CDU-Veranstaltung in Wahlen zum ländlichen Raum: Unverständnis über die lange Verfahrensdauer bei der B38a

Eigentlich sollte es ja um die Stärkung des ländlichen Raums im Allgemeinen gehen. Also um Tourismus, Wirtschaft, medizinische Versorgung, Kinderbetreuung. Und Verkehrsinfrastruktur. Zu einer Veranstaltung unter diesem Thema hatte die CDU Bergstraße um Bundestagskandidat Dr. Michael Meister mit den Gemeindeverbänden von Abtsteinach, Wald-Michelbach und Grasellenbach eingeladen. Gastredner im Hotel Burg Waldau war der Vorsitzende der hessischen CDU-Landtagsfraktion, Michael Boddenberg.

Aber wie das so ist, wenn es um den Straßenbau geht: Dann ist die B38a nicht weit. Deshalb drehte sich auch ein Großteil der Diskussion um die Mörlenbacher Umfahrung. Einige Gäste inklusive Kommunalpolitiker machten ihrem Unmut darüber Luft, dass 43 Monate nach erfolgter Planfeststellung immer noch das Gerichtsverfahren anhängig ist. Der ehemalige Landtagsabgeordnete Peter Stephan berichtete über die Kenntnis von einem Verfahrensbeginn im vierten Quartal.

Was aber den Ärger im Saal nicht wirklich beschwichtigen konnte. Es schwirrte der mehr oder weniger offen ausgesprochene Wunsch durch den Raum, den Richtern doch einmal seitens der Landesregierung Dampf zu machen. Dass eine so lange Verfahrensdauer doch ein Unding sei und zur großen Verdrossenheit in der Bevölkerung beitrage. Und Investitionen ausbremse.

Auch wenn die Unabhängigkeit der Justiz mitsamt Gewaltenteilung allgemein als hohes Gut angesehen wurde, überwog die „Irgendwann muss mal ein Ende sein“-Stimmung. Boddenberg näherte sich dem Thema entsprechend vorsichtig. Er versprach, es mit nach Wiesbaden zu nehmen und seinen Kollegen im Justizministerium darauf anzusprechen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Politik nur begrenze Einwirkungsmöglichkeiten habe.

Beide, Meister und Boddenberg, machten die Notwendigkeit und das CDU-Bestreben deutlich, den ländlichen Raum voranbringen zu wollen. Wie sehr das Thema bewegt, zeigte auch ein Blick in die Zuhörerschaft. Neben Landrat Christian Engelhardt waren der Vorsitzende der Kreistagsfraktion, der Fürther Bürgermeister Volker Oehlenschläger, und die drei Ortsverbandsvorsitzenden nach Wahlen gekommen. Dazu noch einige Vertreter von Organisationen, die direkt oder indirekt mit der touristischen und wirtschaftlichen Vermarktung des Odenwalds zu tun haben.

Die beiden Referenten gingen auf den kurz vorher erfolgten Besuch bei der Firma Jöst Abrasives ein. Den Mittelständler, mit seinen Produkten Weltmarktführer, sahen sie als „Leuchtturm im Überwald“. Natürlich ging es beim Gespräch über die Infrastruktur „gleich um das Thema B38a“. Meister äußerte sein Unverständnis über die lange Verfahrensdauer. „Die Region braucht Klarheit“, sagte er. Das Geld vom Bund sei da, könne aber nicht eingesetzt werden.

Der Bundesabgeordnete wie auch sein Parteikollege warfen als Denkmodell ein Beschleunigungsgesetz für Infrastrukturprojekte in den Raum, wie es nach der deutschen Einheit bestand. Den Breitbandausbau, wie er im Kreis Bergstraße schon ganz weit fortgeschritten ist, nannte Meister „einen tollen Schritt für die Entwicklung der Region“. Für Boddenberg ist die Versorgung mit schnellem Internet „eine Baustelle, die rasende Geschwindigkeit aufgenommen hat“.

Auch in Sachen Tourismus tat sich einiges. „Eine ganze Reihe von Leuchttürmen“ sei entwickelt worden, nahm der Staatssekretär im Finanzministerium Bezug auf Solardraisine, Sommerrodelbahn, Nibelungen- oder Neckarsteig. „Jetzt muss eine gute Verknüpfung mit Hotellerie und Gastronomie her“, so Meister.

Ein Aufgabenfeld, das beide Politiker ansprachen, war die medizinische Versorgung. Die sei zwar ambulant noch einigermaßen im Lot, „aber viele Ärzte gehen bald in den Ruhestand“. Deshalb stellt sich laut Meister die Frage dringender denn je, wie man junge Mediziner aufs Land holt und dort auch hält.

