Gemeinde lebt vom großen Engagement der Bürger

Ohne das Ehrenamt wäre unsere Gesellschaft viel ärmer. Gerade in den ländlichen Regionen ist die Bereitschaft, sich für die Gemeinschaft zu engagieren, immer noch sehr hoch. Die Gemeinde würdigt solche Menschen, die sich in den Dienst der Allgemeinheit stellen, jedes Jahr auf dem Frühlingsempfang. Der war dieses Jahr im Sitzungssaal des Rathauses sehr gut besucht. Für die musikalische Umrahmung sorgte das Jugendorchester der KKM unter Leitung von Alex Kropp.

Neben den Ehrungen ist der Frühjahrsempfang „auch eine schöne Gelegenheit, sich über die zukünftige Entwicklung Abtsteinachs, die Ziele und Erwartungen austauschen“, sagte Bürgermeisterin Angelika Beckenbach in ihrer Begrüßung. Sie bezeichnete den Ort als „eine starke, sich gut entwickelnde Gemeinde, in der die Menschen sich wohlfühlen, gerne leben und arbeiten“.

In den kommenden Jahren stehen viele große Projekte zur Umsetzung an, erläuterte die Bürgermeisterin. „Große Projekte, die sehr viel Geld kosten werden.“ Sie erwähnte die Neuschaffung von Kindergartenplätzen, den Neubau des gemeinsamen Feuerwehrhauses sowie die Neustrukturierung der Abwasserreinigung und Entsorgung an der Teichkläranlage.

Beckenbach sparte dabei auch nicht Kritik an übergeordneten Stellen, die für solche Maßnahmen zu wenige Mittel zur Verfügung stellen. Denn: „Diese Projekte stellen keinen Luxus und keine Wünsche dar“, sagte sie. Es seien Pflichtaufgaben der Kommune, gesetzliche Anforderungen und Verpflichtungen, „die uns der Gesetzgeber aufgibt“. Allerdings, monierte sie: Bei der Finanzierung sei die Gemeinde weitgehend auf sich allein gestellt. Die Bezuschussung für die Erfüllung von Pflichtaufgaben sei „sehr beschränkt“.

Wenn die Gemeinde überhaupt mit Fördermitteln rechnen kann, „decken diese nur einen sehr geringen Teil der Kosten ab“, kritisierte Beckenbach. Besondere topographische, unveränderbare Bedingungen würden nicht berücksichtigt. Die Lösungsfindung zur verträglichen und generationsgerechten Finanzierung dieser Pflichtaufgaben „stellt die gemeindlichen Gremien vor eine große Herausforderung und Verantwortung“, so die Bürgermeisterin.

Kommunalpolitiker stehen der Rathauschefin zufolge „immer unter der Kontrolle der Wähler und der kritischen Öffentlichkeit“. Als treuhänderischer Verwalter des öffentlichen Vermögens „bedarf es zum einen dem Blick auf die Kosten und Folgekosten, zum anderen aber auch auf die zukunftsweisende und sichere Entwicklung der Gemeinde“. Nicht selten erfordere es auch Mut, gewisse Entscheidungen zu treffen.

Beckenbach sah Abtsteinach auf einem guten Weg. Das belege die jährlich steigende Einwohnerzahl. Aktuell zählt der Ort 2432 Bürger. „In Abtsteinach kann man sehr gut leben, arbeiten und lernen“, freute sie sich. Die Gewerbesteuerentwicklung „hat einen neuen Höchststand erreicht“, teilte die Bürgermeisterin mit. Der Haushaltsansatz belief sich noch auf eine Million Euro, jetzt rechne man schon mit 1,3 Millionen Euro.

Die Gemeinde lebt insbesondere auch vom großen Engagement der vielen ehrenamtlich Tätigen und wird von denjenigen getragen, die sich zum Wohl der Allgemeinheit einbringen, betonte die Rathauschefin. „Dies geschieht oft in vielen, meist unzählbaren Stunden.“ Oft auch im Verborgenen, so dass nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich ist, wieviel „Herzblut“ in die Sache investiert wird. Dabei entstehen auch immer wieder neue Ideen und neues Engagement.

Ein neues Projekt erwähnte Beckenbach in diesem Zusammenhang: Es stärke und belebe bereits in der Planungs- und Vorbereitungsphase die Dorfgemeinschaft. Unter dem Motto „Ein Dorf macht Musik“ stehen am Samstag, 22. Juni, über 40 Musiker aus allen drei Ortsteilen als Solisten, in Chören und in neuen Formationen bei der Kerwe gemeinsam auf der Bühne. Sechs Personen und Vereine wurden im Anschluss ausgezeichnet. Die Ehrungen nahm Beckenbach gemeinsam mit dem Gemeindevertreter-Vorsitzenden Frank Wetzel vor.

Ehrenamtspreise

Verein KUMM Mackenheim: Der Wunsch nach einer Wiederbelebung und Stärkung der Dorfgemeinschaft war groß. 2017 entstand die Idee zur Gründung eines eigenen Vereins und der Wiederbelebung des ehemaligen Feuerwehrhauses. 35 Bürger erklärten sich bereit, an der Neugestaltung des Dorfgeschehens aktiv mitzuwirken. KUMM steht nicht nur für „Kommen und Mitmachen“, sondern auch für Kultur in Mackenheim. Aus den unterschiedlichsten Ideen haben sich mittlerweile eine Vielzahl von konkreten Aktivitäten und Veranstaltungen entwickelt. Neben den traditionellen Festen wird zum Whisky-Tasting und zu Bierproben, Yoga, Weihnachtsbacken, Pubic Viewing und vieles mehr eingeladen. Die sehr gute Resonanz bestätigt es: KUMM hat das Bedürfnis der Dorfbevölkerung erkannt und es ist sehr schön zu sehen, dass das ehemalige Feuerwehrhaus wieder mit Leben gefüllt ist und einen Treffpunkt in der Gemeinde bietet, freute sich Bürgermeister Angelika Beckenbach.

