Solardraisine 2.0 braucht mindestens ein Drittel weniger Strom

Der Betrieb der Solardraisine soll wirtschaftlicher werden, das Fahrerlebnis für Kunden angenehmer, die Schadensanfälligkeit geringer: So lassen sich die drei Ziele zusammenfassen, denen sich im Auftrag der Überwaldbahn gGmbH Uwe Kilian und Denis Rizvic aus dem Weschnitztal mit ihren Firmen verschrieben haben. Sie bringen nach und nach die Fahrzeuge auf den neusten technischen Standard. Auf Einladung der Draisinenfreunde gab es jetzt eine Testfahrt mit einem bereits umgerüsteten Vehikel.

„Wir haben die Solardraisine nicht neu erfunden“, betonte Uwe Kilian. Die früher zuständige Firma Mühlhäuser habe bei Inbetriebnahme vor sechs Jahren auf damals aktuelle und bewährte (Schaltschrank-)Technik zurückgegriffen, erläuterte er. Die wurde jetzt komplett „upgedatet“. Weniger und kleinere Bausteine bedeuten eine geringere Störanfälligkeit. Die jetzt verwendeten Elemente kommen aus der Elektromobilität, die wetterbedingte Einflüsse „gewöhnt“ ist. „Wir haben die Fortentwicklung der Technik in den vergangenen Jahren genutzt“, sagte Kilian.

So kann das Personal bei Ankunft im Bahnhof den Lithium-Akku per Handy-App auslesen. „Damit können wir gleich reagieren, damit es keine Ausfälle mehr gibt“, verdeutlichte er. „Man sieht auf einen Blick was mit dem Fahrtzeug passiert.“ Sollte etwas nicht stimmen, dann lassen sich die einzelnen Elemente in einer halben Stunde austauschen, sodass die Draisine weiterfahren kann, während am Kasten geschraubt wird.

Die Umrüstung der Akkus, wie die Schaltkästen auch mit Steckverbindungen versehen, kostet pro Stück 6000 Euro, ging Kilian auf die Zahlen ein. Das Gerät eines renommierten Herstellers habe sieben Jahre Garantie. Der Austausch der Steuerung kostet noch einmal 3000 Euro. Man sei damit zwar pro Stück 300 Euro über dem ersten Angebot, aber es gebe dadurch auch potenzielle Verbesserungen: so ein Abstandssensor oder die Abschlepp-Erleichterung. Das System ist modular aufgebaut, sodass Erweiterungen integriert werden können

„Wir wollen die Folgekosten senken“, betonte der Fachmann. Das Erlebnis der Solardraisinenfahrt bleibt für die Touristen wie bisher, „aber der Mensch kann so wenig wie möglich falsch machen“. In Vorbereitung ist auch eine App, mit der genau bestimmt werden kann, wo sich die Draisinen gerade befinden. Das erleichtert den Vor-Ort-Service, sollte ein Gefährt stehenbleiben.

Kilian rechnet damit, dass sich der Stromverbrauch um mindestens ein Drittel reduzieren wird. Denn bergab wird Strom nun bis zu zwei Kilowatt produziert und direkt in den Akku eingespeist. Damit müssen die Fahrzeuge nur noch nachts geladen werden, führte er aus. „So fallen auch die vielen Kabel im Draisinenbahnhof weg.“ Durch die Stromproduktion schaffen die Fahrzeuge nun einen Durchlauf von vier Fahrten.

Auf der Fahrt, die bis zum Mackenheimer Viadukt führte, erläuterte Denis Rizvic einige von ihm vorgenommene Verbesserungen. Wo vorher ein Drehknopf mit den Stufen 1 bis 4 war, der verschiedene (nicht vorhandene) Gänge vorgaukelte, gibt es nun nur noch einen Schlüssel, der vom Servicepersonal bedient wird. Mit den neuen Generatoren „ist das Fahren viel sanfter“, verdeutlichte er. Die Pedale reagieren schon auf den ersten Druck. Damit werden auch die Getriebe geschont.

Weiterhin wurde Rizvic zufolge eine Lärmquelle rausgenommen. Vorher klapperten die gelben Kunststoffplatten direkt am Alurohr, jetzt wurden sie genietet und haben keinen direkten Kontakt mehr zum Wagen. „Damit ist die Schwingung draußen.“ Aktuell haben die Draisinen noch einen Kettenantrieb. Ein Riemenantrieb, sagte er, wäre zwar besser, weil er weniger Geräusche produziert. Allerdings müsse dies noch „technisch durchdacht werden“. Er ist auch noch ein weiterer Kostenfaktor. „Quasi die Kür“, so Kilian.

