Ostap Popovich gibt den Ton an

„Die Farbe Blau“ stand im Mittelpunkt des Neujahrskonzerts der Starkenburg Philharmoniker. Genau das richtige harmonische Ambiente mit darauf abgestimmter Beleuchtung, um die kalten Temperaturen außerhalb der Rudi-Wünzer-Halle vergessen zu machen. An die drei Stunden lang verbreitete das Ensemble wohlige musikalische Wärme. Nicht nur die Musiker allein, sondern auch die beiden Solisten Gunda Baumgärtner (Sopran) und vor allem Solo-Trompeter Ostap Popovich heimsten immer wieder begeisterten Applaus ein.

Mit einer weiteren Besetzung hatten die Philharmoniker unter ihrem künstlerischen Leiter Günther Stegmüller und dem Vorsitzenden Rúnar Emilsson einen Glücksgriff gelandet. Letztes Jahr war kurzfristig Jutta Werbelow als Moderatorin eingesprungen, die man in der Region von den „Nachtigallen“ kennt. Sie ist in dieser Rolle eine echte Bereicherung und „durfte“ dieses Mal „geplant“ ran. Werbelow führte charmant, witzig und spritzig durch ein langes Programm, dem sich nach reichem Applaus noch Zugaben anschlossen.

Zu Beginn hatte Bürgermeister Dr. Sascha Weber als Schirmherr die Besucher in der wieder einmal sehr gut besetzten Halle willkommen geheißen und seine Freude über das inzwischen fünfte  Neujahrskonzert als „feste Institution“ im Wald-Michelbacher Veranstaltungskalender geäußert. Die „Ouvertüre zu „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauß sah die Philharmoniker danach mit einem flotten Auftakt.

Auch die weiteren Stücke ließen die Besucher in schönen Erinnerungen schwelgen, wenn in Franz Lehàrs „Blaues Himmelbett“ eingeladen wurde oder es wieder mit Johann Strauß spritzig wurde: Die „Champagner-Polka“ leitete über zu den Auftritten der Solisten. Erst war Baumgärtner dran, deren Interpretation von „Wien wird bei Nacht erst schön“ (Robert Stolz) bereits die Zuschauer mit Beifall nicht sparen ließ.

Aber dann: Als wichtigstes Stück zur Farbe Blau kündige Werbelow George Gershwins „Rhapsody in Blue“ an. Das war Popovich wie auf den Leib geschrieben, der zuvor von der Moderatorin mit vielen Vorschusslorbeeren eingeführt worden war. Der Komponist holte mit seinem Werk Blues und Jazz in die Klassik, verschmolz die verschiedenen Stile.

Wie die Streicher das Thema der Trompete aufnahmen, sie majestätisch ablösten, um dann die Melodie wieder zurückzugeben, war großes Kino. Um die 17 Minuten dauert das Stück, die weltbekannten Töne inklusive. Teilweise kann man zwischendurch die berühmte Stecknadel fallen hören. Der Ukrainer zeigt solo oder im Zusammenspiel mit den Philharmonikern seine ganze Klasse, sodass sich ein Gast sogar zu einem „Bravo“-Zwischenruf hinreißen lässt. Diese Interpretation ist sicherlich das Highlight des Abends.

Ähnlich flott geht es nach der Pause weiter. Der „Kopenhagener Eisenbahn-Dampf-Galopp“ sieht das Orchester flott über die Schienen schnaufen. Man sieht förmlich den Dampf der Geschwindigkeit über den Instrumenten aufsteigen. Dirigent Stegmüller scheint sich einen Kindheitstraum zu erfüllen, wenn er mit sichtlichem Spaß den Schaffner mimt und die Trillerpfeife ertönen lässt.

Von der Schiene auf den Fluss: Ein Raunen geht durch die Menge, als Werbelow den Klassiker „An der schönen blauen Donau“ ankündigt. Wieder ist es Gunda Baumgärtner, die hier ihren Sopran ertönen lässt. Sie animiert das Publikum zum Mitklatschen und erntet für ihre Interpretation rauschenden Applaus. Wer gemeint hatte, damit wäre es getan mit der Bewegung, sieht sich getäuscht. Es geht bei „Pomp and Circumstance“ erst so richtig los. Die englische Hymne, traditionell zum Abschluss der Proms gespielt, ist laut Werbelow „eine Mischung aus Klassik und Konzert, Konzert und Party“. Mitsingen und Tanzen sind Pflicht. Nach zwei Stunden ist ein wenig Bewegung sicherlich willkommen. Die Menge wippt kräftig mit.

