Sanierung ist erst zum Schuljahresende fertig

Weil die Feuchtigkeit so stark war, dauerte die Trocknungszeit länger und verschiebt sich somit auch das Sanierungsende. In der Grundschule Schimmeldewog wurden mehrere Leitungen im Sanitärbereich von Ratten zerfressen, weswegen unter anderem im Frühjahr 200 Quadratmeter Estrich erneuert werden mussten. Auf Grund der unvorhersehbaren längeren Trocknungszeit „werden die Räume erst Ende Juni wieder genutzt werden können“, teilt die Pressestelle des Kreises mit. Also genau dann, wenn die Sommerferien beginnen. Geplant war Ende Mai.

Derzeit gibt es eine Interimslösung durch einen Toilettencontainer auf dem Schulhof. Quasi eine Wiederholung des Zustands während der Renovierung vor acht Jahren, als die Schüler ebenfalls aufs WC-Häuschen auf den Schulhof gehen mussten, wenn sie mal mussten. Durch die rattenzerfressenen Löcher in den Abwasserleitungen sickerte über mehrere Jahre unbemerkt Fäkalwasser in den Estrich. Aufgrund der dortigen Feuchtigkeit sei dann eine Heizungsleitung im Boden korrodiert und gerissen. Dadurch wiederum kam noch mehr Wasser in den Estrich, wodurch auch die angrenzenden Räume betroffen waren, heißt es vom Kreis.

Die Abbrucharbeiten wurden Anfang März abgeschlossen, so die Auskunft des Kreises als Schulträger. Danach erfolgte eine technische Trocknung des Sanierungsbereiches, „die auf Grund der vorhandenen Feuchtigkeit länger dauerte als geplant“. Nach der Trocknung wurde der Sanierungsbereich desinfiziert, heißt es seitens der Pressestelle. Danach erfolgte am Baumaterial eine Probenahme durch einen Bauchemiker. „Alle Proben waren negativ“, sodass der Sanierungsbereich für die folgenden Arbeiten ab dem 8. April freigegeben wurde.

Erneuert werden mussten neben dem Estrich zirka 80 Quadratmeter Trockenbauwände sowie 15 Meter Abwasser- und 40 Meter Heizungsleitungen. Als Präventionsmaßnahme wurden in die Grundleitungen so genannte Rattensperren eingebaut, teilte Pressesprecherin Cornelia von Poser mit.

Im April wurde eine Bodenabdichtung auf den Rohboden aufgebracht. Auch bauten die Handwerker neue Heiz-, Wasser- und Elektroleitungen eingebaut. Nach Abschluss dieser Arbeiten wurde der Estrich mit Wärmedämmung eingebaut. In dieser Woche (ab dem 6.5.)/in der vergangenen Woche startete der Einbau der Trockenbauwände. Die Höhe der Schadenssumme wurde von der Versicherung noch nicht genannt, so von Poser. Sie werde aber komplett von der Gebäudeversicherung getragen. „Dem Kreis Bergstraße wird durch diesen Vorfall kein finanzieller Schaden entstehen.“

Bemerkt wurde der Schaden laut Kreis-Pressestelle im Dezember 2018, als man einen hohen Verlust im Heizungssystem feststellte und gleichzeitig an den Trockenbauwänden feuchte Stellen mit Schimmelbefall sichtbar wurden. Die WC-Anlagen wurden daraufhin umgehend geschlossen. Im Schulhof wurde ein Toilettencontainer aufgestellt. Die Sanierungsarbeiten erfolgen in enger Abstimmung mit der Schulleitung.

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Begeisternde „Zeitreise“ der KKM beim Jahreskonzert

Zum Schluss gab’s Standing Ovations. Die waren nur folgerichtig und verdient. Denn was Jugend- und Gesamtorchester sowie die Formation Sax-Pur in den drei Stunden zuvor im Pfarr- und Jugendheim geboten hatte, war eine „Zeitreise“ allererster Güte. Unter dieses Motto hatten die drei Ensembles der katholischen Kirchenmusik (KKM) ihr Jahreskonzert gestellt. Weil man im Ort weiß, was man an seinem Kulturträger hat, platzte der ausverkaufte Saal aus allen Nähten.

Ein Verein ist nichts ohne seine helfenden Hände, ein Orchester ist nichts ohne seine aktiven Musiker. Neben allen anderen an diesem Abend Beteiligten wurden zwei besonders hervorgehoben: zum einen die „Beerenweiber“, die in den 40 Jahren ihres Bestehens der KKM immer unter die Arme griffen. Von ihnen wurden unter anderem die Jubiläumsschnitzel serviert, die reißenden Absatz fanden und mittendrin nachgeordert werden mussten. Zum anderen Ulrich Schmitt, auch „Tuba-Uli“ genannt, der dem Ensemble seit aktiven 40 Jahren angehört.

