Artenschutz beim Windradbau: „Wer bedrohte Vogelarten finden will, der findet sie auch“

Wie bestellt fliegt zum Ortstermin ein Schwarzmilan vorbei. „Ich beobachte hier 20 Überflüge pro Tag“, erzählt Dirk Bernd. Nicht nur des Schwarzen, auch seines roten Bruders. Der Artenschutzgutachter aus Lindenfels steht gerade auf einem Feldweg zwischen Weschnitz und Ober-Ostern, unterhalb der Windenergieanlage Kahlberg, von dem aus man eine herrliche Sicht bis zu Schloss Reichenberg, zu Stotz und Range, Richtung Rohrbach mit Lärmfeuer und Morsberg sowie Hammelbach hat.

Dirk Bernd sieht sie alle, die bedrohten Arten. Die auf der roten Liste stehenden Schwarzstörche fliegen bei seinen Untersuchungen mehrmals am Tag vorbei. „Ginge es nach dem Artenschutz, dürfte im Odenwald kein einziges Windrad betrieben werden“, macht der renommierte Fachmann klar. Denn wer will, der findet. Und zwar reichlich. Nicht nur vorbei fliegende Tiere, sondern auch Horste. „Wir haben hier ein Brut- und Nahrungshabitat für Rot- und Schwarzmilan, ein Dichtezentrum mit regelmäßigen Überflügen“, hebt er hervor.

Die Betonung Bernds liegt auf dem Wollen. Er wurde bei seinen faunistischen Gutachten bisher in allen Gebieten fündig, wo vorher bestellte Gutachter der Betreiber so gut wie nichts entdeckt hatten. Auf seinen Untersuchungen basieren im Odenwald sämtliche sogenannten „Weißflächen“ im aktuellen Windkraft-Regionalplanentwurf, wo aufgrund der Gutachten-Ergebnisse die Planungen erst einmal zurückgestellt werden. Heute entscheidet in Frankfurt die Regionalversammlung über diesen Plan. Eigentlich, sagt Bernd, müssten die Windkraft-Planer diese Aufgaben übernehmen. „Aber die könnten ja bei Funden nichts durchbringen.“ Und zu finden gibt es viel.

Dirk Bernd ist in seinem Element, wenn er über seinen Beruf spricht. Man merkt ihm die Sorge um die Natur an. „Es ist extrem, was wir hier kaputt machen“, bedauert er. „Ich mache es für die Sache und hoffe, dass es was bringt.“ Um gleich danach den Finger in die Wunde zu legen: „Unseriöser geht’s kaum“, meint er zur bisherigen Genehmigungspraxis bei Windkraftanlagen, seien es nun Greiner Eck, Stillfüssel oder Kahlberg. „Der Willkür ist Tür und Tor geöffnet.“

Die fünf Windräder auf dem Kahlberg drehen sich an diesem Tag mit etwa 150 Stundenkilometern, schätzt der Gutachter. 300 sind das Maximum. 2016 beobachtete er hier noch 30 Überflüge des europaweit geschützten Rotmilans an einem Tag. Als dann gerodet wurde, waren die entstandenen Freiflächen ein beliebtes Jagdrevier des Raubvogels. „Die Zahl der Überflüge blieb gleich, aber die Verweildauer stieg auf das Sechsfache an“, beobachtete er.

Mit dem Start der Rotoren begann das große Gemetzel. „Eine Zeitlang geht das noch gut“, weiß der Fachmann. Aber nicht lange. Denn der Rotmilan, an der Spitze der Nahrungskette, „erkennt die Rotoren nicht als Gefahr“, erläutert Dirk Bernd. Er fliegt zwischen ihnen hindurch und spielt unfreiwillig Russisch-Roulette. Mal geht es gut, mal nicht. Eine Tötung des Vogels wird für ihn deshalb billigend in Kauf genommen. „Das ist absolut wiederrechtlich und illegal“, macht er seinem Frust Luft.

Die aktuell 40 und mehr werdenden Windräder im Odenwald „hält keine Rotmilan-Population aus“, warnt er. Die Bestände an Vögeln „werden den Planungen angepasst“, kritisiert der Gutachter. Nicht nur bei diesen: Abstände zu Quartierbäumen der Mopsfledermaus wurden laut Bernd immer mehr verringert, von 5000 auf jetzt 200 Meter. „Sonst könnte man etwa im Spessart überhaupt kein Windrad bauen.“

Dirk Bernd machte auch zahlreiche Brutpaare des Rotmilans im Bereich um den Kahlberg aus. „Die drei am nächsten gelegenen waren ein Jahr später (nach Inbetriebnahme des Kahlberg-Windparks, d.Red.) nicht mehr da“, klagt er an. „Die Projektierer haben keinen davon gesehen“, moniert er. Dabei gehören doch „Rotmilan und Odenwald zusammen“, weist er auf das hohe Vorkommen hin.

Bei Raumanalyen „kann man tricksen“, schildert der Planer. Das betreffende Gebiet wird in bestimmte Raster eingeteilt, die weniger beflogenen werden rausgezogen und für Windradbebauung zur Verfügung gestellt. Nur: „Der Rotmilan hält sich nicht an Flugbahnen und Rasterkästchen.“ Diese Art der Arbeit dient seiner Meinung nach nur dazu, „die Pläne zu realisieren“. Aus Erfahrung weiß Bernd, dass sich Raumanalysen von einem zum anderen Jahr „diametral unterscheiden“. Die Vögel fliegen nicht dahin, wohin sie sollen.

„Wenn einer nichts sehen will, ist immer eine Genehmigung zu kriegen“, schildert der Fachmann. Damit war es einfach, meint der Gutachter ironisch, „kein erhöhtes Tötungsrisiko festzustellen“. Denn dessen Existenz würde das Aus für einen Windpark bedeuten. Da aber genau dieses nach all seinen Untersuchungen besteht, „dürfte hier (und damit meint er den ganzen Odenwald, d.Red.) nicht gebaut werden“.

