Dank für langjährigen Dienst: Wald-Michelbacher Feuerwehr ehrte beim Kameradschaftsabend einige Aktive

Punkt 21 Uhr begann nach dem gemeinsamen Abendessen der offizielle Teil des Kameradschaftsabends der Wald-Michelbacher Feuerwehr, in dem Ehrungen für langjährigen aktiven Dienst im Mittelpunkt standen. Die Feuerwehrkapelle sorgte für den musikalischen Auftakt. Gemeindebrandinspektor (GBI) Peter Capuani freute sich über die zahlreiche Teilnahme der Brandschützer und lobte in seiner kurzen Ansprache noch einmal die hervorragend gelungene Inspektionsübung des Nachmittags.

Capuani ließ die zurückliegenden Monate Revue passieren, beginnend mit dem Einzug in das neue Feuerwehrhaus und die damit verbundenen Tätigkeiten sowie Ereignisse. Als Ehrengäste begrüßte der GBI Bürgermeister Dr. Sascha Weber sowie den Kreisbrandmeister und stellvertretenden Verbandsvorsitzenden Sven Falter. Besonders erfreut zeigte er sich darüber, dass der Bürgermeister auch seine Gattin Kathrin mitgebracht hatte. Dies zeige, dass es für ihn nicht nur um eine rein dienstliche Verpflichtung gehe, sondern sich die beiden auch für die Menschen in der Feuerwehr interessierten.

Kreisbrandmeister, Gemeindebrandinspektor und Bürgermeister nahmen dann gemeinsam die anstehenden Ehrungen vor. Das Brandschutzehrenzeichen in Silber für 25 Jahre aktiven Dienst erhielt Jens Löffler. Er trat 1992 in die Jugendfeuerwehr Löhrbach ein. 1995 verlegte er mit seinen Eltern den Wohnort nach Wald-Michelbach und ist seitdem dort Mitglied. Der Oberlöschmeister ist Gruppenführer und verantwortlicher Atemschutzgerätewart für die Gesamtgemeinde.

Oberfeuerwehrmann Christian Roth, ebenfalls mit dem silbernen Abzeichen geehrt, trat 1992 in die Jugendfeuerwehr Aschbach ein, war später Mitglied der dortigen Einsatzabteilung und ebenso als Vereinswirt tätig. Nach der Auflösung der Feuerwehr Aschbach wechselte er in die Wald-Michelbacher Einsatzabteilung. Auch im neuen Feuerwehrhaus unterstützt er tatkräftig den Wirtschaftsbetrieb.

Das Brandschutzehrenzeichen in Gold für 40 Jahre aktiven Dienst bekam Roland Kreuzig. Er trat 1977 mit 14 Jahren in die Jugendfeuerwehr ein. Der Sohn des früheren Wehrführers und Ortsbrandmeisters Heinz Kreuzig war eine Säule der Wettkampfmannschaft in den 80er Jahren und erwarb 1988 das goldene Leistungsabzeichen. Daneben war der Löschmeister lange Jahre Gruppenführer und engagierte sich von 1991 bis 2001 als Rechner und Kassenwart auch im Vereinsvorstand.

Nicht nur der Kreisbrandmeister hatte stattliche Ehrungen dabei. Der Bürgermeister überreichte im Anschluss mehrere Anerkennungsprämien mit den besonderen Grüßen der Darmstädter Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (siehe unten). Nach dem offiziellen Teil, den wiederum die Feuerwehrkapelle beschloss, feierte man noch bis in die Nacht hinein. Dazwischen gab es mehrere vom Vergnügungsausschuss vorbereitete und sehr lustige Einlagen. Bei denen musste etwa der Bürgermeister im Maßkrugstemmen gegen den Gemeindebrandinspektor antreten. Er schlug sich dabei ebenso wacker wie beim anschließenden Austrinken.

Ehrungen: Zehn Jahre Saskia Kunkel, 20 Jahre Mirco Helfrich, Sven und Linda Wilhelm, 30 Jahre Ralf Weiß, 40 Jahre Thomas Johann (wurde bereits nach der Übung in Hartenrod überreicht)

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Der Lärmschutzwall hin zur Abtsteinacher Gewerbegebiets-Erweiterung bekommt ein grünes Gesicht

Der Lärmschutzwall zwischen der Gewerbegebiets-Erweiterung im hinteren Steinböhl und dem unterhalb liegenden Wohngebiet wird ein sehr grünes Gesicht bekommen. Die Planung dafür stellte jetzt Birgit Bretschneider vom gleichnamigen Büro für Objekt- und Landschaftsplanung in Wald-Michelbach dem Bau- und Umweltausschuss auf dessen Sitzung vor. Die Gesamtwalllänge beläuft sich auf etwa 200 laufende Meter. Die zu bepflanzende Fläche beträgt ihren Worten zufolge 1600 Quadratmeter. 1100 Pflanzen, Sträucher und Bäume sollen dort ihren Platz finden.

