Siggi Winkler will Traditionen und Kulturgut „Mundart“ in den Liedern bewahren

Folk ist nicht nur per se irisch. Mundart-Songs gibt es schließlich auch im Odenwald. Sie gehörten von Anfang an zum Repertoire der „Irish Voices“. Die unternahmen in den vergangenen Jahren konsequent den Versuch, einen Bogen von der irischen zur heimischen Folklore zu spannen. Der Kopf dahinter ist Siggi Winkler aus Weiher, der dem Ourewällerischen in den Konzerten eine Stimme und ein Gesicht gibt. Seine gesammelten Werke hat er jetzt auf eine CD gepresst, die jetzt erhältlich ist.

Es finden sich Lieder darauf, die sich von „tief im Odenwald“ etwas unterscheiden, lächelt der ehemalige Förster. Wer Siggi Winkler kennt, weiß um seinen schwarzen Humor, der etwa in der „Jägerballade“ zum Ausdruck kommt. Witzig, aber auch bewusst mit „grenzwertigen“, ein wenig provozierenden Texten hat er seine eigenen Songs versehen. „Ich nehme mich selbst nicht immer ernst und kokettiere mit unserer Mundart“, beschreibt der 70-Jährige sein Schaffen.

Deren Erhalt und Pflege lag ihm als „Eingeborenen“, als Odenwälder, immer am Herzen. „Schon meine eigenen Kinder haben sie, geprägt durch die Schule, fast verlernt“, bedauert Winkler. „Viele alte Mundartwörter sind schon heute nur noch in der älteren Generation bekannt“, hat der Hobby-Musiker beobachtet. Aber es gibt eine kleine „Gemeinde“ von Freunden des einheimischen Wortguts, die dagegen steuert und versucht, die Traditionen und das Kulturgut „Mundart“ zu bewahren: die „Mundartfreunde Südhessen“ (www.gebabbel-suedhessen.de), die sich mit viel Energie und Aktionen das Ourewällerisch und die südhessische Mundart hochhalten, weiß er.

Vor etwa zehn Jahren presste Siggi Winkler bereits eine Sammlung von eigenen und gecoverten Mundartliedern auf eine erste selbstgebastelte CD. Die wurde zum Teil im Wohnzimmer aufgenommen, teilweise auch schon in einem kleinen Studio in Weiher. Unterstützung kam durch den inzwischen leider schon verstorbenen Musiklehrer Jürgen Krohn aus Weinheim.

„Jetzt hat sich wieder eine Menge neuer Lieder angestaut“, lacht der Weiherer. Auf die Inhalte der Songs kam er oft durch Erlebnisse in der Jugend. So findet etwa ein Schlachtfest auf dem Bauernhof Aufnahme, „wie ich es noch erlebt habe“. Mit Verkostung der „warmen Blutwurst“ oder der „Schwarzen Brühe“, auch Schweinepfeffer, genannt, einer Mischung aus Blut, Mehl, Wurstsuppe und Gewürzen. In Löhrbach half Winkler in den 1970er Jahren gelegentlich dem „Dorfmetzger“ Ernst Follert auf dem Hof aus, berichtet er

Der „Hundeknoddelsong“ befasst sich mit einem allseits bekannten Problem auf den Gehsteigen dieser Republik, übelriechenden Tretminen, mit denen jeder schon einmal unfreiwillig Bekanntschaft gemacht hat. „Iss de Gerd doo..?“ beschreibt die authentische Geschichte auf einem Birkenauer Bauernhof, wo ein bösartiger Hahn ein unerwartetes Ende findet. Andere Lieder beruhen auf Fragmenten irischer Melodien, aufgepeppt mit eigenen Texten, schildert er deren Entstehung.

Charles Aznavours Ballade „Du lässt Dich geh‘n“ diente dem Mundart-Musikus als Vorlage zu „Ich sauf disch schäi…“. Dahinter verbirgt sich eine etwas boshafte Parodie, schmunzelt er. Die Idee für „Ich bin in Ourewäller“ entstand nach einer Tasse, die Siggi Winkler in Obermumbach im kleinen Kreativladen „Zebrafink“ kaufte. Dort hat Sonja Stein ein Trinkgefäß mit „Odenwälder Schimpfnamen“ selbst kreiert. Namen wie „ Schnoogerippche“, „Huschdeguzel“, „Krawallschachdl“, Veewaadschdiggl“, „Babbsack“, „Siiesmaulweiwer“ und „Brieehingl“ wurden in eine Geschichte gepackt.

Ein Beispiel, dass dem Pensionär auch sehr Ernsthaftes am Herzen liegt, ist der Schlusssong „Sie kamen leise in der Nacht“. Ein Lied mit sozialkritischem Text, das zum Nachdenken anregen soll. Es fällt klar aus dem Rahmen dieser kleinen „Hobby-CD“, erläutert Winkler. „Dieser Song geht nur auf Hochdeutsch.“

Überhaupt geht es ihm primär um die Texte, erzählt er. Daher begleitet er sich – bis auf einen „Bonustrack“ mit etwas Bass und anderen Instrumenten im Hintergrund – bewusst nur auf der zwölfsaitigen Gitarre. Die Verständlichkeit „war mein Ziel bei der Produktion in einem kleinen Weinheimer Studio.“ Gelegentliche Passagen auf Hochdeutsch erleichtern auch für Auswärtige eine Identifikation mit den Songs.

