Imasgo fehlen die Märkte für Afrika-Produkte

Die Produkte aus dem Hammelbacher Imasgo-Atelier von Martine Rüdinger sind jetzt in ihrem Unverpackt-Laden „Chez Martine“ in Birkenau zu finden. Seitdem die Hammelbacherin ihn im vergangenen Spätsommer eröffnete, erfreut sich das Lebensmittel-Geschäft einer großen Beliebtheit. Es gibt bereits viele Stammkunden. Gleichzeitig bietet es dem Verein, dessen zweite Vorsitzende sie ist, die Möglichkeit, die fair gehandelten Waren aus dem kleinen westafrikanischen Land Burkina Faso dort einer breiteren Kundschaft anzubieten und Infos bereitzuhalten.

In Corona-Zeiten ist der stationäre Verkauf ein wahrer Segen. Denn Rüdingers Laden durfte offenbleiben, da er Lebensmittel verkauft. Alle anderen Möglichkeiten für den Verein, Kunsthandwerk sowie Seifen, Textilien und weitere Produkte aus Afrika anzubieten, fielen weg. Denn normalerweise sind die Imasgo-Ehrenamtlichen das Jahr über auf vielen Märkten präsent, die in diesem Jahr nicht stattfinden dürfen.

Kreativmarkt Eberbach, Darmstädter Künstlerhaus, Trommer Sommer: Die Liste der weggebrochenen Termine, an denen Martine Rüdinger (und nicht nur sie) in den vergangenen Jahren oft vertreten war, ist lang. „Wir hoffen, dass die Weinheimer LebensArt im September stattfindet“, sagt Vorsitzender Franz Stevens. Die Messe wäre noch einmal eine schöne Gelegenheit, das Vereinskonto aufzufüllen, um den von den Corona-Einschränkungen gebeutelten Menschen in Burkina Faso helfen.

Da zumindest über den Sommer kein Markt ansteht, brechen die Einnahmen daraus weg, die zu 100 Prozent für die Imasgo-Hilfe verwendet werden. Zusätzlich fehlt die Möglichkeit, auf den Veranstaltungen für den Verein zu werben. Wenn Personal für einen Stand gefunden werden soll, herrscht bei Imasgo zum Glück kein Mangel. Zehn „Daueraktive“ und zusätzliche Helfer bei Aktionen stehen parat.

Stevens kaufte bei seinem Besuch in Burkina Faso im März viele neue Artikel. Schon damals zeichnete sich ab, dass alles zum Erliegen kommen würde. „Ich war der einzige Weiße dort“, berichtet er. Inzwischen geht – wie hierzulande – alles langsam wieder los, die Schulen öffnen peu à peu. Die Verschiffung des Containers verzögerte sich durch die Einschränkungen wegen der Pandemie stark.

Der Verein kann einige Kubikmeter durch eine Kooperation mit einem Frankfurter Importeur günstig mitnutzen. „Wir rechnen jetzt mit der Ankunft Ende Mai“, kam gerade dessen Nachricht – ein paar Tage früher als noch vor kurzem befürchtet. Dann will sich Stevens so schnell wie möglich darum kümmern, dass die Produkte in die Region kommen. Darunter sind Skulpturen, Taschen oder Tongefäße.

Die Schaffung von Verdienstmöglichkeiten mit Handwerk jeglicher Art ist ein weiterer Schwerpunkt von Imasgo. Dazu gehören notwendige Ausbildungen einerseits und die Hilfe bei der Beschaffung von Werkzeugen und Materialien andererseits. Zuletzt erreichten zwei Lieferungen dringend für die Schneidereien benötigter Tretnähmaschinen ihr Ziel. Eine befreundete Frauengruppe aus Gruol half kräftig mit, diese in Deutschland einzusammeln. Insgesamt wurden 14 Maschinen verschifft und jetzt zu den Werkstätten gebracht.

Erschwert wurde auch diese Aktion durch die starken Beschränkungen wegen der COVID-19-Pandemie. „Es kommen keine Touristen mehr – wir können kaum noch etwas verkaufen“, sagt Patrice Balma. Der Bronzekünstler aus der Hauptstadt Ouagadougou war im Sommer vergangenen Jahres zu Besuch in Hammelbach und Birkenau. Sein Atelier im Kunsthandwerkerdorf ist wie die dort ebenfalls beheimateten Geschäfte seiner Kollegen seit Ausbruch des Coronavirus geschlossen.

Neben der Pandemie machen auch die negativen Schlagzeilen über die vielen Terrorangriffe der Islamisten im Norden dem Land schwer zu schaffen. 800.000 Inlands-Flüchtlinge kommen zwar überwiegend bei Verwandten und Freunden weiter im Süden unter, aber die Versorgung wird zunehmend kritischer. Umso wichtiger ist die internationale Solidarität, betont Stevens.

