„Hussmouge“ sagen Sitzungen ab

„Es ist brutal“, verdeutlicht Sitzungspräsident Thomas Sattler, dass den Aschbacher „Hussmouge“ ihre Entscheidung nicht leicht fiel: Die vier Saal-Prunksitzungen im kommenden Jahr wurden wegen der Corona-Pandemie abgesagt. „2021 müssen wir ‚ne Pause machen, 2022 lassen wir es dann richtig krachen“, geben die Fastnachter jetzt als Parole aus. Über die Durchführung von Straßenfastnacht und Rathaussturm im November wird noch beraten.

„Die Kindergruppen hätten schon geprobt“, macht Sattler klar, dass eine Entscheidung her musste. Denn hinter den vier Sitzungen der Aschbacher Narren steht ein riesiger Rattenschwanz an Vorbereitung. Doch angesichts der Unsicherheiten konnte man nicht in die Planung gehen. Andere Vereine mit weniger Aufwand könnten sich mehr Zeit bei der Entscheidung lassen, weiß der Sitzungspräsident. In Aschbach stehen aber jedes Mal um dies 120 Aktive auf der Bühne. Deshalb war man in Termindruck.

„Wir haben lange überlegt“, erzählt Sattler. Es gab am Montag noch eine Videokonferenz der Fastnachtsvereine mit dem Landrat, „aber wir waren vorher schon zu 99,5 Prozent entschlossen abzusagen“, ergänzt Vorsitzender Horst Gramlich. Unter den jetzigen Bedingungen mit den nötigen Hygienekonzepten wäre die Saalfastnacht nicht durchführbar – und auch die anstehenden Proben wären schwierig geworden.

In der Videoschalte der Kreis-Narren wurden Ideen ausgetauscht, wie das Vereinsleben in dieser schweren Zeit fortgeführt werden kann. Die Tendenz war ähnlich, erläutert Gramlich: Es wird wohl allgemein Absagen geben, manche eher früher als später.

Sollte sich kurzfristig die Corona-Lage ändern, dann überlegen die Aschbacher Fastnachter, was sie noch anstelle der Sitzungen auf die Schnelle auf die Beine stellen könnten. Da in der Zwischenzeit  keine Proben stattfinden, geht es auch darum, „die Mitglieder bei der Stange zu halten“. Mit einem Video informierten die beiden die Aktiven deshalb über die Absage. „Es ist uns sehr schwer gefallen“, betont Sattler. Aber die Pandemie-Entwicklung ließ dem Verein zur jetzigen Zeit keinen anderen Ausweg.

Bei Rathaussturm und Straßenfastnacht sieht es anders aus. Hier ist die Vorbereitungszeit sehr kurz. „Keiner muss proben.“ Deshalb kann der Verein kurzfristig reagieren. Wobei Sattler aufgrund der aktuellen Nachrichtenlage eher pessimistisch ist. Allerdings machte man sich schon Gedanken über ein mögliches Hygienekonzept. Wie es mit dem Kreisnarrentreffen aussieht, vermag er noch nicht zu sagen. Bisher gibt es aus Heppenheim keinen negativen Bescheid, so der Sitzungspräsident.

„Wir wollen früh in die Planungen 2022 gehen“, kündigte Sattler an angesichts der langen Vorlaufzeit an, damit es dann Weltklasse wird. Denn dann soll Corona-frei gefeiert werden, bis die Schwarte kracht. Und obwohl noch nicht der 11.11. ist, schließen die beiden ihre Videonachricht mit dem Schlachtruf „Aschbach Helau, Hussmouge Helau“.

Großer Aufwand für große Gottesdienste

Wie sollen die großen Gottesdienste in der zweiten Jahreshälfte stattfinden, treibt derzeit Hammelbachs evangelischen Pfarrer Stefan Ningel um. Denn nach wie vor bestimmen die durch die Corona-Pandemie auferlegten Abstands- und Hygieneregeln deren Ausrichtung. Zu diesem Thema gab es vor kurzem auch Post vom Kirchenpräsidenten. Ningel ist klar: „Wir werden Weihnachten und Erntedank nicht in gewohnter Form feiern.“ Wo und wie steht noch in den Sternen.

Der Geistliche überlegt derzeit, am Ewigkeitssonntag auf den Friedhöfen die Verkündigung zu halten. Die Beratung dazu wird demnächst im Kirchenvorstand erfolgen. Denn in die Kirche dürfen höchstens 25 Gläubige gleichzeitig rein. Ningel weiß aber, dass derzeit viele einen Gottesdienstbesuch scheuen, weil es ihnen gesundheitlich noch zu riskant ist.

Die beiden Küsterinnen Renate Meyer-Keil und ihre Tochter Tina kümmern sich um die Hygiene- und Abstandsregeln. Sie desinfizieren die Plätze, weisen sie zu und verteilen, falls nötig, Masken und wenn gewünscht Handschuhe. „Sie machen das sehr engagiert und verantwortungsbewusst“, kann sich der Geistliche auf seine Mitarbeiterinnen verlassen.

Die Sommerkirche im Überwald könnte einen Weg weisen, wie man mit „zu großen“ Gottesdiensten umgeht. Dann da gab es einen jeweils am Samstagabend und Sonntagmorgen. Der Pfarrer zeigt sich mit dem Zulauf zufrieden. Auch die Resonanz der Besucher auf diese Aufteilung war positiv. Bei gutem Wetter predigt Ningel sowieso gern Open-Air, so etwa auf der Freilichtbühne in Gras-Ellenbach. „Das wurde mit über 50 Leuten sehr gut angenommen“, freut er sich.

Deshalb denkt der Geistliche auch an Fortsetzungen unter freiem Himmel. In der heutigen Zeit, betont er, „sind neue und unkonventionelle Ideen gefragt“. Bedauert wird von ihm, „dass wir nicht singen dürfen“. Zumindest gibt es aber musikalische Begleitung. Ningel sucht stattdessen Stücke aus, „die ich singen würde“, und druckt die Texte zum „Mitsummen“ aus.

Über die Frage, „wo können wir feiern, um möglichst viele Menschen zu erreichen“, kreisen seine Gedanken. Mit den neuen Konfirmanden könnte er sich vorstellen, in die Kapellenruine neben dem Aicher Cent zu gehen und dort mit entsprechendem Abstand Bierbänke aufzustellen. Dieses Jahr wird auch noch der Konfirmations-Gottesdienst vom Frühjahr nachgeholt. Auch dessen Gestaltung will natürlich wohlüberlegt sein. Vielleicht wird es mehrere geben, ist seine Überlegung.

