Verein Bushido Wald-Michelbach richtete internationales Karateturnier aus

Schnelligkeit sowie die absolute Beherrschung von Geist und Körper: Diese Attribute machen für Bundestrainer Klaus Bitsch die Faszination beim Kampfsport Karate aus. Dazu kommt noch trotz des „Draufhauens“, wie es der 54-Jährige schmunzelnd etwas plastisch ausdrückt, „der Respekt vor dem Gegner“. Beim „U21-Randori“ waren in der Großraumhalle 600 Starter aus 21 Nationen am Start, um sich für Europa- und Weltmeisterschaft zu qualifizieren.

Von den Mitgliedern seines Nationalkaders ist Bitsch überzeugt. „Da gibt es keine Überraschungen“, sagt er. „Wer sein Niveau mal hat, der hält es auch.“ Neben den Deutschen schätzt er auch  die Ungarn und Dänen als ziemlich starke Karate-Nationen ein. Allerdings laufen die Kämpfe im Modus jeder gegen jeden ab, weshalb alles möglich ist. „Es gibt 45 Finalkämpfe“, betont der Bundestrainer. In den verschiedenen (Alters-)Klassen ist somit alles offen. „Das wird ganz schön hart“, weiß er.

Klaus Bitsch wohnt zwar seit 27 Jahren nicht mehr im Odenwald, ist aber mit seinem Ourewällerisch selbst nach langer Zeit in Thüringen sofort als solcher zu erkennen. Er stammt aus Breitenwiesen, einem kleinen, zu Lautertal gehörenden Weiler. Das Turnier in Wald-Michelbach bezeichnet er als etwas Besonderes, da es das größte seiner Art in Deutschland ist. Es gibt noch ein weiteres im Westerwald und dann natürlich die Deutschen Meisterschaften, erläutert er.

„Alle, die in Deutschland im Karate eine Rolle spielen“, sind seinen Worten zufolge im Überwald am Start. Als Trainer „sieht er jeden gegen jeden kämpfen“, sagt Bitsch. Gerade die Konkurrenz mit anderen Nationen ist interessant. Die Creme de la Creme zwischen sieben und 21 Jahren ist hier am Start. Selbst die kleinsten Pimpfe haben die Bewegungen und Schreie schon voll drauf. Einer, der schon in den vorherigen Turnieren für Aufsehen sorgte, ist Mohamed Özdemir. Den nahm der Bundestrainer bereits bei früheren Teilnahmen in Wald-Michelbach in Augenschein. „Der ist jetzt so gut wie im Nationalkader“, weist er auf das große Talent des Kämpfers hin.

Markus Emmerich und den Helfern des Vereins Bushido ist es zu verdanken, dass das internationale Turnier nach dem Auftakt 2011 wieder einmal in Wald-Michelbach stattfand. Zwischendurch waren auch Mörlenbach und Rimbach dran.  Zur Eröffnung dieses besonderen Sportereignisses kamen auch Bürgermeister Sascha Weber und Landrat Christian Engelhardt vorbei. Grußworte entbot außerdem der Vizepräsident des deutschen Karateverbands, Falk Neumann.

Für den Verein mit seinen 50 Mitgliedern ist die Ausrichtung inzwischen fast Routine. Im ersten Jahr waren es noch 350 Starter, in Mörlenbach zwischenzeitlich 500, 2017 zählte man sogar 670 Teilnehmer. Unterstützung gibt’s von den befreundeten Vereinen in Mörlenbach, Rimbach, Viernheim und Birkenau, die bei der Organisation rund ums Turnier kräftig mit anpacken und die Verpflegung schmeißen.

Um das Sportliche kümmert sich Klaus Bitsch mit seinen Leuten. Island, Nepal, Saudi-Arabien oder Ägypten lauten unter anderem die Herkunftsländer der jungen Sportler. Die Internationalität zeigt sich auch am Stimmengewirr rund um das Verpflegungszelt. Luxemburg, Litauen, Polen, Frankreich, Schweiz oder Österreich sind andere Teilnehmerstaaten. „Ein solches breites Starterfeld findet man in Wald-Michelbach sonst bei Sportveranstaltungen nicht“, zeigt sich Emmerich stolz. „Sogar einer aus Hawaii war schon dabei.“ Denn das internationale Turnier des deutschen Karateverbands dient ja der Quali der Jugendlichen für EM und WM in Tokio im kommenden Jahr.

Für ihn ist es genau diese Internationalität, die das Besondere ausmacht. „Wir haben hier eine ganz tolle Atmosphäre“, schwärmt er.  Zusammen mit Eltern und Betreuern finden sich um die 1000 Besucher vor Ort ein. „Für uns als Verein eine große Leistung“, betont Emmerich. Was bedeutet, dass Hotels und Pensionen im Umkreis restlos ausgebucht sind. Aber die Erfahrung  macht es eben.  Samstagabend gab es die Übertragung des Pokalendspiels als weiteres Highlight.

Randori (japanisch wörtlich: das Chaos nehmen) ist eine Übungsform des Kampfes im Budō, den japanischen Kampfkünsten. Sinngemäß steht dabei der Übungskampf Randori dem Shiai − dem eigentlichen Wettkampf − gegenüber. Beim Randori geht es nicht um gewinnen oder verlieren, sondern darum die zuvor erlernten Techniken im Fluss des Kampfes anwenden zu lernen.

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„Irish Voices“ entführen am Samstag, 14. April, in der Weiherer „Mühle“ nach Irland

Ein musikalischer Gruß von der Grünen Insel Irland weht durch den Landgasthof „Zur Mühle“: Am Samstag, 14. April, spielen dort die „Irish Voices“ ihr erstes „reguläres“ Konzert in diesem Jahr. Los geht es im romantischen „Heuwagenzimmer“ um 20 Uhr. Simone Köhler, Siggi Winkler und Friederike Hornauer nehmen das Publikum mit auf eine Reise durch die Zeit und die irische Geschichte. Mal melancholisch und tieftraurig, mal lebenslustig, vor Freude sprühend, sind die vielen Songs, die sie an diesem Abend darbieten.

