2018 wird im Odenwald ein sehr gutes Honigjahr

„Wir haben ein Ausnahmejahr im positiven Sinne“, freut sich Hobbyimker Siggi Winkler. Denn die Honigernte verspricht sehr umfangreich zu werden. „Ich bin schon die ganze Zeit am Schleudern“, lächelt er. Die Menge hat gegenüber 2017 stark zugenommen. Der lange Winter hat seinen Worten zufolge die Völkerentwicklung zwar zunächst gebremst. Die relativ späte Wildkirschenblüte ließ die Bienenvölker dann aber „explodieren“. Zur Obst-, Löwenzahn- und Robinienblüte waren sie erstarkt und es gab viele Flugbienen. Die warme Witterung im Mai und Juni trug ebenfalls dazu bei, dass es viel Honig gibt.

„Im vergangenen Jahr sind Ende April durch die Spätfröste in unserer Region viele Blüten erfroren“, weiß der ehemalige Förster. „Es war zumindest bei mir kein gutes Honigjahr.“ Die Imker der Region werden aber in diesem Jahr „entschädigt“. So gleiche die Natur immer wieder sich selbst aus. „Ich habe in den vergangenen Wintern nie ein Volk verloren“, erzählt Winkler. In diesem Jahr büßte er aber im März eines ein, „weil mir ein Waschbär die Hartstyroporbeute zerstört hat“.

Beim Wort „Bienensterben“ fallen dem 69-Jährigen fünf Begriffe ein: ausgeräumte Landschaften, Pestizide, Monokulturen, Gentechnik und Bienenkrankheiten, besonders die Varroatose. Im Odenwald „sind die Landschaften noch überwiegend artenreich, strukturreich, vielfältig“, sage er. In der Rhein-Main-Ebene kommt seinen Worten zufolge aber bereits das Wort „ausgeräumt“ zum Tragen – ebenso im Norden und Osten der Republik, wo riesige Agrarflächen „bienenfeindlich“ strukturiert sind. „Dort gibt es schon in vielen Regionen keine Imker mehr.“

Damit einher geht oft ein übermäßiger Einsatz von Pestiziden. Sogenannte „Neonicotinoide“ haben laut Winkler zu zahlreichen Verlusten von Bienenvölkern geführt. Damit zusammen hängt auch regional das Verschwinden vieler Wildbienen, Schmetterlinge und anderer Insekten. Die Gentechnik spielt eher weniger eine Rolle. Der „berühmte“ Genmais 1507, dem ein insektentötendes Gen eingebaut wurde, „ist bei uns verboten“.

„Die Varroamilbe spielt aber eine große Rolle“, erläutert Winkler. Viele Imker bekämpften diese Krankheit zu spät. „Das ist in meinen Augen der Hauptgrund für Winterverluste.“ Dabei stünden zahlreiche Verfahren zur Verfügung, die ohne chemische Keule auskommen. „Der Fehler steht also oft vor dem Bienenkasten“, betont der Weiherer. Bei ihm werden ab dem 1. Juli die Honigräume geleert und es erfolgt die Varroabekämpfung mit einem Wirkstoff aus Thymian oder Ameisensäure.

„Wer das zu spät macht, hat geschädigte Winterbienen und schon im Oktober oder November leere Bienenbeuten“, warnt der Hobbyimker. Bienensterben in der hiesigen Region „wird selten durch Pestizide hervorgerufen“, so der Fachmann. Das sei eher in landwirtschaftlich intensiver genutzten Arealen der Fall. Es gab vor ein paar Jahren etwa 12.000 tote Völker durch Neonicotinoide, die seitdem geächtet sind und vor kurzem in der EU verboten wurden.

Heute gibt es seiner Kenntnis nach noch 700.000 bis 800.000 Bienenvölker in Deutschland. Seit einigen Jahren ist der Trend positiv: „Die Imkerschaft nimmt wieder zu“, freut sich der 69-Jährige. Es gebe zwar immer weniger Berufsimker, aber die Zahl der Hobbyimker steige an. „Erfreulich ist dabei auch die Zunahme an Imkerinnen“, so Winkler. Er unterstützt fünf Jungimker im ersten und zweiten Jahr als Pate – „die Mehrzahl davon ist weiblich“.

Siggi Winkler beschäftigt sich seit 45 Jahren mit den Bienen. „Ich habe zu Beginn meiner beruflichen Forst-Laufbahn im Taunus den Imkermeister Götz vom Bienenkundeinstitut Oberursel kennengelernt“, erzählt er. Der begleitete ihn das erste Jahr imkerlich, „was ungeheuer hilfreich war“. Seine Betriebsweise praktiziert der ehemalige Förster „mit kleinen Veränderungen noch heute“. Götz war einer der Pioniere der Varroabekämpfung.

Das erste Bienenvolk stellte ihm ein anderer Imker einfach neben die Haustür gestellt und meinte: „Mach mal.“ Im selben Jahr zog dann ein fremder Schwarm in eine leerstehende Beute (Bienenbehausung) ein. „Sie haben mich also gesucht und gefunden“, lächelt der Forstmann.