Verein für sportliche, kulturelle und soziale Aktivitäten: Nach dem Umbruch im Kerwe ausrichtenden Verein stand die Unter-Abtsteinacher Veranstaltung im vergangenen Jahr auf der Kippe. Eine gute Handvoll junger Abtsteinacher erklärte sich bereit, die Verantwortung zum Erhalt der Unner-Stoanischer Kerwe zu übernehmen. Mit neuen Ideen haben sie im vergangenen Jahr dann die Kerwe erstmalig verantwortlich organisiert – und das mit großem Erfolg. Es braucht keine jahrzehntelange Mitgliedschaft in einem Verein, um Verantwortung zu übernehmen, so Frank Wetzel. Es braucht etwas Mut, die Fähigkeit Neues zu versuchen, aber auch die Erfahrung anderer zu nutzen und vor allem die Bereitschaft, sich für die Allgemeinheit zu engagieren. Dann spielt Alter nahezu keine Rolle.

 

Ehrenauszeichnungen

Walter Jungheinrich (KKM): Neben den Vereinsvorsitzenden und den Vorstandsmitgliedern sind es insbesondere die vielen Helfer im Hintergrund, die zum Gelingen der Gemeinschaft beitragen, so die Rathauschefin. Walter Jungheinrich unterstützt bei der Katholischen Kirchenmusik Ober-Abtsteinach als langjähriger aktiver Musiker das große Orchester und gestaltet durch seinen Einsatz für die Musik das Brauchtum und das kulturelle Leben entscheidend mit. Besonders liegt ihm das Jugendorchester am Herzen, das er als langjähriger Vizedirigent nicht nur bei den Auftritten begleitet, sondern auch am Keyboard unterstützt. Als Fachmann für das Schlagzeug und die Percussion ist er den jugendlichen Musikern ein kompetenter Ansprechpartner und väterlicher Freund. Mit großem Engagement hat er dabei viele Jugendmusiker auf dem Weg zum großen Orchester begleitet.

Peter Schmitt (katholischer Kirchenchor St. Cäcilia): Der Geehrte ist im 21. Jahr Kassenwart im Chor und unterstützt den Vorstand im Grunde genommen jeden Tag bei den vielen zu leistenden Aufgaben über die des Kassenwartes hinaus. Als Beispiel nannte Wetzel, die älteren Chorteilnehmer zu Proben und Auftritten zu fahren oder dazu beizutragen, dass bei verschiedenen Anlässen das Kirchenchor-Café im Rathaus oder in Lichtenklingen aufgebaut ist. Seit 26 Jahren ist er auch als aktiver Sänger im Chor dabei.

Günter Helfrich (Ski-Club der SGU): Vor 40 Jahren fand sich ein Gruppe Skisport begeisterter Personen zusammen und hob mit viel Engagement die Abteilung aus der Taufe, so Wetzel. Ein Skilift samt Flutlichtanlage wurde installiert, auf der zahlreiche heute noch Aktive das Skifahren lernten. Einer der Hauptverantwortlichen war der damalige Abteilungsleiter Günter Helfrich. Zwölf Jahre lang stand er der Abteilung vor und schuf damit die Voraussetzung, dass bis heute aktiv Skisport vor Ort und auch in alpinen Gebieten betrieben werden kann. Nach seinem Ausscheiden als Abteilungsvorstand leitet er seit mehr als zehn Jahren die Seniorensportgruppe. Helfrich war Mitglied des Hardbergboten-Redaktionsteams in dessen ersten Jahren und unterstützte die Flüchtlingsbetreuung mit der Durchführung von Unterrichtsstunden.

 

Ehrenplakette für Peter Rutsch: Von 1972 bis 1981 war Rutsch Mitglied der Gemeindevertretung. Dieses Ehrenamt stellte gerade nach der Verwaltungs- und Gebietsreform eine sehr bedeutungsvolle Aufgabe für die neugeordnete Gemeinde Abtsteinach dar, erläuterte die Bürgermeisterin. 1986 wurde er zum stellvertretenden Schiedsmann der Gemeinde Abtsteinach gewählt. Dieses Ehrenamt hatte er 32 Jahre lang, bis 2018, inne. Bereits 1982 übernahm der Geehrte das Amt des Ortsgerichtsvorstehers für den Bezirk Unter-Abtsteinach. Zu dessen wesentlichsten Aufgaben gehören die Beglaubigung von Unterschriften und Abschriften, die Erteilung von Sterbefallanzeigen, die Nachlasssicherung sowie die Schätzung von Grundstücken und Gebäuden. Peter Rutsch hat auf eigenen Wunsch nach 36 Jahren diese Aufgabe als Ehrenbeamter im Jahr 2018 niedergelegt. Insgesamt war er 46 Jahre lang im Ehrenamt tätig, so Beckenbach.

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Flattermänner lieben den Schmetterlingsgarten

Das Insektensterben beherrscht aktuell die Medien. „Es ist nachweisbar, es ist messbar und spürbar“, sagt Fachmann Siggi Winkler aus Weiher, der sich schon seit 50 Jahren mit dem Thema beschäftigt, Schmetterlinge beobachtet und züchtet. Auch wenn im Odenwald die Welt noch einigermaßen in Ordnung ist, kann jede noch so kleine Maßnahme helfen, den Bestand zu sichern. Wie etwa der „Schmetterlingsgarten“ von Claudia Felske, den sie in den vergangenen Jahren in der Scharbacher Mooswiese anlegte.

„Den Garten habe ich vor dem Haus der Kuhwiese abgetrotzt“, erzählt „Fenna“ Felske. Im ersten Jahr baute sie eine kleine Terrasse und versuchte Gemüse anzubauen. Den Rest der Wiese ließ die Scharbacherin „einfach mal wachsen“ und schaute, was sich entwickelt, wenn das Gras nicht ständig gemäht oder abgesenst wird. Im zweiten Jahr waren das die Sumpfdotterblumen, das Mädesüß und die Engelwurz, die wilde Möhre, Buschwindröschen, Miere, Malven, Glockenblumen.