In Hessen müssen laut Boddenberg jedes Jahr 200 Ärzte ersetzt werden. Die kassenärztliche Vereinigung könne 100 davon stellen. Um somit auf die volle Zahl zu kommen, „muss die Politik massiv eingreifen“. Das MVZ in Lindenfels nannte Meister einen ersten Baustein auf stationärer Ebene, dem aber weitere folgen sollten. Das Landkreis-Projekt „Novo“ fand viel Beifall beim Abgeordneten.

Boddenberg beleuchtete die Themen eher aus Landes- und Regierungssicht und übernahm mit seinen Worten auch den Part des Wahlkämpfers, der sich kräftig am politischen Gegner und dessen Aussagen rieb. Für ihn ist eine „neue politische Schwerpunktsetzung notwendig“, damit der ländliche Raum nicht wie in den USA oder Frankreich abgehängt werde und sich die Menschen benachteiligt fühlten. Man könne auch über finanzielle Anreize nachdenken, um etwa Existenzgründungen abseits der Zentren zu fördern.

Auf jeden Fall, kündigte er an, soll der Haushaltsentwurf 2018 auf vielen Feldern den Bedürfnissen des ländlichen Raums Rechnung tragen und diesen stärken. „Es gibt nichts Wichtigeres als dass Familien auf dem Land wohnen bleiben“, betonte Boddenberg. Auch wolle die Regierung „mit allen Mitteln verhindern, dass kleine Grundschulen schließen müssen“.

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Beim SPD-Kreistreffen in Mörlenbach: Willy-Brandt-Medaille für Ex-Landrat Norbert Hofmann

Große Ehrung für einen, der es absolut verdient hat: Der ehemalige Landrat Norbert Hofmann erhielt beim SPD-Kreistreffen an der Grillanlage Kisselhöhe die Willy-Brandt-Medaille überreicht. Dazu waren viele Gratulanten aus den unterschiedlichen Ecken des Kreises Bergstraße angereist, die außerdem die Gelegenheit nutzten, dem rüstigen Polit-Rentner nachträglich zum 75. Geburtstag zu gratulieren. Neben zahlreichen Parteimitgliedern kamen auch etliche Gäste aus der Gemeinde beim Sommerfest des Ortsvereins vorbei, um bei schönem Wetter ein paar angenehme Stunden zu verbringen.

SPD-Ortsvereinsvorsitzender Detlev Haas begrüßte neben den beiden Landtagsabgeordneten Karin Hartmann und Norbert Schmitt auch Kreisvorsitzende und Bundestagsmitglied Christine Lambrecht. Neben Mörlenbachs Erstem Beigeordneten Andreas Pfeiffer schauten daneben Kreisbeigeordneter Karsten Krug und Wald-Michelbachs Bürgermeister Dr. Sascha Weber vorbei. Der seit 1. Juli amtierende SPD-Rathauschef nutzte die Gelegenheit, mit Genossen aus dem Weschnitztal, der Bergstraße und dem Ried in Kontakt zu kommen.

Mit der selten verliehenen Auszeichnung werde das Lebenswerk von Hofmann als SPD-Mitglied, Bürgermeister und Landrat gewürdigt, betonte Lambrecht in ihren Dankesworten. Sie kenne den „überzeugten Europäer“ noch aus ihren Viernheimer Zeiten, wo sie ab 1985 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung war, sagte die heutige erste parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion.

Der Geehrte suchte im Sinne des gegenseitigen Verständnisses zwischen den Völkern schon sehr früh Kontakte nach Frankreich, hob sie hervor. Daraus entwickelte sich dann auch eine Gemeinde-Partnerschaft. Auch heute noch „setzt sich Hofmann für die europäischen Werte ein“, sagte Lambrecht. Als Bürgermeister und Landrat habe er immer nach dem Motto „Global denken, lokal handeln“ agiert.

Ein großes Ziel des langjährigen SPD-Mitglieds sei die Bekämpfung von Fluchtursachen gewesen. Denn diese seien nicht nur bei Krieg, sondern auch beim Klimawandel zu suchen. „Wir müssen über den Tellerrand hinausschauen“, sei Hofmanns Credo gewesen. Vor Ort gelte es Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Es helfe nicht, Grenzen und Mauern zu errichten oder hochzuziehen. „Die Menschen sollen nicht flüchten müssen“, laute die Maxime.

