Julian Rettig und Heiko Schmidt wollen die zweite Mannschaft der KSG Mitlechtern zurück in die Erfolgsspur führen

Die KSG II zur Winterpause auf dem vorletzten Platz der Bergsträßer Fußball-Kreisliga C: „Wir hatten als Verein das Gefühl, dass es so nicht mehr funktionieren würde“, sagt Spielausschussvorsitzender Achim Tremper. In einem offenen, konstruktiven Gespräch kam der Vorstand mit dem bisherigen Spielertrainer Manuel Seberkste in beiderseitigem Einvernehmen zum Entschluss, die Zusammenarbeit zu beenden. In der Winterpause übernahmen die beiden KSG-Akteure Julian Rettig und Heiko Schmidt für den Rest der Rückrunde das Traineramt. Beide gaben auch schon für die Saison 18/19 ihre Zusage – unabhängig von der Klassenzugehörigkeit.

Der KSG-Vorsitzende Berthold Becker freut sich, dass die zwei Eigengewächse als favorisierte interne Lösung das Traineramt und somit die Verantwortung in einer schwierigen Phase übernehmen. Man erhofft sich so, eine nachhaltige Lösung für den Verein gefunden zu haben. Das Trainerduo ist davon überzeugt, mit einer begeisterungsfähigen Mannschaft und der nötigen Disziplin eine erfolgreiche Rückrunde zu spielen, um so den drohenden Abstieg zu vermeiden. Angepeilt wird das gesicherte Mittelfeld. Zur Elf wird auch Seberkste gehören, der dem Verein weiterhin als Spieler zur Verfügung steht.

Torwarttrainer Nino Babic verlängerte bereits ebenfalls für die kommende Spielzeit. Zusammen mit den beiden Erstmannschaftstrainern Özcan Sahin und Simon Eckert ist das Trainerteam komplett und für die Zukunft gut aufgestellt. Beide werden auch ihre Kollegen von der 1b tatkräftig unterstützen. „Es ist gut, dass jetzt frischer Wind reinkommt“, betont Tremper. So wie es bisher war, „konnten wir es nicht mehr laufen lassen“. Die Trainingsbeteiligung und Motivation ließen stark zu wünschen übrig. „Die Spielerdecke wurde immer dünner.“

Durch den Wechsel im Traineramt „hoffen wir auf ein Aufbäumen und eine neue Motivation“, erläutert der Spielausschussvorsitzende. Der Vereinsvorstand sprach bereits mit der Elf und verdeutlichte den Ernst der Lage. Zusätzlich soll in der Winterpause der eine oder andere Akteur reaktiviert werden, der bisher pausierte. Zu- oder Abgänge wird es laut Tremper keine geben. Bei den Schichtarbeitern will man erreichen, dass sie zumindest einmal in der Woche am Training teilnehmen und am Sonntag auf dem Platz stehen. Die bisherigen Verletzten nehmen zur Rückrunde das Training wieder auf.

„Die Mannschaft hat ein gutes Potenzial“, weiß Tremper. Mit Schmidt und Rettig hofft der Verein, dieses wieder reaktivieren zu können. „Die haben als langjährige KSG-Spieler vielleicht einen anderen, besseren Zugang zur Mannschaft“, hofft er. Denn es gibt einiges zu tun. Der Pressewart nennt das Defensivverhalten als „großen wunden Punkt“. Hinten stand die zweite Mannschaft nicht gut. „Wir haben uns zu viel in die Hütte reindonnern lassen.“ Zu einem Erfolg gehört aber auch das Tore schießen, woran es ebenfalls haperte. Inzwischen ist der erste Nichtabstiegsplatz bereits neun Punkte entfernt. Elf Spiele hat die KSG II im Rest der Runde noch zu bestreiten.

Um eine eingeschworene Truppe zu formen, die dann wieder den Anschluss ans Mittelfeld findet, sieht er die beiden Trainer als sehr geeignet an. „Wir setzen auf die Veränderung und schauen, dass es hinhaut“, so Tremper. Damit es besser werden kann, muss man erst einmal etwas ändern, sagt er. Während Heiko Schmidt auf dem Platz mit ins Geschehen eingreift, wird Julian Rettig von der Außenlinie her dirigieren. „Das ist stimmig“, freut sich Tremper.

Eine Turnierteilnahme ist in der Winterpause nicht geplant. Ein paar Vorbereitungsspiele will die KSG II noch absolvieren, bevor am 25. Februar das Nachholspiel gegen die SG Riedrode II stattfindet. Keine einfache Aufgabe, aber gegen den Tabellenneunten sollte was Zählbares her, um wieder auf die Erfolgsspur zu kommen. Der gemeinsame Trainingsauftakt findet deshalb auch bereits eine Woche früher am 21. Januar statt.

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Überdüngung in der Landwirtschaft: Es flattern immer weniger Schmetterlinge durch die Lüfte

Das Bienensterben hat es mittlerweile ins öffentliche Bewusstsein geschafft. Aber dass sich die Schmetterlingspopulation genauso rasant in Luft auflöst wie die Verbreitung von Maja, Willi & Co., ist noch nicht in den Köpfen angekommen. Dabei ging bei den Tagfaltern seit Mitte der 70er Jahre die Zahl der Wiesenarten um 73 Prozent zurück, stellte der renommierte Biologe Professor Josef H. Reichholf in einer Studie für die Deutsche Wildtier-Stiftung fest. Das kann vor Ort auch der passionierte Hobby-Entomologe Siegfried Winkler bestätigen.

Der 68-Jährige ist seit Jahrzehnten in einer AG aktiv, die in Hessen die Insektenfauna monitorisch begleitet und mit dem Frankfurter Senckenberg-Museum zusammenarbeitet. Chef der ArGeHeLep (Arbeitsgemeinschaft hessischer Lepidopterologen) ist der Leiter der entsprechenden Museumsabteilung, Dr. Wolfgang Nässig. „Wir machen insektensoziologische Studien über Schmetterlinge auf bestimmten Flächen“, so Winkler. Der ehemalige Revierförster ist dabei überwiegend auf den Gemarkungen Birkenau und Mörlenbach aktiv.

