Folk-Benefiz zugunsten des Weiherer Kindergartens am 28. Juli in der „Mühle“

Es gibt immer nur ein kleines Zeitfenster für diese Benefiz-Folk-Veranstaltung, die von der Odenwälder Folkgruppe „Irish Voices“ inzwischen zum dritten Mal durchgeführt wird. Nämlich dann, wenn Pat O‘Connor aus Dublin für einen Tag und eine Nacht in die Region kommt. Das ist in diesem Jahr am Freitag, 28. Juli, in der „Mühle“. Am nächsten Tag geht es für sie nämlich schon zusammen mit den „Voices“ zu einem Workshop nach Elmstein, wo sich fast 200 Irish-Folk-Musiker aus vielen europäischen Ländern jedes Jahr eine Woche lang zu einer Fortbildung treffen.

Der „gute Zweck“ in diesem Jahr soll eine Spende für den Kindergarten in Weiher werden, nachdem im letzten Jahr für die Hospizgruppe Mörlenbach gesammelt wurde. Der Eintritt ist frei, es geht der „Hut“ herum. Die Besucher erwartet eine besondere Veranstaltung, die von Simone Köhler und Siggi Winkler organisiert wird. In Form einer „Session“ werden mit den beiden die regionalen Hobbymusiker Stan Svoboda, Klaus Willems, Heike Mauelshagen sowie Pat O`Connor den Abend gestalten. Ohne festes Programm, es soll viel improvisiert werden. Es wird einzeln, paarweise oder zusammen musiziert – wie es gerade passt.

Zu Gehör kommen natürlich irische Pubsongs, Balladen und Tunes. Aber auch mit einigen eigenen Mundartliedern soll der Abend abwechslungsreich gestaltet werden. Es wird sicher spannend – für die Musiker vielleicht aufregender als für die Besucher. Die Veranstalter hoffen auf eine gute Resonanz. Vorreservierungen im Landgasthof „Zur Mühle“ sind empfehlenswert.

Pat O‘Connor ist Musiklehrerin in Dublin. Sie zählt zu den bekanntesten Folk-Musikerinnen auf der grünen Insel. Ihre Hauptinstrumente sind die Fiddle und die Whistle. Aber sie singt auch mal, wenn sie dazu aufgefordert wird. Sie stammt aus einer Musikerfamilie, in der schon seit vielen Generationen zum Instrument gegriffen wird. Die „Irish Voices“ mit dem Weiherer Siggi Winkler sind stolz, sie als Freundin zu haben. Pat düste schon oft einige hundert Kilometer durch Irland, nur um mit ihren deutschen Freunden zusammen an einem Abend in einem Pub in Belturbet zu musizieren – oder eben zusammen in ihrer Musikschule in „Monkstown“, einem Stadtteil von Dublin.

Info: Benefiz-Folk-Konzert für den Weiherer Kindergarten am Freitag, 28. Juli, um 20 Uhr im Gasthaus „Zur Mühle“, Telefon 06209-1634.

25 Kilometer bergauf und bergab durch die Region: Mountainbiketour anlässlich des Wald-Michelbacher Heimatfestes

Die Mountainbike-Tour anlässlich des Heimatfests hat immer ihre Liebhaber, auch wenn es bei den Teilnehmerzahlen wetterbedingte Schwankungen gibt. „Zwischen 20 und 30 Starter haben wir im Schnitt“, meinte Sebastian Schröder von der Zukunftsoffensive Überwald (ZKÜ), der wieder den Tourguide auf der 25 Kilometer langen Strecke gab. Die war mit ihren 800 Höhenmetern rund um Überwald und Weschnitztal aber nicht allein dem sportlichen Aspekt vorbehalten, sondern vermittelte auch Wissenswertes aus der Region.

18 Radler waren es bei wechselhaftem, kühlem Wetter, die sich vom Einhaus aus auf die Strecke machten. Bei Sonne und besseren äußeren Bedingungen zählte man auch einmal 40, sagte Schröder. Die erste Etappe führte zum Steinbruch Mengelbach, wo Wolfgang Wagner die Mountainbiker bereits erwartete. Bis in die 70er Jahre wurde hier abgebaut, dann noch einmal von Mitte der 90er bis 2005.

Wagner wies weiterhin auf das Geozentrum hin und die Absicht, das Gebiet als „begehbares Biotop“ weiterzuentwickeln – aufgrund von drei besonderen, dort vorkommenden Arten. Er erwähnte auch die verbotenen touristischen Nutzungen. Seine Frage ging in die Tiefe: Welchen Wasserpegel hat der See im Steinbruch aktuell? 19 Meter lautete die richtige Antwort.