Als das große Orchester, wie die Jugend ebenfalls unter der Leitung von Alexander Kropp, mit 45 Mann und Frau nach der Pause auf der Bühne Platz nimmt, macht sich erwartungsvolle Stille breit. Ehrenvorsitzender Michael Wetzel ergreift in diesem Teil des Abends das Mikro, während zuvor der neue Vorsitzende Thomas Rolli durchs Programm führt. Mächtig, majestätisch und durch den damaligen Hauptdarsteller auch sehr muskulös startet „Conan der Barbar“, mit dessen Aufführung die KKM gleich ein Zeichen setzt.

Dominiert von den widerhallenden Trommelklängen, beeindruckt das Stück von Basil Poledouris mit vielen Tempiwechseln, gibt den einzelnen Instrumentengruppe viel Luft, sich in Szene zu setzen, fordert das 1963 gegründete Orchester sowohl in seiner Gesamtheit als auch in den klangvollen Teilen. Schon hier zeigt sich, dass Alex Kropp und der Musikerausschuss bei der Songauswahl voll ins Schwarze getroffen haben.

Fetzige Stücke, egal ob sie nun aus der Klassik oder dem Rockbereich stammen – oder wie Bachs „Toccata“ in einer Version der Rockgruppe „Sky“ zu hören sind –, wechseln sich ab mit eher getragenen Liedern wie Mozarts „Arietta“, die Arie des Cherubino. Die lassen einen Moment innehalten, bevor der Klangkörper dann wieder mit seinem perfekten Spiel, dem Mann am Dirigentenpult aufs Genaueste folgend, die Gäste mitnimmt durch Raum und Zeit.

Wie etwa beim Thema von „Zurück in die Zukunft“, den Klassiker aus dem Jahr 1985 mit Michael J. Fox. Die Musik zu dieser Filmkomödie wurde von Alan Silvestri geschrieben. Frank Bernaerts hat das heldenhafte Hauptthema so geschickt arrangiert, dass man den zeitreisenden DeLorean mit dem Flux-Kondensator meint durch die Halle fliegen zu sehen, umgebend von durch die Musik herbeigezauberten Blitzen.

Zurück zu Bachs Toccata, deren Interpretation eine Zeitreise par excellence darstellt. Das d-Moll-Werk, Anfang des 18. Jahrhunderts geschrieben, ist mit dem treibenden Schlagzeug eine Perle des Abends. Ein voller, voluminöser Big-Band-Sound schallt von der Bühne, das klassische Stück wird mit einem enormen Drive gespielt, sodass man seine Herkunft fast nicht glauben mag.

Rolli und Wetzel streuen neben den Infos zu den Liedern auch immer wieder Informatives ein, so zum 2003 gegründeten Jugendorchester oder zu Sax-Pur, das 2015 aus der Taufe gehoben wurde. Das Quartett, bestehend aus Leiterin Kathrin Lammer (Bariton-Saxophon), Lisa Beckert (Altsaxophon), Alexandra Schmitt (Sopran- und Altsaxophon), Richard Hintenlang (Tenorsaxophon), hatte sich einigen Musikklassikern angenommen: „Viva la Vida“, „Hit the Road Jack“ und die Titelmelodie des „Rosaroten Panthers“ wussten zu gefallen.

Den Anfang machte das 18-köpfige Jugendorchester. Alexander Kropp setzte auch hier auf eine Reise durch Zeit und Stilrichtungen. Über „Game of Thrones“ und „Pachelbels Kanon“ bis hin zu „Hooked on a Feeling” oder „Happy“ von Pharrell Williams erstreckte sich der Musikgenuss der jungen Musiker, deren Entwicklung auf ihren Instrumenten dank der intensiven Arbeit von Kropp deutlich herauszuhören ist.

Ein Name fiel während des Konzerts immer wieder: der des im vergangenen Jahr verstorbenen Vorsitzenden Thomas Lammer. Seine Leistung über drei Jahrzehnte hinweg wurde allseits gewürdigt, wie auch die von Ehrendirigent Artur Kumpf. Was beide in dieser Zeit mit aufbauten, ließ sich bei der Veranstaltung immer wieder eindrucksvoll miterleben.

Und kam auch im letzten, gefeierten Stück vor der Zugabe rüber: dem 80er-Jahre Medley. Bei „Skandal im Sperrbezirk“,  „Ohne dich schlaf` ich heut Nacht nicht ein“, „1000 und eine Nacht“, „Rock Me Amadeus“ und als krönenden Abschluss „Sternenhimmel“ von Hubert Kah, als der ganze Saal mitsang, zeigte sich das große Orchester noch einmal von einer überbordenden Spielfreude, die einfach nur mitriss.

