Die „Hall“ kann auf ihre treuen Fans zählen

Auf seine eingeschworenen Fans kann sich Carsten Piwko verlassen. Die Live Music Hall Weiher muss während der Corona-Pandemie wie andere Clubs auch natürlich geschlossen bleiben, aber „Caschi“, wie er von allen nur genannt wird, ist nicht untätig, um die Zukunft der Live-Location in der Odenwälder Provinz zu sichern. Seine „Heavy-Metal-Community“ greift ihm dabei nach Kräften unter die Arme. Eine am Wochenende ins Leben gerufene Spendenaktion dürfte aktuell schon über eine Monatsmiete reinbracht haben, freut sich der 40-Jährige.

Der Live Music Hall geht es derzeit wie vielen kleineren Club landauf, landab. Alles musste abgesagt werden, ein paar Wochen (oder Monate) wird nichts stattfinden, aber die Kosten laufen weiter. Da sind unkonventionelle Ideen gefragt, um die Existenz zu sichern. Den Spenden-Tipp bekam Piwko von Veranstalter-Kollegen. „Wir tauschen uns in regelmäßigen Abständen aus“, erzählt er. Besonders der 7er Club in Mannheim ist bei dieser Aktion sehr gut aufgestellt, weiß er. Ein Videoteam baute für die „Hall“ einen Clip mit Caschis persönlicher Botschaft, der auf die Homepage hochgeladen wurde.

60 bis 70 Prozent der Spender „sind regelmäßige Besucher“, hat er festgestellt. Den Rest lokalisiert er in der „alten Heimat“ (Piwko kommt aus der Heavy-Metal Hochburg Wacken) oder es sind einfach solche, die Kultur unterstützen wollen. „Die Szene ist mega“, freut er sich. Es gibt unheimlich viele Rückmeldungen.

Die Leute schreiben, „es muss weitergehen“, war der allgemeine Tenor. Sie wissen, was sie an der Location im kleinen Mörlenbacher Ortsteil haben, die sich im Laufe der Jahre zu einem begehrten Veranstaltungsort gemausert hat. Es gibt laut Piwko „ein sehr großes Interesse und viel Anteilnahme“. Die Szene ist aktiv und glänzt mit einem riesigen Zusammengehörigkeitsgefühl, weiß er. „Das ist echt Wahnsinn.“ Die Clubbetreiber helfen sich auch gegenseitig mit Spenden. „Es ist ein Geben und Nehmen.“ Alle wissen: „Wir sitzen im selben Boot.“

Die Live Music Hall will nach vorne schauen und „am Ende der stillen Zeit“ weiterhin wie gewohnt die fetten Konzerte bieten, verspricht er. „Seit nun knapp elf Jahren halten wir in einem kleinen Dorf im Odenwald die rockende Fahne hoch“, schmunzelt Caschi. „Das soll auch so bleiben“. Alles begann mit einem „Ach komm, wir machen mal ‚nen Live-Club“, erzählt er. Längst ist die Location eine feste Größe.

Carsten Piwko hofft daneben auf die baldige Umsetzung der angekündigten staatlichen Förderung für Selbständige. Wenn hier die angekündigten 9000 Euro für Kleinbetrieb mit bis zu fünf Angestellten fließen, dann dürfte er inklusive der Spenden seine laufenden Kosten bis zum Sommer gedeckt haben, hofft er. Dann steht allerdings schon das Sommerloch vor der Tür. „Das muss man mit einplanen.“

Denn der Clubbetreiber ist Realist. Er rechnet vor dem Sommer nicht mit einer Wiederaufnahme der Konzerte. Die Termine im Mai und Juni stehen zwar pro forma noch im Kalender, aber wie er gehen auch die Kollegen eher davon aus, dass sie ebenfalls abgesagt werden könnten. Deshalb gilt es, die zur Verfügung stehenden Mittel sparsam einzusetzen, um bis September durchzuhalten. Zum Glück gab kein einziger Musikfan die bereits gekauften Eintrittskarten zurück, was Piwko ermöglicht, mit dem Geld bis zum Ausweichtermin zu arbeiten. Auch andere Clubs können auf diese Solidarität der Besucher zählen.

Wenn dann im Juli und August wieder Veranstaltungen laufen, „wird es indoor bei 40 Grad schwierig“, erläutert der Hall-Pächter. Deshalb dürfte bei ihm und seinen Kollegen, die keine Open-Air-Events anbieten können, das eigentliche Geschäft erst wieder im September loslegen und ab dann normal laufen. Piwko weiß „seine“ Bands hinter sich. Bisher sind schon vier Benefizkonzerte geplant, um den Club zu unterstützen. Die können ziemlich kurzfristig auf die Beine gestellt werden, „wenn es grünes Licht von oben gibt“.