Über Weiher folgte der lange Anstieg zum über 500 Meter hohen Götzenstein bei Ober-Abtsteinach hinauf. Dort erläuterte Schröder die weit in die Vergangenheit zurückreichende Geschichte. Auf diesem Hügel trat der Sage nach der fränkische Herrscher Dietbert zum Christentum über. Anlass soll die Rettung eines Kindes aus seiner Sippe vor dem Feuer allein durch den Glauben eines Christen gewesen sein. Schröder wollte deshalb wissen, wann die Franken zum Christentum konvertieren und sich taufen ließen. Rund um das Jahr 500 hieß die Lösung.

Dritte Station war an den Sühnekreuzen vom Wald-Michelbacher Draisinenbahnhof hoch zur Kreidacher Höhe.  Immer wenn ein Mensch ermordet wurde, wurde laut Sage ein Kreuz aufgestellt. Deshalb wird die Stelle auch mit dem früheren Galgen auf der nahe gelegenen Höhe in Verbindung gebracht. Hier ging es für die Teilnehmer darum, den letzten Galgen Deutschlands zu verorten. Der steht nicht weit weg, in Beerfelden, und ist ein Denkmal von besonderer überregionaler Bedeutung.

Die Tour charakterisierte Schröder als sehr angenehm. Man wartete immer auf die etwas langsameren und war so als Gruppe unterwegs. Die Teilnehmer kamen aus allen Ecken der näheren und weiteren Region. Die Auswärtigen hielten sich nach Rückkehr noch einige Zeit auf dem Heimatfest auf, freute sich der ZKÜ-Geschäftsführer. Den ersten Preis beim Quiz gewann Hannes Schweickert aus Zwingenberg, gefolgt von Sabine Steinbeck (Gernsheim) und Reiner Schmid (Rimbach).

Eine neue Heimat für Millionen von Ameisen an der Wegscheide – Ganzes Volk wurde dorthin umgesiedelt

In drei blauen, großen Plastiktonnen verstecken sich ein paar Millionen. Ameisen. Wenn ihre bisherige Heimat bedroht ist, die geschützten Tiere einzugehen drohen, dann werden sie umgesiedelt. Und dann wird einer wie Siegfried Winkler gerufen, einer von nur sechs Ameisenschutzwarten in Südhessen. Der Mörlenbacher ist im ganzen Odenwald unterwegs. Er wird immer dann angefordert, wenn ein Volk gefährdet ist und „umgetopft“ werden muss. Oder, wie in Weiten-Gesäß, direkt an der Straße liegt und durch Umweltsünder in Mitleidenschaft gezogen wird.

Der Müll an der Straße ist der eigentliche Grund der Rettungsumsiedlung. „Die lieben Zeitgenossen“, ärgert sich Winkler, „werfen an dieser Stelle immer ihren Kram aus dem Auto, wodurch das Volk bereits Schaden genommen hatte“. Schon einmal war er dort zusammen mit Revierleiter Burkhardt Klose am Werk. Dieser hatte immer wieder die Zivilisationsreste aus dem Nest entfernt. Aber irgendwann ist einfach gut, es musste gehandelt werden.

Das Ameisenvolk wurde auf die Wegscheide an den Wanderweg Richtung Mossautal gebracht und an einer Station des informativen Waldlehrpfades ausgesetzt. Das Forstamt Michelstadt hatte dazu die Genehmigung bei der Unteren Naturschutzbehörde eingeholt. Auf Initiative von Büroleiter Jürgen Gießke war die Rettungsumsiedlung das erste Mal im vergangenen Jahr angegangen worden. Gießke war auch dieses Mal wieder dabei.

„Ich durfte den Umzug dann aufgrund meiner Ausbildung als ‚hessischer Ameisenretter‘ durchführen“, schmunzelte Winkler. Das letztjährige Volk überlebte den Winter, wanderte in der Zwischenzeit aber drei Mal weiter und ist vom Wanderweg aus nicht mehr zu sehen. Der ehemalige Birkenauer Förster hatte am Umsiedlungstag die neue Stelle bereits vorbereitet. Zusammen mit Emil Gölz, einem alten Schulfreund von Winkler aus Weiher, wurde das Ameisenvolk aus Weiten-Gesäß ausgesetzt.