Das Jahreskonzert, in den vergangenen Jahren zu unterschiedlichen Terminen, soll wieder seinen festen Platz bekommen: immer am Abend vor Muttertag, kündigte Rolli an. Wetzel nutzte kurz vor Schluss die Gelegenheit und machte ein wenig Werbung in eigener Sache: Die Owwer-Stoanischer Kerwe vom 21. bis 24. Juni wird von der KKM ausgerichtet und bietet einige Highlights. Neben dem Auftritt der bayrischen Partyband „Die Lausbuba“ am Kerwefreitag wird der Samstagabend „sicherlich in die Annalen unseres Dorfes eingehen“, versprach Michael Wetzel. Auf Initiative der Stoanischer Vollblutmusiker Peter Beckenbach, Roland Grössl und Peter Becker heißt es dann „Ein Dorf macht Musik“ mit über 30 Mitwirkenden aus allen drei Ortsteilen.

Grundschule Schimmeldewog bekommt Ganztagsangebot

Das neue Schuljahr wird einen großen Einschnitt in der Geschichte der Grundschule Schimmeldewog bedeuten. Sie wird zu einer Ganztagsschule, worauf das Pädagogen-Team schon einige Zeit hingearbeitet. Die entsprechenden Planungen laufen bereits länger. Bei den Schnuppertagen für die Vorschüler des Kindergartens St. Marien war natürlich auch das erweiterte Angebot Thema. Für die Eltern gab es die entsprechenden Informationen, während ihre Kinder von den Paten mit der Schule vertraut gemacht wurden.

Ein Teil des Ganztagsangebots, montags bis mittwochs immer bis 14.45 Uhr, wird durch ein Landesprogramm kostenfrei gestaltet, erläutert Matthias Dautel. Er bildet zusammen mit Simone Hentschel-Gärtner die Schulleitung. Die anderen beiden Tage und die Zeit bis 16 Uhr muss seinen Worten zufolge bezahlt werden. Aktuell läuft auch die Personalplanung für die Betreuer, die zusammen mit den Lehrern das entsprechende Angebot machen.

Es soll Dautel zufolge Ruhepausen geben, Hausaufgabenbetreuung, AGs wie die Bienen, Projekte, aber auch Vertiefung des vormittäglichen Unterrichts. Das Mittagessen wird über einen Caterer geliefert. In der mittelfristigen Planung des Kreises als Schulträger werde auch über den Neubau einer Mensa nachgedacht. Wie der Pädagoge sagt, sind derzeit zwischen 30 und 40 für das kostenlose Nachmittagsangebot angemeldet, 20 davon für die restliche Zeit.

Derzeit zählt die Grundschule 66 Kinder, wovon 19 zum Ende des Schuljahres auf weiterführende Schulen abgehen. 21 kommen wieder dazu, neben den zwölf aus dem örtlichen Kindergarten auch neun von außerhalb, etwa Wald-Michelbach, Mengelbach oder Langenthal. Das belegt laut Dautel die weiterhin bestehende große Nachfrage nach der in Schönmattenwag praktizierten Unterrichtsmethode mit Freiarbeit.

Dautel findet es gut, „Schule so zu denken, dass auch nachmittags Unterricht stattfindet“. Denn damit kann man den Kindern mehr Zeit geben, das Gelernte zu vertiefen, andererseits durch ein freiwilliges Angebot Ort, Wald und Natur mehr zu integrieren. Mit einer Thematik könne man sich so in mehreren Stunden beschäftigten, was im regulären Unterricht sonst schwieriger sei. Außerdem wird der Ganztagsunterricht teilweise vom Klassenlehrer gehalten, womit dieser in der Lage ist, vormittags angeschnittene Punkte zu vertiefen.

Der Pädagoge weiß um den Bedarf von Ganztagsunterricht „auf dem Land“. Längst arbeiten auch hier beide Elternteile und sind deshalb auf die Betreuung ihrer Sprösslinge angewesen. „Das wird immer mehr nachgefragt.“ Dautel rechnet damit, dass die Nachfrage eher noch steigen wird. Er weist darauf hin, dass es sich um eine „Erweiterung des Lernangebots“ handelt. Eine Referendarin hat bereits neu in der Schule angefangen, Lehrpersonal fürs nächste Schuljahr wird noch gesucht. „Die Mittel dafür sind bereits genehmigt“, lächelt Dautel.

Zwölf neue ABC-Schützen wird die Grundschule Schimmeldewog im kommenden Schuljahr vom örtlichen Kindergarten St. Marien aufnehmen. Damit die sich gleich im neuen Umfeld zuhause fühlen und weniger Eingewöhnungsschwierigkeiten haben, gibt es für die baldigen Erstklässler im ausgehenden Schuljahr drei Schnuppertage im Abstand von zwei bis vier Wochen. Diese haben sich bestens bewährt und machen den Start in den „Ernst des Lebens“ leichter. Denn genau davor soll ihnen die Angst genommen werden – was nach Rückmeldung aus der Elternschaft auch sehr gut gelingt.

