Irish-Folk-Benefizkonzert zugunsten des Weiherer Kindergartens: Begeisterte Gäste fordern gleich fünf Zugaben

Die Freude stand Siggi Winkler nach dem Konzert noch ins Gesicht geschrieben. „Es war einer der besten Folk-Abende, die ich mit anderen zusammen veranstalten durfte“, sagte er über die Benefiz-Veranstaltung zugunsten des Weiherer Kindergartens, die er zusammen mit seiner Musikerkollegin Simone Köhler von den „Irish Voices“ in der „Mühle“ organisiert hatte. „Stargast“ war die Irin Pat O’Connor, auf der Grünen Insel eine gefragte Session-Musikerin, die mit ihren Songs ein ums andere Mal viel Beifall bekam.

„Das Publikum war absolut begeistert“, so Winkler. „Wir haben fünf Zugaben gespielt, das gab es noch nie.“ Fürs Konzert und den guten Zweck hatten die beiden neben Pat O’Connor weitere Folk-Hobbymusiker aus dem Odenwald aktiviert. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Vom vollbesetzten Saal wurden glatte 555 Euro gespendet. Der „Krabbennest“-KiGa Weiher mit seiner Leiterin Ute Jäger möchte mit dem Geld kleine Dreirädchen für die Kinder kaufen.

O’Connor ist eine Vollblut-Musikerin. Das merken die Zuschauer vom ersten Ton an. Wenn sie die gespielten Songs kennt, zückt sie sofort ihre Fiddle und setzt nach wenigen Akkorden selbst ein. Ist ihr ein Stück unbekannt, dann hört sie ein wenig zu, prägt sich die Melodie ein und fängt aus den Nichts heraus an mitzuspielen. Die Irin ist eine Meistern auf dem Saiteninstrument, zückt aber ab und zu auch die Tin Whistle. „Ich liebe den Odenwald“, sagt sie. Kein Wunder, erinnert er sie mit den grünen Hügeln doch an ihre Heimat.

Zwischendurch, als keiner so etwas vermutet, „borgt“ sie sich von Siggi Winkler dessen Mikro und beginnt, „Donovan’s Song“ ohne jegliche Instrumentenbegleitung zu singen. Mit ihrer rauchigen Stimmen, dem irischen Dialekt und der Intonation verwandelt sich der Saal der Mühle von einem Moment auf den anderen in einen Pub auf der Grünen Insel, in dem der Zigarettenqualm durch die Gasträume wabert, sich ein paar Cracks zu einer Musik-Session getroffen haben, spontan aufstehen und einfach loslegen.

Da merkt man dann, dass Pat O’Connor die irische Musik im Blut hat und sie mit der Muttermilch aufgesogen hat. Ihre Vorfahren waren seit mindestens vier Generationen musikalisch unterwegs, ihre Leidenschaft hat sie auch an die Kinder weitergebeben. Sohn Brian spielt Uilleanpipe und ist grad auf einer Weltreise mit dem Rucksack durch den Nahen Osten, Russland, Kirgistan, China und Indien. Vor kurzem war sie Mundy (dessen Stück „Galway Girl“ ist bekannt aus dem Film „PS. Ich liebe Dich…“) unterwegs. Den Song sang Winkler zusammen mit ihrer Unterstützung.

Die Irin hat selbst über 100 sogenannte Tunes (Reels und Jigs) komponiert. Ihr zu Ehren übten die anderen sechs Mitmusiker für diesen Abend drei ein: „Donal o Store“, „Elves march“ und „Turkeys neck“. Letzterer hat wie fast alle eine Geschichte. Einer ihrer Söhne spielte Pat einmal einen Streich. Sie war zuhause in der Küche am Zubereiten eines Truthahnes. Der Hals sollte weggeworfen werden. Der Sohn steckte ihn ihr aber in die Manteltasche. Beim Einsteigen ins Auto bemerkte sie diesen, schimpfte und legte ihn auf die Seite. Doch der Filius legte den Hals unbemerkt aufs Autodach. Als sie an der Musikschule ankam und bremste, fiel der Truthahnhals runter. Großes Gelächter war die Folge.

Die „Irish Voices“ kennen Pat von einer Musikschule aus Elmstein/Pfalz. Dorthin kommen einmal im Jahr irische Musiklehrer immer Anfang August, um zusammen mit deutschen Musikern (Anfänger bis Profis) in Workshops zusammen zu arbeiten, zu üben, Konzerte zu geben. Vor drei Jahren ergab es sich, dass die Irin bereits am Freitag mit dem Flieger ankam, da sie samstags keinen Flug mehr bekommen hatte. Winkler bot ihr dann an, in Weiher zu übernachten – mit dem Hintergedanken, gleich eine Veranstaltung durchzuführen. „Wir machten dann eine Session mit ihr zugunsten ihrer Musikschule“.