Das Einfüllen am ursprünglichen Platz sei gar nicht so einfach, berichtete Winkler. Denn das Volk „sitzt auf einem Reisighaufen“. Erst einmal müsse das Reisig entfernt werden, „damit wir das Nestmaterial in die Tonnen bekommen“. Das sei „echte Arbeit“, meinte der Ameisenschutzwart augenzwinkernd.

Ein Erfolg sei fast sicher, „wenn es sich wie hier um die kleine rote Waldameise handelt“, sagte der 68-Jährige. Denn die habe mehrere hundert bis über 1000 Königinnen und sei Kolonien bildend. Im Gegensatz zur großen Schwester: die große rote Waldameise habe nur eine Königin – diese bei einem Transport zuerst zu erwischen und dann auch noch heil wieder auszusetzen, sei eine Herausforderung.

Waldinnen- oder -außenränder, sowohl mit Sonne als auch mit Schatten, seien als Standort optimal. Und die Nähe zu Fichte, Kiefer, Eiche, Lärche oder Weißtanne. In deren Nähe fühle sich die kleine rote Waldameise besonders wohl, weil sie auf den Bäumen Lauskolonien vorfinde. Diese würden gemolken und der damit gewonnene Honigtau zu einer der zahlreichen Königinnen gebracht.

„Auf der benachbarten Straße werden jährlich Tausende von Waldameisen überfahren“, weiß Winkler um die Situation in Weiten-Gesäß. Außerdem werde die kleine Ausweichstelle von Umweltsündern immer wieder benutzt, um dort Müll und Grünschnitt abzuladen – „was die Ameisen gefährdet“. Die dort in Zukunft zur Anpflanzung vorgesehenen Laubhölzer hätten kaum oder keine „Lecanien“ oder „Lachniden“, so der ehemalige Förster: Rinden- oder Schildläuse in ausreichender Anzahl, um die Ameisen zu ernähren. Die finden sich auf Nadelbäumen.

„Das kleine Zeitfenster für eine Umsiedlung ist jetzt im Frühjahr“, schilderte der Ameisenschutzwart die begrenzten Möglichkeiten. Dann, wenn die Königinnen nach der Winterruhe vom Nestgrund nach oben wandern, um Sonne zu tanken. „Jetzt kann man die etwa 200 erforderlichen Königinnen gut unter der Nestkuppe erwischen“, erläuterte Winkler. Um somit die Existenz des Nestes an einer neuen Stelle zu sichern.                   tom

 

 

Stichwort: Ameisenschutzwart

Ameisenschutzwart – ein eher ungewöhnlicher Beruf, eher eine Berufung. Der im Mörlenbacher Ortsteil Weiher wohnende Siegfried Winkler hat ihn im Rahmen seiner Ausbildung erlernt. „Vor über 40 Jahren habe ich meine erste Rettungsumsiedlung durchgeführt“, erzählt der ehemalige Birkenauer Revierförster. Damals im Zuge von Wegebaumaßnahmen im Bereich des Forstamts Herborn. Eine Population, die er zu späterer Zeit aus dem Taunus mit dem Kleinbus in den Odenwald karrte, „lebt heute noch in der Nähe des Höhenwanderwegs Weinheim-Buchklingen“.

Weit über 40 Rettungsumsiedlungen hat der 68-jährige Winkler im Laufe seiner Berufsjahre über die Bühne gebracht. Eigentlich ist er ja inzwischen schon im Ruhestand, hilft aber trotzdem gerne aus, wenn er angefragt wird. Die „Retter“ müssen eine entsprechende Fachausbildung vorweisen. Denn „Waldameisen sind streng geschützt“. Bevollmächtigte mit Lehrgängen bei den Ameisenschutzwarten „sind Voraussetzung“. Er besitzt die „Ausnahmegenehmigung“ für Eingriffe in die geschützte Ameisenwelt durchs Regierungspräsidium, veranlasst durch die Ameisenschutzwarte Hessen.

Irisches Flair auf grünen Odenwald-Hügeln: Die „Irish Voices“ starten mit 18 neuen Folksongs in die Konzertsaison 2017

Mit neuem Programm und neuem Tatendrang gehen die „Irish Voices“ in die Konzertsaison 2017. Zusätzlich den alten, bekannten, teilweise aus der Mottenkiste wieder hervorgekramten Liedern haben sich die vier Musiker über den Winter hinweg zahlreiche zusätzliche Stücke draufgeschafft, 18 an der Zahl. Zwölf sind aus dem vergangenen Jahr geblieben. Sieben Termine in der näheren Region stehen für dieses Jahr bereits fest. Start ist am 25. März in Ober-Abtsteinach.