Im Kindergarten gibt es spezielle Vorschulprojekte, in die sich die angehenden Schüler einwählen dürfen, erläutert Leiterin Sabine Heutz. Da geht es unter anderem um die Polizei mit einem Besuch der Station in Wald-Michelbach oder das Erbacher Krankenhaus, wo Mutter und Opa eines Kindes arbeiten. „Alle sind richtig fit und fordern mehr“, hat Heutz beobachtet, dass die zwölf jetzt in der Schule gut aufgehoben sind. Fürs Abschiedsfest überlegten sie sich selbst ein Programm, üben ein Theaterstück ein und basteln die Requisiten selbst.

„Wir sind voll belegt“, gibt es laut der Kindergartenleiterin eine ständige Nachfrage nach freien Plätzen. Sie rechnet deshalb damit, dass es auch im kommenden Jahr wieder eine ähnliche Zahl Schulanfänger geben wird. Berührungsängste in der Schule gibt es nicht. Die „Neuen“ werden von ihren Paten an die Hand genommen und herumgeführt, mit der Freiarbeit vertraut gemacht. „Die sind begeistert, voller Vorfreude, neugierig“, hat Sabine Heutz beobachtet.

Schreiben lernen, ein Buch lesen, Kräuter bestimmen oder Zahlen in Mathe erforschen heißen die ersten Aufgaben der Schulanfänger, erläutert Matthias Dautel. Ziel ist es, einen fließenden Übergang zu gestalten. Den schaffen die angehenden Erstklässler in der Regel leichter als ihre Eltern. „Die Kinder haben viel weniger Probleme beim Loslassen“, hat der Pädagoge beobachtet.

Was den Kindern hilft, hilft aber auch den Lehrern. Denn nach der großen Pause gibt es eine „Schulstunde“, in der zusammen ein Bilderbuch gelesen oder etwas gebastelt wird. Während Dautel den Unterricht gestaltet, sind drei Kolleginnen dabei, die sich die neuen Erstklässler genau anschauen, um bereits einen Eindruck davon zu bekommen, was der eine oder die andere im kommenden Schuljahr vielleicht brauchen könnte.        Symbolbild

„Big Band meets Friends“ mit ÜWG-Ensembles und Kocherbacher Trachtenkapelle

„Big Band meets Friends“ ist schon ein bestens eingeführtes musikalisches Format, bei dem sich das Ensemble des Überwald-Gymnasiums im jährlichen Wechsel Gäste einlädt, um mit diesen ein abendfüllendes Konzert zu gestalten. In diesem Jahr gibt es aber eine Neuerung: Erstmals ist das sinfonische Blasorchester des ÜWG mit im Boot, was ein ganz anderes Lied- und Instrumentenspektrum ermöglicht.

Für das dreiteilige Konzert am Samstag, 18. Mai, in der Rudi-Wünzer-Halle trafen nun die jungen Musiker zwischen zwölf und 18 Jahren mit ihrem diesjährigen Gast, der Kocherbacher Trachtenkapelle, zur gemeinsamen Probe zusammen. Außer der Generalprobe einen Tag vorher ist dies die einzige Möglichkeit, die sechs gemeinsamen Stücke unter einen Hut zu bringen. Denn 65 Musizierende „sollen dann das Gleiche spielen“, wie es augenzwinkernd Big-Band-Leiter Sebastian Schertel formulierte.

Sein Ensemble bestreitet mit gerne gehörten Klassikern den ersten Teil des Abends. „In the Mood“ oder „Gonna fly now“, das Thema aus dem Rock-Film, sind ebenso dabei wie ein Rock-Pop-Stücke oder das bekannte „Summertime“. Dann entert die 25-köpfige Trachtenkapelle die Bühne. Von ihr gibt es natürlich den bekannten „Deutschmeister Regimentsmarsch“, „In Harmonie vereint“ oder auch den „Böhmischen Sonntag“ zu hören. Wieder mit im Set die der „Lion King“ und die „Liebeserklärung“.

Mit dem sinfonischen Blasorchester werden dann Instrumente beim ÜWG-Klangkörper zu hören sein, die vorher nicht in der Big Band zuhause waren: Bassklarinette, Waldhorn, Klarinette, Tuben oder Flöten. Der „Radetzkymarsch“, Bryan Adams „I’ll do it für you“ aus dem Robin-Hood-Film oder „By Loch and the Mountain“ sind solche gemeinsamen Lieder, die dann mit den Kocherbachern erklingen. Letzteres hat es Schertel sehr angetan, wie er gleich singend deutlich machte. Irisch-schottisch angehaucht, ist ein Hornsolo integriert „und dann geht es ab à la Michael Flatley“.

