und Kreisverbandausschuss:  Brigitte Wetzel, Julia Jöst, Peter Kahlig und Willibald Berbner. Ersatzkandidaten: Karin Oberle, Klaus Schmitt, Peter Jöst und Michael Wetzel

Ehrungen: Michael Jöst (35 Jahre Mitglied), Michael Losert (30 Jahre)

Die Liebe zur Natur spricht aus den Bildern

So voll dürfte der Sitzungssaal des Abtsteinacher Rathauses noch nie gewesen sein. Zur Eröffnung der neuen Bilderausstellung drängten sich Besucher ohne Ende in den Raum und sprengten fast dessen Kapazitäten. Was für den Bekanntheitsgrad der vier Künstlerinnen Trudl Wittmann, Petra Thullen, Martina Seibel und Carola Dörsam spricht, deren Werke bis Ende März zu sehen sein werden. Die Vernissage wurde vom Ensemble „Windspiel“ umrahmt.

Allen vier gemeinsam ist die Liebe zur Natur. Sie haben den Blick für Farbe, Licht und Stimmungen, was gerade im tristen, grauen November ein Lächeln auf die Gesichter der Besucher zaubert. Beim Gang durch den heimischen Garten oder auf langen Spaziergängen durch die Landschaft drängen sich den Überwälderinnen die Motive förmlich auf. Ob mit Öl, Bleistift, Pastellkreide, Acryl oder Aquarell als Maltechnik – die Ergebnisse sind immer unterschiedlich.

Trudl Wittmann aus Abtsteinach und Petra Thullen aus Wald-Michelbach kennen sich seit vielen Jahren und haben bereits mehrfach an verschiedenen Orten ihre farbenfrohen Bilder ausgestellt. Erstmals wagten sich nun die beiden Wald-Michelbacherinnen Martina Seibel und Carola Dörsam mit ihren Werken an die Öffentlichkeit.

Bürgermeisterin Angelika Beckenbach freute sich in ihren Begrüßungsworten über das riesige Interesse. Das spreche für die Angesehenheit der vier Malerinnen und ihre Bekanntheit in der Region. Sie wies auf den interessanten Kontrast zwischen den Ausstellungen hin. Erst waren die Werke einer 14-Jährigen im Rathaus zu sehen, jetzt hängen Bilder von erfahrenen Künstlerinnen an der Wand.

In seiner Laudatio ging Gerhard Höpfer zu Beginn schmunzelnd auf die Frauenpower im Rathaus ein. Denn seiner Zählung nach stellten bisher erst zweimal Männer aus. Er regte augenzwinkernd an, diesen Trend doch mal umzukehren. Die vier Malerinnen sind seinen Worten zufolge seit ihrer Kindheit, wenn auch mit Unterbrechungen, aktiv und bringen in ihren Bildern die Naturverbundenheit zum Ausdruck.

Die Männer bleiben allerdings nicht ganz außen vor, meinte Höpfer. Denn Petra Thullen wurde durch ihren Großvater motiviert, stellte aber ihr Hobby wegen Kindererziehung und Berufstätigkeit zurück, bis sie wieder den nötigen Freiraum hatte. In diversen Malkursen probierte sie dann unterschiedliche Stilrichtungen neu aus, erläuterte der Referent. Heute ist Aquarell ihre bevorzugte Technik. Sie ist fast schon Dauergast in Abtsteinach mit der dritten Teilnahme.

Wie auch Trudl Wittmann bei ihrem Heimspiel. „Sie malt leidenschaftlich gerne“, sagte Höpfer. Deshalb war es ihr immer wichtig, ihre Arbeit durch Malunterrichte mit neuen Anregungen zu ergänzen. Die Palette ihrer Techniken reicht von Öl über Bleistift, Pastellkreide und Aquarell bis hin zu Acryl, referierte er. Letzteres ist ihre aktuell bevorzugte Technik, „mit der sie ihre Naturverbundenheit in großformatigen Landschafts- und Pflanzenbildern zum Ausdruck bringt“.

Als ein „Auf und Ab“ kennzeichnete der Laudator bei Martina Seibel die zur Verfügung stehende Zeit fürs Malen. Angeregt von der Mutter, bekannt sie schon früh damit. Nach einer längeren Unterbrechung gab’s dann einen neuen Motivationsschub, der aber durch die Kindererziehung wieder in den Hintergrund trat. Vor zehn Jahren dann der Neueinstieg. Schwerpunkt ist für sie, so Höpfer, das Malen mit Aquarell, was sie in wöchentlichen Kursen verbessern und perfektionieren möchte.

