„Hussmouge“ sagen Sitzungen ab

„Es ist brutal“, verdeutlicht Sitzungspräsident Thomas Sattler, dass den Aschbacher „Hussmouge“ ihre Entscheidung nicht leicht fiel: Die vier Saal-Prunksitzungen im kommenden Jahr wurden wegen der Corona-Pandemie abgesagt. „2021 müssen wir ‚ne Pause machen, 2022 lassen wir es dann richtig krachen“, geben die Fastnachter jetzt als Parole aus. Über die Durchführung von Straßenfastnacht und Rathaussturm im November wird noch beraten.

„Die Kindergruppen hätten schon geprobt“, macht Sattler klar, dass eine Entscheidung her musste. Denn hinter den vier Sitzungen der Aschbacher Narren steht ein riesiger Rattenschwanz an Vorbereitung. Doch angesichts der Unsicherheiten konnte man nicht in die Planung gehen. Andere Vereine mit weniger Aufwand könnten sich mehr Zeit bei der Entscheidung lassen, weiß der Sitzungspräsident. In Aschbach stehen aber jedes Mal um dies 120 Aktive auf der Bühne. Deshalb war man in Termindruck.

„Wir haben lange überlegt“, erzählt Sattler. Es gab am Montag noch eine Videokonferenz der Fastnachtsvereine mit dem Landrat, „aber wir waren vorher schon zu 99,5 Prozent entschlossen abzusagen“, ergänzt Vorsitzender Horst Gramlich. Unter den jetzigen Bedingungen mit den nötigen Hygienekonzepten wäre die Saalfastnacht nicht durchführbar – und auch die anstehenden Proben wären schwierig geworden.

In der Videoschalte der Kreis-Narren wurden Ideen ausgetauscht, wie das Vereinsleben in dieser schweren Zeit fortgeführt werden kann. Die Tendenz war ähnlich, erläutert Gramlich: Es wird wohl allgemein Absagen geben, manche eher früher als später.

Sollte sich kurzfristig die Corona-Lage ändern, dann überlegen die Aschbacher Fastnachter, was sie noch anstelle der Sitzungen auf die Schnelle auf die Beine stellen könnten. Da in der Zwischenzeit  keine Proben stattfinden, geht es auch darum, „die Mitglieder bei der Stange zu halten“. Mit einem Video informierten die beiden die Aktiven deshalb über die Absage. „Es ist uns sehr schwer gefallen“, betont Sattler. Aber die Pandemie-Entwicklung ließ dem Verein zur jetzigen Zeit keinen anderen Ausweg.

Bei Rathaussturm und Straßenfastnacht sieht es anders aus. Hier ist die Vorbereitungszeit sehr kurz. „Keiner muss proben.“ Deshalb kann der Verein kurzfristig reagieren. Wobei Sattler aufgrund der aktuellen Nachrichtenlage eher pessimistisch ist. Allerdings machte man sich schon Gedanken über ein mögliches Hygienekonzept. Wie es mit dem Kreisnarrentreffen aussieht, vermag er noch nicht zu sagen. Bisher gibt es aus Heppenheim keinen negativen Bescheid, so der Sitzungspräsident.

„Wir wollen früh in die Planungen 2022 gehen“, kündigte Sattler an angesichts der langen Vorlaufzeit an, damit es dann Weltklasse wird. Denn dann soll Corona-frei gefeiert werden, bis die Schwarte kracht. Und obwohl noch nicht der 11.11. ist, schließen die beiden ihre Videonachricht mit dem Schlachtruf „Aschbach Helau, Hussmouge Helau“.

Großer Aufwand für große Gottesdienste

Wie sollen die großen Gottesdienste in der zweiten Jahreshälfte stattfinden, treibt derzeit Hammelbachs evangelischen Pfarrer Stefan Ningel um. Denn nach wie vor bestimmen die durch die Corona-Pandemie auferlegten Abstands- und Hygieneregeln deren Ausrichtung. Zu diesem Thema gab es vor kurzem auch Post vom Kirchenpräsidenten. Ningel ist klar: „Wir werden Weihnachten und Erntedank nicht in gewohnter Form feiern.“ Wo und wie steht noch in den Sternen.

Der Geistliche überlegt derzeit, am Ewigkeitssonntag auf den Friedhöfen die Verkündigung zu halten. Die Beratung dazu wird demnächst im Kirchenvorstand erfolgen. Denn in die Kirche dürfen höchstens 25 Gläubige gleichzeitig rein. Ningel weiß aber, dass derzeit viele einen Gottesdienstbesuch scheuen, weil es ihnen gesundheitlich noch zu riskant ist.

Die beiden Küsterinnen Renate Meyer-Keil und ihre Tochter Tina kümmern sich um die Hygiene- und Abstandsregeln. Sie desinfizieren die Plätze, weisen sie zu und verteilen, falls nötig, Masken und wenn gewünscht Handschuhe. „Sie machen das sehr engagiert und verantwortungsbewusst“, kann sich der Geistliche auf seine Mitarbeiterinnen verlassen.

Die Sommerkirche im Überwald könnte einen Weg weisen, wie man mit „zu großen“ Gottesdiensten umgeht. Dann da gab es einen jeweils am Samstagabend und Sonntagmorgen. Der Pfarrer zeigt sich mit dem Zulauf zufrieden. Auch die Resonanz der Besucher auf diese Aufteilung war positiv. Bei gutem Wetter predigt Ningel sowieso gern Open-Air, so etwa auf der Freilichtbühne in Gras-Ellenbach. „Das wurde mit über 50 Leuten sehr gut angenommen“, freut er sich.

Deshalb denkt der Geistliche auch an Fortsetzungen unter freiem Himmel. In der heutigen Zeit, betont er, „sind neue und unkonventionelle Ideen gefragt“. Bedauert wird von ihm, „dass wir nicht singen dürfen“. Zumindest gibt es aber musikalische Begleitung. Ningel sucht stattdessen Stücke aus, „die ich singen würde“, und druckt die Texte zum „Mitsummen“ aus.

Über die Frage, „wo können wir feiern, um möglichst viele Menschen zu erreichen“, kreisen seine Gedanken. Mit den neuen Konfirmanden könnte er sich vorstellen, in die Kapellenruine neben dem Aicher Cent zu gehen und dort mit entsprechendem Abstand Bierbänke aufzustellen. Dieses Jahr wird auch noch der Konfirmations-Gottesdienst vom Frühjahr nachgeholt. Auch dessen Gestaltung will natürlich wohlüberlegt sein. Vielleicht wird es mehrere geben, ist seine Überlegung.