Durch das Orchester sind laut Schertel „mehr Instrumentierungen möglich als bisher“. Gleichzeitig kann der Dirigent Schülern ein musikalisches Zuhause bieten, die in der Bläserklasse groß wurden, aber in der Big Band mit ihrem Instrument nicht vertreten waren. Damit lässt sich dann auch ein ganz anderer Klang erzeugen. Personell gibt es einige Überschneidungen. Zwei Drittel der jeweils etwa 30 Köpfe starken Ensembles spielt auch im anderen.

Wie mit der Feuerwehrkapelle im vorigen Jahr trat die Big Band bereits vor fünf Jahren mit den Kocherbachern auf. Hinter der Zusammenarbeit „steckt immer die Idee, den Kindern eine Perspektive zu geben, wo sie nach der Schule weitermachen können“, erläutert Schertel. Denn er fände es schade, mangels Möglichkeiten das Instrument an den Nagel hängen zu müssen. Bei der Trachtenkapelle wird das bereits praktiziert: Drei ÜWG-Schüler spielen in ihr mit.

„Das wird schon ein besonderes Erlebnis, wenn 65 Leute auf der Bühne sind und das Gleiche spielen“, freut sich der ÜWG-Lehrer. Jede Kapelle probte im Vorfeld bereits die eigenen Stücke, jetzt standen die sechs gemeinsamen auf dem Programm, bevor dann bei der Generalprobe der letzte Schliff erfolgt.

Schertel war zu diesem Zweck auch bei einer Probe der Kocherbacher dabei und brachte diesen etwa „Evening Prayer“ oder „Bolero“ näher – Songs, die seine Schüler schon kennen. Gleichzeitig übte er mit diesen wiederum den „Earth Song“ von Michael Jackson ein.

Neben dem rein Musikalischen denkt man bei der Trachtenkapelle natürlich auch ein wenig an die Vereinszukunft, sagt Vorsitzende Franziska Michel. „Wir wollen den Kontakt zwischen den Schülern und der Kapelle herstellen“, erläutert sie. Und dabei auch zeigen, was mit den verschiedenen Instrumenten alles möglich ist. Sie äußerte die Hoffnung, „dass der eine oder andere hängen bleibt“.

Info: ÜWG-Big-Band meets Friends mit der Trachtenkapelle Kocherbach und dem sinfonischen Blasorchester, Samstag, 18. Mai, 19 Uhr (Einlass 18 Uhr), Rudi-Wünzer-Halle, Eintritt frei, Spenden sind willkommen. Die Bewirtung übernimmt der ÜWG-Förderverein.

Der Blues ist Erja Lyytinen bei weitem nicht genug

Mit ihr geht die Post im Gewölbekeller ab. Zwar „nur“ für eineinhalb Stunden, aber die reichen, damit die finnische Gitarristin und Sängerin Erja Lyytinen das Publikum im „Muddy’s Club“ um den Finger wickelt. Das tut sie nicht im Alleingang, sondern mit einer bestens gelaunten Band, aus der vor allem Hammond-Spieler Kasperi Kallio ein ums andere Mal heraussticht, wenn er auf den vielen schwarzen und weißen Tasten der Meisterin auf den sechs Saiten Paroli bietet.

„Lover’s Novel“ heißt ihr erstes Stück, für das die 40-Jährige gleich viel Vorschussapplaus einheimst. Schon die ersten Töne machen klar, dass allein der Blues für Lyytinen bei weitem nicht genug ist. Dieses musikalische Korsett ist viel zu eng für die filigrane Künstlerin auf ihren Gitarren, die aufgrund ihrer zierlichen Gestalt fast schon überdimensional wirken. Auf dem glitzernd-blauen Sechssaiter spielt die Finnin mit Bottleneck eine eingängige Slidegitarre, weshalb sie auch gerne mit Bonnie Raitt verglichen wird.

Ein sehr rockiger Blues ertönt, der den dieser Musikrichtung oft innewohnenden Puristen-Schwermut sofort vergessen lässt. Kasperi Kallio, der zusammen mit Tatu Back (Bass) und Iiro Laitinen (Drums) fürs musikalische Fundament zuständig ist, gibt hier gleich mit den dominanten Orgelklängen den Ton an, sorgt für das mächtige, melodiöse Fundament der Songs, wenn er à la Jon Lord seine Hammond im Hintergrund schweben lässt, genau in den richtigen Momenten mit seinen Einsätzen einen dichten Soundteppich erzeugt.