Der „Blue Tango“ mit dem von den Streichern getragenen Melodie, unterbrochen vom präganten Einsatz der Blechbläser, bietet ein wenig Zeit zum Luftholen. Langsam neigt sich das Konzert rauschend dem Ende zu. Es wird feurig-ungarisch mit Auszügen aus der Operette zu „Maske in Blau“ von Fred Raymond. Baumgärtner wirbelt erneut so vehement über die Bühne, dass sie dabei fast das Gleichgewicht verliert.

Dass nach dem Champagner-Galopp von Hans Christian Lumbye keiner gehen will, ist klar. Natürlich erklatscht sich das begeisterte Publikum mit Standing Ovations eine Zugabe. In der Pause hatte die Damen- und Herrenmannschaft der Siedelsbrunner TV-02-Handballer zusammen mit Yannik Ehret für die Bewirtung gesorgt.

Der ländliche Raum wird benachteiligt

2020 steht ganz im Zeichen der Kommunalwahl-Vorbereitung, schälte sich aus den Grußworten auf dem SPD-Neujahrsempfang heraus. Der fand zum 13. Mal in Folge traditionell im Foyer der Nibelungenhalle statt und erfreute sich wieder eines großes Zuspruchs. Der Ortsvereinsvorsitzende Franz Hartmann, der SPD-Unterbezirksvorsitzende Marius Schmidt und Bürgermeister Markus Röth richteten ihre Worte an die Gäste.

Er hoffe, dass die zum neuen Jahr ins Auge gefassten Ziele in Erfüllung gehen, meinte Hartmann. Die Vorhaben sollten aber immer realistisch sein, betonte er. Bei all dem gelte es die Mitmenschlichkeit nicht zu vergessen, „denn sie kommt immer kürzer“, mahnte Hartmann. Er forderte, „dass der Mensch endlich wieder in den Mittelpunkt rücken muss“. Er freute sich, unter den Besuchern einige auszumachen, die noch keinen der bisherigen Neujahrsempfänge verpassten.

Hartmann bezeichnete 2019 als „aufregendes, aber nicht gerade ruhmreiches Jahr“. Klimawandel, Brexit und rechte Wahlerfolge nannte der lokale SPD-Chef als prägnante Themen. „Es gilt die Erde für zukünftige Generationen zu schützen“, hob er hervor. Deshalb dürfe man die Augen auch nicht vor der Realität verschließen. Er forderte alle auf, „endlich umweltbewusst zu handeln“.

Die auf der Welt tobenden Kriege seien aus Grasellenbacher Sicht weit weg, aber „jeder ist gefordert, seinen Beitrag zur Friedenserhaltung zu leisten“. Hartmann postulierte: „Wir brauchen ein weltoffenes Deutschland und ein starkes Europa.“ Denn sonst werde man zum Spielball der Großmächte USA, Russland und China.

„In Grasellenbach stimmt das Miteinander“, hob Schmidt hervor. Statt gemeckert wird gemacht. Andere könnten sich davon eine Scheibe abschneiden, sagte der Unterbezirksvorsitzende. „Respektrente“, das Wort des Jahres 2019, „ist eine Erfindung der SPD“, wies er auf den Einsatz der Sozialdemokraten hin. Wer 35 Jahre gearbeitet hat, bekommt eine ordentliche Rente über dem Grundsicherungsniveau.

Schmidt hält es für richtig, dass sich eine Partei Gedanken macht, „was sie will“, ging er auf die Diskussion nach der Vorsitzendenwahl ein. Dabei sollte man nicht gleich den Kompromiss innerhalb der Großen Koalition mit einpreisen. „Gut regiert zu werden ist der Anspruch jeden Bürgers“, postulierte der SPD-Mann. Das stärke das Vertrauen in die Staatlichkeit. „Wir haben Ergebnisse erzielt, die sich sehen lassen können“, hob er hervor.

Auch auf Kreisebene trägt die Politik die Handschrift der SPD, so Schmidt. Viele Programmpunkte aus der vergangenen Landratswahl habe man in der Großen Kreiskoalition umgesetzt. Schmidt nannte die Stärkung der Vereinsförderung, des Schulbau, der Sozialverbände, der Tarifbindung und des ÖPNV. „Stellt euch vor, was alles hinbekommen hätten, wenn wir die Wahl gewonnen hätten“, schmunzelte er.