Das Folktrio „The Irish Voices“ gibt es seit mehr als 13 Jahren. Mittlerweile umfasst das Repertoire der Gruppe über 200 überwiegend traditionelle, aber auch zeitgenössische Songs, Reels and Jigs. Dazu gesellen sich aber auch viele „exotische“ Titel. Eine Spezialität sind einige eigene Folks, besonders eigene oder überlieferte Odenwälder Mundartsongs.

Ihre Musikrichtung definieren die Drei als „Traditional Irish“ – nicht immer, aber überwiegend. Dafür stehen die traditionellen Instrumente Geige, Gitarre, Gitarrenbanjo, Bodhran, (Tin) Whistle, Viola, Querflöte und natürlich die Stimmbänder. „Keyboard, Schlagzeug und andere zeitgemäß opportune Instrumente sind bei uns nicht zu erwarten“, betont Simone Köhler.

Es werden jedes Jahr über Winter weiterhin neue Songs eingeübt. „The long run“, „Farewell to the Rhonda“, „The water is wide”, „Treat me doughter kindly”, „Any town in Ireland” oder „The working man“ sind einige der „neuen Lieder”. Teils sind sie populär, teils aber auch nur als „Local Songs” in Irland bekannt.

Balladen, fast schon a-cappella vorgetragen, mischen sich mit fetzigen Hornpipe-Songs aus den Pubs, bei denen die Zuhörer fast schon automatisch anfangen zu klatschen. Aktuelle Songs von irischen Popstars gibt es genauso zu hören wie alte, traditionelle Lieder, die mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel haben.

Der Weiherer Siggi Winkler ist Irland schon seit vielen Jahren mit Haut und Haaren verfallen. Über 20 Mal war er bereits dort, davon auch sechs oder sieben Mal in Connemara. Für die Iren war seit je her die Musik ein Ausgleich für Unterdrückung, entbehrungsreiches Leben und karge Landschaft, erzählt er. Das bunte Leben und Treiben in den Pubs, wo sie sich seit Jahrhunderten treffen, ist quasi ein Gegenpol.

Ihre Inspirationen bezieht die Irish-Folk-Gruppe oft an einer irischen Musikschule, bei der die Mitglieder seit Jahren regelmäßige Gäste sind. „Stillstand ist Rückschritt“, erklären Simone Köhler und Friederike Hornauer immer wieder. Daher gehören auch wiederkehrende musikalische Exkursionen auf die Grüne Insel zum „Pflichtprogramm“.

Neben der in den Songs thematisierten Auswanderung, die vor allem im 19. Jahrhundert die Grüne Insel schwer traf, steht auch immer der Widerstand gegen die Briten im Mittelpunkt der Tunes, Reels und Jigs. Oft zeigt sich darin die Kunst der Iren, aus einem Lied über ein trauriges Ereignis einen fetzigen Song zu machen. Der Wechsel zwischen getragenem Gesang hin zu einer flotten Melodie kennzeichnet ebenso etliche andere Lieder.

Info: Vorreservierungen für das Konzert der „Irish Voices“ am Samstag, 14. April, 20 Uhr, werden in der „Mühle“ unter Telefon 06209-1634 entgegengenommen. Weitere Infos unter the-irish-voices.chapso.de

Die „Irish Voices“ stehen in den Startlöchern für die neue Konzertsaison im Odenwald

Wenn die Natur in Deutschland erwacht, dann sprießen auch wieder die musikalischen Knospen von der „Grünen Insel“. Wobei die „Irish Voices“ beileibe nicht im Winterschlaf waren, sondern seit vergangenem Herbst kräftig an neuen Songs feilten. Die gibt es am Vorabend des St. Patrick’s Day erstmals in Mörlenbach zu hören, ehe dann im April das Jahresprogramm startet. Die ersten Auftritte der Irish-Folk-Gruppe aus dem Odenwald mit vielen neuen Songs und Tunes sind bereits unter Dach und Fach.

Die Konzerte der „Irish Voices“ versprühen immer gute Laune und sind prädestiniert für unterhaltsame Abende, bei dem das Flair der Grünen Insel mit jeder Faser zu spüren ist. Die Gruppe setzt bewusst nicht auf die irischen „Folk-Schlager“, wie sie hoch unter runter laufen, sondern will die ungefilterte Pub-Atmosphäre rüberbringen. Seit nunmehr 15 Jahren touren die Musiker mit ständig verändertem Programm. Sie wollten eigentlich alle niemals in einer Band auftreten, aber es hat sich durch ihre Liebe zur traditionellen irischen Musik „alles so ergeben“.

Zunächst waren Johanna Boch und Siggi Winkler als Duett auf privaten Feten und später auch öffentlich unterwegs. Dann wurden sie mit Simone Köhler zu einem Trio, später mit Friederike Hornauer zum Quartett. Im vergangenen Jahr musste Johanna Boch ihre Musikerfreunde aus gesundheitlichen Gründen verlassen, seitdem sind diese wieder als Trio unterwegs: musikalisch gereift, mit altem Konzept, aber neuen Ideen und immer wieder neuen Songs.

Ihre Musikrichtung definieren die Drei als „Traditional Irish“ – nicht immer, aber überwiegend. Dafür stehen die traditionellen Instrumente Geige, Gitarre, Gitarrenbanjo, Bodhran, (Tin) Whistle, Viola, Querflöte und natürlich die Stimmbänder. „Keyboard, Schlagzeug und andere zeitgemäß opportune Instrumente sind bei uns nicht zu erwarten“, betont Simone Köhler.

Mit inzwischen über 200 Songs und Tunes ist die Auswahl für ihre (O-Ton) „Konzertchen“ immer eine „Qual der Wahl“, schmunzelt Siggi Winkler. Aber es werden jedes Jahr über Winter weiterhin neue Songs eingeübt. „The long run“, „Farewell to the Rhonda“, „The water is wide”, „Treat me doughter kindly”, „Any town in Ireland” oder „The working man“ sind einige der „neuen Lieder”. Teils sind sie populär, teils aber auch nur als „Local Songs” in Irland bekannt.

