Solardraisine sorgt für viele Tagestouristen

Eine wie die Solardraisine gibt es sonst in Deutschland nicht, meinte Philipp Gruber. Für den zweiten Vorsitzenden des deutschen Draisinenverbands ein guter Grund, zusammen mit elf anderen Vereinsmitgliedern (von 21 bundesweit) eine Reise in den Überwald zu machen. Am Bahnhof Ober-Wald-Michelbach wurden sie von Solardraisinen-Geschäftsführer Holger Kahl, Bürgermeister Dr. Sascha Weber und dem Vorsitzenden der hiesigen Draisinenfreunde, Peter Maier, empfangen.

„Unser Ziel ist es, die Strecke und die kulturhistorischen Bauwerke zu erhalten“, sagte Kahl. Nicht nur um der Draisine willen, sondern vielleicht um auch irgendwann den ÖPNV auf der Überwaldbahn reaktivieren zu können. Die touristische Funktion ist elementar: „Wir locken damit die Städter aufs Land“, betonte er, „und zeigen, was der Odenwald zu bieten hat.“ Mit dem Ziel, dass die Ausflügler wiederkommen und so Geld in die Region bringen.

Bei der Solardraisine „handelt es sich um eine sehr erklärungsbedürftige Dienstleitung“, meinte der Geschäftsführer Richtung Besucher. Es geht um Fragen, ob der Hund mitgenommen werden kann oder was bei Regen passiert. „Es gibt viel Einweisungsbedarf“, so Kahl, „damit keiner dem anderen hintendrauf fährt“. Vier Personen sind ganzjährig im Büro tätig, vier weitere, externe Mitarbeiter kommen in der Saison für die Technik dazu.

Die Draisine macht im Jahr einen Umsatz von 430.000 Euro, berichtete er. Das sei „angesichts der Kosten viel zu wenig“. Betrieb und Instandhaltung der Strecke verschlingen das meiste Geld. Ohne die Zuschüsse der drei beteiligten Gemeinden und des Kreises Bergstraße ließe sich alles nicht stemmen. „Tunnel und Viadukte sind etwas ganz Besonderes“, hob er hervor, haben aber auch einen hohen Pflegeaufwand.

Laut Kahl wurde ein Großteil der an der Bahnstrecke notwendigen Maßnahmen bereits erledigt. „Jetzt sind wir an den Fahrzeigen dran“, erläuterte er. Denn der Verschleiß der Akkus ist zu hoch. Diese jedoch bedeuten einen hohen Kostenfaktor. Man wolle weg vom reinen Fahrbetrieb und die Draisine zum Erlebnis machen, postulierte der Geschäftsführer. Als ein Beispiel dafür nannte er die Teilnahme an der Überwälder Traumnacht.

26 Draisinen verkehren derzeit auf der Strecke zwischen Wald-Michelbach und Mörlenbach. In jede passen acht Personen. „Fahren Sie mindestens zu zweit“, empfahl Kahl augenzwinkernd. Denn der Beifahrer kann dann nach dem Tunnel die Ampel drücken, damit die Draisine ungefährdet die Straße überquert.

Wald-Michelbach sei mit 27 Prozent nach dem Kreis der zweitgrößte Anteilseigner, verdeutlichte Bürgermeister Weber. Die Gemeinde profitiere angesichts der damit in den Überwald kommenden Touristen vermutlich aber am meisten, meinte er. Seit es die Draisine gibt, „hat sich die Zahl der Tagestouristen stark erhöht“, berichtete er. Zwecks Weiterentwicklung der Fahrzeuge arbeite man mit drei verschiedenen Prototypen, so Weber.

Peter Maier stellte die Mithilfe des Vereins beim Erhalt der „wunderschönen Bahnstrecke“ heraus. Für ihn als „alten Eisenbahner“ sei dieses Ziel ganz wichtig. Nach der Aufgabe in den 1990er Jahren sei alles verwildert gewesen. Auch heute noch werde ein großer Aufwand für die Unterhaltung betrieben. „Wir helfen, wo es geht“, sagte er. Maier warf einen kurzen Blick zurück in die Geschichte. Von 1898 bis 1901 gebaut, umfasste die Strecke zwischen Mörlenbach und Wahlen sechs Bahnhöfe und zwei Haltestellen, sagte er.

Die Bahnanbindung Richtung Rheinebene war zum einen wichtig, damit die Arbeiter in die Industrieregion Rhein-Neckar kommen konnten, zum anderen, um Erze aus dem Bergbau transportieren zu können. Drei kleine Viadukte und das große bei Vöckelsbach, dazu noch der 679 Meter lange Tunnel unter der Kreidacher Höhe verschlingen heute den Hauptteil der Kosten. „Es wäre traurig, diese schönen Dinge nicht zu erhalten“, so Maier.