Betroffen vom Rückgang ist nach den Beobachtungen des Studienverfassers Reichholf vor allem die Agrarlandschaft, bedingt durch Verluste an Wildpflanzen durch Herbizide und durch Überdüngung. Bei den Waldarten und in den Städten gebe es keinen vergleichbaren Schmetterlings-Rückgang, auch wenn einige, insbesondere größere Arten „äußerst selten geworden sind“. Reichholf stellt ganz klar fest: „Der gesetzliche Artenschutz ist mit den bisherigen Mitteln nicht in der Lage, diese Entwicklung aufzuhalten.“

Da helfen dann eher zusätzliche Maßnahmen wie sie auch in der Region ergriffen werden. Winkler entdeckte bei seinen Studien Flächen, die zum Teil  auf natürliche Weise durch die Landwirte  zugunsten der Falterfauna gepflegt werden. Eine Wiese in Birkenau wurde von der Gemeinde gekauft und wird durch diese mit Blick auf Schmetterlinge (sogenannte „Widderchen“) und Orchideen unterhalten. Ein weiterer, selten gewordener Falter fliegt auf einer Waldwiese in Weiher, die – mit Hilfe des Forstamtes Lampertheim – durch den Pächter besonders gepflegt werden muss. So gibt es nur eine jährliche Mahd im August.

Siggi Winkler war in seinem „Berufsleben“ neben dem Försterjob viele Jahre im Auftrag von Hessen-Forst Waldschutzbeauftragter für Südhessen und „damit so etwas wie Spezialist für Krabbeltiere“. Als Ameisenschutzwart ist er weiterhin tätig und ein gefragter Mann, wenn Millionen an einen neuen Platz gebracht werden sollen. Ein paar Jahre war er auch in einer Waldschutzgruppe aktiv, die dem Ministerium aus der Praxis zuarbeitete.

„Ich habe sicher etwa 100 Schmetterlinge vom Ei bis zum Falter gezüchtet“, sagt der passionierte Naturfan. „Einheimische Arten lasse ich dann immer wieder frei und helfe damit den hiesigen Populationen“. Bei Exoten darf man das nicht (Stichwort Faunenverfälschung).

In Weiher gibt es laut Winkler eine Wiese, auf der zwei Arten des „Ameisenbläulings“ fliegen. Die Falter legen die Eier auf dem „Großen Wiesenknopf“ (Sang. Officinalis) ab. Die Räupchen fressen dort nach dem Schlupf in der Blüte. Nach der ersten Häutung lassen sie sich auf den Boden fallen und werden dort von Knotenameisen in deren Nest getragen. Die Räupchen leben danach in den Nestern von der Brut und geben so etwas wie „Honigtau“ ab, den die Ameisen zu ihrer Winterernährung benutzen. „Also eine echte Symbiose, eine Win-Win-Geschichte“, lacht der ehemalige Förster. Im nächsten Jahr fliegen die Falter im Juli aus.

Es gibt laut Winkler etliche Möglichkeiten für hiesige Landwirte und Privatleute, um die Insektenpopulationen in der Region zu stabilisieren. Dazu zählt etwa die extensive Beweidung landwirtschaftlicher Flächen. Hierfür existieren schöne Beispiele auf Gemarkung Zotzenbach. Sehr wichtig ist Düngeminimierung oder -verzicht. Für die Anlegung von Ackerrandstreifen gebe es diverse Programme und Zuschüsse durch die Landwirtschaftsämter, weiß er. Sinnvoll sind auch Feldholzinseln, sprich die Pflanzung insektenfreundlicher Sträucher. Auf Gemarkung Birkenau in Zusammenarbeit von Gemeinde, Jagdpächtern und Forst werde dies praktiziert, so der ehemalige Förster.

Josef H. Reichholf ist ein Pionier der Naturschutzbewegung. Er gründete 1972 mit Heinz Sielmann, Horst Stern, Bernhard Grzimek und Hubert Weinzierl die „Gruppe Ökologie“. Der 72-Jährige ist Träger der Treviranus-Medaille, der höchsten Auszeichnung des Verbands deutscher Biologen. Er warnt in seiner Studie eindringlich vor dem „Verschwinden der Schmetterlinge“. Seine Zählungen weisen darauf hin, dass seit den frühen 80er Jahren die Häufigkeit nachtaktiver Flattermänner um 50 Prozent und die Zahl der Arten um mehr als die Hälfte zurückgegangen ist.

Reichholf stellte einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Flurbereinigung, Umstellung großer Teile der Landwirtschaft auf Maisanbau sowie Stallviehhaltung mit Güllewirtschaft fest. „Für die Abnahme der Schmetterlingshäufigkeit sind die Veränderungen entscheidend.“ Laut dem Biologen wurde Mais in vielen Landesteilen zur dominierenden Feldfrucht. Die großen Anbaugebiete „zeichnen sich durch ein besonders hohes Maß an Überdüngung, also Stickstoff-Überschuss, aus“.

Dadurch fallen laut dem Schmetterlingskenner die meisten Raupenfutterarten aus, weil einige wenige Pflanzen begünstigt werden. Es entsteht darüber hinaus ein feuchtkühles Bodenklima, das etliche Arten verschwinden lässt. Wildpflanzen würden außerdem durch Herbizide fast vollständig beseitigt. Dazu kommt noch die Behandlung mit Insektiziden, so der Biologe.

Reichholf fordert deshalb: „Der Überdüngung muss Einhalt geboten werden.“ Besonders die Grünlanddüngung sollte entschieden reduziert werden. Gleichzeitig spricht er sich dafür aus, dass viel mehr Magerwiesen notwendig sind, auf die überhaupt kein Dünger kommt. Naturschutzverbände könnten Flächen erwerben, „gerade auch aus der intensiv genutzten Landwirtschaft heraus“. Damit lasse sich zeigen, „dass der Artenschwund zu stoppen ist“.

Artenreiche Waldwiesen und Lichtungen sollten sich nach den Worten von Reichholf selbst überlassen bleiben. „Dafür könnten die Staatsforstbehörden sorgen.“ Auch können Privatleute dem Biologen zufolge mit guten Beispiel voran gehen und in ihrem Garten Biotope für Schmetterlinge, Wildbienen & Co. schaffen. Er schließt seine Betrachtung mit den Worten: „Es liegt an uns, ob die Schmetterlinge eine Zukunft haben und ob auch die kommenden Generationen die Faltervielfalt noch erleben.“

Wie lässt sich direkt etwas für die Schmetterlinge tun?

  • Ankauf von Flächen durch die öffentliche Hand oder Naturschutzverbände (Stichwort „Trittsteine“)
  • Weniger Mulchen in der „freien Landschaft“. Mehr extensive Mäharbeiten mit Abtransport des Mähgutes
  • Pflanzung oder zumindest Belassen von Sträuchern an Wald- und Wegrändern
  • Besonderes Augenmerk verdienen Eichen und Pappeln. Sie beherbergen die meisten Insekten
  • In Gärten und in der Feldflur können kleine verwilderte Ecken mit krautigen Blühpflanzen für Insekten wichtige Nahrungsquellen sein
  • Einsaat sogenannter „Blühwiesen“ (z.B. Phacelia oder Blühmischungen)
  • Sommerflieder („Schmetterlingsstrauch“) wird in Gärten gerne von Schmetterlingen besucht
  • Reduktion oder Verzicht von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden sowie Stopp der rasant fortschreitenden Versiegelung von Landschaftsteilen

 

 

Actias dubernardi ist ein Schmetterling (Nachtfalter) aus der Familie der Pfauenspinner (Saturniidae).