Für Abwechslung sorgen immer einige eingestreute Ourewäller Mundartsongs, die überwiegend aus eigener Feder stammen. Die „Irish Voices“ wollen ihre regionalen Auftritte in diesem Jahr auf zehn begrenzen. Davon sind sieben öffentlich. Auf der Agenda stehen im Frühjahr zunächst zwei Konzerte: Saisoneröffnung ist am Vorabend des „St. Patrick‘s Day“ am Freitag, 16. März, um 19.30 Uhr im katholischen Pfarrheim Mörlenbach. Hierzu wird als „Schmankerl“ eine Fotoshow mit 1000 Bildern aus Irland vorbereitet.

Das eigentliche Premierenkonzert findet am Samstag, 14. April, in Weiher um 20 Uhr im Landgasthof „Zur Mühle“ statt. Vorreservierungen sind hierzu unter Telefon 06209-1634 zweckmäßig. Es folgen später Auftritte in Zotzenbach (Museum Rotes Haus, 3. Juni) und Birkenau (Bistro Toskana, 17. Juni). Ende September tritt das Trio traditionell im Nibelungencafé des Hotels Gassbachtal in Gras-Ellenbach auf.

Ihre Inspirationen bezieht die Irish-Folk-Gruppe oft an einer irischen Musikschule, bei der die Mitglieder seit Jahren regelmäßige Gäste sind. „Stillstand ist Rückschritt“, erklären Simone Köhler und Friederike Hornauer immer wieder. Daher gehören auch wiederkehrende musikalische Exkursionen auf die Grüne Insel zum „Pflichtprogramm“. Siggi Winkler kam erst vor wenigen Tagen von seinem 21. Aufenthalt aus Dublin zurück. Dort besuchte er ein Folkfestival und gewann die Erkenntnis, dass sich die Musikszene in Irland weiter verändert hat.

Dublin ist aber nicht Irland. Besonders in der Provinz kann man das echte Irland erleben, während sich Dublin mit der Zeit multikulturell entwickelt hat. Aber die Tradition lebt auch dort weiter, was der Weiherer bei einer Session an einer Musikschule in Dublin selbst erlebte. Es gibt viele junge, begabte Musiker. Das „Trinity College“ mit seinen über 1000 Schülern sowie zahlreiche Musikschulen in der Stadt und auf dem Lande sind die „Brutstätte“ dafür.

Info: Das komplette Programm zusammen mit den Auftrittsorten kann unter http://the-irish-voices.chapso.de eingesehen werden.

Überdüngung in der Landwirtschaft: Es flattern immer weniger Schmetterlinge durch die Lüfte

Das Bienensterben hat es mittlerweile ins öffentliche Bewusstsein geschafft. Aber dass sich die Schmetterlingspopulation genauso rasant in Luft auflöst wie die Verbreitung von Maja, Willi & Co., ist noch nicht in den Köpfen angekommen. Dabei ging bei den Tagfaltern seit Mitte der 70er Jahre die Zahl der Wiesenarten um 73 Prozent zurück, stellte der renommierte Biologe Professor Josef H. Reichholf in einer Studie für die Deutsche Wildtier-Stiftung fest. Das kann vor Ort auch der passionierte Hobby-Entomologe Siegfried Winkler bestätigen.

Der 68-Jährige ist seit Jahrzehnten in einer AG aktiv, die in Hessen die Insektenfauna monitorisch begleitet und mit dem Frankfurter Senckenberg-Museum zusammenarbeitet. Chef der ArGeHeLep (Arbeitsgemeinschaft hessischer Lepidopterologen) ist der Leiter der entsprechenden Museumsabteilung, Dr. Wolfgang Nässig. „Wir machen insektensoziologische Studien über Schmetterlinge auf bestimmten Flächen“, so Winkler. Der ehemalige Revierförster ist dabei überwiegend auf den Gemarkungen Birkenau und Mörlenbach aktiv.

Betroffen vom Rückgang ist nach den Beobachtungen des Studienverfassers Reichholf vor allem die Agrarlandschaft, bedingt durch Verluste an Wildpflanzen durch Herbizide und durch Überdüngung. Bei den Waldarten und in den Städten gebe es keinen vergleichbaren Schmetterlings-Rückgang, auch wenn einige, insbesondere größere Arten „äußerst selten geworden sind“. Reichholf stellt ganz klar fest: „Der gesetzliche Artenschutz ist mit den bisherigen Mitteln nicht in der Lage, diese Entwicklung aufzuhalten.“

Da helfen dann eher zusätzliche Maßnahmen wie sie auch in der Region ergriffen werden. Winkler entdeckte bei seinen Studien Flächen, die zum Teil  auf natürliche Weise durch die Landwirte  zugunsten der Falterfauna gepflegt werden. Eine Wiese in Birkenau wurde von der Gemeinde gekauft und wird durch diese mit Blick auf Schmetterlinge (sogenannte „Widderchen“) und Orchideen unterhalten. Ein weiterer, selten gewordener Falter fliegt auf einer Waldwiese in Weiher, die – mit Hilfe des Forstamtes Lampertheim – durch den Pächter besonders gepflegt werden muss. So gibt es nur eine jährliche Mahd im August.

Siggi Winkler war in seinem „Berufsleben“ neben dem Försterjob viele Jahre im Auftrag von Hessen-Forst Waldschutzbeauftragter für Südhessen und „damit so etwas wie Spezialist für Krabbeltiere“. Als Ameisenschutzwart ist er weiterhin tätig und ein gefragter Mann, wenn Millionen an einen neuen Platz gebracht werden sollen. Ein paar Jahre war er auch in einer Waldschutzgruppe aktiv, die dem Ministerium aus der Praxis zuarbeitete.

„Ich habe sicher etwa 100 Schmetterlinge vom Ei bis zum Falter gezüchtet“, sagt der passionierte Naturfan. „Einheimische Arten lasse ich dann immer wieder frei und helfe damit den hiesigen Populationen“. Bei Exoten darf man das nicht (Stichwort Faunenverfälschung).

