Artenschutz beim Windradbau: „Wer bedrohte Vogelarten finden will, der findet sie auch“

Wie bestellt fliegt zum Ortstermin ein Schwarzmilan vorbei. „Ich beobachte hier 20 Überflüge pro Tag“, erzählt Dirk Bernd. Nicht nur des Schwarzen, auch seines roten Bruders. Der Artenschutzgutachter aus Lindenfels steht gerade auf einem Feldweg zwischen Weschnitz und Ober-Ostern, unterhalb der Windenergieanlage Kahlberg, von dem aus man eine herrliche Sicht bis zu Schloss Reichenberg, zu Stotz und Range, Richtung Rohrbach mit Lärmfeuer und Morsberg sowie Hammelbach hat.

Dirk Bernd sieht sie alle, die bedrohten Arten. Die auf der roten Liste stehenden Schwarzstörche fliegen bei seinen Untersuchungen mehrmals am Tag vorbei. „Ginge es nach dem Artenschutz, dürfte im Odenwald kein einziges Windrad betrieben werden“, macht der renommierte Fachmann klar. Denn wer will, der findet. Und zwar reichlich. Nicht nur vorbei fliegende Tiere, sondern auch Horste. „Wir haben hier ein Brut- und Nahrungshabitat für Rot- und Schwarzmilan, ein Dichtezentrum mit regelmäßigen Überflügen“, hebt er hervor.

Die Betonung Bernds liegt auf dem Wollen. Er wurde bei seinen faunistischen Gutachten bisher in allen Gebieten fündig, wo vorher bestellte Gutachter der Betreiber so gut wie nichts entdeckt hatten. Auf seinen Untersuchungen basieren im Odenwald sämtliche sogenannten „Weißflächen“ im aktuellen Windkraft-Regionalplanentwurf, wo aufgrund der Gutachten-Ergebnisse die Planungen erst einmal zurückgestellt werden. Heute entscheidet in Frankfurt die Regionalversammlung über diesen Plan. Eigentlich, sagt Bernd, müssten die Windkraft-Planer diese Aufgaben übernehmen. „Aber die könnten ja bei Funden nichts durchbringen.“ Und zu finden gibt es viel.

Dirk Bernd ist in seinem Element, wenn er über seinen Beruf spricht. Man merkt ihm die Sorge um die Natur an. „Es ist extrem, was wir hier kaputt machen“, bedauert er. „Ich mache es für die Sache und hoffe, dass es was bringt.“ Um gleich danach den Finger in die Wunde zu legen: „Unseriöser geht’s kaum“, meint er zur bisherigen Genehmigungspraxis bei Windkraftanlagen, seien es nun Greiner Eck, Stillfüssel oder Kahlberg. „Der Willkür ist Tür und Tor geöffnet.“

Die fünf Windräder auf dem Kahlberg drehen sich an diesem Tag mit etwa 150 Stundenkilometern, schätzt der Gutachter. 300 sind das Maximum. 2016 beobachtete er hier noch 30 Überflüge des europaweit geschützten Rotmilans an einem Tag. Als dann gerodet wurde, waren die entstandenen Freiflächen ein beliebtes Jagdrevier des Raubvogels. „Die Zahl der Überflüge blieb gleich, aber die Verweildauer stieg auf das Sechsfache an“, beobachtete er.

Mit dem Start der Rotoren begann das große Gemetzel. „Eine Zeitlang geht das noch gut“, weiß der Fachmann. Aber nicht lange. Denn der Rotmilan, an der Spitze der Nahrungskette, „erkennt die Rotoren nicht als Gefahr“, erläutert Dirk Bernd. Er fliegt zwischen ihnen hindurch und spielt unfreiwillig Russisch-Roulette. Mal geht es gut, mal nicht. Eine Tötung des Vogels wird für ihn deshalb billigend in Kauf genommen. „Das ist absolut wiederrechtlich und illegal“, macht er seinem Frust Luft.

Die aktuell 40 und mehr werdenden Windräder im Odenwald „hält keine Rotmilan-Population aus“, warnt er. Die Bestände an Vögeln „werden den Planungen angepasst“, kritisiert der Gutachter. Nicht nur bei diesen: Abstände zu Quartierbäumen der Mopsfledermaus wurden laut Bernd immer mehr verringert, von 5000 auf jetzt 200 Meter. „Sonst könnte man etwa im Spessart überhaupt kein Windrad bauen.“

Dirk Bernd machte auch zahlreiche Brutpaare des Rotmilans im Bereich um den Kahlberg aus. „Die drei am nächsten gelegenen waren ein Jahr später (nach Inbetriebnahme des Kahlberg-Windparks, d.Red.) nicht mehr da“, klagt er an. „Die Projektierer haben keinen davon gesehen“, moniert er. Dabei gehören doch „Rotmilan und Odenwald zusammen“, weist er auf das hohe Vorkommen hin.

Bei Raumanalyen „kann man tricksen“, schildert der Planer. Das betreffende Gebiet wird in bestimmte Raster eingeteilt, die weniger beflogenen werden rausgezogen und für Windradbebauung zur Verfügung gestellt. Nur: „Der Rotmilan hält sich nicht an Flugbahnen und Rasterkästchen.“ Diese Art der Arbeit dient seiner Meinung nach nur dazu, „die Pläne zu realisieren“. Aus Erfahrung weiß Bernd, dass sich Raumanalysen von einem zum anderen Jahr „diametral unterscheiden“. Die Vögel fliegen nicht dahin, wohin sie sollen.

„Wenn einer nichts sehen will, ist immer eine Genehmigung zu kriegen“, schildert der Fachmann. Damit war es einfach, meint der Gutachter ironisch, „kein erhöhtes Tötungsrisiko festzustellen“. Denn dessen Existenz würde das Aus für einen Windpark bedeuten. Da aber genau dieses nach all seinen Untersuchungen besteht, „dürfte hier (und damit meint er den ganzen Odenwald, d.Red.) nicht gebaut werden“.

„Egal wo ich nachgeschaut habe, ich habe immer etwas gefunden“, verdeutlicht Dirk Bernd die existierenden Populationen. Und fügt hinzu: „Ich kann meine Argumentation sehr gut begründen.“ Er arbeite mit den aktuellen Methoden-Standards, dokumentiere seine Sichtungen in der Regel mit Bildern.

