Unsicherheiten über die neuen Kommunal-Beförsterungsgebühren: Forstbetriebsgemeinschaft Südlicher Odenwald wählt den Vorstand neu

Bei der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Südlicher Odenwald ging eine Ära zu Ende. Nach zwölf Jahren an der Vorstands-Spitze schied Wald-Michelbachs Bürgermeister Joachim Kunkel parallel zum Ende seiner Amtszeit auf Gemeindeebene Ende Juni auch als Vorsitzender aus. Sein Nachfolger ist der Beerfeldener Amtskollege Gottfried Görig. Allerdings nur auf Zeit: Wenn es 2018 die neue fusionierte Stadt Oberzent gibt, muss noch einmal neu gewählt werden.

Inhaltlicher Schwerpunkt in den Ausführungen von Norbert Sasse, seines Zeichens Chef des Forstamts Beerfelden, das neben der Oberzent auch für den Überwald und das hessische Neckartal zuständig ist, war die Anhebung der Beförsterungskosten für den Kommunalwald. Allerdings konnte er noch keine verbindlichen Aussagen machen, da erst am Tag vor der Versammlung ein neues Schreiben eingetrudelt war, das frühere Berechnungen ad acta legte und höhere Sätze enthielt.

Kunkel ging auf ein weiteres Thema ein: Ein Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf gegen das Land Baden-Württemberg, das hinter die bisherigen Einheitsforstämter ein dickes Fragenzeichen zeichnet. Allerdings ist auch noch hier keine Rechtssicherheit erreicht, da eine Revision möglich ist und wohl auch angestrebt wird. „Das Leben wird schwerer, wenn das Einheitsforstamt nicht mehr möglich sein sollte“, sagte er. Denn die bisherigen Strukturen „mussten erst gefunden werden“, was durch die Unterstützung des Forstamts gut gelungen sei.

Das entsprechende Kartellverfahren läuft schon über ein Jahrzehnt, erläuterte Sasse. Ein zwischenzeitlicher Kompromiss sei von Baden-Württemberg nicht umgesetzt werden, weswegen das Kartellamt nun das Urteil anstrengte. Demnach dürfen durch den Forst keine Dienstleistungen mehr gemeinsam für Kommunal- und Privatwald angeboten werden, da keine kostendeckenden Beträge erhoben wurden. Bemängelt wurde ein „nichtzulässiges Angebotskartell“.

Laut Sasse gründet Baden-Württemberg für den Staatswald nun eine Anstalt des öffentlichen Rechts, geht aber gleichzeitig in Revision vor den Bundesgerichtshof. Der Forstdirektor rechnet damit, dass dort das bisherige Urteil in seinen Grundzügen erhalten bleibt „und über kurz oder lang irgendwann auf andere Bundesländer ausstrahlt“.

Wie der Forstamtschef weiter sagte, habe Hessen Forst bereits im Vorfeld reagiert und die Verträge mit den Privatwaldbesitzern auf den Prüfstand gestellt. Von den bisherigen Partnern „ist mehr als die Hälfte wieder mit im Boot“, sagte er. Insgesamt 2100 von 3800 Hektar im Forstamtsbereich. Die Beratungen für eine Kostendeckung im Kommunalwald bis zum Jahr 2025 seien bisher über den Entwurf noch nicht hinausgekommen, sagte er.

Auf der Basis der jetzt vorliegenden Zahlen machte Sasse am Beispiel Hirschhorn die Rechnung auf, dass die Neckarstadt 2017 etwa 13 Prozent mehr gegenüber 2016 zahlen müsste. Bis 2025 stehe eine Erhöhung um mehr als 50 Prozent gegenüber dem vergangenen Jahr im Raum, etwa 36.000 Euro statt bisher 23.000 Euro. In diesen Summen seien die Kosten für die zehnjährige Forsteinrichtung nicht mehr enthalten, was noch ein paar Euro mehr pro Hektar bedeute. Aktuell ist eine Steigerung von 14 Euro (2017) bis auf 30 (2025) pro Hektar und Jahr vorgesehen.

Der hessische Städte- und Gemeindebund sieht nach den Worten von Kunkel noch „erheblichen Gesprächsbedarf“ bei diesen neuen Gebühren. „Die Kommunen sind nicht glücklich darüber“, sagte er. Ein kommunalfreundliches Handeln sehe anders aus. „Die unten sollen Sorge dafür tragen, dass oben das Geld wieder reinkommt“, sah der Bürgermeister den Wald als völlig falsches Mittel an, den Landeshaushalt auszugleichen.

Kunkel wies darauf hin, dass die Erhöhung erst den Weg durch die kommunalen Gremien nehmen müsse. Er kritisierte, dass Bedenken „leichtfertig neben runter gewischt werden“. Es seien hier auf übergeordneter Ebene Akteure am Werk, „die mit der Materie nicht wirklich vertraut sind“. Er hob in diesem Zusammenhang aber ausdrücklich die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Forstamt Beerfelden hervor.