Schon als Kind hat Carola Dörsam „das Malen im wahrsten Sinne des Wortes geritten“, sagte der Referent. Denn sie brachte Pferdemotive zu Papier. Wie auch bei ihren Kolleginnen hinderten später Beruf und Familie eine weitere Beschäftigung mit dem Hobby. Bis sie vor zwölf Jahren einen Malkurs geschenkt bekam, der für neue Begeisterung sorgte. Sie malt gerne Acryl, „um etwas vom Gegenständlichen abzuweichen“, so Höpfer. Jedoch ist Aquarell ihre bevorzugte Technik. Mit wenig Farbe kann das Wesentliche aufs Papier gezaubert werden, nahm sie aus einem Kurs mit.

Neben der Gemeinsamkeit der vier Künstlerinnen, bereits in jungen Jahren begonnen zu haben, ist auch die damit verbundene Entspannung ein weiterer verbindender Aspekt, erklärte der Laudator. Mit Wilhelm Buschs „Oft trifft man wen, der Bilder malt, viel seltener wen, der sie bezahlt“ wies Höpfer abschließend darauf hin, dass die Werke auch erstanden werden können.

Info: Die Ausstellung ist noch bis Ende März während der Öffnungszeiten des Rathauses zu besichtigen.

Blitzanhänger soll Raser ausbremsen

In punkto Geschwindigkeit im Straßenverkehr herrscht derzeit noch Wildwest im Überwald. Das soll sich aber im kommenden Jahr ändern. Der gemeinsame Ordnungsbehördenbezirk von Wald-Michelbach, Grasellenbach und Abtsteinach wurde bereits vor ein paar Monaten gegründet. Nun ging es um die Anschaffung eines Blitzanhängers, der dann in allen drei Kommunen zum Einsatz kommt. Die Gemeindevertretung gab bei einer Gegenstimme grünes Licht für das 221.000 Euro teure Kontrollgerät.

Schwerpunkt der Interkommunalen Zusammenarbeit im Ordnungsbehördenbezirk ist der ruhende und fließende Verkehr, erläuterte Abtsteinachs Hauptamtsmitarbeiter Stefan Pape. Seit dem Abbau der stationären Blitzer am Netto-Markt im vergangenen Jahr wegen rechtlicher Bedenken „gibt es keine Überwachung mehr“, sagte er. Deshalb machte man sich verwaltungs- und gemeindeintern Gedanken, wie das weitere Vorgehen aussehen könnte.

„Wir haben uns Erfahrungsberichte aus dem Weschnitztal geholt“, wies Pape auf den dortigen Einsatz des Blitzanhängers bereits seit gewisser Zeit hin. Der Vorteil: „Wir brauchen keine weitere Infrastruktur an der Messstelle“ – und auch kein Personal. Denn der Betrieb läuft bis zu zehn Tage lang autark. Der Hauptamtsmitarbeiter nannte einen weiteren sinnvollen Effekt bei einem mobilen Gerät: „Es tritt kein Gewohnheitseffekt ein.“

„Der Blitzanhänger überwacht den fließenden Verkehr an zuvor durch die Fachbehörde genehmigten Messstellen“, so Pape. Dazu zählt derzeit in Abtsteinach die an der Landstraße L 535 in Ober-Abtsteinach Richtung Siedelsbrunn, wo sich früher das stationäre Gerät befand. Zwei zusätzliche Messstellen sollen hinzukommen: in Ober-Abtsteinach auf der L 3408 in der Löhrbacher Straße in Höhe Einmündung Götzensteinstraße sowie in Unter-Abtsteinach auf der L 3257 in Höhe Weinheimer Straße.

Derzeit wird das Genehmigungsverfahren für insgesamt acht weitere Messstellen im gemeinsamen Ordnungsbehördenbezirk betrieben, informierte er. 23 Geschwindigkeitskontrollen können zudem mit dem vorhanden mobilen Messequipment auch an anderen Messstellen durchgeführt werden. Hierfür bedarf es keiner Genehmigung, entgegnete Pape auf Nachfrage von Julia Jöst (CDU).