Dem Geistlichen fehlen die Gottesdienste außer der Reihe. „In mir brennt das Feuer für das Besondere“, verrät er. Seine Inspirationsquelle „sprudelt nicht so wie sonst“. Da tat es vor den Ferien gut, „sich Gedanken über die Sommerkirche zu machen“. Gerade bei Hochzeiten „springt der Funke über“, erläutert er. Das vermisste der Pfarrer in diesem Jahr. Sehr bedauert hat er auch, dass zwei Taufen nicht wie geplant stattfinden können. Denn es wurden zwei seiner früheren Konfirmanden quasi zur gleichen Zeit Vater. Die beiden sah er zusammen aufwachsen.

„Kirchenaustritte sind vor Ort wenig spürbar“, hat Ningel festgestellt. Im vergangenen halben Jahr während Corona gab es sie quasi nicht. Im Jahresschnitt sind es um die vier, listet er auf. Zum Glück hat er notiert: „Es gibt einen festen Stock an Gläubigen.“ Dass deren Zahl trotzdem sinkt, liegt an der zurückgehenden Zahl von Taufen und der gleichzeitig steigenden Zahl von Bestattungen. „Diese Lücke wird größer“, bedauert er. Die Zahl der Gottesdienst-Besucher ist seiner Beobachtung nach auf gleichbleibendem Niveau.                  tom

 

Zur evangelischen Kirchenspiel Hammelbach gehörten auch Gras-Ellenbach, Litzelbach und Weschnitz. Aktuell gibt es 1295 Kirchenmitglieder, im Jahr 2000 waren es 1368.

 

Stefan Ningel (57) stammt aus Mannheim. Nach dem Studium der Theologie und Gemeindepädagogik legte er 2004 die Prüfungen für den Pfarrdienst ab und wurde im März 2005 Pfarrer in Hammelbach. Zuvor war Ningel als Gemeindepädagoge in Mörlenbach und Darmstadt tätig.

 

 

Mit Brennnesselgeist aufs Jubiläum anstoßen

Jetzt gibt es was zum Runterspülen des Ärgers, dass die Jubiläumsfeierlichkeiten zum 700-jährigen Bestehen von Kocherbach und Litzelbach nach dem Start Anfang März durch die Corona-Pandemie ein abruptes Ende nahmen. Die „Odenwälder Feine Brände“ kreierten einen Brennnessel-Geist in einer limitierten Auflage von 100 durchnummerierten 0,35-Liter-Flaschen, der nun den Fest-Machern und beiden Bürgermeistern nun präsentiert wurde.

Geistreiche 38,8 Prozent Alkohol hat das süffige Getränk. „Edition 700 Jahre Litzelbach-Kocherbach“ ist darauf zu lesen. Oben befindet sich das neue Wappen des Grasellenbacher Ortsteils mit der Jahreszahl 1320, der ersten urkundlichen Erwähnung darauf, sowie symbolisierten Steinbrüchen und Bachlauf, unten ist das Kocherbacher Schlangenkreuz zu sehen. Jede Flasche erhielt handschriftlich eine Ziffer.

„Sie müssen junge Pflanzen nehmen“, riet Monica Gehrig-Himmel allen potenziellen Nachahmern. In ihrem Fall waren es „zwei Schubkarren voll“, schmunzelte ihr Mann Johannes, den die beiden rund um den Ort sammelten. Die Brennnesseln wurden gewaschen und dann gezupft – selbstverständlich mit Handschuhen. 24 Stunden verbachten die Blätter danach im Alkohol, ehe nach 3,5 Stunden Brennen der gleichnamige Geist entstand.

Wie das vor sich geht, erläuterte Gehrig zuvor noch in der Brennstube. Denn es gibt einen Unterschied zum Brand, bei dem Obst erst kleingeschnitten und dann verarbeitet wird. Beim Geist, so Gehrig, nimmt man hochprozentigen Neutralalkohol und legt dort etwas ein. Allerdings darf das Ergebnis nicht in voller Prozentzahl gebrannt werden, sonst geht es in die Luft.

Initiator für die Aktion war der Kocherbacher Jürgen Klieber. Der regte zum Jubiläum einen besonderen Brand an – und traf damit auf offene Ohren. Mit dem Thema Brennnesseln hatte sich Gehrig schon längere Zeit befasst, seit er bei einer Fortbildung damit in Kontakt gekommen war. „Davon gibt es genug auf unserer Gemarkung“, lachte er. Und dazu wird dem Kraut noch eine heilende Wirkung zugeschrieben.

Für die Festlichkeiten haben die beiden Orte ein Prinzenpaar auserkoren, das mit Blick auf die früheren Steinbrüche auf beiden Gemarkungen auf den Namen „Buntsandstein-Prinzenpaar“ getauft wurde. Als Sabrina I. (Wolk) und Jonathan I. (Fischer) übernahmen die beiden 14-jährigen Jugendlichen die Regentschaft für die Ortsjubiläen. Beide waren bei der Zeremonie auch dabei – für sie gab’s aber nur Wasser und den Brennnesselgeist lediglich stellvertretend.

Wie geht es weiter mit der 700-Jahr-Feier? Eigentlich war in diesem Rahmen am 13. September ein Hoffest bei den Odenwälder Feinen Bränden geplant. Das kann in der Form nicht stattfinden. Stattdessen soll es, wenn es die Auflagen zulassen, einen kleinen Markt ohne Sitzgelegenheiten geben. Der wäre von den Besucherzahlen her nicht eingeschränkt, meint Gehrig.

Am Dienstag soll es Neuigkeiten in Sachen Corona-Vorgaben geben, so seine Info. Dann wisse man mehr. Angedacht ist dann, die Bilderausstellung, die bereits beim Jubiläumsgottesdienst in Kocherbach zu sehen, in Litzelbach in der Scheune den Besuchern zugänglich zu machen. Fürs Jubel-Fest gibt’s auch noch eine spezielle Praline, kreiert von Johanna Heiligenthal, und ein besonderes Brot von Bäcker Danzeisen.

Die Wählemer Kerwe findet bereits „dehoam“ statt, die Hammelbacher Ende September soll laut Bürgermeister Markus Röth in geänderter Form steigen. Der Überwälder Wandertag „findet statt“, bekräftigte Wald-Michelbachs Bürgermeister Dr. Sascha Weber. Start und Ziel sind anlässlich des Jubiläums dieses Jahr in Kocherbach. Der Rahmen ist zwar noch unklar – ob es Musik und Bewirtungsstände geben wird -, aber gewandert werden soll auf jeden Fall.

In Sachen Weihnachtsmärkte warten beide Kommunen im Moment noch ab, denn man würde sie sehr gerne durchführen – aber natürlich wenn dies unter den gegebenen Auflagen möglich ist. Gerd Ader dankte seitens der Fest-Organisatoren für das süffige „Heilmittel“. Eine Probier- oder große Falsche gab’s im Anschluss für die Teilnehmer des kleinen Treffens.

