Finanzielle Schattenseiten der Solardraisine sollen genau beleuchtet werden

Mit wenigen Gegenstimmen verabschiedeten die Gemeindevertreter auf ihrer vergangenen Sitzung den zusätzlichen Finanzbedarf der Solardraisinenbahn. Am ehesten ging es inhaltlich nach ausführlicher Ausschussdiskussion noch um die kommenden Zuschüsse, die sich ab 2018 verdoppeln sollen. Für Abtsteinach bedeutet dies dann 18.000 Euro jährlich. Deshalb wurde auf Vorschlag von Denise Reinhard (FWV) dieser Betrag auch erst einmal auf kommendes Jahr beschränkt. Zwischenzeitlich will man eine nähere Aufstellung erhalten, wie sich die Fehlbeträge zusammensetzen.

Abtsteinach ist zwar „nur“ mit einem Anteil von 4,5 Prozent an der Überwaldbahn gGmbh beteiligt (neben Wald-Michelbach, Mörlenbach und dem Kreis Bergstraße), aber andererseits finanziell auch nicht dermaßen gesegnet, dass die außer der Reihe benötigten Gelder einfach mit links geschultert werden können. Denn in diesem Jahr werden über 30.000 Euro als Liquiditätszuschuss zusätzlich benötigt. „Haushaltstechnisch fast nicht mehr zu vertreten“, heißt es.

Der Geschäftsführer der Überwaldbahn, Holger Kahl, hatte im Haupt- und Finanzausschuss versucht, die Defizite zu begründen und stand auch für Fragen zur Verfügung. Auf die dortigen Abstimmungsergebnisse ging Vorsitzende Karin Oberle im Vorfeld ein. Auf 675.000 Euro beläuft sich 2017 der Finanzierungsbedarf inklusive Liquiditätslücke. Davon müssen bis zum Jahresende sofort 65.000 Euro durch die vier Gesellschafter bereitgestellt werden. Abtsteinachs Anteil hieran beträgt knapp 3000 Euro. Diese Summe stellten die Mandatsträger einstimmig zur Verfügung.

611.000 Euro listete Kahl an Kosten auf, die zur Beseitigung vorhandener Mängel und weiterer Unterhaltungsarbeiten an Strecke und Fahrzeugen anfallen könnten. Diese Gelder sind notwendig, um den ordnungsgemäßen Betrieb in diesem und dem nächsten Jahr zu gewährleisten. Von der Summe muss die Gemeinde 27.500 Euro beisteuern. Unter anderem ist darin der zweite Teil der Arbeiten enthalten, die schon Anfang des Jahres auf Drängen der Aufsichtsbehörde angegangen wurden, damit die Solardraisine 2017 überhaupt rollen konnte.

Sanierungsarbeiten an Tunneln (50.000 Euro) und Brückenbauwerken (fast 160.000 Euro) sind darin ebenso enthalten wie der Freischnitt (20.000 Euro). An Ingenieurleistungen werden 24.000 Euro aufgeführt. 130.000 hat Kahl in seiner Kalkulation eingestellt, damit die Draisinen technisch wie verlangt umgerüstet werden können. Die Neukonzeption des Bergungskonzepts kommt auf 210.000 Euro. Zu diesem Paket gab es bei zwölf Ja-Stimmen ein Nein von Konrad Abraham (CDU).

Wenn man die Planergebnisse des Haushalts 2017 und die vorläufigen Zahlen für 2018 um den Zuschussbedarf reduziert, kommt man auf eine Größe, „der ohne Steuerungsmaßnahmen haushaltstechnisch fast nicht mehr zu vertreten ist“, meinte Bürgermeisterin Angelika Beckenbach. Ihr Wunsch: Die künftigen Folgekosten „müssen wir in den Griff bekommen“. Ähnlich auch Julia Jöst (CDU). Sie wollte der Gesellschafterversammlung mitgeben, dass Alternativen geprüft werden sollen, um in Zukunft einen kostengünstigeren Betrieb zu ermöglichen.

Das Defizit war ein Punkt, dessen Unklarheit auch Denise Reinhard störte. In Kahls Aufstellung war von einem betrieblichen Aufwand in Höhe von 300.000 bis über 600.000 Euro pro Jahr die Rede. Das war ihr zu unkonkret. „Wir wollen eine genauere Aufstellung“, sagte sie. Bei zwei CDU-Stimmen wurde die Zuschussverdoppelung auf 18.000 Euro für 2018 beschlossen.

Beckenbach hatte bereits im Ausschuss die Konsequenzen bei Nichtzustimmung nachgezeichnet. Demnach wären bei einer möglichen Insolvenz einige Fragen zu klären. So etwa die mögliche Rückzahlung von Landesfördermitteln oder gezogener Vorsteuer. Dazu käme der Wegfall des touristischen Nutzens. Alles in Millionenhöhe. Auch entfalle damit die Möglichkeit, die Strecke nach Wegfall der Solardraisinenbindung für den ÖPNV zu nutzen. „Die Draisine ist für die ganze Region unstrittig eine Bereicherung“, hob sie hervor.

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Innovative und pfiffige Gründerideen gewürdigt: Sechs Preisverleihungen beim achten Gründerwettbewerb Bergstraße-Odenwald in Wald-Michelbach

Es waren wieder zahlreiche innovative und pfiffige Ideen, unter denen die Jury auszuwählen hatte: Beim Gründerwettbewerb Bergstraße-Odenwald, der inzwischen zum achten Mal stattfand, wurden in der Mensa der Eugen-Bachmann-Schule jetzt die Auszeichnungen an sechs Preisträger übergeben: drei aus den Odenwaldkreis und drei aus dem Kreis Bergstraße. Beide Landkreise arbeiten im Rahmen der Gründungsoffensive zusammen, um Gründer und Gründungswillige zu ermutigen, ihre Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Mit dem Gründerwettbewerb sollen die Selbständigen nicht nur Preise, sondern auch jede Menge Aufmerksamkeit und wichtige Kontakte erhalten. Wie breit die Palette ist, zeigte sich nicht nur an den Preisträgern selbst. Vom Kulinarischen übers Handwerk bis hin zu Freizeitaktivitäten mit pädagogischem Background reichten die Ideen, mit denen sich die Existenzgründer durchsetzten.