Dem Geistlichen fehlen die Gottesdienste außer der Reihe. „In mir brennt das Feuer für das Besondere“, verrät er. Seine Inspirationsquelle „sprudelt nicht so wie sonst“. Da tat es vor den Ferien gut, „sich Gedanken über die Sommerkirche zu machen“. Gerade bei Hochzeiten „springt der Funke über“, erläutert er. Das vermisste der Pfarrer in diesem Jahr. Sehr bedauert hat er auch, dass zwei Taufen nicht wie geplant stattfinden können. Denn es wurden zwei seiner früheren Konfirmanden quasi zur gleichen Zeit Vater. Die beiden sah er zusammen aufwachsen.

„Kirchenaustritte sind vor Ort wenig spürbar“, hat Ningel festgestellt. Im vergangenen halben Jahr während Corona gab es sie quasi nicht. Im Jahresschnitt sind es um die vier, listet er auf. Zum Glück hat er notiert: „Es gibt einen festen Stock an Gläubigen.“ Dass deren Zahl trotzdem sinkt, liegt an der zurückgehenden Zahl von Taufen und der gleichzeitig steigenden Zahl von Bestattungen. „Diese Lücke wird größer“, bedauert er. Die Zahl der Gottesdienst-Besucher ist seiner Beobachtung nach auf gleichbleibendem Niveau.                  tom

 

Zur evangelischen Kirchenspiel Hammelbach gehörten auch Gras-Ellenbach, Litzelbach und Weschnitz. Aktuell gibt es 1295 Kirchenmitglieder, im Jahr 2000 waren es 1368.

 

Stefan Ningel (57) stammt aus Mannheim. Nach dem Studium der Theologie und Gemeindepädagogik legte er 2004 die Prüfungen für den Pfarrdienst ab und wurde im März 2005 Pfarrer in Hammelbach. Zuvor war Ningel als Gemeindepädagoge in Mörlenbach und Darmstadt tätig.

 

 

Mehr als Abwarten ist derzeit nicht drin

Abwarten heißt im Überwald das Gebot der Stunde, wenn es um die Faschingskampagnen 2020/21 geht. Große Traditionsvereine an Rhein und Main haben sie teilweise sogar schon abgesagt. Noch blicken die Fastnachter in den verschiedenen Überwald-Hochburgen jedoch einigermaßen gelassen Richtung Kampagneneröffnung.

Sie verfolgen aber aufmerksam die bundesweite Diskussion, ob es wegen der Corona-Pandemie ab dem 11.11. wieder viel Narretei geben kann, ob diese abgesagt oder eingedampft werden muss. Teilweise ist der Übungsbetrieb der diversen Tanzgruppen bereits wieder angelaufen, teilweise wartet man noch ab.

In den ländlichen Gemeinden ist Fastnacht nach wie vor eine eher bodenständige Veranstaltung. Das zahlt sich jetzt aus. Die Überwald-Vereine können viel flexibler auf die sich stetig ändernde Situation reagieren. Die Großen in Köln oder Düsseldorf gehen schon viel früher in die Planung und haben hohe Auslagen im Vorfeld.

Beim CCA Affolterbach wurde bereits das Motto für die hoffentlich stattfindenden Sitzungen ausgewählt. „Wir fangen grundsätzlich mit den Proben an“, berichtet Jörg Rettig. „Die Hygienekonzepte für die einzelnen Gruppen stehen.“ Ob Sitzungen stattfinden werden, „steht natürlich in den Sternen“, bedauert Rettig. Da hilft nur abwarten. Weil der Verein keine großen Verpflichtungen hat, „können wir zur Not kurzfristig absagen“.

Allerdings will man noch keinen fixen Zeitpunkt festlegen, wann eine endgültige Entscheidung hopp oder top getroffen wird. „Für uns ist es noch zu früh, um schon die Reißleine zu ziehen“, betont der CCA-Mann. Denn man will den Narren natürlich wie in den Vorjahren auch ein tolles Programm bieten. Deshalb wird schon weitergedacht und stehen personalisierte Tickets im Raum.

Abwarten heißt die Devise ebenso bei den Aschbacher „Hussmouge“, die in der närrischen Jahreszeit viel auf die Beine stellen. Rathaussturm, Straßenfastnacht und vier Prunksitzungen: Da will einiges organisiert sein. Deshalb lässt man sich die Entscheidung bis zum Spätsommer/Frühherbst offen, berichtet Sitzungspräsident Thomas Sattler.

„Wir sind mit den anderen Vereinen in Kontakt“, erläutert er. „Mal sehen, wie sich das entwickelt.“ Die Proben der verschiedenen Gruppen beginnen erst nach dem gemeinsamen Brainstorming. „Und das hatten wir noch nicht“, hat der närrische Betrieb laut Sattler in der Überwald-Fastnachtshochburg noch nicht begonnen. Der Aschbacher MGV Harmonie schaut ebenfalls noch, was die nächsten Wochen bringen, sagt Vorsitzender Dirk Breitwieser.

Die Macher von Michelbächer Gaudinacht und Maskenball hat es gleich doppelt getroffen. „Wir sind zu dem Entschluss gekommen,  im nächsten Jahr keinen Maskenball auszurichten“, teilt Marco Bichlmaier mit. Die 3. Gaudinacht, geplant für den 26. September, wurde bereits früher gecancelt.  „Wir werden vorerst noch abwarten, wie sich die Situation mit der Pandemie weiter entwickelt“, möchte man auf der sicheren Seite sein.

„Momentan können wir noch nicht sagen, ob es unsere Elferratssitzung in 2021 geben wird“, spielen auch die Gras-Ellenbacher auf Zeit. „Wir hoffen Ja“, meint Präsident Torsten Schmidt. Die Aktiven wollen aber – wie die Kollegen auch – sich die Corona-Entwicklungen in den kommenden Wochen anschauen.  „Spätestens Ende September werden wir dann eine Entscheidung treffen müssen“, betont Schmidt.

In Unter-Schönmattenwag fehlt dem CV Kapital ebenfalls die Kristallkugel, weshalb er sich in die Reihe der Hoffenden und Wartenden einreiht. Geplant ist derzeit, nach dem Ende der Sommerferien die Entwicklung zu bewerten, so Sitzungspräsident Sebastian Siefert. „Wenn es mit Corona nicht schlimmer wird, dann beginnt unsere Garde mit dem Training“, erklärt er. Das findet normalerweise in Haus des Gastes statt. Allerdings weiß der Verein noch nicht, ob dort trainiert werden darf. Das Motto steht aber zumindest schon: „Hollywood – im Land der Stars und Sternchen.“

Kulturdenkmal auf der Höhe wurde erneuert

Nach fast 40 Jahren war das Holzkreuz auf der Höhe am verlängerten Finkenbacher Weg  von Unter-Schönmattenwag kommend in die Jahre gekommen und drohte umzufallen. Schon zuvor war an dieser Stelle ein Gedenkkreuz zu finden, das an eine Überschwemmung im Tal durch einen Wolkenbruch 1845  erinnerte. Lange gab es – noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg – Gedenkprozessionen an diese Stelle.