Die bisher zeitverzögerte Abfahrt vorher nach etwa zehn Sekunden „ist jetzt sofort möglich“, erklärte Rizvic. Denn: „Die Kunden wollen nicht noch warten“, weiß er. Draisine 21 gehört zu denen umgerüsteten der ersten Stunde, die seit Frühjahr im Einsatz sind. „Bei 100 Fahrten nicht ein einziger Ausfall“, freute er sich.

Auch die Kundenrückmeldungen waren positiv. Natürlich, so seine Einschränkung, wird es immer Verschleiß geben. Auch ist die Elektronik nicht vor Störungen gefeit. Drei neue Modelle sind bereits im Einsatz, das vierte ist in der Prüfung, weitere sollen in diesem Saison noch folgen. Mindestens eine Woche pro Fahrzeug brauchen die Fachleute für die Umrüstung.

Vereinsvorsitzender Peter Maier sagte zum Hintergrund des Treffens, „dass wir uns gerne aus erster Hand über die technischen Neuerungen informieren wollten“. Gerade der Zustand der Lade-Elektronik war von Interesse. Außerdem wollte der Verein wissen, wie es weitergeht, nachdem die Firma Mühlhäuser nicht mehr im Boot ist. Die Einladung wurde auf die Mitglieder der Gesellschafterversammlung erweitert. Doch das Interesse war überschaubar, gerade einmal zwei besetzte Fahrzeuge machten sich auf den Weg.

„Die Solardraisine ist relativ stark ausgebucht“, meinte Katharina Indinemao, Assistenz der Geschäftsführung, mit Blick auf die laufende Saison. Vor allem der Familiendonnerstag werde gut angenommen. Der Freitagmorgen schwächelt noch etwas, aber von nachmittags bis Sonntagsabend „ist fast alles ausgebucht“. Für diese Zeiten gebe es bereits Vorlaufzeiten von sechs bis acht Wochen. Sie stellte eine höhere Frequenz gegenüber der vergangenen Saison fest. „Wir beraten intensiver, um die Auslastung zu verteilen“, erläuterte Indinemao. Als Ziel nannte sie das langjährige Mittel von 35.000 bis 40.000 Fahrgästen im Jahr. Nach einem guten April und durchwachsenen Mai „setzen wir jetzt auf gutes Wetter“.

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Das Maifest der multikulturellen Begegnungsstätte „Callas“ wurde „wieder super angenommen“.

„Das lief alles ganz wunderbar“, freute sich Heike Trinkmann in der Multikulturellen Begegnungsstätte „Callas“. Die organisierte zum 19. Mal die Maifeier rund um die Grillhütte auf der Kisselhöhe. Vier Bands und zahlreiche Helfer sorgten dafür, dass sich die zahlreichen Besucher wohlfühlten. Das herrliche Wetter trug seinen Teil dazu bei, dass der Verein aufs Neue eine große Schar an Gästen begrüßen konnte.

Trinkmann freute sich, dass die Musikgruppen ohne Gage auftraten. Damit wird der Überschuss des Festes größer, der in diesem Jahr wieder an die Kinderhilfe in Kenia gehen soll. „Wir haben einen direkten Kontakt dorthin“, betont sie die kurzen Wege und die genaue Infos darüber, was mit den Geldern geschieht.

Geht es nach dem Hunger der Besucher, wird die Spende sicherlich ansehnlich ausfallen. Denn am Ende des Abends „hatten wir kein Steak und keine Wurst mehr übrig“. Alles ratzeputz vertilgt. Das Fest wurde „wieder super angenommen“. Es war bis spät in die Nacht viel los. Vor allem die letzten beiden Bands begeisterten, als auch schon das Holzfeuer in der Mitte der Veranstaltungsfläche angezündet worden war.

Nicht nur die Ortsbevölkerung weiß die Gastfreundschaft der Begegnungsstätte zu schätzen, die Besucher kommen auch aus der weiteren Umgebung. Heike Trinkmann traf sogar auf ein paar frühere Mitabiturienten aus Weinheim. An der Bar, wo unter andrem Sekt, Caipi und Havana ausgeschenkt wurden, „war mehr los als im vergangenen Jahr“, stellten die Helfer dort fest.

Seit Gründung des Vereins Ende 1999 wuchs das Fest in jedem Jahr. „Angefangen haben wir mit ein paar Bierbänken und ein paar Kästen Bier“, erinnert sie sich. Inzwischen wurden daraus drei Zelte, in die jeweils mehr als 100 Leute passen, vier Bands und eine Bar. Dieses Jahr waren auch zum ersten Mal die beiden neuen Fahnen am Eingang zu sehen. „Wir überlegen schon heute, was wir im kommenden Jahr zum 20. Jubiläum bieten“, kündigt Trinkmann an.