Der sogenannte „Poliscan Enforcement Trailer“ der Firma Vitronic kostet 221.000 Euro netto. Die Anschaffung soll über einen Mietkauf über 60 Monate erfolgen. Die jeweiligen Raten von 3681 Euro für alle drei Gemeinden beinhalten Pape zufolge neben verschiedenen Software-Lizenzen auch die Wartung über die gesamte Vertragsdauer sowie eine Verlängerung des Gewährleistungszeitraums auf fünf Jahre.

Straßenkilometernetz der jeweiligen Kommune und Einwohnerzahl waren maßgeblich für die geplanten Einsatzzeiten, nach der sich auch die Aufteilung der monatlichen Gesamtrate berechnete.  Wald-Michelbach zahlt 60 Prozent oder 2200 Euro, womit das Gerät dort 30 Wochen pro Jahr zum Einsatz kommt. In Grasellenbach, das monatlich 847 Euro beisteuert, steht der Blitzanhänger zwölf Wochen. Abtsteinach bezahlt 626 Euro und bekommt die Gerätschaft dafür neun Wochen lang. Laut Hersteller ist mit einer Lieferzeit von etwa drei 3 Monaten zu rechnen, sagte Pape.

Thematisiert wurden von den Mandatsträgern die „krassen Überschreitungen“ in Neckar- und Steinachstraße, wo Autofahrer die erlaubte Geschwindigkeit massiv missachteten. Weshalb Janina Becker (FWV) auch weg vom finanziellen Gedanken wollte und den Sicherheitsaspekt in den Vordergrund stellte. Peter Jöst (CDU) störte sich am hohen Preis und fragte nach Alternativangeboten. Für diese spezielle Form des Blitzanhängers gibt nur einen Anbieter, informierte Pape.

Julia Jöst regte an, gleich noch mehr Messstellen zu beantragen. Geht natürlich, aber man will seine Erfahrungen sammeln: Von Pape und Bürgermeisterin Angelika Beckenbach wurde darauf hingewiesen, dass man ganz am Anfang der Ordnungsbehörden-Zusammenarbeit steht und das Ganze ein wachsender Prozess sein.

Grundsteuer steigt mehr als 100 Prozentpunkte

Für die Abtsteinacher Bürger wird’s ab 2020 teurer. Denn die Grundsteuer B steigt dann auf 503 Prozentpunkte (derzeit 400), was dem aktuellen Kreis-Durchschnitt entspricht. Damit kommen pro Jahr 76.000 Euro zusätzlich in den Gemeindesäckel. Die Gemeindevertretung machte sich aber die Entscheidung nicht leicht. Nach längerer Diskussion wurde mehrheitlich fraktionsübergreifend mit vier Stimmen der FWV und einer aus der CDU bei drei Nein ebenfalls der Christdemokraten und zwei Enthaltungen zugestimmt.

Neben den zahlreichen gesetzlichen Vorgaben, die viel Geld kosten, stehen große eigene Vorhaben an. Vor allem die Kindergarten-Erweiterung ist hierbei ein Riesen-Brocken. Dazu kommen neues Feuerwehrgerätehaus und die Neukonzeption der Kläranlage. Ziemlich deutlich wurde der klagende Zeigefinger Richtung Land und Bund gerichtet, ohne deren Auflagen und Knausrigkeit die Gemeinde möglicherweise ihre Maßnahmen stemmen könnte, ohne an der Steuerschraube zu drehen.

Obendrauf kommen noch die gesetzlichen Vorgaben des Gesetzgebers, denen die untergeordneten Ebenen Folge leisten – und dafür zahlen – müssen. Dazu zählen unter anderem Rechnungsworkflow, Datenschutzgrundverordnung oder Online-Zugangsgesetz. Alles Belastungen, die es in den Jahren zuvor nicht gab. Die neusten Planzahlen für den Haushalt 2020 revidierten sich zwischen Ausschuss- und Gemeindevertreter-Sitzung, erläuterte Finanzfachfrau Dominique Hilman. Das reißt ein zusätzliches Loch, denn schon der bisherige Entwurf war Spitz auf Knopf genäht.

Abtsteinach bekommt danach im kommenden Jahr 104.000 Euro weniger an Einkommensteueranteilen als noch 2019. Mit einem gewissen Rückgang hatte man zwar gerechnet, „aber der fällt extrem aus“, zeigte sich Hilman erschrocken. Ohne die Grundsteuererhöhung würde der Haushalt somit im ordentlichen Ergebnis ein Defizit von 54.000 Euro ausweisen, mit ihr ist es ein kleiner Überschuss von 22.000 Euro. Diese „Schockmeldung“ zeigte Bürgermeisterin Angelika Beckenbach, „dass wir etwas für eine gesicherte Haushaltsführung tun müssen“.