Heinz Höfler und seine Frau Doris hatten sich spontan bereiterklärt, das Kulturdenkmal zu erneuern. Zusammen mit Landwirt Bernhard Jöst wurde das erneuerte Kreuz neben der Förster-Lampert-Hütte wieder aufgestellt – schöner und sicherer als vorher. Es hat nun nicht nur ein Kupferdach, sondern es wurde auch sein Standfuß verstärkt.

Mit Douglasien-Holz als Material, so hoffen Höfler und Jöst, wird das neue Holzkreuz nun wieder viele Jahrzehnte halten. Nur die Anbringung des Gedenkspruches steht noch aus. Gisela Ritter hat sich bereit erklärt, diesen zu erneuern. Bei der Aufstellaktion wurde ebenfalls ein schönes Holzscheit an die daneben befindliche „Förster-Lampert-Hütte“ angebracht. Das hat Helen Jöst in ihren Sommerferien als Brandarbeit mit einem Teil des „Schimmeldewoger Liedes“ sowie mit Bildern von Kirche und Kreuz verziert.

Ortsvorsteher Hans-Dieter Martin dankte allen Akteuren, insbesondere Heinz Höfler, für die großartige Arbeit und das gespendete Material. An Helen Jöst richtete er Dankesworte für den schönen künstlerischen Beitrag. Alle Anwesenden wünschten sich, dass 2021 nach Ende der Corona-Pandemie wieder ein ökumenischer Gottesdienst am Kreuz auf der Höhe stattfinden kann. Den gab es letztmals bei der Tausendjahrfeier 2012 unter großer Beteiligung der Bevölkerung. Das „neue“ alte Kreuz auf der Höhe wäre ein würdiger Ort dafür.

Der Höhenweg zwischen Hirschhorn über Gras-Ellenbach bis zur Wegscheide, an dem auch das Kreuz liegt, ist eine geschichtsträchtige Strecke. Als es die Straßen im Tal (noch) nicht gab, verlief hier die Poststrecke. Weiter südlich steht von Hainbrunn kommend ein Bildstock, der an die Sage von der „Rockenmagd“ erinnert. Auch an der Wegkreuzung auf der Höhe zwischen Finkenbach und Unter-Schönmattenwag soll ein Bildstock mit dem gekreuzigten Heiland gestanden haben, ist in der Wiedergabe der Sage in der „Dorflinde“ durch Jakob Haas nachzulesen.

Die lautet: „Eine junge Dienstmagd aus Rothenberg besuchte gern alle Spinnstuben weit und breit. So ging sie auch eines Tages den über zwei Stunden weiten, fast immer durch einsamen Wald führenden Weg nach Unter-Schönmattenwag und wanderte spät abends diesen wieder zurück. Anderntags fand man sie oben auf der Höhe mit nach rückwärts gedrehtem Gesicht tot am Wege liegen. Man sagt, der Teufel habe ihr, nachdem sie ihm gefügig gewesen sei, den Kopf herum gedreht.“                            tom

 

Mit Brennnesselgeist aufs Jubiläum anstoßen

Jetzt gibt es was zum Runterspülen des Ärgers, dass die Jubiläumsfeierlichkeiten zum 700-jährigen Bestehen von Kocherbach und Litzelbach nach dem Start Anfang März durch die Corona-Pandemie ein abruptes Ende nahmen. Die „Odenwälder Feine Brände“ kreierten einen Brennnessel-Geist in einer limitierten Auflage von 100 durchnummerierten 0,35-Liter-Flaschen, der nun den Fest-Machern und beiden Bürgermeistern nun präsentiert wurde.

Geistreiche 38,8 Prozent Alkohol hat das süffige Getränk. „Edition 700 Jahre Litzelbach-Kocherbach“ ist darauf zu lesen. Oben befindet sich das neue Wappen des Grasellenbacher Ortsteils mit der Jahreszahl 1320, der ersten urkundlichen Erwähnung darauf, sowie symbolisierten Steinbrüchen und Bachlauf, unten ist das Kocherbacher Schlangenkreuz zu sehen. Jede Flasche erhielt handschriftlich eine Ziffer.

„Sie müssen junge Pflanzen nehmen“, riet Monica Gehrig-Himmel allen potenziellen Nachahmern. In ihrem Fall waren es „zwei Schubkarren voll“, schmunzelte ihr Mann Johannes, den die beiden rund um den Ort sammelten. Die Brennnesseln wurden gewaschen und dann gezupft – selbstverständlich mit Handschuhen. 24 Stunden verbachten die Blätter danach im Alkohol, ehe nach 3,5 Stunden Brennen der gleichnamige Geist entstand.

Wie das vor sich geht, erläuterte Gehrig zuvor noch in der Brennstube. Denn es gibt einen Unterschied zum Brand, bei dem Obst erst kleingeschnitten und dann verarbeitet wird. Beim Geist, so Gehrig, nimmt man hochprozentigen Neutralalkohol und legt dort etwas ein. Allerdings darf das Ergebnis nicht in voller Prozentzahl gebrannt werden, sonst geht es in die Luft.

Initiator für die Aktion war der Kocherbacher Jürgen Klieber. Der regte zum Jubiläum einen besonderen Brand an – und traf damit auf offene Ohren. Mit dem Thema Brennnesseln hatte sich Gehrig schon längere Zeit befasst, seit er bei einer Fortbildung damit in Kontakt gekommen war. „Davon gibt es genug auf unserer Gemarkung“, lachte er. Und dazu wird dem Kraut noch eine heilende Wirkung zugeschrieben.

Für die Festlichkeiten haben die beiden Orte ein Prinzenpaar auserkoren, das mit Blick auf die früheren Steinbrüche auf beiden Gemarkungen auf den Namen „Buntsandstein-Prinzenpaar“ getauft wurde. Als Sabrina I. (Wolk) und Jonathan I. (Fischer) übernahmen die beiden 14-jährigen Jugendlichen die Regentschaft für die Ortsjubiläen. Beide waren bei der Zeremonie auch dabei – für sie gab’s aber nur Wasser und den Brennnesselgeist lediglich stellvertretend.

Wie geht es weiter mit der 700-Jahr-Feier? Eigentlich war in diesem Rahmen am 13. September ein Hoffest bei den Odenwälder Feinen Bränden geplant. Das kann in der Form nicht stattfinden. Stattdessen soll es, wenn es die Auflagen zulassen, einen kleinen Markt ohne Sitzgelegenheiten geben. Der wäre von den Besucherzahlen her nicht eingeschränkt, meint Gehrig.

