Reden, reden, reden und nichts verdrängen

Wald-Michelbach. Die viele Zeit, die wir derzeit zur Verfügung haben, kann ein Vorteil wie auch ein Nachteil sein, sagt der systemische Coach Daniel Pfeifer. Sein Tipp, um durch die Corona-Pandemie zu kommen: reden, reden, reden, nichts verdrängen. „Im Dialog gewinnen wir an Akzeptanz und Verständnis“, sagt der Wald-Michelbacher. Mit dem „359° Personalbook“ hat er gerade ein Selbstcoaching und Jahreskalender herausgebracht.

Herr Pfeifer, Sie sagen: „Es geht nicht darum, was im Leben passiert, sondern wie ich darauf reagiere.“ Aktuell passiert viel – oder auch nichts mehr, je nachdem, wie man es sieht. Was raten Sie den Menschen, die Sie in der Corona-Pandemie um Rat fragen, wie sie auf die Monotonie reagieren sollen?

Daniel Pfeifer: Die derzeitige Phase ist für uns alle herausfordernd und kann massiv belasten. Ich kann die aktuelle Hilflosigkeit und die Ängste absolut verstehen, insbesondere, weil es vielen an Perspektive fehlt. Die Zeit scheint stillzustehen und keiner weiß – stand heute –, wann wir wieder zur Normalität übergehen können. Was für mich entscheidend ist, ist die Zeit, die wir nun deutlich mehr zur Verfügung haben. Sie kann ein Vorteil wie auch ein Nachteil sein. Auf einmal haben wir Zeit, uns viel mehr mit uns selbst, unseren Gedanken, Ängsten und Sorgen zu beschäftigen. Doch wahrscheinlich gab es schon immer Sorgen und Ängste. Oft haben wir sie verdrängt oder sind zu schnell zur Tagesordnung übergegangen. Nun werden wir sozusagen gezwungen, uns mehr mit unseren (unserem) Leben auseinander zu setzen. Entscheidend ist nun der Blickwinkel auf das eigene Leben. Es gibt eben meist zwei Seiten der Medaille: Es passiert gerade viel und öffnet neue Möglichkeiten oder es passiert nichts mehr und ich bleibe im Problemdenken haften. Mir ist bewusst, dass ich eine allgemeine Konstruktion damit abbilde. Und gleichzeitig zeigt sie sehr deutlich, wie wir unser Leben betrachten. Daher sage ich: Es geht nicht darum, was im Leben passiert, sondern wie ich darauf reagiere. Finde ich also Lösungen und versuche aus der Situation das Beste zu machen oder bleibe ich pessimistisch? Raten Sie mal, wer besser fährt.

Neue Perspektiven finden, die Hoffnung nicht aufgeben: Wie kann man motiviert bleiben, nicht in Depressionen abrutschen, obwohl das normale Leben seit fast einem Jahr nicht stattfindet?

Pfeifer: Reden, reden, reden. Suchen sie sich eine Vertrauensperson oder einen Coach und teilen sie alle Sorgen und Ängste. Verdrängen sie nichts. Es geht vielen da draußen genauso, wie Ihnen und mir. Im besten Fall werden gemeinsam neue Ressourcen gebildet, das kann für eine Entlastung sorgen. Nochmal entscheidend ist der Blickwinkel: Sehe ich schwarz oder eine Chance in der Krise? Wussten Sie, dass das chinesische Wort für Krise zur Hälfte aus dem Schriftzeichen Chance besteht?

„Du bist der Macher deines Lebens“ sagen Sie weiterhin: Was ist zu tun, wenn sich jemand – nicht nur aktuell – in einer Lebenskrise befindet? Wie zieht man sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf?

Pfeifer: Ein erster wichtiger Schritt ist es, aktiv etwas verändern zu wollen. Die Selbsterkenntnis ist der Schlüssel aus der Krise heraus. Mir ist bewusst, dass das viel zu einfach klingt, doch welche Wahl haben wir? Die meisten bleiben viel zu stark im Problem haften und lassen sich nicht helfen. Wenn ich keinen Ausweg finde, dann suche ich mir Unterstützung. Oft ist es ein innerer Antreiber oder Glaubenssätze, die uns aufhalten, etwas zu verändern. Die Dynamiken gilt es zu verstehen und die Blockaden zu lösen. In den Gesprächen mit meinen Klienten versuche ich immer zu vermitteln, dass jeder Mensch seine Ressourcen und Kompetenzen bereits in sich trägt. Durch gezielte Fragen reflektiert der Klient seine Situation aus einer anderen Perspektive und findet neue Anregungen. Es geht immer darum, ob ich aktiv etwas verändern will oder in meiner Lebenskrise keinen Ausweg finde bzw. finden möchte. Es gibt immer eine Lösung, sonst wäre es kein Problem.

Wie gehen Sie selbst mit dem Lockdown um?

Pfeifer: Ich habe im November meinen Job betriebsbedingt durch Corona verloren und versuche seitdem, mein eigenes Coaching-Programm „Ganz MANN sein – Lebe alle Facetten deiner Persönlichkeit – Werde authentisch & frei“ zu positionieren. Glauben Sie mir, auch ich habe manchmal Existenzängste und viele Sorgen. Jedoch habe ich mir neue Ressourcen aufgebaut und kann heute viel mehr nach vorne schauen, sofern ich es selbst in den Händen habe. Ich nutze die Zeit, die ich vorher nicht hatte, um mich persönlich weiterzuentwickeln. Die Zeit intensiv mit mir allein zu verbringen, war herausfordernd und gleichzeitig ein Gewinn, weil ich einiges heute anders betrachte und neue Erkenntnisse zu meiner Persönlichkeit gewonnen habe. Ich vermute, dass viele damit ein Problem haben, alleine zu sein. Daher sage ich: Wenn wir etwas Positives aus dem Lockdown entnehmen können, ist es „die Zeit“, sich besser kennenzulernen und daraus neue Chancen zu sehen.

