Gemeinde lebt vom großen Engagement der Bürger

Ohne das Ehrenamt wäre unsere Gesellschaft viel ärmer. Gerade in den ländlichen Regionen ist die Bereitschaft, sich für die Gemeinschaft zu engagieren, immer noch sehr hoch. Die Gemeinde würdigt solche Menschen, die sich in den Dienst der Allgemeinheit stellen, jedes Jahr auf dem Frühlingsempfang. Der war dieses Jahr im Sitzungssaal des Rathauses sehr gut besucht. Für die musikalische Umrahmung sorgte das Jugendorchester der KKM unter Leitung von Alex Kropp.

Neben den Ehrungen ist der Frühjahrsempfang „auch eine schöne Gelegenheit, sich über die zukünftige Entwicklung Abtsteinachs, die Ziele und Erwartungen austauschen“, sagte Bürgermeisterin Angelika Beckenbach in ihrer Begrüßung. Sie bezeichnete den Ort als „eine starke, sich gut entwickelnde Gemeinde, in der die Menschen sich wohlfühlen, gerne leben und arbeiten“.

In den kommenden Jahren stehen viele große Projekte zur Umsetzung an, erläuterte die Bürgermeisterin. „Große Projekte, die sehr viel Geld kosten werden.“ Sie erwähnte die Neuschaffung von Kindergartenplätzen, den Neubau des gemeinsamen Feuerwehrhauses sowie die Neustrukturierung der Abwasserreinigung und Entsorgung an der Teichkläranlage.

Beckenbach sparte dabei auch nicht Kritik an übergeordneten Stellen, die für solche Maßnahmen zu wenige Mittel zur Verfügung stellen. Denn: „Diese Projekte stellen keinen Luxus und keine Wünsche dar“, sagte sie. Es seien Pflichtaufgaben der Kommune, gesetzliche Anforderungen und Verpflichtungen, „die uns der Gesetzgeber aufgibt“. Allerdings, monierte sie: Bei der Finanzierung sei die Gemeinde weitgehend auf sich allein gestellt. Die Bezuschussung für die Erfüllung von Pflichtaufgaben sei „sehr beschränkt“.

Wenn die Gemeinde überhaupt mit Fördermitteln rechnen kann, „decken diese nur einen sehr geringen Teil der Kosten ab“, kritisierte Beckenbach. Besondere topographische, unveränderbare Bedingungen würden nicht berücksichtigt. Die Lösungsfindung zur verträglichen und generationsgerechten Finanzierung dieser Pflichtaufgaben „stellt die gemeindlichen Gremien vor eine große Herausforderung und Verantwortung“, so die Bürgermeisterin.

Kommunalpolitiker stehen der Rathauschefin zufolge „immer unter der Kontrolle der Wähler und der kritischen Öffentlichkeit“. Als treuhänderischer Verwalter des öffentlichen Vermögens „bedarf es zum einen dem Blick auf die Kosten und Folgekosten, zum anderen aber auch auf die zukunftsweisende und sichere Entwicklung der Gemeinde“. Nicht selten erfordere es auch Mut, gewisse Entscheidungen zu treffen.

Beckenbach sah Abtsteinach auf einem guten Weg. Das belege die jährlich steigende Einwohnerzahl. Aktuell zählt der Ort 2432 Bürger. „In Abtsteinach kann man sehr gut leben, arbeiten und lernen“, freute sie sich. Die Gewerbesteuerentwicklung „hat einen neuen Höchststand erreicht“, teilte die Bürgermeisterin mit. Der Haushaltsansatz belief sich noch auf eine Million Euro, jetzt rechne man schon mit 1,3 Millionen Euro.

Die Gemeinde lebt insbesondere auch vom großen Engagement der vielen ehrenamtlich Tätigen und wird von denjenigen getragen, die sich zum Wohl der Allgemeinheit einbringen, betonte die Rathauschefin. „Dies geschieht oft in vielen, meist unzählbaren Stunden.“ Oft auch im Verborgenen, so dass nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich ist, wieviel „Herzblut“ in die Sache investiert wird. Dabei entstehen auch immer wieder neue Ideen und neues Engagement.

Ein neues Projekt erwähnte Beckenbach in diesem Zusammenhang: Es stärke und belebe bereits in der Planungs- und Vorbereitungsphase die Dorfgemeinschaft. Unter dem Motto „Ein Dorf macht Musik“ stehen am Samstag, 22. Juni, über 40 Musiker aus allen drei Ortsteilen als Solisten, in Chören und in neuen Formationen bei der Kerwe gemeinsam auf der Bühne. Sechs Personen und Vereine wurden im Anschluss ausgezeichnet. Die Ehrungen nahm Beckenbach gemeinsam mit dem Gemeindevertreter-Vorsitzenden Frank Wetzel vor.

Ehrenamtspreise

Verein KUMM Mackenheim: Der Wunsch nach einer Wiederbelebung und Stärkung der Dorfgemeinschaft war groß. 2017 entstand die Idee zur Gründung eines eigenen Vereins und der Wiederbelebung des ehemaligen Feuerwehrhauses. 35 Bürger erklärten sich bereit, an der Neugestaltung des Dorfgeschehens aktiv mitzuwirken. KUMM steht nicht nur für „Kommen und Mitmachen“, sondern auch für Kultur in Mackenheim. Aus den unterschiedlichsten Ideen haben sich mittlerweile eine Vielzahl von konkreten Aktivitäten und Veranstaltungen entwickelt. Neben den traditionellen Festen wird zum Whisky-Tasting und zu Bierproben, Yoga, Weihnachtsbacken, Pubic Viewing und vieles mehr eingeladen. Die sehr gute Resonanz bestätigt es: KUMM hat das Bedürfnis der Dorfbevölkerung erkannt und es ist sehr schön zu sehen, dass das ehemalige Feuerwehrhaus wieder mit Leben gefüllt ist und einen Treffpunkt in der Gemeinde bietet, freute sich Bürgermeister Angelika Beckenbach.