Sasse rechnet damit, dass der Erlass im kommenden Januar feststehen wird. „Wir warten auf endgültige Vorgaben und Entscheidungen“, gibt es aktuell seinen Worten zufolge eine „Hängepartie“. Gegen Schnellschüsse sprach sich Ralf Kredel aus. „Wir müssen warten, was auf uns zukommt und dann ein Konstrukt finden, das die nächsten zehn bis 20 Jahre hält.“ Um für die Eventualitäten gewappnet zu sein, beschloss die Versammlung die Bildung einer Arbeitsgruppe, die einen „Plan B“ ausarbeiten soll. Ihr gehören Kredel, Ernst Schäfer, Gottfried Görig, Axel Bauer und Rothenbergs Bürgermeister Hans Heinz Keursten an.

Vorstand FBG Südlicher Odenwald Wahlperiode 2017-2021: Vorsitzender Gottfried Görig (Beerfelden), Stellvertreter Ralf Kredel (Etzean) und Markus Röth (Grasellenbach), Rechner Thomas Ihrig (Hesseneck), Stellvertreter Walter Köhl (Beerfelden), Schriftführer Oliver Berthold (Hirschhorn), Beisitzer Günter Schmitt (Abtsteinach), Axel Bauer (Grasellenbach), Ernst Schäfer (Beerfelden), Kurt Hering (Langenthal), Hans Peter Kohl (Wald-Michelbach), Johannes von Warsberg (Neckarsteinach), Kassenprüfer Herold Pfeifer (Neckarsteinach), Jens Schnur (Olfen).

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Kämmerer im Überwald ärgern sich über neue Sparkassen-Gebühren für Kommunen

Leider war es kein Aprilscherz: Seit dem 1. April erhebt die Sparkasse Starkenburg von den Kommunen in ihrem Geschäftsgebiet Kontoführungs- und Buchungsgebühren sowie Strafzinsen ab einer bestimmten Einlagenhöhe. In den Finanzabteilungen der drei Überwald-Gemeinden ist man davon wenig begeistert, bedeutet es doch ungewollte Ausgaben. Die belaufen sich von wenigen hundert Euro bis in einen hohen vierstelligen Bereich. Der Ärger ist groß.

Im besten kommt noch Abtsteinach weg. Das liegt aber daran, dass die Hardberg-Kommune laut Kämmerer Rainer Berbner das Hauptkonto bei der Volksbank hat. Um die 300 Euro werden nun Berbner zufolge durch Gebühren auf Überweisungen, Einzahlungen und Scheckeinreichungen bei der Sparkasse fällig, schätzt er. Von den Strafzinsen in Höhe von 0,4 Prozent auf Guthaben über 250.000 Euro ist man dort praktisch nicht betroffen. Durch das Volksbank-Konto „kommen wir nicht in diese Größenordnung“.

In Grasellenbach und Wald-Michelbach hält sich die Freude darüber sehr in Grenzen, dass sich die Hausbank, für die die Kommunen Gewährsträger sind, an deren Kassen bedient. „Ich bin ganz begeistert von der Sparkasse“, umschreibt es Grasellenbachs Bürgermeister Markus Röth sarkastisch, was ihn zum 1. April erwartete. Er rechnet mit etwa 3000 Euro Mehrausgaben jährlich. Nimmt man die Eigenbetriebe dazu, dürften noch ein paar Euro draufkommen.

In Falle des Nibelungendorfs sind es vor allem die Überweisungen, die heftig zu Buche schlagen. Bei den Buchungen kann man auf ein ebenfalls existierendes Volksbank-Konto zurückgreifen. Die Strafzinsen fallen laut Röth nicht so sehr ins Gewicht, da sich über 250.000 Euro hinausgehende Gelder auch anderweitig unterbringen ließen. Doch: „Muss so was sein“, fragt der Rathauschef rhetorisch.

Das Kreditinstitut schütte viel Geld an Vereine aus, verlange aber andererseits jetzt höhere Gebühren von den Gemeinden. Für Röth widersinnig. „Wir überlegen die Bank zu wechseln“, macht er ganz klipp und klar deutlich. In ähnlicher Höhe, um die 3000 bis 4000 Euro, bewegen sich die Mehraufgaben in Neckarsteinach und Hirschhorn. In den beiden hessischen Neckartal-Städten bekam man schon relativ frühzeitig Nachricht von den Erhöhungen.

Im Gegensatz zu Wald-Michelbach. „Wir haben erst vor eineinhalb Wochen davon erfahren“, sagt der stellvertretende Finanz-Geschäftsbereichsleiter Andreas Sattler. „Uns trifft das bisschen härter“, meint er. Auch wenn die Gemeinde die Gelder auf weitere Konten verteilen kann, von denen sie jeweils eines bei der Volksbank Überwald und Weinheim hat, rechnet er „mit einem hohen vierstelligen Betrag“, der zusätzlich fällig wird.

„Das tut mehr als ein bisschen weh und ist sehr ärgerlich“, betont Sattler. Man wolle zwar nicht von der Sparkasse Starkenburg weggehen, aber natürlich die Gebühren niedrig halten. Deshalb sollen so viele Gelder wie möglich umgeschichtet werden. Die kurzfristige Nachricht, weil es die Terminlage anders nicht möglich machte, führte darüber hinaus dazu, „dass wir schnell reagieren mussten“, sagt Sattler.