Seitdem kommt sie immer freitags, um ein Konzert für den guten Zweck zu geben. Winkler war schon mehrmals in Dublin auf Gegeneinladung, um mit ihr auf Sessions zu musizieren. Die Dublinerin holt in ihrer Heimatstadt Kinder von der Straße und macht mit ihnen Musik, wenn die Eltern das Geld für die Musikschule nicht haben. „Sie hat ein großes Herz“, sagt Winkler anerkennend.

„Was uns heute genau erwartet, wissen wir Musiker auch nur im Ansatz“, so Siggi Winkler zu Beginn schmunzelnd. Denn ist so Brauch und Sitte bei irischen „Sessions“, dass irgendjemand ein Stück anstimmt – und wer es kennt, der spielt eben mit. Und so lief es auch ab. Zu hören gab es die klassischen Instrumente wie Geige oder Fiddle, Gitarre, Banjo, Tin Whistle, die Rahmentrommel Bodhran und die Low Whistle. Typische und zumeist bekannte Songs aus irischen Pubs, einige Reels, Jigs und Hornpipes, also instrumentale Stücke, waren zu hören – und als Garnierung einige eigene Mundartsongs.

Neben den beiden Organisatoren von den „Irish Voices“ waren Stan Svoboda, Klaus Willems, Heike Mauelshagen und erstmals Janet Key dabei – eine geigende Nordirin, die in Großsachsen wohnt. Alle sieben setzten auch gleich beim „Marsch der Elfen“, dem Anfangsstück, voll ein. Eine Komposition von Pat O’Connor, die so richtig irische Lebensfreude rüberbrachte.

Getragene, melancholische Songs wechselten sich ab mit flotten Tunes oder Reels, bei denen sich die Musiker voll austoben konnten. „I’m a rambler“, „Ye Jakobites“ oder „Kilkelly Ireland“ kennt man zwar aus den Konzerten der „Irish Voices“. Aber in größerer Besetzung und vor allem mit den Fiddle-Tönen von Pat O’Connor klangen die Songs völlig anders und hatten eine ganz andere Dynamik. „Wild Rover“ und „Whisky in the Jar“ waren Klassiker, bei dem das Publikum noch mal mitging, mitklatschte, mitwippte, mitsummte – und Zugaben ohne Ende forderte.

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Folk-Benefiz zugunsten des Weiherer Kindergartens am 28. Juli in der „Mühle“

Es gibt immer nur ein kleines Zeitfenster für diese Benefiz-Folk-Veranstaltung, die von der Odenwälder Folkgruppe „Irish Voices“ inzwischen zum dritten Mal durchgeführt wird. Nämlich dann, wenn Pat O‘Connor aus Dublin für einen Tag und eine Nacht in die Region kommt. Das ist in diesem Jahr am Freitag, 28. Juli, in der „Mühle“. Am nächsten Tag geht es für sie nämlich schon zusammen mit den „Voices“ zu einem Workshop nach Elmstein, wo sich fast 200 Irish-Folk-Musiker aus vielen europäischen Ländern jedes Jahr eine Woche lang zu einer Fortbildung treffen.

Der „gute Zweck“ in diesem Jahr soll eine Spende für den Kindergarten in Weiher werden, nachdem im letzten Jahr für die Hospizgruppe Mörlenbach gesammelt wurde. Der Eintritt ist frei, es geht der „Hut“ herum. Die Besucher erwartet eine besondere Veranstaltung, die von Simone Köhler und Siggi Winkler organisiert wird. In Form einer „Session“ werden mit den beiden die regionalen Hobbymusiker Stan Svoboda, Klaus Willems, Heike Mauelshagen sowie Pat O`Connor den Abend gestalten. Ohne festes Programm, es soll viel improvisiert werden. Es wird einzeln, paarweise oder zusammen musiziert – wie es gerade passt.

Zu Gehör kommen natürlich irische Pubsongs, Balladen und Tunes. Aber auch mit einigen eigenen Mundartliedern soll der Abend abwechslungsreich gestaltet werden. Es wird sicher spannend – für die Musiker vielleicht aufregender als für die Besucher. Die Veranstalter hoffen auf eine gute Resonanz. Vorreservierungen im Landgasthof „Zur Mühle“ sind empfehlenswert.

