Finanzielle Schattenseiten der Solardraisine sollen genau beleuchtet werden

Mit wenigen Gegenstimmen verabschiedeten die Gemeindevertreter auf ihrer vergangenen Sitzung den zusätzlichen Finanzbedarf der Solardraisinenbahn. Am ehesten ging es inhaltlich nach ausführlicher Ausschussdiskussion noch um die kommenden Zuschüsse, die sich ab 2018 verdoppeln sollen. Für Abtsteinach bedeutet dies dann 18.000 Euro jährlich. Deshalb wurde auf Vorschlag von Denise Reinhard (FWV) dieser Betrag auch erst einmal auf kommendes Jahr beschränkt. Zwischenzeitlich will man eine nähere Aufstellung erhalten, wie sich die Fehlbeträge zusammensetzen.

Abtsteinach ist zwar „nur“ mit einem Anteil von 4,5 Prozent an der Überwaldbahn gGmbh beteiligt (neben Wald-Michelbach, Mörlenbach und dem Kreis Bergstraße), aber andererseits finanziell auch nicht dermaßen gesegnet, dass die außer der Reihe benötigten Gelder einfach mit links geschultert werden können. Denn in diesem Jahr werden über 30.000 Euro als Liquiditätszuschuss zusätzlich benötigt. „Haushaltstechnisch fast nicht mehr zu vertreten“, heißt es.

Der Geschäftsführer der Überwaldbahn, Holger Kahl, hatte im Haupt- und Finanzausschuss versucht, die Defizite zu begründen und stand auch für Fragen zur Verfügung. Auf die dortigen Abstimmungsergebnisse ging Vorsitzende Karin Oberle im Vorfeld ein. Auf 675.000 Euro beläuft sich 2017 der Finanzierungsbedarf inklusive Liquiditätslücke. Davon müssen bis zum Jahresende sofort 65.000 Euro durch die vier Gesellschafter bereitgestellt werden. Abtsteinachs Anteil hieran beträgt knapp 3000 Euro. Diese Summe stellten die Mandatsträger einstimmig zur Verfügung.

611.000 Euro listete Kahl an Kosten auf, die zur Beseitigung vorhandener Mängel und weiterer Unterhaltungsarbeiten an Strecke und Fahrzeugen anfallen könnten. Diese Gelder sind notwendig, um den ordnungsgemäßen Betrieb in diesem und dem nächsten Jahr zu gewährleisten. Von der Summe muss die Gemeinde 27.500 Euro beisteuern. Unter anderem ist darin der zweite Teil der Arbeiten enthalten, die schon Anfang des Jahres auf Drängen der Aufsichtsbehörde angegangen wurden, damit die Solardraisine 2017 überhaupt rollen konnte.

Sanierungsarbeiten an Tunneln (50.000 Euro) und Brückenbauwerken (fast 160.000 Euro) sind darin ebenso enthalten wie der Freischnitt (20.000 Euro). An Ingenieurleistungen werden 24.000 Euro aufgeführt. 130.000 hat Kahl in seiner Kalkulation eingestellt, damit die Draisinen technisch wie verlangt umgerüstet werden können. Die Neukonzeption des Bergungskonzepts kommt auf 210.000 Euro. Zu diesem Paket gab es bei zwölf Ja-Stimmen ein Nein von Konrad Abraham (CDU).

Wenn man die Planergebnisse des Haushalts 2017 und die vorläufigen Zahlen für 2018 um den Zuschussbedarf reduziert, kommt man auf eine Größe, „der ohne Steuerungsmaßnahmen haushaltstechnisch fast nicht mehr zu vertreten ist“, meinte Bürgermeisterin Angelika Beckenbach. Ihr Wunsch: Die künftigen Folgekosten „müssen wir in den Griff bekommen“. Ähnlich auch Julia Jöst (CDU). Sie wollte der Gesellschafterversammlung mitgeben, dass Alternativen geprüft werden sollen, um in Zukunft einen kostengünstigeren Betrieb zu ermöglichen.

Das Defizit war ein Punkt, dessen Unklarheit auch Denise Reinhard störte. In Kahls Aufstellung war von einem betrieblichen Aufwand in Höhe von 300.000 bis über 600.000 Euro pro Jahr die Rede. Das war ihr zu unkonkret. „Wir wollen eine genauere Aufstellung“, sagte sie. Bei zwei CDU-Stimmen wurde die Zuschussverdoppelung auf 18.000 Euro für 2018 beschlossen.

Beckenbach hatte bereits im Ausschuss die Konsequenzen bei Nichtzustimmung nachgezeichnet. Demnach wären bei einer möglichen Insolvenz einige Fragen zu klären. So etwa die mögliche Rückzahlung von Landesfördermitteln oder gezogener Vorsteuer. Dazu käme der Wegfall des touristischen Nutzens. Alles in Millionenhöhe. Auch entfalle damit die Möglichkeit, die Strecke nach Wegfall der Solardraisinenbindung für den ÖPNV zu nutzen. „Die Draisine ist für die ganze Region unstrittig eine Bereicherung“, hob sie hervor.

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Innovative und pfiffige Gründerideen gewürdigt: Sechs Preisverleihungen beim achten Gründerwettbewerb Bergstraße-Odenwald in Wald-Michelbach

Es waren wieder zahlreiche innovative und pfiffige Ideen, unter denen die Jury auszuwählen hatte: Beim Gründerwettbewerb Bergstraße-Odenwald, der inzwischen zum achten Mal stattfand, wurden in der Mensa der Eugen-Bachmann-Schule jetzt die Auszeichnungen an sechs Preisträger übergeben: drei aus den Odenwaldkreis und drei aus dem Kreis Bergstraße. Beide Landkreise arbeiten im Rahmen der Gründungsoffensive zusammen, um Gründer und Gründungswillige zu ermutigen, ihre Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Mit dem Gründerwettbewerb sollen die Selbständigen nicht nur Preise, sondern auch jede Menge Aufmerksamkeit und wichtige Kontakte erhalten. Wie breit die Palette ist, zeigte sich nicht nur an den Preisträgern selbst. Vom Kulinarischen übers Handwerk bis hin zu Freizeitaktivitäten mit pädagogischem Background reichten die Ideen, mit denen sich die Existenzgründer durchsetzten.