Stellt Bernd etliche Überflüge und Horste bedrohter Arten fest, ein anderer, von den Firmen beauftragter Gutachter aber nicht, „folgte die Genehmigungsbehörde dem politischen Druck“, moniert er. Und winkte die Windräder durch. Erst in letzter Zeit ändert sich daran etwas, siehe Weißflächen.

Wobei diese ja auch nicht für alle Zeit aus der Planung sind, sondern nur ein paar Jahre. Was für den Fachmann absoluter Blödsinn ist. „Der Schwarzstorch hält an seinem Revier fest“, betont er. „Der ist eigentlich nie weg.“ Horste werden im Umkreis von ein paar hundert Metern gebaut. Damit sind laut Bernd die Weißflächen Augenwischerei, da sich der Status Quo nicht ändern wird. Außer es werden die Bäume gefällt, wo sich die Horste befinden, wie es vergangenes Jahr am Morsberg bei Reichelsheim geschah. Und selbst dann bauen der Rotmilan oder Schwarzstorch im Umfeld einen neuen Horst, den es dann wieder zu finden gilt.

Info: Dirk Bernd hat ein Buch zum Thema veröffentlicht: „Windindustrie versus Artenvielfalt – Eine Studie über die Auswirkungen der Windenergienutzung auf Großvögel- und Fledermausarten am Beispiel Odenwald und weiteren Mittelgebirgsräumen“. Man kann es kostenlos als Pdf unter www.muna-ev.com/veröffentlichungen/ herunterladen.

Kahlberg-Schwarzstörche

Die Windräder am Kahlberg „liegen zwischen den Horsten von drei Schwarzstorch-Brutpaaren“, sagt Dirk Bernd. Die gehen an Weschnitz und Ulfenbach zur Nahrungssuche runter und überfliegen dabei regelmäßig die Rotoren. Aufgrund des Flugradius’ der Tiere „müsste man in einem Zehn-Kilometer-Umkreis prüfen“, hebt er hervor. Obwohl der Genehmigungsbehörde Bilder von Schwarzstörchen, sogar von einem Paar aus den Monaten Mai und Juni vorlagen, sei der Windpark in Betrieb gegangen. Begründung: „Die Vögel könnten auf dem Zug gewesen sein.“ Der Gutachter weiß nicht, ob ihn das zum Lachen oder Weinen bringen soll. Denn: „Die Schwarzstörche kommen bereits im März.“ Sein Fazit: „Es wird gebogen und gelogen, um eine Genehmigung zu erhalten.“

Zur Person

Dirk Bernd (47), aus Heppenheim stammend, wohnt seit zwölf Jahren in Lindenfels und betreibt dort ein Büro für Faunistik und Landschaftsökologie. Er erstellt als Gutachter Flächennutzungspläne für Gemeinden, ist für Fauna und Flora in kommunalen Bebauungsplanverfahren etwa für Gewerbe- und Wohngebiete zuständig. Am Kahlberg, im Dreieck zwischen Weschnitz, Grasellenbach und Mossautal, war er für die dortige Bürgerinitiative tätig, als Artenschutzgutachter in Reichelsheim – bei Stotz und Range – ebenso für die Gemeinde wie im Mossautal oder Breuberg. „Ich stehe auf einer Anhöhe und schaue das Plangebiet entlang“, beschreibt der Gutachter seine Arbeit. Das geschieht in einem Umkreis von sechs bis zehn Kilometern mit Fernglas und Spektiv. Zur Dokumentation hat Bernd eine Kamera mit 600mm-Objektiv dabei.

„Der Energiewandel muss intelligent gemacht werden“, fordert er. Man kann nicht einfach zwei Prozent der Landesfläche für Windkraft ausweisen, „aber nicht wissen, wie das umgesetzt werden soll“, kritisiert er. Die dadurch bisher entstandenen Schäden an der Fauna sind „nachweisbar und erkennbar“. Da technisch an den Windrädern keine Verbesserungen möglich sind, um die Tiere zu schützen, „kann es nur ein Entweder-oder geben“. Dirk Bernd ist der Meinung, „dass wir die Stromwende auch mit Fotovoltaik hinkriegen könnten“. Dazu noch ordentliche Speicher „und es geht kein Vogel daran kaputt“. Für ihn ist es extrem, „was wir hier zerstören“. Er weiß von zwei Fledermaus-Arten, die aufgrund der Windkraft schon zu 90 Prozent ausgerottet sind. Zahlreiche weitere der 24 heimischen Arten sind durch die Windenergienutzung ebenfalls stark gefährdet.

 

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Ein 100 Jahre alter Blick ins Schlafzimmer von Weber Nicklas

„Den Mann hab’s ich noch gekannt“, ruft ein älterer Zuschauer erstaunt aus, als Dr. Manfred Göbel ein Bild vom Ellenbacher Ortseingang aus dem Jahr 1908 zeigt. Zeitlich dürfte das hinhauen, denn der Betreffende auf dem Motiv von Friedrich Maurer ist vielleicht um die 30, der Besucher der Buchvorstellung um die 80 – somit könnten sich die Wege von beiden irgendwann in den 1950er Jahren überschnitten haben. „Leben und Arbeiten im hessischen Odenwald“ heißt Göbels 128-seitiger Bildband, in dem er 160 spektakuläre und teilweise unveröffentlichte Fotografien des bedeutenden Heimatforschers und Arzts zusammentrug.

Zur Vorstellung präsentierte sich die Bücherscheune so voll wie bisher noch nie bei einer Lesung – was sicherlich auch der ausführlichen Vorbesprechung in der OZ geschuldet sein dürfte. Gerade die Älteren freuten sich darauf, den Odenwald noch einmal so zu sehen, wie er vor 100 Jahren aussah und wie sie ihn – zumindest in Teilen – auch noch aus ihrer Kindheit kannten. Die erste Auflage von Göbels Buch ist bereits verkauft, wie er erfreut vermeldete, die zweite ist in Druck.

Dass gerade 1907 dieses besondere Interesse am Odenwald von Weschnitz bis Michelstadt, von Ober-Ostern bis Hammelbach, von Langenthal über Hirschhorn bis Eberbach erwachte, führt Göbel auf die 25-Jahr-Feier des 1882 gegründeten Odenwaldklubs zurück. Aus diesem Anlass gab es damals eine Wanderung auf die Neunkirchner Höhe – und mit diesen Bildern startet auch das erste Album, erläutert er den interessierten Zuhörern.