Für ihn ist eine schnelle und unkomplizierte Staatshilfe das A und O, um die nächsten Monate durchzuhalten. Gerade kleine Clubs sind Piwko zufolge auf ihr Stammpublikum angewiesen, „weil die Leute im Sommer außer Haus sind“. Deshalb macht es keinen Sinn, „dann tonnenweise Shows reinzuballern“, zu denen zu wenig Besucher kommen.

Der Hall-Betreiber ist stolz darauf, dass die Spendenaktion bisher in diesem kleinen Rahmen so gut funktioniert. Die Aussagen „Caschi, wir glauben an dich“ und die große, persönliche Anteilnahme berühren ihn sehr, sagt er. „Ich will nur den Laden retten und mich nicht gesund stoßen“, bekräftigt Piwko, den Spenden dankend. Bei allem schwingt aber die latente Angst mit, dass die Schließungen noch länger dauern könnten. Weshalb er aufmerksam die täglichen Nachrichten verfolgt.

Info: Mehr unter www.live-music-hall-weiher.de

 

Zur Person: Carsten Piwko, 40, stammt aus Wacken in Schleswig-Holstein. Er kam 2001 in den Odenwald und übernahm 2009 die Live Music Hall. „Was als Spaßprojekt begann, wurde mittlerweile zu einer Lebensaufgabe“, erzählt er.

Eine Reise in gute, alte Rock-Zeit

Was für eine Zeitreise in die gute alte Rock-Zeit der 90er. Michael Bormann hat’s noch tierisch drauf und singt so manch Jüngeren problemlos an die Wand. 1990 bis 2004 war der Duisburger die Stimme der Hardrock-Band „Jaded Heart“. Die Wege trennten sich unschön, während die ehemalige Kombo mit neuem Sänger weitermachte. Bormann wandelte auf Solo-Pfaden, bis er sich 2017 auf seine Wurzeln besann und seitdem wieder die guten, alten Songs spielt.

Und wie. Der 53-Jährige hat ein beeindruckendes Organ, das beim Konzert in der Live Music Hall Weiher ein ums andere Mal bestens zur Geltung kommt und die Fans ohne Ende begeistert. Da fragt man sich doch wieder, warum ein begnadeter Shouter wie der Mann aus dem Pott doch zur unbekannteren Riege der deutschen Rocksänger gehört, andere, völlig überschätzte, hochgehypt werden, ohne viel Talent mitzubringen.

Bormann erinnert ein wenig an den jungen David Coverdale, wenn er mühelos ein paar Oktaven in seinen Stücken unterbringt, die gefühlvolle Ballade ebenso drauf hat wie die schnelle Uptempo-Nummer, bei der die Fetzen fliegen. Aber der Frontmann ist nichts ohne seine Sidekicks. Als Begleitband hat sich der Jaded-Heart-Shouter ein paar spielfreudige Kollegen mit ins Boot geholt, die den Abend zum Genuss machen. Der startete gleich mit zwei Vorbands, „Steel Dawn“ und „Last Jeton“.

Das hinderte die Jaded-Heart-Epigonen aber nicht, an die zwei Stunden eine Rock-Show der Superlative zu bieten. Die fast durchweg melodischen, eingängigen Songs gehen ins Ohr, haben mit Gitarrist Tommy Dahlem einen, der die sechs Saiten beherrscht, ohne – bis auf sein Solo – in wüste Geschwindigkeitsexzesse zu verfallen. Chris Ivo (Keyboards), Christoph Baumeister (Bass) und  Michael „Maikel“ Müller (Drums) sind ebenfalls für die guten, handgemachten Songs prädestiniert, die sie mit Hingabe zelebrieren.

Wohin der Rockhase laufen wird, zeigt die Band gleich mit den ersten zwei Jaded-Heart-Songs. Die sind zwar über 20 Jahre alt, aber weit weg von eingestaubten Rhythmen. „No Hesitation“ und „Dangerous“ haben Esprit und Pfeffer, leben sowohl von Bormann ausdrucksvoller Reibeisenstimme mit großen Umfang, die immer wieder von seinen Kollegen unterstützt wird, als auch der soliden Instrumental-Arbeit.

„Bring Me Higher Love“ und „It Feels Like Yesterday“ stammen aus dem gleichnamigen aktuellen Album von Bormann, das aber natürlich an die Erfolgsgeschichte der Jahre 1990 bis 2004 angelehnt ist. Außer dass dem Sänger die neueren Stücke noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen sein, wie er mit Ruhrpott-Schnauze schmunzelnd bemerkt.

