Der einheimische Bläuling leidet besonders unter dem Klimawandel

„Die Insektenpopulationen sind dramatisch auf dem Rückzug“, weiß der Weiherer Hobby-Entomologe Siegfried Winkler, der sich dem Thema bereits ein knappes halbes Jahrhundert widmet. Für den ehemaligen Förster war und ist die heimische Natur mit ihrer Artenvielfalt schon seit jeher nicht nur Beruf, sondern Passion. Aktuell macht er die Gefahr für das Fortbestehen etwa von Schmetterlingen Arten am stark bedrohten Wiesenknopf-Ameisenbläuling fest.

Es gibt in der Region den hellen und der dunklen Ameisenbläuling. Bei Weiher, Schlierbach und Wahlen sind laut Winkler Wiesen bekannt, die in Jahren mit normalen Niederschlägen diesen seltenen, europaweit besonders geschützten Arten eine Heimat geben. Die kleinen Bläulinge fliegen im Juli. Sie legen nach der Paarung ihre Eier in der Blüte des „Großen Wiesenknopfes“. Dort entwickelt sich das kleine Räupchen bis zur dritten Häutung.

Danach lässt sich die kleine Raupe auf den Boden fallen. Dort wird sie von einer bestimmten Ameisenart gefunden und ins Nest getragen. Hier wird nun aus dem Veganer ein Fleischfresser. Die Raupe lebt fortan von der Ameisenbrut. Etwa 600 Larven und Puppen vertilgt sie im weiteren Verlauf ihres Lebens. Bei dieser Symbiose profitieren die Ameisen von einem zuckerhaltigen Sekret, das die Raupe abgibt. Im nächsten Jahr schlüpft der Falter im Ameisennest, muss sich dann aber sputen, dieses zu verlassen, da die Ameisen jetzt keinen Nutzen mehr verspüren und ihm nachstellen.

Der „Große Wiesenknopf“ entwickelt sich auf wenig gedüngten Feuchtwiesen nach der ersten  Mahd, nach der Heuernte Ende Mai/Anfang Juni. Der Zeitpunkt ist für Winkler entscheidend für das Vorkommen der Schmetterlinge. Erfolgt die Mahd zu spät, kann die Pflanze ihre Blüte nicht mehr entwickeln.

Das passiert aber leider auch, wenn nach der Mahd eine Trockenperiode das feuchtigkeitsliebende Gewächs ausbremst. Ohne Blüte haben die eierlegenden weiblichen Falter keine Chance, ihre Fracht los zu werden. „Das ist leider die momentane Situation auf vielen Wiesen“, bedauert der Weiherer. Das Wachstum stockt nach der Heuernte, der Wiesenknopf kann sich nicht gut entwickeln, die Pflanze blüht nicht. „Keine Blüte, kein Nachwuchs für die Ameisenbläulinge.“

Viele Menschen bemerken, dass vielerorts die Schmetterlinge gegenüber dem Vorjahr stark abgenommen haben, sagt er. Das lag an der Hitze und dem damit verbundenen Vertrocknen zahlreicher Futterpflanzen für die Raupen im vergangenen Spätsommer und Herbst. So hatte der Schwalbenschwanz entgegen seiner üblichen Gewohnheit eine dritte Generation im September.

Dessen Nachkommen konnten sich aber an der vertrockneten „Wilden Möhre“ nicht fertig entwickeln. Solche Populationsschwankungen aufgrund kleinklimatisch „schwieriger Jahre“ kann die Natur aber wieder ausgleichen. Häufen sich aber diese „schwierigen Entwicklungsjahre“, sterben Arten aus.

Mit der „Krefelder Studie“ und den Veröffentlichungen von Prof. Reicholf (TU München) wurde 2017 von den Medien aufgegriffen, was Entomologen, die überwiegend unbeachtet von der Öffentlichkeit ihren Forschungen nachgehen, schon lange wussten, schildert Winkler: Die Insektenpopulationen sind dramatisch auf dem Rückzug. Gründe dafür sind vielfältig: veränderte Landwirtschaften mit vermehrten Maisanbau und dem Einsatz von Neonicotinoiden, Düngung, Rückgang von Brachflächen oder Versiegelungen.

Die Erwärmung des Klimas spielt dabei auch eine Rolle, erläutert er. Seit den 90er Jahren habe sich in der Region der Eichenprozessionsspinner breit gemacht – ein Schmetterling, der vorher nur aus mediterranen Gebieten bekannt war. Auch der Schwammspinner, eigentlich schon immer hier beheimatet, hat sich durch warme Sommer besser entwickelt als zuvor.

Lästige Schwammspinnerraupen-Invasionen erregten die Gemüter durch lokales Massenauftreten in Thüringen, Sachsen und Bayern. Im Gegensatz zum Eichenprozessionsspinner „sind die Raupen aber nicht gesundheitsschädlich“. So profitieren manche Insekten von der Klimaveränderung, weiß der Fachmann. Aber: „Viele unserer durch lange Zeiträume evolutionärer Prozesse hier heimische Arten können sich nicht rasch genug anpassen.“

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Solardraisine 2.0 braucht mindestens ein Drittel weniger Strom

Der Betrieb der Solardraisine soll wirtschaftlicher werden, das Fahrerlebnis für Kunden angenehmer, die Schadensanfälligkeit geringer: So lassen sich die drei Ziele zusammenfassen, denen sich im Auftrag der Überwaldbahn gGmbH Uwe Kilian und Denis Rizvic aus dem Weschnitztal mit ihren Firmen verschrieben haben. Sie bringen nach und nach die Fahrzeuge auf den neusten technischen Standard. Auf Einladung der Draisinenfreunde gab es jetzt eine Testfahrt mit einem bereits umgerüsteten Vehikel.