In einem Land, in dem es keine Reserven und keine staatlichen Hilfsfonds gibt, ist es sofort Existenz bedrohend, wenn Menschen ihre Waren nicht auf dem Markt oder in ihren kleinen Boutiquen verkaufen können. Touristen lassen sich seit zwei Monaten nicht mehr blicken – schon vorher machten sie sich rar. „Hunger ist die direkte Folge“, weiß Stevens. „Das ist tragisch“, so der Vorsitzende.

Rüdinger und Stevens wissen, dass der Imasgo-Beitrag „natürlich nur ein kleiner Tropfen ist“, wollen ihn aber als Zeichen sehen und Nachahmer ermutigen, „die Solidarität mit den Ärmsten nicht zu vergessen“. Ein Einkauf burkinischer Produkte im Unverpackt-Laden ist eine Möglichkeit, diese Solidarität zu praktizieren, hebt der Vorsitzende hervor.                      tom

 

 

Info: Sachspenden wie funktionierende Tretnähmaschinen, Smartphones oder Tablet-PCs für Lehrer, aber auch Sanitärartikel wie Gehhilfen sind sehr willkommen. Eine E-Mail an info@imasgo.de oder ein Anruf beim Verein unter 06201/31697 reicht, um einen Abholtermin zu vereinbaren. Geldspenden sind möglich, um die Projekte schneller voranzubringen. Das Spendenkonto lautet: IBAN DE91 5095 1469 0005 0656 17, BIC HELADEF1HEP. Weitere Informationen unter www.imasgo.de. Der Unverpackt-Laden in der Hauptstraße 87 Birkenau ist Montag bis Freitag geöffnet von 9 bis 13 und von 14.30 bis 18 Uhr, samstags nur vormittags.

Museumsverein plant neue Schutzhütte

Aus zwei mach‘ eins: Vor zwei Jahren kamen die ersten Ideen auf, wie die alte, offene Schutzhütte am Bergwerk Grube Ludwig und die kleine Materialhütte unter einem größeren Dach vereint werden könnten. Die alte Hütte ist schon länger baufällig, schildert Gundolf Reh vom Museums- und Kulturverein Wald-Michelbach den Stand der Dinge. Eigentlich wollten die Vereinsmitglieder für einen Neubau selbst mit anpacken, aber durch Corona ist das Arbeiten in großen Gruppen nicht möglich.

„Bedingt durch die Ereignisse können wir unser Projekt nicht selbst ausführen“, erklärt der Vorsitzende. Dem Verein fehlt die Möglichkeit, in ehrenamtlicher Arbeit zusammenzukommen. „Wir vermuten, dass das auch das nächste halbe Jahr so sein wird“, rechnet er mit einer längeren Dauer. Um trotzdem voranzukommen, überlegt man, das aktuelle Landesförderprogramm zur Vereinsunterstützung in Corona-Zeiten mit einer Summe von bis zu 10.000 Euro in Anspruch zu nehmen.

Hintergedanke ist, die neue Schutzhütte professionell durch einen Zimmerer-Betrieb aus Aschbach erstellen zu lassen. Am 7. Mai gibt es Reh zufolge einen ersten Gesprächstermin, um über die Ausführung und die Kosten zu sprechen – „dann werde ich einen Antrag stellen“. Ob die 10.000 Euro  reichen werden, weiß er noch nicht. „Wir brauchen die Hütte unbedingt“, macht Reh deutlich. Ohne die Hilfe einer Fachfirma hat er Bedenken, ob es sonst dieses Jahr mit der Errichtung noch hinhauen würde.

Denn der Verein ist schon in Vorleistung gegangen und hat sich das Eichen-Gebälk einer alten Scheune aus der Hartenroder Straße gesichert. Das will man dann auf die geplante Schutzhütte mit einem Grundriss von vier mal acht Metern aufbringen. Die historischen Stämme sind optimal geeignet, um sie an dieser Stelle wiederzuverwenden. Gundolf Reh sicherte sich gleich auch die dazugehörigen Biberschwanzziegel.

Mit Hilfe des Bauhofs wurde das Gebälk bereits ans Bergwerk gebracht und dort auf Holzböcken geschützt zwischengelagert. Das längste Stück davon ist acht Meter lang. Beim Abriss, erklärt Reh, kennzeichnete er die Balken, damit sie am neuen Ort wieder richtig zusammengefügt werden können. Da am Gebälk noch ein paar Arbeiten gemacht werden müssten, wäre es auch aus diesem Grund sinnvoll, wenn ein Fachmann mit im Boot ist.

Die Hütte soll aber nicht nur einen Schutzcharakter haben, sondern ebenfalls das Material beherbergen. Außerdem können sich die Vereinsmitglieder dort für die Führungen umziehen, es könnte Schutzkleidung für die Besucher gelagert werden. Dazu kommen Informationstafeln. Ein weiterer Aspekt: Sie könnte als Unterstand für die Besucher dienen, wenn diese bei schlechtem Wetter oder starker Sonneneinstrahlung auf die Führung im Bergwerksmuseum warten.

