Tolle Vorarbeit führte zu wunderbarem Ergebnis

„Veränderung ist am Anfang schwer, in der Mitte chaotisch und am Ende wunderbar“, schmunzelt Wehrführer Tobias Walter. Die Feuerwehr Schönmattenwag ist im fünften Jahres ihres gemeinsamen Wirkens bereits beim „Wunderbar“ angekommen. Wäre das öffentliche Leben nicht durch Corona lahmgelegt, würde man im Ortsteil dieses Jahr sogar das 125. Jubiläum feiern. So aber wird es 2022 nachgeholt.

Fünf Jahre liegt praktisch auf den Tag genau die Zusammenlegung der beiden Ortsteilfeuerwehren Ober- und Unter-Schönmattenwag zurück – und so lange ist Walter auch Wehrführer. Die Anfänge waren „durchaus chaotisch und eine Herausforderung“, meint er rückblickend. Denn es galt, bei allen Veränderungen und Maßnahmen den Überblick zu behalten. Jedoch ist er mit dem Blick zurück überzeugt, „dass es der richtige Schritt war“.

Für Walter ist die offene Kommunikation und Information aller Beteiligten im Vorfeld ein maßgeblicher Erfolgsfaktor. Beruhend auf „toller Vorarbeit“ der vorherigen Wehrführer wurden die Weichen für dieses Projekt aber schon Jahre zuvor gelegt, erläutert er. Ohne diese „wäre es nicht so reibungslos verlaufen“. Damit konnte man 2015 bei der finalen Entscheidung bereits auf einem soliden Grundstock aufbauen. Dies trug seinen Worten zufolge „viel zum Gelingen bei“.

Der Wehrführer zeigt sich begeistert von der Motivation und Flexibilität der Kameraden. „Auch sehr viel Verzicht und Nachsicht war nötig“, weiß er. Gerade in den chaotischen Phasen, „in denen mir selbst oft die Haare zu Berge standen“, war der Rückhalt da, ist er dankbar. Unzählige, teils emotionale, Diskussionen und Besprechungen in allen Abteilungen haben laut Walter das geformt, „was wir heute erreicht haben“: eine schlagkräftige, einsatzbereite Ortsteilfeuerwehr.

Wie fruchtbar gute Zusammenarbeit ist, „stellt hoffentlich für Schönmattenwag auch in anderen, kulturellen Bereichen einen Ansporn da“, hofft Walter. Das ist einer seiner Wünsche neben der Feuerwehrarbeit. „Ich möchte alle dazu ermutigen, noch enger zusammenzurücken.“ Das stärkt ungemein und gibt Sicherheit für die Zukunft. „Sehr viele tolle Schimmeldewäer Veranstaltungen sind durch gute Zusammenarbeit entstanden“, sagt er – unter anderem die 1000-Jahr-Feier.

Der Wehrführer sieht für die Zukunft noch einige Fragen, weitere anstehende Maßnahmen und Projekte sowie Herausforderungen. Durch den Anbau am Haus des Gastes kann die Gemeinde nun auch die erforderlichen Auflagen für das Gerätehaus ihrer Feuerwehr erfüllen, freut er sich. Außerdem wird dort der erforderliche Schlauchservice für die Gemeindewehr untergebracht.

Bürgermeister Dr. Sascha Weber sieht den freiwilligen Zusammenschluss „als Musterbeispiel gesellschaftlicher Zusammenarbeit“. Dies umso mehr vor dem Hintergrund, dass sich neben den kommunalen Institutionen Feuerwehren auch die beiden Vereine zusammenschlossen. Die lange und gut Vorbereitung ist seiner Meinung nach für die Akzeptanz „die dringend notwendige Voraussetzung für ein solches Vorhaben“.

Es gab eigentlich nur Gewinner, stellt Weber fest. Durch die Bündelung von Kräften entstand „eine gestärkte Feuerwehr Schönmattenwag“, die in der Zwischenzeit auch ein neues modernes Fahrzeug in Empfang nahm. Das LF 10 KatS sowie und eine personell starke und gut ausgebildete Mannschaft bilden „einen gewichtigen Bestandteil in der Gesamtstruktur der Gemeinde-Feuerwehren“, lobt der der Rathauschef.

Nach Fertigstellung der Um- und Anbauarbeiten am Haus des Gastes gibt es zeitgemäße räumliche Voraussetzungen, erläutert er. Die Eigenleistung der Feuerwehrleute stellte Weber lobend heraus. „Die Einwohnerschaft von Ober- und Unter-Schönmattenwag kann sicher sein, dass der Brandschutz in ihren Ortsteilen durch eine schlagkräftige Feuerwehr sichergestellt ist“, betont der Bürgermeister. Er sieht den gemeinsamen Feuerwehrverein als eine wichtige Konstante im gesellschaftlichen Gefüge.

Eins plus eins ergibt manchmal mehr als nur zwei, hebt Gemeindebrandinspektor (GBI) Peter Capuani hervor. Die beiden Einsatzabteilungen vollzogen nach mehrjähriger „Verlobungszeit“ und Zusammenleben in „wilder Ehe“ vor fünf Jahren die Fusion, lacht er. Die wurde von den Kameraden konstruktiv aufgenommen, vorbereitet und letztendlich umgesetzt. „Sie haben damit eine Feuerwehr geschaffen, die weit mehr ist, als die beiden einzelnen jemals waren oder hätten werden können“, so der GBI. Nur durch diese Vereinigung war es möglich, die Truppe auch mit zeitgemäßem Gerät auszustatten und die Weichen dafür zu stellen, sie auch in Bälde angemessen unterzubringen, erklärt Capuani.          

Den Vereinen verhagelt es die Frühlingsfeste

Die Überwälder werden im Frühjahr wohl ohne die traditionellen Maifeste und Kerwen auskommen müssen. Die ausrichtenden Vereine haben die zeitnahen Termine bereits abgesagt. Wenn die Veranstaltungen nach Mitte Mai angesetzt sind, gilt derzeit noch das Prinzip Hoffnung – aber angesichts der aktuellen Corona-Inzidenzzahlen mit schwindenden Aussichten, sie noch durchführen zu können.

Die erste Kerwe des Jahres findet schon seit Urzeiten in Hartenrod statt. Sie wurde über die Jahre zwar abgespeckt und auf einen Tag eingedampft, wäre aber laut Plan am 1. Mai über die Bühne gegangen. Doch der veranstaltende Gesangverein Immergrün führt sie dieses Mal nicht durch. „Leider lässt das die aktuelle Situation nicht zu“, sagt die zweite Vorsitzende Elke Jöst.

„Wir haben uns noch keine abschließende Meinung bilden können“, erzählt Jörg Rettig vom SV Affolterbach. Die ganze Zeit überwog beim Verein die Hoffnung, die Kerwe in einem kleineren Kreis stattfinden zu lassen, natürlich unter Einhaltung aller Hygienevorschriften. „Das wackelt nun immer mehr“, bedauert er. Die längste Kerwe des Überwaldes würde vom 12. bis 17. Mai stattfinden.

Buchungen von Bands wurden Rettig zufolge aufgrund der Problematik bisher noch nicht vorgenommen. „Wenn wir was machen, dann nur im erlaubten kleinen Rahmen“, teilt er mit. Aktuell, ist dem Vorsitzenden des Fördervereins klar, „könnten wir keine Kerwe abhalten“. Zwei Jahre ohne das Fest der Feste sind „bitter für die Vereinskasse“, weiß er. Im zweiten Halbjahr soll es dann aber beim SVA in die Vollen gehen. Die „Nacht in Tracht“ ist für den 9. Oktober geplant, ein Kabarett-Abend am 27. November. Dazu sind noch ein bis zwei weitere Veranstaltungen vorgesehen.