„Egal wo ich nachgeschaut habe, ich habe immer etwas gefunden“, verdeutlicht Dirk Bernd die existierenden Populationen. Und fügt hinzu: „Ich kann meine Argumentation sehr gut begründen.“ Er arbeite mit den aktuellen Methoden-Standards, dokumentiere seine Sichtungen in der Regel mit Bildern.

Stellt Bernd etliche Überflüge und Horste bedrohter Arten fest, ein anderer, von den Firmen beauftragter Gutachter aber nicht, „folgte die Genehmigungsbehörde dem politischen Druck“, moniert er. Und winkte die Windräder durch. Erst in letzter Zeit ändert sich daran etwas, siehe Weißflächen.

Wobei diese ja auch nicht für alle Zeit aus der Planung sind, sondern nur ein paar Jahre. Was für den Fachmann absoluter Blödsinn ist. „Der Schwarzstorch hält an seinem Revier fest“, betont er. „Der ist eigentlich nie weg.“ Horste werden im Umkreis von ein paar hundert Metern gebaut. Damit sind laut Bernd die Weißflächen Augenwischerei, da sich der Status Quo nicht ändern wird. Außer es werden die Bäume gefällt, wo sich die Horste befinden, wie es vergangenes Jahr am Morsberg bei Reichelsheim geschah. Und selbst dann bauen der Rotmilan oder Schwarzstorch im Umfeld einen neuen Horst, den es dann wieder zu finden gilt.

Info: Dirk Bernd hat ein Buch zum Thema veröffentlicht: „Windindustrie versus Artenvielfalt – Eine Studie über die Auswirkungen der Windenergienutzung auf Großvögel- und Fledermausarten am Beispiel Odenwald und weiteren Mittelgebirgsräumen“. Man kann es kostenlos als Pdf unter www.muna-ev.com/veröffentlichungen/ herunterladen.

Kahlberg-Schwarzstörche

Die Windräder am Kahlberg „liegen zwischen den Horsten von drei Schwarzstorch-Brutpaaren“, sagt Dirk Bernd. Die gehen an Weschnitz und Ulfenbach zur Nahrungssuche runter und überfliegen dabei regelmäßig die Rotoren. Aufgrund des Flugradius’ der Tiere „müsste man in einem Zehn-Kilometer-Umkreis prüfen“, hebt er hervor. Obwohl der Genehmigungsbehörde Bilder von Schwarzstörchen, sogar von einem Paar aus den Monaten Mai und Juni vorlagen, sei der Windpark in Betrieb gegangen. Begründung: „Die Vögel könnten auf dem Zug gewesen sein.“ Der Gutachter weiß nicht, ob ihn das zum Lachen oder Weinen bringen soll. Denn: „Die Schwarzstörche kommen bereits im März.“ Sein Fazit: „Es wird gebogen und gelogen, um eine Genehmigung zu erhalten.“

Zur Person

Dirk Bernd (47), aus Heppenheim stammend, wohnt seit zwölf Jahren in Lindenfels und betreibt dort ein Büro für Faunistik und Landschaftsökologie. Er erstellt als Gutachter Flächennutzungspläne für Gemeinden, ist für Fauna und Flora in kommunalen Bebauungsplanverfahren etwa für Gewerbe- und Wohngebiete zuständig. Am Kahlberg, im Dreieck zwischen Weschnitz, Grasellenbach und Mossautal, war er für die dortige Bürgerinitiative tätig, als Artenschutzgutachter in Reichelsheim – bei Stotz und Range – ebenso für die Gemeinde wie im Mossautal oder Breuberg. „Ich stehe auf einer Anhöhe und schaue das Plangebiet entlang“, beschreibt der Gutachter seine Arbeit. Das geschieht in einem Umkreis von sechs bis zehn Kilometern mit Fernglas und Spektiv. Zur Dokumentation hat Bernd eine Kamera mit 600mm-Objektiv dabei.

„Der Energiewandel muss intelligent gemacht werden“, fordert er. Man kann nicht einfach zwei Prozent der Landesfläche für Windkraft ausweisen, „aber nicht wissen, wie das umgesetzt werden soll“, kritisiert er. Die dadurch bisher entstandenen Schäden an der Fauna sind „nachweisbar und erkennbar“. Da technisch an den Windrädern keine Verbesserungen möglich sind, um die Tiere zu schützen, „kann es nur ein Entweder-oder geben“. Dirk Bernd ist der Meinung, „dass wir die Stromwende auch mit Fotovoltaik hinkriegen könnten“. Dazu noch ordentliche Speicher „und es geht kein Vogel daran kaputt“. Für ihn ist es extrem, „was wir hier zerstören“. Er weiß von zwei Fledermaus-Arten, die aufgrund der Windkraft schon zu 90 Prozent ausgerottet sind. Zahlreiche weitere der 24 heimischen Arten sind durch die Windenergienutzung ebenfalls stark gefährdet.

 

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Nach zwölf Jahren kehrt der Landkreis Bergstraße in die gemeinsame touristische Vermarktung des Odenwalds zurück

West- und Ost-Odenwald sind wieder vereint. Oder wie es der Landrat des Odenwaldkreises, Frank Matiaske, formulierte: „Alte Liebe rostet nicht.“ Nach zwölf Jahren Pause machen die vier Landkreise mit Odenwald-Anteil in Sachen Tourismus wieder gemeinsame Sache, da der Kreis Bergstraße seine „Auszeit“ aufgab und zum bisherigen Trio zurückkehrte. Dessen Landrat Christian Engelhardt betonte ebenso wie sein Amtskollege die große Bedeutung dieses Schritts, um jetzt als Destination Bergstraße-Odenwald zusammen mit dem Landkreis Darmstadt-Dieburg und dem bayrischen Miltenberg geschlossen auftreten zu können.