Aus dem Herzen des Odenwalds kommt Bernd Ginader, nicht nur ein begnadeter Laienschauspieler im Team mit Hans Dörsam als „Hannes und der Ourewäller Landrat“, sondern auch ein fabelhafter Kuchenbäcker, der mit seiner „Ourewäller Kuchestubb“ in Mörlenbach bereits für Schlagzeilen sorgte. Er wurde wie die beiden anderen Preisträger aus dem Kreis Bergstraße, Bärbel Jakob aus Bürstadt und David Falk Schneider aus Heppenheim, durch Matthias Zürker, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bergstraße, und Marius Schabe von der OREG Regionalgesellschaft in Erbach vorgestellt.

Den Abend hatte Wald-Michelbachs Bürgermeister Dr. Sascha Weber eröffnet. Der freute sich, dass die Preisübergabe nach 2015 wieder in der Überwald-Gemeinde stattfand. Er würdigte die „hervorragende Einrichtung“ Gründungsoffensive. Gerade in der Region „liegt uns das Thema sehr am Herzen“, betonte er. Die in Wald-Michelbach angesiedelte Zukunftsoffensive Überwald (ZKÜ) habe seit Bestehen bereits 300 Beratungen durchgeführt, wovon etwa 30 Prozent in erfolgreichen Gründungen mündeten.

Der Odenwald muss laut Weber Schwerpunkt weiterer Gründungen sein. Denn hier gebe es viele Pendler zu Arbeitsplätzen in den Ballungsräumen, die wiederum mit der schlechten Verkehrs-Infrastruktur zu kämpfen hätten. Je mehr Arbeitsplätze im ländlichen Raum entstehen, desto besser. Moderator Ralf Siegelmann führt danach durch den Abend. Der wurde mit einer Talkrunde fortgesetzt, bei der die beiden Landräte Christian Engelhardt (Bergstraße) und Frank Matiaske (Odenwaldkreis) sowie Axel Henkel vom hessischen Wirtschaftsministerium auf das Thema eingingen.

Engelhardt lobte die „herausragenden Gründerpersönlichkeiten mit einer unternehmerischen Vision“. Matiaske wies auf die Überschaubarkeit des Odenwaldkreises als „Riesen-Vorteil“ hin. Denn: „Die Akteure kennen sich.“ Von Weltfirmen wie Pirelli bis hin zu Nischenunternehmen finde man hier alles. Außerdem stimme auch die Infrastruktur. Man sei derzeit dabei, ein leistungsfähiges Internet in den Odenwald zu bringen, so Matiaske. Was im Kreis Bergstraße ebenso großes Thema ist.

Der Bergsträßer Landrat hob die hohe Lebensqualität in der Region heraus. „Gute Köpfe können hier sehr gut leben“, so Engelhardt. Als einziger Landkreis biete man eine öffentliche Förderung von WLAN-Hotspots an, sagte er. Daneben ermöglichten „hervorragende Bildungsstätten“ dem Nachwuchs eine sehr gute Ausbildung. Matiaske wies darauf hin, „dass die Wirtschaftsförderung breit aufgestellt ist“ und nicht auf bestimmte Nischen fokussiert sei. Die beiden Landräte betonten, dass die Kreise in punkto Unternehmensgründung stark vorangekommen sind. „Eins und eins ergibt nicht nur zwei“, sondern ein höheres Ergebnis, so der Tenor.

Henkel nannte die Gründung von Unternehmen einen „wichtigen Motor für die Wirtschaft“. Die große Aufgabe der Politik bestehe darin, den Unternehmensbestand zu sichern, sagte er. Er wies auf die Nachfolgethematik hin. Die Hälfte der Betriebe werde von Personen ab 55 Jahren aufwärts geführt. Es gebe in Hessen eine Drei-Säulen-Begleitung für Gründer, so der Ministeriale: die gemeinsame Vorab-Beratung mit dem Bund, die finanzielle Förderung durch Darlehen und die Landes-Bürgschaften inklusive Beteiligungen. Das alles sei „technologie- und branchenneutral“ angelegt.

2017 wurden 27 Wettbewerbsbeiträge der Jury präsentiert, erläuterte Zürker. Für ihn ist deshalb der Gründerwettbewerb „ein Erfolgsprojekt“, das jedes Jahr sehr gut angenommen werde. Die Gewinner erhalten Preise von insgesamt 10.000 Euro für ihre erfolgversprechenden Gründungsvorhaben, ergänzte Schwabe. In Wald-Michelbach kamen mehr als 100 Unternehmer, Politiker und Persönlichkeiten aus der Wirtschaft mit den erfolgreichen Gründern zusammen. Für die musikalische Umrahmung sorgten Jana Johann und Rüdiger Klein.

Bernd Ginader ist Bäckermeister und war bereits lange Jahre mit einem eigenen Betrieb im Mörlenbacher Ortsteil Bonsweiher selbständig, ehe ihn eine Mehlstauballergie zur Aufgabe zwang. Der damalige Innungsvorsitzende verlor aber nie den Bezug zum Bäckerhandwerk. So war er im Bereich Vertrieb des Bäckerhandwerks beruflich unterwegs. Auch seine Tochter stieg in das Back-Business durch die Ausbildung zur Bäckerei-Fachverkäuferin und die nachfolgende Qualifizierung zur „Betriebwirtin des Handwerks“ ein.

Durch einen Unfall und die nachfolgende lange Krankheitsphase verlor Bernd Ginader seinen Job. Im ersten Moment ein großer Schock für ihn, stellte sich die Kündigung dann doch als glückliche Fügung dar. Beim Gespräch mit einem Bekannten entstand die Idee, auf dem Gelände eines Seniorenzentrums in Mörlenbach ein Café zu eröffnen. Die passte genau in die Zeit. Ginader machte sich an die Planung. Torten backen, das geht trotz Mehlstauballergie hervorragend. Mit vielen Familienrezepten in der Tasche und einem hochwertigen Containersystem für die Gastronomie legte der damals 54-Jährige im April 2016 an besagtem Standort los.