Die CD wird nicht verkauft, sagt Siggi Winkler. Die Gründe dafür sind seinen Worten zufolge in den Gema-Statuten zu suchen. Der Silberling ist nur für den privaten Gebrauch bestimmt und wird in kleiner Stückzahl produziert. Die CD wird verschenkt und bei den Konzerten der „Irish Voices“ gegen einen freiwilligen Obolus weitergegeben. „Sie ist als Hobby zu sehen und soll Mundartlieder auch für die Nachwelt erhalten“, hebt er hervor.

Info: Wenn die „Irish Voices“ auftreten, gibt es auch immer mal wieder einen Song auf „Ourewällerisch“ zu hören. „Irish Folk bleibt aber unsere Kernkompetenz“, betont Siggi Winkler. Wie unter anderem beim Konzert am St. Patrick’s Day am Samstag, 16. März, in Weiher im Gasthaus „Zur Mühle“. Reservierung unter 06209-1634. Mehr auf the-irish-voices.jimdofree.com oder unter E-Mail siggi.winkler@web.de.

 

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Die gute alte Zeit war im Odenwald sehr entbehrungsreich

Rechenmacher Philipp Schmitt aus Hammelbach sitzt 1907 im Kreise seiner Familie am Esstisch, die Frau stillt gerade das jüngste Kind. Bei der Feldarbeit zwischen Fürth und Weschnitz wird im selben Jahr eine Kaffeepause eingelegt. Oder Nagelschmied Regner aus Fürth mit Rauschebart, Nickelbrille und Pfeife in der Hand: Nur drei von 160 historischen Bildern Friedrich Maurers, die Historiker Dr. Manfred Göbel im Buch „Leben und Arbeiten im hessischen Odenwald“ zusammengetragen hat. Es eröffnet einen seltenen und wertvollen Blick in den Alltag der Menschen vor mehr als 100 Jahren.

Göbel war seit jeher fasziniert von der großen Geschichte „im Kleinen“. Bei seinen regionalhistorischen Recherchen stieß er bereits Anfang der 1980er Jahre auf Maurer und dessen reich bebildertes Odenwald-Buch von 1914. Zuerst griff er es mit Bezug auf seinen Heimat-Ort Groß-Zimmern auf, später dann in einer Publikation für den Breuberg-Bund mit einem weiteren Ansatz.

„Die Odenwald-Sammlung passte in die Zeit“, weiß der Historiker. Denn zu Beginn des 20. Jahrhundert fand im Zuge der raschen Industrialisierung und Verstädterung eine Rückbesinnung auf die Natur statt. Volkskunde und Heimatbewegung gewannen an Bedeutung. Die Bewahrung des ländlichen Lebens und ein nostalgischer Blick darauf sollten kompensieren, dass – wie heute – der Trend Richtung Metropole ging. „Maurer hatte aber einen eher nüchternen Blick darauf“, erläutert Göbel.

Der Arzt war schon früher viel gereist, auch in die USA oder Kanada. „Er muss Geld gehabt haben“, meint der Chronist. „Den Odenwald kannte Maurer natürlich auch“, betont der Historiker. Über den gleichnamigen Klub und die Verbindung zum Darmstädter Stadtmuseum ergab sich die Grundlage für die ausgedehnte Tour 1907. Das um die Jahrhundertwende ausgebaute Eisenbahnnetz mit Odenwald-, Überwald-, Weschnitztal- und Gersprenztalbahn machte die Reisen ins „Kerngebiet“ möglich.

Der Odenwaldklub dürfte dem Fotografen viele (private) Türen geöffnet haben, schätzt Göbel. So ist bekannt, dass Leonhard Müller (Besitzer des Erbacher Hofs) ebenfalls OWK-Mitglied war. Auf diese Weise entstanden Aufnahmen aus dem Alltag der Dorfbevölkerung, die in dieser Tiefe un- und außergewöhnlich sind. Darüber hinaus muss es auch OWK-Ausflüge in den Odenwald gegeben haben, die an den städtisch gekleideten Herren auf den Bildern erkennbar sind.

„Landschaftsmotive gibt es aus dieser Zeit genug“, erläutert der Historiker. Das Faszinierende an Maurers Motiven ist der Alltag. Vor mehr als 100 Jahren war in bestimmten Ecken des Odenwalds „ein Fotograf eine Sensation“, lächelt er. Eine Kuh wird beschlagen, ein Schmied steht am Amboss, eine alte Frau schält Kartoffeln: „Für solche Bilder gaben die Fotografen damals kein Geld aus“, schildert er.

