Geballte Kraft der Männerstimmen von Sängerbund Oberflockenbach und MGV Union Wald-Michelbach

Ein Fest für die Männerstimmen: Drei Chöre gestalteten ein ausverkauftes Konzert in der Mehrzweckhalle Trösel. Der Männerchor des Sängerbunds Oberflockenbach und der MGV Union Wald-Michelbach, beide unter der Leitung von Hans-Joachim Karl, hatten sich als Gäste das angesehene Männerchor-Vokalensemble Camerata Musica Limburg unter der Leitung von Jan Schumacher eingeladen. „Stimme, Stimmung, Emotion“ lautete der Titel des besonderen Höhepunkts im Sängerjahr.

Camerata Musica hatte im vergangenen Jahr ein Crowdfunding-Projekt gestartet, bei dem der Chor übers Internet finanzielle Unterstützer für die Produktion einer CD-Reihe suchte. Die zwei Karl-Ensembles entschlossen sich kurzerhand, diesem Projekt als Hauptsponsor beizutreten. Als Dankeschön erhielten sie ein exklusives gemeinsames Konzert. Neben den Besuchern aus Limburg rundete die Uraufführung einer Komposition von Alwin Michael Schronen das Konzert ab, der zu diesem Anlass aus dem Saarland anreiste.

Den Beginn machte die Union Wald-Michelbach, die eine kontrastreiche Kostprobe aus dem Repertoire der vergangenen zwei Chorprojekte vorstellte. Für einige Sänger, so der ansagende Uwe Jansen, war dies das erste große Konzert. Der Chor trug fünf Stücke vor, darunter den „Geistertanz“ von Franz Schubert, ein rhythmisch herausforderndes Chorwerk, sowie das italienische „Sabato di Sera“ von Gianni Malatesta, das eine Liebesgeschichte am Lago Maggiore beschreibt.

Auch das bekannte „Africa“, das Alex Morris basierend auf dem 80er-Jahre Welthit von Toto arrangiert hatte, gehörte zu diesem ersten Programmteil. Hans-Joachim Karl präsentierte stolz die einstudierten Stücke und den besonderen Chorklang, den er über viele Jahre verfeinert und nun mit neuen Stimmen angereichert hatte. Der brausende Beifall der etwa 300 Gäste, viele von ihnen bekannte Chorliebhaber aus der Region, belohnte alle für die Darbietung.

Nun betraten die 16 Sänger von Camerata Musica die Bühne. Chorleiter Schumacher, seines Zeichen Universitätsmusikdirektor und Professor an der Goethe-Universität in Frankfurt, beglückwünschte die Gastgeber für die besondere Chorarbeit, deren Qualität stark von Hans-Joachim Karl beeinflusst sei. Er hatte in den Stunden zuvor zusammen mit den gastgebenden Chören in einem Workshop ausgewählten Stücken den letzten Schliff verpasst.

Das Programm beinhaltete verschiedene Lieder aus der vom Chor aufgenommenen CD-Reihe, welche zum Ziel hat, alle von Franz Schubert komponierten Stücke für Männerchöre zu vertonen. Die so entstandenen fünf Tonträger hatten die Gastgeber mit dem erwähnten Crowdfunding im vergangenen Jahr unterstützt. Neben diesen bat der Chor zudem ausgewählte Komponisten, eigens Stücke mit einem Bezug zu Schubert für das Projekt zu komponieren.

Schumacher war besonders geehrt, dass mit Alwin Schronen ein Komponist dieser Stücke anwesend war. Sein Werk „Ein heller, lichter, schöner Tag“ wurde neben den Schubert-Originalen wie „Frisch atmet des Morgens lebendiger Hauch“ und „Die Nacht“ mit einem beeindruckenden Chorklang und Präzision vorgetragen. Eingefangen von dem besonderen Klang des Ensembles, der die gesamte Halle auszufüllen schien, war die Begeisterung des Publikums schon während der Liedbeiträge zu spüren.