Am Dienstag soll es Neuigkeiten in Sachen Corona-Vorgaben geben, so seine Info. Dann wisse man mehr. Angedacht ist dann, die Bilderausstellung, die bereits beim Jubiläumsgottesdienst in Kocherbach zu sehen, in Litzelbach in der Scheune den Besuchern zugänglich zu machen. Fürs Jubel-Fest gibt’s auch noch eine spezielle Praline, kreiert von Johanna Heiligenthal, und ein besonderes Brot von Bäcker Danzeisen.

Die Wählemer Kerwe findet bereits „dehoam“ statt, die Hammelbacher Ende September soll laut Bürgermeister Markus Röth in geänderter Form steigen. Der Überwälder Wandertag „findet statt“, bekräftigte Wald-Michelbachs Bürgermeister Dr. Sascha Weber. Start und Ziel sind anlässlich des Jubiläums dieses Jahr in Kocherbach. Der Rahmen ist zwar noch unklar – ob es Musik und Bewirtungsstände geben wird -, aber gewandert werden soll auf jeden Fall.

In Sachen Weihnachtsmärkte warten beide Kommunen im Moment noch ab, denn man würde sie sehr gerne durchführen – aber natürlich wenn dies unter den gegebenen Auflagen möglich ist. Gerd Ader dankte seitens der Fest-Organisatoren für das süffige „Heilmittel“. Eine Probier- oder große Falsche gab’s im Anschluss für die Teilnehmer des kleinen Treffens.

Ader ergänzte, dass auch Kocherbach noch zu einem besonderen Jubiläumsstein kommt. In Litzelbach gibt es bereits einen, durch Edmund Bauer gestalteten, am Friedhof zwischen Ober- und Unterdorf. Ein ähnlicher soll unter Bauers Händen auch für den Ortseingang des Wald-Michelbacher Ortsteils entstehen. Zwei weitere Säulen stehen bereits. Am Ortsausgang Richtung Tromm wurde außerdem am Tag des Baumes ein ebensolcher gepflanzt.

Der Blick in die Zukunft macht Sorgen

Auch wenn die Wald-Michelbach stolze 617.000 Euro von Bund und Land zum Ausgleich des Gewerbesteuerausfalls bekommt, kann sie das Geld natürlich nicht mit vollen Händen ausgeben – beziehungsweise gar nicht. Im Gegenteil: Haushaltsdisziplin ist angesagt. Mit Blick auf die Zahlen dieses Jahres ist Bürgermeister Dr. Sascha Weber noch relativ entspannt, aber die Vorausschau auf 2021 und 2022 bereitet ihm Kopfzerbrechen.

Die jetzt zugesagte Summe „brauchen wir für den Haushaltsausgleich“, verdeutlicht Weber. Aktuell lässt es sich seinen Worten nach nur schwer abschätzen, wie es Ende des Jahres aussieht. Er rechnet damit, dass von den veranschlagten 2,7 Millionen Euro Gewerbesteuern etwa noch zwei Millionen in die Kasse kommen werden. Damit wäre mit dem Zuschuss „das Loch zum größten Teil gestopft“, ist der Bürgermeister optimistisch.

Dass das Gemeindeoberhaupt aktuell ziemlich gelassen agieren kann, liegt auch an dem für 2020 eingeplanten Überschuss von 700.000 im Ergebnishaushalt. Deshalb „trifft es uns nicht so hart“. Weber erhofft sich in der Endabrechnung 2020 „eine schwarze Null“. Somit läuft in diesem Jahr erst einmal „alles normal weiter“.

Die derzeitigen Investitionen sind nicht gefährdet. Weber nennt hier als größten Brocken den Kita-Neubau mit drei Millionen Euro, dann die energetische Sanierung des Rathauses mit fast 300.000 Euro ebenso wie die Wasserleitung Weidenklingen in ähnlicher Höhe. Auf dem ehemaligen Friedhof kostet die Umgestaltung für Baumbestattungen 200.000 Euro. Insgesamt gibt es ein Gesamtinvestitionsvolumen von fast 6,7 Millionen. Trotzdem will die Verwaltung versuchen, mit Blick auf die Zukunft bei den laufenden Ausgaben einzusparen, was sich anbietet.

Denn dem Bürgermeister machen die wahrscheinlichen weiteren, zusätzlichen Rückgänge Sorgen. Wenn die Einbußen bei Einkommen- und Umsatzsteueranteilen anhalten, die sich bereits im zweiten Quartal mit einer Höhe von fast 18 und elf Prozent abzeichneten, könnte sich das in der Jahresendabrechnung auf eine Million Euro summieren. Diese Anteile sind mit mehr als 5,7 Millionen Euro der größte jährliche Einnahmeposten im Haushalt.

Auch wenn Wald-Michelbach 2020 noch über die Runden kommen dürfte, „wäre es gut, eine Perspektive zu haben“, wünscht sich Weber einen politischen Silberstreif am Horizont. Der könnte so aussehen, dass von oben bereits Unterstützung für 2021 signalisiert wird – auch wenn noch nicht absehbar ist, wie diese aussehen könnte.

Die jetzige Soforthilfe sieht er gerade für ländliche Kommunen als sehr wichtig an. Denn Weber zufolge gibt es etliche finanzschwache Gemeinden, die bereits wieder Kassenkredite aufnehmen müssen – obwohl das eigentlich vermieden werden soll. Jedoch sollte seinen Worten nach eine Unterstützung langfristiger angelegt sein – also eine Art finanzieller dauerhafter Landregen statt einem kräftigen Schauer, der genauso schnell in der Sommersonne verdunstet wie er gekommen ist.

Der Bürgermeister weist darauf hin, dass große Flächengemeinden wie Wald-Michelbach viel Infrastruktur unterhalten muss: Straßen, Kanäle, Leitungen. Bis vor einigen Jahren wurde das noch vom Land gefördert, inzwischen aber nicht mehr. Gerade in der jetzigen Situation „wäre es gut, wieder Programme aufzulegen“, betont er.

Weber nennt als Beispiel die Kläranlagen: Da würden vom Land immer neue, niedrigere Grenzwerte vorschrieben, „aber wir bekommen nichts dafür in die Hand“. Wie hier gibt es einige Beispiele, wo die Landesregierung bestimmte Dinge von den Städten und Gemeinden einfordert, sich aber bei der (finanziellen) Umsetzung heraushält, meint er.

Stolz über das in 20 Jahren Erreichte

Den Waldlehrpfad hätte Helmut Gremm gerne noch über die Bühne gebracht, bevor er kommendes Frühjahr seinen Ehrenamts-Job als Ortsvorsteher abgibt. Aber das haut leider nicht mehr hin, weil sich das Projekt durch Einsprüche verzögerte. Aber ansonsten hinterlässt er nach 20 Jahren an der Spitze des Ortsbeirats ein bestelltes Feld. Daran ändert auch der Stillstand während der Corona-Pandemie nichts – die wichtigen Themen wurden schon vorher abgeschlossen oder laufen bereits.