In Weiher gibt es laut Winkler eine Wiese, auf der zwei Arten des „Ameisenbläulings“ fliegen. Die Falter legen die Eier auf dem „Großen Wiesenknopf“ (Sang. Officinalis) ab. Die Räupchen fressen dort nach dem Schlupf in der Blüte. Nach der ersten Häutung lassen sie sich auf den Boden fallen und werden dort von Knotenameisen in deren Nest getragen. Die Räupchen leben danach in den Nestern von der Brut und geben so etwas wie „Honigtau“ ab, den die Ameisen zu ihrer Winterernährung benutzen. „Also eine echte Symbiose, eine Win-Win-Geschichte“, lacht der ehemalige Förster. Im nächsten Jahr fliegen die Falter im Juli aus.

Es gibt laut Winkler etliche Möglichkeiten für hiesige Landwirte und Privatleute, um die Insektenpopulationen in der Region zu stabilisieren. Dazu zählt etwa die extensive Beweidung landwirtschaftlicher Flächen. Hierfür existieren schöne Beispiele auf Gemarkung Zotzenbach. Sehr wichtig ist Düngeminimierung oder -verzicht. Für die Anlegung von Ackerrandstreifen gebe es diverse Programme und Zuschüsse durch die Landwirtschaftsämter, weiß er. Sinnvoll sind auch Feldholzinseln, sprich die Pflanzung insektenfreundlicher Sträucher. Auf Gemarkung Birkenau in Zusammenarbeit von Gemeinde, Jagdpächtern und Forst werde dies praktiziert, so der ehemalige Förster.

Josef H. Reichholf ist ein Pionier der Naturschutzbewegung. Er gründete 1972 mit Heinz Sielmann, Horst Stern, Bernhard Grzimek und Hubert Weinzierl die „Gruppe Ökologie“. Der 72-Jährige ist Träger der Treviranus-Medaille, der höchsten Auszeichnung des Verbands deutscher Biologen. Er warnt in seiner Studie eindringlich vor dem „Verschwinden der Schmetterlinge“. Seine Zählungen weisen darauf hin, dass seit den frühen 80er Jahren die Häufigkeit nachtaktiver Flattermänner um 50 Prozent und die Zahl der Arten um mehr als die Hälfte zurückgegangen ist.

Reichholf stellte einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Flurbereinigung, Umstellung großer Teile der Landwirtschaft auf Maisanbau sowie Stallviehhaltung mit Güllewirtschaft fest. „Für die Abnahme der Schmetterlingshäufigkeit sind die Veränderungen entscheidend.“ Laut dem Biologen wurde Mais in vielen Landesteilen zur dominierenden Feldfrucht. Die großen Anbaugebiete „zeichnen sich durch ein besonders hohes Maß an Überdüngung, also Stickstoff-Überschuss, aus“.

Dadurch fallen laut dem Schmetterlingskenner die meisten Raupenfutterarten aus, weil einige wenige Pflanzen begünstigt werden. Es entsteht darüber hinaus ein feuchtkühles Bodenklima, das etliche Arten verschwinden lässt. Wildpflanzen würden außerdem durch Herbizide fast vollständig beseitigt. Dazu kommt noch die Behandlung mit Insektiziden, so der Biologe.

Reichholf fordert deshalb: „Der Überdüngung muss Einhalt geboten werden.“ Besonders die Grünlanddüngung sollte entschieden reduziert werden. Gleichzeitig spricht er sich dafür aus, dass viel mehr Magerwiesen notwendig sind, auf die überhaupt kein Dünger kommt. Naturschutzverbände könnten Flächen erwerben, „gerade auch aus der intensiv genutzten Landwirtschaft heraus“. Damit lasse sich zeigen, „dass der Artenschwund zu stoppen ist“.

Artenreiche Waldwiesen und Lichtungen sollten sich nach den Worten von Reichholf selbst überlassen bleiben. „Dafür könnten die Staatsforstbehörden sorgen.“ Auch können Privatleute dem Biologen zufolge mit guten Beispiel voran gehen und in ihrem Garten Biotope für Schmetterlinge, Wildbienen & Co. schaffen. Er schließt seine Betrachtung mit den Worten: „Es liegt an uns, ob die Schmetterlinge eine Zukunft haben und ob auch die kommenden Generationen die Faltervielfalt noch erleben.“

Wie lässt sich direkt etwas für die Schmetterlinge tun?

  • Ankauf von Flächen durch die öffentliche Hand oder Naturschutzverbände (Stichwort „Trittsteine“)
  • Weniger Mulchen in der „freien Landschaft“. Mehr extensive Mäharbeiten mit Abtransport des Mähgutes
  • Pflanzung oder zumindest Belassen von Sträuchern an Wald- und Wegrändern
  • Besonderes Augenmerk verdienen Eichen und Pappeln. Sie beherbergen die meisten Insekten
  • In Gärten und in der Feldflur können kleine verwilderte Ecken mit krautigen Blühpflanzen für Insekten wichtige Nahrungsquellen sein
  • Einsaat sogenannter „Blühwiesen“ (z.B. Phacelia oder Blühmischungen)
  • Sommerflieder („Schmetterlingsstrauch“) wird in Gärten gerne von Schmetterlingen besucht
  • Reduktion oder Verzicht von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden sowie Stopp der rasant fortschreitenden Versiegelung von Landschaftsteilen

 

 

Actias dubernardi ist ein Schmetterling (Nachtfalter) aus der Familie der Pfauenspinner (Saturniidae).