Mit „Lucky Son“, „Heaven Is Falling“ und „Take My Soul“ wird’s dann wieder nostalgisch. Die treibende Gitarre, das fetzige Schlagzeug und die passenden Keyboard-Klänge lassen keine Langeweile aufkommen. Basser Christoph Baumeister hat zwar keine lange Haarmähne wie die anderen vier, ist aber trotzdem voll in seinem Element. Der Rest der Band macht einen auf Hardrocker-Klischee mit wehender Kopfpracht.

Auch 30 Jahre nach Bandgründung kommt Bormann noch problemlos in jede Tonhöhe, wie er eindrucksvoll demonstriert. Bei „Feel Like I’m Living“ kann er das beweisen. „Love Is Magic“ bestätigt, dass harte Rocker einfach die schönsten Balladen schreiben. Der Duisburger singt das Stück mit viel mit Inbrunst, inklusive gefühlvollem Gitarrensolo. Warum hat man von dem Shouter nicht viel früher etwas gehört?

Bei „Anymore“ vom Jaded-Heart-Album „Trust“ lässt sich kurz erahnen, dass die Trennung auch heute noch tief sitzt, wenn Bormann davon spricht, dass danach nichts mehr wie früher war – von wegen „Trust“. Das hindert ihn aber nicht daran, mit dem Cover „Easy Lover“ dem Song von Phil Collins und Philipp Bailey ein ganz neues, knackiges Gewand zu geben. Zwei weitere Zugaben später, „Live and Let Die“ und „Inside Out“, geht ein Konzert zu Ende, das auf jeden Fall mehr Zuschauer verdient gehabt hätte. Die aber machen fehlende Masse durch heftige Begeisterung wett.

Sicher hat Bormann dazu noch ein paar neue Fans gefunden. Für Melodic-Rock und AOR-Freunde ist der 53-Jährige ein absoluter Tipp. Er lebt seine Musik mit jeder Faser, ist authentisch und hat dazu noch eine klasse Stimme, die viele Kollegen vor Neid erblassen lassen dürfte. Hoffentlich wird er auf dem jetzt eingeschlagenen Weg weitermachen und den guten, alten Hardrock früherer Jahrzehnte weiter ein Denkmal setzen.

Eine rockige Reise in die 80er Jahre

Als wäre die Zeit stehengeblieben: Mit „Mallet“ gab‘s einen Ausflug in die 80er Jahre. Aber das Hardrocks und nicht irgendwelche bunter elektronischer Musik-Phantasien. Die drei gestandenen Jungs von „Mallet“ rockten die Live Music Hall mit ihrer Mischung aus Coverversionen von bekannten Hits und Eigenkompositionen. Wobei die selbst geschriebenen Songs dem Trio aus dem Wiesbadener Raum fast besser zu Gesicht standen, zeigten sie doch eine erfreuliche Bandbreite und viele kreative Ideen.

Der einzig verbliebene aus der alten Garde und gleichzeitig Bandgründer ist Manfred Dünzl an Bass und Gesang. Er ist auch 41 Jahre später noch voll im Saft und lässt seine Finger über die fünf Saiten wirbeln. 1986 kam Gitarrist und Sänger Jürgen Rehberg dazu, der bei den meisten Songs am Mikro steht. Das „Küken“ der Truppe, auch wenn er nicht danach aussieht, ist Mario Gerhards an den Drums, der aber auch mal seine Stimme bei Billy Idol-Stücken ertönen lassen darf.

„Mallet“ zählt in der Live Music Hall zu den Urgesteinen. „Wir haben schon hier gespielt, als die Hall noch weiter unten war“, zeigt Rehberg Richtung Tal zur früheren Location. Entsprechend kann die Band auf ihre treuen Fans der alten Garde zählen, die auch nach vielen Besetzungswechseln dem Hardrock-Urgestein die Treue halten. Es sind aber ebenso ein paar jüngere dazugekommen, die handgemachte Rockmusik zu schätzen wissen.

Sie werden nicht enttäuscht. Der Dreier bietet das Beste aus vier Jahrzehnten, melodische Stücke mit eingängigen Soli, die sich in angenehmer Lautstärke in den Ohren festsetzen. Passend zum 40. Bandjubiläum im vergangenen Jahr lassen sich Dünzl, Rehberg und Gerhards als „Rock’n’Roll-Heroes“ auf ihrer neuen, inzwischen zwölften Platte feiern. Aus der gibt’s neben dem Titelsong mit „Stand up für your Life“ ein weiteres geschmeidiges Lied zu hören.