Maurer, selbst OWK-Mitglied, bestückte parallel auch in Darmstadt das Odenwald-Museum (das leider während der Brandnacht im Zweiten Weltkrieg vernichtet wurde). Der Darmstädter Oberbürgermeister war zu dieser Zeit in Personalunion Gesamt-OWK-Vorsitzender, der Bürgermeister Chef das Darmstädter Ortsvereins – somit alles eine große Familie. Die Vereinszugehörigkeit dürfte dem Fotografen auf dem Land Tür und Tor geöffnet haben, schätzt Göbel. Anhang der Motive wird deutlich, dass es Maurer immer wieder an die gleichen Orte zog. Auf der Alme in Ober-Ostern entstanden allein 62 Bilder, in Weschnitz 43 und in Hammelbach 27.

Er zeigte den Alltag der Bevölkerung, das wirkliche Leben, nicht die Hochglanz-Motive, die sonst in der damaligen Zeit entstanden. Genau das ist das Außergewöhnliche an der fotografischen Arbeit des Heimatforscher, die sie so wertvoll für die heutige Betrachtung macht, erklärt Göbel. So dürfen die Gäste einen Blick ins Schlafzimmer von Weber Nicklas werfen. Oder Familie Arnold in der Hammelbacher Straße von Weschnitz beim Mittagsessen vor mehr als 100 Jahren zuschauen. „Dass wir solche Bilder haben, ist sensationell“, freut sich der Hobby-Historiker.

Die Rückbesinnung auf die „gute, alte Zeit“ war zu dieser Zeit groß angesagt, weiß der Referent aus Groß-Zimmern. Der OWK befasste sich stark mit der Volkskunde, weil der Wandel durch die Industrialisierung viele alte Bräuche in Vergessenheit geraten ließ. „Ganze Berufsfelder starben aus“, erläutert Göbel. Es ging Maurer darum, den Wandel zu dokumentieren und die Vergangenheit festzuhalten.

Dabei scheute er auch nicht davor zurück, Bilder nachzustellen, heute würde man von „faken“ reden. Berufen, die kaum noch praktiziert wurden, schuf er anhand seiner Fotos ein Denkmal. Der Mediziner hatte dabei zwei Vorgehensweisen: Entweder er stellte alle Arbeitsschritte eines Berufsbildes auf einem Bild zusammen oder er schoss ganze Bilderserien.

Vereinsfest, Festkommers, Hochzeit, Kommunion oder Soldat: Das waren zu dieser Zeit die „normalen“ Fotomotive. Aber Alltagssituationen, Dorfbewohner in ihrer Privatwohnung oder bei der Arbeit: Dass solche Szenen heute erhalten sind, „verdanken wir Friedrich Maurer“. Wie etwa die Kinder im Hiltersklinger Weg von Hammelbach, die angesichts des fremden Mannes mit seiner Kamera zusammengelaufen sind. Diese Einblicke „sind ein wahrer Schatz“.

Da Anfang des 20. Jahrhunderts das Eisenbahnnetz voll (und besser als heute) in den Odenwald hinein ausgebaut war, konnte Maurer von Darmstadt aus alle Ecken und Enden erreichen. Er reiste nach Michelstadt (weiter mit der Odenwaldbahn nach Eberbach und von dort nach Hirschhorn), konnte die Überwaldbahn nach Wald-Michelbach nehmen oder hatte die Gesprenztalbahn nach Reichelsheim zur Verfügung.

Die Motive von früher lassen die Augen der Senioren strahlen: Hier die „Äppelquetsch“ auf der Alme, da das Eichenrindenklopfen („Rennekloppe“) in Schönbrunn bei Wald-Michelbach, dort Knopfdreher, Brunnenmacher, Zunderschwammklopfer, Schachtelmacher, Zigarrenmacher, Schindelschnitzer oder Nagelschmied: Maurers Werk ist ein wahrer Fundus für Freunde der Regionalgeschichte und bietet einen unbezahlbaren Blick auf das, was schon lange nicht mehr ist. Eben die „gute, alte Zeit“.

Info: „Leben und Arbeiten im hessischen Odenwald“, herausgegeben von Manfred Göbel, zeigt auf 128 Seiten rund 160 spektakuläre und teilweise unveröffentlichte Fotografien des bedeutenden Heimatforschers und Arzts Friedrich Maurer (1852-1939), der den Odenwald zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchstreifte und dabei das entbehrungsreiche Leben der Handwerker und Gewerbetreibenden in den Dörfern eindrucksvoll ins Bild setzte. ISBN: 9783954009640, Sutton Verlag 2018, 19,90 Euro.

Jeder kann etwas für die Bienen tun

Das Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen“ war die erfolgreichste Beteiligung der Bürger in der Geschichte Bayerns. 1,8 Millionen Wahlberechtigte unterstützten eine Änderung des Naturschutzgesetzes, um eine vielfältige Flora und Fauna zu erhalten. Die Imker im Kreis Bergstraße verfolgten die Entwicklung im Nachbar-Bundesland mit Interesse und Sympathie. „Ich hätte da auch unterschrieben“, meint etwa der Vorsitzende des Bienenzüchtervereins Fürth, Gerd Viniol aus Hammelbach.

„Der Politik wurde mit dem Volksbegehren klargemacht, dass der Bevölkerung der Artenschutz wichtig ist“, betont der 65-Jährige. Es gehe ja nicht nur um das Bienen-, sondern um das Insekten- und Artensterben allgemein, dem Einhalt geboten werden müsse. Denn wenn die Tiere aussterben, „hat das auch Folgen für die Menschen“, hob Viniol hervor. Es fehle dann ein Glied in der langen Kette, was Auswirkungen für alle anderen mit sich bringe.

„Die Biene ist ein guter Sympathieträger“, freut sich der Vereinsvorsitzende. Viele Feld- und Waldfrüchte wie Beeren und Äpfel würden ohne sie fehlen. Jedoch ist sie laut Viniol nur ein Teil des Ganzen, denn auch viele weitere wildlebende Insekten sind durch Monokulturen, extensive Landwirtschaft, immer mehr bebaute Flächen oder Klimawandel bedroht.

Ohne das Einschreiten der Imker, ist sich der 65-Jährige sicher, „würden die Bienenvölker kollabieren“. Grund ist die inzwischen stark verbreitete Varroa-Milbe, die sie stark schwächt und dezimiert, sodass die Tiere nicht mehr über den Winter kommen. Übers Jahr hinweg gibt es verschiedene Maßnahmen (teilweises Ausschneiden der Drohnen-Brut, Säurebehandlung), um dem Schädling zu Leibe zu rücken.