Ein Name für das Café war auch schnell gefunden, schließlich ist er als Teil des Duos „Hannes und der Landrat“ auch als Comedian in der Region für Mundart-Theater bekannt. Es sollte die „Ourewäller Kuchestubb“ heißen. Vor allem traditionelle Kuchenrezepte aus dem Odenwald sollten eine große Rolle spielen. Das Café entwickelte sich schnell sehr positiv und die dort angebotene Qualität sprach sich herum. Nicht zuletzt auch durch die ständige Facebook-Präsenz, der Bernd Ginader viel Aufmerksamkeit schenkt und seine Kunden ständig mit Infos zu seinen neuen Kreationen versorgt.

Mittlerweile im zweiten Jahr der Selbständigkeit, hat Bernd Ginader bereits die nächste Wachstumsstufe genommen. Die alte Backstube am Wohnort in Mörlenbach-Bonsweiher wird reaktiviert und als Kuchenmanufaktur wiederbelebt. Bald soll der nächste große Schritt kommen. Sobald der nächste Bau im Seniorenzentrum fertig sein wird, will er vom Container dort in ein festes Café einziehen. Bis dahin wird noch etwas Zeit vergehen. Ginader will diese nutzen. Unter anderem beschäftigt er sich mit 3D-Druckverfahren für Lebensmittel und ist damit einer der Ersten, der diese personalisierten Lebensmittel anbieten wird.

Weitere Infos unter http://www.kuchestubb.de/

 

Preisträger Gründerwettbewerb Bergstraße-Odenwald

Kreis Bergstraße

Hauptpreis für Bärbel Jakob mit dem Gründungsvorhaben „Nibelungenhort“ in Bürstadt, einer Freizeiteinrichtung mit Rollenspiel- und pädagogischen Angeboten.

Preisträger „Gründung im Handwerk“, gesponsert durch die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main: David Falk Schneider aus Heppenheim mit seinem Parkettlegerbetrieb, einer von deutschlandweit nur 100 geprüften Restauratoren in diesem Bereich.

Sonderpreis „Junge Unternehmen im Wachstum“, gesponsert durch das Wald-Michelbacher Unternehmen B+S Haushaltswaren: Bernd Ginader als Mörlenbach mit seiner „Ourewäller Kuchestubb“. Dieser arbeitet mit einem 3D-Druckverfahren für Lebensmittel, mit dem sich lebensechte Miniaturfiguren auf die Torte zaubern lassen.

Odenwaldkreis

Kategorie „Klassische Gründungen und Unternehmensnachfolge“: Übernahme der Schreinerei Bellut in Airlenbach durch Moritz Schumacher. Dieser machte bereits mit 23 Jahren als Jahrgangsbester seinen Meistertitel im Schreinerhandwerk. Bisher schon Mitinhaber, soll Schumacher 2019 den Betrieb ganz übernehmen.

Kategorie „Sonderpreis im Handwerk“: AllWin Elektrotechnik Sergej Winschel, Erbach

Kategorie „Sonderpreis Junge Unternehmen im Wachstum“: Karo Kunststoffzerspanung Kai Frindt Michelstadt

 

 

 

 

 

Furcht vor unübersehbaren finanziellen Folgen: Zusätzlicher Geldbedarf der Draisinenbahn im Abtsteinacher Haupt- und Finanzausschuss

Der zusätzliche Geldbedarf der Solardraisinenbahn bringt die Gemeinde ganz schön ins Schwitzen. Zwar ist sie nur mit einem Anteil von 4,5 Prozent daran beteiligt, aber andererseits finanziell auch nicht dermaßen auf Rosen gebettet, sodass die außer der Reihe benötigten Gelder von über 30.000 Euro den Jahresüberschuss für dieses und kommendes Jahr kräftig annagen. „Haushaltstechnisch fast nicht mehr zu vertreten“, heißt es. Im Haupt- und Finanzausschuss gab es zu dem Thema denn auch einigen Erklärungsbedarf durch den Geschäftsführer der Überwaldbahn gGmbH, Holger Kahl.

Auf 675.000 Euro beläuft sich bekanntermaßen der Finanzierungsbedarf inklusive Liquiditätslücke in den Finanzmitteln der Gesellschaft. Davon müssen bis zum Jahresende müssen 65.000 Euro durch die vier Gesellschafter bereitgestellt werden. „Ohne zusätzliche liquide Mittel tritt die Zahlungsunfähigkeit ein.“ Abtsteinachs Anteil hieran beträgt wie bei allen anderen Punkten auch 4,5 Prozent, somit knapp 3000 Euro.

611.000 Euro listete Kahl an Kosten auf, die zur Beseitigung vorhandener Mängel und weiterer Unterhaltungsarbeiten an Strecke und Fahrzeugen anfallen könnten. Wohlgemerkt könnten. Denn es stellte sich im Verlauf der Vorstellung und Diskussion heraus, dass sich einige Punkte der Liste eventuell anders entwickeln. „Ich wollte alles zusammenfassen und nicht scheibchenweise auf den Tisch bringen“, sagte der Geschäftsführer. Quasi ein Wort-Case-Szenario skizzieren.

Die Gelder sind laut Kahl notwendig, um den ordnungsgemäßen Betrieb in diesem und dem nächsten Jahr zu gewährleisten. Von dieser Summe muss die Gemeinde 27.500 Euro beisteuern. Unter anderem ist darin der zweite Teil der Arbeiten enthalten, die schon Anfang des Jahres auf Drängen der Aufsichtsbehörde angegangen wurden, damit die Solardraisine 2017 überhaupt rollen konnte.

Sanierungsarbeiten an Tunneln (50.000 Euro) und Brückenbauwerken (fast 160.000 Euro) sind darin ebenso enthalten wie der Freischnitt (20.000 Euro). An Ingenieurleistungen werden 24.000 Euro aufgeführt. 130.000 hat Kahl in seiner Kalkulation eingestellt, damit die Draisinen technisch so umgerüstet werden können, wie es die Aufsichtsbehörde verlangt. Denn sie müssen gegen Zurückrollen bei der Anfahrt gesichert werden.