Seit Matiaske und Engelhardt im Amt sind, war es ein gemeinsames Vorhaben der beiden, die touristischen Aktivitäten wieder unter einem Dach zu bündeln. Viele Hürden galt es allerdings zu überwinden, bis es jetzt mit der feierlichen Vertragsunterzeichnung soweit war. Um deren Überwindung kümmerte sich federführend Kornelia Horn vom Verein Touristik Service Odenwald-Bergstraße (TSOB). Der Beitritt gilt rückwirkend zum Jahresanfang.

Der Verein überweist die Mitgliedsbeiträge als Zuschuss an die Odenwald Tourismus-Gesellschaft, die das operative Geschäft erledigt, erläuterte Matiaske. In deren Vorstand wurde Engelhardt auf der Mitgliederversammlung als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats gewählt. Nach zwölf Jahren Trennung „kommen wir mit noch mehr Beteiligung zurück“, betonte dieser. Das neue Gebilde deckt sich seinen Worten zufolge „in großen Teilen mit dem Unesco-Geopark Bergstraße-Odenwald“.

„Es kostete viele Gespräche“, meinte Engelhardt. Dicke Bretter waren zu bohren. Er sieht aber in der Wiedervereinigung „eine tolle Chance für den Tourismus“. Dies mit Unterstützung des Landes Hessen, das „den Tourismus größer denken wollte“. Es lässt dafür auch etwas springen: 125.000 Euro. Der Landkreis Bergstraße, so Engelhardt, investiert sogar eine größere Summe: 200.000 Euro jährlich zusätzlich zu den bisherigen Mitteln, die in diesen Bereich flossen.

Der Landrat bezeichnete den Tourismus auf der einen Seite als Wirtschaftsfaktor, auf der anderen aber auch als Quell der Lebensqualität für die Bürger. „Gemeinsam sind wir das Land der Nibelungen“, hob er hervor, von Worms bis hin zu den Siegfriedbrunnen, die sogar im Bayrischen verortet werden. Die Gebiete „wachsen zu einer gemeinsamen Region zusammen“.

Der Mix aus Bergstraße und Odenwald mit ihren jeweiligen Produkten und die vielen Freizeitaktivitäten „machen die hiesige Lebensqualität aus“, so Engelhardt. Bereits im Vorfeld entfaltete Kornelia Horn einige Aktivitäten, was etwa in den Gruppenangeboten zum Ausdruck kommt. Denn Touristen schauen nicht nur auf die örtlichen Angebote, sondern wollen wissen, was in einem Umkreis von 50 Kilometern geboten wird. „Wir zeigen aber auch den Einheimischen, was es alles gibt“, sagte er. Durch die Förderung des Landes „können wir jetzt mehr machen“.

Mit den neuen finanziellen Möglichkeiten, zu denen auch eine Leader-Förderung über 150.000 Euro zählt, werden „ungeahnte Möglichkeiten eröffnet“, freute sich Matiaske. Vor fünf Jahren sei dies noch nicht möglich gewesen. Er zollte Kornelia Horn große Anerkennung. „Sie hat es wirklich hinbekommen, diese Allianz zu schmieden“. Der Odenwaldkreis-Landrat sprach von einer „Win-win-Situation für alle“.

Das Naturerlebnis sei ein „brandaktuelles Thema“, betonte Matiaske mit Blick auf die Grünen-Erfolge oder die „Fridays for future“-Bewegung. Engelhardt ergänzte: „Der Wunsch nach einer nachhaltig entwickelten Umwelt kann hiererfüllt werden.“ Durch die Eingliederung der Bergstraße sei man nun noch breiter aufgestellt.

Engelhardts Worten nach wurden „komplett neue Strukturen geschaffen“. Was aber nicht heißt, dass es unterschiedliche Ansprachen geben müsse: Deshalb wird eine zweite Strukturebene touristischer Arbeitsgemeinschaften installiert, für Bergstraße und vorderen Odenwald. Der Landrat sprach von einem „richtigen Leuchtturm“, der über die einzelnen Destinationen herausstrahlt. Matiaske wies schmunzelnd auf den Zusammenschluss auch beim Tischgetränk hin: Das Premium-Wasser der Odenwaldquelle wird in Oberzent-Finkenbach im Auftrag einer in Heppenheim sesshaften Firma abgefüllt.

„E kommt wieder zusammen, was zusammen gehört“, meinte für den Landkreis Darmstadt-Dieburg Hans-Georg Schöpp als ständiger Vertreter der Landrats. „Der Verbraucher macht nicht vor Landesgrenzen halt“, sagte er. Die Region hat unheimlich viel zu bieten: „Natur, Kultur, Wein, Brauereien“, schmunzelte er. Kornelia Horn zeigte sich begeistert, „welche Vielfalt jetzt angeboten werden kann“. Man wolle nun „an dem fantastischen Angebot weiter arbeiten“.

Der Verein Touristik Service Odenwald-Bergstraße (TSOB) umfasst die Gebietskulisse des hessischen und bayerischen Odenwaldes. Kooperationspartner im badischen Teil des Odenwaldes ist die Touristikgemeinschaft Odenwald. Ziele des Verbandes sind die Erhöhung des Bekanntheitsgrades des Odenwaldes, die Herausstellung der Vorzüge des Odenwaldes als attraktives Reiseziel, allgemeine Imagewerbung für den Tourismus im Odenwald, die Entwicklung und Umsetzung von Marketingkonzepten für den Odenwald, kreis- und länderübergreifende Kooperationen mit anderen Tourismusorganisationen zum Zweck der allgemeinen Tourismusförderung im Odenwald, allgemeine Marktforschung zum Tourismus im Odenwald.