Ansager und Sänger Aren Hahn stellte den Männerchor Oberflockenbach zu Beginn des zweiten Programmteils vor. Den Anfang machte „O Sacrum Convivium“, ein weiteres Lied von Alwin Schronen. Daneben kamen unter anderem „Barbarossa“ von Friedrich Silcher und ein Udo Jürgens-Arrangement von Oliver Gies zum Vortrag. Ein besonderer Höhepunkt war „Trees“ des zeitgenössischen lettischen Komposition Ēriks Ešenvalds, bei dem der Chor den stimmungsvollen Gesang mit dem Klang von mit Wasser gefüllten Weingläsern mischte, die durch das Kreisen der Finger über den angefeuchteten Rand zum Singen gebracht wurden.

Beim zweiten Auftritt von Camerata Musica gab es eine Hommage an die King’s Singers zu hören, ein weltbekanntes Ensemble aus England. Die vorgetragenen Beiträge reichten von der Renaissance mit „Matona mia Cara“ von Orlando di Lasso über die Romantik mit „The winter is gone“ von Ralph Williams und einem modernen südafrikanischen Stück bis zum Abschluss mit dem Pop-Arrangement von „Eternal Flame“ durch Oliver Gies.

Jetzt waren die beiden Gastgeberchöre mit der Uraufführung des Stücks „Nachklang II“ dran, das Alwin Schronen eigens komponiert hatte. Es stellt das zentrale Element einer Trichotomie über das Leben Goethes dar. Karl berichtete über die Entstehung des Werks, welche er hautnah in der Zusammenarbeit mit Schronen miterleben durfte. Ein Gedicht Goethes an seine Frau beschreibt bildlich die Beziehung zur ihr in der Gestalt eines Blümleins. In Form eines Echos entstand dabei eine beeindruckende Klangwelt, die Schronen als Spiel zwischen den Chören entwickelt hatte.

Begleitet von tosendem Applaus betrat der Komponist nach Abschluss der Aufführung die Bühne und bedankte sich bei den zwei Chören und Hans-Joachim Karl. Als besondere Überraschung hatten diese zusammen mit Camerata Musica eine Aufführung von „Ergo Bibamus“, ebenfalls von Schronen, vorbereitet. Dieses Stück, so Karl, sei eines seiner bekanntesten Werke und werde von Chören Land auf, Land ab gesungen. Schronen kam der Bitte, es selbst zu dirigieren, begeistert nach.

Zum Abschluss trugen alle drei Chöre das äußerst klangvolle „Ave Maria“ in der Fassung von Franz Biebl vor. Karl überraschte dabei den jungen Nachwuchsdirigenten und Oberflockenbacher Sänger Alexander Schmitt und übergab ihm das Dirigat nach der ersten Hälfte des Stücks. Nach langen stehendem Applaus brachte Camerata Musica im Anschluss noch als Zugabe das lustige Lied „Zehn kleine Bierlein“ auf die Bühne.

Advertisements

Schimmeldewäer stiegen im Glockenturm über sich selbst hinaus

Ein spezielles Glockenläuten für 20 kletterfreudige Besucher: Beim Pfarrfest der katholischen Kirchengemeinde im Haus des Gastes gab es Ende September ein „Familienduell“. Das machte den Teilnehmern viel Spaß, freute sich Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Matthias Staat. Deshalb wurden alle zu Siegern erklärt und zu einem besonderen Event eingeladen, dem „Frühstück auf dem Glockenturm“ von St. Johannes der Täufer. Jetzt war es soweit: 20 Kinder und Erwachsene stiegen hinauf.

Über zwei Leitern ging es zunächst oberhalb der Orgel durch eine Luke in den großen Kirchenspeicher, der sich über den gesamten Kirchenraum erstreckt. Hier kamen von den Kindern schon die ersten Ideen: „Wow, ist der riesig, was man da alles machen könnte.“ Weiter ging es dann in den Turm und dann erneut über eine steile Treppe etwa drei Meter weiter nach oben in den Glockenstuhl. Dort hängen die vier Glocken der Pfarrkirche.

Die älteste stammt aus dem Jahr 1404. Sie läutet jeden Tag zum Engel des Herrn. „Die alte Glocke“ trägt auf Latein die Inschrift „Im Jahre des Herrn 1404 nach dem Feste des Hl. Michael zu Ehren des hl. Kreuzes“, läutet in b und wiegt 400 Kilo. Die jüngste, „Ave Maria“, die große Glocke, wurde 1978 gegossen. Die läutet zu den Gottesdiensten an allen Sonn- und Feiertagen und schlägt zur vollen Stunde.