Felske pflanzte parallel Stauden Sträucher und Bäume. Die Brombeerecke wurde definiert, die wilden Himbeeren durften sich ausbreiten. Die Insektenvielfalt stellte sich im dritten Jahr ein. „Es zogen vermehrt Schmetterlinge ein“, beobachtete sie, dazu die Zauneidechse und Massen von Marienkäfern. Im vierten Jahr fingen sich die Stauden an zu vermehren.

Der Garten macht nicht viel Arbeit, erläutert sie. Denn man muss nur einzelne Sektionen bearbeiten und das meiste einfach sich selbst überlassen. Eigentlich ist das Sensen tabu. Nur Sortieren und vorsichtiges Abräumen der toten Blätter und Staudenstängel im späten Frühjahr ist erlaubt. „Doch leider wird dies als Faulheit oder Unordentlichkeit ausgelegt“, bedauert die Scharbacherin. „Doch seit wann ist denn die Natur ordentlich?“, fragt sie rhetorisch.

Die Engelwurzstaude liefert im Sommer als Doldenblütler Pollen und Nektar für Biene und Schmetterling und dient im Winter als Unterschlupf für Wildbienen, sofern sie stehen gelassen wird. Ein mögliches Winterlager für den Zitronenfalter ist ein Brombeergebüsch, etwas feucht durch den Bachbereich. Totholz und Kompost bilden Lebensraum für zahlreiche Insekten. Besonders Marienkäfer freuen sich, unter der Rinde einen Platz zu finden. Auch die Zauneidechse und der Zaunkönig haben hier ihre Nische gefunden.

In einem Schmetterlingsgarten müssen Brennnessel, Brombeeren, Himbeeren, Totholz und Blühstauden miteinander verwildern, rät sie. Außerdem: „Im Winter alles stehen lassen.“ Genau das ist laut Felske das ausschlaggebende Kriterium. Denn wenn im November alles abgesenst und verbrannt wird, lösen sich damit auch die Eier und Raupen der Schmetterlinge in Rauch auf. „Es muss verwildern“, betont sie. Der Schmetterlingsgarten wird erst im Juni richtig schön. Dann sind auch die meisten Insekten geschlüpft, die als Raupe oder Eier überwintert haben.

Felske sehen mit Besorgnis, wie wenige Insekten im Vergleich zu ihrer Kindheit heute noch zu sehen sind. Das bestätigt auch Winkler: „Die Biomasse ist in den letzten 30 Jahren um etwa 75 Prozent zurückgegangen“, weiß er. Er kennt 100 Arten von Tagschmetterlingen, von denen 32 im Odenwald bestätigt werden konnten. „Vor allem die Älteren wissen noch, welche Insektenpampe wir früher auf der Windschutzscheibe unserer Autos hatten“, schmunzelt er.

Seine soziologischen Studien macht der 70-Jährige seit 30 Jahren für eine Arbeitsgemeinschaft, die beim Frankfurter Senckenbergmuseum angesiedelt ist. Prof. Josef H. Reichholf veröffentlichte im Herbst 2017 eine Studie, in der er den Artenschwund bei Schmetterlingen dokumentierte und wissenschaftlich untermauerte, so der Weiherer.

Winkler warnt: „Etliche Arten sind in dieser Zeit bei uns verschwunden.“ Im Odenwald schätzt Winkler jedoch, dass der Rückgang „nur“ etwa 30 Prozent beträgt. Und: „Es ist kein plötzlich aufgetretenes Ereignis.“ Bereits vor 30 Jahren gab es Anzeichen dafür. Als Gründe nennt der Fachmann: Biotopverlust, Veränderungen in der Landwirtschaft, Kreiselmäher, mehrmalige Mahd im Jahr (die keine Entwicklung mehr zulässt), Düngung, Pestizide, Zersiedelung der „freien Landschaft“, Verlust von Brachflächen oder extensiv bewirtschaftete Flächen.

Von den Pestiziden wisse man mittlerweile, dass viele als insektenunschädlich eingestufte Herbizide das Orientierungssystem und die Fortpflanzungsdynamik stören. Seit Jahrzehnten gibt es im Weschnitztal Ehrenamtliche, die mit ihren Studien den Wissenschaftlern zuarbeiten und die Entwicklung dokumentieren. Neben Winkler zählen dazu auch die Hobbyentomologen Reinhold Pfeifer/Rimbach und Peter Gehrisch/Ellenbach.

Wir können den Insekten helfen durch…

  • Verzicht auf Insektizide, besonders Neonicotinoide, Herbizide
  • keine extensive Beweidung landwirtschaftlicher Flächen
  • Düngeminimierung, Düngeverzicht
  • Ankauf von Flächen durch die öffentliche Hand oder Naturschutzverbände als „Trittsteine“
  • Schaffung von Ackerrandstreifen, Belassen von Böschungen und Wegerainen (die oft ungedüngt sind…)
  • Pflanzung von Sträuchern an Waldrändern, Belassen von Sträuchern, Hecken, Flora an Waldrändern
  • Anlage von Feldholzinseln mit insektenfreundlichen Arten
  • Augenmerk auf Eichen, Weiden und Pappeln (beherbergen die meisten Insektenarten)
  • kleine verwilderte Bereiche/Ecken in Gärten, Belassen sogenannter „Unkräuter“ in Gärten und in der freien Landschaft
  • Einsaat von Blühwiesen oder Sommerflieder in Gärten als Insektenmagnet
  • Erhaltung und Pflege der Obstbäume/Streuobstwiesen, Mistelbekämpfung
  • Verzicht auf „Exoten“ im Garten (z.B. Buchsbaum), Anpflanzung von Blühpflanzen wie Fenchel, Lavendel u.a.