Lizzy Aumeier liest auf bayrisch die Leviten

Mit Lizzy Aumeier sollte sich keiner anlegen, außer er bekommt gerne einen auf den Deckel, dass es nur so scheppert. Die Kabarettistin aus der Oberpfalz ist die Kampfbayerin par excellence, die zum Glück ihre Feindbilder zuhauf im Freistaat findet, sodass sie nicht groß in Baden-Württemberg wildern muss. Horst Seehofer, Florian Silbereisen, Markus Söder oder Alexander Dobrindt zieht sie im Programm „Wie jetzt?“ durch den Kakao.

Aumeier erschlägt sie alle mit ihrem losen Mundwerk, das unaufhaltsam sprudelt, sich selbst überholt. Sie zieht gnadenlos vom Leder, redet sich in Rage, dass die Sätze nur noch so aus ihr raus purzeln. Vor lauter Wut überschlägt sie sich fast in ihrem Furor, verfällt so tief in ihre Mundart, dass die Weinheimer die Ohren spitzen müssen.

„Ich habe gehört, dass ich nuschele“, fragt sie ungläubig nach der Pause in die Menge. Ein lautes „Ja“ schallt ihr entgegen. Zurecht, denn in der ersten Hälfte kam sie etwas schwer verständlich in ihrem flotten, verschluckten Oberpfälzisch rüber. Später hatte dann der ganze Saal viel mehr von ihren Lebensweisheiten, teilweise eher derb unter der Gürtellinie, teilweise einfach nur gnadenlos offenherzig rübergebracht. Wobei mindestens der eine oder andere Gag schon bekannt war.

Wobei Lizzy Aumeier zwei Pluspunkte hat: ihre Musik und ihre Grimassen. Dass sie eine begnadete Kontrabassisten ist, zeigt sie ein ums andere Mal mit Svetlana Klimova, der Konzertmeisterin der Moskauer Philharmoniker und ihrer Nachbarin im bayrischen 500-Seelen-Dorf. Wie die in ihrem russischen Slang in Mundart loslegen muss, ist eine vielbeklatschte Show. Ob Michael Jacksons Thriller oder Vivaldis aufgepeppte Vier Jahreszeiten: Die beiden würden auch als Musik-Duo reüssieren.

Und dann die Grimassen. Aumeier macht sich über Sport 1 lustig, wo nachts die „nackerten Weiber“ zu sehen sind. Damit ins Senderschema passt, müssen die leichtbekleidet eben Sport machen. Auf Zuruf legt das Oberpfälzer Vollweib die wildeste Pantomime hin, dass die Zuschauer aus dem Lachen nicht mehr rauskommen. Fußball, Reiten, Rugby, Tennis: Lizzy lässt die Hautlappen vibrieren und grimassiert sich einen ab.

Überhaupt die Körperfülle und das Altwerden: ein Dauerbrenner in ihrem Programm. „Leider ist der BMI wichtiger als der IQ“, bedauert sie. Der Zug zu Thin Lizzy ist halt abgefahren. Mit zu vielen Kilos hat die 55-Jährige kein Problem. Sie ist nicht dick, sondern die, „die im Kettenkarussell weiter außen fliegt“. Bewegungsmelder statt Schrittzähler lautet zuhause ihre Devise.

Aus ihrer politischen Heimat macht die Oberpfälzerin kein Geheimnis, auch wenn sie einen Abgesang auf die SPD liefert. Zur „Westerland“-Melodie wünscht sie sich die Partie Helmut Schmidts und Willy Brandts wieder herbei, findet kein gutes Haar an Gerhard Schröder und beschwert sich über das Gekrächze von Andrea Nahles, wo die Sozialdemokraten doch jede Stimme brauchen.

Pointiert, bissig, böse, startet Aumeier den ultimativen Rundumschlag, watscht Sophia Thomalla, Jens Spahn, Mesut Özil oder Christinan Lindner ab. Lieblingsfeind: natürlich die Rechten mit ihrer Doppelmoral. Dazu noch der Kurzdurchlauf aller Tatort-Handlungen und ein hämischer Nestle-Klatscher. „Denen ist gelungen, dass in Äthopien in den vergangenen zehn Jahren keiner ertrunken ist“, meint sie zum Grundwasser-Raub.

Ein paar bekannte Gags später (Komasaufen in Baden-Württemberg ist Vorglühen in Bayern, der Traktor auf dem Land vor den Motorradrasern: „Das Safety-Car ist draußen“) richtet sie einige bitterböse Bitten ans Universum: Spahn soll ein Jahr lang nur von Hartz IV leben oder Seehofer einen schwulen syrischen Sozialdemokraten als Pfleger bekommen.

Die Angst des Ablebens vor dem Fernseher mit Florian Silbereisen als letztem Eindruck, ihre Abrechnung mit der MeToo-Debatte oder zwei Wochen Kreuzfahrt für die Senioren, weil das immer noch günstiger ist als zwei Wochen betreutes Wohnen: Mit Lizzy Aumeier gibt’s ein gnadenloses Bashing all dessen, was ihr zuwider ist. Das Lachen ist in der Alten Druckerei quasi der Bordun-Ton des Abends. Rauschender Beifall verabschiedet sie nach der kurzen Zugabe.

Teilhabe und Inklusion verstärkt in den Fokus rücken

Der „Wegweiser für Menschen mit Behinderung“ erfährt eine Neuauflage und bekommt eine andere Bezeichnung. Die fünf Jahre alte Version bedurfte einer Überarbeitung, erläutert der zuständige Kreisbeigeordnete Karsten Krug, gleichzeitig auch Vorsitzender der Kreisteilhabekommission. In Zusammenarbeit mit verschiedenen ehrenamtlichen Gruppierungen aus dem Kreis Bergstraße will man möglichst bis Jahresende die neue Fassung unter Dach und Fach haben. Angedacht ist daneben eine Umbenennung in „Teilhabewegweiser“, um auch sprachlich den inhaltlichen Veränderungen Rechnung zu tragen.