Aus dem Herzen des Odenwalds kommt Bernd Ginader, nicht nur ein begnadeter Laienschauspieler im Team mit Hans Dörsam als „Hannes und der Ourewäller Landrat“, sondern auch ein fabelhafter Kuchenbäcker, der mit seiner „Ourewäller Kuchestubb“ in Mörlenbach bereits für Schlagzeilen sorgte. Er wurde wie die beiden anderen Preisträger aus dem Kreis Bergstraße, Bärbel Jakob aus Bürstadt und David Falk Schneider aus Heppenheim, durch Matthias Zürker, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bergstraße, und Marius Schabe von der OREG Regionalgesellschaft in Erbach vorgestellt.

Den Abend hatte Wald-Michelbachs Bürgermeister Dr. Sascha Weber eröffnet. Der freute sich, dass die Preisübergabe nach 2015 wieder in der Überwald-Gemeinde stattfand. Er würdigte die „hervorragende Einrichtung“ Gründungsoffensive. Gerade in der Region „liegt uns das Thema sehr am Herzen“, betonte er. Die in Wald-Michelbach angesiedelte Zukunftsoffensive Überwald (ZKÜ) habe seit Bestehen bereits 300 Beratungen durchgeführt, wovon etwa 30 Prozent in erfolgreichen Gründungen mündeten.

Der Odenwald muss laut Weber Schwerpunkt weiterer Gründungen sein. Denn hier gebe es viele Pendler zu Arbeitsplätzen in den Ballungsräumen, die wiederum mit der schlechten Verkehrs-Infrastruktur zu kämpfen hätten. Je mehr Arbeitsplätze im ländlichen Raum entstehen, desto besser. Moderator Ralf Siegelmann führt danach durch den Abend. Der wurde mit einer Talkrunde fortgesetzt, bei der die beiden Landräte Christian Engelhardt (Bergstraße) und Frank Matiaske (Odenwaldkreis) sowie Axel Henkel vom hessischen Wirtschaftsministerium auf das Thema eingingen.

Engelhardt lobte die „herausragenden Gründerpersönlichkeiten mit einer unternehmerischen Vision“. Matiaske wies auf die Überschaubarkeit des Odenwaldkreises als „Riesen-Vorteil“ hin. Denn: „Die Akteure kennen sich.“ Von Weltfirmen wie Pirelli bis hin zu Nischenunternehmen finde man hier alles. Außerdem stimme auch die Infrastruktur. Man sei derzeit dabei, ein leistungsfähiges Internet in den Odenwald zu bringen, so Matiaske. Was im Kreis Bergstraße ebenso großes Thema ist.

Der Bergsträßer Landrat hob die hohe Lebensqualität in der Region heraus. „Gute Köpfe können hier sehr gut leben“, so Engelhardt. Als einziger Landkreis biete man eine öffentliche Förderung von WLAN-Hotspots an, sagte er. Daneben ermöglichten „hervorragende Bildungsstätten“ dem Nachwuchs eine sehr gute Ausbildung. Matiaske wies darauf hin, „dass die Wirtschaftsförderung breit aufgestellt ist“ und nicht auf bestimmte Nischen fokussiert sei. Die beiden Landräte betonten, dass die Kreise in punkto Unternehmensgründung stark vorangekommen sind. „Eins und eins ergibt nicht nur zwei“, sondern ein höheres Ergebnis, so der Tenor.

Henkel nannte die Gründung von Unternehmen einen „wichtigen Motor für die Wirtschaft“. Die große Aufgabe der Politik bestehe darin, den Unternehmensbestand zu sichern, sagte er. Er wies auf die Nachfolgethematik hin. Die Hälfte der Betriebe werde von Personen ab 55 Jahren aufwärts geführt. Es gebe in Hessen eine Drei-Säulen-Begleitung für Gründer, so der Ministeriale: die gemeinsame Vorab-Beratung mit dem Bund, die finanzielle Förderung durch Darlehen und die Landes-Bürgschaften inklusive Beteiligungen. Das alles sei „technologie- und branchenneutral“ angelegt.

2017 wurden 27 Wettbewerbsbeiträge der Jury präsentiert, erläuterte Zürker. Für ihn ist deshalb der Gründerwettbewerb „ein Erfolgsprojekt“, das jedes Jahr sehr gut angenommen werde. Die Gewinner erhalten Preise von insgesamt 10.000 Euro für ihre erfolgversprechenden Gründungsvorhaben, ergänzte Schwabe. In Wald-Michelbach kamen mehr als 100 Unternehmer, Politiker und Persönlichkeiten aus der Wirtschaft mit den erfolgreichen Gründern zusammen. Für die musikalische Umrahmung sorgten Jana Johann und Rüdiger Klein.

Bernd Ginader ist Bäckermeister und war bereits lange Jahre mit einem eigenen Betrieb im Mörlenbacher Ortsteil Bonsweiher selbständig, ehe ihn eine Mehlstauballergie zur Aufgabe zwang. Der damalige Innungsvorsitzende verlor aber nie den Bezug zum Bäckerhandwerk. So war er im Bereich Vertrieb des Bäckerhandwerks beruflich unterwegs. Auch seine Tochter stieg in das Back-Business durch die Ausbildung zur Bäckerei-Fachverkäuferin und die nachfolgende Qualifizierung zur „Betriebwirtin des Handwerks“ ein.

Durch einen Unfall und die nachfolgende lange Krankheitsphase verlor Bernd Ginader seinen Job. Im ersten Moment ein großer Schock für ihn, stellte sich die Kündigung dann doch als glückliche Fügung dar. Beim Gespräch mit einem Bekannten entstand die Idee, auf dem Gelände eines Seniorenzentrums in Mörlenbach ein Café zu eröffnen. Die passte genau in die Zeit. Ginader machte sich an die Planung. Torten backen, das geht trotz Mehlstauballergie hervorragend. Mit vielen Familienrezepten in der Tasche und einem hochwertigen Containersystem für die Gastronomie legte der damals 54-Jährige im April 2016 an besagtem Standort los.