Maurer dagegen „zeigt das Leben, wie es wirklich ist“. Er glorifiziert nicht „die gute alte Zeit“, sondern im Blick auf die damaligen Wohnverhältnisse „wird die Mühsal des Lebens deutlich“. Dazu kommen Fotostrecken von alten Handwerksberufen wie Sattelbinder, Sieb-, Pumpen- oder Schachtelmacher und Nagelschmied, die Göbel als „kostbar“ bezeichnet. Manche wie Spielzeugmacher in Lützelbach oder Elfenbeinschnitzer in Erbach waren auch regional verdichtet. In Weschnitz dominierte die Landwirtschaft.

Der passionierte Geschichtsforscher machte sich vergangenen Sommer auf die 111 Jahre alte Spur Maurers und reiste durch den Odenwald, fotografierte aus den gleichen Perspektiven heraus. Gerade ältere Leute „konnten oftmals die historischen Motive zuordnen“, freut sich Göbel. Auf der Alme Ober-Ostern traf er eine Frau, die den Enkel des früheren Besitzers Leonhard Müller geheiratet hatte – und über ein paar Ecken mit dem damaligen Förster verwandt ist, der auf einem alten Bild die Kinder nicht zum Heidelbeeren Sammeln in den Wald ließ.

In den drei erhalten gebliebenen Fotoalben von Friedrich Maurer mit insgesamt 724 Fotos bilden solche aus dem Raum Weschnitz, Ober-Ostern (Alme) sowie Hammelbach und Fürth einen nicht zu übersehenden Schwerpunkt. Überliefert sind 62 Bilder aus Ober-Ostern/Alme, 53 aus Weschnitz sowie 27 aus Hammelbach und 24 aus Fürth einschließlich der heutigen Stadtteile. Daneben bildeten Hirschhorn und Langenthal einen Schwerpunkt. Die Motive wurden in der Regel 1907 aufgenommen.

Fotos aus Weschnitz aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zeigen, dass Maurer dort mehrmals war und die Kontakte über längere Zeit gehalten hat. Vermutlich wohnte er immer im dortigen „Erbacher Hof“. Für Göbel ist es allerdings nicht klar, ob es im Gesamtwerk ebenfalls diesen Schwerpunkt gab. Dieser lässt sich nur aus den drei erhaltenen Fotoalben herauslesen. Alle anderen Bilder Maurers verbrannten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs bei einem Feuer in Darmstadt.

Dr. Manfred Göbel aus Groß-Zimmern (65) ist Schulleiter in Darmstadt. Der promovierte Historiker ist Vorsitzender des Vereins Glöckelchen und Mitglied im Breuberg-Bund, der Historischen Vereinigung zur Erforschung des Odenwaldes, sowie im Historischen Verein für Hessen. In der Vergangenheit ist er bereits mit einer Vielzahl an lokalhistorischen Publikationen hervorgetreten. „Leben und Arbeiten im hessischen Odenwald“ zeigt auf 128 Seiten rund 160 spektakuläre und teilweise unveröffentlichte Fotografien des bedeutenden Heimatforschers und Arzts Friedrich Maurer (1852-1939), der den Odenwald zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchstreifte und dabei das entbehrungsreiche Leben der Handwerker und Gewerbetreibenden in den Dörfern eindrucksvoll ins Bild setzte. ISBN: 9783954009640, Sutton Verlag 2018, 19,90 Euro.

Schnörkelloser Hardrock von Hartmann macht Laune

Der Mann hat es drauf. Oliver Hartmann ist ein Hans Dampf in allen Gassen, wenn es um Hardrock und Heavy Metal geht. „Avantasia“ von Tobias Sammet, die demnächst auf Tour geht, dürfte die bekannteste Station seines Musikerlebens sein. Er wirkte auch auf der neuen Scheibe „Moonglow“ mit. Mit seiner eigenen Band, ebenso einfach wie einprägsam „Hartmann“ betitelt, war er jetzt in der Music Hall zu Gast. Und rockte dort die leider nicht so volle Hütte mit seinen eingängigen, massentauglichen AOR-Songs.

Oliver Hartmanns schnörkelloser Rock macht Laune. „High on you“ von seinem aktuellen Album „Hands On The Wheel” ist ein solches Beispiel. Eine kurze Einleitung, dann wird losgerockt, dass die Hall erbebt. Mit seiner vier Oktaven umfassenden Stimme gibt der Frontmann zudem den Stücken eine besondere Prägung. Überhaupt der Gesang: Der zweite Gitarrist Mario Reck darf hier ebenso ran wie Bassist Armin Donderer. Auch Schlagzeuger Oli Schulte sorgt dafür, dass im Background alles stimmt.

Oliver Hartmann gibt vorn den Gute-Laune-Typen, der sich – ganz Profi – auch von den leeren Flecken vor der Bühne nicht runterziehen lässt. Was die Band anpackt, hat Hand und Fuß. Auf den Punkt gespielte Rockstücke, ein paar Balladen eingestreut, fetter Sound mit zwei Gitarren, dazu ein paar ausgelassene Soli: Die Fans sind begeistert und sparen nicht mit Applaus für den 48-Jährigen und seine Truppe.