„Lokalgeschichte macht einfach Spaß“: Klaus Lammer überarbeitete die Wald-Michelbacher Chronik

Eine wahre Fundgrube für ortsgeschichtlich Interessierte ist die Wald-Michelbacher Chronik von Michael Walter, die Jahrzehnte lang im Archiv der Gemeinde vor sich hin schlummerte. Klaus Lammer erweckte sie aus ihrem Dornröschenschlaf, überarbeitete sie, brachte sie auf den neusten Stand und ließ sie als Broschüre binden. Das 209-seitige Ergebnis, prall gefüllt mit vielen, bisher der Allgemeinheit unbekannten Fundstücken aus der Historie, ist seit kurzem an drei Verkaufsstellen erhältlich.

Der heute 81-jährige befasst sich schon seit 1990 mit der Geschichte seines Heimatortes. Bilder, die Bewohner, Ereignisse und Anekdoten sind für ihn von besonderem Interesse. „Ich bin damals nach alten Bildern hausieren gegangen“, schmunzelt Lammer. Früher, weiß der Hobby-Historiker, wurden nicht die Häuser fotografiert, sondern die Personen davor. Damit wollten die Besitzer zeigen, dass sie vermögend sind.

Auf die Chronik von Michael Walter (1878-1965) stieß er 1998 eher per Zufall. Lammer wertet sie „als sehr wertvoll für die Wald-Michelbacher Nachwelt“. Denn der Verfasser trug damals in akribischer Kleinarbeit aus Büchern, Zeitungen und verschiedenen Archiven unzählige Daten zusammen. „Mit Worten ist diese großartige Leistung kaum zu beschreiben“, zollt er dem Verfasser großes Lob.

Über Walters Detailgenauigkeit kann der Wald-Michelbacher nur staunen. „Da steht drin, wer die Post wo ausgetragen hat und welche Wege benutzt wurden“, nennt er ein Beispiel. So lief der Briefträger in früheren Jahren, als es noch keine Autos gab, von Mörlenbach kommend über Fürth, Grasellenbach und Wald-Michelbach wieder zum Ursprungsort zurück. „Das waren mehr als 30 Kilometer am Tag“, erwähnt Lammer mit Respekt.

Die Broschüre blickt auf die früheren Frondienste zurück, die die Wald-Michelbacher für die Feudalherren leisten musste. So wurden 20 Fuhrwerke aus dem Überwald angefordert, wenn die Kurfürsten ihren Hofstaat von Mannheim zum Sommerwohnsitz Schwetzingen verlegten. Oder es galt, Gemüse aus dem Odenwald über Wald-Michelbach auf den Mannheimer Markt zu schaffen. „Morgens um 3 Uhr ging es hier los“, weiß Lammer. Er ist daneben fasziniert von den vielen Münz- und Maßeinheiten in früheren Zeiten. Die Galgenhöhe deutet seinen Worten darauf hin, dass es dort früher einen Galgen gab.

Der 81-Jährige spielte auch Detektiv und suchte den Standort von Häusern. So lokalisierte er die „Wetzelshube“ in Unter-Wald-Michelbach, die „Bischofshube“ in der Rudi-Wünzer-Straße. Grundriss und Lageplan der Wehrkirche von 1780 finden sich ebenso in den Unterlagen wie die Aufzählung der früheren Leibeigenen. Bei der Gaderner Brücke, erfuhr er, wurde früher vom Bach das Wasser für den Wehrgraben abgezweigt. Darüber wurde auch die Mühle versorgt, die sich an der Stelle des heutigen Eiscafés befand. „Die Ludwigstraße gab es zu dieser Zeit noch nicht“, erklärt er.

Klaus Lammer wollte diese wertvolle Chronik den Bürgern zur Verfügung stellen und ihnen die Geschichte ihres Heimatortes näherbringen. Außerdem lag ihm daran, das Werk durch Digitalisierung für die Zukunft zu sichern. „So lassen sich einzelne Passagen ausdrucken, man kann Verbesserungen vornehmen und Veränderungen ergänzen“, erläutert er. Das tat er etwa mit der Fortschreibung der Einwohnerzahlen oder der Bürgermeisterliste, die im Jahr 1500 beginnt. Auch die Zahl der Gebäude in Wald-Michelbach „ist jetzt bis 2015 aktualisiert“, so Lammer.

Seit Anfang der 2000er Jahre war der Wald-Michelbacher am Digitalisieren. Das Ergebnis wurde zu einem Ringbuch gebunden und zuerst einmal im Bekanntenkreis zum Lesen rumgereicht. „Von dort kam auch die Anregung, es als Buch oder Broschüre zu veröffentlichen“, berichtet er. „Lokalgeschichte macht einfach Spaß“, bekennt der Hobby-Historiker, nämlich zu erforschen, „was man bisher nicht wusste“.

Um dem Leser die Lektüre zu erleichtern, brachte der 81-Jährige Walters Arbeit in eine verständlichere Form. Denn der Autor hatte, „scheinbar um Papier zu sparen“, jedes Blatt vollständig ausgenutzt. „Es gab auf den Seiten weder Ränder noch Absätze“. Deshalb war es seiner Beobachtung nach „oft anstrengend, den Inhalt aufzunehmen und zu verarbeiten“. Er hätte es sich „nie träumen lassen, was ich dabei so viel Neues über meinen Heimatort erfahren würde“, zeigt sich Lammer begeistert über das Gelesene.

Klaus Lammer arbeitete im Vorfeld der Veröffentlichung 14 Tage lang daran, bis die Sortierung stand. Zupass kam ihm dabei, dass er vor über 20 Jahren noch mit 60 einen Computerlehrgang machte. „Der zweitälteste war damals 25“, schmunzelt er. Alle Daten der Chronik sicherte der 81-Jährige auf einer externen Festplatte, damit auch bei einem Computerabsturz nichts verloren geht.

Info: „Chronik von Wald-Michelbach“, verfasst in den 1950er Jahren von Oberstudiendirektor i.R. Michael Walter, neu gestaltet von Klaus Lammer, 209 Seiten, Preis 20 Euro, erhältlich in Wald-Michelbach bei Aral-Tankstelle Lammer, Sparkasse Starkenburg und Gemeindeverwaltung.

