Abtsteinacher Gewerbesteuer sprudelt in diesem Jahr nicht so stark wie erhofft

Das Gewerbesteueraufkommen 2017 macht Finanzchef Reiner Berbner etwas Sorgen. Wie der Verwaltungsmitarbeiter auf der vergangenen Haupt- und Finanzausschuss-Sitzung in seinem Bericht über den Haushaltsvollzug des aktuellen Jahres sagte, werden die Einnahmen wohl nicht den Planansatz von 900.000 Euro erreichen. Allerdings fehlen bei den zehn größten Steuerzahlern des Ortes auch noch die Veranlagungen aus 2016, womit diese noch keine gesicherten Angaben über die Höhe ihrer aktuellen Zahlungen machten könnten.

Berbner teilte mit, dass die anderen Eckdaten des Etats zum Stand Ende August mehr oder weniger im Plan sind. Bis auf kleinere Abweichungen geht er davon aus, dass die Ansätze so erreicht werden, wie es in der Aufstellung Ende des vergangenen Jahres prognostiziert worden war. Die Gewerbesteuer jedoch ist immer ein unsicherer Faktor. Denn wenn große Steuerzahler investieren oder Abschreibungen geltend machen, sinkt der Ertrag für die Gemeinde. Er betonte jedoch, dass Abtsteinach für seine Größe trotzdem bei diesen Steuereinnahmen sehr gut dasteht.

Sinkt die Gewerbesteuer, sinkt bei geringerem Aufkommen auch die Umlage. Aber eher ein schwacher Trost. Der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer „müsste auf jeden Fall den Ansatz erreichen“, sagte Berbner. „Vielleicht liegt er sogar etwas drüber.“ Was die angekündigte Senkung der Kreisumlage in die Abtsteinacher Kasse spült, ist laut dem Finanzmann noch abzuwarten. Hier fehlen auch die Angaben darüber, wie hoch diese ausfallen könnte. Seinen Worten zufolge stehen ebenso noch Grundstücksverkäufe aus.

Berbner erläuterte, dass die Ergebnisse im Wasser- und Abwasserbereich aktuell ein paar tausend Euro unter den Planzahlen liegen. Aber hier warte man noch auf die Endabrechnung, die in der Regel diese Differenz korrigiert. Seinen Worten zufolge läuft die Umlegung der Grundstücke im Gewerbegebiet noch. Deshalb lassen diese Einnahmen auch noch auf sich warten.

Bürgermeisterin Angelika Beckenbach ergänzte, dass man für den Abbruch der „Rose“ im Zuge des Betreuten Wohnens ein Angebot mit 163.000 Euro auf dem Tisch liegen habe. Dazu kommen dann noch ein paar zusätzliche kleinere Kosten. Die Straßenbaumaßnahmen im Bereich Ring- und Waldstraße sowie am Wildenberg gestalteten sich in Teilen teurer, so die Rathauschefin. Allerdings müsste man die Maßnahme insgesamt sehen. Denn andere Teile dürften wiederum günstiger sein, „so dass wir im Gesamtrahmen drin bleiben“.

Die Abrechnung der Bürgersteige in der Hauptstraße steht laut Berbner weiterhin aus, denn „die Sache hängt vor Gericht“. Wegen der fehlenden Schlussabrechnung „konnten wir auch die Landeszuschüsse noch nicht abrufen“, sagte er. Die Kosten für die vorbereitenden Maßnahmen auf dem Friedhof, um in den kommenden Jahren eine Baum- und Wiesengrabbestattung anbieten zu können, „liegen über der Schätzung“, sagte Beckenbach.

Einhellig billigten die Mandatsträger die Neufassung des bestehenden Mietvertrags mit Vodafone für die Funkstation auf dem Wasserhochbehälter in Unter-Abtsteinach und empfahlen sie den Gemeindevertretern zur Zustimmung. Eigentlich wäre dafür noch etwas Zeit gewesen, aber nach Angaben der Bürgermeisterin ging es dem Mobilfunkanbieter darum, sich rechtzeitig diesen Standort wieder zu sichern.