Größerer Liquiditäts- und Finanzmittelbedarf: Die Solardraisine ist immer für viele Diskussionen gut

Er hat konservativ gerechnet. Deshalb denkt der Geschäftsführer der Überwaldbahn gGmbH, Holger Kahl, dass die von ihm jetzt im Haupt- und Finanzausschuss vorgestellten Zuschusszahlen „belastbar sind“. Mit ein paar „Aber“ in Gestalt von nicht einzuschätzenden Ereignissen. Ob nicht irgendwo mal ein Hang abrutscht, Gleise erneuert werden müssen oder das Wetter so schlecht ist, dass es die Bilanz verhagelt. Seine Botschaft: „Die Probleme werden angepackt, aber die Bahn wird weiter Zuschüsse benötigen.“ Er sah politischen Rückenwind als notwendig an, um keine Hürden aufzubauen.

Das Engagement von Kahl wurde im Rund gewürdigt, aber gerade auf BfW-Seite sah man noch zu viel Klärungsbedarf, um in der kommenden Gemeindevertreter-Sitzung den benötigten Geldern zustimmen zu können. Andere Fraktionen signalisierten jedoch Unterstützung. Der Punkt geht ohne Beschlussvorschlag in die Sitzung am kommenden Dienstag.

Der zusätzliche Geldbedarf der Solardraisinenbahn wird für die Gemeinde ganz schön teuer. Sie ist mit einem Anteil von 27 Prozent an der Überwaldbahn-Gesellschaft beteiligt. Auf etwa 200.000 Euro beläuft sich der gesammelte Liquiditäts- und Finanzmittelbedarf in diesem Jahr, den Wald-Michelbach zu tragen hat. 17.500 Euro daraus gab der Gemeindevorstand bereits frei, über den Rest der Summe entscheiden die Gemeindevertreter.

Insgesamt beläuft sich der Finanzierungsbedarf inklusive Liquiditätslücke in den Finanzmitteln der Gesellschaft, zu der auch Abtsteinach, Mörlenbach und der Kreis Bergstraße gehören, auf 675.000 Euro. Davon müssen bis zum Jahresende 65.000 Euro durch die vier Gesellschafter bereitgestellt werden. Denn: „Ohne zusätzliche liquide Mittel tritt die Zahlungsunfähigkeit ein.“ Wald-Michelbachs Anteil hieran beträgt wie bei allen anderen Punkten auch 27 Prozent, somit die genannten 17.500 Euro.

Die Erhöhung des laufenden Zuschusses für die Folgejahre bringt eine Verdoppelung der bisherigen Summe mit sich. Bisher 200.000 Euro, soll er ab 2018 dann 400.000 Euro betragen. Diese Summe teilt sich hälftig in Streckenunterhaltung und Betrieb auf. Das bedeutet 108.000 Euro im Jahr für Wald-Michelbach statt bisher 54.000. Bürgermeister Sascha Weber wies darauf hin, dass man den relativ hohen Betrag einmalig nachschieße, um dann für die kommende Zeit „einigermaßen Ruhe“ zu haben. Kahl sagte, dass Wald-Michelbach mit dieser Beteiligungshöhe „deutlich mehr als die Hälfte des Nutzens hat“.

Der Geschäftsführer legte Wert darauf, das an Problemen zu benennen und zu beziffern, „was bezifferbar ist“. Er wies darauf hin, dass die Strecke maximal ausgelastet ist. Mehr Draisinen passen nicht mehr drauf. An den Wochenenden können auch nicht mehr Personen befördert werden. Nur unter der Woche gibt es noch freie Kapazitäten. Da die Preise für kommendes Jahr angehoben werden, könnte sich daraus ein Rückgang der Nutzerzahlen ergeben. Kahl äußerte sich „eher skeptisch“ darüber, weiter die Preise zu erhöhen. Denn „der Preisfokus sollte mit dem Leistungsversprechen einher gehen“.

Der Geschäftsführer wies auf den Zeitdruck hin, da die Arbeiten bis Ende März erledigt sein müssen. Weswegen eine Verabschiedung in der kommenden Sitzung angeraten sei und nicht erst am 19. Dezember, wie Weber ergänzte. Kahl sah noch viel Potenzial bei der Vermarktung: „Die Draisine muss von Anfang bis zum Ende ein Erlebnis sein“, sagte er. Leider stecke das Marketing noch in den Kinderschuhen, weil der Geschäftsführer seit Amtsantritt vor eineinhalb Jahren quasi nur als Problemlöser aktiv war. Allerdings muss man dazu auch ein Stück weit investieren, „damit die Draisine über den Kreis Bergstraße hinaus bekannt wird“.

Die Event- und Gastronomiemöglichkeiten in Mörlenbach und Wald-Michelbach seien sicher noch ausbaufähig. Bisher „haben wir nur den Ticketverkauf“, sagte er. Beim Drumherum gibt es noch viele Möglichkeiten. „Wir haben hier einen kleinen Schatz“, ein Alleinstellungsmerkmal, wies Kahl auf die Einmaligkeit der Solardraisine hin. Bei der Leistung gilt es noch „draufzusatteln“. Denn sonst, so der Geschäftsführer, „schaffen wir uns die eigenen Defizite“.

611.000 Euro listete Geschäftsführer Überwaldbahn-Bahn Holger Kahl an Kosten auf, die in diesem und im kommenden Jahr zur Beseitigung vorhandener Mängel und weiterer Unterhaltungsarbeiten an Strecke und Fahrzeugen anfallen könnten. Es stellte sich im Verlauf der Vorstellung und Diskussion jedoch heraus, dass sich einige Punkte der Liste eventuell anders entwickeln könnten. „Ich wollte alles zusammenfassen und nicht scheibchenweise auf den Tisch bringen“, sagte der Geschäftsführer. Somit also ein Wort-Case-Szenario skizzieren.

Die Gelder sind laut Kahl notwendig, um den ordnungsgemäßen Betrieb in diesem und dem nächsten Jahr zu gewährleisten. Von dieser Summe muss Wald-Michelbach 182.250 Euro beisteuern. Unter anderem ist darin der zweite Teil der Arbeiten enthalten, die schon Anfang des Jahres auf Drängen der Aufsichtsbehörde angegangen wurden, damit die Solardraisine 2017 überhaupt rollen konnte.