Bei „Simple Man“ greift Mario Reck zur akustischen Gitarre und gibt den Eric Martin. Denn mit dem Frontmann von Mr. Big hat Oliver Hartmann diesen Schmusesong aufgenommen. Bei der melodischen, sehr eingängigen Ballade kommt plötzlich aus dem Off eine Flöte dazu – eingespielt wie auch ein paar andere Samples bei verschiedenen Stücken. Der Song lebt vom zweistimmigen Gesang und bekommt auch den verdienten Applaus. Ein wirklich schönes Lied, dem in der Folge noch ein paar weitere, eher ruhigere folgen werden.

Wie etwa „Soul Mates“, ebenfalls von der im vergangenen Jahr erschienenen CD. Eindrucksvolle Stimme, gefühlvolles Solo: Hartmann hat diese Dinger mit Gänsehautfaktor für ein paar feuchte Augen gut drauf. Aber nicht nur. „The harder they come“ mit seinem stampfenden Rhythmus ist im Anschluss ein echter Kracher, Twin-Guitar-Solo inklusive. Die Musiker nehmen die Zuschauer mit auf eine Reise in die 15-jährige Bandgeschichte, wenngleich natürlich das aktuelle Album im Mittelpunkt stand.

Irgendwie meint man, in den prägenden Gitarrenriffs ein Best-of der Musikszene herauszuhören. Iron Maiden, Judas Priest, Def Leppard oder natürlich Avantasia und Edguy, einmal durch den Wolf gedreht und dann als Hartmann’sche Variante durch die Boxen gejagt. „The sky is falling“, „I won’t get fooled again“, „The sun’s still rising“ oder „What if I“ sind weitere Beispiele für das Songwriter-Talent des gebürtigen Rüsselsheimers.

Acht Veröffentlichungen mit seiner eigenen Band, dazu natürlich die Zusammenarbeit mit Avantasia, die Vorläuferbands „At Vance“, „Center“ und „Empty Tremor“: Dem Wahl-Haibacher wird es bestimmt nicht langweilig. Mit „Echoes“ hat er noch eine gefeierte Pink-Floyd-Coverband laufen, deren Veröffentlichung „Live from the dark side“ in Planung ist. Er wirkte schon bei „Rock meets Classic“ mit und ist gerne gesehener Gastsänger sowie Gitarrist bei anderen Größen der Szene.

Nach mehr als zwei Stunden handgemachter Rockmusik (nicht umsonst heißt ein Album „Handmade“) gibt’s zum Schluss eine Verbeugung vor einem ganz Großen der Rockmusik und den einzigen Coversong des Abends: „Music“ von John Miles. Oft gecovert, liefern Hartmann und Konsorten eine mitreißende Version dieses Klassikers ab.

Oliver Hartmann, geboren 1970 in Rüsselsheim, ist ein Songwriter, Sänger, Produzent und Gitarrist. Er war Sänger der Power-Metal-Band „At Vance“ und arbeitete in internationalen Rock- und Metalproduktionen mit unter anderem Avantasia, Edguy und Rhapsody of Fire. Hartmann ist Kopf seiner eigenen AOR-Band und festes Mitglied der Pink Floyd-Coverband Echoes. Seine Stimme umfasst ein Volumen von vier Oktaven.

Info: Tobias Sammets „Avantasia“ ist am Dienstag, 18. April, 20 Uhr, mit dem neuen Album „Moonglow“ in der Stadthalle Offenbach zu sehen. Mehr unter www.avantasia.net

„Irish Voices“ legen am St. Patrick’s Day los

Nicht untätig waren die Musiker der „Irischen Stimmen“, der „Irish Voices“, in den vergangenen Wochen. Ein absoluter Motivationsschub für die Arbeit in der Winterzeit waren die gelungenen Konzerte mit „vollen Häusern“ in Weinheim und Buchklingen im Oktober. Seitdem probt und feilt das Trio an einem neuen Programm für 2019. Das Konzept von Siggi Winkler, Friederike Hornauer und Simone Köhler bleibt wie bewährt.

Wohlwissend, dass laute Musik wie Folkrock mit Schlagzeug und Keyboard die Massen stärker auf die Beine bringt, soll die originäre, traditionelle Musik aus Irland und auch aus Schottland mit Gitarren, Fiddle, Whistle und Bodhran weiterhin in der bisherigen Form gepflegt werden. Die drei sind dabei, neue Stücke einzuüben, aber auch alte Songs, die bereits in den letzten 15 Jahren schon einmal im Programm waren, neu aufzupolieren und frisch zu arrangieren.

Erstmals dabei: populäre Balladen wie „The Town I loved so well“, das die Situation in Londonderry  (Nordirland) im Jahre 1973 nach Straßenkämpfen beschreibt. Aber auch weniger bekannte, sehr alte Lieder wie „Kelly, the boy from Killane“, ein Song aus den Zeiten der Freiheitskämpfe der Iren aus dem 18. Jahrhundert, werden zu hören sein. Dazu werden einige traditionelle Folks ohne irischen Hintergrund im neuen Programm gespielt. Beispiele dafür sind „Don‘t think twice“ und „Deportees“, bekannt von Joan Baez und Donovan. Ebenfalls sind neue, eigene Werke wieder dabei.