Kaum spielen die vier ihre ersten Takte, verstummt immer das Stimmengemurmel im Saal. Gitarren, Geige, Bodhran, Tin Whistle, Querflöte, Banjo, Viola und Gesang sind zu hören. Johanna Boch, Simone Köhler, Siggi Winkler und Friederike Hornauer leben ihre Musik, versprühen bei den Auftritten irische und schottische Lebensfreude. „Wir machen traditionelle Musik wie vor 100 Jahren“, betont Winkler. Das Quartett ist mit so viel Spaß bei der Sache, dass es eine Freude ist zuzuschauen. Ein eingespieltes Team eben.

Balladen, fast schon a-cappella vorgetragen, mischen sich mit fetzigen Hornpipe-Songs aus den Pubs, bei denen die Zuhörer fast schon automatisch anfangen zu klatschen. Aktuelle Songs von irischen Popstars gibt es genauso zu hören wie alte, traditionelle Lieder, die mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel haben. In „Old Donn Cow“ geht es um einen Pub, in dem gerade die Feuerwehr des Ortes „tagt“, als dort ein Feuer ausbricht. Die Wehrleute flüchten aber in den Keller, um dort ungestört weiter zu trinken.

Mit „Caledonia“ ist eine wunderschöne „alte“ Ballade wieder im Programm mit dabei. Die 18 neuen Stücke sind sanft oder furios, ganz nach den jeweiligen Stimmungen. „Polly Vonn“ ist auch durch Chris de Burgh bekannt, den Shanty „Haul away Joe“ hat die Gruppe aus der „Irish Folk Music School“ mitgebracht. Bei der Eigenkomposition „Such a little time“ werfen die „Irish Voices“ einen sozialkritischen Blick auf unsere Welt.

Mit „A tell me ma“ kommt ein Klassiker aus irischen Pubs zu seinem Recht, „Morning of my life“ ist ein aus irischer Sichtweise „exotischer“ Song, den die Band jedes Jahr neu performt. Dazu werden die Mundartsongs immer wieder gefordert. „Wir schlagen gerne einen Bogen von der irischen zur heimatlichen Folklore mit einigen eigenen Mundartliedern“, kündigt Simone Köhler an.

„Tauchen Sie mit ein in die Welt der irischen Folklore, in die traditionelle und zeitgenössische keltische Musik, handgemacht und ohne technische Finessen“, fordert Friederike Hornauer die Fans auf. „Verspüren Sie den ‚Irish Spirit‘, mal melancholisch und sanft, mal laut und lebhaft, mit Gitarren, Fiddle, Querflöte, Bodhran und Whistle“, wünscht sich Johanna Boch. „Musik bedeutet für uns Kraft und Leichtigkeit tanken. Diese Energie geben wir gerne an unser Publikum weiter“, hebt Siggi Winkler hervor.

Die drei wechselnden oder gemeinsamen Frauenstimmen als Gegensatz zu Winklers tiefen Tönen, die Tin Whistle von Simone Köhler und die Geige entweder im Gegensatz oder gleichzeitig die Melodie spielend, machen den Reiz der einzelnen Stücke aus. Wenn die Instrumente einen Song vorantreiben, plötzlich von einer Strophe zur anderen einen Zahn zulegen, dann fühlen sich die Gäste ruckzuck in einen irischen Pub mit seiner besonderen Atmosphäre versetzt.

Neben der in den Songs thematisierten Auswanderung, die vor allem im 19. Jahrhundert die Grüne Insel schwer traf, steht auch immer der Widerstand gegen die Briten im Mittelpunkt der Tunes, Reels und Jigs. Oft zeigt sich darin die Kunst der Iren, aus einem Lied über ein trauriges Ereignis einen fetzigen Song zu machen. Der Wechsel zwischen getragenem Gesang hin zu einer flotten Melodie kennzeichnet ebenso etliche andere Lieder.

Start der Konzertreihe 2017 ist am Samstag, 25. März, im „Goldenen Bock“ Ober-Abststeinach. Weiter geht es am 22. April im Landgasthof „Zur Mühle“ in Weiher und am 20. Mai im Gasthaus „Zum Odenwald“ in Ellenbach. Beginn ist jeweils um 20 Uhr.