Mit ihren Negativzinsen steht die hessische Sparkasse in der Region bislang allein da. Nicht nur die benachbarten Volksbanken erheben keine. Auch die angrenzenden Sparkassen weiter südlich, im Bereich Neckartal-Odenwald, wollen kein Geld von den Kommunen. Ebenso nicht Postbank, LBBW, BW-Bank oder die Volksbank im Neckartal.

Bürgermeisterkandidaten-Vorstellungen in Wald-Michelbach: In punkto Stillfüssel sind der Gemeinde die Hände gebunden

„Wie stellen Sie sich vor Ort die Energiewende vor?“, war ein weiteres Schwerpunktthema bei der Diskussion mit drei der fünf Bürgermeister-Kandidaten für Wald-Michelbach, zu dem das Bürgerforum Überwald in den Rathaussaal eingeladen hatten. Obwohl der Punkt Windenergie und hier die umstrittene Anlage auf dem „Stillfüssel“ bei der zweiten Info-Veranstaltung Ende Januar ausführlicher behandelt werden soll, spielte er naturgemäß schon jetzt eine große Rolle.

Christiane Hennrich will wissen, was die Einwohner über Windenergie denken und diese Meinung per Bürgerentscheid abfragen. Allerdings sei die nächste Frage bei einem negativen Votum, wie denn die Energiewende ohne Wind-Nutzung gestaltet werden könne. Für ein entsprechendes Energie-Gesamtkonzept will sie Fachkräfte, Kommunalpolitiker und Bürgerinitiativen an einen Tisch bringen, um die geballte Kompetenz zu versammeln. „Wir müssen die Bürger jetzt ins Boot holen, um auch der Angst vor Wildwuchs Rechnung zu tragen“, sagte sie. Sie kann einer autarken Energieversorgung einiges abgewinnen.

Matthias Schimpf verwies auf die Zuständigkeit des Regierungspräsidiums zum Windpark Stillfüssel. „Wenn das Ja sagt, ist die Entscheidung gefallen“, betonte er, Schwarzstorch hin oder her. Dann lasse sich das Rad nicht mehr zurückdrehen. Oder wenn, dann nur noch mit großen finanziellen Risiken für die Gemeinde, gab er Hennrich und Weber recht. Denn wenn man einseitig Verträge kündige, kämen Schadenersatzforderungen auf Wald-Michelbach zu.

Schimpf verwies daneben darauf, dass die Gemeinde außen vor sei, wenn Privateigentümer auf ausgewiesenen Flächen den Bau von Windenergieanlagen anstrebten. Dann zählten nur die entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen. Seiner Meinung nach sollte es vorrangig um Energieeffizienz gehen, auch beim Verbrauch von öffentlichen Gebäuden. Man solle überprüfen, inwieweit sich das Nahwärmenetz der Igena erweitern lasse und ob in den Ortsteilen Landwirte mittels Biomasse die Versorgung herstellen könnten.

Dr. Sascha Weber wies wie der ehemalige Kreisbeigeordnete darauf hin, dass ein neuer Bürgermeister auf den Windradbau bei Siedelsbrunn keinen Einfluss mehr haben werde. Wichtig sei eher, wie man mit anderen für Windkraftnutzung ausgewiesenen Flächen umgehe. Hier kann er sich ebenfalls eine Befragung der Bürger vorstellen. Er forderte daneben, das Nahwärmenetz noch einmal auf den Prüfstand zu stellen. Wenn in anderen Gemeinden darüber eine Versorgung möglich sei, „warum nicht in Wald-Michelbach?“. Es solle ein Gesamtkonzept her, in dem sich die einzelnen Bausteine wiederfänden.

(Das Bild zeigt ein im Bau befindliches Windrad am Greiner Eck zwischen Neckarsteinach und Hirschhorn, gesehen dort von der Langenthaler Straße aus)

Repräsentation der Odenwald-Gemeinden: SPD-Wingerter kritisiert den großen schwarzen Fleck auf der Landkarte des Kreistags

„Nichts beschönigen“ wollte das ehemalige Kreistagsmitglied Sven Wingerter in seinem Bericht zur Kreis-Situation. Den hielt er auf der SPD-Mitgliederversammlung. Das Ergebnis der Kreistagswahl sah er mit gemischten Gefühlen. Zum einen sei die SPD nach 15 Jahren Opposition wieder in der Regierungskoalition und könne sozialdemokratische Inhalte umsetzen. Zum anderen stehe dem gegenüber „das schlechteste Ergebnis für die SPD Bergstraße seit Bestehen des Kreises überhaupt“.