Der Abriss der kleinen Materialhütte hätte dem Vorsitzenden zufolge einen weiteren positiven Effekt. Dann wäre der Blick vom Vorplatz frei das Tal hoch und auf den Bergwerksbrunnen mit seiner Sitzbank. „Das würde alles offener machen“, erläutert Reh. Die Optik würde sich erweitern. Nicht zu vergessen die dann größere Hütte, erstellt aus historischen Materialien.

Am Bergwerk selbst gibt es immer was zu tun. Steiger Lothar Reinhard will demnächst nachschauen, ob irgendwo Nässe und Schlamm reingekommen sind. Denn in den vergangenen zwei Jahren war dies öfters der Fall. „Wir haben bestimmt 50 Schubkarren rausgefahren“, erzählt Reh. Inzwischen wurden viele Stellen abgedichtet. „Eine Verbauung muss ich noch überprüfen.“

Die Grube Ludwig ist das arbeitsintensivste Projekt des Überwälder Museums- und Kulturvereins. „150 Stunden im Jahr sind da gar nichts“, sagt der Vorsitzende. 2019 wurde mit Hilfe des Geoparks und des Bauhofs die Außenanlage erneuert sowie die vorherige Holz- und Erdtreppe durch Betonstufen und ein gesichertes Geländer ersetzt. Außerdem gab es Absturzsicherungen mit Edelstahlseilen. Das Interesse am Bergwerk nahm in den vergangenen Jahren ständig zu, freut er sich. „Eine Hütte wäre eine weitere Bereicherung“, denkt Reh in die Zukunft.          tom

 

Info: Die Blütezeit des Überwälder Bergbaus war von 1895 bis 1912. Ein Jahrhundert später, 1994, wurde die Genehmigung für den Besucherstollen erteilt. Rund 5500 Arbeitsstunden investierten die Bergwerksfreunde des Museums- und Kulturvereins, um den ehemaligen Bergbaustollen von dem Schutt und Schlamm zu befreien, der aus den ehemaligen Abbau-Schächten eingedrungen war.        Mehr zum Grube Ludwig hier: http://www.ueberwaldmuseum.de/grube-ludwig/

Harald ist derzeit nicht auf der Walz

Der Song „Helden“ war für Harald Walz ein Herzensanliegen. Er widmet ihn allen, die in Corona-Zeiten wichtige Dinge tun, unverzichtbare Arbeiten erledigen, sich für andere einsetzen. „Das ist nicht hoch genug einzuschätzen“, meint der Aschbacher Musiker zu seinem gesellschaftskritischen Stück, das den Blick auf die wirklich wichtigen Dinge richten möchte. Eigentlich ist Walz das ganze Jahr unterwegs, meistens mit zwei bis drei Terminen in der Woche. Doch davon ist während Corona nichts mehr übriggeblieben.

Ein „Trostpflaster“ hat der 66-Jährige noch: seine sonntäglichen Auftritte im Park bei der Residenz „Leben am Wald“ in Gras-Ellenbach. Mittlerweile ist es schon über fünf Jahre her, dass er darauf angesprochen wurde. Bei der Residenz handelt es sich um eine Facheinrichtung der Neurophase F, in der Menschen ab dem 18. Lebensjahr umfassend betreut werden. „Als ich gefragt wurde, hätte ich nicht geahnt, dass daraus mittlerweile so viele Jahre würden“, sagt er.

In all den Jahren, erzählt der Musiker, „habe ich gesehen, was die Menschen die dort arbeiten und leisten“. Es gibt viele Jobs, weiß er, die man kaum wahrnimmt und leider erst jetzt bemerkt, „wie wichtig diese für unser Leben sind“. Die Einschränkungen durch Corona, so Walz, „machen uns sehr deutlich, was wirklich zählt“.

„Die Helden dieser Stunde war’n schon immer für uns da“, heißt es im Refrain. „Nicht unsichtbar, doch leise, man nahm sie nur nie wahr“. In schweren Zeiten, wenn man so viel vermisst, „da lernt man das zu schätzen, was wirklich wichtig ist“, textet Walz weiter in seinem Statement gegen die Ellbogengesellschaft, das auf seinem YouTube-Kanal abzurufen ist.

„Hut ab“, sagt er nur. Denn der Aschbacher möchte nicht wissen, wie viele mit einem mulmigen Gefühl derzeit an ihren Arbeitsplatz gehen, „um das Rad weiter zu drehen“. An die 500 Aufrufe hat der Musiker bereits für das Lied bekommen – zusätzlich zu den schönen Kritiken, die ihn persönlich erreichten. Die Aufnahme machte er selbst in seinem eigenen Studio.

Und verwendete dafür das neue Mischpult, auf dem er das Lied teils analog, teils digital einspielte. Um darauf umzusteigen, hatte Walz jetzt genug Zeit: Denn seit Mitte März gibt es für ihn keine Auftritte mehr. „Ich wollte das schon seit einem Jahr angehen und hatte jetzt die Zeit dazu“, erzählt er schmunzelnd.