„Wir haben die Solardraisine nicht neu erfunden“, betonte Uwe Kilian. Die früher zuständige Firma Mühlhäuser habe bei Inbetriebnahme vor sechs Jahren auf damals aktuelle und bewährte (Schaltschrank-)Technik zurückgegriffen, erläuterte er. Die wurde jetzt komplett „upgedatet“. Weniger und kleinere Bausteine bedeuten eine geringere Störanfälligkeit. Die jetzt verwendeten Elemente kommen aus der Elektromobilität, die wetterbedingte Einflüsse „gewöhnt“ ist. „Wir haben die Fortentwicklung der Technik in den vergangenen Jahren genutzt“, sagte Kilian.

So kann das Personal bei Ankunft im Bahnhof den Lithium-Akku per Handy-App auslesen. „Damit können wir gleich reagieren, damit es keine Ausfälle mehr gibt“, verdeutlichte er. „Man sieht auf einen Blick was mit dem Fahrtzeug passiert.“ Sollte etwas nicht stimmen, dann lassen sich die einzelnen Elemente in einer halben Stunde austauschen, sodass die Draisine weiterfahren kann, während am Kasten geschraubt wird.

Die Umrüstung der Akkus, wie die Schaltkästen auch mit Steckverbindungen versehen, kostet pro Stück 6000 Euro, ging Kilian auf die Zahlen ein. Das Gerät eines renommierten Herstellers habe sieben Jahre Garantie. Der Austausch der Steuerung kostet noch einmal 3000 Euro. Man sei damit zwar pro Stück 300 Euro über dem ersten Angebot, aber es gebe dadurch auch potenzielle Verbesserungen: so ein Abstandssensor oder die Abschlepp-Erleichterung. Das System ist modular aufgebaut, sodass Erweiterungen integriert werden können

„Wir wollen die Folgekosten senken“, betonte der Fachmann. Das Erlebnis der Solardraisinenfahrt bleibt für die Touristen wie bisher, „aber der Mensch kann so wenig wie möglich falsch machen“. In Vorbereitung ist auch eine App, mit der genau bestimmt werden kann, wo sich die Draisinen gerade befinden. Das erleichtert den Vor-Ort-Service, sollte ein Gefährt stehenbleiben.

Kilian rechnet damit, dass sich der Stromverbrauch um mindestens ein Drittel reduzieren wird. Denn bergab wird Strom nun bis zu zwei Kilowatt produziert und direkt in den Akku eingespeist. Damit müssen die Fahrzeuge nur noch nachts geladen werden, führte er aus. „So fallen auch die vielen Kabel im Draisinenbahnhof weg.“ Durch die Stromproduktion schaffen die Fahrzeuge nun einen Durchlauf von vier Fahrten.

Auf der Fahrt, die bis zum Mackenheimer Viadukt führte, erläuterte Denis Rizvic einige von ihm vorgenommene Verbesserungen. Wo vorher ein Drehknopf mit den Stufen 1 bis 4 war, der verschiedene (nicht vorhandene) Gänge vorgaukelte, gibt es nun nur noch einen Schlüssel, der vom Servicepersonal bedient wird. Mit den neuen Generatoren „ist das Fahren viel sanfter“, verdeutlichte er. Die Pedale reagieren schon auf den ersten Druck. Damit werden auch die Getriebe geschont.

Weiterhin wurde Rizvic zufolge eine Lärmquelle rausgenommen. Vorher klapperten die gelben Kunststoffplatten direkt am Alurohr, jetzt wurden sie genietet und haben keinen direkten Kontakt mehr zum Wagen. „Damit ist die Schwingung draußen.“ Aktuell haben die Draisinen noch einen Kettenantrieb. Ein Riemenantrieb, sagte er, wäre zwar besser, weil er weniger Geräusche produziert. Allerdings müsse dies noch „technisch durchdacht werden“. Er ist auch noch ein weiterer Kostenfaktor. „Quasi die Kür“, so Kilian.

Die bisher zeitverzögerte Abfahrt vorher nach etwa zehn Sekunden „ist jetzt sofort möglich“, erklärte Rizvic. Denn: „Die Kunden wollen nicht noch warten“, weiß er. Draisine 21 gehört zu denen umgerüsteten der ersten Stunde, die seit Frühjahr im Einsatz sind. „Bei 100 Fahrten nicht ein einziger Ausfall“, freute er sich.

Auch die Kundenrückmeldungen waren positiv. Natürlich, so seine Einschränkung, wird es immer Verschleiß geben. Auch ist die Elektronik nicht vor Störungen gefeit. Drei neue Modelle sind bereits im Einsatz, das vierte ist in der Prüfung, weitere sollen in diesem Saison noch folgen. Mindestens eine Woche pro Fahrzeug brauchen die Fachleute für die Umrüstung.

Vereinsvorsitzender Peter Maier sagte zum Hintergrund des Treffens, „dass wir uns gerne aus erster Hand über die technischen Neuerungen informieren wollten“. Gerade der Zustand der Lade-Elektronik war von Interesse. Außerdem wollte der Verein wissen, wie es weitergeht, nachdem die Firma Mühlhäuser nicht mehr im Boot ist. Die Einladung wurde auf die Mitglieder der Gesellschafterversammlung erweitert. Doch das Interesse war überschaubar, gerade einmal zwei besetzte Fahrzeuge machten sich auf den Weg.