Die beiden mittleren Glocken, „Hl. Johannes der Täufer“ und „Christus König“, wurden in den Weltkriegen eingeschmolzen und im Jahr 1950 wieder gegossen. „Hl. Johannes der Täufer“ wiegt 230 Kilo und läutet in c. „Ich bin die Stimme des Rufenden in der Wüste“ ist dort zu lesen. Die Glocke stammte aus dem Jahr 1813 und wurde 1942 verschrottet. „Meister Hamm goss mich im Heiligen Jahr für Unter-Schönmattenwag“, ist anlässlich der „Wiederauferstehung“ 1950 zu lesen.

„Christus König“ stammt ursprünglich aus dem Jahr 1911. Die 550 Kilo schwere Glocke läutet in g. Sie wurde bereits im Ersten Weltkrieg 1917 eingeschmolzen, 1930 neu gegossen, 1942 wieder vernichtet und 1950 aufs Neue erneuert, ebenfalls von Hermann Hamm. „Lamm Gottes gib uns den Frieden“, heißt es hier. Die „alte Glocke“ von 1404 durfte immer Jahre im Turm hängen bleiben.

1978 beschloss man auf Initiative des damaligen Pfarrers Haßlinger, eine vierte Kirchenglocke anzuschaffen, die das Geläute zu einem schönen Klangkörper aus den Tönen c, b, g, und f vervollkommnen sollte. Sie wurde in Bad Friedrichshall gegossen. Mit 20 Zentner ist „Ave Marie“ in f die größte im Ensemble. Für diese Glocke musste Platz geschaffen werden, sodass die vorhandenen im Glockenstuhl nach außen rutschten.

Interessant war auch der Bericht über die Herstellung von Glocken. Sehr aufwändig werden diese mit heißer Bronze in eine gemauerte Form gegossen, erläuterte Staat. Sie müssen mehrere Tage auskühlen, bis sie dann ausgegraben werden können. Danach werden sie zum ersten Mal angeschlagen und man hört am Klang, ob die wochenlange Vorarbeit und der Guss gelungen sind.

Matthias Staat, der auch noch weitere Infos gab, schlug dann die „alte Glocke“ mit der bloßen Faust an. Es war still und man konnte minutenlang den Nachklang hören. Ein Zeichen für die außerordentlich gute handwerkliche Leistung beim Glockenguss, der jetzt schon mehr als 600 Jahre zurückliegt. Ergänzt wurde die Schilderung mit einer Videodokumentation zu einem Glockenguss.

Interessantes über Glocken gab es von Pfarrer Peter Pristas zu hören. So sollten Glocken früher das Böse vertreiben. Natürlich gab es auch Rivalitäten in benachbarten Orten, wer wohl mit der größeren Glocke das Böse in die Nachbargemeinden (ver-)treibt. Die größte frei schwingende Glocke in Deutschland hängt im Kölner Dom. Die Kölner nennen sie liebevoll ihren „Dicken Peter“. Sie wiegt 24 Tonnen.

Wichtig waren die Glocken zu jeder Zeit als Uhr, denn früher hatten die Bauern keine Armbanduhren wie heute. So riefen sie zum Mittagessen oder zum Feierabend. Heute rufen sie vor allem zum Gebet und zu den Gottesdiensten. Mit mehreren Rücksäcken war von den Helfern das Frühstück in den Turm transportiert worden. Es gab Tee, Kaffee, Kaba, belegte Brötchen, Würstchen und selbstgebackene Muffins. Es schmeckte allen – wurde aber schnell zur Nebensache bei so viel Interessantem.

Ein Höhepunkt war, als von Staat zunächst jede Glocke einzeln und dann alle vier gemeinsam geläutet wurden. Pfarrer Pristas meinte, „heute sind die Schimmeldewäer über sich selbst hinausgestiegen“. Begeistert waren die Kinder vom Läuten aller Glocken und von den vielen Leitern, bis man oben ist. Nach fast zwei Stunden stiegen alle wieder in die Kirche hinab, sehr angetan von der tollen Aktion.

Noch immer den Klang der Glocken in den Ohren, wurde es zum Abschluss noch einmal still im Kirchenraum. Flüsternd beteten die Teilnehmer gemeinsam mit Pfarrer Pristas das „Vater unser“. „Das war ein tolles Erlebnis“, waren sich alle einig. Weitere besondere Events in den Kirchen sollen folgen, sagte der PGR-Vorsitzende.