Ebenfalls in die 80er Jahre geht es mit „Beds are Burning“ von Midnight Oil, geboten mit fettem Sound und Wahwah-Gitarre. Vier Jahre älter, von 1983, ist der Mallet-Song „Evil“, den die drei Relikte aus einer anderen Zeit mit stampfenden Rhythmus runterrotzen. „Rebel Yell“ wird einmal durch den Wolf gedreht und kommt mit erhöhter Umdrehungs-Geschwindigkeit hinten wieder raus. „Locomotive Breath“ sieht die älteren Herren durch den Jethro-Tull-Song schnaufen.

Rosa Leggins und Vokuhila: „Da können wir ein Wörtchen mitreden“, grinst Rehberg. „Wir sind damit die ersten, die so rumgelaufen sind.“ Dieser Zeit entspringt die Idee für den Titeltrack der neuen Scheibe. Das Stück hat was von einer großen Party à la Mötley Crüe. „Don’t cry anymore“, „Shine On“ und „To the Ocean“ von der neuen Platte haben ebenfalls den Weg auf die Setliste gefunden.

Nach der Pause geht’s mit „Radar Love“ von Golden Earring gleich in die Vollen. Auch die Beastie Boys mit „You got the Right“ dürfen natürlich nicht fehlen. Bei „White Wedding“ von Billy Idol kann nochmal Gerhards mit seinem Reibeisenorgan ran. „Ohne Leidenschaft geht’s in unserem Alter nicht“, schmunzelt Rehberg. Müdigkeit verspüren die drei nicht, aber gewisse Alterserscheinungen, grinst er.

Die riesengroße Spielfreude macht das wett. „Die merkt man uns hoffentlich an“, kokettiert er mit dem über zweistündigen Auftritt. Aber klar. Wäre die nicht mehr gegeben, „müssten wir aufhören“ – aber daran denkt „Mallet“ noch lange nicht. 150 Konzert im In- und Ausland spielt die Band jährlich. Elf Jahre lang gab es in Wiesbaden das Rockballett „Rock aoround Barock“ mit fast immer ausverkauften Shows, ist der Sänger stolz. „Sogar ein paar aus Weiher waren schon bei der Show“ weiß er. Inzwischen ist die Show nach Essen gewandert und feiert auch dort Erfolge.

Die Fangemeinde von früher, die mit 16 oder 17 noch in der alten „Hall“ die Band anfeuerte, hält ihr die Treue. „Ein paar bekannte Gesichter sind immer da“, weiß der Gitarrist um die Beständigkeit. Heute sind zwar alle von früher um die 40, aber wissen eben immer noch gute Rockmusik zu schätzen. Wenn die Gruppe dann wie jetzt – nach längerer Pause – mal wieder zu sehen ist, ist ein Besuch Pflicht.

Info: Das nächste Konzert in der Live Music Hall Weiher findet am Samstag, 1. Februar, statt. Dann steht ab 20 Uhr als Headliner Michael Bormanns „Jaded Hart“ auf der Bühne. Typischer AOR und Melodic Rock wechselt sich mit akustischen Songs, kraftvollen Uptempo-Nummern und wunderschönen Balladen ab, die Stimmung von Melancholie bis hin zu überschäumender Lebensfreude auslösen. „Jaded Heart“ gab es von 1990 bis 2004. Aufgrund der großen Resonanz auf eine Tour mit alten Stücken brachte Bormann 2019 eine neue Scheibe „Feels like Yesterday“ raus. Unterstützung gibt’s von den beiden Support Acts „Last Jeton“ und „Steel Dawn“. Mehr unter http://www.live-music-hall-weiher.de/events

Murat Bozdag setzt auf Tempofußball

Mit Murat Bozdag soll es für den SV/BSC Mörlenbach in der Fußball-Kreisliga B wieder aufwärts gehen. Denn bisher krebst der Verein am Tabellenende herum und belegt in der Winterpause den Abstiegs-Relegationsplatz. Deshalb ist es kein Wunder, dass es für den neuen Trainer nur ein Ziel für den Rest der Runde gibt: Klassenerhalt. Er hofft, dass ihm bei Trainingsbeginn Ende Januar wieder ein vollerer Kader als zuletzt zur Verfügung steht.

Anfang Oktober hatten sich der bisherige Trainer Tobias Heer und der Verein getrennt, nachdem es Differenzen gegeben hatte. Damals wie heute tummelte sich der SV/BSC im unteren Tabellendrittel, mal oberhalb der, mal – wie jetzt auch wieder – ganz nah an den Abstiegsplätzen. Interimstrainer Steffen Knapp, der schon bei Übernahme angekündigt hatte, nur bis zur Winterpause einspringen zu wollen, kämpfte dann mit einem immer schmaleren Kader, da viele Spieler wegen langwierigen Verletzungen ausfielen.