„Der war fast schon durch“, bedauert der 68-Jährige, dass mit dem Waldlehrpfad eines seiner langjährigen Anliegen in die Verlängerung musste. Das erste Mal ging es in den Gremien bereits vor etlichen Jahren um diese Strecke beim Sportplatz. Nachdem die zwischenzeitlichen Vorbehalte ausgeräumt waren, befindet sich der Waldlehrpfad mit seinen Änderungen nun noch einmal in der Beantragungsrunde. In diesem Zug wurden auch neue Kriterien mit aufgenommen.

Während seiner Amtszeit widmete sich Gremm immer dem Zustand der Ortsstraßen. Dort reiht sich mitunter Schlagloch an Schlagloch. Vor allem die Weinheimer Straße stand dabei im Fokus. Hier hat die Gemeinde Wald-Michelbach inzwischen die Zusage von Hessen Mobil, so der Kenntnisstand des Ortsvorstehers, dass die Landesstraße voraussichtlich ab 2022 erneuert wird.

„Ich glaube nicht, dass sie solange hält“, ist Gremm angesichts des maroden Zustands skeptisch. Er hatte die Buckelpiste in den vergangenen Jahren immer wieder thematisiert. „Das brennt mir auf den Nägeln“, bekennt der Siedelsbrunner. Seine Befürchtung: dass durch die Corona-Pandemie die öffentlichen Mittel knapp werden und dann die Sanierung nochmal aufgeschoben wird.

Dem Holzzaun rund ums alte Schulhaus gilt daneben sein Fokus. Den hält er eine Gefahr für Kinder, weil die Bretter abfallen und Schrauben bereits mit der Hand reingedrückt werden können. Diesem Thema will sich der Ortsvorsteher ebenso bald widmen wie einer Erneuerung der Lautsprecheranlage auf dem Friedhof.

Da durch die Abstandsregeln die Besucher weiter auseinander standen, bemerkte man bei einer Beerdigung, dass nur wenig Ton in den hinteren Reihen ankam. Generell soll bald eine Begehung des Friedhofs mit dem zuständigen Amt stattfinden, um zu schauen, was verbesserungsbedürftig ist. Wegen Corona blieb im Ort eigentlich nichts liegen, überlegt Gremm. Aber es fiel eine große Sache aus: Die Feier zum 125-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr. Sie soll kommendes Jahr nachgeholt werden.

Das Behinderten-WC auf dem Schulhof steht vor der Fertigstellung, nur der Verputz fehlt noch. Auf den Tafeln am Ehrenmal wurde die Schrift erneuert und wurden sie wieder montiert. Der Parkplatz an der Straße Richtung Kreidacher Höhe, in der Vergangenheit ebenfalls oft Thema, wurde hergerichtet und freigeschnitten, freut sich der scheidende Ortsvorsteher über den Fortgang. „Das macht mich stolz, dass so vieles erreicht wurde“, sagt Gremm.

Eine andere größere Maßnahme, die Erweiterung des Bürgerhauses, wird von TV und Schützenverein beackert. Die Gelder dafür sind zugesagt. Beide Vereine profitieren von dem Boom, der sich nach dem Bau des Bürgerhauses 2001 einstellte. Das war damals in einer außergewöhnlichen Aktion der Ortsgemeinschaft mit Tausenden von ehrenamtlichen Stunden errichtet worden. Aufgrund der Abstandsregelungen können die Vereine allerdings derzeit schlecht zu Werke gehen und warten auf Lockerungen.

Helmut Gremm liegt es am Herzen, für die kommende Ortsbeiratswahl eine gemeinsame Liste aufzustellen, damit auch weiterhin ein solches Gremium existiert. Er sieht das gewissermaßen als „mein Vermächtnis“. Denn diese Liste kann – im Gegensatz zu den Wahlvorschlägen der Parteien mit nur fünf – bis zu 20 Personen umfassen. Dafür laufen gerade die Planungen. Ende August soll der Ortsbeirat wieder zusammenkommen. Der Ortsvorsteher macht aber klar: „Ich kandidiere nicht mehr.“

Sorge bereitet Gremm das immer schnellere Sterben von Gaststätten und Hotels. In den 70er und 80er Jahren war Siedelsbrunn beliebtes Fremdenverkehrsziel. Ein starker Verkehrs- in Verbindung mit dem Heimatverein bewegte einiges. Diese Zeiten sind längst vorbei. Von sieben Gaststätten ist nicht mehr viel übrig, auch Hotels und Pensionen haben in großer Zahl zugemacht.

Helmut Gremm (68) ist seit 2001 Ortsvorsteher von Siedelsbrunn. 2016 wurde er mit 83 Prozent wiedergewählt. 38 Jahre lang gehörte er bis 2019 für die SPD der Gemeindevertretung Wald-Michelbach an. Gebürtig aus Liebersbach, zog er nach seiner Heirat 1973 nach Siedelsbrunn und engagierte sich sofort. Auch heute noch ist er vielfältig im Orts- und Vereinsleben aktiv.

  1. Was muss man über den Ortsteil wissen (historisch): Auch wenn Siedelsbrunn das Prädikat Luftkurort nicht mehr trägt, ist es doch bekannt für seine saubere Luft. Viele Menschen aus den Ballungsgebieten kommen nicht nur zu Besuch, sondern auch gleich zum Wohnen hierher. Mit der urkundlichen Ersterwähnung 1012 ist das Dorf Ort neben Abtsteinach und Schönmattenwag eine der ältesten Ortschaften im Überwald. Siedelsbrunn „müsste aber älter sein“, weil der Höhenweg am Zollstock entlang schon seit jeher eine viel genutzte Verbindung war.
  2. Was muss man im Ortsteil unbedingt gesehen haben: Die Bergkirche mit der bunten Glasfront „sieht super aus, wenn die Sonne drauf scheint“; die „tollen Wanderwege“ rund um den Kottenberg eröffnen spektakuläre Aussichten ins Ulfenbachtal und Richtung Katzenbuckel.
  3. Die wichtigsten Veranstaltungen: Hammelstanz am 1. Mai mit Frühlingsfest, von Lehrer Jungmann ins Leben gerufen; die Kerwe als „Fest der Feste“ für die Dorfjugend.

Bild: Helmut Gremm mit dem ehemaligen Bürgermeister Joachim Kunkel

Gemeindearbeit muss sehr kreativ sein

In Corona-Zeiten muss Gemeindearbeit kreativ sein. Birgit Ruoff weiß, wovon sie redet. Die 48-Jährige ist mit einer halben Stelle seit Jahresbeginn Gemeindepädagogin der evangelischen Kirche Hessen-Nassau im Überwald. Ab Mitte März waren erst einmal alle Aktivitäten ausgesetzt, jetzt tastet man sich langsam an die neuen Gegebenheiten heran. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Angeboten“, beschreibt sie ihre Zusammenarbeit mit den drei Kirchengemeinden. Die empfindet sie als sehr inspirierend, wenn gemeinsam Ideen entwickelt werden.