Bürgermeister Röth machte drei Kreuze, dass nach knapp fünf Jahren Planung endlich der Bebauungsplan für den Lebensmittelmarkt in Wahlen beschlossen wurde. Es gab eine „endlose Diskussion um eine vernünftige Lösung“, sah er das Vorhaben durch viele Vorgaben von oben verzögert. Am vergangenen Dienstag wurde der Bauantrag vom Gemeindevorstand beschlossen, erläuterte er.

Der Rathauschef ging daneben auf die allgemeine Entwicklung ein. Wenn Geld da ist, „haben Kreis und Land die Möglichkeit, Straßen zu sanieren“. Die Kommune ist dann aber auch bei Wasser und Kanal gefordert. Dafür gibt’s jedoch keine Mittel, beklagte er, außerdem sind Bauunternehmer in der jetzigen Hochkonjunktur schwer zu bekommen.

„Können wir ein Problem schaffen, um an Fördergelder zu bekommen“, meine er ironisch zu den vielen Fördertöpfen, die aber oftmals am Bedarf vorbeigehen. Das Gemeindeoberhaupt führte die bis 2009 gezahlte pauschale Investitionszulage an. „Warum gibt es die nicht mehr?“, fragte er. Der ländliche Raum wurde durch die jetzige Art der Zuweisung benachteiligt, so der Bürgermeister.

Auch bei der Wohnungsbauförderung sah er die ländlichen Regionen übervorteilt. Vor Ort müsse man mit dem zurechtkommen, „was wir haben“, sagte er leicht resigniert. Immerhin steigt die Einwohnerzahl. Sie liegt inzwischen bei etwa 4150 Personen. „Die Michelbescher bekommen bald Minderwertigkeitskomplexe“, scherzte Röth.

Eigentlich war auch SPD-Bundesjustizministerin Christine Lambrecht angekündigt, die nach dem Empfang in Heppenheim vorbeischauen wollte. Doch der verzögerte sich, sodass Lambrecht leider ihren Besuch wegen folgender Termine absagen musste, wie Franz Hartmann später bedauernd verkündete.

 

Immer großer Andrang beim Schlachtfest des MGV

Die Messlatte liegt hoch: Im vergangenen Jahr zählte der MGV Sängerbund Unter-Schönmattenwag so viele Gäste wie noch nie bei seinem traditionellen Schlachtfest. Zwischen 15 und 20 Helfer aus den Sängerreihen hatten noch mehr knurrende Mägen als sonst zu stopfen. Der Verein kann dabei auf den guten Hunger nicht nur der Einwohnerschaft aus „Owwer-„ und „Unner-“, also den beiden Schimmeldewäer Ortsteilen, sondern auch der Gäste von weiter her zählen.

Die Kerngemeinde Wald-Michelbach, Heddesbach, Eiterbach, Aschbach, Wahlen, Heidelberg und Langenthal sind ebenso Einzugsgebiet für die Liebhaber deftiger Ourewäller Küche. Die knapp 170 Plätze im Sängerheim an der Hauptstraße Süd sind nach dem Worten des Vorsitzenden Christian Jöst immer „ruckzuck belegt“, wenn sich um 18 Uhr die Pforten öffnen. Am Samstag, 1. Februar, ist es wieder soweit, dann geht das Beste aus Küche und Keller über die Theke.

Odenwälder Wurstsuppe, Wellfleisch mit Sauerkraut, hausgemachte Würstchen sowie Schwarze Brie und Erbsenbrei sind die Bestandteile des reichhaltigen Büffets, an dem sich jeder Gast nach Herzenslust bedienen kann. Wem das zu üppig ist, für den gibt es als „abgepeckte“ Alternative Bratwurst mit Sauerkraut. Für die Zubereitung des selbstgemachten Erbsenbreis stellen sich die Aktiven des MGV im Vorfeld selbst in die Küche.