Solardraisine sorgt für viele Tagestouristen

Eine wie die Solardraisine gibt es sonst in Deutschland nicht, meinte Philipp Gruber. Für den zweiten Vorsitzenden des deutschen Draisinenverbands ein guter Grund, zusammen mit elf anderen Vereinsmitgliedern (von 21 bundesweit) eine Reise in den Überwald zu machen. Am Bahnhof Ober-Wald-Michelbach wurden sie von Solardraisinen-Geschäftsführer Holger Kahl, Bürgermeister Dr. Sascha Weber und dem Vorsitzenden der hiesigen Draisinenfreunde, Peter Maier, empfangen.

„Unser Ziel ist es, die Strecke und die kulturhistorischen Bauwerke zu erhalten“, sagte Kahl. Nicht nur um der Draisine willen, sondern vielleicht um auch irgendwann den ÖPNV auf der Überwaldbahn reaktivieren zu können. Die touristische Funktion ist elementar: „Wir locken damit die Städter aufs Land“, betonte er, „und zeigen, was der Odenwald zu bieten hat.“ Mit dem Ziel, dass die Ausflügler wiederkommen und so Geld in die Region bringen.

Bei der Solardraisine „handelt es sich um eine sehr erklärungsbedürftige Dienstleitung“, meinte der Geschäftsführer Richtung Besucher. Es geht um Fragen, ob der Hund mitgenommen werden kann oder was bei Regen passiert. „Es gibt viel Einweisungsbedarf“, so Kahl, „damit keiner dem anderen hintendrauf fährt“. Vier Personen sind ganzjährig im Büro tätig, vier weitere, externe Mitarbeiter kommen in der Saison für die Technik dazu.

Die Draisine macht im Jahr einen Umsatz von 430.000 Euro, berichtete er. Das sei „angesichts der Kosten viel zu wenig“. Betrieb und Instandhaltung der Strecke verschlingen das meiste Geld. Ohne die Zuschüsse der drei beteiligten Gemeinden und des Kreises Bergstraße ließe sich alles nicht stemmen. „Tunnel und Viadukte sind etwas ganz Besonderes“, hob er hervor, haben aber auch einen hohen Pflegeaufwand.

Laut Kahl wurde ein Großteil der an der Bahnstrecke notwendigen Maßnahmen bereits erledigt. „Jetzt sind wir an den Fahrzeigen dran“, erläuterte er. Denn der Verschleiß der Akkus ist zu hoch. Diese jedoch bedeuten einen hohen Kostenfaktor. Man wolle weg vom reinen Fahrbetrieb und die Draisine zum Erlebnis machen, postulierte der Geschäftsführer. Als ein Beispiel dafür nannte er die Teilnahme an der Überwälder Traumnacht.

26 Draisinen verkehren derzeit auf der Strecke zwischen Wald-Michelbach und Mörlenbach. In jede passen acht Personen. „Fahren Sie mindestens zu zweit“, empfahl Kahl augenzwinkernd. Denn der Beifahrer kann dann nach dem Tunnel die Ampel drücken, damit die Draisine ungefährdet die Straße überquert.

Wald-Michelbach sei mit 27 Prozent nach dem Kreis der zweitgrößte Anteilseigner, verdeutlichte Bürgermeister Weber. Die Gemeinde profitiere angesichts der damit in den Überwald kommenden Touristen vermutlich aber am meisten, meinte er. Seit es die Draisine gibt, „hat sich die Zahl der Tagestouristen stark erhöht“, berichtete er. Zwecks Weiterentwicklung der Fahrzeuge arbeite man mit drei verschiedenen Prototypen, so Weber.

Peter Maier stellte die Mithilfe des Vereins beim Erhalt der „wunderschönen Bahnstrecke“ heraus. Für ihn als „alten Eisenbahner“ sei dieses Ziel ganz wichtig. Nach der Aufgabe in den 1990er Jahren sei alles verwildert gewesen. Auch heute noch werde ein großer Aufwand für die Unterhaltung betrieben. „Wir helfen, wo es geht“, sagte er. Maier warf einen kurzen Blick zurück in die Geschichte. Von 1898 bis 1901 gebaut, umfasste die Strecke zwischen Mörlenbach und Wahlen sechs Bahnhöfe und zwei Haltestellen, sagte er.