Kontakt: Siegfried Winkler, Hauptstraße 125, 69509 Mörlenbach-Weiher, E-Mail siggi.winkler@web.de, http://the-irish-voices.chapso.de

Mit „Thousand Years Later“ und der „Old School Band“ mischten zwei Gruppen aus dem Überwald die „Music Hall“ in Weiher auf

Da dürften dem Nikolaus gehörig die Ohren geklingelt haben: Mit „Thousand Years Later“ (TYL) und der „Old School Band“ mischten zwei Gruppen aus dem Überwald die „Music Hall“ auf, die in diesem Jahr bereits bei etlichen Auftritten für Aufsehen sorgten. Kaum ein Fest, kaum eine Kerwe ohne eine der beiden Bands, die mit ihrem druckvollen Sound und abwechslungsreichen Programm bestens zu unterhalten wissen. Allerdings leider in der Music Hall vor ein paar zu wenigen Gästen – die fetzigen Auftritte hätten viel mehr verdient gehabt.

Timo Walter, Sven Dörsam, Benedikt Breitwieser, Katharina Zink und Benedikt Staat von TYL, diesmal verstärkt mit Janina Becker aus Unter-Abtsteinach (Keyboards) spielten aktuelle Hits aus Rock und Pop, dazu Schlager und echte Klassiker. So gab’s Songs von Bon Jovi, Prince, Abba, Tina Turner, Peter Schilling, Beatles und anderen zu hören.

20 Songs umfasste das TYL-Repertoire. Zu Beginn hatte die Band etwas damit zu kämpfen, dass sich der Saal erst langsam füllte. Das tat der guten Stimmung, die von der Bühne rüberkam, aber keinen Abbruch. Die Gäste gingen bei den einzelnen Titeln, die diesmal rocklastiger als sonst waren, gleich voll mit. In bekannter Qualität und bewährter Manier brachten die sechs Musiker ihre Songs rockig-fetzig rüber, egal ob das Original schon so angelegt war.

Mit Sven Dörsams Gitarrenriffs wurde so aus manchem Titel schnell mal ein Abgeh-Stück, dem man den Ursprung kaum noch anmerkte. Mit lässigen Posen und guten Sound ging der Gitarrist zu Werke. Dass ihm die Riffs dabei so perfekt aus den Fingern flossen, trug zum guten musikalischen Gesamteindruck bei.

Gesanglich spielten sich Timo Walter und Katharina Zink die Bälle zu. Letztere etwa mit „Bring me some water“ von Melissa Etheridge. „Türlich türlich“ von Jan Delay war im Music-Hall-Set schon fast ein Exot, ansonsten frönt die Band auch gerne den deutschen Schlagern. So aber gab’s dann eher ein „Bed of Roses“ von Bon Jovi oder ein Rock’n’Roll-Medley mit Stücken von Chuck Berry, dem Electric Light Orchestra und Elvis Presley zu hören. Auch „Purple Rain“ von Prince stand für die etwas härtere Gangart des Programms. „Hey Jude“ von den Beatles läutete langsam das Finale ein, Tina Turners „Simply the best“ bereitete die Zuschauer auf die Zugabe vor, die mit einem knalligen „Proud Mary“ gerne gewährt wurde.

Die „Old School Band“ hatte sich für ihren Auftritt noch diverse Gastmusiker eingeladen, die die jeweiligen Sets unterstützten. Aber auch ohne ist die achtköpfige Truppe mit ihrem druckvollen Sound jedes Mal eine Freude für die Ohren. Wie der Name schon sagt, gibt’s „alte“ Blues-, Rock-, und Soulsongs der vergangenen 50 Jahre zu hören. Und das mit einer Spielfreude, der man genau anmerkt, dass die Musiker hier Stücke zelebrieren, die sie selbst gerne hören, mit denen sie aufgewachsen sind, hinter denen sie stehen und die sie leben.

Die große Besetzung sorgt dafür, dass die Gruppe ihre Songs schon fast in Form einer Big Band spielten kann. Mit Marco Ester (Trompete/Percussion), Andreas Staat (Trompete/Posaune/Percussion) und Bertram Arnold (Saxophon/Percussion) gibt es eine dreiköpfige Bläsersektion, die den einzelnen Stücken eine ganz besondere Dynamik verleiht und sie damit viel authentischer rüberkommen lässt als „nur“ in Standardbesetzung.