Ein Name für das Café war auch schnell gefunden, schließlich ist er als Teil des Duos „Hannes und der Landrat“ auch als Comedian in der Region für Mundart-Theater bekannt. Es sollte die „Ourewäller Kuchestubb“ heißen. Vor allem traditionelle Kuchenrezepte aus dem Odenwald sollten eine große Rolle spielen. Das Café entwickelte sich schnell sehr positiv und die dort angebotene Qualität sprach sich herum. Nicht zuletzt auch durch die ständige Facebook-Präsenz, der Bernd Ginader viel Aufmerksamkeit schenkt und seine Kunden ständig mit Infos zu seinen neuen Kreationen versorgt.

Mittlerweile im zweiten Jahr der Selbständigkeit, hat Bernd Ginader bereits die nächste Wachstumsstufe genommen. Die alte Backstube am Wohnort in Mörlenbach-Bonsweiher wird reaktiviert und als Kuchenmanufaktur wiederbelebt. Bald soll der nächste große Schritt kommen. Sobald der nächste Bau im Seniorenzentrum fertig sein wird, will er vom Container dort in ein festes Café einziehen. Bis dahin wird noch etwas Zeit vergehen. Ginader will diese nutzen. Unter anderem beschäftigt er sich mit 3D-Druckverfahren für Lebensmittel und ist damit einer der Ersten, der diese personalisierten Lebensmittel anbieten wird.

Weitere Infos unter http://www.kuchestubb.de/

 

Preisträger Gründerwettbewerb Bergstraße-Odenwald

Kreis Bergstraße

Hauptpreis für Bärbel Jakob mit dem Gründungsvorhaben „Nibelungenhort“ in Bürstadt, einer Freizeiteinrichtung mit Rollenspiel- und pädagogischen Angeboten.

Preisträger „Gründung im Handwerk“, gesponsert durch die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main: David Falk Schneider aus Heppenheim mit seinem Parkettlegerbetrieb, einer von deutschlandweit nur 100 geprüften Restauratoren in diesem Bereich.

Sonderpreis „Junge Unternehmen im Wachstum“, gesponsert durch das Wald-Michelbacher Unternehmen B+S Haushaltswaren: Bernd Ginader als Mörlenbach mit seiner „Ourewäller Kuchestubb“. Dieser arbeitet mit einem 3D-Druckverfahren für Lebensmittel, mit dem sich lebensechte Miniaturfiguren auf die Torte zaubern lassen.

Odenwaldkreis

Kategorie „Klassische Gründungen und Unternehmensnachfolge“: Übernahme der Schreinerei Bellut in Airlenbach durch Moritz Schumacher. Dieser machte bereits mit 23 Jahren als Jahrgangsbester seinen Meistertitel im Schreinerhandwerk. Bisher schon Mitinhaber, soll Schumacher 2019 den Betrieb ganz übernehmen.

Kategorie „Sonderpreis im Handwerk“: AllWin Elektrotechnik Sergej Winschel, Erbach

Kategorie „Sonderpreis Junge Unternehmen im Wachstum“: Karo Kunststoffzerspanung Kai Frindt Michelstadt

 

 

 

 

 

Furcht vor unübersehbaren finanziellen Folgen: Zusätzlicher Geldbedarf der Draisinenbahn im Abtsteinacher Haupt- und Finanzausschuss

Der zusätzliche Geldbedarf der Solardraisinenbahn bringt die Gemeinde ganz schön ins Schwitzen. Zwar ist sie nur mit einem Anteil von 4,5 Prozent daran beteiligt, aber andererseits finanziell auch nicht dermaßen auf Rosen gebettet, sodass die außer der Reihe benötigten Gelder von über 30.000 Euro den Jahresüberschuss für dieses und kommendes Jahr kräftig annagen. „Haushaltstechnisch fast nicht mehr zu vertreten“, heißt es. Im Haupt- und Finanzausschuss gab es zu dem Thema denn auch einigen Erklärungsbedarf durch den Geschäftsführer der Überwaldbahn gGmbH, Holger Kahl.

Auf 675.000 Euro beläuft sich bekanntermaßen der Finanzierungsbedarf inklusive Liquiditätslücke in den Finanzmitteln der Gesellschaft. Davon müssen bis zum Jahresende müssen 65.000 Euro durch die vier Gesellschafter bereitgestellt werden. „Ohne zusätzliche liquide Mittel tritt die Zahlungsunfähigkeit ein.“ Abtsteinachs Anteil hieran beträgt wie bei allen anderen Punkten auch 4,5 Prozent, somit knapp 3000 Euro.

611.000 Euro listete Kahl an Kosten auf, die zur Beseitigung vorhandener Mängel und weiterer Unterhaltungsarbeiten an Strecke und Fahrzeugen anfallen könnten. Wohlgemerkt könnten. Denn es stellte sich im Verlauf der Vorstellung und Diskussion heraus, dass sich einige Punkte der Liste eventuell anders entwickeln. „Ich wollte alles zusammenfassen und nicht scheibchenweise auf den Tisch bringen“, sagte der Geschäftsführer. Quasi ein Wort-Case-Szenario skizzieren.

Die Gelder sind laut Kahl notwendig, um den ordnungsgemäßen Betrieb in diesem und dem nächsten Jahr zu gewährleisten. Von dieser Summe muss die Gemeinde 27.500 Euro beisteuern. Unter anderem ist darin der zweite Teil der Arbeiten enthalten, die schon Anfang des Jahres auf Drängen der Aufsichtsbehörde angegangen wurden, damit die Solardraisine 2017 überhaupt rollen konnte.

Sanierungsarbeiten an Tunneln (50.000 Euro) und Brückenbauwerken (fast 160.000 Euro) sind darin ebenso enthalten wie der Freischnitt (20.000 Euro). An Ingenieurleistungen werden 24.000 Euro aufgeführt. 130.000 hat Kahl in seiner Kalkulation eingestellt, damit die Draisinen technisch so umgerüstet werden können, wie es die Aufsichtsbehörde verlangt. Denn sie müssen gegen Zurückrollen bei der Anfahrt gesichert werden.