Wenn man bei der Grillhütte Kisselhöhe feiert, dann ist automatisch auch die B38a ein Thema. Denn die geplante Umgehungstrasse führt in der Nähe vorbei. Haas, Krug und Lambrecht äußerten in den Gesprächen mit den Gästen ihr Unverständnis, „dass seit inzwischen drei Jahren ein Eilverfahren anhängig ist“. Gelder und Planungsmöglichkeiten seien vorhanden, es hänge jetzt nur an der Gerichtsentscheidung, so Haas. „Wir wollen in diesem Jahr endlich eine Entscheidung“, meinte der Vorsitzende. „Weiter schieben geht einfach nicht mehr“, betonte auch Lambrecht.

Neben diversen bundespolitischen Themen im Vorfeld der Wahl drehten sich Gespräche ebenso um die von der SPD angestrebte Gebührenfreiheit von Kindergärten in Hessen und vor Ort. Vergangenes Jahr machten es finanzielle Zwänge in Mörlenbach notwendig, die Gebühren zu erhöhen. Eine Maßnahme, die Haas nach wie vor Bauchschmerzen bereitet. „Anhebungen sind den Eltern kaum noch zu vermitteln“, sagte er. Denn anderswo sei der Kindergartenbesuch komplett kostenlos, verwies Haas auf Rheinland-Pfalz. „Es darf bundesweit keinen Flickenteppich mehr geben“, lautete deshalb seine Forderung, die von den anwesenden SPD-Landes- und Bundespolitikern geteilt wurde.

Lambrecht verwies darauf, dass der Bund in Form des kommunalen Investitionsproramms II (KIP II) zusätzliche Mittel für die Schulsanierung zur Verfügung stelle. Es handle sich um 3,5 Milliarden Euro bundesweit, wovon 500 Millionen in Hessen und wiederum 20,5 Millionen Euro im Kreis Bergstraße ankommen. Wie der Beigeordnete Krug sagte, sollen diese über drei Jahre auf die sowieso jährlich im Haushalt eingestellten 15 Millionen draufgesattelt werden. „Dann haben wir jedes Jahr mehr als 20 Millionen Euro zur Verfügung und die Schulumlage wird erst einmal konstant bleiben.“ Die Kreisbürgermeister werden es mit Freude vernehmen.

Zur Person

Norbert Hofmann (geboren 1942 in Berlin) gehörte von 1968 bis 1981 der Stadtverordnetenversammlung Viernheim an. Nach dem Studium der Politik und Romanistik in Mannheim, Heidelberg, Marburg und Besançon (Frankreich) war er von 1970 bis 1981 im Schuldienst. Bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister war Hofmann Studiendirektor und pädagogischer Leiter der Gesamtschule in Bürstadt. Er wurde 1981 zum Stadtrat, 1987 zum Bürgermeister der Stadt gewählt. Dieses Amt bekleidete er bis 1997. Von 1997 bis 2003 war er Landrat des Kreises Bergstraße. Während seiner Amtszeit war Hofmann zudem Vorsitzender des Vereins Naturpark Bergstraße-Odenwald. Unter seiner Regie wurde der Startschuss für die Aufnahme des Vereins in das Global Network of Geoparks der UNESCO gegeben. Von 2004 bis 2010 war er zudem Vorsitzender des Odenwaldklubs.

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Großer Bahnhof für die Solardraisinenbahn in Wald-Michelbach

Großer Bahnhof für die Draisine. Während nonstop die gelben Fahrzeuge mit den Ausflüglern Richtung Mörlenbach rollten, wurde am Wald-Michelbacher Startpunkt das vierjährige Bestehen der Solardraisinenbahn gefeiert. Gleichzeitig wurden dabei die beiden „neuen“ Bürgermeister von Wald-Michelbach und Abtsteinach, Dr. Sascha Weber und Angelika Beckenbach, begrüßt und ihre Vorgänger Joachim Kunkel und Rolf Reinhard verabschiedet.

Zu diesem Anlass war nicht nur die Geschäftsführung in den Überwald gekommen, sondern auch Landrat Christian Engelhardt und neben vielen Kommunalpolitikern aus den beteiligten drei Gemeinden zahlreiche Gesellschafter der Draisinenbahn. Alle einte die Freude, dass die Touristenattraktion nach einem etwas holprigen Start Anfang des Jahres aufgrund der Nachbesserungsarbeiten nun wieder in der Spur ist und eine Auslastung wie in den Vorjahren mit etwa 40.000 Besuchern erwarten lässt.