Der MGV Sängerbund Unter-Schönmattenwag wäre 2021 gleich mit zwei Veranstaltungen an der Reihe. Zum einen die traditionelle, zweitägige Feier in den Mai. „Abgesagt ist die noch nicht“, erläutert der Vorsitzende Christian Jöst. Aber realistischerweise „muss man wohl davon ausgehen“, dass sie ausfällt. In der kommenden Woche will der Vorstand entscheiden.

Bei der Kerwe am letzten Juni-Wochenende verfährt der MGV wie der SVA: Sollte die Möglichkeit bestehen, „dass wir was machen können, dann in kleinem Rahmen“. Im Moment ist noch keine Planung im Gange, bedauert „Kerweparre“ Jens Gam sehr. Dann nämlich müsste er mit der Kerweredd „schon voll drin hängen“. Den Schimmeldewäern geht es im zweiten Jahre ohne die Erlöse aus den Veranstaltungen wie anderen Vereinen auch: „Keine Einnahmen, aber die laufenden Kosten sind da“, verdeutlicht Jöst.

Die Ungewissheit plagt auch den anderen MGV, die Union in Wald-Michelbach. „Nach jetzigem Stand können wir das Vatertags-Grillfest nicht durchführen“, sagt der zweite Vorsitzende Julius Rückert. Die Sänger überlegen, am vorgesehenen Termin Mitte Mai eine Ersatzaktion durchzuführen. Ob die über die Bühne gehen kann und wird, „ist aber absolut unklar“.

„Leider wird auch in diesem Jahr kein Maifest bei der Feuerwehr Gadern stattfinden“, teilt Vereinsvorsitzende Katja Gutfleisch die Vorstandsentscheidung mit. Die aktuellen Corona-Beschlüsse und die Inzidenzzahl „lassen uns kaum Hoffnung auf eine Änderung der Situation“, bedauert sie. Nach einem Jahr Pause „hätten wir gerne in diesem Jahr wieder gefeiert“. Am dritten Juli-Wochenende würde die Kerwe im Ortsteil stattfinden. Deren Durchführung ist noch in Abklärung, erklärt Wehrführer Christian Eck. Aber: „Hoffnung habe ich wenig“, fügt er hinzu.

Ganz frisch ist die Absage des Kohlenmeilers am Schimmelberg. Der wird alle zwei Jahre von der Faustballabteilung der SG Wald-Michelbach durchgeführt und lässt das alte Handwerk im Überwald für neun Tage wieder auferstehen. Geplant war er vom 29. Mai bis 6. Juni. Allerdings nicht 2021: „Ich habe gerade bei der Gemeinde den Meiler abgesagt“, erklärt Robert Vetter. Vom 18. bis 21. Juni, eine Woche vor dem unten Ortsteil, würde in Ober-Schönmattenwag Kerwe gefeiert. Ausrichter ist dieses Jahr der Gesangverein Harmonie. „Abgesagt ist noch nicht“, erzählt Vorsitzender Christof Klos. Der Verein hat aber seinen Worten zufolge kein großes Risiko und könnte gegebenenfalls „auch kurzfristig noch was Kleineres auf die Beine stellen“. Wenn der April bei den Inzidenzzahlen nicht nachhaltig die Wende bringt, „dann ist sowieso der Sommer gelaufen“, befürchtet er. Denn: „Auf welcher Basis will man dann noch was planen.“

Reden, reden, reden und nichts verdrängen

Wald-Michelbach. Die viele Zeit, die wir derzeit zur Verfügung haben, kann ein Vorteil wie auch ein Nachteil sein, sagt der systemische Coach Daniel Pfeifer. Sein Tipp, um durch die Corona-Pandemie zu kommen: reden, reden, reden, nichts verdrängen. „Im Dialog gewinnen wir an Akzeptanz und Verständnis“, sagt der Wald-Michelbacher. Mit dem „359° Personalbook“ hat er gerade ein Selbstcoaching und Jahreskalender herausgebracht.

Herr Pfeifer, Sie sagen: „Es geht nicht darum, was im Leben passiert, sondern wie ich darauf reagiere.“ Aktuell passiert viel – oder auch nichts mehr, je nachdem, wie man es sieht. Was raten Sie den Menschen, die Sie in der Corona-Pandemie um Rat fragen, wie sie auf die Monotonie reagieren sollen?

Daniel Pfeifer: Die derzeitige Phase ist für uns alle herausfordernd und kann massiv belasten. Ich kann die aktuelle Hilflosigkeit und die Ängste absolut verstehen, insbesondere, weil es vielen an Perspektive fehlt. Die Zeit scheint stillzustehen und keiner weiß – stand heute –, wann wir wieder zur Normalität übergehen können. Was für mich entscheidend ist, ist die Zeit, die wir nun deutlich mehr zur Verfügung haben. Sie kann ein Vorteil wie auch ein Nachteil sein. Auf einmal haben wir Zeit, uns viel mehr mit uns selbst, unseren Gedanken, Ängsten und Sorgen zu beschäftigen. Doch wahrscheinlich gab es schon immer Sorgen und Ängste. Oft haben wir sie verdrängt oder sind zu schnell zur Tagesordnung übergegangen. Nun werden wir sozusagen gezwungen, uns mehr mit unseren (unserem) Leben auseinander zu setzen. Entscheidend ist nun der Blickwinkel auf das eigene Leben. Es gibt eben meist zwei Seiten der Medaille: Es passiert gerade viel und öffnet neue Möglichkeiten oder es passiert nichts mehr und ich bleibe im Problemdenken haften. Mir ist bewusst, dass ich eine allgemeine Konstruktion damit abbilde. Und gleichzeitig zeigt sie sehr deutlich, wie wir unser Leben betrachten. Daher sage ich: Es geht nicht darum, was im Leben passiert, sondern wie ich darauf reagiere. Finde ich also Lösungen und versuche aus der Situation das Beste zu machen oder bleibe ich pessimistisch? Raten Sie mal, wer besser fährt.

Neue Perspektiven finden, die Hoffnung nicht aufgeben: Wie kann man motiviert bleiben, nicht in Depressionen abrutschen, obwohl das normale Leben seit fast einem Jahr nicht stattfindet?

Pfeifer: Reden, reden, reden. Suchen sie sich eine Vertrauensperson oder einen Coach und teilen sie alle Sorgen und Ängste. Verdrängen sie nichts. Es geht vielen da draußen genauso, wie Ihnen und mir. Im besten Fall werden gemeinsam neue Ressourcen gebildet, das kann für eine Entlastung sorgen. Nochmal entscheidend ist der Blickwinkel: Sehe ich schwarz oder eine Chance in der Krise? Wussten Sie, dass das chinesische Wort für Krise zur Hälfte aus dem Schriftzeichen Chance besteht?

„Du bist der Macher deines Lebens“ sagen Sie weiterhin: Was ist zu tun, wenn sich jemand – nicht nur aktuell – in einer Lebenskrise befindet? Wie zieht man sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf?