Der Nieder-Liebersbacher Verein „WirDabei!“ kümmert sich dabei um die Koordination der ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe, die bereits vor einem halben Jahr schon einmal zusammenkam. Zwischen sechs und acht Personen von unterschiedlichen Verbänden sind involviert. Krug schaute beim zweiten Treffen vorbei, um sich über den Fortgang zu informieren und Vorschläge aufzunehmen. Abstimmung und Rückmeldung der weiteren Vorgehensweise waren dabei ebenso Thema wie auch die Zeitschiene. Der Wegweiser soll helfen, Benachteiligungen von behinderten Menschen entgegenzuwirken und diese zukünftig zu vermeiden.

„Die ehrenamtlichen Interessensvertreter haben ein ganz anderes Gespür dafür, was enthalten sein soll“, würdigte der Kreisbeigeordnete deren Arbeit. Die Lebenshilfe Lampertheim, der Behindertenbeauftrage aus Heppenheim, Vertreter des Behindertenbeirats Lampertheim, der Elterninitiative Handicap Rodau und des Beteiligungsforums Handicap Viernheim kamen im Rathaus zusammen. „Wir haben umfassend abgefragt“, sagte Krug. Allerdings ist die Arbeitsgruppe für weitere Rückmeldungen dankbar, wenn jemand nicht berücksichtigt oder angefragt wurde (siehe unten).

Im Raum stand laut Krug die Frage, inwieweit Infos zu jedem Rathaus im Kreis in den Wegweiser aufgenommen werden sollen. Denn viele öffentliche Einrichtungen, weiß er, „sind noch nicht barrierefrei“. Es wäre ein großer Aufwand, dies jeweils fürs Einzelobjekt abzuklären, erläuterte er. Hier kam man überein, die jeweilige Telefonnummer der Verwaltung anzugeben und eventuell mit Piktogrammen darauf hinzuweisen, in welchem baulichen Zustand die Rathäuser sind. „Es ist schwierig, jeweils einzeln die konkreten Infos abzubilden“, sagte Krug. Am sinnvollsten sei es für die Menschen mit Handicap, so der Tenor, sich telefonisch dort im Vorfeld zu informieren.

Barrierefreiheit spielt auch bei der Mobilität eine große Rolle. Die Wegweiser-Leser sollen Infos darüber erhalten, „welche Mitnahme-Möglichkeiten es gibt“, so Krug. Egal ob das jetzt für Rollstühle, Kinderwagen, Rollatoren, Fahrräder oder E-Scooter ist. „Manche Busse sind von vornherein gekennzeichnet“, weiß der Beigeordnete. Die Mitnahme von Rollstühlen ist der Regel problemlos möglich, wie die von E-Scootern aber wiederum eher grundsätzliche Probleme aufwirft. Im Schülerverkehr, erläuterte er, ist manchmal eine Mitnahme-Kapazität nicht vorhanden.

Selbsthilfegruppen für Drogen- oder Alkoholabhängige sowie für Betroffene mit Schlafapnoe sollen, eben weil es ein Teilhabewegweiser ist, ebenfalls kurz Erwähnung finden. Thematisiert wurde von den Ehrenamtlichen außerdem, dass es nur in wenigen Kreisorten Ansprechpartner für Behinderte gibt.

„Es ist wichtig, dass wir in der Gesellschaft Teilhabe und Inklusion verstärkt in den Fokus rücken“, hob Karsten Krug hervor. Ihm geht es darum, das Bewusstsein dafür zu schärfen, „dass jeder seinen Teil dazu beitragen kann, damit Menschen mit Behinderung besser am täglichen Leben teilhaben können“. Der Kreisbeigeordnete will die Thematik auch immer wieder ansprechen und so im öffentlichen Bewusstsein halten.

Für die Betroffenen soll der Wegweiser insofern einen Mehrwert haben, „dass sie wissen, wo sie Informationen, Hilfe und Unterstützung bekommen“. Ganz wichtig sind Krug eine verständliche Sprache und kein Amtsdeutsch, um so die Nutzungsschwelle und Handhabbarkeit zu verbessern. „Wir möchten den besten Ansprechpartner für ein bestimmtes Thema nennen“, ist das Ziel. Dazu: Welche Beratungsstellen sind beim Kreis angesiedelt, wo gibt es rechtliche Infos und wer ist in den Behörden zuständig. Kurz: „Wer kann wen bei was beraten.“

Petra Thaidigsmann von „WirDabei!“ moderierte die Sitzung. Alle Teilnehmer der Runde gaben im Verlauf aus ihren Bereichen Rückmeldungen zu Inhalten des Teilhabewegweisers. Es wurden verschiedene Arbeitsgruppen hierzu gebildet.

Info: Kreisbeigeordneter Karsten Krug, gleichzeitig Vorsitzender der Kreisteilhabekommission, ist für Anregungen unter Telefon 0 6252/15-5400 oder E-Mail buero.krug@kreis-bergstrasse.de erreichbar.

Mit 24 leitet er die Schreinerei: Moritz Schumacher ist einer der jüngsten Betriebsinhaber im Odenwald

Wie wird man als 24-Jähriger Geschäftsführer einer Schreinerei? „Man muss sich trauen, etwas zu machen“, sagt Moritz Schumacher lapidar. Der Aschbacher hat zu Jahresbeginn die Führung des Betriebs im Oberzent-Stadtteil von Jürgen Bellut übernommen, nachdem er diesem bereits zwei Jahren als gleichberechtigter Geschäftsführer zur Seite stand. Ohne den Spaß an der Sache geht es nicht, betont der 24-Jährige. Und natürlich das Engagement: „Voll reinhängen“ heißt die Devise. Mit dieser Einstellung dürfte Schumacher einer der jüngsten Schreinerei-Inhaber im Odenwald sein.