Die Bahnanbindung Richtung Rheinebene war zum einen wichtig, damit die Arbeiter in die Industrieregion Rhein-Neckar kommen konnten, zum anderen, um Erze aus dem Bergbau transportieren zu können. Drei kleine Viadukte und das große bei Vöckelsbach, dazu noch der 679 Meter lange Tunnel unter der Kreidacher Höhe verschlingen heute den Hauptteil der Kosten. „Es wäre traurig, diese schönen Dinge nicht zu erhalten“, so Maier.

Seit 2010 treffen sich die Mitglieder des Draisinenverbands jährlich an einer anderen Strecke, erläuterte Gruber. Letztes Jahr war Thüringen dran. „Anschauen und der Erfahrungsaustausch“ stehen ganz oben auf der Liste. Es geht aber auch darum, Werbung für den jeweils anderen zu machen und sich die Bälle bzw. Gäste zuzuspielen. „Wir wollen in spe überall gewesen sein“, sagte er. Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland bis hin nach Mecklenburg-Vorpommern. Überwiegend betreiben sie Fahrraddraisinen.

Heiße Musik im heißen Café Central

Es dampft im Café Central. Aus zwei Gründen: heiße Sounds von „Lacuna Coil“ und heiße, verbrauchte, schwitzige Luft, weil keine Fenster geöffnet werden (dürfen?) und weil es wohl keine Lüftung gibt. Für die italienische Metal-Band um Frontfrau Cristina Scabbia weniger ein Problem, für manche Fans eher. Die müssen ab und zu mal nach draußen zum Luftschnappen. Was sie aber drin geboten bekommen, entschädigt: Die Mailänder beweisen eindrucksvoll, warum sie zur Speerspitze ihres Landes in ihrem Musik-Genre gehören.

Einerseits sehr melodisch, dann aber wieder metallisch bis hin zu den harten Death Metal-Growls von Andrea Ferro, deckt die Band ein ziemlich weites Spektrum an musikalischen Einflüssen ab. Das zeigt sich auch an der Bandbreite des Publikums. Da sind die eingefleischten Rocker dabei, aber auch etliche junge Leute, die die Band mit ihren am Zeitgeist angelehnten Songs anspricht. Von Alltagsklamotten bis hin zu Metal-Shirts von Iron Maiden ist alles vertreten.

Dazu kommen noch ein paar Relikte der wilden 70er Jahre, bereits etwas verlebt aussehend, denen man abnimmt, dass sie schon mit Ozzy Osbourne um die Häuser gezogen sind, angereichert mit ein paar ganz „normalen“ Fans, denen man mit Designerbrille, grau meliertem Haar und modischem Haarschnitt nicht unbedingt die Vorliebe für die härteren Töne ansieht. Sie alle eint, dass sie auf die Musik des Quintetts abfahren. Der Saal im Café Central ist vollgestopft bis oben hin, sodass selbst der hintere Eingang mit Bar ziemlich belagert ist.

Nach verhaltenem, sehr melodischem Beginn, bei dem die Personen auf der Bühne aufgrund der andauernd wechselnden Scheinwerfer kaum zu erkennen sind, geht’s in die Vollen. Der Kontrast zwischen der sanften Alt-Frauenstimme und dem männlichen Reibeisenorgan macht die Besonderheit aus. Leise, akustische Momente werden abgelöst von brachialen Krachern, aber auch einprägsamem zweistimmigen Gesang.

Im Gepäck hat die Band neben dem vor zwei Jahren entstandenen Album „Delirium“ auch die neue Live-DVD „119“, die genau am Auftrittstag erscheint. Dass die (englischsprachigen) Songs nicht nur in Italien eine begeisterte Fan-Schar finden, sondern auch in der Sauna des Café Central, zeigt sich bereits bei den ersten Klängen. Die Gäste gehen bis in die letzten Reihen mit, singen, klatschen, bis der Schweiß in Strömen läuft, und sind von der professionellen Performance beeindruckt.