Man feiere „ein relativ junges Geburtstagskind“, so Engelhardt. Alle Beteiligten seien „voller Elan“, weil die Draisine so stark frequentiert werde. Vor vier Jahren wurde sie „erfolgreich auf die Schiene gebracht“. Die aktuelle Saison sei bis jetzt „sehr gut verlaufen“. Das liege auch am Einsatz der Mitarbeiter, zollte er der Geschäftsführung um Holger Kahl Lob. Diesem schloss sich später seitens der Gesellschafter Willy Schröder aus Abtsteinach an.

Diejenigen, die vor über zehn Jahren die Solardraisine erst möglich machten, seien nicht mehr in Amt und Würden, sagte Engelhardt. Nachdem zuerst der Bürgermeister in Mörlenbach und der Landrat wechselten, bekamen im Sommer auch Wald-Michelbach und Abtsteinach neue Rathauschefs. Damit „gab es in der Zwischenzeit eine komplette Zäsur bei den Wahlbeamten“, sagte er.

Der Landrat hob das große Engagement von Kunkel und Reinhard hervor, mit dem die beiden Bürgermeister von Anfang an die Solardraisine voranbrachten, um vom touristischen Nutzen zu profitieren. Für sie gab es ein Geschenkkörbchen, in dem neben einigen Spezialitäten auch eine Schaffnerkelle zu finden war. Damit gab Engelhardt dem Wagentross im Anschluss den Weg frei.

Er gratulierte den beiden neuen Ortsoberhäuptern zu ihrer Aufgabe. Die Leitung eines Eisenbahnbetriebs in einer kleinen Gemeinde „ist nicht gerade kommunales Alltagsgeschäft“, sagte er. Vor allen Dingen gelten seinen Worten zufolge die gleichen Vorschriften wie bei einem regulären Straßenbahnbetrieb in einer größeren Stadt. Allerdings „macht die Mitarbeit auch viel Spaß“, betonte er.

Wie der Landrat erläuterte, wurden vor ziemlich genau 120 Jahren die Pläne für die damalige Überwaldbahn öffentlich ausgelegt. „Die Landschaft wurde durch die Strecke und die Viadukte geprägt“, hob er den zeitlosen Charakter der damaligen Arbeiten hervor. Vor mehr als zehn Jahren starteten dann die Überlegungen, wie die Strecke für die Zukunft erhalten werden kann.

„Wir werden in den kommenden Jahren daran arbeiten, dass die Draisine eine noch größere Leuchtturmwirkung erlangt“, sagte er. Dies soll mit Events erreicht werden, in die die Fahrt über Überwald-Hügel mit eingebunden ist. „Es geht darum, noch mehr Touristen in den Odenwald zu ziehen.“ Ein Vorhaben, das Geschäftsführer Holger Kahl nur unterstreichen konnte. „Wir wollen einen Mehrwert über das Bekannte hinaus schaffen“, betonte er.

Denn die Solardraisine hat sich in den vier Jahren ihres Bestehens zu einem großen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Bisher wurden mehr als 100.000 Nutzer begrüßt. Da ein Tagestourist jede Menge Euro in der Region lässt, „gibt es dadurch eine große Wertschöpfung“, so Kahl. Der Odenwald habe durch die Bahn „ein großes Alleinstellungsmerkmal“, das Menschen aus den Ballungsräumen hierher ziehe. Über die Zusammenarbeit mit Sponsoren und Partnern will man sich dem Thema Veranstaltungen im kommenden Jahr besonders widmen. Eine süße Versuchung davon vermittelte bereits Bernd Ginader, der in seiner „Ourewäller Kuchestubb“ eine Geburtstagstore kreiert hatte.

Nach dem „erfolgreichen Saisonstart“, so Kahl, bewege sich die Nutzerzahl wie in den beiden Vorjahren wieder auf die 40.000 zu. Der Verkauf von Einzeltickets, erstmals in dieser Saison angelaufen, hat sich seinen Worten zufolge bewährt. Dadurch werden die Fahrten günstiger, wenn nur wenige Personen unterwegs sind. Zu festen Zeiten ist man dann mit anderen Gästen im selben Wagen unterwegs.

Eine „Herausforderung“ war laut Kahl die Bauwerksüberprüfung im Winter und Frühjahr. Die Unsicherheiten konnten aber beseitigt werden. Über den Jahreswechsel wurden viele Maßnahmen auf der Strecke erledigt. „Nach der Saison wird außerdem noch einiges nachjustiert“, sagte er. Der Unterhalt der Bahn bleibe anspruchsvoll, schmunzelte der Geschäftsführer. Die sogenannte „Inbetriebsnahmegenehmigung“ gilt bis Ende 2019, was aber die jährlichen Begehungen nicht obsolet macht.