„Viele Menschen meinen, Waldhonig käme von der Blüte der Waldbäume“, plaudert Winkler aus dem Bienen-Nähkästchen. Der dunkle Honig stamme aber von verschiedenen Rinden- und Schildläusen auf den Bäumen. Die „Tannenhoniglaus“ ist ein Beispiel dafür. In der Region kommt Waldhonig oft auch von Fichte, Kiefer, Lärche, Eiche. Ihn gibt es nicht jedes Jahr. „In diesem Jahr wird es hier nur wenig Waldtracht geben, da die Population der Baumläuse gering ist“, erklärt er. Winkler beobachtet die Waldtracht unter anderem an den Waldameisen: Werden die Bäume stark von ihnen belaufen, ist mit einer Tracht zu rechnen.

Wild- und Honigbienen haben eigentlich wenig gemeinsam, so der Fachmann. Die Honigbiene sei ein domestiziertes „Haustier“, das ohne den Menschen in Mitteleuropa nicht mehr überlebensfähig wäre. Neben der Honigerzeugung „ist ihre Bestäubungsleistung höher zu bewerten“. Durch ihr Informationssystem über die Navigation von Sonne und Erdanziehung befliege ein „informiertes“ Volk gezielt die Blühpflanzen bis zu zwei Kilometer Umkreis des Bienenstandes.

„Ein Volk besteht im Sommer aus über 50.000 Bienen“, so Winkler: Das ist eine ungeheure Biomasse, die entscheidend für die „Nicht-Wind-Bestäuber“ unter den Pflanzen ist. „Wir haben in Deutschland etwa 500 Arten von Wildbienen“, sagt er. Fast alle seien Solitärbienen. Deren Gefährdung, genau wie die der Schmetterlinge, „stufe ich eigentlich höher ein als die Gefährdung der Honigbiene“, betont er.

Um Honig- und Wildbienen gleichermaßen zu fördern, bedürfe es eines ganzen Maßnahmenkatalogs. Die landwirtschaftlich genutzten Wiesen „sind oft überdüngt“. Fettgräser dominieren und Blühpflanzen haben vor allem dort keine Chance, wo der Kreiselmäher im Jahr mehrmals kommt. Wichtig für alle Insekten sind die (in der Regel ungedüngten) Wegeränder und Feldraine, Wegeböschungen und Waldränder.

Wenn dort eine Mahd erst ab August erfolgt, haben viele Insekten auf der vielfach artenreichen Krautflora ein Nahrungsgebiet, das verzahnt, mosaikartig und trittbrettartig in der Landschaft allen sehr von Nutzen ist. Für Wildbienen sind „Insektenhotels“ eine sinnvolle Sache. „Allerdings ist da auch viel Unsinn auf dem Markt“, sagt der Hobbyimker. „Heu, Stroh und Zapfen von Nadelbäumen sind nicht zielführend.“

Siggi Winkler wird kommendes Jahr 70 Jahre alt. Er war vor der Pensionierung 31 Jahre lang Forstbeamter in Birkenau. Davor war er fünf Jahre im Forstamt Königstein tätig. Dort kam er 1973 zum ersten Mal mit den Bienen in Berührung und fand zur Imkerei. Als Rentner betreut er zehn bis zwölf Völker, zu Berufszeiten waren es vier bis fünf. Winkler ist auch Ameisenschutzwart und besitzt die „Ausnahmegenehmigung“ des Regierungspräsidiums für Eingriffe in die geschützte Ameisenwelt, veranlasst durch die Ameisenschutzwarte Hessen.

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Verein Bushido Wald-Michelbach richtete internationales Karateturnier aus

Schnelligkeit sowie die absolute Beherrschung von Geist und Körper: Diese Attribute machen für Bundestrainer Klaus Bitsch die Faszination beim Kampfsport Karate aus. Dazu kommt noch trotz des „Draufhauens“, wie es der 54-Jährige schmunzelnd etwas plastisch ausdrückt, „der Respekt vor dem Gegner“. Beim „U21-Randori“ waren in der Großraumhalle 600 Starter aus 21 Nationen am Start, um sich für Europa- und Weltmeisterschaft zu qualifizieren.

Von den Mitgliedern seines Nationalkaders ist Bitsch überzeugt. „Da gibt es keine Überraschungen“, sagt er. „Wer sein Niveau mal hat, der hält es auch.“ Neben den Deutschen schätzt er auch  die Ungarn und Dänen als ziemlich starke Karate-Nationen ein. Allerdings laufen die Kämpfe im Modus jeder gegen jeden ab, weshalb alles möglich ist. „Es gibt 45 Finalkämpfe“, betont der Bundestrainer. In den verschiedenen (Alters-)Klassen ist somit alles offen. „Das wird ganz schön hart“, weiß er.

Klaus Bitsch wohnt zwar seit 27 Jahren nicht mehr im Odenwald, ist aber mit seinem Ourewällerisch selbst nach langer Zeit in Thüringen sofort als solcher zu erkennen. Er stammt aus Breitenwiesen, einem kleinen, zu Lautertal gehörenden Weiler. Das Turnier in Wald-Michelbach bezeichnet er als etwas Besonderes, da es das größte seiner Art in Deutschland ist. Es gibt noch ein weiteres im Westerwald und dann natürlich die Deutschen Meisterschaften, erläutert er.