Der Vereinsvorsitzende Alex Förster hob die große Gemeinschaftsaktion hervor. „Ein Stürmer ist nur so gut wie seine Mannschaft“, wies er auf das vielfältige Engagement hin. „Ultracoole Bands“ wurden seinen Worten zufolge für den Abend verpflichtet. Er zeigte sich sehr zufrieden, dass sich bereits kurz nach Beginn die Bänke schnell füllten. „Wir haben auch kräftig im Vorfeld geackert, um alles auf die Beine zu stellen“, erläuterte die schweißtreibende Arbeit. Die setzte sich gleich nach Ende fort. Am nächsten Morgen wurde sofort mit dem Abbau begonnen.

Zwischen 60 und 70 Mitglieder zählt der Verein, von denen etliche mit am Start war, um die Traditionsveranstaltung wieder zu stemmen. „Jeder ist ‚nebenher‘ berufstätig“, meinte Förster, und darüber hinaus seit etwa einem Monat am Vorbereiten. „Wir wollen das Maifest am Leben erhalten“, betonte er.

„Die Bude“, wie der Vorsitzende das Clubhaus in der Schulstraße 12 nannte, soll für alle offen sein. Dort finden auf der „Bunten Bühne“ regelmäßig Konzerte und Lesungen statt. Hierbei werden vor allem junge Künstler und Bands aus der Region sowie Schülerbands gefördert. „Hass und Rassismus haben bei uns keinen Platz“, jeder kann kommen“, betonte er. Die Wohnzimmer-Größe „schafft Nähe zwischen den Besuchern“. Sie gehen aufeinander zu, beobachtete Förster.

„Wir läuten den Sommer ein“, sagte der Callas-Mann mit Blick auf das herrliche Wetter. Allerdings war auch der Regen der Vortage sinnvoll, dann so war der Boden durchfeuchtet und Förster konnte die vielen aufgeschichteten Holzstücke anzünden. Rund um die Flammen ließ es sich dann gut aushalten, während langsam die nächtliche Kälte hochstieg. Für die Kinder war das Herumtollen auf der großen Freifläche herrlich, während sich die Eltern unterhielten oder der Musik lauschten.

Den Start machte „Violence Fist“ aus Weinheim mit nach eigener Aussage „alternativer Volksmusik“, einer doch sehr gewagten musikalischen Melange aus vielen Stilrichtungen wie deutschem Schlager, Rock’n‘Roll, Salsa und Metal. „Free Fallin“ zollten dem kürzlich verstorbenen Tom Petty und seiner Band „the Heartbreakers“ Tribut.

„The Paper Sailors“ aus Rimbach vermittelten mit ihrem bluesinfizierten Folk-Rock ein Gefühl von Freiheit und Sehnsucht. Die Band vermischte Indie-Folk mit Elementen aus Blues und Classic-Rock und kreierte damit einen unverwechselbaren Vintage-Sound. Die Band „Bagmo“ aus Neckarsteinach bot neben eigenen Songs eine ausgedehnte Reise durch die Musikgeschichte von Elvis über AC/DC und Janis Joplin bis hin zu Rage Against The Machine und Metallica.

Eine vor Spielfreude sprühende Band: „Maverick“ in der Music Hall

Das fetzt, das rockt, das geht in die Beine. Was die Hardrocker von „Maverick“ in der Live Music Hall abliefern, ist ein Konzert allererster Güte. Melodiöse Gitarrenriffs, eingängige Melodien und eine vor Spielfreude sprühende Band machen vergessen, dass sich im Odenwald nur eine überschaubare Anzahl von Fans zusammengefunden hat, um den Auftritt des nordirischen Quintetts aus Belfast zu bejubeln.

Aber die Besucher machen an Stimmung und Enthusiasmus locker das wett, was an Menge fehlt. Kein Wunder: Die gutgelaunte Truppe auf der Bühne um Sänger David Balfour macht es ihnen leicht. Der lässt sich mit seinen Mannen Ryan Sebastian Balfour und Ric Cardwell (Gitarren), Richie Diver (Bass) und Jonathan Millar (Drums) nicht die Laune verderben und heizt den Besuchern ordentlich ein.

Kein Song vergeht, bei dem der stimmlich absolut präsente Part der Balfour-Brüder nicht ständig in Bewegung ist, die Leute animiert, zum Mitmachen auffordert. Eine große Show für die kleine Fangemeinde. Herrlich sein Versuch, als „Guy from Belfast“ Mörlenbach richtig auszusprechen. Das geht zwar mit „Morlenbakk“ irgendwie daneben, aber schließlich ist der Mann auch zum Singen gekommen. Und das kann er so gut, dass unwillkürlich die Frage auftaucht, warum man von der Band nicht schon viel früher was gehört hat.