Der Weg dahin war für ihn zwar nicht unbedingt vorgezeichnet, aber doch ziemlich passgenau. „Das ist genau der richtige Beruf“, hebt der Meister hervor. Er werkelte schon früh gern mit Holz herum. „Ich habe schon mit zehn Jahren angefangen zu basteln“, lacht der Schreinermeister. In einem Bauwagen am elterlichen Haus legte er mit diversem Kleinwerkzeug früh los. Die daraus entstandenen Holzarbeiten verkaufte er in der ersten Zeit zusammen mit dem Großcousin auf dem Weihnachtsmarkt.

Während seiner Ausbildung stellte sich der 24-Jährige so gut an, dass ihn Inhaber Jürgen Bellut bereits im dritten Lehrjahr fragte, „ob ich nicht den Betrieb in der Zukunft mal übernehmen will“. Der 58-jährige Firmenchef erkannte früh das Potenzial seines Azubis. Dass der Chef den richtigen Riecher hatte, bewies sich in der Prüfung. Die schloss der Azubi als Innungsbester seines Jahrgangs ab. Sein Meisterstück 2016 (wieder als Jahrgangsbester) war ein Tischkicker aus Nussbaum und Ahorn für den er 450 Stunden an Planungs- und Bauzeit benötigte.

Diese Prüfung sieht Schumacher als sehr wichtig an. „Ich habe vieles gelernt.“ Handwerkskammer sowie die Wirtschaftsförderung des Kreises Bergstraße und des Odenwaldkreises standen ihm dann bei der Betriebsübernahme zur Seite. Miet- und Stromverträge, Businessplan, Altersversorge: „Da ist viel mehr hintendran als gedacht“, schmunzelt er. Der 24-Jährige stellte sich geschickt an: Beim Gründerwettbewerb Bergstraße-Odenwald holte der Aschbacher im vergangenen Jahr den Hauptpreis in der Kategorie „Klassische Gründungen und Unternehmensnachfolge“.

Der Sprung in die Selbstständigkeit war schon immer sein Ding. „Ich wollte nach der Ausbildung nicht unbedingt studieren“, erzählt Schumacher. Allerdings hätte er nicht erwartet, „dass es so schnell geht“, lacht der 24-Jährige. Die gute Chemie zwischen Bellut und ihm machte vieles einfacher. Es passte beruflich und menschlich, sagt der neue Chef. Natürlich kam dem 24-Jährigen zupass, dass er nicht groß suchen musste, „sondern mir einiges in den Schoß fiel“.

Vor über 30 Jahren gründete Jürgen Bellut seine Schreinerei in Heppenheim, vor etwas mehr als acht Jahren zog er damit in den Odenwald. Drei Lehrlinge und ein Geselle sind derzeit in dem florierenden Betrieb tätig. Im April kommt ein weiterer junger Schreinermeister aus Airlenbach hinzu. „Heutzutage muss man den Mitarbeitern was bieten, damit sie bleiben“, weiß Moritz Schumacher. Es ist nicht mehr so einfach wie früher, als jeder einfach nur froh war, einen Job zu haben. Eine gewisse Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung mit Rücksicht auf die Familienverhältnisse sieht er als wichtig an.

Schumacher kann sich nicht vorstellen, nur im Büro tätig zu sein, genießt aber auch die Abwechslung, nicht nonstop in der Werkstatt zu stehen. Derzeit allerdings muss er oft am Schreibtisch sitzen. „Im letzten halben Jahr hat das deutlich zugenommen.“ Er hofft aber, ein paar Aufgaben weitergeben zu können, wenn der Kollege aus der Nachbarschaft im April dazustößt.

Was rät der Schreinereichef interessierten Jugendlichen? „Erst einmal ein Praktikum oder eine Ausbildung machen“, so Schumacher. Zwischendurch mal woanders reinschnuppern kann ebenfalls sinnvoll sein. „Wann man seinen Meister macht, ist eigentlich Typsache“, erläutert er. „Mir hat es gutgetan, es gleich zu machen“, so Schumacher. Er konnte gut mit anderen mithalten, „die schon seit fünf oder zehn Jahren Geselle waren“.

Der Begriff „Verantwortung übernehmen“ ist für ihn jetzt greifbar. Als Angestellter „geht man nach Feierabend einfach nach Hause“, meint Schumacher. In der Führungsposition rattert der Kopf etwas mehr. Wenn etwas nicht rund laufen sollte, „nehme ich das im Kopf jetzt schon mal mit heim“, erzählt er. „Erst einmal bleibt alles so wie bisher“, betont der Schreiner. Der Meister will schauen, wie sich der Betrieb weiterentwickelt. Seinen Fokus will er auf den Treppenbau legen, der aktuell schon 40 bis 50 Prozent der Aufträge ausmacht.

Moritz Schumacher, 24, wohnt in der Heckenmühle, die zum Wald-Michelbacher Ortsteil Aschbach gehört. Nach dem Realschulabschluss an der Eugen-Bachmann-Schule machte er eine Lehre bei der Schreinerei Bellut in Oberzent-Airlenbach und besuchte das Berufliche Schulzentrum Odenwaldkreis (BSO) in Michelstadt. Nach einem Dreivierteljahr bei der Schreinerei Müller in Birkenau begann er mit einem Stipendium der Handwerkskammer Rhein-Main seinen Meister in Schwetzingen. Ein halbes Jahr in den USA schloss sich nach der erfolgreichen Prüfung an, ehe Schumacher Anfang 2017 als gleichberechtigter Geschäftsführer bei der Schreinerei Bellut loslegte. Seit Beginn des Jahres ist er alleiniger Geschäftsführer, nachdem sich Gründer Jürgen Bellut zurückgezogen hat.