„Alle, die in Deutschland im Karate eine Rolle spielen“, sind seinen Worten zufolge im Überwald am Start. Als Trainer „sieht er jeden gegen jeden kämpfen“, sagt Bitsch. Gerade die Konkurrenz mit anderen Nationen ist interessant. Die Creme de la Creme zwischen sieben und 21 Jahren ist hier am Start. Selbst die kleinsten Pimpfe haben die Bewegungen und Schreie schon voll drauf. Einer, der schon in den vorherigen Turnieren für Aufsehen sorgte, ist Mohamed Özdemir. Den nahm der Bundestrainer bereits bei früheren Teilnahmen in Wald-Michelbach in Augenschein. „Der ist jetzt so gut wie im Nationalkader“, weist er auf das große Talent des Kämpfers hin.

Markus Emmerich und den Helfern des Vereins Bushido ist es zu verdanken, dass das internationale Turnier nach dem Auftakt 2011 wieder einmal in Wald-Michelbach stattfand. Zwischendurch waren auch Mörlenbach und Rimbach dran.  Zur Eröffnung dieses besonderen Sportereignisses kamen auch Bürgermeister Sascha Weber und Landrat Christian Engelhardt vorbei. Grußworte entbot außerdem der Vizepräsident des deutschen Karateverbands, Falk Neumann.

Für den Verein mit seinen 50 Mitgliedern ist die Ausrichtung inzwischen fast Routine. Im ersten Jahr waren es noch 350 Starter, in Mörlenbach zwischenzeitlich 500, 2017 zählte man sogar 670 Teilnehmer. Unterstützung gibt’s von den befreundeten Vereinen in Mörlenbach, Rimbach, Viernheim und Birkenau, die bei der Organisation rund ums Turnier kräftig mit anpacken und die Verpflegung schmeißen.

Um das Sportliche kümmert sich Klaus Bitsch mit seinen Leuten. Island, Nepal, Saudi-Arabien oder Ägypten lauten unter anderem die Herkunftsländer der jungen Sportler. Die Internationalität zeigt sich auch am Stimmengewirr rund um das Verpflegungszelt. Luxemburg, Litauen, Polen, Frankreich, Schweiz oder Österreich sind andere Teilnehmerstaaten. „Ein solches breites Starterfeld findet man in Wald-Michelbach sonst bei Sportveranstaltungen nicht“, zeigt sich Emmerich stolz. „Sogar einer aus Hawaii war schon dabei.“ Denn das internationale Turnier des deutschen Karateverbands dient ja der Quali der Jugendlichen für EM und WM in Tokio im kommenden Jahr.

Für ihn ist es genau diese Internationalität, die das Besondere ausmacht. „Wir haben hier eine ganz tolle Atmosphäre“, schwärmt er.  Zusammen mit Eltern und Betreuern finden sich um die 1000 Besucher vor Ort ein. „Für uns als Verein eine große Leistung“, betont Emmerich. Was bedeutet, dass Hotels und Pensionen im Umkreis restlos ausgebucht sind. Aber die Erfahrung  macht es eben.  Samstagabend gab es die Übertragung des Pokalendspiels als weiteres Highlight.

Randori (japanisch wörtlich: das Chaos nehmen) ist eine Übungsform des Kampfes im Budō, den japanischen Kampfkünsten. Sinngemäß steht dabei der Übungskampf Randori dem Shiai − dem eigentlichen Wettkampf − gegenüber. Beim Randori geht es nicht um gewinnen oder verlieren, sondern darum die zuvor erlernten Techniken im Fluss des Kampfes anwenden zu lernen.

„Irish Voices“ entführen am Samstag, 14. April, in der Weiherer „Mühle“ nach Irland

Ein musikalischer Gruß von der Grünen Insel Irland weht durch den Landgasthof „Zur Mühle“: Am Samstag, 14. April, spielen dort die „Irish Voices“ ihr erstes „reguläres“ Konzert in diesem Jahr. Los geht es im romantischen „Heuwagenzimmer“ um 20 Uhr. Simone Köhler, Siggi Winkler und Friederike Hornauer nehmen das Publikum mit auf eine Reise durch die Zeit und die irische Geschichte. Mal melancholisch und tieftraurig, mal lebenslustig, vor Freude sprühend, sind die vielen Songs, die sie an diesem Abend darbieten.

Das Folktrio „The Irish Voices“ gibt es seit mehr als 13 Jahren. Mittlerweile umfasst das Repertoire der Gruppe über 200 überwiegend traditionelle, aber auch zeitgenössische Songs, Reels and Jigs. Dazu gesellen sich aber auch viele „exotische“ Titel. Eine Spezialität sind einige eigene Folks, besonders eigene oder überlieferte Odenwälder Mundartsongs.

Ihre Musikrichtung definieren die Drei als „Traditional Irish“ – nicht immer, aber überwiegend. Dafür stehen die traditionellen Instrumente Geige, Gitarre, Gitarrenbanjo, Bodhran, (Tin) Whistle, Viola, Querflöte und natürlich die Stimmbänder. „Keyboard, Schlagzeug und andere zeitgemäß opportune Instrumente sind bei uns nicht zu erwarten“, betont Simone Köhler.