Melodiöser Hardrock mit ordentlichen Groove und Melodien zum Mitsingen: So lassen sich die Songs von Maverick beschreiben, die die Gruppe seit 2013 auf inzwischen drei Alben gepresst hat. Wobei das aktuelle, „Cold Star Dancer“, nicht nur das ausgereifteste ist, auf dem die Truppe qualitativ so richtig aus dem Vollen schöpft, sondern auch der Tour seinen Namen gegeben hat.

Gleichzeitig ist es der Opener eines Konzerts mit 15 Stücken, das keinen Durchhänger kennt. Durchgehend halten die fünf Musiker den Level am Anschlag, legen nicht nur los wie die Feuerwehr, sondern bleiben auf dem Gaspedal, selbst bei den so angekündigten „ruhigeren“ Stücken. Die Lautstärke ist vielleicht das einzige Manko eines ansonsten sehens- und hörenswerten Auftritts. Die ist auf 500 statt 50 Zuschauer ausgerichtet.

Die Bass-Drum dröhnt, die Snare scheppert, der Bass lässt die Hosenbeine flattern – eindeutig zu laut ohne Ohrenstöpsel. So gehen manchmal die Zwischentöne in den Songs verloren, die es wert sind gehört zu werden. Denn „Maverick“ nennt nicht umsonst die (Hard-)Rock-Heroen aus vergangenen Zeiten als Vorbilder: KISS, Iron Maiden, Alice Cooper, Rory Gallagher, Aerosmith, Def Leppard, Guns n‘ Roses oder Stevie Ray Vaughan werden zitiert.

„Quid Pro Quo“ und „Big Red“ heißen die beiden 2014 und 2016 erschienen Scheiben. Vom Erstling ist unter anderem „Got it back“ zu hören, das sich nahtlos in die Lieder aus der aktuellen CD einfügt. Der dreistimmige Background-Gesang, gepaart mit klasse Gitarren-Riffs, gibt den Songs eine fast schon mainstream-taugliche Struktur, auch wenn die Stücke deutlich härter gespielt werden als auf der Studio-Aufnahme. Und dann ist da eben noch Shouter David Balfour. Der ist eine Klasse für sich und kann durchaus mit den Großen des Genres mithalten.

„Ex Machina”, „Forever“, „Myrmidon“ oder „The One“: Das geht in die Ohren, wenn auch durch die Lautstärke unfreiwillig zu tief. Hier mal ein Riff mit Anklang Deep Purple, dort mal eine Songstruktur, die an Foreigner erinnert, hier der vierstimmige Gesang Marke Def Leppard, aber alles zusammengesetzt mit Copyright Maverick: Kein Wunder, dass sich die Kritiken für das Album „Cold Star Dancer“ fast überschlagen.

„Kiss Of Fire“ vereint wuchtige Gitarren und prägnanten Gesang. „Ex Machina“ steht für einprägsame Riffs und mitreißende Hooklines. Nicht zu vergessen die Maverick-typischen mehrstimmigen Refrains. Die Nordiren bieten Hardrock at ist best. Pur, ehrlich, authentisch, ohne Schnörkel, ohne unnötiges Beiwerk, einfach losgerockt.

Den Anfang des Abends machte „DeVicious“ mit melodischem Rock Made in Germany. Die fünf Musiker rund um Bassisten Alex Frey sind in der Music Hall keine Unbekannten mehr. Sie stehen für ehrliche, handgemachte Rockmusik.

Ebenfalls aus dem süddeutschen Raum mit deutlich hörbarem schwäbischen Akzent: TwentyDarkSeven. Hier war ebenfalls die melodische Komponente deutlich hörbar, auch wenn die Songs ein wenig härter rüberkamen – was eindeutig an der Reibeisenstimme von Sänger Marcus Jürgens lag. Beide Bands haben bisher zwei Alben vorgelegt, die sie bei ihren jeweils 45-minütigen Sets präsentierten.

„Garden of Delight“ mit Celtic-Pirate-Irish-Folk Schema F

Es ist wie ein einziges großes Déjà-vu: „Garden of Delight“ spielen wieder in der Live Music Hall. Zum zehnten Mal in sechs Jahren. Und es kommen: noch weniger Zuschauer. In den Anfangsjahren waren es mal zwischen 120 und 150. Was sich die Band – neben der Häufigkeit der Auftritte –zum Teil auch selbst zuzuschreiben hat. Gespielt werden fast die gleichen Songs wie vor knapp fünf Monaten, als die Truppe des Lautertalers Michael Jung zum letzten Mal hier gastierte. Und wieder tritt die Band nur zu dritt auf, obwohl sie auf Bildern zu viert beworben wird.