Erst waren es die Zoom-Spiele übers Internet, als man sich überhaupt nicht treffen durfte. Inzwischen ist die Arbeit in kleinen Gruppen bis 15 Personen wieder möglich. Mit den Jugendfreizeiten ist es aktuell noch eher schwierig, auch wenn einzelne bereits wieder laufen. Stattdessen stehen ihren Worten zufolge „digitale Freizeitangebote“ im Vordergrund.

Die 48-Jährige vermutet, „dass uns Corona noch lange begleitet“. Deshalb sucht sie nach Angeboten für die Jugendlichen, bei denen sie nicht aufs Gemeindehaus angewiesen ist. Denn in geschlossenen Räumen dürfen sich weniger Personen aufhalten. Inzwischen wird kreativ an die Sache herangegangen. Beim Konfirmationsunterricht müssen alle an Einzeltischen sitzen.

Spiele müssen so gestaltet sein, dass Berührungen vermieden werden. Gemeinsames Basteln ist nicht. „Das schränkt die Arbeit schon ein‘“, bedauert Ruoff. Die Betreuer sind jedoch ständig auf der Suche nach neuen Ideen, um diese hinderlichen Bestimmungen zu kompensieren. Da hilft es, dass Ehrenamtliche von drei Kirchengemeinden zusammen an einem Tisch sitzen und sich die Köpfe zerbrechen.

Da die Konfirmation im April nicht stattfinden konnte, gibt es in diesem Jahr eine besondere Situation. Die „alten“ Konfis sind noch da, die „neuen“ haben bereits losgelegt. In Hammelbach soll die Konfirmation im Advent nachgeholt werden. Wald-Michelbach hat sich Ende September zum Ziel gesetzt. Ruoff hofft, dass dann wieder größere Gottesdienste möglich sein werden.

Die Gemeindepädagogin hat die Erfahrung gemacht, dass das Evangelium für Jugendliche „ein Anker im eigenen Leben sein kann“. Sie fühlen sich dort aufgehoben. Ihr Tenor: Nicht nur die älteren, auch jüngere Menschen sind „mit der Botschaft in der Bibel gemeint“. Über eine gute Konfirmationsarbeit möchte sie „an die Jugendlichen drankommen“. In diesem einen Jahr „habe ich die Chance, sie mitzuziehen und zu begeistern“, dann auch Teamergruppen zu bilden.

In Hammelbach laufen ihren Worten zufolge die Arbeiten zur Ausgestaltung eines Jugendraums im Keller des alten Schultheißenhauses. Hier soll „nach Corona“ ein kleiner Treff mit verschiedenen Angeboten eingerichtet werden. Die Kirche hat diesen Raum angemietet. Wenn Jugendliche selbst etwas gestalten können, „motiviert sie das auch, sich dort zu treffen“, weiß sie. Ähnlich ist es im Gemeindehaus Wald-Michelbach, wo ebenfalls ein Jugendraum existiert.

Mit den Teamern will die Gemeindepädagogin dann auch regelmäßige Treff-Angebote konzipieren. Spieleabende, gemeinsames Kochen oder Filmvorführungen schweben ihr vor. Schön wären natürlich ebenso Jugendfreizeiten und Teamer-Wochenenden, aber die sind im Moment noch schwer zu verwirklichen.

Ruoff will den Jugendlichen Handwerkszeug an die Hand geben, was sie selbst an Gruppenarbeit angehen können. Denn sie hat die Erfahrung gemacht, „dass es durchaus welche gibt, die sich für Glaubensinhalte interessieren“. Die verstehen, worum es geht „und nehmen es für sich an“.

 

Info:

Birgit Ruoff (48) stammt von der Schwäbischen Alb. Mit ihrem Mann Jochen wohnt sie derzeit in Lindenfels. Nach einer Tätigkeit als Bankkauffrau studierte sie in Frankfurt Sozialpädagogik. In Nied war sie später in der offenen Jugendarbeit tätig.

Mit 30 Jahren kamen – auch von den betreuten Jugendlichen – Glaubens- und Sinnfragen auf. Birgit Ruoff studierte noch einmal: Religionspädagogik in Darmstadt.

Ihre erste Stelle trat sie 2011 im Dekanat Runkel ein Jahr lang als Elternzeitvertretung an. Als Gemeindepädagogin arbeitete sie in drei verschiedenen Orten mit unterschiedlichen Arbeitsgebieten: Frauen, Konfi-Unterricht, Senioren.

Ihren Hang zu Jugendarbeit konnte Ruoff danach vier Jahre lang im Dekanat Nidda als Jugendreferentin ausleben. In zwölf angeschlossenen Kirchengemeinden setzte sie mit den Pfarrern auch diverse Konfi-Projekte um.

Weitere vier Jahre war die 48-Jährige im Anschluss als Gemeindepädagogin in Lampertheim tätig. Die Arbeit auf einer weiter unten angesiedelten Ebene „liegt mir mehr“, sagt sie. Denn es gibt im direkten Kontakt mit dem Menschen mehr Spielraum, etwas zu gestalten. Ein Weltladen wurde in dieser Zeit eröffnet, Konfi- und Jugendfreizeiten durchgeführt.

Seit Anfang des Jahres ist Birgit Ruoff mit einer halben Stelle in Fürth und der anderen halben im Überwald als Gemeindepädagogin aktiv. Ihre „Zielgruppe“ sind Jugendliche ab der Konfirmation bis etwa Anfang 20. Es geht ihr darum, „Jugendliche fürs Evangelium zu begeistern“. Denn die sind „mit der Botschaft in der Bibel auch gemeint“.

Zuhause bekommt sie den Kopf frei

Wenn beide Eltern den ganzen Tag Musik machen, dann saugt die Tochter diese natürlich mit der Muttermilch auf. „Ich habe als kleines Mädchen schon mitgesungen“, erinnert sich Viviane Essig. Als Jugendliche war sie viel in Clubs der Region unterwegs und trällerte dort Alicia-Keys-Nummern, ehe sie mit Frederic Michel in der ersten eigenen Band „quasi auf allen Odenwald-Festen“ auftrat. Ihr eigenes Projekt „Vivie Ann“ war gerade richtig am Durchstarten, da kam Corona.