Mit seinen 66 trifft der Ausfall den seit Jahrzehnten aktiven Musiker nicht mehr ganz so schlimm wie jüngere Kollegen. „Ich habe mir was aufgebaut und komme zurecht“, erläutert er. Wenn er aber 20 Jahre jünger wäre, noch etliche Jahre bis zur „Rente“ hätte, eventuell noch Equipment abzuzahlen und Miete fällig wäre, sähe das ganz anders aus. Walz weiß, wie schwer es die ganze Musikerzunft getroffen hat, der von einem Tag auf den nächsten sämtliche Engagements bei laufenden Kosten wie etwa Sozialversicherungen, Miete und Lebenshaltungskosten wegbrachen.

Für den Mitgründer der „Outlaws“ Ende der 60er Jahre, im Odenwald bekannt wie ein bunter Hund und heutzutage viel als Entertainer unterwegs, ist sein Alter „nur eine Zahl“, kokettiert er. „Ich bin froh, dass ich noch so gut im Geschäft bin“. Aber: Kerwen in Aschbach, Affolterbach, Weinheim, Scharbach, Haisterbach oder Güntersfürst, Oldie Night in Mossau oder das traditionelle Maifest in Hamm am Rhein – alles weg.

Selbst für den Oktober gab es schon eine Absage der Feuerwehr Frankfurt. Da fragt sich Walz, wie es mit dem Faschingsauftakt am 11.11. aussieht. „Es ist schon schade, weil dieses Jahr sehr viel gewesen wäre“, meint er resigniert zum leeren Terminkalender.

Zum Glück ist er keiner, der den Kopf in den Sand steckt und dann Trübsal bläst. „Am Haus ist immer was zu tun“, meint der handwerklich Begabte. Oder er sitzt im Studio und schraubt an was rum, wenn er nicht gerade mit dem Rad unterwegs ist oder den vor ein paar Jahren erworbenen Motorrad-Führerschein für eine Ausfahrt nutzt.

„Wir haben es auf dem Land schon gut“, betont der 66-Jährige, wenn hinterm Haus das große Grundstück liegt – kein Vergleich zu den engen städtischen Wohnungen. Deshalb sagt Walz auch: „Wir dürfen uns nicht beklagen.“ Denn über kurz oder lang „wird das vorbeigehen“.  Dem jung gebliebenen Opa ergeht es derzeit wie anderen Großeltern. Wenn er die Enkel in Mossau besucht, ist Abstand halten angesagt. Schwer für einen, „der ganz verrückt nach denen ist“.

Der Song „Helden“ ist auf YouTube zu finden unter www.youtube.com/watch?v=8i3KW6vahTo

 

Der Aschbacher Harald Walz ist musikalisch in der Region bekannt wie ein bunter Hund. Mit 14 gründete er zusammen mit Rudi Boml, Günter Reinhard und Linda Sauer die Band „Outlaws“, die heute noch in anderer Besetzung tourt. Mit 17 spielte er bei „Blauweiß“ (einer im Odenwald bekannten Tanzcombo). In den 80er Jahren war er mit der Band „Sunshine“ unterwegs. Walz veröffentlichte damals die erste Single „Halt, wenn du gehst, bin ich sauer“, die wochenlang im Deutschen Schlagerlotto des HR auf Platz zwei stand. Mit Linda Sauer, die wie er aus Aschbach stammt, ist Walz als „Odenwälder Nibelungen Duo“ auf sämtlichen Kerwe-Veranstaltungen landauf, landab unterwegs, tourt mit seinen „Outlaws“ auf Oldie-Veranstaltungen und bestreit mit seinen „Friends“ Partyveranstaltungen. Daneben wird er auch oft als Alleinunterhalter gebucht.

Geschichte, Geologie und Natur

In Coronazeiten treibt’s die Leute an die frische Luft, hat Geopark-vor-Ort-Begleiter Theo Reichert beobachtet. Deshalb erneuerte er in und um Aschbach etliche Wegweiser und brachte den Audioguide auf dessen 4,6 Kilometer langen Strecke auf den aktuellen Stand. Auf dem Bahnweg zwischen Wald-Michelbach und Affolterbach wurden bei der Stromtrassen-Verlegung vor einiger Zeit etliche Schilder abgebaut, erläutert er. Auch denen widmete er sich.

Reichert investierte zwei Tage Arbeit in sein 40 Stück umfassendes Schildbürgerwerk. Teilweise stellte der Geopark neue Beschilderungen zur Verfügung, teilweise konnten alte, abgebaute wiederverwendet werden. Die ebenfalls hier verlaufende Mountainbike-Strecke und die barrierefreien Wege wurden ebenfalls wieder oder neu kennzeichnet.

Der Geopark-vor-Ort-Begleiter kümmerte sich dabei um die touristischen Schilder, die Gemeinde war für die verkehrlichen zuständig, damit der sogenannte Freizeitweg wieder erkennbar ist. Reichert transportierte das Equipment auf seinem Fahrrad mit Anhänger durch den Überwald – auch abseits der asphaltierten Ortslagen.