Hier wie auch bei der Neukonzeption des Bergungskonzepts (210.000 Euro) machte er aber deutlich, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Möglicherweise lassen sich in Gesprächen kostengünstigere Lösungen erreichen. Es sei einiges im Fluss. So wie auch mit der Herstellerfirma Mühlhäuser. Kahl verdeutlichte, dass die Überwaldbahn-Gesellschaft in einer starken Abhängigkeit steht, was die technische Seite betrifft. „Wir haben kaum eigene Einblicke.“ Doch hier gibt es ebenso Lösungsansätze, sowohl mit der Firma als auch extern.

Was den Mandatsträgern fast noch mehr Kopfschmerzen bereitete, ist die Erhöhung des laufenden Zuschusses für die Folgejahre. Bisher 200.000 Euro, soll er ab 2018 dann 400.000 Euro betragen. Diese Summe teilt sich hälftig in Streckenunterhaltung und Betrieb auf. Das bedeutet 18.000 Euro im Jahr für Abtsteinach statt bisher 9000.

Bürgermeisterin Angelika Beckenbach machte die Rechnung auf, dass der Haushalt 2017 mit einem Planüberschuss von 47.000 Euro schließt. Bisher. Die ersten Hochrechnungen für 2018 liegen ihren Worten zufolge in ähnlicher Höhe. Wenn man diese Planergebnisse um den Zuschussbedarf reduziert, kommt man auf eine Größe, „der ohne Steuerungsmaßnahmen haushaltstechnisch fast nicht mehr zu vertreten ist“. Die künftigen Folgekosten „müssen wir in den Griff bekommen“. Sie wünschte sich eine belastbare Kostenaufstellung.

Beckenbach zeichnete aber auch die Konsequenzen bei Nichtzustimmung nach. Demnach wären bei einer Insolvenz einige Fragen zu klären. So etwa die mögliche Rückzahlung von Landesfördermitteln oder gezogener Vorsteuer. Dazu käme der Wegfall des touristischen Nutzens. Alles in Millionenhöhe. Auch entfalle damit die Möglichkeit, die Strecke nach Wegfall der Solardraisinenbindung für den ÖPNV zu nutzen. „Die Draisine ist für die ganze Region unstrittig eine Bereicherung“, hob sie hervor.

Kahl wies auf den „gigantischen Zeitdruck“ hin, da die Arbeiten bis Ende März erledigt sein müssen. Er sah noch viel Potenzial bei der Vermarktung: „Die Draisine muss von Anfang bis zum Ende ein Erlebnis sein“, sagte er. Etwa unter dem Stichwort Draisinenführerschein. Leider stecke das Marketing noch in den Kinderschuhen, weil der Geschäftsführer seit Amtsantritt vor eineinhalb Jahren als Troubleshooter gefordert war. Die Event- und Gastronomiemöglichkeiten in Mörlenbach und Wald-Michelbach seien sicher noch ausbaufähig. „Wir haben hier einen kleinen Schatz“, wies er auf die Einmaligkeit der Solardraisine hin.

 

Zwei Seelen wohnten in der Brust der Ausschussmitglieder. Sie sahen einerseits den Nutzen, befürchteten aber andererseits ein finanzielles Loch ohne Boden. Peter Jöst (CDU) kritisierte, „dass wir jetzt alle Kinderkrankheiten nachträglich beseitigen müssen“. Dazu kommt: „Keiner weiß, wo das Ende ist.“ Er wie auch seine Fraktionskollegin, Ausschuss-Vorsitzende Karin Oberle, stimmten gegen den (mit Mehrheit angenommenen) Beschlussvorschlag für die Gemeindevertretung, die Mittel bereitzustellen.

Thematisiert wurde die Abhängigkeit von der Herstellerfirma sowohl durch Jöst als auch durch Frank Wetzel (FWV). Aktuell sei diese noch gegeben, sagte Kahl, wenn man auch ein einer Lösung arbeite. Er scheue aber noch die „Schnittstellenproblematik“. Auch müssten Haftungsfragen geklärt werden, wenn sich andere Techniker an die Materie wagen. Das Ausmerzen des Zurückrollens sei bereits eine Auflage aus 2013 gewesen, die aber noch nicht erfüllt worden sei. Die Aufsichtsbehörde habe erst zugewartet, ob was geschieht.

Nachdem dies nicht der Fall war, wird jetzt mit dem Entzug der Betriebsgenehmigung zur kommenden Saison gedroht. Generell, so Kahl, „halte ich eine Lösung für machbar“. Allerdings bleiben seinen Worten zufolge die kostentreibenden Faktoren aufgrund der ursprünglichen Fahrzeugwahl bestehen. „Unser Ziel ist ganz klar, unter 400.000 Euro jährlichem Zuschuss zu bleiben“, meinte der Geschäftsführer auf eine entsprechende Frage von Janina Becker (FWV). Für die Liquidität reiche diese Summe aus – die Abschreibungen außen vor gelassen.

Kahl erwähnte außerdem, dass es seitens des Herstellers einen Vorschlag für einen Fünf-Jahres-Betreuungsvertrag gibt, nachdem dieser bisher nur jährlich lief. Er wird gerade geprüft. Ursula Jonasdofsky (SPD) monierte das „extrem kleinliche Vorgehen“ der Aufsichtsbehörde. „Wir haben darunter zu leiden.“ Diese bringe eine „wahnsinnstolle Idee“ fast zum Erliegen. Mit diesen Vorgaben „wird da nie wieder eine Lok drüber fahren“, befürchtete sie keine Zukunft für den ÖPNV.

CDU-Veranstaltung in Wahlen zum ländlichen Raum: Unverständnis über die lange Verfahrensdauer bei der B38a

Eigentlich sollte es ja um die Stärkung des ländlichen Raums im Allgemeinen gehen. Also um Tourismus, Wirtschaft, medizinische Versorgung, Kinderbetreuung. Und Verkehrsinfrastruktur. Zu einer Veranstaltung unter diesem Thema hatte die CDU Bergstraße um Bundestagskandidat Dr. Michael Meister mit den Gemeindeverbänden von Abtsteinach, Wald-Michelbach und Grasellenbach eingeladen. Gastredner im Hotel Burg Waldau war der Vorsitzende der hessischen CDU-Landtagsfraktion, Michael Boddenberg.