Verein für sportliche, kulturelle und soziale Aktivitäten: Nach dem Umbruch im Kerwe ausrichtenden Verein stand die Unter-Abtsteinacher Veranstaltung im vergangenen Jahr auf der Kippe. Eine gute Handvoll junger Abtsteinacher erklärte sich bereit, die Verantwortung zum Erhalt der Unner-Stoanischer Kerwe zu übernehmen. Mit neuen Ideen haben sie im vergangenen Jahr dann die Kerwe erstmalig verantwortlich organisiert – und das mit großem Erfolg. Es braucht keine jahrzehntelange Mitgliedschaft in einem Verein, um Verantwortung zu übernehmen, so Frank Wetzel. Es braucht etwas Mut, die Fähigkeit Neues zu versuchen, aber auch die Erfahrung anderer zu nutzen und vor allem die Bereitschaft, sich für die Allgemeinheit zu engagieren. Dann spielt Alter nahezu keine Rolle.

 

Ehrenauszeichnungen

Walter Jungheinrich (KKM): Neben den Vereinsvorsitzenden und den Vorstandsmitgliedern sind es insbesondere die vielen Helfer im Hintergrund, die zum Gelingen der Gemeinschaft beitragen, so die Rathauschefin. Walter Jungheinrich unterstützt bei der Katholischen Kirchenmusik Ober-Abtsteinach als langjähriger aktiver Musiker das große Orchester und gestaltet durch seinen Einsatz für die Musik das Brauchtum und das kulturelle Leben entscheidend mit. Besonders liegt ihm das Jugendorchester am Herzen, das er als langjähriger Vizedirigent nicht nur bei den Auftritten begleitet, sondern auch am Keyboard unterstützt. Als Fachmann für das Schlagzeug und die Percussion ist er den jugendlichen Musikern ein kompetenter Ansprechpartner und väterlicher Freund. Mit großem Engagement hat er dabei viele Jugendmusiker auf dem Weg zum großen Orchester begleitet.

Peter Schmitt (katholischer Kirchenchor St. Cäcilia): Der Geehrte ist im 21. Jahr Kassenwart im Chor und unterstützt den Vorstand im Grunde genommen jeden Tag bei den vielen zu leistenden Aufgaben über die des Kassenwartes hinaus. Als Beispiel nannte Wetzel, die älteren Chorteilnehmer zu Proben und Auftritten zu fahren oder dazu beizutragen, dass bei verschiedenen Anlässen das Kirchenchor-Café im Rathaus oder in Lichtenklingen aufgebaut ist. Seit 26 Jahren ist er auch als aktiver Sänger im Chor dabei.

Günter Helfrich (Ski-Club der SGU): Vor 40 Jahren fand sich ein Gruppe Skisport begeisterter Personen zusammen und hob mit viel Engagement die Abteilung aus der Taufe, so Wetzel. Ein Skilift samt Flutlichtanlage wurde installiert, auf der zahlreiche heute noch Aktive das Skifahren lernten. Einer der Hauptverantwortlichen war der damalige Abteilungsleiter Günter Helfrich. Zwölf Jahre lang stand er der Abteilung vor und schuf damit die Voraussetzung, dass bis heute aktiv Skisport vor Ort und auch in alpinen Gebieten betrieben werden kann. Nach seinem Ausscheiden als Abteilungsvorstand leitet er seit mehr als zehn Jahren die Seniorensportgruppe. Helfrich war Mitglied des Hardbergboten-Redaktionsteams in dessen ersten Jahren und unterstützte die Flüchtlingsbetreuung mit der Durchführung von Unterrichtsstunden.

 

Ehrenplakette für Peter Rutsch: Von 1972 bis 1981 war Rutsch Mitglied der Gemeindevertretung. Dieses Ehrenamt stellte gerade nach der Verwaltungs- und Gebietsreform eine sehr bedeutungsvolle Aufgabe für die neugeordnete Gemeinde Abtsteinach dar, erläuterte die Bürgermeisterin. 1986 wurde er zum stellvertretenden Schiedsmann der Gemeinde Abtsteinach gewählt. Dieses Ehrenamt hatte er 32 Jahre lang, bis 2018, inne. Bereits 1982 übernahm der Geehrte das Amt des Ortsgerichtsvorstehers für den Bezirk Unter-Abtsteinach. Zu dessen wesentlichsten Aufgaben gehören die Beglaubigung von Unterschriften und Abschriften, die Erteilung von Sterbefallanzeigen, die Nachlasssicherung sowie die Schätzung von Grundstücken und Gebäuden. Peter Rutsch hat auf eigenen Wunsch nach 36 Jahren diese Aufgabe als Ehrenbeamter im Jahr 2018 niedergelegt. Insgesamt war er 46 Jahre lang im Ehrenamt tätig, so Beckenbach.

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„Visions of Atlantis“ und „Evergrey“ bestreiten die Symphonic-Metal-Night im Café Central

Die Vorband klaut dem Topact etwas die Show? Das passiert immer mal wieder. „Leaves Eyes“, die im vergangenen Jahr ebenfalls im Café Central begeisterten, liefen auf der Tour mit „Kamelot“ den Symphonic-Metallern fast den Rang ab. „Visions of Atlantis“ machten ihre Sache bei der jetzigen „Symphonic Metal Night“ in Weinheim ebenfalls so gut, dass die Headliner von „Evergrey“ da zumindest in punkto Auftreten und Performance nicht ganz rankamen.