Gespräche mit Vodafone, ob diese denn in Zukunft etwas mehr zahlen würden, scheiterten allerdings. Eher würde der Anbieter den eher als Reserve genutzten Standort aufgeben als eine Erhöhung in Kauf zu nehmen, sagte sie. Denn die Versorgung lasse sich wohl auch mit den anderen bestehenden Stationen sichern, so Beckenbach.

Advertisements

Reiches Programm beim Hammelbacher Pfarrfest am 1. Oktober

Das alljährliche Pfarrfest der katholischen Kirchengemeinde zu Erntedank findet am Sonntag, 1. Oktober, statt. Ort ist das Pfarrheim „St. Maria“ in Hammelbach, Veranstalter der Katholische Pfarrgemeinderat. Beginn ist gegen 11 Uhr im Anschluss an die Messe in der benachbarten Kirche, die um 10 Uhr startet. Eingeladen sind alle Bürger der Gemeinde Grasellenbach, aber auch konfessionsübergreifend Gäste und Freunde der Kirche aus der Pfarrgruppe Überwald. Bei schönem Wetter kann auch draußen gefeiert werden.

Marianne Verona und Marcello Cappello werden wieder in bewährter Manier ihre Kochkünste aufbieten und die Gäste mit leckeren Gerichten verwöhnen. Auf der Speisekarte stehen ab etwa 12 Uhr Kraftbrühe mit Markklößchen, Gemüselasagne mit Parmesan und Mariannes Hirschkalbsgulasch mit Spätzle. Selbstgemachte Salate ergänzen das Angebot. Am Nachmittag lockt ein reichhaltiges Kuchenbüffet, dazu gibt es Kaffee.

Zu Beginn wird Bonita Piccardo-Selg die Gäste mit ihrem Akkordeon auf den Tag einstimmen. Der gemischte Chor der Scharbacher Chöre wird gegen 13 Uhr einige neue und dennoch bekannte Lieder präsentieren. Danach spielt das Pfarrfest-Trio ab etwa 14 Uhr unter Leitung von Reinhold Karey auf Akkordeon, Gitarre und Geige beliebte Melodien im Stil der Wiener Kaffeehausmusik.

Aber es ist nicht nur Musik zu hören, sondern auch Kabarett zu sehen: Corina Tatzel wird zwischendurch gegen 13.30 Uhr ihr Alter Ego „Margot“ auftreten lassen. Diese hat sich bereits über die Grenzen des Überwalds hinaus eine große Fangemeinde erworben. Sie beschäftigt sich mit den Irrungen und Verwirrungen in Leben, Liebe und Beziehungen. Außerdem „übersetzt“ sie bekannte Popsongs in den Ourewäller Dialekt und befasst sich auf spezielle Art dem Thema Erntedank.

Die Pfarrbücherei ist geöffnet und stellt Lesestoff zur Verfügung. Beim Bücherflohmarkt kann sich jeder aus dem ausliegenden Angebot bedienen, der seine eigene Bibliothek bereichern möchte. Über Salatspenden freut sich das Organisationsteam, ebenso wie über Kuchen und Torten für die Kaffeezeit. Sie werden gerne am gleichen Morgen angenommen. Der Erlös des Pfarrfestes dient der Erneuerung der defekten Außenbeleuchtung des Pfarrheims und der Anschaffung von Stehtischen.

Feier zum 50-jährigen Bestehen des Feuerwehrhauses in Ober-Schönmattenwag am 24. September

Die beiden Feuerwehr-Vereine aus Ober- und Unter-Schönmattenwag veranstalten am Sonntag, 24. September, von 10.30 bis 19 Uhr am Feuerwehrhaus in „Owwer“ (Hansengasse) einen „Tag der Feuerwehr“. Gleichzeitig wird in diesem Rahmen das „50. Jubiläum des Feuerwehrhauses“ begangen. Hintergrund des Festes ist die erfolgreiche Zusammenlegung der beiden Einsatzabteilungen. Gleichzeitig soll der damalige Bau des Feuerwehrgerätehauses im oberen Ortsteile durch viele freiwillige Helfer gewürdigt werden. Es gibt ein großes Rahmenprogramm.