Siggi Winkler arbeitet an einer neuen Mundart-CD, die demnächst in Studio-Qualität zu haben sein wird. Lustige Texte auf Ourewällerisch, teils mit eigener Melodie oder gecovert, sind darauf zu erwarten. Ein Song über die „Hölzerlips-Bande“ im Ourewold ist dabei, „Ich sauf dich holt – mer ofach schäi…“ oder „Ourewäller Ausredde“ sind solche Lieder, zum Teil mit rabenschwarzem Humor. Aber auch einige ernsthafte Balladen aus eigener Feder mit sozialkritischen Texten werden zu hören sein.

Info: Die „Irish Voces“ werden einen Gottesdienst in der katholischen Kirche Mörlenbach am Abend des Donnerstags, 14. Februar, also am Valentinstag, mit dem Tag angepassten Liedern begleiten. Premiere der Gruppe mit dem neuen Programm ist am Samstag, 16. März, in Weiher im Gasthaus „Zur Mühle“. Es ist der „St. Patrick‘s Day“, in Irland der höchste Feiertag des Jahres. Mehr auf the-irish-voices.jimdofree.com

 

Die Band „Impulse“ zelebrierte in der Music Hall Weiher die Music von Pink Floyd

Eine bombastische Reise zurück in die Zeiten stilprägender Rockmusik: Die Band „Impulse“ aus Mannheim um den Gitarristen Eugen Leonhardt zelebrierte in der Live Music Hall die Helden des psychedelischen und progressiven Rocks, Pink Floyd. Dabei standen vor allem die erfolgreichen Alben von Mitte der 70er Jahre im Mittelpunkt, „Dark Side of the Moon” und „Wish you were here”. Sie wurden von der neunköpfigen Gruppe komplett mit einem fetten Sound gespielt, der Live-Aufnahmen wie etwa „Delicate Sound of Thunder“ vor dem geistigen Auge entstehen ließ.

„Wir hatten über 100 Besucher an einem Weihnachtsfeiertag bei unserem zweiten Gig“, freute sich Leonhardt. „Alle sind happy über den Abend“, meinte er. „Mit den Mitteln, die wir haben und in dem Stadium, wo wir uns befinden, war das ein Erfolg“, sagte er. Sphärische Klänge, gezupfte Gitarren, pompöse Rockmusik, sperrige Songs, absolute Hymnen der Musikgeschichte: Pink Floyd steht für all das und die Coverband schlug sich bei ihrer Annäherung an die Heroen vergangener Jahrzehnte mehr als gut.

Das hymnische „Time“, das klingelnde „Money“ mit dem einprägsamen Backgroundgesang, „Us and Them“, später dann „Shine on you crazy diamond“ mit fulminantem Saxofon-Solo oder „Wish you were here“: Die bekannten Klassiker, die jeder schon einmal gehört hatte, reihten sich wie an einer Perlenkette aneinander. Geprägt wurden die Stücke durch das Gitarrenspiel von Eugen Leonhardt, der Meister David Gilmour auf den sechs Saiten perfekt draufhatte.

Saxofonist Manuel Machel heimste mit seinen virtuosen Soli immer wieder Beifall des sonst eher bedächtigen Publikums ein. Martin Pohl an den Keyboards baute die alten Original-Sounds von Richard Wright mit analogen Synthesizern wie Moog nach, was laut Leonhardt „wirklich einmalig ist“. Denn die meisten holen sich heutzutage ganz einfach die Presets online und haben mit einem Klick „den“ Sound drauf. Deshalb bekommt das Ganze durch Martin Pohls Spiel „eine eigene Note und eigene Persönlichkeit“, sagte er.

„High Hopes“, „What do you want from me“, „Comfortably Numb“ und natürlich „Another Brick in the Wall“ bildeten den Abschluss des Konzerts, bei dem die Band die weltbekannten Lieder bis ins letzte Detail zelebrierte. „Uns ging es auch um eine eigene Interpretation und nicht um ein identisches und steriles Duplikat“, betonte der Gitarrist. Die Umsetzung sei natürlich immer schwer, wenn so ein Projekt am Anfang steht, erläuterte er.

„Die Musik von Pink Floyd verlangt einem einiges ab“, schmunzelte Leonhardt. Sie ist komplex und sehr vielschichtig. Er selbst muss ständig zwischen E-, Akustik- und Lapsteel-Gitarre hin und her springen. Allein schon das Equipment, das auf der Bühne zu händeln ist, stellt eine Herausforderung dar. In der „Hall“ kam noch dazu, dass es mit neun Leuten ganz schön eng wurde.

Das Projekt entstand ursprünglich bei der Session „Megs Thursday Night Music Club“ in Viernheim. Dort haben Sänger und Rhythmusgitarrist Toby Hill und seine Tochter Meggie, die bei „Impulse“ auch Backingvocals sang, eine monatliche Konzertreihe. Einmal wurde „Comfortably Numb“ auf die Setliste gesetzt. „Da ist mir sozusagen das Herz aufgegangen, weil ich die Musik sehr liebe“, lachte Leonhardt.