Sanierungsarbeiten an Tunneln (50.000 Euro) und Brückenbauwerken (fast 160.000 Euro) sind darin ebenso enthalten wie der Freischnitt (20.000 Euro). An Ingenieurleistungen werden 24.000 Euro aufgeführt. 130.000 Euro hat Kahl in seiner Kalkulation eingestellt, damit die Draisinen technisch so umgerüstet werden können, wie es die Aufsichtsbehörde verlangt. Denn sie müssen gegen Zurückrollen bei der Anfahrt gesichert werden.

Hier wie auch bei der Neukonzeption des Bergungskonzepts (210.000 Euro) machte er aber deutlich, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Möglicherweise lassen sich in Gesprächen kostengünstigere Lösungen erreichen. Es sei einiges im Fluss und die Summe ein „Platzhalter“. Denn: „Wir wissen noch nicht, wie die Lösung aussehen wird.“ Auch die Gespräche mit der Herstellerfirma Mühlhäuser laufen, unter anderem über einen fünfjährigen Wartungsvertrag. Kahl verdeutlichte, dass die Überwaldbahn-Gesellschaft in einer starken Abhängigkeit steht, was die technische Seite betrifft. „Wir haben kaum eigene Einblicke.“ Doch hier gibt es ebenso Lösungsansätze, sowohl mit der Firma als auch extern.

Mit 350.000 Euro macht der Personalaufwand im kommenden Haushalt den größten Posten aus. Hier sind neben den eigenen Kräften laut Kahl auch hälftig die der Mühlhäuser-Angestellten mit aufgeführt, die rund um die Strecke und den Betrieb tätig sind. Beim betrieblichen Aufwand sind die Wartungskosten der Bahntrasse mit 200.000 Euro der größte Posten. Dann kommen die für die Draisinen mit 180.000 Euro, wobei auch hier wieder Personal mit einfließt.

Eine Stunde Kahl, eine Stunde Fragen: Das Thema Solardraisinenbahn beschäftigte den Haupt- und Finanzausschuss über den Großteil seiner Sitzungszeit. Etliche Detailfragen klangen durch die Mandatsträger an. Die nutzten die Gelegenheit aus, den Geschäftsführer der Überwaldbahn kräftig zu löchern. Nothung Köhler (CDU) brachte das Thema Batterien auf. Die sollten deutlich länger halten, hieß es. Wie Kahl sagte, werden die Akkus sukzessive ausgetauscht. Neubeschaffungen seinen im gedeckelten Wartungsvertrag drin.

Stefan Werner (BfW) hinterfragte die Verkabelung der Draisinen. Sollte diese nicht halogenfrei sein, wie er befürchtete, gäbe es mit PVC die Gefahr eines Kabelbrands, der gerade im Tunnel lebensgefährlich sein könnte. Dem Geschäftsführer war das Thema unbekannt, er will sich drum kümmern. Thema des BfW-Sprechers war daneben ein möglicher Fahrzeug-Austausch gegen solche, „die nicht so störanfällig sind“.

Auf der Tagesordnung der Gesellschafter vermutete Kahl die Thematik auf jeden Fall. Jedoch lässt sich seinen Worten zufolge eine solche Umstellung nicht kurzfristig bis zum Beginn der nächsten Saison über die Bühne bringen. Es gelte mit der Herstellerfirma intensiv über die finanzielle und technische Seite zu sprechen, betonte er. Jedoch mit dem nötigen Fingerspitzengefühl. Denn wenn man zu hart agiere, steht man 2018 ohne Draisinen da. „Das schwächt natürlich unsere Verhandlungsposition.“

Erstmal geht es für ihn darum, die Fahrzeuge für 2018 funktionstüchtig zu haben. „Da kommen wir nicht drum herum.“ Er äußerte die Hoffnung, dass der weitere Betrieb zu wesentlich geringen Kosten als bisher möglich sein wird. „Wir fangen jetzt nicht gleich an zu tauschen.“ Im Vordergrund steht, die Probleme in den Griff zu bekommen, meinte er auf eine Frage von Dirk Hennrich (BfW). Werner forderte juristisch zu klären, ob es nicht noch Gewährleistungsansprüche gegen die Firma Mühlhauser gebe.

Sven Wingerter (SPD) präzisierte, dass die damalige Beantragung für die Streckennutzung durch eine Draisine geschah. Von Solar war vor zehn Jahren keine Rede. Dies auch vor der Hintergrund der durch die BfW losgetretene Diskussion, die Folgen einer Insolvenz zu prüfen. Dies wiederum sah Kahl als kontraproduktiv an, weil es einen miserablen Eindruck und Unsicherheit vermittle. Stefan Doetsch (CDU) betrachtete es sogar als „Horrorszenario“, dessen Klärung Woche und Monate dauern könnte. Bei einer alten Strecke gebe es immer Unwägbarkeiten, sagte er.

Jürgen Lampert (FW) stieß die festgestellte Feuchte in den Brückenbauwerken sauer auf. Der Mangel ist seit 2015 bekannt, so Kahl. Allerdings habe man die Ursache nicht gefunden. Der früher beauftragten Firma habe ein Gutachter bescheinigt, dass sie bei der Ertüchtigung der Viadukte ordnungsgemäß arbeitete. Lampert ergänzte, ob sich die anfallenden, allgemeinen Reparatur-Kosten nicht in Rücksprache mit der Aufischtsbehörde auf zwei bis drei Jahren strecken ließen.

Henrik Schork (Grüne) wollte wissen, wie viel Geld an die Firma Mühlhauser fließt. Auch ging es ihm darum zu wissen, ob zu den vorgelegten Zahlen noch etwas dazukommt oder nicht. BfW-Werner erschien die Draisinenbahn als „Fass ohne Boden“. Ihm waren viel zu viele „Hätte“, „Könnte“ oder „Vielleicht“ in der Präsentation, weshalb er keine Empfehlung an die Gemeindevertretung abgeben wollte. Auch Dirk Hennrich forderte mehr Bedenkzeit.