Pat O‘Connor ist Musiklehrerin in Dublin. Sie zählt zu den bekanntesten Folk-Musikerinnen auf der grünen Insel. Ihre Hauptinstrumente sind die Fiddle und die Whistle. Aber sie singt auch mal, wenn sie dazu aufgefordert wird. Sie stammt aus einer Musikerfamilie, in der schon seit vielen Generationen zum Instrument gegriffen wird. Die „Irish Voices“ mit dem Weiherer Siggi Winkler sind stolz, sie als Freundin zu haben. Pat düste schon oft einige hundert Kilometer durch Irland, nur um mit ihren deutschen Freunden zusammen an einem Abend in einem Pub in Belturbet zu musizieren – oder eben zusammen in ihrer Musikschule in „Monkstown“, einem Stadtteil von Dublin.

Info: Benefiz-Folk-Konzert für den Weiherer Kindergarten am Freitag, 28. Juli, um 20 Uhr im Gasthaus „Zur Mühle“, Telefon 06209-1634.

25 Kilometer bergauf und bergab durch die Region: Mountainbiketour anlässlich des Wald-Michelbacher Heimatfestes

Die Mountainbike-Tour anlässlich des Heimatfests hat immer ihre Liebhaber, auch wenn es bei den Teilnehmerzahlen wetterbedingte Schwankungen gibt. „Zwischen 20 und 30 Starter haben wir im Schnitt“, meinte Sebastian Schröder von der Zukunftsoffensive Überwald (ZKÜ), der wieder den Tourguide auf der 25 Kilometer langen Strecke gab. Die war mit ihren 800 Höhenmetern rund um Überwald und Weschnitztal aber nicht allein dem sportlichen Aspekt vorbehalten, sondern vermittelte auch Wissenswertes aus der Region.

18 Radler waren es bei wechselhaftem, kühlem Wetter, die sich vom Einhaus aus auf die Strecke machten. Bei Sonne und besseren äußeren Bedingungen zählte man auch einmal 40, sagte Schröder. Die erste Etappe führte zum Steinbruch Mengelbach, wo Wolfgang Wagner die Mountainbiker bereits erwartete. Bis in die 70er Jahre wurde hier abgebaut, dann noch einmal von Mitte der 90er bis 2005.

Wagner wies weiterhin auf das Geozentrum hin und die Absicht, das Gebiet als „begehbares Biotop“ weiterzuentwickeln – aufgrund von drei besonderen, dort vorkommenden Arten. Er erwähnte auch die verbotenen touristischen Nutzungen. Seine Frage ging in die Tiefe: Welchen Wasserpegel hat der See im Steinbruch aktuell? 19 Meter lautete die richtige Antwort.

Über Weiher folgte der lange Anstieg zum über 500 Meter hohen Götzenstein bei Ober-Abtsteinach hinauf. Dort erläuterte Schröder die weit in die Vergangenheit zurückreichende Geschichte. Auf diesem Hügel trat der Sage nach der fränkische Herrscher Dietbert zum Christentum über. Anlass soll die Rettung eines Kindes aus seiner Sippe vor dem Feuer allein durch den Glauben eines Christen gewesen sein. Schröder wollte deshalb wissen, wann die Franken zum Christentum konvertieren und sich taufen ließen. Rund um das Jahr 500 hieß die Lösung.

Dritte Station war an den Sühnekreuzen vom Wald-Michelbacher Draisinenbahnhof hoch zur Kreidacher Höhe.  Immer wenn ein Mensch ermordet wurde, wurde laut Sage ein Kreuz aufgestellt. Deshalb wird die Stelle auch mit dem früheren Galgen auf der nahe gelegenen Höhe in Verbindung gebracht. Hier ging es für die Teilnehmer darum, den letzten Galgen Deutschlands zu verorten. Der steht nicht weit weg, in Beerfelden, und ist ein Denkmal von besonderer überregionaler Bedeutung.

Die Tour charakterisierte Schröder als sehr angenehm. Man wartete immer auf die etwas langsameren und war so als Gruppe unterwegs. Die Teilnehmer kamen aus allen Ecken der näheren und weiteren Region. Die Auswärtigen hielten sich nach Rückkehr noch einige Zeit auf dem Heimatfest auf, freute sich der ZKÜ-Geschäftsführer. Den ersten Preis beim Quiz gewann Hannes Schweickert aus Zwingenberg, gefolgt von Sabine Steinbeck (Gernsheim) und Reiner Schmid (Rimbach).