Bei der Kindergartenplatz-Schaffung und dem neuen Feuerwehrgerätehaus gibt’s keine Refinanzierungsmöglichkeit, erläuterte die Verwaltung. Die Gemeinde muss Zins, Tilgung, Abschreibung und die Betriebskosten aus dem laufenden Haushalt erwirtschaften. Im Bereich Kläranlage besteht die Möglichkeit der teilweisen Refinanzierung über Abwasserbeiträge oder Gebührenerhöhungen.

Allein 70.000 Euro im Jahr kostet die Kommune derzeit die Kindergarten-Außengruppe neben der Apotheke. Das Gute-Kita-Gesetz des Bundes, noch im Werden, „lässt die Personalkosten steigen“, prognostizierte die Bürgermeisterin. „Ich habe keine Ahnung, wie die Gemeinden alles finanzieren sollen, was von oben kommt“, machte sie ihrem Ärger Luft. „Es ist mir ein Rätsel.“

Beckenbach wollte die Erhöhungen durch kleinere Zwischenschritte verträglicher gestalten als eventuell „von 400 auf 800 gehen zu müssen“, betonte sie. Von der Verwaltung wurde eine Modellrechnung aufgemacht, wie viel mehr der einzelne Bürger zu zahlen hat. 50 Euro wären es im Jahr ungefähr bei einer jetzigen, jährlichen Grundsteuer-Summe von knapp 200 Euro. 70 Euro mehr lautet die Rechnung bei aktuell 290 Euro jährlicher Grundsteuer und fast 190 Euro mehr bei derzeit 720 Euro.

„Das ist kein beliebtes Thema“, war der Rathauschefin klar. Allerdings sei es auch die Aufgabe der Verwaltung darauf hinzuweisen, wenn die Finanzstruktur der Gemeinde „so stark beansprucht ist, dass sich etwas an den Hebesätzen tun muss“. Bereits bei der Entscheidung für den Neubau des Feuerwehrhauses habe man deshalb darauf hingewiesen, „dass bei der Umsetzung eine Grundsteuer-Anhebung anstehen wird“.

CDU-Fraktionsvorsitzende Brigitte Wetzel warnte davor, immer mehr an der Steuerschraube zu drehen. „Wir müssen für Neubürger attraktiv bleiben“, mahnte sie. Ihre Frage nach Alternativlösungen griff Beckenbach dahingehend auf, dass sie für jeden Vorschlag dankbar sei. Sie regte an, das Thema bei der Haushaltsklausurtagung zu besprechen. „Alles ist notwendig“, entgegnete das Gemeindeoberhaupt auf Wetzels entsprechende Frage. Denn man müsse die gesetzlichen Vorgaben befolgen.

Wie schon im Ausschuss äußerte Peter Jöst (CDU) seine Befürchtung einer Schuldenfalle. Er wertete die Investitionsdichte von zehn Millionen Euro in den kommenden Jahren als zu hoch und sprach sich für eine Streckung der geplanten Maßnahmen aus. Frank Wetzel und Martina Heller (FWV) bemängelten, dass von oben immer mehr Auflagen kommen, die Geld kosten. „Es fragt aber keiner, wie wir die umsetzen können.“

Bei den Abtsteinacher Wasserzählern funkt’s bald

Die Wasserzähler sollen in der Gemeinde sukzessive auf Funkablesung umgestellt werden. Diese Entscheidung fiel in der Gemeindevertretung bei einer Gegenstimme von Peter Jöst und einer Enthaltung von Julias Jöst (beide CDU). Die Firma Itron, dessen Vertreter dem Ausschuss bereits Mitte September das System vorgestellt hatte, bekam den Zuschlag. Die komplette Umstellung beläuft sich auf knapp 72.000 Euro.

In Abtsteinach gibt es rund 840 Frischwasserzähler. Die müssen in einem gesetzlichen Turnus von sechs Jahren nach Ablauf der Eichfrist getauscht werden. Der Tausch verteilt sich in unterschiedlicher Anzahl über die Jahre. Nach der seitherigen Praxis werden jährlich Ablesekarten an die Eigentümer zur Selbstablesung verschickt. Rund 200 von ihnen melden ihre Zählerstände per Onlineablesung direkt in die Finanzsoftware zurück, so der Stand.