Hier wie auch bei der Neukonzeption des Bergungskonzepts (210.000 Euro) machte er aber deutlich, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Möglicherweise lassen sich in Gesprächen kostengünstigere Lösungen erreichen. Es sei einiges im Fluss. So wie auch mit der Herstellerfirma Mühlhäuser. Kahl verdeutlichte, dass die Überwaldbahn-Gesellschaft in einer starken Abhängigkeit steht, was die technische Seite betrifft. „Wir haben kaum eigene Einblicke.“ Doch hier gibt es ebenso Lösungsansätze, sowohl mit der Firma als auch extern.

Was den Mandatsträgern fast noch mehr Kopfschmerzen bereitete, ist die Erhöhung des laufenden Zuschusses für die Folgejahre. Bisher 200.000 Euro, soll er ab 2018 dann 400.000 Euro betragen. Diese Summe teilt sich hälftig in Streckenunterhaltung und Betrieb auf. Das bedeutet 18.000 Euro im Jahr für Abtsteinach statt bisher 9000.

Bürgermeisterin Angelika Beckenbach machte die Rechnung auf, dass der Haushalt 2017 mit einem Planüberschuss von 47.000 Euro schließt. Bisher. Die ersten Hochrechnungen für 2018 liegen ihren Worten zufolge in ähnlicher Höhe. Wenn man diese Planergebnisse um den Zuschussbedarf reduziert, kommt man auf eine Größe, „der ohne Steuerungsmaßnahmen haushaltstechnisch fast nicht mehr zu vertreten ist“. Die künftigen Folgekosten „müssen wir in den Griff bekommen“. Sie wünschte sich eine belastbare Kostenaufstellung.

Beckenbach zeichnete aber auch die Konsequenzen bei Nichtzustimmung nach. Demnach wären bei einer Insolvenz einige Fragen zu klären. So etwa die mögliche Rückzahlung von Landesfördermitteln oder gezogener Vorsteuer. Dazu käme der Wegfall des touristischen Nutzens. Alles in Millionenhöhe. Auch entfalle damit die Möglichkeit, die Strecke nach Wegfall der Solardraisinenbindung für den ÖPNV zu nutzen. „Die Draisine ist für die ganze Region unstrittig eine Bereicherung“, hob sie hervor.

Kahl wies auf den „gigantischen Zeitdruck“ hin, da die Arbeiten bis Ende März erledigt sein müssen. Er sah noch viel Potenzial bei der Vermarktung: „Die Draisine muss von Anfang bis zum Ende ein Erlebnis sein“, sagte er. Etwa unter dem Stichwort Draisinenführerschein. Leider stecke das Marketing noch in den Kinderschuhen, weil der Geschäftsführer seit Amtsantritt vor eineinhalb Jahren als Troubleshooter gefordert war. Die Event- und Gastronomiemöglichkeiten in Mörlenbach und Wald-Michelbach seien sicher noch ausbaufähig. „Wir haben hier einen kleinen Schatz“, wies er auf die Einmaligkeit der Solardraisine hin.

 

Zwei Seelen wohnten in der Brust der Ausschussmitglieder. Sie sahen einerseits den Nutzen, befürchteten aber andererseits ein finanzielles Loch ohne Boden. Peter Jöst (CDU) kritisierte, „dass wir jetzt alle Kinderkrankheiten nachträglich beseitigen müssen“. Dazu kommt: „Keiner weiß, wo das Ende ist.“ Er wie auch seine Fraktionskollegin, Ausschuss-Vorsitzende Karin Oberle, stimmten gegen den (mit Mehrheit angenommenen) Beschlussvorschlag für die Gemeindevertretung, die Mittel bereitzustellen.

Thematisiert wurde die Abhängigkeit von der Herstellerfirma sowohl durch Jöst als auch durch Frank Wetzel (FWV). Aktuell sei diese noch gegeben, sagte Kahl, wenn man auch ein einer Lösung arbeite. Er scheue aber noch die „Schnittstellenproblematik“. Auch müssten Haftungsfragen geklärt werden, wenn sich andere Techniker an die Materie wagen. Das Ausmerzen des Zurückrollens sei bereits eine Auflage aus 2013 gewesen, die aber noch nicht erfüllt worden sei. Die Aufsichtsbehörde habe erst zugewartet, ob was geschieht.

Nachdem dies nicht der Fall war, wird jetzt mit dem Entzug der Betriebsgenehmigung zur kommenden Saison gedroht. Generell, so Kahl, „halte ich eine Lösung für machbar“. Allerdings bleiben seinen Worten zufolge die kostentreibenden Faktoren aufgrund der ursprünglichen Fahrzeugwahl bestehen. „Unser Ziel ist ganz klar, unter 400.000 Euro jährlichem Zuschuss zu bleiben“, meinte der Geschäftsführer auf eine entsprechende Frage von Janina Becker (FWV). Für die Liquidität reiche diese Summe aus – die Abschreibungen außen vor gelassen.

Kahl erwähnte außerdem, dass es seitens des Herstellers einen Vorschlag für einen Fünf-Jahres-Betreuungsvertrag gibt, nachdem dieser bisher nur jährlich lief. Er wird gerade geprüft. Ursula Jonasdofsky (SPD) monierte das „extrem kleinliche Vorgehen“ der Aufsichtsbehörde. „Wir haben darunter zu leiden.“ Diese bringe eine „wahnsinnstolle Idee“ fast zum Erliegen. Mit diesen Vorgaben „wird da nie wieder eine Lok drüber fahren“, befürchtete sie keine Zukunft für den ÖPNV.