Wie Wingerter ausführte, braucht es seiner Meinung nach eine „ehrliche Auseinandersetzung über das Wahlergebnis und den Zustand der Bergsträßer SPD“. Denn aufgrund der erreichten 23,9 Prozent und der Verkleinerung des Kreistags von 81 auf 71 Mitglieder seien die Odenwald-Gemeinden ganz schlecht im neuen Gremium repräsentiert. „Von zwölf Städten und Gemeinden sind sechs nicht vertreten“, so Wingerter. Diese sechs lägen geografisch zusammen – „ein großer weißer oder besser schwarzer Fleck auf der Landkarte des Kreises“.

Noch vor zehn Jahren seien in der SPD-Kreistagsfraktion 20 von 22 Städten und Gemeinden des Kreises vertreten gewesen. Nach der jetzigen Wahl habe man 17 Kreistagsabgeordnete, drei ehrenamtliche Kreisausschussmitglieder und demnächst einen hauptamtlichen Beigeordneten. Somit wäre die SPD Bergstraße durchaus in der Lage, immerhin 21 von 22 Städten und Gemeinden abzudecken. Doch selbst jetzt, „nachdem der Kreisausschuss besetzt ist, sind neun Städte und Gemeinden ohne jede Vertretung der SPD im Kreis“. Es seien Kommunen mit zusammen über 40.000 Einwohnern, die von der SPD nicht mehr vertreten würden.

Das stehe auch in einem Missverhältnis zu wesentlichen inhaltlichen Herausforderungen der Kreispolitik in den nächsten Jahren, „die auf besondere Weise den ländlichen Raum und den Odenwald betreffen“. Den Koalitionsvertrag könne man durchaus mit Leben füllen. Es gelte, die Themen aus dem Wahlkampf, die sich in Ansätzen dort wiederfänden, umzusetzen. Wingerter nannte die Forderungen nach flächendeckender medizinischer Versorgung, nach einem besseren ÖPNV, nach Schulsozialarbeit, echten Ganztagsschulen, nach sozialem Wohnbau.

Er gehe davon aus, so Wingerter, dass ein sozialdemokratischer Beigeordneter als Sozialdezernent auch die Zuständigkeit für den Eigenbetrieb Neue Wege und damit die Job-Center und die Arbeitsvermittlung übernehme. „Das sind zentrale und wichtige Bereiche, in denen wir auch wirklich eine sozialdemokratische Handschrift hinterlassen können.“

Der SPD-Mann meinte, dass sich das schlechte Ergebnis im Kreis nicht ausschließlich auf den Bundestrend zurückführen lasse. Denn die SPD Bergstraße habe immer ziemlich gut im Landestrend der hessischen SPD gelegen. „Meist etwas darunter, manchmal auch darüber, aber nie weit auseinander.“ Doch dieses Mal sei man 4,6 Prozent unter dem Landesergebnis gelandet, führte Wingerter aus. Der Aschbacher forderte eine „ehrliche Aufarbeitung“ des Wahlergebnisses.

Wingerter nannte ein Grundproblem der Kreispolitik: Die größeren Städte seien sehr wohl noch in der Lage, viele kommunale Aufgaben selbstständig durchzuführen. Doch insbesondere die kleineren Städte und Gemeinden – vor allem die strukturell benachteiligten im Odenwald – seien auf die Solidargemeinschaft der „kommunalen Familie“ im Kreis angewiesen. Genau diese „müssen wir auch mit Nachdruck einfordern“.

 

Der Kreistag sei praktisch noch mitten in der Konstituierungsphase, erläuterte Wingerter. Einen ersten Erfolg gebe es aber tatsächlich schon jetzt: Die SPD habe deutlich gemacht, dass eine Erhöhung der Kreisumlage „mit uns nicht zu machen ist“. Diese sei nun fürs Erste vom Tisch. Aber unterm Strich zähle die Summe von Kreis- und Schulumlage. Erst wenn dauerhaft sichergestellt sei, dass beide nicht mehr stiegen, „erst dann werden wir auch in der Gemeinde wieder entlastet“.

„Wir hier in Wald-Michelbach haben gemeinsam einen tollen Wahlkampf zur Kreistagswahl gemacht“, lobte Wingerter. Auch wenn es für ihn – vorerst – nicht mehr für den Kreistag gereicht habe, habe man unter schwierigen Ausgangsbedingungen doch einiges erreicht. Vor fünf Jahren von Listenplatz 25 auf Platz 27 zurückgewählt, sei er diesmal auf Platz 21 vorgewählt worden, aktueller der zweite Nachrückerplatz. Er dankte allen Wahlhelfern für deren Unterstützung.

Die SPD-Zusammenarbeit im Odenwald solle nicht nur auf den Wahlkampf beschränkt werden, meinte er. „Wir müssen sie nach der Wahl fortsetzen, wir sollten uns auch im Sinne der interkommunalen Zusammenarbeit regelmäßig austauschen.“ Langfristig gelte es ein starkes Solidarbündnis aufzubauen, um dem Odenwald im Unterbezirk endlich wieder ein starkes Gewicht verleihen zu können.