Der 43-jährige Laudenbacher Bozdag ist bei der Firma Freudenberg in Weinheim tätig. Den SV/BSC Mörlenbach kennt er natürlich aus seiner früheren Fußballer- und Trainerlaufbahn. Bozdag kickte selbst in der Verbandsliga beim VfR Leimen und bei der SG Riedrode. Seine Laufbahn am Spielfeldrand führte ihn zur TSG Wilhelmsfeld, zur A-Jugend des VfR Mannheim, zu SG Hüttenfeld und zuletzt zum FV Biblis. Er bringt eine A-Lizenz mit nach Mörlenbach.

In der schwierigen Situation für die Mannschaft „reizt mich die Aufgabe sehr, das Team wieder unten rauszuholen“, erläutert Bozdag. Er machte sich in der vergangenen Zeit bereits ein Bild von der Elf und sieht viel Potenzial, wenn mal wieder mehr Leute an Bord sind. Denn in den vergangenen drei bis vier Begegnungen wurde mit A-Jugendlichen und Soma-Spielern der reguläre Kader aufgefüllt und so gerade noch eine Mannschaft zusammengekratzt. Damit ließ sich aber nicht viel reißen.

In der Winterpause will der neue Coach die Vorrunde „aus den Köpfen rausbekommen“, damit der Neustart klappt. Die geplanten Hallenturniere sagte er ab, um den Aktiven genug Zeit zur Erholung zu geben. „Ziel ist ganz klar der Klassenerhalt“, betont er. Dem wird alles untergeordnet. Bozdag weiß aber auch um den Druck, „wenn man unten raus will“. Deshalb sind die noch ausstehenden Partien für ihn allesamt Endspiele. In der kommenden Runde soll dann eine Neuorientierung erfolgen.

Die Mannschaft ist nach den vielen Niederlagen unsicher, hat der neue Trainer festgestellt. Die körperliche Fitness sieht er als ausbaufähig an. Er will am Umschaltspiel vor allem nach hinten arbeiten und der Abwehr mehr Stabilität geben, kündigt Bozdag an. Das Ganze soll mehr Ballbesitz bringen und dabei helfen, den Gegner unter Druck zu setzen. „Es sind sehr gute Spieler dabei“, stellt der Coach dem Kader ein gutes Zeugnis aus.

„Ich setze auf Tempofußball“, gibt er als Marschrichtung vor. Der Gegner soll früh gestört werden, „damit der hinten überhaupt nicht rauskommt“. Die Vorbereitung auf den Rest der Rückrunde startet am 28. Januar. Bozdag hofft, dass dann wieder einige der bisher Verletzten dabei sind, auch wenn er weiß, dass einige längerfristig ausfallen.

Wilde Wikinger in Weiher: Leaves Eyes rockt los

Das Warten hat sich gelohnt. Erst nach 22 Uhr kommen mit „Leaves Eyes“ die Headliner des „Female Metal Voices“-Festivals auf die Bühne. Aber wie. Auch wenn sich die Live Music Hall Weiher an einem Montag überschaubar gefüllt präsentiert, gehen die sechs Musiker sofort in Vollen. Bis zum letzten Ton versprüht die Band gute Laune und eine unbändige Energie, die sich sofort auf die Besucher überträgt. Waren die bei den vier zuvor spielenden Gruppen schon gut dabei, wird jetzt spürbar ein Schalter umgelegt. Es geht die Post ab.

Wilde Wikinger in Weiher: Die Symphonic Metal Band um die beiden Gründer Alexander Krull und Thorsten Bauer hat sich textlich der nordischen Mythologie verschrieben, auch wenn die Klänge eher keltisch angehaucht sind. „Leaves Eyes“ hatte gleich zwei furchterregende Gesellen in voller Montur mitgebracht, die waffenstarrend und Schwert schwingend Stimmung machten. Dazu noch die harten, aber immer melodischen Klänge, die sirenenhafte, aber auch sanfte Stimme der finnischen Sängerin Elina Siirala und die heftigen Growls von Krull – fertig war eine Heavy-Mixtur, die die Fans begeisterte.

Mit dem Album „Sign of the dragonhaed“ war die Truppe Mitte vergangenen Jahres in Weinheim zu Gast, jetzt wurden den ausgesuchten Weiherer Besuchern quasi exklusiv Songs aus der neuen EP „Black Butterfly“ vorgestellt. Die bildet eine konsequente Weiterentwicklung der musikalischen Ausrichtung des elfen- und engelsgleichen Klargesangs der Sopranisten zusammen mit den Krull’schen Growls.

Die beiden völlig unterschiedlichen Frontleute bilden das Grundgerüst der Band, zu der seit kurzem auch Micki Richter an der Gitarre gehört. Er reiht sich mit seiner Spielfreude bestens ein in eine klasse aufgelegte, durchweg hüpfende Kombo, die enorm Spaß an der Sache hat, egal wie viel Leute vor der Bühne stehen. Denn nach Tourstationen in Paris oder London bildete Weiher sicherlich eher einen kleineren Auftrittsort.