Angebot ist noch größer als im vergangenen Jahr: Zum 21. Mal findet der Siedelsbrunner Weihnachtsmarkt statt

Der Weihnachtsmarkt im Wald-Michelbacher Ortsteil erfreut sich immer größerer Beliebtheit bei Jung und Alt. Ins Leben gerufen wurde er 1997 vom damals noch existierenden Verkehrsverein und wurde seitdem jährlich durchgeführt. Als einer der ersten in der Großgemeinde findet der Weihnachtsmarkt traditionell am ersten Adventswochenende statt, dieses Jahr am Samstag, 2., und Sonntag, 3. Dezember.

Zum 21. Mal dürfen sich die Besucher in der heimeligen Atmosphäre „Unter den Linden“ im ehemaligen Schulhof auf ein umfangreiches Angebot freuen, das sogar noch größer als im vergangenen Jahr ist. Damals war der Andrang so groß, dass die sehr zufriedenen Standbetreiber gleich wieder fürs nächste Jahr zusagten. „Jetzt sind wir mit unseren Platzkapazitäten am Ende“, so Ortsvorsteher Helmut Gremm. Mehr geht nicht.

Der Weihnachtsmarkt „ist aus dem Siedelsbrunner Veranstaltungskalender nicht mehr wegzudenken“, sagt Gremm. Zehn Weihnachtsbuden stehen dieses Mal für die Gäste parat, dazu kommen noch vier weitere Anbieter aus dem Ort auf dem Gelände. Der TV 02 bietet wie in jedem Jahr im Musikpavillon schmackhaften Glühwein, Flammkuchen und Schmalzbrote an.

Natürlich dürfen traditionell Weihnachtsgebäck (Jutta Ulrich), Blumengestecke (Monika Scheuermann) und Bastelsachen (Doris Wenisch und Frau Sattler) als Angebote nicht fehlen. Des Weiteren gibt es heißen Apfelglühwein (Felix Wolf) und frisch gebackene Waffeln (Jalin Cee). Maximilian Böddicker von der Theatergruppe Siedelsbrunn bietet Crepes an. Bei Moni Schwebel gibt es Chili con carne, Fleischkäsbrötchen und Holunderpunsch.

Auch das Alten- und Seniorenheim Hardberg ist mit seinen leckeren Speisen und einer Feuerzangen-Bowle vertreten. Die Jugendfeuerwehr ist ebenfalls mit Getränken sowie Früchten im Schokomantel dabei und würde sich über den Besuch der Gäste freuen. Zum fünften Mal beteiligt sich der Schützenverein am Siedelsbrunner Weihnachtsmarkt. Hier gibt es weißen Glühwein, Jägermeister und Schnitzelbrötchen. Am Sonntag können sich Liebhaber von Kaffee und selbst gebackenen Kuchen beim Kindergarten verwöhnen lassen.

Zum Aufwärmen geht es zur Feuerwehr in den Schulungsraum. Dort stehen die Wehrmänner mit Getränken, Kartoffelsuppe und heißen Würstchen bereit. Die Feuerwehrleute würden sich über einen Besuch sehr freuen, haben sie sich doch mit eigenen Mittel im vergangen Jahr ein neues Mannschaftstransport-Fahrzeug angeschafft. Die Kasse ist jetzt leer und Geld für weitere Anschaffungen wird immer gebraucht.

Der Weihnachtsmarkt beginnt am Samstag, 2. Dezember, um 17 Uhr. Am Sonntag, 3. Dezember, öffnet der Markt bereits um 14 Uhr. Am Sonntagnachmittag umrahmen ab 16.30 Uhr die Jagdhornbläser des Schützenvereins Siedelsbrunn den Weihnachtsmarkt. Ab etwa 17 Uhr wird die Trachtenkapelle aus Kocherbach die Besucher mit weihnachtlichen Liedern auf die bevorstehende Adventszeit einstimmen. Zwischen 17 und 18 Uhr wird dann der Nikolaus erwartet, der für die Kinder eine kleine Überraschung dabei hat.

SPD-Infoveranstaltung mit Kommunalberater Norbert Leistner: Wiederkehrende Straßenbeiträge vermeiden hohe Einmalzahlungen

Hausbesitzer kennen das Dilemma. Wenn die Straße vor ihrem Grundstück grundhaft saniert wird, holt sich die Gemeinde einen großen Teil der Kosten wieder von ihnen zurück. Bei der bisherigen Berechnungsmethode kann so schnell ein fünfstelliger Betrag zusammenkommen, der nur schwer zu schultern ist. Seit 2013 gibt es eine Alternative: die wiederkehrenden Straßenbeiträge, bei denen ein größeres Gebiet als Grundlage gilt, somit die Beiträge kleiner werden und auf mehr Schultern verteilt werden. Um darüber zu informieren, hatten Fraktion und Ortsverein der SPD den Kommunalberater Norbert Leistner in den Ratssaal eingeladen.

Dass dieses eher trockene Thema die Bürger interessiert, zeigte sich an den restlos belegten Sitzplätzen. Schließlich geht es ja auch um den eigenen Geldbeutel. Nach der Betrachtung der Ausgangslage und der Grundlagen stellte der ehemalige Bürgermeister der mittelhessischen Gemeinde Waldsolms die Vorzüge des neuen Modells heraus. Das wirkt seinen Worten zufolge nivellierend und federt die bisherigen Ausschläge ab.

Grob gesagt wird mit dieser Methode für jeden Anlieger in einem größeren, zuvor festgelegten Gebiet ein kleinerer jährlicher Beitrag fällig. Der kommt zustande, weil die geforderten Gelder breiter auf mehr Köpfe verteilt werden. Denn bis 2013 wurden nur die Anwohner der jeweiligen Straße zur Kasse gebeten. Jetzt kann das Abrechnungsgebiet mindestens auf einen kompletten Ortsteil ausgedehnt werden. Dazu gibt es die Möglichkeit, die Forderung auf fünf Jahre zu strecken.

SPD-Fraktionsvorsitzender Udo Klos hatte in seiner Begrüßung darauf hingewiesen, dass das Thema in der Gemeinde schon längere Zeit diskutiert werde. Es gebe zwar keinen Zwang, einen solchen Beitrag zu erheben, aber Kommunen mit einer nicht so guten Finanzausstattung seien mehr oder weniger dazu mit Nachdruck angehalten. Deshalb stelle sich „nicht die Frage ob, sondern nur wie“. Die anschließende Diskussion, in der viele interessierte Nachfragen aufkamen, moderierte Bürgermeister Dr. Sascha Weber.