Der Funke will nicht so richtig überspringen. Die meisten Gäste haben an den Bistrotischen Platz genommen, nur einige wenige trauen sich auf die Tanzfläche und gehen zur Musik mit. Von der Bühne kommen auch keine Bemühungen, das groß zu ändern, kaum Animation, doch mal die Wohlfühlzone mit dem Bier in der Hand zu verlassen und etwas Stimmung zu machen. Quasi Business as usual.

Als „mehrfach national und international preisgekrönte Sensationsband aus dem ZDF-Fernsehgarten“ beworben, auf dem Tour-Plakat als „Deutschlands erfolgreichste Celtic-Rockband“ bezeichnet, mit dem „charismatischen Sänger und Bandleader, Mastermind Michael M. Jung“, muss sich eine Gruppe, die sich in dieser exaltierten Form darstellt, daran auch messen lassen. Und kann logischerweise nur verlieren. Wenn sich die Songs wie ein Ei dem anderen gleichen, sind die Voraussetzungen noch schwieriger, die Erwartungen zu erfüllen.

Was „Garden of Delight“ bieten, ist gute, aber auch biedere musikalische Folk-Hausmannskost, gewürzt mit keltischen Elementen, verfeinert mit Piraten-Zutaten und abgeschmeckt mit ein paar netten Cover-Songs aus 20 Jahren, die die Truppe auf ihr neues Album „Eternity“ gepresst hat. Das Problem: Mit ziemlich genau diesen Stücken war „G.O.D.“ bereits Ende Oktober auf Tour. Ein eindeutiges Anzeichen dafür, dass die Band inzwischen im hiesigen Raum „überspielt“ ist.

Ein stoisches Schlagzeug-Spiel und immer ähnliche Akkorde von Jungs akustischer Gitarre werden zum Glück abgelöst von der prägnanten Geige Dominik Roeschs, die immer wieder für ein Aha-Erlebnis sorgt. Aber auch bei ihm wird im Laufe des Konzerts deutlich, dass er in einem Song drei oder vier Mal die gleiche Melodie spielt, ohne einen Ton zu variieren.

Dass die Truppe um Jung und den „Teufelsgeiger“ deutlich besser kann, hat sie in den vergangenen Jahren als Quartett schon oft bewiesen. Doch als Trio fehlte den einzelnen Stücken irgendwie die Fahrt, die Begeisterung, die Abwechslung, der Drive. Da ist einfach zu wenig zwischen Bühne und Publikum. Sogenannte Piratensongs haben irgendwie doch einen keltischen Touch, Beispiel „Stay with me“.

Wenn Roesch der Geige die eingängigen Töne entlockt, kommt bisschen mehr Bewegung in die Menge. Er ist immer in Bewegung, schwingt den Geigenbogen, wirbelt ihn in die Luft, springt selbst beim Spielen, feixt herum, hüpft auf einem Bein, kann nicht ruhig stehen. Er lebt seine Musik, bringt seine Begeisterung rüber. Wenn Roesch das Instrument an den Hals legt und zu spielen anfängt, taucht er völlig in seine Welt ab.

Lediglich Jungs akustische Gitarre, seine sonore, ewig gleiche Stimmlage, plus das – positiv formuliert – sparsam eingesetzte Schlagzeug hätten die Stücke nicht tragen können. Roesch reißt es immer wieder raus. Mit ihm wird es fetziger Celtic Folk, kommen Gassenhauer und Mitgrölsongs zustande, wo es sonst nur plätschert.

Mehr als 20 Jahre gibt es Garden of Delight bereits. Auf „Eternity“ finden sich Lieder, die die Band in diesen Jahren prägten, Covers, aber auch eigene Stücke. Etwa die gefühlvolle Ballade „Redemption Day“ von Johnny Cash, im Original von Sheryl Crow. Oder das powervolle „I hung my head” von Sting. Wenn dann „The Tramp“ aus dem ersten Album oder der Piratensong „Go Sailing with us“ angestimmt werden, ist Roesch wieder dran, geht es deutlich mehr ab. „The Hopeless Rolling Stone”, „Darlingtown” oder die „Ballad Of Rob The Tailor“ zeigen mehr oder weniger Celtic-Pirate-Irish-Folk Schema F. Schade.

Würdige Einstimmung auf den St. Patrick’s Day mit den Irish Voices

Das war eine würdige Einstimmung auf den irischen Nationalfeiertag, den St. Patrick’s Day: Ein begeistertes Publikum erlebte in der „Mühle“ ein sehr stimmungsvolles Folk-Konzert mit dem „Irish Voices“. Die Rahmenbedingungen waren bereits vielversprechend. Das schön dekorierte „Heuwagenzimmer“ konnte die vielen Zuschauer nur durch eilends aufgestellte zusätzliche Stühle fassen. Auf dem Heuwagen „thronten“ erwartungsvoll die Mörlenbacher „Tyrant Eyes“, eine der bekanntesten Metal-Bands der Region, und viele, zum Teil von weiter her angereisten Folk-Fans.