Die musikalische Umrahmung geschieht durch die Feuerwehrkapelle Wald-Michelbach. Zu sehen ist das Löschfahrzeug LF10 KatS aus Hirschhorn als zukünftiges Fahrzeug für Schönmattenwag. Es gibt verschiedene Spritzspiele für Kinder unter Betreuung der Jugendfeuerwehr, eine Schauübung der Einsatzabteilung und eine Hüpfburg. Dazu werden Bilder von damals und heute zu sehen sein: eine Präsentation vom Bau des Feuerwehr-Gerätehauses vor 50 Jahren und die Vorstellung der aktuellen Planungen zum Um- und Anbau des neuen Gerätehauses der Schönmattenwager Wehr am Haus des Gastes.

Die Kerwe-Band „Ourewäller Uurumbl“ tritt unplugged auf. In der Besetzung Mara Mottl (Gitarre), Benedikt Breitwieser (Bass), Janina Becker (Keyboards/Ziehharmonika), Tobias Walter (Cajon/Schlagzeug) sowie Timo Walter und Steffi Walter (Gesang) gibt’s ein buntes Potpourri an Liedern zu hören. Auf „Bitte mit Sahne“ folgen auch diverse Rocksongs. Steffi Walter gibt bei „Die Hölle morgen früh“ die Helene Fischer. Katja Ebsteins „Wunder gibt es immer wieder“ ist ebenso auf der Setliste wie „Verdamp lang her“ von BAP. Zum Schluss hin schlagen die sechs dann eine etwas rockigere Gangart ein, soweit es unplugged „funktioniert“.

Zur Geschichte: Im Jahresbericht vom 26. Februar 1966 ist zu lesen, dass ernsthaft über den Neubau eines Gerätehauses diskutiert und nachgedacht wurde. Zuvor war das einstmalige Spritzenhaus im alten Gemeindehaus bei der ehemaligen Schule untergebracht. Man einigte sich schließlich darauf, dass die Aktiven das neue Gerätehaus in Eigenarbeit erstellen. Mit dem Abbruch des Anwesens Fuhr wurde im März 1966 begonnen.

Nachdem viele Stunden mit der Herrichtung des Platzes aufgebracht worden waren, war Baubeginn des neuen Hauses am 1. Juni. Das Richtfest fand bereits am 10. September 1966 statt. Damit wurde ein Markstein in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Ober-Schönmattenwag gesetzt. Insgesamt wurden rund 10.000 freiwillige Arbeitsstunden bis zur Fertigstellung geleistet. Viele Ortsbürger waren fast jeden Samstag auf der Baustelle, um das Werk zu vollenden.

Auf einer außerordentlichen Feuerwehrvereins-Versammlung am 27. August 1966 wurde festgelegt, dass die Einweihung mit Bannerweihe vom 5. bis 7. August 1967 in größerem Rahmen stattfinden sollte. Zur Einweihung erschien viel Prominenz: stellvertretender Kreisbrandinspektor Schwöbel, Bezirksbrandmeister Zerbe, Kreisbranddirektor Rittersberger, Kreisbeigeordneter MdL Adam Schmitt und Stadtbaumeister Kern, der für die Planung verantwortlich zeichnete.

Dem Ortsbrandmeister Georg Jeck, damals auch Bürgermeister des noch selbständigen Gemeinde, wurde in Anerkennung seiner Verdienste das Feuerwehrkreuz in Silber verliehen. Brandschutzehrenzeichen erhielten: Georg Jeck, Georg Brehm, Reinhold Korfant, Hans Beckenbach und Heinrich Kramer. Die Bannerweihe erfolgte durch Dekan Trautmann, Zotzenbach. Zum Festzug waren 20 befreundete Wehren mit acht Spielmannszügen erschienen. Insgesamt kamen zu den Festtagen 52 Wehren. Ein Zeichen mehr dafür, wie gute Zusammenarbeit in freundschaftlicher Form gelingen kann.

Etliche Jahre später gab es noch einmal Grund zum Feiern: Das Feuerwehrgerätehaus wurde erweitert. Auch hier gab es wieder viel ehrenamtliche Leistung: 3000 freiwillige Arbeitsstunden erstpaarten der Gemeinde damals 120.000 Mark. Dies würdigte der damalige Bürgermeister Karl-Heinz Dietrich bei der Einweihung in lobenden Worten.