Eine neue Heimat für Millionen von Ameisen an der Wegscheide – Ganzes Volk wurde dorthin umgesiedelt

In drei blauen, großen Plastiktonnen verstecken sich ein paar Millionen. Ameisen. Wenn ihre bisherige Heimat bedroht ist, die geschützten Tiere einzugehen drohen, dann werden sie umgesiedelt. Und dann wird einer wie Siegfried Winkler gerufen, einer von nur sechs Ameisenschutzwarten in Südhessen. Der Mörlenbacher ist im ganzen Odenwald unterwegs. Er wird immer dann angefordert, wenn ein Volk gefährdet ist und „umgetopft“ werden muss. Oder, wie in Weiten-Gesäß, direkt an der Straße liegt und durch Umweltsünder in Mitleidenschaft gezogen wird.

Der Müll an der Straße ist der eigentliche Grund der Rettungsumsiedlung. „Die lieben Zeitgenossen“, ärgert sich Winkler, „werfen an dieser Stelle immer ihren Kram aus dem Auto, wodurch das Volk bereits Schaden genommen hatte“. Schon einmal war er dort zusammen mit Revierleiter Burkhardt Klose am Werk. Dieser hatte immer wieder die Zivilisationsreste aus dem Nest entfernt. Aber irgendwann ist einfach gut, es musste gehandelt werden.

Das Ameisenvolk wurde auf die Wegscheide an den Wanderweg Richtung Mossautal gebracht und an einer Station des informativen Waldlehrpfades ausgesetzt. Das Forstamt Michelstadt hatte dazu die Genehmigung bei der Unteren Naturschutzbehörde eingeholt. Auf Initiative von Büroleiter Jürgen Gießke war die Rettungsumsiedlung das erste Mal im vergangenen Jahr angegangen worden. Gießke war auch dieses Mal wieder dabei.

„Ich durfte den Umzug dann aufgrund meiner Ausbildung als ‚hessischer Ameisenretter‘ durchführen“, schmunzelte Winkler. Das letztjährige Volk überlebte den Winter, wanderte in der Zwischenzeit aber drei Mal weiter und ist vom Wanderweg aus nicht mehr zu sehen. Der ehemalige Birkenauer Förster hatte am Umsiedlungstag die neue Stelle bereits vorbereitet. Zusammen mit Emil Gölz, einem alten Schulfreund von Winkler aus Weiher, wurde das Ameisenvolk aus Weiten-Gesäß ausgesetzt.

Das Einfüllen am ursprünglichen Platz sei gar nicht so einfach, berichtete Winkler. Denn das Volk „sitzt auf einem Reisighaufen“. Erst einmal müsse das Reisig entfernt werden, „damit wir das Nestmaterial in die Tonnen bekommen“. Das sei „echte Arbeit“, meinte der Ameisenschutzwart augenzwinkernd.

Ein Erfolg sei fast sicher, „wenn es sich wie hier um die kleine rote Waldameise handelt“, sagte der 68-Jährige. Denn die habe mehrere hundert bis über 1000 Königinnen und sei Kolonien bildend. Im Gegensatz zur großen Schwester: die große rote Waldameise habe nur eine Königin – diese bei einem Transport zuerst zu erwischen und dann auch noch heil wieder auszusetzen, sei eine Herausforderung.

Waldinnen- oder -außenränder, sowohl mit Sonne als auch mit Schatten, seien als Standort optimal. Und die Nähe zu Fichte, Kiefer, Eiche, Lärche oder Weißtanne. In deren Nähe fühle sich die kleine rote Waldameise besonders wohl, weil sie auf den Bäumen Lauskolonien vorfinde. Diese würden gemolken und der damit gewonnene Honigtau zu einer der zahlreichen Königinnen gebracht.

„Auf der benachbarten Straße werden jährlich Tausende von Waldameisen überfahren“, weiß Winkler um die Situation in Weiten-Gesäß. Außerdem werde die kleine Ausweichstelle von Umweltsündern immer wieder benutzt, um dort Müll und Grünschnitt abzuladen – „was die Ameisen gefährdet“. Die dort in Zukunft zur Anpflanzung vorgesehenen Laubhölzer hätten kaum oder keine „Lecanien“ oder „Lachniden“, so der ehemalige Förster: Rinden- oder Schildläuse in ausreichender Anzahl, um die Ameisen zu ernähren. Die finden sich auf Nadelbäumen.