Nachdem der Lärmschutzwall im April fertiggestellt worden war, wurde eine Zwischenansaat mit Grassamen vorgenommen, um Abbrüche und Abschwemmungen zu verhindern, erläuterte Bürgermeisterin Angelika Beckenbach zu Beginn. Der Ausschuss empfahl der Gemeindevertretung einstimmig den Vergabevorschlag für die Bepflanzung. Demnach soll die Gras-Ellenbacher Firma „La Fonte Verde“ für knapp 23.000 Euro den Zuschlag bekommen. Sie ist bereits durch weitere Arbeiten in der Gemeinde bekannt. Das Honorar des Büros Bretschneider beträgt knapp 5000 Euro.

Entsprechend der Vorgaben der Ausgleichsplanung des Bebauungsplanes werden hier Sträucher und Hochstämme eingepflanzt, erläuterte Birgit Bretschneider. Wie sie sagte, beträgt der Reihenabstand einen Meter, der Abstand der Pflanzen untereinander in der jeweiligen Reihe 1,50 Meter. Die Gewächse werden jeweils versetzt angeordnet, damit eine Verzahnung entsteht. Die Pflanzung ist ihren Worten zufolge stufig angeordnet. „In der Mitte stehen die höchsten Bäume“, so Bretschneider. Damit werde der Windangriff nach oben abgeleitet und entstehe weniger Bruchgefahr.

„Das wird ein sehr dichtes heimisches Gehölz“, meinte sie mit Blick auf die ausgesuchten Arten. Darunter sind Feld- und Spitzahorn, Sommerflieder, Hainbuche, Schlehe, Weißdorn, Holunder, Eberesche, Hartriegel, Eibe oder Liguster. Neben zahlreichen anderen. 1100 Pflanzen sind es insgesamt auf der Fläche. Die Maßnahme ist für die diesjährige Pflanzsaison vorgesehen.

Frank Wetzel (FWV) erkundigte sich nach dem Anteil der immergrünen Pflanzen. Auf die hatte man in einer früheren Sitzung Wert gelegt. Wie Bretschneider sagte, seien hier die Vorgaben des Bebauungsplans ziemlich eindeutig. „Es darf nur ein gewisser Prozentsatz an Nadelholz sein.“ Man habe allerdings zusätzlich Laubhölzer ausgewählt, die relativ lange ihr grünes Kleid tragen. Außerdem seien die Sträucher durch die Verzahnung untereinander ebenfalls ziemlich blickdicht.

Die vielen Vorgaben im Plan führten bei Willy Schröder (SPD) zu Augenrollen. „Das ist Deutschland, was hier verlangt wird“, meinte er. Martina Heller (FWV) warf die Frage nach der weiteren Pflege auf. Hans Bretschneider erläuterte, dass im Angebot eine sogenannte „Fertigstellungspflege“ enthalten sei. Ein Jahr werde sowohl gewässert als auch ausgefallene Pflanzen kostenlos ersetzt. Danach, meinte er, gehe in der Regel alles seinen normalen Gang. „Nach fünf Jahren sieht man nichts mehr.“

Durch die lange Frostperiode im Winter 2016/2017 ist bei den Garten- und Landschaftsbauern ein Auftragsstau aufgelaufen, der erst im Frühjahr erst abgearbeitet werden konnte, hieß es. Hierdurch waren die Angebotspreise in den diesjährigen Ausschreibungen deutlich angestiegen. Um diesen Effekt abzumildern, wurde die Angebotseinholung erst im Juli/August durchgeführt.

Bald Baum- und Wiesengrabbestattungen auf dem Abtsteinacher Friedhof möglich

Der Friedhof der Hardberg-Gemeinde bekommt eine neue Fläche für Baum- und Wiesengrab-Urnenbestattungen. Das entsprechende Konzept stellte Architekt Hans Bretschneider vom gleichnamigen Büro für Objekt- und Landschaftsplanung aus Wald-Michelbach dem Bau- und Umweltausschuss auf dessen Sitzung vor. Die Mandatsträger empfahlen einstimmig der Gemeindevertretung, dem günstigsten Bieter für knapp 100.000 Euro den Zuschlag für diese Maßnahme zu erteilen.