Die im Erdgeschoss liegenden Räume für zwei Fahrzeug- und Geräteboxen wurden im Zuge dieser Arbeiten vergrößert. Installiert wurde auch eine neue Heizungsanlage, außerdem Dusche und weitere Toilettenräume eingerichtet. Der Unterrichts- und Mannschaftsraum im Obergeschoss wurde großzügiger gestaltet. Die Erweiterung wurde damals als „Meilenstein in der Geschichte der Brandschützer“ bezeichnet.

Programm Tag der Feuerwehr/50 Jahre Gerätehaus Ober-Schönmattenwag: 10.30 Uhr Start, 11 Uhr Feuerwehrkapelle Wald-Michelbach, 12 Uhr Mittagstisch, ab 14 bis etwa 16.30 Uhr Aktionen und Spiele für Kinder, 15 Uhr Schauübung der Einsatzabteilung, 16 Uhr Ourewäller Uurumbl unplugged, ganztägig Fahrzeugausstellung, Ende gegen 19 Uhr.

Mit Hartnäckigkeit kam sie an den Ausbildungsplatz: Charlotte Schamber aus Gras-Ellenbach macht eine Lehre im „Männerberuf“ Schreiner

Für Charlotte Schamber war schon früh klar, was sie nach der Schule machen will: eine Schreinerlehre. Bis es so weit war, hatte die 18-Jährige aus Gras-Ellenbach aber einige Hürden zu überwinden. Denn der Beruf scheint immer noch eine mit Klischees behaftete Männerdomäne zu sein. Sie bekam auf ihre Bewerbungen viele Absagen oder gar keine Antworten – obwohl viele Lehrstellen frei sind. Bis sie bei der Schreinerei Pracht im Beerfeldener Stadtteil Falken-Gesäß anklopfte – und gleich eine Zusage erhielt.

„Ich habe zuhause schon immer viele handwerkliche Sachen gemacht“, kam Charlotte früh mit dem Beruf in Berührung. Denn ihr Vater ist gelernter Schreiner und gab ihr so manchen Tipp. „Er hat mir bereits viel gezeigt.“ An der Fürther Heinrich-Böll-Schule machte die Gras-Ellenbacherin ihren Realschulabschluss und kam dann über Praktika mit verschiedenen Berufen in Berührung. Aber ob Floristin, Hufschmiedin oder Pferdewirtin – es war nicht der passende für sie dabei.

„Ich bin nicht der Mensch für Büroarbeiten“, sagt Charlotte über sich selbst. Ihr liegt eher das Handwerkliche. Eben, wie der Name schon sagt, die Arbeit mit den eigenen Händen, an deren Ende dann ein sicht- und greifbares Ergebnis steht. Da es mit dem Ausbildungsplatz nicht sofort klappte, absolvierte sie zuerst ein sogenanntes Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) in Bensheim. Drei Mal die Woche war Theorie angesagt, zwei Mal Praxis in Form von Praktika.

Bei der Ausbildungsstelle bei der Schreinerei Pracht steht nun die Praxis im Vordergrund. Theorie gibt‘s jetzt an der BSO Michelstadt jeden Freitag und jeden zweiten Donnerstag. Montag bis Mittwoch ist sie immer im Betrieb. „Ein weiblicher Lehrling ist schon selten“, weiß Juniorchef Daniel Pracht. „Das letzte Mal hatten wir vor fünf Jahren jemanden.“ Ihm imponiert an der 18-Jährigen, wie sie sich in einem traditionellen Männerberuf behauptet und mit anpackt.

Die Praxiserfahrungen für Charlotte sind dabei sehr vielfältig. Sie fährt mit auf die Montage, hilft mit, Küchen und Schränke einzubauen, packt beim Schleppen mit an, passt Fenster, Türen oder Böden mit ein. Vor kurzem gab es ein Schleiftraining bei einem renommierten Hersteller von Schleifmaschinen. „Ich will viel mit auf Montage sein, um zu sehen, wie dort gearbeitet wird“, verrät sie ihr Interesse an der Praxis vor Ort. Die Modernisierung von Objekten, wo es aufs Feine und Filigrane ankommt, hat es ihr auch angetan.