Erja Lyytinen ist schon das dritte Mal im „Muddy’s“, lässt sie die Gäste in ihrem finnischen Deutsch wissen. Kallio dagegen „ist neu im ersten Gang“, radeberecht sie augenzwinkernd, und will damit sagen, dass der Kollege mit seinem roten Instrument heute Premiere in Weinheim feiert. Die Finnin gibt sich als Musikerin zum Anfassen, die in der Pause geduldig am Merch-Stand Fragen beantwortet und für ihre neue Scheibe „Another World“ wirbt, sodass aus angesetzten 20 Minuten schnell eine halbe Stunde wird.

„Black Ocean“ macht die Zuschauer mit einer anderen Seite der rockenden Blueserin bekannt. Sie kann auch ganz getragen, leise, balladesk. Zu schwebend-sphärischen Keyboard-Klängen zaubert Lyytinen ein wunderbar-gefühlvolles Solo in den Keller, kostet jede Saite bis zum Letzten aus. Soundtechniker Olli Huttunen darf sich gleich doppelte Glückwünsche abholen. Zum einen bringt er die Band sehr differenziert und extrem gut hörbar rüber, sodass die Töne sitzen, zum anderen bekommt er zum 40. Geburtstag gleich noch ein „Happy-Birthday“-Ständchen gesungen.

Warum die sympathische Finnin als „Best Guitarist“ beim European Blues Awards 2017 ausgezeichnet wurde, zeigt sie im Anschluss unter anderem bei „Hard as Stone“. Das ist sehr eingängig mit Hitqualitäten, groovt mit seinem schweren Refrain in die Menge und zeigt sie einmal mehr in Höchstform. Bei „Miracle“ agiert das Quartett quasi bluesbefreit, kommt frisch, fröhlich, verspielt rüber und erntet viel Beifall.

Wenn dann ein ruhiges Stück wie „Slowly burning“ erklingt, überrascht die Gitarristin mit einer ganz neue Seite: In dem klassischen Bluesstück kommt ihre ausdrucksstarke Stimme richtig volltönend zur Geltung und zeigt, dass sie auch eine hervorragende Sängerin ist. Zart zupft sie die Töne an, nur vom Klacken des Schlagzeugstocks belgleitet, um dann übergangslos in die Vollen zu gehen. Sehr emotional, ausufernd, exzessiv ist dieser Song, in dem Erja Lyytinen alle Spielarten des Blues unterbringt.

Die Mischung macht es: „Another World“, Titelstück des neuen Albums, ist ein klassischer AOR-Song mit schweren Hammond-Klängen und klaren Gitarrenstrukturen. „Snake in the Grass“ bietet einen wummernden Stampfer, inklusive eines angedeuteten Battles zwischen Gitarre und Hammondorgel. Mit leisen Klängen, fast schon Country-Americana-like, geht es unaufhaltsam dem Schluss zu, bei dem die Finnin noch einmal alles herausholt, was ein gutes Konzert ausmacht. „Cherry Overdrive“ taucht tief in den dunklen Blues ab, „Wedding Day“ fetzt los, als ob es kein Morgen gäbe. „Rockin‘ Chair“ schließlich sieht die Gäste voll einbezogen in einen vielstimmigen Chor, wechselweise auf Finnisch, Englisch und Deutsch. Die Zugabe ist selbstredend und wird lautstark gefordert.

Pflanzen ohne Ende für die Gartenliebhaber

Von etwas Schneefall Anfang Mai lassen sich die Pflanzenliebhaber nicht schrecken. Während außerhalb des großen Schirms auf der Hofwiese die dicken weißen Flocken niedergingen, kamen darunter die Interessierten zusammen, um bei der Pflanzentauschbörse des demokratischen Bürgerforums Wissenswertes um so manches Kraut auszutauschen. Manchmal wurden Kräuter Pflanzen getauscht, andere nahmen auch einfach nur etwas mit, die dritten kamen zu einem Plausch vorbei. Das Team um Christa Bistry und Anja Gammelin-Werner hatte für alle und jeden ein offenes Ohr und Tipps.

Mit der Resonanz waren beide angesichts des Winterwetters zufrieden. Natürlich war etwas weniger als im Jahr zuvor los, aber es war besser als befürchtet. Schon vor dem eigentlichen Beginn kamen die ersten, nicht nur aus dem Überwald, sondern auch aus umliegenden Orten, um zum einen Erzeugnisse des eigenen Gartens im Tausch loszuwerden und zum anderen selbst etwas mitzunehmen, das die eigene Erde noch nicht hergibt – oder um eine besondere Idee auszuprobieren. Wer nichts zum Tauschen hatte, durfte bei Mitnahme auch einfach nur spenden.

Natürlich wurden ebenfalls Rezepte ausgetauscht. Da ging es dann darum, wie welche Tomatensorte zubereitet werden kann oder dass sich Minze als Gewürz, Tee oder Salatbeilage verwenden lässt. Topinambur wächst im Garten schon fast als Strauch und ist sehr unempfindlich, andererseits können aber im Herbst auch die Knollen geerntet werden. Auch ausgefallene Kräuter wie die winterharte Kresse stießen auf Gegenliebe.