Es werden jedes Jahr über Winter weiterhin neue Songs eingeübt. „The long run“, „Farewell to the Rhonda“, „The water is wide”, „Treat me doughter kindly”, „Any town in Ireland” oder „The working man“ sind einige der „neuen Lieder”. Teils sind sie populär, teils aber auch nur als „Local Songs” in Irland bekannt.

Balladen, fast schon a-cappella vorgetragen, mischen sich mit fetzigen Hornpipe-Songs aus den Pubs, bei denen die Zuhörer fast schon automatisch anfangen zu klatschen. Aktuelle Songs von irischen Popstars gibt es genauso zu hören wie alte, traditionelle Lieder, die mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel haben.

Der Weiherer Siggi Winkler ist Irland schon seit vielen Jahren mit Haut und Haaren verfallen. Über 20 Mal war er bereits dort, davon auch sechs oder sieben Mal in Connemara. Für die Iren war seit je her die Musik ein Ausgleich für Unterdrückung, entbehrungsreiches Leben und karge Landschaft, erzählt er. Das bunte Leben und Treiben in den Pubs, wo sie sich seit Jahrhunderten treffen, ist quasi ein Gegenpol.

Ihre Inspirationen bezieht die Irish-Folk-Gruppe oft an einer irischen Musikschule, bei der die Mitglieder seit Jahren regelmäßige Gäste sind. „Stillstand ist Rückschritt“, erklären Simone Köhler und Friederike Hornauer immer wieder. Daher gehören auch wiederkehrende musikalische Exkursionen auf die Grüne Insel zum „Pflichtprogramm“.

Neben der in den Songs thematisierten Auswanderung, die vor allem im 19. Jahrhundert die Grüne Insel schwer traf, steht auch immer der Widerstand gegen die Briten im Mittelpunkt der Tunes, Reels und Jigs. Oft zeigt sich darin die Kunst der Iren, aus einem Lied über ein trauriges Ereignis einen fetzigen Song zu machen. Der Wechsel zwischen getragenem Gesang hin zu einer flotten Melodie kennzeichnet ebenso etliche andere Lieder.

Info: Vorreservierungen für das Konzert der „Irish Voices“ am Samstag, 14. April, 20 Uhr, werden in der „Mühle“ unter Telefon 06209-1634 entgegengenommen. Weitere Infos unter the-irish-voices.chapso.de

Die „Irish Voices“ stehen in den Startlöchern für die neue Konzertsaison im Odenwald

Wenn die Natur in Deutschland erwacht, dann sprießen auch wieder die musikalischen Knospen von der „Grünen Insel“. Wobei die „Irish Voices“ beileibe nicht im Winterschlaf waren, sondern seit vergangenem Herbst kräftig an neuen Songs feilten. Die gibt es am Vorabend des St. Patrick’s Day erstmals in Mörlenbach zu hören, ehe dann im April das Jahresprogramm startet. Die ersten Auftritte der Irish-Folk-Gruppe aus dem Odenwald mit vielen neuen Songs und Tunes sind bereits unter Dach und Fach.

Die Konzerte der „Irish Voices“ versprühen immer gute Laune und sind prädestiniert für unterhaltsame Abende, bei dem das Flair der Grünen Insel mit jeder Faser zu spüren ist. Die Gruppe setzt bewusst nicht auf die irischen „Folk-Schlager“, wie sie hoch unter runter laufen, sondern will die ungefilterte Pub-Atmosphäre rüberbringen. Seit nunmehr 15 Jahren touren die Musiker mit ständig verändertem Programm. Sie wollten eigentlich alle niemals in einer Band auftreten, aber es hat sich durch ihre Liebe zur traditionellen irischen Musik „alles so ergeben“.

Zunächst waren Johanna Boch und Siggi Winkler als Duett auf privaten Feten und später auch öffentlich unterwegs. Dann wurden sie mit Simone Köhler zu einem Trio, später mit Friederike Hornauer zum Quartett. Im vergangenen Jahr musste Johanna Boch ihre Musikerfreunde aus gesundheitlichen Gründen verlassen, seitdem sind diese wieder als Trio unterwegs: musikalisch gereift, mit altem Konzept, aber neuen Ideen und immer wieder neuen Songs.

Ihre Musikrichtung definieren die Drei als „Traditional Irish“ – nicht immer, aber überwiegend. Dafür stehen die traditionellen Instrumente Geige, Gitarre, Gitarrenbanjo, Bodhran, (Tin) Whistle, Viola, Querflöte und natürlich die Stimmbänder. „Keyboard, Schlagzeug und andere zeitgemäß opportune Instrumente sind bei uns nicht zu erwarten“, betont Simone Köhler.

Mit inzwischen über 200 Songs und Tunes ist die Auswahl für ihre (O-Ton) „Konzertchen“ immer eine „Qual der Wahl“, schmunzelt Siggi Winkler. Aber es werden jedes Jahr über Winter weiterhin neue Songs eingeübt. „The long run“, „Farewell to the Rhonda“, „The water is wide”, „Treat me doughter kindly”, „Any town in Ireland” oder „The working man“ sind einige der „neuen Lieder”. Teils sind sie populär, teils aber auch nur als „Local Songs” in Irland bekannt.