„Millennium“: Das Gitarren-Duo aus dem Weschnitztal covert klassisch-akustisch

„Hymn“ von Barclay James Harvest mit zwei klassischen Gitarren und einer Rockröhre am Mikro, „Jump“ von Van Halen mit leicht spanischen Klängen von den zwölf Saiten: Bei „Millennium“ gibt es nichts, das es nicht gibt. Andreas Singer aus Rimbach und Rainer Müller aus Fürth bilden seit fast 20 Jahren das kongeniale Duo ohne Scheu vor musikalischen Grenzüberschreitungen. Ob dann mal Fritz Strößinger von den „Starfuckers“ den BJH-Song raushaut oder Barbara Boll und Marion La Marché den beiden ihre Stimme leihen: Heraus kommt etwas Außergewöhnliches.

Cover-Bands gibt es ja wie Sand am Meer, aber eine Formation, die vom altbekannten Rock-Klassiker bis hin zum groovigen Pop-Hit lediglich mit zwei akustischen Gitarren, bei Bedarf einem abgespeckten Schlagzeug und zwei talentierten Sängerinnen daherkommt, doch recht selten. Ihre musikalische Leidenschaft fanden Singer und Müller im Spiel der klassischen spanischen Gitarre. Der warme Klang der Instrumente bildet das Fundament und die stilistische Basis dieser Formation.

Mit vollen Einsatz: „Ich hab‘ mir die Finger blutig gespielt“, lachte Andreas Singer kürzlich nach einem dreistündigen Auftritt. Zum Wohl der Zuschauer. Die bekamen ein „Billie Jean” von Michael Jackson zu hören, das sie so noch nicht kannten. Oder wer kann schon von sich behaupten, das „Jump“ von Van Halen mit zwei akustischen Gitarren zu kennen. Andreas Singer und Rainer Müller dann noch vereint als Eddie van Halen – das hatte nicht nur was, sondern ganz viel.

„Burning down the house” der Talking heads, „Eye of the Tiger” von Survivor oder „Junimond“ von Rio Reiser sind neben vielen anderen Songs Titel, die in dieser ungewöhnlichen Version einfach ins Ohr gehen und dort haften bleiben. Ein Abend genau nach dem Geschmack von Singer & Müller, die gerne der Improvisation freien Lauf geben. „Akustisch ist alles echt, authentisch“, betont der Gitarrist Singer.

„Früher waren wir mit der Stromgitarre und viel Aufwand unterwegs“, blickt der Rimbacher zurück. Das war den beiden dann einfach zu viel. Als große Fans der spanischen Musik und vor allem Al di Meola „sind wir auf akustisch umgestiegen“. Hier lässt er zusammen mit dem Fürther Müller der Improvisation freien Lauf. Das führt dann dazu, „dass wir manchmal nicht wissen, wie ein Lied endet“, lacht Andreas Singer. „Wir covern die Songs, arrangieren sie neu und nehmen uns dabei gewisse Freiheiten.“

Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt die feinfühlige Songauswahl: hier der weltbekannte 80er-Hit, da die ultimative Rockballade und dort auch mal die ein oder andere Perle der Musikgeschichte, die man zwar im Ohr hat, aber fast noch nie von einer Cover-Band zu hören bekam. Vor allem nicht akustisch. „Da kannst du sehr dynamisch spielen“, erläutert der Gitarrist. Andererseits wird auch „jeder Fehler bestraft“. Denn der ist gnadenlos zu hören. Als „einfach echt, authentisch“, charakterisiert Singer die Faszination des Unverstärkten.

Auch nach knapp 20 Jahren halten es die beiden Gitarrencracks gut miteinander aus, scherzt er. „Wir konkurrieren nicht untereinander.“ Bei den Soli wechselt man sich regelmäßig ab. Dass es früher mal 50 Konzerte im Jahr waren und jetzt nur noch 15, „ist dem Alter geschuldet“, grinst der 51-Jährige. Dazu haben sie ja noch „normale“ Jobs. Rainer Müller als Tontechniker und einschlägiger Gitarrenausbildung ist da eher vorbelastet als der Sozialpädagoge Singer als Autodidakt an den sechs Saiten. Das Schöne am Hobby ist daneben, „dass wir finanziell nicht abhängig sind“.

„Das könnten wir doch auch mal akustisch probieren“ steht als Idee ganz am Anfang. Denn eigentlich, betont Andreas Singer, braucht ein Song nur eine Gitarre und eine Stimme um zu wirken. Wie etwa Joe Cocker mit seinem „With a little help“. Das besagte „Hymn“ ist aber ein ebensolches Paradestück. „Da traut sich sonst keiner dran“, sagt er. Andererseits „macht das tierisch Spaß“. Die beiden agieren dabei jedes Mal „mit viel Respekt vor dem Song, den man nicht besser machen als im Original“.

Okay, nicht besser. Aber anders und mindestens genauso gut. „In the air tonight“ von Phil Collins,  „Hot Stuff“ von Donna Summer, „Let it rain“ von Amanda Marshall oder „Amazing” von George Michael machen die große Bandbreite der Auswahl deutlich. „One“ von U2 in der Version mit Mary J. Blidge, „Hotel California” von den Eagles, „Run to you” (Bryan Adams), „Don’t let me be misunderstood” der Animals oder „Mrs. Robinson“ von Simon and Garfunkel zeigen, dass die Acoustic Guitar Heroes wirklich alles spielen, was Rang und Namen hat. Was wären diese Songs ohne Gitarrenklänge. Erst im Hintergrund, während die Stimmen dominieren, wird bei den Soli die Kunst der beiden Könner auf den sechs Saiten deutlich.

Info: www.millennium-band.de

 

Größerer Liquiditäts- und Finanzmittelbedarf: Die Solardraisine ist immer für viele Diskussionen gut

Er hat konservativ gerechnet. Deshalb denkt der Geschäftsführer der Überwaldbahn gGmbH, Holger Kahl, dass die von ihm jetzt im Haupt- und Finanzausschuss vorgestellten Zuschusszahlen „belastbar sind“. Mit ein paar „Aber“ in Gestalt von nicht einzuschätzenden Ereignissen. Ob nicht irgendwo mal ein Hang abrutscht, Gleise erneuert werden müssen oder das Wetter so schlecht ist, dass es die Bilanz verhagelt. Seine Botschaft: „Die Probleme werden angepackt, aber die Bahn wird weiter Zuschüsse benötigen.“ Er sah politischen Rückenwind als notwendig an, um keine Hürden aufzubauen.