Das fängt schon beim Outfit an: Hier die frische, junge Band mit dem Gesangsduo Clémentine Delauney und Michele Guaitoli, das sich auf der Bühne die Bälle zuspielt und sichtlich harmoniert, den direkten Kontakt mit den Fans sucht. Dort die Frontreihe mit drei Männern mittleren Alters, Bandgründer Tom S. Englund, Henrik Danhage und Johan Niemann in Waldschrat-Look, die ihren Set eher wortkarg runterrotzt und nach acht Songs Schluss macht.

Mastermind hinter „Visions of Atlantis“ ist der österreichische Schlagzeuger Michael Caser, einziges noch verbliebenes Gründungsmitglied. Die Band bewegt sich irgendwo zwischen Power und Symphonic Metal und schwimmt damit auf der allgemeinen Nightwish- oder eben auch Leaves Eyes-Welle, mit denen die Visionäre auch schon auf Tour waren. Fast alle Songs sind als Duett arrangiert. Die hohe, manchmal elfengleiche Frauenstimme und das kräftige Männerorgan bilden einen reizvollen Kontrast.

Genau das macht die Stücke auch sehr eingängig und melodisch. Christian Douscha (Gitarre) und Herbert Glos (Bass) tragen bei „The Deep & the Dark”, „The Last Home“ oder „Return to Lemuria“ vom aktuellen Album dazu bei, dass die Zuschauer ihren Spaß haben, für eine Vorband ungewöhnlich viel Applaus spenden und kräftig mitgehen. Beim nächsten Mal, verspricht Clémentine Delauney, „werden wir mit einer neuen CD kommen“. Denn die ist gerade in Arbeit.

„Ritual Night” oder „The Grand Illusion“ sind zwei weitere Lieder aus dem Repertoire, die durch ihre melodiöse Struktur gut ins Ohr gehen. Einziges Manko, das es aber bei einigen Bands aus dem Symphonic-Metal-Genre gibt: Die Keyboards werden eingespielt. Das macht die Songs natürlich genau strukturiert, lässt wenig Raum für Improvisation. Aber „Visions of Atlantis“ ist da in guter Gesellschaft. Das machen auch die bekannten „Kamelot“ oder „Beast in Black“ leider so.

Evergrey nicht. Wobei das Tasteninstrument im Sound- und Lichtgewitter erst einmal seinen Platz verteidigen muss. Um im Laufe des Konzerts allerdings dann manchmal fast zu penetrant aufzutreten, wenn komplette Kinderchöre eingespielt werden. Die wummernde Double-Bassdrum deckt teilweise auch das Gitarrenspiel zu und vermischt die einzelnen Songs zu einem großen Brei, dem dadurch des Öfteren die Unterscheidbarkeit fehlt. Schade eigentlich, denn die Schweden haben es musikalisch natürlich durchaus drauf, sonst hätten sie in den vergangenen 25 Jahren nicht bereits über zehn Longplayer veröffentlicht.

„The Atlantic“, gerade frisch in die Plattenläden gekommen, erreichte die höchste Albumplatzierung seit Bestehen der Band. Es ist allerdings auch deutlich härter als frühere Einspielungen in anderen Musiker-Kombinationen. Denn das Personalkarussell drehte sich bei der Band extrem schnell und führte 2014 fast zur Auflösung. „A Silent Arc“, der Opener, besticht auf der Studioaufnahme durch seine Komplexität, ist aber live etwas undefiniert.

„Weightless“ wiederum ist ein gutes Beispiel für das Mehr an Düsternis und Härte gegenüber früher. Tief gestimmte Gitarren ziehen den Sound ordentlich runter. Live dominiert unfreiwillig genau diese dunkle, düstere Seite der Musik. Was aber bei den Besuchern durchaus gut ankommt. Es fliegen die Haare, es wippen die Köpfe. Die Songstrukturen sind relativ übersichtlich, was das Headbanging erleichtert. Der dreistimmige Gesang, garniert mit ein paar Gitarrensoli, ragt aus der von grellen Lichtblitzen erhellten Düsternis heraus.

Wenn dann die klaren Gitarren fehlen, der prägende Gesang, dann wird es natürlich deutlich schwieriger, den richtigen Zugang zu finden. Die fünf Musiker tun auch wenig dafür. Ein kurzer Satz, welcher Song gespielt, sonst aber ein Song nach dem nächsten: Da fehlt ein wenig die Interaktion. Vielleicht ist die Band ja mehr Zuschauer bei ihren Konzerten gewöhnt, auch wenn das Café Central für ein Konzert dieser Musikrichtung ziemlich gut gefällt war. Aber das ist kein Grund so griesgrämig rüberzukommen.

Teilhabe und Inklusion verstärkt in den Fokus rücken

Der „Wegweiser für Menschen mit Behinderung“ erfährt eine Neuauflage und bekommt eine andere Bezeichnung. Die fünf Jahre alte Version bedurfte einer Überarbeitung, erläutert der zuständige Kreisbeigeordnete Karsten Krug, gleichzeitig auch Vorsitzender der Kreisteilhabekommission. In Zusammenarbeit mit verschiedenen ehrenamtlichen Gruppierungen aus dem Kreis Bergstraße will man möglichst bis Jahresende die neue Fassung unter Dach und Fach haben. Angedacht ist daneben eine Umbenennung in „Teilhabewegweiser“, um auch sprachlich den inhaltlichen Veränderungen Rechnung zu tragen.

Der Nieder-Liebersbacher Verein „WirDabei!“ kümmert sich dabei um die Koordination der ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe, die bereits vor einem halben Jahr schon einmal zusammenkam. Zwischen sechs und acht Personen von unterschiedlichen Verbänden sind involviert. Krug schaute beim zweiten Treffen vorbei, um sich über den Fortgang zu informieren und Vorschläge aufzunehmen. Abstimmung und Rückmeldung der weiteren Vorgehensweise waren dabei ebenso Thema wie auch die Zeitschiene. Der Wegweiser soll helfen, Benachteiligungen von behinderten Menschen entgegenzuwirken und diese zukünftig zu vermeiden.