Für Abwechslung sorgen immer einige eingestreute Ourewäller Mundartsongs, die überwiegend aus eigener Feder stammen. Die „Irish Voices“ wollen ihre regionalen Auftritte in diesem Jahr auf zehn begrenzen. Davon sind sieben öffentlich. Auf der Agenda stehen im Frühjahr zunächst zwei Konzerte: Saisoneröffnung ist am Vorabend des „St. Patrick‘s Day“ am Freitag, 16. März, um 19.30 Uhr im katholischen Pfarrheim Mörlenbach. Hierzu wird als „Schmankerl“ eine Fotoshow mit 1000 Bildern aus Irland vorbereitet.

Das eigentliche Premierenkonzert findet am Samstag, 14. April, in Weiher um 20 Uhr im Landgasthof „Zur Mühle“ statt. Vorreservierungen sind hierzu unter Telefon 06209-1634 zweckmäßig. Es folgen später Auftritte in Zotzenbach (Museum Rotes Haus, 3. Juni) und Birkenau (Bistro Toskana, 17. Juni). Ende September tritt das Trio traditionell im Nibelungencafé des Hotels Gassbachtal in Gras-Ellenbach auf.

Ihre Inspirationen bezieht die Irish-Folk-Gruppe oft an einer irischen Musikschule, bei der die Mitglieder seit Jahren regelmäßige Gäste sind. „Stillstand ist Rückschritt“, erklären Simone Köhler und Friederike Hornauer immer wieder. Daher gehören auch wiederkehrende musikalische Exkursionen auf die Grüne Insel zum „Pflichtprogramm“. Siggi Winkler kam erst vor wenigen Tagen von seinem 21. Aufenthalt aus Dublin zurück. Dort besuchte er ein Folkfestival und gewann die Erkenntnis, dass sich die Musikszene in Irland weiter verändert hat.

Dublin ist aber nicht Irland. Besonders in der Provinz kann man das echte Irland erleben, während sich Dublin mit der Zeit multikulturell entwickelt hat. Aber die Tradition lebt auch dort weiter, was der Weiherer bei einer Session an einer Musikschule in Dublin selbst erlebte. Es gibt viele junge, begabte Musiker. Das „Trinity College“ mit seinen über 1000 Schülern sowie zahlreiche Musikschulen in der Stadt und auf dem Lande sind die „Brutstätte“ dafür.

Info: Das komplette Programm zusammen mit den Auftrittsorten kann unter http://the-irish-voices.chapso.de eingesehen werden.

ISC Fürth hat den Aufstieg in die Fußball-Kreisliga B fest im Visier

Viel besser hätte es für den ISC Fürth eigentlich nicht laufen können. „Wir haben das ganz gut hingekriegt“, übt sich Spielausschussvorsitzender Teoman Asar augenzwinkernd in Understatement. Denn der D-Liga-Aufsteiger der vergangenen Saison hat ziemlich gute Chancen, in der Bergsträßer Fußball-Kreisliga C den Durchmarsch zu schaffen. Das Team führt derzeit unangefochten mit vier Punkten Abstand auf den Zweitplatzierten Türkspor Wald-Michelbach die Tabelle an. „Damit können wir leben“, lacht Asar.

Wobei: Besser geht immer. Der ISC hatte mitten in der Hinrunde mal einen Durchhänger und gab ohne Not zwei Spiele ab. Dann lief die Tormaschinerie aber wieder auf Hochtouren. „Es hätte mehr sein können“, sagt Asar deshalb. Wobei er sich wiederum mit Blick auf den Aufstieg zu Beginn dieser Saison mit dem Erreichten trotzdem sehr zufrieden zeigt. „Wir stehen sehr gut und wollen diese Position natürlich bis zum Rundenende halten“, betont der ISC-Mann.

Wenn das Bestehende funktioniert, gibt es auch keine Notwendigkeit für Änderungen. Deshalb gibt es auch keine Zu- oder Abgänge beim Tabellenführer. „Wir setzen auf unsere bewährten Kräfte“, sagt Asar. Auf die kommende Saison schaut man erst dann, „wenn der Aufstieg geschafft ist“. Doch logischerweise fühlt der Verein schon jetzt für den erhofften Fall der Fälle vor. „Wir sind schon in Gesprächen“, bestätigt der Spielausschuss-Vorsitzende verschmitzt. Denn der ISC will für die B-Liga gerüstet sein, sollte er in der kommenden Runde dort spielen.

Auch wenn die Ausbeute derzeit mehr als positiv ist, lässt sich natürlich immer noch etwas verbessern. Asar sieht Potenzial bei der Chancenverwertung. Obwohl der ISC oft Kantersiege einfuhr, ist noch Luft nach oben. Denn sollte man aufsteigen, werden die Spiele in der höheren Klasse sicherlich enger zugehen als jetzt, wo die gefährlichen Stürmer in 17 Begegnungen bereits 82 Tore erzielten.

Die Vorbereitungen für die restliche Saison laufen bereits. Sie spielen sich laut Asar nicht nur auf dem Platz ab. Im Fitnessstudio gibt es Kraft- und Boxtrainingseinheiten, auch wird Kondition gebolzt. Das Hallenturnier in Lorsch absolvierte die Mannschaft schon. Als Titelverteidiger fährt der ISC zum Turnier des FC Fürth. „Wir wollen uns wieder sehr gut präsentieren“, ist das erklärte Ziel des C-Liga-Primus. Ab dann geht es aber nach draußen, werden so viele Freundschaftsspiele wie möglich bestritten.