Anders Udo Klos (SPD). „Zusätzliche vier Wochen werden uns auch nicht weiterhelfen“, meinte er. Der Erhalt der Strecke, um sie möglicherweise in spe für den ÖPNV nutzen zu können, sei bei einer Insolvenz nicht mehr möglich. Für ihn ist ein Fahrzeugwechsel durchaus eine Option. Wie auch Günther Roßbach (FW) wies Klos drauf, hin, dass die Thematik erst noch in die Fraktionen geht, stand aber einer Beratung in der Gemeindevertretung wie Doetsch positiv gegenüber.

Maximale Gag-Dichte mit minimalem Aufwand: Comedian Christian Habekost riss seine Fans im Bürgerhaus Mörlenbach von den Sitzen

Ein Mann, ein Stuhl, ein Tisch, ein Dubbeglas. Fertig ist die extrem minimalistische Bühnenausstattung von Christian Habekost bei seinem Auftritt im Mörlenbacher Bürgerhaus. Der Monnemer geht da fast etwas unter auf der großen Fläche. Den vielen Raum füllt er aber durch ein Maximum an Babbelei sowohl in Masse als auch Schnelligkeit aus, das weit über zwei Stunden sein bestens gelauntes Publikum im voll besetzten Saal aus dem Lachen nicht mehr rauskommen lässt.

Zeit zum Luftholen ist da nicht. Chako springt mit seinen 55 Lenzen so schnell von einem Thema ins nächste, dass der letzte Gag noch gar nicht in den Gehirnanwendungen angekommen ist, als er schon den nächsten platziert. Der Meister des gequirlten Humors kann dabei angesichts seiner langen Bühnenpräsenz auf dem Vollen schöpfen. In seinem aktuellen Programm ist er als „Weeschwie’sch-MÄN“ unterwegs. Weinsinnig-niveauvolle Mundart-Comedy ist sein Markenzeichen. Inhaltlich geht Chako konsequent seinen Weg weiter, indem er seine pfälzischen High-mat zum Zerrspiegel und Kontrast für die große weite Welt der Politik und des Alltagswahnsinns macht.

Meist in Kurpfälzer Mundart, streift er dabei doch die Themen, die die Welt bewegen. Oder seiner Meinung nach sollten. Seine Sicht der Dinge ist dabei natürlich schon eine spezielle, die sich nicht jedem gleich erschließt. Wortverdrehungen à la Paul Panzer haben glucksende Geräusche im Zuschauerraum zur Folge, wenn auch die Akustik zumindest in Teilen des Saals manche Gags buchstäblich verschluckt. Ärgerlich, wenn sich die eine Zuschauer-Hälfte vor Gelächter biegt und anderswo gerätselt wird warum.

Herrlich Habekosts Hommage an seine Heimat. Wo es den Handkäs mit Musik gibt, zwischen Katzenbuckel und Katzenberger (der Gag dauerte ein wenig, bis er gesackt war). „Danke, dass ich leben darf“, meinte er nach einem Parforceritt durch die (Kur-)Pfälzer und Odenwälder Eigenheiten. Eine Ecke, in der es so viele literarische Reben gibt, dass man sie sogar lesen kann.

Chakos Heimatliebe ging einher mit seinen gepflegten Vorurteilten gegen Nachbarvölker, bevorzugt im südöstlichen, hinteren Teil des baden-württembergischen Bundeslandes gelegen. Da freut er sich, in einer Gegend zu wohnen, „wo man schafft, um zu leben“. Und nicht umgekehrt. Ein Gräuel ist ihm, von den Hamburgern mit den Schwaben immer in einen Topf geworfen zu werden. Da wird Achmed auch flugs integriert, als „Kurpfälzer in anderer Hülle“.

Auf der Suche nach Antworten auf die großen Rätsel des Universums schlüpft der Meister des gepflegten Schnellsprechs in so einige Rollen. Meditation oder Religion, Yoga oder Zumba, Superfood oder Kaffeepads, Reiki oder Raki, Schorle oder pur. Nichts kommt zu kurz. Prediger, Meditations-Lehrer, Motzer und pfälzisch-tunesische Krankengymnasten huschen über die Bühne.

Herrlich seine Erzählung vom Kurs „Selbstbewusst durch kaltes Duschen“. Die Besucher biegen sich vor Lachen. Oder das Seminar „Ruhe erleben durch Schrei-Meditation“. Aber da hatte Habekost die Rechnung ohne den Nachbar gemacht. Ein wenig „spiritüll“ angehauchte Leute, die ein Interesse für „Esotheterik“ haben, sind wie gemacht für den Mann mit der spitzen Zunge, der ihnen das gleich wortreich austreibt. Sein Highlight ist der Schamanentanz: „Der ist so lustig, da kannst du als Comedian gar nicht drauf kommen.“

Chako gewinnt seiner Sprache Laute, Geheimnisse und Bedeutungen ab, die sonst keiner darin vermutet hätte. Was vielleicht manchmal auch so besser gewesen wäre. Dabei gibt er Antworten auf unangenehme Fragen. Etwa warum die Pfalz die höchste Dichte von peinlichen Prominenten aufweist, warum der Ludwigshafener Tatort Teil einer Anti-Pfälzer-Welt-Verschwörung sein muss oder warum Satire für vegetarische Komödianten lebensgefährlich sein kann.

Kurpfälzer, weiß Chako, sind sowieso sehr „spiritülle“ Menschen. Sie meditieren täglich mit ihrem Dubbe-Glas, damit der Energiekreislauf geschlossen wird. Da wird das Mantra von „glücklich, harmonisch und mächtig dorschdig“ gebabbelt, dass es eine Wucht ist. Die Lebensweisheit der Geschichte nach ein paar Gläsern Wein: „Wer schwankt, hat mehr vom Weg“. Tosendes Gelächter inklusive.

Chakos Alter Ego mit seinem „Frieher hot’s des net gewwe“ darf natürlich nicht fehlen. Köstlich, sich Keith Richard als Protagonisten in der „Nacht der lebenden Toten“ vorzustellen“. Oder sich mit Schrecken auszumalen, was unter dem Hut von Udo Lindenberg verborgen sein könnte. Der immer so redet, als würde er sich jeden Morgen das Gebiss falsch herum reinschieben. Wenn Habekost dann beginnt, von den Vorzügen der heutigen Generation zu reden, die als erste nicht alt wird, gibt es kein Halten mehr.