Aber wie das so ist, wenn es um den Straßenbau geht: Dann ist die B38a nicht weit. Deshalb drehte sich auch ein Großteil der Diskussion um die Mörlenbacher Umfahrung. Einige Gäste inklusive Kommunalpolitiker machten ihrem Unmut darüber Luft, dass 43 Monate nach erfolgter Planfeststellung immer noch das Gerichtsverfahren anhängig ist. Der ehemalige Landtagsabgeordnete Peter Stephan berichtete über die Kenntnis von einem Verfahrensbeginn im vierten Quartal.

Was aber den Ärger im Saal nicht wirklich beschwichtigen konnte. Es schwirrte der mehr oder weniger offen ausgesprochene Wunsch durch den Raum, den Richtern doch einmal seitens der Landesregierung Dampf zu machen. Dass eine so lange Verfahrensdauer doch ein Unding sei und zur großen Verdrossenheit in der Bevölkerung beitrage. Und Investitionen ausbremse.

Auch wenn die Unabhängigkeit der Justiz mitsamt Gewaltenteilung allgemein als hohes Gut angesehen wurde, überwog die „Irgendwann muss mal ein Ende sein“-Stimmung. Boddenberg näherte sich dem Thema entsprechend vorsichtig. Er versprach, es mit nach Wiesbaden zu nehmen und seinen Kollegen im Justizministerium darauf anzusprechen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Politik nur begrenze Einwirkungsmöglichkeiten habe.

Beide, Meister und Boddenberg, machten die Notwendigkeit und das CDU-Bestreben deutlich, den ländlichen Raum voranbringen zu wollen. Wie sehr das Thema bewegt, zeigte auch ein Blick in die Zuhörerschaft. Neben Landrat Christian Engelhardt waren der Vorsitzende der Kreistagsfraktion, der Fürther Bürgermeister Volker Oehlenschläger, und die drei Ortsverbandsvorsitzenden nach Wahlen gekommen. Dazu noch einige Vertreter von Organisationen, die direkt oder indirekt mit der touristischen und wirtschaftlichen Vermarktung des Odenwalds zu tun haben.

Die beiden Referenten gingen auf den kurz vorher erfolgten Besuch bei der Firma Jöst Abrasives ein. Den Mittelständler, mit seinen Produkten Weltmarktführer, sahen sie als „Leuchtturm im Überwald“. Natürlich ging es beim Gespräch über die Infrastruktur „gleich um das Thema B38a“. Meister äußerte sein Unverständnis über die lange Verfahrensdauer. „Die Region braucht Klarheit“, sagte er. Das Geld vom Bund sei da, könne aber nicht eingesetzt werden.

Der Bundesabgeordnete wie auch sein Parteikollege warfen als Denkmodell ein Beschleunigungsgesetz für Infrastrukturprojekte in den Raum, wie es nach der deutschen Einheit bestand. Den Breitbandausbau, wie er im Kreis Bergstraße schon ganz weit fortgeschritten ist, nannte Meister „einen tollen Schritt für die Entwicklung der Region“. Für Boddenberg ist die Versorgung mit schnellem Internet „eine Baustelle, die rasende Geschwindigkeit aufgenommen hat“.

Auch in Sachen Tourismus tat sich einiges. „Eine ganze Reihe von Leuchttürmen“ sei entwickelt worden, nahm der Staatssekretär im Finanzministerium Bezug auf Solardraisine, Sommerrodelbahn, Nibelungen- oder Neckarsteig. „Jetzt muss eine gute Verknüpfung mit Hotellerie und Gastronomie her“, so Meister.

Ein Aufgabenfeld, das beide Politiker ansprachen, war die medizinische Versorgung. Die sei zwar ambulant noch einigermaßen im Lot, „aber viele Ärzte gehen bald in den Ruhestand“. Deshalb stellt sich laut Meister die Frage dringender denn je, wie man junge Mediziner aufs Land holt und dort auch hält.

In Hessen müssen laut Boddenberg jedes Jahr 200 Ärzte ersetzt werden. Die kassenärztliche Vereinigung könne 100 davon stellen. Um somit auf die volle Zahl zu kommen, „muss die Politik massiv eingreifen“. Das MVZ in Lindenfels nannte Meister einen ersten Baustein auf stationärer Ebene, dem aber weitere folgen sollten. Das Landkreis-Projekt „Novo“ fand viel Beifall beim Abgeordneten.

Boddenberg beleuchtete die Themen eher aus Landes- und Regierungssicht und übernahm mit seinen Worten auch den Part des Wahlkämpfers, der sich kräftig am politischen Gegner und dessen Aussagen rieb. Für ihn ist eine „neue politische Schwerpunktsetzung notwendig“, damit der ländliche Raum nicht wie in den USA oder Frankreich abgehängt werde und sich die Menschen benachteiligt fühlten. Man könne auch über finanzielle Anreize nachdenken, um etwa Existenzgründungen abseits der Zentren zu fördern.

Auf jeden Fall, kündigte er an, soll der Haushaltsentwurf 2018 auf vielen Feldern den Bedürfnissen des ländlichen Raums Rechnung tragen und diesen stärken. „Es gibt nichts Wichtigeres als dass Familien auf dem Land wohnen bleiben“, betonte Boddenberg. Auch wolle die Regierung „mit allen Mitteln verhindern, dass kleine Grundschulen schließen müssen“.

Beim SPD-Kreistreffen in Mörlenbach: Willy-Brandt-Medaille für Ex-Landrat Norbert Hofmann

Große Ehrung für einen, der es absolut verdient hat: Der ehemalige Landrat Norbert Hofmann erhielt beim SPD-Kreistreffen an der Grillanlage Kisselhöhe die Willy-Brandt-Medaille überreicht. Dazu waren viele Gratulanten aus den unterschiedlichen Ecken des Kreises Bergstraße angereist, die außerdem die Gelegenheit nutzten, dem rüstigen Polit-Rentner nachträglich zum 75. Geburtstag zu gratulieren. Neben zahlreichen Parteimitgliedern kamen auch etliche Gäste aus der Gemeinde beim Sommerfest des Ortsvereins vorbei, um bei schönem Wetter ein paar angenehme Stunden zu verbringen.