In der Pracht-Werkstatt übt sie die Herstellung von Schlitz- und Zapfen-Verbindungen. „Ich liebe es, etwas mit meinen eigenen Händen herzustellen.“ Einen anderen Beruf kann sie sich nicht vorstellen. „Wenn ich morgens aufstehe und gerne zur Arbeit gehen, dann habe ich was richtig gemacht“, lacht sie. Peter Schäfer, der im vergangenen Jahr seine Lehr abschloss und jetzt den Meister macht, betreut die Lehrlinge im Betrieb.

„Ich habe überhaupt keine Probleme als Frau im Männerberuf“, kommt sie mit ihren Kollegen in der Schreinerei Pracht bestens klar. Auch der Freundeskreis findet es „ziemlich cool“, dass sie diesen Job macht. Ihre Mutter hat lediglich die Sorge, dass sie sich an der Säge in die Hand schneiden könnte und rät ihr zum Aufpassen, schmunzelt Charlotte.

„Schon vor einem Jahr habe ich lange eine Ausbildungsstelle gesucht“, verdeutlicht die Gras-Ellenbacherin ihren langen Atem. Auch wenn es etwas dauerte, „wollte ich das nicht aufgeben“. Eine Einstellung, die auch Daniel Pracht beeindruckt: „Wer sich als junge Frau für diesen Beruf entscheidet, will es wirklich“, sagt er. Ihm imponieren die „taffen Mädels“, die sich behaupten. Als Charlotte noch keine 18 war, fuhr sie jeden Tag mit dem Roller von Gras-Ellenbach nach Falken-Gesäß. Nach dem kürzlichen Geburtstag ist der Weg mit dem Auto jetzt einfacher.

Mit seiner Kochinsel hat Daniel Pracht vor kurzem in Fachkreisen für Aufsehen gesorgt. Dabei ging es ihm eigentlich erst einmal darum, im Rahmen seines Meisterkurses eine Idee fürs eigene Zuhause praktisch in die Tat umzusetzen. Der 31-Jährige hatte nicht damit gerechnet, dass er damit gleich den renommierten Bad Wildunger Designpreis gewinnen und extrem positives Feedback bekommen würde. Eine Kochinsel wollte der Schreinermeister schon länger für seine Wohnung bauen. Als es im vergangenen Jahr darum ging, die 2011 begonnene Ausbildung abzuschließen, kam der Gedanke als Meisterarbeit wieder ins Spiel.

Die Schreinerei Pracht gibt es seit 60 Jahren, inzwischen in dritter Generation. Im Wohnhaus am Postweg in Falken-Gesäß ist gleichzeitig auch das Büro untergebracht, es geht beengt heimelig familiär zu. Gleich neben dem Eingang hat Seniorchef Helmut Pracht seinen Schreibtisch stehen, der Blick nach vorn geht auf zwei Computer mit dem gesammelten Firmenwissen. 16 Mitarbeiter zählt die Schreinerei heute, davon allein vier aus der Familie. Daniel Prachts Bruder Florian hat gerade im ersten Lehrjahr die Ausbildung zum Schreiner begonnen.

„Die Arbeit soll erfüllen: Das geht nur zusammen“, betont Daniel Pracht. Ihm schweben für die Zukunft Komplettlösungen für Innenausbauten vor, bei denen die Schreinerei als eine Art Kompetenzzentrum mit vielen Spezialisten unter einem Dach fungiert. Dies immer mit dem Anspruch, dass Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen zufrieden sind.

 

Herrliches Wetter beim 17. Wald-Michelbacher Gassenmarkt sorgte für sehr viele Besucher

Auf dem Gassenmarkt geht was. Viele Attraktionen lockten die Besuchermassen in die Überwald-Metropole. Bei herrlichem Festwetter nutzten diese die zahlreichen Angebote, um sich zu informieren, zu schlendern, zu kaufen. Was dafür sorgte, dass die Aussteller am Ende mehr als zufrieden waren. Neben vielem fürs Auge gab es natürlich reichhaltige Versorgung für den Magen. Die fand so großen Zuspruch, dass zwischenzeitlich Nachschub her musste.