Ader ergänzte, dass auch Kocherbach noch zu einem besonderen Jubiläumsstein kommt. In Litzelbach gibt es bereits einen, durch Edmund Bauer gestalteten, am Friedhof zwischen Ober- und Unterdorf. Ein ähnlicher soll unter Bauers Händen auch für den Ortseingang des Wald-Michelbacher Ortsteils entstehen. Zwei weitere Säulen stehen bereits. Am Ortsausgang Richtung Tromm wurde außerdem am Tag des Baumes ein ebensolcher gepflanzt.

Der Blick in die Zukunft macht Sorgen

Auch wenn die Wald-Michelbach stolze 617.000 Euro von Bund und Land zum Ausgleich des Gewerbesteuerausfalls bekommt, kann sie das Geld natürlich nicht mit vollen Händen ausgeben – beziehungsweise gar nicht. Im Gegenteil: Haushaltsdisziplin ist angesagt. Mit Blick auf die Zahlen dieses Jahres ist Bürgermeister Dr. Sascha Weber noch relativ entspannt, aber die Vorausschau auf 2021 und 2022 bereitet ihm Kopfzerbrechen.

Die jetzt zugesagte Summe „brauchen wir für den Haushaltsausgleich“, verdeutlicht Weber. Aktuell lässt es sich seinen Worten nach nur schwer abschätzen, wie es Ende des Jahres aussieht. Er rechnet damit, dass von den veranschlagten 2,7 Millionen Euro Gewerbesteuern etwa noch zwei Millionen in die Kasse kommen werden. Damit wäre mit dem Zuschuss „das Loch zum größten Teil gestopft“, ist der Bürgermeister optimistisch.

Dass das Gemeindeoberhaupt aktuell ziemlich gelassen agieren kann, liegt auch an dem für 2020 eingeplanten Überschuss von 700.000 im Ergebnishaushalt. Deshalb „trifft es uns nicht so hart“. Weber erhofft sich in der Endabrechnung 2020 „eine schwarze Null“. Somit läuft in diesem Jahr erst einmal „alles normal weiter“.

Die derzeitigen Investitionen sind nicht gefährdet. Weber nennt hier als größten Brocken den Kita-Neubau mit drei Millionen Euro, dann die energetische Sanierung des Rathauses mit fast 300.000 Euro ebenso wie die Wasserleitung Weidenklingen in ähnlicher Höhe. Auf dem ehemaligen Friedhof kostet die Umgestaltung für Baumbestattungen 200.000 Euro. Insgesamt gibt es ein Gesamtinvestitionsvolumen von fast 6,7 Millionen. Trotzdem will die Verwaltung versuchen, mit Blick auf die Zukunft bei den laufenden Ausgaben einzusparen, was sich anbietet.

Denn dem Bürgermeister machen die wahrscheinlichen weiteren, zusätzlichen Rückgänge Sorgen. Wenn die Einbußen bei Einkommen- und Umsatzsteueranteilen anhalten, die sich bereits im zweiten Quartal mit einer Höhe von fast 18 und elf Prozent abzeichneten, könnte sich das in der Jahresendabrechnung auf eine Million Euro summieren. Diese Anteile sind mit mehr als 5,7 Millionen Euro der größte jährliche Einnahmeposten im Haushalt.

Auch wenn Wald-Michelbach 2020 noch über die Runden kommen dürfte, „wäre es gut, eine Perspektive zu haben“, wünscht sich Weber einen politischen Silberstreif am Horizont. Der könnte so aussehen, dass von oben bereits Unterstützung für 2021 signalisiert wird – auch wenn noch nicht absehbar ist, wie diese aussehen könnte.

Die jetzige Soforthilfe sieht er gerade für ländliche Kommunen als sehr wichtig an. Denn Weber zufolge gibt es etliche finanzschwache Gemeinden, die bereits wieder Kassenkredite aufnehmen müssen – obwohl das eigentlich vermieden werden soll. Jedoch sollte seinen Worten nach eine Unterstützung langfristiger angelegt sein – also eine Art finanzieller dauerhafter Landregen statt einem kräftigen Schauer, der genauso schnell in der Sommersonne verdunstet wie er gekommen ist.

Der Bürgermeister weist darauf hin, dass große Flächengemeinden wie Wald-Michelbach viel Infrastruktur unterhalten muss: Straßen, Kanäle, Leitungen. Bis vor einigen Jahren wurde das noch vom Land gefördert, inzwischen aber nicht mehr. Gerade in der jetzigen Situation „wäre es gut, wieder Programme aufzulegen“, betont er.

Weber nennt als Beispiel die Kläranlagen: Da würden vom Land immer neue, niedrigere Grenzwerte vorschrieben, „aber wir bekommen nichts dafür in die Hand“. Wie hier gibt es einige Beispiele, wo die Landesregierung bestimmte Dinge von den Städten und Gemeinden einfordert, sich aber bei der (finanziellen) Umsetzung heraushält, meint er.

Stolz über das in 20 Jahren Erreichte

Den Waldlehrpfad hätte Helmut Gremm gerne noch über die Bühne gebracht, bevor er kommendes Frühjahr seinen Ehrenamts-Job als Ortsvorsteher abgibt. Aber das haut leider nicht mehr hin, weil sich das Projekt durch Einsprüche verzögerte. Aber ansonsten hinterlässt er nach 20 Jahren an der Spitze des Ortsbeirats ein bestelltes Feld. Daran ändert auch der Stillstand während der Corona-Pandemie nichts – die wichtigen Themen wurden schon vorher abgeschlossen oder laufen bereits.

„Der war fast schon durch“, bedauert der 68-Jährige, dass mit dem Waldlehrpfad eines seiner langjährigen Anliegen in die Verlängerung musste. Das erste Mal ging es in den Gremien bereits vor etlichen Jahren um diese Strecke beim Sportplatz. Nachdem die zwischenzeitlichen Vorbehalte ausgeräumt waren, befindet sich der Waldlehrpfad mit seinen Änderungen nun noch einmal in der Beantragungsrunde. In diesem Zug wurden auch neue Kriterien mit aufgenommen.

Während seiner Amtszeit widmete sich Gremm immer dem Zustand der Ortsstraßen. Dort reiht sich mitunter Schlagloch an Schlagloch. Vor allem die Weinheimer Straße stand dabei im Fokus. Hier hat die Gemeinde Wald-Michelbach inzwischen die Zusage von Hessen Mobil, so der Kenntnisstand des Ortsvorstehers, dass die Landesstraße voraussichtlich ab 2022 erneuert wird.

„Ich glaube nicht, dass sie solange hält“, ist Gremm angesichts des maroden Zustands skeptisch. Er hatte die Buckelpiste in den vergangenen Jahren immer wieder thematisiert. „Das brennt mir auf den Nägeln“, bekennt der Siedelsbrunner. Seine Befürchtung: dass durch die Corona-Pandemie die öffentlichen Mittel knapp werden und dann die Sanierung nochmal aufgeschoben wird.