Seit 2010 treffen sich die Mitglieder des Draisinenverbands jährlich an einer anderen Strecke, erläuterte Gruber. Letztes Jahr war Thüringen dran. „Anschauen und der Erfahrungsaustausch“ stehen ganz oben auf der Liste. Es geht aber auch darum, Werbung für den jeweils anderen zu machen und sich die Bälle bzw. Gäste zuzuspielen. „Wir wollen in spe überall gewesen sein“, sagte er. Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland bis hin nach Mecklenburg-Vorpommern. Überwiegend betreiben sie Fahrraddraisinen.

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Bei der Neuorganisation der Holzvermarktung für die Kommunen gibt es noch einige Unsicherh

Im Wald herrscht Unruhe. Die Vorgabe des Landes, dass die eigene Behörde Hessen Forst das Holz von Kommunen mit mehr als 100 Hektar Waldbesitz nicht mehr vermarkten darf, führte zu hektischen Aktivitäten, um eine neue Organisation zu gründen (wir berichteten). Beim Forstamt Beerfelden, das neben der Stadt Oberzent auch die beiden hessischen Neckarstädte Hirschhorn und Neckarsteinach sowie die drei Überwald-Kommunen betreut, ist man mit der Situation überhaupt nicht glücklich, machte Forstamts-Direktor Norbert Sasse bei der Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Südlicher Odenwald (FBG) deutlich.

Die Neustrukturierung war laut Sasse seit mehr als einem Jahr Thema. Nachdem aber das Kartellrechtsurteil gegen das Land Baden-Württemberg vom Bundesgerichtshof im Juni aufgehoben worden war, dachte er, „da wird sich doch nichts tun“. Pustekuchen. Obwohl es das benachbarte Bundesland war, reagierte Hessen im vorauseilenden Gehorsam. Grund ist wohl die Angst vor Schadenersatzforderungen. „Deshalb soll das Kartell aufgegeben werden.“

Das Problem dabei: „Wir wissen bis heute nicht, wie das aussehen soll“, monierte der Forstamtschef. Es gebe nur ein an die Kommunen adressiertes Schreiben vom Juli. Weitere Konkretisierungen: Fehlanzeige. Wenn der Kommunalwaldanteil in bestimmten Forstämtern mehr als 25 Prozent beträgt, müssen die in Zukunft ihr Holz selbst vermarkten, sollte der Waldbestand größer als 100 Hektar sein, erläuterte er. „Das betrifft ganz Südhessen.“

Der Privatwald ist davon nicht betroffen, sagte Sasse. Hier könnten alle Waldeigentümer weiterhin ihr Holz über Hessen Forst verkaufen lassen, das ja sowieso (auch für die Gemeinden) nach wie vor die Beförsterung übernimmt. Mitglieder der FBG mit weniger als 100 Hektar können dies ebenfalls in Anspruch nehmen. Sasse geht im Bereich des Forstamtsbereich Beerfelden davon aus, dass es eine Ausnahme für denjenigen gibt, der darüber liegt. Denn allein auf sich gestellt würde es keinen Sinn machen.

Der Forstamtdirektor wies darauf hin, dass es die Möglichkeit einer Förderung gibt, wenn die Gemeinden ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, sich also in Form eines Zweckverbands oder Anstalt öffentlichen Rechts zusammenschließen. 200.000 Euro im hiesigen Fall. Entsprechende Bestrebungen gibt es derzeit von den sechs Kommunen im Bereich des Forstamts Beerfelden, wo man aber über den Überwald hinaus bis ins Weschnitztal denkt. Grund: Ähnliche Waldstrukturen. Das Ried wiederum ist zu verschieden, um es mit aufzunehmen.

Eigentlich war Sasse der Meinung, „dass mit dem Urteil alles beerdigt ist“. Leider nahm die Sache stattdessen eher noch Fahrt auf. „Für uns ist das auch nicht schön“, betonte er. Da das Jahr inzwischen schon weit fortgeschritten ist, äußerte er seine Zweifel, ob die Änderungen überhaupt wie vorgesehen zum 1. Januar 2019 greifen werden. „Das wird immer unrealistischer.“

Der scheidende FBG-Vorsitzende Gottfried Görig ergänzte, dass man zwecks Vermarktung Kontakt mit der forstlichen Vereinigung Odenwald-Bauland aufgenommen habe. In dieser Genossenschaft seien unter den 33 Mitgliedern bereits Eberbach, Mosbach, Walldürn und Amorbach. „Für unsere Gemeinden wäre ein Beitritt machbar“, ergab sich aus Vorgesprächen. Die entsprechende Satzung für einen Zusammenschluss wird derzeit gerade vom Städte- und Gemeindebund geprüft.