Info: Seine Meisterarbeit, den Tischkicker, vermarktet Moritz Schumacher jetzt als hochwertiges Unikat. Der ist aus Massivholz und kann ganz nach dem Wunsch des Kunden individuell hergestellt werden. „Ein Hingucker etwa für eine Hotellobby“, sagt er. Mehr unter www.massivholz-kicker.de oder Telefon 06068-479915.

Bei der Neuorganisation der Holzvermarktung für die Kommunen gibt es noch einige Unsicherh

Im Wald herrscht Unruhe. Die Vorgabe des Landes, dass die eigene Behörde Hessen Forst das Holz von Kommunen mit mehr als 100 Hektar Waldbesitz nicht mehr vermarkten darf, führte zu hektischen Aktivitäten, um eine neue Organisation zu gründen (wir berichteten). Beim Forstamt Beerfelden, das neben der Stadt Oberzent auch die beiden hessischen Neckarstädte Hirschhorn und Neckarsteinach sowie die drei Überwald-Kommunen betreut, ist man mit der Situation überhaupt nicht glücklich, machte Forstamts-Direktor Norbert Sasse bei der Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Südlicher Odenwald (FBG) deutlich.

Die Neustrukturierung war laut Sasse seit mehr als einem Jahr Thema. Nachdem aber das Kartellrechtsurteil gegen das Land Baden-Württemberg vom Bundesgerichtshof im Juni aufgehoben worden war, dachte er, „da wird sich doch nichts tun“. Pustekuchen. Obwohl es das benachbarte Bundesland war, reagierte Hessen im vorauseilenden Gehorsam. Grund ist wohl die Angst vor Schadenersatzforderungen. „Deshalb soll das Kartell aufgegeben werden.“

Das Problem dabei: „Wir wissen bis heute nicht, wie das aussehen soll“, monierte der Forstamtschef. Es gebe nur ein an die Kommunen adressiertes Schreiben vom Juli. Weitere Konkretisierungen: Fehlanzeige. Wenn der Kommunalwaldanteil in bestimmten Forstämtern mehr als 25 Prozent beträgt, müssen die in Zukunft ihr Holz selbst vermarkten, sollte der Waldbestand größer als 100 Hektar sein, erläuterte er. „Das betrifft ganz Südhessen.“

Der Privatwald ist davon nicht betroffen, sagte Sasse. Hier könnten alle Waldeigentümer weiterhin ihr Holz über Hessen Forst verkaufen lassen, das ja sowieso (auch für die Gemeinden) nach wie vor die Beförsterung übernimmt. Mitglieder der FBG mit weniger als 100 Hektar können dies ebenfalls in Anspruch nehmen. Sasse geht im Bereich des Forstamtsbereich Beerfelden davon aus, dass es eine Ausnahme für denjenigen gibt, der darüber liegt. Denn allein auf sich gestellt würde es keinen Sinn machen.

Der Forstamtdirektor wies darauf hin, dass es die Möglichkeit einer Förderung gibt, wenn die Gemeinden ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, sich also in Form eines Zweckverbands oder Anstalt öffentlichen Rechts zusammenschließen. 200.000 Euro im hiesigen Fall. Entsprechende Bestrebungen gibt es derzeit von den sechs Kommunen im Bereich des Forstamts Beerfelden, wo man aber über den Überwald hinaus bis ins Weschnitztal denkt. Grund: Ähnliche Waldstrukturen. Das Ried wiederum ist zu verschieden, um es mit aufzunehmen.

Eigentlich war Sasse der Meinung, „dass mit dem Urteil alles beerdigt ist“. Leider nahm die Sache stattdessen eher noch Fahrt auf. „Für uns ist das auch nicht schön“, betonte er. Da das Jahr inzwischen schon weit fortgeschritten ist, äußerte er seine Zweifel, ob die Änderungen überhaupt wie vorgesehen zum 1. Januar 2019 greifen werden. „Das wird immer unrealistischer.“

Der scheidende FBG-Vorsitzende Gottfried Görig ergänzte, dass man zwecks Vermarktung Kontakt mit der forstlichen Vereinigung Odenwald-Bauland aufgenommen habe. In dieser Genossenschaft seien unter den 33 Mitgliedern bereits Eberbach, Mosbach, Walldürn und Amorbach. „Für unsere Gemeinden wäre ein Beitritt machbar“, ergab sich aus Vorgesprächen. Die entsprechende Satzung für einen Zusammenschluss wird derzeit gerade vom Städte- und Gemeindebund geprüft.

Wald-Michelbachs Bürgermeister Dr. Sascha Weber, der ebenso wie sein Kollege Markus Röth aus Grasellenbach bei der Sitzung dabei war, betonte die Wichtigkeit, „dass sich die Kommunen einig sind und an einem Strand ziehen“. Die Waldbestände müssten von der Struktur her gut zusammenpassen. Derzeit liefen noch Gespräche mit Nachbargemeinden aus dem Bereich der Forstämter Lampertheim und Michelstadt, ob es dort auch Interesse gibt. „Wir haben in Oberzent und Wald-Michelbach eine stattliche Menge Wald (zusammen 4000 Hektar) und können den Weg vorschlagen“, so Görig.

Forstamts-Mitarbeiterin Gudrun Kranhold drückte im Sinne aller den Wunsch aus, dass die FBG als Gemeinschaft der Privat- und Kommunalwaldbesitzer weiter bestehen soll. Der neu gewählte Vorsitzende Ralf Kredel wollte dem Eindruck entgegentreten, dass sich die Gemeinden aus dem Vorstand zurückziehen. Es sei vor dem Hintergrund der Umstrukturierungen gewollt, dass der Vorsitz jetzt „in Privathand“ sei. Die Bürgermeister hätten weiterhin ihre Unterstützung zugesichert. Er äußerte seine Hoffnung, dass irgendwann das Gesetz wieder geändert werde und eine gemeinsame Vermarktung dann aufs Neue möglich sei.