Die Audioguide-Tour startet oberhalb des Wiesentals am Aschbacher Geopark-Infozentrum. Im Wiesental trifft der Sandstein auf den unterhalb liegenden Granit. Die beiden Gesteinsarten werden auch im Infozentrum selbst ausführlich erläutert. Der Rundkurs führt im Uhrzeigersinn zum früheren  Industriezentrum in Unter-Aschbach, wo mit Wasserkraft Mühlen, Sägegatter und der „Aschbacher Hammer“ betrieben wurden.

Auf einem Abschnitt der ehemaligen Überwaldbahn geht es vorbei am „Wormser Steinbruch“ zur Heckenmühle mit ihrem Wasserrad und der modernen Energieerzeugung. An der Steinhecke gibt es einen Blick in den ehemaligen Steinbruch und Eindrücke der Steinhauer-Arbeit. Hoch geht’s zum  Meisenberg, wo sich noch Reste eines Sandsteinbruchs befinden. Ein idyllischer Waldweg führt zurück zum Infozentrum. Für und an 36 Stationen sind per QR-Code zwei bis drei Minuten lange Audiodateien abrufbar, die sich Geschichte, Geologie und Natur widmen.

Reichert weist auf die gestiegene Nachfrage nach Freizeitaktivitäten in der näheren Umgebung hin. „Was kann ich mit den Kindern machen“, wurde von den Bürgern an ihn in Zeiten der Kontaktsperre herangetragen. Für den 63-Jährigen bietet sich die knapp fünf Kilometer lange Strecke an. „Die ist ideal“, betont Reichert. „Man kann allein oder mit der Familie wandern, bekommt was erzählt und braucht keine Begleitung“, führt er aus.

Ihn freut es, dass die Leute wieder mehr rausgehen und sich auf die Natur rückbesinnen – auch wenn das Ganze einen ernsten Hintergrund hat. Leider, so hat Reichert beobachtet, „sind manchmal auch Deppen unterwegs“, die Müll in die Landschaft schmeißen. Die sollen das doch lassen, bittet er. Mit seinem Einsatz „leistet er einen wichtigen Beitrag, dass Wanderer die Angebote des Audioguides vor Ort erreichen und digital abrufen können“, freut sich Sebastian Schröder von der Zukunftsoffensive Überwald (ZKÜ), die die touristischen Aktivitäten in der Region koordiniert.                       tom

Mehr zum Audioguide unter: http://www.geo-naturpark.net/deutsch/service/audiofuehrer/audioguide-aschbach/

 

Theo Reichert (63) wohnt schon seit gesamtes Leben in Wald-Michelbach, wenn man die ersten sechs Monate in Koblenz abzieht. Der Natur hat er sich bereits seit frühester Jugend verschrieben. Jahrzehntelang engagiert sich Reichert bereits im Museums- und Kulturverein, ist seit 2008 beim Geopark Bergstraße-Odenwald aktiv, führt seit 2013 Nachtwächter-Touren durch.

Der alte Wormser Steinbruch im Ulfenbachtal bei Aschbach, ebenfalls Teil der Audioguide-Tour, ist für Theo Reichert ein besonderes Naturdenkmal. Denn dort wurde in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts (rosa)roter Granit abgebaut, den es sonst im Odenwald kaum gibt. Er ist beeindruckt davon, wie sich dort die Natur den aufgelassenen Steinbruch Stück für Stück zurückerobert.

Liegend den Viertälerblick genießen

Mit dem „Ortsglück“ fing es an. Diese Initiative war vor über vier Jahren vom Kloster Buddhas Weg, der Systelios-Klinik und der Zukunftsoffensive Überwald ins Leben gerufen worden. Ein Ehrenamtlicher der ersten Stunde: der „Ur-Siedelsbrunner“ Hans Trumpfheller. Er war schon immer gern in der Natur unterwegs und ärgerte sich über kaputte Ruhe- und Sitzbänke sowie Hütten. Deshalb brachte er die Idee ein, sich darum zu kümmern. „Das ist genau mein Ding“, so Trumpfheller.

Der Ausschlag dafür kam durch seine Funktion als „Hundeführer“ seiner Enkelin, wie er lachend erklärt. Dabei kam er an den entsprechenden Stellen in der Natur vorbei und bemerkte, „dass alles kaputtgeht“. In der Folgezeit nahm er sich der Sanierung an. Zuerst wartete er im Ort die diversen Ruhe- und Sitzbänke. Das Material dazu stellte jeweils die Gemeinde. Jetzt ist ein weiterer Meilenstein erreicht.

Der Siedelsbrunner war in den vergangenen Monaten viel in den umliegenden Wäldern seines Heimatortes unterwegs und widmete sich der touristischen Infrastruktur. Marode Hütten wichen modernen Ruheliegen oder wurden von ihm fachmännisch saniert. Die beiden Hütten am Rotzenberg und am Schwimmbadweg bieten nun wieder Schutz bei jeder Witterung.

Gerade die am Rotzenberg in der Nähe des Höhenhofs ganz oben am Hang bietet einen außergewöhnlichen Viertälerblick. Hier soll es demnächst auch einen Biohof mit Hühner- und Rinderhaltung geben, weiß er. Vor vier Jahren stellte Trumpfheller dort die erste Ruheliege an der Hütte auf. Anders am Krötenbachtal. Dort war die Schutzhütte so kaputt, dass sich eine Instandhaltung nicht mehr lohnte. „Die wurde umgeworfen und abgebrochen“, erläutert Trumpfheller.