Wald-Michelbachs Bürgermeister Dr. Sascha Weber, der ebenso wie sein Kollege Markus Röth aus Grasellenbach bei der Sitzung dabei war, betonte die Wichtigkeit, „dass sich die Kommunen einig sind und an einem Strand ziehen“. Die Waldbestände müssten von der Struktur her gut zusammenpassen. Derzeit liefen noch Gespräche mit Nachbargemeinden aus dem Bereich der Forstämter Lampertheim und Michelstadt, ob es dort auch Interesse gibt. „Wir haben in Oberzent und Wald-Michelbach eine stattliche Menge Wald (zusammen 4000 Hektar) und können den Weg vorschlagen“, so Görig.

Forstamts-Mitarbeiterin Gudrun Kranhold drückte im Sinne aller den Wunsch aus, dass die FBG als Gemeinschaft der Privat- und Kommunalwaldbesitzer weiter bestehen soll. Der neu gewählte Vorsitzende Ralf Kredel wollte dem Eindruck entgegentreten, dass sich die Gemeinden aus dem Vorstand zurückziehen. Es sei vor dem Hintergrund der Umstrukturierungen gewollt, dass der Vorsitz jetzt „in Privathand“ sei. Die Bürgermeister hätten weiterhin ihre Unterstützung zugesichert. Er äußerte seine Hoffnung, dass irgendwann das Gesetz wieder geändert werde und eine gemeinsame Vermarktung dann aufs Neue möglich sei.

Teufelsgeiger Roesch reißt es raus: „Garden of Delight“ in der Live Music Hall mit Folk, Country und von allem was

Der Funke will – zumindest zeitweise – nicht so richtig überspringen. Was „Garden of Delight“ in der Live Music Hall bieten, ist sehr gute musikalische Folk-Hausmannskost, gewürzt mit keltischen Elementen, abgeschmeckt mit ein paar Country-Songs, verfeinert mit Piraten-Zutaten und garniert mit Best-Of-Schlagsahne aus 20 Jahren. Das Salz in der Suppe fehlt aber irgendwie. Es klingt etwas nach Einheitsbrei: wenig Variationen beim Schlagzeug, das ähnliche Spiel der akustischen Gitarre – aber die prägnante Geige, die zum Glück immer wieder für ein Aha-Erlebnis sorgt.

Dass die Truppe um Michael Jung und „Teufelsgeiger“ Dominik Roesch deutlich besser kann, hat sie in den vergangenen Jahren in der Region schon oft bewiesen. Doch als Trio fehlte den einzelnen Stücken irgendwie der Biss, die Fahrt, die Begeisterung, der Drive. Der E-Gitarrist konnte kurzfristig nicht dabei sein, war vor Ort zu hören. Das machte viel aus, denn dann wäre der Auftritt eine völlig andere Sache gewesen. Die Songs kommen zu viert deutlich rockiger rüber, Geige und Gitarre spielen sich die Bälle zu, die Lieder leben durch mehr Abwechslung.

Immer wenn Roesch seine Geige ertönen lässt, kommt die Menge vor der Bühne in Bewegung. So etwa bei „Fire“ aus dem Blackbeard-Album von 2012. Die Leute hüpfen, tanzen, klatschen. Der Geiger macht es ihnen auch in Vollendung vor. Roesch ist immer in Bewegung, schwingt den Geigenbogen, springt selbst beim Spielen, kann nicht ruhig stehen. Er lebt seine Musik, bringt seine Begeisterung rüber, versucht immer mal wieder das Publikum zu animieren. Wenn er die Geige an den Hals legt und zu spielen anfängt, taucht er völlig in seine Welt ab.

Lediglich Jungs akustische Gitarre, seine sonore Stimme, die selten die Oktaven wechselt, seine eher minimalistische Mimik, plus das sparsam eingesetzte Schlagzeug hätten die Stücke nicht tragen können. Da klangen drei Lieder am Stück wie die Variation eines einzigen. Roesch reißt es raus. Er holt die unglaublichsten Töne aus seiner Geige heraus und singt noch dazu Background. Mit ihm wird es fetziger Celtic Folk, wo es vorher ohne Geige nach gemächlichem Country auf einem staubigen US-Highway klang. Wenn er dann neckisch das Keltenröckchen hebt, erklingen ein paar spitze Schreie aus der ersten Reihe.