„Die ehrenamtlichen Interessensvertreter haben ein ganz anderes Gespür dafür, was enthalten sein soll“, würdigte der Kreisbeigeordnete deren Arbeit. Die Lebenshilfe Lampertheim, der Behindertenbeauftrage aus Heppenheim, Vertreter des Behindertenbeirats Lampertheim, der Elterninitiative Handicap Rodau und des Beteiligungsforums Handicap Viernheim kamen im Rathaus zusammen. „Wir haben umfassend abgefragt“, sagte Krug. Allerdings ist die Arbeitsgruppe für weitere Rückmeldungen dankbar, wenn jemand nicht berücksichtigt oder angefragt wurde (siehe unten).

Im Raum stand laut Krug die Frage, inwieweit Infos zu jedem Rathaus im Kreis in den Wegweiser aufgenommen werden sollen. Denn viele öffentliche Einrichtungen, weiß er, „sind noch nicht barrierefrei“. Es wäre ein großer Aufwand, dies jeweils fürs Einzelobjekt abzuklären, erläuterte er. Hier kam man überein, die jeweilige Telefonnummer der Verwaltung anzugeben und eventuell mit Piktogrammen darauf hinzuweisen, in welchem baulichen Zustand die Rathäuser sind. „Es ist schwierig, jeweils einzeln die konkreten Infos abzubilden“, sagte Krug. Am sinnvollsten sei es für die Menschen mit Handicap, so der Tenor, sich telefonisch dort im Vorfeld zu informieren.

Barrierefreiheit spielt auch bei der Mobilität eine große Rolle. Die Wegweiser-Leser sollen Infos darüber erhalten, „welche Mitnahme-Möglichkeiten es gibt“, so Krug. Egal ob das jetzt für Rollstühle, Kinderwagen, Rollatoren, Fahrräder oder E-Scooter ist. „Manche Busse sind von vornherein gekennzeichnet“, weiß der Beigeordnete. Die Mitnahme von Rollstühlen ist der Regel problemlos möglich, wie die von E-Scootern aber wiederum eher grundsätzliche Probleme aufwirft. Im Schülerverkehr, erläuterte er, ist manchmal eine Mitnahme-Kapazität nicht vorhanden.

Selbsthilfegruppen für Drogen- oder Alkoholabhängige sowie für Betroffene mit Schlafapnoe sollen, eben weil es ein Teilhabewegweiser ist, ebenfalls kurz Erwähnung finden. Thematisiert wurde von den Ehrenamtlichen außerdem, dass es nur in wenigen Kreisorten Ansprechpartner für Behinderte gibt.

„Es ist wichtig, dass wir in der Gesellschaft Teilhabe und Inklusion verstärkt in den Fokus rücken“, hob Karsten Krug hervor. Ihm geht es darum, das Bewusstsein dafür zu schärfen, „dass jeder seinen Teil dazu beitragen kann, damit Menschen mit Behinderung besser am täglichen Leben teilhaben können“. Der Kreisbeigeordnete will die Thematik auch immer wieder ansprechen und so im öffentlichen Bewusstsein halten.

Für die Betroffenen soll der Wegweiser insofern einen Mehrwert haben, „dass sie wissen, wo sie Informationen, Hilfe und Unterstützung bekommen“. Ganz wichtig sind Krug eine verständliche Sprache und kein Amtsdeutsch, um so die Nutzungsschwelle und Handhabbarkeit zu verbessern. „Wir möchten den besten Ansprechpartner für ein bestimmtes Thema nennen“, ist das Ziel. Dazu: Welche Beratungsstellen sind beim Kreis angesiedelt, wo gibt es rechtliche Infos und wer ist in den Behörden zuständig. Kurz: „Wer kann wen bei was beraten.“

Petra Thaidigsmann von „WirDabei!“ moderierte die Sitzung. Alle Teilnehmer der Runde gaben im Verlauf aus ihren Bereichen Rückmeldungen zu Inhalten des Teilhabewegweisers. Es wurden verschiedene Arbeitsgruppen hierzu gebildet.

Info: Kreisbeigeordneter Karsten Krug, gleichzeitig Vorsitzender der Kreisteilhabekommission, ist für Anregungen unter Telefon 0 6252/15-5400 oder E-Mail buero.krug@kreis-bergstrasse.de erreichbar.

Flattermänner lieben den Schmetterlingsgarten

Das Insektensterben beherrscht aktuell die Medien. „Es ist nachweisbar, es ist messbar und spürbar“, sagt Fachmann Siggi Winkler aus Weiher, der sich schon seit 50 Jahren mit dem Thema beschäftigt, Schmetterlinge beobachtet und züchtet. Auch wenn im Odenwald die Welt noch einigermaßen in Ordnung ist, kann jede noch so kleine Maßnahme helfen, den Bestand zu sichern. Wie etwa der „Schmetterlingsgarten“ von Claudia Felske, den sie in den vergangenen Jahren in der Scharbacher Mooswiese anlegte.

„Den Garten habe ich vor dem Haus der Kuhwiese abgetrotzt“, erzählt „Fenna“ Felske. Im ersten Jahr baute sie eine kleine Terrasse und versuchte Gemüse anzubauen. Den Rest der Wiese ließ die Scharbacherin „einfach mal wachsen“ und schaute, was sich entwickelt, wenn das Gras nicht ständig gemäht oder abgesenst wird. Im zweiten Jahr waren das die Sumpfdotterblumen, das Mädesüß und die Engelwurz, die wilde Möhre, Buschwindröschen, Miere, Malven, Glockenblumen.