Mit dem Auftrag soll die Firma „La Fonte Verde“ aus Gras-Ellenbach bedacht werden, die vergangenes Jahr auch die Urnengrabfläche im Altfriedhof erweiterte. Zu deren Summe kommen noch Honorarkosten für das Büro Bretschneider in Höhe von etwa 14.000 Euro brutto hinzu. Da eine Kostenschätzung Ende 2014 nur knapp 100.000 Euro Gesamtkosten auflistete, müssen die rechtlichen Gelder jetzt überplanmäßig bereitgestellt werden. Deshalb ging die zusätzliche Empfehlung des Ausschusses an die Gemeindevertreter, dafür 20.000 Euro zu bewilligen. Die Deckung wird durch eine Einsparung beim Neubau Feuerwehrgerätehaus gewährleistet.

Allerdings muss es nicht dazu kommen, dass die volle Summe abgerufen wird. Denn Bretschneider stellte eine günstigere Pflaster-Alternative gegenüber dem auf dem alten Friedhof verwendeten vor. Das LP5 kostet nämlich in kleinen Abnahme-Mengen 80 statt normal 55 Euro pro laufendem Meter. Eine Differenz, die beim Ausschuss Eindruck machte. Bis zur Gemeindevertreter-Sitzung sollen nun die restlichen Details abgeklärt werden, ob die billigere Variante verwendet werden kann und verfügbar ist.

Hans Bretschneider verdeutlichte dem Gremium die Konzeption der Baum- und Wiesengrabflächen. Angebunden werden soll das Gelände über den alten Friedhofsweg. Es gibt einen drei Meter breiten Erschließungsweg, der mit einer wassergebundenen Decke angelegt wird. Zur Wiese hin ist eine Pflasterabgrenzung vorgesehen. Der Hauptweg endet an einen Mittelkreis mit Kastanie in Anlehnung an den alten Friedhofsteil. Dieser soll eine Breite von 4,70 Metern haben.

Der über die Wiese führende kleine Weg ist etwas über einen Meter breit. Am Anfang der Fläche liegt ein kleiner Platz aus Muschelkalk-Steinen. Wie Bretschneider verdeutlichte, werden im Zuge dieser Maßnahme Wasser- und Abwasserleitungen plus Leerrohr für einen späteren Bauabschnitt bereits mitverlegt. Die Gräber werden seinen Worten zufolge „teilanonym“ gestaltet. Das Grab sei nicht zu lokalisieren. Allerdings werden in Baumnähe Erinnerungstafeln angebracht, aus denen sich herauslesen lässt, wer in der Fläche bestattet ist.

Das bisher auf dem Friedhof verwendete sogenannte LP5-Pflaster kostet inzwischen laut Bretschneider in kleinen Mengen mehr. Auch wisse er nicht, wie lange es noch verfügbar sei. „Wenn man einen Bruch macht, dann jetzt“, meinte er mit Blick auf spätere Erweiterungen des Friedhofs. Denn das Alternativpflaster sei sicherlich lange verfügbar.

Ausschuss-Vorsitzender Konrad Abraham (CDU) war von der günstigeren Variante angetan. „Die passt recht gut zum Muschelkalk“, meinte er. Peter Jöst (CDU) fragte den Freiraum rund um die Kastanie nach. „Ich sehe keine Probleme“, meinte Bretschneider in dieser Hinsicht. Er verdeutlichte auf Frage von Willy Schröder (SPD), dass die Ausschreibung unter Abfrage des teureren Materials erfolgte. Für die Firmen wäre es kein Thema, das andere Pflaster zu verwenden.

In der Gemeindevertretung soll dann auch die Alternative als Entscheidungsmöglichkeit auf die Tagesordnung kommen. Denn Einsparungen wären gerne gesehen. Aufgrund der langen Frostperiode im Winter 2016/2017 waren die Angebotspreise in den diesjährigen Ausschreibungen deutlich angestiegen. Um diesen Effekt abzumildern, wurde die Angebotseinholung erst im Juli/ August durchgeführt.

Als Restmittel sind im Haushaltsposten noch knapp 94.000 Euro verfügbar. Da sich die Gesamtkosten aufgrund der außerordentlichen Preisentwicklung auf 111.000 Euro aufsummieren, entsteht eine Deckungslücke von über 17.000 Euro, was die überplanmäßigen Mittel erforderlich macht. Die Ausführung ist für die aktuelle Pflanzperiode vorgesehen.