Dem Holzzaun rund ums alte Schulhaus gilt daneben sein Fokus. Den hält er eine Gefahr für Kinder, weil die Bretter abfallen und Schrauben bereits mit der Hand reingedrückt werden können. Diesem Thema will sich der Ortsvorsteher ebenso bald widmen wie einer Erneuerung der Lautsprecheranlage auf dem Friedhof.

Da durch die Abstandsregeln die Besucher weiter auseinander standen, bemerkte man bei einer Beerdigung, dass nur wenig Ton in den hinteren Reihen ankam. Generell soll bald eine Begehung des Friedhofs mit dem zuständigen Amt stattfinden, um zu schauen, was verbesserungsbedürftig ist. Wegen Corona blieb im Ort eigentlich nichts liegen, überlegt Gremm. Aber es fiel eine große Sache aus: Die Feier zum 125-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr. Sie soll kommendes Jahr nachgeholt werden.

Das Behinderten-WC auf dem Schulhof steht vor der Fertigstellung, nur der Verputz fehlt noch. Auf den Tafeln am Ehrenmal wurde die Schrift erneuert und wurden sie wieder montiert. Der Parkplatz an der Straße Richtung Kreidacher Höhe, in der Vergangenheit ebenfalls oft Thema, wurde hergerichtet und freigeschnitten, freut sich der scheidende Ortsvorsteher über den Fortgang. „Das macht mich stolz, dass so vieles erreicht wurde“, sagt Gremm.

Eine andere größere Maßnahme, die Erweiterung des Bürgerhauses, wird von TV und Schützenverein beackert. Die Gelder dafür sind zugesagt. Beide Vereine profitieren von dem Boom, der sich nach dem Bau des Bürgerhauses 2001 einstellte. Das war damals in einer außergewöhnlichen Aktion der Ortsgemeinschaft mit Tausenden von ehrenamtlichen Stunden errichtet worden. Aufgrund der Abstandsregelungen können die Vereine allerdings derzeit schlecht zu Werke gehen und warten auf Lockerungen.

Helmut Gremm liegt es am Herzen, für die kommende Ortsbeiratswahl eine gemeinsame Liste aufzustellen, damit auch weiterhin ein solches Gremium existiert. Er sieht das gewissermaßen als „mein Vermächtnis“. Denn diese Liste kann – im Gegensatz zu den Wahlvorschlägen der Parteien mit nur fünf – bis zu 20 Personen umfassen. Dafür laufen gerade die Planungen. Ende August soll der Ortsbeirat wieder zusammenkommen. Der Ortsvorsteher macht aber klar: „Ich kandidiere nicht mehr.“

Sorge bereitet Gremm das immer schnellere Sterben von Gaststätten und Hotels. In den 70er und 80er Jahren war Siedelsbrunn beliebtes Fremdenverkehrsziel. Ein starker Verkehrs- in Verbindung mit dem Heimatverein bewegte einiges. Diese Zeiten sind längst vorbei. Von sieben Gaststätten ist nicht mehr viel übrig, auch Hotels und Pensionen haben in großer Zahl zugemacht.

Helmut Gremm (68) ist seit 2001 Ortsvorsteher von Siedelsbrunn. 2016 wurde er mit 83 Prozent wiedergewählt. 38 Jahre lang gehörte er bis 2019 für die SPD der Gemeindevertretung Wald-Michelbach an. Gebürtig aus Liebersbach, zog er nach seiner Heirat 1973 nach Siedelsbrunn und engagierte sich sofort. Auch heute noch ist er vielfältig im Orts- und Vereinsleben aktiv.

  1. Was muss man über den Ortsteil wissen (historisch): Auch wenn Siedelsbrunn das Prädikat Luftkurort nicht mehr trägt, ist es doch bekannt für seine saubere Luft. Viele Menschen aus den Ballungsgebieten kommen nicht nur zu Besuch, sondern auch gleich zum Wohnen hierher. Mit der urkundlichen Ersterwähnung 1012 ist das Dorf Ort neben Abtsteinach und Schönmattenwag eine der ältesten Ortschaften im Überwald. Siedelsbrunn „müsste aber älter sein“, weil der Höhenweg am Zollstock entlang schon seit jeher eine viel genutzte Verbindung war.
  2. Was muss man im Ortsteil unbedingt gesehen haben: Die Bergkirche mit der bunten Glasfront „sieht super aus, wenn die Sonne drauf scheint“; die „tollen Wanderwege“ rund um den Kottenberg eröffnen spektakuläre Aussichten ins Ulfenbachtal und Richtung Katzenbuckel.
  3. Die wichtigsten Veranstaltungen: Hammelstanz am 1. Mai mit Frühlingsfest, von Lehrer Jungmann ins Leben gerufen; die Kerwe als „Fest der Feste“ für die Dorfjugend.

Bild: Helmut Gremm mit dem ehemaligen Bürgermeister Joachim Kunkel

Zuhause bekommt sie den Kopf frei

Wenn beide Eltern den ganzen Tag Musik machen, dann saugt die Tochter diese natürlich mit der Muttermilch auf. „Ich habe als kleines Mädchen schon mitgesungen“, erinnert sich Viviane Essig. Als Jugendliche war sie viel in Clubs der Region unterwegs und trällerte dort Alicia-Keys-Nummern, ehe sie mit Frederic Michel in der ersten eigenen Band „quasi auf allen Odenwald-Festen“ auftrat. Ihr eigenes Projekt „Vivie Ann“ war gerade richtig am Durchstarten, da kam Corona.

„Es ist eine mittlere Katastrophe“, erzählt die Überwälderin aus Wahlen. Noch ist nicht absehbar, wann es weiter geht. Konzerte werden laufend verschoben, „es gibt große Unsicherheiten“. Und das nach einem erfolgreichen Jahr 2019. „When the Harbour becomes the Sea“ heißt ihr Album, für das es „ein super Feedback“ gab. Auf die Beine gestellt hatte es die 28-Jährige mittels Crowdfunding – 32.000 Euro kamen schnell zusammen.

„Ich mache keine Musik für Normale“, erläutert die Wahlenerin in Hamburg ihre ganz eigene Herangehensweise. „Vivie Ann“ ist ein international angelegtes Indipendent-Projekt mit eigenem Label. Liveauftritte stehen im Vordergrund. Mit ihrem vor allem englischsprachigen Gesang „habe ich viele Fans gewonnen“, freut sie sich.

Das Songwriting ist bei Viviane Essig „ein sehr intimer Prozess“. Sie schreibt alle Lieder allein und stellt sich dabei gegen den Mainstream. „Viele wollen um jeden Preis berühmt werden“, erzählt sie, weswegen die Songs dann durchdesignt werden, um dem zu entsprechen, „was gerade in ist“. Ganz anders bei der 28-Jährigen. „Ich singe über Dinge, die mir persönlich widerfahren sind“, gibt sie einen Einblick in ihr Schaffen.