Was bewegte Sie 2018, Ihr Leben zu verändern?

Pfeifer: Eine Begegnung mit einer besonderen Frau. Sie hat mir im Grunde gezeigt und gesagt, dass ich nicht authentisch war. Dass ich einer Welt im Außen nachgehe und mich viel zu sehr angepasst habe. Insbesondere wir Männer neigen dazu, unsere Schwächen, Sorgen und Ängste immer noch zu unterdrücken, weil wir glauben, somit unmännlich zu wirken. Nur auf „cool“ zu machen funktioniert nicht mehr. Ich denke, dass sich auch hier eine markante Veränderung in Zukunft abzeichnen wird. Diese Lebenskrise war der Beginn meiner Veränderung. Ich hatte einfach keine Lust mehr, vor irgendetwas wegzulaufen und habe mich meinen Gefühlen und Emotionen gestellt. Danach habe ich völlig andere Dinge bewusst unternommen, um aus meiner Komfortzone zu kommen, den für mich passenden Weg zu finden sowie echt und frei zu werden. So war ich im buddhistischen Kloster und bin den Jakobsweg von Porto nach Santiago de Compostela gelaufen. Die Zeit war ungemein wertvoll und ich habe mich sozusagen neu und anders entdeckt. Es ist ein fortlaufender Prozess und dieser hat mich an meine Grenzen gebracht, welche letztendlich ungemein wichtig waren, um mich weiterzuentwickeln. Heute bin ich sehr stolz darauf und lebe alle Facetten meiner Persönlichkeit.

Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht, wie waren die Rückmeldungen, auch aus dem eigenen Umfeld?

Pfeifer: Meine Erfahrungen sind durchweg positiv und das Feedback aus meinem Bekannten- und Freundeskreis gleichermaßen. Natürlich verändern sich auch Freundschaften, weil es dem einen oder anderen vielleicht nicht passt, wie ich nun bin. Ich habe großen Spaß an meiner Arbeit mit Menschen und bin gerade dabei, meine Räumlichkeiten zu finden, um nach COVID-19 auch im 1:1-Beratungen offline begleiten zu können. Aktuell vermarkte ich mein Personalbook und Coaching-Programm ausschließlich über Instagram und Facebook. Das Feedback ist großartig und bestätigt mich in meinem weiteren Tun als Coach und Autor.

Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Pfeifer: Oh, ich habe viele Ziele und Wünsche. Es ist mein absoluter Wunsch und Ziel, mit meinem Coaching-Programm und Personalbook viele Menschen zu erreichen und zu begeistern, ihr Leben in die Hand zu nehmen und neue Wege zu gehen. Ich bin davon überzeugt, dass viele ihre wahre Persönlichkeit nicht leben oder kennen. Im Mai steht die nächste Weiterbildung an und es werden ganz sicher viele weitere folgen, um noch mehr Kenntnisse in der Persönlichkeitsentwicklung in Erfahrung zu bringen und diese für meine Klienten zu nutzen. Sobald möglich, möchten meine Tochter und ich den Jakobsweg gemeinsam gehen. Darauf freue ich mich insbesondere, weil es vor allem ein großer Wunsch meiner Tochter ist. Ferner bin ich gerade dabei, ein zweites Buch im Bereich Teamentwicklung zu schreiben. Und noch vieles mehr …

Was steckt hinter dem „359° Personalbook“ und welche Vorteile hat es für die Nutzer?

Pfeifer: Das „359° Personalbook“ ist Selbstcoaching und undatierter Jahreskalender in einem. Jeden Tag haben wir die Möglichkeit, die Perspektive auf unser Leben zu verändern. „Du bist der Macher deines Lebens“ kommt hier wieder ins Spiel. Denn nur du bist für deinen Blickwinkel verantwortlich. 359° ist dein ganzes Leben, deine Veränderung, deine Persönlichkeitsentwicklung. Das „EINE“ Grad macht den Unterschied. Entscheidend ist die Perspektive die wir einnehmen. 0 oder 360° ist im Grunde der gleiche Blickwinkel. Daher stelle ich die Hypothese auf, dass jeder eine größere Chance auf eine Veränderung hat, wenn wir eine Perspektive innerhalb 359° einnehmen. Also – dieses eine Grad kann den Unterschied auf Veränderungen machen. Nach vorne schauen, neue Wege finden ist das Eine. Gleichzeitig vergessen viele, was sie bereits alles in ihrem Leben erreicht haben. Diese und viele neue Ressourcen hervorzuholen und zukünftig für weitere Herausforderungen zu nutzen, ist das Andere. Das Personalbook hat innerhalb weniger Wochen fast 100 begeisterte Leser erreicht und die positiven Bewertungen machen mich sehr stolz.                             

Info: www.359grad.com/personalbook. Das Buch ist auch erhältlich über http://www.wasjetzt-odenwald.de oder http://www.amazon.de.