Das Ziel der Elf ist es, möglichst viel Kondition in der Winterzeit aufzubauen. „Bisher fehlte die uns immer“, weiß Asar. Doch eine gute Konstitution ist nötig, um zum Rückrundenstart gleich wieder in die Vollen gehen zu können. Deshalb gilt es das Vorbereitungsprogramm konsequent durchzuziehen. „Wir müssen als Führender noch eine Schippe drauflegen“, sagt er. Denn der Erfolg kommt nicht allein, „den bekommt man nicht geschenkt“.

Dem ISC-Mann ist klar, dass jede Mannschaft der C-Liga darauf lauern wird, dem Tabellenführer ein Bein zu stellen. Deshalb ist erhöhte Wachsamkeit angesagt, „damit wir Ende der Runde lachen können“. Unkonzentriert- und Überheblichkeit darf sich die Elf nicht leisten, weil diese dann gleich von den Gegnern bestraft werden. Asar schätzt das Team aber als charakterstark genug ein, um nicht diese Schwächen zu zeigen. „Die Spieler sind sich dessen bewusst, dass sie die Runde konsequent zu Ende spielen müssen.“

Ein harter Brocken wartet als Nachholspiel Ende Februar auf den Tabellenführer. Da muss der ISC bei der SG Gronau antreten, die sich in der Regel auf heimischem Rasen sehr stark präsentiert. Allerdings ist das Gelände auch sehr witterungsanfällig, weshalb ein Anpfiff nicht sicher ist. Der reguläre Start in die restliche Spielzeit dürfte dann nach menschlichem Ermessen ein Torfestival sein. Mit dem TSV Elmshausen reist der praktisch abgestiegene Tabellenletzte nach Fürth.

Julian Rettig und Heiko Schmidt wollen die zweite Mannschaft der KSG Mitlechtern zurück in die Erfolgsspur führen

Die KSG II zur Winterpause auf dem vorletzten Platz der Bergsträßer Fußball-Kreisliga C: „Wir hatten als Verein das Gefühl, dass es so nicht mehr funktionieren würde“, sagt Spielausschussvorsitzender Achim Tremper. In einem offenen, konstruktiven Gespräch kam der Vorstand mit dem bisherigen Spielertrainer Manuel Seberkste in beiderseitigem Einvernehmen zum Entschluss, die Zusammenarbeit zu beenden. In der Winterpause übernahmen die beiden KSG-Akteure Julian Rettig und Heiko Schmidt für den Rest der Rückrunde das Traineramt. Beide gaben auch schon für die Saison 18/19 ihre Zusage – unabhängig von der Klassenzugehörigkeit.

Der KSG-Vorsitzende Berthold Becker freut sich, dass die zwei Eigengewächse als favorisierte interne Lösung das Traineramt und somit die Verantwortung in einer schwierigen Phase übernehmen. Man erhofft sich so, eine nachhaltige Lösung für den Verein gefunden zu haben. Das Trainerduo ist davon überzeugt, mit einer begeisterungsfähigen Mannschaft und der nötigen Disziplin eine erfolgreiche Rückrunde zu spielen, um so den drohenden Abstieg zu vermeiden. Angepeilt wird das gesicherte Mittelfeld. Zur Elf wird auch Seberkste gehören, der dem Verein weiterhin als Spieler zur Verfügung steht.

Torwarttrainer Nino Babic verlängerte bereits ebenfalls für die kommende Spielzeit. Zusammen mit den beiden Erstmannschaftstrainern Özcan Sahin und Simon Eckert ist das Trainerteam komplett und für die Zukunft gut aufgestellt. Beide werden auch ihre Kollegen von der 1b tatkräftig unterstützen. „Es ist gut, dass jetzt frischer Wind reinkommt“, betont Tremper. So wie es bisher war, „konnten wir es nicht mehr laufen lassen“. Die Trainingsbeteiligung und Motivation ließen stark zu wünschen übrig. „Die Spielerdecke wurde immer dünner.“

Durch den Wechsel im Traineramt „hoffen wir auf ein Aufbäumen und eine neue Motivation“, erläutert der Spielausschussvorsitzende. Der Vereinsvorstand sprach bereits mit der Elf und verdeutlichte den Ernst der Lage. Zusätzlich soll in der Winterpause der eine oder andere Akteur reaktiviert werden, der bisher pausierte. Zu- oder Abgänge wird es laut Tremper keine geben. Bei den Schichtarbeitern will man erreichen, dass sie zumindest einmal in der Woche am Training teilnehmen und am Sonntag auf dem Platz stehen. Die bisherigen Verletzten nehmen zur Rückrunde das Training wieder auf.

„Die Mannschaft hat ein gutes Potenzial“, weiß Tremper. Mit Schmidt und Rettig hofft der Verein, dieses wieder reaktivieren zu können. „Die haben als langjährige KSG-Spieler vielleicht einen anderen, besseren Zugang zur Mannschaft“, hofft er. Denn es gibt einiges zu tun. Der Pressewart nennt das Defensivverhalten als „großen wunden Punkt“. Hinten stand die zweite Mannschaft nicht gut. „Wir haben uns zu viel in die Hütte reindonnern lassen.“ Zu einem Erfolg gehört aber auch das Tore schießen, woran es ebenfalls haperte. Inzwischen ist der erste Nichtabstiegsplatz bereits neun Punkte entfernt. Elf Spiele hat die KSG II im Rest der Runde noch zu bestreiten.