Pfeifer: Ein erster wichtiger Schritt ist es, aktiv etwas verändern zu wollen. Die Selbsterkenntnis ist der Schlüssel aus der Krise heraus. Mir ist bewusst, dass das viel zu einfach klingt, doch welche Wahl haben wir? Die meisten bleiben viel zu stark im Problem haften und lassen sich nicht helfen. Wenn ich keinen Ausweg finde, dann suche ich mir Unterstützung. Oft ist es ein innerer Antreiber oder Glaubenssätze, die uns aufhalten, etwas zu verändern. Die Dynamiken gilt es zu verstehen und die Blockaden zu lösen. In den Gesprächen mit meinen Klienten versuche ich immer zu vermitteln, dass jeder Mensch seine Ressourcen und Kompetenzen bereits in sich trägt. Durch gezielte Fragen reflektiert der Klient seine Situation aus einer anderen Perspektive und findet neue Anregungen. Es geht immer darum, ob ich aktiv etwas verändern will oder in meiner Lebenskrise keinen Ausweg finde bzw. finden möchte. Es gibt immer eine Lösung, sonst wäre es kein Problem.

Wie gehen Sie selbst mit dem Lockdown um?

Pfeifer: Ich habe im November meinen Job betriebsbedingt durch Corona verloren und versuche seitdem, mein eigenes Coaching-Programm „Ganz MANN sein – Lebe alle Facetten deiner Persönlichkeit – Werde authentisch & frei“ zu positionieren. Glauben Sie mir, auch ich habe manchmal Existenzängste und viele Sorgen. Jedoch habe ich mir neue Ressourcen aufgebaut und kann heute viel mehr nach vorne schauen, sofern ich es selbst in den Händen habe. Ich nutze die Zeit, die ich vorher nicht hatte, um mich persönlich weiterzuentwickeln. Die Zeit intensiv mit mir allein zu verbringen, war herausfordernd und gleichzeitig ein Gewinn, weil ich einiges heute anders betrachte und neue Erkenntnisse zu meiner Persönlichkeit gewonnen habe. Ich vermute, dass viele damit ein Problem haben, alleine zu sein. Daher sage ich: Wenn wir etwas Positives aus dem Lockdown entnehmen können, ist es „die Zeit“, sich besser kennenzulernen und daraus neue Chancen zu sehen.

Was bewegte Sie 2018, Ihr Leben zu verändern?

Pfeifer: Eine Begegnung mit einer besonderen Frau. Sie hat mir im Grunde gezeigt und gesagt, dass ich nicht authentisch war. Dass ich einer Welt im Außen nachgehe und mich viel zu sehr angepasst habe. Insbesondere wir Männer neigen dazu, unsere Schwächen, Sorgen und Ängste immer noch zu unterdrücken, weil wir glauben, somit unmännlich zu wirken. Nur auf „cool“ zu machen funktioniert nicht mehr. Ich denke, dass sich auch hier eine markante Veränderung in Zukunft abzeichnen wird. Diese Lebenskrise war der Beginn meiner Veränderung. Ich hatte einfach keine Lust mehr, vor irgendetwas wegzulaufen und habe mich meinen Gefühlen und Emotionen gestellt. Danach habe ich völlig andere Dinge bewusst unternommen, um aus meiner Komfortzone zu kommen, den für mich passenden Weg zu finden sowie echt und frei zu werden. So war ich im buddhistischen Kloster und bin den Jakobsweg von Porto nach Santiago de Compostela gelaufen. Die Zeit war ungemein wertvoll und ich habe mich sozusagen neu und anders entdeckt. Es ist ein fortlaufender Prozess und dieser hat mich an meine Grenzen gebracht, welche letztendlich ungemein wichtig waren, um mich weiterzuentwickeln. Heute bin ich sehr stolz darauf und lebe alle Facetten meiner Persönlichkeit.

Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht, wie waren die Rückmeldungen, auch aus dem eigenen Umfeld?

Pfeifer: Meine Erfahrungen sind durchweg positiv und das Feedback aus meinem Bekannten- und Freundeskreis gleichermaßen. Natürlich verändern sich auch Freundschaften, weil es dem einen oder anderen vielleicht nicht passt, wie ich nun bin. Ich habe großen Spaß an meiner Arbeit mit Menschen und bin gerade dabei, meine Räumlichkeiten zu finden, um nach COVID-19 auch im 1:1-Beratungen offline begleiten zu können. Aktuell vermarkte ich mein Personalbook und Coaching-Programm ausschließlich über Instagram und Facebook. Das Feedback ist großartig und bestätigt mich in meinem weiteren Tun als Coach und Autor.

Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Pfeifer: Oh, ich habe viele Ziele und Wünsche. Es ist mein absoluter Wunsch und Ziel, mit meinem Coaching-Programm und Personalbook viele Menschen zu erreichen und zu begeistern, ihr Leben in die Hand zu nehmen und neue Wege zu gehen. Ich bin davon überzeugt, dass viele ihre wahre Persönlichkeit nicht leben oder kennen. Im Mai steht die nächste Weiterbildung an und es werden ganz sicher viele weitere folgen, um noch mehr Kenntnisse in der Persönlichkeitsentwicklung in Erfahrung zu bringen und diese für meine Klienten zu nutzen. Sobald möglich, möchten meine Tochter und ich den Jakobsweg gemeinsam gehen. Darauf freue ich mich insbesondere, weil es vor allem ein großer Wunsch meiner Tochter ist. Ferner bin ich gerade dabei, ein zweites Buch im Bereich Teamentwicklung zu schreiben. Und noch vieles mehr …

Was steckt hinter dem „359° Personalbook“ und welche Vorteile hat es für die Nutzer?

Pfeifer: Das „359° Personalbook“ ist Selbstcoaching und undatierter Jahreskalender in einem. Jeden Tag haben wir die Möglichkeit, die Perspektive auf unser Leben zu verändern. „Du bist der Macher deines Lebens“ kommt hier wieder ins Spiel. Denn nur du bist für deinen Blickwinkel verantwortlich. 359° ist dein ganzes Leben, deine Veränderung, deine Persönlichkeitsentwicklung. Das „EINE“ Grad macht den Unterschied. Entscheidend ist die Perspektive die wir einnehmen. 0 oder 360° ist im Grunde der gleiche Blickwinkel. Daher stelle ich die Hypothese auf, dass jeder eine größere Chance auf eine Veränderung hat, wenn wir eine Perspektive innerhalb 359° einnehmen. Also – dieses eine Grad kann den Unterschied auf Veränderungen machen. Nach vorne schauen, neue Wege finden ist das Eine. Gleichzeitig vergessen viele, was sie bereits alles in ihrem Leben erreicht haben. Diese und viele neue Ressourcen hervorzuholen und zukünftig für weitere Herausforderungen zu nutzen, ist das Andere. Das Personalbook hat innerhalb weniger Wochen fast 100 begeisterte Leser erreicht und die positiven Bewertungen machen mich sehr stolz.                             

Info: www.359grad.com/personalbook. Das Buch ist auch erhältlich über http://www.wasjetzt-odenwald.de oder http://www.amazon.de.

Viele werden nicht mehr lange durchhalten

„Die Firmen halte nicht mehr lang durch.“ Igena-Geschäftsführer Steffen Reinsch sieht „massive Probleme“ nicht nur auf die im Industriepark Wald-Michelbach beheimateten Unternehmen zukommen, sollte nicht bald das gewohnte wirtschaftliche Leben zurückkehren. Er sieht manche Firmen „im Überlebenskampf“, zwei Betriebe mussten leider schon zumachen. Seiner Meinung nach „fehlen intelligente Lösungen“, damit das Leben auch mit dem Coronaviurus weitergehen kann, ohne alles zuzumachen.

