Ein rockiges Oktober-Wochenende

Dem Odenwald steht ein rockiges Wochenende bevor. Zuerst sind die Nord-Metaller von „Mob Rules“ mit ihren Gästen von „Mystic Prophecy“ am Freitag, 11. Oktober, in der Live Music Hall Weiher zu Gast. Am Tag drauf steigt das Rocktoberfest unter anderem mit AC/DC- und Onkelz-Covers. Hochkarätig liest sich am Sonntag, 13. Oktober, die Besetzung von Damian Wilsons Band, der Mitglieder von Within Temptation, Ayreon und Threshold im Gepäck hat.

„Mob Rules“ feiert am Freitag ab 20 Uhr ihr brandneues Live-Album „Beast Over Europe“, das am 13. September erschien. Die Band ist gerade zurück von zwei erfolgreichen Tourneen durch die Metropolen Europas und begeht ihr 25. Jubiläum. Die sechs Mitglieder der Power Metal-Band sind durch ihre lebendige und mitreißende Live-Performance bekannt. Zur Wahnsinnsenergie kommen kraftvolle Songs. Die aktuelle Live-Show bietet geliebte Klassiker und neuen Songs.

Mitgebracht haben sie die Melodic Metaller von „Mystic Prophecy“. Die Band wurde 2000 von Sänger Roberto D. Liapakis (Valley’s Eve) zusammen mit Martin Albrecht (Valley’s Eve, Stormwitch, Rough) gegründet. Kurz darauf kamen Drummer Dennis Ekdahl sowie als wohl bekanntestes Bandmitglied Gitarrist Gus G. hinzu, der die ersten drei LPs mit der Gruppe aufnahm. Später wechselte er zur Band von Ozzy Osbourne und wurde durch dieses Engagement bekannt. Danach gab es zahlreiche Wechsel in der Besetzung. In den Songs sind Elemente des amerikanischen Power Metals sowie auch des klassischen Heavy und Thrash Metals zu erkennen.

Edelweiss mit AC/DC-Covers, Unherz, Serpentin mit Onkelz-Covers und Explizit gestalten am Samstag, 12. Oktober, das „Rocktoberfest“. Los geht es um 20 Uhr. Es gibt aber nicht die üblichen AC/DC-Stücke zu hören. Nicht nur die Idee, die Musik mit eigenen deutschen Texten zu verbinden, auch das bayrische Outfit und der Alpenstyle zeugen vom Einfallsreichtum von Edelweiss. Die Texte sind aus dem täglichen Leben gegriffen. So wird etwa aus dem AC/DC Song „Shoot to thrill“ schnell mal ein „Hax´n grilln“.

Bekannte Rock-Freunde bringt Damian Wilson am Sonntag, 13. Oktober, 20 Uhr, mit nach Weiher. Mit dabei in der Live Music Hall sind an der Gitarre Ruud Jolie (Within Temptation), am Bass Johan van Stratum (Ayreon, Stream Of Passion, Vuur), an den Drums Mike Coolen (Within Temptation) und am Piano Andrew Holdsworth. Wilson arbeitete in den vergangenen Jahren unter anderem mit Headspace, Threshold, Ayreon und Rick Wakemans English Rock Ensemble zusammen, also der Creme de la Creme der Progressive-Rock und -Metal-Szene.

Er ist bereits auf über 70 verschiedenen Albumveröffentlichungen zu hören und ein mehr als gefragter und hochgelobter Rock-Sänger. Genau zu seinem 50. Geburtstag am 11. Oktober, in dessen Rahmen auch die Tour stattfindet, erscheint seine neue EP „Thank You – The Holdsworth Sessions“. Der Engländer veröffentlichte bisher fünf Solo-Alben und ist außerdem mit Adam Wakeman in einem Akustik-Projekt aktiv.