Viviane Essig ist ehrlich in ihren Liedern und nimmt „kein Blatt vor den Mund“. Wer die Songs hört, „erfährt einiges über mich“, erläutert die Überwälderin. Sie macht sich quasi musikalisch „komplett nackt“. So sollte es dieses Jahr auch weitergehen. „Ich wollte neue Songs releasen“, so die Sängerin. Das ist aber jetzt nicht möglich, „weil mein Einkommen komplett weggebrochen ist“. Es fehlt der finanzielle Background für die Produktion.

Somit ist „die Zukunft meines Projekts erst einmal auf Eis gelegt“, bedauert die 28-Jährige. „Mir sind leider die Hände gebunden“, ist sie zur Untätigkeit verdammt. Für Viviane ein „unheimliches Ohnmachtsgefühl“. Sie weiß sich damit im gleichen Boot wie zahlreiche Kollegen, die von Existenzängsten geplagt werden. „Mein Kalender ist leer“, macht sie die Misere deutlich.

Die wirtschaftlichen Sorgen schlagen auf die Kreativität durch. „Es kommt kein Input“, beschreibt sie die aktuelle Leere. Sie weiß, dass sie als Selbständige immer mit einer Flaute rechnen muss. Ihr ist aber diese kreative Komponente „sehr wichtig, um glücklich zu sein“.  Die Musikerin ist traurig darüber, dass Kunst und Kultur auf dem Papier zwar wertgeschätzt werden, aber wenn es dann hart auf hart kommt, „spielt das keine Rolle mehr“.

Für Viviane Essig ist es „ein unheimliches Freiheitsgefühl, so zu arbeiten“, meint sie über ihre künstlerische Tätigkeit. Sie lernt immer neue Leute kennen und ist ständig unterwegs. „Es ist ein Geschenk, dass ich mit meiner Musik anderen Freude bereite“, betont sie. Sie ist dankbar dafür, dass die Fans nach einem Konzertbesuch „glücklicher nach Hause gehen“.

Hamburg, überrascht sie mit dieser Aussage, „ist dem Odenwald vom Gefühl her gar nicht so fern“.  Die dortige Musikerszene ist sehr familiär und unterstützt sich. Viel Grün und der Hafen machen Spaß. „Es ist nicht eine solche Skyline-Stadt wie Berlin“, erzählt Viviane nach zehn Jahren in der Hansestadt. Man kommt überall mit dem Fahrrad hin. Vor allem: Es geht nicht so stressig zu, die Menschen sind gelassen und versuchen vieles in Ruhe anzugehen.

Für die Inspiration geht’s aber immer wieder zurück in den Überwald. Hier genießt sie die Ruhe und wird nicht mal kurzfristig gebeten, etwas einzusingen. Der Odenwald ist die beste Medizin, „um den Kopf freizukriegen“. Weil sie hier aufgewachsen ist, „sprudeln die Ideen“. Viele Erinnerungen hängen am Landstrich. „Ich war ein Feld-Wald-Wiesen-Kind“, lacht die 28-Jährige. Die Erinnerung erzeugt ein Gefühl, „das mir beim Schreiben hilft, weil ich es in mir trage“.

Für Viviane Essig ist klar: „Ohne den Odenwald gäbe es viele meiner Songs nicht.“ Den derzeitigen Stillstand nutzt sie für eine musikalische Reise in die Jugend. „Ich singe Disney-Songs ein“, erzählt die Wahl-Hamburgerin. So ganz, ganz langsam, tun sich Richtung Oktober/November auch wieder Möglichkeiten in kleinem Rahmen auf, Musik machen zu können. Endlich.                       tom

 

Zitat: „Ohne den Odenwald gäbe es viele meiner Songs nicht.“

 

Viviane Essig (28) ist eines von vier Kindern der Berufsmusiker Gabi und Achim Essig. Von früh auf kam sie mit der Musik in Berührung. Ihre erste Rock-Pop-Band „Aime“, die vier/fünf Jahre bestand,  gründete sie zusammen mit Schlagzeuger Frederic Michel auf Affolterbach.

Nach dem Abitur am Überwald-Gymnasium zog Viviane nach Hamburg und studierte dort ein Jahr lang an der Hochschule für Musik und Theater. Parallel arbeitete sie für das WDR-Funkhausorchester und schrieb Songs für andere Künstler.

Als Sängerin war sie in der Folgezeit für das Kasseler Staatstheater, die Essener Philharmonie und die Neue Philharmonie Westfalen tätig.

Im vergangenen Jahr war sie mit ihrer eigenen Band „Vivie Ann“ im Vorprogramm von Max Giesinger und Johannes Oerding auf Tour.

Mehr unter www.vivieann.com und auf www.youtube.com/channel/UC8_Ms1o-s66ulyHBrrIJliA

 

Mit Uli Krell ist musikalisch immer zu rechnen

Die Musik spielte im Leben von Uli Krell schon seit je her eine große Rolle. Bereits als Jugendlicher nahm er die Gitarre zur Hand, später kamen dann weitere Saiteninstrumente wie Drehleier, Mandoline oder Bass dazu. „Ich bin sehr ohrenfixiert“, meint der 67-Jährige schmunzelnd über sein Hobby, aus dem vor fünf Jahren der Hammelbacher Klangwanderweg entstand. Etwas ganz anderes als sein früherer Beruf: Mathe- und Physik-Lehrer am Überwald-Gymnasium.

Vor 30 Jahren hatte Krell seine eigene Band, die sich auf historische Musik spezialisierte. Mangels Moneten baute er Harfe oder Drehleier selbst. Da seine Fächer am ÜWG „sehr kopforientiert“ waren, machte er eine Weiterbildung in Arbeitslehre. In diesem Rahmen absolvierte der Wahl-Hammelbacher ein Schreiner-Praktikum. „Das verstärkte in mir die Liebe zur Arbeit mit Holz“, erzählt er. Denn „Musik und Klänge waren schon immer mein Ding“.

Diese Vorlieben brachte er auch am Gymnasium mit ein, als er vor langen Jahren zwei Folk-Gruppen betreute. Denn früher „saßen die Kids noch mit der Gitarre auf dem Schulhof“, so der 67-Jährige. Aber als Angebot gab es damals nur ein Blockflötenorchester. Noch heute pflegt er Kontakte zu den früheren Schülern. Sobald es wieder möglich ist, will Krell wieder mit den Ehemaligen Musik machen. „Das ist für mich sehr wichtig“, betont er. Das fehlte ihm sehr, als wegen der Corona-Pandemie die Kontaktbeschränkungen galten und für größere Gruppen noch immer gelten.