Das Engagement von Kahl wurde im Rund gewürdigt, aber gerade auf BfW-Seite sah man noch zu viel Klärungsbedarf, um in der kommenden Gemeindevertreter-Sitzung den benötigten Geldern zustimmen zu können. Andere Fraktionen signalisierten jedoch Unterstützung. Der Punkt geht ohne Beschlussvorschlag in die Sitzung am kommenden Dienstag.

Der zusätzliche Geldbedarf der Solardraisinenbahn wird für die Gemeinde ganz schön teuer. Sie ist mit einem Anteil von 27 Prozent an der Überwaldbahn-Gesellschaft beteiligt. Auf etwa 200.000 Euro beläuft sich der gesammelte Liquiditäts- und Finanzmittelbedarf in diesem Jahr, den Wald-Michelbach zu tragen hat. 17.500 Euro daraus gab der Gemeindevorstand bereits frei, über den Rest der Summe entscheiden die Gemeindevertreter.

Insgesamt beläuft sich der Finanzierungsbedarf inklusive Liquiditätslücke in den Finanzmitteln der Gesellschaft, zu der auch Abtsteinach, Mörlenbach und der Kreis Bergstraße gehören, auf 675.000 Euro. Davon müssen bis zum Jahresende 65.000 Euro durch die vier Gesellschafter bereitgestellt werden. Denn: „Ohne zusätzliche liquide Mittel tritt die Zahlungsunfähigkeit ein.“ Wald-Michelbachs Anteil hieran beträgt wie bei allen anderen Punkten auch 27 Prozent, somit die genannten 17.500 Euro.

Die Erhöhung des laufenden Zuschusses für die Folgejahre bringt eine Verdoppelung der bisherigen Summe mit sich. Bisher 200.000 Euro, soll er ab 2018 dann 400.000 Euro betragen. Diese Summe teilt sich hälftig in Streckenunterhaltung und Betrieb auf. Das bedeutet 108.000 Euro im Jahr für Wald-Michelbach statt bisher 54.000. Bürgermeister Sascha Weber wies darauf hin, dass man den relativ hohen Betrag einmalig nachschieße, um dann für die kommende Zeit „einigermaßen Ruhe“ zu haben. Kahl sagte, dass Wald-Michelbach mit dieser Beteiligungshöhe „deutlich mehr als die Hälfte des Nutzens hat“.

Der Geschäftsführer legte Wert darauf, das an Problemen zu benennen und zu beziffern, „was bezifferbar ist“. Er wies darauf hin, dass die Strecke maximal ausgelastet ist. Mehr Draisinen passen nicht mehr drauf. An den Wochenenden können auch nicht mehr Personen befördert werden. Nur unter der Woche gibt es noch freie Kapazitäten. Da die Preise für kommendes Jahr angehoben werden, könnte sich daraus ein Rückgang der Nutzerzahlen ergeben. Kahl äußerte sich „eher skeptisch“ darüber, weiter die Preise zu erhöhen. Denn „der Preisfokus sollte mit dem Leistungsversprechen einher gehen“.

Der Geschäftsführer wies auf den Zeitdruck hin, da die Arbeiten bis Ende März erledigt sein müssen. Weswegen eine Verabschiedung in der kommenden Sitzung angeraten sei und nicht erst am 19. Dezember, wie Weber ergänzte. Kahl sah noch viel Potenzial bei der Vermarktung: „Die Draisine muss von Anfang bis zum Ende ein Erlebnis sein“, sagte er. Leider stecke das Marketing noch in den Kinderschuhen, weil der Geschäftsführer seit Amtsantritt vor eineinhalb Jahren quasi nur als Problemlöser aktiv war. Allerdings muss man dazu auch ein Stück weit investieren, „damit die Draisine über den Kreis Bergstraße hinaus bekannt wird“.

Die Event- und Gastronomiemöglichkeiten in Mörlenbach und Wald-Michelbach seien sicher noch ausbaufähig. Bisher „haben wir nur den Ticketverkauf“, sagte er. Beim Drumherum gibt es noch viele Möglichkeiten. „Wir haben hier einen kleinen Schatz“, ein Alleinstellungsmerkmal, wies Kahl auf die Einmaligkeit der Solardraisine hin. Bei der Leistung gilt es noch „draufzusatteln“. Denn sonst, so der Geschäftsführer, „schaffen wir uns die eigenen Defizite“.

611.000 Euro listete Geschäftsführer Überwaldbahn-Bahn Holger Kahl an Kosten auf, die in diesem und im kommenden Jahr zur Beseitigung vorhandener Mängel und weiterer Unterhaltungsarbeiten an Strecke und Fahrzeugen anfallen könnten. Es stellte sich im Verlauf der Vorstellung und Diskussion jedoch heraus, dass sich einige Punkte der Liste eventuell anders entwickeln könnten. „Ich wollte alles zusammenfassen und nicht scheibchenweise auf den Tisch bringen“, sagte der Geschäftsführer. Somit also ein Wort-Case-Szenario skizzieren.

Die Gelder sind laut Kahl notwendig, um den ordnungsgemäßen Betrieb in diesem und dem nächsten Jahr zu gewährleisten. Von dieser Summe muss Wald-Michelbach 182.250 Euro beisteuern. Unter anderem ist darin der zweite Teil der Arbeiten enthalten, die schon Anfang des Jahres auf Drängen der Aufsichtsbehörde angegangen wurden, damit die Solardraisine 2017 überhaupt rollen konnte.

Sanierungsarbeiten an Tunneln (50.000 Euro) und Brückenbauwerken (fast 160.000 Euro) sind darin ebenso enthalten wie der Freischnitt (20.000 Euro). An Ingenieurleistungen werden 24.000 Euro aufgeführt. 130.000 Euro hat Kahl in seiner Kalkulation eingestellt, damit die Draisinen technisch so umgerüstet werden können, wie es die Aufsichtsbehörde verlangt. Denn sie müssen gegen Zurückrollen bei der Anfahrt gesichert werden.

Hier wie auch bei der Neukonzeption des Bergungskonzepts (210.000 Euro) machte er aber deutlich, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Möglicherweise lassen sich in Gesprächen kostengünstigere Lösungen erreichen. Es sei einiges im Fluss und die Summe ein „Platzhalter“. Denn: „Wir wissen noch nicht, wie die Lösung aussehen wird.“ Auch die Gespräche mit der Herstellerfirma Mühlhäuser laufen, unter anderem über einen fünfjährigen Wartungsvertrag. Kahl verdeutlichte, dass die Überwaldbahn-Gesellschaft in einer starken Abhängigkeit steht, was die technische Seite betrifft. „Wir haben kaum eigene Einblicke.“ Doch hier gibt es ebenso Lösungsansätze, sowohl mit der Firma als auch extern.