Im ersten Lockdown des vergangenen Frühjahrs war die Stimmung noch optimistisch, dass es danach wieder schnell aufwärts geht. Weil sich der jetzige Stillstand schon so lange hinzieht, werden die Schwierigkeiten immer größer, berichtet Reinsch. Trotz Kurzarbeit und staatlicher Hilfe „werden viele nicht mehr lange durchhalten“, sieht er dringenden Handlungsbedarf. Sonst droht eine Insolvenzwelle. Vor allem die Schließung von Baumärkten und Gastronomie macht zu schaffen, da diese Segmente für einige sehr wichtig sind.

Dem Igena-Geschäftsführer stoßen die uneinheitlichen Regelungen sauer auf. „Es geht nicht, dass in einem Bundesland die Baumärkte aufmachen, im anderen nicht“, kritisiert er. Nicht nur die Verbraucher, auch viele Firmen sind dadurch verunsichert. Seiner Ansicht nach muss eine einheitliche Linie her. Ein Lockdown „kann drei Wochen dauern, aber nicht drei Monate“, betont er.

Auch wenn er nach wie vor eine (abgeschwächte) positive Stimmung erkennen kann, „sind viele nicht mehr von der Regierungsarbeit überzeugt“, erklärt Reinsch. Autozulieferer, Maschinenbaubranche und selbst Hersteller medizinischer Geräte (weil planbare Operationen verschoben werden) gehen so langsam in die Knie.

Ein paar jedoch haben es bisher unbeschadet durch die Krise geschafft, stellt Reinsch fest. Dazu gehört etwa die Firma Somaritec. Die erkannte die Zeichen der Zeit und stellt auf einer hochmodernen Maschine FFP2-Masken her. Der Igena-Chef wertet es als sehr lobenswert, dass in Deutschland produziert wird und dadurch Arbeitsplatze geschaffen werden.

Auch an der Igena geht die Entwicklung nicht spurlos vorüber, erläutert der Geschäftsführer. Bedingt durch die Schulschließung verkaufte man weniger Wärme, weil diese Gebäude ans Holzhackschnitzelnetz angeschlossen sind. Vor diesem Hintergrund wurde das anstehende Maßnahmenprogramm der technischen und energetischen Sanierung im Industriepark neu überdacht, schildert er.

Trotzdem, betont Reinsch, gab es 2020 wieder ein positives Betriebsergebnis. Auch die Entwicklungskurve zeigt weiter nach oben. In diesem Jahr will man am Sanierungsprogramm festhalten, verdeutlichte er. Das sieht Modernisierungen von Heizung und LED-Beleuchtung vor. Im vergangenen Jahr steckte man eine Million Euro in die Sanierung, erzählt der Geschäftsführer.

Trotz der Pandemie geht die Entwicklung weiter: Reinsch sieht einen „flexiblen Prozess“. Es stehen immer genug freie Mietflächen zur Verfügung, versichert er. Selbst jetzt gibt es neue Mietinteressenten. Allerdings wurde es schwieriger, den Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen nachzukommen. Er macht das etwa an der Hackschnitzelanlage fest. Hier arbeitet man mit einer Firma aus Österreich zusammen, deren Mitarbeiter teilweise nicht reisen durften. Der Geschäftsführer weiß von anderen Betrieben, die damit auch ihre liebe Not haben. Unter anderem gibt es Probleme durch Einschränkungen des Warenverkehrs.

Die Igena kann jedoch auf ihren treuen Mieter zählen, freut sich Reinsch. Die Firma KDS von Klaus Knöll ist praktisch seit Anfang an dabei. Auch die Schreinerei Hans Schmitt zählt zu den alten Hasen. Alle haben sie klein angefangen und sind im Laufe der Zeit stetig gewachsen. Das war immer problemlos möglich, da auf dem kurzen Dienstweg zusätzliche Fläche gemietet werden konnte.

Die große Verunsicherung trägt laut dem Geschäftsführer dazu bei, dass mit Investitionen gewartet wird. Eine Öffnung der Geschäfte – auch unter strengen Auflagen – ist deshalb für Reinsch „ganz wichtig“, um die Industrie wieder anzukurbeln. Denn die Bremsspuren sind derzeit überdeutlich zu erkennen. Viele zehren von den eigenen Rücklagen. „Es gilt Mittel und Wege zu finden, wieder zu starten“, hebt er hervor. „Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben“, so Reinsch.

Er sieht es als falsch an, nur auf die reinen Inzidenzzahlen zu schauen. Auch andere Kriterien wie die Belegung der Intensivbetten sollten Beachtung finden. Und: „Getroffene Aussagen müssen verlässlich sein.“ 50, 35, zehn: Dieses Zahlenroulette trägt seiner Meinung nicht zur Vertrauensbildung bei. Reinsch kann es nicht verstehen, dass ein hochentwickeltes Land wie Deutschland bei der Pandemie-Bekämpfung so hinterherhinkt.                                   

Igena in Zahlen:

Gründung: 2009

Mieter: derzeit 37 Firmen mit circa 150 Mitarbeitern

Fläche: 28.000 Quadratmeter

Auslastung: 80 bis 85 Prozent

Die Frustration wird immer größer

Danilo Fioriti spricht von einer „starken Frustration“, die sich bei ihm in den vergangenen Wochen breit machte. Der Theatermann von den Sommerspielen Überwald war lange vorsichtig optimistisch für die kommende Saison, aber in der letzten Zeit wurde es für ihn immer schwieriger, diese positive Sicht beizubehalten. Er vermisst den Blick auf die Breitenkultur beim Umgang mit dem Corona-Virus.

Schon im vergangenen Jahr ist während des ersten Lockdowns „ganz viel weggefallen“, bedauert Fioriti. Für ihn besonders schlimm war die Stornierung einer großen Deutschland-Theatertournee, bei der er Regie führen sollte. Immerhin gab es im Sommer noch ein paar Aufführungen, so den Sommernachtstraum in Zwingenberg oder eine Theater-Premiere in Deidesheim. Den Regisseur schmerzt jedoch sehr, dass Sommerspiele und Gassensensationen ausfielen.

„Zum Glück“, erzählt er, hatte er mit seinem Partner Patrick Pfaus das Café in der Gass aufgemacht und arbeitete den Sommer quasi in Vollzeit durch. Noch heftiger erwischte es die Kulturszene im zweiten Lockdown seit Herbst. „Es ist gar nichts mehr zu tun“, berichtet Fioriti. Die Veranstalter sind ängstlicher geworden, stellt er fest. Langfristige Planungen für 2021 gibt es nicht.

Die Sommerspiele wackeln dieses Jahr wieder, befürchtet der Theatermann. Irgendwann Ende des Monats muss eine Entscheidung her, ob sie stattfinden werden. Fioriti zeigt sich sehr optimistisch, „wir zumindest auf der Freilichtbühne in Wald-Michelbach spielen können“. Dort lassen sich Abstände besser einhalten, sollten sie nötig sein. Enger könnte es auf der Tromm zugehen. Auf jeden Fall „wollen wir die Sommerspiele nicht leichtfertig absagen“, bekräftigt er.