Wie Leistner einführte, wird das Thema nicht nur hessen-, sondern auch bundesweit diskutiert. „Außer in Baden-Württemberg. Da gibt das Land den Kommunen genug Geld, damit die auch Straßen bauen können.“ Mit Blick auf die Einmalsatzung sagte er, dass die immer stärker von den Bürgern hinterfragt werde: „Ihnen kann nicht vermittelt werden, warum sie hohe Summen zahlen sollen, wenn es zwei Lösungen gibt.“

Die Behandlung einer solchen Änderung „gehört in eine öffentliche Sitzung“, betonte er. Es gelte, die Bürger schon frühzeitig bei der Beratung mit ins Boot zu nehmen, damit es keine Legendenbildung gibt. Vor einem finalen Beschluss lasse sich so die Stimmungslage abfragen. „Die Gemeinde will kein Geld einsparen“, hob er hervor.

„Abnutzung oder Verschließ müssen erkennbar sein“, sagte Leistner. Es gehe nicht nur um Instandsetzung, Unterhaltung oder den Austausch der Straßendecke, damit Beiträge erhoben werden können. Sondern eben die grundhafte Sanierung oder Erneuerung. Außerdem muss sie mindestens 25 Jahre alt sein. Grundstücks- und Geschossfläche sind bei den Berechnungsmethoden das Maß der Dinge. Bei den wiederkehrenden Straßenbeiträgen kommen noch ein paar weitere Faktoren dazu, um alles möglichst gerecht zu gestalten und die Summen zu nivellieren.

Denn weniger ist natürlich gerade für weniger betuchte Bürger mehr, auch wenn sie über die Jahre hinweg praktisch das Gleiche zahlen. „Versuchen Sie mal, als älteres Ehepaar einen Kredit über ein 9000 Euro von der Bank zu bekommen“, meinte Leistner. Praktisch unmöglich. Aber eine solche Summe könnte durchaus als einmaliger Beitrag anfallen. Dem gegenüber stehen um die 500 Euro bei wiederkehrenden Beiträgen, führte Leistner aus. Natürlich immer abhängig von der Größe des gewählten Gebiets und der Häufigkeit von Straßensanierungen.

„Die Bürger zahlen immer das Gleiche, egal an welcher Straßenart sie wohnen“, erläuterte der Kommunalberater eine weitere Neuerung. Bisher wurde zwischen Anlieger- und überörtlichen Straßen unterschieden. Großer Wert wird auf die Gleichbehandlung gelegt, weshalb ein Konzept ausgearbeitet werden muss, das keine Unterschiede in der Bauausführung kennt.

Die Bestandsaufnahme für die Einführung der wiederkehrenden Straßenbeiträge macht zu Beginn erst einmal ziemlich Arbeit. Hier rechnet man mit etwa 15 Euro Kosten pro Grundstück (in Wald-Michelbach um die 2500 bis 3000). Die Fortschreibung ist laut Norbert Leistner ebenfalls sehr wichtig, bringe aber keine hohen Kosten oder Personalbedarf mit sich. Berechnungsgebiete und zu zahlender Anteil der Gemeinde bilden, Prioritätenliste beschließen, wo zuerst was gemacht wird, und Herausnahme von Grundstückseigentümern, die bereits in den vergangenen Jahren einmalig zahlten: Die Liste der Vorarbeiten ist lang.

Auf Wald-Michelbach bezogen sagte Leistner, dass praktisch jeder Ortsteil ein eigenes Abrechnungsgebiet bilde. „Wo eine räumliche Trennung vorhanden ist, muss auch getrennt berechnet werden.“ Wobei in den meisten Ortsteilen wahrscheinlich nicht gebaut werde. Im Kernort werden seinen Worten zufolge wahrscheinlich mehr Straßen saniert, aber die Summen auch auf mehr Köpfe umgelegt. In Ortsteilen sind es weniger Maßnahmen, aber dafür auch weniger Beteiligte. „Irgendwo gleicht sich das alles aus“, meinte er.

Das Bistro platzte aus allen Nähten: Abschlusskonzert des Chorprojekts der Wald-Michelbacher Union wurde begeistert aufgenommen

Mit Stücken von „B wie Beatles bis W wie Wise Guys“ begeisterte der Projektchor des MGV Union seine Gäste im ausverkauften Bistro B10 am Solardraisinenbahnhof. „Männerchor goes Modern“ lautete das Motto seit den Sommerferien, als sich Sängergäste das erste Mal im Birkenhof einfanden, um mit dem Ensemble eine ausgewählte Literatur einzustudieren. Vorsitzender Matthias Fischer freute sich, auch Bürgermeister Dr. Sascha Weber als Projektsänger im ersten Tenor begrüßen zu dürfen. Die musikalische Leitung hatte Hans-Joachim Karl.

Katharina Zink, Leiterin des Kinderchors beim MGV Unter-Schönmattenwag und Sängerin der Band „Thousand Years Later“, bestritt im Mittelteil der Veranstaltung einen eigenen Part solo mit ein paar Songs. „Dear Mr. President” von Pink, „Price Tag“ von Jessie J, „Chöre“ von Mark Forster und „Roots“ Alice Merton fanden ein begeistertes Publikum. Das abschließende „Auf uns“ des Projektchors wurde von ihr auf dem Klavier begleitet.

Über mehr als drei Monate hinweg beschäftigten sich die Sänger speziell mit moderner und populärer Musik und suchten hierfür Gleichgesinnte. Elf Interessierte konnte man gewinnen. „Wir hatten mehr Zuspruch als erwartet“, war die Resonanz laut Schriftführer Julius Rückert sehr gut. Zusammen mit den 19 aktiven Vereinssängern waren es an diesem Abend 30 – eine schöne Zahl. Die Projektsänger kamen aus durchaus unterschiedlichen Gründen vorbei und nahmen dabei einige Entfernungen auf sich.