Doppelsieg für die Jugendfeuerwehr aus Schimmeldewog beim Wettkampf des Löschbezirks 3 in Langenthal

Doppelsieg für die Überwälder: Mit fünf Jugendteams war die frisch fusionierte Schönmattenwager Wehr beim Wettkampf des Löschbezirks 3 in Langenthal angetreten und räumte gleich kräftig ab. Auf Platz 3 kam die eine Hirschhorner Mannschaft, auf Platz 11 die andere. Die erste Mannschaft aus Schimmeldewog durfte den von Wald-Michelbachs Gemeindebrandinspektor Erwin Hartmann gestifteten Wanderpokal in Empfang nehmen. Die Veranstaltung fand zum 40-jährigen Bestehen der Jugendwehr im Hirschhorner Stadtteil statt.

Das Ergebnis freute natürlich Bezirksjugendfeuerwehrwart Tobias Walter, gleichzeitig Schönmattenwager Wehrführer, sehr. Er war zusammen mit der Langenthaler Jugendfeuerwehrwartin Lisa Morr und dem dortigen Wehrführer Michael Siefert sowie deren Team federführend an der Organisation beteiligt und den ganzen Tag auf Achse. Neckarsteinach I wurde 12., die zweite Mannschaft nahm aus Konkurrenz teil. Darsberg kam auf Platz 10. Rothenberg kam mit zwei Teams auf Platz 9 und 13, Hainbrunn auf 8.

17 Jugendteams zwischen zehn und 17 Jahren aus dem hessischen Neckartal und vor allem aus dem Überwald, aber auch dem benachbarten Heddesbach sowie dem angrenzenden Odenwaldkreis nahmen an diesem Wettbewerb teil, der jedes Jahr in einem anderen Ort des Löschbezirks 3 stattfindet. 2015 richtete ihn Unter-Abtsteinach aus, damals gewannen die Langenthaler Jugendlichen. Die traten dieses Mal nicht an.

Neckarsteinach, Darsberg, Siedelsbrunn, Wald-Michelbach, Hirschhorn, Kreidach, Schönmattenwag sowie Heddesbach, Hainbrunn und Rothenberg waren teilweise mit mehreren Teams (davon fünf aus Schimmeldewog) am Start. Acht Disziplinen waren beim Wettkampf zu bewältigen. Darunter vier Feuerwehrdisziplinen mit Aufbauen einer Saugleitung, Schnelligkeitsübung, allgemeine Theorie sowie Feuerwehrknoten und Stiche. Davon sind mit der Theorie und der Saugleitung zwei vorgegeben, die anderen beiden könne der Ausrichter wählen, so Siefert. Weiterhin gab es vier Spiele: Stelzenlauf, Schätz-, Wasserbomben- und Dachrinnenspiel.

Die Kreidacher Mannschaft an der Knoten-Station nahm außer Konkurrenz teil. Denn das siebenköpfige Team gibt es noch nicht so lange wieder. Es nutzte den Wettbewerb unter der Leitung von Jugendwart und Wehrführer Björn Kist zum „Reinschnuppern“. Schiedsrichter an dieser Station war Wald-Michelbachs Wehrführer Peter Capuani, der – manchmal ein wenig frotzelnd – so einige Tipps für den richtigen Knoten parat hatte.

Um die 150 Teilnehmer mit ihren Betreuern waren im ganzen Ort unterwegs, um zu den acht Stationen zu gelangen. Natürlich sind das im Hirschhorner Stadtteil mit seinen 320 Einwohnern keine weiten Wege. Die Wertungsrichter kamen zum einem von der ausrichtenden Langenthaler Wehr, zum anderen aus dem ganzen Löschbezirk 3. Unter ihnen waren Jan Hofmann aus Birkenau, Klaus Sieber von Affolterbach, Lukas Hofmann aus Unter-Abtsteinach, Joe Beisel von Hirschhorn, Sven Seib aus Darsberg oder mit Georg Korfant der ehemalige Stabführer des Löschbezirks 3.

Den Wettbewerb für die Jugendfeuerwehren gibt es seit über 25 Jahren, erläuterte Tobias Walter. Früher einmal wurde er immer dort ausgerichtet, wo die Sieger des Vorjahres herkamen. Inzwischen orientiere man sich an besonderen Ereignissen. Und das hatte die Langenthaler Jugendwehr an diesem Tag: Sie feierte ihren 40. Geburtstag. 1976 als 75. Nachwuchsorganisation im Kreis Bergstraße gegründet, gehören ihr heute vier Mädchen und acht Jungen an.

Natürlich gehe es vorrangig um die Ausbildung, so Walter. Aber man wolle auch durch den Wettkampfgedanken die Kenntnisse „mit Spaß an der Sache vermitteln“. Außerdem könnten so die Jugendlichen ihr bisher Gelerntes unter Beweis stellen. Von den Jugendfeuerwehrleuten aus Schimmeldewog weiß Tobias Walter, dass diese kräftig im Vorfeld üben, sobald die Übungen eine Woche vorher bekannt sind. „Die motivieren sich gegenseitig und sind dann ganz heiß auf den Wettkampf“, schmunzelte er. Mit Erfolg, wie sich am Ergebnis zeigte.