Ein Highlight unter den Aufführungen war die Darbietung des Studios „TNT“ aus Affolterbach. Fünf Mädels mit den Trainerinnen Moni Sattler und Jessica Trumpfheller boten einen Ausschnitt aus dem Jumping-Fitness-Kurs. Bei allen vier Sets bildeten sich jeweils große Menschentrauben und es gab viel Beifall. Jumping Fitness beansprucht mehr als 400 Muskeln, ist effektiver als joggen, gelenkschonend, für jeden geeignet und soll keinen Muskelkater verursachen, hieß es zur Einführung.

Am Einhaus ist beim Gassenmarkt das Gedränge traditionell groß. Unterm Schirm gegenüber der Bühne, wo zuerst die Feuerwehrkapelle und dann die Blasmusik Unter-Schönmattenwag spielte, treffen sich alle. Jetzt auch unter dem neuen Schirm, die zum Schutz gegen die Sonne gern genutzt wurde. Zur Eröffnung wünschte Bürgermeister Sascha Weber den Gästen einen „spannenden und informativen Tag“ bei diesem Schaufenster der örtlichen Betriebe.

Die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz lobte die Arbeit der Wirtschaftsvereinigung Überwald (WVÜ) als Veranstalter. Handel, Handwerk und Dienstleitungen vor Ort brauche es, um den ländlichen Raum attraktiv zu gestalten, betonte sie. Sebastian Schröder von der ZKÜ konnte ihr da nur beipflichten. „Wir müssen das Gewerbe vor Ort unterstützen“, sagte er. Das sah WVÜ-Vorsitzender Heinz Fischer natürlich genauso.

Am Backhaus duftete es verführerisch: Bäckermeister Matthias Sauer hatte den Ofen schon viele Stunden vor Beginn des Gassenmarkts „angeworfen“ und produzierte (Name verpflichtet) die wohlschmeckenden Sauerteigbrote. Auf der anderen Seite war die Arbeiterwohlfahrt für die süßen (Kuchen-)Seiten des Nachmittags zuständig. Vorsitzende Christine Engesser kam kaum dazu, mal nach links oder rechts zu blicken, so groß war der Andrang.

Die Aussteller kommen aus jeder nur möglichen Sparte und demonstrieren die große Leistungskraft der Region. Prominent vertreten sind die jeweiligen Autohäuser mit den neuesten Modellen. Aber auch Versicherungsagenturen, Reisebüros, Schuh-, Sport- und Modeläden, Banken, Imker oder ein Schreiner-Service präsentierten sich auf der Fläche zwischen Schul-, Ludwig- und Michelstraße.

Für die Kinder war etliches geboten: Vor allem die riesige Hüpfburg auf dem Busparkplatz ist ein Renner. Weiter unten in der Ludwigstraße war noch eine Hüpfburg zu finden, gab es eine Malecke, um dort selbst zum Stift zu greifen und eine Möglichkeit, sich beim Kinderschminken anmalen zu lassen. Verlosungen und Gewinnspiele waren daneben Anziehungspunkte.

Natürlich gab’s auch viel Musik: Die „Rockefellers“ beim Pflegedienst Weiß-Reh, „Dorfkind“ in der Halle des Autohauses Lammer, wo sich die Gäste verpflegen konnten, und dann auch die „LudWixxs“ fanden ihr Publikum. Die Sonderziehung im Rahmen der Sommerlosaktion von Zukunftsoffensive und Wirtschaftsvereinigung Überwald lockte gleich zu Beginn viele Gäste an. Als Glücksfee fungierte Apfelhoheit Sina, die danach mit Fischer einen ausgedehnten Rundgang über den Gassenmarkt unternahm. Die „Zumba-Kids“ von Jennifer Stay und das Tanzstudio „Dance-Passion“ zeigten auf der Einhaus-Bühne ihr Können.