SPD-Ortsvereinsvorsitzender Detlev Haas begrüßte neben den beiden Landtagsabgeordneten Karin Hartmann und Norbert Schmitt auch Kreisvorsitzende und Bundestagsmitglied Christine Lambrecht. Neben Mörlenbachs Erstem Beigeordneten Andreas Pfeiffer schauten daneben Kreisbeigeordneter Karsten Krug und Wald-Michelbachs Bürgermeister Dr. Sascha Weber vorbei. Der seit 1. Juli amtierende SPD-Rathauschef nutzte die Gelegenheit, mit Genossen aus dem Weschnitztal, der Bergstraße und dem Ried in Kontakt zu kommen.

Mit der selten verliehenen Auszeichnung werde das Lebenswerk von Hofmann als SPD-Mitglied, Bürgermeister und Landrat gewürdigt, betonte Lambrecht in ihren Dankesworten. Sie kenne den „überzeugten Europäer“ noch aus ihren Viernheimer Zeiten, wo sie ab 1985 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung war, sagte die heutige erste parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion.

Der Geehrte suchte im Sinne des gegenseitigen Verständnisses zwischen den Völkern schon sehr früh Kontakte nach Frankreich, hob sie hervor. Daraus entwickelte sich dann auch eine Gemeinde-Partnerschaft. Auch heute noch „setzt sich Hofmann für die europäischen Werte ein“, sagte Lambrecht. Als Bürgermeister und Landrat habe er immer nach dem Motto „Global denken, lokal handeln“ agiert.

Ein großes Ziel des langjährigen SPD-Mitglieds sei die Bekämpfung von Fluchtursachen gewesen. Denn diese seien nicht nur bei Krieg, sondern auch beim Klimawandel zu suchen. „Wir müssen über den Tellerrand hinausschauen“, sei Hofmanns Credo gewesen. Vor Ort gelte es Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Es helfe nicht, Grenzen und Mauern zu errichten oder hochzuziehen. „Die Menschen sollen nicht flüchten müssen“, laute die Maxime.

Wenn man bei der Grillhütte Kisselhöhe feiert, dann ist automatisch auch die B38a ein Thema. Denn die geplante Umgehungstrasse führt in der Nähe vorbei. Haas, Krug und Lambrecht äußerten in den Gesprächen mit den Gästen ihr Unverständnis, „dass seit inzwischen drei Jahren ein Eilverfahren anhängig ist“. Gelder und Planungsmöglichkeiten seien vorhanden, es hänge jetzt nur an der Gerichtsentscheidung, so Haas. „Wir wollen in diesem Jahr endlich eine Entscheidung“, meinte der Vorsitzende. „Weiter schieben geht einfach nicht mehr“, betonte auch Lambrecht.

Neben diversen bundespolitischen Themen im Vorfeld der Wahl drehten sich Gespräche ebenso um die von der SPD angestrebte Gebührenfreiheit von Kindergärten in Hessen und vor Ort. Vergangenes Jahr machten es finanzielle Zwänge in Mörlenbach notwendig, die Gebühren zu erhöhen. Eine Maßnahme, die Haas nach wie vor Bauchschmerzen bereitet. „Anhebungen sind den Eltern kaum noch zu vermitteln“, sagte er. Denn anderswo sei der Kindergartenbesuch komplett kostenlos, verwies Haas auf Rheinland-Pfalz. „Es darf bundesweit keinen Flickenteppich mehr geben“, lautete deshalb seine Forderung, die von den anwesenden SPD-Landes- und Bundespolitikern geteilt wurde.

Lambrecht verwies darauf, dass der Bund in Form des kommunalen Investitionsproramms II (KIP II) zusätzliche Mittel für die Schulsanierung zur Verfügung stelle. Es handle sich um 3,5 Milliarden Euro bundesweit, wovon 500 Millionen in Hessen und wiederum 20,5 Millionen Euro im Kreis Bergstraße ankommen. Wie der Beigeordnete Krug sagte, sollen diese über drei Jahre auf die sowieso jährlich im Haushalt eingestellten 15 Millionen draufgesattelt werden. „Dann haben wir jedes Jahr mehr als 20 Millionen Euro zur Verfügung und die Schulumlage wird erst einmal konstant bleiben.“ Die Kreisbürgermeister werden es mit Freude vernehmen.

Zur Person

Norbert Hofmann (geboren 1942 in Berlin) gehörte von 1968 bis 1981 der Stadtverordnetenversammlung Viernheim an. Nach dem Studium der Politik und Romanistik in Mannheim, Heidelberg, Marburg und Besançon (Frankreich) war er von 1970 bis 1981 im Schuldienst. Bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister war Hofmann Studiendirektor und pädagogischer Leiter der Gesamtschule in Bürstadt. Er wurde 1981 zum Stadtrat, 1987 zum Bürgermeister der Stadt gewählt. Dieses Amt bekleidete er bis 1997. Von 1997 bis 2003 war er Landrat des Kreises Bergstraße. Während seiner Amtszeit war Hofmann zudem Vorsitzender des Vereins Naturpark Bergstraße-Odenwald. Unter seiner Regie wurde der Startschuss für die Aufnahme des Vereins in das Global Network of Geoparks der UNESCO gegeben. Von 2004 bis 2010 war er zudem Vorsitzender des Odenwaldklubs.

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Großer Bahnhof für die Solardraisinenbahn in Wald-Michelbach

Großer Bahnhof für die Draisine. Während nonstop die gelben Fahrzeuge mit den Ausflüglern Richtung Mörlenbach rollten, wurde am Wald-Michelbacher Startpunkt das vierjährige Bestehen der Solardraisinenbahn gefeiert. Gleichzeitig wurden dabei die beiden „neuen“ Bürgermeister von Wald-Michelbach und Abtsteinach, Dr. Sascha Weber und Angelika Beckenbach, begrüßt und ihre Vorgänger Joachim Kunkel und Rolf Reinhard verabschiedet.