Irish-Folk-Benefizkonzert zugunsten des Weiherer Kindergartens: Begeisterte Gäste fordern gleich fünf Zugaben

Die Freude stand Siggi Winkler nach dem Konzert noch ins Gesicht geschrieben. „Es war einer der besten Folk-Abende, die ich mit anderen zusammen veranstalten durfte“, sagte er über die Benefiz-Veranstaltung zugunsten des Weiherer Kindergartens, die er zusammen mit seiner Musikerkollegin Simone Köhler von den „Irish Voices“ in der „Mühle“ organisiert hatte. „Stargast“ war die Irin Pat O’Connor, auf der Grünen Insel eine gefragte Session-Musikerin, die mit ihren Songs ein ums andere Mal viel Beifall bekam.

„Das Publikum war absolut begeistert“, so Winkler. „Wir haben fünf Zugaben gespielt, das gab es noch nie.“ Fürs Konzert und den guten Zweck hatten die beiden neben Pat O’Connor weitere Folk-Hobbymusiker aus dem Odenwald aktiviert. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Vom vollbesetzten Saal wurden glatte 555 Euro gespendet. Der „Krabbennest“-KiGa Weiher mit seiner Leiterin Ute Jäger möchte mit dem Geld kleine Dreirädchen für die Kinder kaufen.

O’Connor ist eine Vollblut-Musikerin. Das merken die Zuschauer vom ersten Ton an. Wenn sie die gespielten Songs kennt, zückt sie sofort ihre Fiddle und setzt nach wenigen Akkorden selbst ein. Ist ihr ein Stück unbekannt, dann hört sie ein wenig zu, prägt sich die Melodie ein und fängt aus den Nichts heraus an mitzuspielen. Die Irin ist eine Meistern auf dem Saiteninstrument, zückt aber ab und zu auch die Tin Whistle. „Ich liebe den Odenwald“, sagt sie. Kein Wunder, erinnert er sie mit den grünen Hügeln doch an ihre Heimat.

Zwischendurch, als keiner so etwas vermutet, „borgt“ sie sich von Siggi Winkler dessen Mikro und beginnt, „Donovan’s Song“ ohne jegliche Instrumentenbegleitung zu singen. Mit ihrer rauchigen Stimmen, dem irischen Dialekt und der Intonation verwandelt sich der Saal der Mühle von einem Moment auf den anderen in einen Pub auf der Grünen Insel, in dem der Zigarettenqualm durch die Gasträume wabert, sich ein paar Cracks zu einer Musik-Session getroffen haben, spontan aufstehen und einfach loslegen.

Da merkt man dann, dass Pat O’Connor die irische Musik im Blut hat und sie mit der Muttermilch aufgesogen hat. Ihre Vorfahren waren seit mindestens vier Generationen musikalisch unterwegs, ihre Leidenschaft hat sie auch an die Kinder weitergebeben. Sohn Brian spielt Uilleanpipe und ist grad auf einer Weltreise mit dem Rucksack durch den Nahen Osten, Russland, Kirgistan, China und Indien. Vor kurzem war sie Mundy (dessen Stück „Galway Girl“ ist bekannt aus dem Film „PS. Ich liebe Dich…“) unterwegs. Den Song sang Winkler zusammen mit ihrer Unterstützung.

Die Irin hat selbst über 100 sogenannte Tunes (Reels und Jigs) komponiert. Ihr zu Ehren übten die anderen sechs Mitmusiker für diesen Abend drei ein: „Donal o Store“, „Elves march“ und „Turkeys neck“. Letzterer hat wie fast alle eine Geschichte. Einer ihrer Söhne spielte Pat einmal einen Streich. Sie war zuhause in der Küche am Zubereiten eines Truthahnes. Der Hals sollte weggeworfen werden. Der Sohn steckte ihn ihr aber in die Manteltasche. Beim Einsteigen ins Auto bemerkte sie diesen, schimpfte und legte ihn auf die Seite. Doch der Filius legte den Hals unbemerkt aufs Autodach. Als sie an der Musikschule ankam und bremste, fiel der Truthahnhals runter. Großes Gelächter war die Folge.

Die „Irish Voices“ kennen Pat von einer Musikschule aus Elmstein/Pfalz. Dorthin kommen einmal im Jahr irische Musiklehrer immer Anfang August, um zusammen mit deutschen Musikern (Anfänger bis Profis) in Workshops zusammen zu arbeiten, zu üben, Konzerte zu geben. Vor drei Jahren ergab es sich, dass die Irin bereits am Freitag mit dem Flieger ankam, da sie samstags keinen Flug mehr bekommen hatte. Winkler bot ihr dann an, in Weiher zu übernachten – mit dem Hintergedanken, gleich eine Veranstaltung durchzuführen. „Wir machten dann eine Session mit ihr zugunsten ihrer Musikschule“.