Die meisten hatten allerdings kürzere Wege, weil sie aus Wald-Michelbach stammen. Mehrere fühlten sich von der Musik angesprochen, auch wenn sie noch nie im Chor sangen. Einem anderen Mitwirkenden hatte es schon einmal Elvis angetan. Ein dritter stieß erst später hinzu, weil er sich von der Unions-Werbung angesprochen fühlte, weiß Rückert. Ein weiterer Sänger ist außerdem in einem anderen Chor aktiv „und wollte sehen, was wir machen“. Zwischendurch „wurden auch mal die Stimmen gewechselt“.

Mit seiner Liedauswahl hatte der Projektchor ins Schwarze getroffen. Die verschiedenen Stücke erhielten rauschenden Applaus der dicht gedrängt sitzenden Gäste. Bei „When I‘m 64” von den Beatles, „Sailing“ von Rod Stewart, „Barbra Ann“ von den Beach Boys oder „Fever“ von Elvis Presley spürte man die große Lust an den Songs, die sich aufs Publikum übertrug. Für die Union sind das nicht unbedingt unbekannte Interpreten. „Manche Songs haben wir bereits im Repertoire“, sagt Rückert. Die modernen Songs „machen uns allen Spaß“. Wie auch den Zuhörern, wie sich am Mitwippen zeigte. Der eine oder andere hätte sich wohl in die Sängerreihen eingliedern können.

Nach Katharina Zinks Solo-Intermezzo und kleinen Pausen, damit das B10-Team für Essen- und Getränkenachschub sorgen konnte, legten die Projektsänger noch eine Schippe drauf. „Wie kann es sein“ von den Wise Guys, „Willenlos“ von Marius Müller-Westernhagen und als krönender Abschluss „Auf Uns“ von Andreas Bourani machten Lust auf mehr. Anmoderiert wurden sie von HaJo Karl, der einige Infos dazu gab. „Es geht einfach nur um den Spaß am Singen und an der entsprechenden Literatur“, hatte Rückert im Vorfeld gesagt. Und genau so war es: Der große Spaß war bei jedem Lied zu spüren. Drei frenetisch geforderte Zugaben waren die logische Folge.

Matthias Fischer hatte zum Schluss einige Dankesworte im Gepäck. Die gingen natürlich an die Projektsänger, aber auch an die Vorstandsmitglieder für die geleistete Arbeit und das B10-Team für die Mitwirkung an der Veranstaltung. „Alle Beteiligten haben sich im Vorfeld Gedanken über die Verwendung der Einnahmen gemacht“, so Fischer. Diese sollen der Heinrich-Schlerf-Kindertagesstätte zur Anschaffung von Musikinstrumente zugutekommen.

Die Kita erhielt laut Fischer 2010 vom Deutschen Chorverband die Auszeichnung „Felix“. Es handelt sich dabei um eine Anerkennung für den Einsatz bei der musikalischen Früherziehung von Kindern. „Es ist sehr schön, dass Sie und ihre Kolleginnen sich darum so verdient machen“, sagte der Vorsitzende an Kita-Leiterin Ulrike Schork gewandt. „Es war toll, dass wir nicht alleine waren und so schöne Lieder erleben durften“, meinte Fischer mit Dank und Blumengruß an Katharina Zink.

Als kleine Erinnerung an dieses Projekt gab es für die Sänger ein Andenken: ein Bild von allen und die aktuelle Chor-CD als Beispiel der Vielfalt des Chorgesangs. Schmunzelnd meinte Fischer: „Wir würden uns freuen, den einen oder anderen am Freitag um 20.15 Uhr im Birkenhof bei der Chorprobe oder bei einem neuen Projekt der Union wieder zu sehen.“ Sein Wunsch könnte schnell in Erfüllung gehen: Drei Beteiligte signalisierten bereits ihr Interesse. An das Publikum gerichtet sagte Fischer:  „Wenn es ihnen heute bei uns gefallen hat, machen Sie Werbung für den Chorgesang.“

Eine besondere Ehrung gab es zum Schluss für Dirigent Hans-Joachim Karl. Nicht in dieser Funktion, sondern als Mitglied des MGV Union Wald-Michelbach seit 40 Jahren. Er wolle sich „bei einem sehr wichtigen und für uns unentbehrlichen Freund bedanken“, so Vorsitzender Matthias Fischer. „Ohne ihn und seinen immer währenden Einsatz gäbe es uns so nicht.“ Im Verein habe Karl schon alle möglichen verantwortungsvollen Aufgaben übernommen. Vom Notenwart über Jugendvertreter und Vizedirigent kam er zu seinem heutigen Job: musikalischer Leiter bei der Union. „Vielen Dank für deine tolle Arbeit, die du bei uns machst, ohne dich hätte die Union nicht so viel erreicht“, sagte er.

Hans-Joachim Karl begann 1969 seine Klavierausbildung bei Kapellmeister Hans Rückauer. Später kamen Orgel und Geige dazu. 1974 genoss er eine intensive musiktheoretische Ausbildung in Harmonie- und Satzlehre bei Rückauer. 1977 erfolgte der Eintritt als Sänger in den MGV Union. Bereits 1978 sorgte er für die Begleitung des Chors und war als Vizechorleiter tätig. 1982/83 besuchte Karl das Dr. Hochs Konservatorium des hessischen Sängerbundes in Frankfurt.

1982 übernahm er den ersten Chor von Rückauer: den Frohsinn Gadern. Es folgten weitere Verpflichtungen als Chorleiter bei verschiedenen Chören. Seit 1984 ist er Leiter des MGV Union. 2006 wurde Hans-Joachim Karl Dirigent des MGV Sängerbund Unter-Schönmattenwag, wo er neben dem Sängerbund Oberflockenbach auch heute noch tätig ist. Seit 2009 ist er Mitglied im Bundesmusikausschuss des hessischen Sängerbundes. 1995 wurde er Mitglied im Chorleiterkammerchor Bergstraße. 1997 erfolgte die Ernennung zum Chordirektor FDB, 2004 zum Musikdirektor FDB.