An dieser Stelle errichtete er eine Ruheliege, von der aus sich im Eiterbachtal ein schöner Blick aufs Wiesengelände mit Wald und Hecken genießen lässt. Die wird stark frequentiert, hat er festgestellt. „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Leute an diesem abgelegenen Fleck vorbeikommen.“ Aber, so sein Wissen, gerade die Klienten der Systelios-Klinik wissen die herrliche Ruhe zu schätzen. Deshalb auch sein Vorschlag, dort eine Liegemöglichkeit hinzustellen.

Auch an der Schlehendelle kann der Ausblick nun liegend genossen werden. Hier baute er als Ersatz für die bisherige Hütte, die nicht mehr zu retten war, ebenfalls eine Bank auf, die hier wie dort von der Gemeinde finanziert wurde. „An dieser Stelle ist man mitten in der Natur“, schätzt der 70-Jährige die herrliche Ruhe. Es gibt zwei verschiedene Sorten von Liegen: die eine mit Betonsockel „kann man unbeaufsichtigt hinstellen“, die andere mit Holz „lässt sich leider zu zweit leicht wegtragen“.

„Ich finde es schade, wenn die schönen Ecken verkommen“, erklärt der rüstige Rentner zu seiner Motivation. Das Ortsbild liegt ihm am Herzen, er will es aufwerten. Was ihn dann besonders freut: Wenn seine Arbeit von der Bevölkerung wertgeschätzt wird. „Ich habe schon Dankesanrufe bekommen“, erzählt Trumpfheller. Er freut sich immer über Rückmeldungen, die ihm zeigen, dass er mit seinem Einsatz den Nerv der Bürger trifft.

Auf der anderen Seite stellt er leider auch immer wieder Desinteresse fest, wenn es um den Erhalt der örtlichen Infrastruktur geht. Den Verfall kann der 70-Jährige nicht mit ansehen. „Jemand muss es machen“, sagt er und packt an. Sein Sohn Ingo und Enkel Marlon Walter gehen ihm dabei oft zur Hand.

Trumpfheller ist nicht nur zu Reparaturen in der freien Natur unterwegs, er hält sich auch anderweitig fit. Als passionierter Rennradfahrer liebt er die Odenwald-Hügel, fährt gerne die ehemalige Stoppomat-Strecke zwischen Hirschhorn und Rothenberg mit 300 Höhenmetern auf acht Kilometern. Auf der war er gerade vor kurzem wieder unterwegs.

 

Hans Trumpfheller, 70, ist ein waschechter Siedelsbrunner. Er war früher Ortsvorsteher der Höhengemeinde und vertritt sie heute noch in der Gemeindevertretung Wald-Michelbach. Das Krötenbachtal hat es ihm besonders angetan. „Wenn es nicht so weit wäre“, würde er sich dort bestimmt öfter aufhalten und die von ihm errichtete Ruheliege genießen.

Die Besonderheit ist der interkonfessionelle Ansatz

Oft sind es die Ärmsten der Armen, die am meisten unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie leiden. Nicht einmal so sehr unter der Krankheit selbst, sondern unter den wirtschaftlichen Folgen. Gerade Afrika und Asien sind besonders betroffen. Die evangelische Kirchengemeinde Hammelbach unterhält seit fast sechs Jahren eine Partnerschaft mit der Moravian Chruch auf Sansibar.

Pfarrer Stefan Ningel bekommt durch Fainess Kasote von der dortigen Kirchengemeinde regelmäßig Infos von der zu Tansania gehörenden Insel. Bettina Nasgowitz von der Herrnhuter Missionshilfe in Bad Boll, die die Unterstützung federführend koordiniert, hält ständig Kontakt. Zum Glück gibt es noch nicht viele Fälle, so ihre Info in den Überwald. Allerdings wurde ihrer Kenntnis nach auch wenig getestet.

Gottesdienste finden zwar teilweise noch statt, die jedoch nur von wenigen Gläubigen besucht werden. Was zwar einerseits gut ist, weil sich so die Krankheit nicht ausbreiten kann, andererseits aber haben die Kirchen kaum Einnahmen, weiß Nasgowitz. „Sie können dann Pfarrer nicht bezahlen“, berichtet sie. Alle Schulen auf Sansibar sind geschlossen, informiert die Kontaktfrau. Was wiederum bedeutet, dass durch die fehlenden Schulgebühren „massive Probleme“ auftreten.

Die Herrnhuter Brüdergemeine stattet derzeit ihre Krankenhäuser mit Hygieneartikeln und Sauerstoffmasken aus. „Die Situation ist nicht einfach“, sagt die Projektverantwortliche. Außer Abwarten, wie sich alles entwickelt, ist nicht viel möglich. „Hoffen wir, dass sich das Virus nicht weiter in Afrika verbreitet“, lautet ihr Wunsch.