Siirala und Krull bilden optisch so etwas wie die Schöne und das Biest. Sie klein, schmal, zierlich, er groß, mächtig, zottelig. Wenn’s aber um die Bühnenperformance geht, gehören sie beide zusammen. Krull verkörpert ein wenig das Animalische und geht in die Vollen, während die Finnin im kurzen schwarzen Fummel die Blicke auf sich zieht. Der Ludwigsburger ist Meister der Animation: Er bringt die Menge zum Mitklatschen, Mitsingen und Mitgrölen.

Elina Siirala kann sämtliche Facetten ihrer eindrucksvollen Stimme voll ausschöpfen. Sie dominiert mit ihrem wandlungsfähigen Organ, das teilweise schon Anklänge ans Opernhafte hat, ganz klar die verschiedenen Songs. Da merkt man sehr deutlich die klassische Ausbildung. Mal sanft säuselnd, dann aber auch wieder kraftvoll, saalfüllend, voll klingend bei anderen: Jeder Song ist ein Erlebnis.

„Across The Sea” ist ein echter Gassenhauer. Der Ohrwurm wird zu einer Art „Metal-Shanty” mit unwiderstehlichem Rhythmus. Auch wenn „Sign of the Dragonhead“ den Opener bildete, ging bei diesem Song erstmals ein richtiger Ruck durch die Menge, initiiert durch eine vor Spielfreude strotzende Band. „Jomsborg” wiederum handelt von einer legendären baltischen Festung und ihrer Armee. Gleichzeitig bildet der Song eine Hommage an die Reenactment-Szene, die immer mehr an Zulauf gewinnt.

„My Destiny“ oder „Swords in Rock“ sind zwei eher ältere Stücke, die noch mit Siiralas Vorgängerin Liv Christine aufgenommen wurden. Beim neuen „Black Butterfly“ schaltet die Gruppe einen Gang zurück, wodurch die weibliche Stimme bestens zur Geltung kommt. „Night of the Ravens“ mit seiner eingängigen Struktur zeigt „Leaves Eyes“ fast schon poppig und hat durchaus Hit-Charakter. Was aber gleich mit „Hell of the Heavens“, einem brachialen Brecher, gekontert wird.

Das ist nichts gegen die Zugabe „Blazing Waters“, bei der sich Alexander Krull selbst in Wikinger-Montur schmeißt und Schwert schwingend seine Reibeisentöne ausstößt. Hatte schon „Beowolf“ geschickt mit den mystischen Elementen gespielt, so setzte die Band von der Intensität her nochmal einen drauf. Ein perfekter Schluss.

Bei einem solchen Auftritt müssen die anderen Bands fast ein wenig hinten runter fallen. Am besten machen noch die Norweger von „Sirenia“ ihre Sache. Mit der französischen Mezzosopranistin Emmanuelle Zoldan am Mikro gelingt ihnen ein solider Auftritt – auch wenn die halbe Gruppe aus der Konserve kommt. Bassist und Keyboarder werden live eingespart. „Forever Still“, „Lost in Grey“ und „Kassogtha“ bildeten den Auftakt des Frauen-Abends am metallischen Mikro

Wie die vier Pilzköpfe der frühen 60er Jahre

Schon längst füllt die Beatles-Tribute-Band hierzulande die großen Säle. Aber der kuscheligen Live-Music-Hall Weiher halten die vier Musiker von „Help!“ weiter die Treue. Denn hier gaben sie nach der Gründung 2012 eines ihrer ersten Deutschland-Konzerte überhaupt mit den Songs von John, Paul, Ringo und George. Die treue Fangemeinde dankt es den Slowenen auch beim fünften Auftritt und sorgt für sehr gut gefülltes Haus. Die Stimmung ist klasse: Kein Wunder, denn die Band liefert eine super Show ab.

Die Illusion ist perfekt: Vorn auf der Bühne stehen vier Pilzköpfe der frühen 60er Jahre mit schwarzem Anzug, weißem Hemd und schwarzen Krawatten. Die Instrumentierung ist schlicht, aber wirkungsvoll. Zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug ohne großen Schnickschnack. So könnte es 1960 im Hamburger „Indra“-Club ausgesehen haben, als sich die vier hier ihre ersten musikalischen Sporen verdienten.

Gründungsmitglied Ernie Mendillo als Paul McCartney, Ziga Stanonik (George Harrison), Matic Pelcel (John Lennon) und Neuling Anze Semrov als Ringo Starr treten als Kollektiv an. Wie auch bei den Originalen kommt es auf alle an, damit die Musik ihre Magie entfaltet. Denn die Beatles-Songs beziehen ihre Eingängigkeit auch durch den mehrstimmigen, wechselnden Gesang. 40 davon haben die vier mit nach Weiher gebracht, einer bekannter als der andere.