Felske pflanzte parallel Stauden Sträucher und Bäume. Die Brombeerecke wurde definiert, die wilden Himbeeren durften sich ausbreiten. Die Insektenvielfalt stellte sich im dritten Jahr ein. „Es zogen vermehrt Schmetterlinge ein“, beobachtete sie, dazu die Zauneidechse und Massen von Marienkäfern. Im vierten Jahr fingen sich die Stauden an zu vermehren.

Der Garten macht nicht viel Arbeit, erläutert sie. Denn man muss nur einzelne Sektionen bearbeiten und das meiste einfach sich selbst überlassen. Eigentlich ist das Sensen tabu. Nur Sortieren und vorsichtiges Abräumen der toten Blätter und Staudenstängel im späten Frühjahr ist erlaubt. „Doch leider wird dies als Faulheit oder Unordentlichkeit ausgelegt“, bedauert die Scharbacherin. „Doch seit wann ist denn die Natur ordentlich?“, fragt sie rhetorisch.

Die Engelwurzstaude liefert im Sommer als Doldenblütler Pollen und Nektar für Biene und Schmetterling und dient im Winter als Unterschlupf für Wildbienen, sofern sie stehen gelassen wird. Ein mögliches Winterlager für den Zitronenfalter ist ein Brombeergebüsch, etwas feucht durch den Bachbereich. Totholz und Kompost bilden Lebensraum für zahlreiche Insekten. Besonders Marienkäfer freuen sich, unter der Rinde einen Platz zu finden. Auch die Zauneidechse und der Zaunkönig haben hier ihre Nische gefunden.

In einem Schmetterlingsgarten müssen Brennnessel, Brombeeren, Himbeeren, Totholz und Blühstauden miteinander verwildern, rät sie. Außerdem: „Im Winter alles stehen lassen.“ Genau das ist laut Felske das ausschlaggebende Kriterium. Denn wenn im November alles abgesenst und verbrannt wird, lösen sich damit auch die Eier und Raupen der Schmetterlinge in Rauch auf. „Es muss verwildern“, betont sie. Der Schmetterlingsgarten wird erst im Juni richtig schön. Dann sind auch die meisten Insekten geschlüpft, die als Raupe oder Eier überwintert haben.

Felske sehen mit Besorgnis, wie wenige Insekten im Vergleich zu ihrer Kindheit heute noch zu sehen sind. Das bestätigt auch Winkler: „Die Biomasse ist in den letzten 30 Jahren um etwa 75 Prozent zurückgegangen“, weiß er. Er kennt 100 Arten von Tagschmetterlingen, von denen 32 im Odenwald bestätigt werden konnten. „Vor allem die Älteren wissen noch, welche Insektenpampe wir früher auf der Windschutzscheibe unserer Autos hatten“, schmunzelt er.

Seine soziologischen Studien macht der 70-Jährige seit 30 Jahren für eine Arbeitsgemeinschaft, die beim Frankfurter Senckenbergmuseum angesiedelt ist. Prof. Josef H. Reichholf veröffentlichte im Herbst 2017 eine Studie, in der er den Artenschwund bei Schmetterlingen dokumentierte und wissenschaftlich untermauerte, so der Weiherer.

Winkler warnt: „Etliche Arten sind in dieser Zeit bei uns verschwunden.“ Im Odenwald schätzt Winkler jedoch, dass der Rückgang „nur“ etwa 30 Prozent beträgt. Und: „Es ist kein plötzlich aufgetretenes Ereignis.“ Bereits vor 30 Jahren gab es Anzeichen dafür. Als Gründe nennt der Fachmann: Biotopverlust, Veränderungen in der Landwirtschaft, Kreiselmäher, mehrmalige Mahd im Jahr (die keine Entwicklung mehr zulässt), Düngung, Pestizide, Zersiedelung der „freien Landschaft“, Verlust von Brachflächen oder extensiv bewirtschaftete Flächen.

Von den Pestiziden wisse man mittlerweile, dass viele als insektenunschädlich eingestufte Herbizide das Orientierungssystem und die Fortpflanzungsdynamik stören. Seit Jahrzehnten gibt es im Weschnitztal Ehrenamtliche, die mit ihren Studien den Wissenschaftlern zuarbeiten und die Entwicklung dokumentieren. Neben Winkler zählen dazu auch die Hobbyentomologen Reinhold Pfeifer/Rimbach und Peter Gehrisch/Ellenbach.

Wir können den Insekten helfen durch…

  • Verzicht auf Insektizide, besonders Neonicotinoide, Herbizide
  • keine extensive Beweidung landwirtschaftlicher Flächen
  • Düngeminimierung, Düngeverzicht
  • Ankauf von Flächen durch die öffentliche Hand oder Naturschutzverbände als „Trittsteine“
  • Schaffung von Ackerrandstreifen, Belassen von Böschungen und Wegerainen (die oft ungedüngt sind…)
  • Pflanzung von Sträuchern an Waldrändern, Belassen von Sträuchern, Hecken, Flora an Waldrändern
  • Anlage von Feldholzinseln mit insektenfreundlichen Arten
  • Augenmerk auf Eichen, Weiden und Pappeln (beherbergen die meisten Insektenarten)
  • kleine verwilderte Bereiche/Ecken in Gärten, Belassen sogenannter „Unkräuter“ in Gärten und in der freien Landschaft
  • Einsaat von Blühwiesen oder Sommerflieder in Gärten als Insektenmagnet
  • Erhaltung und Pflege der Obstbäume/Streuobstwiesen, Mistelbekämpfung
  • Verzicht auf „Exoten“ im Garten (z.B. Buchsbaum), Anpflanzung von Blühpflanzen wie Fenchel, Lavendel u.a.