 

 

Info: Das komplette Programm, Details zu den Bands und Anfangszeiten sowie Kartenpreise unter http://www.live-music-hall-weiher.de/events/

Werbeanzeigen

Saisonabschluss der „Irish Voices“

Die „Irish Voices“ sind im musikalischen Endspurt für dieses Jahr. Zwei Konzerte stehen noch aus. Eines am Samstag, 26. Oktober, zu viert in Birkenau-Buchklingen im „Grünen Baum“. Beginn ist dort um 19 Uhr. Das andere am Samstag, 9. November, zu zweit im „Cafe Rosengarten“ Weinheim, Spitalgässchen 7. Irische Tunes, Reels und Jigs, aber auch Odenwälder Mundart werden von Siggi Winkler und Simone Köhler an diesem beiden Terminen geboten. Dazu kommt eine Gottesdienst-Begleitung am Volkstrauertag.

Mit Heike und Rüdiger Mauelshagen ist in Buchklingen am 26. Oktober ein Ehepaar dabei, das musikalisch seit einigen Jahren auch in der Folk-Rock-Band „YOI“ aktiv ist. Bei den „irish Voces“ haben sich beide „den sanfteren Tönen angepasst“, schmunzelt Siggi Winkler. Rüdiger Mauelshagen spielt die Rahmentrommel Bodhran, sein Frau Heike singt mit rauchiger Stimme die irischen Klassiker, spielt die Westerngitarre und die Low Whistle.

„Sie sind eine Bereicherung für uns“, freut sich Winkler, nachdem die Geigerin der Truppe krankheitsbedingt ausfiel. Der Abend ist dreigeteilt. Zunächst gestalten Simone Köhler und er zehn Lieder, dann gibt es in der Kombi Köhler/Mauelshagens acht Songs und Tunes zu hören, ehe danach wieder das Duo Winkler/Köhler auftritt. Den Abschluss gestalten die Musiker zu viert.

Die Band hat neue Lieder im Gepäck: So etwa „Fiddlers Green“, in dem ein alter Fischer sein Ende kommen sieht und den Fischerhimmel recht „irdisch“ beschreibt. Oder den Folksong „Deportees“ aus den USA, erstmals im Programm. Er beschreibt einen Flugzeugabsturz an der Grenze zu Mexiko, bei dem alle Landarbeiter aus dem südlich angrenzenden Land ums Leben kommen. Aber für die US-Medien waren es ja nur „Deportees“.

„O‘ Carolans welcome“ ist ein sehr schöner Tune, nur auf der Low Whistle gespielt. Bei „Kelly, the boy from Killane“ handelt es sich um ein sehr altes Lied vom Aufstand der „United Irishmen“ im Jahre 1798. Dazu gibt es populäre Pubsongs wie „Tell me ma“, „God save Ireland“, „Spancil Hill”, und „The Town I loved so well” zu hören.

Der „Grüne Baum“ hat eine schöne Bühne, weiß der Musiker. „In den letzten Jahren waren die dortigen Auftritte immer sehr gut besucht.“ Bekannte und weniger bekannte, teilweise sehr alte Songs und Tunes aus Irland, Schottland und in Mundart werden zu hören sein. „Unser Anspruch ist der gut verständliche Text der Lieder“, betont Winkler. Daher sind die traditionellen Instrumente nie zu laut verstärkt, „was immer wieder dankbar registriert wird“. Reservierungen werden unter Telefon 06201-21153 entgegengenommen.

Am 9. November sind die „Irish Voices“ als Duo im „Café Rosengarten“ zu Gast. Das kleine Café war im vergangenen Jahr „zu unserer Überraschung rappelvoll und wir hatten dort ein tolles Publikum“. Deshalb ist auch hier eine Reservierung unter Telefon 06201-12429 angebracht. Last but not least wird die Gruppe am Volkstrauertag, 17. November, den Gottesdienst in der evangelischen Kirche Birkenau-Niederliebersbach mit angepassten Liedern begleiten. Beginn: 18 Uhr.