Kerwe in Gras-Ellenbach: „Loasst doch die Kerweborscht de Iwwerwoald regier’n“

Wehe dem, der sich übers Jahr die Aufmerksamkeit von Kerweparre Tibor Mink zugezogen hatte. Der zückte gleich den Stift, notierte sich alles haarklein und breitete es nun in seiner Kerwepredigt am Sonntagnachmittag in der Nibelungenhalle in den schillerndsten Farben aus. Nach dem Umzug waren Teilnehmer und Besucher hineingeströmt und füllten die Sitzplätze bis in den letzten Winkel. Wer zu spät kam, musste mit einem Stehplatz vorlieb nehmen.

Bis alles vorbereitet war, die Kerwejugend in den Saal marschiert war und auch nach Minks Aufzählungen von diversen Unzulänglichkeiten sorgten die „Stephanos“ für Unterhaltung. Auf der Bühne hatten sich derweil die verschiedenen Umzugsteilnehmer niedergelassen, um dem Geschehen aus nächster Nähe beizuwohnen. Der Kerweparre, unterstützt von seiner ansehnlichen „Kerwebraut“ Erik Wolf, nahm kein Blatt vor den Mund.

Der Kulturtrip eines TSV-Fußballers nach Thailand fand bei ihm ebenso Erwähnung wie die doch nicht so fundierten medizinischen Kenntnisse eines örtlichen Möchtegern-„Medicus“. Der hatte so seine Probleme, die Unterschiede zwischen Schulterluxation und Bänderriss zu erkennen. Der Ausflug an den Wald-Michelbacher Sportplatz endete für einen Gras-Ellenbacher damit, dass er am nächsten Tag sein Auto im ganzen Ort suchte. Nur hatte er vergessen, dass er den fahrbaren Untersatz schon zuvor in gute Hände abgegeben hatte.

Ein Frühjahrs-Grillabend förderte im Herbst noch etwas zutage: Denn die versammelte Mannschaft übte sich im Pfeile schießen. Weil man dabei aber auch ziemlich viel Zielwasser intus hatte, ging was verloren: „Der Pfeil oan sich, der war verschwunne, ma hoat en ach net glei wie gefunne.“ Eben erst im Herbst, als die Pflanzen von Nachbars Terrasse in die Wärme sollten.

Schadenfreude ist die schönste Freude: Man sollte eben nicht mitten in der Nacht nach einem schönen langen Zechabend die Ersatzreifen aus der väterlichen Garage holen und dabei die falschen erwischen. Denn dann bleibt die Kiste bei der Werkstatt gleich länger stehen. Nochmal um Autos ging es in der Geschichte, als ein ortsbekannter Gras-Ellenbacher Autotüftler bei seinem Flitzer vergessen hatte, die Bremse zu ziehen. „Sou is des Fahrzeu, wie soll ich soache, mit voller Wucht in de Garasch oigschloache.“

Der alte Zwist zwischen Hammelbach und Gras-Ellenbach wurde vom Kerweparre ebenfalls wieder aufgewärmt. „So kam’s, wie’s kumme is, en halbwegs gute Kompromiss“, meinte Tibor Mink zur Gemeindefusion in den 70er Jahren. „Litzelboch un Hammelboch derfe regier’n, Scharboch muss des akzeptier’n. Gras-Elleboch un Woahle, die brauch mer zum Bezoahle.“ Er wusste die Patentlösung: „Man misst’s prowier’n, loasst doch die Kerweborsch de Iwwerwoald regier’n.“

Die Kerwe ist für die zahlreichen Helfer immer eine Herzensangelegenheit. Ein paar Mann kümmern sich um die Hauptorganisation, allen voran Attila Fodor. Über die fünf tollen Tage helfen etwa 40 Personen mit, damit alles reibungslos abläuft. Die Kerweburschen kümmerten sich um den Bau der Umzugswagen und organisierten den Ablauf, dazu kamen noch Bandunterstützer, Küchenkräfte und „Materialschlepper“.