Denn „Lacuna Coil“ hat‘s nicht nur musikalisch drauf, die Band bietet auch was fürs Auge. Die Instrumentalisten sind, Gothic-Einflüssen angelehnt, weiß-gruselig geschminkt, was mit zunehmendem Konzert in der Hitze ins Fließen kommt. Als „definitly a hot show in every way“, einer im wahrsten Sinne des Wortes heißen Show, bezeichnet Cristina Scabbia augenzwinkernd den Auftritt. Das kleine Energiebündel, in rotem Kleid ein Blickfang, gibt den Songs, so heavy sie auch sein mögen, den mit ihrem Organ einen melodiösen Anstrich. Wohl nur wenige Bands vollführen derart virtuose Ausschläge in alle Richtungen und verbinden sie mit einem sehr druckvollen Sound, der im Saal sehr gut rüberkommt.

Dass sich selbst so bezeichnende Death- und Nu-Metaller auch ganz sanft können, zeigt die Ballade „When a dead man walks“. Die war im Vorfeld von den Fans auf Facebook stark nachgefragt worden, deshalb fand sie jetzt auch ihren Niederschlag im Live-Programm. „My Wings“, „Blood, Tears, Dust“ oder „Tight Rope“ sind andere Stücke, die das Vorurteil absolut widerlegen, bei der Musik der Truppe könnte es so heftig zugehen, dass kaum noch ein paar zusammenhängende Töne zu erkennen wären.

Im Gegenteil: Was „Lacuna Coil“ in Weinheim präsentieren, ist für Metal-Begriffe fast schon mainstreamtauglich. Die Growls werden eher dezent eingesetzt, passen sich in die Songstruktur ein, wechseln sich mit Gesangduetts ab. Gründungsmitglied Marco Coti Zelati (Bass, Gitarre, Keyboard), der neue Schlagzeuger Ryan Blake Folden und Gitarrist Diego Cavallotti sorgen für den instrumentalen Unterbau, der manchmal fast ein bisschen geleckt rüberkommt.

Treibende Rhythmen, eine wummernde Double-Bassdrum, filigrane Gitarrenriffs: Die Band zeigt, warum sie schon mehrmals nach Wacken verpflichtet wurde und bereits die ganz Großen der Szene auf deren Tour begleiten durfte. Die Musiker wiederum sind jedes Jahr aufs Neue beeindruckt, wie das Publikum mitgeht, die Songs schon beim ersten Ton erkennt und kräftig mitsingt. „Ohne euch wären wir gar nichts“, gibt es deshalb ein großes Lob von Scabbia.

Zu hören gibt’s ein Best-of der vergangenen mehr als 20 Bandjahre: „One Cold Day”, „Heaven‘s a Lie“ oder „The House of Shame” sind da ebenso dabei wie das 2006er Depeche Mode-Cover „Enjoy the Silence”, das den Italienern viel Aufmerksamkeit verschaffte. „Nothing Stands in Our Way“ heißt es ganz zum Schluss, als letzte Zugabe. Schweren Herzens mussten dann die Fans doch zu später Stunde den Weg nach Hause antreten – zwei Stunden super Musik reicher.

Stolze kleine und große Drachenbastler in Wald-Michelbach

Die Kinder und Erwachsenen der katholischen Pfarrgruppe hatten dieser Tage viel Spaß beim Drachen-Basteln und dem anschließen Steigen-Lassen in Wald-Michelbach. Der Einladung zu dem rund zweieinhalbstündigen Bastelevent am Samstagvormittag waren über 20 Kinder gefolgt, freute sich Irina Burger vom Orga-Team. „Es war für uns ein Riesen-Erfolg, dass auf die Einladung so viele kamen“, sagte sie. „Damit hatten wir nicht gerechnet.“

Unter der Leitung von Pfarrer Peter Pristas, K. Gölz-Ehret und ihr selbst malten, klebten und bastelten die Kleinen und Großen hochkonzentriert an den Drachenbausätzen, die zu so manch einer Herausforderung einluden. Denn es handelte es sich doch dabei um einen Bausatz für ältere Grundschulkinder. Die jüngsten Teilnehmer waren auch gerade einmal vier Jahre alt. Doch wurde einander geholfen und unterstützt, wo man nur konnte.

Und so gelang es tatsächlich, alle Drachen am Mittag fertig zu stellen. Am darauffolgenden Tag luden die Organisatoren dann alle Teilnehmer zur gemeinsamen Gottesdienst-Feier ein, um im Anschluss daran die neu gebastelten Drachen auf dem nahe gelegenen „Weißkopf“ einer Feuertaufe zu unterziehen.