Die Moravian Church, wie die Herrnhuter aufgrund ihrer Herkunft aus dem Böhmischen im Englischen bezeichnet werden, sind in einer überwiegend muslimischen Gesellschaft aktiv. Auf Sansibar beträgt deren Bevölkerungsanteil 99 Prozent. Ende 2014 startete das Schulprojekt. Seit dieser Zeit besteht auch die Partnerschaft mit Hammelbach. 2015 wurde im Überwald an der Kirche dazu ein Gedenkstein errichtet.

Eigentlich wollten die Konfirmanden in diesem Jahr wieder für Sansibar sammeln, aber wegen Corona wurde die Feier auf Ende November verschoben. Auch die Kollekte des Vorstellungsgottesdienstes war dafür geplant. „Das Geld kommt dort an“, weiß Ningel, der 2017 selbst eine Woche zu Besuch war. „Es versickert nicht in dunklen Kanälen“, betont er. Entweder die Herrnhuter nehmen es bei Besuchen mit oder es wird an Vertrauenspersonen überwiesen.

Vor kurzem wurde eine neue Grundschule mit 120 Kindern und ein neuer Kindergarten mit 138 Kindern in Mwera eröffnet, erklärt Pfarrer Ningel. Beide werden von Hammelbach aus unterstützt. „Die Schule ist gut anerkannt“, weiß er. Die Besonderheit ist der interkonfessionelle Ansatz. Einige Lehrkräfte sind Muslime, andere Christen. Auch die Kinder gehören verschiedenen Konfessionen an. „Spielen und lernen in Frieden und Harmonie zusammen.“

Die Kinder feierten mit ihren Eltern und Lehrkräften die Fertigstellung der zusätzlichen Schulgebäude. Dazu war auf dem Schulgelände ein Festzelt aufgestellt und ein buntes Programm vorbereitet worden. Die Schule, in der auch Englisch unterrichtet wird, genießt einen sehr guten Ruf und kann nun viel mehr als bisher aufnehmen. „Viele Kinder haben keine Eltern oder kommen aus sehr armen Familien“, so Nasgowitz.

Nun sind in den neuen, geräumigen Gebäuden zehn Klassenzimmer mit ausreichend Platz vorhanden. Die Kinder können nun in einer sicheren Umgebung und ohne Angst um gesundheitliche Gefährdungen auf die anstehende Zukunft vorbereitet werden, hebt sie hervor. 2017 unterstützten die Herrnhuter eine Kinder-Sonntagsschule in den Räumlichkeiten. Mehr als 100 Heranwachsende, auch Muslime, kommen bis heute regelmäßig, um zu singen, zu tanzen, zu spielen und biblische Geschichten zu hören.

Anfang dieses Jahr wurde mit dem Bau einer Mehrzweckhalle neben der Schule begonnen, teilt der Hammelbacher Geistliche mit. Unter der Woche wird diese von der Schule und am Sonntag für Gottesdienste genutzt. Bisher versammelten sich die Christen zum Gebet in der Ruine einer anglikanischen Kirche. Innerhalb von zwei Monaten wurde der neue Bau fertiggestellt.

Damit kann das Ziel des Stiftungswerks, den Dialog zwischen Muslimen und Christen zu fördern und jungen Christen in einer muslimisch dominierten Gesellschaft eine Zukunft zu ermöglichen, unter neuen, besseren Voraussetzungen verfolgt werden, erklärt Nasgowitz. Die neue Halle ist groß genug, um in Corona-Zeiten das Abstandsgebot einzuhalten.                                     tom

 

Info: http://www.herrnhuter-missionshilfe.de

Gerade die Armen trifft es hart

Kerala, schält sich aus der Erzählung von Pater Sudeesh heraus, ist im Vielvölkerstaat Indien – trotz seiner 35 Millionen Einwohner – ähnlich ländlich geprägt wie der Odenwald. Deshalb ist dort die Corona-Lage auch um einiges besser als in den Metropolen Mumbai oder Neu-Delhi. Die Ausgangssperre trifft aber alle 1,3 Milliarden Einwohner hart, berichtet der 39-jährige Pfarrvikar aus der Pfarrgruppe Überwald. Wobei auch dort die auf dem Land besser wegkommen, da die Häuser und Grundstücke größer sind.

Das Virus, hat der Karmeliter-Pater von Berichten aus der Heimat erfahren, wurde vor allem durch indische Arbeiter aus China, Italien und Dubai eingeschleppt. Derzeit sind im südwestindischen Bundesstaat lediglich 127 Erkrankte registriert, weiß. Von anfangs 430 Infizierten sind schon um die 300 wieder genesen, teilt er erfreut mit, dass die strengen, von der indischen Zentralregierung ergriffenen Maßnahmen Wirkung zeigen.

Allerdings stehen 30.000 Personen unter Beobachtung, sind teilweise in Quarantäne. Die werden, so Pater Sudeesh, in regelmäßigen Abständen von Mitarbeitern des Gesundheitsamts zu Hause besucht. „Andere Bundesstaaten sind viel stärker betroffen“, erläutert er. Es gilt eine strenge Ausgangssperre. „Die Leute dürfen nur zum Einkaufen oder für Arzttermine raus“, schildert der Kirchenmann die Situation.