Adelheid Ehret ist hier an vorderster Front zuständig. Bei jedem Schlachtfest sind es immer um die zehn Kilo Erbsen, die von ihr flüssig gemacht werden. Zusammen mit Edeltraut Abelshauser und Erna Schmitt bildet sie das Urgestein-Dreigestirn in der Küche, für das kein Handgriff zum Wohl der Gäste zu viel ist. Jöst lobt das große ehrenamtliche Engagement aus den Vereinsreihen, ohne das eine solche Veranstaltung gar nicht möglich wäre. Der Rest des Essens wird wie jedes Jahr vom örtlichen Metzger Dingeldein bezogen, der für seine gute Qualität bekannt ist.

Um das deftige Essen zu genießen, muss man allerdings nicht zwingend im Sängerheim Platz nehmen. Es ist auch ein Verkauf außer Haus oder neudeutsch „to go“ möglich. „Seit Beginn wurde das Schlachtfest immer sehr gut angenommen“, freut sich die zweite Vorsitzende Anette Wiegel über die schöne Resonanz auf diesen Start ins prall gefüllte Veranstaltungsjahr des Vereins.

Info: Platzreservierung ist bei Hans Ehret, Telefon 06207/1694, möglich.

„Flower Power Men“ bringen die Musik der 60er Jahre ins Bensheimer Rex

Gleich mit dem ersten Song haben die beiden ihr Publikum fest im Griff. Da entführen die „Flower Power Men“ im Rex nach „San Francisco“ und bringen mit sattem Sound das Lebensgefühl der 60er Jahre nach Deutschland. Rainer Schindler und Adax Dörsam können bei ihrer Zeitreise auf ihre begeisterten Passagiere zählen, die das Duo bereits bejubeln, ohne dass es überhaupt einen Ton gespielt hat.

Davon gibt es dann mehr als genug. Weit über zwei Stunden bieten der Mainzer und der Mörlenbacher die bekanntesten Hits aus einem Jahrzehnt, sodass gerade die Älteren selig in Erinnerungen schwelgen und die (wenigen) Jüngeren eintauchen in Musik ohne Schnörkel und Schnickschnack, die pur und ungefiltert aus den Boxen kommt.

Rainer Schindler lebt die 60er. Enthusiastisch lässt er die Besucher an den Zeitläuften teilhaben, flechtet eigene Erinnerungen mit ein, stellt die großen Zusammenhänge heraus. Die verschiedenen Stellwände legen ein beredtes Zeugnis davon ab, welcher Umbruch sich in diesen doch wenigen Jahren ereignete. Mauerbau und Mondlandung sind nur zwei davon. Von den Beatles über die Stones bis hin zu Deep Purple wandelte sich die Musik grundlegend.

Anders ist an diesem Abend auch der Saalaufbau. Vor der Bühne stehen viele Biertischgarnituren, sicher dem Alter der meisten Besucher geschuldet. Stehtische weiter hinten runden die gemütliche Atmosphäre ab, die so gar nichts mit dem „normalen“ Rockkonzert zu tun hat. Auf der Bühne rocken die „Flower Power Men“ allerdings kräftig los.

Sind zuerst die Beatles mit einem großen Medley dran, so widmen sich Schindler und Dörsam zur Freude der Fans danach ausgiebig den Stones, um danach Pink Floyds Klassiker „Wish you were here“ zu zelebrieren. Das alles wohlgemerkt immer nur als Duo mit zwei Gitarren und zwei Stimmen.

Mastermind hinter dem Projekt ist Rainer Schindler, der hier seinen Traum lebt. Er und Dörsam kennen sich bereits seit über 35 Jahren, hatten früher bereits ein gemeinsames Projekt, das dann aber aufgrund anderweitiger Verpflichtungen nicht weitergeführt werden konnte, erzählt der Odenwälder. 2006 passte es aber dann und die Geburtsstunde der „Flower Power Men“ mit dem „e“ schlug. Als einzelner „Man“ ist Schindler darüber hinaus auch noch unterwegs.

Inzwischen ist die Reminiszenz an die 60er Jahre für Dörsam mit 40 Auftritten im Jahr ein wesentlicher Teil seines breiten musikalischen Spektrums geworden. 150 Mal steht er ungefähr jährlich auf der Bühne, schätzt der Tausendsassa. Das reicht dann von „3D“ (für drei Dörsams) mit seinen beiden Brüdern im Klassik-Gerne bis hin zur Unterstützung von Alex Auers „Detroit Blackbirds“, die in Richtung (Hard-)Rock gehen.