20 Jahre gibt es Garden of Delight oder G.O.D. bereits. Beste Bedingungen für ein Best-Of aus dieser Zeit, garniert mit ein paar prägenden Songs, die die Musiker oder zumindest Michael Jung während zwei Jahrzehnten beeinflusst haben. „Es kommt mir vor wie gestern, als ich mit sieben die Band gegründet habe“, scherzt er. Folk, Country und Gothic nennt Jung als Einflüsse. Etwa „Redemption Day“ von Johnny Cash, das im Anschluss gespielt wird. Oder „Camouflage“ von Stan Ridgway.

Die etwas verhaltene Reaktion im Publikum zeigt, dass die Band eigentlich eher mit Folk oder Rock verbunden wird. Wenn dann „The Tramp“ aus dem ersten Album, der Piratensong „Go Sailing with us“ oder „Hopeless Rolling Stone“ angestimmt werden, geht es deutlich mehr ab. Wobei vom Frontmann auch zu wenig kommt, um die Lücken vor der Bühne zu füllen.

Reine Liedansagen, nachdem zwischen jedem Song erst einmal kommentarlos die Gitarre gestimmt wird, tun es halt nicht. Ein Profi wie Jung sollte es draufhaben, auch bei halb gefüllten Saal die Stimmung kräftig hochzupushen. Das haben in der „Hall“ schon ganz andere Bands vorgemacht, die weit weniger Publikum hatte. Da kochte die Meute. Der Eindruck drängt sich auf, dass bei aller hochprofessionellen Musik, sauber gespielt, perfekt dargeboten, die Motivation an diesem Abend nicht die Beste ist.

Im Dreierpack gab’s in der Live Music Hall was auf die Ohren

Metal, Hardrock und gehöriger Glamfaktor gleich im Dreierpack: Für die Gäste in der Music Hall gab es beim Konzert von „Killing Your Idols“, „Amantis“ und „Supernova Plasmajets“ eine kräftige Packung handgemachte Musik auf die Ohren. Das Ganze mal wieder mit ein paar Gästen mehr als bei den vergangenen Konzerten, sodass gleich bei der ersten Band die Stimmung für einen Opener ziemlich gut war.

Killing Your Idols (KYI) schlossen sich 2014 zusammen und entwickelten gemeinsam einen unverkennbaren, packenden Sound: getrieben von energiegeladenen Rhythmen, erfüllt von teils melodischen, teils zerstörerischen Riffs und donnernden, doch auch komplexen Bass-Lines und geleitet von einer unvergleichlichen, kraftvollen Stimme, entfaltet der Sound seine geballte Power und fegt die Bühnen regelrecht hinweg. So beschreibt sich die Band treffend selbst und so präsentierte sich auch auf der Bühne.

Die Frankenthaler Gruppe um Sänger Samuel Scholz, der mit Vorliebe die Rampensau gibt, orientiert sich grob an den Klassikern des Genres wie Metallica und Iron Maiden oder neueren Gruppen wie Periphery und The Contortionist. Nach dem Release ihrer Debüt-EP „Mass Hysteria“ arbeitet die Formation aktuell an neuem Material. Rau, rotzig, ungeschliffen kommen die Songs rüber, begleitet von viel Power und Spielfreude.

Für die Band „Amantis“ aus Ludwigshafen bedeutete der Auftritt in Weiher gleichzeitig die Release-Party für ihr Debut-Album „The Call“. Reibeisengesang von Sänger Marcel Weidenauer, eingängige Gitarrenriffs von Leadgitarrist Max Gratzl und Rhythmus-Sechssaiter Chris Jegler sowie die Bassläufe von Aaron Burgey, gepaart mit den Schlagzeugkünsten von Daseto, machen es schwer, das Quintett in eine Schublade zu stecken.

Dunkle Anklänge, die Erinnerungen an Black Sabbath wecken, wechseln sich ab mit Prog-Rock-Elementen, wenn es die Band mit schnellen Tempiwechseln schafft, eigentlich harte Songs mit eingängigen, straighten rockigen Riffs, aber ebenso ruhigen Passagen zu versehen. „Quantum Suicide“ ist ein gutes Beispiel dafür. Sowieso wird das Debütalbum hoch und runter gespielt. „Silent Death“ oder die neue Single „Tellarius“ gibt’s ebenso zu hören.