Wenn es um die Pflanzen geht, ist Christa Bistry in ihrem Element. Etliche der Kräuter und Blumen stammen aus ihrem Garten oder vom eigenen Balkon. Besonders angetan hat es ihr Jiaogulan, das chinesische Kraut der Unsterblichkeit. Der Frauenginseng unterstützt Yin und Yang, ist in der Beschreibung zu lesen. Es ist ein Kraut mit krebshemmender Eigenschaft, das zudem stressabbauend sein soll. In Thailand und China werden frische Blätter als Salat oder spinatähnlich verwendet. Sowohl aus den getrockneten als auch den frischen Blättern kann zudem Tee zubereitet werden.

Löwenzahn, den es natürlich nicht zum Tauschen gab, weil er überall wächst, ist ein Allrounder, den Anja Gammelin-Werner für den Salat empfiehlt. Denn die Pflanze hat neun Mal mehr Vitamin C und 40 Mal mehr Vitamin A als normaler Salat. Außerdem enthält er drei Mal mehr Eisen als Spinat, dazu Spurenelemente von Kalzium, Natrium Kalium und Kieselsäure. Der Löwenzahn schwemmt durch seine Bitterstoffe Harnsäure und Schlacken aus dem Körper und behebt Darmträgheit. Er wirkt gegen Allergien, Leber- und Krebs-Erkrankungen, besitzt krebshemmende Carotine und Flavonide.

Die Frühlingswurzel mit dem bitteren Cholin sorgt für den Fettabbau aus dem Gewebe, im Herbst ist mit Inulin ein zuckerfreies Kohlenhydrat zu finden, womit sich Löwenzahl gut als Diabetiker-Gemüse eignet. Gerade im Frühjahr bietet es sich an, mit einer Schüssel in den Garten zu gehen, den Salat einfach von der Wiese zu sammeln und als Löwenzahn-Salat zuzubereiten.

Melisse, Tellerkraut, Helgoländer Wildkohl, Waldmeister, Liebstöckel, Maggikraut, Melde oder Agastache: Es gibt beim Einhaus nichts, was es nicht gibt. Sushni bezeichnet Christa Bistry als „wunderbare Kräuterpflanze“ und Nervenkraut. „Es gibt 50 verschiedene Sorten Minze“, erläutert sie. Die Pfefferminze wird unter anderem auch für Süßspeisen verwendet, ist aber wegen des ätherischen Öls auch eine Heilpflanze. Die jungen Blätter der Purpurmelde eignen sich für Salat, die größeren dann für eine Zubereitung wie Spinat.

„Der Rosenweihrauch ist etwas für die Sinne“, meint sie. Ausnahmsweise mal keine Pflanze, die man essen kann. Er wirkt stimmungsaufhellend, kann getrocknet werden und verbreitet dann über Räucherkohle seinen wohltuenden Duft. Bei der Agastache, weiß Gammelin-Werner, handelt es sich um eine Teepflanze, die sowohl frisch als auch getrocknet für Kräutertees verwendet werden kann. Sie ist dem Allgemeinwohl zuträglich.

Waldmeister will in Maßen genossen werden, warnt sie. Auch bei ihm handelt es sich um eine Heilpflanze, die jedoch dosiert eingesetzt werden sollte, um Kopfschmerzen zu vermeiden. Denn mit der richtigen Menge hilft er genau dagegen. Bekannt ist der Waldmeister aber auch durch die gleichnamige Bowle.

Manche Kräuter müssen über den Winter rein, andere wie Thymian, Rosmarin und Melisse „wachsen immer wieder“, erläutert Gammelin-Werner. Auch Estragon ist sehr robust. Kommt ein trockener Sommer wie der letzte, dann brauchen die Kräuter ab und zu etwas Wasser, beobachtete sie. Sie freute sich darüber, dass derzeit die Natur gerade voll in der Entfaltung ist. „Alles sprießt und blüht.“

Bei Stillfüssel geht’s jetzt in die Hauptklage

Verbinden und nicht spalten: Unter dieses Motto hatten die Initiatoren von Bürgerinitiativen (BI) Gegenwind Siedelsbrunn und Ulfenbachtal ihr zweites „Schwachwindfest“ gestellt, das – guter Planung sei Dank – dieses Mal nicht den Wetterunbilden ausgesetzt war, sondern im Bürgerhaus stattfand. Drei Bands spielten am Nachmittag und Abend auf, während fürs leibliche Wohl bestens gesorgt war und natürlich die Info-Vermittlung im Mittelpunkt stand.