Ganz wohlgesonnen war jedoch das Wetter den Unternehmungslustigen nicht. Es nieselte, als man am Sonntag aus der Kirche trat. Doch dem Enthusiasmus der Kinder und Erwachsenen tat dies keinen Abbruch. So sah man auf der Höhe schon bald die ersten Drachen am Himmel fliegen. Durchnässt, aber stolz gingen die kleinen und großen Drachenbastler später nach Hause.

Abtsteinacher Bauhofhalle braucht eine Generalüberholung

Die Bauhofhalle ist nur eine Baustelle von mehreren. Sie ist aber wie andere Gemeinde-Gebäude auch in die Jahre gekommen und muss bald saniert werden. Diese Arbeiten sollen in ein Gesamtkonzept mit einfließen, was wann und wie in der kommenden Zeit angegangen wird. Im Vorfeld der Haushaltsklausur, bei der die Verwaltung diese Planung vorstellen will, machte sich nun der Bauausschuss unter der Leitung von Konrad Abraham ein Bild vor Ort.

Bürgermeisterin Angelika Beckenbach und Bauamtsleiter Karl Deschl erläuterten den Mandatsträgern die verschiedenen notwendigen Maßnahmen. So sind etwa die Einfahrtstore ins Altgebäude alt, zugig und undicht. Also generell „in ihrer Funktionalität eingeschränkt“, wie Beckenbach sagte. Außerdem ist energetisch einiges zu machen. Fenster und Dämmung stammen noch aus der Errichtungszeit des über 50 Jahre alten Gebäudes.

Dazu kommt ein undichtes Flachdach, das zusammen mit der unzureichenden Dämmung mit dafür verantwortlich ist, dass es an den Wänden Schimmelbildung gibt. Weiter stehen sogenannte „Schönheitsreparaturen“ an: Ein Anstrich ist nötig, außerdem braucht das Büro einen neuen Bodenbelag. Es gibt Probleme mit dem Abwasserablauf. Diese „grobe Bestandsaufnahme“ fließt ins Sanierungskonzept mit ein, das auf der Haushalts-Klausurtagung beraten werden soll.

Mit dem Bauhof ist es aber nicht getan. Das Dach der Friedhofshalle und des Rathauses sind ebenfalls auf der Agenda. Wenn dann sowieso schon ein Gerüst steht, meinte die Bürgermeisterin, stelle sich auch die Frage der Fassadenerneuerung. Das Gemeindehaus in Unter-Abtsteinach, das frühere Feuerwehr-Gerätehaus, ist ebenfalls nicht mehr taufrisch.

„Summen stehen noch keine im Raum“, betonte Beckenbach. Über den Umfang der Ausführung zu welchem Preis wird erst nach der kompletten Bestandsaufnahme beraten. Thema im Ausschuss war ebenfalls die künftige Nutzung der Halle am Sportplatz in Ober-Abtsteinach. Auch hier nahmen die Mitglieder von der aktuellen Situation Kenntnis.

Die Mundharmonika schluchzt, weint und jubiliert im Muddy’s

Der Meister an der Mundharmonika ist zu Gast. Paul Lamb, der seine „King Snakes“ als Begleitband dabei hat, zeigt im „Muddy’s Club“, welche Töne er dem nicht alltäglichen Instrument zu entlocken vermag, treibt den Blues seines Quintetts damit ein ums andere Mal an, begeistert die Zuschauer im Gewölbekeller mit seinem virtuosen Spiel, bei dem er teilweise scheinbar ohne Luftholen auskommt. Die Fans wissen, was sie an dem 63-Jährigen haben, war er doch vor zwei Jahren das letzte Mal hier.

Der Beginn ist eher gemächlich. Zwei ältere Herren schlurfen, aus dem Publikum kommend, sich angeregt unterhaltend, auf die Bühne, nachdem sie sich vorher noch kurz über den kuscheligen Club ausgetauscht hatte. Der eine schnappt sich die Gitarre, der andere die Blues Harp. Hätte Paul Lamb nicht die braun getönte Sonnenbrille auf, könnte man meinen, er wäre gerade gemütlich von der Couch aufgestanden. Sein dunkelblaues Outfit mit Satinanklang kommt einem Schlafanzug doch recht nahe.