Denn mit diesen Tönen „bin ich aufgewachsen und lernte mit diesen Songs Gitarre spielen“, erinnerte er sich. Während die meisten anderen um die Jahrtausendwende Gangsterhiphop hörten. Deshalb schlug er vor, einen ganzen Abend mit der Musik von Pink Floyd zu füllen. „Toby war auch begeistert“, fand er schnell einen Verbündeten.

Anschließend trommelte der Gitarrist dann die besten Musiker, mit denen er in der Vergangenheit bereits zusammengespielt hatte „und die menschlich und musikalisch zu solch einem Projekt passen“, zusammen. Zur Band gehörten weiterhin Sofia Ungan (Backingvocals), Julian List (Bass), Lucian Öhler (Drums) und Roman Fischer (Percussion). „Alles sehr, sehr gute Musiker, tolle Menschen und Freunde“, betonte Leonhardt. Mit denen er ein vielbeachtetes Konzert ablieferte.

„Leise rieselt der Schnee“ gibt in Indien an Weihnachten nicht

„Weihnachten ist bei uns mitten im Sommer“, schmunzelt Pater Cyril. „Das ist nicht wie hier mit Schnee und Kälte“, sagt er. Denn der 41-Jährige stammt aus Kerala im äußersten Südwesten Indiens. 35 Grad sind dort rund um die Jahreswende normal. Der katholische Pfarrer von Mörlenbach und Weiher hatte allerdings schon einige Jahre Gelegenheit, sich ans Fest zu Christi Geburt in heimischen Gefilden zu gewöhnen. Seit 14 Jahren ist er in Deutschland, seit neun Jahren im Kloster Hirschhorn beheimatet.

„Weiße Festtage – das ist uns fremd“, meint Cyril Thundathil und schließt dabei seinen Karmeliter-Mitbruder Sudeesh mit ein, der wie er aus der der Provinz Kottayam in Zentralkerala stammt. Dort ist der Bevölkerungsanteil der Christen mit 40 Prozent besonders hoch. „Wir haben unsere eigenen Weihnachtslieder“, erläutert der Pater. Denn: „Leise rieselt der Schnee“ passt nicht, lacht er. Die Menschen sind aufgrund der Temperaturen eher sommerlich gekleidet.

In der Vorweihnachtszeit gibt es in der Heimat der beiden Patres eine völlig andere Tradition als hierzulande. „Bei uns wird vom 1. Dezember an bis zum festlichen Mitternachts-Gottesdienst am 24. Dezember gefastet“, erzählt Pfarrer Cyril. „Viele verzichten in diesen Tagen auf Fleisch, Fisch und Alkohol“, ergänzt Sudeesh. „Bei über 30 Grad gibt’s auch keinen Glühwein“, grinst er. Advents- oder Weihnachtsfeiern gibt es nicht, ebenso werden die vier Sonntage nicht festlich begangen.

Fladenbrot und Lammfleisch als traditionelle Speise beenden am Morgen des 25. Dezember die Fastenzeit. „Mittags wird dann richtig zugeschlagen“, lacht Sudeesh, der als Pfarrvikar in der Pfarrgruppe Überwald tätig ist. Statt der Plätzchen gibt es einen „Christmas Cake“. Überhaupt wird nicht so viel Süßes in dieser Zeit gegessen, hat er festgestellt. Beide Geistliche kennen die deutsche Form der Weihnachtsbeleuchtung nicht in dieser Form. In Indien schmücken die Familien, egal welcher Religion sie angehören, ihre Häuser unter anderem mit Sternen. Die Straßen werden nicht illuminiert.

Wie in Deutschland ist Weihnachten aber auch in Kerala ein Familienfest. Da zwischen den Jahren Ferien sind, kommen die über ganz Indien verstreuten Kinder nach Hause zu den Eltern. Aber: Es gibt bei den indischen Christen keine Bescherung. Auch die Erwachsenen schenken sich nichts. Das ist dem Nationalfest Onam Ende August vorbehalten.

Eine Besonderheit ist das „Carol-Singing“, das Weihnachtssingen. Gruppen von Jugendlichen laufen am Abend und in der Nacht des 25. Dezember von Haus zu Haus und singen festliche Lieder. „Die Einwohner warten darauf“, sagt Cyril. Egal ob es 10 Uhr abends oder 2 Uhr früh ist: Den Singenden wird die Tür geöffnet und sie bekommen Spenden. „Hier ist es unvorstellbar, dass jemand von einer Musikgruppe mitten in der Nacht aus dem Bett geklingelt wird“, grinst Sudeesh. Den Jugendlichen macht die Aktion, für die sie vorher die Lieder einüben, großen Spaß. Nikolaus als Christmas Papa und das Christkind sind bei dieser Gelegenheit auch mit dabei.

In der Heimat der Patres gibt es eine Art „Wettkampf“, wer die schönste Krippe baut, erzählen die beiden. In einem Gebetskreis sind zwischen zehn und 15 Familien organisiert, die sich übers Jahr abwechselnd treffen. Sie überbieten sich bei dieser „Challenge“ quasi selbst in der Gestaltung. Der Sieger bekommt einen Preis. Cyril erinnert sich, wie auch er früher mit den Eltern eine Krippe aufbaute und festlich schmückte. Damals gab es keinen Fernseher und keinen Computer. „Wir haben tagsüber draußen gespielt.“

Im ganzen Dorf gibt es am 25. Dezember quasi einen „Tag der offenen Tür“: Die Kinder gehen von Haus zu Haus, besuchen andere Familien und schauen sich die Krippen an. „Die kommen nur zum Essen wieder nach Hause“, meint Sudeesh. „Es ist so warm, dass sich die Menschen sowieso draußen aufhalten und alles offen ist“, erläutert er.