„Die Solardraisine ist relativ stark ausgebucht“, meinte Katharina Indinemao, Assistenz der Geschäftsführung, mit Blick auf die laufende Saison. Vor allem der Familiendonnerstag werde gut angenommen. Der Freitagmorgen schwächelt noch etwas, aber von nachmittags bis Sonntagsabend „ist fast alles ausgebucht“. Für diese Zeiten gebe es bereits Vorlaufzeiten von sechs bis acht Wochen. Sie stellte eine höhere Frequenz gegenüber der vergangenen Saison fest. „Wir beraten intensiver, um die Auslastung zu verteilen“, erläuterte Indinemao. Als Ziel nannte sie das langjährige Mittel von 35.000 bis 40.000 Fahrgästen im Jahr. Nach einem guten April und durchwachsenen Mai „setzen wir jetzt auf gutes Wetter“.

Artenschutz beim Windradbau: „Wer bedrohte Vogelarten finden will, der findet sie auch“

Wie bestellt fliegt zum Ortstermin ein Schwarzmilan vorbei. „Ich beobachte hier 20 Überflüge pro Tag“, erzählt Dirk Bernd. Nicht nur des Schwarzen, auch seines roten Bruders. Der Artenschutzgutachter aus Lindenfels steht gerade auf einem Feldweg zwischen Weschnitz und Ober-Ostern, unterhalb der Windenergieanlage Kahlberg, von dem aus man eine herrliche Sicht bis zu Schloss Reichenberg, zu Stotz und Range, Richtung Rohrbach mit Lärmfeuer und Morsberg sowie Hammelbach hat.

Dirk Bernd sieht sie alle, die bedrohten Arten. Die auf der roten Liste stehenden Schwarzstörche fliegen bei seinen Untersuchungen mehrmals am Tag vorbei. „Ginge es nach dem Artenschutz, dürfte im Odenwald kein einziges Windrad betrieben werden“, macht der renommierte Fachmann klar. Denn wer will, der findet. Und zwar reichlich. Nicht nur vorbei fliegende Tiere, sondern auch Horste. „Wir haben hier ein Brut- und Nahrungshabitat für Rot- und Schwarzmilan, ein Dichtezentrum mit regelmäßigen Überflügen“, hebt er hervor.

Die Betonung Bernds liegt auf dem Wollen. Er wurde bei seinen faunistischen Gutachten bisher in allen Gebieten fündig, wo vorher bestellte Gutachter der Betreiber so gut wie nichts entdeckt hatten. Auf seinen Untersuchungen basieren im Odenwald sämtliche sogenannten „Weißflächen“ im aktuellen Windkraft-Regionalplanentwurf, wo aufgrund der Gutachten-Ergebnisse die Planungen erst einmal zurückgestellt werden. Heute entscheidet in Frankfurt die Regionalversammlung über diesen Plan. Eigentlich, sagt Bernd, müssten die Windkraft-Planer diese Aufgaben übernehmen. „Aber die könnten ja bei Funden nichts durchbringen.“ Und zu finden gibt es viel.

Dirk Bernd ist in seinem Element, wenn er über seinen Beruf spricht. Man merkt ihm die Sorge um die Natur an. „Es ist extrem, was wir hier kaputt machen“, bedauert er. „Ich mache es für die Sache und hoffe, dass es was bringt.“ Um gleich danach den Finger in die Wunde zu legen: „Unseriöser geht’s kaum“, meint er zur bisherigen Genehmigungspraxis bei Windkraftanlagen, seien es nun Greiner Eck, Stillfüssel oder Kahlberg. „Der Willkür ist Tür und Tor geöffnet.“

Die fünf Windräder auf dem Kahlberg drehen sich an diesem Tag mit etwa 150 Stundenkilometern, schätzt der Gutachter. 300 sind das Maximum. 2016 beobachtete er hier noch 30 Überflüge des europaweit geschützten Rotmilans an einem Tag. Als dann gerodet wurde, waren die entstandenen Freiflächen ein beliebtes Jagdrevier des Raubvogels. „Die Zahl der Überflüge blieb gleich, aber die Verweildauer stieg auf das Sechsfache an“, beobachtete er.

Mit dem Start der Rotoren begann das große Gemetzel. „Eine Zeitlang geht das noch gut“, weiß der Fachmann. Aber nicht lange. Denn der Rotmilan, an der Spitze der Nahrungskette, „erkennt die Rotoren nicht als Gefahr“, erläutert Dirk Bernd. Er fliegt zwischen ihnen hindurch und spielt unfreiwillig Russisch-Roulette. Mal geht es gut, mal nicht. Eine Tötung des Vogels wird für ihn deshalb billigend in Kauf genommen. „Das ist absolut wiederrechtlich und illegal“, macht er seinem Frust Luft.

Die aktuell 40 und mehr werdenden Windräder im Odenwald „hält keine Rotmilan-Population aus“, warnt er. Die Bestände an Vögeln „werden den Planungen angepasst“, kritisiert der Gutachter. Nicht nur bei diesen: Abstände zu Quartierbäumen der Mopsfledermaus wurden laut Bernd immer mehr verringert, von 5000 auf jetzt 200 Meter. „Sonst könnte man etwa im Spessart überhaupt kein Windrad bauen.“

Dirk Bernd machte auch zahlreiche Brutpaare des Rotmilans im Bereich um den Kahlberg aus. „Die drei am nächsten gelegenen waren ein Jahr später (nach Inbetriebnahme des Kahlberg-Windparks, d.Red.) nicht mehr da“, klagt er an. „Die Projektierer haben keinen davon gesehen“, moniert er. Dabei gehören doch „Rotmilan und Odenwald zusammen“, weist er auf das hohe Vorkommen hin.

Bei Raumanalyen „kann man tricksen“, schildert der Planer. Das betreffende Gebiet wird in bestimmte Raster eingeteilt, die weniger beflogenen werden rausgezogen und für Windradbebauung zur Verfügung gestellt. Nur: „Der Rotmilan hält sich nicht an Flugbahnen und Rasterkästchen.“ Diese Art der Arbeit dient seiner Meinung nach nur dazu, „die Pläne zu realisieren“. Aus Erfahrung weiß Bernd, dass sich Raumanalysen von einem zum anderen Jahr „diametral unterscheiden“. Die Vögel fliegen nicht dahin, wohin sie sollen.