Seit 50 Jahren steht Hans Helfrich am Dirigentenpult

Fünf oder sechs „Urgesteine“ aus den Anfangszeiten singen immer noch in seinem Chor aus Falken-Gesäß, wenn der Scharbacher Hans Helfrich dort am 23. März mit einem festlichen Kommers sein 50. Chorleiter-Jubiläum begeht. Zu den Gratulanten gehören auch die Mitglieder des Gesangvereins Immergrün aus Hartenrod, den der 72-Jährige seit 1990 dirigiert. Die Musik wurde ihm schon in die Wiege gelegt. „Mein Vater sang 60 Jahre im Chor“, lächelt Helfrich.

Seine Begeisterung für Töne und Noten hat der ehemalige Musiklehrer und Chorleiter aus Passion auch einem Teil seiner Kinder und Enkel weitergegeben. Sohn Daniel ist bundesweit gefragter Musik-Kabarettist, Enkelin Selina Blessing, die gerade mitten im Abi steckt, spielt in der Big Band des Überwald-Gymnasiums mit und begleitet den Großvater bei Chorauftritten am Klavier.

Den Eintracht-Männerchor des Oberzent-Stadtteils übernahm Helfrich 1969, noch als Lehramtsstudent. Zu dem kamen im Laufe der Jahre Frauen- und gemischter Chor hinzu. Die Männer gibt es heute mangels Masse nicht mehr als eigenständigen Klangkörper, sie leihen ihre Stimme dem gemischten Chor. Insgesamt sind es um die 40 Sängerinnen und Sänger, die in Falken-Gesäß ihre Stimme erklingen lassen. Ebenfalls 1969, „vor einem halben Jahrhundert“, wie Helfrich im Rückblick andächtig feststellt, stieg er beim Liederkranz Oberzent-Gammelsbach ein. Den leitete er bis zum Jahr 2000.

„Jüngeren“ Datums sind seine noch aktuellen Engagements in Ober-Ostern und Hartenrod. Wobei sich das Wort „jünger“ seine Anführungszeichen durchaus verdient hat. Denn auch in diesen beiden Orten wirkt er seit fast drei Jahrzehnten, seit 1990, am Dirigentenpult. Der gemischte Gesangverein Immergrün zählt etwa 25 Köpfe, in Ober-Ostern bei Reichelsheim kommen bei Männer-, Frauen- und gemischtem Chor um die 40 Aktive zusammen.

Doch Hans Helfrich begleitete in seinen (bisherigen) 50 Jahren seines Chorleiterwirkens noch einige andere Klangkörper aus der Region. So lange den Männerchor Ober-Abtsteinach, den es heute nicht mehr gibt. „Zu seinen besten Zeiten hatte der noch 60 Sänger“, erinnert sich der Jubilar wehmütig. Zehn Jahre stand er beim MGV 1951 Wald-Michelbach am Dirigentenpult, außerdem leitete er – quasi als Heimspiel – von 1984 bis 2008 die Scharbacher Waldeslust mitsamt Kinderchor.

Der gebürtige Heppenheimer verbrachte seine Jugendzeit in Wald-Michelbach, war als Jugendlicher beim dortigen Sängerbund und der Feuerwehr-Kapelle sehr aktiv. Klarinette, Saxofon und Klavier sind seine erlernten Instrumente. Nach dem Abitur am Überwald-Gymnasium, dessen 50. Jubiläum er vor ein paar Jahren feierte, studierte Helfrich an der Heidelberger PH Lehramt für Grund- und Hauptschulen mit dem Schwerpunkt Musik.

1971 startete er seine berufliche Laufbahn an der Volksschule Unter-Abtsteinach, danach folgte die Schule für Lernbehinderte in Wald-Michelbach, ehe er ab 1974 bis zu seiner Pensionierung 2012 an der Ulfenbachtalschule Wahlen wirkte. Nach Scharbach hat es den Jubilar 1971 nach der Heirat mit seiner Karin verschlagen. Dort wurde das eigene Haus gebaut, das dann Heimat für die nach und nach auf fünf Köpfe anwachsende Familie war. Zu den drei Kindern kamen inzwischen zwei Enkel hinzu – „und es werden mehr“, lächelt er.

„Mein Leben ist erfüllt mit Musik“, betont der agile 72-Jährige. „Ich liebe meine Tätigkeit als Chorleiter“, verdeutlicht er seinen Wunsch, so lange weiterzumachen wie es die Gesundheit zulässt. Mit seinen Chören kommt er auch in der Welt rum. Seit 1989 führen Chorreisen in alle Winkel des Kontinents. Mit seiner Frau Karin testet Hans Helfrich die ausgewählten Ziele erst einmal an, bevor dann gemeinsam ein Programm erstellt wird. Konzertauftritte sind logischerweise inklusive wie vergangenen Herbst auf Malta.

„Das ist ein einmaliges Erlebnis für die Chöre aus dem Odenwald“, weiß der Dirigent aus Passion. In höchster Qualität: „Wir haben unsere Heimat in ganz Europa sehr gut verkauft“, schmunzelt er. Unter anderem bei einer Papstmesse mit über 100 singenden Teilnehmern aus allen von ihm geleiteten Chören im Petersdom. Oder in Moskau vor dem Patriarchen.

Am 23. März ist in Falken-Gesäß beim Festkommers neben den dortigen Chören auch der GV Immergrün dabei. Am 3. Mai wird dann in der Alten Turnhalle Beerfelden „groß aufgefahren“. Um die 90 Mitwirkenden erwartet der Jubelchorleiter bei der Aufführung „Vom Schlager bis zum Pop“. Dazu kommen noch Big Band und Solisten. Enkelin Selina, die seit fünf Jahren den Großvater bei Konzerten am Klavier begleitet, wird auch wieder mit an den Tasten sein.

Info: Am Samstag, 23. März, findet in Falken-Gesäß ein Festkommers anlässlich des 50. Chorleiter-Jubiläums von Hans Helfrich statt. Daran nimmt auch der GV Immergrün Hartenrod teil. Am 3. Mai steigt in der Alten Turnhalle Beerfelden die Aufführung „Vom Schlager bis zum Pop“. In dem dafür gebildeten Projektchor mit 60 Sängern sind auch Teilnehmer aus Hartenrod dabei. Eine extra gegründete Big Band sorgt für den guten Sound.