„Es ist eine mittlere Katastrophe“, erzählt die Überwälderin aus Wahlen. Noch ist nicht absehbar, wann es weiter geht. Konzerte werden laufend verschoben, „es gibt große Unsicherheiten“. Und das nach einem erfolgreichen Jahr 2019. „When the Harbour becomes the Sea“ heißt ihr Album, für das es „ein super Feedback“ gab. Auf die Beine gestellt hatte es die 28-Jährige mittels Crowdfunding – 32.000 Euro kamen schnell zusammen.

„Ich mache keine Musik für Normale“, erläutert die Wahlenerin in Hamburg ihre ganz eigene Herangehensweise. „Vivie Ann“ ist ein international angelegtes Indipendent-Projekt mit eigenem Label. Liveauftritte stehen im Vordergrund. Mit ihrem vor allem englischsprachigen Gesang „habe ich viele Fans gewonnen“, freut sie sich.

Das Songwriting ist bei Viviane Essig „ein sehr intimer Prozess“. Sie schreibt alle Lieder allein und stellt sich dabei gegen den Mainstream. „Viele wollen um jeden Preis berühmt werden“, erzählt sie, weswegen die Songs dann durchdesignt werden, um dem zu entsprechen, „was gerade in ist“. Ganz anders bei der 28-Jährigen. „Ich singe über Dinge, die mir persönlich widerfahren sind“, gibt sie einen Einblick in ihr Schaffen.

Viviane Essig ist ehrlich in ihren Liedern und nimmt „kein Blatt vor den Mund“. Wer die Songs hört, „erfährt einiges über mich“, erläutert die Überwälderin. Sie macht sich quasi musikalisch „komplett nackt“. So sollte es dieses Jahr auch weitergehen. „Ich wollte neue Songs releasen“, so die Sängerin. Das ist aber jetzt nicht möglich, „weil mein Einkommen komplett weggebrochen ist“. Es fehlt der finanzielle Background für die Produktion.

Somit ist „die Zukunft meines Projekts erst einmal auf Eis gelegt“, bedauert die 28-Jährige. „Mir sind leider die Hände gebunden“, ist sie zur Untätigkeit verdammt. Für Viviane ein „unheimliches Ohnmachtsgefühl“. Sie weiß sich damit im gleichen Boot wie zahlreiche Kollegen, die von Existenzängsten geplagt werden. „Mein Kalender ist leer“, macht sie die Misere deutlich.

Die wirtschaftlichen Sorgen schlagen auf die Kreativität durch. „Es kommt kein Input“, beschreibt sie die aktuelle Leere. Sie weiß, dass sie als Selbständige immer mit einer Flaute rechnen muss. Ihr ist aber diese kreative Komponente „sehr wichtig, um glücklich zu sein“.  Die Musikerin ist traurig darüber, dass Kunst und Kultur auf dem Papier zwar wertgeschätzt werden, aber wenn es dann hart auf hart kommt, „spielt das keine Rolle mehr“.

Für Viviane Essig ist es „ein unheimliches Freiheitsgefühl, so zu arbeiten“, meint sie über ihre künstlerische Tätigkeit. Sie lernt immer neue Leute kennen und ist ständig unterwegs. „Es ist ein Geschenk, dass ich mit meiner Musik anderen Freude bereite“, betont sie. Sie ist dankbar dafür, dass die Fans nach einem Konzertbesuch „glücklicher nach Hause gehen“.

Hamburg, überrascht sie mit dieser Aussage, „ist dem Odenwald vom Gefühl her gar nicht so fern“.  Die dortige Musikerszene ist sehr familiär und unterstützt sich. Viel Grün und der Hafen machen Spaß. „Es ist nicht eine solche Skyline-Stadt wie Berlin“, erzählt Viviane nach zehn Jahren in der Hansestadt. Man kommt überall mit dem Fahrrad hin. Vor allem: Es geht nicht so stressig zu, die Menschen sind gelassen und versuchen vieles in Ruhe anzugehen.

Für die Inspiration geht’s aber immer wieder zurück in den Überwald. Hier genießt sie die Ruhe und wird nicht mal kurzfristig gebeten, etwas einzusingen. Der Odenwald ist die beste Medizin, „um den Kopf freizukriegen“. Weil sie hier aufgewachsen ist, „sprudeln die Ideen“. Viele Erinnerungen hängen am Landstrich. „Ich war ein Feld-Wald-Wiesen-Kind“, lacht die 28-Jährige. Die Erinnerung erzeugt ein Gefühl, „das mir beim Schreiben hilft, weil ich es in mir trage“.

Für Viviane Essig ist klar: „Ohne den Odenwald gäbe es viele meiner Songs nicht.“ Den derzeitigen Stillstand nutzt sie für eine musikalische Reise in die Jugend. „Ich singe Disney-Songs ein“, erzählt die Wahl-Hamburgerin. So ganz, ganz langsam, tun sich Richtung Oktober/November auch wieder Möglichkeiten in kleinem Rahmen auf, Musik machen zu können. Endlich.                       tom

 

Zitat: „Ohne den Odenwald gäbe es viele meiner Songs nicht.“

 

Viviane Essig (28) ist eines von vier Kindern der Berufsmusiker Gabi und Achim Essig. Von früh auf kam sie mit der Musik in Berührung. Ihre erste Rock-Pop-Band „Aime“, die vier/fünf Jahre bestand,  gründete sie zusammen mit Schlagzeuger Frederic Michel auf Affolterbach.

Nach dem Abitur am Überwald-Gymnasium zog Viviane nach Hamburg und studierte dort ein Jahr lang an der Hochschule für Musik und Theater. Parallel arbeitete sie für das WDR-Funkhausorchester und schrieb Songs für andere Künstler.

Als Sängerin war sie in der Folgezeit für das Kasseler Staatstheater, die Essener Philharmonie und die Neue Philharmonie Westfalen tätig.

Im vergangenen Jahr war sie mit ihrer eigenen Band „Vivie Ann“ im Vorprogramm von Max Giesinger und Johannes Oerding auf Tour.

Mehr unter www.vivieann.com und auf www.youtube.com/channel/UC8_Ms1o-s66ulyHBrrIJliA

 

Mit Uli Krell ist musikalisch immer zu rechnen

Die Musik spielte im Leben von Uli Krell schon seit je her eine große Rolle. Bereits als Jugendlicher nahm er die Gitarre zur Hand, später kamen dann weitere Saiteninstrumente wie Drehleier, Mandoline oder Bass dazu. „Ich bin sehr ohrenfixiert“, meint der 67-Jährige schmunzelnd über sein Hobby, aus dem vor fünf Jahren der Hammelbacher Klangwanderweg entstand. Etwas ganz anderes als sein früherer Beruf: Mathe- und Physik-Lehrer am Überwald-Gymnasium.