Das Zusammensetzen einer Saugleitung diene zur Simulation der Wasserentnahme aus einem offenen Gewässer, erläuterte Walter. Diese Übung sei identisch mit der, die auch die Erwachsenen absolvieren müssten. Somit seinen Worten zufolge ein gutes Training für die spätere Tätigkeit in der Einsatzabteilung, wenn die Jugendlichen 18 würden und weiter dabei bleiben.

Beim Schnelligkeitswettbewerb ging es darum, vier C-Schläuche mit je 15 Metern so zusammenzusetzen, dass keine Windungen drin sind. Das Schätzspiel beinhaltete Fragen nach der Zahl der Berufsfeuerwehren in Deutschland (107) oder dem gemeinsamen Gewicht von B- und C-Schlauch (14 Kilo).

Am Schluss der Veranstaltung gab’s Lob von allen Seiten. Tobias Walter freute sich über die perfekte Organisation und den reibungslosen Verlauf. Für die Langenthaler Organisatoren war Lisa Morr ebenso zufrieden. Denn schließlich wurde der Wettbewerb schon seit August von einem siebenköpfigen Orga-Team vorbereitet. Die heiße Phase lief seit einem Monat. Am Tag selbst brachten sich neben den 38 Mitgliedern der Einsatzabteilung noch einmal über zehn Ortsbürger ein, damit der Ablauf reibungslos klappte. Mehr Bilder hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1154756184568529.1073741923.100001024761983&type=1&l=7735908953

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Unmut über erhöhte Beförsterungsgebühren: Privatwald-Besitzer im Bereich des Forstamts Beerfelden unterschreiben neue Verträge nicht

Die Erhöhung der Beförsterungsgebühren für die Privatwald-Besitzer treibt die Eigentümer immer noch kräftig um. Bei der Mitgliederversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Südlicher Odenwald wurde der Unmut darüber wieder deutlich. Der richtete sich aber nicht gegen den Überbringer der schlechten Nachricht, das Forstamt Beerfelden, sondern gegen das zuständige Wiesbadener Ministerium und Hessen Forst in Kassel.

FBG-Vorsitzender und Wald-Michelbachs Bürgermeister Joachim Kunkel nahm aus dem Treffen im „Birkenhof“ den Auftrag der 50 und mehr Anwesenden mit, gegenüber den Behörden den „Unmut“ der Waldbesitzer über die drastische Gebührenanhebung zu artikulieren. Wahrscheinlich „bringt das wie auch beim kommunalen Finanzausgleich nichts“, meinte Neckarsteinachs Bürgermeister Herold Pfeifer, der wie viele seiner Kollegen aus Überwald und Oberzent der Versammlung ebenfalls beiwohnte. „Aber tun sollten wir es auf jeden Fall.“

„Vielerorts herrscht Unverständnis über das Vorgehen des Landes“, hatte Kunkel bereits in seiner Begrüßung ausgeführt. „Die Vorgaben kommen aus Wiesbaden und Kassel“, sagte er. Die Mehrzahl der vor einem Jahr in Beerfelden vorgestellten Dinge sah Kunkel „als nicht schlüssig“ an. Sie seien durchgeboxt worden. Hier gebe es eine ähnliche Vorgehensweise wie auch auf politischer Ebene, wenn dort Vorgaben von oben ohne Rücksicht auf die unteren Ebenen umgesetzt würden.

Innerhalb des FBG-Vorstands sei man zur Überzeugung gelangt, „dass die Betreuung aller Waldbesitzarten aus einer Hand die beste Variante ist“. Beim Forstamt Beerfelden fühle man sich gut aufgehoben. Der Wald sei „viel zu wichtig“, um leichtfertig ein Wegbrechen der bisherigen guten Strukturen zu riskieren, betonte Kunkel. Jedoch bezeichnete er die Einführung der neuen Kostenbeiträge als „nicht zielführend“.

Die privaten Wald-Eigentümer machten ihren Unmut darüber auf andere Weise Luft: Sie unterschrieben die neuen Verträge mit den erhöhten Gebühren einfach nicht. Wie Forstdirektor Norbert Sasse, Leiter des Forstamts Beerfelden, ausführte, habe man bei den im Oktober verschickten Schriftstücken bisher eine Rücklaufquote von nur zehn Prozent. Von den Waldbesitzern mit über fünf Hektar Fläche „ist praktisch gar nichts zurückgekommen“, sagte er – diese sind von einer Verfünffachung des Flächenbetrags betroffen (siehe Infos).

Wer die neuen Verträge nicht zurückschickte, den erreichte laut Sasse im Dezember die Kündigung zum 30. Juni 2016. Bis dahin, verdeutlichte er, gälten in der Übergangszeit die alten Konditionen. Ralf Kredel von Gestüt Etzean in Beerfelden wies als Sprecher der Privatwald-Besitzer darauf hin, dass diese den neuen Vertrag zwar unterschreiben, aber die Erhöhung des Flächenbeitrags auf 12,50 Euro streichen könnten.