Ein Hauch von Irland lag über der „Mühle“. Vor dem geistigen Auge entsteht ein Bild der Insel mit ihren weiten, sattgrünen, manchmal auch kargen Landschaften, am Himmel entlang treibenden Wolkenfetzen, den vier Jahreszeiten an einem Tag. Schmale Straßen schlängeln sich durch Hügel, hinter jeder Kurve stehen ein paar der unzähligen Schafe. In diese Eindrücke mischen sich langsam die Instrumente. Willkommen bei einem Konzert der „Irish Voices“!

Simone Köhler und Siggi Winkler gestalteten den Auftakt leider ohne die erkrankte Geigerin der „Irish Voices“, Friederike Hornauer. „Unser Sahnehäubchen kann heute leider nicht dabei sein“, bedauerte Winkler einleitend. Die Zuhörer erlebten mit „Farewell to the Rhonda“ und „Treat me doughter kindly“ einen flotten Auftakt, der sie sofort zum Mitklatschen animierte.

Sanfte Balladen wie „Ride on“, eines der Paradestücke von Simone Köhler, ausdrucksvoll gesungen und gezupft, oder „The town I loved so well“, mit dem sich Siggi Winkler erstmals stimmlich vors Publikum wagte, wurden immer wieder von flotten Pubsongs unterbrochen. Erwartet und gefordert wurde der Bogen zur heimischen Mundartfolklore. Winkler brachte von seiner neuen Mundart-CD die „Moritat vom Hölzerlips“. Ein Stück, das auch nachdenklich machte, weil in der Zeit um 1800 oft die Armut und der Hunger die Leute zum Diebstahl brachte.

Nach kurzer Umbaupause traten zwei neue Musiker an die Mikrofone: Heike und Rüdiger Mauelshagen. Sie hatten für diesen Abend zusammen mit Simone Köhler einige Stücke neu arrangiert, darunter auch weniger bekannte Lieder wie „Wayfaring stranger“. Dabei handelt es sich um einen Song, den auch schon Johnny Cash spielte. Von Heike Mauelshagen eindrucksvoll mit rauchiger Stimme gesungen, spendete das Publikum dafür langanhaltenden Beifall.

„The lark in the morning“ und „Spancill Hill“ waren rhythmische Songs, die von Rüdiger Mauelshagen temperamentvoll auf der Rahmentrommel Bodhran begleitet wurden. Er stand erstmals vor einem Publikum in dieser Größenordnung. Seine Frau Heike sorgte mit der Low Whistle für weniger bekannte Folktöne, maßgeschneidert für zwei Instrumentalstücke und als Zwischenspiel bei einer Ballade.

Ins letzte Drittel des Abends starteten wieder Simone Köhler und Siggi Winkler als Duo. Sie boten unter anderem neue Lieder wie „Kelly, the boy from Killane“ aus dem County Leinster, das von einem misslungenen Aufstand der Iren berichtete, die im Jahr 1798 eine Niederlage gegen die Engländer erfuhren. Überhaupt hatten die Musiker sehr viele historische Stücke aus dem 17. und 18. Jahrhundert im Gepäck, die Geschichten aus dieser Zeit erzählten.

Zum Schluss standen alle vier gemeinsam auf der Bühne und sorgten für ein furioses Finale mit flotten Songs. „A tell me ma“ fehlt auf keinem Pubabend, „Haul away Joe“ war ein Shanty, der zum rhythmischen Mitklatschen animierte. Auf Zuruf folgten einige Mundartsongs, bevor der Abend mit „Whiskey in the Jar“ und, schon fast traditionell, mit der „Scholze Gräit“ gemeinsam beendet wurde. Wie sagte ein aus Reichelsheim angereister Gast: „Ein ganz besonderer und unvergesslicher Abend.“

Bei der Musik-Kombi bekommt Graf Dracula Zähneklappern

Den Spruch muss sich die Band aus Transsilvanien, der Heimat Graf Draculas, patentieren lassen: „Kommt ruhig näher, wir beißen nicht“, fordert Sänger Robert Rusz die Zuschauer in der Live-Music-Hall mit Nachdruck auf, doch nicht so weit weg von der Bühne zu stehen. Der Shouter von „Dirty Shirt“ hat damit auch Erfolg, die Gekommenen trauen sich und werden nicht enttäuscht. Was die achtköpfige Truppe aus Rumänien abliefert, lässt vor Staunen den Mund offen stehen.