Das größere Problem ist seinen Worten zufolge aber eher ein anderes: „Es ist nicht klar, wann wieder geprobt werden darf.“ Amateurtheater hängen völlig in der Luft, kritisiert Fioriti. Sie fallen in der aktuellen Lockerungsdiskussion hinten runter. Deshalb hätten Vereine auch Angst, überhaupt in die Planungen zu gehen. Es werden die damit verbundenen Kosten gescheut, weil nicht klar ist, ob sie wieder reinkommen werden. So etwas ist ihm in den vergangenen 15 Jahren als Theatermann „noch nicht untergekommen“.

Sollte sich nicht bald etwas tun, dann sieht der Regisseur schwarz für die Zukunft der Branche. „Es wird viel von der bisherigen Arbeit verloren gehen.“ In zweierlei Hinsicht. Die Laientheaterspieler sind nach längerer Pause demotiviert. Und die Besucher „müssen sich trauen, sich wieder neben jemanden zu setzen“.

Fioriti hat sich im letzten Jahr weitgehend von Online-Angeboten ferngehalten. „Das ist nichts für mich.“ Denn damit „sitzen die Leute noch mehr vor dem Bildschirm, als sie es sowieso schon tun“. Ein Stream ist für ihn kontraproduktiv, „weil Theater sowieso immer gegen mediale Angebot ankämpft“.

Er sieht es für die Gesellschaft als ungemein wichtig an, „dass es immer einen Ort zum Treffen gibt“. Und das sind laut Fioriti meistens Kulturveranstaltungen. Dieses Gemeinschaftsgefühl ist wertvoll. Wenn die ebenfalls darbende Gastronomie wieder öffnet, „werden die Dinge nachwachsen“. Im Theaterbereich sind hingegen 25 Jahre Vorarbeit verloren. „Es wird alles kaputtgemacht“, heißt deshalb sein desillusioniertes Fazit.

Im aktuellen Öffnungsstufenplan vermisst der Regisseur die Kultur. Aber die braucht genauso dringend eine Perspektive, betont er. „Dann könnten wir planen.“ Könnte man beispielsweise Mitte April mit den Proben für die Sommerspiele loslegen, bleiben noch elf Wochen. Knapp, aber machbar. Der Theatermann kritisiert daneben die Unschärfen der Bestimmungen: etwa, ob Vereinsarbeit unter die normalen Beschränkungen fällt. Ob sich somit in spe zehn Leute treffen könnten?

Denn die Theaterleute könnten mit dem entsprechenden Hygienekonzept schon draußen zum Üben zusammenkommen – wenn ihnen jemand mal sagen würde, wie die entsprechenden Regelungen aussehen. „Aber es gibt nicht einmal eine Bestimmung dazu.“ Dies, zusammen mit der Einordung der Kultur unter die „weiteren Schritte“, über die erst am 22. März beraten wird, sorgt bei Fioriti für die schon angesprochene Frustration.

Eines wird aber auf jeden Fall stattfinden, komme, was da wolle. Mit Jürgen Flügge vom Hoftheater Tromm plant Danilo Fioriti ein Freilichttheater mit einem Gauklerwagen. Der ist dann in der Region über den Sommer hinweg unterwegs. Mit kleiner Besatzung und vor wenig Publikum: Das geht, freut er sich.                                    

Danilo Fioriti (35) stammt aus Hartenrod und lebt jetzt in Wald-Michelbach. Er hat Theater- und Medien- sowie Erziehungswissenschaften an der FAU Erlangen studiert und dort seinen Magister gemacht. Seit dem Ende des Studiums war er hauptberuflich als Theaterregisseur, Autor und Schauspieler unterwegs. Teilweise arbeitete er im Profi-, teilweise im Amateurtheaterbereich. Zwischendurch lebte er zehn Jahre erst in Fürth bei Nürnberg und dann in Mannheim, seit 2017 ist er wieder in Wald-Michelbach. Im Kreis Bergstraße leitet Fioriti seit vielen Jahren die Sommerspiele Überwald, die Eigenproduktion der Gassensensationen Heppenheim und die des Theaters Mobile Zwingenberg. Er arbeitete daneben an vielen Profitheaterproduktionen des Hoftheaters Tromm mit. Seit 2018 ist er zusammen mit seinem Partner Patrick Pfaus im Leitungsteam des Cafés in der Gass aktiv. Außerdem engagiert sich der Regisseur kommunalpolitisch. Er kandidiert(e) auf der SPD-Liste für die Gemeindevertretung in Wald-Michelbach.

„Diese Aufgabe ist eine große Ehre für mich“

Das Ergebnis war eindeutig: Der Aschbacher Sven Wingerter holte gleich im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit für die Nachfolge von Christine Lambrecht als SPD-Bundestagskandidat im Kreis Bergstraße. Der 40-Jährige gehört bereits seit 18 Jahren der Wald-Michelbacher Gemeindevertretung an, 14 Jahre lang dem Kreistag und ist seit 2017 DGB-Vorsitzender im Kreis Bergstraße. Wir sprachen mit ihm über Vergangenes, Gegenwärtiges und Ziele.

OZ: Herr Wingerter, Sie haben gleich im ersten Durchgang mit absoluter Mehrheit die Bundestagskandidatur im Wahlkreis 188 Bergstraße geholt. Wie fühlen Sie sich damit?

Sven Wingerter: Erst einmal überwältigt. Diese Aufgabe ist eine große Ehre für mich. Der Einsatz für gute Arbeit, soziale Sicherheit, für ein gutes Leben – das ist meines Erachtens der Dauerauftrag für jede sozialdemokratische Partei. Die Herausforderungen mögen sich ändern: Klimakrise, Digitalisierung oder jetzt die Corona-Pandemie. Doch gerade solche Prozesse erfordern sozialdemokratische Politik. Das ist eine enorme Verantwortung. Und ich freue mich, dafür das Vertrauen erhalten zu haben.

OZ: Sie treten in große Fußstapfen: Seit 1998 ist der Kreis durch Christine Lambrecht im Bundestag vertreten, aktuell Bundesjustizministerin. Wie wollen Sie einen erfolgreichen Wahlkampf gestalten?

Wingerter: Sigmar Gabriel hat einmal gesagt: Wir müssen dahin, wo es brodelt, riecht und stinkt. Dahin, wo es anstrengend ist. Für mich als Gewerkschaftler ist das selbstverständlich. Ich will nicht „von oben herab“ erklären, was gut für die Leute ist. Vielmehr genau umgekehrt: die Menschen aus den Betrieben, den Unternehmen, den Firmen genauso ernst nehmen wie die Familien mit Kindern, die Jugendlichen und die Senioren. Wir müssen die Kümmerer sein, die sich der konkreten Probleme der Menschen annehmen und dafür echte Lösungen gemeinsam entwickeln. Wahlkampf wird dann erfolgreich, wenn wir erfolgreiche Politik machen und uns dieses Vertrauen erarbeitet haben.

OZ: „Politik für die vielen, nicht für die wenigen“, lautet ihr zentrales Motto. Wie wollen Sie es mit Leben erfüllen?

Wingerter: Es gibt einen enormen Mangel an gegenseitigem Respekt, an Wertschätzung für das, was im Alltag und im Leben geleistet wird. Bis in die politische Mitte hinein werden Menschen gegeneinander ausgespielt. Aufgrund der Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder der sexuellen Orientierung. Wir dürfen das nicht zulassen. Ob das nun die Facharbeiter, Ingenieure und Informatiker sind oder die Handwerker, Erzieherinnen, Krankenschwestern, Pfleger oder Reinigungskräfte. Sie alle sind die vielen in unserer Gesellschaft. Die meisten von uns eint mehr als uns trennt. Als Leistungsträger. Als Menschen, die ähnliche Probleme haben. Mir geht es darum, gemeinsamen Interessen zu betonen und zu vertreten.