„Wir spielen, was uns Spaß macht und was wir selbst gerne hören“, beschreibt Sänger und Bassist Peter Beckenbach das Credo der Band. Mit Lars Ihrig (Schlagzeug), Steffen Gräber (Gitarre/Gesang/Bass), Markus Wehrle (Keyboard/Gitarre/Gesang) und Martin Gastetzki (Keyboard/Gesang) lässt er im Programm kaum einen bekannten Hit aus früheren Jahrzehnten aus. Da sind dann so Kracher dabei wie „Unchain my Heart“ von Joe Cocker, „Mustang Sally“ von den Commitments, „Long train running“ von den Doobie Brothers oder „All right now“ von Free.

Bei den „Sultans of Swing“ von den Dire Straits hört man mit geschlossenen Augen Mark Knopfler auf der Bühne seine Gitarre zupfen. Und das „Sweet home Chicago“ der Blues Brothers, kombiniert mit dem „Soul man“, kommt so volltönend rüber, dass sich die Zuschauer in den Konzertsaal aus dem gleichnamigen Film mit Dan Aykroyd und John Belushi versetzt fühlen.

Als Gäste hat sich die Old School Band einige bekannte Musiker eingeladen. Und auch „Newcomer“ wie Beckenbachs Sohn Robin, der bei den „Sultans of Swing“ und „Uptown Funk“ Schlagzeug spielt. Von der ÜWG-Big-Band kennt man bereits seine Fertigkeiten an den Drums. Marina, die Sängerin von „Good times, bad times“, ist etwa bei „Superstitious“ von Stevie Wonder mit dabei, Andreas Brabant von „Kir Royal“ bei „Sexy“ von Westernhagen oder „Sexbomb“ von Tom Jones.

Mit „Jorge, dem Schweden“ von Redrodelix wird „Black Magic Woman“ von Santana zelebriert. Frenetischer Beifall ist den Musikern gewiss, ohne Zugabe geht’s lange nach Mitternacht nicht von der Bühne. Wer dabei war, wusste, er hatte wieder einmal ein intensives, schweißtreibendes Konzert von acht Könnern auf ihren Instrumenten erlebt, die mit Herz und Seele bei der Sache sind.

Bluesrock, Funk und Soul „ist die Richtung, die uns am meisten liegt“, erläutert Beckenbach. Dabei wird aber nicht stur nachgespielt. „Andreas Staat schreibt einen extra Bläsersatz“, macht er deutlich, dass etwa die Hälfte der Titel auf die besonderen Bedürfnisse der „Old School Band“ umarrangiert würden. Alle Mitglieder hätten früher auch noch in anderen Gruppen gespielt. „Jetzt machen wir nur noch das, was uns gefällt“, meint der Bassist und Sänger. Mit Schwerpunkt in Abtsteinach kommt der Rest der Truppe aus Siedelsbrunn, Schönmattenwag, Weinheim und Heidelberg.

Von den Odenwaldhügeln direkt auf die Grüne Insel: Irish-Folk-Benefizkonzert für das Mörlenbacher Hospiz

Wenn sich Pat O’Connor die Geige schnappt, ans Mikro tritt und anfängt zu spielen, dann ist das, als hätte die Irin das Beamen erfunden. Die grünen Hügel des Odenwalds vor dem Landgasthof „Mühle“ wandeln sich plötzlich zu grasbedeckten, ebenfalls grünen, welligen Erhebungen auf der Atlantikinsel. Klänge, mal melancholisch, mal wieder vorantreibend, schwingen durch das Heuwagenzimmer, wo sich 75 Gäste zum Irish-Folk-Benefizkonzert zugunsten des Mörlenbacher Hospizes eingefunden haben.

Als am Ende ein Kassensturz bei der Spendenbox gemacht wird, sind sowohl die Musiker als auch Diakon Martin Huber von der Hospizgruppe mehr als zufrieden. Stolze 600 Euro kommen durch den unentgeltlichen Auftritt der acht Künstler zusammen. Das Publikum passte sich perfekt den Musikern an. Bei den oftmals traurigen Balladen konnte man eine Stecknadel fallen hören, im zweiten Teil mit seinen bekannten (Instrumental-)Stücken gingen die Leute aber auch kräftig mit. Rhythmisches Klatschen und langanhaltender Beifall war der verdiente Lohn für die Akteure.