Mit 350.000 Euro macht der Personalaufwand im kommenden Haushalt den größten Posten aus. Hier sind neben den eigenen Kräften laut Kahl auch hälftig die der Mühlhäuser-Angestellten mit aufgeführt, die rund um die Strecke und den Betrieb tätig sind. Beim betrieblichen Aufwand sind die Wartungskosten der Bahntrasse mit 200.000 Euro der größte Posten. Dann kommen die für die Draisinen mit 180.000 Euro, wobei auch hier wieder Personal mit einfließt.

Eine Stunde Kahl, eine Stunde Fragen: Das Thema Solardraisinenbahn beschäftigte den Haupt- und Finanzausschuss über den Großteil seiner Sitzungszeit. Etliche Detailfragen klangen durch die Mandatsträger an. Die nutzten die Gelegenheit aus, den Geschäftsführer der Überwaldbahn kräftig zu löchern. Nothung Köhler (CDU) brachte das Thema Batterien auf. Die sollten deutlich länger halten, hieß es. Wie Kahl sagte, werden die Akkus sukzessive ausgetauscht. Neubeschaffungen seinen im gedeckelten Wartungsvertrag drin.

Stefan Werner (BfW) hinterfragte die Verkabelung der Draisinen. Sollte diese nicht halogenfrei sein, wie er befürchtete, gäbe es mit PVC die Gefahr eines Kabelbrands, der gerade im Tunnel lebensgefährlich sein könnte. Dem Geschäftsführer war das Thema unbekannt, er will sich drum kümmern. Thema des BfW-Sprechers war daneben ein möglicher Fahrzeug-Austausch gegen solche, „die nicht so störanfällig sind“.

Auf der Tagesordnung der Gesellschafter vermutete Kahl die Thematik auf jeden Fall. Jedoch lässt sich seinen Worten zufolge eine solche Umstellung nicht kurzfristig bis zum Beginn der nächsten Saison über die Bühne bringen. Es gelte mit der Herstellerfirma intensiv über die finanzielle und technische Seite zu sprechen, betonte er. Jedoch mit dem nötigen Fingerspitzengefühl. Denn wenn man zu hart agiere, steht man 2018 ohne Draisinen da. „Das schwächt natürlich unsere Verhandlungsposition.“

Erstmal geht es für ihn darum, die Fahrzeuge für 2018 funktionstüchtig zu haben. „Da kommen wir nicht drum herum.“ Er äußerte die Hoffnung, dass der weitere Betrieb zu wesentlich geringen Kosten als bisher möglich sein wird. „Wir fangen jetzt nicht gleich an zu tauschen.“ Im Vordergrund steht, die Probleme in den Griff zu bekommen, meinte er auf eine Frage von Dirk Hennrich (BfW). Werner forderte juristisch zu klären, ob es nicht noch Gewährleistungsansprüche gegen die Firma Mühlhauser gebe.

Sven Wingerter (SPD) präzisierte, dass die damalige Beantragung für die Streckennutzung durch eine Draisine geschah. Von Solar war vor zehn Jahren keine Rede. Dies auch vor der Hintergrund der durch die BfW losgetretene Diskussion, die Folgen einer Insolvenz zu prüfen. Dies wiederum sah Kahl als kontraproduktiv an, weil es einen miserablen Eindruck und Unsicherheit vermittle. Stefan Doetsch (CDU) betrachtete es sogar als „Horrorszenario“, dessen Klärung Woche und Monate dauern könnte. Bei einer alten Strecke gebe es immer Unwägbarkeiten, sagte er.

Jürgen Lampert (FW) stieß die festgestellte Feuchte in den Brückenbauwerken sauer auf. Der Mangel ist seit 2015 bekannt, so Kahl. Allerdings habe man die Ursache nicht gefunden. Der früher beauftragten Firma habe ein Gutachter bescheinigt, dass sie bei der Ertüchtigung der Viadukte ordnungsgemäß arbeitete. Lampert ergänzte, ob sich die anfallenden, allgemeinen Reparatur-Kosten nicht in Rücksprache mit der Aufischtsbehörde auf zwei bis drei Jahren strecken ließen.

Henrik Schork (Grüne) wollte wissen, wie viel Geld an die Firma Mühlhauser fließt. Auch ging es ihm darum zu wissen, ob zu den vorgelegten Zahlen noch etwas dazukommt oder nicht. BfW-Werner erschien die Draisinenbahn als „Fass ohne Boden“. Ihm waren viel zu viele „Hätte“, „Könnte“ oder „Vielleicht“ in der Präsentation, weshalb er keine Empfehlung an die Gemeindevertretung abgeben wollte. Auch Dirk Hennrich forderte mehr Bedenkzeit.

Anders Udo Klos (SPD). „Zusätzliche vier Wochen werden uns auch nicht weiterhelfen“, meinte er. Der Erhalt der Strecke, um sie möglicherweise in spe für den ÖPNV nutzen zu können, sei bei einer Insolvenz nicht mehr möglich. Für ihn ist ein Fahrzeugwechsel durchaus eine Option. Wie auch Günther Roßbach (FW) wies Klos drauf, hin, dass die Thematik erst noch in die Fraktionen geht, stand aber einer Beratung in der Gemeindevertretung wie Doetsch positiv gegenüber.

Maximale Gag-Dichte mit minimalem Aufwand: Comedian Christian Habekost riss seine Fans im Bürgerhaus Mörlenbach von den Sitzen

Ein Mann, ein Stuhl, ein Tisch, ein Dubbeglas. Fertig ist die extrem minimalistische Bühnenausstattung von Christian Habekost bei seinem Auftritt im Mörlenbacher Bürgerhaus. Der Monnemer geht da fast etwas unter auf der großen Fläche. Den vielen Raum füllt er aber durch ein Maximum an Babbelei sowohl in Masse als auch Schnelligkeit aus, das weit über zwei Stunden sein bestens gelauntes Publikum im voll besetzten Saal aus dem Lachen nicht mehr rauskommen lässt.

Zeit zum Luftholen ist da nicht. Chako springt mit seinen 55 Lenzen so schnell von einem Thema ins nächste, dass der letzte Gag noch gar nicht in den Gehirnanwendungen angekommen ist, als er schon den nächsten platziert. Der Meister des gequirlten Humors kann dabei angesichts seiner langen Bühnenpräsenz auf dem Vollen schöpfen. In seinem aktuellen Programm ist er als „Weeschwie’sch-MÄN“ unterwegs. Weinsinnig-niveauvolle Mundart-Comedy ist sein Markenzeichen. Inhaltlich geht Chako konsequent seinen Weg weiter, indem er seine pfälzischen High-mat zum Zerrspiegel und Kontrast für die große weite Welt der Politik und des Alltagswahnsinns macht.