OZ: Sie wollen Verteilungsfragen und Steuergerechtigkeit offensiv anzugehen. Wie sehen hierzu Ihre Vorstellungen aus?

Wingerter: Die soziale Ungleichheit in Deutschland hat inzwischen ein unerträgliches Ausmaß angenommen. Einkommen und Vermögen sind extrem ungleich verteilt. Seit Jahren bekommt die große Mitte der Gesellschaft vom steigenden Wohlstand nicht mehr viel ab. Wir müssen dafür sorgen, dass die Einkommen wieder stimmen. Es darf nicht sein, dass über 20 Millionen Menschen in sogenannter atypischer Beschäftigung arbeiten. Hier muss wieder Ordnung auf den Arbeitsmarkt, z. B. durch einen deutlich höheren Mindestlohn, durch allgemeinverbindliche Tarifverträge, durch die Abschaffung sachgrundloser Befristungen. Mies bezahlte Niedriglohnjobs darf es nicht mehr geben. Der Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen muss massiv zurückgedrängt werden.

Für die Steuerpolitik hat die SPD ein Konzept vorgelegt, mit dem wir durch höhere Freibeträge und eine Verschiebung der Grenzsteuersätze 90 Prozent der Menschen entlasten. Ein gleichzeitig höherer Spitzensteuersatz betrifft nur einige wenige. Ein wichtiger Beitrag ist die Wiedererhebung der Vermögenssteuer – auch hier gilt: Betroffen sind überhaupt nur Vermögen ab zwei Millionen Euro,  bei Partnern und Ehepaaren vier Millionen Euro.

OZ: Der Erhalt von Arbeitsplätzen und Klimaschutz gehören für Sie zusammen: Wie wollen Sie das unter einen Hut bekommen?

Wingerter: Klimaschutzpolitik ist Beschäftigungs- und Industriepolitik! Das Erneuerbare-Energien-Gesetz, maßgeblich entwickelt von Sozialdemokraten wie Hermann Scheer, war die erfolgreichste Wirtschaftspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg. In der Folge sind Hundertausende Arbeitsplätze entstanden. Wir müssen allerdings sicherstellen, dass bei dieser gewaltigen Transformation niemand verloren geht. Wenn wir die Unterstützung gut ausgebildeter Facharbeiter für den Klimaschutz wollen, dann müssen wir ihnen auch etwas anbieten. Wenn wir von Menschen verlangen, dass sie ihren Job wechseln, dann geht das nur mit Förderung von guter Arbeit, Weiterbildung und der Wertschätzung bisheriger Berufserfahrungen, der Qualifikationen und des Erhalts der zuvor erarbeiteten Lebensleistung.

OZ: Wie hat Sie ihr schon 20 Jahre währendes Engagement für die Sozialdemokratie in der Entscheidung für die Kandidatur geprägt?

Wingerter: Zunächst wurde ich durch meine Familie geprägt, überhaupt in die SPD einzutreten. Ich komme aus einfachen Verhältnissen. Da war klar: Die SPD ist „unsere“ Partei. Sozialer Aufstieg war mir nicht in die Wiege gelegt. Meine Eltern hatten zwar „nur“ einen Volksschulabschluss, aber ihr Leben lang gearbeitet. Respekt, Wertschätzung und soziale Gerechtigkeit kommen nicht von allein. Sie müssen erkämpft werden. Das geht nur durch politisches Engagement.

In der Kommunalpolitik erlebe ich, wie sehr wir auf Bundespolitik angewiesen sind. Weil uns zum Beispiel notwendige Finanzausstattung für wichtige Investitionen fehlen. Infolge der Coronakrise drohen uns enorme Probleme mit Blick auf Gastronomie und Einzelhandel, aber auch unsere Vereine und das kulturelle Leben. Das zeigt: Städte und Gemeinden müssen konsequent mitgedacht werden.           

Zur Person

Sven Wingerter ist 40 Jahre alt und in Wald-Michelbach aufgewachsen. Er ist evangelisch und mit seinem Mann Markus verheiratet. Nach seinem Abitur am Überwald-Gymnasium Wald-Michelbach machte er seinen Studienabschluss als Magister Artium (M.A.) in Politikwissenschaft sowie Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Philipps-Universität Marburg.

Seit 2013 arbeitet er bei der Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation.

Seit 2017 ist Wingerter Vorsitzender des DGB-Kreisverbands Bergstraße, der die Interessen seiner acht Einzelgewerkschaften mit über 21.000 Mitgliedern gegenüber der Politik vertritt.

Seit 2003 ist Wingerter Wald-Michelbacher Gemeindevertreter und dort seit 2018 Vorsitzender der SPD-Fraktion.

Dem Kreistag Bergstraße gehörte er von 2007 bis 2021 an und war dort verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion.

In seinem Heimatort Aschbach war er die vergangenen zehn Jahre stellvertretender Ortsvorsteher.

Im SPD-Unterbezirksvorstand ist er seit 2003 tätig.

„Hussmouge“ sagen Sitzungen ab

„Es ist brutal“, verdeutlicht Sitzungspräsident Thomas Sattler, dass den Aschbacher „Hussmouge“ ihre Entscheidung nicht leicht fiel: Die vier Saal-Prunksitzungen im kommenden Jahr wurden wegen der Corona-Pandemie abgesagt. „2021 müssen wir ‚ne Pause machen, 2022 lassen wir es dann richtig krachen“, geben die Fastnachter jetzt als Parole aus. Über die Durchführung von Straßenfastnacht und Rathaussturm im November wird noch beraten.

„Die Kindergruppen hätten schon geprobt“, macht Sattler klar, dass eine Entscheidung her musste. Denn hinter den vier Sitzungen der Aschbacher Narren steht ein riesiger Rattenschwanz an Vorbereitung. Doch angesichts der Unsicherheiten konnte man nicht in die Planung gehen. Andere Vereine mit weniger Aufwand könnten sich mehr Zeit bei der Entscheidung lassen, weiß der Sitzungspräsident. In Aschbach stehen aber jedes Mal um dies 120 Aktive auf der Bühne. Deshalb war man in Termindruck.

„Wir haben lange überlegt“, erzählt Sattler. Es gab am Montag noch eine Videokonferenz der Fastnachtsvereine mit dem Landrat, „aber wir waren vorher schon zu 99,5 Prozent entschlossen abzusagen“, ergänzt Vorsitzender Horst Gramlich. Unter den jetzigen Bedingungen mit den nötigen Hygienekonzepten wäre die Saalfastnacht nicht durchführbar – und auch die anstehenden Proben wären schwierig geworden.

In der Videoschalte der Kreis-Narren wurden Ideen ausgetauscht, wie das Vereinsleben in dieser schweren Zeit fortgeführt werden kann. Die Tendenz war ähnlich, erläutert Gramlich: Es wird wohl allgemein Absagen geben, manche eher früher als später.

Sollte sich kurzfristig die Corona-Lage ändern, dann überlegen die Aschbacher Fastnachter, was sie noch anstelle der Sitzungen auf die Schnelle auf die Beine stellen könnten. Da in der Zwischenzeit  keine Proben stattfinden, geht es auch darum, „die Mitglieder bei der Stange zu halten“. Mit einem Video informierten die beiden die Aktiven deshalb über die Absage. „Es ist uns sehr schwer gefallen“, betont Sattler. Aber die Pandemie-Entwicklung ließ dem Verein zur jetzigen Zeit keinen anderen Ausweg.