„Wenn einer nichts sehen will, ist immer eine Genehmigung zu kriegen“, schildert der Fachmann. Damit war es einfach, meint der Gutachter ironisch, „kein erhöhtes Tötungsrisiko festzustellen“. Denn dessen Existenz würde das Aus für einen Windpark bedeuten. Da aber genau dieses nach all seinen Untersuchungen besteht, „dürfte hier (und damit meint er den ganzen Odenwald, d.Red.) nicht gebaut werden“.

„Egal wo ich nachgeschaut habe, ich habe immer etwas gefunden“, verdeutlicht Dirk Bernd die existierenden Populationen. Und fügt hinzu: „Ich kann meine Argumentation sehr gut begründen.“ Er arbeite mit den aktuellen Methoden-Standards, dokumentiere seine Sichtungen in der Regel mit Bildern.

Stellt Bernd etliche Überflüge und Horste bedrohter Arten fest, ein anderer, von den Firmen beauftragter Gutachter aber nicht, „folgte die Genehmigungsbehörde dem politischen Druck“, moniert er. Und winkte die Windräder durch. Erst in letzter Zeit ändert sich daran etwas, siehe Weißflächen.

Wobei diese ja auch nicht für alle Zeit aus der Planung sind, sondern nur ein paar Jahre. Was für den Fachmann absoluter Blödsinn ist. „Der Schwarzstorch hält an seinem Revier fest“, betont er. „Der ist eigentlich nie weg.“ Horste werden im Umkreis von ein paar hundert Metern gebaut. Damit sind laut Bernd die Weißflächen Augenwischerei, da sich der Status Quo nicht ändern wird. Außer es werden die Bäume gefällt, wo sich die Horste befinden, wie es vergangenes Jahr am Morsberg bei Reichelsheim geschah. Und selbst dann bauen der Rotmilan oder Schwarzstorch im Umfeld einen neuen Horst, den es dann wieder zu finden gilt.

Info: Dirk Bernd hat ein Buch zum Thema veröffentlicht: „Windindustrie versus Artenvielfalt – Eine Studie über die Auswirkungen der Windenergienutzung auf Großvögel- und Fledermausarten am Beispiel Odenwald und weiteren Mittelgebirgsräumen“. Man kann es kostenlos als Pdf unter www.muna-ev.com/veröffentlichungen/ herunterladen.

Kahlberg-Schwarzstörche

Die Windräder am Kahlberg „liegen zwischen den Horsten von drei Schwarzstorch-Brutpaaren“, sagt Dirk Bernd. Die gehen an Weschnitz und Ulfenbach zur Nahrungssuche runter und überfliegen dabei regelmäßig die Rotoren. Aufgrund des Flugradius’ der Tiere „müsste man in einem Zehn-Kilometer-Umkreis prüfen“, hebt er hervor. Obwohl der Genehmigungsbehörde Bilder von Schwarzstörchen, sogar von einem Paar aus den Monaten Mai und Juni vorlagen, sei der Windpark in Betrieb gegangen. Begründung: „Die Vögel könnten auf dem Zug gewesen sein.“ Der Gutachter weiß nicht, ob ihn das zum Lachen oder Weinen bringen soll. Denn: „Die Schwarzstörche kommen bereits im März.“ Sein Fazit: „Es wird gebogen und gelogen, um eine Genehmigung zu erhalten.“

Zur Person

Dirk Bernd (47), aus Heppenheim stammend, wohnt seit zwölf Jahren in Lindenfels und betreibt dort ein Büro für Faunistik und Landschaftsökologie. Er erstellt als Gutachter Flächennutzungspläne für Gemeinden, ist für Fauna und Flora in kommunalen Bebauungsplanverfahren etwa für Gewerbe- und Wohngebiete zuständig. Am Kahlberg, im Dreieck zwischen Weschnitz, Grasellenbach und Mossautal, war er für die dortige Bürgerinitiative tätig, als Artenschutzgutachter in Reichelsheim – bei Stotz und Range – ebenso für die Gemeinde wie im Mossautal oder Breuberg. „Ich stehe auf einer Anhöhe und schaue das Plangebiet entlang“, beschreibt der Gutachter seine Arbeit. Das geschieht in einem Umkreis von sechs bis zehn Kilometern mit Fernglas und Spektiv. Zur Dokumentation hat Bernd eine Kamera mit 600mm-Objektiv dabei.

„Der Energiewandel muss intelligent gemacht werden“, fordert er. Man kann nicht einfach zwei Prozent der Landesfläche für Windkraft ausweisen, „aber nicht wissen, wie das umgesetzt werden soll“, kritisiert er. Die dadurch bisher entstandenen Schäden an der Fauna sind „nachweisbar und erkennbar“. Da technisch an den Windrädern keine Verbesserungen möglich sind, um die Tiere zu schützen, „kann es nur ein Entweder-oder geben“. Dirk Bernd ist der Meinung, „dass wir die Stromwende auch mit Fotovoltaik hinkriegen könnten“. Dazu noch ordentliche Speicher „und es geht kein Vogel daran kaputt“. Für ihn ist es extrem, „was wir hier zerstören“. Er weiß von zwei Fledermaus-Arten, die aufgrund der Windkraft schon zu 90 Prozent ausgerottet sind. Zahlreiche weitere der 24 heimischen Arten sind durch die Windenergienutzung ebenfalls stark gefährdet.