„Eloise“ von Paul Ryan nennt Adax Dörsam als Initialzündung für sein musikalisches Schaffen. „Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich es spiele.“ Die Mischung aus Klassik und Rock mit „riesen Range“ ist eigentlich für zwei Leute nicht machbar. „Aber wir haben das super umgesetzt“, schmunzelt er. Wie überhaupt etliche Songs ein ganz eigenes Arrangement bekommen haben.

„Eigentlich bin ich nicht der Covertyp“, bekennt der Mörlenbacher. Mit der Krautrockband „Goldfink“ sammelte er in den 70ern erste musikalische Erfahrungen. „Ton, Steine, Scherben“, nennt er als damalige Vorbilder. Mit Schindler zusammen „kann ich jetzt die Stücke spielen, mit denen ich aufgewachsen bin“, freut er sich. Und nicht nur er. Als Stones-Fan, dem die Beatles „zu soft“ waren, eifert er kräftig Keith Richards nach.

Bee Gees, Beach Boys, Bob Marley: Die beiden haben erkennbar viel Spaß an der Sache. Der Fundus des Duos ist schier unerschöpflich. „Wir haben mehrere hundert Stücke im Repertoire“, lacht Dörsam. Da kann es dann auch mal passieren, dass die Setliste kurzerhand über den Haufen geworfen wird. Mit Echo und Delays wird aus zwei Musikern eine ganze Band. Den Fans im gut gefüllten Rex gefällt’s ohne Ende, wie der begeisterte Beifall zeigt.            (Foto: Rex Bensheim)

Haushaltsausgleich nur durch Grundsteuer-Erhöhung

Nur durch die bereits beschlossene Erhöhung der Grundsteuer B war es möglich, einen  Haushaltsplanentwurf 2020 vorzulegen, in dem das ordentliche Ergebnis mit einem Überschuss abschließt, betonte Abtsteinachs Bürgermeisterin Angelika Beckenbach bei der Einbringung des Zahlenwerks in die Gemeindevertretung. Alle gesetzlichen Anforderungen zur Sicherstellung der finanziellen Leistungsfähigkeit der Kommune werden erfüllt, betonte sie.

Bei gerundeten Erträgen von 6,01 Millionen Euro und Aufwendungen von 5,9 Millionen sieht der Entwurf aktuell einen Überschuss von 22.000 Euro im ordentlichen Ergebnis vor. Außerordentlich rechnet man mit 72.000 Euro, was dann zusammen 94.000 ergibt. Im Finanzhaushalt klafft ein ziemliches Loch bei den Investitionen. Um die, geplant in einer Höhe von 7,43 Millionen, zu schultern, müssen Kredite von 5,8 Millionen Euro aufgenommen werden. Die Grundsteuer A liegt bei 400, die Grundsteuer B bei 503 und die Gewerbesteuer bei 400 Prozent.

Die ordentlichen Ergebnisse der mittelfristigen Ergebnisplanung 2021 bis 2023 sind laut Bürgermeisterin ebenfalls im Plus. Die ordentlichen Kredittilgungen können aus der laufenden Verwaltungstätigkeit finanziert werden. Zur Sicherstellung der stetigen Zahlungsfähigkeit ist der Aufbau eines Liquiditätspuffers möglich. Der Jahresabschluss 2018 ist nicht nur aufgestellt, sondern auch bereits geprüft, erläuterte sie.

Beckenbach legte aber auch den Finger in die Wunde. „Leider reichen alle Sparbemühungen nicht aus, um mit den vorhandenen Finanzmitteln die ständig steigenden Anforderungen sowie gesetzlichen Auflagen und Verpflichtungen pflichtgemäß zu erfüllen“, sagte sie. Die kommen von oberen Behörden, sprich EU, Bund und Land, „unabhängig davon, wie groß die Kommune ist“.

Neue erweiterte Datenschutz- und Cybersicherheitsanforderungen, Onlinezugangsgesetz, strengere Grenzwerte bei der Abwassereinleitung aus der Kläranlage, Eigenkontrollverordnung der Abwasserkanäle, Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, Freistellung von Kindergarten-gebühren und ein erhöhter Personalschlüssel in der Kinderbetreuung sind dem Gemeindeoberhaupt zufolge nur einige Beispiele.

Natürlich sind diese Auflagen und Verpflichtungen gerade im Hinblick auf den Klima- und Umweltschutz, die Familienunterstützung, die Sicherheit und die Bürgerfreundlichkeit wichtig, richtig und daher auch nachvollziehbar, stellte Beckenbach klar. „Aber mit den vorhandenen Finanzmitteln der Gemeinde nicht dauerhaft finanzierbar“, sieht sie die Kommune im Regen stehen gelassen.