Bei der Musik-Kombi bekommt Graf Dracula Zähneklappern

Den Spruch muss sich die Band aus Transsilvanien, der Heimat Graf Draculas, patentieren lassen: „Kommt ruhig näher, wir beißen nicht“, fordert Sänger Robert Rusz die Zuschauer in der Live-Music-Hall mit Nachdruck auf, doch nicht so weit weg von der Bühne zu stehen. Der Shouter von „Dirty Shirt“ hat damit auch Erfolg, die Gekommenen trauen sich und werden nicht enttäuscht. Was die achtköpfige Truppe aus Rumänien abliefert, lässt vor Staunen den Mund offen stehen.

Party, Folklore, Gypsy, Metal: So beschreibt die schon vor mehr als 20 Jahren gegründete Truppe ihr musikalisches Spektrum. Kein Wunder, dass sie mit dieser wilden Kombination schon den zweiten Platz beim „Wacken Battle 2014“ machte. Fast schon orientalische Anklänge mischen sich mit harten Gitarrenriffs von Cristian Balanean und Dan Petean, zweistimmiger Gesang und Growls treffen auf Geigenklänge von Cosmin Nechita, Klaviertöne auf eine Double-Bassdrum von Vlad (wie passend) Toca, die sich den Gehörgängen einprägt.

Das Ganze ist gepaart mit einer riesigen Spielfreude, der auch der etwas überschaubare Besuch nichts anhaben kann. Die Jungs lassen sich davon nicht beirren, ziehen ihre Show ab, machen oben Party ohne Ende und spielen sich die Finger wund. Dan „Rini“ Craciun, als zweiter Sänger für die hohen Töne zuständig, macht sich außerdem den Spaß, einen selbstgebrannten, transsilvanischen Schnaps im Publikum auszuschenken.

Da stellt sich dann unwillkürlich die Frage, ob die acht Leute oben auf der Bühne genau deshalb so gut drauf sind, weil sie ein paar Schluck davon genommen haben – oder weil sie einfach einen Riesenbock auf ihre Musik haben. Es war eindeutig das Zweitere, auch wenn beim Nippen klar wird, warum Craciun so hoch singt: Das Getränk raspelt die Stimmbänder frei.

Die Rumänen sind derzeit auf „European Letcho Drom-Tour“ mit ihrem aktuellen Album „Letchology“, der fünften Scheibe in der Bandgeschichte. Balkan-Folk mit ein paar Rap- und Funk-Elementen, dazu moderner (Hardcore-)Metal-Sound beeindrucken auf allen Werken. Die Band fetzt aber nicht nur los, sondern hat ein gutes Gespür für melodiöse Rhythmen und eingängige Songstrukturen, die die heftigen Growls von Robert Rusz damit etwas weichspülen.

Wären die acht Jungs nicht aus Rumänien, sondern aus Großbritannien, würden sie durchgängig englisch texten statt auch in ihrer Muttersprache zu singen, hätten sie bestimmt schon einen gewaltigen Exotenbonus in der sonst so weichgespülten Rockszene,  gäbe es sicherlich schon den ganz großen Hype. Denn Dirty Shirt macht in punkto Folk-Einfluss bei den Hardrock- oder Metalsongs kaum etwas anderes als die Abräumer von Nightwish oder Leaves Eyes – nur dass die sich eher auf keltische und nordische, hierzulande bekanntere und griffigere Melodien, konzentrieren.

Auf dem neuen Werk „Letchology“ geht’s nicht nur stimmlich, sondern auch rein instrumental flott zu. „Letcho Drom“ ist schon fast symphonisch, E-Gitarre, Geige und Keyboard bilden einen dichten Soundteppich. Bei „Palinca“ wird der Metal-Anteil deutlich hochgeschraubt. „Freak Show“ vom vorigen Album ist eine der härtesten Nummern, bei der die Ohren schlackern.

Folkloristisch, wie man sich klischeetypisch die große rumänische Familienfeier vorstellt, mit fast schon klassischem Tenor-Gesang, Chorelemente, ein Akkordeon aus dem Keyboard von Mihai Tivadar gezaubert, hier noch ein paar Bläser dazu, ein Battle Geige-Gitarre: Dirty Shirt spielt so druckvoll, extravagant, ausdrucksvoll, dass keiner stillstehen kann.

Dass harte Rocker auch die traurigen Töne drauf haben, zeigen die acht bei „Pretty little heart“, das im rumänischen Original natürlich etwas anders heißt. Kurz mal ein symbolisches Tränchen verdrückt, dann knallt das Schlagzeug los, die tiefer gestimmten Gitarren gehen ab. Pause vorbei. Die Crossover-Musik von Dirty Shirt macht extrem viel Spaß, ist kurzweilig und geht ab. Die Band sollte man mal live gesehen und noch besser, auch gehört haben.

„Lokalgeschichte macht einfach Spaß“: Klaus Lammer überarbeitete die Wald-Michelbacher Chronik

Eine wahre Fundgrube für ortsgeschichtlich Interessierte ist die Wald-Michelbacher Chronik von Michael Walter, die Jahrzehnte lang im Archiv der Gemeinde vor sich hin schlummerte. Klaus Lammer erweckte sie aus ihrem Dornröschenschlaf, überarbeitete sie, brachte sie auf den neusten Stand und ließ sie als Broschüre binden. Das 209-seitige Ergebnis, prall gefüllt mit vielen, bisher der Allgemeinheit unbekannten Fundstücken aus der Historie, ist seit kurzem an drei Verkaufsstellen erhältlich.

Der heute 81-jährige befasst sich schon seit 1990 mit der Geschichte seines Heimatortes. Bilder, die Bewohner, Ereignisse und Anekdoten sind für ihn von besonderem Interesse. „Ich bin damals nach alten Bildern hausieren gegangen“, schmunzelt Lammer. Früher, weiß der Hobby-Historiker, wurden nicht die Häuser fotografiert, sondern die Personen davor. Damit wollten die Besitzer zeigen, dass sie vermögend sind.