Marcel Weidenauer hat natürlich das Publikum auf seiner Seite, wenn er für dessen Bereitschaft dankt, durch den Besuch „kleine, lokale Bands zu unterstützen“. Das lässt sich mit Beifall und Mitklatschen nicht lumpen, was logischerweise auch den Qualitäten von Amantis zuzuschreiben ist. Schaltet die Band zwischendurch mal einen Gang zurück, gibt’s hinterher gleich wieder ein mächtiges Soundgewitter, in dem Weidenauers Stimme fast schon ein wenig unterzugehen droht.

Aber durch die Bank weg sind die Klänge in der „Live Music Hall“ wieder gut abgemischt, sodass sich manch größere Location davon eine Scheibe abschneiden kann. Denn es scheint mehr und mehr eine Unsitte zu sein, die tiefen Töne bei Events in einer Weise aufzudrehen, dass davon ein Herzschrittmacher aus dem Takt kommen könnte. Ganz zu schweigen vom Gesamteindruck des Auftritts, wenn Sänger und Gitarrist nicht mehr richtig zur Geltung kommen und das Konzert einen schalen, schrägen Beiklang bekommt.

Gegründet Ende 2015 in Ludwigshafen, erschuf Amantis im Proberaum Songs, die zwischen Metal und Rock wandeln und auch die ruhigen Momente mitbringen, welche die schweren Riffs umso stärker in Szene setzen. In den Bensheimer Empire Studios wurden unter Co-Produzent Rolf Munkes (u.a. Crematory, Empire) neun Songs in ein druckvolles Gewand gepackt, die auf dem Debut-Album „The Call“ zu finden sind.

Zu später Stunde legen dann die „Supernova Plasmajets“ aus Mannheim los. 80er-Jahre-Hardrock, lange, fliegende Haarmähnen, passende Posen, erheblicher Glamfaktor und kreischende Gitarren stehen für den Fünfer mit den Fantasienamen der Mitglieder: Jennifer Crush (Vocals), Manni McFly (Guitar), Alexis Rose (Drums), Randy Stardust (Guitar, Vocals) und Cliff Bourbon (Bass). Dahinter verbergen sich Nastassja Spieß, Markus Mantei, Andreas Defren, Tobias Heidinger und Boris-Alexis Horn.

Das selbstbetitelte Album im vergangenen Jahr brachte der 2010 gegründeten Band Supports bei den Touren der New Roses, Double Crush Syndrome, J.B.O., Sinner oder and Exilia ein. Auch wurde man zu Festivals wie Summer Breeze, Rock Of Ages und Baltic Open Air eingeladen. Kein Wunder, wenn man zuschaut und –hört. Ehrliche handgemachte Rockmusik, emotionsgeladene Vocals, die den Zuhörer direkt am Gehörgang packen: Dafür steht die Band. Zeitgemäß interpretierter 80er-Jahre Glam Metal trifft auf Heavy Melodic Rock trifft auf späte 90er und minimale elektronische Einflüsse der Jetzt-Zeit. Fertig ist die heftige Sause, die die Besucher in der Music Hall heftig begeistert.

Zum Bericht geht's hier:…

Posted by Thomas Wilken on Monday, October 29, 2018

Die kleine Rote hat sich in Weiher erfolgreich akklimatisiert

„Man freut sich ja auch über kleine Erfolge“, schmunzelt Siegfried Winkler. Der Weiherer ist einer der wenigen Ameisenschutzwarte in Hessen und somit damit betraut, ganze Völker an einen anderen Platz zu bringen, wenn zum Beispiel Wegebaumaßnahmen anstehen oder die geschützten Tiere anderweitig gefährdet sind. So geschah das auch vor zwölf Jahren, als er ein paar Millionen (Ameisen) in den Gemeindewald brachte. Seitdem hatte der 69-Jährige „sein“ Volk immer fest im Blick. Deshalb freut er sich umso mehr, von einem kleinen Erfolg berichten zu können.

Die damals umgesiedelten Ameisen kamen ursprünglich von einem Straßenrand in Ober-Mumbach. Bei den jährlichen Pflegearbeiten durch Abmulchen der Straßenränder wurde dieses Ameisennest dort immer wieder „dem Erdboden gleich, also platt gemacht“, erinnert er sich. „Es hätte vermutlich nicht mehr lange überlebt.“ Eine solche Rettungsaktion geht laut Winkler ziemlich unspektakulär über die Bühne, auch wenn die „Retter“ natürlich eine entsprechende Fachausbildung vorweisen müssen. Denn „Waldameisen sind streng geschützt“.

Der ehemalige Förster rückt bei einer solchen Aktion mit mehreren Plastiktonnen an. Das Nest wird in drei Teilen von oben nach unten „mit Hacke und Schaufel“ in die Tonnen verfrachtet und an der neuen Stelle in umgekehrter Reihenfolge wieder ausgekippt. Im Winter legt er als Schutz gegen den Specht etliche Stöcke aufs Nest, damit dieser nicht Löcher hineinhacken kann.