Scharbacher Wehr musste 24 Mal ausrücken

24 Einsätze standen im vergangenen Jahr für die Scharbacher Freiwillige Feuerwehr an, berichtete Wehrführer Lothar Schmitt auf der Jahreshauptversammlung. Neun Mal gingen Brandmeldeanlagen los, fünf Brände galt es zu löschen, dazu kam der Großbrand beim Holzwerk Monnheimer, der alle Brandschützer der Gemeinde forderte. Die Einsatzabteilung der Ortsteilwehr besteht derzeit aus 21 Aktiven, davon drei Frauen und 18 Männer, berichtete er.

Fast alle der 23 Übungen wurden mit den Hammelbacher Kameraden durchgeführt, erläuterte Schmitt. Dafür wurden 530 ehrenamtliche Stunden geleistet. Er bat alle „um rege Teilnahme an den Übungen“, da nur so der Ausbildungsstand gehalten werden könne. Zusätzlich zu den Einsätzen gab es neun technische Hilfeleistungen, davon unter anderem vier wegen Unwetter und zwei Unterstützungen der Rettungsdienste. Der Wehrführer listete hierfür 422 Stunden auf. Er freute sich, dass dabei niemand verletzt wurde.

Schmitt dankte für die Bereitschaft der Firmen, „auch während der Arbeitszeit Aktive zum Einsatz zu lassen“. Der Einsatz von Tobias Schmidt mit Michel Schmitt für die Jugendwehr „lässt uns für die Zukunft auf weitere Aktive in der Einsatzabteilung hoffen“. Die Hammelbacher Kameraden bringen „in mühsamer, oft stundenlanger Arbeit die Schläuche in Ordnung“, hob er hervor. Der Kommandant erwähnte daneben die Arbeit der beiden Gerätewarte Jürgen und Gunther Speckhardt, „ohne deren gewissenhafte Wartung unsere technische Ausrüstung nicht in einem so tadellosen Zustand wäre“.

Der Vereinsvorsitzende Waldemar Schmidt hatte zu Beginn alle Anwesenden begrüßt. Gemeindebrandinspektor Timo Lammer, der zweite stellvertretende GBI Dennis Reim, Bürgermeister Markus Röth sowie Kameraden der Nachbarwehren und Vertreter des Hammelbacher DRK nahmen an der Versammlung teil und sprachen zum Teil Grußworte. Matthias Forell prüfte zusammen mit Jörg Quick die Kasse und lobte die einwandfreie Kassenführung. Beide stellten Antrag auf Entlastung, die einstimmig angenommen wurde. Udo Gruber und Matthias Forell wurden im Anschluss einstimmig zu Kassenprüfern gewählt.

2018 war für den Feuerwehrverein ein ruhiges Jahr, berichtete Waldemar Schmidt. Es standen Besuche bei Festivitäten der Nachbarwehren an. Der Vereinsausflug führte wieder in die schöne Pfalz. Gleich fünf runde Geburtstage galt es zu feiern, außerdem eine diamantene und goldene Hochzeit. Kameradschaftsabend auf der Tromm und Jahresabschluss fanden einen schönen Anklang.

Schmidt kündigte an, im kommenden Jahr sein Amt niederzulegen. Er sei dann 50 Jahre im aktiven Feuerwehrdienst und 20 Jahre im Vorstand tätig. Er merke, dass er „nicht mehr dieselbe Energie wie früher hat“ und will sein Amt deshalb an Jüngere abgeben, kündigte der Vorsitzende an. Mit Blick auf 2019 erwähnte Schmidt die Planung eines Suppenfestes am 23. Oktober und der Ausflüge. In zwei Jahren sind Gesamtneuwahlen des Vorstandes, warf der Vorsitzende einen Blick in die Zukunft. „Bis dahin müssen viele Nachfolger gefunden werden“, mahnte er.

Jugendfeuerwehrwart Tobias Schmidt berichtete, dass durch einen Neuzugang inzwischen vier Jugendliche mitmachen. Es wurden 88 Stunden zur feuerwehrtechnischen Ausbildung abgehalten, außerdem 66 für allgemeine Jugendarbeit aufgewendet. Christbaumsammelaktion, Berufsfeuerwehrcamp und Kreiszeltlager lauteten die Veranstaltungen im abgelaufenen Jahr. Die Übungen wurden mit den anderen Jugendwehren der Gemeinde abgehalten.

Beförderungen: Hauptfeuerwehrmann Tobias Schmidt, Brandmeister Lothar Schmitt

Übungen: Dennis Reim (20 von 23), Tobias Schmidt (19), Gunter Speckhardt (16)

Lehrgänge: Tobias Schmidt (Truppführer), Dennis Reim (Leiter einer Wehr), Isabell Forell, Lothar Schmitt (beide Fortbildungen für Sanitätshelfer)

Gemeinsamer Feuerwehrverein für Schönmattenwag steht

Der neue Verein ist schön gegründet, die beiden bisherigen existieren aber noch nebenher: Die Feuerwehrvereine aus Ober- und Unter-Schönmattenwag wollen den endgültigen Zusammenschluss am 4. Mai insofern besiegeln, als dass sie sich dann auflösen. Beim jetzigen Termin war dies noch nicht möglich, weil dafür vier Fünftel der Mitglieder beider Vereine an der gemeinsamen Jahreshauptversammlung hätten teilnehmen müssen. Der historische Schritt wurde jedoch bereits in den Wortäußerungen allenthalben hervorgehoben.

Mit den Worten „Veränderung ist am Anfang schwer, in der Mitte chaotisch und am Ende großartig“ eröffnete Wehrführer Tobias Walter seinen Bericht. „Ich glaube, das spiegelt die eine oder andere Phase der vergangenen zwölf Monate durchaus wieder“, meinte er mit Augenzwinkern. „Ein ereignisreiches Jahr liegt wieder hinter uns“, sagte er. Die Einsatzbereitschaft war immer gewährleistet, freute sich der Kommandant.