Hier hakte Sasse ein: Trotz der stark gestiegenen Beiträge sollten sich Waldbesitzer „gründlich überlegen“, ob sie das Geld wirklich sparen wollten. Denn ohne entsprechenden Vertrag dürfe das Forstamt bestimmte Leistungen nicht mehr erbringen. Darunter Waldkalkung, Verkehrssicherung, Wegeherstellung oder auch zentrale Einkäufe. Mit den 12,50 Euro pro Hektar buche der Waldbesitzer quasi die „Vollpension“, so der Forstamts-Chef. Im Juni bekämen die Waldbesitzer noch einmal Post mit dem neuen Vertrag ab 1. Juli. Wer den nicht unterschreibe, „für den dürfen wir danach leider keine Hand mehr rühren“, machte er deutlich, dass ihm diese danach gebunden seien.

Kredel kritisierte daneben, dass die Behörden „keinerlei Verhandlungsbereitschaft“ zeigten, von den Einsparzielen abzurücken. „Ich bin enttäuscht, dass wir nichts erreicht haben.“ In Südhessen gälten ganz andere Bedingungen als im Rest des Landes, betonte er, die eine differenzierte Herangehensweise notwendig machten. Sein Vorschlag, einen „Plan B“ auszuarbeiten, der eine langfristige Sicherheit für die FBG garantiere, wurde auch von Bürgermeister Kunkel so propagiert.

„Die Einheitsbeförsterung ist der richtige Wege“, betonte dieser. „Wir müssen alles tun, um die Zusammenarbeit in der FBG zu erhalten.“ Auch auf die Kommunen kommen seinen Worten zufolge Erhöhungen bei den Beförsterungsgebühren zu. Es gehe jetzt darum, dafür zu sorgen, dass die FBG handlungsfähig bleibe. Und das funktioniere nur, „wenn alle Waldbesitzer an einem Strang ziehen“, so Kunkel.

 

 

Erhöhung der Beförsterungsgebühren für Privatwaldbesitzer

– Das Land Hessen will laut Forstamtschef Sasse „vor dem Hintergrund der in Verfassung verankerten Schuldenbremse eine freiwillige Leistung auf den Prüfstand stellen“. Ziel der Landesregierung sei eine hälftige Kostendeckung in Höhe von 3,5 Millionen Euro bei der Privatwald-Bewirtschaftung. Bisher würden hier nur 700.000 Euro Einnahmen erreicht.

– Daneben spielt ein Verfahren des Bundeskartellamts gegen das Land Baden-Württemberg eine Rolle. Kritisiert werde der Holzverkauf praktisch nur aus einer Hand. „90 Prozent der hessischen Hölzer werden über Hessen Forst vermarktet“, macht Sasse deutlich, dass ein dortiges Urteil auch für das hiesige Bundesland von Interesse sein könnte. Am 4. Mai ist der erste Verhandlungstag in Düsseldorf – danach lasse sich vielleicht schon eine Tendenz erkennen.

– Für einen Waldbesitzer bis 4,99 Hektar Fläche ergibt sich mit den neuen Gebühren eine Verzwölffachung der jährlichen Kosten (Holzeinschlag vorausgesetzt, denn ein Flächenbeitrag wird nicht erhoben). Statt bisher 50 Cent für den Festmeter Holz werden nun sechs Euro plus Mehrwertsteuer in Rechnung gestellt.

– Waldbesitzer ab fünf Hektar Forstbetriebsfläche zahlen zukünftig zusätzlich 12,50 Euro netto pro Hektar (vorher 2,50 Euro) jährlichen Flächenbeitrag bei Mitgliedschaft in einer Forstbetriebsgemeinschaft (sonst 17,50 Euro), somit das Fünf- bis Sechsfache. Auch hier greift die Erhöhung pro eingeschlagenem Festmeter von 50 Cent auf sechs Euro.

SPD-Kreistagskandidaten „kämpfen zusammen für Odenwälder Interessen“

Die SPD-Kreistagskandidaten aus dem Odenwald wollen gemeinsam darauf hinarbeiten, Weschnitztal und Überwald stärker im Bergsträßer Gremium repräsentieren zu können. Die jeweiligen Bewerber erstellten im Vorfeld der Kreistagswahl zusammen einen Flyer und treten gemeinsam auf, um nach der Wahl am 6. März eine möglichst breite Vertretung der ländlichen Regionen im neuen Kreistag zu gewährleisten.

„Wir kämpfen gemeinsam für Odenwälder Interessen“, haben sich die Kommunalpolitiker auf die Fahnen geschrieben. Bei einem gut besuchten „politischen Frühstück“ der Birkenauer SPD stellten sie nun sich und ihre Ziele einer breiteren Öffentlichkeit vor. Bis auf die Grasellenbacher Landtagsabgeordnete Karin Hartmann (Platz 2 der Kreistagsliste) sind die Kandidaten aus Weschnitztal und Überwald erst ab Platz 15 zu finden.

Bernd Brockenauer vom Birkenauer SPD-Ortsverein wies in seiner Begrüßung auf die Wichtigkeit interkommunaler Zusammenarbeit hin. Vor diesem Hintergrund habe man Ende vergangenen Jahres ein Meeting der Kreistagskandidaten organisiert. Denn, so Brockenauer: „Nur gemeinsam werden wir zukünftig manche Aufgaben leisten können.“ Darauf aufbauend sei es enorm wichtig, dass die Region möglichst viele Vertreter und damit eine starke Stimme im Kreistag habe.