„Das kleine Zeitfenster für eine Umsiedlung ist jetzt im Frühjahr“, schilderte der Ameisenschutzwart die begrenzten Möglichkeiten. Dann, wenn die Königinnen nach der Winterruhe vom Nestgrund nach oben wandern, um Sonne zu tanken. „Jetzt kann man die etwa 200 erforderlichen Königinnen gut unter der Nestkuppe erwischen“, erläuterte Winkler. Um somit die Existenz des Nestes an einer neuen Stelle zu sichern.                   tom

 

 

Stichwort: Ameisenschutzwart

Ameisenschutzwart – ein eher ungewöhnlicher Beruf, eher eine Berufung. Der im Mörlenbacher Ortsteil Weiher wohnende Siegfried Winkler hat ihn im Rahmen seiner Ausbildung erlernt. „Vor über 40 Jahren habe ich meine erste Rettungsumsiedlung durchgeführt“, erzählt der ehemalige Birkenauer Revierförster. Damals im Zuge von Wegebaumaßnahmen im Bereich des Forstamts Herborn. Eine Population, die er zu späterer Zeit aus dem Taunus mit dem Kleinbus in den Odenwald karrte, „lebt heute noch in der Nähe des Höhenwanderwegs Weinheim-Buchklingen“.

Weit über 40 Rettungsumsiedlungen hat der 68-jährige Winkler im Laufe seiner Berufsjahre über die Bühne gebracht. Eigentlich ist er ja inzwischen schon im Ruhestand, hilft aber trotzdem gerne aus, wenn er angefragt wird. Die „Retter“ müssen eine entsprechende Fachausbildung vorweisen. Denn „Waldameisen sind streng geschützt“. Bevollmächtigte mit Lehrgängen bei den Ameisenschutzwarten „sind Voraussetzung“. Er besitzt die „Ausnahmegenehmigung“ für Eingriffe in die geschützte Ameisenwelt durchs Regierungspräsidium, veranlasst durch die Ameisenschutzwarte Hessen.

Irisches Flair auf grünen Odenwald-Hügeln: Die „Irish Voices“ starten mit 18 neuen Folksongs in die Konzertsaison 2017

Mit neuem Programm und neuem Tatendrang gehen die „Irish Voices“ in die Konzertsaison 2017. Zusätzlich den alten, bekannten, teilweise aus der Mottenkiste wieder hervorgekramten Liedern haben sich die vier Musiker über den Winter hinweg zahlreiche zusätzliche Stücke draufgeschafft, 18 an der Zahl. Zwölf sind aus dem vergangenen Jahr geblieben. Sieben Termine in der näheren Region stehen für dieses Jahr bereits fest. Start ist am 25. März in Ober-Abtsteinach.

Kaum spielen die vier ihre ersten Takte, verstummt immer das Stimmengemurmel im Saal. Gitarren, Geige, Bodhran, Tin Whistle, Querflöte, Banjo, Viola und Gesang sind zu hören. Johanna Boch, Simone Köhler, Siggi Winkler und Friederike Hornauer leben ihre Musik, versprühen bei den Auftritten irische und schottische Lebensfreude. „Wir machen traditionelle Musik wie vor 100 Jahren“, betont Winkler. Das Quartett ist mit so viel Spaß bei der Sache, dass es eine Freude ist zuzuschauen. Ein eingespieltes Team eben.

Balladen, fast schon a-cappella vorgetragen, mischen sich mit fetzigen Hornpipe-Songs aus den Pubs, bei denen die Zuhörer fast schon automatisch anfangen zu klatschen. Aktuelle Songs von irischen Popstars gibt es genauso zu hören wie alte, traditionelle Lieder, die mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel haben. In „Old Donn Cow“ geht es um einen Pub, in dem gerade die Feuerwehr des Ortes „tagt“, als dort ein Feuer ausbricht. Die Wehrleute flüchten aber in den Keller, um dort ungestört weiter zu trinken.

Mit „Caledonia“ ist eine wunderschöne „alte“ Ballade wieder im Programm mit dabei. Die 18 neuen Stücke sind sanft oder furios, ganz nach den jeweiligen Stimmungen. „Polly Vonn“ ist auch durch Chris de Burgh bekannt, den Shanty „Haul away Joe“ hat die Gruppe aus der „Irish Folk Music School“ mitgebracht. Bei der Eigenkomposition „Such a little time“ werfen die „Irish Voices“ einen sozialkritischen Blick auf unsere Welt.

Mit „A tell me ma“ kommt ein Klassiker aus irischen Pubs zu seinem Recht, „Morning of my life“ ist ein aus irischer Sichtweise „exotischer“ Song, den die Band jedes Jahr neu performt. Dazu werden die Mundartsongs immer wieder gefordert. „Wir schlagen gerne einen Bogen von der irischen zur heimatlichen Folklore mit einigen eigenen Mundartliedern“, kündigt Simone Köhler an.

„Tauchen Sie mit ein in die Welt der irischen Folklore, in die traditionelle und zeitgenössische keltische Musik, handgemacht und ohne technische Finessen“, fordert Friederike Hornauer die Fans auf. „Verspüren Sie den ‚Irish Spirit‘, mal melancholisch und sanft, mal laut und lebhaft, mit Gitarren, Fiddle, Querflöte, Bodhran und Whistle“, wünscht sich Johanna Boch. „Musik bedeutet für uns Kraft und Leichtigkeit tanken. Diese Energie geben wir gerne an unser Publikum weiter“, hebt Siggi Winkler hervor.