 

Lucky Wilson macht die Zuschauer im Muddys glücklich

Lucky Wilson macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt. Der Weinheimer Bernd Hoffmann vereinnahmt sie mit seiner Band einfach alle: die Mitmusiker werden quasi adoptiert, die Komponisten der gespielten Coversongs zu entfernten Verwandten erklärt – und eigentlich haben die ja geklaut. Wahrscheinlich wird der Trick bei der Gema trotzdem nicht funktionieren. Mit der Mischung aus Americana, Country (und Western), Blues und einer Prise Rock hatte die Lucky Wilson Band beim Heimspiel im „Muddys Club“ leichtes Spiel.

Santa Claus Wilson (Klaus Pelzer), Virginia Wilson, geborene Woolfe (Verena Rach), „Babyface“ Phil Wilson (Philipp Wetzel) und Willie Wilson (Bernd Windisch) sind der Schnodder-Schnauze des Familienoberhaupts auf der engen Bühne voll ausgesetzt. Erst stellt der mal klar, dass der jüngste der Truppe, Gitarrist Phil, „nicht zu Kelly-Family gehört“. Willie, kolportiert der Bandleader, hat es nicht so mit den Zahlen und wurde deshalb Bassist.

Verena Rach an Geige, Akkordeon und Gesang kommt in der Aufzählung noch am besten weg. Denn Schlagzeuger Sante Claus wird unterstellt, der habe sich in seiner Jugend für ganz anderes Schlagzeug wie etwa Baseballschläger interessiert. Zusammen reiten die wilden Cowboys mit ihren Instrumenten musikalisch wie die wilde Horde an der Bergstraße entlang hinein in den Odenwald. Bieten aber trotz der martialischen Ankündigung Gute-Laune-Musik und angenehme abendliche Klänge.

Als einer der „entfernten Verwandten“ kommt Solomon Burke zum Zug. Der war ein US-amerikanischer Soul- und Rhythm-and-Blues-Sänger, dessen Song „Millionaire“ von der Band rübergebracht wird. Hoffmanns Eigenkomposition „Wedding day“ beschäftigt sich mit dem vorgeblich schönsten Tag des Lebens, „The Castle is still there“ ist der Weinheimer Burg gewidmet, die „Grandpa Wilson“ jeden Tag aus dem Fenster sieht. Hier geht’s durch die sehr gefühlvollen, schwebenden Geigentöne schon fast Richtung Irish Folk.

Ein paar Songs auf der akustischen Gitarre gezupft, dann mal wieder ein paar verzerrte Töne, die melodische Geige: Die beiden Männer und die Frau an den Saiteninstrumenten bestimmen das Bild. Bass und Schlagzeug halten sich dezent im Hintergrund, überlassen dem Bandleader mit seinen launigen Ansagen das Feld.

Die Musik ist an diesem Abend ein langer, ruhiger Fluss, kommt eher gemächlich rüber. Passend dazu lodert neben der Bühne in einem vorgeblich alten Röhrenfernseher ein behagliches Kaminfeuer vor sich hin. Wohlfühl-Atmosphäre pur, die von den Besuchern im Keller immer wieder mit reichlich Beifall für die Leistungen der Musiker goutiert wird.

Fast meint man schon das Bonanza-Thema zu hören oder Fury um die Ecke reiten zu sehen, wenn die Gruppe den „Tennessee Stud“ anstimmt. Virginia Wilson nimmt die à la Monty Python die Kokosnussschalen zur Hand, um Hufgeklapper zu erzeugen. Die E-Gitarre verleiht dem countrylastigen Stück dann doch noch einen rockigen Touch.

Ob Tom Petty oder Tom Waits: Über ein paar Ecken sind sie alle mit den Wilsons verwandt, ob sie wollen oder nicht. Pettys „She’s the one“ kommt mit zwei E-Gitarren und der Mundharmonika schön flott rüber. Auch Hoffmanns Eigenkomposition „Favourite Son“, geschrieben für einen Münsteraner Tatort, sieht den jüngsten im Bunde als filigran auf seinem Instrument. Mit Verena Rach am Gesang bekommt Bob Dylons „Believe in you“ anschließend einen ganz neuen Touch.

„Finest Amerikana Music“ auch danach. Nicht nur Country, sondern auch Chart-Songs und unvergessene Klassiker hat die Gruppe in den mehr als zwei Stunden ihres Programm auf der Setliste. „Come together“ zeigt in den Zugabe die Beatles von einer ganz neuen Seite. Der „Bartender Blues“ von James Taylor ist an diesem Abend natürlich dem Club gewidmet. „Roly Poly” macht Laune: Der humorvolle Western-Swing-Standard, 1946 von Fred Rose geschrieben, ist ein Klassiker mit seiner dauernden Wiederholung des Themas.

„Hidden From The Eyes“ ist ein ironischer Song Hoffmanns über das Chatten pubertierender Jugendlicher. „Happy Sad And Lonely Blues“ war für den Grandpa zwiespältig, denn eigentlich ist er ein viel zu fröhlicher Mensch, um Blues-Songs zu schreiben. „Ol‘ 55“, die Hommage von Tom Waits an einen Straßenkreuzer, gibt‘s zum Schluss auch noch zu hören, bevor sich die Truppe wieder auf die Flucht vor den Sheriffs macht.

Wirtschaftsförderung will Home Office im Odenwald vorantreiben

Die Attraktivität des Odenwaldes als Wirtschafts- und Arbeitsstandort steigern: Dafür steht das Projekt „HO² – Home Office Odenwald“. Die Wirtschaftsförderung Bergstraße (WfB) übernimmt die Realisierung im Kreis Bergstraße. Weiter sind als Partner die Entega Medianet für die technische Umsetzung und einem e-Carsharing-Modell sowie die Odenwald-Regional-Gesellschaft (OREG) für den Odenwaldkreis mit im Boot.