Gitarre, Flöte und Geige sind die Instrumente Pat O’Connors. Neben ihrer leicht rauchigen Stimme, die den Songs eine ganz besondere Note geben. Da flirrt die Luft vor Authentizität, wenn sie das Schicksal der Auswanderer besingt oder die unerfüllte Liebe eines jungen Iren thematisiert, der sein Unglück im Alkohol und Spiel ertränkt, bis auch er auf die weite Reise nach Westen geht.

Schon im vergangenen Jahr war die Dublinerin zu Gast in Weiher, weil sie am Tag danach mit den meisten Teilnehmern zu einem Workshop für Irische Musik nach Elmstein fährt. Pat O’Connor lebt ihre Musik. Sie ist voll „drin“ in den einzelnen Reels, Jigs und Hornpipes, wie die verschiedenen Tunes (Musikstücke) genannt werden. Und steht sie mal nicht selbst vorn am Mikro, dann begleitet sie die Songs von der Bank aus – eine Vollblutmusikerin, die ihre Berufung lebt und sich in den Dienst der Mitmenschen stellt.

Denn Pat ist Musiklehrerin in Dublin und kümmert sich nebenbei um Kinder sozial schwächerer Eltern, holt sie von der Straße zu einer Art „musikalischen Früherziehung“. Sie opfert ihre karge Freizeit, um benachteiligte Kinder kostenlos zu unterrichten. Die Irin tourt „nebenher“ jedes Wochenende durch die vielen Pubs, ist bekannt als Session-Teilnehmerin und hat über 100 Stücke (instrumentale Reels und Jigs) komponiert.

Die Musik von der Grünen Insel will eigentlich immer eine Geschichte erzählen. Oft geht es um die bittere Armut in vergangenen Jahrhunderten, aber auch die Schlachten mit den Engländern, die Auswanderung über den Großen Teich, weil es zuhause nichts zu essen gab, oder die verlorene Liebe mit viel Herzschmerz. Am besten kann Letztere natürlich von einer waschechten Irin rübergebracht werden.

Traditionelle irische Töne, erdig, bodenständig, sind Pat O’Connors „Ding“. Sie bringt Emotionen in ihre Darbietungen, oft sehr temperamentvolle Stimmungen. Aber bei aller Nachdenklichkeit wären die Iren keine Iren, wenn sie nicht überall auch das Gute sehen würden. So gerät nach der herzergreifenden Ballade gleich das nächste Stück zum wilden Tanz, bei dem der Bogen über die Geigen-Seite fliegt oder sich die Finger auf der Tin Whistle fast verknoten.

Das traditionelle „Whiskey in the Jar“, in der Version von „Thin Lizzy“ zu Weltruhm gelangt, darf dabei ebenso wenig fehlen wie der „Drunken Sailor“ in der Zugabe mit seinen zahlreichen Strophen, wie denn jetzt mit dem armen betrunkenen Seemann verfahren werden soll. Aber ebenso „Washerwoman“ hat einen richtig schönen Drive, der – wie bei anderen Songs auch – die Gäste im ein um andere Mal zum Mitklatschen animiert.

Die bekannten „Hills of Connemara“, „Kilkelly Ireland“ oder der „Pub with no beer“ sind nur einige der vielen anderen Lieder, die an diesem Abend gespielt werden. Zu allen Songs gibt es immer die eine oder andere Geschichte, die neben Siggi Winkler auch Simone Köhler erzählt. Heike Mauelshagen, ebenfalls an Gitarre, Gesang und Flöte, gehört wie Heinz Thieme und Friederike Weyrauch zu den auftretenden Künstlern.

Mehr Bilder gibt’s hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1214428518601295.1073741952.100001024761983&type=1&l=c5f4471c76

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Am 29. Juli: Irish Folk in Weiher zugunsten des Mörlenbacher Hospizes

Irische Musik zugunsten des Hospizes in Mörlenbach: Am Freitag, 29. Juli, veranstalten die „Irish Voices“ zusammen mit einigen renommierten Gastmusikern ein Benefizkonzert. Um 20 Uhr geht es im Heuwagenzimmer des Landgasthofs „Zur Mühle“ los. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Folk-Quartett aus dem Odenwald dort mit großem Erfolg zugunsten der irischen Musikschule von Pat O’Connor in Dublin gespielt.

Die Ausnahmekünstlerin auf der Geige, die die irische Musik wie keine andere lebt, hat sich auch für dieses Jahr wieder angekündigt, um die hiesigen Aktiven tatkräftig zu unterstützen. Protagonisten des Abends sind neben Mitgliedern der „Irish Voices“ verschiedene andere Folk-Musiker aus der Umgebung. Heinz Thieme aus Mörlenbach ist oft überregional in Irish Pubs auf   Sessions unterwegs. Er hat einiges an Erfahrung als „singender und spielender Alleinunterhalter“ vorzuweisen und war auch bereits in Irland musikalisch auf Reisen.