Die Bienen werden allerdings ebenso durch den Rückgang des Nahrungsangebots stark bedroht. „Sie brauchen eine sehr abwechslungsreiche Landschaft“, weiß der Fachmann, seit 2003 Mitglied im Verein. Die Nahrung benötigen die Tiere, „um ihr normales Tagesgeschäft zu erledigen“. Die Pollen wiederum werden für die Jungbienen benötigt, damit diese ihren Chitinpanzer ausbilden können.

Wichtig ist die Positionierung des Stocks, hebt Viniol hervor: „Die Bienen haben einen Flugradius von drei Kilometern.“ Wenn es dort größere Agrarflächen gibt, dann finden sie nach deren Abernten keine Nahrung mehr. Deshalb sind Plätze an Wiesen, Waldsäumen oder bei Obstbäumen optimal, „um die Versorgung übers ganze Jahr hinweg zu gewährleisten“.

Im Odenwald, erläutert der Hobbyimker mit seinen 15 Völkern, „ist es einfacher zu imkern als in der Ebene“. Denn zum einen gibt es in der Hügellandschaft ein viel größeres Nahrungsangebot, zum anderen lässt die Geländeform oftmals keine extensive Landwirtschaft zu. Wobei Viniol verdeutlicht, „dass der Imker außer dem richtigen Standort und der Pflege nichts zum Honig beitragen kann“. Dessen Zusammensetzung besorgen die Bienen selbst.

Den Verein steht derzeit auf gesunden Füßen, freut sich der Vorsitzende. Der Imkerberuf ist positiv besetzt, stellt er fest. Laut hessischem Landesverband stieg die Zahl der Bienenzüchter im Jahresvergleich um sechs Prozent. Stand früher der wirtschaftliche Aspekt im Vordergrund und hatten die Imker oftmals viele Völker, hat sich dies heutzutage verändert. Das Interesse an der Natur bewegt die Menschen, sich nun mit den Bienen zu beschäftigen. Vier oder fünf Völker sind bei den Neuanfängern, oft um die 30 Jahre alt, der Schnitt.

Um den Paarflüglern unter die Arme zu greifen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die Fürther Imker säen etwa auf einer Brachlandfläche im April Blumensamen, die dann Richtung Sommerende zum Blühen kommen. Damit finden die Bienen noch Nahrung, wenn sie anderswo bereits zur Neige geht. Aber nicht nur die: „Da kommen auch alle anderen Fluginsekten hin“, hat er beobachtet.

Die bayrische Initiative kann sich der Bienenzüchter auch gut in Hessen vorstellen. „Wenn es eine solche gäbe, würde ich sie sofort durch meine Unterschrift unterstützen“, versichert Viniol. Bisher hat er allerdings noch keine Verbandsinfo zu einem ähnlichen Ansinnen im hiesigen Bundesland erhalten. Doch es muss ja nicht gleich ein Gesetz sein. Auch ohne ein solches gibt es vielfältige Möglichkeiten, den Insekten einen Lebensraum zu bieten, der seinen Namen auch verdient.

Privatpersonen und Gartenbesitzer können ebenfalls ihren Teil dazu beitragen. In den Bau- und Gartenmärkten gibt passende Saatmischungen, um eine nahrungsreiche Farbenpracht zu erzeugen. Auch Frühblüher sind interessant, erzählt er. Deshalb pflanzte Viniol letzten Herbst Krokusse. „Das sieht gerade wunderschön auf der Grasflächen aus“, beobachtet er. „Damit kommen die Bienen besser über die Runde“, sagt der Imker. Allerdings müssen es auch Orte sein, die von den Tieren erreicht werden können. Besser sind deshalb viele kleine blühende Flecken als nur eine, weit vom Volk entfernte.

Der Bienenzüchterverein Fürth hat derzeit 35 Mitglieder, davon 27 mit insgesamt 170 Bienenvölkern. Mit Fürth als Zentrum gibt es Mitglieder in Hammelbach, Lörzenbach, Hiltersklingen und Ostern. Der Jüngste ist 15 Jahre alt, die Ältesten sind 91. Vorsitzender ist seit 2005 Gerd Viniol (65) aus Hammelbach, E-Mail a-g-viniol@t-online.de. Wer sich fürs Imkern interessiert, kann sich auf www.starkenburger-imkerkreis.de über den nächstgelegenen Verein informieren. Der Imkerkreis umfasst acht Ortsvereine (neben Fürth auch Hirschhorn, Lampertheim, Bensheim, Heppenheim, Lautertal, Lindenfels und Weschnitztal) sowie zwei Belegstellen in Heppenheim und Hirschhorn/Brombach. Über den Landesverband Hessischer Imker (LHI) werden für Neumitglieder Grund- und Aufbaukurse angeboten. Darüber hinaus werden sie in der Regel von einem erfahrenen Mitglied des Ortsvereins an die Hand genommen.

 

Im „Erbacher Hof“ von Weschnitz bleibt 1907 die Zeit stehen

Das „Leben und Arbeiten im hessischen Odenwald“ war früher hart und entbehrungsreich. Historische Bilder von Friedrich Maurer, die dieser ab dem Jahr 1907 teilweise bis nach dem Ersten Weltkrieg unter anderem im Bereich Weschnitz, Ober-Ostern (Alme) sowie Hammelbach und Fürth aufnahm, legen ein beredtes Zeugnis davon ab, mit welchen Erschwernissen sich die Menschen in diesem Teil des Odenwalds früher herumschlagen müssten. Historiker Dr. Manfred Göbel hat 160 von 724 Fotos in einem Buch gebündelt, das er am 22. März in der Bücherscheune vorstellt.

Überliefert sind 62 Bilder aus Ober-Ostern/Alme, 53 aus Weschnitz sowie 27 aus Hammelbach und 24 aus Fürth einschließlich der heutigen Stadtteile. Ein Foto von Ellenbach aus dem Jahr 1908 zeigt etwa den Ortseingang von Fürth her. Es war das Titelbild auf dem von Maurer 1914 veröffentlichten Bildband. Es ist laut Göbel nicht zu belegen, wie oft Maurer in Fürth war. Gesichert ist jedoch sein mehrmaliger Besuch im „Erbacher Hof“ in Weschnitz. Dort entstand auch eine Gaststättenszene.