Eine volle Halle an den verschiedenen Tagen dankte es ihnen. So wie am Sonntag, als zuerst der Kerwegottesdienst mit Pfarrer Stefan Ningel dort stattfand. Das Mittagessen, Gulasch mit Nudeln „à la Hagen“ vom benachbarten gleichnamigen Landgasthof Daniel-Hagen Wolfs, fand wie immer großen Anklang. Im Anschluss spielte die Kocherbacher Trachtenkapelle zum Kurkonzert auf. Die Musiker aus dem Wald-Michelbacher Ortsteil zeigten ihr Können mit ihrem breiten Repertoire aus klassischen Volksmusikstücken.

Draußen konnten sich derweil bei schönen Wetter die Kinder auf dem „Rummelplatz“ vergnügen. So lautete dieses Jahr auch das Motto der Nibelungenkerwe. Kettenkarussell, Süßwarenstand, Schießstand, Crepes-Bude und historisches Kinderkarussell standen als Attraktionen bereit. Allerdings fehlte ein wenig die Masse der Heranwachsenden für die verschiedenen Angebote.

Der Sonntag klang mit der Preisverleihung des Luftballon-Wettbewerbs aus dem vergangenen Jahr aus. Der Frühschoppen mit Freibier ging unter musikalischer Untermalung durch „Singles“ vor sich. Es gab deftiges Wellfleisch neben den Klassikern Bratwurst und Steaks. Der Landgasthof Hagen sorgte dafür, dass auch allerlei anderes frisch Gekochtes auf den Teller kam. Eine große Kuchen- und Tortentheke durfte nicht fehlen.

Dem Eingraben der Kerwe auf dem Grundstück dessen, der sich in diesem Jahr am meisten hatte zuschulden kommen lassen, ging ein Bilderrätsel mit Ortsbürgern voraus. „Jeder Tag lief dieses Jahr besser als im vergangenen“, freute sich Attila Fodor fürs Orga-Team. Beste Motivation also, es im kommenden Jahr mit neuen Kräften wieder anzugehen.

Der Wald-Michelbacher Lederer Frank Derikatz ließ sich bei den Tagen des offenen Ateliers über die Schulter schauen

Wer bei Frank Derikatz zur Tür reinkommt, dem fällt zuerst der Ledergeruch auf. Ein paar Schritte weiter wird dann klar, warum die Luft damit geschwängert ist. Ledertaschen, -jacken, -geldbeutel und –säckchen hängen auf Kleiderbügeln, auf Ständern oder sind in der Vitrine ausgestellt. Der Ledermacher mit seinem Label „Life Culture“ beteiligte sich zusammen mit Martina Seibel wieder an den Tagen des offenen Ateliers. Diesmal in neuen Räumlichkeiten im Feriendorf 40, die viel mehr Platz zum Arbeiten und für die verschiedenen Exponate boten.

Die am Fenster hängende Lederjacke könnte originalgetreu von Sam Hawkins aus den Winnetou-Filmen stammen. „Das Rentierleder stammt aus einer schwedischen Gerberei“, so Derikatz. Es wurde aus einer kompletten Haut geschnitten. Am aufwändigsten sind die über 1000 Löcher, um dort den Leinenzwirn hinein zu fädeln. Denn die „stanze ich alle von Hand“, schmunzelt er. Und sie müssen alle den gleichen Abstand haben, „sonst ist die Arbeit umsonst“. Darüber hinaus wird das Material dreilagig vernäht.

Die Knöpfe an der Jacke sind aus Elch- oder Rentierhorn, als Applikationen verwendet er Perlen oder Steine. 100 bis 120 Arbeitsstunden investiert Derikatz in das Einzelstück, das natürlich dann auch seinen Preis hat. Sein Lederfett stellt der 54-jährige ehemalige Bürgermeister-Kandidat selbst her. Dazu verwendet er auch Bienenwachs von eigenen Völkern im Garten. 250 Punziereisen nennt der Lederer sein Eigen, um damit Muster oder Löcher ins Leder zu schlagen.

Fast schon ein Klacks im Vergleich zur Jacke ist für ihn die Fertigung eines „normalen“ Ledergürtels. In 15 bis 30 Minuten hat Derikatz diesen mit seiner 36-jährigen Erfahrung fertiggestellt. „Es geht aber auch aufwändig mit vier bis fünf Stunden Arbeit“, erläutert er. Wenn etwa Muster eingeprägt werden sollen. In der Regel näht er die Schlaufen mit Leinenzwirn zusammen statt sie zu nieten. Eine Nietmaschine mit verschiedenen Einsätzen für Druckknöpfe steht aber auch auf seiner Arbeitsfläche.