Die drei wechselnden oder gemeinsamen Frauenstimmen als Gegensatz zu Winklers tiefen Tönen, die Tin Whistle von Simone Köhler und die Geige entweder im Gegensatz oder gleichzeitig die Melodie spielend, machen den Reiz der einzelnen Stücke aus. Wenn die Instrumente einen Song vorantreiben, plötzlich von einer Strophe zur anderen einen Zahn zulegen, dann fühlen sich die Gäste ruckzuck in einen irischen Pub mit seiner besonderen Atmosphäre versetzt.

Neben der in den Songs thematisierten Auswanderung, die vor allem im 19. Jahrhundert die Grüne Insel schwer traf, steht auch immer der Widerstand gegen die Briten im Mittelpunkt der Tunes, Reels und Jigs. Oft zeigt sich darin die Kunst der Iren, aus einem Lied über ein trauriges Ereignis einen fetzigen Song zu machen. Der Wechsel zwischen getragenem Gesang hin zu einer flotten Melodie kennzeichnet ebenso etliche andere Lieder.

Start der Konzertreihe 2017 ist am Samstag, 25. März, im „Goldenen Bock“ Ober-Abststeinach. Weiter geht es am 22. April im Landgasthof „Zur Mühle“ in Weiher und am 20. Mai im Gasthaus „Zum Odenwald“ in Ellenbach. Beginn ist jeweils um 20 Uhr.

Kontakt: Siegfried Winkler, Hauptstraße 125, 69509 Mörlenbach-Weiher, E-Mail siggi.winkler@web.de, http://the-irish-voices.chapso.de

Mit „Thousand Years Later“ und der „Old School Band“ mischten zwei Gruppen aus dem Überwald die „Music Hall“ in Weiher auf

Da dürften dem Nikolaus gehörig die Ohren geklingelt haben: Mit „Thousand Years Later“ (TYL) und der „Old School Band“ mischten zwei Gruppen aus dem Überwald die „Music Hall“ auf, die in diesem Jahr bereits bei etlichen Auftritten für Aufsehen sorgten. Kaum ein Fest, kaum eine Kerwe ohne eine der beiden Bands, die mit ihrem druckvollen Sound und abwechslungsreichen Programm bestens zu unterhalten wissen. Allerdings leider in der Music Hall vor ein paar zu wenigen Gästen – die fetzigen Auftritte hätten viel mehr verdient gehabt.

Timo Walter, Sven Dörsam, Benedikt Breitwieser, Katharina Zink und Benedikt Staat von TYL, diesmal verstärkt mit Janina Becker aus Unter-Abtsteinach (Keyboards) spielten aktuelle Hits aus Rock und Pop, dazu Schlager und echte Klassiker. So gab’s Songs von Bon Jovi, Prince, Abba, Tina Turner, Peter Schilling, Beatles und anderen zu hören.

20 Songs umfasste das TYL-Repertoire. Zu Beginn hatte die Band etwas damit zu kämpfen, dass sich der Saal erst langsam füllte. Das tat der guten Stimmung, die von der Bühne rüberkam, aber keinen Abbruch. Die Gäste gingen bei den einzelnen Titeln, die diesmal rocklastiger als sonst waren, gleich voll mit. In bekannter Qualität und bewährter Manier brachten die sechs Musiker ihre Songs rockig-fetzig rüber, egal ob das Original schon so angelegt war.

Mit Sven Dörsams Gitarrenriffs wurde so aus manchem Titel schnell mal ein Abgeh-Stück, dem man den Ursprung kaum noch anmerkte. Mit lässigen Posen und guten Sound ging der Gitarrist zu Werke. Dass ihm die Riffs dabei so perfekt aus den Fingern flossen, trug zum guten musikalischen Gesamteindruck bei.

Gesanglich spielten sich Timo Walter und Katharina Zink die Bälle zu. Letztere etwa mit „Bring me some water“ von Melissa Etheridge. „Türlich türlich“ von Jan Delay war im Music-Hall-Set schon fast ein Exot, ansonsten frönt die Band auch gerne den deutschen Schlagern. So aber gab’s dann eher ein „Bed of Roses“ von Bon Jovi oder ein Rock’n’Roll-Medley mit Stücken von Chuck Berry, dem Electric Light Orchestra und Elvis Presley zu hören. Auch „Purple Rain“ von Prince stand für die etwas härtere Gangart des Programms. „Hey Jude“ von den Beatles läutete langsam das Finale ein, Tina Turners „Simply the best“ bereitete die Zuschauer auf die Zugabe vor, die mit einem knalligen „Proud Mary“ gerne gewährt wurde.