Wie wenn Ozzy auf Dio trifft

Eine Rock-Ikone im Odenwald: Jutta Weinhold mischte mit ihrer Band „Velvet Viper“ die Live Music Hall Weiher auf. Wenn Ozzy Osbourne, der (ehemalige) Sänger von Black Sabbath, als „Prince of Darkness“ tituliert wird, dann kann sie sich mit Fug und Recht seine „Princess“ nennen. Denn in Mimik und Aussehen gleicht die ehemalige Shouterin von „Zed Yago“ ihm wie ein Ei dem anderen. Von weit her waren die Fans gekommen, um ein Urgestein des deutschen Hardrocks live zu erleben.

Schwarze Kleidung, schwarze Fingernägel, schwarze, lange Haarmähne und schwarze Augen: Jutta Weinhold macht einen auf mystisch. Die Anklänge an den ein Jahr jüngeren Osbourne sind unübersehbar. Richtig gelesen: Der britische Hardrock-Star ist jünger als Weinhold, der man ihre bald 72 Lenze in keiner Phase des Konzerts anmerkt. Sie hat eine enorme Bühnenpräsenz, spielt mit dem Publikum und ist stimmlich super drauf.

Aus dem Kreis der Mitmusiker sticht noch Gitarrist Holger Marx heraus, der auch am Songwriting beteiligt ist. Er macht ebenfalls einen auf düster und erinnert ein wenig an Riff Raff aus der „Rocky Horror Picture Show“. Das diabolische Duo wird unterstützt von Micha Fromm (Schlagzeug) und Johannes Möllers (Bass), die beide wie die fleißigen Bienchen ihre Arbeit tun und für den treibenden Sound der Songs sorgen.

Alles ist auf Weinhold zugeschnitten. Sie beherrscht die ganz großen, dramatischen Posen, die weit ausholenden Bewegungen, nutzt die komplette Bühnenbreite. Bei ihr wird ein Song nicht einfach nur gespielt, sondern regelrecht zelebriert. Sie liefert eine Riesen-Show ab. Passt sie vom Aussehen her zu Ozzy Osbourne, so lassen sich Lieder, Inhalte und Themen mit dem unvergessenen Ronnie James Dio vergleichen, der neben Rainbow auch mal bei Black Sabbath am Mikro stand.

Auch der, bereits vor einigen Jahren verstorben, war ein Meister der Mystik, baute Fantasy- und Götter-Themen in seine Texte ein. Ganz abgesehen von seiner wohl unerreichten Rock-Stimme, der heute noch viele andere ohne Erfolg nacheifern. Das ist es, was Velvet Viper aus dem Einerlei der Heavy-Metal-Bands abhebt: Weinhold rattert nicht die üblichen Texte von Liebe, Leid und Herzschmerz runter, sondern lässt ganze Welten auferstehen. Sie ist eine begnadete Geschichtenerzählerin.

Die Anfänge dazu gab’s schon Ende der 80er Jahre mit der Band „Zed Yago“. „From Over Yonder“ und „Pilgrimage“ hießen die beiden Alben, denen dann weitere zwei bereits als „Velvet Viper“ folgten. Dann war erst einmal Pause: 27 Jahre lang, ehe Weinhold die Gruppe vor zwei Jahren reformierte. „Respice Finem“ (2018) knüpft als CD nahtlos dort an, wo sie Anfang der 90er aufhörte. Allein der zehnminütige Titeltrack, beim Konzert natürlich auch gespielt, ist ein Erlebnis. Die Shouterin ist ganz in ihrem Element, entführt die begeisterten Fans in ihre Traumrealitäten.

Für die gab’s an dem Abend ein besonderes Schmankerl: Einige Songs des erst Ende des Monats erscheinenden neuen Albums „The Pale Man Is Holding A Broken Heart“. Weinhold und Marx widmen sich darin der nordischen Mythologie mit „One Eyed Ruler“ über den Gottesvater Odin. Nicht nur bei „Confuse And Satisfy“ kann der Gitarrist zeigen, was er auf den sechs Saiten drauf hat. Wobei das manchmal doch zu sehr Richtung Finkerpicking zulasten der Melodie geht.