Zuerst steht die Auswahl der richtigen Farbe an. Soll der Gürtel in Schwarz sein oder in einem angenehmen, dunklen Rotbraun? Natürlich will auch die richtige Länge gefunden werden. „Ich mag es nicht, wenn das Ende so rumschlabbert“, plädiert Derikatz eher für eine kurze Ausführung mit fünf Löchern. Wo die Enden überlappen, „schneide ich das Leder dünner“, sagt er. Die Schlaufe muss festsitzen.

Auch werden die Kanten von ihm zugeschnitten. Damit diese nicht ausfasern, arbeitet er mit extrem scharfen Skalpellen. „Es ist eine Kunst, diese scharf zu halten“, erläutert Derikatz. Zum Vernähen nutzt er als nachwachsenden Rohstoff Leinenzwirn und keinen Polyesterfaden. „Damit arbeite ich schon seit 36 Jahren“, so der Ledermacher. Die Punziereisen schlägt er mit einem Rohhauthammer ins Leder, den ihm ein Freund gedrechselt hat. Die Haut wiederum wurde von Indianern hergestellt. Zuletzt kommt das eigene Lederfett drauf.

Etwas Besonderes sind laut Frank Derikatz die aufwändigen Prägearbeiten auf Leder. Je nach Auftrag fertigt er dafür Zeichnungen am Computer an, bevor diese mit 20 Tonnen eingeprägt werden. „Eine Herausforderung“ war für ihn auch eine Messerscheide für ein ganz spezielles Schneidewerkzeug. Von Hand nähte er das Leder dreilagig zusammen.

Übers Wochenende kamen etliche Besucher in sein Atelier. „Die waren sehr interessiert an meinen Techniken und Produkten“, freute er sich. Es sei spannend, „dass jemand überhaupt noch so arbeitet“, bekam er als Rückmeldung. Aus Heppenheim, Weinheim, aber auch aus dem Fränkischen reisten die Gäste an. „Ich suche immer noch Lücken, wo ich mich verbessern kann“, meint Derikatz. Aber inzwischen wird das immer schwieriger, lacht er.

Sein Sortiment ist breit gefächert: Da sind Sattelbezüge oder Harleytaschen für Biker dabei, aber auch Schreibtischauflagen, Brillenetuis und -bänder, Portemonnaies in rustikalem Look, Handy- oder Pferdetaschen. Hundehalsbänder und -leinen gehören ebenso zu seinem Sortiment. Für seine Waren hat Derikatz ganz hohe Qualitätsansprüche.

„Alles wird in Handarbeit hergestellt“, lässt er keine Maschine daran. Der Lederer verwendet „nur naturgegerbtes Leder mit Zertifikat“, dessen Herkunftsort eindeutig bestimmt werden kann. Martina Seibel präsentierte daneben ihre Bilder mit Naturmotiven wie Bienen, Blumen und Vögeln. Kaffee, Tee, Kuchen, Kekse, Minzwasser und Muffins rundeten die Ausstellung ab.

Info: Frank Derikatz/Martina Seibel, Feriendorf 40, Wald-Michelbach, Telefon 06207/605744, E-Mail lifeculture@gmx.de, http://www.lifeculture.eu

Abtsteinacher Gewerbesteuer sprudelt in diesem Jahr nicht so stark wie erhofft

Das Gewerbesteueraufkommen 2017 macht Finanzchef Reiner Berbner etwas Sorgen. Wie der Verwaltungsmitarbeiter auf der vergangenen Haupt- und Finanzausschuss-Sitzung in seinem Bericht über den Haushaltsvollzug des aktuellen Jahres sagte, werden die Einnahmen wohl nicht den Planansatz von 900.000 Euro erreichen. Allerdings fehlen bei den zehn größten Steuerzahlern des Ortes auch noch die Veranlagungen aus 2016, womit diese noch keine gesicherten Angaben über die Höhe ihrer aktuellen Zahlungen machten könnten.

Berbner teilte mit, dass die anderen Eckdaten des Etats zum Stand Ende August mehr oder weniger im Plan sind. Bis auf kleinere Abweichungen geht er davon aus, dass die Ansätze so erreicht werden, wie es in der Aufstellung Ende des vergangenen Jahres prognostiziert worden war. Die Gewerbesteuer jedoch ist immer ein unsicherer Faktor. Denn wenn große Steuerzahler investieren oder Abschreibungen geltend machen, sinkt der Ertrag für die Gemeinde. Er betonte jedoch, dass Abtsteinach für seine Größe trotzdem bei diesen Steuereinnahmen sehr gut dasteht.