Das Volk wurde seinerzeit fachgerecht umgesiedelt und fand einen neuen Standort im Wald bei Weiher. Dort entwickelte es sich prächtig, da die benachbarten Fichten zahlreiche Rinden- und Schildläuse beherbergen. „Sie sind die Nahrungsgrundlage für Waldameisen und entscheidend für einen guten Neubeginn“, weiß der Fachmann.

Für die Entscheidung einer Umsiedlung war maßgebend, dass es sich um die kleine rote Waldameise (Formica polyctena) handelte. Dann ist ein Erfolg fast sicher. Denn diese Art hat mehrere hundert bis über 1000 Königinnen und sei Kolonien bildend, erläutert er. Im Gegensatz zur großen Schwester: Die große rote Waldameise hat nur eine Königin – die bei einem Transport zuerst zu erwischen und dann auch noch heil wieder auszusetzen, ist eine Herausforderung.

Die kleine Rote Waldameise ist im Gegensatz zur bekannteren großen Schwester „polygyn“ und vermehrt sich laut Winkler „auch durch Tochternestbildung“. Waldinnen- oder -außenränder, sowohl mit Sonne als auch mit Schatten, sind seinen Worten zufolge als Standort optimal. Und die Nähe zu Fichte, Kiefer, Eiche, Lärche oder Weißtanne. In deren Nähe fühlt sie sich besonders wohl, weil sie auf den Bäumen Lauskolonien vorfindet. Diese werden gemolken und der damit gewonnene Honigtau zu einer der zahlreichen Königinnen gebracht. „Die größten Waldameisenkolonien gibt es in Tannen- und Fichtenwäldern.“

Mit der „kleinen Roten“ gelang es dem ehemaligen Förster bereits vor 20 Jahren, ein zuvor ameisenleeres Gebiet am Waldsknopf, Nähe Teufelsstein bei Löhrbach, wieder zu besiedeln. Und wie: „Aus zwei Ablegern von einem Volk aus Weiher (neben einer Haustür) wurden nach natürlicher Nesterteilung inzwischen acht oder mehr Völker“, stellt Winkler hier den „größten sichtbaren Erfolg“ fest. Das Geheimnis: „Dort sind Fichte und Weißtanne in der Nähe.“

Ein gutes Jahrzehnt nach der Umsiedlung aus Ober-Mumbach begann im Weiherer Forst die natürliche Vermehrung durch Nesterteilung, hat Winkler beobachtet. Dazu wandern seit Jahren jedes Jahr tausende von Waldameisen aus dem Mutternest ab. Mit im Gepäck: Eier, Larven, Ameisenpuppen und sogar Königinnen, die von den Arbeiterinnen einfach zum neuen Standort „abtransportiert“ werden.

Zwei dieser neuen, natürlichen Ableger haben sich in der Nähe des Mutternestes, einer aber sogar knapp 150 Meter entfernt angesiedelt. Für den Ameisenschutzwart ist das ein schöner Erfolg seiner jahrelangen Bemühungen um diese streng geschützte Tierart.

Stichwort: Ameisenschutzwart

Ameisenschutzwart – ein eher ungewöhnlicher Beruf. Der im Mörlenbacher Ortsteil Weiher wohnende Siegfried Winkler hat ihn im Rahmen seiner Ausbildung gelernt. „Vor 45 Jahren habe ich meine erste Rettungsumsiedlung durchgeführt“, erzählt der ehemalige Birkenauer Revierförster. Damals im Zuge von Wegebaumaßnahmen im Bereich des Forstamts Herborn. Eine Population, die er zu späterer Zeit aus dem Taunus mit dem Kleinbus in den Odenwald karrte, „lebt heute noch in der Nähe des Höhenwanderwegs Weinheim-Buchklingen“.

Über 40 Rettungsumsiedlungen hat der 69-jährige Winkler im Laufe seiner Berufsjahre über die Bühne gebracht. Eigentlich ist er ja inzwischen schon im Ruhestand, hilft aber trotzdem gerne aus, wenn er angefragt wird. Die „Retter“ müssen eine entsprechende Fachausbildung vorweisen. Denn „Waldameisen sind streng geschützt“. Bevollmächtigte mit Lehrgängen bei den Ameisenschutzwarten „sind Voraussetzung“. Er besitzt die „Ausnahmegenehmigung“ für Eingriffe in die geschützte Ameisenwelt durchs Regierungspräsidium, veranlasst durch die Ameisenschutzwarte Hessen.