Als es um die Instrumente für den Outdoor-Klangwanderweg ging, war klar, dass sich der Werkstoff Holz nur bedingt eignet. Klar wäre er für die Resonanzen besser, weiß Krell, aber eben nicht witterungsbeständig. „Ich habe schon genug Arbeit damit, alle Instrumente zu stimmen“, lacht er. Mit dem Fahrrad macht er regelmäßige Inspektionstouren, um nachzuschauen, ob überall die (richtigen) Töne erklingen. Aktuell hat er aus den Spenden bei seinen Führungen noch Reserven, um die „Ersatzteile“ zu bezahlen.

In den vergangenen Wochen erreichten Krell viele Fragen von außerhalb, ob der Klangwanderweg frei zugänglich ist. „Ich konnte die Leute alle beruhigen“, sagt er. „Es ist einiges los“, weiß er, aber natürlich gibt es auf acht Kilometern kein Gedränge. Abstände lassen sich ohne Probleme einhalten. Der Musikfan bekommt für sein „Baby“ durchweg positive Rückmeldungen, es erfreut sich großer Beliebtheit. Erst vor kurzem legte er wieder 200 Flyer nach.

Nach wie vor gibt es seine Idee des „klingenden Dorfs“: Krell baut auf Wunsch gegen Materialkostenerstattung Klangobjekte für den heimischen, privaten Garten. Allerdings wurde das bisher aus dem Ort selbst wenig in Anspruch genommen, lediglich aus Litzelbach. Er möchte „nach Corona“ eventuell in Form von Workshops seine Kenntnisse darüber weitergeben, worauf man beim Bau von Windspielen achten sollte.

Der 67-Jährige geht noch mit einer anderen Idee schwanger: ein kleines „Indoor“-Klangmuseum. Denn wenn Instrumente aus Holz (und nicht Metall) gebaut sind, „dann klingen sie viel schöner“, erläutert Krell. Da er sich aber die Miete für Räumlichkeiten nicht leisten kann, hofft er, dass es möglicherweise jemanden gibt, der diese ihm umsonst zur Verfügung stellen würde. Für ein Klangerlebnis im Inneren hat er letztens einen Klangstuhl gebaut.

Auch ein anderes Projekt führt der umtriebige Musikliebhaber weiter: Zusammen mit dem Organisten Marius Skibka stellte er bereits die beiden Instrumente in den Hammelbacher Kirchen vor. Er erklärte die verschiedenen Pfeifenformen, machte erfahrbar, wie Klang und Klangfarben zustande kommen. „Das würde ich gern in anderen Orten auch anbieten“, wenn die Kirchengemeinde Interesse hat.

Während Corona gab’s bei den Krells viel „Odenwälder Hausmusik“. Denn seine drei Söhne haben sein Faible fürs Musizieren geerbt. Und im Haus ließ sich ohne technische Verstärkung ein Krell-Ensemble ins Leben rufen. Der Hammelbacher sehnt sich aber auch nach dem gemeinsamen Musizieren mit vielen anderen, wie es vor dem März stattfand. „Aktuell ist es nur ein Bruchteil“, vermisst er dies stark – und hofft, dass es bald wieder losgeht.

Uli Krell (67) wurde in Groß-Bieberau geboren. 1979 kam er nach seinem Lehramtsstudium (Mathe/Physik) nach dem ersten Staatsexamen ans Wald-Michelbacher Überwald-Gymnasium. Dort legte er auch das zweite Staatsexamen ab. 39 Jahre, bis zur Pensionierung 2018, unterrichtete Krell am ÜWG. Seit 1989 wohnt er im Grasellenbacher Ortsteil.

Die Idee für den Hammelbacher Klangwanderwerg kam Uli Krell 2009, als er zusammen mit seiner Frau Bettina den im Luxemburger Ort Hoscheid besuchte. Erste konkrete Vorstellungen für die Realisierung gab es im Rahmen der Silek-Initiative 2011, bei der Ideen für die Fortentwicklung des Ortes gesucht wurden. Allerdings bekam Uli Krell aus den Silek-Mitteln keine Förderung, konnte aber danach über die Jugendmusikschule als Schirmherr die Sparkassenstiftung für sein Projekt als Unterstützer begeistern.

Die Windleier, das erste Objekt auf der von ihm konzipierten Strecke oberhalb von Hammelbach, hängt bereits acht Jahre. Nach und nach, je nach Freizeit und Fertigstellung, kamen die anderen Instrumente dazu. Etwa das Holzartenxylophon: Die Abmessungen sind konstant, aber die verschiedenen Holzarten klingen alle unterschiedlich.

Oder der Achtklang: Es waren viele Forschungsarbeiten nötig, bis klar war, wie lange die Rohre sein müssen, dass die Töne stimmen. Die Lion-Windharfe wurde genau an dem Tag montiert, als sein erster Enkel auf die Welt kam. Weshalb sie auch dessen Namen erhielt. Im September 2015 war Einweihung der Strecke.

Ausgangspunkt des acht Kilometer langen Klangwanderwegs ist der Dorfplatz. Der Weg hat eine eigene Markierung, das „blaue Ohr“. Man kann aber auch an der Weschnitzquelle einsteigen und dann der Markierung für den Qualitätsrundwanderweg H10 auf ihrem nördlichen Teil oder dem „blauen Ohr“ folgen. Über Eselstein, Altlechtern und Schanze führt die Strecke wieder in einem Bogen zurück nach Hammelbach.

Zur Betreuung des Klangwanderwegs sucht Uli Krell noch Mitstreiter, die ihm bei der Instandhaltung zur Hand gehen. Weitere Infos bei Facebook unter Hammelbacher Klangwanderweg oder E-Mail klangwanderweg@gmail.com.

Kitzretter waren wieder auf Tour

Dieses Mal blieben die Kitzretter – zum Glück – ohne Fund. Aber es gab auch andere Einsätze, erinnert sich Jagdpächter Jürgen Behrens, als auf den Feldern das eine oder andere Rehjunge gefunden und gesichert wurde. Vor kurzem waren wieder zehn Ehrenamtliche auf Wiesen, die danach gemäht werden sollten, unterhalb von Siedelsbrunn unterwegs. Die liegen zusammen mit anderen im Gebiet von Behrens Pacht.

„Die Landwirte rufen vorher an“, schildert er das Prozedere, „und sagen, ich will wieder mähen. Habt ihr Zeit durchzugehen?“ Die Zeit findet sich immer. Um die 40 Telefonnummern hat der Jagdpächter in der entsprechenden WhatsApp-Gruppe gespeichert, in die er dann die Nachricht sendet. Ein Jäger begleitet am betreffenden Tag die Kitzsucher-Gruppe, vor allem aus Frauen bestehend.