Sinkt die Gewerbesteuer, sinkt bei geringerem Aufkommen auch die Umlage. Aber eher ein schwacher Trost. Der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer „müsste auf jeden Fall den Ansatz erreichen“, sagte Berbner. „Vielleicht liegt er sogar etwas drüber.“ Was die angekündigte Senkung der Kreisumlage in die Abtsteinacher Kasse spült, ist laut dem Finanzmann noch abzuwarten. Hier fehlen auch die Angaben darüber, wie hoch diese ausfallen könnte. Seinen Worten zufolge stehen ebenso noch Grundstücksverkäufe aus.

Berbner erläuterte, dass die Ergebnisse im Wasser- und Abwasserbereich aktuell ein paar tausend Euro unter den Planzahlen liegen. Aber hier warte man noch auf die Endabrechnung, die in der Regel diese Differenz korrigiert. Seinen Worten zufolge läuft die Umlegung der Grundstücke im Gewerbegebiet noch. Deshalb lassen diese Einnahmen auch noch auf sich warten.

Bürgermeisterin Angelika Beckenbach ergänzte, dass man für den Abbruch der „Rose“ im Zuge des Betreuten Wohnens ein Angebot mit 163.000 Euro auf dem Tisch liegen habe. Dazu kommen dann noch ein paar zusätzliche kleinere Kosten. Die Straßenbaumaßnahmen im Bereich Ring- und Waldstraße sowie am Wildenberg gestalteten sich in Teilen teurer, so die Rathauschefin. Allerdings müsste man die Maßnahme insgesamt sehen. Denn andere Teile dürften wiederum günstiger sein, „so dass wir im Gesamtrahmen drin bleiben“.

Die Abrechnung der Bürgersteige in der Hauptstraße steht laut Berbner weiterhin aus, denn „die Sache hängt vor Gericht“. Wegen der fehlenden Schlussabrechnung „konnten wir auch die Landeszuschüsse noch nicht abrufen“, sagte er. Die Kosten für die vorbereitenden Maßnahmen auf dem Friedhof, um in den kommenden Jahren eine Baum- und Wiesengrabbestattung anbieten zu können, „liegen über der Schätzung“, sagte Beckenbach.

Einhellig billigten die Mandatsträger die Neufassung des bestehenden Mietvertrags mit Vodafone für die Funkstation auf dem Wasserhochbehälter in Unter-Abtsteinach und empfahlen sie den Gemeindevertretern zur Zustimmung. Eigentlich wäre dafür noch etwas Zeit gewesen, aber nach Angaben der Bürgermeisterin ging es dem Mobilfunkanbieter darum, sich rechtzeitig diesen Standort wieder zu sichern.

Gespräche mit Vodafone, ob diese denn in Zukunft etwas mehr zahlen würden, scheiterten allerdings. Eher würde der Anbieter den eher als Reserve genutzten Standort aufgeben als eine Erhöhung in Kauf zu nehmen, sagte sie. Denn die Versorgung lasse sich wohl auch mit den anderen bestehenden Stationen sichern, so Beckenbach.

Bei den Tagen des offenen Ateliers wurde im Hammelbacher Imasgo-Atelier die Fotoausstellung „Schwarze und weiße Berufe“ gezeigt

Es gibt viele Kontraste, aber auch unvermutete Gemeinsamkeiten. „Schwarze und weiße Berufe“ lautete der Titel der Fotoausstellung, die an den Tagen des offenen Ateliers im Imsago-Atelier von Martine Rüdinger auf der Hard in Hammelbach zu sehen waren. Die Bilder von handwerklichen Berufen aus dem westafrikanischen Land hatte die im Verein „Christen für Afrika“ aktive Rüdinger geschossen. Die Oden- und Überwälder Motive steuerte der Scharbacher Hobby-Fotograf Peter Hahn bei.

Das Atelier hatte Martine Rüdinger mit Vereinsunterstützung im Frühsommer eingerichtet. Dort werden Waren aus Imasgo verkauft, deren Erlös dann getreu des Prinzips „Hilfe zur Selbsthilfe“ den Menschen vor Ort zugutekommen soll, damit die daraus wiederum ihren Lebensunterhalt bestreiten können. So arbeitet der von ihr fotografierte Schneider dem Verein zu. Der im Bild festgehaltene Tischler wiederum stellt Möbel für die von der Birkenauer Organisation aufgebaute Schule her.