Finanzielle Unterstützungen und Förderprogramme fehlen in vielen Bereichen, bedauerte die Rathauschefin, „sind nicht auskömmlich kalkuliert und nicht vorhanden“. Aufgrund des sehr guten Gewerbesteueraufkommens können sie außerdem von Abtsteinach nicht oder nur in einem Mindestmaß in Anspruch genommen werden.

Unterm Strich bedeutet dies also, „dass dieses Plus an Sicherheit und Service von uns allen zu zahlen ist“, sagte sie. Verwaltung, Gemeindevorstand und -vertretung müssen dafür sorgen, dass mit den Steuern, Gebühren und Abgaben die Finanzmittel für diese Pflichtaufgaben auch zur Verfügung stehen – und nicht die Gesetzgeber. „Wir stehen damit bei Steuer- und Gebührenerhöhungen in der Kritik, ohne oftmals überhaupt einen direkten Einfluss oder Handlungsspielraum zu besitzen“, kritisierte Beckenbach.

Die Vorlage eines ausgeglichenen Entwurfs „erleichtert natürlich die Haushaltsberatungen“, freute sie sich. Aber um die großen Anforderungen, insbesondere die Pflichtaufgaben und gesetzlichen Mehranforderungen, auch in den kommenden Jahren finanziell stemmen zu können, „bedarf es eiserner Aufgaben- und Ausgabendisziplin“, betonte Beckenbach. Dazu kommt die stetige Forderung nach einer besseren Finanzausstattung für die Kommunen.                 tom

 

Größte Ausgabenposten Abtsteinachs

2,3 Millionen Euro: Finanz- und Umlageverpflichtungen (insbesondere Kreis- und Schulumlage, Gewerbesteuerumlage)

531.000 Euro: Abwasserbeseitigung

520.000 Euro: Kinderbetreuung

495.000 Euro: Wasserversorgung

459.000 Euro: allgemeine Verwaltung, Bauhof und Gremien

356.000 Euro: Gemeindestraßen

353.000 Euro: Grünanlagen, Spiel- und Sportstätten

327.000 Euro: Bauangelegenheiten und gemeindeeigene Liegenschaften

188.000 Euro: Öffentliche Sicherheit und Ordnung

169.000 Euro: freiwillige Leistungen (Vereinsförderung, Draisine, ZKÜ, Veranstaltungen)

Marius Steinmann kehrt zum TSV zurück

Nach dem Aufstieg „sind wir mittlerweile respektabel in der Liga angekommen“, freut sich TSV-Trainer Ronny Sauer. „Ich habe vernommen, dass wir mittlerweile von den Gegnern ernst genommen werden“, schmunzelt er. Mit den bisher erzielten Punkten in der Fußball-Kreisklasse B zeigt er sich zum Jahreswechsel zufrieden. Der TSV Gras-Ellenbach hat sich schon ein kleines Polster nach hinten erarbeitet und ist somit dem Ziel Klassenerhalt näher gekommen.

Doch genug des Lobes: „Mit den sportlichen Auftritten und dem Spielstil war ich jedoch zu selten zufrieden“, meint der Coach. Er vermutet, dass der Respekt vor der Klasse am Anfang zu groß war. Positionen wurden oft nicht ein- und die Bälle zu lange gehalten, wodurch das Spiel lahmte. „Es wurde zu viel gekickt und weniger Fußball gespielt.“ Dass es die Mannschaft mehr kann, hat sie in den Begegnungen gegen Rodau (2:0 – zu dem Zeitpunkt ungeschlagener Tabellenführer), in Weiher (1:1), Affolterbach (6:1), Rimbach (5:1) und Fürth (6:1) gezeigt.

Sauer erwartet und hofft, dass die Spieler gut vorbereitet ins erste Training kommen und sie wieder die Lust packt, sich fußballerisch weiterzuentwickeln. Generell „muss ich der Mannschaft aber auch ein Kompliment aussprechen“, will der Trainer nicht zu viel Kritik üben. Bereits am Anfang wurde sie stark zurückgeworfen und musste in der Hinserie immer wieder mit harten Rückschlägen kämpfen.