Dass die Beatles 55 Jahre nach ihrer Hoch-Zeit und knapp 50 Jahre nach ihrer Auflösung immer noch nichts von ihrer Faszination verloren haben, zeigt nicht nur die Anzahl des Publikums, sondern auch dessen Alter. Denn der überwiegende Teil war überhaupt noch nicht auf der Welt, als die vier ihre größten Erfolge feierten.

Die sind aber selbst den später Geborenen längst in Fleisch und Blut übergegangen, wie sich beim Konzert zeigt. Kaum ein Song, den man nicht schon einmal gehört hat. Die große Bandbreite zeigt auch, dass die Pilzköpfe damals nicht nur für hitparadentaugliche Stücke standen, sondern durchaus ihre Rock’n’Roll- und Beat-Kanten hatten. Manchmal meinte man Elvis um die Ecke schauen zu sehen, so kräftig ging’s ab. „Rock and Roll-Music“ war nicht nur ein Titel, sondern auch Programm.

Wo anfangen und wo aufhören? Die Hit-Maschine der Beatles produzierte von 1962 bis 1969 Hits am Fließband. So „Love me do“ als erste offizielle Single der Band in ihrem Heimatland. „Please please me“ und „I Saw her standing there“ sind ebensolche Erfolge aus den frühen Jahren, mit denen die Gruppe ihren Ruhm begründete. „Roll Over Beethoven“ von Chuck Berry, „All My Loving“ oder „I Wanna Be Your Man“ durften natürlich ebenso wenig fehlen wie „I want to hold your hand“, der erste Hit in den USA.

Die gute Stimmung steckt an: Vor der Bühne wird kräftig getanzt, Nachzügler kommend schon swingend die Tür rein. Die flotten kurzen Zwei-Minuten-Stücke werden wie an einer Perlenkette aneinander gereiht. Kaum hat eines mit einer eingängigen Melodie begonnen, ist es leider schon wieder fertig. Den Fans wird kaum Zeit zum Luftholen gewährt, da folgt bereits der nächste Ohrwurm.

Die Tribute-Band konzentriert sich dabei zwar auf die bekannten Lieder, bringt aber auch neben den Nummer-Eins-Hits einige unbekanntere Perlen aus den LPs zu Gehör. „Yellow Submarine“ ist gegen Ende des ersten Sets das erste „Singalong“-Stück. Begeistert stimmen die Besucher in den Refrain mit ein. „Cant‘ buy me love“ wiederum ist ein typisches Beat-Stück, bei dem der Mann an der Kasse mit dem „Bad Religion“-T-Shirt begeistert mitsingt.

„Twist and Shout“ oder „Johnny B. Goode“ haben sich zwar nicht Lennon und Mc Cartney ausgedacht, aber fetzig gespielt. „Long, tall Sally“ lässt die vier kräftig abrocken, sodass auch der Mann am Schlagzeug mal seinen normalen Rhythmus vergessen darf und voll abgeht. Die Saiten glühen, die Drumstöcke fliegen, die Anzüge wehen.

Das war natürlich noch lange nicht alles. Fürs zweite Set hat sich Tribute-Band noch bekanntere Stücke aufgehoben, wenn es die bei den Beatles überhaupt gibt. Mit „Help“ starten die vier, um dann in „Sgt. Pepper’s Lonely Haert Club“ Station zu machen, wo es „With a little Help from my Friends“ ein großes „Come Together“ gibt, das fast „Back in the USSR“ führen könnte. Dann noch „Let it Be“, „Hey Jude“ oder „Yesterday“ – Käferfan, was willst du mehr. Aber auch ein Ausflug in Sternstunden der Musikgeschichte muss irgendwann zu Ende gehen.

Immer ein Auge auf die Musik von Journey

Schon beim ersten Lied geht die Post ab. Kein Wunder, denn die amerikanische Hardrock-Band „Journey“ lieferte in ihrer Hoch-Zeit von 1979 bis 1983 etliche Chart-Hits. Immer ein Auge auf die größten Erfolge des Quintetts aus Kalifornien hat die Frankfurter Coverband „Journeye“, die jetzt zum ersten Mal in der Live Music Hall gastierte.

Und gleich eine große Fangemeinde mobilisierte, sodass der Saal voll wie sonst nicht oft war. Das ist bei einer Premiere im Odenwald nicht selbstverständlich, wie andere Bands zu ihrem Leidwesen bemerken mussten. Alle waren sie gekommen: Der alte Hardrocker mit dem Wacken-Shirt wie die jungen Fans, die per Zufall 40 Jahre später auf die schönsten Schmusesongs gestoßen sind.