Mit der jetzigen Veranstaltung im Adam-Schmitt-Saal wollte die WFB interessierte Unternehmen zum einen informieren, zum anderen für eine für Teilnehme gewinnen. Denn zwei Firmen aus dem Odenwaldteil des Kreises Bergstraße werden kostenlos bei der Implementierung von Home Office begleitet. Die WFB macht darüber hinaus eine Evaluierung und kann dabei auf Fördermittel des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zurückgreifen. Die Teilnahme von Unternehmensvertretern war allerdings geringer als erwartet.

Bürgermeister Holger Schmitt wies auf Heimarbeit als wichtiges Thema hin, das schon vor seiner Amtszeit aufkam. Für die Verwaltung sah er aufgrund des Datenschutzes mögliche Hindernisse bei der Umsetzung. Bei 25 Mitarbeitern, so Schmitt, sei Home Office nur ein kleiner Baustein der Arbeitsrealität. Er nannte die fortschrittlichen Niederlande, wo es bereits ein Gesetz mit Rechtsanspruch gegossen worden sei.

Bindung wichtiger Mitarbeiter an das Unternehmen, Reduzierung krankheitsbedingter Fehlzeiten, Steigerung der Attraktivität für Fachkräfte außerhalb der Region, Positionierung als mitarbeiter- und zukunftsorientierter Arbeitgeber: Diese Vorteile wurden unisono von den verschiedenen Rednern genannt, wenn es um die Unternehmen geht. Für die Arbeitnehmer wurden Zeit- und Kostenersparnis, Reduzierung von Stress durch tägliches Pendeln zwischen Wohn- und Arbeitsort sowie Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf genannt.

„95 Prozent der Unternehmen haben erkannt, dass Home Office ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigert“, berichtete WFB-Geschäftsführer Matthias Zürker aus einer Umfrage. Zwei Drittel der Tätigkeiten in Deutschland könnten auf diese Weise erledigt werden, lautete eine weitere Zahl. Durch mobile Endgeräte werde der Anteil auch in Zukunft deutlich weiter ansteigen. Etwa 50 Prozent der Arbeitnehmer erwarteten eine Verbesserung ihrer Work-Life-Balance. Die meisten Mitarbeiter, so Zürker, möchten allerdings nicht dauerhaft, sondern ein bis zweimal im Monat zuhause arbeiten.

Der Geschäftsführer machte deutlich, dass die Möglichkeiten in Deutschland noch nicht ausgeschöpft seien. Es arbeiteten hier nur zwölf Prozent der Arbeitnehmer überwiegend oder teilweise zuhause. Beim Anteil der Heimarbeiter liege man unter dem EU-Durchschnitt und deutlich hinter anderen Ländern wie Frankreich, Großbritannien oder den skandinavischen. Würden die Arbeitgeber umdenken, könnte der Anteil auf 30 Prozent steigen, postulierte Zürker. „Home Office scheitert häufig an Arbeitgebern.“

Als Schritt „Richtung Zukunft des Arbeitsmarkts“ kennzeichnete Landrat Christian Engelhardt die Heimarbeit. Sie bedeute einen Paradigmenwechsel von festen Bürozeiten hin zu flexiblen Modellen, verbunden mit einer höheren Lebensqualität. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Arbeitszeit sah er kritisch und sprach von der „Postkutsche“, um die Antiquiertheit deutlich zu machen. Heimarbeit sei der richtige Weg, um Unternehmen attraktiver zu machen.

Aus Sicht der Kreisverwaltung beleuchtete die Personalerin Barbara Hoffbauer das Thema. Sie wies neben den genannten Chancen auch auf Schwächen des Modells hin wie: eingeschränkte Kontrollmöglichkeiten, reduzierte soziale Kontakte oder weniger Austausch im Team. Als Chancen nannte sie die Veränderung von Führungsverhalten und Unternehmenskultur, Steigerung der Mitarbeitermotivation und Überbrückung schwieriger Familienphasen.

Dem Misstrauen von Arbeitgebern, dass die Mitarbeiter zuhause quasi machen, was sie wollen, entgegnete sie klar: „Sind wir doch mal ehrlich, wer weiß wirklich, was die Mitarbeiter im Büro tun?“ Es handle sich doch um keine 14-jährigen Teenager mehr, sondern erwachsene Menschen, die man nicht beaufsichtigen müsse. „Führungskräfte müssen Vertrauen entwickeln“, forderte sie.

Dem gegenüber stellte die Abteilungsleiterin die Stärkung der Eigenverantwortung, die Zufriedenheit der Angestellten und den hohen Bindungseffekt. Natürlich müssten auch die rechtlichen Rahmenbedingungen beachtet werden. Frank Gey, Geschäftsführer von Entega Medianet, beleuchtete das Thema aus Firmensicht. Bei einer Mitarbeiterbefragung landete der Wunsch nach Home Office ganz oben, weswegen man vergangenes Jahr in die Umsetzung ging. Mittlerweise nutzten es 20 Prozent der etwa 1900 Mitarbeiter.

(Foto: Wirtschaftsförderung)

Info: Interessierte Firmen können sich unter www.wirtschaftsregion-bergstrasse.de oder bei Marco Stibe, Projektmanager Unternehmerservice, Telefon 06252/6892950, melden

SPD Birkenau will einen Bürgerentscheid zum Bürgerhaus – Patrik Künstler wurde zum neuen Vorsitzenden gewählt

Die Sozialdemokraten im Dorf der Sonnenuhren haben einen neuen Vorsitzenden: Der bisherige Beisitzer Patrik Künstler löst Brigitte Kanz ab. Auf der Februar-Jahreshauptversammlung konnten die Vorstandswahlen aufgrund des noch ausstehenden Kassenprüferberichts nicht durchgeführt werden, weshalb es jetzt quasi eine „Fortsetzung“ gab. In der kristallisierte sich neben den Wahlen das Bürgerhaus als Hauptthema heraus, zu dem die SPD einen Bürgerentscheid herbeiführen will. SPD-Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht berichtete aus Berlin und warf einen Blick auf die Europawahl.