So kämpfte Kapitän Domenik Schäfer die ersten Wochen mit hartnäckigen Rückenproblemen. Julius Klute, der neue Mittelfeldmotor, verletzte sich am Knie und konnte noch kein Spiel machen. Markus Kunkel (mit 40 Treffern vergangene Saison unverzichtbar) konnte in der Hinserie nur zwei Begegnungen absolvieren. Mittelfeldabräumer Alex Gavrila fehlte nach einer unberechtigten roten Karte mehrere Wochen.

Florian Staier, letztes Jahr bester Torschütze, fiel mit Knieproblemen acht Wochen aus. Björn Scheuermann zog nach Frankfurt und konnte seither nicht mehr trainieren. Hinzu kamen viele Verletzte sowie Schichtarbeiter Woche für Woche. „Wir konnten kein Spiel mit der gleichen Mannschaft beginnen“, bringt es Sauer auf den Punkt. „Es war klar, dass wir hierdurch nicht ganz in den Rhythmus kamen und unser Ballbesitzspiel nicht im gewohnten Stil forcieren konnten.“ Dafür hat es die Mannschaft aber sehr gut gemacht, lobt er. Die Tabellenkonstellation spricht da eine klare Sprache.

Als Sauer vier Jahren in Gras-Ellenbach antrat, hatte er einen Wunsch und ein Ziel: „Gras-Ellenbacher sollen in Gras-Ellenbach spielen.“ Genau dieses Ziel verfolgt er hartnäckig und ist froh, „dass sich immer mehr für diesen Weg entscheiden“. Im letzten Saisonspiel gegen Türkspor standen sieben Gras-Ellenbacher in der Startelf, zwei weitere saßen auf der Bank, zwei andere waren nicht im Kader, erläutert er.

Mit Marius Steinmann kommt nun noch ein Urgestein wieder zu seinem Stammverein zurück. Der Wahl-Mannheimer hat gemerkt, was ihm fehlt und bricht nach eineinhalb Jahren beim SC Käfertal seine Zelte dort ab, „um wieder bei uns zu sein“, ist der Coach erfreut. Seine Dynamik und seine Führungsqualitäten „werden unserem Spiel gut tun und machen uns offensiv sowie defensiv nochmal unberechenbarer“.

Zusätzlich konnte der TSV das 18-jährige Talent Nikolas Helm für sich gewinnen. Der kommt ebenfalls aus Gras-Ellenbach und könnte noch A-Jugend beim SV Fürth spielen. „Er hat sich trotzdem für uns entschieden und ist bereits jetzt schon super integriert“, sagt der Trainer. Er wird sicher noch etwas brauchen, um sich den Spielstil anzueignen und körperlich mitzuhalten. „Seine Ansätze sind jedoch stark“, hat er beobachtet. Er ist genau der Spieler, den der TSV für sein Spiel braucht: schnell, ballsicher und lernwillig. Abgänge sind nach derzeitigem Stand keine zu verzeichnen, hebt der Coach die Verbundenheit mit Gras-Ellenbach hervor.

Der Verein, Co-Trainer Robert Ulrich und Sauer selbst waren in sehr guten Gesprächen mit Blick auf die kommende Saison, erzählt er. Der TSV versucht sich stets weiterzuentwickeln und dementsprechend sind auch das Ansehen und die Wertschätzung im und um den Verein immer weiter gewachsen. „Robert und ich wie auch meine Familie fühlen uns beim TSV sehr wohl, weshalb wir auch in das fünfte Jahr als Trainergespann gehen werden“, ist ein weiteres Arbeiten Sauers für den Verein bereits in trockenen Tüchern.

Ende Januar startet bereits die Vorbereitung. Dann gibt es zusätzlich zum Training stolze sieben Freundschaftsspiele, bis sich der TSV im Rundenauftakt am 8. März mit dem anderen Aufsteiger SG Hüttenfeld misst.

Lobpreisung Gottes mal ganz anders

Während draußen Zähneklappern angesagt war, brachte Elisha Mbukwa in der evangelischen Kirche Hammelbach Wärme in die Herzen der Konzertbesucher. Die saßen dichtgedrängt im Kirchenschiff, um dem Musiker aus Tansania zu lauschen. Der hatte zwei Kollegen aus seinem afrikanischen Heimatland mitgebracht und sich dazu noch Unterstützung aus der Region geholt.