Musiklehrerin Friederike Weyrauch ist Kopf der Folk-Gruppe „Cadanse“ in Jugenheim und kommt ebenfalls nach Weiher. Sie widmet sich der deutschen und europäischen Folklore, wird aber mit ihrer ausgebildeten Stimme an diesem Abend auch irische Balladen singen.  Sie werden, wie im vergangenen Jahr mit Banjo und Gitarre „bewaffnet“, die besondere Musik der „Tunes“, der originalen Instrumental-Musik aus den Pubs, in Form von Reels und Jigs zum Besten geben.

Simone Köhler wird im Wechsel mit Heike Mauelshagen und Siggi Winkler mit der gezupften Gitarre, Tin Whistle und ihren Stimmbändern für Abwechslung sorgen. Mit der Bodhran, der irischen Rahmentrommel, wird Winkler überall dabei sein, wo es notwendig und sinnvoll erscheint. Als Kenner der Szene, der schon etliche Male in Irland war und in den dortigen Pubs musizierte, führt er daneben launig durch das Programm.

Die Hauptorganisatoren des Abends, Simone Köhler und Siegfried Winkler, haben die Zusage aus Dublin, dass Pat O‘Connor als „Special Guest“ wieder dabei sein wird. Pat ist Leiterin einer Dubliner Musikschule, als Vollblutmusikerin tourt sie an den Wochenenden durch Irland und spielt in den Pubs des ganzen Landes. Ihre Stärken liegen bei der irischen Fiddle und der Tin Whistle, aber sie singt auch gerne irische Balladen.

O’Connor ist in vielen Landesteilen bekannt als Session-Teilnehmerin und hat über 100 Stücke (instrumentale Reels und Jigs) komponiert. Traditionelle irische Töne, erdig, bodenständig, sind ihr „Ding“. Sie bringt Emotionen in ihre Darbietungen, oft sehr temperamentvoll Stimmungen. Sie stammt aus einer Musikerfamilie. Mehrere Generationen vor ihr waren schon in Irland musikalisch unterwegs. Ihr Sohn Brian spielt Uilleanpipe, den schwer zu lernenden „Irischen Dudelsack“, der viel leiser, viel feiner klingt als der schottische.

Es ist ein stimmungsvoller Folkabend mit viel Improvisation und Spontanität ist zu erwarten.  An diesem Abend bringen die verschiedenen Musiker ihre ganz eigenen Einflüsse mit ein. Es gibt eigene Songs zu hören, aber auch im Zusammenspiel mit den anderen ganz neue Improvisationen. Wer die irische Musikalität kennt, weiß, dass sich daraus Überraschendes, Einmaliges und bisher noch nicht Gehörtes entwickeln wird.

Das Folkquartett „The Irish Voices“ gibt es seit elf Jahren. Mittlerweile umfasst das Repertoire der Gruppe über 150 überwiegend traditionelle, aber auch zeitgenössische Songs, Reels and Jigs. Dazu gesellen sich aber auch viele „exotische“ Titel wie „Halleluja“ von Leonard Cohen oder „My heart will go on“ sowie Folksongs aus der BlueGrass-Szene. Eine Spezialität sind einige eigene Folks, besonders eigene oder überlieferte Odenwälder Mundartsongs.

Bei der Hospizhilfe Mörlenbach, der Caritas-Sozialstation angegliedert, handelt es sich um eine Gruppe von Menschen, die Schwerkranke und Sterbende in der letzten Lebensphase begleitet sowie Angehörigen und Freunde unterstützt. Man versteht sich als ergänzende Hilfe zu den bestehenden Diensten von Sozialstationen, Krankenhäusern, Altersheimen und Pfarrgemeinden. Die Ehrenamtlichen respektieren jeden Menschen in seiner Einzigartigkeit, unabhängig von Religion und Weltanschauung. Man arbeitet mit Senioren- und Pflegeheimen zusammen.

Info: Irish-Folk-Benefizkonzert Freitag, 29. Juli, 20 Uhr, Landgasthof „Zur Mühle“ in Mörlenbach-Weiher. Vorreservierungen bis 15. Juli unter 06209/1634 in der Gaststätte.