Drei bis fünf Millionen Arbeiterinnen kann ein großes Nest haben, dazu 1000 bis 1500 Königinnen. Wird der Druck innerhalb zu groß, „wandert ein Teil davon ab“, erläutert Winkler. So entstünden die natürlichen Ableger. „Ich habe mich schon immer für Insekten interessiert“, verdeutlicht er seine Motivation, neben seiner Ausbildung zum Förster als knapp 20-Jähriger einen ersten Lehrgang zum Thema Ameisen in Würzburg bei Prof. Karl Gößwald zu besuchen, der dort die Ameisenschutzwarte ins Leben gerufen hatte.

„Garden of Delight“ am 27. Oktober in der Live Music Hall Weiher

Mit „Garden of Delight“ kommen die Pioniere des Celtic Rock, Irish Folk und Gothic Pop am Samstag, 27. Oktober, in die Live-Music-Hall. Die Die mehrfach preisgekrönte Band um Michael M. Jung aus Lautertal feiert dieses Jahr ihr 20. Bühnenjubiläum. Einlass ist um 20 Uhr, Beginn um 21 Uhr. Anlässlich der zwei Jahrzehnte Musikgeschichte hat die Band ihre beiden Jubiläumsalben „Gods in Motion – Chapter one and two“ veröffentlicht, die die stilistische Bandbreite bestens widerspiegeln.

Mit dem 19. Studioalbum „Gods in motion – chapter one“, veröffentlicht im vergangenen Jahr,  wurden die typischen eingängigen Melodien und Hooklines des „Garden Of Delight-Sounds“ beibehalten, gleichzeitig jedoch die Komponente des ungezügelten irischen Folks stärker betont. Stücke mit melancholischen und romantischen Inhalten befinden sich genauso auf dem Album wie auch unterhaltsame Up-Tempo-Songs mit stilistischen Abstechern in die Sphären des Pop, Rock und Folk.

Für das 20. Studioalbum „Gods in motion – chapter two“ aus 2018 nahm Michael M. Jung einen großen Topf Celtic Folk und folgende Zutaten: eine ordentliche Prise Polka, drei Becher Country, zwei Esslöffel Gothic, etwas Mittelalter, einen Eimer voll Metal, ein Fitzelchen Jazz und einen ordentlichen Schuss Schottland und Irland. Das kräftig verrührt ergibt 17 Songs, die vom ersten bis zum letzten Takt überraschen, zwischen großen Gefühlen und willenloser Party hin und her switchen, ohne jedoch den typischen Sound von „G.O.D.“, wie die Band von den Fans genannt wird, je zu verlassen.

Michael M. Jung ist es als Komponist und Produzent wieder gelungen, vielseitige andere musikalische Einflüsse zu integrieren. Auf der Tour werden die beiden Alben vorgestellt und die Zuschauer erwartet Celtic Rock, Irish Folk, Piratensongs und eine dreistündige atemberaubende Liveshow mit dem charismatischen Sänger Jung und Teufelsgeiger Dominik Roesch. Bei bisherigen Konzerten stand die Band unter anderem mit Nazareth, Chris de Burgh, The Kelly Family, Saltatio Mortis, Vonda Shephard, Marla Glen, Paddy Goes To Holyhead, Rodgau Monotones und vielen weiteren bekannten Künstlern auf der Bühne.

Weitere Infos: http://www.live-music-hall-weiher.de

Melodiöse, mystisch-mittelalterliche Klänge von Minotaurus in der Music-Hall

Mächtige metallische, aber gleichzeitig melodiöse Klänge, etwas mystisch mittelalterlich angehaucht: Was die Band „Minotaurus“ auf die Bühne der Music Hall bringt, ist abwechslungsreich, verspielt, gut gemacht, professionell – aber leider nicht von gutem Besuch gekrönt. Die sechsköpfige Truppe aus dem Aschaffenburger Raum lässt sich aber nicht davon beirren, dass sie jeden Gast einzeln begrüßen kann, sondern zündet auf der Bühne ein musikalisches Feuerwerk, das sich hören und sehen lassen kann. Vorbands waren „Une“ und „Inner Core“.

Minotaurus-Frontmann und Sänger Oliver Klump wird nicht müde, die Fans vor der Bühne zum Mitklatschen und Mitsingen zu animieren. Die Songs haben das Potenzial dazu, denn sie sind – auch wenn die Band ihren Stil als Folk-Metal beschreibt – sehr melodisch angehaucht. Reiner Zumkeller (Lead-Gitarre und Background-Vocals) hat daran einen großen Anteil. Seine Soli kommen warm und voll rüber, keine Spur von schrillem Gejaule, wie man des Öfters bei Metal-Bands beobachten kann. „Primal Fear“ vor kurzem in Mannheim waren ein Beispiel dafür, wie eigentlich gute Studiosongs in einem Live-Gitarrengewitter untergehen können, dass es den Ohren graust.