Mbukwas Songs, auf Englisch und Suaheli vorgetragen, haben ein zentrales Thema: die Lobpreisung Gottes und das Vertrauen auf seine Taten. Er wird alles richten. Simone Spielmann, Leiterin des Rimbacher Jugendchores, transportierte die Gedanken des afrikanischen Musikers nach Deutschland. Für den Ton war in der Kirche Stephan Lauterbach verantwortlich, für das Licht Lukas Spielmann.

„Gott wird es tun“, hieß es zu Beginn von der Band. „Er ist der mächtigste“, betonte Elisha Mbukwa. Begleitet wurde er von einem der besten Drummer Tansanias, Amigo Johnson. Dazu kam Dennis Hezron am Bass, der kurzfristig sein Instrument mit Conny Krell getauscht hatte. Denn eigentlich ist er Keyboarder und ebenfalls Mitglied im Efatha-Gospelchor. Die drei waren als dessen Mitglieder schon vor zwei Jahren bereits beim gemeinsamen Weihnachtskonzert dabei.

Aktuell wirkte das Trio ebenfalls beim Weihnachtskonzert des Rimbacher Gospelchors mit. Der revanchierte sich und füllte bei einem Song den Altarraum bis auf den letzten Platz. Denn dort hatten bereits Mitglieder des Jugendgospelchores und des Jugendchores der Jugendmusikschule aus Rimbach Aufstellung genommen, die sich für mehrere Konzerte in der Region zusammengeschlossen und gemeinsam mit Mbukwa die Lieder erarbeitet hatten.

Der ist in der Region kein Unbekannter. 2015 und 2017 war er gemeinsam mit dem Efatha-Gospelchor aus Dar Es Salaam in Deutschland. Mbukwa hat gerade seine erste Live-DVD veröffentlicht und sich damit in seinem Heimatland einige Bekanntheit erarbeitet. Der Song „Lina nguvu“ wurde bei Youtube mittlerweile 163.000 Mal angeklickt – und das in nur vier Monaten. Natürlich gab es ihn ebenfalls im Überwald zu hören.

„Atafanya“, mit afrikanisch angehauchten Klängen auf dem Keyboard angestimmt, bringt die Glaubenswelt des Musikers nach Hammelbach. Wie man es aus den Gospelgottesdiensten in den USA kennt, werden alle miteinbezogen. Bange machen gilt nicht, Mitklatschen und Mitsingen sind Pflicht. Mbukwa tut sein Bestes, damit die Zuschauer auftauen.

Die sich abwechselnden „Halleluja“ und „Amen“, von den Jugendlichen sehr eindrucksvoll vorgetragen, tragen ihren Teil dazu bei, dass langsam die Glieder lockerer werden und immer mehr Bewegung in die Besucher kommt. Denn die Lieder des Tansaniers klingen frisch. Seine Texte sind spirituell-eindrucksvoll. Mit seiner offenen Art kann man gar nicht anders als seiner Einladung auf Mitwirkung folgen.

Vervollständigt wird die Truppe durch Andreas Berndt an der Gitarre. Der lässt das eine oder andere Mal mit einem Solo aufhorchen. Wäre da nicht der Text, könnte vorn genauso gut eine Popband stehen, die sehr flotte Melodien im Gepäck hat. Die eingängigen Songs und die wechselnde Rhythmik werden durch die Einsätze der Jugendlichen stark aufgewertet.

„Your Name ist powerful“ heißt es etwa. Gott hat solche Kraft, dass darüber die Größe des Problems in den Hintergrund tritt. Flotte Pianoklänge lassen Elisha Mbukwa sogar vorn ein Tänzchen wagen, allerdings traut sich sonst niemand, es ihm nachzutun. Seinen Dank äußert der Mann aus Tansania musikalisch, dass Gott seinen Sohn auf die Erde gelassen hat, um sein Werk zu vollenden.

In nur sechs Wochen schafften sich die jugendlichen Sänger die Lieder drauf, erzählte Simone Spielmann. Die teilweise spontane Improvisation des afrikanischen Trios „ist eine große Herausforderung für sie“, schmunzelte die Leiterin. „We celebrate“ ist danach ein eindrucksvoller Beweis, dass das Ergebnis sehr hörenswert ist. Der Popsong in christlichem Gewand mit Gitarren-Solo geht ins Ohr. Da passte die Bitte um spirituellen und materiellen Segen, dargeboten mit dem Rimbacher Gospelchor, perfekt.