Meist in Kurpfälzer Mundart, streift er dabei doch die Themen, die die Welt bewegen. Oder seiner Meinung nach sollten. Seine Sicht der Dinge ist dabei natürlich schon eine spezielle, die sich nicht jedem gleich erschließt. Wortverdrehungen à la Paul Panzer haben glucksende Geräusche im Zuschauerraum zur Folge, wenn auch die Akustik zumindest in Teilen des Saals manche Gags buchstäblich verschluckt. Ärgerlich, wenn sich die eine Zuschauer-Hälfte vor Gelächter biegt und anderswo gerätselt wird warum.

Herrlich Habekosts Hommage an seine Heimat. Wo es den Handkäs mit Musik gibt, zwischen Katzenbuckel und Katzenberger (der Gag dauerte ein wenig, bis er gesackt war). „Danke, dass ich leben darf“, meinte er nach einem Parforceritt durch die (Kur-)Pfälzer und Odenwälder Eigenheiten. Eine Ecke, in der es so viele literarische Reben gibt, dass man sie sogar lesen kann.

Chakos Heimatliebe ging einher mit seinen gepflegten Vorurteilten gegen Nachbarvölker, bevorzugt im südöstlichen, hinteren Teil des baden-württembergischen Bundeslandes gelegen. Da freut er sich, in einer Gegend zu wohnen, „wo man schafft, um zu leben“. Und nicht umgekehrt. Ein Gräuel ist ihm, von den Hamburgern mit den Schwaben immer in einen Topf geworfen zu werden. Da wird Achmed auch flugs integriert, als „Kurpfälzer in anderer Hülle“.

Auf der Suche nach Antworten auf die großen Rätsel des Universums schlüpft der Meister des gepflegten Schnellsprechs in so einige Rollen. Meditation oder Religion, Yoga oder Zumba, Superfood oder Kaffeepads, Reiki oder Raki, Schorle oder pur. Nichts kommt zu kurz. Prediger, Meditations-Lehrer, Motzer und pfälzisch-tunesische Krankengymnasten huschen über die Bühne.

Herrlich seine Erzählung vom Kurs „Selbstbewusst durch kaltes Duschen“. Die Besucher biegen sich vor Lachen. Oder das Seminar „Ruhe erleben durch Schrei-Meditation“. Aber da hatte Habekost die Rechnung ohne den Nachbar gemacht. Ein wenig „spiritüll“ angehauchte Leute, die ein Interesse für „Esotheterik“ haben, sind wie gemacht für den Mann mit der spitzen Zunge, der ihnen das gleich wortreich austreibt. Sein Highlight ist der Schamanentanz: „Der ist so lustig, da kannst du als Comedian gar nicht drauf kommen.“

Chako gewinnt seiner Sprache Laute, Geheimnisse und Bedeutungen ab, die sonst keiner darin vermutet hätte. Was vielleicht manchmal auch so besser gewesen wäre. Dabei gibt er Antworten auf unangenehme Fragen. Etwa warum die Pfalz die höchste Dichte von peinlichen Prominenten aufweist, warum der Ludwigshafener Tatort Teil einer Anti-Pfälzer-Welt-Verschwörung sein muss oder warum Satire für vegetarische Komödianten lebensgefährlich sein kann.

Kurpfälzer, weiß Chako, sind sowieso sehr „spiritülle“ Menschen. Sie meditieren täglich mit ihrem Dubbe-Glas, damit der Energiekreislauf geschlossen wird. Da wird das Mantra von „glücklich, harmonisch und mächtig dorschdig“ gebabbelt, dass es eine Wucht ist. Die Lebensweisheit der Geschichte nach ein paar Gläsern Wein: „Wer schwankt, hat mehr vom Weg“. Tosendes Gelächter inklusive.

Chakos Alter Ego mit seinem „Frieher hot’s des net gewwe“ darf natürlich nicht fehlen. Köstlich, sich Keith Richard als Protagonisten in der „Nacht der lebenden Toten“ vorzustellen“. Oder sich mit Schrecken auszumalen, was unter dem Hut von Udo Lindenberg verborgen sein könnte. Der immer so redet, als würde er sich jeden Morgen das Gebiss falsch herum reinschieben. Wenn Habekost dann beginnt, von den Vorzügen der heutigen Generation zu reden, die als erste nicht alt wird, gibt es kein Halten mehr.

Ob Arthrose wegen des Nagelstudio-Besuchs, altersgerechte Tattoos oder der Fahrt mit dem Opel Viagra – allein die Vorstellung treibt Tränen vor Lachen in die Augen. Dann noch der Senior auf der Toilette mit der „Muck“ und dem renitenten Seifenspender – eben Chako at its best. Golgatha-Gymnastik à la Pilates oder Ramba Zamba mit dem Latein-Liebhaber, unter viel Gejohle in die Praxis umgesetzt: Der Comedian ist danach so verausgabt, dass es heimgeht. Natürlich nicht wirklich, denn ohne Zugabe lassen ihn die Fans nicht von der Bühne.

Finanzielle Schattenseiten der Solardraisine sollen genau beleuchtet werden

Mit wenigen Gegenstimmen verabschiedeten die Gemeindevertreter auf ihrer vergangenen Sitzung den zusätzlichen Finanzbedarf der Solardraisinenbahn. Am ehesten ging es inhaltlich nach ausführlicher Ausschussdiskussion noch um die kommenden Zuschüsse, die sich ab 2018 verdoppeln sollen. Für Abtsteinach bedeutet dies dann 18.000 Euro jährlich. Deshalb wurde auf Vorschlag von Denise Reinhard (FWV) dieser Betrag auch erst einmal auf kommendes Jahr beschränkt. Zwischenzeitlich will man eine nähere Aufstellung erhalten, wie sich die Fehlbeträge zusammensetzen.

Abtsteinach ist zwar „nur“ mit einem Anteil von 4,5 Prozent an der Überwaldbahn gGmbh beteiligt (neben Wald-Michelbach, Mörlenbach und dem Kreis Bergstraße), aber andererseits finanziell auch nicht dermaßen gesegnet, dass die außer der Reihe benötigten Gelder einfach mit links geschultert werden können. Denn in diesem Jahr werden über 30.000 Euro als Liquiditätszuschuss zusätzlich benötigt. „Haushaltstechnisch fast nicht mehr zu vertreten“, heißt es.

Der Geschäftsführer der Überwaldbahn, Holger Kahl, hatte im Haupt- und Finanzausschuss versucht, die Defizite zu begründen und stand auch für Fragen zur Verfügung. Auf die dortigen Abstimmungsergebnisse ging Vorsitzende Karin Oberle im Vorfeld ein. Auf 675.000 Euro beläuft sich 2017 der Finanzierungsbedarf inklusive Liquiditätslücke. Davon müssen bis zum Jahresende sofort 65.000 Euro durch die vier Gesellschafter bereitgestellt werden. Abtsteinachs Anteil hieran beträgt knapp 3000 Euro. Diese Summe stellten die Mandatsträger einstimmig zur Verfügung.