Auf die Chronik von Michael Walter (1878-1965) stieß er 1998 eher per Zufall. Lammer wertet sie „als sehr wertvoll für die Wald-Michelbacher Nachwelt“. Denn der Verfasser trug damals in akribischer Kleinarbeit aus Büchern, Zeitungen und verschiedenen Archiven unzählige Daten zusammen. „Mit Worten ist diese großartige Leistung kaum zu beschreiben“, zollt er dem Verfasser großes Lob.

Über Walters Detailgenauigkeit kann der Wald-Michelbacher nur staunen. „Da steht drin, wer die Post wo ausgetragen hat und welche Wege benutzt wurden“, nennt er ein Beispiel. So lief der Briefträger in früheren Jahren, als es noch keine Autos gab, von Mörlenbach kommend über Fürth, Grasellenbach und Wald-Michelbach wieder zum Ursprungsort zurück. „Das waren mehr als 30 Kilometer am Tag“, erwähnt Lammer mit Respekt.

Die Broschüre blickt auf die früheren Frondienste zurück, die die Wald-Michelbacher für die Feudalherren leisten musste. So wurden 20 Fuhrwerke aus dem Überwald angefordert, wenn die Kurfürsten ihren Hofstaat von Mannheim zum Sommerwohnsitz Schwetzingen verlegten. Oder es galt, Gemüse aus dem Odenwald über Wald-Michelbach auf den Mannheimer Markt zu schaffen. „Morgens um 3 Uhr ging es hier los“, weiß Lammer. Er ist daneben fasziniert von den vielen Münz- und Maßeinheiten in früheren Zeiten. Die Galgenhöhe deutet seinen Worten darauf hin, dass es dort früher einen Galgen gab.

Der 81-Jährige spielte auch Detektiv und suchte den Standort von Häusern. So lokalisierte er die „Wetzelshube“ in Unter-Wald-Michelbach, die „Bischofshube“ in der Rudi-Wünzer-Straße. Grundriss und Lageplan der Wehrkirche von 1780 finden sich ebenso in den Unterlagen wie die Aufzählung der früheren Leibeigenen. Bei der Gaderner Brücke, erfuhr er, wurde früher vom Bach das Wasser für den Wehrgraben abgezweigt. Darüber wurde auch die Mühle versorgt, die sich an der Stelle des heutigen Eiscafés befand. „Die Ludwigstraße gab es zu dieser Zeit noch nicht“, erklärt er.

Klaus Lammer wollte diese wertvolle Chronik den Bürgern zur Verfügung stellen und ihnen die Geschichte ihres Heimatortes näherbringen. Außerdem lag ihm daran, das Werk durch Digitalisierung für die Zukunft zu sichern. „So lassen sich einzelne Passagen ausdrucken, man kann Verbesserungen vornehmen und Veränderungen ergänzen“, erläutert er. Das tat er etwa mit der Fortschreibung der Einwohnerzahlen oder der Bürgermeisterliste, die im Jahr 1500 beginnt. Auch die Zahl der Gebäude in Wald-Michelbach „ist jetzt bis 2015 aktualisiert“, so Lammer.

Seit Anfang der 2000er Jahre war der Wald-Michelbacher am Digitalisieren. Das Ergebnis wurde zu einem Ringbuch gebunden und zuerst einmal im Bekanntenkreis zum Lesen rumgereicht. „Von dort kam auch die Anregung, es als Buch oder Broschüre zu veröffentlichen“, berichtet er. „Lokalgeschichte macht einfach Spaß“, bekennt der Hobby-Historiker, nämlich zu erforschen, „was man bisher nicht wusste“.

Um dem Leser die Lektüre zu erleichtern, brachte der 81-Jährige Walters Arbeit in eine verständlichere Form. Denn der Autor hatte, „scheinbar um Papier zu sparen“, jedes Blatt vollständig ausgenutzt. „Es gab auf den Seiten weder Ränder noch Absätze“. Deshalb war es seiner Beobachtung nach „oft anstrengend, den Inhalt aufzunehmen und zu verarbeiten“. Er hätte es sich „nie träumen lassen, was ich dabei so viel Neues über meinen Heimatort erfahren würde“, zeigt sich Lammer begeistert über das Gelesene.

Klaus Lammer arbeitete im Vorfeld der Veröffentlichung 14 Tage lang daran, bis die Sortierung stand. Zupass kam ihm dabei, dass er vor über 20 Jahren noch mit 60 einen Computerlehrgang machte. „Der zweitälteste war damals 25“, schmunzelt er. Alle Daten der Chronik sicherte der 81-Jährige auf einer externen Festplatte, damit auch bei einem Computerabsturz nichts verloren geht.

Info: „Chronik von Wald-Michelbach“, verfasst in den 1950er Jahren von Oberstudiendirektor i.R. Michael Walter, neu gestaltet von Klaus Lammer, 209 Seiten, Preis 20 Euro, erhältlich in Wald-Michelbach bei Aral-Tankstelle Lammer, Sparkasse Starkenburg und Gemeindeverwaltung.

Seit 50 Jahren steht Hans Helfrich am Dirigentenpult

Fünf oder sechs „Urgesteine“ aus den Anfangszeiten singen immer noch in seinem Chor aus Falken-Gesäß, wenn der Scharbacher Hans Helfrich dort am 23. März mit einem festlichen Kommers sein 50. Chorleiter-Jubiläum begeht. Zu den Gratulanten gehören auch die Mitglieder des Gesangvereins Immergrün aus Hartenrod, den der 72-Jährige seit 1990 dirigiert. Die Musik wurde ihm schon in die Wiege gelegt. „Mein Vater sang 60 Jahre im Chor“, lächelt Helfrich.