Zahlreiche weitere Angebote machten den Besuch des Gassenmarkts zum Sonntag füllenden Ausflug. So konnte man mit der LVM Versicherungsagentur einen Segway-Parcours durchfahren, bei der Fahrschule Reinig einen Bobbycar-Führerschein ablegen oder im September schon das Oktoberfest von Optik-Gross und Skiclub Überwald besuchen. Auto-Bauer bot eine Mini-Flip-Flop-Suche an, beim BTR Office gab es einen Fotobus für Selfies und Möbel Oberle hatte viele Interessentinnen bei Kochvorführungen mit dem Thermomix.

Tage des offenen Ateliers am 16. und 17. September mit zwei Angeboten in Hammelbach und Wald-Michelbach

Zwei interessante Aktivitäten und Projekte warten bei den Tagen des offenen Ateliers im Rahmen des Kultursommers Südhessen am 16. und 17. September auf die Besucher. In Hammelbach können sie unter dem Motto „Afrika trifft Europa“ Burkino Faso und den Ort Imasgo im gleichnamigen Atelier kennenlernen. In Wald-Michelbach gibt es bei „Life Culture“ die offene Lederwerkstatt von Frank Derikatz und Martina Seibel mit Vorführung zu erleben.

Im Hammelbacher Imasgo-Atelier des Vereins „Christen für Afrika“ kommen bei Martine Rüdinger Produkte aus Burkina Faso zum Verkauf. Deren Erlös geht dann direkt wieder an die Menschen des westafrikanischen Staats, damit sich diese ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können. Was in Hammelbach eingenommen wird, geht direkt in den Einkauf der nächsten Ware. „Wir kaufen Stoff für einen Schneider in Imasgo“, so Rüdinger. Der näht dann Kleider auf Bestellung, bekommt seinen Lohn dafür und kann damit einen Teil seines Lebensunterhalts bestreiten. Quasi eine Win-win-Situation. Auch Trommeln werden auf Bestellung gefertigt.

Das ist jedoch nur eine kleine Palette der Waren, die aus Burkina Faso nach Deutschland kommen. Darunter sind auch afrikanische Tiere aus Ebenholz oder Kaïcedra, von den Dorfbewohnern hergestellter Schmuck aus Glas, Papier, Horn und Stoff, filigrane Basteleien in Form von Autos oder Fahrrädern aus alten Blechdosen oder ein nach Traubenzucker schmeckendes Produkt aus dem Inneren der Affenbrotbaum-Frucht. Aus der Turareg-Region in Nord-Burkina ist Silberschmuck zu finden.

Rüdingers Solern-Projekt, bei dem aus dem Erlös des Second-Hand-Bücherverkaufs Solarlampen finanziert werden, ist weiterhin eine Erfolgsgeschichte. Inzwischen wurde um die 500 Lampen übergeben. Damit können die Kinder auf dem Land, wo es keinen Strom gibt, lernen. Für diese denkt man auch darüber nach, einen Standfuß vor Ort entwickeln zu lassen. „Die Menschen in Afrika sollen genug Geld verdienen, um sich Dinge des täglichen Lebens selbst finanzieren zu können.“ Es gibt weiterhin eine Fotoausstellung mit Werken von Martine Rüdinger und Peter Hahn zu sehen: „Die Arbeitswelten – Burkina Faso (ein Land in Westafrika) und der Odenwald.“

Für seine Waren hat Frank Derikatz, der zusammen mit Martina Seibel seine Lederwerkstatt in Wald-Michelbach für Interessierte öffnet, ganz hohe Qualitätsansprüche. Alles wird so weit wie möglich in Handarbeit hergestellt. Er kennt seine Produzenten genau, weiß, woher sein Leder kommt, sucht sich die Gerberei akribisch aus, bei der er die benötigte Rohware kauft.

Was Derikatz darüber hinaus benötigt, findet sich vielleicht sogar auf dem eigenen Grundstück. Wie etwa das Wachs für den Leinenzwirn, das die vier eigenen Bienenvölker liefern. Oder auch das selbst hergestellte Lederfett, das er dem Gürtelkäufer ans Herz legt, um dem erworbenen Naturprodukt eine möglichst lange Lebensdauer zu garantieren.