Die restlichen rund 640 Zählerstände werden per ausgefüllter Ablesekarte, E-Mail oder telefonisch zurückgemeldet und dann manuell von der Verwaltung im System erfasst, bedeutet dies einen großen Aufwand. Besonders zeitaufwändig ist, dass jährlich etwa 50 Ablesekarten nicht zurückgegeben werden. Die Zähler müssen dann vom Wassermeister vor Ort nach Kontaktaufnahme mit den Eigentümern abgelesen werden.

Dazu kommen noch die erforderlichen Korrekturen bei Ablesefehlern durch die Eigentümer oder nachträgliche Berichtigungen bei Schätzungen des Verbrauchs, wenn innerhalb der Erfassungsfrist keine Kontaktaufnahme zum Eigentümer und Ablesung möglich ist. Zur Verbesserung der Verwaltungsabläufe und effizienteren Datenverarbeitung prüfte man daher die Möglichkeit zur Umrüstung der herkömmlichen mechanischen Frischwasser- auf elektronische Zähler. Die werden mittels Funksignal von der Straße aus abgerufen und automatisch in die Finanzsoftware übertragen.

Laut Verwaltung gibt es mehrere Vorteile des bevorzugten Anbieters gegenüber anderen Systemen. So kann der Austausch der Zähler sukzessive analog dem Ablauf der Eichfrist der derzeit eingebauten erfolgen – also über sechs Jahre verteilt. Er muss nicht innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen sein und erlaubt deshalb eine Streckung der Umrüstungs-Kosten.

Weiterhin ist das System offen und ein Wechsel zu einem anderen Anbieter jederzeit möglich. Der Zählerstand an der Uhr kann bei Bedarf wie seither auch von den Eigentümern abgelesen werden. Ein Defekt wird angezeigt. Die Zähler sind aus Messing und somit wiederverwertbar. Lediglich das Funkmodul ist aus Kunststoff.

Wolfgang Heß, Gebietsmanager der Firma Itron für den Süddeutschen Raum, hatte im September den Mandatsträgern erklärt, dass der Wasserzähler auf einer Frequenz von 433 MHz läuft, die nur dafür reserviert sei. Das Modul sei vollkommen verschweißt und halte maximal 15 Jahre. Itron-Geräte haben eine Reichweiter von 50 bis 100 Meter je nach Tiefe des Schachts. Um die Schnelligkeit der Ablesezeit zu verdeutlichen, nannte er das Beispiel Messel. Dort sei man bei 1000 Modulen in vier Stunden durch.

Heß wies darauf hin, dass die Zähler aus wiederverwendbarem Messing bestehen. Es gebe nur einen geringen Kunststoffanteil. „Alle Komponenten sind recycelbar“, betonte er. Die Module seien weltweit in Verwendung, so der Itron-Mann. 140 Millionen Stück sind in Gebrauch. Den Einzelpreis bezifferte er bei 840 Stück auf 74 Euro. Der Zähler muss nach sechs Jahren getauscht werden. Hier fallen dann noch einmal 21 Euro pro Stück an.

Kirche muss die Menschen dort abholen wo sie stehen

„Wir müssen die Kirche so lebendig halten, dass sie die Menschen bei dem unterstützt, was sie brauchen“, nennt Koordinatorin und Religionspädagogin Silvia Schoeneck als „unseren Auftrag“. Dazu gab’s den Workshoptag zum Pastoralen Weg im Dekanat Bergstraße-Ost unter dem Motto „Ab in die Zukunft – Christsein heute und morgen“. Offen, lebendig und informativ empfanden diesen die 70 Teilnehmer im Pfarr- und Jugendheim.

Aus dem ganzen Dekanat Bergstraße-Ost zwischen Weschnitz- und Neckartal waren Teilnehmende zusammengekommen, um zu diskutieren, wie die katholische Kirche weiterhin für die Menschen da sein und ihren Glauben leben kann. Denn in der Gesellschaft und in der Kirche gibt es Veränderungen, die herausfordern. „Neue Ideen müssen entwickelt werden, um damit umzugehen“, weiß Schoeneck.

Dekan Christian Stamm umriss in einem kurzen Impuls die wesentlichen bevorstehenden Herausforderungen im Bistum Mainz bis zum Jahr 2030 als Hintergrund des begonnenen pastoralen Wegs: weniger Katholiken, weniger hauptberufliche Mitarbeitende (Priester, Diakone, Gemeindereferenten), weniger finanzielle Mittel. Hierbei sind die Pfarreien im Dekanat gefragt, Konzepte für neue pastorale Räume zu entwickeln.