Großer Bedarf in Wald-Michelbach an Kita-Plätzen für Unter-Dreijährige

„Wir wollen das Angebot der Kinderbetreuung in der Gemeinde weiter stärken“, meinte der SPD-Fraktionsvorsitzende Sven Wingerter zum Abschluss des Besuchs in der Heinrich-Schlerf-Kindertagesstätte, zu dem sich im Rahmen der Sommertour Mitglieder aus Fraktion und Vorstand im Schlesierweg eingefunden hatten. Eine umfassende Betreuungsmöglichkeit auch für die Kleinsten sah Wingerter als wichtigen Standortfaktor, damit sich Familien zum einen hier niederlassen, zum anderen im Überwald auch wohnen bleiben.

Beatrix Boshoven-Krämer wusste aus der Besichtigung durch den Jugend- und Seniorenausschuss vor einiger Zeit, dass es immer ein paar Wünsche des Kindergartenteams gab. Aktuell, so Leiterin Ulrike Schork, hätte man gerne eine Matschschleuse. In der können sich die Kinder dann umziehen, wenn sie vom Spielen reinkommen. Sie hofft dabei zum einen auf Mittel der Schlerf-Stiftung, zum anderen auch auf eine Unterstützung der Gemeinde.

Thematisiert wurden im Gespräch nach der ausführlichen Vorstellung des Kindergartens die Elternbeiträge. Hier hatte es nach der Bekanntgabe der sechsstündigen Beitragsfreiheit durch das Land zuerst Verwirrung gegeben, weil es von Seiten des Kreises wohl hieß, dass die bisher getragenen zusätzlichen Kosten für einen Ganztagsbesuch nicht mehr übernommen würden. Schork zufolge sei es dadurch zu Ummeldungen von Ganztagskindern hin zum Sechs-Stunden-Besuch gekommen, um Geld zu sparen.

Inzwischen wurde das Problem behoben, meinte Wingerter, und die Situation geklärt. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass die Sozialdemokraten sowieso für eine komplette Gebührenfreiheit des Kindergartenbesuchs eintreten. Die genannten Unsicherheiten zeigten zusätzlich, dass eine solche Lösung – neben der Entlastung der Eltern – die sinnvollste Variante sei.

Vom Fraktionsvorsitzenden wurde daneben der aktuelle Bedarf angesprochen. Ende Mai seien 64 Kinder auf der Warteliste für die gemeindlichen und konfessionellen Kindergärten gewesen. Ulrich Schork sagte, es sei ein ständiges Kommen und Gehen. Manchmal meldeten Eltern ihre Sprösslinge auch doppelt an, um auf jeden Fall einen Platz zu bekommen. Sie nannte zum Stichtag 1. Oktober 21 Drei- und sechs Zweijährige auf der Liste. Der Bedarf an Plätzen für Unter-Dreijährige steigt ihren Worten zufolge ständig an. Was für die Gemeinde bedeutet, dass sie im kommenden Jahr eventuell drei zusätzliche Gruppen schaffen muss, so Wingerter.

Thomas Langer sprach den Mangel an Erzieherinnen an. Das konnte Schork nur bestätigen. Es sei sehr schwierig, qualifiziertes Personal zu bekommen. Um erfreulicher ist es für sie, dass es für die U3-Gruppen entsprechend ausgebildete Mitarbeiterinnen in den Reihen gibt. Bei der Einstellung schaue man immer darauf, betonte sie.

Ulrike Schork hatte zuvor mit drei Mitarbeiterinnen die Kita vorgestellt. In fünf Gruppen gibt es 112 Plätze. 18 Kinder sind unter drei Jahren, der Rest zwischen drei und sechs Jahren alt. Früher gab es nur eine Nestgruppe für die Jüngeren, „aber der Bedarf steigt ständig an“, sagte sie. Der Kindergarten sei eine halboffene Einrichtung. Für Aktivitäten meldeten sich die Kinder bei den Erzieherinnen ab. Alle zehn Minuten wird aber immer nach ihnen geschaut, was sie machen.

„Alle Kinder sind den ganzen Tag angemeldet“, betonte sie. Etwa 85 bis 90 frisch zubereitete Essen wird mittags verzehrt. In den Familien geht das gemeinsame Essen immer verloren, beobachtete Schork. Sie stellte deshalb fest: „Schon die Zweijährigen genießen es, mit den anderen zu essen.“ 15 Erzieherinnen plus die freigestellte Leiterin sind in der Kita tätig, die jeden Tag außer Freitag von 7.15 bis 17 Uhr geöffnet hat. Dazu kommen viele Praktikantinnen.

Auf Grundlage des hessischen Bildungs- und Erziehungsplans arbeitet die Schlerf-Kita mit dem schrittweisen Berliner Eingewöhnungsmodell für die Jüngsten. Zweijährigen brauchen laut Schork etwa zwei bis drei Wochen, bis sie Vertrauen zur Bezugserzieherin gefasst haben, bereit sind, sich zu öffnen und teilzunehmen.

Ganz wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Eltern, betonten die Erzieherinnen. Die beginnt schon bei der Anmeldung. „Wir begleiten, geben Anregungen, Tipps, Rückmeldungen.“ Die Eltern, so die Beobachtung, wünschten sich viel, gäben manchmal aber auch viel an den Kindergarten ab, was eigentlich Sache der Erziehungsberechtigten sei. „Das können wir nicht leisten.“ Die Eltern haben teilweise „ganz andere Ideen, was die Kita mit den Kindern machen soll“, schmunzelte Schork. Die Antwort: „Wir sind die Fachleute.“

Erläutert wurden im Anschluss die zahlreichen Angebote. So wird Bewegung groß geschrieben, geht es einmal im Monat in den Wald oder gibt es Freispielmöglichkeiten. Marte Meo, die Stärkung der eigenen Stärken, Sprachförderung und etliche andere Fördermöglichkeiten kamen zur Sprache. Eine Führung durch die Räume schloss sich an.