Vor 30 Jahren hatte Krell seine eigene Band, die sich auf historische Musik spezialisierte. Mangels Moneten baute er Harfe oder Drehleier selbst. Da seine Fächer am ÜWG „sehr kopforientiert“ waren, machte er eine Weiterbildung in Arbeitslehre. In diesem Rahmen absolvierte der Wahl-Hammelbacher ein Schreiner-Praktikum. „Das verstärkte in mir die Liebe zur Arbeit mit Holz“, erzählt er. Denn „Musik und Klänge waren schon immer mein Ding“.

Diese Vorlieben brachte er auch am Gymnasium mit ein, als er vor langen Jahren zwei Folk-Gruppen betreute. Denn früher „saßen die Kids noch mit der Gitarre auf dem Schulhof“, so der 67-Jährige. Aber als Angebot gab es damals nur ein Blockflötenorchester. Noch heute pflegt er Kontakte zu den früheren Schülern. Sobald es wieder möglich ist, will Krell wieder mit den Ehemaligen Musik machen. „Das ist für mich sehr wichtig“, betont er. Das fehlte ihm sehr, als wegen der Corona-Pandemie die Kontaktbeschränkungen galten und für größere Gruppen noch immer gelten.

Als es um die Instrumente für den Outdoor-Klangwanderweg ging, war klar, dass sich der Werkstoff Holz nur bedingt eignet. Klar wäre er für die Resonanzen besser, weiß Krell, aber eben nicht witterungsbeständig. „Ich habe schon genug Arbeit damit, alle Instrumente zu stimmen“, lacht er. Mit dem Fahrrad macht er regelmäßige Inspektionstouren, um nachzuschauen, ob überall die (richtigen) Töne erklingen. Aktuell hat er aus den Spenden bei seinen Führungen noch Reserven, um die „Ersatzteile“ zu bezahlen.

In den vergangenen Wochen erreichten Krell viele Fragen von außerhalb, ob der Klangwanderweg frei zugänglich ist. „Ich konnte die Leute alle beruhigen“, sagt er. „Es ist einiges los“, weiß er, aber natürlich gibt es auf acht Kilometern kein Gedränge. Abstände lassen sich ohne Probleme einhalten. Der Musikfan bekommt für sein „Baby“ durchweg positive Rückmeldungen, es erfreut sich großer Beliebtheit. Erst vor kurzem legte er wieder 200 Flyer nach.

Nach wie vor gibt es seine Idee des „klingenden Dorfs“: Krell baut auf Wunsch gegen Materialkostenerstattung Klangobjekte für den heimischen, privaten Garten. Allerdings wurde das bisher aus dem Ort selbst wenig in Anspruch genommen, lediglich aus Litzelbach. Er möchte „nach Corona“ eventuell in Form von Workshops seine Kenntnisse darüber weitergeben, worauf man beim Bau von Windspielen achten sollte.

Der 67-Jährige geht noch mit einer anderen Idee schwanger: ein kleines „Indoor“-Klangmuseum. Denn wenn Instrumente aus Holz (und nicht Metall) gebaut sind, „dann klingen sie viel schöner“, erläutert Krell. Da er sich aber die Miete für Räumlichkeiten nicht leisten kann, hofft er, dass es möglicherweise jemanden gibt, der diese ihm umsonst zur Verfügung stellen würde. Für ein Klangerlebnis im Inneren hat er letztens einen Klangstuhl gebaut.

Auch ein anderes Projekt führt der umtriebige Musikliebhaber weiter: Zusammen mit dem Organisten Marius Skibka stellte er bereits die beiden Instrumente in den Hammelbacher Kirchen vor. Er erklärte die verschiedenen Pfeifenformen, machte erfahrbar, wie Klang und Klangfarben zustande kommen. „Das würde ich gern in anderen Orten auch anbieten“, wenn die Kirchengemeinde Interesse hat.

Während Corona gab’s bei den Krells viel „Odenwälder Hausmusik“. Denn seine drei Söhne haben sein Faible fürs Musizieren geerbt. Und im Haus ließ sich ohne technische Verstärkung ein Krell-Ensemble ins Leben rufen. Der Hammelbacher sehnt sich aber auch nach dem gemeinsamen Musizieren mit vielen anderen, wie es vor dem März stattfand. „Aktuell ist es nur ein Bruchteil“, vermisst er dies stark – und hofft, dass es bald wieder losgeht.

Uli Krell (67) wurde in Groß-Bieberau geboren. 1979 kam er nach seinem Lehramtsstudium (Mathe/Physik) nach dem ersten Staatsexamen ans Wald-Michelbacher Überwald-Gymnasium. Dort legte er auch das zweite Staatsexamen ab. 39 Jahre, bis zur Pensionierung 2018, unterrichtete Krell am ÜWG. Seit 1989 wohnt er im Grasellenbacher Ortsteil.

Die Idee für den Hammelbacher Klangwanderwerg kam Uli Krell 2009, als er zusammen mit seiner Frau Bettina den im Luxemburger Ort Hoscheid besuchte. Erste konkrete Vorstellungen für die Realisierung gab es im Rahmen der Silek-Initiative 2011, bei der Ideen für die Fortentwicklung des Ortes gesucht wurden. Allerdings bekam Uli Krell aus den Silek-Mitteln keine Förderung, konnte aber danach über die Jugendmusikschule als Schirmherr die Sparkassenstiftung für sein Projekt als Unterstützer begeistern.

Die Windleier, das erste Objekt auf der von ihm konzipierten Strecke oberhalb von Hammelbach, hängt bereits acht Jahre. Nach und nach, je nach Freizeit und Fertigstellung, kamen die anderen Instrumente dazu. Etwa das Holzartenxylophon: Die Abmessungen sind konstant, aber die verschiedenen Holzarten klingen alle unterschiedlich.

Oder der Achtklang: Es waren viele Forschungsarbeiten nötig, bis klar war, wie lange die Rohre sein müssen, dass die Töne stimmen. Die Lion-Windharfe wurde genau an dem Tag montiert, als sein erster Enkel auf die Welt kam. Weshalb sie auch dessen Namen erhielt. Im September 2015 war Einweihung der Strecke.

Ausgangspunkt des acht Kilometer langen Klangwanderwegs ist der Dorfplatz. Der Weg hat eine eigene Markierung, das „blaue Ohr“. Man kann aber auch an der Weschnitzquelle einsteigen und dann der Markierung für den Qualitätsrundwanderweg H10 auf ihrem nördlichen Teil oder dem „blauen Ohr“ folgen. Über Eselstein, Altlechtern und Schanze führt die Strecke wieder in einem Bogen zurück nach Hammelbach.

Zur Betreuung des Klangwanderwegs sucht Uli Krell noch Mitstreiter, die ihm bei der Instandhaltung zur Hand gehen. Weitere Infos bei Facebook unter Hammelbacher Klangwanderweg oder E-Mail klangwanderweg@gmail.com.