Es herrschte Freude bei den Genossen: Die SPD Birkenau kann nicht nur Zahl ihrer Mitglieder halten, sondern sogar um zwei auf jetzt 82 ausbauen. Eine „Neue“, Olivia Krämer, wurde gleich als Beisitzerin in den Vorstand gewählt. Der Treffpunkt „Florians Essbar“ war voll belegt. Der bisherige (und auch neue) stellvertretende Vorsitzende Thomas Waringer dankte in seinen Worten zuerst den scheidenden Vorstandsmitgliedern.

Dieses Mal waren die folgenden Regularien bei der SPD-Versammlung kein Problem. Der Kassenbericht lag vor, wurde ohne Beanstandungen geprüft, was eine einstimmige Entlastung von Kassierer Timo Falter ebenso bedeutete wie die des Gesamtvorstands.

Ehrengemeindevertretervorsitzender Sigurd Heiss warf in die Tagesordnung das Thema „Bürgerhaus“ ein, was später heiß diskutiert wurde. Waringer meinte hierzu: „Die Debatte um den Neubau hat sich zu einem brisanten Thema entwickelt.“ Die bevorstehende oder bereits erfolgte Gründung einer Bürgerinitiative zeige, „wie sehr das Thema den Bürgern unter den Nägeln brennt, zugleich jedoch zunehmend spaltet und polarisiert“.

Die Verbundenheit der SPD zu den Wünschen und Anliegen der Bürgerschaft zeigt sich dadurch, dass die SPD-Fraktion in der Gemeindevertretung den Antrag auf einen Bürgerentscheid gestellt habe. Getreu dem Slogan „Mit den Bürgern für die Bürger“. Und dies, so Waringer, obwohl aus seiner Sicht selten ein Vorhaben, federführend durch Ortsvorsteher der Bernd Brockenauer, „derart bürgernah und transparent unter Einbeziehung der Beteiligten begleitet und vorbereitet wurde“.

Es zeigten sich in der lebhaften und ausgiebigen Diskussion verschiedene Meinungen auch innerhalb der Birkenauer Genossen. Einerseits geht es darum, einen Versammlungsort für alle Einwohner zu haben, andererseits aber auch gleichzeitig darum, die Kosten im Auge zu behalten. Bernd Brockenauer berichtete dazu auch aus der Fraktion, Sigurd Heiss und Jochen Kruse gaben ihren Standpunkt wieder.

Herausgehoben wurde bei der Versammlung trotz gegensätzlicher Standpunkte, dass es darum geht, die beste Lösung für Bürger, Vereine, Sportvereine und Gruppen zu finden, ohne den Faktor Geld aus den Augen zu verlieren. Deshalb habe man als einzige Partei den Antrag auf einen Bürgerentscheid eingereicht.

Aktuell ist nach Jahren der Planungen die innerörtliche Erschließungsstraße im Bau, freute sich Waringer. Die nächste Herausforderung sei unter anderem die Erweiterung des Kita-Angebotes. Zu den „freiwilligen Aufgaben“ zähle der Erhalt des charmanten, schönen alten Freibades. Man wolle den im Ort lebenden Menschen all das bieten, erhalten oder errichten, „was die Gemeinde so lebens- und liebenswert macht“. Dazu zähle auch, junge Familien zum Zuzug zu bewegen. Im Weschnitztal „wohnt man im Grünen und ist durch eine sehr gute Anbindung schnell in der Metropolregion“, sagte er.

Christine Lambrecht sprach in ihren Worten das Thema Grundsteuerreform an. Die ist nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts notwendig. Sie berichtete, dass es der SPD nicht nur um die Größe des Grundstücks als Bemessungsgrundlage geht, sondern auch um das darauf erbaute Vermögen in Form von Gebäuden – dies gegenüber insbesondere der CSU-Haltung. „Es ist wichtig für die kommunale Selbstverwaltung, die Grundsteuer zu erhalten“, betonte sie.

Mit Blick auf die Europawahl stellte die SPD-Politikerin fest, „dass sich junge Menschen wieder engagieren, weil sie mit Europa Freiheit und Freizügigkeit verbinden und diese Werte zu schätzen wissen“. Durch das Zusammenwachsen in Europa sei es gelungen, aus Feinden Freunde zu machen. „70 Jahren Frieden müssen verteidigt werden“, forderte sie. Deutschland sei eine Exportnation und „profitiert extrem von EU“.

Die SPD wolle die Abschaffung des Solidaritätszuschlags für 90 Prozent der Bevölkerung, so Lambrecht. Für die restlichen, oberen zehn Prozent Spitzenverdiener müsse man zehn Milliarden Euro Kosten bei Abschaffung ansetzen, sagte sie. Nicht nötig. Stattdessen formulierte Lambrecht: „Es kann nicht akzeptiert werden, dass Rentner arm sind. Wer 35 Jahre gearbeitet hat, darf nicht arm sein.“

Neuer Vorstand

Vorsitzender Patrik Künstler, erster Stellvertreter Thomas Waringer, zweite Stellvertreterin Natascha Becher, Schriftführerin Renate Hackmann, Kassiererin Alice Schäfer, Beisitzer Bernd Brockenauer, Matthias Becher, Ruth Zwipf, German Pauli, Olivia Krämer.