Seitdem kommt sie immer freitags, um ein Konzert für den guten Zweck zu geben. Winkler war schon mehrmals in Dublin auf Gegeneinladung, um mit ihr auf Sessions zu musizieren. Die Dublinerin holt in ihrer Heimatstadt Kinder von der Straße und macht mit ihnen Musik, wenn die Eltern das Geld für die Musikschule nicht haben. „Sie hat ein großes Herz“, sagt Winkler anerkennend.

„Was uns heute genau erwartet, wissen wir Musiker auch nur im Ansatz“, so Siggi Winkler zu Beginn schmunzelnd. Denn ist so Brauch und Sitte bei irischen „Sessions“, dass irgendjemand ein Stück anstimmt – und wer es kennt, der spielt eben mit. Und so lief es auch ab. Zu hören gab es die klassischen Instrumente wie Geige oder Fiddle, Gitarre, Banjo, Tin Whistle, die Rahmentrommel Bodhran und die Low Whistle. Typische und zumeist bekannte Songs aus irischen Pubs, einige Reels, Jigs und Hornpipes, also instrumentale Stücke, waren zu hören – und als Garnierung einige eigene Mundartsongs.

Neben den beiden Organisatoren von den „Irish Voices“ waren Stan Svoboda, Klaus Willems, Heike Mauelshagen und erstmals Janet Key dabei – eine geigende Nordirin, die in Großsachsen wohnt. Alle sieben setzten auch gleich beim „Marsch der Elfen“, dem Anfangsstück, voll ein. Eine Komposition von Pat O’Connor, die so richtig irische Lebensfreude rüberbrachte.

Getragene, melancholische Songs wechselten sich ab mit flotten Tunes oder Reels, bei denen sich die Musiker voll austoben konnten. „I’m a rambler“, „Ye Jakobites“ oder „Kilkelly Ireland“ kennt man zwar aus den Konzerten der „Irish Voices“. Aber in größerer Besetzung und vor allem mit den Fiddle-Tönen von Pat O’Connor klangen die Songs völlig anders und hatten eine ganz andere Dynamik. „Wild Rover“ und „Whisky in the Jar“ waren Klassiker, bei dem das Publikum noch mal mitging, mitklatschte, mitwippte, mitsummte – und Zugaben ohne Ende forderte.

Folk-Benefiz zugunsten des Weiherer Kindergartens am 28. Juli in der „Mühle“

Es gibt immer nur ein kleines Zeitfenster für diese Benefiz-Folk-Veranstaltung, die von der Odenwälder Folkgruppe „Irish Voices“ inzwischen zum dritten Mal durchgeführt wird. Nämlich dann, wenn Pat O‘Connor aus Dublin für einen Tag und eine Nacht in die Region kommt. Das ist in diesem Jahr am Freitag, 28. Juli, in der „Mühle“. Am nächsten Tag geht es für sie nämlich schon zusammen mit den „Voices“ zu einem Workshop nach Elmstein, wo sich fast 200 Irish-Folk-Musiker aus vielen europäischen Ländern jedes Jahr eine Woche lang zu einer Fortbildung treffen.

Der „gute Zweck“ in diesem Jahr soll eine Spende für den Kindergarten in Weiher werden, nachdem im letzten Jahr für die Hospizgruppe Mörlenbach gesammelt wurde. Der Eintritt ist frei, es geht der „Hut“ herum. Die Besucher erwartet eine besondere Veranstaltung, die von Simone Köhler und Siggi Winkler organisiert wird. In Form einer „Session“ werden mit den beiden die regionalen Hobbymusiker Stan Svoboda, Klaus Willems, Heike Mauelshagen sowie Pat O`Connor den Abend gestalten. Ohne festes Programm, es soll viel improvisiert werden. Es wird einzeln, paarweise oder zusammen musiziert – wie es gerade passt.

Zu Gehör kommen natürlich irische Pubsongs, Balladen und Tunes. Aber auch mit einigen eigenen Mundartliedern soll der Abend abwechslungsreich gestaltet werden. Es wird sicher spannend – für die Musiker vielleicht aufregender als für die Besucher. Die Veranstalter hoffen auf eine gute Resonanz. Vorreservierungen im Landgasthof „Zur Mühle“ sind empfehlenswert.