Fotos aus Weschnitz nach dem Ersten Weltkrieg zeigen, dass Friedrich Maurer mehrmals dort war und die Kontakte über längere Zeit hielt. Der Odenwaldklub dürfte dem Fotografen aus Darmstadt viele (private) Türen geöffnet haben, schätzt Göbel. So ist bekannt, dass Leonhard Müller (Besitzer des Erbacher Hofs) ebenfalls OWK-Mitglied war. Für den Historiker ist allerdings nicht klar, ob es im Gesamtwerk ebenfalls diesen Schwerpunkt gab. Dieser lässt sich nur aus den drei erhaltenen Fotoalben herauslesen. Alle anderen Bilder Maurers verbrannten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs bei einem Feuer in Darmstadt.

Doch was erhalten ist, lässt die heutigen Betrachter tief ins damalige Leben eintauchen. Bei der Feldarbeit zwischen Fürth und Weschnitz wird 1907 eine Kaffeepause eingelegt. Oder Nagelschmied Regner aus Fürth mit Rauschebart, Nickelbrille und Pfeife in der Hand: Nur zwei der alten Bilder, die einen seltenen und wertvollen Einblick in den Alltag der Menschen vor mehr als 100 Jahren eröffnen.

„Landschaftsmotive gibt es aus dieser Zeit genug“, erläutert der Historiker. Das Faszinierende an Maurers Motiven ist der Alltag. Vor mehr als 100 Jahren war in bestimmten Ecken des Odenwalds „ein Fotograf eine Sensation“, betont er. Eine Kuh wird beschlagen, ein Schmied steht am Amboss, eine alte Frau schält Kartoffeln: „Für solche Bilder gaben die Fotografen damals kein Geld aus“, schildert Göbel.

Maurer dagegen „zeigt das Leben, wie es wirklich ist“. Er glorifiziert nicht „die gute alte Zeit“, sondern im Blick auf die damaligen Wohnverhältnisse „wird die Mühsal des Lebens deutlich“. Dazu kommen Fotostrecken von alten Handwerksberufen wie Sattelbinder, Sieb-, Pumpen- oder Schachtelmacher und Nagelschmied, die Göbel als „kostbar“ bezeichnet. Manche waren auch regional verdichtet. In Weschnitz dominierte etwa die Landwirtschaft.

Info: Dr. Manfred Göbel stellt am Freitag, 22. März, 19 Uhr, in der „Bücherscheune“ Fürth sein Buch „Leben und Arbeiten im hessischen Odenwald“ mit Bildern von Friedrich Maurer vor. Der Historiker aus Groß-Zimmern (65) ist Schulleiter in Darmstadt, Vorsitzender des Vereins Glöckelchen und Mitglied im Breuberg-Bund, der Historischen Vereinigung zur Erforschung des Odenwaldes, sowie im Historischen Verein für Hessen. Das Buch zeigt auf 128 Seiten rund 160 spektakuläre und teilweise unveröffentlichte Fotografien des bedeutenden Heimatforschers und Arzts Friedrich Maurer (1852-1939), der den Odenwald zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchstreifte und dabei das entbehrungsreiche Leben der Handwerker und Gewerbetreibenden in den Dörfern eindrucksvoll ins Bild setzte. ISBN: 9783954009640, Sutton Verlag 2018, 19,90 Euro.

 

Die gute alte Zeit war im Odenwald sehr entbehrungsreich

Rechenmacher Philipp Schmitt aus Hammelbach sitzt 1907 im Kreise seiner Familie am Esstisch, die Frau stillt gerade das jüngste Kind. Bei der Feldarbeit zwischen Fürth und Weschnitz wird im selben Jahr eine Kaffeepause eingelegt. Oder Nagelschmied Regner aus Fürth mit Rauschebart, Nickelbrille und Pfeife in der Hand: Nur drei von 160 historischen Bildern Friedrich Maurers, die Historiker Dr. Manfred Göbel im Buch „Leben und Arbeiten im hessischen Odenwald“ zusammengetragen hat. Es eröffnet einen seltenen und wertvollen Blick in den Alltag der Menschen vor mehr als 100 Jahren.

Göbel war seit jeher fasziniert von der großen Geschichte „im Kleinen“. Bei seinen regionalhistorischen Recherchen stieß er bereits Anfang der 1980er Jahre auf Maurer und dessen reich bebildertes Odenwald-Buch von 1914. Zuerst griff er es mit Bezug auf seinen Heimat-Ort Groß-Zimmern auf, später dann in einer Publikation für den Breuberg-Bund mit einem weiteren Ansatz.

„Die Odenwald-Sammlung passte in die Zeit“, weiß der Historiker. Denn zu Beginn des 20. Jahrhundert fand im Zuge der raschen Industrialisierung und Verstädterung eine Rückbesinnung auf die Natur statt. Volkskunde und Heimatbewegung gewannen an Bedeutung. Die Bewahrung des ländlichen Lebens und ein nostalgischer Blick darauf sollten kompensieren, dass – wie heute – der Trend Richtung Metropole ging. „Maurer hatte aber einen eher nüchternen Blick darauf“, erläutert Göbel.

Der Arzt war schon früher viel gereist, auch in die USA oder Kanada. „Er muss Geld gehabt haben“, meint der Chronist. „Den Odenwald kannte Maurer natürlich auch“, betont der Historiker. Über den gleichnamigen Klub und die Verbindung zum Darmstädter Stadtmuseum ergab sich die Grundlage für die ausgedehnte Tour 1907. Das um die Jahrhundertwende ausgebaute Eisenbahnnetz mit Odenwald-, Überwald-, Weschnitztal- und Gersprenztalbahn machte die Reisen ins „Kerngebiet“ möglich.

Der Odenwaldklub dürfte dem Fotografen viele (private) Türen geöffnet haben, schätzt Göbel. So ist bekannt, dass Leonhard Müller (Besitzer des Erbacher Hofs) ebenfalls OWK-Mitglied war. Auf diese Weise entstanden Aufnahmen aus dem Alltag der Dorfbevölkerung, die in dieser Tiefe un- und außergewöhnlich sind. Darüber hinaus muss es auch OWK-Ausflüge in den Odenwald gegeben haben, die an den städtisch gekleideten Herren auf den Bildern erkennbar sind.