Andererseits sind Journey, 1973 gegründet, bis heute noch eine der erfolgreichsten und einflussreichsten Bands der USA. Hits wie „Wheel in the sky“, „Any way you want it“ und „Don’t stop believin‘“ finden sich in so gut wie jeder Platten-und CD-Sammlung wieder. Seit Januar 2018 steht Arno Menses am Mikro, der auch bei den Progressive-Rockern von „Subsignal“ aktiv ist. Er macht Journey-Frontmann Steve Perry, der heute allerdings nicht mehr mitwirkt, alle Ehre, interpretiert ihn sehr gut – was bei Perrys besonderem Organ nicht selbstverständlich ist.

Ohne Gitarrist René Orfanidis wäre das aber trotzdem nur die halbe Miete. Der ist auf der Bühne omnipräsent, immer in Bewegung, völlig vertieft in seine Musik. Die typischen Gitarrentöne von Journey-Gitarrist Neil Schon kommen ihm flüssig über die Finger. Wenn Orfanidis zu den melodiösen Soli mit den weltbekannten Tönen ansetzt, wird die Uhr zurückgedreht, fühlen sich die Besucher wie auf einem Konzert der Kalifornier zu ihrer Hoch-Zeit Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre.

Ein Markenzeichen der Band ist der mehrstimmige Background-Gesang, der den Songs zusammen mit den eingängigen Melodien seinen Wiedererkennungswert verleiht. Neben Orfanidis tragen dazu auch Keyboarder Josip Mihaljevic und Elena Kippenberger bei. Nur Florian Diedrich an den Drums und Bassist Jens Kreft bleiben „stumm“. Letzterer sticht aber mit seinen prägnanten Bassläufen heraus, die den Stücken ein stabiles Fundament geben.

Arno Menses drückt den Klassikern seinen Stempel auf. Er singt mit voller Inbrunst, schafft auch die ganz hohen Töne und hat einen guten Sound, sodass die Fans im Publikum bei „Lights“ gleich anfangen mitzusingen. Ein vielstimmiger Chor bildet sich, sodass Menses gar nicht mehr ran muss. Fast 42 Jahre hat dieser Welthit inzwischen auf dem Buckel und noch nichts von seiner Faszination verloren. Mit „Who’s crying now“ und „Open Arms“ vom 1981er-Album „Escape“ schiebt die Coverband gleich noch zwei Ohrwürmer nach, die belegen, dass Hardrock-Bands einfach die besten Schmusesongs schreiben.

Die Geschichte der Gruppe geht auch weiter, nachdem Sänger Steve Perry nicht mehr dabei ist. 2008 erschien mit Nachfolger Arnel Pineda, stimmlich ein absoluter Klon, das Album „Revelation“, auf dem „Change for the better“ zu finden ist. Es fügt sich nahtlos in die übrigen, sehr eingängigen Songs ein. „Keep on running“ ist dann wieder von „Escape“, dem die Coverband breiten Raum gibt. Die dortige Journey-Besetzung mit Ross Valory (Bass), Jonathan Cain (Keyboards) und Steve Smith (Drums) und eben Neal Schon ist immer noch aktiv.

Nach der Pause folgen erst einmal ein paar unbekanntere Stücke, die die Band aber ebenso flott rüberbringt. Das muss halt auch sein, Journey hat zwar viele Welthits, aber nicht jeder Song schafft es ins Langzeitgedächtnis. Aber dann: Vier Songs knallen vor dem Schluss noch einmal so richtig rein. „Lovin‘, Touchin‘, Squeezin’“ erschien vor genau 40 Jahren und war der erste Top-40-Hit der Amerikaner. „Dont’t stop believin‘“ kennt praktisch jeder Rockfan, „Anyway you want it“ hat sich in die Gehörgänge der Generation Ü40 eingebrannt und „Wheel in the Sky“ in der „Extended Version“ als letztes Stück ist die Rockhymne schlechthin.

Da kann die Coverband gar nichts mehr falsch machen, die Zugaberufe kommen automatisch. Die romantische Ballade „Faithfully“ bildet den melodischen und viel umjubelten Abgesang auf eine gefühlvolle und rockige Reise in die Vergangenheit, als Musik noch handgemacht war. Weil sie weiß, dass die ins Ohr gehende Musik von Journey Balsam für die Seele ist, buchte auch gleich eine 40-köpfige Hochzeitsgemeinschaft Karten für die Show.

Info: „Journeye“ tritt wieder am Samstag, 9. Mai, um 20 Uhr im „7er Club“ Mannheim auf. Mehr unter http://www.journeye-band.de