Party, Folklore, Gypsy, Metal: So beschreibt die schon vor mehr als 20 Jahren gegründete Truppe ihr musikalisches Spektrum. Kein Wunder, dass sie mit dieser wilden Kombination schon den zweiten Platz beim „Wacken Battle 2014“ machte. Fast schon orientalische Anklänge mischen sich mit harten Gitarrenriffs von Cristian Balanean und Dan Petean, zweistimmiger Gesang und Growls treffen auf Geigenklänge von Cosmin Nechita, Klaviertöne auf eine Double-Bassdrum von Vlad (wie passend) Toca, die sich den Gehörgängen einprägt.

Das Ganze ist gepaart mit einer riesigen Spielfreude, der auch der etwas überschaubare Besuch nichts anhaben kann. Die Jungs lassen sich davon nicht beirren, ziehen ihre Show ab, machen oben Party ohne Ende und spielen sich die Finger wund. Dan „Rini“ Craciun, als zweiter Sänger für die hohen Töne zuständig, macht sich außerdem den Spaß, einen selbstgebrannten, transsilvanischen Schnaps im Publikum auszuschenken.

Da stellt sich dann unwillkürlich die Frage, ob die acht Leute oben auf der Bühne genau deshalb so gut drauf sind, weil sie ein paar Schluck davon genommen haben – oder weil sie einfach einen Riesenbock auf ihre Musik haben. Es war eindeutig das Zweitere, auch wenn beim Nippen klar wird, warum Craciun so hoch singt: Das Getränk raspelt die Stimmbänder frei.

Die Rumänen sind derzeit auf „European Letcho Drom-Tour“ mit ihrem aktuellen Album „Letchology“, der fünften Scheibe in der Bandgeschichte. Balkan-Folk mit ein paar Rap- und Funk-Elementen, dazu moderner (Hardcore-)Metal-Sound beeindrucken auf allen Werken. Die Band fetzt aber nicht nur los, sondern hat ein gutes Gespür für melodiöse Rhythmen und eingängige Songstrukturen, die die heftigen Growls von Robert Rusz damit etwas weichspülen.

Wären die acht Jungs nicht aus Rumänien, sondern aus Großbritannien, würden sie durchgängig englisch texten statt auch in ihrer Muttersprache zu singen, hätten sie bestimmt schon einen gewaltigen Exotenbonus in der sonst so weichgespülten Rockszene,  gäbe es sicherlich schon den ganz großen Hype. Denn Dirty Shirt macht in punkto Folk-Einfluss bei den Hardrock- oder Metalsongs kaum etwas anderes als die Abräumer von Nightwish oder Leaves Eyes – nur dass die sich eher auf keltische und nordische, hierzulande bekanntere und griffigere Melodien, konzentrieren.

Auf dem neuen Werk „Letchology“ geht’s nicht nur stimmlich, sondern auch rein instrumental flott zu. „Letcho Drom“ ist schon fast symphonisch, E-Gitarre, Geige und Keyboard bilden einen dichten Soundteppich. Bei „Palinca“ wird der Metal-Anteil deutlich hochgeschraubt. „Freak Show“ vom vorigen Album ist eine der härtesten Nummern, bei der die Ohren schlackern.

Folkloristisch, wie man sich klischeetypisch die große rumänische Familienfeier vorstellt, mit fast schon klassischem Tenor-Gesang, Chorelemente, ein Akkordeon aus dem Keyboard von Mihai Tivadar gezaubert, hier noch ein paar Bläser dazu, ein Battle Geige-Gitarre: Dirty Shirt spielt so druckvoll, extravagant, ausdrucksvoll, dass keiner stillstehen kann.

Dass harte Rocker auch die traurigen Töne drauf haben, zeigen die acht bei „Pretty little heart“, das im rumänischen Original natürlich etwas anders heißt. Kurz mal ein symbolisches Tränchen verdrückt, dann knallt das Schlagzeug los, die tiefer gestimmten Gitarren gehen ab. Pause vorbei. Die Crossover-Musik von Dirty Shirt macht extrem viel Spaß, ist kurzweilig und geht ab. Die Band sollte man mal live gesehen und noch besser, auch gehört haben.

Wenn Oper auf Heavy Metal trifft: Imperial Age in der Music Hall Weiher

Was für eine Kombi: Die Spanier von „Sechem“ mit ihrem orientalisch angehauchten Metal, die deutsche Band „Molllust“ mit ihrem Mix aus Opernklängen und harter Rockmusik sowie schließlich der russische Headliner „Imperial Age“ mit Symphonic Metal, der von den klassischen Gesangs-Anklängen lebte. Alle drei waren zusammen in der Music Hall zu erleben und wurden von den Fans groß gefeiert. Die waren leider allerdings, wie öfters, wenn es sich um etwas unbekanntere Bands handelt, in nicht allzu großer Zahl erschienen.