Drei Brände, 15 Hilfeleistungen und sechs Brandsicherheitsdienste waren in 2018 zu verzeichnen. Walter erwähnte stellvertretend das Feuer in Siedelsbrunn, den Flächenbrand in der Wüstenbach und die mehrere Tage andauernde Personensuche im Sommer. Für 2019 „sieht es schon jetzt mit der Ausbildungsbereitschaft sehr gut aus“, betonte der Kommandant.

Im vergangenen Jahr wurden 15 Regel- und Inspektionsübungen durchgeführt, außerdem vier Atemschutzsonderübungen und ein Notfalltraining. Den Katastrophen- und Gefahrgutzug unterstützt die Wehr aktuell mit fünf Einsatzkräften. Die neue Brandschutzkleidung wurde Anfang des Jahres entgegengenommen „und kam sehr gut an“, dankte er der Gemeinde für ihre Investitionsbereitschaft.

„Ausgebildete und gut ausgestattete Einsatzkräfte benötigen ein Gerätehaus, das den heutigen Anforderungen entspricht“, hob der Kommandant hervor. Mit den zu Ende gehenden Umbaumaßnahmen und der Umstrukturierung der Umkleide „können wir diesen Anforderungen endlich – zumindest übergangsweise – gerecht werden, bis 2021 der benötigte Anbau durchgeführt wird“, erläuterte Walter. „Es ist großartig geworden, was hier aus den in schlechtem Zustand vorgefundenen Kegelbahn-Räumlichkeiten gemacht wurde“, sagte er. Unzählige Arbeitseinsätze, Besprechungen und Diskussionsrunden liegen hinter den Wehrleuten.

Alles was das Ehrenamt ausmacht, ist am Ende „der Spaß an der Sache“. Ohne den „können wir nicht die Motivation aufbringen, die dieser Aufgabe gebührt“, mahnte der Wehrführer. Aber: Die Motivation der Truppe spielt eine zentrale Rolle. Allerdings nehme die Aufgabenfülle der Führungskräfte und Verantwortlichen immer mehr zu. „Die Aufgabenträger der Feuerwehren sind durchaus überlastet sind und die gemeindlichen Gremien und Verantwortlichen dürfen dies nicht aus dem Auge verlieren dürfen“, legte er den Finger in die Wunde.

„Zusammen erreicht man einfach mehr“, betonte Walter. Alleine hätte keine der beiden Wehren das Geleistete schaffen können, blickte er positiv auf die Fusion der Einsatzabteilungen vor drei Jahren zurück. Die Feuerwehrvereine „werden dieses tolle Projekt Zusammenarbeit“ weiter unterstreichen, so der Wehrführer. „Die Gewinner der Zukunft werden die sein, die es verstehen, gemeinsam Dinge zu erreichen“, betonte er.

In seinem Rückblick bezeichnete der Vorsitzende des Feuerwehrvereins aus Unter-Schönmattenwag, Ralf Scheib, 2018 als ein sehr arbeitsintensives Jahr. Neben den Übungen und Einsätzen wurden die Umbauarbeiten im Haus des Gastes weiter vorangetrieben. Es wurde intensiv an der Zusammenführung der Vereine gearbeitet. Jetzt werden die Arbeiten in der ehemaligen Kegelbahn beendet. Das restliche Material aus dem Lager im ehemaligen Rathaus wird dann dorthin gebracht.

Scheib sprach daneben die Durchführung der Kerwe 2020 in Ober- und Unter-Schönmattenwag an. An zwei aufeinander folgenden Wochenenden kann nur ein Verein nicht in zwei Ortschaften die Kerwe ausrichten. „Deshalb befinden wir uns mit den anderen Ortsvereinen in Gesprächen, wie es mit der Kerwe weiter geht“, erläuterte er. „Im Raum steht die Gründung eines Kerwevereins in Unter-Schönmattenwag“, so Scheib.

Auf die Umbauarbeiten ging auch sein Kollege Jürgen Walter aus Ober-Schönmattenwag ein. „Wir hatten uns ein großes Ziel gesetzt und sind dabei es zu erreichen“, hob er hervor. Die von den Vereinen bezahlte Kücheneinrichtung ist zum Teil schon eingebaut und wird zeitnah fertig gestellt. Die Events mit der „unteren“ Feuerwehr „sind sehr harmonisch verlaufen“. Dies beweise, „dass wir mit der Zusammenlegung auf dem richtigen Weg sind“, sagte Walter. Der erstmals ausgerichtete Feuerwehrbrunch „hat mir gezeigt, dass wir ein tolles Team aus Ober- und Unter-Schimmeldewog sind“.

Vorstand gemeinsamer Feuerwehrverein: Vorsitzender Jürgen Walter, zweite Vorsitzende Karin Sauer, Kassenwart Rolf Sauer, Schriftführerin Sonja Beutel, Alters- und Ehrenabteilung Ernst Siefert, Beisitzer Erhard Möckel, Stefan Siefert, Yvonne Ballmann, Jörg Wetter, Doris Falter, Holger Wetter, Michael Koudele, Georg Walter, Nico Walter, Marcel Sauer, Wehrführer Tobias Walter, Stellvertreter  Marc Ritter, Jugendfeuerwehrwart Kevin Lörsch, Kindergruppenleiterin Nadine Koudele, Leiter Musik Danny Lörsch.