Was aber den Gesamteindruck nicht schmälert: Hier ist eine Rock-Legende wieder auferstanden und quicklebendig, die viel zu lange nichts von sich hören ließ. Lange dauerte es, schmunzelt Weinhold, bis sie sich mit „Caschi“, Carsten Piwko von der Live Music Hall, einig wurde. Doch zum Glück hat’s geklappt. Was auch den Betreiber freute, der ganz ehrfürchtig von der Grande Dame des Heavy Metals in seinen heiligen Hallen spricht.

Ob „Shadow Ryche“, „Wintertime“, „Dangerous“ oder „Fraternize with Rats“: Es gibt zahlreiche Songs von der letztjährigen Revival-CD zu hören. Dazu angereichert mit „Merlin“ über den keltischen Druiden oder den an Wagner angelehnten „Parsifal“ aus dem 1991er Velvet Viper-Debüt. Die große, wörtlich zu nehmende Familie dankt es ihr. Denn Weinhold stammt aus Essenheim in der Nähe von Mainz. Nichten und Neffen sind zu Besuch.

Mehr als nur eine Vorband waren „Last Jeton“. Saskia Hedzet (Lead Vocals), Roman Gerstner (Drums), Volker Claus Maria Roth (Bass, Background Vocals) und Dominik Galsheimer (Guitar) bieten harten Rock ohne Schnörkel, aber durchgängig melodiös und mit vielen eigenen Akzenten. Frontfrau Hedzet hat eine begnadete Stimme und singt alle(s) in Grund und Boden. In Sachen kompositorischer Einfallsreichtum können die vier mit dem Hauptact locker mithalten.

Rock-Legende Jutta Weinhold im Odenwald

„Velvet Viper“ sind zurück. Die reanimierten Mitbegründer des Dramatic Metal um Rock-Legende Jutta Weinhold (früher „Zed Yago“) kommt in die Live-Music-Hall nach Weiher. Am Freitag, 4. Oktober, 20 Uhr, ist Weinhold mit der reformierten Band und neuem Album zu Gast. Seit der Wiedergründung liefert die Gruppe aufs Neue bekannte Geschichten und uralte Mythen, verpackt in harte Sounds und bemerkenswerte Vocals.

Nachdem sich Zed Yago 1990 getrennt hatte, wollte Jutta Weinhold, die schon mit Udo Lindenberg und der Band Breslau auftrat, an diese musikalische Vergangenheit anknüpfen. Nach einer 27-jährigen Ruhephase erwacht Velvet Viper nun zu neuen Taten. Die Band bewegt sich im Genre des Dramatic Metal, welches zwischen klassischem und Power Metal einzuordnen ist.

Weinhold und ihre Mitstreiter lassen sich nicht durch Genre-Bezeichnungen einengen. Epische Geschichten in einer für das Genre untypischen, weiblichen Betrachtungsweise verbinden sich mit klassischer Musik und Poesie. Das Ergebnis ist ein Heavy-Metal-Epos, das eine der besten Sängerinnen des Genres voller Energie und Leidenschaft vorträgt.

Mit Gitarrist Holger Marx wurden bei der Reformierung elf Songs komponiert und von einem der großen Meister des Metal, Kai Hansen (Gamma Ray, Helloween), produziert. Musikalisch ist erneut klassischer Heavy Metal mit unkonventionellen Extras angesagt, der oft heftig-schleppend groovt, um hin und wieder in höhere Temporegionen auszubrechen und der Tradition der New Wave of British Heavy Metal Tribut zu zollen.