Ob Arthrose wegen des Nagelstudio-Besuchs, altersgerechte Tattoos oder der Fahrt mit dem Opel Viagra – allein die Vorstellung treibt Tränen vor Lachen in die Augen. Dann noch der Senior auf der Toilette mit der „Muck“ und dem renitenten Seifenspender – eben Chako at its best. Golgatha-Gymnastik à la Pilates oder Ramba Zamba mit dem Latein-Liebhaber, unter viel Gejohle in die Praxis umgesetzt: Der Comedian ist danach so verausgabt, dass es heimgeht. Natürlich nicht wirklich, denn ohne Zugabe lassen ihn die Fans nicht von der Bühne.

Finanzielle Schattenseiten der Solardraisine sollen genau beleuchtet werden

Mit wenigen Gegenstimmen verabschiedeten die Gemeindevertreter auf ihrer vergangenen Sitzung den zusätzlichen Finanzbedarf der Solardraisinenbahn. Am ehesten ging es inhaltlich nach ausführlicher Ausschussdiskussion noch um die kommenden Zuschüsse, die sich ab 2018 verdoppeln sollen. Für Abtsteinach bedeutet dies dann 18.000 Euro jährlich. Deshalb wurde auf Vorschlag von Denise Reinhard (FWV) dieser Betrag auch erst einmal auf kommendes Jahr beschränkt. Zwischenzeitlich will man eine nähere Aufstellung erhalten, wie sich die Fehlbeträge zusammensetzen.

Abtsteinach ist zwar „nur“ mit einem Anteil von 4,5 Prozent an der Überwaldbahn gGmbh beteiligt (neben Wald-Michelbach, Mörlenbach und dem Kreis Bergstraße), aber andererseits finanziell auch nicht dermaßen gesegnet, dass die außer der Reihe benötigten Gelder einfach mit links geschultert werden können. Denn in diesem Jahr werden über 30.000 Euro als Liquiditätszuschuss zusätzlich benötigt. „Haushaltstechnisch fast nicht mehr zu vertreten“, heißt es.

Der Geschäftsführer der Überwaldbahn, Holger Kahl, hatte im Haupt- und Finanzausschuss versucht, die Defizite zu begründen und stand auch für Fragen zur Verfügung. Auf die dortigen Abstimmungsergebnisse ging Vorsitzende Karin Oberle im Vorfeld ein. Auf 675.000 Euro beläuft sich 2017 der Finanzierungsbedarf inklusive Liquiditätslücke. Davon müssen bis zum Jahresende sofort 65.000 Euro durch die vier Gesellschafter bereitgestellt werden. Abtsteinachs Anteil hieran beträgt knapp 3000 Euro. Diese Summe stellten die Mandatsträger einstimmig zur Verfügung.

611.000 Euro listete Kahl an Kosten auf, die zur Beseitigung vorhandener Mängel und weiterer Unterhaltungsarbeiten an Strecke und Fahrzeugen anfallen könnten. Diese Gelder sind notwendig, um den ordnungsgemäßen Betrieb in diesem und dem nächsten Jahr zu gewährleisten. Von der Summe muss die Gemeinde 27.500 Euro beisteuern. Unter anderem ist darin der zweite Teil der Arbeiten enthalten, die schon Anfang des Jahres auf Drängen der Aufsichtsbehörde angegangen wurden, damit die Solardraisine 2017 überhaupt rollen konnte.

Sanierungsarbeiten an Tunneln (50.000 Euro) und Brückenbauwerken (fast 160.000 Euro) sind darin ebenso enthalten wie der Freischnitt (20.000 Euro). An Ingenieurleistungen werden 24.000 Euro aufgeführt. 130.000 hat Kahl in seiner Kalkulation eingestellt, damit die Draisinen technisch wie verlangt umgerüstet werden können. Die Neukonzeption des Bergungskonzepts kommt auf 210.000 Euro. Zu diesem Paket gab es bei zwölf Ja-Stimmen ein Nein von Konrad Abraham (CDU).

Wenn man die Planergebnisse des Haushalts 2017 und die vorläufigen Zahlen für 2018 um den Zuschussbedarf reduziert, kommt man auf eine Größe, „der ohne Steuerungsmaßnahmen haushaltstechnisch fast nicht mehr zu vertreten ist“, meinte Bürgermeisterin Angelika Beckenbach. Ihr Wunsch: Die künftigen Folgekosten „müssen wir in den Griff bekommen“. Ähnlich auch Julia Jöst (CDU). Sie wollte der Gesellschafterversammlung mitgeben, dass Alternativen geprüft werden sollen, um in Zukunft einen kostengünstigeren Betrieb zu ermöglichen.

Das Defizit war ein Punkt, dessen Unklarheit auch Denise Reinhard störte. In Kahls Aufstellung war von einem betrieblichen Aufwand in Höhe von 300.000 bis über 600.000 Euro pro Jahr die Rede. Das war ihr zu unkonkret. „Wir wollen eine genauere Aufstellung“, sagte sie. Bei zwei CDU-Stimmen wurde die Zuschussverdoppelung auf 18.000 Euro für 2018 beschlossen.

Beckenbach hatte bereits im Ausschuss die Konsequenzen bei Nichtzustimmung nachgezeichnet. Demnach wären bei einer möglichen Insolvenz einige Fragen zu klären. So etwa die mögliche Rückzahlung von Landesfördermitteln oder gezogener Vorsteuer. Dazu käme der Wegfall des touristischen Nutzens. Alles in Millionenhöhe. Auch entfalle damit die Möglichkeit, die Strecke nach Wegfall der Solardraisinenbindung für den ÖPNV zu nutzen. „Die Draisine ist für die ganze Region unstrittig eine Bereicherung“, hob sie hervor.