Die „Old School Band“ hatte sich für ihren Auftritt noch diverse Gastmusiker eingeladen, die die jeweiligen Sets unterstützten. Aber auch ohne ist die achtköpfige Truppe mit ihrem druckvollen Sound jedes Mal eine Freude für die Ohren. Wie der Name schon sagt, gibt’s „alte“ Blues-, Rock-, und Soulsongs der vergangenen 50 Jahre zu hören. Und das mit einer Spielfreude, der man genau anmerkt, dass die Musiker hier Stücke zelebrieren, die sie selbst gerne hören, mit denen sie aufgewachsen sind, hinter denen sie stehen und die sie leben.

Die große Besetzung sorgt dafür, dass die Gruppe ihre Songs schon fast in Form einer Big Band spielten kann. Mit Marco Ester (Trompete/Percussion), Andreas Staat (Trompete/Posaune/Percussion) und Bertram Arnold (Saxophon/Percussion) gibt es eine dreiköpfige Bläsersektion, die den einzelnen Stücken eine ganz besondere Dynamik verleiht und sie damit viel authentischer rüberkommen lässt als „nur“ in Standardbesetzung.

„Wir spielen, was uns Spaß macht und was wir selbst gerne hören“, beschreibt Sänger und Bassist Peter Beckenbach das Credo der Band. Mit Lars Ihrig (Schlagzeug), Steffen Gräber (Gitarre/Gesang/Bass), Markus Wehrle (Keyboard/Gitarre/Gesang) und Martin Gastetzki (Keyboard/Gesang) lässt er im Programm kaum einen bekannten Hit aus früheren Jahrzehnten aus. Da sind dann so Kracher dabei wie „Unchain my Heart“ von Joe Cocker, „Mustang Sally“ von den Commitments, „Long train running“ von den Doobie Brothers oder „All right now“ von Free.

Bei den „Sultans of Swing“ von den Dire Straits hört man mit geschlossenen Augen Mark Knopfler auf der Bühne seine Gitarre zupfen. Und das „Sweet home Chicago“ der Blues Brothers, kombiniert mit dem „Soul man“, kommt so volltönend rüber, dass sich die Zuschauer in den Konzertsaal aus dem gleichnamigen Film mit Dan Aykroyd und John Belushi versetzt fühlen.

Als Gäste hat sich die Old School Band einige bekannte Musiker eingeladen. Und auch „Newcomer“ wie Beckenbachs Sohn Robin, der bei den „Sultans of Swing“ und „Uptown Funk“ Schlagzeug spielt. Von der ÜWG-Big-Band kennt man bereits seine Fertigkeiten an den Drums. Marina, die Sängerin von „Good times, bad times“, ist etwa bei „Superstitious“ von Stevie Wonder mit dabei, Andreas Brabant von „Kir Royal“ bei „Sexy“ von Westernhagen oder „Sexbomb“ von Tom Jones.

Mit „Jorge, dem Schweden“ von Redrodelix wird „Black Magic Woman“ von Santana zelebriert. Frenetischer Beifall ist den Musikern gewiss, ohne Zugabe geht’s lange nach Mitternacht nicht von der Bühne. Wer dabei war, wusste, er hatte wieder einmal ein intensives, schweißtreibendes Konzert von acht Könnern auf ihren Instrumenten erlebt, die mit Herz und Seele bei der Sache sind.

Bluesrock, Funk und Soul „ist die Richtung, die uns am meisten liegt“, erläutert Beckenbach. Dabei wird aber nicht stur nachgespielt. „Andreas Staat schreibt einen extra Bläsersatz“, macht er deutlich, dass etwa die Hälfte der Titel auf die besonderen Bedürfnisse der „Old School Band“ umarrangiert würden. Alle Mitglieder hätten früher auch noch in anderen Gruppen gespielt. „Jetzt machen wir nur noch das, was uns gefällt“, meint der Bassist und Sänger. Mit Schwerpunkt in Abtsteinach kommt der Rest der Truppe aus Siedelsbrunn, Schönmattenwag, Weinheim und Heidelberg.