„Landschaftsmotive gibt es aus dieser Zeit genug“, erläutert der Historiker. Das Faszinierende an Maurers Motiven ist der Alltag. Vor mehr als 100 Jahren war in bestimmten Ecken des Odenwalds „ein Fotograf eine Sensation“, lächelt er. Eine Kuh wird beschlagen, ein Schmied steht am Amboss, eine alte Frau schält Kartoffeln: „Für solche Bilder gaben die Fotografen damals kein Geld aus“, schildert er.

Maurer dagegen „zeigt das Leben, wie es wirklich ist“. Er glorifiziert nicht „die gute alte Zeit“, sondern im Blick auf die damaligen Wohnverhältnisse „wird die Mühsal des Lebens deutlich“. Dazu kommen Fotostrecken von alten Handwerksberufen wie Sattelbinder, Sieb-, Pumpen- oder Schachtelmacher und Nagelschmied, die Göbel als „kostbar“ bezeichnet. Manche wie Spielzeugmacher in Lützelbach oder Elfenbeinschnitzer in Erbach waren auch regional verdichtet. In Weschnitz dominierte die Landwirtschaft.

Der passionierte Geschichtsforscher machte sich vergangenen Sommer auf die 111 Jahre alte Spur Maurers und reiste durch den Odenwald, fotografierte aus den gleichen Perspektiven heraus. Gerade ältere Leute „konnten oftmals die historischen Motive zuordnen“, freut sich Göbel. Auf der Alme Ober-Ostern traf er eine Frau, die den Enkel des früheren Besitzers Leonhard Müller geheiratet hatte – und über ein paar Ecken mit dem damaligen Förster verwandt ist, der auf einem alten Bild die Kinder nicht zum Heidelbeeren Sammeln in den Wald ließ.

In den drei erhalten gebliebenen Fotoalben von Friedrich Maurer mit insgesamt 724 Fotos bilden solche aus dem Raum Weschnitz, Ober-Ostern (Alme) sowie Hammelbach und Fürth einen nicht zu übersehenden Schwerpunkt. Überliefert sind 62 Bilder aus Ober-Ostern/Alme, 53 aus Weschnitz sowie 27 aus Hammelbach und 24 aus Fürth einschließlich der heutigen Stadtteile. Daneben bildeten Hirschhorn und Langenthal einen Schwerpunkt. Die Motive wurden in der Regel 1907 aufgenommen.

Fotos aus Weschnitz aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zeigen, dass Maurer dort mehrmals war und die Kontakte über längere Zeit gehalten hat. Vermutlich wohnte er immer im dortigen „Erbacher Hof“. Für Göbel ist es allerdings nicht klar, ob es im Gesamtwerk ebenfalls diesen Schwerpunkt gab. Dieser lässt sich nur aus den drei erhaltenen Fotoalben herauslesen. Alle anderen Bilder Maurers verbrannten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs bei einem Feuer in Darmstadt.

Dr. Manfred Göbel aus Groß-Zimmern (65) ist Schulleiter in Darmstadt. Der promovierte Historiker ist Vorsitzender des Vereins Glöckelchen und Mitglied im Breuberg-Bund, der Historischen Vereinigung zur Erforschung des Odenwaldes, sowie im Historischen Verein für Hessen. In der Vergangenheit ist er bereits mit einer Vielzahl an lokalhistorischen Publikationen hervorgetreten. „Leben und Arbeiten im hessischen Odenwald“ zeigt auf 128 Seiten rund 160 spektakuläre und teilweise unveröffentlichte Fotografien des bedeutenden Heimatforschers und Arzts Friedrich Maurer (1852-1939), der den Odenwald zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchstreifte und dabei das entbehrungsreiche Leben der Handwerker und Gewerbetreibenden in den Dörfern eindrucksvoll ins Bild setzte. ISBN: 9783954009640, Sutton Verlag 2018, 19,90 Euro.

ISC Fürth ist Meister der Bergsträßer Fußball-Kreisliga C

Es ist geschafft: Kurz vor Ende der Runde musste der ISC Fürth zwar noch einmal zittern, weil sich durch einen unnötigen Punkteverlust Verfolger Türkspor Wald-Michelbach bis auf einen Punkt an den Tabellenführer der Bergsträßer Fußball-Kreisliga C herangeschoben hatte. Doch der letzte Spieltag war schon entschieden, bevor er richtig begonnen hatte: Mit der Spielabsage von Birlikspor Biblis stand der ISC vor dem eigentlichen Anpfiff als Meister und direkter Aufsteiger in die B-Klasse fest. Ein klassischer Durchmarsch, nachdem das Team Anfang der Runde von der D-Klasse gekommen war. Der Jubel kannte auf heimischem Rasen keine Grenzen.

„Wir haben insgesamt eine sehr starke Saison gespielt“, sagt Spielausschussvorsitzender Teoman Asar. Ihm ist besonders der Traumstart mit dem 7:0 gegen den späteren hartnäckigen Verfolger und Mitaufsteiger Türkspor in Erinnerung. Der ISC feierte in der Folge Siege in Serie, ehe dann etwas der Schlendrian einsetzte und das Team einige Punkte ohne Not abgab.

„Wir haben von Anfang an klares Zeichen gesetzt“, meint Asar mit Blick auf die oft zweistelligen Ergebnisse gegen restlos überforderte Gegner. Nach dem Auswärtssieg im ersten Rückrundenspiel „war unser Ziel nur noch die Meisterschaft“. Bis dahin bevorzugte es die Elf, „Geheimfavorit“ zu sein, was aber angesichts der vorherigen Dominanz nur schwer durchzuhalten war. Schon schnell wurde die Elf als Meisterschaftsfavorit gehandelt.

In der Rückrunde schwächelte die Mannschaft zwischenzeitlich. Es gab kritische Spiele wie auswärts in Hüttenfeld – wo man das Hinspiel verloren hatte – oder die Schlammschlacht kurz vor Saisonende in Scharbach, die aber vorentscheidend mit 3:0 gewonnen wurde. Jedoch ließ der Aufstiegsaspirant unerwartet in manchen Begegnungen Punkte gegen Teams aus dem unteren Tabellendrittel liegen.