Der aktuelle CD-Titel „Respice Finem“ ist Teil eines alten lateinischen Ausspruchs, der auf eine noch ältere griechische Fabel zurückgeht. Ende Oktober soll das neue Album von Velvet Viper erscheinen. Davon ist sicher das eine oder andere Stück beim Konzert zu erwarten.                       tom

 

Info: Das komplette Programm, Details zu den Bands und Anfangszeiten sowie Kartenpreise unter http://www.live-music-hall-weiher.de/events/

Filigraner Finne mit viel Freude

Ben Granfelt. Wer? Genau, das war das Problem beim Auftritt des rockigen Finnen mit seiner Band. Seinen Namen kennen selbst eingeschworene Rockfans kaum. Dabei handelt es sich bei dem 56-Jährigen um einen herausragenden Gitarristen, der schon etlichen bekannten Gruppen seine sechs Saiten lieh, aber auch immer solo, mit seiner eigenen Band unterwegs ist. Wie jetzt in der Live-Music-Hall, wo er ein aufsehenerregendes Konzert ablieferte, das die leider zu wenigen Fans restlos begeisterte.

Granfelt ist ein Meister der melodischen, aber trotzdem sehr rockigen Gitarrentöne. Man wird nicht müde, seinen Songs zuzuhören, die er immer wieder variiert, jedem Stück einen anderen Touch gibt, sodass nie eines dem anderen gleicht. Okko Laru am Schlagzeug und Masa Maijanen am Bass verleihen den Liedern einen fundierten Rhythmus, treiben sie voran, bringen Power rein, sodass selbst die Ballade einen ordentlichen Drive hat.

Wenn man Granfelts musikalische Vita anschaut, wird schnell klar, dass hier einer auf der Bühne steht, der sein Handwerk bis ins Effeff beherrscht. Als aus der fiktiven Film-Band „Leningrad Cowboys“ eine echte wurde, war Granfelt in den 90ern bereits dabei. 1993 spielte die Gruppe in Helsinki vor 70.000 Menschen „The Total Balalaika Show“. Granfelt schrieb auch die meisten originalen Leningrad Cowboys-Songs.

Vor 70.000 in Helsinki, jetzt vor nicht einmal 70 in Weiher: für den Finnen kein Problem. Er lieferte mit „My Soul To You“ vor kurzem bereits sein 16. Solo-Album ab und bewies mit seinem riesigen Erfahrungsschatz, gepaart mit virtuosem Gitarrenspiel, erneut seine Stellung als Ausnahmemusiker. Sein Melodic Rock mit vielen Blues-Elementen sticht durch das perfekte Gefühl für Tempo und Atmosphäre heraus. Genau das brachte er 2001 bis 2004 auch bei den Kult-Rockern von „Wishbone Ash“ ein und spendete den britischen Rock-Veteranen frisches Gitarrenblut.

Das Power-Trio auf der Hall-Bühne hat sichtlich Spaß beim Auftritt, albert herum, lacht über eigene Unzulänglichkeiten, radebrecht ein wenig Deutsch, lässt sich nicht anmerken, dass man sonst vielleicht vor mehr Leuten spielt. „Mind your Head“ als Opener ist bestens geeignet, den Odenwäldern zu zeigen, wie die Finnen rocken können. Wummernder Bass, fetziges Schlagzeug, dazu eine Gitarrenarbeit, die ihresgleichen sucht und in einem exzessiven Solo zum Ausdruck kommt: Das macht viel Lust auf mehr und wird nicht enttäuscht.

Granfelt hat sie einfach alle drauf, die verschiedenen Spielarten des rockigen Blues oder bluesigen Rock. „Open Road“ ist ein solches, eher verhaltenes, mit schweren Klängen, stampfender Bassdrum und monotonen Basstönen startendes Stück, das aber nicht lange in seiner Melancholie verharrt. Dazu spielt der 56-Jährige einfach einen zu flotten Stil, als dass ein Blues bei ihm in Trübsal ausarten könnte.

Spätestens wenn er sich die einzelnen Töne aus dem Sechssaiter herauspickt, sie förmlich zelebriert und bis zum letzten Hall auskostet, geht die Post ab. Granfelt ist dabei zum Glück kein Saitenakrobat, dem es darum geht, sein Instrument möglich hell jaulen und laut kreischen zu lassen. Er ist ein filigraner Techniker, der immer melodiös, einprägsam, zu Werke geht. Seine Soli bleiben im Ohr, verschwinden nicht gleich wieder wie die von manchen Kollegen. Der Finne ist kein Freund flitzender Finger.