Kassenprüfer Feuerwehrverein Unter-Schönmattenwag Annika Ritter, Christiane Koudele, Ober-Schönmattenwag Pia Fischer, Ramon Jöst

Beförderungen: Oberfeuerwehrfrau/-mann Nadine Koudele, Sven Sauer, Oberlöschmeister René Zink, Brandmeister Tobias Walter, Oberbrandmeister Sven Falter

Anerkennungsprämie: 40 Jahre aktiver Dienst Harald Falter und Dieter Walter, zehn Jahre Johannes Becker, Tanja Wolk, Max Haberkorn, Sven Sauer

Beste Übungsteilnahme 2018: Max Haberkorn, Marcel Sauer

Feuerwehr-Oscar: Stefan Siefert

Musikerehrung 15 Jahre: Daniel Möckel, Dominik Beutel, Marcel Sauer

Brandschutzehrenzeichen Silber 25 Jahre: Jochen Knapp

Brandschutzehrenzeichen 40 Jahre: Jürgen Walter, Karin Sauer, Wolfgang Walter

Vereinsehrung: Walter Steffan, Jens Falter, Roland Krämer, Daniel Möckel, Sven Sauer, Karin Sauer, Wolfgang Walter, Jürgen Walter, Jochen Knapp, Dominik Beutel

„Ideensammlung zugunsten der Natur“ am alten Sportplatz in Affolterbach

Als eine Art „Ideensammlung zugunsten der Natur“ bezeichnet Gerhard Ader das kürzliche Treffen des Vereins für ökologische Landwirtschaft Luna mit weiteren Gruppen, die sich im Überwald für die Umwelt einsetzen. Die beiden Nabu-Ortsgruppen Wald-Michelbach mit Margarethe Morper und Siedelsbrunn mit Alfred Wolf kamen auf Einladung von Luna ebenso wie die Mitglieder der Blühwieseninitiative um Alfons Schmitt nach Affolterbach, um sich zum einen näher kennenzulernen, zum anderen sich über zwei laufende Projekte informieren zu lassen.

„Es geht darum, nicht nebeneinander her zu schaffen“, ist laut den Initiatoren Hintergrund des gemeinsamen Brainstormings. Jeder soll über die Aktivitäten der anderen Initiativen informiert sein. Außerdem kann man vom Wissen und den Erfahrungen der anderen profitieren. Luna möchte der offenen Kulturlandschaft zu einer Renaissance verhelfen. Denn diese sei durch die intensive Landwirtschaft oftmals verschwunden.

„Wir wollen den Insekten wieder Futter und Lebensraum geben“, formuliert Ader den Hintergrund der Aktivitäten. Denn inzwischen hat das Insektensterben beängstigende Ausmaße angenommen – von bis zu 75 Prozent ist die Rede. Der alte Affolterbacher Sportplatz, am Ortsausgang Richtung Olfen im Wald gelegen, bietet sich für diesen Zweck an. Er wurde von der Gemeinde gepachtet. Das Gelände ist inzwischen völlig zugewuchert.

„Wir wollen sicher gehen, dass bei den Pflegemaßnahmen was Positives rauskommt“, betont der zweite Vorsitzende Heinz Trautmann. Deshalb steht man in intensivem Kontakt sowohl mit der unteren Naturschutzbehörde als auch mit Revierförster Stefan Aßmann. Ader kennt die Ecke noch gut von früher. Im Studium untersuchte er das Rote Wasser bei Olfen und hatte damals die Idee, auch die umliegenden Flächen zu kartographieren. Deshalb kann der Verein jetzt auf Material von damals zurückgreifen und erkennen, was in den vergangenen 40 Jahren gewachsen ist.

Luna will den alten Sportplatz „wieder auf Vordermann bringen“, sagt Kassenwart Jürgen Klieber. Das heißt, ihn wieder so aussehen zu lassen wie früher. Denn durch die Feuchtigkeit bildete sich im Laufe der Jahre eine Wiesenfläche und wuchsen Rohrpflanzen. Neben den Insekten könnten dort dann auch Vögel und Amphibien heimisch werden. Das in den vergangenen Jahren gewachsene Gebüsch mitsamt Bäumen wurde bei einem ersten Arbeitseinsatz „rausgezogen“.

Unter den 20 Anwesenden entwickelte sich ein reger Gedankenaustausch über sinnvolle Maßnahmen. In sechs Wochen, wenn die Vegetation zu neuem Leben erwacht ist, soll ein weiteres Treffen stattfinden. Dann lässt sich besser erkennen, „was es an Pflanzen und Tieren gibt“. Auf jeden Fall attestiert Ader dem Gelände einen „halben Hektar mit großer biologischer Vielfalt“.

Der Vorsitzende sieht den alten Sportplatz als „Pilotprojekt“ an. Sonnentau und Torfmoose sollen dort wieder eine Heimat finden. Die Pflanzen brauchen allerdings freie Flächen. Da die Fläche verdohlt ist, will man außerdem daran gehen, das Wasser wieder an der Oberfläche zu halten, ergänzte Trautmann. „Die Natur ist schlauer als wir“: Die Aktiven möchten daneben ihre Lehren daraus ziehen, wie sich der Platz nach und nach entwickelt. Deshalb wird auch von Vegetations- zu Vegetationsperiode gearbeitet.

Auch ein zweites Luna-Projekt nahmen die Naturschutz-Aktivisten in Augenschein. Die Fläche zwischen Bahndamm und Ulfenbach wurde teilweise schon Jahrzehnte nicht mehr gemäht. „Dadurch ging dort die Artenvielfalt verloren“, bedauert Vorstandsmitglied Thomas Langer. Der Verein möchte auch hier wieder Lebensraum für die Tiere schaffen.

Info: Den Verein Luna gibt es inzwischen seit fünf Jahren. Die Mitgliederzahl bewegt sich auf die 100 zu. Aktuell werden etwa 20 Hektar nachhaltig bewirtschaftet. Projekt esind unter anderem der „Ulfenbachlehrpfad“ (die Konzeption eines Naturlehrpfads in Zusammenarbeit mit Geopark Bergstraße-Odenwald, UNB und Hessen Forst), die Flächenrückführung von intensiver landwirtschaftlicher Nutzung zur extensiven Nutzung unter Verzicht von Gülleeinsatz sowie tierart- und tierbestandsorientierte Einzäunung der Flächen und Schaffung von artgerechten Weideplätzen. Mehr unter http://www.luna-kocherbach.de