Nach so vielen Siegen in Folge „war das junge Team manchmal nur schwer zu motivieren“, erläutert Asar. Hier zeigten sich Licht und Schatten einer hungrigen Mannschaft, die zwar oft begeisternd spielte, aber auch durch Unkonzentriertheit und Überheblichkeit manche Spiele vergeigte, wenn es zuvor zu einfach gewesen war. Die Niederlage gegen Gras-Ellenbach, die die Meisterschaft noch einmal in Frage stellte, rüttelte die Mannen von Spielertrainer Oguz Ataman aber rechtzeitig noch einmal wach.

Genau diese Fähigkeit hebt Asar auch hervor: „Positiv und das Beste an der Mannschaft ist, dass sie sehr schnell aufwacht und Krisensituation trotz des jungen Durchschnittsalters gut bearbeiten kann“. Das Team kann dabei auf die treuen Fans zählen, deren Zahl an der Bande oftmals das Dreifache von anderen C-Liga-Mannschaften betrug: Zwischen 150 und 200 Zuschauer kann der ISC bei Heimspielen begrüßen. „Sehr viele, gute und heiße Fans gaben der Mannschaft immer Kraft und Motivation“, sagt er.

Auch der Vorstand stand immer hinter der Elf und versuchte die besten Bedingungen für die Spieler zu schaffen. Nach dem Aufstieg in die C-Klasse strebten diese den Durchmarsch an, erzählt der Pressewart. Der Vorstand wollte bodenständig agieren und „uns in erster Linie etablieren“. Doch getragen von der Euphorie „blieb uns nichts anderes übrig, als das Ziel unserer Spieler zu verwirklichen und zu unterstützen“, schmunzelt er. Das sehr familiäre Umfeld sorgte stets für gute Rahmenbedingungen. „Auf dieses junge Team kann man wirklich stolz sein“, meint Asar beeindruckt.     tom

 

Spielerporträts ISC Fürth

Teoman Asar, Autoverkäufer, 38, Torwart: Ein starker Rückhalt, der mit seiner langjährigen Erfahrung bei wichtigen Spielen mit breiter Brust und viel Selbstvertrauen die Mannschaft zu Siegen führte. Er ist Mann für alles, gleichzeitig Spielausschussvorsitzender und Pressewart. Großer Motivator vor den Spielen.

Orkun Ocak, Friseur, 27, (Nachwuchs-)Torwart mit viel Talent für die Zukunft: Hat zahlreiche Einsätze mit Erfolg absolviert. Das ISC-Tor wird bei ihm immer in sicheren Händen sein.

Aykut Kemanci, Chemikant, 24, Abwehr: Eine Kampfmaschine bei den Spielen, der so sehr konzentriert ist, dass er nicht mal seine eigene Mitspieler hört. Seine Technik als Abwehrspieler ist schon Luxus. Sehr zweikampfstark.

Ogün Hanci, Fliesenleger, 20, linker Verteidiger: Ein Abwehrspieler als drittbester Torschütze des Teams sagt schon alles. Die linke Seite gehört ihm, offensiv stärker als defensiv. Techniker der Abwehr, die geheime Verbindung zum Sturm, Zuschauerliebling. Sein Herz schlägt für zwei Teams: ISC und Fenerbahce Istanbul.

Yalcin Türkay, Lackierer, 34, Abwehr: Einer der erfahrensten. Er ist ein „Kopfballungeheuer“, der stets auch bei Druck „cool“ bleiben kann. Mit seinem Lieblingspartner Aykut Kemanci bildet er hinten die „eiserne Wand“. Gleichzeitig auch Co-Trainer der Mannschaft.

Ahmet Kasar, Einzelhandelskaufmann, 21, rechter Verteidiger: Er ist mit Sicherheit der Schnellste in der Klasse auf seiner Position. Laufstark und ein Kämpfer. Die letzten Spiele opferte er sich fürs Team und spielte sogar verletzt. Ein Mensch mit viel Disziplin und Charakter.

Metin Güler, Einzelhandelskaufmann, 28, Abwehr: Ein schneller Abwehrspieler, kämpferisch stark, berufsbedingt hatte er in der Rückrunde eine Auszeit genommen.

Serdar Dalcicek, Chemikant, 29, Mittelfeld und Abwehr: Ein Allrounder, der jede Aufgabe stets mit Erfolg absolviert. Hartnäckiger Spieler mit viel Ehrgeiz. Des Weiteren gehört er auch zum Marketingteam. Durch seine Arbeit konnte der Verein einige Sponsoren gewinnen.

Mustafa Kara, Einzelhandelskaufmann, 26, Abwehr und linkes Mittelfeld: Bomber der Mannschaft mit starkem Linksfuß, kennt bei Torschüssen keine Distanz. Gleichzeitig zuständig für Marketing und Social Media. Seine Grafikdarstellungen für Spielankündigungen machen viele Vereine neidisch.

Spielertrainer Oguz Ataman, Chemikant, 32, Mittelfeld: Es war die beste Entscheidung, ihn als Trainer zu verpflichten. Ein charakterstarker Mensch mit viel Geduld, der alle gleich behandelt. Seine Erfahrung in höheren Klassen war für ihn immer von Vorteil und er setzte sie gewinnbringend ein. Ein starker Kämpfer im Mittelfeld, der öfters Eigeninitiative ergriff, wenn es mal nicht lief.

Süleyman Yaman, Techniker, 28, Mittelfeld: Laufstarker Kämpfer, den Mitspieler kaum kontrollieren können. Er hat Ausdauer und ist der König des Pressings. Er ist  für das Durchwirbeln der gegnerischen Abwehr zuständig.

Erdem Erdogan, Techniker, 30, Mittelfeld: Ein Spieler der besonderen Art, der viel Erfahrung aus höheren Klassen mitgebracht hat und in jeder Position einsatzfähig ist. Gehirn der Mannschaft, disziplinierter Spieler. Jüngere können sich ihn als Beispiel nehmen. Seine Verletzung warf ihn in der Rückrunde etwas zurück.

Volkan Gözübüyük, Verkäufer, 22, Mittelfeld: Seine Fähigkeiten am Ball sind unbeschreiblich, sehr starker linker Fuß, könnte mit Gheorge Hagi verwandt sein. Er muss nur Lust haben, Fußball zu spielen, dann kann ihn keiner halten. Partylöwe, der öfters verschläft.

Umut Kafabüyük, Student, 23, Mittelfeld: Blitztransfer des Vereins. Er wurde zwei Spiele vor Saisonende verpflichtet. Der ISC kennt seine Fähigkeiten, nächste Runde werden sie die Gegner auch kennenlernen.