Pat O‘Connor ist Musiklehrerin in Dublin. Sie zählt zu den bekanntesten Folk-Musikerinnen auf der grünen Insel. Ihre Hauptinstrumente sind die Fiddle und die Whistle. Aber sie singt auch mal, wenn sie dazu aufgefordert wird. Sie stammt aus einer Musikerfamilie, in der schon seit vielen Generationen zum Instrument gegriffen wird. Die „Irish Voices“ mit dem Weiherer Siggi Winkler sind stolz, sie als Freundin zu haben. Pat düste schon oft einige hundert Kilometer durch Irland, nur um mit ihren deutschen Freunden zusammen an einem Abend in einem Pub in Belturbet zu musizieren – oder eben zusammen in ihrer Musikschule in „Monkstown“, einem Stadtteil von Dublin.

Info: Benefiz-Folk-Konzert für den Weiherer Kindergarten am Freitag, 28. Juli, um 20 Uhr im Gasthaus „Zur Mühle“, Telefon 06209-1634.

25 Kilometer bergauf und bergab durch die Region: Mountainbiketour anlässlich des Wald-Michelbacher Heimatfestes

Die Mountainbike-Tour anlässlich des Heimatfests hat immer ihre Liebhaber, auch wenn es bei den Teilnehmerzahlen wetterbedingte Schwankungen gibt. „Zwischen 20 und 30 Starter haben wir im Schnitt“, meinte Sebastian Schröder von der Zukunftsoffensive Überwald (ZKÜ), der wieder den Tourguide auf der 25 Kilometer langen Strecke gab. Die war mit ihren 800 Höhenmetern rund um Überwald und Weschnitztal aber nicht allein dem sportlichen Aspekt vorbehalten, sondern vermittelte auch Wissenswertes aus der Region.

18 Radler waren es bei wechselhaftem, kühlem Wetter, die sich vom Einhaus aus auf die Strecke machten. Bei Sonne und besseren äußeren Bedingungen zählte man auch einmal 40, sagte Schröder. Die erste Etappe führte zum Steinbruch Mengelbach, wo Wolfgang Wagner die Mountainbiker bereits erwartete. Bis in die 70er Jahre wurde hier abgebaut, dann noch einmal von Mitte der 90er bis 2005.

Wagner wies weiterhin auf das Geozentrum hin und die Absicht, das Gebiet als „begehbares Biotop“ weiterzuentwickeln – aufgrund von drei besonderen, dort vorkommenden Arten. Er erwähnte auch die verbotenen touristischen Nutzungen. Seine Frage ging in die Tiefe: Welchen Wasserpegel hat der See im Steinbruch aktuell? 19 Meter lautete die richtige Antwort.

Über Weiher folgte der lange Anstieg zum über 500 Meter hohen Götzenstein bei Ober-Abtsteinach hinauf. Dort erläuterte Schröder die weit in die Vergangenheit zurückreichende Geschichte. Auf diesem Hügel trat der Sage nach der fränkische Herrscher Dietbert zum Christentum über. Anlass soll die Rettung eines Kindes aus seiner Sippe vor dem Feuer allein durch den Glauben eines Christen gewesen sein. Schröder wollte deshalb wissen, wann die Franken zum Christentum konvertieren und sich taufen ließen. Rund um das Jahr 500 hieß die Lösung.

Dritte Station war an den Sühnekreuzen vom Wald-Michelbacher Draisinenbahnhof hoch zur Kreidacher Höhe.  Immer wenn ein Mensch ermordet wurde, wurde laut Sage ein Kreuz aufgestellt. Deshalb wird die Stelle auch mit dem früheren Galgen auf der nahe gelegenen Höhe in Verbindung gebracht. Hier ging es für die Teilnehmer darum, den letzten Galgen Deutschlands zu verorten. Der steht nicht weit weg, in Beerfelden, und ist ein Denkmal von besonderer überregionaler Bedeutung.

Die Tour charakterisierte Schröder als sehr angenehm. Man wartete immer auf die etwas langsameren und war so als Gruppe unterwegs. Die Teilnehmer kamen aus allen Ecken der näheren und weiteren Region. Die Auswärtigen hielten sich nach Rückkehr noch einige Zeit auf dem Heimatfest auf, freute sich der ZKÜ-Geschäftsführer. Den ersten Preis beim Quiz gewann Hannes Schweickert aus Zwingenberg, gefolgt von Sabine Steinbeck (Gernsheim) und Reiner Schmid (Rimbach).