Von den Odenwaldhügeln direkt auf die Grüne Insel: Irish-Folk-Benefizkonzert für das Mörlenbacher Hospiz

Wenn sich Pat O’Connor die Geige schnappt, ans Mikro tritt und anfängt zu spielen, dann ist das, als hätte die Irin das Beamen erfunden. Die grünen Hügel des Odenwalds vor dem Landgasthof „Mühle“ wandeln sich plötzlich zu grasbedeckten, ebenfalls grünen, welligen Erhebungen auf der Atlantikinsel. Klänge, mal melancholisch, mal wieder vorantreibend, schwingen durch das Heuwagenzimmer, wo sich 75 Gäste zum Irish-Folk-Benefizkonzert zugunsten des Mörlenbacher Hospizes eingefunden haben.

Als am Ende ein Kassensturz bei der Spendenbox gemacht wird, sind sowohl die Musiker als auch Diakon Martin Huber von der Hospizgruppe mehr als zufrieden. Stolze 600 Euro kommen durch den unentgeltlichen Auftritt der acht Künstler zusammen. Das Publikum passte sich perfekt den Musikern an. Bei den oftmals traurigen Balladen konnte man eine Stecknadel fallen hören, im zweiten Teil mit seinen bekannten (Instrumental-)Stücken gingen die Leute aber auch kräftig mit. Rhythmisches Klatschen und langanhaltender Beifall war der verdiente Lohn für die Akteure.

Gitarre, Flöte und Geige sind die Instrumente Pat O’Connors. Neben ihrer leicht rauchigen Stimme, die den Songs eine ganz besondere Note geben. Da flirrt die Luft vor Authentizität, wenn sie das Schicksal der Auswanderer besingt oder die unerfüllte Liebe eines jungen Iren thematisiert, der sein Unglück im Alkohol und Spiel ertränkt, bis auch er auf die weite Reise nach Westen geht.

Schon im vergangenen Jahr war die Dublinerin zu Gast in Weiher, weil sie am Tag danach mit den meisten Teilnehmern zu einem Workshop für Irische Musik nach Elmstein fährt. Pat O’Connor lebt ihre Musik. Sie ist voll „drin“ in den einzelnen Reels, Jigs und Hornpipes, wie die verschiedenen Tunes (Musikstücke) genannt werden. Und steht sie mal nicht selbst vorn am Mikro, dann begleitet sie die Songs von der Bank aus – eine Vollblutmusikerin, die ihre Berufung lebt und sich in den Dienst der Mitmenschen stellt.

Denn Pat ist Musiklehrerin in Dublin und kümmert sich nebenbei um Kinder sozial schwächerer Eltern, holt sie von der Straße zu einer Art „musikalischen Früherziehung“. Sie opfert ihre karge Freizeit, um benachteiligte Kinder kostenlos zu unterrichten. Die Irin tourt „nebenher“ jedes Wochenende durch die vielen Pubs, ist bekannt als Session-Teilnehmerin und hat über 100 Stücke (instrumentale Reels und Jigs) komponiert.

Die Musik von der Grünen Insel will eigentlich immer eine Geschichte erzählen. Oft geht es um die bittere Armut in vergangenen Jahrhunderten, aber auch die Schlachten mit den Engländern, die Auswanderung über den Großen Teich, weil es zuhause nichts zu essen gab, oder die verlorene Liebe mit viel Herzschmerz. Am besten kann Letztere natürlich von einer waschechten Irin rübergebracht werden.

Traditionelle irische Töne, erdig, bodenständig, sind Pat O’Connors „Ding“. Sie bringt Emotionen in ihre Darbietungen, oft sehr temperamentvolle Stimmungen. Aber bei aller Nachdenklichkeit wären die Iren keine Iren, wenn sie nicht überall auch das Gute sehen würden. So gerät nach der herzergreifenden Ballade gleich das nächste Stück zum wilden Tanz, bei dem der Bogen über die Geigen-Seite fliegt oder sich die Finger auf der Tin Whistle fast verknoten.

Das traditionelle „Whiskey in the Jar“, in der Version von „Thin Lizzy“ zu Weltruhm gelangt, darf dabei ebenso wenig fehlen wie der „Drunken Sailor“ in der Zugabe mit seinen zahlreichen Strophen, wie denn jetzt mit dem armen betrunkenen Seemann verfahren werden soll. Aber ebenso „Washerwoman“ hat einen richtig schönen Drive, der – wie bei anderen Songs auch – die Gäste im ein um andere Mal zum Mitklatschen animiert.

Die bekannten „Hills of Connemara“, „Kilkelly Ireland“ oder der „Pub with no beer“ sind nur einige der vielen anderen Lieder, die an diesem Abend gespielt werden. Zu allen Songs gibt es immer die eine oder andere Geschichte, die neben Siggi Winkler auch Simone Köhler erzählt. Heike Mauelshagen, ebenfalls an Gitarre, Gesang und Flöte, gehört wie Heinz Thieme und Friederike Weyrauch zu den auftretenden Künstlern.

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