Bei Rathaussturm und Straßenfastnacht sieht es anders aus. Hier ist die Vorbereitungszeit sehr kurz. „Keiner muss proben.“ Deshalb kann der Verein kurzfristig reagieren. Wobei Sattler aufgrund der aktuellen Nachrichtenlage eher pessimistisch ist. Allerdings machte man sich schon Gedanken über ein mögliches Hygienekonzept. Wie es mit dem Kreisnarrentreffen aussieht, vermag er noch nicht zu sagen. Bisher gibt es aus Heppenheim keinen negativen Bescheid, so der Sitzungspräsident.

„Wir wollen früh in die Planungen 2022 gehen“, kündigte Sattler an angesichts der langen Vorlaufzeit an, damit es dann Weltklasse wird. Denn dann soll Corona-frei gefeiert werden, bis die Schwarte kracht. Und obwohl noch nicht der 11.11. ist, schließen die beiden ihre Videonachricht mit dem Schlachtruf „Aschbach Helau, Hussmouge Helau“.

Großer Aufwand für große Gottesdienste

Wie sollen die großen Gottesdienste in der zweiten Jahreshälfte stattfinden, treibt derzeit Hammelbachs evangelischen Pfarrer Stefan Ningel um. Denn nach wie vor bestimmen die durch die Corona-Pandemie auferlegten Abstands- und Hygieneregeln deren Ausrichtung. Zu diesem Thema gab es vor kurzem auch Post vom Kirchenpräsidenten. Ningel ist klar: „Wir werden Weihnachten und Erntedank nicht in gewohnter Form feiern.“ Wo und wie steht noch in den Sternen.

Der Geistliche überlegt derzeit, am Ewigkeitssonntag auf den Friedhöfen die Verkündigung zu halten. Die Beratung dazu wird demnächst im Kirchenvorstand erfolgen. Denn in die Kirche dürfen höchstens 25 Gläubige gleichzeitig rein. Ningel weiß aber, dass derzeit viele einen Gottesdienstbesuch scheuen, weil es ihnen gesundheitlich noch zu riskant ist.

Die beiden Küsterinnen Renate Meyer-Keil und ihre Tochter Tina kümmern sich um die Hygiene- und Abstandsregeln. Sie desinfizieren die Plätze, weisen sie zu und verteilen, falls nötig, Masken und wenn gewünscht Handschuhe. „Sie machen das sehr engagiert und verantwortungsbewusst“, kann sich der Geistliche auf seine Mitarbeiterinnen verlassen.

Die Sommerkirche im Überwald könnte einen Weg weisen, wie man mit „zu großen“ Gottesdiensten umgeht. Dann da gab es einen jeweils am Samstagabend und Sonntagmorgen. Der Pfarrer zeigt sich mit dem Zulauf zufrieden. Auch die Resonanz der Besucher auf diese Aufteilung war positiv. Bei gutem Wetter predigt Ningel sowieso gern Open-Air, so etwa auf der Freilichtbühne in Gras-Ellenbach. „Das wurde mit über 50 Leuten sehr gut angenommen“, freut er sich.

Deshalb denkt der Geistliche auch an Fortsetzungen unter freiem Himmel. In der heutigen Zeit, betont er, „sind neue und unkonventionelle Ideen gefragt“. Bedauert wird von ihm, „dass wir nicht singen dürfen“. Zumindest gibt es aber musikalische Begleitung. Ningel sucht stattdessen Stücke aus, „die ich singen würde“, und druckt die Texte zum „Mitsummen“ aus.

Über die Frage, „wo können wir feiern, um möglichst viele Menschen zu erreichen“, kreisen seine Gedanken. Mit den neuen Konfirmanden könnte er sich vorstellen, in die Kapellenruine neben dem Aicher Cent zu gehen und dort mit entsprechendem Abstand Bierbänke aufzustellen. Dieses Jahr wird auch noch der Konfirmations-Gottesdienst vom Frühjahr nachgeholt. Auch dessen Gestaltung will natürlich wohlüberlegt sein. Vielleicht wird es mehrere geben, ist seine Überlegung.

Dem Geistlichen fehlen die Gottesdienste außer der Reihe. „In mir brennt das Feuer für das Besondere“, verrät er. Seine Inspirationsquelle „sprudelt nicht so wie sonst“. Da tat es vor den Ferien gut, „sich Gedanken über die Sommerkirche zu machen“. Gerade bei Hochzeiten „springt der Funke über“, erläutert er. Das vermisste der Pfarrer in diesem Jahr. Sehr bedauert hat er auch, dass zwei Taufen nicht wie geplant stattfinden können. Denn es wurden zwei seiner früheren Konfirmanden quasi zur gleichen Zeit Vater. Die beiden sah er zusammen aufwachsen.

„Kirchenaustritte sind vor Ort wenig spürbar“, hat Ningel festgestellt. Im vergangenen halben Jahr während Corona gab es sie quasi nicht. Im Jahresschnitt sind es um die vier, listet er auf. Zum Glück hat er notiert: „Es gibt einen festen Stock an Gläubigen.“ Dass deren Zahl trotzdem sinkt, liegt an der zurückgehenden Zahl von Taufen und der gleichzeitig steigenden Zahl von Bestattungen. „Diese Lücke wird größer“, bedauert er. Die Zahl der Gottesdienst-Besucher ist seiner Beobachtung nach auf gleichbleibendem Niveau.                  tom

 

Zur evangelischen Kirchenspiel Hammelbach gehörten auch Gras-Ellenbach, Litzelbach und Weschnitz. Aktuell gibt es 1295 Kirchenmitglieder, im Jahr 2000 waren es 1368.

 

Stefan Ningel (57) stammt aus Mannheim. Nach dem Studium der Theologie und Gemeindepädagogik legte er 2004 die Prüfungen für den Pfarrdienst ab und wurde im März 2005 Pfarrer in Hammelbach. Zuvor war Ningel als Gemeindepädagoge in Mörlenbach und Darmstadt tätig.

 

 

Konjunkturprogramm wäre sinnvoller gewesen

163.000 Euro lesen sich erst einmal viel. Diese Summe soll Grasellenbach aus dem Sondervermögen „Hessens gute Zukunft sichern“ als Ersatz für die weggebrochenen Gewerbesteuer-Einnahmen infolge der Corona-Pandemie bekommen. Bürgermeister Markus Röths Freude hält sich aber in Grenzen. Denn seiner Kenntnis nach fließt diese Summe in die Berechnung von Kreis- und Schulumlage mit ein – dem gemeindlichen Haushalt bleibt damit weniger.

Im Falle von Grasellenbach, rechnet das Ortsoberhaupt vor, würde das bedeuten, dass unterm Strich lediglich 70.000 Euro hängen bleiben. „Schön, dass der Staat die Konsequenzen abfedern will“, meint Röth mit ironischem Unterton. Aber ein Posten wie die Gewerbesteuer ist in einer ländlichen Kommune wie dem 4000-Einwohner-Ort seinen Worten zufolge eher von nachrangiger Bedeutung.

In Bensheim, das mit 19 Millionen Euro vier Fünftel der Summe bekommt, die in den Wahlkreis Bergstraße Ost gesamt fließt, bedeutet das natürlich eine ganz andere Hausnummer, weist Röth auf die Dimensionen hin. Denn Grasellenbach hat gerade mal die Portokasse der größten Stadt im Kreis, um die 650.000 Euro, als Gewerbesteuereinnahmen in diesem Jahr im Haushalt drin.