Noch keinen Namen hat ein Instrumental, das er während ein paar Off-Tagen in Hamburg schrieb. Es wird aber sicher einen bekommen und auf einer Platte landen, denn Granfelt versteht es auch ohne Gesang, mit Anklängen an den Gitarrenhexer Joe Satriani ein paar eingängige Hooks aneinander zu reihen. Das hat einfach Power, ist lebendig, wo Satriani manchmal sehr technisch rüberkommt. Dazu noch ein paar Scherzchen über die Mitte der aktuellen Tour („Morgen ist Waschtag“), und fertig ist das sympathische Finnen-Trio, dessen Van draußen parkt und mit dem es auf Detuschland-Tour ist.

„Wayward Child“ ist ein angenehm temperierter Midtempo-Stampfer, während „Faith, Hope, Love“, ein Wishbone Ash-Stück, als Rocksong alter Strickart die Töne durch den Saal schweben lässt. Die „Hall“ gefällt Granfelt, das merkt man. „Good sound on Stage“, lobt er, ein guter Sound auf der Bühne der „Good old style Rock Venue“, des Rockschuppens aus der guten alten Zeit.

Zum Schluss nimmt sich Granfelt mit seinen Mannen Zeit für Jammen: Bei „Almighty Blues“ und „Going Home“, dem letzten Stück, sind die Drei voll in ihrem Element, überbieten sich fast auf den Instrumenten. Das macht einfach nur tierisch Spaß, einer Band zuzuschauen, die dermaßen gut drauf ist. Da glaubt man es dem Finnen aufs Wort, wenn er davon redet, schon mit elf Gitarrenhero werden zu wollen. „Jeden Morgen beim Aufstehen spricht mein Instrument zu mir“, sagt er. Zum Glück lässt er die Fans in der Hall an diesen Zwiegesprächen intensiv teilhaben.                                        tom

Die neue Saison in der „Hall“ startet

Die Sommerpause ist vorbei, jetzt wird wieder gerockt. In allen Facetten, von poppig bis ganz hart. An diesem Freitag, 20. September, startet die Live-Music-Hall Weiher in ihre neue Saison und hält dabei bis zum Jahresende für die verschiedenen Musik-Geschmäcker eine große Vielfalt bereit. Beatles- und Journey-Cover sind ebenso dabei wie melodischer Metal bis hin zu brachialen Klängen, die das Trommelfell energisch bearbeiten.

Mit „Evertale“ und „Thornbridge“ haben sich zwei der momentan spannendsten, deutschen Bands im Bereich Power-Metal zusammengetan, um auf eine Rundreise zu gehen. Für das Gastspiel in der „Hall“ haben sie sich mit „Tyrant Eyes“ die Lokalmatadoren aus Mörlenbach als Support mit ins Boot geholt. Beginn ist am morgigen/heutigen Freitag um 19.30 Uhr.

Evertale haben bislang zwei Alben veröffentlicht. Das jüngste trägt den Namen „The Great Brotherwar“ und hat die Band unter anderem auf das „Bang Your Head“ Festival, die „70.000 Tons Of Metal“-Kreuzfahrt und eine Tour mit Van Canto gebracht. Thornbridge, die Jungs aus dem Frankfurter Raum, haben ebenfalls zwei Alben am Start. Jüngst waren sie auf Tour mit „Rhapsody Of Fire“. Ihr Power-Metal ist noch ein Stück epischer als bei Evertale.

Ein Leningrad-Cowboy ist auf den Odenwald-Hügeln unterwegs. Ben Granfelt ist am Dienstag, 24. September, 20 Uhr, auf seiner „My Soul“-Tour, die ihn auch nach Weiher führt. Bei den bekannten Cowboys war er nicht nur Gitarrist, sondern auch Hauptsongschreiber. Der finnische Altmeister liefert bereits sein 16. Solo-Album ab und beweist mit seinem riesigen Erfahrungsschatz, gepaart mit virtuosem Gitarrenspiel, erneut seine Stellung als Ausnahmemusiker. Sein melodischer Rock mit vielen Blues-Elementen sticht durch sein großes Gefühl für Tempo und Atmosphäre heraus.