Zu diesem Anlass war nicht nur die Geschäftsführung in den Überwald gekommen, sondern auch Landrat Christian Engelhardt und neben vielen Kommunalpolitikern aus den beteiligten drei Gemeinden zahlreiche Gesellschafter der Draisinenbahn. Alle einte die Freude, dass die Touristenattraktion nach einem etwas holprigen Start Anfang des Jahres aufgrund der Nachbesserungsarbeiten nun wieder in der Spur ist und eine Auslastung wie in den Vorjahren mit etwa 40.000 Besuchern erwarten lässt.

Man feiere „ein relativ junges Geburtstagskind“, so Engelhardt. Alle Beteiligten seien „voller Elan“, weil die Draisine so stark frequentiert werde. Vor vier Jahren wurde sie „erfolgreich auf die Schiene gebracht“. Die aktuelle Saison sei bis jetzt „sehr gut verlaufen“. Das liege auch am Einsatz der Mitarbeiter, zollte er der Geschäftsführung um Holger Kahl Lob. Diesem schloss sich später seitens der Gesellschafter Willy Schröder aus Abtsteinach an.

Diejenigen, die vor über zehn Jahren die Solardraisine erst möglich machten, seien nicht mehr in Amt und Würden, sagte Engelhardt. Nachdem zuerst der Bürgermeister in Mörlenbach und der Landrat wechselten, bekamen im Sommer auch Wald-Michelbach und Abtsteinach neue Rathauschefs. Damit „gab es in der Zwischenzeit eine komplette Zäsur bei den Wahlbeamten“, sagte er.

Der Landrat hob das große Engagement von Kunkel und Reinhard hervor, mit dem die beiden Bürgermeister von Anfang an die Solardraisine voranbrachten, um vom touristischen Nutzen zu profitieren. Für sie gab es ein Geschenkkörbchen, in dem neben einigen Spezialitäten auch eine Schaffnerkelle zu finden war. Damit gab Engelhardt dem Wagentross im Anschluss den Weg frei.

Er gratulierte den beiden neuen Ortsoberhäuptern zu ihrer Aufgabe. Die Leitung eines Eisenbahnbetriebs in einer kleinen Gemeinde „ist nicht gerade kommunales Alltagsgeschäft“, sagte er. Vor allen Dingen gelten seinen Worten zufolge die gleichen Vorschriften wie bei einem regulären Straßenbahnbetrieb in einer größeren Stadt. Allerdings „macht die Mitarbeit auch viel Spaß“, betonte er.

Wie der Landrat erläuterte, wurden vor ziemlich genau 120 Jahren die Pläne für die damalige Überwaldbahn öffentlich ausgelegt. „Die Landschaft wurde durch die Strecke und die Viadukte geprägt“, hob er den zeitlosen Charakter der damaligen Arbeiten hervor. Vor mehr als zehn Jahren starteten dann die Überlegungen, wie die Strecke für die Zukunft erhalten werden kann.

„Wir werden in den kommenden Jahren daran arbeiten, dass die Draisine eine noch größere Leuchtturmwirkung erlangt“, sagte er. Dies soll mit Events erreicht werden, in die die Fahrt über Überwald-Hügel mit eingebunden ist. „Es geht darum, noch mehr Touristen in den Odenwald zu ziehen.“ Ein Vorhaben, das Geschäftsführer Holger Kahl nur unterstreichen konnte. „Wir wollen einen Mehrwert über das Bekannte hinaus schaffen“, betonte er.

Denn die Solardraisine hat sich in den vier Jahren ihres Bestehens zu einem großen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Bisher wurden mehr als 100.000 Nutzer begrüßt. Da ein Tagestourist jede Menge Euro in der Region lässt, „gibt es dadurch eine große Wertschöpfung“, so Kahl. Der Odenwald habe durch die Bahn „ein großes Alleinstellungsmerkmal“, das Menschen aus den Ballungsräumen hierher ziehe. Über die Zusammenarbeit mit Sponsoren und Partnern will man sich dem Thema Veranstaltungen im kommenden Jahr besonders widmen. Eine süße Versuchung davon vermittelte bereits Bernd Ginader, der in seiner „Ourewäller Kuchestubb“ eine Geburtstagstore kreiert hatte.

Nach dem „erfolgreichen Saisonstart“, so Kahl, bewege sich die Nutzerzahl wie in den beiden Vorjahren wieder auf die 40.000 zu. Der Verkauf von Einzeltickets, erstmals in dieser Saison angelaufen, hat sich seinen Worten zufolge bewährt. Dadurch werden die Fahrten günstiger, wenn nur wenige Personen unterwegs sind. Zu festen Zeiten ist man dann mit anderen Gästen im selben Wagen unterwegs.

Eine „Herausforderung“ war laut Kahl die Bauwerksüberprüfung im Winter und Frühjahr. Die Unsicherheiten konnten aber beseitigt werden. Über den Jahreswechsel wurden viele Maßnahmen auf der Strecke erledigt. „Nach der Saison wird außerdem noch einiges nachjustiert“, sagte er. Der Unterhalt der Bahn bleibe anspruchsvoll, schmunzelte der Geschäftsführer. Die sogenannte „Inbetriebsnahmegenehmigung“ gilt bis Ende 2019, was aber die jährlichen Begehungen nicht obsolet macht.

Irish-Folk-Benefizkonzert zugunsten des Weiherer Kindergartens: Begeisterte Gäste fordern gleich fünf Zugaben

Die Freude stand Siggi Winkler nach dem Konzert noch ins Gesicht geschrieben. „Es war einer der besten Folk-Abende, die ich mit anderen zusammen veranstalten durfte“, sagte er über die Benefiz-Veranstaltung zugunsten des Weiherer Kindergartens, die er zusammen mit seiner Musikerkollegin Simone Köhler von den „Irish Voices“ in der „Mühle“ organisiert hatte. „Stargast“ war die Irin Pat O’Connor, auf der Grünen Insel eine gefragte Session-Musikerin, die mit ihren Songs ein ums andere Mal viel Beifall bekam.