611.000 Euro listete Kahl an Kosten auf, die zur Beseitigung vorhandener Mängel und weiterer Unterhaltungsarbeiten an Strecke und Fahrzeugen anfallen könnten. Diese Gelder sind notwendig, um den ordnungsgemäßen Betrieb in diesem und dem nächsten Jahr zu gewährleisten. Von der Summe muss die Gemeinde 27.500 Euro beisteuern. Unter anderem ist darin der zweite Teil der Arbeiten enthalten, die schon Anfang des Jahres auf Drängen der Aufsichtsbehörde angegangen wurden, damit die Solardraisine 2017 überhaupt rollen konnte.

Sanierungsarbeiten an Tunneln (50.000 Euro) und Brückenbauwerken (fast 160.000 Euro) sind darin ebenso enthalten wie der Freischnitt (20.000 Euro). An Ingenieurleistungen werden 24.000 Euro aufgeführt. 130.000 hat Kahl in seiner Kalkulation eingestellt, damit die Draisinen technisch wie verlangt umgerüstet werden können. Die Neukonzeption des Bergungskonzepts kommt auf 210.000 Euro. Zu diesem Paket gab es bei zwölf Ja-Stimmen ein Nein von Konrad Abraham (CDU).

Wenn man die Planergebnisse des Haushalts 2017 und die vorläufigen Zahlen für 2018 um den Zuschussbedarf reduziert, kommt man auf eine Größe, „der ohne Steuerungsmaßnahmen haushaltstechnisch fast nicht mehr zu vertreten ist“, meinte Bürgermeisterin Angelika Beckenbach. Ihr Wunsch: Die künftigen Folgekosten „müssen wir in den Griff bekommen“. Ähnlich auch Julia Jöst (CDU). Sie wollte der Gesellschafterversammlung mitgeben, dass Alternativen geprüft werden sollen, um in Zukunft einen kostengünstigeren Betrieb zu ermöglichen.

Das Defizit war ein Punkt, dessen Unklarheit auch Denise Reinhard störte. In Kahls Aufstellung war von einem betrieblichen Aufwand in Höhe von 300.000 bis über 600.000 Euro pro Jahr die Rede. Das war ihr zu unkonkret. „Wir wollen eine genauere Aufstellung“, sagte sie. Bei zwei CDU-Stimmen wurde die Zuschussverdoppelung auf 18.000 Euro für 2018 beschlossen.

Beckenbach hatte bereits im Ausschuss die Konsequenzen bei Nichtzustimmung nachgezeichnet. Demnach wären bei einer möglichen Insolvenz einige Fragen zu klären. So etwa die mögliche Rückzahlung von Landesfördermitteln oder gezogener Vorsteuer. Dazu käme der Wegfall des touristischen Nutzens. Alles in Millionenhöhe. Auch entfalle damit die Möglichkeit, die Strecke nach Wegfall der Solardraisinenbindung für den ÖPNV zu nutzen. „Die Draisine ist für die ganze Region unstrittig eine Bereicherung“, hob sie hervor.

Innovative und pfiffige Gründerideen gewürdigt: Sechs Preisverleihungen beim achten Gründerwettbewerb Bergstraße-Odenwald in Wald-Michelbach

Es waren wieder zahlreiche innovative und pfiffige Ideen, unter denen die Jury auszuwählen hatte: Beim Gründerwettbewerb Bergstraße-Odenwald, der inzwischen zum achten Mal stattfand, wurden in der Mensa der Eugen-Bachmann-Schule jetzt die Auszeichnungen an sechs Preisträger übergeben: drei aus den Odenwaldkreis und drei aus dem Kreis Bergstraße. Beide Landkreise arbeiten im Rahmen der Gründungsoffensive zusammen, um Gründer und Gründungswillige zu ermutigen, ihre Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Mit dem Gründerwettbewerb sollen die Selbständigen nicht nur Preise, sondern auch jede Menge Aufmerksamkeit und wichtige Kontakte erhalten. Wie breit die Palette ist, zeigte sich nicht nur an den Preisträgern selbst. Vom Kulinarischen übers Handwerk bis hin zu Freizeitaktivitäten mit pädagogischem Background reichten die Ideen, mit denen sich die Existenzgründer durchsetzten.

Aus dem Herzen des Odenwalds kommt Bernd Ginader, nicht nur ein begnadeter Laienschauspieler im Team mit Hans Dörsam als „Hannes und der Ourewäller Landrat“, sondern auch ein fabelhafter Kuchenbäcker, der mit seiner „Ourewäller Kuchestubb“ in Mörlenbach bereits für Schlagzeilen sorgte. Er wurde wie die beiden anderen Preisträger aus dem Kreis Bergstraße, Bärbel Jakob aus Bürstadt und David Falk Schneider aus Heppenheim, durch Matthias Zürker, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bergstraße, und Marius Schabe von der OREG Regionalgesellschaft in Erbach vorgestellt.

Den Abend hatte Wald-Michelbachs Bürgermeister Dr. Sascha Weber eröffnet. Der freute sich, dass die Preisübergabe nach 2015 wieder in der Überwald-Gemeinde stattfand. Er würdigte die „hervorragende Einrichtung“ Gründungsoffensive. Gerade in der Region „liegt uns das Thema sehr am Herzen“, betonte er. Die in Wald-Michelbach angesiedelte Zukunftsoffensive Überwald (ZKÜ) habe seit Bestehen bereits 300 Beratungen durchgeführt, wovon etwa 30 Prozent in erfolgreichen Gründungen mündeten.

Der Odenwald muss laut Weber Schwerpunkt weiterer Gründungen sein. Denn hier gebe es viele Pendler zu Arbeitsplätzen in den Ballungsräumen, die wiederum mit der schlechten Verkehrs-Infrastruktur zu kämpfen hätten. Je mehr Arbeitsplätze im ländlichen Raum entstehen, desto besser. Moderator Ralf Siegelmann führt danach durch den Abend. Der wurde mit einer Talkrunde fortgesetzt, bei der die beiden Landräte Christian Engelhardt (Bergstraße) und Frank Matiaske (Odenwaldkreis) sowie Axel Henkel vom hessischen Wirtschaftsministerium auf das Thema eingingen.

Engelhardt lobte die „herausragenden Gründerpersönlichkeiten mit einer unternehmerischen Vision“. Matiaske wies auf die Überschaubarkeit des Odenwaldkreises als „Riesen-Vorteil“ hin. Denn: „Die Akteure kennen sich.“ Von Weltfirmen wie Pirelli bis hin zu Nischenunternehmen finde man hier alles. Außerdem stimme auch die Infrastruktur. Man sei derzeit dabei, ein leistungsfähiges Internet in den Odenwald zu bringen, so Matiaske. Was im Kreis Bergstraße ebenso großes Thema ist.