„Alles wird in Handarbeit hergestellt“, lässt der 54-Jährige keine Maschine an seine Waren. „Seit 37 Jahren nicht“, sagt er. Er verwendet „nur naturgegerbtes Leder mit Zertifikat“, dessen Herkunftsort eindeutig bestimmt werden kann. Genäht wird ausschließlich mit Leinenzwirn, nicht mit Polyester. „Ich fertige nur Unikate“, betont der Lederer. Dabei kommen neben dem Rohstoff auch Materialien wie Holz oder Horn zum Einsatz.

Sein Sortiment ist breit gefächert: Da sind Sattelbezüge oder Harleytaschen für Biker dabei, aber auch Schreibtischauflagen, Brillenetuis und -bänder, Portemonnaies in rustikalem Look, Handy- oder Pferdetaschen. Hundehalsbänder und -leinen gehören ebenso zu seinem Sortiment. Die Gürtel „schneide ich von Hand mit dem Skalpell aus dem Lederstück“, erläutert Frank Derikatz. Die Löcher „werden per Hand gestanzt“.

Die handwerklichen Fertigkeiten des Wald-Michelbachers wurden vor acht Jahren in Norwegen gewürdigt. Im dortigen Staatsmuseum sei er „als bester Handwerker“ unter mehr als 100 Ausstellern – alles Norweger – gekürt worden: „Da bild‘ ich mir was drauf was ein.“ In Deutschland, ist Derikatz sicher, „muss man studiert haben, um in dieser Form ausgezeichnet zu werden“.

In Hammelbach: Imasgo Atelier, Martine und Pascal Rüdinger und Peter Hahn, Auf der Hard 22, am Samstag, 16. September, von 15 bis 22 Uhr, am Sonntag, 17. September, von 14 bis 18 Uhr. Motto: „Afrika trifft Europa.“ Musik mit Calebassen, Kindermalprojekte und afrikanische kulinarische Spezialitäten. Zudem eine Fotoausstellung: Die Arbeitswelten – Burkina Faso (ein Land in Westafrika) und der Odenwald.

In Wald-Michelbach: „LifeCulture“, Martina Seibel und Frank Derikatz, Feriendorf 28, am 16. September von 12 bis 19 Uhr, am 17. September von 12 bis 18 Uhr. Offene Lederwerkstatt mit Vorführung und Anfertigung von etwa Gürteln und Taschen. Beobachten, Staunen und Lernen

Gründung des neuen Mackenheimer Vereines „KUMM“ am 17. September

Die „Gründungsparty“ des neuen Mackenheimer Vereines „KUMM“ findet am Sonntag, 17. September, ab 16 Uhr im Feuerwehrhaus Mackenheim statt. „KUMM“ steht dabei für eine Mischung aus „KUltur in MackenheiM“ und „Kumme und Mit Mache“. Zunächst möchte an diesem Nachmittag das Gründungsteam um die Familien Berghegger, Conrad, Arnold und Flödl-Wachinger seine Ideen rund um den neuen Verein „KUMM“ vorstellen.

Neben schönen Traditionen wie dem Handkäs- oder dem Sommergrillfest sollen die Bürger aus Mackenheim und den umliegenden Gemeinden wieder einen Treffpunkt in der Gemeinde haben, um zusammen etwas zu unternehmen. So umfasst die Ideensammlung neben Bewährtem auch Neues und Wiederentdecktes.

Im Vorfeld wurde das Interesse auf Wiederbelebung der damals sehr erfolgreichen Theatergruppe bekundet. Nicht nur für Familien ist ein Spielenachmittag geplant. Für die Senioren in der Gemeinde könnte es einen geselligen Treffpunkt mit Kaffee und Kuchen geben. Das Gerätehaus könnte für Geopark-Veranstaltungen oder Lesungen genutzt werden. Weitere Ideen sind gerne willkommen.

„Es wäre schön“, so der allgemeine Tenor, „wenn das Feuerwehr-Gerätehaus wieder öfters genutzt und das Vereinsleben in Mackenheim wieder aktiver gestaltet wird“. Bei der Gründungsparty am Sonntag, 17. September, ab 16 Uhr im Feuerwehrhaus ist für Essen und Getränke ausreichend gesorgt. So soll demnächst die Frage, ob man sich gesellig im Gerätehaus trifft, folgende Antwort haben: „Ich KUMM!“