Chad Strenz an Gitarre und Gesang ergänzt dein Eindruck einer Altherrencombo, wenn er mit dem grünen Hemd und brauen Sakko in Cord-Look gemächlich den Sechssaiter überstreift. Dazu noch Bassist Rod Demick, ebenfalls älteren Semesters, und fertig ist die Ü60-Band. Weit gefehlt. Die älteren haben es voll drauf. Während des ersten Songs kommen noch Schlagzeuger Mike Thorne und Gitarrist Ryan „Junior“ Lamb mit hinzu, die den Altersschnitt erheblich drücken.

Sie alle eint die Lust am Blues, ob jetzt Jung oder Alt. Die Band ist tief drin in der Musik, versteht sich blind. Die Lamb(ert)s, Vater Paul und Sohn Ryan (geboren 1986), bilden dabei das musikalische Rückgrat. Wenn der eine auf der Mundharmonika, der andere auf der Leadgitarre, das Thema zweistimmig spielen, schallen die Blues-Songs volltönend bis in den letzten Winkel des Gewölbekellers.

Während im Hintergrund die eher monotonen Töne von Bass und Schlagzeug wummern, spielen sich vorn die beiden die Töne zu. Paul Lamb lässt seine Harp schluchzen, weinen, wimmern, ächzen, aber auch jubilieren und fast trällern – so viele Facetten vermag er seinem Instrument in einem einzigen Lied zu entlocken. Sein Sohn hält kräftig dagegen.

Wenn man den Briten so spielen hört, wird klar, warum sein aktuelles Album „Live at the Royal Albert Hall“, vor einem Jahr in ebendiesem Londoner Konzerthaus aufgenommen, von der Kritik so enthusiastisch gelobt wurde. Er verschmilzt förmlich mit seiner Blues-Mundharmonika. „Mr Lamb‘s Groove Walk“ oder „Jumpin‘ Little Judy“ sind solche Stücke, bei denen sich Familie Lamb die musikalischen Bälle zuspielt, dass im Publikum die Beine und Füße merklich anfangen zu zucken. Der eine oder die andere traut sich schon zu tanzen.

Strenz steuert dazu die passende Stimme zu, die man ihm nach dem äußeren Anschein gar nicht zutrauen würde – ein erdiges Organ, das den schwermütigen Südstaatenblues nach Süddeutschland transportiert. Bevor es aber doch zu depressiv wird, haut die Band danach einen fetzigen Chicago Blues raus, bei dem Lamb junior seine Finger auf der Gitarre spielen lässt, sodass begeisterter Zwischenapplaus aufbrandet. Das Faible für Sonnenbrillen im dunklen Gewölbekeller scheint beide zu einen.

Vater Paul kann auf der Bühne kaum stillstehen. Selbst wenn er nicht gerade der Mundharmonika die höchsten Töne entlockt, ist er immer in Bewegung, animiert die Zuschauer links und rechts im Gewölbe. Irgendwann wird es ihm auf den zehn Quadratmetern Spielfläche zu eng und er wechselt kurzerhand in den Zuschauerraum. Während hintendran die Band einen Zahn zulegt, presst er noch den letzten Fetzen Luft aus dem hintersten Winkel der Mundharmonika, holt gefühlt fünf Minuten lang ohne zu atmen alles aus dem Instrument heraus, um sich danach im Beifall der Gäste zu sonnen.

Der Blues ist ja für alle Stimmungen gut. Einmal gibt er den tiefsten Weltschmerz wieder, dann, in seiner fröhlichen Fassung, schreit er himmelhoch jauchzend die ganze Freude des Musikers raus. Lamb überholt sich teilweise beim Spielen fast selbst, wenn er den Rhythmus immer weiter vorantreibt. Zwischendurch gönnt er sich mal eine Verschnaufpause, während die Band ein Stück allein runterfetzt.

In der Pause und nach dem Konzert, das natürlich nicht ohne Zugabe enden darf, zeigt sich Paul Lamb als Musiker zum Anfassen, der gerne eine seiner zahlreichen CDs signiert. Im Mittelpunkt steht dabei die neueste Aufnahme, aber in seiner Karriere hat der 63-Jährige schon etliche Silberlinge auf den Markt gebracht, die des Öfteren Preise einheimsten. In schöner Regelmäßigkeit lieferten die King Snakes das „UK Blues Album des Jahres“ ab.