Um eine eingeschworene Truppe zu formen, die dann wieder den Anschluss ans Mittelfeld findet, sieht er die beiden Trainer als sehr geeignet an. „Wir setzen auf die Veränderung und schauen, dass es hinhaut“, so Tremper. Damit es besser werden kann, muss man erst einmal etwas ändern, sagt er. Während Heiko Schmidt auf dem Platz mit ins Geschehen eingreift, wird Julian Rettig von der Außenlinie her dirigieren. „Das ist stimmig“, freut sich Tremper.

Eine Turnierteilnahme ist in der Winterpause nicht geplant. Ein paar Vorbereitungsspiele will die KSG II noch absolvieren, bevor am 25. Februar das Nachholspiel gegen die SG Riedrode II stattfindet. Keine einfache Aufgabe, aber gegen den Tabellenneunten sollte was Zählbares her, um wieder auf die Erfolgsspur zu kommen. Der gemeinsame Trainingsauftakt findet deshalb auch bereits eine Woche früher am 21. Januar statt.

Überdüngung in der Landwirtschaft: Es flattern immer weniger Schmetterlinge durch die Lüfte

Das Bienensterben hat es mittlerweile ins öffentliche Bewusstsein geschafft. Aber dass sich die Schmetterlingspopulation genauso rasant in Luft auflöst wie die Verbreitung von Maja, Willi & Co., ist noch nicht in den Köpfen angekommen. Dabei ging bei den Tagfaltern seit Mitte der 70er Jahre die Zahl der Wiesenarten um 73 Prozent zurück, stellte der renommierte Biologe Professor Josef H. Reichholf in einer Studie für die Deutsche Wildtier-Stiftung fest. Das kann vor Ort auch der passionierte Hobby-Entomologe Siegfried Winkler bestätigen.

Der 68-Jährige ist seit Jahrzehnten in einer AG aktiv, die in Hessen die Insektenfauna monitorisch begleitet und mit dem Frankfurter Senckenberg-Museum zusammenarbeitet. Chef der ArGeHeLep (Arbeitsgemeinschaft hessischer Lepidopterologen) ist der Leiter der entsprechenden Museumsabteilung, Dr. Wolfgang Nässig. „Wir machen insektensoziologische Studien über Schmetterlinge auf bestimmten Flächen“, so Winkler. Der ehemalige Revierförster ist dabei überwiegend auf den Gemarkungen Birkenau und Mörlenbach aktiv.

Betroffen vom Rückgang ist nach den Beobachtungen des Studienverfassers Reichholf vor allem die Agrarlandschaft, bedingt durch Verluste an Wildpflanzen durch Herbizide und durch Überdüngung. Bei den Waldarten und in den Städten gebe es keinen vergleichbaren Schmetterlings-Rückgang, auch wenn einige, insbesondere größere Arten „äußerst selten geworden sind“. Reichholf stellt ganz klar fest: „Der gesetzliche Artenschutz ist mit den bisherigen Mitteln nicht in der Lage, diese Entwicklung aufzuhalten.“

Da helfen dann eher zusätzliche Maßnahmen wie sie auch in der Region ergriffen werden. Winkler entdeckte bei seinen Studien Flächen, die zum Teil  auf natürliche Weise durch die Landwirte  zugunsten der Falterfauna gepflegt werden. Eine Wiese in Birkenau wurde von der Gemeinde gekauft und wird durch diese mit Blick auf Schmetterlinge (sogenannte „Widderchen“) und Orchideen unterhalten. Ein weiterer, selten gewordener Falter fliegt auf einer Waldwiese in Weiher, die – mit Hilfe des Forstamtes Lampertheim – durch den Pächter besonders gepflegt werden muss. So gibt es nur eine jährliche Mahd im August.

Siggi Winkler war in seinem „Berufsleben“ neben dem Försterjob viele Jahre im Auftrag von Hessen-Forst Waldschutzbeauftragter für Südhessen und „damit so etwas wie Spezialist für Krabbeltiere“. Als Ameisenschutzwart ist er weiterhin tätig und ein gefragter Mann, wenn Millionen an einen neuen Platz gebracht werden sollen. Ein paar Jahre war er auch in einer Waldschutzgruppe aktiv, die dem Ministerium aus der Praxis zuarbeitete.

„Ich habe sicher etwa 100 Schmetterlinge vom Ei bis zum Falter gezüchtet“, sagt der passionierte Naturfan. „Einheimische Arten lasse ich dann immer wieder frei und helfe damit den hiesigen Populationen“. Bei Exoten darf man das nicht (Stichwort Faunenverfälschung).