Den Tannenweihnachtsbaum haben die Inder erst in Deutschland kennengelernt. In Kerala „nehmen wir irgendeinen Baum und schmücken diesen mit Sternen, Kugeln und Glitzer“, lacht Cyril. Den Adventskranz mit seinen vier Kerzen kannte er auch noch nicht. „Das ist eine schöne Bereicherung“, sagt er. Das Anzünden der Adventskerze empfindet er als etwas Besonderes.

Das war’s dann aber auch mit dem Weihnachtsfest. „Einen zweiten Feiertag gibt es bei uns nicht“, erläutert Cyril. Wie auch keinen Nikolaustag oder Heilige Drei Könige. Da Hindus und Muslime die Bevölkerungsmehrheit stellen, werden nicht so viele christliche Feiertage begangen. Beide freuen sich schon, im Januar wieder in ihre Heimat zu fliegen – und in den Sommer.

Der 1977 geborene Cyril Thundathil trat nach der Schule in den Karmeliten-Orden ein. 2003 wurde er nach drei Jahren Theologiestudium zum Priester geweiht. Im Oktober 2004 kam er nach Deutschland. Zuerst lernte Cyril in Bonn und danach in Köln die deutsche Sprache, war danach fast fünf Jahre Mitglied im Karmeliterkloster Mainz. Vor der Pastoralausbildung absolvierte der Pater zwei Praktika, eines als Krankenhausseelsorger an der Charité in Berlin und eines in der Gemeindepastoral der Pfarrgruppe Nieder-Olm in Rheinhessen. Seit November 2006 war er dann im Bistum Mainz tätig. Dass es ihn nach Deutschland verschlagen würde, war nicht vorgezeichnet, aber auch kein absoluter Zufall. Denn die indische Niederlassung des dortigen Karmeliterordens war vor einigen Jahrzehnten von einem Deutschen gegründet worden. Seit knapp drei Jahren ist er nun Pfarrer in St. Bartholomäus Mörlenbach und Herz Jesu Weiher. Um 15 Uhr gestaltet er am 24. Dezember die Kinderkrippenfeier, um 17.30 Uhr den Weihnachtsgottesdienst und um 22.30 Uhr die Christmette, jeweils in St. Bartholomäus Mörlenbach.

Zwölf Jahre Ausbildung liegen hinter dem 38-jährigen Sudeesh. Für ihn war es schon früh klar, wohin sein Weg führen würde. Er war Ministrant in seinem Bezirk mit einem hohen christlichen Bevölkerungsanteil. Sudeesh entschied sich schon während der Schulzeit, Priester zu werden und fragte dort nach, aufgenommen zu werden. Er besuchte Priesterseminare der Karmeliter in Kothamangalam und Bangalore. „Das Christentum hat eine schöne Tradition in unserer Heimat“, erläutert der Pater. Er wurde nach seinem Studium 2008 zum Priester geweiht und kam 2015 nach Deutschland, wo in Mainz unter anderem Deutschkurse auf der Tagesordnung standen. Seit Sommer 2017 ist er im Kloster Hirschhorn. Der 38-Jährige ist als Pfarrvikar/Kaplan bei Pfarrer Peter Pristas in der Pfarrgruppe Überwald mit ihren Teilorten Wald-Michelbach, Unter-Schönmattenwag, Aschbach und Hammelbach tätig. In letzterem Ort hält er am 24. Dezember um 18 Uhr die Christmette in der katholischen Kirche.

Straßenmeisterei Beerfelden sorgt im Winter für befahrbare Straßen im Überwald sorgen

„Immer um den Buß- und Bettag herum zieht es an“, weiß Harald Körner aus jahrelanger Erfahrung. Der Chef der Straßenmeisterei Beerfelden hatte Recht, denn genau zu diesem Zeitpunkt gingen die Temperaturen in den Keller, um jetzt wieder frühlingshaft zu sein. Pünktlich zur Vorstellung der Winterdienst-Vorbereitungen im Odenwald durch die Straßenbaubehörde Hessen Mobil hatte es außerdem in der Nacht knackigen Frost gegeben, der bereits den ersten größeren Einsatz der Räum- und Streuflotte notwendig machte. 175 Kilo Salz kamen dabei auf die Straßen. Davon ist aktuell weit und breit keine Spur mehr.

Welche Vorbereitungen bisher getroffen wurden, erläuterten jetzt die Verantwortlichen. Jochen Vogel, Pressesprecher von Hessen Mobil in Heppenheim, skizzierte das Prozedere auf den Bundes-, Landes- und Kreisstraßen im Odenwald. Ein harter Winter ist nicht unbedingt einer, in dem es viel schneit, sagen die Fachleute. Sondern einer „mit wechselhaftem Wetter“, tagsüber mit Plus-Temperaturen, nachts mit Frost. Denn dann muss quasi nonstop gestreut werden. Da eine Tonne Salz 70 Euro kostet, geht dies dann kräftig ins Geld.