Bistro und Draisinenbahn nehmen in Wald-Michelbach Fahrt auf

Schöner Auftakt für die Solardraisinen-Saison am Wald-Michelbacher Bahnhof. Mit einem Fest für Groß und Klein startete der Betrieb am Eröffnungssonntag. Das Wetter machte es möglich, angenehm unter dem Vordach draußen zu sitzen und die Gastfreundschaft des Teams aus dem B10-Bistro zu genießen. Das ging gleichzeitig mit dem Draisinen-Start nun auch in den Vollbetrieb und hat außer montags jeden Tag geöffnet. Musik gab’s auch: Die Band „Generation Gap“ aus Mannheim spielte etliche Rock- und Bluesklassiker.

Nach der Eröffnung gegen Mittag füllten sich die Plätze immer mehr. Ausflügler und Zaungäste kamen vorbei, um sich die Musik anzuhören und neben den Getränken leckere Bratwürste zu genießen. Natürlich war auch Zeit für das eine oder andere ausführliche Schwätzchen. Bürgermeister Joachim Kunkel war erfreut darüber, dass der Probebetrieb des B10 über den Winter „jetzt in den Normalbetrieb“ übergeht. Die Testphase sei gut angelaufen. Zusätzliche gastronomische Angebote in Wald-Michelbach wie dieses seien immer gern gesehen, sagte er.

„Gemeinde, ZKÜ und Wirtschaftsvereinigung stehen hinter dem Betrieb“, so der Rathauschef. Mit Blick auf die Vorkommnisse rund um den Betrieb der Draisinenbahn meinte er, hier sei mit „Kanonen auf Spatzen“ geschossen worden. Die Erhaltung der Trasse sei „eine Pflichtaufgabe“ gewesen, betonte der Bürgermeister. Natürlich koste diese auch Geld. Andererseits „spült die Draisine auch Menschen in die Region“. Das sehe man an den jährlichen Buchungen aus vielen Regionen Deutschlands. „Alles andere ist schlecht geredet.“

Der Bürgermeister äußerte sich zuversichtlich, in dieser mindestens wieder 35.000 Fahrgäste auf der Strecke begrüßen zu können. Denn die Fahrt sei ein „wunderbares Freizeitvergnügen“. Der Besuch strahle auch auf andere Bereiche im Überwald aus und befördere den Tourismus in der Region. Das lasse sich an der Zahl der Ortsführungen durch die Vor-Ort-Begleiter oder auch den Museumsbesuchen festmachen.

In Bezug auf die notwendigen Arbeiten vor Beginn der Saison betonte Kunkel, „dass die Kuh vom Eis ist“. Es sei alles erledigt und fürs Erste herrsche Ruhe. Für die Wassersituation an den Viadukten müsse man noch eine Lösung finden. Auch hier zeigte er sich zuversichtlich. Sabine Storck und Klaus Widmann, die seit November 2016 das B10 betreiben, freuten sich ebenso über den Start der Draisinensaison und somit mehr Gäste im Bistro.

Der Erste Beigeordnete Peter Bihn äußerte seine Hoffnung, dass das gastronomische Angebot an dieser Stelle von der Bevölkerung angenommen werde. „Ich habe damit gerechnet“, meinte er im Hinblick auf die Bestätigung der Draisinen-Betriebserlaubnis bis 2019. Natürlich müsse man in dieser Zeit sicher noch etwas in die Strecke investieren.

„Es ist toll, dass es weitergeht“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Doetsch sowohl auf Bistro als auch auf Draisinenbahn bezogen. Er ist ein Fan der Strecke und froh über das Angebot: „Ich fahre jedes Jahr mehrfach“, so Doetsch. Auf politischer und handwerklicher Ebene sei in der vergangenen Zeit „enorm viel gemacht“ worden. „Wir werden alles tun, um den Standort zu stärken.“ Dem pflichtete Heinz Fischer von der Wirtschaftsvereinigung Überwald zu.

Als die Bänke gut besetzt waren, legte auch „Generation Gap“ los. Die seit 2011 bestehende Band mit Giuseppe Miceli (Gesang), Christoph Puth und Christian Schlotzer (Gitarre/Gesang), Peter Hohagen (Bass) sowie Frank Wenzel (Schlagzeug) widmete sich den guten alten Rock’n’Roll-Klassikern. Nicht nur musikalisch, sondern auch vom Equipment her mit Vintage-Sound aus alten Fender-Verstärkern.

Die Rolling Stones kamen dabei gleich mehrfach zu ihrem Recht. „Honky Tonk Woman“, „Brown Sugar“ oder „Jumping Jack Flash” hießen die Stücke, neben Bon Jovis „Runaway” oder „Crazy little thing called love“ von Queen. „All right now” von Free, „Long train running” von den Doobie Brothers, „Rosalie“ von Bob Seger oder „Pretty Woman” der Kinks rundeten den vielbeklatschten Retro-Set ab