In Weiher gibt es laut Winkler eine Wiese, auf der zwei Arten des „Ameisenbläulings“ fliegen. Die Falter legen die Eier auf dem „Großen Wiesenknopf“ (Sang. Officinalis) ab. Die Räupchen fressen dort nach dem Schlupf in der Blüte. Nach der ersten Häutung lassen sie sich auf den Boden fallen und werden dort von Knotenameisen in deren Nest getragen. Die Räupchen leben danach in den Nestern von der Brut und geben so etwas wie „Honigtau“ ab, den die Ameisen zu ihrer Winterernährung benutzen. „Also eine echte Symbiose, eine Win-Win-Geschichte“, lacht der ehemalige Förster. Im nächsten Jahr fliegen die Falter im Juli aus.

Es gibt laut Winkler etliche Möglichkeiten für hiesige Landwirte und Privatleute, um die Insektenpopulationen in der Region zu stabilisieren. Dazu zählt etwa die extensive Beweidung landwirtschaftlicher Flächen. Hierfür existieren schöne Beispiele auf Gemarkung Zotzenbach. Sehr wichtig ist Düngeminimierung oder -verzicht. Für die Anlegung von Ackerrandstreifen gebe es diverse Programme und Zuschüsse durch die Landwirtschaftsämter, weiß er. Sinnvoll sind auch Feldholzinseln, sprich die Pflanzung insektenfreundlicher Sträucher. Auf Gemarkung Birkenau in Zusammenarbeit von Gemeinde, Jagdpächtern und Forst werde dies praktiziert, so der ehemalige Förster.

Josef H. Reichholf ist ein Pionier der Naturschutzbewegung. Er gründete 1972 mit Heinz Sielmann, Horst Stern, Bernhard Grzimek und Hubert Weinzierl die „Gruppe Ökologie“. Der 72-Jährige ist Träger der Treviranus-Medaille, der höchsten Auszeichnung des Verbands deutscher Biologen. Er warnt in seiner Studie eindringlich vor dem „Verschwinden der Schmetterlinge“. Seine Zählungen weisen darauf hin, dass seit den frühen 80er Jahren die Häufigkeit nachtaktiver Flattermänner um 50 Prozent und die Zahl der Arten um mehr als die Hälfte zurückgegangen ist.

Reichholf stellte einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Flurbereinigung, Umstellung großer Teile der Landwirtschaft auf Maisanbau sowie Stallviehhaltung mit Güllewirtschaft fest. „Für die Abnahme der Schmetterlingshäufigkeit sind die Veränderungen entscheidend.“ Laut dem Biologen wurde Mais in vielen Landesteilen zur dominierenden Feldfrucht. Die großen Anbaugebiete „zeichnen sich durch ein besonders hohes Maß an Überdüngung, also Stickstoff-Überschuss, aus“.

Dadurch fallen laut dem Schmetterlingskenner die meisten Raupenfutterarten aus, weil einige wenige Pflanzen begünstigt werden. Es entsteht darüber hinaus ein feuchtkühles Bodenklima, das etliche Arten verschwinden lässt. Wildpflanzen würden außerdem durch Herbizide fast vollständig beseitigt. Dazu kommt noch die Behandlung mit Insektiziden, so der Biologe.

Reichholf fordert deshalb: „Der Überdüngung muss Einhalt geboten werden.“ Besonders die Grünlanddüngung sollte entschieden reduziert werden. Gleichzeitig spricht er sich dafür aus, dass viel mehr Magerwiesen notwendig sind, auf die überhaupt kein Dünger kommt. Naturschutzverbände könnten Flächen erwerben, „gerade auch aus der intensiv genutzten Landwirtschaft heraus“. Damit lasse sich zeigen, „dass der Artenschwund zu stoppen ist“.

Artenreiche Waldwiesen und Lichtungen sollten sich nach den Worten von Reichholf selbst überlassen bleiben. „Dafür könnten die Staatsforstbehörden sorgen.“ Auch können Privatleute dem Biologen zufolge mit guten Beispiel voran gehen und in ihrem Garten Biotope für Schmetterlinge, Wildbienen & Co. schaffen. Er schließt seine Betrachtung mit den Worten: „Es liegt an uns, ob die Schmetterlinge eine Zukunft haben und ob auch die kommenden Generationen die Faltervielfalt noch erleben.“

Wie lässt sich direkt etwas für die Schmetterlinge tun?

  • Ankauf von Flächen durch die öffentliche Hand oder Naturschutzverbände (Stichwort „Trittsteine“)
  • Weniger Mulchen in der „freien Landschaft“. Mehr extensive Mäharbeiten mit Abtransport des Mähgutes
  • Pflanzung oder zumindest Belassen von Sträuchern an Wald- und Wegrändern
  • Besonderes Augenmerk verdienen Eichen und Pappeln. Sie beherbergen die meisten Insekten
  • In Gärten und in der Feldflur können kleine verwilderte Ecken mit krautigen Blühpflanzen für Insekten wichtige Nahrungsquellen sein
  • Einsaat sogenannter „Blühwiesen“ (z.B. Phacelia oder Blühmischungen)
  • Sommerflieder („Schmetterlingsstrauch“) wird in Gärten gerne von Schmetterlingen besucht
  • Reduktion oder Verzicht von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden sowie Stopp der rasant fortschreitenden Versiegelung von Landschaftsteilen

 

 

Actias dubernardi ist ein Schmetterling (Nachtfalter) aus der Familie der Pfauenspinner (Saturniidae).