„Das Publikum war absolut begeistert“, so Winkler. „Wir haben fünf Zugaben gespielt, das gab es noch nie.“ Fürs Konzert und den guten Zweck hatten die beiden neben Pat O’Connor weitere Folk-Hobbymusiker aus dem Odenwald aktiviert. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Vom vollbesetzten Saal wurden glatte 555 Euro gespendet. Der „Krabbennest“-KiGa Weiher mit seiner Leiterin Ute Jäger möchte mit dem Geld kleine Dreirädchen für die Kinder kaufen.

O’Connor ist eine Vollblut-Musikerin. Das merken die Zuschauer vom ersten Ton an. Wenn sie die gespielten Songs kennt, zückt sie sofort ihre Fiddle und setzt nach wenigen Akkorden selbst ein. Ist ihr ein Stück unbekannt, dann hört sie ein wenig zu, prägt sich die Melodie ein und fängt aus den Nichts heraus an mitzuspielen. Die Irin ist eine Meistern auf dem Saiteninstrument, zückt aber ab und zu auch die Tin Whistle. „Ich liebe den Odenwald“, sagt sie. Kein Wunder, erinnert er sie mit den grünen Hügeln doch an ihre Heimat.

Zwischendurch, als keiner so etwas vermutet, „borgt“ sie sich von Siggi Winkler dessen Mikro und beginnt, „Donovan’s Song“ ohne jegliche Instrumentenbegleitung zu singen. Mit ihrer rauchigen Stimmen, dem irischen Dialekt und der Intonation verwandelt sich der Saal der Mühle von einem Moment auf den anderen in einen Pub auf der Grünen Insel, in dem der Zigarettenqualm durch die Gasträume wabert, sich ein paar Cracks zu einer Musik-Session getroffen haben, spontan aufstehen und einfach loslegen.

Da merkt man dann, dass Pat O’Connor die irische Musik im Blut hat und sie mit der Muttermilch aufgesogen hat. Ihre Vorfahren waren seit mindestens vier Generationen musikalisch unterwegs, ihre Leidenschaft hat sie auch an die Kinder weitergebeben. Sohn Brian spielt Uilleanpipe und ist grad auf einer Weltreise mit dem Rucksack durch den Nahen Osten, Russland, Kirgistan, China und Indien. Vor kurzem war sie Mundy (dessen Stück „Galway Girl“ ist bekannt aus dem Film „PS. Ich liebe Dich…“) unterwegs. Den Song sang Winkler zusammen mit ihrer Unterstützung.

Die Irin hat selbst über 100 sogenannte Tunes (Reels und Jigs) komponiert. Ihr zu Ehren übten die anderen sechs Mitmusiker für diesen Abend drei ein: „Donal o Store“, „Elves march“ und „Turkeys neck“. Letzterer hat wie fast alle eine Geschichte. Einer ihrer Söhne spielte Pat einmal einen Streich. Sie war zuhause in der Küche am Zubereiten eines Truthahnes. Der Hals sollte weggeworfen werden. Der Sohn steckte ihn ihr aber in die Manteltasche. Beim Einsteigen ins Auto bemerkte sie diesen, schimpfte und legte ihn auf die Seite. Doch der Filius legte den Hals unbemerkt aufs Autodach. Als sie an der Musikschule ankam und bremste, fiel der Truthahnhals runter. Großes Gelächter war die Folge.

Die „Irish Voices“ kennen Pat von einer Musikschule aus Elmstein/Pfalz. Dorthin kommen einmal im Jahr irische Musiklehrer immer Anfang August, um zusammen mit deutschen Musikern (Anfänger bis Profis) in Workshops zusammen zu arbeiten, zu üben, Konzerte zu geben. Vor drei Jahren ergab es sich, dass die Irin bereits am Freitag mit dem Flieger ankam, da sie samstags keinen Flug mehr bekommen hatte. Winkler bot ihr dann an, in Weiher zu übernachten – mit dem Hintergedanken, gleich eine Veranstaltung durchzuführen. „Wir machten dann eine Session mit ihr zugunsten ihrer Musikschule“.

Seitdem kommt sie immer freitags, um ein Konzert für den guten Zweck zu geben. Winkler war schon mehrmals in Dublin auf Gegeneinladung, um mit ihr auf Sessions zu musizieren. Die Dublinerin holt in ihrer Heimatstadt Kinder von der Straße und macht mit ihnen Musik, wenn die Eltern das Geld für die Musikschule nicht haben. „Sie hat ein großes Herz“, sagt Winkler anerkennend.

„Was uns heute genau erwartet, wissen wir Musiker auch nur im Ansatz“, so Siggi Winkler zu Beginn schmunzelnd. Denn ist so Brauch und Sitte bei irischen „Sessions“, dass irgendjemand ein Stück anstimmt – und wer es kennt, der spielt eben mit. Und so lief es auch ab. Zu hören gab es die klassischen Instrumente wie Geige oder Fiddle, Gitarre, Banjo, Tin Whistle, die Rahmentrommel Bodhran und die Low Whistle. Typische und zumeist bekannte Songs aus irischen Pubs, einige Reels, Jigs und Hornpipes, also instrumentale Stücke, waren zu hören – und als Garnierung einige eigene Mundartsongs.

Neben den beiden Organisatoren von den „Irish Voices“ waren Stan Svoboda, Klaus Willems, Heike Mauelshagen und erstmals Janet Key dabei – eine geigende Nordirin, die in Großsachsen wohnt. Alle sieben setzten auch gleich beim „Marsch der Elfen“, dem Anfangsstück, voll ein. Eine Komposition von Pat O’Connor, die so richtig irische Lebensfreude rüberbrachte.

Getragene, melancholische Songs wechselten sich ab mit flotten Tunes oder Reels, bei denen sich die Musiker voll austoben konnten. „I’m a rambler“, „Ye Jakobites“ oder „Kilkelly Ireland“ kennt man zwar aus den Konzerten der „Irish Voices“. Aber in größerer Besetzung und vor allem mit den Fiddle-Tönen von Pat O’Connor klangen die Songs völlig anders und hatten eine ganz andere Dynamik. „Wild Rover“ und „Whisky in the Jar“ waren Klassiker, bei dem das Publikum noch mal mitging, mitklatschte, mitwippte, mitsummte – und Zugaben ohne Ende forderte.