„Velvet Viper“ sind zurück. Die Mitbegründer des Dramatic Metal um Rock-Legende Jutta Weinhold (früher „Zed Yago“) machen sich erneut auf, die Bühnen zu stürmen. Seit der Wiedergründung 2017 liefert die Band wieder bekannte Geschichten und uralte Mythen, verpackt in harte Sounds und großartige Vocals. In der Live Music Hall sind sie am Freitag, 4. Oktober, 20 Uhr, zu Gast.

Am Freitag, 11. Oktober, spielen die Nord-Metaller „Mob Rules“ um 20 Uhr in Weiher. Nach ihrer Chartplatzierung sowie Europa- und UK-Tour, feiert die Band das brandneue Live-Album „Beast Over Europe“. Special Guest des Abends sind die Melodic Metaller von „Mystic Prophecy“.

Progressive Rock ist angesagt, wenn Damian Wilson mit seiner Allstar-Band auf Tour kommt. Der viel gebuchte Sänger (Treshold, Ayreon) hat Ruud Jolie (Within Temptation) an der Gitarre dabei, dazu den Bassisten Johan van Stratum (Ayreon, Stream Of Passion, Vuur), Schlagzeuger Mike Coolen (Within Temptation) und Andrew Holdsworth am Keyboard. Um 20 Uhr geht es am Sonntag, 13. Oktober, los.

Bei „The Unity“, die am Freitag, 1. November, zu Gast sind, merkt man, dass alte Hasen zu Werke gehen. Die Gamma Ray-Mitglieder Henjo Richter (Gitarre) und Michael Ehré (Drums) gründeten 2016 die Nebenspielwiese, um ihre Vorliebe für Hardrock mehr auszuleben als dies die Stammband zulässt. Das hanseatische Metal-Urgestein Richter zockte auch schon mit Avantasia auf „The Metal Opera“, während Ehré die Stöcke für Firewind, Axel Rudi Pell und Unisonic schwang. Beginn: 20 Uhr.

Mit „Lacrimas Profundere“ stellt sich ein angesagter Gothic-Rockact am Montag, 18. November, in der Live-Music-Hall vor. Ende November schlägt die Stunde der Covers. Erst huldigen „Journeye“ am Samstag, 23. November, der Musik der amerikanischen AOR-Heroen Journey, ehe es dann am Freitag, 29. November, „Help!“ heißt: Die Beatles Tribute Band ist zu Gast.

Info: Das komplette Programm unter http://www.live-music-hall-weiher.de/events/

Der einheimische Bläuling leidet besonders unter dem Klimawandel

„Die Insektenpopulationen sind dramatisch auf dem Rückzug“, weiß der Weiherer Hobby-Entomologe Siegfried Winkler, der sich dem Thema bereits ein knappes halbes Jahrhundert widmet. Für den ehemaligen Förster war und ist die heimische Natur mit ihrer Artenvielfalt schon seit jeher nicht nur Beruf, sondern Passion. Aktuell macht er die Gefahr für das Fortbestehen etwa von Schmetterlingen Arten am stark bedrohten Wiesenknopf-Ameisenbläuling fest.

Es gibt in der Region den hellen und der dunklen Ameisenbläuling. Bei Weiher, Schlierbach und Wahlen sind laut Winkler Wiesen bekannt, die in Jahren mit normalen Niederschlägen diesen seltenen, europaweit besonders geschützten Arten eine Heimat geben. Die kleinen Bläulinge fliegen im Juli. Sie legen nach der Paarung ihre Eier in der Blüte des „Großen Wiesenknopfes“. Dort entwickelt sich das kleine Räupchen bis zur dritten Häutung.