Ist eines gefunden, wird ein Korb darüber gestülpt und mit einem Netz auf dem Boden befestigt. Zwei große Stangen kommen daneben, um dem mähenden Landwirt zu signalisieren, dass er an dieser Stelle aufpassen soll. Der mäht dann logischerweise um diesen Fleck herum. Ist der Bauer fertig mit der Arbeit, lassen die Helfer das Kitz wieder springen.

Dieses aufwändige Prozedere hat seinen Grund. Zum einen „müssten wir die Rehjungen mit Kraft anfassen und hochheben“, schildert Behrens das Problem. Und dann würde das Kitz von der Mutter nicht mehr angenommen, wenn dieses den Mensch daran riecht. Zum anderen würde es, außerhalb des Feldes abgesetzt, wieder ins ungemähte Gras springen, um Deckung zu suchen. Denn die Tiere „drücken sich und warten, bis die Gefahr vorüber ist“ – beim Mähen genau das falsche Verhalten.

Wenn auch glücklicherweise oft keine Kitze gefunden werden, gibt es durchaus Felder, wo es dann sogar mehrere sind. So betreut der Jagdpächter auch zwei andere Wiesen in der Nähe der Wittmannskurve an der Straße von der Kreidacher Höhe nach Wald-Michelbach. Binzig, Königsbuckel, Geisberg, Mühlklingen, Fischerloch und Galkenhöhe sind neben dem Schwimmbadweg bis hoch zur Landesstraße ebenfalls Teil der der betreuten Fläche.

Seit Behrens 2014 die Pacht in diesem Gebiet übernommen hat, arbeitet er mit den Landwirten zusammen. Die könnten doch gerne, so sein Wunsch, ihre Mähaktion nicht oft erst von einem Tag auf den nächsten ankündigen. Denn die meisten Helferinnen sind berufstätig und nicht so kurzfristig verfügbar. Neue Aktive gibt es über Mund-zu-Mund-Propaganda immer wieder. „Die melden sich dann und fragen, ob sie mitmachen können“, freut er sich.

Auch wenn Behrens seit 1993/94 Jäger ist, gibt es die Kitzrettung erst seit 2014. Sein damaliger Mitpächter brachte ihn auf die Idee, erzählt er. Eigentlich, lächelt er, liegt das Thema in der Verantwortlichkeit der Landwirte, denen man damit unter die Armen greift. Aber die Helfer(innen) werden natürlich gerne tätig und es ist ein schönes Erfolgserlebnis, ein Kitz im hohen Feld zu entdecken und damit vor dem sicheren Tod zu bewahren.

Dass es in diesem Jahr erst so wenige Funde gibt, erstaunt den Jäger fast etwas. Denn vom Hochsitz aus erblickte er bereits einige Jungtiere. Allerdings „ist das kein Automatismus“, dass sich dann etliche in den Feldern verstecken, erläutert er. Und letztlich ist es ja umso besser, wenn sie in der sicheren Deckung bleiben.

Mittel der modernen Brandbekämpfung

Die Wärmebildkamera kam für die Feuerwehr Wald-Michelbach gerade zum richtigen Zeitpunkt. „Unsere ist vor einiger Zeit kaputtgegangen“, freute sich Wehrführer Peter Capuani über den Ersatz in Form einer Spende durch die Sparkassen-Versicherung (SV). Er nahm diese in Anwesenheit von Tobias Johann und Bürgermeister Dr. Sascha Weber seitens der Gemeinde von Michael Schneider entgegen. Der war mit seinen Kollegen Marcus Braun und Frank Richter in die Überwald-Gemeinde gekommen.

Die SV, betonte Schneider, fördert seit vielen Jahren die Feuerwehren. Schutz und Rettung von Menschenleben stehen bei beiden Organisationen im Fokus, hob er hervor. Natürlich geht es auch um die Gebäuderettung und die Verhütung von Schäden. Jubiläumsprämien, Zuschüsse zu Brandschutzkoffern und vor allen innovative Feuerwehrausrüstung wurden in den vergangenen Jahren gefördert, erläuterte der Sparkassenmann.

Die Spende einer Wärmekamera ist laut Capuani quasi eine „Win-win-Situation“. Die Feuerwehr kann damit Brandherde und Glutnester lokalisieren, ohne gleich das Dach einreißen zu müssen. Was wiederum der Versicherung zugutekommt, die dann möglicherweise einen geringeren Schaden begleichen muss. Ganz davon abgesehen, dass Menschenleben gerettet werden.

Viele Einsatzabteilungen der Feuerwehren verfügen noch nicht über eine Wärmebildkamera, so Schneider. Bei der SV versicherte Kommunen können nun eine im Wert von 1600 Euro kostenfrei erhalten. Dieses Programm wird noch einige Zeit fortgesetzt. Damit, führte er aus, wird die Einsatzfähigkeit der Wehr gestärkt und der kommunale Haushalt entlastet.

Der Sparkassen-Vertreter bezeichnete solche Geräte als „Mittel der modernen Brandbekämpfung bei Gebäudebränden“. Ihr Einsatz ermögliche es, einen Brandherd zu lokalisieren und effektiv zu bekämpfen. Damit lassen sich außerdem Brand- und Löschwasserschaden reduzieren. Außerdem, betonte Schneider, „kann man die Kamera auch gezielt zur Personensuche und -rettung einsetzen“. Denn sie wandelt die Infrarotstrahlung, die von einer Wärmequelle ausgeht, in ein für Menschen sichtbares Bild um.

Deshalb kann es sein, erklärte er, dass man mit bloßem Auge in einem verrauchten Raum nichts erkennen kann, aber mit der Wärmebildkamera mehr und besser sieht. Somit können vermisste Personen schneller gerettet werden. Bei Lagebeurteilung, Gefahrguteinsätzen oder bei der Personensuche nach Verkehrsunfällen ist sie ein wichtiges Hilfsmittel.

Capuani bezeichnete das Gerät als sehr gute Ergänzung bei Einsätzen. Es kommt auf den Einsatzleitwagen, erläuterte er. Dort war die andere, kaputt gegangene Kamera auch untergebracht. Aktuell, sagte er, ist die Wald-Michelbacher Wehr gut ausgestattet. Eigentlich hätte man gern in diesem Jahr den Gerätewagen Gefahrgut ausgetauscht, da das bisherige Gefährt ein halbes Jahrhundert alt wird. Erst einmal ist aber jetzt die durch die Behörden geforderte Drehleiter dran.

Gemeinden mit Gebäuden von über acht Metern Brüstungshöhe müssen eine haben, so Capuani. In Wald-Michelbach gibt es diese, aber keine Drehleiter. Von Mörlenbach oder Oberzent dauert es zu lange, bis das Fahrzeug im Überwald ist. Denn für solche Fälle gilt eine Hilfsfrist von zehn Minuten. Innerhalb dieser Zeit muss die Leiter am jeweiligen Ort sein.