Seine Begeisterung für Töne und Noten hat der ehemalige Musiklehrer und Chorleiter aus Passion auch einem Teil seiner Kinder und Enkel weitergegeben. Sohn Daniel ist bundesweit gefragter Musik-Kabarettist, Enkelin Selina Blessing, die gerade mitten im Abi steckt, spielt in der Big Band des Überwald-Gymnasiums mit und begleitet den Großvater bei Chorauftritten am Klavier.

Den Eintracht-Männerchor des Oberzent-Stadtteils übernahm Helfrich 1969, noch als Lehramtsstudent. Zu dem kamen im Laufe der Jahre Frauen- und gemischter Chor hinzu. Die Männer gibt es heute mangels Masse nicht mehr als eigenständigen Klangkörper, sie leihen ihre Stimme dem gemischten Chor. Insgesamt sind es um die 40 Sängerinnen und Sänger, die in Falken-Gesäß ihre Stimme erklingen lassen. Ebenfalls 1969, „vor einem halben Jahrhundert“, wie Helfrich im Rückblick andächtig feststellt, stieg er beim Liederkranz Oberzent-Gammelsbach ein. Den leitete er bis zum Jahr 2000.

„Jüngeren“ Datums sind seine noch aktuellen Engagements in Ober-Ostern und Hartenrod. Wobei sich das Wort „jünger“ seine Anführungszeichen durchaus verdient hat. Denn auch in diesen beiden Orten wirkt er seit fast drei Jahrzehnten, seit 1990, am Dirigentenpult. Der gemischte Gesangverein Immergrün zählt etwa 25 Köpfe, in Ober-Ostern bei Reichelsheim kommen bei Männer-, Frauen- und gemischtem Chor um die 40 Aktive zusammen.

Doch Hans Helfrich begleitete in seinen (bisherigen) 50 Jahren seines Chorleiterwirkens noch einige andere Klangkörper aus der Region. So lange den Männerchor Ober-Abtsteinach, den es heute nicht mehr gibt. „Zu seinen besten Zeiten hatte der noch 60 Sänger“, erinnert sich der Jubilar wehmütig. Zehn Jahre stand er beim MGV 1951 Wald-Michelbach am Dirigentenpult, außerdem leitete er – quasi als Heimspiel – von 1984 bis 2008 die Scharbacher Waldeslust mitsamt Kinderchor.

Der gebürtige Heppenheimer verbrachte seine Jugendzeit in Wald-Michelbach, war als Jugendlicher beim dortigen Sängerbund und der Feuerwehr-Kapelle sehr aktiv. Klarinette, Saxofon und Klavier sind seine erlernten Instrumente. Nach dem Abitur am Überwald-Gymnasium, dessen 50. Jubiläum er vor ein paar Jahren feierte, studierte Helfrich an der Heidelberger PH Lehramt für Grund- und Hauptschulen mit dem Schwerpunkt Musik.

1971 startete er seine berufliche Laufbahn an der Volksschule Unter-Abtsteinach, danach folgte die Schule für Lernbehinderte in Wald-Michelbach, ehe er ab 1974 bis zu seiner Pensionierung 2012 an der Ulfenbachtalschule Wahlen wirkte. Nach Scharbach hat es den Jubilar 1971 nach der Heirat mit seiner Karin verschlagen. Dort wurde das eigene Haus gebaut, das dann Heimat für die nach und nach auf fünf Köpfe anwachsende Familie war. Zu den drei Kindern kamen inzwischen zwei Enkel hinzu – „und es werden mehr“, lächelt er.

„Mein Leben ist erfüllt mit Musik“, betont der agile 72-Jährige. „Ich liebe meine Tätigkeit als Chorleiter“, verdeutlicht er seinen Wunsch, so lange weiterzumachen wie es die Gesundheit zulässt. Mit seinen Chören kommt er auch in der Welt rum. Seit 1989 führen Chorreisen in alle Winkel des Kontinents. Mit seiner Frau Karin testet Hans Helfrich die ausgewählten Ziele erst einmal an, bevor dann gemeinsam ein Programm erstellt wird. Konzertauftritte sind logischerweise inklusive wie vergangenen Herbst auf Malta.

„Das ist ein einmaliges Erlebnis für die Chöre aus dem Odenwald“, weiß der Dirigent aus Passion. In höchster Qualität: „Wir haben unsere Heimat in ganz Europa sehr gut verkauft“, schmunzelt er. Unter anderem bei einer Papstmesse mit über 100 singenden Teilnehmern aus allen von ihm geleiteten Chören im Petersdom. Oder in Moskau vor dem Patriarchen.

Am 23. März ist in Falken-Gesäß beim Festkommers neben den dortigen Chören auch der GV Immergrün dabei. Am 3. Mai wird dann in der Alten Turnhalle Beerfelden „groß aufgefahren“. Um die 90 Mitwirkenden erwartet der Jubelchorleiter bei der Aufführung „Vom Schlager bis zum Pop“. Dazu kommen noch Big Band und Solisten. Enkelin Selina, die seit fünf Jahren den Großvater bei Konzerten am Klavier begleitet, wird auch wieder mit an den Tasten sein.

Info: Am Samstag, 23. März, findet in Falken-Gesäß ein Festkommers anlässlich des 50. Chorleiter-Jubiläums von Hans Helfrich statt. Daran nimmt auch der GV Immergrün Hartenrod teil. Am 3. Mai steigt in der Alten Turnhalle Beerfelden die Aufführung „Vom Schlager bis zum Pop“. In dem dafür gebildeten Projektchor mit 60 Sängern sind auch Teilnehmer aus Hartenrod dabei. Eine extra gegründete Big Band sorgt für den guten Sound.