Der Bergsträßer Landrat hob die hohe Lebensqualität in der Region heraus. „Gute Köpfe können hier sehr gut leben“, so Engelhardt. Als einziger Landkreis biete man eine öffentliche Förderung von WLAN-Hotspots an, sagte er. Daneben ermöglichten „hervorragende Bildungsstätten“ dem Nachwuchs eine sehr gute Ausbildung. Matiaske wies darauf hin, „dass die Wirtschaftsförderung breit aufgestellt ist“ und nicht auf bestimmte Nischen fokussiert sei. Die beiden Landräte betonten, dass die Kreise in punkto Unternehmensgründung stark vorangekommen sind. „Eins und eins ergibt nicht nur zwei“, sondern ein höheres Ergebnis, so der Tenor.

Henkel nannte die Gründung von Unternehmen einen „wichtigen Motor für die Wirtschaft“. Die große Aufgabe der Politik bestehe darin, den Unternehmensbestand zu sichern, sagte er. Er wies auf die Nachfolgethematik hin. Die Hälfte der Betriebe werde von Personen ab 55 Jahren aufwärts geführt. Es gebe in Hessen eine Drei-Säulen-Begleitung für Gründer, so der Ministeriale: die gemeinsame Vorab-Beratung mit dem Bund, die finanzielle Förderung durch Darlehen und die Landes-Bürgschaften inklusive Beteiligungen. Das alles sei „technologie- und branchenneutral“ angelegt.

2017 wurden 27 Wettbewerbsbeiträge der Jury präsentiert, erläuterte Zürker. Für ihn ist deshalb der Gründerwettbewerb „ein Erfolgsprojekt“, das jedes Jahr sehr gut angenommen werde. Die Gewinner erhalten Preise von insgesamt 10.000 Euro für ihre erfolgversprechenden Gründungsvorhaben, ergänzte Schwabe. In Wald-Michelbach kamen mehr als 100 Unternehmer, Politiker und Persönlichkeiten aus der Wirtschaft mit den erfolgreichen Gründern zusammen. Für die musikalische Umrahmung sorgten Jana Johann und Rüdiger Klein.

Bernd Ginader ist Bäckermeister und war bereits lange Jahre mit einem eigenen Betrieb im Mörlenbacher Ortsteil Bonsweiher selbständig, ehe ihn eine Mehlstauballergie zur Aufgabe zwang. Der damalige Innungsvorsitzende verlor aber nie den Bezug zum Bäckerhandwerk. So war er im Bereich Vertrieb des Bäckerhandwerks beruflich unterwegs. Auch seine Tochter stieg in das Back-Business durch die Ausbildung zur Bäckerei-Fachverkäuferin und die nachfolgende Qualifizierung zur „Betriebwirtin des Handwerks“ ein.

Durch einen Unfall und die nachfolgende lange Krankheitsphase verlor Bernd Ginader seinen Job. Im ersten Moment ein großer Schock für ihn, stellte sich die Kündigung dann doch als glückliche Fügung dar. Beim Gespräch mit einem Bekannten entstand die Idee, auf dem Gelände eines Seniorenzentrums in Mörlenbach ein Café zu eröffnen. Die passte genau in die Zeit. Ginader machte sich an die Planung. Torten backen, das geht trotz Mehlstauballergie hervorragend. Mit vielen Familienrezepten in der Tasche und einem hochwertigen Containersystem für die Gastronomie legte der damals 54-Jährige im April 2016 an besagtem Standort los.

Ein Name für das Café war auch schnell gefunden, schließlich ist er als Teil des Duos „Hannes und der Landrat“ auch als Comedian in der Region für Mundart-Theater bekannt. Es sollte die „Ourewäller Kuchestubb“ heißen. Vor allem traditionelle Kuchenrezepte aus dem Odenwald sollten eine große Rolle spielen. Das Café entwickelte sich schnell sehr positiv und die dort angebotene Qualität sprach sich herum. Nicht zuletzt auch durch die ständige Facebook-Präsenz, der Bernd Ginader viel Aufmerksamkeit schenkt und seine Kunden ständig mit Infos zu seinen neuen Kreationen versorgt.

Mittlerweile im zweiten Jahr der Selbständigkeit, hat Bernd Ginader bereits die nächste Wachstumsstufe genommen. Die alte Backstube am Wohnort in Mörlenbach-Bonsweiher wird reaktiviert und als Kuchenmanufaktur wiederbelebt. Bald soll der nächste große Schritt kommen. Sobald der nächste Bau im Seniorenzentrum fertig sein wird, will er vom Container dort in ein festes Café einziehen. Bis dahin wird noch etwas Zeit vergehen. Ginader will diese nutzen. Unter anderem beschäftigt er sich mit 3D-Druckverfahren für Lebensmittel und ist damit einer der Ersten, der diese personalisierten Lebensmittel anbieten wird.

Weitere Infos unter http://www.kuchestubb.de/

 

Preisträger Gründerwettbewerb Bergstraße-Odenwald

Kreis Bergstraße

Hauptpreis für Bärbel Jakob mit dem Gründungsvorhaben „Nibelungenhort“ in Bürstadt, einer Freizeiteinrichtung mit Rollenspiel- und pädagogischen Angeboten.

Preisträger „Gründung im Handwerk“, gesponsert durch die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main: David Falk Schneider aus Heppenheim mit seinem Parkettlegerbetrieb, einer von deutschlandweit nur 100 geprüften Restauratoren in diesem Bereich.

Sonderpreis „Junge Unternehmen im Wachstum“, gesponsert durch das Wald-Michelbacher Unternehmen B+S Haushaltswaren: Bernd Ginader als Mörlenbach mit seiner „Ourewäller Kuchestubb“. Dieser arbeitet mit einem 3D-Druckverfahren für Lebensmittel, mit dem sich lebensechte Miniaturfiguren auf die Torte zaubern lassen.

Odenwaldkreis

Kategorie „Klassische Gründungen und Unternehmensnachfolge“: Übernahme der Schreinerei Bellut in Airlenbach durch Moritz Schumacher. Dieser machte bereits mit 23 Jahren als Jahrgangsbester seinen Meistertitel im Schreinerhandwerk. Bisher schon Mitinhaber, soll Schumacher 2019 den Betrieb ganz übernehmen.

Kategorie „Sonderpreis im Handwerk“: AllWin Elektrotechnik Sergej Winschel, Erbach

Kategorie „Sonderpreis Junge Unternehmen im Wachstum“: Karo Kunststoffzerspanung Kai Frindt Michelstadt