Peter Hahn schoss die Bilder in der direkten Umgebung des Überwalds oder in Birkenau. Er suchte sich hiesige Werkstätten, in denen der gleiche Beruf ausgeübt wird. Hahn orientierte sich dabei an den von Martine Rüdinger mitgebrachten Motiven. Dabei stellte er trotz aller Unterschiede auch immer wieder Gemeinsamkeiten fest.

Aber allein die spartanische Ausstattung der Werkräume in Burkina Faso im Gegensatz zu den hiesigen Arbeitsweisen zeigt, auf welch unterschiedlichem Standard gearbeitet wird. Hahns Aufnahmen aus der näheren Umgebung haben auch einen gewissen Wiedererkennungswert. So hängt ein Bild des Eiscafés in Wahlen neben dem eines Cafés aus Imasgo. Ein Schulzimmer des Ortes in Burkina Faso kontrastiert mit einem Raum aus der Wahlener Ulfenbachtal-Schule. Und auch die beiden Kirchen werden gegenüber gestellt.

Hahn, im Hauptberuf Förster im Bereich Kühkopf im Kreis Groß-Gerau, hat sich auf Porträtbilder und Theateraufnahmen spezialisiert. Seine Zusammenarbeit mit Martine Rüdinger hatte bereits einen Vorläufer in der Fotoserie von Odenwälder und afrikanischen Frauen. Während hierzulande oft die Großeltern mit dabei sind, „ist es dort die Ausnahme“, so Hahn. Der Grund: „Die Menschen werden nicht so alt.“ Rüdinger brachte die Porträts von ihren Reisen mit, Hahn ergänzte sie mit seinen Aufnahmen.

Ihm geht es darum, „auf die Situation der Menschen in Burkina Faso hinzuweisen“. Und gleichzeitig aufzuzeigen, „wie arm das Land ist“. Mit den einfachsten Mitteln lasse sich den Leuten dort helfen. Hahn wünscht sich, mit den Fotos auch Spenden zu generieren. Das in der Ulfenbachtal-Schule entstandene Bild hatte einen solch positiven Effekt. Die Schüler spendeten spontan 500 Euro aus der Klassenkasse.

Regelmäßig kommen Waren aus Burkina Faso als Nachschub in Hammelbach an. Diese Woche wird wieder ein Container erwartet, weil die Christen aus Afrika am 24. September auf dem Handwerkermarkt bei der Schreinerei Bellut in Airlenbach dabei sind und dort neue Dinge in Angebot haben möchten.

Seit der Eröffnung Ende Juni haben weitere Möbel aus Burkina Faso den Weg in den Überwald gefunden, erläuterte Rüdinger den interessierten Gästen beim Tag des offenen Ateliers. Diese wurden aus Holz für den Sitz und Ölfässern für Lehne und Beine gefertigt. Stühle und typisch afrikanische Sitzbänke gibt es in dieser Form. Recycling in bestem Sinne also. Auch Tabletts wurden aus Ölfässer-Resten hergestellt.

Das ist jedoch nur eine kleine Palette der Waren, die aus Burkina Faso den Weg nach Deutschland finden. Darunter sind auch afrikanische Tiere aus Ebenholz oder Kaïcedra, von den Dorfbewohnern hergestellter Schmuck aus Glas, Papier, Horn und Stoff, filigrane Basteleien in Form von Autos oder Fahrrädern aus alten Blechdosen oder ein nach Traubenzucker schmeckendes Produkt aus dem Inneren der Affenbrotbaum-Frucht. Aus der Turareg-Region in Nord-Burkina ist Silberschmuck zu finden.

„Unser vorrangiges Ziel ist es, mit dem Produktverkauf die Menschen in Imasgo zu unterstützen, damit sie auf eigenen Beinen stehen können“, betonte Rüdinger. Deshalb habe man den Laden auch komplett von den anderen Projekten wie etwa der Schule getrennt. „Die Menschen in Afrika sollen genug Geld verdienen, um sich Dinge des täglichen Lebens selbst finanzieren zu können.“

Dazu gab es Essen und Getränke nach afrikanischen Rezepten. So Dégué aus Hirse, Quark und braunem Zucker und frischer Mango, weiter ein Gericht aus Kochbananen, den Hibiskustee Bissap mit Ingwer, braunem Zucker und Limonen oder eine leckere Erdnuss-Suppe, die Marcello Capello kreiert hatte. Das Gewürz Soumbala, aus dem Baum Neré gewonnen, wurde abgepackt verkauft.   tom

 

Informationen: http://christen-fuer-afrika.de