Delegierte Unterbezirksparteitag

Alice Schäfer, Thomas Waringer, Natascha Becher, Gisela Pauli, Patrik Künstler, Ersatz: Brigitte Kanz, Frank Schumacher, Matthias Becher.

Das Maifest der multikulturellen Begegnungsstätte „Callas“ wurde „wieder super angenommen“.

„Das lief alles ganz wunderbar“, freute sich Heike Trinkmann in der Multikulturellen Begegnungsstätte „Callas“. Die organisierte zum 19. Mal die Maifeier rund um die Grillhütte auf der Kisselhöhe. Vier Bands und zahlreiche Helfer sorgten dafür, dass sich die zahlreichen Besucher wohlfühlten. Das herrliche Wetter trug seinen Teil dazu bei, dass der Verein aufs Neue eine große Schar an Gästen begrüßen konnte.

Trinkmann freute sich, dass die Musikgruppen ohne Gage auftraten. Damit wird der Überschuss des Festes größer, der in diesem Jahr wieder an die Kinderhilfe in Kenia gehen soll. „Wir haben einen direkten Kontakt dorthin“, betont sie die kurzen Wege und die genaue Infos darüber, was mit den Geldern geschieht.

Geht es nach dem Hunger der Besucher, wird die Spende sicherlich ansehnlich ausfallen. Denn am Ende des Abends „hatten wir kein Steak und keine Wurst mehr übrig“. Alles ratzeputz vertilgt. Das Fest wurde „wieder super angenommen“. Es war bis spät in die Nacht viel los. Vor allem die letzten beiden Bands begeisterten, als auch schon das Holzfeuer in der Mitte der Veranstaltungsfläche angezündet worden war.

Nicht nur die Ortsbevölkerung weiß die Gastfreundschaft der Begegnungsstätte zu schätzen, die Besucher kommen auch aus der weiteren Umgebung. Heike Trinkmann traf sogar auf ein paar frühere Mitabiturienten aus Weinheim. An der Bar, wo unter andrem Sekt, Caipi und Havana ausgeschenkt wurden, „war mehr los als im vergangenen Jahr“, stellten die Helfer dort fest.

Seit Gründung des Vereins Ende 1999 wuchs das Fest in jedem Jahr. „Angefangen haben wir mit ein paar Bierbänken und ein paar Kästen Bier“, erinnert sie sich. Inzwischen wurden daraus drei Zelte, in die jeweils mehr als 100 Leute passen, vier Bands und eine Bar. Dieses Jahr waren auch zum ersten Mal die beiden neuen Fahnen am Eingang zu sehen. „Wir überlegen schon heute, was wir im kommenden Jahr zum 20. Jubiläum bieten“, kündigt Trinkmann an.

Der Vereinsvorsitzende Alex Förster hob die große Gemeinschaftsaktion hervor. „Ein Stürmer ist nur so gut wie seine Mannschaft“, wies er auf das vielfältige Engagement hin. „Ultracoole Bands“ wurden seinen Worten zufolge für den Abend verpflichtet. Er zeigte sich sehr zufrieden, dass sich bereits kurz nach Beginn die Bänke schnell füllten. „Wir haben auch kräftig im Vorfeld geackert, um alles auf die Beine zu stellen“, erläuterte die schweißtreibende Arbeit. Die setzte sich gleich nach Ende fort. Am nächsten Morgen wurde sofort mit dem Abbau begonnen.

Zwischen 60 und 70 Mitglieder zählt der Verein, von denen etliche mit am Start war, um die Traditionsveranstaltung wieder zu stemmen. „Jeder ist ‚nebenher‘ berufstätig“, meinte Förster, und darüber hinaus seit etwa einem Monat am Vorbereiten. „Wir wollen das Maifest am Leben erhalten“, betonte er.

„Die Bude“, wie der Vorsitzende das Clubhaus in der Schulstraße 12 nannte, soll für alle offen sein. Dort finden auf der „Bunten Bühne“ regelmäßig Konzerte und Lesungen statt. Hierbei werden vor allem junge Künstler und Bands aus der Region sowie Schülerbands gefördert. „Hass und Rassismus haben bei uns keinen Platz“, jeder kann kommen“, betonte er. Die Wohnzimmer-Größe „schafft Nähe zwischen den Besuchern“. Sie gehen aufeinander zu, beobachtete Förster.

„Wir läuten den Sommer ein“, sagte der Callas-Mann mit Blick auf das herrliche Wetter. Allerdings war auch der Regen der Vortage sinnvoll, dann so war der Boden durchfeuchtet und Förster konnte die vielen aufgeschichteten Holzstücke anzünden. Rund um die Flammen ließ es sich dann gut aushalten, während langsam die nächtliche Kälte hochstieg. Für die Kinder war das Herumtollen auf der großen Freifläche herrlich, während sich die Eltern unterhielten oder der Musik lauschten.

Den Start machte „Violence Fist“ aus Weinheim mit nach eigener Aussage „alternativer Volksmusik“, einer doch sehr gewagten musikalischen Melange aus vielen Stilrichtungen wie deutschem Schlager, Rock’n‘Roll, Salsa und Metal. „Free Fallin“ zollten dem kürzlich verstorbenen Tom Petty und seiner Band „the Heartbreakers“ Tribut.

„The Paper Sailors“ aus Rimbach vermittelten mit ihrem bluesinfizierten Folk-Rock ein Gefühl von Freiheit und Sehnsucht. Die Band vermischte Indie-Folk mit Elementen aus Blues und Classic-Rock und kreierte damit einen unverwechselbaren Vintage-Sound. Die Band „Bagmo“ aus Neckarsteinach bot neben eigenen Songs eine ausgedehnte Reise durch die Musikgeschichte von Elvis über AC/DC und Janis Joplin bis hin zu Rage Against The Machine und Metallica.