Kartoffeln in allen Formen: Verein für ökologische Landwirtschaft Luna aus Kocherbach hatte zum Fest eingeladen

Alles drehte sich um die Kartoffel in allen möglichen Formen. Ob in einer leckeren Suppe mit allerlei weiteren Zutaten, ob in Form von Kartoffelpuffern mit Apfelmus oder einfach nur „pur“ im Fünf-Kilo-Sack. Der Verein zur Förderung umweltverträglicher, nachhaltiger und artgerechter Landwirtschaft „Luna“ aus Kocherbach hatte vor kurzem seine erste Kartoffelernte eingebracht und das zum Anlass genommen, auf den Hof der Biolandwirte und Wasserbüffelzüchter Wolfgang Schierenbeck und Joachim Mauermann zum Vereinsfest einzuladen.

Pfiff morgens noch der Wind durch die Scheune und kam der Regen waagrecht, so gesellte sich pünktlich zu Beginn die Sonne zu den Gästen, die sich erst zaghaft, dann in immer größerer Zahl auf den Weg in die Güttersbacher Straße machten. Luna hatte neben viel Schmackhaften auch die „Hardware“ in Form von Infos über den Verein im Gepäck. „Wir haben alles geboten, was es im Herbst gibt“, so Vorstandsmitglied Gerhard Ader.

Und natürlich einiges zum Anschauen: nicht nur die Eicher-Bulldogs der beiden Landwirte, sondern auch eine alte Apfelpresse und eine Waage, mit der die verkauften Kartoffeln abgemessen wurden. Etwa einen Zentner Kartoffeln verarbeiteten die Vereinsmitglieder für Puffer und Suppe. Der Zustrom aus dem Überwald und weit darüber hinaus war so groß, dass am Nachmittag „nicht nur die Kartoffelspezialitäten, sondern auch die Kuchentheke trotz üppiger Bevorratung geplündert waren“, freute sich Ader. Von den Hobby-Imkern Keil und Mayer gab es Honig und Liköre zu erstehen.

Die vielen Besucher von auswärts hatten etliche Fragen im Gepäck. Damit erreichte der Verein genau das, was er wollte, nämlich über seine Vorstellungen von ökologischer Landwirtschaft zu informieren. Die Erdäpfel zogen viel Interesse auf sich. Die Gäste wollten wissen, wo der Anbau erfolgt und ob es noch mehr geben wird. Eine Überlegung, mit der man sich jetzt auch mit Blick auf kommendes Jahr bei Luna beschäftigen wird. Wer was Schmackhaftes mitnehmen wollte, durfte als Nichtmitglied fünf Kilo Nicola erstehen.

Angebaut worden war von den Vereinsmitgliedern die Sorte Nicola, eine Bio-Pflanzkartoffel der Klasse A. Dabei handelt es sich um eine festkochende, schmackhafte alte deutsche Kartoffel, die sehr vielfältig in der Küche eingesetzt werden kann. Die Anbaufläche von etwa einem Morgen Land (2500 Quadratmeter) wurde schon jahrelang nicht mehr industriell genutzt. Es wurden somit keine Gülle und Spritzmittel aufgetragen. Bewuchs war bisher eine Klee-Wiesen-Mischung.

Die Rindswürste vom Galloway-Rind stammen aus eigener Produktion der Biolandwirte. Hackfleisch und Salami sind weitere Erzeugnisse. 35 Wasserbüffel inklusive Jungtiere stehen derzeit auf den Weiden rund um Gras-Ellenbach. Laut Schierenbeck bleiben die Tiere ganzjährig in Freilandhaltung draußen. Es gibt einen Weideunterstand. Für zwei von ihnen, etwas ein halbes Jahr alt, übernimmt der Verein Luna die Patenschaft und kümmert sich nach der Schlachtreife um die Vermarktung.

Wegen der begrenzten Fläche ist auch die Anzahl der Büffel begrenzt, um die Wiesen zu schonen. Die Weiden befinden sich unter anderem im Naturschutzgebiet Gras-Ellenbacher Wiesen. Vor dreieinhalb Jahren starteten die beiden Landwirte mit der Haltung. Damals zusammen mit dem Megaherbivoren-Verein aus Bensheim, dem Förderkreis große Pflanzenfresser im Kreis Bergstraße.

Wer neben den „Standard-Getränken“ etwas ganz Frisches genießen wollte, konnte sich am direkt vor Ort gepressten Apfelsaft laben. Fünf Zentner Äpfel waren von den Luna-Mitgliedern am Tag zuvor auf den Streuobstwiesen gesammelt worden. „Dieses Jahr war wenig auf den Bäumen drauf“, meinte Schierenbeck. Denn der späte Frost im April setzte den Blüten arg zu und ließ die Ernte schrumpfen. Das gekelterte Ergebnis konnte sich trotzdem sehen, pardon trinken, lassen.

Das Fest war daneben ein spontanes Bürgermeister-Treffen. Dr. Sascha Weber aus Wald-Michelbach, selbst aus dem Vereinssitz Kocherbach stammend, kam mit Gattin Katrin in die Nachbargemeinde. Jens Helmstädter aus Mörlenbach ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, alte Schulkameraden zu treffen. „Platzhirsch“ Markus Röth traf beim Besuch mit seinem fahrbaren Untersatz ins Schwarze. Er hatte die volle Aufmerksamkeit, als er mit seinem historischen Allgaier-Traktor bei den Eicher-Fans Schierenbeck/Mauermann vorfuhr. Den Bulldog kaufte Röth in Niedersachsen und ließ ihn dann per Spedition in den Überwald schaffen.

„Wir waren vom Besuch, den offenen Fragen, dem Kaufinteresse an den Biokartoffeln und spontanen Vereinseintritten absolut positiv überrascht“, bilanzierte Gerhard Ader für den Vorstand. „Die Gäste wiederum waren vom breiten Angebot absolut begeistert.“ So ging es auch den Organisatoren und Helfer, die von der Freundlichkeit und dem großen Interesse der Besucher sehr angetan waren