Der Bürgermeister hätte sich deshalb andere Prioritäten gewünscht, damit auch die Kleinen auf dem Land ein größeres Stück vom Kuchen bekommen. Ein Konjunkturprogramm wie nach der Wirtschaftskrise 2010 „wäre sinnvoll gewesen“, sagt er. Oder eine Investitionspauschale mit 200.000 bis 300.000 Euro. Röths Begeisterung über das jetzige Programm „ist deshalb nicht so groß“, übt er sich in Understatement.

Ähnlich wie auch bei der Umsatzsteuersenkung, die für die Gemeinde im Bereich der Wasserversorgung viel Mehrarbeit mit sich bringt. „Die Umstellung ist sehr kompliziert“, erläutert der Rathauschef, und „kostet einen Haufen Geld“. Die Relation zu den zwei Prozent Skonto, die die Bürger dann durch die Verminderung von sieben auf fünf Prozent Umsatzsteuer bekommen, ist für ihn nicht gegeben.

Dass die Gemeindeanteile an der Einkommen- und Umsatzsteuer (zumindest) im zweiten Quartal um knapp 18 bzw. elf Prozent gesunken sind, trifft die Gemeinde zusätzlich. Wobei man in Grasellenbach Kummer gewöhnt ist. „Wir sind sparen gewohnt“, betont das Gemeindeoberhaupt. Im investiven Bereich will man das aber nicht, macht Röth deutlich. Denn etwa eine Baugebietserschließung spült ja mittelfristig auch wieder Geld in die Kasse – von dem Plus an Einwohnern ganz zu schweigen.

Somit ist es der Ergebnishaushalt, in dem Sparmaßnahmen angesagt sind. Der Bürgermeister tröstet sich mit der Erkenntnis, „dass es so schlimm wie 2012 bis 2014 wohl nicht mehr werden wird“. Auch wenn er die Corona-Auswirkungen im zweiten Halbjahr noch nicht einschätzen kann, rechnet Röth damit, dass sich die Gewerbesteuer auf einem niedrigen Niveau einpendelt. Grasellenbach ist hier von keinem großen Zahler abhängig, sondern es gibt viele kleine, erläutert er.

Der Haushalt, sagt Röth, ist mit den Landes- und Bundesmitteln für den Gewerbesteuerausfall vielleicht ausgeglichen – „aber sonst nichts“. Grasellenbach kann damit nichts reißen und nicht investieren. „Es gibt keinen Anreiz dafür“, so das Gemeindeoberhaupt. Er zeigt sich gespannt, ob dem ersten ein zweites Maßnahmenpaket folgen wird.

Mehr als Abwarten ist derzeit nicht drin

Abwarten heißt im Überwald das Gebot der Stunde, wenn es um die Faschingskampagnen 2020/21 geht. Große Traditionsvereine an Rhein und Main haben sie teilweise sogar schon abgesagt. Noch blicken die Fastnachter in den verschiedenen Überwald-Hochburgen jedoch einigermaßen gelassen Richtung Kampagneneröffnung.

Sie verfolgen aber aufmerksam die bundesweite Diskussion, ob es wegen der Corona-Pandemie ab dem 11.11. wieder viel Narretei geben kann, ob diese abgesagt oder eingedampft werden muss. Teilweise ist der Übungsbetrieb der diversen Tanzgruppen bereits wieder angelaufen, teilweise wartet man noch ab.

In den ländlichen Gemeinden ist Fastnacht nach wie vor eine eher bodenständige Veranstaltung. Das zahlt sich jetzt aus. Die Überwald-Vereine können viel flexibler auf die sich stetig ändernde Situation reagieren. Die Großen in Köln oder Düsseldorf gehen schon viel früher in die Planung und haben hohe Auslagen im Vorfeld.

Beim CCA Affolterbach wurde bereits das Motto für die hoffentlich stattfindenden Sitzungen ausgewählt. „Wir fangen grundsätzlich mit den Proben an“, berichtet Jörg Rettig. „Die Hygienekonzepte für die einzelnen Gruppen stehen.“ Ob Sitzungen stattfinden werden, „steht natürlich in den Sternen“, bedauert Rettig. Da hilft nur abwarten. Weil der Verein keine großen Verpflichtungen hat, „können wir zur Not kurzfristig absagen“.

Allerdings will man noch keinen fixen Zeitpunkt festlegen, wann eine endgültige Entscheidung hopp oder top getroffen wird. „Für uns ist es noch zu früh, um schon die Reißleine zu ziehen“, betont der CCA-Mann. Denn man will den Narren natürlich wie in den Vorjahren auch ein tolles Programm bieten. Deshalb wird schon weitergedacht und stehen personalisierte Tickets im Raum.

Abwarten heißt die Devise ebenso bei den Aschbacher „Hussmouge“, die in der närrischen Jahreszeit viel auf die Beine stellen. Rathaussturm, Straßenfastnacht und vier Prunksitzungen: Da will einiges organisiert sein. Deshalb lässt man sich die Entscheidung bis zum Spätsommer/Frühherbst offen, berichtet Sitzungspräsident Thomas Sattler.

„Wir sind mit den anderen Vereinen in Kontakt“, erläutert er. „Mal sehen, wie sich das entwickelt.“ Die Proben der verschiedenen Gruppen beginnen erst nach dem gemeinsamen Brainstorming. „Und das hatten wir noch nicht“, hat der närrische Betrieb laut Sattler in der Überwald-Fastnachtshochburg noch nicht begonnen. Der Aschbacher MGV Harmonie schaut ebenfalls noch, was die nächsten Wochen bringen, sagt Vorsitzender Dirk Breitwieser.

Die Macher von Michelbächer Gaudinacht und Maskenball hat es gleich doppelt getroffen. „Wir sind zu dem Entschluss gekommen,  im nächsten Jahr keinen Maskenball auszurichten“, teilt Marco Bichlmaier mit. Die 3. Gaudinacht, geplant für den 26. September, wurde bereits früher gecancelt.  „Wir werden vorerst noch abwarten, wie sich die Situation mit der Pandemie weiter entwickelt“, möchte man auf der sicheren Seite sein.

„Momentan können wir noch nicht sagen, ob es unsere Elferratssitzung in 2021 geben wird“, spielen auch die Gras-Ellenbacher auf Zeit. „Wir hoffen Ja“, meint Präsident Torsten Schmidt. Die Aktiven wollen aber – wie die Kollegen auch – sich die Corona-Entwicklungen in den kommenden Wochen anschauen.  „Spätestens Ende September werden wir dann eine Entscheidung treffen müssen“, betont Schmidt.

In Unter-Schönmattenwag fehlt dem CV Kapital ebenfalls die Kristallkugel, weshalb er sich in die Reihe der Hoffenden und Wartenden einreiht. Geplant ist derzeit, nach dem Ende der Sommerferien die Entwicklung zu bewerten, so Sitzungspräsident Sebastian Siefert. „Wenn es mit Corona nicht schlimmer wird, dann beginnt unsere Garde mit dem Training“, erklärt er. Das findet normalerweise in Haus des Gastes statt. Allerdings weiß der Verein noch nicht, ob dort trainiert werden darf. Das Motto steht aber zumindest schon: „Hollywood – im Land der Stars und Sternchen.“