„Molllust”, das Ensemble rund um die Bambergerin Janika Groß, vereint scheinbar widersprüchliche musikalische Spielarten und Sparten miteinander. Klavier und Kontrabass treffen auf ein wuchtiges Metal-Fundament aus E-Gitarren, Bass und Schlagzeug. Verzerrt und orchestral verbinden sich beide Welten mit viel Liebe zum Detail auf vielschichtige Weise. Der warme, dunkel gefärbte Sopran der Bandleaderin prägt den vollen, vielfältigen Klang des sogenannten „Opera Metal“

Neben Janika Groß stehen auch Frank Schumacher (Rhythm Guitar, Vocals), Lena Böhme (Lead Guitar), Imki Niemeier (Kontrabass) und Eric Böhme (Drums) auf der Bühne. Die Lieder, mal auf Deutsch, mal auf Englisch, leben von der fast theaterhaften Inszenierung und sind fast schon ein Schauspiel an sich, dominiert von der Bühnenpräsenz der Chefin im Ring. Sie steht mit ihrem Keyboard frontal auf der Bühne, verlässt ihren Platz an den Tasten aber ein ums andere Mal, um in Form einer Opernaufführung den Stücken eine besondere Theatralik zu geben.

Fasziniert von der Idee, die klassischen Wurzeln mit Metal zu verbinden, begann Groß 2005 erste Arrangements zu schreiben, begab sich 2009 auf Musikersuche und gründete schließlich im Januar 2010 „Molllust“. Seit November 2013 singt sie außerdem bei „Haggard“. „Voices of the Dead“, von dem es auch ein YouTube-Video gibt, ist eindeutig das eingängigste Lied im Repertoire. Treibende Rhythmen, eingängiger Refrain, verspielt, ungewöhnlich, bietet es einen so ganz anderen Blick aufs Genre. Zwischendurch aber präsentiert sich „Molllust“ ziemlich abgedreht, mit vertrackten Songstrukturen, manchmal auch außerhalb des normalen Melodienreigens – man mag es oder eben nicht.

Großes Vorbild dürfte die Finnin Tarja Turunen sein, die Nightwish mitbegründete. Sie singt aufgrund ihrer Ausbildung als klassische Sängerin Metalstücke grundsätzlich im klassischen Stil. Die Kombination von harten Gitarren und klassischem, „opernhaften“ Gesang begeisterte Ende der 1990er Jahre schnell sowohl Kritiker als auch Publikum und bescherte der Band eine Weltkarriere.

Deutlich eingängiger sind die Stücke der Russen von „Imperial Age“, die mit ihrem Album „The Legacy of Atlantis“ zum ersten Mal auf Headliner-Tour in der EU waren. Die Symphonic Metal Band kombiniert ihren Heavy Metal mit akademischen Chören sowie symphonischen Orchestern. Dabei entsteht eine Musik, die so klingt, als wenn Therion auf Nightwish, Rhapsody, Manowar und Avantasia trifft. Das Besondere ist der dreistimmige Gesang von Alexander Osipov, Jane Odintsova und Anna Moiseeva.

Paul Maryashin (Gitarre), Max Talion (Schlagzeug) und Dmitry Safronov (Bass) bilden die Rhythmus-Sektion, die für einen bombastischen Sound sorgt. Zusammen mit den vom Band eingespielten Keyboards – eine Unsitte, die derzeit auch bei „Beast in Black“ oder „Kamelot“ immer mehr um sich greift – macht die Moskauer Truppe eine Riesenstimmung. Da stehen Profis auf der Bühne, das merkt man gleich. Die Animation stimmt, auch wenn es mal nicht so viele Besucher sind.

Dazu kommen die zwei Sängerinnen als Blickfang für die männlichen Metal-Fans, während die Musiker bei ihrer Kleidung eher in Richtung traditionelle Kosaken-Kluft gehen. Paul Maryashin und Safronov sind fürs Headbangen zuständig: Man sieht mehr Haare als das Gesicht, so oft fliegen die braunen Mähnen durch die Gegend. Die Anklänge sind ziemlich deutlich herauszuhören: Die Mischung zwischen klassischem Gesang und Heavy Metal haben Bands wie „Therion“ oder „Arkona“ bereits perfektioniert.

Die Moskauer Gruppe macht ihre Sache sehr gut: Bombast-Balladen, melodische Gitarrensoli, sonore Tenor-Männerstimme, als Kontrast die klaren Frauen-Organe in Sopran und Mezzosopran, sphärische Klänge und hymnischer Gesang unterhalten die gut gelaunte Menge im Saal. Von dem 2012 gegründeten Sextett wird man sicher noch einiges hören.