Heavy Metal oder Hardrock mit mittelalterlichen oder Folk-Anklängen ist derzeit sowieso stark angesagt. Saltatio Mortis aus dem Karlsruher Raum sind ein treffendes Beispiel für Gruppen, die den Schritt vom historischen Markt an die Spitze der deutschen Charts längst geschafft haben. Auch „In Extremo“ spielte schon in Wacken. „Leaves Eyes“ mit Mitgliedern aus Ludwigsburg bedienen sich erfolgreich der nordischen Mythologie. Also beste Bedingungen für „Minotaurus“ aus dem Aschaffenburger Raum, in diesem Genre ebenfalls zu reüssieren.

Während der Minotaurus im Altertum als furchteinflößende Gestalt, halb Mensch, halb Stier, sein Unwesen trieb, hat er heute als Maskottchen der Folk-Metal-Band eine wesentlich angenehmere Beschäftigung. Mit insgesamt neun Studioalben hat sich die sechsköpfige Truppe in den letzten fast 25 Jahren ein solides und abwechslungsreiches Repertoire aufgebaut, das auf der Bühne mit ungebrochenem Enthusiasmus in Rüstungen und Gewandungen dargeboten wird.

Das authentische Gesangsduo an der Spitze, zu dem neben Klump auch Clarissa Hobeck zählt, wird flankiert von einem kraftvollen Instrumentalgespann mit Jürgen Hermann (Gitarre), Marcus Finger (Bass) und Rouven Zumkeller (Drums). Das Sextett entführt das Publikum in eine faszinierende Welt aus Mythen, Legenden und Heldengeschichten. Mit dem Schlachtruf „Holla die Waldfee“ in den Kehlen, mal düster, mal fröhlich und niemals zu ernst präsentiert Minotaurus eine mitreißende Bühnenshow.

Mit „The lonely dwarf“, „Father and son“, „Fighting for nothing“ oder „Warriorhearts“ aus dem Film „Kriegerherzen“ zeigt die Band ihre enorme Spannbreite. Jeder Song ist quasi eine eigene Geschichte mit verschiedenen Erzählsträngen, die eindrucksvoll, mit diversen Tempiwechseln, ausgebreitet wird. Von der aktuellen Scheibe „Insolubilis“ geht es weit zurück in die Bandgeschichte, wenn mit „Minotaurus“ aus „Path Of Burning Torches“ von 1999 ein Klassiker ausgekramt wird.

Immer wieder feststellbar: Zumkellers Gitarrenspiel und die Songstrukturen haben teilweise Anklänge an die ebenfalls leicht mystisch angehauchten Stücke von Iron Maiden, besonders ab dem 1984er-Powerslave-Album. Dass der zweite Gitarrist Jürgen Hermann ab und zu auch ein Solo raushauen darf, macht die Stücke abwechslungsreich.

Epische Songs, klassische Power Metal-Riffs und gut dosierte Folk-Elemente bilden das Rückgrat der Stücke, die es teilweise auch mit deutschen Texten gibt („Hinterhalt“). Der musikalische Weg der Band ist abwechslungsreich: Nach zwei krachenden Folkmetal-Alben ging man Mitte der 2000er Jahre bewusst gemäßigtere Wege und brachte mit „The Silent Cave“ Acoustic-Stücke heraus. Die Songs besingen die romantische Facette der oftmals auf Lauten dargebotenen Musik des Mittelalters.

Nach mehreren Besetzungswechseln wagte sich die Band auf ihrem achten Silberling „The Call“ wieder an neue Ufere: Härter, moderner und aufwendiger klangen die Songs, mit denen Minotaurus die Neuzeit einläutete. Ihre musikalischen Wurzeln verlieren die Aschaffenburger aber niemals aus den Augen. In ihrer mittlerweile fast 25-jährigen Existenz haben sie stets ihre musikalische Eigenständigkeit bewahrt und das soll auch in Zukunft so bleiben.

Zum Bericht geht's hier: https://ueberwaelder.wordpress.com/2018/10/22/melodioese-mystisch-mittelalterliche-klaenge-von-minotaurus-in-der-music-hall/LIVE MUSIC HALL WeiherMinotaurus official

Posted by Thomas Wilken on Monday, October 22, 2018