Mert Yapicilar, Chemikant-Azubi, 21, Mittelfeld: „Vater des Diago-Passes“, Freistoßexperte, kopfballstark. Er liebt das kampfbetonte Spiel. Der Angriff lebt von seinen Pässen. Seine Energie zieht er sich aus den Motivationsansprachen von Torhüter Teoman Asar.

Burak Gözübüyük, Fliesenleger, 26, Linksaußen: Ein technisch starker Spieler mit super Hinrundenstart, der viel mehr aus sich machen könnte, wenn er sich mehr auf den Fußball  konzentrieren würde als aufs Amouröse.

Enis Cabuk, Einzelhandelskaufmann, 22, Sturm: Der Joker der Mannschaft, ein unberechenbarer Spieler, hat dem Team viel als Einwechselspieler geholfen, Amigo des Teams.

Hüseyin Kemanci, Schüler, 21, Linksaußen: Ein Spieler der Zukunft mit viel Potenzial, Freistoßexperte, aber Trainingshasser.

Murat Tolan, Produktionsmitarbeiter, 38, Sturm: Meistertrainer in der D-Klasse, erfahrener Stürmer, Motivator

Arben Cermjani, Fahrer, 30, Stürmer: Spielführer, sehr erfahrener und abschlussstarker Stürmer, schoss die Elf mit Kenan Kemanci in die B-Klasse, Spielführer und großer Bruder.

Kenan Kemanci, Azubi, 21, Stürmer: Die Tormaschine, seit zwei Jahren im Team, feiert seine zweite Meisterschaft und hat bisher knapp 80 Tore erzielt. Trotz Angeboten von höherklassigen Vereinen blieb er dem ISC aus Liebe und Leidenschaft treu.

ISC Fürth hat den Aufstieg in die Fußball-Kreisliga B fest im Visier

Viel besser hätte es für den ISC Fürth eigentlich nicht laufen können. „Wir haben das ganz gut hingekriegt“, übt sich Spielausschussvorsitzender Teoman Asar augenzwinkernd in Understatement. Denn der D-Liga-Aufsteiger der vergangenen Saison hat ziemlich gute Chancen, in der Bergsträßer Fußball-Kreisliga C den Durchmarsch zu schaffen. Das Team führt derzeit unangefochten mit vier Punkten Abstand auf den Zweitplatzierten Türkspor Wald-Michelbach die Tabelle an. „Damit können wir leben“, lacht Asar.

Wobei: Besser geht immer. Der ISC hatte mitten in der Hinrunde mal einen Durchhänger und gab ohne Not zwei Spiele ab. Dann lief die Tormaschinerie aber wieder auf Hochtouren. „Es hätte mehr sein können“, sagt Asar deshalb. Wobei er sich wiederum mit Blick auf den Aufstieg zu Beginn dieser Saison mit dem Erreichten trotzdem sehr zufrieden zeigt. „Wir stehen sehr gut und wollen diese Position natürlich bis zum Rundenende halten“, betont der ISC-Mann.

Wenn das Bestehende funktioniert, gibt es auch keine Notwendigkeit für Änderungen. Deshalb gibt es auch keine Zu- oder Abgänge beim Tabellenführer. „Wir setzen auf unsere bewährten Kräfte“, sagt Asar. Auf die kommende Saison schaut man erst dann, „wenn der Aufstieg geschafft ist“. Doch logischerweise fühlt der Verein schon jetzt für den erhofften Fall der Fälle vor. „Wir sind schon in Gesprächen“, bestätigt der Spielausschuss-Vorsitzende verschmitzt. Denn der ISC will für die B-Liga gerüstet sein, sollte er in der kommenden Runde dort spielen.

Auch wenn die Ausbeute derzeit mehr als positiv ist, lässt sich natürlich immer noch etwas verbessern. Asar sieht Potenzial bei der Chancenverwertung. Obwohl der ISC oft Kantersiege einfuhr, ist noch Luft nach oben. Denn sollte man aufsteigen, werden die Spiele in der höheren Klasse sicherlich enger zugehen als jetzt, wo die gefährlichen Stürmer in 17 Begegnungen bereits 82 Tore erzielten.

Die Vorbereitungen für die restliche Saison laufen bereits. Sie spielen sich laut Asar nicht nur auf dem Platz ab. Im Fitnessstudio gibt es Kraft- und Boxtrainingseinheiten, auch wird Kondition gebolzt. Das Hallenturnier in Lorsch absolvierte die Mannschaft schon. Als Titelverteidiger fährt der ISC zum Turnier des FC Fürth. „Wir wollen uns wieder sehr gut präsentieren“, ist das erklärte Ziel des C-Liga-Primus. Ab dann geht es aber nach draußen, werden so viele Freundschaftsspiele wie möglich bestritten.

Das Ziel der Elf ist es, möglichst viel Kondition in der Winterzeit aufzubauen. „Bisher fehlte die uns immer“, weiß Asar. Doch eine gute Konstitution ist nötig, um zum Rückrundenstart gleich wieder in die Vollen gehen zu können. Deshalb gilt es das Vorbereitungsprogramm konsequent durchzuziehen. „Wir müssen als Führender noch eine Schippe drauflegen“, sagt er. Denn der Erfolg kommt nicht allein, „den bekommt man nicht geschenkt“.

Dem ISC-Mann ist klar, dass jede Mannschaft der C-Liga darauf lauern wird, dem Tabellenführer ein Bein zu stellen. Deshalb ist erhöhte Wachsamkeit angesagt, „damit wir Ende der Runde lachen können“. Unkonzentriert- und Überheblichkeit darf sich die Elf nicht leisten, weil diese dann gleich von den Gegnern bestraft werden. Asar schätzt das Team aber als charakterstark genug ein, um nicht diese Schwächen zu zeigen. „Die Spieler sind sich dessen bewusst, dass sie die Runde konsequent zu Ende spielen müssen.“

Ein harter Brocken wartet als Nachholspiel Ende Februar auf den Tabellenführer. Da muss der ISC bei der SG Gronau antreten, die sich in der Regel auf heimischem Rasen sehr stark präsentiert. Allerdings ist das Gelände auch sehr witterungsanfällig, weshalb ein Anpfiff nicht sicher ist. Der reguläre Start in die restliche Spielzeit dürfte dann nach menschlichem Ermessen ein Torfestival sein. Mit dem TSV Elmshausen reist der praktisch abgestiegene Tabellenletzte nach Fürth.