Eine Drohne wäre „nice to have“, schmunzelte der Wehrführer, aber eben ein besonderes Schmankerl. Sie könnte bei Waldbränden einen Blick von oben eröffnen. Da allerdings die Feuerwehr Geräte braucht, die auch bei schlechtem Wetter Bilder liefern, wäre das benötigte Equipment teurer als die handelsüblichen Waren. „Was wir haben müssen, haben wir auch“, machte er klar, dass derzeit keine Lücke in der Ausrüstung besteht.

Der Feuerwehrmann lobte die Kreativität der Sparkassenversicherung, wenn es um notwendige Anschaffungen geht. Vor Jahren gab es schon einmal ein Strahlrohr. Außerdem spendete die SV sechs Rauchvorhänge. „Sehr sinnvoll“, so Capuani, denn diese verhindern, dass Rauch in andere Gebäude eindringt und damit dort auch Schaden entsteht. „Die machen sich wirklich Gedanken, was geeignet ist“, freute er sich. Natürlich auch vor dem Hintergrund, das Schadensausmaß zu verringern und somit als Versicherer geringe Summen regulieren zu müssen.

Langsame Rückkehr zur Normalität

Ganz langsam geht der Übungsbetrieb bei den Freiwilligen Feuerwehren im Überwald wieder los. Seit Anfang des Monats dürfen Übungen in kleinem Rahmen bis sechs Personen wieder stattfinden. „Anfang März wurde nach Abstimmungen im Kreis der Übungsbetrieb zunächst eingestellt“, erzählt Carsten Kling, Gemeindebrandinspektor (GBI) von Abtsteinach. Ein Ausgleich bildeten  „Video-Gruppen-Chat-Übungen“. Zunächst nur theoretisch, „wurden später auch per Übertragung aus dem Gerätehaus technische Unterrichtseinheiten durchgeführt“, berichtet er. Die Resonanz hierauf war sehr gut, freut sich Kling.

Seit Monatsanfang üben die Abtsteinacher wie andere Wehren auch wieder in Staffelstärke mit sechs Personen. Es gibt keinen personellen Wechsel und währenddessen wird durchgängig Mund-/Nasenschutz getragen, erläutert der GBI. Aktuell sind pro Woche fünf Staffeln an wechselnden Wochentagen im Übungsbetrieb, die sich somit auch nicht in den Gerätehäusern begegnen.

Während des „Feuerwehr-Shutdowns“ organisierten die Gerätewarte, dass Fahrzeuge und Gerätschaften regelmäßig gewartet wurden. Hierzu wurde laut Kling nach Feierabend und am Wochenende „im Schichtbetrieb“ einzeln das Gerätehaus aufgesucht. Er hofft, dass andere Abtsteinacher Abteilung wie Kinder- und Jugendwehr bei weiter rückläufigen Infektionszahlen bald wieder starten dürfen.

„Aktuell halte ich den Ausbildungs- und Übungsstand der Feuerwehr Abtsteinach trotz der Corona-bedingten Einschränkungen für gut“, bekräftigt Kling. Alle Beteiligten „haben ideenreich und hoch engagiert versucht, aus der Situation das Beste zu machen“. Eine nachteilige Auswirkung des eingeschränkten Übungsbetriebs kann er nicht feststellen. „Wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen“, betont der GBI.

„Das ist schon eine verdammt schwierige Zeit“, nimmt Wald-Michelbachs GBI Peter Capuani kein Blatt vor den Mund. Der Lockdown war zu Anfang mit sehr viel Überzeugungsarbeit seitens der Führungskräfte verbunden, erläutert er. Nach diversen klärenden Gesprächen „war aber letztlich allen klar, dass eine Quarantäne von Einsatzkräften unbedingt zu verhindern ist“, so Capuani. Deshalb war die strikte Einhaltung des Kontaktverbotes „für uns noch wichtiger, als für andere“. Jeglicher Dienstbetrieb mit Ausnahme des Einsatzdienstes wurde eingestellt. Das wurde bis vor knapp vier Wochen durchgehalten.

Ab Anfang des Monats ging man in der Überwald-Gemeinde dazu über, in kleinen Einheiten auch wieder praktisch zu üben, „weil das einfach unumgänglich ist“. Dafür wurden Gruppen gebildet, die für die nächste Zeit konsequent zusammen bleiben und nicht gemischt werden, erklärt er die ähnliche Vorgehensweise wie in Abtsteinach. Sollte also jemand nach einer Übung erkranken, bleibt die restliche Mannschaft einsatzfähig.

Problematisch ist Capuani zufolge die Situation bei Einsätzen: „Da geht so eine Trennung nicht.“ Am Anfang waren die Abstimmung und die Einhaltung der Hygieneregeln „etwas holprig, aber mittlerweile funktioniert das ganz gut“. Capuani vermutet, dass sich die Maßnahmen auch deshalb langsamer einspielten, weil die Einsatzzahlen von Anfang April bis heute rund ein Drittel unter denen des Vorjahres liegen. „Durch die Beschränkungen ist einfach weniger passiert.“

Die Landesfeuerwehrschule will den Regelbetrieb erst nach den Sommerferien wieder aufnehmen, dann aber auch nur mit der Hälfte der Kapazitäten, weiß der Wehrführer. Zusätzlich finden derzeit auch keine Kreislehrgänge statt. „Das wird uns in der Ausbildung sehr weit zurück werfen“, befürchtete er.

In der Zeit ohne Präsenzübungen hielt die Feuerwehr Siedelsbrunn Schulungen per Webex ab, erläutert Wehrführer Lars Gremm. Schulungsvideos wurden an die Aktiven versendet. „Negative Auswirkungen hatte die übungsfreie Zeit bisher nicht“, hebt er hervor. Durch den Stopp der Lehrgänge konnten sich zwei Brandschützer nicht zum Atemschutzgeräteträger weiterbilden, bedauert Gremm.

„Wir in Hammelbach werden erst wieder nach den Sommerferien mit Übungen und Treffen beginnen“, kündigt Wehrführer Marco Stein an. „Momentan ruht alles zu 100 Prozent in allen Abteilungen“, sagt er. Ob gemeinsam mit Scharbach gestartet wird oder jeder für sich, wird die weitere Entwicklung der Corona-Lage zeigen. Auch Lehrgänge und Fortbildungen sollen nach jetzigem Stand erst Mitte August starten.

Die Besatzung auf den Fahrzeugen während der Einsätze wurde verringert. So wird das Löschfahrzeug LF 10 derzeit nur mit fünf anstatt neun Personen besetzt, erklärt Stein. „Im Team sind wir stark“, machte sich die fehlende Übung laut dem Wehrführer nicht negativ bemerkbar. Er registrierte wie Capuani eine geringe Zahl von Einsätzen.