„Es war eine gute Veranstaltung“, bilanzierte Organisator Udo Bergfeld. Der Zuspruch litt im Außenbereich leider unter dem Wetter, aber drinnen war es zu jeder Zeit gut besucht. Er stellte eine stetes Kommen und Gehen fest. Auch die Bands kamen seiner Beobachtung nach „hervorragend an“. Auf der Bühne waren Peter Geisinger mit „Jazz & Samba by P.M.D.“, die „Paraberries“ und die „Old farts on stage“ (Ofos) vertreten.

In Sichtweite der fünf Windräder am Windpark Stillfüssel, die sich gemächlich in der Wolkendecke drehten, meinte Bergfeld: „Wir wollen miteinander ins Gespräch kommen.“ In diesen Zusammenhang stellte er auch die Infos über die sogenannten Weißflächen, die dem Windenergie-Regionalplan am 14. Juni in der Regionalversammlung zur Verabschiedung verhelfen sollen. Dabei handelt es sich um Gebiete, die aufgrund bestimmter Kriterien wie besonders schützenwerte Fauna erst einmal aus der Planung herausgenommen werden sollen.

Für Bergfeld handelt es sich dabei aber um „eine Hütchenspielerei“. Denn diese Gebiete würden nur vorübergehend zurückgestellt. Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid wolle mit diesem „Taschenspielertrick“ nur erreichen, dass über den Regionalplan abgestimmt werde „und die Flächen dann zur Verfügung stehen“. Den BI geht das gegen den Strich. Sie setzen sich laut Bergfeld vehement für eine dritte Offenlage des Regionalplans ein und wollen in deren Rahmen weitere Gutachten erstellen lassen. „Wir kämpfen dafür“, ergänzte auch Matthias Vercrusse.

Denn: „Die Weißflächen sind nicht aus der Planung draußen, sondern können wieder reingenommen werden“, betonte Bergfeld die „Augenwischerei“. Die Bürger werden seiner Meinung nach getäuscht, weil ihnen suggeriert werde, dass Flockenbusch oder Meisenberg auf Wald-Michelbacher Gemarkung windradfrei blieben. Beide seien zwar im Flächennutzungsplan der Gemeinde nicht enthalten, aber eben im Regionalplan. Und der greift im Zweifelsfall, da er auf höherer Ebene verabschiedet werde, hob der Aktive hervor.

Der BI-Sprecher führte mehrere Argumente gegen Windräder ins Feld: Inzwischen gebe es 31.000 davon in Deutschland, „aber keine CO2-Reduzierung“. Und die Förderung erneuerbarer Energien werde ja immer damit begründet, dass man dem durch fossile Energieträger forcierten Klimawandel infolge von zu viel Kohlendioxid-Ausstoß entgegentreten will. Zweiter Punkt: Der Strom wird immer teurer. „Die Deutschen zahlen in Europa den höchsten Preis“, so Bergfeld. Je mehr Windräder gebaut werden, desto größer sei deren Förderung über die EEG-Umlage, desto höher der Preis für die Endverbraucher.

Bergeld wies in seinen Worten auf die zahlreichen Aktionen der vergangenen Zeit hin. So etliche 10.000 Einwendungen gegen den Bau des Windparks, 21.000 Unterschriften gegen den Teilflächennutzungsplan Erneuerbare Energien, wie der Regionalplan ausgeschrieben heißt, oder das deutschlandweite Lichtermeer am 7. März. Was ihn zur pauschalen Aussage führte: „Die Leute sind nicht damit einverstanden, dass Windräder gebaut werden.“

Denn letztlich, bemängelte der BI-Mann, könnten die Überschüsse sowieso nicht gespeichert und müssten ins Ausland verkauft werden. Paradox: Wenn der Wind zu heftig weht und damit sehr viel Strom produziert wird, müssen die Anlagen abgeschaltet werden, weil man nicht wisse, wohin mit der ganzen Energie. Die die leistungsfähigen Leitungen fehlten.

Mit dem Windpark Stillfüssel „gehen wir jetzt in die Hauptklage“, erläuterte Bergfeld. Auch wenn es vielleicht durch vorherige Entscheidungen so aussehen könnte, „ist noch nichts aussichtslos“, betonte er. Denn letztendlich fange das Verfahren jetzt ganz neu am Darmstädter Verwaltungsgericht an. Er rechnete damit, dass es sich ein paar Jahre hinziehen wird.

„Was den Betreibern weh tut“, weiß Bergfeld, seien die Abschaltzeiten etwa wegen Fledermausflug. Er wies daneben auf den Schaden hin, den die Rotoren in der Insektenwelt anrichteten. Dass diese ein- bis zweimal im Jahr gereinigt werden müssten, weil sonst die Leistung zurückgehe, komme nicht von ungefähr. „Die richten so viel Schaden an wie im Jahr 40 Millionen Autos“, sagte er.