Danach lässt sich die kleine Raupe auf den Boden fallen. Dort wird sie von einer bestimmten Ameisenart gefunden und ins Nest getragen. Hier wird nun aus dem Veganer ein Fleischfresser. Die Raupe lebt fortan von der Ameisenbrut. Etwa 600 Larven und Puppen vertilgt sie im weiteren Verlauf ihres Lebens. Bei dieser Symbiose profitieren die Ameisen von einem zuckerhaltigen Sekret, das die Raupe abgibt. Im nächsten Jahr schlüpft der Falter im Ameisennest, muss sich dann aber sputen, dieses zu verlassen, da die Ameisen jetzt keinen Nutzen mehr verspüren und ihm nachstellen.

Der „Große Wiesenknopf“ entwickelt sich auf wenig gedüngten Feuchtwiesen nach der ersten  Mahd, nach der Heuernte Ende Mai/Anfang Juni. Der Zeitpunkt ist für Winkler entscheidend für das Vorkommen der Schmetterlinge. Erfolgt die Mahd zu spät, kann die Pflanze ihre Blüte nicht mehr entwickeln.

Das passiert aber leider auch, wenn nach der Mahd eine Trockenperiode das feuchtigkeitsliebende Gewächs ausbremst. Ohne Blüte haben die eierlegenden weiblichen Falter keine Chance, ihre Fracht los zu werden. „Das ist leider die momentane Situation auf vielen Wiesen“, bedauert der Weiherer. Das Wachstum stockt nach der Heuernte, der Wiesenknopf kann sich nicht gut entwickeln, die Pflanze blüht nicht. „Keine Blüte, kein Nachwuchs für die Ameisenbläulinge.“

Viele Menschen bemerken, dass vielerorts die Schmetterlinge gegenüber dem Vorjahr stark abgenommen haben, sagt er. Das lag an der Hitze und dem damit verbundenen Vertrocknen zahlreicher Futterpflanzen für die Raupen im vergangenen Spätsommer und Herbst. So hatte der Schwalbenschwanz entgegen seiner üblichen Gewohnheit eine dritte Generation im September.

Dessen Nachkommen konnten sich aber an der vertrockneten „Wilden Möhre“ nicht fertig entwickeln. Solche Populationsschwankungen aufgrund kleinklimatisch „schwieriger Jahre“ kann die Natur aber wieder ausgleichen. Häufen sich aber diese „schwierigen Entwicklungsjahre“, sterben Arten aus.

Mit der „Krefelder Studie“ und den Veröffentlichungen von Prof. Reicholf (TU München) wurde 2017 von den Medien aufgegriffen, was Entomologen, die überwiegend unbeachtet von der Öffentlichkeit ihren Forschungen nachgehen, schon lange wussten, schildert Winkler: Die Insektenpopulationen sind dramatisch auf dem Rückzug. Gründe dafür sind vielfältig: veränderte Landwirtschaften mit vermehrten Maisanbau und dem Einsatz von Neonicotinoiden, Düngung, Rückgang von Brachflächen oder Versiegelungen.

Die Erwärmung des Klimas spielt dabei auch eine Rolle, erläutert er. Seit den 90er Jahren habe sich in der Region der Eichenprozessionsspinner breit gemacht – ein Schmetterling, der vorher nur aus mediterranen Gebieten bekannt war. Auch der Schwammspinner, eigentlich schon immer hier beheimatet, hat sich durch warme Sommer besser entwickelt als zuvor.

Lästige Schwammspinnerraupen-Invasionen erregten die Gemüter durch lokales Massenauftreten in Thüringen, Sachsen und Bayern. Im Gegensatz zum Eichenprozessionsspinner „sind die Raupen aber nicht gesundheitsschädlich“. So profitieren manche Insekten von der Klimaveränderung, weiß der Fachmann. Aber: „Viele unserer durch lange Zeiträume evolutionärer Prozesse hier heimische Arten können sich nicht rasch genug anpassen.“