Die Städte und Gemeinden kümmern sich um die Lebensmittelversorgung. Ob Reich oder Arm: Alle bekommen die gleichen Rationen. Allerdings kommen die nur bei den Einheimischen an. Es gibt aber, so der Pater, viele Wanderarbeiter und Tagelöhner, die durch die Ausgangssperre außerhalb ihrer Region in Großstädten gestrandet sind und nicht zurück dürfen. Die trifft es besonders schlimm.

Wieder andere sitzen im Ausland fest und dürfen nicht zurück. „Die sind in einer sehr schwierigen Lage, ohne Verdienst und ohne Medikamente“, macht er auf die Not der Leute aufmerksam. Nach aktuellem Stand soll der komplette Lockdown des öffentlichen Lebens noch bis Ende April anhalten, erläutert Sudeesh.

Die Krise sieht der im Hirschhorner Kloster wohnende Pater in seinem Heimatland erst am Anfang. „Die Infiziertenzahlen steigen noch an“, erzählt er. Er fragt sich, ob die Kommunen länger als zwei Monate die Lebensmittel-Versorgung der Bevölkerung gewährleisten können. „Was ist, wenn sich das Virus noch weiter ausbreitet“, stellt Sudeesh in den Raum.

In Kerala, berichtet der Inder, gibt es eine gute ärztliche Versorgung, die Regionalregierung arbeite effizient. In anderen Bundesstaaten sei dies manchmal nicht gegeben. Aktuell herrschen in seiner Heimatregion Temperaturen von 35 bis 40 Grad ohne Regen. Die etwas Betuchteren haben Ventilatoren und Klimaanlagen, „aber für Arme ist die Situation schwierig“, macht aufmerksam.

Wie in Deutschland auch sind die Leute auf dem Land etwas besser dran. „Die können raus, bauen ihr eigens Gemüse an, alles ist nicht so dicht gedrängt.“ Zwar gibt es keinen Maßnahmen-Flickenteppich wie hierzulande. Aber Sudeesh erzählt, dass in jedem Bundesland verschiedene Kulturen und Sprachen existieren. Teilweise gibt es einen christlichen Bevölkerungsanteil wie in Kerala, manchmal auch einen muslimischen gegenüber dem Gros der Hindus.

„Zuhause geht es allen gut“, weiß der 39-Jährigen aus Telefonaten. Ein zwischenzeitlich erkrankter Verwandter, der sich in Dubai mit Corona ansteckte, ist wieder gesund. Allerdings darf er nicht nach Hause, da alle Flugverbindungen gekappt und die Grenzen dicht sind. „Eine solche Situation haben wir noch nie erlebt“, macht sich Sudeesh Sorgen um die Zukunft. Wie seine Mitpatres, etwa Pater Cyril aus Mörlenbach oder Joshy aus Hirschhorn, steht er in ständigem Kontakt mit der Heimat.

„Ich fühle mich sehr wohl Deutschland“, betont der Karmelitermann. Verglichen mit seiner Heimat gibt es trotz Beschränkungen noch viele Freiheiten. „Ich darf rausgehen“, nennt er eine davon. Was er auch gerne nutzt. Der Kontakt zu den Katholiken im Überwald geschieht derzeit allerdings meist telefonisch.

„Ich mache Telefonseelsorge“, erläutert Sudeesh. „Die älteren Menschen freuen sich über meinen Anruf“, hat er festgestellt. Er kennt einige von ihnen durch seine dreijährige Tätigkeit in der Region gut und weiß, bei wem er zwischendurch mal nachfragt. Sollte Bedarf an persönlichen Trauergesprächen sein, steht er – mit dem nötigen Mindestabstand – dafür natürlich auch zur Verfügung.                               tom

 

 

 

Pater Sudeesh Joseph (39) stammt aus Thodupuzha im südwestindischen Bundesstaat Kerala mit seinen 35 Millionen Einwohnern. Mit 16 Jahren trat er ins dortige Karmeliterkloster der Thomasprovinz ein. Vor fünf Jahren kam er nach Deutschland, seit drei Jahren wohnt er mit vier anderen Karmeliter-Brüdern im Kloster Hirschhorn. Pater Joshy George Pottackal ist katholischer Pfarrer im hessischen Neckartal und wird in Hirschhorn sowie Neckarsteinach unterstützt von Pfarrvikar Pater Linto Thekkekunnel Paily. Sudeeshs Vorgänger als Pfarrvikar im Überwald war Pater Cyril Thundathil, heute Pfarrer von St. Bartholomäus Mörlenbach und Weiher. Fünfter im Bunde ist Pater Sijoy Thevarakatt, heute Pfarrer von Hl. Kreuz Bad Wimpfen, einer hessischen Exklave des Dekanats Bergstraße, und vor 2010 ebenfalls Pfarrvikar im Überwald.