So soll laut Stamm überlegt werden, wie die Verwaltung der Gemeinden zentralisiert sowie Personal und Ressourcen geteilt werden können. Die verschiedenen Kirchorte sollen sich stärker vernetzen, zusammenrücken und Energien bündeln. Wie das fair und konstruktiv umsetzbar ist, soll in den kommenden zwei Jahren diskutiert und am Ende in einen Reformplan münden, der dem Bischof 2021 vorgelegt wird.

Zwei große Pfarreien als Verwaltungsstruktur mit jeweils einem leitenden Pfarrer dürfte das für Bergstraße-Ost bedeuten, erläuterte Schoeneck. Auf 2000 Katholiken soll je ein Mitarbeiter kommen. Ihren Worten zufolge heißt das aber nicht gleichzeitig, dass andere Pfarreien aufgelöst würden. Denn in den beiden großen Einheiten gibt es dann jeweils ein Mitarbeiterteam, das sich um die kleineren Einheiten kümmert.

„Was wird wo gebraucht?“, ist für sie in weiterer Ansatzpunkt. Denn im Gorxheimertal mit einem 50-prozentigen Katholikenanteil könnten die Bedarfe anders sein als im Ulfenbachtal hinter Wald-Michelbach mit 20 bis 25 Prozent. Es geht um eine Bestandsaufnahme, wo sinnvollerweise etwas zusammenge- oder verlegt werden kann, ohne bestehende Strukturen aufzulösen.

Bischof Dr. Peter Kohlgraf sieht den Auftrag vor allem auch als spirituellen Weg. Die Kirche im Bistum Mainz müsse sich fragen, wie sie als Gemeinschaft den Glauben vor Ort und in der Welt konkret leben und sichtbar machen könne. Diese Frage muss laut Kohlgraf offen und im Blick auf die Zukunft diskutiert werden und unterschiedliche Sichtweisen berücksichtigten. Alle, die sich für ihre katholische Kirchengemeinde vor Ort interessieren, sind eingeladen, sich an dem Erneuerungsprozess zu beteiligen.

Vormittags wurden in wechselnden Tischgruppen verschiedene Fragestellungen zur Kirche bearbeitet. In Lebendigkeit, Kommunikation, Seelsorge und Begleitung sahen die Teilnehmenden Angebote der Kirche, die Menschen in ihrem Leben unterstützen und bereichern. Daneben sahen viele konkreten Änderungsbedarf im kirchlichen Leben und Angebot, damit sie für Menschen relevant und anziehend ist.

Eine neue Offenheit wurde gefordert für das Alltagsleben ebenso wie gemeindeintern für neue Angebote, Begegnungen und Gruppierungen über den Tellerrand der eigenen Gemeinde hinaus. „Wir müssen zuhören, was die Leute brauchen“, postulierte Schoeneck. Die Kirche werde oftmals nur als Gottesdienstort gesehen. Es gehe darum, „die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen“, sich ins Leben vor Ort einzubringen. Die Fragestellung laute, wie sich die Kirche verändern müsse, damit sie für die Gläubigen relevant sei.

Nachmittags konnte in verschiedenen Workshops insbesondere das Thema Kommunikation vertieft werden. Wie kann man „Ganz Ohr sein?“, die „Kunst des Fragens“ erlernen oder gut zusammenarbeiten? Improvisationstheater, „Boomwackers“ (Rhythmusröhren) und ein Impulsspaziergang im Ort lockerten die Diskussionen auf und ließen auch den Spaß nicht zu kurz kommen.

Zum Abschluss trafen sich die Teilnehmenden in ihren jeweiligen Pfarrgruppen Abtsteinach, Bad Wimpfen, Birkenau, Fürth/Lindenfels, Mörlenbach, Neckartal und Überwald und überlegten erste Schritte, wie der pastorale Beratungsprozess vor Ort weitergeführt werden kann. Unterstützt werden sie dabei vom Dekanats-Projektteam. Es konstituiert sich diese Woche und wird die Anregungen in die Weiterarbeit miteinplanen.

 

 

Info: Aktuelle Informationen zum Pastoralen Weg finden sich auf der Homepage des Dekanats http://www.dekanat-bergstrasse-ost.de und der Bistumshomepage http://www.bistum-mainz.de.