Das Streckennetz ist in verschiedene Routen aufgeteilt, wobei Schulen, Bahnhöfe, Höhenlage, stark befahrene Straßen und der ÖPNV Priorität genießen, sagt er. Sollte es mal dicke kommen und heftig schneien, gibt es laut Körner auch die Möglichkeit, in Wald-Michelbach mit zwei Fahrzeugen auszurücken. Ein Mitarbeiter stammt aus Reichelsheim und fährt jeden Tag über die Wegscheide. „Wenn der das Salz im Überwald einlädt, kann er bei Bedarf gleich das Ulfenbachtal runterfahren“, so der Chef der Straßenmeisterei in Beerfelden.

Von Wald-Michelbach aus „sind wir schnell auf der Kreidacher Höhe“, ist ein neuralgischer Punkt in Reichweite. Wobei man inzwischen sowieso kaum noch Straßen aussparen könne. „Da liegen oft Busverkehre drauf“, verdeutlicht Körner. Ein Problem stellen für den Räumdienst eher die Baustellen dar, die teilweise bis in den Winter rein unterhalten werden. Aktuell wird etwa noch auf der Straße zwischen Unter-Abtsteinach und Trösel gebaut. Wenn für die großen Fahrzeuge kein Durchkommen mehr ist, hilft dann die Absprache mit der Gemeinde weiter, ob diese vielleicht einen Teil übernimmt.

Die Verantwortlichen appellierten an die „Teamarbeit“ von Räumdienst und Autofahrern bei winterlichen Straßenverhältnissen. Zum einen sei Vorsicht in Waldgebieten geboten, weil das Salz Tiere an den Straßenrand ziehe. Zum anderen solle immer eine Fahrgasse für die mit vier Meter überbreiten und mit 23 Tonnen ganz schön schweren Räumfahrzeuge freigelassen werden. In engen Ortsdurchfahrten dürfe die Straße nicht zugeparkt werden.

Auf Autobahnen nonstop und auf den anderen Straßen von 6 bis 22 Uhr: So stellt sich der Schichtdienst in den Straßenmeistereien dar. Wobei um 6 Uhr die Strecken schon frei sein sollten. Deshalb beginnt der Dienst bereits im 1.30 Uhr nachts mit den Vorbereitungen. Dann wird per Computer die Lage auf den Straßen überprüft. „Winterdienst ist das ganze Jahr ein Thema“, verdeutlichte Vogel. Im Frühjahr gibt es Reparaturen, Ausschreibungen und Neuanschaffungen, im Sommer wird das Salz bezogen, im Herbst werden die Dienstpläne für die kalte Jahreszeit gemacht.

Neben dem Rückgriff auf die Wetterdienste helfen auch die jahrzehntelangen Erfahrungen der Hessen-Mobil-Leute, um zu wissen, wo es glatt werden kann. Ist Schnee gemeldet, „wird die Rufbereitschaft ausgelöst“, so der Pressesprecher. Jeder Fahrer hat eine vorgegebene Route, die etwa drei bis vier Stunden dauert.

Verwendet wird dabei eine Mischung aus 70 Prozent Trockensalz und 30 Prozent Lauge, die in der Straßenmeisterei hergestellt wird. Das Ganze nennt sich Feuchtsalz FS 30. „Dann haftet das besser auf dem Asphalt“, weiß Körner. Es wird nicht so schnell verweht, setzt den Auftauprozess schneller in Gang und hält die Straßen länger eisfrei. Außerdem spart man am Rohmaterial. Sollten die 3300 im Odenwaldkreis gelagerten Tonnen Salz doch mal knapp werden, „füllen wir die Hallen unverzüglich wieder auf“, versicherte er.

Die Straßenmeisterei Beerfelden betreut 215 Straßenkilometer im südlichen Odenwaldkreis, dazu im benachbarten Kreis Bergstraße das hessische Neckartal und den Überwald rund um Wald-Michelbach, Abtsteinach und Grasellenbach bis hin nach Birkenau (alte B38) und Gorxheimertal bis zur Stadtgrenze Weinheim. Auf der B460 wird bis nach bis nach Fürth-Krumbach gefahren. Insgesamt sind dies noch einmal etwa 100 Straßenkilometer. In Oberzent lagern etwa 1000 Tonnen Salz. In Beerfelden sind sieben Schneeräumer im Einsatz, davon fünf eigene, die im Drei-Schicht-Betrieb von 18 Mitarbeitern gefahren werden. Weitere kleinere Salzlager gibt es in Hirschhorn und Wald-Michelbach. Insgesamt hält Hessen Mobil im Odenwaldkreis 3300 Tonnen Salz vor, was für einen durchschnittlichen Winter ausreicht. Sollte es einmal den ganzen Tag heftig durchschneien, werden pro Tag etwa 150 Tonnen benötigt.