Viele werden nicht mehr lange durchhalten

„Die Firmen halte nicht mehr lang durch.“ Igena-Geschäftsführer Steffen Reinsch sieht „massive Probleme“ nicht nur auf die im Industriepark Wald-Michelbach beheimateten Unternehmen zukommen, sollte nicht bald das gewohnte wirtschaftliche Leben zurückkehren. Er sieht manche Firmen „im Überlebenskampf“, zwei Betriebe mussten leider schon zumachen. Seiner Meinung nach „fehlen intelligente Lösungen“, damit das Leben auch mit dem Coronaviurus weitergehen kann, ohne alles zuzumachen.

Im ersten Lockdown des vergangenen Frühjahrs war die Stimmung noch optimistisch, dass es danach wieder schnell aufwärts geht. Weil sich der jetzige Stillstand schon so lange hinzieht, werden die Schwierigkeiten immer größer, berichtet Reinsch. Trotz Kurzarbeit und staatlicher Hilfe „werden viele nicht mehr lange durchhalten“, sieht er dringenden Handlungsbedarf. Sonst droht eine Insolvenzwelle. Vor allem die Schließung von Baumärkten und Gastronomie macht zu schaffen, da diese Segmente für einige sehr wichtig sind.

Dem Igena-Geschäftsführer stoßen die uneinheitlichen Regelungen sauer auf. „Es geht nicht, dass in einem Bundesland die Baumärkte aufmachen, im anderen nicht“, kritisiert er. Nicht nur die Verbraucher, auch viele Firmen sind dadurch verunsichert. Seiner Ansicht nach muss eine einheitliche Linie her. Ein Lockdown „kann drei Wochen dauern, aber nicht drei Monate“, betont er.

Auch wenn er nach wie vor eine (abgeschwächte) positive Stimmung erkennen kann, „sind viele nicht mehr von der Regierungsarbeit überzeugt“, erklärt Reinsch. Autozulieferer, Maschinenbaubranche und selbst Hersteller medizinischer Geräte (weil planbare Operationen verschoben werden) gehen so langsam in die Knie.

Ein paar jedoch haben es bisher unbeschadet durch die Krise geschafft, stellt Reinsch fest. Dazu gehört etwa die Firma Somaritec. Die erkannte die Zeichen der Zeit und stellt auf einer hochmodernen Maschine FFP2-Masken her. Der Igena-Chef wertet es als sehr lobenswert, dass in Deutschland produziert wird und dadurch Arbeitsplatze geschaffen werden.

Auch an der Igena geht die Entwicklung nicht spurlos vorüber, erläutert der Geschäftsführer. Bedingt durch die Schulschließung verkaufte man weniger Wärme, weil diese Gebäude ans Holzhackschnitzelnetz angeschlossen sind. Vor diesem Hintergrund wurde das anstehende Maßnahmenprogramm der technischen und energetischen Sanierung im Industriepark neu überdacht, schildert er.

Trotzdem, betont Reinsch, gab es 2020 wieder ein positives Betriebsergebnis. Auch die Entwicklungskurve zeigt weiter nach oben. In diesem Jahr will man am Sanierungsprogramm festhalten, verdeutlichte er. Das sieht Modernisierungen von Heizung und LED-Beleuchtung vor. Im vergangenen Jahr steckte man eine Million Euro in die Sanierung, erzählt der Geschäftsführer.

Trotz der Pandemie geht die Entwicklung weiter: Reinsch sieht einen „flexiblen Prozess“. Es stehen immer genug freie Mietflächen zur Verfügung, versichert er. Selbst jetzt gibt es neue Mietinteressenten. Allerdings wurde es schwieriger, den Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen nachzukommen. Er macht das etwa an der Hackschnitzelanlage fest. Hier arbeitet man mit einer Firma aus Österreich zusammen, deren Mitarbeiter teilweise nicht reisen durften. Der Geschäftsführer weiß von anderen Betrieben, die damit auch ihre liebe Not haben. Unter anderem gibt es Probleme durch Einschränkungen des Warenverkehrs.

Die Igena kann jedoch auf ihren treuen Mieter zählen, freut sich Reinsch. Die Firma KDS von Klaus Knöll ist praktisch seit Anfang an dabei. Auch die Schreinerei Hans Schmitt zählt zu den alten Hasen. Alle haben sie klein angefangen und sind im Laufe der Zeit stetig gewachsen. Das war immer problemlos möglich, da auf dem kurzen Dienstweg zusätzliche Fläche gemietet werden konnte.

Die große Verunsicherung trägt laut dem Geschäftsführer dazu bei, dass mit Investitionen gewartet wird. Eine Öffnung der Geschäfte – auch unter strengen Auflagen – ist deshalb für Reinsch „ganz wichtig“, um die Industrie wieder anzukurbeln. Denn die Bremsspuren sind derzeit überdeutlich zu erkennen. Viele zehren von den eigenen Rücklagen. „Es gilt Mittel und Wege zu finden, wieder zu starten“, hebt er hervor. „Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben“, so Reinsch.

Er sieht es als falsch an, nur auf die reinen Inzidenzzahlen zu schauen. Auch andere Kriterien wie die Belegung der Intensivbetten sollten Beachtung finden. Und: „Getroffene Aussagen müssen verlässlich sein.“ 50, 35, zehn: Dieses Zahlenroulette trägt seiner Meinung nicht zur Vertrauensbildung bei. Reinsch kann es nicht verstehen, dass ein hochentwickeltes Land wie Deutschland bei der Pandemie-Bekämpfung so hinterherhinkt.                                   

Igena in Zahlen:

Gründung: 2009

Mieter: derzeit 37 Firmen mit circa 150 Mitarbeitern

Fläche: 28.000 Quadratmeter

Auslastung: 80 bis 85 Prozent