Man werbe dafür, erläuterte Brockenauer, dass die 15 Kandidaten aus Weschnitztal und Überwald sowie die beiden aus dem hessischen Neckartal auf der SPD-Kreistagsliste „drei Stimmen bei der Kreistagswahl erhalten“. Denn nur so sei es möglich, dass sie – auf einem hinteren Listenplatz rangierend – gegenüber den bevölkerungsmäßig stärkeren Regionen Ried und Bergstraße überhaupt eine Chance auf Einzug in den Kreistag hätten.

Der Birkenauer Kandidat Timo Falter (Platz 25) bestätigte dies in kurzen Worten. Als wohl dienstältester Kommunalpolitiker war Josef Rothmüller (Platz 19) aus Rimbach dabei. Er begann 1977 seine ehrenamtliche Tätigkeit und ist seitdem ununterbrochen in verschiedenen Funktionen aktiv. Detlef Haas aus Mörlenbach (Platz 27) warb ebenfalls für eine starke Vertretung im Kreistag. Auf Platz 15 steht Andreas Dörsam aus Fürth. Die Grasellenbacher Landtagsabgeordnete Karin Hartmann nahm sich in ihren Worten den Kommunalen Finanzausgleich (KFA) vor. Dieser sei „unfair gestaltet“ und benachteilige die ländlichen Odenwald-Gemeinden.

Sven Wingerter aus Wald-Michelbach (Platz 24) stellte die Themen der gemeinsamen Kampagne kurz vor. Er nannte drei zentrale Punkte der Kandidaten aus dem Odenwald: Schule und Bildung, Gesundheit und medizinische Versorgung sowie Mobilität und Verkehr. Wingerter wies darauf, dass Kumulieren und Panaschieren in den einwohnerschwächeren Gemeinden von Weschnitztal und Überwald an seine Grenzen stoße. „Selbst wenn ihn alle kennen und alle wählen“, habe ein einheimischer Kandidat keine Chance gegen einen „unbekannten Lampertheimer“ – der nur deshalb gewählt werde, weil eben „La“ (für Lampertheim) dahinter stehe, drückte Wingerter es plastisch aus.

Gerade beim Thema Schule werde „der Odenwald immer etwas abgehängt und benachteiligt“, betonte der Überwälder Kreistagsabgeordnete:  An der Eugen-Bachmann-Schule und Überwald- Gymnasium sei viel investiert worden, „aber erst jetzt, viel zu spät“. Schulen an der Bergstraße seien viel früher dran gewesen. Schulstandorte zu erhalten und attraktiv zu gestalten müsse ein vorrangiges Ziel sein.

„Die Schaffung gleichwertiger Lebensbedingungen in allen Teilen des Kreises Bergstraße ist und bleibt eine Aufgabe sozialdemokratischer Kommunalpolitik“, sagte Wingerter. Man brauche deshalb handlungsfähige Gemeinden, die ihrem Auftrag der öffentlichen Daseinsvorsorge auch nachkommen könnten. Grundvoraussetzung dafür sei ein „echter kommunaler Finanzausgleich“, der sich am objektiven Finanzbedarf orientiere und auch Möglichkeiten der kommunalen Selbstverwaltung bewahre.

„Unsere Odenwald-Gemeinden im Kreis Bergstraße sind hier zusätzlich benachteiligt“, führte Wingerter aus. Sie würden bei den Aufteilungen der Finanzmittel und vieler Förderprogramme „gar nicht erst als ländlicher Raum gelten“. Sei es in Birkenau, Mörlenbach, Rimbach, Fürth oder in Abtsteinach, Grasellenbach, Wald-Michelbach, im Gorxheimertal, aber auch in Hirschhorn und Neckarsteinach: Die Menschen brauchten eine Politik, „die die Chancen des Odenwaldes begreift und praktische Lösungen erarbeitet“.

„Wenn der Schulbau der Schwerpunkt der vergangenen Jahre war, dann muss Gesundheit und medizinische Versorgung spätestens jetzt ein Schwerpunkt kommunaler Politik für die Zukunft werden“, forderte der Wald-Michelbacher. Ziel müsse sein, eine flächendeckende und wohnortnahe medizinische und ärztliche Versorgung für alle Odenwald-Gemeinden dauerhaft sicherzustellen.

An Zielen für den Bereich Verkehr und ÖPNV nannte er die zügige Umsetzung der Ortsumgehung Mörlenbach, die Weiterentwicklung der B38a und die Gründung einer eigenständigen Nahverkehrsgesellschaft im Kreis Bergstraße. Auch ein neues Betriebskonzept für die Weschnitztalbahn mit ganztägigen Direktverbindungen nach Mannheim/Heidelberg stehe im Fokus. Dazu solle ein attraktives und flächendeckendes ÖPNV-Angebot geschaffen werden, so Wingerter.